Juli 15th, 2021 by Silversurger

Das All-Star-Game der MLB geht mit 5:2 an die American League. Wir wissen alle, dass es sich um eine Show-Veranstaltung handelt, bei der das Dabeisein viel wichtiger ist als das Ergebnis. Aber dass die AL nun schon neunmal in Folge gewonnen hat, finde ich durchaus bemerkenswert. Bemerkenswert ist ferner, dass Vladimir Guerrero Jr. mit 22 Jahren der jüngste Spieler aller Zeiten ist, der zum wertvollsten Spieler des All-Star-Games gewählt wurde, und dass Shohei Ohtani der erste ist, der in so einem Spiel sowohl als Pitcher als auch als Batter zum Einsatz kam.

In den Tabellen hat sich naturgemäß wenig getan, weil seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag nur am Wochenende gespielt wurde und dann Pause war. Ich gehe daher heute mal in erster Linie auf die Frage ein, wie die Teams wohl an die in zwei Wochen – genauer gesagt am 30. Juli – anstehende Trade-Deadline herangehen werden.

Vorher möchte ich noch ein paar Neuigkeiten der Woche zumindest kurz erwähnt haben: Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Damit fällt einer der aufsehenerregendsten Jungstars der Liga für den Rest der Saison leider aus. Die Toronto Blue Jays haben bei den kanadischen Behörden beantragt, zum 30. Juli aus dem Notquartier in Buffalo (New York) in ihre Heimatstadt zurückkehren zu können. Eine Entscheidung über den Antrag wird für Anfang nächster Woche erwartet. Die Oakland Athletics spielen derweil offen mit dem Gedanken, sich von ihrem bisherigen Standort gänzlich zu verabschieden, wenn sich kein Lösung für die seit Jahren umstrittene Stadionfrage findet. Las Vegas gilt als aussichtsreicher Kandidat für einen Umzug, was sogar MLB-Commissioner Rob Manfred in einem Pressegespräch am Dienstag bestätigte. Manfred äußerte sich dabei auch zu den wegen der Pandemie temporär eingeführten Regeländerungen: Die 7-Inning-Doubleheader werden nächstes Jahr voraussichtlich wieder abgeschafft, ebenso die automatischen Baserunner in Extra-Innings.

National League
In der NL East ist das Verhalten zur Trade-Deadline am ehesten für die New York Mets (47-40) vorhersagbar. Sie werden eindeutig als Buyer auftreten und versuchen, durch Trades die vorhandenen Lücken im Roster zu stopfen. Ganz oben auf der Einkaufsliste steht ein Starting Pitcher, weil durch diverse Verletzungen schon die ganze Saison über ein fünfter Starter fehlt und die Rückkehr und volle Belastbarkeit von Carlos Carrasco und Noah Syndergaard noch ein gutes Stück entfernt sind. Einen offensiv und defensiv verlässlichen Third Baseman könnten die Mets ebenfalls gut gebrauchen – Kris Bryant (Cubs), Josh Donaldson (Twins) oder Adam Frazier (Pirates) sind hier heiße Kandidaten. Ob die Philadelphia Phillies (44-44), die Atlanta Braves (44-45) und die Washington Nationals (42-47) aktiv werden, ist schwer zu prognostizieren. Sie alle sind nur ein, zwei starke Serien von den Mets und damit vom Playoff-Platz entfernt, aber für jedes der Teams scheint die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Run zu gering, als dass man sich dafür weit aus dem Fenster lehnen würde. Für die Nationals wäre es angesichts von sechs Spielen Rückstand eine Überlegung wert, ob man die Segel streicht und beispielsweise Max Scherzer auf den Markt wirft. Klar als Seller dürften die Miami Marlins (39-50) auftreten. Das Prunkstück in ihrem Schaufenster ist Outfielder Starling Marte.

Um die NL Central streiten sich die Milwaukee Brewers (53-39) und die Cincinnati Reds (48-42). Beide können Verstärkungen gebrauchen. Für die Reds wäre – neben Bullpen-Hilfe, die so ziemlich jeder braucht – vor allem ein Shortstop interessant. Dass sie nach dem ganz großen Fisch namens Trevor Story angeln, halte ich aber eher für unwahrscheinlich. Die Brewers haben es mit erstaunlich wenig Offensive an die Spitze der Division geschafft und würden sich dementsprechend gern mit einem starken Batter verstärken, idealerweise einem Corner Infielder. Zwei solche hätten zum Beispiel die Chicago Cubs (44-46) mit Anthony Rizzo und Kris Bryant im Angebot, aber wahrscheinlich würden sie die beiden – ebenso wie All-Star-Closer Craig Kimbrel – lieber außerhalb der Division an den Mann bringen. Im Gegensatz zu den Cubs haben die gleichauf mit ihnen stehenden St. Louis Cardinals (44-46) noch keine eindeutigen Signale gesendet. Realistischerweise dürften sie eher Seller als Buyer sein, aber da sie kaum offensichtliche Trade-Kandidaten haben, ist von ihnen wohl eine eher ruhige Deadline zu erwarten. Bleiben noch die Pittsburgh Pirates (34-56), die schon seit Saisonbeginn als Seller feststehen. 2B Adam Frazier, der auch fast jede andere Feldposition spielen kann, dürfte ihr größtes Trade-Asset sein. Zudem haben sie einige Reliever im Angebot, allen voran Richard Rodriguez.

Im aufregenden Dreikampf um die NL West werden die San Francisco Giants (57-32), die Los Angeles Dodgers (56-35) und die San Diego Padres (53-40) gleichermaßen darauf aus sein, sich zur Deadline den möglicherweise entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Die Dodgers werden in erster Linie nach einem Starting Pitcher suchen – Dustin May fällt für das Jahr aus, Clayton Kershaw wird eine Weile auf der Verletzenliste sein und Trevor Bauer ist beurlaubt, während die Untersuchung der ihm vorgeworfenen sexuellen Gewalttaten andauert. Ein Name, dem ich schon mehrfach als Trade-Target der Dodgers gelesen habe, ist der von Atlantas Starter Charlie Morton. Eventuell werden die Dodgers in den Verhandlungen um Morton oder andere Starter in direkter Konkurrenz mit den Giants stehen, denn auch sie suchen in erster Linie nach einer Ergänzung der Rotation. Padres-Manager AJ Preller ist traditionell sehr aktiv zur Trade-Deadline. Sein Team hat derzeit keine ganz großen Needs, zusätzliche Tiefe können aber sowohl das Lineup als auch das Pitching vertragen. Für die Arizona Diamondbacks (26-66) und die Colorado Rockies (37-50) ist die Frage nicht, ob sie verkaufen werden, sondern nur, wen und für welche Gegenleistung in Form von Talenten. Der Hauptpreis bei den Rockies und möglicherweise der am meisten umworbene Spieler der Liga ist Shortstop Trevor Story, zudem dürften 1B CJ Cron und SP German Marquez auf Interesse stoßen. Bei den Diamondbacks stehen 3B Eduardo Escobar, OF David Peralta und SP Merrill Kelly im Schaufenster.

American League
Die Boston Red Sox (55-36) finden sich etwas unverhofft an der Spitze der AL East wieder. Klaffende Löcher haben sie nicht im Kader, aber wenn sich ein Deal anbietet, der ihnen ein Upgrade an der ersten Base, im Outfield oder für die Rotation bringt, sind sie sicher nicht abgeneigt. Auch die Tampa Bay Rays (53-37) werden im Einkauf-Modus sein. Sie sind bekanntlich stets darauf aus, die Payroll klein zu halten, aber ihre Farm ist so tief besetzt, dass sie für einen Spieler, der ihnen weiterhilft, möglicherweise lieber ein Prospect mehr bezahlen und dafür den abgebenden Verein einen Teil des Gehalts übernehmen lassen. DH Nelson Cruz von den Twins könnte ein Kandidat für einen solchen Trade sein. Die Toronto Blue Jays (45-42) und die New York Yankees (46-43) sind im Mittelmaß gefangen und sowohl in der Division als auch in der Wild-Card-Rangliste ein gutes Stück entfernt von einem Playoff-Platz. Beide scheinen nicht gewillt, die Saison vorzeitig aufzugeben, aber sie werden sicher auch nicht all-in gehen. Wenn sie Spieler dazuholen, dann am ehesten jemanden, der für mindestens ein weiteres Jahr unter Vertrag ist – jemanden wie OF Joey Gallo zum Beispiel. Als schwächstes Team der American League bleibt den Baltimore Orioles (28-61) mal wieder nichts anderes übrig als an einer besseren Zukunft zu bauen. OF Cedric Mullins und SP John Means werden umworben sein, aber ich glaube nicht, dass sie einen davon hergeben. Eher werden sie sich von 1B Trey Mancini und/oder OF Anthony Santander trennen.

Die Chicago White Sox (54-35) führen nicht nur unangefochten die AL Central an, sie haben mit dem 85-jährigen Owner Jerry Reinsdorf und dem 76-jährigen Manager Tony LaRussa auch zwei Verantwortliche, die eher den schnellen Erfolg suchen als dass sie sich viele Gedanken um Prospects machen, die vielleicht in drei Jahren gut sind. Ein Second Baseman als Ersatz für den verletzten Nick Madrigal wird wohl ihr Hauptziel sein, Eduardo Escobar oder Adam Frazier könnten hier gut passen. Die Cleveland Indians (45-42) sind wieder so ein Team im Niemandsland mit entfernten Chancen auf einen Wild-Card-Platz. Sie könnten in beide Richtungen gehen, wobei mein Tipp eher in Richtung Seller neigt. Denn ich denke, dass die Indians nach der Saison einen Rebuild vor sich haben und der ließe sich abkürzen, wenn man jetzt schon ein, zwei Spieler wie OF Eddie Rosario oder auch 3B Jose Ramirez gegen Prospects tauscht. Für die Detroit Tigers (40-51), die Minnesota Twins (39-50) und die Kansas City Royals (36-53) ist die Lage deutlich klarer. Sie alle können die aktuelle Saison abhaken, wenn auch mit unterschiedlichen Aussichten für die Folgejahre. Die Twins sehen 2021 als Ausrutscher und werden nicht den Kern des Teams aushöhlen. DH Nelson Cruz, dessen Vertrag ausläuft, wird sicher zu haben sein, vielleicht auch SP Jose Berrios und wenn der Preis stimmt eventuell 3B Josh Donaldson. Auch die Tigers wollen bald wieder eine Rolle spielen und haben ihr Franchise-Building zu diesem Zweck schon weitgehend abgeschlossen. Verkaufen werden sie nur bei wirklich guten Angeboten; am wahrscheinlichsten ist, dass sie 2B Jonathan Schoop abgeben, dessen Vertrag ausläuft. Die Royals sind weit entfernt von Konkurrenzfähigkeit und werden jeden Spieler verkaufen, der einen Tradewert hat. Die SPs Mike Minor und Danny Duffy sowie 1B/DH Carlos Santana sind hier die ersten, die mir einfallen.

Die Houston Astros (55-36) haben ein alterndes Roster, dessen Erfolgsfenster in diesem Jahr offenbar noch einmal weit offen steht. Das macht den Tabellenführer der AL West zum Kandidaten für eine aggressive Trade-Deadline. Ein linkshändiger Batter dürfte ihr Hauptziel sein, vielleicht Adam Frazier. Auch die Oakland Athletics (52-40) werden nicht untätig bleiben. Einen Blockbuster erwarte ich von dem stets preisbewussten Team eher nicht, aber einen nicht zu teuren Starter würden sie wohl ebenso nehmen wie einen bezahlbaren Hitter für die Mitte des Lineups, zum Beispiel Nelson Cruz. Die Seattle Mariners (48-43) und die Los Angeles Angels (45-44) bilden in dieser Division das schon mehrfach zitierte Niemandsland. Ich sehe beide tendenziell als Buyer, erwarte aber kein sehr aktives Herangehen an die Deadline. Die Texas Rangers (35-55) hingegen werden die Garage weit aufmachen und zahlreiche Spieler im Angebot haben. SP Kyle Gibson, RP Ian Kennedy, 2B Brock Holt und OF Joey Gallo könnten allesamt das Ende des Monats bei einem neuen Team erleben.

Szene der Woche
Es kam an dieser Stelle schon öfter vor, dass ich mich nicht entscheiden konnte und deshalb zwei oder drei Szenen zeigte, aber heute gibt es eine Premiere mit satten 74 Szenen der Woche. Wenn ihr das Home Run Derby Montagnacht nicht gesehen habt, dann bekommt ihr im folgenden Video die Chance, noch mal alle Homeruns von Pete Alonso zu sehen, mit denen er das Derby zum zweiten Mal hintereinander für sich entscheiden konnte:

Statistik der Woche 
20. So viele Pitcher wählten die Los Angeles Angels in der diesjährigen Draft der MLB in ebenso vielen Runden. Es war das erste Mal, dass ein Team in einer Draft ausschließlich Pitcher auswählt – abgesehen von den Miami Marlins in der Draft 2020, die coronabedingt auf fünf Runden beschränkt war. Als Pick Nummer eins in diesem Jahr entschieden sich die Pittsburgh Pirates für Catcher Henry Davis aus Louisville. Das war eine Überraschung, denn Davis galt zweifelsfrei als Erstrundentalent, doch als First overall hatte ihn kaum jemand auf der Rechnung. Die vorab als Favoriten gehandelten RHP Jack Leiter (Vanderbilt) und SS Marcelo Mayer (Eastlake Highschool) gingen als Nummer zwei an die Texas Rangers bzw. als Nummer vier an die Boston Red Sox. RHP Kumar Rocker (Vanderbilt), der ebenfalls als Kandidat für einen Top-Pick gehandelt wurde, fiel auf Rang 10 an die New York Mets.

Spiel der Woche
Für die Partie der San Diego Padres gegen die Washington Nationals vom letzten Donnerstag erwartete man eigentlich ein Pitcherduell zwischen den Assen Yu Darvish und Max Scherzer. Doch keiner der beiden Starter schaffte es aus dem vierten Inning heraus. Die Show stahl ihnen San Diegos Relief Pitcher Daniel Camarena – nicht mit seinem primären Handwerk, sondern mit dem, was ihm im zweiten At Bat seiner MLB-Karriere gelang: Der Reliever kam bei geladenen Bases an den Schlag und erzielte einen Grand Slam. Camarena ist der erste Relief Pitcher seit 1985, dem ein Grand Slam gelungen ist, und neben Bill Duggleby im Jahr 1898 der einzige, der das mit seinem ersten Hit geschafft hat. Der 4-Run-Schlag war zudem das Kernstück eines furiosen Comebacks der Padres, die zur Mitte des vierten Innings 0:8 zurücklagen und am Ende einen 9:8-Sieg davontrugen.

Mein Einschalttipp
Es geht vor allem in der American League gleich wieder gut los nach der Pause, zum Beispiel mit dem Klassiker der Yankees gegen die Red Sox, dem Spitzenduell White Sox gegen Astros und der Letzte-Hoffnung-Serie zwischen den Angels und den Mariners. Mein Einschalttipp für das Wochenende ist aber eine Serie der National League und zwar die der Milwaukee Brewers als Tabellenführer der NL Central bei ihrem Verfolger, den Cincinnati Reds. Mit einem 3-Spiele-Sweep in Milwaukee unmittelbar vor der Pause haben die Reds dafür gesorgt, dass die Division wieder spannend ist. Jetzt müssen die Brewers gleich noch einmal gegen den ungeliebten Gegner ran, dieses Mal in Cincinnati. Von der Uhrzeit her liegt aus europäischer Sicht die Partie am Sonntag ab 19:10 Uhr am günstigsten. Übrigens sind an diesem Wochenende alle Spiele auf mlb.tv kostenlos zu sehen.

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Juli 8th, 2021 by Silversurger

Über das Wochenende wird noch gespielt, dann ist erstmal ein paar Tage Pause in der MLB. Kurz vor dem All-Star-Break haben sich zwei ehemalige Contender, die Chicago Cubs und die Cleveland Indians, durch längere Niederlagenserien aus dem Kreis der Playoffanwärter wahrscheinlich verabschiedet.
Während der nächsten Woche werden das Home Run Derby und das All-Star-Game im Mittelpunkt des Interesses stehen. Beide Veranstaltungen sind zwar in erster Linie Show-Events ohne direkte Bedeutung für die Saison, aber die Erfahrung zeigt, dass auch diese Pausenfüller immer wieder für interessante Geschichten sorgen. Eine davon ist in diesem Jahr Shohei Ohtani. Er wird aller Voraussicht nach der erste Spieler sein, der in einem All-Star-Game sowohl als Pitcher als auch als Batter zum Einsatz kommt.

American League
Die AL East stellt sich zur Pause als 3-Klassen-Gesellschaft dar. Die Boston Red Sox (54-34) halten den Spitzenplatz, gefolgt von den Tampa Bay Rays (51-36), die den Abstand in den letzten Tagen auf 2,5 Spiele verkleinern konnten, weil die Red Sox zweimal gegen die Angels patzten. In der Mitte der Division kämpfen die Toronto Blue Jays (44-40) und die New York Yankees (44-41) mit der .500-Schwelle, mit enttäuschten Erwartungen und um die Restchance auf einen Platz in den Playoffs. Das alles haben die Baltimore Orioles (28-58) als schwächstes Team der AL längst hinter sich. 

In der AL Central ziehen die nächsten Gegner der Orioles, die Chicago White Sox (51-35), immer einsamer ihre Kreise. In ihren Serien gegen die Minnesota Twins (35-50) und die Detroit Tigers (40-47) brachten sie es diese Woche zwar nur auf eine 3-3-Bilanz. Aber das ist schon mehr als genug, um die Cleveland Indians (42-42) abzuhängen, da diese ihre letzten neun Spiele allesamt verloren haben. Wenn die Pleitenserie auch in den anstehenden Spielen gegen die Kansas City Royals (36-50) anhält, müssen die Indians ihren zweiten Platz womöglich schon bald an die Tigers abgeben, die seit ein paar Wochen eine beeindruckende Form aufweisen. Mit den Playoffs dürfte in dieser Division so oder so niemand außer den White Sox etwas zu tun haben. 

Die Houston Astros (54-33) haben den peinlichen Sweep durch die Orioles am vorletzten Wochenende offenbar als Weckruf angenommen. Jedenfalls hat der Spitzenreiter der AL West seitdem alle sechs Spiele gewonnen, auch und vor allem die beiden letzten gegen den direkten Konkurrenten, die Oakland Athletics (49-39). Die Astros sind sowohl mit ihrer Bilanz als auch mit ihrem Run Differential von +141 das stärkste Team der AL. Die Athletics hingegen müssen sich nach zwölf Niederlagen aus den letzten 17 Spielen fragen, wohin der Blick in den nächsten Wochen gehen soll – nach oben, wo der Abstand zu den Astros inzwischen 5,5 Spiele beträgt, oder nach unten, wo den Seattle Mariners (45-42) und den Los Angeles Angels (44-42) nur noch 3,5 bzw. 4 Spiele auf die A’s und damit auf einen Wild-Card-Platz fehlen. Wenn sie den All-Star-Break nicht im Panik-Modus verbringen wollen, benötigen die Athletics dringend Erfolge im letzten Spiel der Serie gegen die Astros sowie im darauf folgenden Duell mit den abgeschlagenen Texas Rangers (34-53).

National League
Die NL East ist nach wie vor die schwächste Division der MLB – zumindest in der Hinsicht, dass sie die einzige ist, in der vier Teams bei einer Bilanz von unter .500 stehen. Die New York Mets (45-38) führen dadurch recht souverän die Tabelle an, obwohl ihre Siegquote von .542 in jeder anderen Division nur für Rang zwei bis vier reichen würde. Nach einigen schwachen Serien gegen die direkten Konkurrenten zeigten die Leistungen der Mets zuletzt bei 2-1-Erfolgen gegen die Yankees und die Brewers wieder nach oben. Angesichts der schwachen Pirates als letzter Gegner vor und erster Gegner nach der Pause besteht eine gute Chance, mit hohem Selbstvertrauen in selbige hinein und aus hier heraus zu gehen. Hinter den Mets geht es zwischen den Washington Nationals (42-43), Atlanta Braves (42-44) und Philadelphia Phillies (41-43) sehr eng zu. Die Miami Marlins (38-47) haben auf dieses Trio ein paar Spiele Rückstand, siegten aber immerhin gerade dreimal gegen die Dodgers und sind der beste Tabellenletzte der Liga – mit acht Spielen auf die Mets sind sie näher an der Spitze als beispielsweise die Yankees, die Cubs oder die Mariners. 

Apropos Cubs: Das Team aus Chicago (43-44) war vor zwei Wochen noch voll im Rennen um die NL Central und ließ damals mit einem No-Hitter gegen die Dodgers aufhorchen. Seit diesem denkwürdigen Spiel verloren sie jedoch erschreckende elf Spiele hintereinander. Gestern Abend stand zwar gegen die Phillies endlich mal wieder ein Sieg zu Buche, aber der Anschluss an die Milwaukee Brewers (52-36) ist längst weg und selbst die Cincinnati Reds (45-41) haben sich inzwischen an den Cubs vorbei geschoben. Dass sowohl die Cubs als auch die St. Louis Cardinals (43-45) bereits einen Strich unter die Saison machen können, dürfte vor allem im Hinblick auf die in drei Wochen anstehende Trade-Deadline interessante Optionen für die ambitionierteren Teams eröffnen.

Die NL West ist und bleibt der klare Favorit, beide Wild-Card-Plätze der NL einzusacken. Es wäre auch tatsächlich ein Jammer, auf ein Team aus dem Trio San Francisco Giants (54-32), Los Angeles Dodgers (53-34) und San Diego Padres (51-38) in den Playoffs verzichten zu müssen. In den letzten Tagen hatten sie allerdings einen gemeinsamen Durchhänger: Die Giants verloren zwei Spiele gegen die Cardinals, die Padres zwei gegen die Nationals, die Dodgers sogar drei gegen die Marlins. An diesem Wochenende dürfen alle drei nochmal zu Hause gegen lösbare Gegner antreten: die Dodgers gegen die Arizona Diamondbacks (25-63), die Padres gegen die Colorado Rockies (37-50) und die Giants gegen die Nationals.

Szene der Woche
Es muss nicht immer Ohtani sein: Neben dem (mit Recht) gehypten 2-Way-Star der Angels gibt es in der MLB durchaus noch andere Pitcher, die ordentlich hitten. Man denke an Jacob deGrom, der selbst einen Batting Average von .364 aufweist, während er den Gegnern der Mets in seinen Starts einen Average von gerade mal .126 erlaubt. Oder an Max Fried von den Braves, der ebenfalls eine solide Keule schwingt und seinem Team am Sonntag damit den Sieg brachte. Die ungewöhnliche Entscheidung, im zehnten Inning einen Pitcher als Pinch-Hitter zu bringen, war nötig geworden, weil die Braves bei ihrem 4-Run-Comeback im neunten Inning gegen die Marlins ihre gesamte Bank aufgebraucht hatten. Die Marlins luden sich sogar absichtlich die Bases mit einem Intentional Walk für Backup-Catcher Kevan Smith, um Fried an die Platte zu bringen. Das erwies sich als Fehler, denn Frieds 2-Out-Single brachte den Walkoff-Sieg für die Braves.

Statistik der Woche 
1. So viele Pitches warf Marlins-Starter Pablo Lopez in Spiel eins der eben schon erwähnten Serie gegen die Braves, bevor er des Platzes verwiesen wurde. Es ging dabei nicht, wie man vermuten könnte, um den aktuellen Kampf der Liga gegen den Gebrauch von Klebemitteln, sondern um einen abgeworfenen Batter. Der erste Pitch des Spiels traf Ronald Acuna Jr. am Oberarm. Nach kurzer Diskussion und einer lauthals vorgetragenen Beschwerde von Braves-Manager Brian Snitker stuften die Umpires die Aktion als absichtlich ein und sprachen die Ejection gegen Lopez aus. Manager Don Mattingly und Pitching-Coach Mel Stottlemyre Jr., die ihrem Pitcher beisprangen, flogen ebenfalls vom Platz. Zwischen Acuna und den Marlins gibt es eine von wenig gegenseitiger Liebe geprägte Vorgeschichte seit Acunas Rookiesaison 2018. Acuna wurde seitdem sechsmal von Marlins-Pitchern abgeworfen, dreimal davon mit dem ersten Pitch.

Spiel der Woche
Die Saison der Kansas City Royals ist arm an Highlights, aber hier ist eines: Gegen die Cincinnati Reds gelang es am Dienstag, einen 1:6-Rückstand innerhalb der letzten beiden Innings zu drehen. Den entscheidenden Walkoff-Single erzielte Catcher Salvador Perez, einer der wenigen Stars der Royals. Es war Perez‘ dritter Walkoff-Hit in diesem Jahr – bei insgesamt nur vier Walkoff-Siegen der Royals.

Mein Einschalttipp
Ich weiß, die Konkurrenz am Sonntagabend ist groß, sowohl durch den laufenden MLB-Spielbetrieb als auch durch das Finale der Fußball-EM. Aber ich rühre immer wieder gern die Werbetrommel für das MLB Futures Game. Zum Auftakt der All-Star-Woche treffen sich die potenziellen Stars von morgen zu einem Freundschaftsspiel und ermöglichen so, in konzentrierter Form einen Blick auf die Namen und Gesichter zu werfen, die die MLB in wenigen Jahren prägen werden. Unter den 50 nominierten Teilnehmern sind sechs der acht Top-Prospects der MLB: Orioles-Catcher Adley Rutschman, Tigers-Infielder Spencer Torkelson, die Mariners-Outfielder Jarred Kelenic und Julio Rodriguez, Royals-Shortstop Bobby Witt Jr. und Padres-Shortstop CJ Abrams. Rutschman und Torkelson waren die Nummer-1-Picks der letzten beiden Drafts. Das Spiel beginnt um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit und wird auf mlb.com gestreamt. 

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April 8th, 2021 by Silversurger

Die MLB ist zurück. In der ersten Woche gab es eine Menge großartiger Szenen und Spiele, leider aber auch schon die ersten coronabedingten Spielausfälle. Zudem gab es politisch verursachten Trubel um das All-Star-Game: Die Ligaleitung hat entschieden, dieses nicht wie geplant in Atlanta auszutragen, sondern es nach Denver zu verlegen. Hintergrund ist eine Änderung des Wahlgesetzes im Staat Georgia, die relativ offensichtlich dem Ziel dient, sozialen und ethnischen Minderheiten die Wahlteilnahme zu erschweren. MLB-Commissioner Rob Manfred teilte in einer Erklärung mit, dass er die Verlegung des Spiels als „besten Weg, unsere Werte als Sport zu demonstrieren“ ansieht. Ich halte das für ein grundsätzlich richtiges Zeichen, wenngleich ich auch die Enttäuschung der als Gastgeber ausgebooteten Atlanta Braves verstehe, die keine Schuld an der Gesetzgebung ihres Staates tragen. Jetzt aber zum Sport: 

National League
Über die NL East lässt sich bislang am wenigsten sagen, da sie vom ersten Tag der Saison an stark von Ausfällen betroffen war. Ein Covid-19-Ausbruch im Team der Washington Nationals (1-2) führte dazu, dass deren gesamte Serie gegen die New York Mets (1-2) verschoben werden musste. Seit Dienstag sind die Nationals wieder im Einsatz, müssen allerdings noch für einige Tage auf Patrick Corbin, Jon Lester, Yan Gomes, Alex Avila, Josh Bell, Josh Harrison, Jordy Mercer, Kyle Schwarber und Brad Hand verzichten. Für einen Sieg im ersten Spiel gegen die Atlanta Braves (2-4) reichte es trotzdem. Die Braves hatten vorher schon einen lupenreinen Fehlstart, indem sie sich 0-3 von den Philadelphia Phillies (5-1) sweepen ließen. Im gestrigen Doubleheader gegen die Nationals konnten sie sich mit zwei Siegen rehabilitieren. Auch die Miami Marlins (1-5) sind schwach gestartet und sehen nicht so aus, als könnten sie die Überraschung der letzten Saison wiederholen.

Vielleicht kommt das Überraschungsteam des Jahres 2021 aus der NL Central. Die Cincinnati Reds (5-1) haben aus sechs Spielen nicht nur fünf Siege, sondern auch ein beeindruckendes Run Differential von +31 eingefahren. Allerdings holten sie den größten Teil davon gegen die Pittsburgh Pirates (1-5). Die richten sich wohl wie erwartet von Anfang an im Keller ein, zumal sich mit Ke’Bryan Hayes ihr einziger Star im ersten Saisonspiel verletzte. Zwischen den beiden Favoriten der Division, den St. Louis Cardinals (4-2) und den Milwaukee Brewers (3-3), steht ab heute eine möglicherweise weichenstellende Serie an. Die Chicago Cubs (3-3) haben derweil das Glück, in ihrer dritten Serie schon zum zweiten Mal gegen die Pirates antreten zu dürfen.

Die NL West begann bemerkenswert, indem eines der wohl schwächsten Teams der MLB, die Colorado Rockies (2-4), das wohl stärkste, die Los Angeles Dodgers (5-2), im Eröffnungsspiel besiegte. Aber das Strohfeuer ist schon wieder erloschen: Die Dodgers haben ihren gewohnten Platz an der Spitze der Division eingenommen, die Rockies bilden gemeinsam mit den Arizona Diamondbacks (2-4) das Schlusslicht. Mit den San Diego Padres (4-3) und den San Francisco Giants (3-3) auf dem dritten Platz ist die NL West die einzige Division, die schon nach einer Woche ziemlich genau so dasteht, wie man es auch für das Ende der Saison erwarten würde. Die Padres müssen allerdings einen harten Schlag verkraften: Fernando Tatis Jr. musste am Montag ausgewechselt werden, nachdem er sich bei einem harten Schwung die Schulter auskugelte. Die Schwere der Verletzung ist noch unklar, doch es scheint sich um mehr zu handeln als „nur“ um ein aus der Pfanne und wieder zurück gesprungenes Gelenk. Der Star-Shortstop steht auf der 10-Tage-Verletztenliste und unterzieht sich weiteren Untersuchungen.

American League
Die Baltimore Orioles (4-2) haben sicher schon ein paar Screenshots von der Tabelle der AL East geschossen. Durch einen Sweep gegen die Boston Red Sox (3-3) in der Eröffnungsserie setzten sie sich an die Spitze der Division, und dort stehen sie nach zwei Niederlagen und einem Extra-Inning-Sieg gegen die New York Yankees (3-3) immer noch. Die Red Sox überraschten ihrerseits, indem sie dem desolaten Start einen Sweep gegen die Tampa Bay Rays (2-4) folgen ließen. Gute und schlechte Nachrichten gibt es für die Toronto Blue Jays (3-3): Die gute ist, dass der Klub mit General Manager Ross Atkins eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre aushandeln konnte. Die schlechte ist, dass das Debüt von Neueinkauf George Springer nach wie vor auf sich warten lässt. Springer startete die Saison auf der Verletztenliste wegen einer Bauchmuskelzerrung; die ist inzwischen überwunden, doch nun sind beim Rennen Schmerzen im Oberschenkel aufgetreten und machen den geplanten Auftritt beim heutigen Home-Opener gegen die Angels unmöglich.

Den besten Start in der AL Central haben die Minnesota Twins (4-2) erwischt, die ihre Serien gegen die Brewers und gegen die Detroit Tigers (3-3) jeweils 2-1 gewannen. Am Wochenende wird es interessant, wenn die etwas besser als erwartet dastehenden Kansas City Royals (3-2) bei den etwas schlechter als erwartet gestarteten Chicago White Sox (3-4) antreten. Die Cleveland Indians (2-3) bieten derweil das Bild, das man von ihnen gewohnt ist: die wenigsten erzielten Runs in der gesamten AL und dennoch ein Run Differential von +1 dank ihres hervorragenden Pitchings.

In der AL West hatte gleich die erste Serie schon stark richtungsweisenden Charakter: Die Oakland Athletics (1-6) mussten im eigenen Ballpark einen 4-Spiele-Sweep der Houston Astros (5-1) hinnehmen. Da die A’s auch die nächsten beiden Spiele gegen die Dodgers verloren und obendrein den Ausfall ihres Closers Trevor Rosenthal verkraften müssen, stehen sie bereits mit dem Rücken zur Wand. Zu allem Überfluss müssen sie jetzt nach Houston reisen. Aber vielleicht geht ja ein Ruck durch das Team, nachdem gestern per Extra-Innings-Walkoff über die Dodgers der erste Saisonsieg eingefahren wurde. Außer den Astros sind auch die Los Angeles Angels (4-2) stark in die Saison gestartet, unter anderem mit drei Siegen gegen die White Sox. In einem davon hatte Shohei Ohtani seinen großen Auftritt, indem er zum ersten Mal im selben MLB-Spiel pitchte und schlug. In 4.2 Innings erzielte er einen Homerun und ließ nur einen gegnerischen Run zu. 

Szene der Woche
Die folgende Szene aus dem Eröffnungsspiel zwischen den Dodgers und den Rockies ist so kurios wie erklärungsbedürftig: Mit Justin Turner als Runner an der ersten Base schlägt Cody Bellinger einen weiten Ball ins Leftfield. Raimel Tapia bekommt den Ball kurz in den Handschuh, lässt ihn aber über den Zaun fallen. Bellinger und Turner denken zunächst, dass es ein Homerun ist, doch dann ist sich Turner der Sache nicht mehr sicher und sprintet zurück zur ersten Base, wie es nach einem Flyout erforderlich wäre. Dabei achtet er nicht auf Bellinger und läuft an diesem vorbei. Regeltechnisch hat Bellinger dadurch Tuner beim Baserunning überholt und ist automatisch aus – trotz des inzwischen von den Umpires bestätigten Homeruns. Weil Bellinger zwischen der ersten und zweiten Base aus ist, gilt sein Schlag nur als Single. Turner darf aber um die Bases laufen, der RBI dafür geht an Bellinger.

Zwei Tage später schlug übrigens die ausgleichende Gerechtigkeit in Form einer verblüffend ähnlichen Szene zu: Dieses Mal war Zach McKinstry für die Dodgers am Schlag. Wieder flog der Ball Richtung Leftfieldzaun, wieder war Raimel Tapia mit dem Handschuh dran. Dieses Mal landete der Ball im Feld, aber weil Tapia das zu spät merkte, gelang McKinstry ein Inside-The-Park-Homerun. 

Statistik der Woche 
8. So viele Hits hatte Yermin Mercedes von den Chicago White Sox in ebenso vielen Plate Appearances zum Start der Saison. Das ist MLB-Rekord und auch deshalb erstaunlich, weil von dem 28-Jährigen bisher kaum jemand je gehört hatte. Kurz vor Saisonstart war er durch die Verletzung von Eloy Jimenez in den Kader gerutscht und durfte im ersten Spiel als DH antreten. Er schlug 5-für-5 und traf im nächsten Spiel erneut dreimal hintereinander, bevor ihn beim neunten Versuch ein Flyout ereilte.

Die zweite Feel-Good-Story des Opening Weekends möchte ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen: Auch die Detroit Tigers haben einem bislang kaum bekannten Spieler eine Chance gegeben, und auch er nutzte sie auf spektakuläre Weise: Akil Baddoo schlug den ersten Pitch seiner MLB-Karriere zum Homerun. 

Spiel der Woche
Die Entscheidung fällt schwer angesichts der vielen tollen Spiele, die die erste Woche zu bieten hatte. Weil es in diesem Artikel bisher vor allem um Offense ging, geht meine Stimme hier an die Partie der Twins gegen die Brewers vom Samstag. José Berrios und Corbin Burnes lieferten sich sechs Innings lang ein geradezu wahnwitziges Pitcherduell: 12 Strikeouts für Berrios, 11 für Burnes, kein Walk und kein Hit auf beiden Seiten. Die einzigen Baserunner ließen beide Pitcher im fünften Innning durch jeweils einen Hit-by-Pitch zu. Im siebten Inning beendete Byron Buxton per Homerun den No-Hitter von Burnes. Berrios wurde trotz seines noch intakten No-Hitters nach sechs Innings und 84 Pitches ausgewechselt. Den ersten und einzigen Hit der Brewers erzielte Omar Narvaez im achten Inning gegen Tyler Duffey.

Mein Einschalttipp
Am Wochenende steht die Paarung an, die letztes Jahr das Duell in der AL darstellte: Die New York Yankees treffen auf die Tampa Bay Rays. Beide Teams hatten einen durchwachsenen Start und dürften entsprechend motiviert sein, das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen. Die erste Partie der 3-Spiele-Serie beginnt am Freitag zur perfekten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr und ist obendrein das Free Game of the Day auf mlb.tv. Als Starting Pitcher treten die beiden Routiniers Rich Hill (Rays) und Corey Kluber (Yankees) an.

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Dezember 8th, 2020 by Silversurger

Ihr wollt sie, ihr bekommt sie: Eine überwältigende Mehrheit der teilnehmenden Baseblog-Leserinnen und Leser hat im Offseason-Wunschkonzert für eine Serie über die größten Skandale der MLB-Geschichte gestimmt. Pflichtschuldig habe mich umgehend durch die Wäschekammer des Baseballs gewühlt und die zehn schmutzigsten Geschichten ausgegraben, um sie euch im Laufe der nächsten Wochen vorzustellen. 

Den Anfang macht heute ein Ereignis, an das man normalerweise nicht so schnell denkt, wenn es um Betrug oder krumme Geschäfte geht: ein All-Star-Game. Das jährliche Freundschaftsspiel der Stars der National League gegen jene der American League ist sportlich nicht mehr als ein fröhlicher Pausenfüller zur Halbzeit der regulären Saison. Die Berufung zur Teilnahme an dem Spiel ist jedoch durchaus ein wichtiger Eintrag in der Vita eines MLB-Spielers.

Wie und von wem man gewählt werden kann, hat sich seit dem ersten All-Star-Game 1933 ein paarmal geändert. Für die ersten beiden Spiele wählten die Fans die Starter beider Teams, die jeweiligen Manager füllten die Kader auf. Von 1935 bis 1946 wurden die Teams allein von den Managern bestimmt, bevor man 1947 dahin zurückkehrte, zumindest die acht Positionsstarter von den Fans bestimmen zu lassen. Das ging zehn Jahre gut, bis das Wahlsystem 1957 von Anhängern der Cincinnati Redlegs (den heutigen Reds) allzu offensichtlich missbraucht wurde.

Die Wahl zum All-Star-Team der National League 1957 brachte hervor, dass sieben von acht Starterposten von Spielern der Redlegs besetzt wurden. First Baseman Stan Musial von den St. Louis Cardinals war der einzige Nicht-Redleg, der gewählt wurde – mit knapper Mehrheit vor George Crowe, dem First Baseman der Redlegs. Die Redlegs hatten damals zweifellos eine starke Offensive, aber kaum jemand glaubte ernsthaft daran, dass sie es verdienten, das NL-Team quasi alleine zu stellen.

Bei einer Untersuchung, die der damalige MLB-Commissioner Ford Frick in Auftrag gab, stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen aus Cincinnati stammte. Eine ganze Reihe von Sponsoren und Unterstützern der Redlegs hatte mit Mitteln auf die Wahl eingewirkt, die über das übliche Maß lokaler Mobilisierung weit hinausgingen. So hatten zum Beispiel die Tageszeitungen „The Cinicnnati Enquirer“ und „Cincinnati Times-Star“ mehrfach Wahlzettel abgedruckt, die mit dem kompletten Lineup der Redlegs vorausgefüllt waren. Die Brauerei „Burger Beer“ hatte 250.000 Vordrucke an Lokale verteilt, und es wurde von Wirten berichtet, die Gästen den Ausschank verweigerten, wenn diese sich nicht an der Wahl beteiligten. Eine junge Frau gab an, allein 1.400 Wahlzettel ausgefüllt zu haben – eine reife Leistung in einem Zeitalter, in dem es keine Heim-PCs mit Drucker geschweige denn Internetbots gab und somit mühsame Handarbeit angesagt war. Zu den selbst erklärten Top-Wählern gehörte auch der ehemalige Redlegs-Pitcher Nellie Pott, der 820-mal abstimmte.

Trotz massiver Proteste aus Cincinnati entschied Commissioner Frick, das Wahlergebnis nicht vollständig anzuerkennen und zwei Startpositionen mit Willie Mays (New York Giants) und Hank Aaron (Milwaukee Braves) zu ersetzen. Noch deutlich härter war die Konsequenz, die Frick für das Wahlverfahren in den folgenden Jahren zog: Das Fan-Voting wurde abgeschafft, die Wahl der All-Star-Spieler stattdessen unter den Managern, Trainiern und Spielern der Liga aufgeteilt. Erst seit 1970 dürfen die Fans wieder mitbestimmen.

 

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Juli 9th, 2020 by Silversurger

Heute in zwei Wochen beginnt die MLB-Saison. Zum Eröffnungstag sieht der frisch veröffentlichte Spielplan gleich zwei Knallerbegegnungen vor. Was er nicht vorsieht, ist ein All-Star-Game. Das Schaulaufen der Stars fällt dieses Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Der ursprünglich vorgesehene Austragungsort, Dodger Stadium in Los Angeles, wird stattdessen erst 2022 das Event veranstalten.

Die Highlights des Spielplans
Zum Saisonstart treten am 23. Juli die New York Yankees beim Titelverteidiger Washington Nationals an. Dabei könnte es zur Neuauflage eines Pitcherduells aus der letzten World Series kommen, wenn die Yankees Gerrit Cole und die Nationals Max Scherzer ins Rennen schicken. Die zweite Partie am Eröffnungstag ist der Klassiker Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants. Am Tag darauf – Freitag, den 24. Juli – steigt der Rest der Liga in den Spielbetrieb ein. Das wichtigste Ereignis dieses Tages wird das Heimspiel der Texas Rangers gegen die Colorado Rockies sein, denn es ist das Eröffnungsspiel des neuen Stadions der Rangers, Globe Life Field. Am 13. August wird ein weiterer Ballpark Premiere feiern: das „Field of Dreams“, das zur Ehre des gleichnamigen Films in den Maisfeldern von Iowa errichtet wurde. Ursprünglich sollten dort die Yankees gegen die Chicago White Sox spielen. Da diese Partie im Spielplan nicht vorgesehen ist, treten die White Sox stattdessen gegen die St. Louis Cardinals an. Ihren Abschluss findet die Saison – von möglichen Tiebreaker-Spielen abgesehen – am 27. September, an dem alle Teams gleichzeitig das letzte ihrer 60 Spiele absolvieren. Von den je 60 Partien jeder Mannschaft werden 40 innerhalb der eigenen Division ausgetragen und die restlichen 20 als Interleague-Spiele gegen die entsprechende Division der anderen Liga, also NL East gegen AL East usw. Auf alle anderen Teams kann man lediglich in den Playoffs treffen.

38 Positive in erster Testrunde
Wie im Hygieneplan für die Saison vorgesehen, haben alle Mannschaften ihre Camps mit umfassenden Corona-Tests begonnen. Dabei lief noch nicht alles rund: Mehrere Teams mussten zwischendurch mit dem Training aussetzen, weil die Testergebnisse nicht schnell genug aus dem Labor kamen. Die MLB sucht nun nach zusätzlichen Kapazitäten, um Verzögerungen während der Saison auszuschließen. Die ersten Tests haben bereits einige Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, wenngleich immerhin weniger als befürchtet: Von über 3000 im ersten Durchgang getesteten Personen waren 38 corona-positiv, darunter 31 Spieler. Namen werden seitens der Liga nicht genannt, die Spieler entscheiden selbst, ob sie ihre Diagnose öffentlich machen. Braves-1B Freddie Freeman, Yankees-2B DJ LeMahieu, Royals-Catcher Salvador Perez und Red-Sox-Starter Eduardo Rodriguez sind einige prominente MLB-Profis, die offen damit umgehen, an Covid-19 erkrankt zu sein.

Price, Markakis und Weitere verzichten
Nachdem letzte Woche schon Mike Leake, Ian Desmond, Joe Ross und Ryan Zimmerman bekannt gegeben hatten, wegen Bedenken angesichts der Corona-Situation auf ihre Teilnahme an der Saison 2020 zu verzichten, sind inzwischen noch einige Namen hinzu gekommen. Dodgers-Pitcher David Price, Braves-3B Nick Markakis, Braves-Pitcher Felix Hernandez, Nationals-Catcher Welington Castillo und Free-Agent-Pitcher Tyson Ross werden dieses Jahr nicht spielen. Angels-Outfielder Mike Trout und Phillies-Pitcher Zack Wheeler haben das Training mit ihren Teams aufgenommen, denken aber offen darüber nach, aus Rücksicht auf ihre schwangeren und dadurch besonders gefährdeten Frauen die Saison für sich abzusagen oder vorzeitig zu beenden.

Blue Jays in Toronto
Für die Toronto Blue Jays war letzte Woche die Frage noch offen, ob sie aus den USA ohne Quarantäne in ihre Heimatstadt zurückkehren können. Inzwischen haben sie die entsprechende Genehmigung der kanadischen Behörden erhalten und bereiten sich in Rogers Centre auf die Saison vor. Ob sie dort auch ihre Heimspiele austragen können, ist allerdings noch nicht geklärt. Dazu bräuchten sie sowohl für sich selbst als auch für die Gastmannschaften eine weitere Ausnahmeerlaubnis, die bisher noch aussteht.

Indians erwägen Namensänderung
Die einzige Meldung der Woche ohne Coronabezug: Im Zuge der gesellschaftlichen Bewegung in den USA, bei direktem und indirektem Rassismus genauer hinzusehen und Veränderungen einzufordern, hat auch die Diskussion um den Teamnamen der Cleveland Indians wieder Fahrt aufgenommen. Der Klub, der sich vor zwei Jahren von dem stereotypen Logo „Chief Wahoo“ verabschiedete, hat in einer Stellungnahme angekündigt, seinen 105 Jahre alten Namen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Dazu würde mich die Meinung der Baseblog-Leser interessieren, besonders die der Fans der „Indianer von Cleveland“. Wie sehr hängt ihr an dem Namen und könnt ihr verstehen, wenn jemand mit ihm ein Problem hat? Habt ihr vielleicht schon einen Favoriten für einen neuen Namen?

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Juli 11th, 2019 by Silversurger

Auch mitten im All-Star-Break gibt es den Grand Slam am Donnerstag, aber da durch selbigen seit letzter Woche nur wenige MLB-Spiele stattgefunden haben und sich an den Ständen kaum etwas verändert hat, verzichte ich dieses Mal auf die Einzelbetrachtung der Divisionen. Stattdessen liegt der Fokus auf den drei Hauptevents der All-Star-Woche – plus Einschalttipp für das Wochenende, an dem endlich wieder „richtiger“ MLB-Baseball ansteht.

Zuvor ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten knapp drei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen – es gilt schließlich, eine Serie von bislang 162 Folgen ohne Unterbrechung zu wahren. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich zwischendurch wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

MLB Futures Game 
Den Auftakt der All-Star-Woche bildete wie üblich das Futures Game. Dieses Stelldichein der vielversprechendsten Talente erfährt leider nicht die Beachtung, die es verdient. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer schon am Sonntag gleichzeitig mit der letzten Runde der MLB-Spiele vor dem Break stattfindet. Bislang traten immer die US-amerikanischen Talente gegen die aus dem Rest der Welt an. Dieses Jahr wurde der Modus geändert, sodass erstmals genau wie im All-Star-Game ein Team der American League gegen eines der National League spielte. Einen Sieger gab es dabei nicht: Im siebten und eigentlich letzten Inning gelang Samuel Huff (Texas Rangers) ein 2-Run-Homerun zum 2:2-Ausgleich für die AL, und nachdem auch ein Extra-Inning keine Entscheidung brachte, beließ man es beim Unentschieden. Die NL war zunächst im vierten Inning durch RBI-Singles von Taylor Trammell (Cincinnati Reds) und Dylan Carlson (St. Louis Cardinals) in Führung gegangen.

Homerun-Derby
In der MLB sind dieses Jahr schon einige Homerun-Rekorde gefallen – unter anderem zweimal hintereinander der Rekord für die meisten Homeruns, die je in einem Monat geschlagen wurden. Logisch, dass die Erwartungen auch an das Homerun-Derby hoch waren, und sie wurden nicht enttäuscht. 312 Homeruns bekamen die Zuschauer Dienstagnacht zu sehen, das waren 91 mehr als der bisherige Rekord aus dem letzten Jahr. Exakt so viele Homeruns, also 91, schlug allein Vladimir Guerrero Jr. Auch das ist ein neuer Rekord, ebenso wie die 40 Homeruns, die Guerrero Jr. in der zweiten Runde schlug, um gegen Joc Pederson zu gewinnen und ins Finale einzuziehen. Diese zweite Runde war ein Duell für die Ewigkeit: Beide Kontrahenten erzielten innerhalb der regulären Zeit (4 Minuten plus 30 Sekunden Bonus) je 29 Homeruns. Es folgte eine Verlängerung von 1 Minute, in der beide es auf 8 Homeruns brachten. Um das Unentschieden zu durchbrechen, wurden dann abwechselnd je drei Schwünge ausgeführt. Beim zweiten Mal gelang Guerrero Jr. einen Homerun mehr als Pederson, sodass er mit 40:39 diese Runde gewann.

Fast alles drehte sich an diesem Abend um Guerrero Jr., aber gewonnen hat er das Home Run Derby nicht. Denn im Finale unterlag der Rookie einem anderen Neuling, Pete Alonso von den New York Mets. Alonso genügte eine Gesamtzahl von 57 Homeruns für den Sieg, denn er hatte Glück mit den Gegnern und dem Spielmodus: Er durfte in jeder Runde als Zweiter schlagen und das Duell endete sofort, wenn die vorgelegte Zahl des Gegners übertroffen war. So genügten ihm 14 gegen Carlos Santana, 20 gegen Ronald Acuna und 23 gegen Guerrero Jr.

Da Alonso alle Gegner schlug und in jeder Runde noch Zeit übrig hatte, war es ein klarer und verdienter Sieg für ihn. Klar ist aber auch, dass Guerrero Jr. es schwerer hatte als er, da er in jeder Runde vorlegen und somit alles geben musste, von dem schier endlosen Duell in Runde zwei ganz zu schweigen.

All-Star-Game
Zum siebten Mal hintereinander hat die American League das All-Star-Game gewonnen. Das Astros-Duo aus Alex Bregman (Single) und Michael Brantley (RBI-Double) brachte die AL als erste aufs Scoreboard. Ein Homerun von Joey Gallo, ein RBI-Single von Jorge Polanco und ein Run von Matt Chapman während eines Double Plays gegen Xander Bogaerts waren die weiteren Scores für den 4:3-Sieger. Die Runs der NL erzielten Charlie Blackmon per Homerun und Pete Alonso per 2-RBI-Single. Auf dem Mound herrschte wie im All-Star-Game üblich viel Kommen und Gehen unter den Größten ihres Fachs. Justin Verlander, Jacob deGrom, Jose Berrios, Luis Castillo und Aroldis Chapman überzeugten mit dominanten Innings, ebenso Clevelands Lokalmatador Shane Bieber, der anschließend zum MVP des Spiels erklärt wurde.

Mein Einschalttipp
Es waren nur vier Tage Pause, obendrein mit Unterhaltungsprogramm, aber trotzdem bin ich froh, dass die Saison endlich weitergeht. Ebenfalls sehr erfreulich finde ich, dass Sport1 zurzeit mal wieder ein paar MLB-Spiele mit deutschem Kommentar ins Programm genommen hat. In den nächsten Tagen gibt es gleich zwei davon, die ich hiermit als Einschalttipp empfehle: Am Sonntag ab 20 Uhr gibt es das Verfolgerduell der NL East zwischen den Washington Nationals und den Philadelphia Phillies zu sehen. Am Mittwoch ab 21 Uhr wird ein Spiel übertragen, das ich selbst nicht besser hätte aussuchen können: Die Minnesota Twins treffen auf meine Lieblinge, die New York Mets. Zugegeben, die Mets sind (wieder mal) ein ziemlicher Verkehrsunfall, aber wegschauen kann man bei sowas ja auch nicht. Und zumindest die Twins mit Max Kepler machen dieses Jahr richtig Spaß.

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Juli 4th, 2019 by Silversurger

Noch vier Tage MLB-Baseball, dann haben die meisten Spieler erstmal Pause. Das All-Star-Game steht an –  das unwichtigste Spiel des Jahres, was das Ergebnis angeht, und gleichzeitig eines der wichtigsten hinsichtlich der Frage, ob man dabei ist oder nicht. Die vollständigen Kader findet ihr hier. Der heißeste Tipp für die World Series zur (etwas mehr als) Halbzeit sind in der NL eindeutig die Los Angeles Dodgers. Sie sind laut Fangraphs auf Kurs für 103 Siege in der regulären Saison und haben eine knapp 20-prozentige Chance, den Titel zu gewinnen. Noch etwas höher stuft Fangraphs die Chancen der Houston Astros ein – obwohl diese in der AL angesichts von Konkurrenten wie den Yankees und den Twins längst nicht so souverän vorne liegen wie die Dodgers in der NL.

American League
Die New York Yankees (55-29) sind das einzige Team der MLB, das jemals ein Spiel auf europäischem Boden gewonnen hat. Das können sie nun ein Jahr lang von sich behaupten, nachdem sie am letzten Wochenende die 2-Spiele-Serie gegen die Boston Red Sox (45-41) gesweept haben (siehe „Spiel der Woche“). Dass die Yankees als Spitzenreiter der American League East in den All-Star-Break gehen, steht bereits fest. Allerdings stehen vor der Pause noch vier Spiele gegen den direkten Verfolger, die Tampa Bay Rays (50-37), an. Die Rays hatten in dieser Saison bislang große Probleme mit den Yankees, sahen gegen kein Team so schlecht aus wie gegen sie. Wenn sich das ändern soll, wäre dieses Wochenende ein guter Zeitpunkt dafür.

Auch für die Minnesota Twins (54-31) steht fest, dass sie in der AL Central den All-Star-Break an der Spitze überdauern werden. Sie saßen aber in diesem Jahr durchaus schon mal fester im Sattel. Zuletzt setzte es ein paar nicht eingeplante Niederlagen – in zwei von drei Spielen gegen die Chicago White Sox (41-42) und in einem von bisher zwei Spielen gegen die Athletics –, während gleichzeitig die Cleveland Indians (47-38) ihren Aufwärtstrend der letzten Wochen fortsetzen. Vor einem Monat lagen sie noch bei einer negativen Bilanz, inzwischen stehen sie neun Siege über .500 und wenn die Saison nun vorüber wäre, hätten sie einen Wild-Card-Platz erobert. In einem solchen Lauf steckt man auch mal zwei 0:13-Niederlagen vom letzten Wochenende gegen die Orioles ungerührt weg. Die drei Spiele seitdem haben die Indians alle gewonnen, heute Abend setzen sie zum Sweep gegen die Kansas City Royals (29-58) an.

Die Houston Astros (55-32) haben ihren Durchhänger offensichtlich überwunden: Fünf Siege in Folge stehen aus den letzten Tagen zu Buche, drei gegen Seattle und zwei in Colorado. Zum Abschluss des ersten Saisonabschnitts steht nun noch eine 3-Spiele-Serie gegen die Los Angeles Angels (44-43) an. Die Angels sind zurzeit schwer einzuschätzen. Drei Niederlagen gegen die Oakland Athletics (47-40) schienen letztes Wochenende ihre Wild-Card-Hoffnungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es folgten der tragische Tod von Tyler Skaggs und zwei Siege in den emotionalen Spielen bei den Texas Rangers (46-40). Für kein Team kommt die anstehende Pause wohl gelegener als für die Angels, die erst mal die Trauer bewältigen und sich dann darüber klar werden müssen, welche Ambitionen sie dieses Jahr noch verfolgen möchten.

National League
Die Ambitionen der Atlanta Braves (51-36) sind klar, sie wollen zum zweiten Mal in Folge die National League East gewinnen. Auf dieses Ziel können sie in den verbleibenden Spielen bis zur Pause noch ein großes Stück zugehen. Zunächst steht heute Abend das Rubber-Game der Serie gegen Verfolger Philadelphia Phillies (45-41) an. Anschließend geht es noch dreimal gegen die Miami Marlins (32-52), das mit Abstand schwächste Team der NL. Die Phillies müssen derweil bei den New York Mets (39-48) antreten. Die Mets sind so gut wie raus aus dem Rennen um die Playoff-Plätze, aber die Spiele gegen die Phillies können trotzdem entscheidend sein – entscheidend dafür, ob Manager Mickey Callaway seinen Job behält oder ob in der Pause ein Nachfolger installiert wird. Wie schnell im Baseball aus einem Totgesagten wieder ein Contender werden kann, beweisen unterdessen die Washington Nationals (44-41). 12 Siege aus den letzten 15 Spielen haben sowohl den Record als auch das Run Differential in den positiven Bereich gedreht und die Nationals auf einen Wild-Card-Platz befördert.

In der NL Central setzt sich die Entwicklung fort, die ich letzte Woche schon beschrieben hatte: Man wird den Eindruck nicht los, dass niemand diese Division gewinnen will. Momentan sind mal wieder die Milwaukee Brewers (46-41) vorn, obwohl sie in den letzten drei Wochen nur eine einzige Serie gewonnen haben. Das ist immerhin eine mehr als ihr Konkurrent, die Chicago Cubs (45-42). Die St. Louis Cardinals (42-42) konnten daraus keinen Nutzen ziehen, nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen pendeln sie träge um eine ausgeglichen Bilanz herum. Von einer solchen waren die Pittsburgh Pirates (42-43) lange weit entfernt. Aber in den letzten Wochen waren sie das erfolgreichste Team der Division und heute Abend können sie den 4-Spiele-Sweep gegen die Cubs und damit gleichzeitig die Rückkehr zum .500-Record perfekt machen. Und weil es langweilig wäre, nur das eine der beiden vermeintlichen Spitzenteams zu ärgern, spielen die Pirates am Wochenende auch eine Serie gegen die Brewers.

Apropos langweilig: Kommen wir zur NL West. Man kann es den Los Angeles Dodgers (59-29) kaum zum Vorwurf machen, dass sie um den Divisionssieg keinerlei Spannung aufkommen lassen. In den letzten zwölf Spielen sind die Dodgers ausnahmslos gegen ihre direkten Konkurrenten, die Colorado Rockies (44-42) und die Arizona Diamondbacks (43-45) angetreten. Sie haben acht davon gewonnen, was ziemlich genau der üblichen Quote der Dodgers in dieser Saison entspricht. Zum Abschluss des ersten Saisonteils müssen heute und an den kommenden drei Tagen auch die San Diego Padres (42-44) noch mal beim Überteam der NL antreten. Die Padres haben sich übrigens gerade von den San Francisco Giants (39-47) sweepen lassen und müssen angesichts der anstehenden Aufgabe fürchten, kurz vor der Pause den Anschluss im Wild-Card-Rennen zu verlieren.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist das Immaculate Inning von Stephen Strasburg. „Immaculate“, also makellos, ist ein Inning dann, wenn der Pitcher alle drei Batter, die ihm gegenüber treten, per Strikeout wegschickt und zwar mit der niedrigstmöglichen Anzahl von Pitches: 9. In den meisten Jahren kommt nicht mehr als eine Handvoll solcher Innings in der MLB vor. Strasburg gelang das Kunststück gestern im vierten Inning gegen die Marlins:

Statistik der Woche 
1.142. So viele Homeruns wurden im Juni dieses Jahres geschlagen und damit so viele wie in keinem Monat der MLB-Geschichte zuvor. Wenn euch diese Meldung bekannt vorkommt, dann ist das kein Wunder: Der „alte“ Rekord ist gerade mal einen Monat her mit 1.135 im Mai. Den höchsten Beitrag dazu leistete ein Spiel zwischen den Phillies und den Diamondbacks mit insgesamt 13 Homeruns, ebenfalls Rekord. Über den gesamten Monat hinweg waren es als Spieler Manny Machado und Edwin Encarnacion (je 11) sowie als Team die Atlanta Braves (56), die die meisten Homeruns zum Rekord beisteuerten. Den New York Yankees gelang im Juni in jedem einzelnen Spiel mindestens ein Homerun. Insgesamt dauerte ihre Serie 31 Spiele lang. Sie fand am Dienstag ihr Ende, als die New York Mets beim 4:2 gegen die Yankees keinen Homerun zuließen.

Spiel der Woche
Gastauftritte in London war man bislang eher von der NFL gewohnt und wenn man sich das Resultat des ersten MLB-Spiels in Europa anschaut, sieht es ganz so aus, als hätten die Yankees und die Red Sox den Engländern ebenfalls ein Football-Spiel geboten: Mit 17:13 gewannen die Yankees, also mit etwas mehr als einem Field Goal Vorsprung. Schon im ersten Inning tauschten beide Seiten Touchdowns aus, scheiterten aber jeweils am Extrapunkt. So stand es nach dem ersten Durchgang 6:6, bevor die Yankees im dritten Inning per Safety auf 8:6 erhöhten. Ein weiterer Touchdown im vierten und ein Field Goal im fünften Inning trieben die Führung auf 17:6. Die Red Sox legten zwar noch einen Touchdown und den Extrapunkt (seltsamerweise vor dem Touchdown) nach, aber die Aufholjagd kam zu spät. Gunslinger Aroldis Chapman kniete das neunte Inning souverän ab.

Mein Einschalttipp
Mein persönlicher Favorit unter den Veranstaltungen der All-Star-Woche ist weder das All-Star-Game noch das Homerun-Derby – obwohl ich mir Letzteres allein schon wegen der Teilnahme von Pete Alonso anschauen werde. Ich möchte an dieser Stelle empfehlen, sich das All-Star-Futures-Game anzuschauen. Leider geht dieses immer ein bisschen unter, weil es nicht in der spielfreien Zeit stattfindet, sondern schon am Sonntag parallel zum letzten regulären Spieltag vor dem All-Star-Break. In dem Spiel treffen zwei Auswahlmannschaften der vielversprechendsten Talente aufeinander. Unterteilt werden die Mannschaften dieses Jahr erstmals nicht nach US- und internationalen Spielern, sondern nach American League und National League. Im Gegensatz zum „großen“ All-Star-Game sieht man in dieser Partie – wenn man kein großer Beobachter der Minor Leagues ist – viele Spieler zum ersten Mal, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten ein, zwei Jahren in die MLB schaffen werden. Für sie ist dieses Spiel nicht ein routiniertes PR-Event, sondern die Chance, erstmals vor einer größeren TV-Audienz mit Leistung auf sich aufmerksam zu machen. Das Spiel wird Sonntagnacht ab 1 Uhr live auf mlb.com gestreamt. Dabei sind zum Beispiel vier der fünf Top-Prospects der Liga laut MLB Pipeline: Shortstop Wander Franco (Rays), LHP MacKenzie Gore (Padres), Outfielder Jo Adell (Angels) und Outfielder Luis Robert (White Sox). Die vollständigen Roster findet ihr hier.

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Juli 12th, 2018 by Silversurger

Im USA-Urlaub die MLB zu verfolgen, ist gar nicht so leicht. Klingt komisch, ist aber so. Das liegt zum einen an mir selbst, weil ich den Tag über meist unterwegs oder am Strand bin und die Spiele hier – für mich völlig ungewohnt – zu „normalen“ Zeiten laufen. Es liegt aber auch daran, dass die meisten Fernsehübertragungen nur empfangbar sind, wenn man den entsprechenden lokalen Sender abonniert hat. In den Hotels ist das oft nicht der Fall. WLAN hat man zwar fast immer, aber erstens ist es nicht immer stark genug, um damit mlb.tv zu streamen und zweitens wird man bei mlb.tv automatisch geblockt, wenn man sich im Einzugsbereich eines der beteiligten Teams aufhält – ein Ärgernis, das einem als Fan im Ausland zum Glück unbekannt ist.

Genug gejammert, die wesentlichen News und Szenen bekommt man natürlich auch hier mit und so hat es zumindest für eine kurze Urlaubsfassung des Grand Slam am Donnerstag gereicht. Viel Spaß damit:

American League
Die Boston Red Sox (65-29) haben ihre letzten neun Spiele allesamt gewonnen. Damit sind sie das aktuell beste Team im Baseball und haben sich  im Rennen um die American League East um dreieinhalb Spiele von den New York Yankees (60-31) absetzen können. Letztere haben gegen die Baltimore Orioles (26-67) nur einen Split zu Stande gebracht und müssen nun zum Abschluss des ersten Saisonteils bei den Indians antreten.

Die Cleveland Indians (50-41) könnten ihrerseits ein Erfolgserlebnis gut gebrauchen, nachdem sie gerade Serien gegen die Athletics und die Reds abgegeben haben. In der schwachen AL Central bleiben die Indians dennoch unangefochten. Mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen zeigt die Kurve bei den Minnesota Twins (41-49) zwar deutlich nach oben und sie haben den zweiten Platz in der Division zurück erobert, aber der Abstand zu den Indians ist immer noch enorm.

In der AL West haben die Houston Astros (62-33) zuletzt zwei von drei Spielen gegen die Oakland Athletics (52-41) verloren und müssen heute darum kämpfen, die Serie wenigstens noch zu splitten. Mit 15 Siegen aus den letzten 20 Spielen sind die Athletics das erfolgreichste Team der MLB in diesem Zeitraum. Ihre Bilanz ist inzwischen besser als die, mit der die Indians die AL Central anführen, doch in der AL West reicht es nur für Platz drei hinter den Seattle Mariners (58-35).

National League
In der National League East gab es diese Woche einen Führungswechsel: Die Atlanta Braves (51-40) verloren sechs der letzten acht Spiele und rutschten zwischenzeitlich hinter die Philadelphia Phillies (51-40) auf Rang zwei ab. Durch den gestrigen Sieg der Braves über Toronto und die gleichzeitige Niederlage der Phillies bei den New York Mets (37-53) stehen die beiden jetzt exakt gleichauf. Die Washington Nationals (46-46) stehen nur bei .500 und treten nun in New York zum Duell der Enttäuschten an.

Die beste Mannschaft der National League sind entweder die Milwaukee Brewers (55-38), wenn man nach Siegen geht, oder die Chicago Cubs (51-38), wenn man sich an ihrem Run Differential von +105 orientiert. Die beiden liefern sich ein enges Rennen um die NL Central und haben in den letzten Tagen exakt im Gleichschritt gewonnen und verloren. Die St. Louis Cardinals (47-44) sind inzwischen einige Spiele hinter das Führungsduo zurückgefallen.

In der NL West wird es eng für die Arizona Diamondbacks (51-42), die nur noch ein halbes Spiel vor den Los Angeles Dodgers (50-42) liegen. Gestern setzte es ein deftiges 2:19 gegen die Colorado Rockies (47-45), bei denen die Diamondbacks heute noch einmal antreten müssen. Danach geht es nach Atlanta, während die Dodgers ihren Part des Fernduells in Form einer weiteren Derbyserie gegen die Angels absolvieren.

Szene der Woche
Für mich war die größte Szene dieser Woche ein Single von Brandon Nimmo. Der Outfielder der Mets beendete damit im siebten Inning der Partie am Sonntag das Perfect Game, welches Rays-Starter Nathan Eovaldi bis dahin am Laufen hatte. Es war die einzige Gelegenheit während der neun Innings, mal herzlich zu jubeln über eine Aktion der Mets, die ansonsten eine erschreckend schwache und kampflose Vorstellung boten. Ein 0:9 war sicher nicht das, was ich mir von meinem ersten Besuch im Citi Field seit drei Jahren erhofft hatte. Aber als Fan dieses Klubs hat man längst gelernt, für die kleinen Dinge dankbar zu sein – an diesem Tag eben dafür, dass ich wenigstens kein perfektes Spiel gegen das eigene Team mit ansehen musste.

Statistik der Woche 
9. So viele Runs Rückstand hatten die Nationals letzten Donnerstag im vierten Inning auf die Marlins. Doch angeführt von Trea Turner, der allein für zwei Homeruns und 8 RBI verantwortlich zeichnete, kam Washington zurück ins Spiel und gewann schließlich 14:12. Es war das höchste Comeback der Franchise-Geschichte.

Spiel der Woche
Die Oakland Athletics sind zurzeit verblüffend gut drauf, die spannendste Partie der Woche mussten sie aber letzten Endes verloren geben: Gegen die Houston Astros lagen die A’s am Dienstag bis ins neunte Inning 0:4 hinten, bevor sie die Aufholjagd starteten. Genau wie am Vortag gegen Gerrit Cole hatten sie auch gegen Justin Verlander kein Land gesehen, kamen aber mit dem Bullpen der Astros gut zurecht. Ken Giles brachte kein Out zu Stande, musste nach drei Singles Platz für Hector Rondon machen, der aber den Ausgleich durch einen Double von Marcus Semien auch nicht verhindern konnte. Es ging in die Extra-Innings und ein Solo-Shot von Stephen Piscotty im elften Inning schien das Spiel endgültig zu Gunsten der A’s zu drehen. Doch die Freude währte nicht lange, denn die Astros kamen zurück und gewannen das Spiel per Walkoff durch einen kuriosen Error: Alex Bregman traf den Ball schwach und dachte, es wäre ein Foulball. Der Ball rollte aber doch ins Spielfeld und A’s-Catcher Jonathan Lucroy versuchte, Bregman zu taggen. Dieser wich aus und rannte Richtung erste Base, als er sah, dass Lucroy den Ball fallen ließ. Beim Versuch, zur Base zu werfen, traf Lucroy Bregman am Helm, von wo der Ball ins Rightfield prallte und Kyle Tucker erlaubte, den siegbringenden Run zu scoren. Muss man gesehen haben.

Mein Einschalttipp
Ich bin kein großer Fan des All-Star-Games, da es sportlich nicht mehr als eine Spaßveranstaltung ist. Aber es ist eine Gelegenheit, die größten Stars der MLB (fast) alle auf einmal zu sehen und erfreulicherweise gibt es diese Gelegenheit dieses Jahr umsonst: Außer über mlb.tv und DAZN kann man das Spiel auch in einem kostenlosen Livestream auf spox.com sehen. Die Partie findet statt am Dienstag bzw. nach mitteleuropäischer Zeit am Mittwochmorgen ab 2 Uhr. Die kompletten All-Star-Roster beider Ligateile könnt ihr hier nachlesen.

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Juli 13th, 2017 by Silversurger

Das All-Star-Spiel ist abgehakt, die American League hat 2:1 gewonnen. Das interessiert zwar kaum jemanden außer Robinson Cano, der dank seines spielentscheidenden Homeruns zum MVP gewählt wurde und eine schicke neue Corvette mit nach Hause nehmen durfte. Aber immerhin wissen wir jetzt, dass Bryce Harper ein Unterhemd trägt und dass Fox-Reporter – einschließlich MLB-Legende Alex Rodriguez – sich nicht zu blöd sind, solche und andere weltbewegende Fragen per Interview auf dem Feld, teilweise sogar während des Spiels zu klären. Nun ja. Immerhin hat das Spiel eine verblüffende Statistik hervorgebracht, auf die ich weiter unten kurz eingehe.

Mitten im All-Star-Break sehe ich nicht viel Sinn darin, die gegenüber letztem Donnerstag kaum veränderten Tabellenstände herunterzubeten. Deswegen gehe ich für den heutigen Grand Slam mal weg von der Betrachtung nach Divisionen und schaue verstärkt aufs große Ganze, auf die Chancenverteilung in den Playoff-Rennen der beiden Ligen. Ich stütze mich dabei auf die Playoff-Odds von Fangraphs. Grob erklärt steht dahinter, dass der Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit versehen wird. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen für diese Spieler prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

National League
Bekanntlich kommen aus jeder Liga fünf Teams in die Playoffs: die drei Divisionssieger sowie die zwei besten Nicht-Divisionssieger, welche das Wild-Card-Spiel unter sich austragen. In der National League ist in dieser Hinsicht bereits sehr Vieles so gut wie entschieden. Die Los Angeles Dodgers (61-29) und die Washington Nationals (52-36) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch – die Prognose von Fangraphs sieht die Playoff-Chancen dieser beiden bei 100,0% bzw. 98,7%. Mit 87,2% ebenfalls so gut wie sicher sind die Arizona Diamondbacks (53-36) in den Playoffs, wenngleich aller Voraussicht nach „nur“ über die Wild Card.

Drei von fünf Plätzen sind damit mehr oder weniger vergeben und auch für den vierten und fünften Playoff-Teilnehmer der NL gibt die Saison-Hochrechnung bereits klare Favoriten aus: die Colorado Rockies (52-39) sind mit 61,3% Wahrscheinlichkeit auf Kurs zur zweiten Wild Card, während die Chicago Cubs (43-45) von dem Modell sogar zu 64,1% in den Playoffs gesehen werden. Letzteres ist das meiner Ansicht nach einzige überraschende Ergebnis der Prognose, denn schließlich stehen die Cubs bei einer negativen Bilanz und belegen zurzeit keinen Playoff-Platz. Ihre Teilnahmewahrscheinlichkeit setzt sich zusammen aus einer Chance von 10,1% auf eine Wild Card und 54,0% auf den Gruppensieg. Dazu müssen sie erstmal vorbei an den Milwaukee Brewers (50-41), die von Fangraphs trotz derzeit fünfeinhalb Spielen Vorsprung nur zu 19,2% als Divisionssieger und zu 29,3% als Playoffteam gesehen werden. Zudem müssen die Cubs die derzeit punktgleichen St. Louis Cardinals (43-45) auf Distanz halten, die mit 21,8% Wahrscheinlichkeit an der Spitze der Division und mit 32,5% in den Playoffs gesehen werden.

Die Musik der zweiten Saisonhälfte spielt in der National League somit klar in der Central-Division, in der sich die Cubs, die Brewers und die Cardinals um (wahrscheinlich) einen einzigen Platz in den Playoffs balgen. Für die acht hier nicht genannten Teams – immerhin mehr als die Hälfte der National League – scheint der Playoff-Zug bereits abgefahren, sie liegen alle bei einer Teilnahmewahrscheinlichkeit von deutlich unter 10%.

American League
In der American League können sich, wenn wir die Grenze auch hier bei 10% ziehen, deutlich mehr Teams noch Hoffnungen auf einen der begehrten fünf Playoff-Plätze machen. Wirklich umstritten sind dabei allerdings nur die beiden Wild Cards, denn auf die Divisionssiege sieht Fangraphs bereits sehr deutliche Favoriten: natürlich die Houston Astros (60-29) mit glatten 100%, aber auch die Cleveland Indians (47-40) mit 94,3% Wahrscheinlichkeit auf die Division und 97,7% auf die Playoffs insgesamt sowie die Boston Red Sox (50-39). Der Gruppensieg der Red Sox gilt zwar „nur“ zu 76,7% als sicher, aber zusammen mit ihren Wild-Card-Chancen landen sie bei komfortablen 93,8%.

Hinter diesen Dreien beginnt das große Hauen und Stechen, vor allem in der AL East: Dort dürfen sich vier von fünf Teams Chancen über 20% ausrechnen – neben den Red Sox sind das die New York Yankees (54-41) mit 54,2%, die Tampa Bay Rays (47-43) mit 32,4% und sogar noch die derzeit letztplatzierten Toronto Blue Jays (41-47) mit 21,0%. In den beiden anderen Divisionen sind es vor allem die Kansas City Royals (44-43) und die Texas Rangers (43-45), denen das Prognosemodell zu 23,5% bzw. 23,1% berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs macht. Die Minnesota Twins (45-43) und die Los Angeles Angels (45-47) stehen zwar in der aktuellen Tabelle jeweils vor diesen beiden, doch ähnlich wie in der NL den Brewers traut Fangraphs der überraschend guten Saison dieser Teams nicht über den Weg und sieht ihre Playoff-Teilnahmen nur zu 12,7% bzw. 14,9% als wahrscheinlich an.

Die Seattle Mariners (43-47) schaffen mit einer 10,8-prozentigen Chance auf eine Wild Card gerade noch den Sprung über die Grenze und komplettieren somit ein Feld von immerhin elf Teams, die sich – wenn man etwas auf die Prognosen gibt – noch im Playoff-Rennen betrachten dürfen. Lediglich die Tigers, die Orioles, die White Sox und die Athletics sind quasi draußen.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist ein Homerun von Aaron Judge. Das ist ja eigentlich nichts Besonderes für den großen Jungen, der dieses Jahr die MLB mit 30 Stück anführt und am Dienstag das Home Run Derby mit sage und schreibe 47 Homeruns für sich entschied. Es wären wohl sogar noch ein paar mehr geworden, wäre er nicht in jeder der drei Runden als Zweiter am Schlag gewesen, sodass jedes Mal abgebrochen wurde, sobald er die Marke seines Gegners übertroffen hatte. Einer der vielen langen Bälle war dann aber doch etwas ganz Besonderes, denn mit einer Weite von 513 Yards (469 Meter) war es der längste Homerun seit Einführung der Statcast-Messungen vor zwei Jahren, sowohl in Spielen als auch im Home Run Derby.

Statistik der Woche 
43-43. Das ist die Bilanz der bisherigen All-Star-Spiele zwischen der National League und der American League. Und es wird noch besser: Nach Runs steht es in diesen Spielen 361:361. Schöner kann man die langfristige Ausgeglichenheit der beiden Ligen nicht zum Ausdruck bringen.

Spiel der Woche
Nein, das All-Star-Spiel wird bei mir nicht zum Spiel der Woche. Aber ein anderes Freundschaftsspiel in der All-Star-Woche schaue ich mir immer wieder gerne an: das Futures Game. Das Ergebnis ist natürlich genauso unwichtig wie das des All-Star-Spiels, aber wenn man nicht gerade intensiv die Minor Leagues verfolgt (wer hat schon so viel Zeit?), dann ist es eine schöne Gelegenheit, die MLB-Stars von morgen mal in Aktion zu sehen. Dieses Jahr gewann das aus US-Amerikanern bestehende Roster mit 7:6 gegen das Rest-der-Welt-Roster, wobei um ein Haar eine frühe 7:0-Führung verspielt wurde. Zum MVP des Spiels wurde mit Brent Honeywell aus dem Farmsystem der Tampa Bay Rays erstmals ein Pitcher gewählt. Honeywell startete für die USA mit zwei Shutout-Innings. Auch sonst waren es dieses Mal vor allem die Pitcher, die für Aufsehen sorgten: Michael Kopech (White Sox) und Thyago Vieira (Mariners) demonstrierten atemberaubende 101-mph-Pitches, mit denen sie voll im aktuellen Trend zu immer stärkerer Dominanz des immer schnelleren Fastballs liegen.

Spiel der kommenden Woche
Mit Vollgas in die zweite Saisonhälfte: Gleich viermal an drei Tagen – einmal am Freitag, einmal am Samstag und zweimal am Sonntag – steigt am Wochenende der größter Klassiker im Baseball. Die Red Sox empfangen die Yankees und vor allem für die New Yorker wird diese Serie zeigen, wohin sie in den kommenden Wochen ihren Blick zu richten haben: nach oben auf das Duell mit Boston um den Divisionstitel oder nach unten auf die Tampa Bay Rays und andere Konkurrenten um die Wild-Card-Plätze. Die Wahl des konkreten Einschalttipps fällt mir etwas schwer, weil die Yankees noch nicht bekannt gegeben haben, mit welcher Rotation sie aus der Pause zu kommen gedenken. Aber für die Red Sox tritt am Samstag um 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit Chris Sale an, was für sich allein schon Attraktion genug ist. Mit 12.55 Strikeouts pro 9 Innings und einem FIP von 2.09 führt Sale zurzeit souverän die Liga an, seine 178 Strikeouts vor dem All-Star-Break sind sogar die meisten seit 2002. Wer Sale dieses Jahr noch nicht hat pitchen sehen, sollte das dringend nachholen.

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Juli 11th, 2017 by Silversurger

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist es wieder soweit: Im Marlins-Park in Miami steigt das jährliche All-Star-Game. Bei diesem Schaulaufen der Stars dabei sein zu dürfen ist für jeden Spieler ein Highlight und eine Ehre. Das Spiel selbst ist allerdings völlig irrelevant, seit diesem Jahr entscheidet es nicht mal mehr wie bisher über den Heimvorteil in der World Series. Mir persönlich ist das All-Star-Game daher nicht so wichtig, dass ich deswegen nachts aufbleibe und ich sehe auch wenig Sinn darin, über dieses Freundschaftsspiel eine Vorschau zu schreiben.

Stattdessen führe ich die im letzten Jahr begonnene Tradition fort, am Tag vor dem All-Star-Game die Disabled List (DL) der MLB zu durchforsten. Ich stelle den All-Star-Rostern der NL und der AL ein Roster aus DL-Spielern entgegen, um die Erinnerung an all jene wachzuhalten, die heute Nacht vielleicht dabei wären, wenn das Verletzungspech sie nicht ereilt hätte. Hier sind sie, meine Disabled-List-All-Stars – fünf Starter, fünf Reliever und für jede Position ein Starter und eine Reserve:

SP Noah Syndergaard NYM
SP Madison Bumgarner SFG
SP Dallas Keuchel HOU
SP Collin McHugh HOU
SP Chase Anderson MIL
RP Mark Melancon SFG
RP Jeurys Familia NYM
RP Tyler Thornburg BOS
RP Will Smith SFG
RP Zach Duke STL
C Devin Mesoraco CIN
C Geovany Soto CWS
1B Greg Bird NYY
1B Chris Davis BAL
2B Starlin Castro NYY
2B Neil Walker NYM
SS Trea Turner WSH
SS Eduardo Nunez SFG
3B  Yangervis Solarte SDP
3B  David Wright NYM
LF  Gerrardo Parra COL
LF  Jayson Werth WSH
CF  Mike Trout LAA
CF  Kevin Kiermaier TBR
RF  Adam Eaton WSH
RF  Carlos Gonzalez COL

Was meint ihr – hätte dieses Team, wenn alle fit und gesund wären, eine Chance gegen die „echten“ All-Star-Roster? Ich finde, die hätte es in fast jeder Hinsicht. Lediglich die Catcher-Position ist auf der DL derzeit erfreulich schwach vertreten.

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