April 5th, 2020 by Silversurger

Wie geht man am besten damit um, wenn zweimal in drei Jahren eine starke Saison in einer verlorenen ALCS-Serie gegen die Houston Astros endet? Die Antwort nach Art der New York Yankees: Man investiert 324 Millionen Dollar in einen Vertrag mit dem besten Spieler der Astros. Die Verpflichtung von Starting Pitcher Gerrit Cole soll der entscheidende Faktor sein, um die großen Erfolg zurück in die Bronx zu holen. Mit ihm soll die Rotation der Yankees auf das Niveau gehoben werden, welches das enorm schlagkräftige Batting-Lineup sowie der furchterregend starke Bullpen bereits erreicht haben. Das kann funktionieren, allerdings müssen dazu Masahiro Tanaka, J. A. Happ und Jordan Montgomery größeren Rollen gerecht werden als ihnen zunächst zugedacht waren. Denn das Verletzungspech der Yankees hat schon wieder zugeschlagen und dafür gesorgt, dass Luis Severino für die gesamte Saison und James Paxton – je nach tatsächlichem Saisonbeginn – für die ersten Wochen ausfallen werden. Auch die Hoffnung, dieses Jahr stabiler auf die Mega-Slugger Giancarlo Stanton und Aaron Judge zählen zu können, hat bereits Rückschläge erlitten; durch die Verschiebung der Saison bestehen aber wieder Chancen, dass beide von Beginn an dabei sind. Vom Verletzungsthema abgesehen gibt es kaum etwas daran zu diskutieren, dass die Yankees als klarer Favorit auf den Divisionssieg und auch auf den Gewinn der American League in die Saison gehen. Meine Prognose sieht sie in der World Series 2020, als Champion sage ich jedoch ein anderes Team voraus. Findige Leserinnen und Leser können sich jetzt schon ausrechnen, welches es ist.

Voraussichtliches Lineup
C Gary Sanchez
1B Luke Voit
2B DJ LeMahieu
SS Gleyber Torres
3B Giovanny Urshela
LF Mike Tauchman
CF Brett Gardner
RF Aaron Judge
DH Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
RHP Gerrit Cole
RHP Masahiro Tanaka
LHP James Paxton
LHP J. A. Happ
LHP Jordan Montgomery
Key Relievers: Aroldis Chapman, Chad Green, Zack Britton

Wichtigster Zugang
RHP Gerrit Cole (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
OF Jasson Dominguez

Größte Stärke
Power: Mit 306 Homeruns übertrafen die Yankees 2019 ihre eigene Bestmarke vom Vorjahr (267) deutlich – eine beeindruckende Leistung, auch wenn die Twins noch einen mehr schafften und damit den Rekord wegschnappten. Einen anderen Rekord verbuchten die Yankees für sich: 14 verschiedene Spieler, die sie einsetzten, schlugen jeweils mindestens 10 Bälle über den Zaun.

Größte Schwäche
Enormer Erwartungsdruck: „We need to win some world championships. Plural.” So lautet die von Team-Eigner Hal Steinbrenner im Dezember ausgegebene Devise. Der Mann fordert ganz offensichtlich den zweiten Schritt, bevor der erste getan ist. Das kann motivierend sein, aber auch ins Auge gehen.

Spannendste Frage
Werden sie den Injury-Bug irgendwann los? 2019 stellten die Yankees diverse Verletzungsrekorde auf, zum Beispiel die meisten verschiedenen Spieler auf der offiziellen Verletztenliste (30) sowie die meisten Aufenthalte insgesamt auf dieser Liste (39), die je ein MLB-Team in einer Saison hatte. So viel Pech kann man nicht zweimal haben, sollte man meinen. Doch die Saisonvorbereitung 2020 begann schon wieder mit diversen Ausfällen, unter anderem von Paxton, Judge, Stanton und ganz besonders von Severino, der nach Tommy-John-Surgery ein Jahr lang pausieren muss.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL East, AL-Champion

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März 30th, 2020 by Silversurger

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle noch als unrealistisch eingestuft, dass es für die Tampa Bay Rays in der AL East ein Vorbeikommen an den übermächtig erscheinenden Yankees und Red Sox gibt. Sie haben mich und wahrscheinlich viele andere mal wieder eines Besseren belehrt: Mit 96 Siegen ließen sie die Red Sox weit hinter sich und machten den Yankees sehr lange das Leben schwer. In den Playoffs scheiterten sie erst im entscheidenden Spiel 5 der ALDS an den Astros. Das war eine Saison der Rays, die Hunger auf mehr macht. Um diesen Hunger zu stillen, setzt der Klub weiterhin – in der folgenden Reihenfolge – auf überragendes Pitching, starke Defense und ein solides Batting-Lineup. Letzteres muss auf die Free-Agent-Abgänge Catcher Travis d’Arnaud und Outfielder Avisail Garcia verzichten sowie vor allem auf Star-Outfielder Tommy Pham, der nach San Diego getradet wurde. Für ihn kommt Hunter Renfroe von den Padres – ein typischer Rays-Move, bei dem sie einen Top-Spieler abgeben, einen jüngeren und günstigeren Spieler dafür bekommen und sich in ein paar Monaten wahrscheinlich als Gewinner des Trades erweisen, weil ihre Scouts und Analysten regelmäßig hervorragende Arbeit leisten. Einen für ihre Verhältnisse teuren Neuzugang haben sich die Rays mit Yoshitomo Tsutsugo gegönnt, der für 12 Millionen Dollar für zwei Jahre aus Japan geholt wurde. Der linkshändige Slugger wird sich als DH mit dem ebenfalls neu verpflichteten Rechtshänder Jose Martinez abwechseln. Flexibilität ist auch sonst ein wichtiges Element im Lineup der Rays: Rund die Hälfte der Plätze werden voraussichtlich mit Platoons besetzt, also mit je zwei Spielern, die sich nach Händigkeit der gegnerischen Pitcher abwechseln. Alles in allem sind die Rays ein sehr durchdachtes Team, das man mindestens als Geheimtipp für die World Series auf der Rechnung haben sollte.

Voraussichtliches Lineup
C Mike Zunino
1B Ji-Man Choi
2B Brandon Lowe
SS Willy Adames
3B Yandy Diaz
LF Austin Meadows
CF Kevin Kiermaier
RF Hunter Renfroe
DH Yoshitomo Tsutsugo

Voraussichtliche Rotation
RHP Charlie Morton
LHP Blake Snell
RHP Tyler Glasnow
LHP Ryan Yarbrough
RHP Yonny Chirinos
Key Relievers: Nick Anderson, Diego Castillo

Wichtigster Zugang
OF Yoshitomo Tstutsugo (Yokohama Baystars)

Wichtigster Abgang
OF Tommy Pham (San Diego)

Bestes Prospect
SS Wander Franco

Größte Stärke
Pitching: Die Werfer der Rays führten 2019 die Liga an mit 25.3 Wins Above Replacement (fWAR), erlaubten die wenigsten Homeruns und belegten in allen anderen wesentlichen Pitching-Statistiken einen der drei ersten Plätze. Einer Wiederholung dieser Leistungen dürfte nichts im Weg stehen, denn erstens ist die Rotation intakt geblieben und zweitens haben die Rays schon öfter bewiesen, mit Veränderungen und Ausfällen kreativ und produktiv zurechtzukommen.

Größte Schwäche
Geld: Die Rays gehören von der Größe ihres Marktes und ihrer Budgets her zu den ärmsten Franchises der Liga. Was sie daraus machen, ist beeindruckend und aller Ehren wert. Ein Nachteil gegenüber jenen Teams, die sich bei Bedarf mal schnell eine hochbezahlte Neuverpflichtung leisten können, ist es natürlich trotzdem.

Spannendste Frage
Wann merkt man in Florida, dass die Rays gut sind? Es ist 10 Jahre her, dass die Rays in der Zuschauer-Rangliste einen anderen als den letzten oder vorletzten Platz belegt haben. 2018 und 2019 sank der Besucherschnitt auf jeweils unter 15.000; in Tropicana Field sind inzwischen ganze Blöcke und Ebenen dauerhaft geschlossen, weil es sich erstens nicht lohnt und zweitens der Atmosphäre schadet, die paar Leute im weiten Rund zu verteilen. Wenn selbst Top-Leistungen des Teams nicht ausreichen, um die Region für Rays-Baseball zu begeistern, wird über kurz oder lang ein Umzug anstehen.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL East, Wild Card

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März 12th, 2020 by Silversurger

Die Boston Red Sox erlebten 2019 einen beispiellosen Absturz mit 24 Siegen weniger als im Meisterschaftsjahr 2018. Die gute Nachricht: Es deuten einige Statistiken darauf hin, dass sie sich letztes Jahr unter Wert verkauften. Die schlechte Nachricht: Es deuten einige Entwicklungen der laufenden Offseason darauf hin, dass in der kommenden Saison eine Wiederholung der 84-78-Bilanz des letzten Jahres schon ein Erfolg wäre für das Team, das die Red Sox an den Start schicken. Der größte Einschnitt war der Blockbuster-Trade des Jahres. Outfielder Mookie Betts – zweifellos einer der besten Baseballer der Welt – und Starting Pitcher David Price wurden zu den Los Angeles Dodgers getradet im Zuge einer massiven Anstrengung, das Gehaltsniveau unter die Luxury-Tax-Genze zu drücken. Erschwerend hinzu kommen die Unruhe um die immer noch nicht aufgearbeiteten Sign-Stealing-Vorwürfe und der damit verbundene unfreiwillige Trainerwechsel von Alex Cora zu Ron Roenicke. Aber ich möchte es mit dem Schwarzmalen nicht übertreiben, denn die Red Sox sind immer noch ein konkurrenzfähiges Team mit einigen herausragenden Spielern. Von der Gesundheit des herausragendsten unter ihnen könnte einiges abhängen: Starter Chris Sale hat wegen Ellenbogenproblemen seit August letzten Jahres nicht mehr gepitcht. Ein Comeback-Versuch in Form eines simulierten Innings schlug letzte Woche fehl, seitdem hat Sale wieder mehrere Untersuchungen über sich ergehen lassen mit bislang unklarem Ergebnis. Falls er in diesem Jahr erneut langfristig fehlen sollte, würde das den Playoff-Hoffnungen der Red Sox einen weiteren Dämpfer versetzen.

Voraussichtliches Lineup
C Christian Vazquez
1B Mitch Moreland
2B Jose Peraza
SS Xander Bogaerts
3B Rafael Devers
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Alex Verdugo
DH J. D. Martinez

Voraussichtliche Rotation
LHP Chris Sale
LHP Eduardo Rodriguez
RHP Nathan Eovaldi
LHP Martin Perez
RHP Collin McHugh
Key Relievers: Brandon Workman, Matt Barnes

Wichtigster Zugang
OF Alex Verdugo (Los Angeles Dodgers)

Wichtigster Abgang
OF Mookie Betts (Los Angeles Dodgers)

Bestes Prospect
IF Jeter Downs

Größte Stärke
Das linke Infield: Third Baseman Rafael Devers und Shortstop Xander Bogaerts sind das wohl beste Duo zwischen der zweiten und dritten Base, das die MLB zu bieten hat. Angesichts ihres Alters von 23 und 27 Jahren sowie noch mindestens vier Jahren unter Team-Kontrolle können die Red Sox langfristig auf die enorme Offensiv-Produktion der beiden setzen.

Größte Schwäche
Der Bullpen: 2019 haben die Red Sox lediglich 52% ihrer Save-Gelegenheiten verwandelt (33 von 64). Schlechter waren nur die Baltimore Orioles mit 50% (27 von 54). Die Hoffnung ist, dass Brandon Workman die starken Leistungen konservieren kann, mit denen er im Lauf des letzten Jahres in die Closer-Rolle aufgestiegen ist. Allerdings sehen diese in seinen Karriere-Statistiken eher nach einem Ausreißer aus.

Spannendste Frage
War da nicht was mit Sign-Stealing? Die großen Schlagzeilen in Bezug auf ausgespähte Pitch-Signale hatten in dieser Offseason die Houston Astros, doch auch das Meisterteam der Red Sox von 2018 ist Gegenstand einer Untersuchung durch die Liga. Die sollte ursprünglich bis zum Beginn des Spring Trainings abgeschlossen sein, wurde aber mehrfach verschoben und wird sich jetzt weiterhin verzögern, weil die Klärung des Umgangs mit Corona Priorität genießt. Somit bleibt vorerst offen, wann und in welcher Form die Regelverstöße der Red Sox bestraft werden.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL East

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März 5th, 2020 by Silversurger

Die Toronto Blue Jays blicken frohen Mutes in die Zukunft, denn die Zukunft befindet sich größtenteils schon im Kader: Vlad Guerrero Jr., Bo Bichette, Cavan Biggio, Lourdes Gurriel Jr. und Danny Jansen haben sich allesamt während der letzten Saison im MLB-Roster etabliert. Im Laufe des Jahres wird mit Pitcher Nate Pearson voraussichtlich noch ein weiteres Top-Prospect den Sprung schaffen. Ein Kern junger, für überschaubares Geld langjährig gebundener Spieler ist somit vorhanden. Mit Starter Hyun-Jin Ryu haben sich die Blue Jays zudem einen der begehrtesten Free Agents dieser Offseason gesichert. Zeit für den Take-off? Noch nicht ganz, wenn ihr mich fragt, denn trotz aller Euphorie weisen sowohl die Rotation als auch das Lineup noch zu viele Lücken auf, um in der enormen Konkurrenzsituation der AL East mitzuhalten. Lasst die jungen Wilden noch ein Jahr reifen, lasst die Vereinsführung in der nächsten Offseason noch mal die Taschen öffnen und ein, zwei Hochkaräter an Land ziehen – dann können die Blue Jays 2021 ein Team sein, das zumindest um eine Wild Card mitspielt. Für 2020 sehe ich in ihnen eine Mannschaft, die die Vorjahresbilanz von 67-95 klar hinter sich lassen, aber noch nicht in die Nähe eines positiven Records kommen wird.

Voraussichtliches Lineup
C Danny Jansen
1B Travis Shaw
2B Cavan Biggio
SS Bo Bichette
3B Vladimir Guerrero Jr.
LF Lourdes Gurriel Jr.
CF Teoscar Hernandez
RF Randal Grichuk
DH Rowdy Tellez

Voraussichtliche Rotation
LHP Hyun-Jin Ryu
RHP Tanner Roark
RHP Chase Anderson
RHP Matt Shoemaker
RHP Trent Thornton
Key Reliever: Ken Giles

Wichtigster Zugang
LHP Hyun-Jin Ryu (Los Angeles Dodgers)

Wichtigster Abgang
1B Justin Smoak (Milwaukee Brewers)

Bestes Prospect
RHP Nate Pearson

Größte Stärke
Hyun-Jin Ryu: Für 80 Millionen Dollar über vier Jahre haben die Blue Jays sich den drittgrößten Spielervertrag der Vereinsgeschichte geleistet und den größten seit der Übernahme der Klubleitung durch Mark Shapiro und Ross Atkins im Jahr 2015. Sie bekommen dafür einen Top-Pitcher, der mit 32 Jahren gerade das bislang beste Jahr seiner Karriere hinter sich hat. Ryu führte mit seinem ERA von 2.32 alle qualifizierten MLB-Starter an und wurde verdientermaßen zum ersten Mal ins All-Star-Team berufen.

Größte Schwäche
Batting Average: Mit .236 hatten die Blue Jays 2019 den schwächsten Wert der Liga – der gesamten Liga wohlgemerkt, also auch schwächer als alle NL-Teams, bei denen jeder neunte Batter ein Pitcher ist. Gleichzeitig hatten sie mit 247 die neuntmeisten Homeruns. Das spricht dafür, dass die Hitter der Blue Jays etwas übereifrig schlagen und dabei zum Ball einerseits oft sehr harten, andererseits aber noch öfter schlechten oder gar keinen Kontakt herstellen. Die Hoffnung ist, dass sich das mit zunehmender Reife und Erfahrung des jungen Lineups legt.

Spannendste Frage
Gelingt es, Kontinuität in die Rotation zu bringen? 2019 setzten die Blue Jays 21 verschiedene Starting Pitcher ein – eine unglaublich hohe Zahl, selbst wenn man berücksichtigt, dass sieben davon Opener für Bullpen-Spiele waren. Für dieses Jahr ist Ryu als Starter Nummer eins gesetzt, hinter ihm stehen mit Chase Anderson, Tanner Roark und dem verletzungsanfälligen Matt Shoemaker drei Innings-Eater mittlerer Güte zur Verfügung. Um den fünften Platz gibt es einen breiten Wettbewerb, der möglicherweise erst dann entschieden wird, wenn gegen Mitte der Saison Nate Pearson aus der Farm hochgezogen wird.

Meine Prognose
Platz 4 in der AL East

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Februar 25th, 2020 by Silversurger

Die Baltimore Orioles haben in den letzten beiden Jahren einmal 115 und einmal 108 Spiele verloren. Es wäre ein kleines Wunder, wenn sie 2020 nicht zum dritten Mal hintereinander dreistellig Niederlagen einfahren würden. Frustrierend? Nun ja, wie man’s nimmt. Aus Sicht des Vereins ist es nicht nur akzeptabel, sondern regelrecht erwünscht, viele Spiele zu verlieren. „Tanking“ nennt man im amerikanischen Sport, der keinen Auf- und Abstieg kennt, die extreme Form des Neuaufbaus, wie ihn die Orioles gerade betreiben. Über mehrere Jahre hinweg trennt man sich regelmäßig von Leistungsträgern und häuft an deren Stelle talentierte Nachwuchsspieler an. Dass man in dieser Zeit kaum Erfolge feiert, ist Teil des Plans, denn dadurch erspielt man sich eine höhere Draftposition und dadurch weitere Talente. Irgendwann, so die Hoffnung, hat man ein für einige Jahre konkurrenzfähiges und bezahlbares Team beisammen und kann die Fans mit Erfolgen für die vorherige Durststrecke entschädigen. An dieser Taktik scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die auf Beispiele wie die Chicago Cubs oder die Houston Astros verweisen, welche auf diese Weise Sieger-Teams aufgebaut haben. Auf der anderen Seite gibt es die Ansicht, dass Tanking unfair sowohl gegenüber den eigenen Fans als auch gegenüber dem Gedanken des sportlichen Wettbewerbs ist. Die Orioles jedenfalls haben sich entschieden, diesen Weg mit aller Konsequenz zu gehen. Das schließt zum Beispiel ein, dass man dem besten Spieler der vergangenen Saison, Jonathan Villar, nicht mal einen Vertrag angeboten und ihn stattdessen relativ billig weggetradet hat. Deutlicher kann man dem Publikum kaum sagen: „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“

Voraussichtliches Lineup
C Chance Cisco
1B Chris Davis
2B Hanser Alberto
SS Jose Iglesias
3B Rio Ruiz
LF Anthony Santander
CF Austin Hays
RF Trey Mancini
DH Renato Nunez

Voraussichtliche Rotation
LHP John Means
RHP Alex Cobb
RHP Asher Wojciechowski
RHP Kohl Stewart
RHP Brandon Bailey
Key Relievers: Hunter Harvey, Mychal Givens

Wichtigster Zugang
SS Jose Iglesias (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
2B Jonathan Villar (Miami Marlins)

Bestes Prospect
C Adley Rutschman

Größte Stärke
Fehlender Druck: Von diesem Team erwartet in absehbarer Zeit niemand etwas. Positiv gesehen heißt das, man hat reichlich Zeit und Gelegenheit, um neue Spieler und Taktiken auszuprobieren und reifen zu lassen.

Größte Schwäche
Pitching: Unter all den vielen Homerun-Rekorden, die letzte Saison aufgestellt wurden, geht einer der am wenigsten erwünschten auf das Konto der Orioles. 305 lange Bälle haben ihre Pitcher zugelassen und damit die drei Jahre alte Negativmarke der Cincinnati Reds von 258 pulverisiert. Auch mit 5.67 ERA und 5.5 fWAR war das Pitching Staff der Orioles mit Abstand das schlechteste der Liga. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich daran dieses Jahr etwas ändern sollte.

Spannendste Frage
Will dieses Elend jemand sehen? Die Zuschauerzahlen in Baltimore sind seit Jahren massiv rückläufig. 2014 schauten sich im Schnitt noch über 30.000 Zuschauer die Heimspiele der Orioles an. 2017 waren es nur noch rund 25.000, 2018 20.000 und 2019 lag der Zuschauerschnitt mit 16.146 so niedrig wie seit 40 Jahren nicht. 2020 dürften es kaum mehr werden und man darf sich fragen, ob und wie schnell man die Fans zurück gewinnen kann, wenn das Team irgendwann wieder um Siege spielt.

Meine Prognose
Platz 5 in der AL East

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Februar 24th, 2020 by Silversurger

Update vom 13. März: Der Start der MLB-Saison wurde wegen der Corona-Pandemie um mindestens zwei Wochen verschoben. Die Serie von Vorschau-Artikeln führe ich fort, aber statt täglich werde ich nur noch jeden zweiten Tag ein Team vorstellen, um die Wartezeit etwas gleichmäßiger zu füllen. Bleibt dran und bleibt vor allem gesund!

In gut einem Monat, am 26. März 2020, beginnt endlich die neue MLB-Saison. Höchste Zeit, die gute alte Baseblog-Tradition der Team-Vorstellungen aufleben zu lassen. Ab morgen gibt es hier wieder 30 Tage lang jeden Tag einen kurzen Vorschauartikel auf die neue Saison.

Die Reihenfolge, in der ich die Artikel veröffentliche, entspricht meiner persönlichen Prognose des Abschneidens der jeweiligen Teams. Den Anfang macht morgen die in meinen Augen schwächste Mannschaft der Liga. Von dort arbeite ich mich jeden Tag ein Stück nach oben bis zu meinem Tipp für den World-Series-Gewinner 2020. Dieser Artikel hier dient als Überblick, den ich auf der Startseite des Blogs anhefte und nach und nach mit Links zu den bereits veröffentlichten Previews aktualisiere, sodass ihr in einem Monat die ganze Liste seht.

Korrekturen und Kommentaren sind mir wie immer sehr willkommen – schließlich sind meine Einschätzungen höchst subjektiv und ich bin ganz sicher nicht für jedes Team Experte. Hier mein Powerranking, das sich in den kommenden Tagen mit Teamnamen und mit Links zu den jeweiligen Artikeln füllen wird:
1. Los Angeles Dodgers
2. New York Yankees
3. Atlanta Braves
4. Houston Astros
5. Tampa Bay Rays
6. Minnesota Twins
7. New York Mets
8. Los Angeles Angels
9. Washington Nationals
10. St. Louis Cardinals
11. Oakland Athletics
12. Chicago White Sox
13. Chicago Cubs
14. Boston Red Sox
15. Arizona Diamondbacks
16. Cincinnati Reds
17. San Diego Padres
18. Philadelphia Phillies
19. Cleveland Indians
20. Milwaukee Brewers
21. Toronto Blue Jays
22. Texas Rangers
23. Colorado Rockies
24. San Francisco Giants
25. Kansas City Royals
26. Detroit Tigers
27. Seattle Mariners
28. Miami Marlins
29. Pittsburgh Pirates
30. Baltimore Orioles

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März 26th, 2019 by Silversurger

Die New York Yankees stehen kurz vor dem Abschluss ihres erfolglosesten Jahrzehnts seit den 1910er Jahren. Klingt komisch, ist aber so, denn wenn sie dieses Jahr nicht mindestens die American League gewinnen, dann war das die erste Dekade in den letzten hundert Jahren ohne einen Titel für die Yankees. So weit muss es allerdings nicht kommen, denn das 100-Siege-Team der Saison 2018 scheint reif für den nächsten Schritt. Die Yankees haben ein junges, gutes und (für ihre Verhältnisse) bezahlbares Lineup am Start, dazu einen furchteinflößenden Bullpen und eine zumindest solide Starting Rotation. Letztere war der Bereich, der am deutlichsten nach einem Upgrade gegenüber dem letzten Jahr verlangte, und mit der Verpflichtung von James Paxton hat sie es prompt bekommen. Ansonsten waren die Yankees relativ zurückhaltend in der Offseason. Das Wettbieten um Manny Machado und Bryce Harper sah man sich interessiert, aber offenbar ohne großen Handlungsdruck an. Keinen der beiden braucht man so dringend, als dass man für ihn das vorhandene Gehalts- und Teamgefüge gefährden müsste. Durch eine längere Verletzungspause für Didi Gregorius tat sich zwar eine Lücke auf der Shortstop-Position auf, doch diese füllte man genügsam mit dem günstig zu habenden Veteran Troy Tulowitzki. Zusätzliche Infield-Tiefe kam mit 2B DJ LeMahieu, ansonsten vertraut man dem bisherigen Personal. Unter diesem stehen vor allem Gary Sanchez und Aaron Judge in der Pflicht, zurück zu ihrer Form von 2017 zu finden. Wenn das gelingt, wenn zudem Gleyber Torres, Luke Voit und Miguel Andujar an ihre Breakout-Saison 2018 anknüpfen und wenn sich die Verletzungen nicht noch weiter häufen, dann sind die Yankees ein ganz heißer Kandidat für den Gewinn der World Series 2019.

Voraussichtliches Lineup
C Gary Sanchez
1B Luke Voit
2B Gleyber Torres
SS Didi Gregorius
3B Miguel Andujar
LF Brett Gardner
CF Aaron Hicks
RF Aaron Judge
DH Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
RHP Luis Severino
LHP James Paxton
RHP Masahiro Tanaka
LHP J. A. Happ
LHP C. C. Sabathia
Key Reliever: Aroldis Chapman

Wichtigster Zugang
LHP James Paxton (Seattle Mariners)

Wichtigster Abgang
RHP David Robertson (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
OF Estevan Florial

Größte Stärke
Homeruns: 2018 stellten die Yankees mit 267 Homeruns in einer Saison einen Rekord auf. Bemerkenswert ist, dass sie das ohne einen einzigen Spieler mit 40 oder mehr Homeruns bewerkstelligt haben, dafür mit sieben Spielern, die über 15 Homeruns schlugen. Wenn die Mega-Slugger Giancarlo Stanton und Aaron Judge zu ihrem Rhythmus finden, könnten die Yankees ihren eigenen Rekord bei erster Gelegenheit überbieten.

Größte Schwäche
Verletzungen: Es hat die Yankees bereits ziemlich heftig erwischt im Vorfeld der Saison und während des Spring Trainings. Die Stammspieler Luis Severino, C. C. Sabathia, Didi Gregorius, Dellin Betances und Aaron Hicks sowie Top-Prospect Estevan Florial werden allesamt zum Saisonstart und teilweise weit darüber hinaus ausfallen.

Spannendste Frage
Wer ist der wahre Luis Severino? Sobald Severino nach seiner Schulterentzündung wieder im Einsatz ist, wird er zu beweisen haben, dass er auf Dauer das Ass sein kann, das die Yankees in ihm sehen. In den ersten drei Monaten der vergangenen Saison pitchte er einen ERA von 2.31, nach dem All-Star-Break schien er wie ausgewechselt mit nachlassender Pitch-Geschwindigkeit und einem ERA von 5.57.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL East, World Series

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März 24th, 2019 by Silversurger

Der sogenannte World-Series-Hangover ist ein vielbemühtes Motiv, wenn man Gründe sucht, warum ein Team, das sich gerade als das beste auf der Welt erwiesen hat, im Folgejahr vielleicht nicht mehr ganz so gut sein könnte. Tatsächlich scheint an der Sache etwas dran zu sein. Jedenfalls hat von den 18 MLB-Champions dieses Jahrhunderts kein einziger seinen Titel im Jahr darauf verteidigen können. Die Hälfte von diesen 18 hat es noch nicht mal zurück in die Playoffs geschafft. Die Boston Red Sox zum Beispiel stürzten nach ihrer Meisterschaft von 2013 im Jahr darauf auf nur noch 71 Siege und den letzten Platz in ihrer Division ab. Die Gefahr, dass es ihnen dieses Mal ähnlich ergeht, erscheint allerdings relativ gering. Die Mannschaft für dieses Jahr ist größtenteils dieselbe, die letzte Saison den Franchise-Rekord von 108 Siegen aufgestellt und anschließend elf von vierzehn Playoff-Spielen gewonnen hat. Das Lineup und die Rotation sind von Stars gespickte Mischungen aus Jugend und Erfahrung. Das Front Office um Dave Dombrowski wird weiterhin seine aggressive Win-Now-Strategie verfolgen und ohne zu Zögern Geld und Prospects investieren, wenn sich während der Saison ein Bedarf zum Nachrüsten ergibt. In der Offseason hat es jedoch darauf verzichtet, auch nur einen Hauch frischen Windes in das Team zu bringen. Nicht zuletzt deswegen fürchte ich, dass der Hangover nicht ganz ausbleiben wird – hier ein bisschen zu viel Zufriedenheit mit dem bereits Erreichten, dort ein bisschen körperliche Abnutzung nach der langen und anstrengenden Saison könnten bereits genug sein, um die Red Sox für dieses Jahr knapp hinter den anderen Top-Teams der American League einzuordnen.

Voraussichtliches Lineup
C Christian Vazquez
1B Mitch Moreland
2B Dustin Pedroia
SS Xander Bogaerts
3B Rafael Devers
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Mookie Betts
DH J. D. Martinez

Voraussichtliche Rotation
LHP Chri Sale
LHP David Price
RHP Rick Porcello
RHP Nathan Eovaldi
LHP Eduardo Rodriguez
Key Reliever: Matt Barnes

Wichtigster Zugang
RHP Colten Brewer (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
RHP Craig Kimbrel (noch ohne Verein)

Bestes Prospect
1B/3B Michael Chavis

Größte Stärke
Das Outfield: Mookie Betts ist zurzeit der beste MLB-Spieler, der nicht Mike Trout heißt. Im Gegensatz zu Trout ist Betts von sehr starken Mitspielern umgeben und formt gemeinsam mit Andrew Benintendi und Jackie Bradley Jr. das wohl stärkste Outfield im Baseball. Für einen der gefürchtetsten Hitter der Liga, J. D. Martinez, bleibt in dieser Gruppe auf dem Feld meist kein Platz, aber zum Glück für die Red Sox gibt es in der AL den Posten des Designated Hitters.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: Linkshänder Mitch Moreland und Rechtshänder Steve Pearce sind jeweils für sich genommen eher unterdurchschnittliche Optionen als First Basemen. Solange sie sich als Platoon je nach Händigkeit der Pitcher abwechseln, ist die Position zumindest solide ausgefüllt. Solide wäre auch Dustin Pedroia an der zweiten Base, wenn er denn mal gesund bliebe. Das war leider schon lange nicht mehr der Fall und auch diese Saison wird er auf der Verletztenliste beginnen.

Spannendste Frage
Wie effektiv ist der Bullpen ohne Kimbrel? In Person von Craig Kimbrel hatten die Red Sox in den letzten Jahren einen Elite-Closer. Der wollte nun auch einen Elite-Vertrag, den man ihm in Boston nicht geben wollte. Ein direkter Nachfolger wurde ebenfalls nicht verpflichtet, sodass nun die internen Lösungen Matt Barnes und Ryan Brasier die Save-Gelegenheiten unter sich aufteilen sollen. Zweifel an der Tragfähigkeit des Modells sind angebracht, vor allem da Barnes im Spring Training bisher nicht überzeugte und Brasier die meiste Zeit an Verletzungen laborierte.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL East und eine Wild Card

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März 17th, 2019 by Silversurger

Die Tampa Bay Rays sind für mich zugleich der intelligenteste und der bedauernswerteste Klub in der MLB. Die Intelligenz der Rays oder besser gesagt ihrer sportlichen Leitung zeigt sich darin, dass es ihnen regelmäßig gelingt, aus nichts etwas zu machen. In einem kleinen Markt, der sie in der Gehälterrangliste Jahr für Jahr weit unten auftauchen lässt, haben sie ein wirklich starkes Team zusammengestellt. Aus diesem holen sie das Optimum heraus, indem immer wieder kreative Ideen entwickelt werden. Letztes Jahr beispielsweise war die taktische Variante des Openers (siehe unten) eine Innovation der Rays, die schnell Nachahmer fand. Auch eine sinnvolle und disziplinierte Verteilung der Belastung war ein Kennzeichen der Rays des Jahres 2018. Ein Ass wie Blake Snell würden die meisten Teams so oft und so lange melken, bis nichts mehr herauskommt. Die Rays limitierten Snell auf 180 Innings und er honorierte sie (und sich selbst) mit einer Cy-Young-Saison. Die Rays brachten es als „ärmstes“ Team der Liga auf 90 Siege und das in einer sehr schweren Division. Wegen eben jener Division sind die Rays aber auch bedauernswert, denn in kaum einer anderen Gruppe als in der AL East mit den Yankees und den Red Sox scheint es so aussichtslos zu sein, als kleiner Klub für gute Arbeit belohnt zu werden. Wenn nichts völlig Überraschendes passiert, besteht die einzige Playoff-Chance der Rays darin, beide Wild Cards der American League in die AL East zu holen. Ich traue ihnen zu, dieses Jahr genau das zu tun.

Voraussichtliches Lineup
C Mike Zunino
1B Yandy Diaz
2B Joey Wendle
SS Willy Adames
3B Matt Duffy
LF Tommy Pham
CF Kevin Kiermaier
RF Austin Meadows
DH Ji-Man Choi

Voraussichtliche Rotation
LHP Blake Snell
RHP Charlie Morton
RHP Tyler Glasnow
LHP Ryan Yarbrough
RHP Yonny Chirinos
Key Reliever: Jose Alvarado

Wichtigster Zugang
RHP Charlie Morton (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
RHP Sergio Romo (Miami Marlins)

Bestes Prospect
SS Wander Franco

Größte Stärke
Flexibilität: Die Rays haben eine Routine darin entwickelt, mit Abgängen und Ausfällen fertig zu werden. Letztes Jahr brachten sie 23 Rookies zum Einsatz – ein Teamrekord und zugleich die höchste Zahl von Neulingen, mit der je ein Team 90 Siege geholt hat.

Größte Schwäche
Fehlendes Interesse: Ein weiterer Grund, die Rays zu bedauern ist, dass nach wie vor kaum jemand kommt, um sich den guten Baseball anzusehen, den sie spielen. 2018 hatten sie den zweitniedrigsten Zuschauerschnitt, unterboten nur von den Nachbarn in Miami. Vor lauter Verzweiflung wurde für die Saison 2019 beschlossen, das komplette Oberdeck von Tropicana Field zu schließen. Das mit bislang 31.042 Plätzen bereits kleinste aller MLB-Stadien reduziert seine Kapazität dadurch noch einmal um 5.000 Plätze. Die Hoffnung ist, durch das engere Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen. Langfristig werden die Rays sich wohl nach einem neuen Standort umschauen.

Spannendste Frage
Ist der Opener ein Modell mit Zukunft? Es war letztes Jahr eher aus der Not geboren, als die Rays das Experiment wagten, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Spiele mit einem Relief Pitcher zu beginnen. Im Gegensatz zum klassischen Bullpenning, also dem Bestreiten eines Spiels ausschließlich mit Relievern, folgte dem sogenannten Opener ein Pitcher, der für mehrere Innings vorgesehen war – also quasi ein Starter, der nicht startete. Die Rays bestritten 36 Spiele nach dem Opener-Konzept und gewannen 19 davon. Das ist eine beachtliche Bilanz angesichts der Tatsache, dass es sich durchweg um Spiele handelte, die im klassischen Modell dem unteren Teil der Starting-Rotation zugefallen wären. Dieses Jahr stehen mit Snell, Morton und Glasnow drei Leute zur Verfügung, die als klassische Starter auftreten werden. Die restlichen Spiele werden möglicherweise mit einem Opener begonnen – genauso gut kann es sein, dass die Rays sich wieder mal was Neues einfallen lassen.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL East und eine Wild Card

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März 5th, 2019 by Silversurger

In einer Division mit den New York Yankees und den Boston Red Sox kann man recht ungestört an einem Neuaufbau arbeiten. Da an diesen beiden derzeit nicht vorbei zu kommen ist, ist die Erwartungshaltung bei den Toronto Blue Jays für die bevorstehende Saison sehr niedrig. Das gilt jedenfalls für das Team insgesamt, es gilt aber nicht für einen ganz bestimmten Spieler: Die Erwartungen an Nachwuchshoffnung Vlad Guerrero Jr. könnten höher kaum sein. Der Junge wird nächste Woche 20 Jahre alt, hat noch keinen MLB-Pitch gesehen und wird bereits verehrt wie ein Heilsbringer. Wenn er den Vorschusslorbeeren halbwegs gerecht wird, ist Vlad Jr. dieses Jahr der Hauptgrund, ein Spiel im Rogers Center zu besuchen. Viel mehr Gründe dafür fallen einem derzeit nicht ein, aber mittelfristig scheinen die Blue Jays auf einem guten Weg zu sein. Die Farm ist gut mit Talenten bestückt, während man sich von finanziellen und sportlichen Altlasten im Kader konsequent getrennt hat – selbst wenn es bedeutete, wie im Fall Troy Tulowitzki mal eben 38 Millionen Dollar aus dem Fenster zu werfen. Die sportliche Verantwortung für den Aufbau eines neuen, konkurrenzfähigen Blue-Jays-Teams wurde Charlie Montoyo übertragen. Der 53-Jährige war zuletzt Bench Coach der Tampa Bay Rays und hat ansonsten viel Erfahrung als Minor-League-Coach. Für die Entwicklung eines jungen Rosters könnte er somit genau die richtige Besetzung sein.

Voraussichtliches Lineup
C Danny Jansen
1B Justin Smoak
2B Devon Travis
SS Freddy Galvis
3B Vladimir Guerrero Jr.
LF Billy McKinney
CF Kevin Pillar
RF Randal Grichuk
DH Kendrys Morales

Voraussichtliche Rotation
RHP Marcus Stroman
RHP Aaron Sanchez
RHP Matt Shoemaker
LHP Ryan Borucki
LHP Clayton Richard
Key Reliever: Ken Giles

Wichtigster Zugang
SS Freddy Galvis (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
SS Troy Tulowitzki (New York Yankees)

Bestes Prospect
3B Vladimir Guerrero Jr.

Größte Stärke
Das Supertalent: Mit Schlagleistungen von .381/.437/.636 dominierte Vlad Jr. 2018 die Minor Leagues und wäre zweifellos reif gewesen für die Beförderung in die Major League. Die Blue Jays entschieden sich dagegen und sie werden ihr Top-Prospect wohl auch zum Saisonstart 2019 noch nicht einsetzen. Es geht dabei um „Service-Time“, das heißt um die Dauer der Teamkontrolle über den Spieler: Wenn sie mit dem Call-up bis Mitte April warten, zählt 2019 nicht als volles Jahr und der Spieler ist statt sechs Jahren knapp sieben Jahre an den Klub gebunden, bei dem er sein MLB-Debüt gibt.

Größte Schwäche
Das Outfield: Centerfielder Kevin Pillar ist einer der besten Feldspieler der Liga, doch mit dem Schläger trifft er den Ball weder hart noch oft. Rightfielder Randal Grichuk hat ordentliche Homerunpower, sammelt aber Strikeouts in rekordverdächtiger Zahl. Ein ähnlicher Typ wie Grichuk ist Teoscar Hernandez, der sich im Leftfield mit dem unerprobten Billy McKinney abwechseln wird. Es ist wohl keine weit hergeholte Prognose, dass 2019 kein einziger Outfielder der Blue Jays eine On-Base-Percentage über .300 erreichen wird.

Spannendste Frage
Kann die Rotation gesund bleiben? Marcus Stroman, Aaron Sanchez und Matt Shoemaker sind potenziell solide Starter, litten aber in den vergangenen zwei Jahren allesamt unter diversen Verletzungen. Clayton Richard ist der einzige unter den diesjährigen Blue Jays, der es 2018 (für die Padres) auf über 150 Innings brachte – allerdings mit einem üblen ERA von 5.33.

Meine Prognose
Platz 4 in der AL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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