Oktober 17th, 2019 by Silversurger

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

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Oktober 10th, 2019 by Silversurger

Die Divisional-Serien der MLB-Saison 2019 geizen nicht mit Highlights. Einzig zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins war es eine sehr einseitige Angelegenheit, während in allen drei anderen Serien ein entscheidendes fünftes Spiel nötig wurde. Die bislang größte Überraschung gelang den Washington Nationals, die als Wild-Card-Team und klarer Außenseiter die Los Angeles Dodgers aus dem Rennen warfen. In der kommenden Nacht haben die Tampa Bay Rays die Chance, es gegen die Houston Astros den Nationals gleichzutun.

American League
Die New York Yankees haben sich zum großen Favoriten auf die Meisterschaft aufgeschwungen. Von vier MLB-Teams, die mit über 100 Siegen aus der regulären Saison in die Playoffs gingen, sind neben ihnen nur noch die Houston Astros dabei. Diese müssen allerdings gegen die Tampa Bay Rays nachsitzen. Nach Heimsiegen der Astros in den ersten beiden Partien sah es nach einem lockeren Durchmarsch des Favoriten aus. Aber weit gefehlt, die Rays kamen zurück, glichen auf 2:2 aus und gehen nun mit einer ordentlichen Portion Momentum in das Entscheidungsspiel. Selbst wenn die Astros die Serie noch gewinnen sollten, bringt sie der bis dahin nötige Kraftaufwand ins Hintertreffen gegenüber den Yankees. Diese genießen drei zusätzliche Ruhetage und gehen mit voll regeneriertem Pitching Staff in die American League Championship Series (ALCS).

Verdient haben sich die Yankees die Ruhetage, indem sie die Minnesota Twins innerhalb der Mindestzahl von drei Partien abfertigten. 10:4, 8:2 und 5:1 waren die Resultate der Spiele, in denen für die Yankees fast alles, für die Twins hingegen fast nichts funktionierte. Minnesotas deutscher MLB-Star Max Kepler blieb wie der Rest seines Teams blass, holte lediglich ein paar Walks heraus und brachte es auf keinen Hit.

Die ALCS beginnt Samstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit. Das Heimrecht in den ersten beiden Spielen haben die Astros, wenn sie weiterkommen, beziehungsweise die Yankees, falls ihr Gegner die Rays sind.

National League
In der NL schien es die ganze Saison über ausgemachte Sache zu sein, dass die Los Angeles Dodgers zum dritten Mal hintereinander in die World Series stürmen. Sie waren mit 106 Siegen mit Abstand das stärkste Team, fuhren die meisten Runs ein und ließen die wenigsten gegnerischen Runs zu. Die Washington Nationals, über die Hintertür des Wild-Card-Spiels qualifiziert, sollten für die Dodgers nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum großen Ziel, endlich den Titel zu holen. Genau danach sah es nach Spiel eins, einem souveränen 6:0 der Dodgers, auch aus. Doch vielleicht war man sich der Sache zu sicher und unterschätzte die Nationals. Die jedenfalls gewannen die Spiele zwei und vier und letzte Nacht auch das spannende Spiel fünf (siehe „Spiel der Woche“). Für die Nationals ist der Einzug in die NLCS der größte Erfolg ihrer seit erst 14 Jahren währenden Teamgeschichte. Bei den Dodgers wird derweil in den nächsten Tagen und Wochen Krisenstimmung herrschen. Es würde mich sehr überraschen, wenn Dave Roberts beim nächsten Grand Slam am Donnerstag noch ihr Manager ist.

Der Gegner der Nationals in der NLCS sind die St. Louis Cardinals. Auch ihr Vordringen bis zu diesem Punkt ist eine Überraschung. Durch eine furiosen Aufholjagd in den letzten Wochen der Saison haben sie die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers auf dem Weg zum Gewinn der NL Central abgefangen. In der NLDS ließen sie zweimal die Atlanta Braves vorlegen, um jeweils im nächsten Spiel die Serie auszugleichen. In Spiel fünf hingegen ließen die Cardinals nie Zweifel aufkommen: Noch bevor die Braves vor ihrem heimischen Publikum zum ersten Mal an die Platte traten, führten die Gäste bereits mit zehn Runs (siehe „Szene der Woche“), am Ende gewannen die Cards 13:1.

Die NLCS zwischen den Cardinals und den Nationals beginnt Freitagnacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. St. Louis hat Heimrecht in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben der Best-of-7-Serie.

Szene der Woche 
Nichts war diese Woche so beeindruckend wie das erste Inning der St. Louis Cardinals in Spiel fünf der NLDS gegen die Atlanta Braves. Zehn Runs hatte in der Geschichte der MLB-Playoffs noch nie ein Team im ersten Durchgang erzielt – bis die Cardinals gestern genau das taten. Besonders erstaunlich finde ich, dass ihnen das in diesem an Homerunrekorden reichen Jahr ohne einen einzigen Homerun gelungen ist. Vier Walks, drei Doubles, zwei Singles, ein Sacrifice Bunt, ein Error und ein Wild Pitch summierten sich zu der frühen Vorentscheidung des Spiels.

Statistik der Woche 
16. So viele Playoffspiele haben die Minnesota Twins hintereinander verloren – ein Rekord, auf den sie sicher liebend gern verzichten würden. Seit mittlerweile 16 Jahren hält die Durststrecke an. Der größte Spielverderber für die Twins waren immer wieder die Yankees, welche für 13 der 16 Niederlagen verantwortlich waren.

Spiel der Woche 
Das erste Spiel fünf der letzten Nacht war zwar im ersten Inning sensationell, ansonsten aber ein Langweiler. Ganz im Gegensatz zu der darauf folgenden Partie zwischen den Dodgers und den Nationals. Auch hier gab es eine frühe Führung, 2:0 nach einem und 3:0 nach zwei Innings für die favorisierten Dodgers. Doch Nationals-Starter Stephen Strasburg fand in seinen Rhythmus und hielt das Spiel offen, indem er im Rest seiner sechs Innings nichts mehr zuließ. Der mit Patrick Corbin verstärkte Bullpen steuerte weitere fünf saubere Innings bei und ermöglichte so das Comeback. Dieses gelang ausgerechnet gegen Clayton Kershaw, der sich als Reliever im achten Inning Homeruns von Anthony Rendon und Juan Soto einschenken ließ. Mit 3:3 ging das Spiel ins Extra-Inning, in welchem die größte Stunde in der langen Karriere von Howie Kendrick schlug: Nach einem Walk von Adam Eaton, einem Double von Rendon und einem Intentional Walk von Soto kam der Routinier gegen Joe Kelly an den Schlag und beförderte den zweiten Pitch zum Grand Slam über das Centerfield. Sean Doolittle besiegelte den 7:3-Sieg der Nationals mit einem perfekten zehnten Inning gegen AJ Pollock, Max Muncy und Justin Turner. Eine Schrecksekunde gab es im siebten Inning: Nationals-Catcher Kurt Suzuki wurde von einem Pitch von Walker Buehler an der Hand getroffen, von dort sprang der Ball nach oben und schlug ihm den Helm von Kopf. Suzuki ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung selbstständig vom Feld gehen und war beim Feiern nach dem Spiel schon wieder mit von der Partie.

Mein Einschalttipp
Die Divisional-Runde ist noch nicht vorbei: Heute Nacht ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt es in Houston zum Showdown zwischen den Astros und den Tampa Bay Rays. Tyler Glasnow (1.78 ERA, 2.26 FIP) für die Rays und Gerrit Cole (2.50 ERA, 2.64 FIP) für die Astros bilden ein hochwertiges Pitching-Matchup in der Partie, deren Gewinner in die ALCS gegen die Yankees einzieht. Das Spiel könnt ihr sowohl auf DAZN als auch über mlb.tv verfolgen.

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Oktober 3rd, 2019 by Silversurger

Die Kandidatenliste für die MLB-Meisterschaft ist auf nur noch acht Namen zusammengeschrumpft. Für die Oakland Athletics und die Milwaukee Brewers waren die Playoffs ein kurzes Abenteuer, sie unterlagen in den Wild-Card-Spielen den Tampa Bay Rays beziehungsweise den Washington Nationals. Heute Abend geht es schon los mit den Divisional Series, sozusagen den Viertelfinals um die World Series.

Die wichtigsten Neuigkeiten um die Teams, die es nicht in die Playoffs geschafft haben, sind die bekannt gegebenen Trainerentlassungen. Urgestein Joe Maddon erhält keinen neuen Vertrag bei den Chicago Cubs, die Los Angeles Angels feuern Brad Ausmus nach nur einer Saison und die Pittsburgh Pirates trennen sich von Clint Hurdle, dem sie wenige Tage zuvor noch öffentlich die Treue geschworen hatten. Kurz nach Fertigstellung dieses Artikels ergänze ich noch die Nachricht, dass auch Mickey Callaway und die New York Mets getrennte Wege gehen. Eine andere Art von Abschied feierten die Texas Rangers bei ihrem letzten Saisonspiel am Sonntag. Das 6:1 gegen die Yankees war das letzte Spiel im Globe Life Park. Ab der nächsten Saison werden die Rangers ihre Heimspiele im gleich nebenan neu erbauten Globe Liefe Field austragen.

National League
Die National League hat am Dienstag als erste der beiden Ligen ihr Wild-Card-Spiel absolviert und sie startet heute auch als erste in die Divisional Series.

Ab 23 Uhr heute Abend tragen die St. Louis Cardinals und die Atlanta Braves den ersten Teil ihres Best-of-5-Duells aus. Ein klarer Favorit lässt sich meiner Ansicht nach nicht festmachen. Jedes der beiden Teams hat etwas überraschend seine Division gewonnen, die Braves mit Schwerpunkt auf Offensive, die Cardinals vor allem mit starkem Pitching. Da die Braves den etwas besseren Record in der Saison hatten, genießen sie Heimrecht in den ersten beiden Spielen und auch im fünften Spiel, falls es dazu kommen sollte. Zum Auftakt werden Dallas Keuchel für Atlanta und Miles Mikolas für St. Louis auf dem Mound stehen.

In der zweiten NLDS sind die Rollen eindeutiger verteilt: Die Los Angeles Dodgers sind der klare Favorit in der Serie gegen die Washington Nationals, die heute Nacht um 2:30 mitteleuropäischer Zeit beginnt. Mit Ryu-Kershaw-Buehler und Scherzer-Strasburg-Corbin treffen zwei beeindruckende Starter-Riegen aufeinander. Allerdings sehe ich Vorteile für die Dodgers im Batting Lineup und vor allem im Bullpen. Hinzu kommt, dass die Dodgers sich in aller Ruhe zu Hause auf die Serie einstellen konnten, während die Nationals sowohl das Wild-Card-Spiel als auch die Reise von der Ost- an die Westküste wegstecken müssen.

American League
Einen Tag später als die NL, am Freitag, beginnen auch in der American League die Divisional Series. Ab 20 Uhr unserer Zeit treffen die Houston Astros auf Wild-Card-Gewinner Tampa Bay Rays. Ähnlich wie in der NL zwischen den Dodgers und den Nationals, herrschen auch in dieser Serie scheinbar klare Verhältnisse: Das 107-Siege-Team der Astros geht als haushoher Favorit in die Spiele gegen die Rays. Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke werden in den ersten drei Partien starten und ich wäre nicht überrascht, wenn diese drei Partien den Astros schon ausreichen, um die Best-of-5-Serie zu gewinnen.

Spannender sieht das Matchup zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins aus. Es sind die beiden offensivstärksten Teams der gesamten MLB mit jeweils eher mittelmäßigem Pitching. Die Yankees haben das erste Heimrecht Freitagnacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Starter der Partie wurden noch nicht bekannt gegeben. In jedem Fall müssen die Yankees auf Domingo German verzichten. Der Pitcher steht unter starkem Verdacht, seine Freundin geschlagen zu haben, und ist bis zur Aufklärung des Falles – mindestens für den Rest der Saison – gesperrt.

Szene der Woche 
Der erste Held der diesjährigen Playoffs heißt Juan Soto. Dem 20-Jährigen gelang im Wild-Card-Spiel der NL der entscheidende Hit für seine Washington Nationals. Bis ins achte Inning lagen die Nats noch 1:3 hinten. Die Wende begann mit einem umstrittenen Hit by Pitch: Michael Taylor wurde am Handgelenk getroffen, aber der Ball traf auch das Ende seines Schlägers. Trotz Review konnte die Reihenfolge der Ereignisse nicht zweifelsfrei geklärt werden, daher blieb der Call des Umpires stehen. Es folgten ein Broken-Bat-Single von Ryan Zimmerman in einem At-Bat, das sein letztes für dieses Team hätte sein können, sowie ein Walk von Anthony Rendon. Dann kam der große Auftritt von Soto. Bei geladenen Bases und zwei Outs hämmerte er den Ball ins Rightfield und brachte dadurch die ersten zwei Runs zum Ausgleich nach Hause. Da Milwaukees Trent Grisham den Ball unter dem Handschuh durchrollen ließ, war plötzlich noch mehr möglich. Soto lief weiter zur zweiten Base, ließ diese hinter sich und fand sich zwar in einem Rundown zwischen der zweiten und dritten Base gefangen, konnte diesen aber lange genug verzögern, dass Rendon vor dem Out das 4:3 gelang.

Statistik der Woche 
613. So viele Homeruns haben die Yankees und die Twins in der regulären Saison zusammen erzielt. Es war ein enges Rennen darum, wer der neue Rekordhalter wird. Am Ende hatten die Twins mit 307 die Nase knapp vor den Yankees mit 306. Nun treffen die beiden Teams sich in der ALDS und es ist wohl keine gewagte Vorhersage, dass in dieser Serie viele Bälle sehr weit fliegen werden.

Spiel der Woche 
Beide Wild-Card-Spiele hätten verdient, hier gewürdigt zu werden, aber da das der NL schon zwei Kategorien weiter oben Thema war, hat hier die AL-Partie zwischen den Athletics und den Rays ihren Platz. Das Ergebnis von 5:1 für die Rays hört sich eindeutig an, doch es war durchaus ein spannendes Spiel. Die Athletics hatten sogar mehr Hits als die Rays, 8:7 führten sie in dieser Kategorie. Den Unterschied zugunsten Tampa Bays machte letztlich zweierlei: erstens, dass vier ihrer sieben Hits Homeruns waren, darunter zwei von Leadoff-Hitter Yandy Diaz; zweitens, dass sie mit Charlie Morton einen erfahrenen Pitcher am Start hatten, der sich aus mehreren brenzligen Situationen befreien konnte. Allein für das erste Inning benötigte Morton 32 Pitches, aber letztlich brachte er Jurickson Profar zum Flyout bei geladenen Bases. Insgesamt lieferte Morton fünf Innings mit nur einem unearned Run ab, bevor der Bullpen den Rest besorgte und den Einzug in die ALDS perfekt machte.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Ein besonders Highlight im Baseballjahr ist der morgige Freitag. Es ist der möglicherweise einzige Tag, an dem man vier Playoff-Spiele hintereinander schauen kann. Nur am kommenden Montag könnte es noch einmal so ein volles Programm geben, aber nur wenn beide NL-Serien ins vierte Spiel gehen. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein könnte.

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September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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Oktober 11th, 2018 by Silversurger

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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Oktober 4th, 2018 by Silversurger

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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September 20th, 2018 by Silversurger

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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Oktober 12th, 2017 by Silversurger

Nur noch fünf Teams sind in Rennen um die World Series 2017: Die Yankees, die Astros und die Dodgers sind bereits für die Championship-Serien der beiden Ligen qualifiziert; als letztes Überbleibsel der Divisional-Runde tragen heute Nacht noch die Chicago Cubs und die Washington Nationals das fünfte und entscheidende Spiel ihres NLDS-Duells aus. Im Grand Slam am Donnerstag gibt es heute eine kleine Vorschau zu diesem Spiel und schon mal das wichtigste über die ALCS und die NLCS.

American League
Wie schon in den ersten beiden Runden legt auch in den Championship-Serien die American League vor: Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit der ALCS zwischen den Houston Astros und den New York Yankees.

Die Astros entschieden die Serie gegen die Boston Red Sox mit 3:1 für sich, indem sie nach zwei deutlichen Heimsiegen und einer ebenso deutlichen Auswärtsniederlage Spiel vier in Boston mit 5:4 gewannen. Beide Teams hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie hatten, und aus dem ursprünglichen Matchup von Charlie Morton gegen Rick Porcello nach wenigen Innings ein Duell der Asse Justin Verlander gegen Chris Sale gemacht.

Noch spannender ging es in der anderen ALDS zu, in der die Yankees gegen die Cleveland Indians einen Rückstand von 0:2 Spielen noch in eine 3:2-Serie drehten. Beide Teams gewannen zunächst ihre Heimspiele, bevor in der entscheidenden fünften Partie die Yankees in Cleveland triumphierten. Held des Tages beim 5:2-Sieg war New Yorks Shortstop Didi Gregorius, der Indians-Star Corey Kluber zwei Homeruns einschenkte.

In die ALCS gehen die Astros als klarer Favorit, nachdem sie die bessere reguläre Saison und die dominantere Divisional-Serie hatten und sich dadurch zwei zusätzliche Ruhetage und das günstigere Heimrecht (Spiele 1, 2, 6, 7) verdient haben. Dass die Yankees mit der Rolle des Außenseiters gut umgehen können, haben sie dieses Jahr aber auch schon oft genug bewiesen. Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP) wird das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie für die Astros starten, bei den Yankees läuft es vermutlich auf Masahiro Tanaka (4.74 ERA, 4.34 FIP) hinaus.

National League
In der National League warten die Los Angeles Dodgers schon seit Montag auf einen Gegner. Sie selbst entledigten sich der Arizona Diamondbacks – in der regulären Saison noch der Angstgegner der Dodgers – souverän mit 3:0 Siegen.

Zwischen den Chicago Cubs und den Washington Nationals ist derweil noch nichts entschieden. Zweimal haben die Cubs vorgelegt, zweimal haben die Nationals ausgeglichen. Washington kam dabei zugute, dass Spiel vier wegen Regens um einen Tag von Dienstag auf Mittwoch verschoben werden musste. Der zusätzliche Ruhetag ermöglichte den Nationals, Stephen Strasburg starten zu lassen, der an den Tagen zuvor unter „grippeähnlichen Symptomen“ gelitten hatte. Von diesen war bei seinem Auftritt über sieben dominante Innings, in denen er nur drei Hits und keine Runs zuließ, nichts zu spüren. 5:0 siegten die Nationals und holten damit die Serie zurück nach Washington, wo heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit das fünfte und letzte Spiel der Serie stattfindet (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Den Sieger des entscheidenden Spiels empfangen die Dodgers Samstagnacht um 2 Uhr zum ersten Spiel der NLCS in Los Angeles.

Szene der Woche
Das Thema „Homeruns mit freundlicher Unterstützung“ hatten wir dieses Jahr schon einmal. Jackie Bradley Jr. hat in Spiel drei gegen die Astros ein weiteres Exemplar beigesteuert: Sein Drei-Run-Homer im siebten Inning, der die Partie endgültig zum 10:3-Sieg der Red Sox entschied, war eigentlich einen halben Meter zu kurz. Ein missglückter Catch von Astros-Outfielder Josh Reddick beförderte den Ball aber doch aus dem Spielfeld und die ALDS in ein viertes Spiel. 

Statistik der Woche 
432-378. Das ist die Bilanz von John Farrell aus fünf Jahren als Manager der Boston Red Sox. Das entspricht einer Siegesquote von .533, die noch ansehnlicher dadurch wird, dass in Farrells Zeit der Gewinn der World Series 2013 sowie zwei Divisionssiege hintereinander 2016 und 2017 fallen. Nachdem die Red Sox nun allerdings auch zweimal hintereinander in der ALDS ausgeschieden sind, musste Farrell ein Jahr früher als vertraglich vorgesehen seinen Hut nehmen.

Spiel der Woche
Die spannendste der diesjährigen Divisional-Serien war die zwischen den Cleveland Indians und den New York Yankees. Dieser Serie entstammt auch das spannendste Einzelspiel der Runde: In Spiel zwei des Duells legten die Yankees per Homerun von Gary Sanchez zwei Runs im ersten Inning vor, die von den Indians prompt ausgeglichen wurden. Bis zum fünften Inning zogen die Yankees dann aber, unter anderem durch Homeruns von Aaron Hicks und Greg Bird, auf 8:3 davon. Spiel gelaufen? Mitnichten, denn im sechsten Inning brachte Francisco Lindor die Indians mit einem Grand Slam an den Foul Pole zurück ins Rennen. Jay Bruce, der schon im ersten Spiel der Held gewesen war, vollendete die Aufholjagd durch seinen Homerun zum 8:8. In den Extras waren noch einmal die Yankees nah am Sieg, doch Indians-Catcher Yan Gomes erstickte im elften Inning durch einen Pickoff-Throw an die zweite Base die Hoffnung der New Yorker auf Punkte im Keim. Ausgerechnet Gomes war es schließlich im dreizehnten Inning, dessen Single Austin Jackson nach Hause brachte und damit das Spiel doch noch zugunsten von Cleveland entschied.

Spiel der kommenden Woche
Wie jeder MLB-Fan fiebere ich den Championship-Serien entgegen, aber vorher steht heute Nacht um 2 Uhr noch das Entscheidungsspiel um den letzten Startplatz im Finale der National League an: Die Washington Nationals empfangen den Titelverteidiger Chicago Cubs. Als Starter werden aller Voraussicht nach Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) für Chicago und entweder  Tanner Roark (4.67 ERA, 4.13 FIP) oder Gio Gonzalez (2.96 ERA, 3.93 FIP) für Washington antreten. Nach Hendricks‘ sehr starkem Auftritt aus Spiel eins kann man die Cubs mit ihm als leichte Favoriten sehen – allerdings müssen sie dazu auch ihre mit nur acht Runs aus den ersten vier Partien zu harmlose Offensive in Schwung bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten übrigens die beiden Starter aus Spiel drei – Jose Quintana und Max Scherzer – als Reliever zum Einsatz kommen.

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Oktober 9th, 2017 by Silversurger

Bis zum Ende des MLB-Jahres sind es zum Glück noch rund drei Wochen hin, aber schon heute haben wir zum letzten Mal die Gelegenheit zu einer gepflegten langen Baseballnacht: Vier Spiele hintereinander kann man von heute Abend um sieben bis ca. halb acht morgen früh anschauen und in drei davon kann – muss aber nicht – je eine der Divisional-Serien entschieden werden. Mehr als zwei Spiele pro Nacht werden es danach für den Rest des Jahres nicht mehr werden.

Den Anfang machen um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Houston Astros und die Boston Red Sox mit Spiel vier ihrer Serie im Fenway Park. Dass es zu diesem Spiel überhaupt kommt, haben die Red Sox mit ihrem Comeback-Sieg gestern Abend sichergestellt: Einen 0:3-Rückstand drehten sie, unter anderem durch Homeruns von Jackie Bradley und Rafael Devers, noch in einen 10:3-Erfolg. Auf dem Mound brillierte, nachdem Starter Doug Fister schon nach 1.1 Innings raus musste, David Price mit vier Shutout-Innings. Boston hofft auf einen Rick Porcello (4.65 ERA, 4.60 FIP) in der Form von 2016 in der Hoffnung, auf 2:2 ausgleichen und ein entscheidendes Spiel 5 erzwingen zu können. Die Astros wollen mit Charlie Morton (3.62 ERA, 3.46 FIP) ihren zweiten Matchball zum Erreichen der American League Championship Series verwandeln.

Um 22 Uhr treffen die Chicago Cubs im Wrigley Field auf die Washington Nationals im einzigen Duell, von dem es auf jeden Fall noch eine weitere Auflage geben wird. Nach einem 3:0 der Cubs und einem 6:3 der Nationals steht es in der Serie unentschieden. Das Pitching-Matchup verspricht ein Leckerbissen zu werden mit Cy-Young-Kandidat Max Scherzer für die Nationals (2.51 ERA, 2.90 FIP) und José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) für die Cubs. Scherzer ist allerdings durch seine Oberschenkelzerrung, die ihn an der Teilnahme an den ersten beiden Spielen gehindert hatte, noch eingeschränkt und wird möglicherweise nur einen verkürzten Start absolvieren.

Als nächstes kämpfen um 1 Uhr die New York Yankees ums Überleben gegen die Cleveland Indians. Ein Galauftritt von Masahiro Tanaka mit sieben Shutout-Innings sowie ein Homerun von Greg Bird brachte den Yankees letzte Nacht einen 1:0-Sieg und verhinderte den Sweep der Indians. Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) wird heute darauf brennen, seinen enttäuschenden Start im Wild-Card-Spiel vergessen zu lassen. Die Indians setzen – für mich etwas überraschend – zum zweiten Mal in der Serie auf Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.88 FIP) beim Versuch, die ALDS für sich zu entscheiden und sich drei Ruhetag bis zum Start der Championship-Series zu verdienen.

Zum Abschluss empfangen um 4 Uhr die Arizona Diamondbacks die Los Angeles Dodgers. Durch 9:5- und 8:5-Siege in ihren Heimspielen haben sich die Dodgers eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Sie haben nun drei Versuche, zum dritten Mal zu gewinnen und damit in das Finale um die National League einzuziehen. Leicht werden es ihnen die Diamondbacks im Chase Field sicher nicht machen, da ihr Top-Starter Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) zum ersten Mal in der Serie den Mound übernimmt. Sein Gegenüber wird mit Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP) aber auch kein Schlechter sein.

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Oktober 5th, 2017 by Silversurger

Es wird wohl niemanden überraschen, dass es im Grand Slam am Donnerstag diese Woche vor allem um die ab heute anstehenden Divisional Series der MLB geht. Seit letzter Nacht ist das Teilnehmerfeld komplett, aus den Wild-Card-Spielen haben es die New York Yankees und die Arizona Diamondbacks in die erste „richtige“ Playoff-Runde geschafft. Nun wird es für beide richtig schwer, noch weiter in die Playoffs vorzudringen, denn sie treffen auf die erfolgreichsten Teams der regulären Saison, welche sich die Wild-Card-Spiele ganz entspannt im Fernsehen anschauen durften.

American League
Die American League wird heute vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen heute Abend um 22 Uhr unserer Zeit die Boston Red Sox und die Houston Astros aufeinander, angeführt von Chris Sale (2.92 ERA, 2.84 FIP) und Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). Vom Pitching-Matchup in Spiel 1 her scheinen die Red Sox leicht favorisiert, allerdings sollte man nicht übersehen, dass Verlander seit dem Wechsel von Detroit nach Houston regelrecht aufgeblüht ist: In seinen fünf Starts für die Astros hat er 34 Innings gepitcht und nur vier Runs zugelassen, was Werten von 1.06 ERA und 2.69 FIP entspricht. Insgesamt sehe ich das Pitching der Red Sox als etwas stärker an als das der Astros, während das Batting klar für die Astros spricht. Mit 896 gescorten Runs führt Houston die gesamte MLB deutlich an. Da die Astros auch vom Run Differential (+196 zu +117) und von den erreichten Siegen in der gesamten Saison (101 zu 93) sowie in den letzten 30 Spielen (22 zu 18) her die Red Sox hinter sich lassen und zudem die günstigeren Heimspiele (Spiel 1, 2 und evtl. 5) haben, sehe ich sie als die Favoriten des Duells an. Mein Tipp ist, dass die Astros mit 3:1 Siegen die Oberhand behalten.

Um 1:30 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den New York Yankees um Sonny Gray (3.55 ERA, 3.90 FIP) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.38 FIP). Ich finde es etwas überraschend, dass die Indians Bauer in Spiel 1 ins Rennen schicken und nicht ihren besten Starter Corey Kluber. Offenbar denkt man sich, wenn die Yankees nach dem Wild-Card-Spiel erst mal ihren Nummer-1-Starter Luis Severino ruhen lassen müssen, kann es auch mit Bauer reichen. Ähnlich wie in der anderen ALDS-Paarung tritt auch hier ein Team, das besonders in der Offense überzeugt – die Yankees haben 858 Runs erzielt – auf ein besonders defensivstarkes – die Indians haben nur 564 Runs kassiert, mit Abstand die wenigsten der Liga. Insgesamt bringen beide Mannschaften sehr starke Gesamtpakete auf die Waage, was auch dadurch illustriert wird, dass sie mit +254 (Indians) und +198 (Yankees) die beiden höchsten Run Differentials der gesamten MLB aufweisen. Im Endeffekt halte ich die Indians für das bessere Team – sie gehen ausgeruhter in die Serie, sie haben vor allem in den letzten sechs Wochen der Saison die Liga dominiert und gegen die Yankees haben sie dieses Jahr bereits fünf von sieben Spielen gewonnen. Ich tippe auf einen 3:0-Sweep für Cleveland.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es Freitagnacht um 1:30 Uhr unserer Zeit mit den Chicago Cubs bei den Washington Nationals. Die Cubs gehen mit Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) an den Start. Hendricks steht von der Aufmerksamkeit her immer etwas im Schatten von Jon Lester und Jake Arrieta, obwohl er sowohl dieses Jahr als auch im Meisterschaftsjahr 2016 die besseren Zahlen produziert hat als jene beiden. Bei den Nationals ist Max Scherzer (2.79 ERA, 2.77 FIP) der beste Starter, allerdings ist er nach einer Oberschenkelzerrung noch leicht angeschlagen, sodass noch unklar ist, ob er in Spiel 1 pitcht oder noch ein, zwei Tage länger geschont wird. In Stephen Strasburg (3.46 ERA, 2.81 FIP) steht adäquater Ersatz bereit. Sowohl bei den Cubs als auch bei den Nationals handelt es sich um homogen besetzte und hervorragend gemanagte Teams, die beide sowohl beim Erzielen als auch beim Verhindern von Runs zu den absoluten Topmannschaften der NL gehören. Für mich ist das die engste Serie der Divisional-Runde. Ich tippe auf ein 3:2 für die Nationals.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 4:30 Uhr das Kräftemessen zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks mit einem wohl etwas unausgeglichenen Matchup zwischen Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP) und einem noch zu benennenden Pitcher der Diamondbacks, der nicht Zack Greinke oder Robbie Ray heißt. Die beiden Top-Starter der Diamondbacks wurden im Wild-Card-Spiel gebraucht und stehen deshalb nicht für Spiel 1 zur Verfügung. Innerhalb der Best-of-5-Serie sind sie dann wohl jeweils nur einmal einsetzbar, was die Erfolgschancen ihres Teams deutlich schmälern dürfte. Für die Dodgers sah es noch vor wenigen Wochen so aus, als wäre ein rekordverdächtiger Durchmarsch bis zur World Series vorprogrammiert; dann folgte Ende August bis Mitte September ein brutaler Slump mit 16 Niederlagen aus 17 Spielen und plötzlich sieht LA absolut schlagbar aus. Tatsächlich haben die Dodgers die Saisonserie gegen ihren Divisionskonkurrenten aus Arizona mit 8-11 verloren, darunter die letzten sechs Duelle in Folge. Dadurch relativiert sich etwas ihr aus den meisten Zahlen (Run Differential, Wins, ERA, wRC+,…) ableitbarer Favoritenstatus. Ich glaube dennoch, dass die Dodgers sich durchsetzen werden, in erster Linie weil sie beim Starting Pitching im Gegensatz zum Gegner aus dem Vollen schöpfen können. Mein Tipp ist ein 3:1 für LA.

Szene der Woche
Die Szene der Woche umfasst dieses Mal neun Episoden mit dem immer gleichen Hauptdarsteller: Detroits Super-Utility-Player Andrew Romine. Er nutzte das ansonsten bedeutungslose vorletzte Spiel seiner Tigers am Samstagabend gegen die Twins für ein interessantes Selbstexperiment, indem er auf allen neun Positionen spielte. Er begann im Left Field, von wo er das erste Out des Spiels erzielte und arbeitete sich dann von links nach rechts und von hinten nach vorne durch. Auf jedem Posten verbrachte er ein ganzes Inning, nur als Catcher und Pitcher spielte er etwas kürzer, brachte aber immerhin Miguel Sano zu einem Groundout. Am Schluss war die erste Base dran, an der Romine auch das letzte Out der Partie erzielte und damit den 3:2-Sieg sicherte.

Statistik der Woche 
5.14. Das ist der Earned Run Average der Starter für die New York Mets in dieser Saison. Es ist nicht der schlechteste Starter-ERA der Liga (den hatten die Baltimore Orioles mit 5.70). Aber es ist der schlechteste, den die traditionell pitching-fokussierten Mets jemals hatten und das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Rotation der Mets vor der Saison von vielen (mich selbst eingeschlossen) als die beste der MLB bezeichnet wurde. Noah Syndergaard, Jacob deGrom, Matt Harvey, Steven Matz, Zack Wheeler und als Ersatz Robert Gsellman und Seth Lugo – das hat sich toll angehört, aber außer deGrom sind sie alle weder gesund geblieben noch den Erwartungen gerecht geworden. Die größte Enttäuschung war Matt Harvey, ein Schatten des früher als „The Dark Knight“ bekannten Asses mit einem ERA von 6.70 – und damit der mit Abstand schlechteste Pitcher, der je18 Starts in einer Saison für die Mets absolvieren durfte.

Spiel(e) der Woche
Die erste Playoffrunde bestand zwar leider nur aus zwei Spielen, doch die hatten es in sich: In der AL legten die Minnesota Twins mit drei Runs im ersten Inning los, darunter von Brian Dozier der erste Leadoff-Homerun, mit dem je ein Wild-Card-Spiel begonnen wurde. Yankees-Starter Luis Severino musste alle drei Runs auf seine Kappe nehmen und den Mound schon nach einem drittel Inning räumen. Aber der Bullpen der Yankees ließ dann im ganzen Spiel nur noch einen Run zu und ermöglichte einen am Ende deutlichen 8:4-Sieg, zu dem ein Drei-Run-Homer von Didi Gregorius zum Ausgleich im ersten, ein Solo-Homerun von Brett Gardner im zweiten und ein Zwei-Run-Homerun von Aaron Judge im vierten Inning beitrugen.

Auch das NL-Wild-Card-Spiel war kurz für die beiden Starter: Jon Gray kassierte mit seinen Colorado Rockies schon einen Drei-Run-Homer durch Paul Goldschmidt, bevor ihm überhaupt das erste Out gelang. Nach einem weiteren zugelassenen Run im zweiten Inning musste er raus. Zack Greinke machte es für die Arizona Diamondbacks zunächst besser, pitchte drei saubere Innings und wurde von seiner Offense mit einer 6:0-Führung belohnt. Doch im vierten Inning entglitt ihm das Spiel, nach vier Hits und ebenso vielen Runs endete auch sein Arbeitstag vorzeitig. Die Bullpens konnten den sich entwickelnden Schlagabtausch nicht verhindern, doch am Ende hielt der Vorsprung der Diamondbacks. 11:8 siegte Arizona, nachdem Colorado zwischenzeitlich auf 5:6 und 7:8 herangekommen war.

Spiel der kommenden Woche
Eigentlich ist diese Kategorie dafür gedacht, aus dem großen, bunten Strauß des wöchentlichen MLB-Angebots einen Tipp herauszugreifen, welches Spiel man sich anschauen sollte. In den Playoffs ist die Situation etwas anders, denn jetzt sind alle Spiele wichtig und interessant und man kann nur empfehlen, so viele davon zu sehen wie möglich. Ich persönlich bin am meisten gespannt auf die Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks. Das erste Spiel dieses Duells werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Statt langem Wachbleiben ist in dem Fall mal frühes Aufstehen am Wochenende gefragt, denn die Partie beginnt nach mitteleuropäischer Zeit am Samstagmorgen um 4:30 Uhr.

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