Februar 9th, 2021 by Silversurger

Zehn Wochen Anlauf habe ich genommen, um die meiner Meinung nach größten Skandale der MLB-Geschichte herunterzuzählen. Platz eins wird kaum jemanden überraschen: Der traurigste, beschämendste und zugleich am längsten andauernde Skandal im professionellen Baseball ist die große und lange währende Rolle von rassistischer Diskriminierung.

Am 15. April 1947 hatte Jackie Robinson seinen ersten MLB-Einsatz für die Brooklyn Dodgers. Das war der Anfang vom Ende jahrezehntelanger Rassentrennung im Baseball. Dieses besonderen Moments wird jedes Jahr am 15. April gedacht: Alle Spieler, Coaches und sogar die Schiedsrichter tragen für einen Tag Jackie Robinsons Rückennummer 42 auf dem Trikot, die ansonsten in der gesamten Liga nicht mehr vergeben wird.

Robinson war übrigens nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues. Im 19. Jahrhundert waren einige dunkelhäutige Akteure zu Einsätzen gekommen, zum Beispiel William Edward White 1879 für die Providence Grays und 1884 die Brüder Fleetwood und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings. Nach 1884 war die Rassentrennung im Baseball für über 60 Jahre traurige Realität. In einigen Minor Leagues wurde der Einsatz farbiger Akteure ausdrücklich verboten, in der MLB berief man sich auf ein sogenanntes „Gentlemen’s Agreement“. Viele Spieler und Teams in der MLB drohten mit Streiks für den Fall, dass sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Cap Anson, First Baseman und Manager der Philadelphia Athletics und der Chicago White Stockings (später Chicago Colts), machte sich in dieser Hinsicht einen besonders unrühmlichen Namen.

Schwarze Baseballer konnten ihr Können in jener Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten „Negro Leagues“ zeigen. Die offizielle Anerkennung der in diesen Ligen vollbrachten Leistungen ließ sehr lange auf sich warten: Erst vor zwei Monaten, im Dezember 2020, gab die MLB bekannt, dass sieben „Negro Leagues“ der Jahre 1920 bis 1948 nachträglich als Major Leagues eingestuft werden. Das bedeutet, dass die 3.400 Spieler dieser Ligen mit all ihren Leistungen, Statistiken und Rekorden nun offiziell als Major Leaguer gelten. 

Nicht nur die viel zu späte Anerkennung der „Negro Leagues“ zeigt, dass Rassismus im Baseball keineswegs am 15. April 1947 schlagartig Geschichte war. Jackie Robinson und viele andere dunkelhäutige Spieler hatten noch über Jahre und Jahrzehnte mit offenen Anfeindungen durch Spieler, Funktionäre und Fans zu kämpfen. Der kürzlich verstorbene Hank Aaron musste dies vor allem 1973/74 erfahren, als er dabei war, den Homerun-Rekord von Babe Ruth zu brechen.

The Ruth chase should have been the greatest period of my life, and it was the worst. I couldn’t believe there was so much hatred in people. It’s something I’m still trying to get over, and maybe never will. (Hank Aaron) 

1987 kosteten rassistische Äußerungen den General Manager der Los Angeles Dodgers, Al Campanis, den Job. Ausgerechnet in einer Sendung zum 40. Jubiläum des Debüts seines ehemaligen Teamkameraden Jackie Robinson verriet Campanis krude Ansichten: zum Beispiel, dass vielen Schwarzen die „Voraussetzungen“ fehlten, Field Manager oder General Manager  zu sein, und dass sie schlechte Schwimmer seien, weil sie weniger Auftrieb hätten.

Ein noch erschreckenderes Beispiel dafür, dass Rassismus im Baseball auch lange nach 1947 noch eine Rolle spielte, bot Marge Schott, die Teameignerin der Cincinnati Reds von 1968 bis 1999. Schott leistete sich im kleinen Kreis regelmäßig beleidigende Ausfälle gegen Schwarze und Juden und verbot ihren Angestellten, Schwarze einzustellen. Nachdem sie 1996 öffentlich äußerte, Adolf Hitler sei am Anfang gut gewesen, bevor er „etwas zu weit gegangen“ sei, wurde sie von der MLB für zwei Jahre gesperrt und entschied sich anschließend zum Verkauf der Franchise.

Wo steht der Baseball heute in Bezug auf Rassismus? Das Glas ist halb voll, weil offen rassistische Äußerungen wie jene von Campanis und Schott eine absolute Seltenheit sind und auf konsequente Reaktionen stoßen; es ist halb leer, weil der Anteil von Dunkelhäutigen und sonstigen Angehörigen von Minderheiten in den Führungsebenen der Klubs immer noch unverhältnismäßig niedrig ist. Das Glas ist halb voll, weil zum Beispiel die Aktionen zur Unterstützung der „Black Lives Matter“-Bewegung im August 2020 gezeigt haben, dass die Spieler aller Hautfarben und Abstammungen bereit sind, gemeinsam starke Zeichen gegen Rassismus zu setzen; es ist halb leer, weil solche Zeichen offensichtlich immer noch nötig sind. Das Glas ist halb voll, weil auch subtilere und scheinbar „positiv gewendete“ Formen der Diskriminierung wie Logos und Teamnamen (z. B. der Cleveland Indians) in den Blick genommen und geändert werden; es ist halb leer, weil dieser ganze Prozess quälend lange dauert und immer noch von viel „wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und „war doch schon immer so“ begleitet wird.

Posted in MLB, Skandale Tagged with: , , , , , , , , , ,

Januar 28th, 2021 by Silversurger

Keine Woche ohne einen verstorbenen Hall of Famer – so sieht der Start in das lang ersehnte Jahr 2021 bisher leider aus. Diese Woche steht die Trauermeldung nicht am Ende, sondern am Anfang des Grand Slams, denn mit Hank Aaron ist einer der ganz Großen des Baseballs von uns gegangen.
Viel Zeit zum Innehalten bleibt leider nicht, denn der Countdown zur neuen Saison läuft und die MLB-Teams sind eifrig dabei, letzte Hand an ihre Kader zu legen. Den größten Deal landeten diese Woche die Phillies. Sie wurden sich mit J. T. Realmuto einig, dem Top-Free-Agent dieser Offseason nach meiner Rangliste vom November. 

Abschied von Hank Aaron
Die Baseballwelt trauert um einen der größten Slugger aller Zeiten: Henry „Hank“ Aaron ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Aaron schlug in seiner Karriere 755 Homeruns und war damit lange Rekordhalter, bevor ihn Barry Bonds im Jahr 2007 überholte. Angesichts der Rolle von Bonds in der Steroid-Ära gilt Aaron Vielen bis heute als der wahre Homerun-Champion der MLB-Geschichte. In seiner 23 Jahre langen Karriere mit den Milwaukee/Atlanta Braves und den Milwaukee Brewers wurde er 21-mal ins All-Star-Team berufen, gewann zwei Batting-Titel, drei Gold Gloves und die World Series 1957. Die Zeit seines größten Erfolges war für ihn zugleich die schwerste seines Lebens, denn das Übertreffen des Homerun-Rekords von Babe Ruth im Jahr 1974 wurde von massiven rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen begleitet. Aaron ertrug den blinden Hass mit Mut und Gelassenheit. Für seine Rolle als Vorbild und sein auch nach der Karriere fortgesetztes gesellschaftliches Engagement wurde er 2002 mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. Seit 1982 ist er Mitglied der Baseball Hall of Fame, in die er im ersten Jahr der Wählbarkeit mit 98% der Stimmen aufgenommen wurde.

Niemand in die Hall of Fame gewählt
Apropos Hall of Fame: Die diesjährige Wahl zur Aufnahme in die Ehrenhalle ist vorbei und zum ersten Mal seit 2013 erreichte niemand die nötige Mehrheit von 75% Zustimmung der 401 wahlberechtigten Baseball-Journalisten. 14 Wahlberechtigte gingen sogar so weit, einen leeren Wahlzettel abzugeben.
Die höchsten Werte erzielten Curt Schilling (71,1%), Barry Bonds (61,8%) und Roger Clemens (61,6%). Diese drei wären von ihren Karriereleistungen her eigentlich allesamt sichere Hall-of-Fame-Kandidaten, doch wegen Dopingvorwürfen und Charakterfragen wird ihnen schon seit neun Jahren regelmäßig die nötige Mehrheit verweigert. Nächstes Jahr stehen sie zum zehnten und letzten Mal auf dem Wahlschein – ihre letzte Chance wird vermutlich ihre beste sein, weil es einige der Wahlberechtigten wohl als ausreichenden Denkzettel ansehen werden, sie so lange wie möglich schmoren zu lassen und sie dann doch noch in die Halle zu wählen. Schilling hat auf dieses Spiel keine Lust mehr und bat in einem Brief darum, nächstes Mal nicht mehr zur Wahl gestellt zu werden. Voraussichtlich wird die Hall of Fame diesem Wunsch nicht entsprechen, da die Regeln eine freiwillige Aufgabe der Wählbarkeit nicht vorsehen.
Die Spieler, die dieses Jahr zum ersten Mal wählbar waren, galten bereits im Vorfeld als wenig aussichtsreiche Gruppe. Mark Buehrle erhielt von ihnen die meisten Stimmen, ist aber mit 11,0% weit von einer Berufung entfernt. Mit weniger als 5% der Stimmen sind Aramis Ramirez, LaTroy Hawkins, Barry Zito, A.J. Burnett, Michael Cuddyer, Dan Haren, Nick Swisher und Shane Victorino bei zukünftigen Wahlrunden nicht mehr dabei.

Saisonstart: Cactus League bittet um Verschiebung
Der Zeitplan bis zum Start der MLB-Saison am 1. April ist nach wie vor in Kraft, aber Verzögerungen durch Corona sind längst nicht vom Tisch. In einem Brief an Commissioner Rob Manfred hat nun die Cactus League – also der in Arizona basierte Teil der Spring-Training-Einrichtungen – darum gebeten, den Beginn des Spring Trainings zu verschieben. Als Grund werden die zurzeit hohen Infektionszahlen in Maricopa County angegeben.
Die Entscheidung über eine Verschiebung können die Cactus League und die MLB nur gemeinsam mit der Spielergewerkschaft MLBPA treffen. Die MLBPA hat derweil bereits sehr deutlich gemacht, dass sie einen späteren Start des Spring Trainings sehr kritisch sieht. Der Grund dafür aus Sicht der Spieler liegt auf der Hand: Ein verspätetes Spring Training würde wahrscheinlich auch einen verspäteten Saisonstart und im Endeffekt eine erneut verkürzte Saison bedeuten – und damit Gehaltseinbußen, da die Spielergehälter sich anteilsmäßig reduzieren, wenn weniger Spiele stattfinden.  

Zahltag für Realmuto
Schon seit sie J. T. Realmuto im Februar 2019 von den Miami Marlins ertradeten, waren die Philadelphia Phillies erklärtermaßen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Catcher interessiert. Die Verhandlungen zogen sich jedoch lange hin, der Vertrag lief aus und es mehrten sich die Gerüchte, dass der zweimalige All-Star sich anderweitig orientieren könnte. Nun haben beide Seiten doch noch zu einem Abschluss gefunden und sich auf eine Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre geeinigt. Der Deal hat ein Volumen von 115,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 23,1 Millionen und stellt in dieser Hinsicht den teuersten Vertrag da, den je ein Catcher bekommen hat. Es war offenbar ein zentraler Verhandlungspunkt für Realmuto, den Gehaltsschnitt von Joe Mauer zu übertreffen, der 2010 bei den Minnesota Twins einen Achtjahresvertrag über 184 Millionen (23 Millionen pro Jahr) erhielt.

Yankees ertraden Taillon 
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, ihre Starting Rotation aufzuwerten und gleichzeitig 2021 unter der 210-Millionen-Grenze für Spielergehälter zu bleiben, ab welcher Strafzahlungen fällig wären. Vor diesem Hintergrund ist der Move zu sehen, von den Pittsburgh Pirates James Taillon zu holen. Der 29-Jährige ist ein solider Starter mit einem Karriere-ERA von 3.67 und hat für dieses Jahr einen Vertrag über relativ überschaubare 2,5 Millionen. Das Fragezeichen, das Taillon mitbringt, ist eine Tommy-John-Surgery vom August 2019, wegen der er die gesamte Saison 2020 pausieren musste. Als Gegenleistung für Taillon schicken die Yankees vier Prospects nach Pittsburgh: die Pitcher Miguel Yajure und Roansy Contreras, Infielder Maikol Escotto und Outfielder Canaan Smith werden Teil des Rebuilds der Pirates. 
Ein langjähriges Mitglied der Yankees-Rotation wird 2021 nicht mehr an Bord sein: Masahiro Tanaka gab heute bekannt, dass er zurück nach Japan geht und sich dort den Rakuten Eagles anschließt.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Da die Signings gerade massenweise einprasseln, liste ich den Rest wieder im Telegrammstil auf. Neue MLB-Verträge gab es diese Woche für: IF/OF Jurickson Profar (San Diego Padres, 3 Jahre plus beidseitige Option, 21 Millionen Dollar), SS Marcus Semien (Blue Jays, 1 Jahr, 18 Millionen), IF/OF Enrique Hernandez (Boston Red Sox, 2 Jahre, 14 Millionen), SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins, 1 Jahr, 10,5 Millionen), RP Brad Hand (Washington Nationals, 1 Jahr, 10,5 Millionen), SP Garrett Richards (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Kluboption, 10 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr plus Kluboption, 5 Millionen), RP Anthony Bass (Miami Marlins, 2 Jahre plus Kluboption, 5 Millionen), C Wilson Ramos (Detroit Tigers, 1 Jahr, 2 Millionen), C Austin Romine (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1,5 Millionen), SS Freddy Galvis (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 1,5 Millionen), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 1 Million), IF Tommy La Stella (San Francisco Giants, 3 Jahre, Gehalt unbekannt), RP Aaron Loup (New York Mets, 1 Jahr, Gehalt unbekannt). 

Zudem gab es noch zwei kleinere Trades: Die New York Mets schicken SP/RP Steven Matz nach Toronto und erhalten dafür die drei Pitching-Prospects Josh Winckowski, Sean Reid-Foley und Yennsy Diaz aus dem Farmsystem der Blue Jays. Die New York Yankees geben RP Adam Ottavino sowie Minor-League-Pitcher Frank German für einen noch zu benennenden Spieler und/oder eine Ablösezahlung an die Boston Red Sox ab. Das Bemerkenswerte an letzterem Trade ist, dass er der erste zwischen den Erzrivalen Yankees und Red Sox seit sechseinhalb Jahren ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Mai 2nd, 2019 by Silversurger

Der Mai ist gekommen und die MLB hat ein neues Top-Team: Mit 20 Siegen aus 30 Spielen sind die St. Louis Cardinals derzeit ganz vorne. Ihrem einstigen Top-Prospect Alex Reyes dürfte allerdings nicht zum Feiern zumute sein: Erst wurde er wegen schwacher Leistungen in die Minor League versetzt, dann lief es dort im ersten Start auch nicht gut und schließlich musste für den aufgestauten Frust eine Wand herhalten, die sich offenbar mit voller Härte zur Wehr setzte. Jedenfalls hat Reyes sich dabei den kleinen Finger gebrochen, fällt nun mehrere Wochen aus und ist hiermit offiziell nominiert für den MRI-Award 2019. Noch ein Stück dämlicher angestellt hat sich Logan Webb, das Top-Pitching-Prospect der San Francisco Giants: Er hat offenbar versucht, mit der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron seine Leistungen zu steigern. Nach dem positiven Test auf das Dopingmittel wurde er für 80 Spiele gesperrt und dürfte damit die Chance vertan haben, schon dieses Jahr den Sprung ins MLB-Roster zu schaffen.

National League
Die Teams der National League East haben keine besonders gute Woche hinter sich. Eine Ausnahme davon stellen lediglich die Philadelphia Phillies (17-13) dar. Deren 3:1-Seriensieg über die Miami Marlins (9-21) ist dafür verantwortlich, dass sie als einzige in der Division bei einer positiven Bilanz stehen. Die New York Mets (15-15) und die Atlanta Braves (15-15) haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und halten sich mit schwankenden Leistungen gerade so über Wasser. Insbesondere bei den Mets muss man zweifeln, ob das noch lange gut geht, denn mit einem Run Differential von -20 und den meisten zugelassenen Runs (169) der gesamten NL steht man normalerweise nicht bei 15-15. Die Washington Nationals (12-17) sind auf dem Weg in die Krise schon einen Schritt weiter, soll heißen: Sie stecken mittendrin. Von den letzten sieben Spielen haben sie nur eines gewonnen und dafür brauchte es 11 Innings gegen die Padres. Ausgerechnet jetzt steht für die Nationnals eine schwierige Auswärtstour an (Phillies, Brewers, Dodgers).

Mit Siegen in zehn der letzten elf Spiele lassen die St. Louis Cardinals (20-10) in der NL Central zurzeit niemandem Gelegenheit, an sie heranzukommen. Doch am Wochenende könnte es spannend werden, denn die Chicago Cubs (16-12) begrüßen die Cardinals für eine Drei-Spiele-Serie zum Spitzenduell (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs hatten einen ganz miesen Start in den ersten beiden Saisonwochen. Seitdem haben sie aber keine Serie mehr verloren und inzwischen das stärkste Run Differential (+38) der NL herausgespielt. Die Milwaukee Brewers (17-15) können da zwar mit einem Run-Verhältnis von -9 nicht mithalten, doch mit Erfolgen in je zwei von drei Spielen gegen die Mets und die Rockies scheinen sie ihr Zwischentief überwunden zu haben. Die anstehenden Serien gegen erneut die Mets sowie die Nationals klingen nach lösbaren Aufgaben. Die Pittsburgh Pirates (14-14) dürften mit den Playoffs wenig zu tun haben, aber mit zwei Siegen gegen die Rangers ist für sie wenigstens der freie Fall von acht Niederlagen in Folge erstmal gestoppt.

Die Los Angeles Dodgers (20-13) sind in der NL West voll auf Kurs, müssen aber zwei Rückschläge verdauen: erstens eine 1:2 verlorene Serie beim Erzrivalen San Francisco Giants (13-18), zweitens eine Verletzung von Centerfielder A. J. Pollock. Bei Letzterer handelt es sich um eine Infektion im rechten Ellenbogen, der 2016 schon einmal operiert werden musste. Damals wurde eine Metallplatte eingesetzt; aus dieser muss nun eine Schraube entfernt werden, die wohl die Probleme verursacht hat. Pollock wird nach der Prozedur für einige Wochen ausfallen. Die Dodgers müssen nun für drei Spiele zu den San Diego Padres (17-14), während in Denver die Colorado Rockies (14-17) auf die Arizona Diamondbacks (18-13) treffen. Es wird also ein richtig interessantes Wochenende in der NL West mit lauter direkten Duellen zwischen den vier besten Teams der Division.

American League
Können die Tampa Bay Rays (19-11) sich auf Dauer an der Spitze der American League East halten? Ein 2:0-Sweep bei den Boston Red Sox (14-17) am vergangenen Wochenende machte Hoffnung, doch der verlorene Doubleheader in Kansas City gestern war ein herber Dämpfer. Zum Glück für die Rays konnten die New York Yankees (17-13) daraus kein Kapital schlagen, da sie selbst ihre beiden Spiele in Arizona verloren. Die große Neuigkeit bei den Toronto Blue Jays (14-16) war die letzte Woche angekündigte und heiß ersehnte Ankunft des Supertalents Vladimir Guerrero Jr. Bislang konnte Vlad Jr. den Hype noch nicht rechtfertigen, in fünf Spielen schlug er eine Slashline von .167/.286/.222. Aber fünf Spiele sind im Baseball so gut wie gar nichts; es gibt also noch lange keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Alles andere als eine Enttäuschung sind bislang die Minnesota Twins (18-10). Sie weisen mittlerweile die beste Bilanz nicht nur der AL Central, sondern der gesamten AL auf. Zuletzt gabe es zwei Erfolge aus drei Spielen gegen die Astros, davor einen Sweep gegen die Orioles. Zu den drei Siegen über Baltimore steuerte Max Kepler vier Homeruns bei, und auch sonst spielt „unser“ Mann in der MLB eine ganz hervorragende Saison (.277/.349/.564, 7 HR). Auf Platz zwei verdrängt sind inzwischen die Cleveland Indians (16-13), die letzte Nacht nicht nur ein 2:4 bei den Marlins verdauen mussten, sondern auch die viel schlimmere Nachricht, dass sie auf ihr Ass Corey Kluber eine Weile verzichten müssen. Kluber wurde von einem Comebacker von Brian Anderson am Pitching-Arm getroffen und erlitt eine Fraktur. Er ist nach Danny Salazar und Mike Clevinger schon der dritte Starter der Indians, der für mindestens einige Wochen ausfälllt.

In der AL West konnten die Houston Astros (18-13) zwar diese Woche nicht überzeugen – einem Split gegen die Indians folgten zwei Niederlagen in drei Spielen gegen die Twins –, doch geschadet hat ihnen das nicht, denn die Verfolger schwächelten noch mehr. Sowohl die Seattle Mariners (18-15) als auch die Texas Rangers (14-15) haben von ihren letzten neun Spielen sieben verloren – und ihre einzigen Siege bei dem 2:2-Split im direkten Aufeinandertreffen eingefahren. Auch die Oakland Athletics (14-19) befinden sich im Absturz. Nach einer 0:6-Bilanz aus den Spielen in Toronto und Boston bleibt ihnen nur noch die Station in Pittsburgh, um von ihrem Ostküstentrip nicht mit leeren Händen heimzukehren.

Szene der Woche
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle die Bierdusche würdigen, die Ryan Braun von den Milwaukee Brewers(!) in Citi Field zuteil wurde, als er einen Flyball von Pete Alonso zu fangen versuchte (man beachte die schlecht versteckte Botschaft „This Bud’s for you“ im Hintergrund):

Sehenswert wäre auch der Dodgers-Fan gewesen, der auf der Jagd nach einem Foulball zunächst eine Portion Pommes aufgab – und ein Inning später das Pizzastück, das er sich als Ersatz geholt hatte, hinterher warf:

Aber Yankees-Pitcher C. C. Sabathia lässt mir keine andere Wahl, eine andere Szene in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinem 3000. Strikeout erreichte der 38-Jährige einen Meilenstein, den nur 16 Leute vor ihm bewältigt haben, und ließ sich dafür zurecht feiern:

Statistik der Woche 
1.998. So viele RBI sind Albert Pujols in seiner Karriere bislang gelungen. Das ist zwar eine kleinere Zahl als die der Strikeouts von C. C. Sabathia, dennoch ist sie noch ein Stück beeindruckender. Pujols steht damit nämlich offiziell auf dem dritten Platz der Allzeit-Rangliste, auf welcher er in den letzten Tagen Lou Gehrig (1.994) und Barry Bonds (1.996) überholt hat. Vor Pujols stehen nun nur noch Hank Aaron (2.297) und Alex Rodriguez (2.086). Inoffiziell belegt er übrigens „nur“ Rang fünf; das liegt daran, dass RBI erst 1920 als Statistik eingeführt wurden, sodass ein Teil der 2.214 RBI von Babe Ruth und die gesamten 2.075 RBI von Cap Anson nicht in die Rekordliste der MLB einfließen.

Spiel der Woche
Das Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Sonntag hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Die erste war die Geschichte von zwei älteren Herren: Dodgers-Pitcher Rich Hill (39) kehrte aus seiner Verletzungspause zurück und bildete mit Catcher Russel Martin (36) das wohl älteste Battery-Duo, das die MLB zurzeit zu bieten hat. Für Hill lief es eher mittelmäßig – zwar absolvierte er 6 Innings, in denen ihm 6 Strikeuots gelangen und er nur einen Earned Run zuließ, aber diese Werte schmeicheln etwas, denn ein Error im zweiten Inning verhinderte, dass ihm weitere vier Runs angerechnet wurden. Die zweite Geschichte war die eines noch sehr jungen Herren: Cody Bellinger, 23, brachte per Sac-Fly den ersten Run, per Homerun den zweiten Run sowie durch ein Single den siebten und letzten Run seines Teams über die Platte. Der Homerun war übrigens der 14. in der laufenden Saison, womit Bellinger einen Rekord einstellte: Nur vier Spieler haben es jemals geschafft, noch vor dem 1. Mai einer Saison so viele Homeruns zu erzielen – Albert Pujols 2006, Alex Rodriguez 2007 sowie Christian Yelich und Cody Bellinger 2019. Die dritte Geschichte war die eines Teams, das in der jungen Saison schon hoch geflogen und tief gefallen ist. Die Pirates gaben eine 5:1-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 6:7 ihr achtes Spiel in Folge. Aber zum Glück ist es Baseball und schon im nächsten Spiel waren es die Pirates selbst, die ein dramatisches Comeback bejubeln durften.

Mein Einschalttipp
In der NL Central ist ein heißer Zweikampf zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs entbrannt. Die derzeit drei Spiele Abstand zwischen den beiden stammen von dem schwachen Saisonstart der Cubs, sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Teams zurzeit in absolut beeindruckender Form sind. Von Freitag bis Sonntag haben die Cubs drei Heimspiele gegen die Cardinals und von daher keine schlechten Chancen, den Rückstand zu verringern oder gar aufzuholen. DAZN ignoriert diese interessante Serie leider komplett, daher könnt ihr sie ausschließlich über mlb.tv verfolgen. Sowohl am Freitag (20:20 Uhr) als auch am Samstag (22:05 Uhr) kommen die Spiele zu europafreundlichen Zeiten, während die Partie am Sonntag (1:05 Uhr) eher etwas für Nachteulen ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 12th, 2019 by Silversurger

Eine Errungenschaft hatte Willie Mays, der Held der letzten Folge dieser Artikelserie, wegen seines Kriegsdienstes knapp verpasst. Wenige Jahre später gelang diese Errungenschaft Hank Aaron: Er schlug als erster MLB-Spieler in seiner Karriere mehr Homeruns als Babe Ruth. Um ein Haar hätten Mays und Aaron übrigens gemeinsam im Outfield der Giants gespielt. Es scheiterte an gerade mal 50 Dollar pro Monat, die die Boston Braves dem 18-jährigen Negro-League-Star 1952 mehr boten als die New York Giants, sodass Aaron in Boston unterschrieb.

Die Braves zogen wenig später nach Milwaukee um, wo Aaron 1954 sein MLB-Debüt gab. Sein erstes Jahr war solide, ab dem zweiten Jahr waren seine Leistungen herausragend. Er schaffte es 25-mal in Folge ins All-Star-Team. Das ist bis heute Rekord. Seine wohl beste Saison spielte “Hammerin’ Hank” 1957. Mit einem Average von .322, 44 Homeruns und 132 RBI wurde er zum MVP der NL gewählt und führte die Braves zu ihrem ersten World-Series-Sieg seit 1914. 1958 erreichten die Braves erneut die World Series, verloren aber dieses Mal gegen die New York Yankees. In den folgenden Jahren konnten die Braves trotz ihres konstant überragenden Leistungsträgers Aaron nicht an ihre Erfolge anknüpfen.

1966 zog die Franchise erneut um, dieses Mal nach Atlanta. Aaron blieb seinem Team treu und passierte in den Folgejahren diverse Meilensteine: seinen fünfhundertsten Homerun 1968, seinen dreitausendsten Hit 1970, seinen sechshundertsten Homerun 1971.

Hank Aaron 1974 (1)

Als er 1973 die Marke von 700 Homeruns knackte und somit Babe Ruths Rekord von 714 in offensichtliche Gefahr brachte, sah Aaron sich massiven Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Diese waren überwiegend rassistischer Natur und zeigten, dass trotz der 1947 durchgesetzten Integration ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Spielern unterschiedlicher Hautfarbe leider noch keine Selbstverständlichkeit war. Nachdem er die Saison mit 713 Homeruns beendet hatte, fürchtete Aaron während der Saisonpause ernsthaft um sein Leben und wurde während der ersten Spiele der Saison 1974 unter Polizeischutz gestellt. Die Drohungen wurden zum Glück keine Wirklichkeit und am 8. April 1974 fiel der Rekord des Babes, als Aaron gegen die Los Angeles Dodgers Nummer 715 über den Zaun drosch.

In den restlichen drei Jahren seiner Karriere, von denen er die letzten zwei bei den Milwaukee Brewers verbrachte, hob Aaron die Messlatte noch auf 755. Damit liegt er heute auf Rang zwei der ewigen Liste hinter Barry Bonds. Angesichts des Dopingverdachts gegen Bonds sehen viele Aaron nach wie vor als den besten Power-Hitter aller Zeiten an.

Hank Aaron wurde 1982 mit 98% der Stimmen in die Hall of Fame aufgenommen. Seit 1980 übt er das Amt eines Senior-Vizepräsidenten der Atlanta Braves aus. 1999, zum 25. Jubiläum von Aarons Homerun-Rekord, wurde der Hank-Aaron-Award als Auszeichnung für den besten Offensivspieler ins Leben gerufen. Dieser wird seitdem jährlich an je einen Spieler der American League und der National League vergeben.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Unbekannt (PD-US)

Posted in Die größten Baseballer, MLB Tagged with: , ,

August 31st, 2017 by Silversurger

Die Los Angeles Dodgers sind schlagbar und sie werden dieses Jahr nicht den Rekord für die meisten Siege in der regulären Saison brechen. Das ist wohl die zentrale Erkenntnis dieser MLB-Woche, nachdem das stärkste Team der Liga gerade viermal hintereinander verloren hat. Die Gewinner der Woche sind unterdessen die Baltimore Orioles, die zurück im Kampf um eine Wild Card in der AL sind, die Arizona Diamondbacks, die ihre Wild Card in der NL wohl endgültig gebucht haben, sowie die Cleveland Indians, deren starke zweite Saisonhälfte höchstwahrscheinlich im Divisionssieg gipfeln wird.

American League
In der American League East naht wohl die Entscheidung: Nachdem die Boston Red Sox (76-57) gerade dreimal hintereinander gegen die Toronto Blue Jays (61-72) gewonnen und die New York Yankees (70-62) ebenso oft gegen die Cleveland Indians verloren haben, beträgt der Abstand zwischen beiden bereits fünfeinhalb Spiele. Übers Wochenende reisen die Red Sox zu den Yankees in der Hoffnung, in den vier direkten Aufeinandertreffen den Sack zuzumachen. Die Yankees benötigen mindestens ein 3:1, besser aber einen Sweep, um die Hoffnung auf den Divisionssieg am Leben zu erhalten. Andernfalls richtet sich der Blick zwangsläufig nach unten, denn der Vorsprung der Yankees im Wild-Card-Rennen ist auf ein einziges Spiel geschmolzen. Die Verfolger kommen unerwarteterweise nicht mehr nur aus den beiden anderen Divisionen, denn auch für die Baltimore Orioles (68-65) ist nach derzeit sieben Siegen in Folge plötzlich wieder alles drin.

Die AL Central differenziert sich derweil zunehmend aus: Was vor nicht allzu langer Zeit noch ein enger Dreikampf um den Divisionstitel war, ist inzwischen erstens eine klare Dominanz der Cleveland Indians (76-56); zweitens eine gute Aussicht der Minnesota Twins (69-63) auf die Teilnahme am Wild-Card-Spiel; drittens eine weitgehend gelaufene Saison für die Kansas City Royals (65-67). Die erste und die dritte Entwicklung haben sich vor allem aus dem direkten Duell der Indians und der Royals am vergangenen Wochenende ergeben, welches die Indians mit einem beeindruckenden Shutout-Sweep (4:0, 4:0, 12:0) für sich entschieden. Für die Twins hat Max Kepler (.247/.315/.435) am Samstag im Spiel gegen die Toronto Blue Jays den zweiten Grand Slam seiner noch jungen MLB-Karriere erzielt. Herzlichen Glückwunsch, Max!

Die AL West wird nach wie vor souverän angeführt von den Houston Astros (79-53), die angesichts der über ihre Stadt hereingebrochenen Naturkatastrophe natürlich jedes Recht der Welt haben, sich zurzeit mit Herz und Verstand nicht ganz auf Baseball zu konzentrieren. Gespielt wird trotzdem, momentan eine „Heim“-Serie in Tampa Bay gegen die Rangers, bei der die beiden bisherigen Spiele 2:12 und 1:8 verloren gingen. Aber schon am Samstag geht es zurück ins eigene Stadion (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und ich kann mir gut vorstellen, dass die Astros sich dann von einer Stimmung tragen lassen, jetzt erst recht alles für ihre Stadt und deren Bewohner zu geben. Die Divsionsführung ist jedenfalls nicht in Gefahr, die Aufmerksamkeit der Los Angeles Angels (69-65) gilt ganz dem Wild-Card-Rennen. In der Division haben sie dabei klar die Nase vor den Texas Rangers (66-66), auf die sie das Wochenende über in einer vielleicht vorentscheidenden Drei-Spiele-Serie treffen werden. Die Seattle Mariners (66-68) sind nach fünf Niederlagen in Folge fast schon aus dem Rennen.

National League
Fast wäre die National League East noch mal interessant geworden – nicht, was den Divisionssieg angeht, den schon lange niemand mehr den Washington Nationals (81-51) streitig macht. Aber die Miami Marlins (66-66) hatten, getragen von Giancarlo Stantons unglaublicher Homerun-Power, für kurze Zeit den Eindruck erweckt, noch mal an die Wild Card herankommen zu können. Doch dann ließen sie sich von den Nationals in drei Spielen sweepen und schon liegt der Abstand auf die Colorado Rockies wieder bei fünfeinhalb Spielen, die man wohl nicht mehr aufholen wird – und wenn doch, dann stehen dazwischen noch die Milwaukee Brewers. So wird den Marlins am Ende wohl nicht mehr bleiben als das Prestige des zweiten Platzes in der NL East, der ihnen weder von den Atlanta Braves (59-72) noch von den New York Mets (58-74) genommen werden wird. Von den Philadelphia Phillies (49-83), dem nach wie vor schlechtesten Team der Liga, sowieso nicht.

Den St. Louis Cardinals (66-66) geht es ähnlich wie den Marlins: Auch sie machten sich kurzzeitig Hoffnung, noch mal heranzukommen, aber nach nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte der Zug abgefahren sein. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wild Cards als auch im Kampf um den Divisionssieg in der NL Central. Die Chicago Cubs (72-60) stehen weiterhin ganz vorne, die Milwaukee Brewers (69-64) bleiben dran. Dreieinhalb Spiele Rückstand haben sie zu den Cubs, drei zu den Colorado Rockies auf dem zweiten Wild-Card-Platz – beides ist absolut noch machbar.

Sicher nicht machbar ist es, in der NL West die Los Angeles Dodgers (91-40) noch abzufangen. Dennoch ist es eine Meldung wert, dass die Dodgers gerade zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele hintereinander verloren haben und dass sie heute Abend aufpassen müssen, von den Arizona Diamondbacks (75-58) nicht auch den ersten Sweep der Saison zu kassieren. Die Diamondbacks haben ihr Zwischentief zweifellos überwunden und sich im Wild-Card-Rennen ein Polster von sechs Spielen zugelegt. Noch etwas zittern müssen hingegen die Colorado Rockies (72-61), die lange im Gleichschritt mit den Diamondbacks gingen, zuletzt aber deutlich nachgelassen haben und den Atem der Brewers im Nacken spüren. Zu allem Überfluss müssen die Rockies in elf der kommenden vierzehn Spiele gegen die Diamondbacks oder die Dodgers ran.

Szene der Woche
Zu gerne würde ich an dieser Stelle über den sagenhaften Catch von Kevin Pillar sprechen oder über den Irrtum von Ian Happ, der bei einem Flyout ins Leftfield zur dritten Base lief und dachte, er hätte gerade den Cycle geschafft. Leider wurden aber diese und alle anderen schönen Baseballmomente von den Prügeleien zwischen den New York Yankees und den Detroit Tigers überschattet. Vier Hit-By-Pitches (und mindestens ein weiterer versuchter), drei größere Rangeleien zwischen den kompletten Teams, acht Platzverweise gegen Spieler und Trainer sowie fünf später ausgesprochene Sperren waren die Bilanz des wohl hässlichsten Spiels dieser Saison. Interessanterweise ohne Sperre kamen die beiden Pitcher davon, die die Unruhen ausgelöst hatten: Detroits Michael Fulmer mit einem Pitch auf die Hand von Yankees-Catcher Gary Sanchez und New Yorks Tommy Kahnle mit einem Pitch hinter den Rücken von Tigers-Star Miguel Cabrera, welcher daraufhin ausrastete und die erste handfeste Prügelei begann. Worum es bei der Sache wirklich ging, ist nicht ganz zu klären – Fulmers Pitch könnte eine „Bestrafung“ dafür gewesen sein, dass Sanchez ein Inning zuvor seinen vierten Homerun der Serie geschlagen hatte, es könnte aber auch die Fortsetzung eines Konflikts gewesen sein, der am 31. Juli begonnen hatte – damals waren es ebenfalls Fulmer und Kahnle, die Hit-by-Pitches ausgeteilt hatten.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns in den ersten 18 MLB-Spielen eines Rookies sind Rekord. Aufgestellt hat diese Bestleistung Rhys Hoskins von den Philadelphia Phillies – und das, obwohl er seine MLB-Karriere mit 0 Hits aus den ersten 10 At-Bats begonnen hatte. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Vergleich rausgekramt: Um die 11 Homeruns von Hoskins zu übertreffen, müssten Babe Ruth (2), Hank Aaron (2), Barry Bonds (3), Giancarlo Stanton (2) und Aaron Judge (3) die Homeruns aus ihren ersten 18 Spielen zusammenlegen.

Spiel der Woche
Manchmal ist es ein einzelnes Spiel, das für beide Teams den Rest der Saison vorzeichnet. Gestern Nacht gab es ein solches Spiel zwischen den Brewers und den Cardinals. Am Tag zuvor hatten die Cardinals das erste Spiel der kurzen Serie gewonnen. Mit einem weiteren Sieg hätten die Cards die eigenen Playoffhoffnungen am Leben erhalten und denen der Brewers einen Dämpfer verpasst. Doch es kam anders, die Brewers siegten 6:5 nach einer spannenden Partie mit mehreren Führungswechseln und einer Aufholjagd des Gegners, die durch einen heldenhaften homerunverhindernden Catch von Keon Broxton gestoppt wurde.

Spiel der kommenden Woche
Wenn am Samstag die New York Mets zum Doubleheader bei den Houston Astros antreten, dann wird der Name „Harvey“ in aller Munde sein, im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil Harvey der Name des tropischen Wirbelsturms ist, der in Houston furchtbare Überschwemmungen und Verwüstungen hinterlassen hat. Die Astros mussten für die derzeit laufende Serie gegen die Texas Rangers nach Tampa Bay ausweichen, werden danach aber viel früher als allseits erwartet in den heimischen Minute Maid Park zurückkehren, um den Einwohnern von Houston ein Stück Normalität zu geben. Im Guten, weil für die Mets im ersten Spiel (Samstag, 20:10 Uhr europäischer Zeit) ihr ehemaliges Pitching-Ass Matt Harvey (5.25 ERA, 6.17 FIP) nach diversen Formkrisen und Verletzungen einen erneuten Comebackversuch unternehmen wird. Für die Astros wird in der Partie voraussichtlich Brad Peacock (3.12 ERA, 2.69 FIP) starten.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , ,