Januar 10th, 2017 by Silversurger

Als erste der verschiedenen Arten, einen Pitch zu werfen, stelle ich heute den 4-Seam-Fastball vor. Man nennt ihn auch 4-Seamer, Cross-Seam-Fastball oder Rising Fastball. Wie schon im Überblicksartikel letzte Woche erwähnt, ist der 4-Seamer der mit Abstand am häufigsten geworfene Pitch.

Der 4-Seamer lebt von hoher Geschwindigkeit bei möglichst geradliniger Flugbahn. Er wird vor allem dann eingesetzt, wenn das Ziel ein Strike ist, denn der Pitch ist für den Pitcher relativ gut kontrollierbar. Idealerweise führt er dazu, dass der Batter nicht rechtzeitig reagiert oder unter den Ball schwingt und diesen entweder verfehlt oder so schlecht trifft, dass ein einfaches Pop- oder Flyout herausspringt. Der Nachteil des 4-Seamers ist, dass er relativ anfällig für Homeruns ist.

Einen 4-Seam-Fastball greift man, indem man den hufeisenförmigen Teil der Naht nach außen (also weg vom Körper des Pitchers, zum Ringfinger der Wurfhand hin) zeigen lässt und Zeige- und Mittelfinger direkt auf der oberen Naht ruhen lässt. Der Daumen wird an der Unterseite des Balls platziert, er liegt nur an der Basis auf einer Naht und ansonsten auf dem Leder. Man hält den Ball nur mit den Fingern, nicht in der Handfläche. Der Arm schwingt beim 4-Seamer gestreckt von oben und wenn der Daumen den Ball loslässt, geben Zeige- und Mittelfinger ihm noch den Rückwärtsdrall mit, indem sie an der gegriffenen Naht nach unten rollen.

Griff eines 4-Seam-Fastballs1

Wie jeder Fastball dreht sich der 4-Seamer während des Fluges rückwärts, auf MLB-Niveau ungefähr 20- bis 40-mal pro Sekunde. Durch diesen Backspin in Verbindung mit der nur sehr geringfügig absinkenden Flugbahn, entsteht für den Batter mitunter der optische Eindruck, die Flugbahn wäre sogar ansteigend. Das ist dann der sogenannte Rising Fastball – wie gesagt nur ein optisches Phänomen, ein tatsächliches Ansteigen des von oben (overhand) geworfenen Balles ist physikalisch unmöglich.

Der schnellste 4-Seamer – und gleichzeitig der schnellste Pitch überhaupt –, der in der MLB gemessen wurde, stammte von Aroldis Chapman und war 105,1 mph schnell; das sind 169,14 km/h. Chapman steht mit dieser Leistung aus dem Jahr 2010 im Guinness Buch der Rekorde und er ist über die Jahre hinweg nicht langsamer geworden: 2016 stellte er seinen Rekord ein und die Liste der schnellsten Pitches dieser Saison ist so stark durch ihn dominiert, dass die Kollegen von Statcast freundlicherweise einen „Champman-Filter“-Button hinterlegt haben, damit man auch mal die Namen von ein paar anderen Flamethrowern sieht. Viel nützt das allerdings nicht, denn wenn man Chapman ausblendet, zeigt die Liste weiterhin fast ausschließlich einen einzigen Namen, nämlich Mauricio Cabrera von den Atlanta Braves. Chapman und Cabrera sind die einzigen Pitcher, die es 2016 auch im Durchschnitt all ihrer 4-Seamer auf über 100 Meilen pro Stunde brachten. Noch beeindruckender finde ich allerdings die Leistung von Noah Syndergaard: Er ist mit einem durchschnittlich 98,3 mph schnellen 4-Seamer der am härtesten werfende Starting Pitcher in der MLB – und somit der einzige, der dieses Niveau regelmäßig nicht nur über ein oder zwei Innings hält, sondern über sechs oder sieben.

Flugbahn eines 4-Seam-Fastballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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Januar 3rd, 2017 by Silversurger

Neues Jahr, neue Serie: Auf Anregung von Michael und Oli im Baseblog.de-Wunschkonzert werde ich mich in den kommenden Wochen mit den verschiedenen Arten beschäftigen, auf die man einen Pitch werfen kann.

Es gibt zig verschiedene Pitches, sofern man die diversen Unterarten und Varianten berücksichtigt. Wenn man ein bisschen zusammenfasst und sich auf die im modernen Baseball gebräuchlichsten Pitches konzentriert, kommt man auf die acht, denen ich mich in der Serie widme. Ein einzelner Pitcher beherrscht in aller Regel drei oder vier verschiedene Pitches. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den Pitches bestehen vor allem in der Geschwindigkeit des Balles sowie in der Form seiner Flugbahn. Das geht teilweise auch aus den Bezeichnungen der Pitches hervor, aber grundsätzlich richtet sich die Einordnung nicht nach Geschwindigkeit und Bahn der Bälle, sondern danach, auf welche Art sie gehalten und geworfen werden. Daher kommt es durchaus vor, dass der Fastball des einen Pitchers langsamer ist als der Changeup manch anderer Pitcher, aber es bleibt dennoch ein Fastball aufgrund der Wurfmethode.

Das Problem bei der Sache ist, dass man beim Zuschauen normalerweise nicht sieht, was genau der Pitcher mit dem Ball anstellt – klar, denn erstens will er das vor dem Gegner verbergen und zweitens passiert das Ganze verdammt schnell. Deswegen kann man oft nur raten, um welche Art von Pitch es sich jeweils handelt. Hilfreich sind dabei technische Hilfsmittel wie Radarmessung und Aufzeichnung der Flugbahn, vorhandenes Wissen über den Pitcher und dessen Repertoire sowie natürlich vor allem zwei geübte Augen.

Weit über die Hälfte der in der MLB-Saison 2016 geworfenen Pitches waren Fastballs – 56,7% laut Fangraphs, zu denen man die beiden getrennt erfassten Fastball-Varianten Cutter (5,7%) und Splitter (1,4%) noch hinzuzählen kann. Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Fastball um die in aller Regel schnellste Art, einen Pitch zu werfen. Ein Fastball wird immer mit Backspin, also mit Rückwärtsdrall geworfen. Dadurch verliert er nur langsam an Höhe und scheint mitunter sogar während des Fluges zu steigen, was allerdings eine optische Täuschung darstellt.

Der typischste und am häufigsten verwendete Fastball ist der 4-Seam-Fastball oder kurz: 4-Seamer. Andere Versionen des Fastballs sind der 2-Seam-Fastball, auch 2-Seamer oder Sinker genannt, sowie die beiden schon erwähnten Pitches Cutter und Splitter.

Der Curveball erklärt sich ebenfalls bereits durch den Namen. Er beschreibt eine gebogene Flugbahn, die dem Batter die Einschätzung erschwert, wo der Ball ankommt.

Der Slider gehört wie der Curveball zu den Breaking Balls, also zu den Bällen, die während des Fluges aus ihrer Bahn auszubrechen scheinen. Von der Geschwindigkeit und Flugbahn her ist der Slider zwischen Fastball und Curveball anzusiedeln.

Das Besondere am Changeup ist, dass er auf den ersten Blick wie ein Fastball aussieht, aber deutlich langsamer fliegt.

Der Knuckleball schließlich ist ein Pitch, den relativ wenige Pitcher im Repertoire haben. Diese Wenigen spezialisieren sich oft sehr stark auf den Knuckleball und werfen ihn fast ausschließlich. Ein Knuckleball weist fast keine Rotation auf, was zu einer kaum vorhersagbaren Flugbahn führt – das macht die Sache schwierig für den Batter, aber auch für den Catcher, den Umpire und nicht zuletzt für den Pitcher selbst.

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