September 18th, 2018 by Dominik

Ganz ehrlich, wer hat schon mal von Ernie Shore gehört? Mir sagte der Name bisher nichts, aber der gute Herr hat vor etwas mehr als hundert Jahren eine Leistung vollbracht, die bis heute als die beste Rellieve-Appearance der MLB-Geschichte gilt: Am 23. Juni 1917 startete Babe Ruth als Pitcher für die Boston Red Sox gegen die Washington Senators. Er walkte den ersten Batter und flog anschließend vom Platz, weil er sich beim Umpire massiv über dessen Entscheidung beschwerte. An seiner Stelle kam Ernie Shore ins Spiel. Der Runner, den er von Ruth geerbt hatte, wurde bei einem Stealversuch ausgeworfen und Shore arbeitete alle 26 Batter ab, die ihm gegenüber traten, ohne einen weiteren Baserunner zuzulassen. Es war ein perfektes Spiel von ihm, aber es fand keinen Eintrag in die offizielle Liste der Perfect Games, weil ihm dazu eben der eine Batter fehlte, der gegen Ruth den Walk hatte.

Warum erzähle ich uralte Geschichten aus Amerika, obwohl es hier eigentlich um die Bundesliga gehen soll? Ich möchte damit bei der Einordnung helfen, was für ein unglaubliches Ereignis sich am Sonntag in Bonn zugetragen hat. Es war das vierte Spiel der Halbfinalserie zwischen den Capitals und den Regensburg Legionären. Regensburg hatte zuvor zwei von drei Spielen gewonnen und benötigte somit nur noch einen Sieg, um ins Finale einzuziehen. Bonn brauchte unbedingt den Sieg, um ein fünftes Spiel zu erzwingen. Entsprechend verbissen kämpften beide Teams. Regensburg ging 2:0 in Führung, Bonn konnte kurz vor Schluss ausgleichen und es stand nach neun Innings 2:2. Für die Capitals übernehm ab dem zehnten Inning Maurice Wilhelm den Mound und ihm gelang etwas, was in der MLB (und ziemlich sicher auch in der Bundesliga) noch nie einem Pitcher gelungen ist: Er feuerte volle neun Innings als Reliever, ohne einen einzigen Gegner auf Base kommen zu lassen. Da das Spiel mit ihm als Pitcher weder begann noch endete – nach Inning Nummer 18 stand es immer noch 2:2 – kann die Partie nicht als das zweite Perfect Game der Bundesliga-Geschichte gewertet werden, auch wenn sie einem solchen gleichzusetzen ist.

Im 19. Inning des besagten Spiels schafften es die Bonner schließlich, den siegbringenden Run nach Hause zu schlagen, nachdem sie zuvor schon in jedem Extra-Inning Runner auf die Bases, aber niemanden über die Platte gebracht hatten. Den Walk-off-Run nach einem Hit von Danny Lankhorst erzielte übrigens – man höre und staune! – Maurice Wilhelm. Mit diesem Spiel hat der MVP der Jahre 2016 und 2017 in der Bundesliga Nord sich sein eigenes Denkmal gesetzt.

Nach einem fünfeinhalbstündigen Marathonduell hat man vermutlich anderes im Sinn, als gleich eine weitere Partie zu beginnen, doch genau das musste am Sonntag in Bonn sein: Durch den Sieg hatten die Capitals die Serie auf 2:2 ausgeglichen und das entscheidende fünfte Spiel war terminiert, direkt im Anschluss an das vierte stattzufinden. Die Legionäre waren damit alles andere als glücklich, da ihnen inzwischen die Pitcher ausgegangen waren und es ohnehin absehbar war, dass das Spiel wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht zu Ende gespielt werden konnte. Doch die Partie wurde um 18 Uhr begonnen und bis zur unteren Hälfte des fünften Innings gespielt. Bonn war zum Zeitpunkt des Abbruchs gerade 3:2 in Führung gegangen und hatte noch zwei Runner auf den Bases. Mit genau dieser Spielsituation wird das Spiel fortgesetzt, allerdings erst zwei Wochen später, am 29. September. Ein Termin am kommenden Wochenende war nicht möglich, da in Bonn die Deutsche Meisterschaft der U15-Jugend stattfindet. Aus diesem Grund entschied der DBV, den Beginn der Finalspiele um die Deutsche Meisterschaft vom 29./30. September auf den 3. Oktober zu verlegen.

Ganz entspannt können sich auf diese Spiele die Heidenheim Heideköpfe vorbereiten. Der Meister der Bundesliga Süd wurde in seiner Halbfinalserie der Favoritenrolle gegen die Solingen Alligatos gerecht und brachte sie mit glatten 3:0 Siegen über die Bühne. Spiel eins (9:8) war noch eine knappe Angelegenheit, die Spiele zwei (11:0) und drei (15:0) wurden von den Heideköpfen so überlegen geführt, dass sie schon nach sieben Innings durch die 10-Run-Gnadenregel endeten.

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August 13th, 2018 by Dominik

Ich kann nicht behaupten, ein Fan des neuen Modus sein, nach dem die Baseball-Bundesliga dieses Jahr zum ersten Mal spielt. Sowohl die letztes Jahr erst eingeführte Interleague-Runde als auch die Playoff-Viertelfinals wurden abgeschafft und durch eine längliche Zwischenrunde ersetzt. In dieser bleiben Nord und Süd wie in der regulären Saison streng voneinander getrennt, und am Ende ziehen nur die Erst- und Zweitplatzierten der beiden Ligateile in die verkürzten Playoffs ein. Meine Befürchtung war, dass in weiten Teilen der Liga sehr früh Langeweile einkehrt, weil es für viele Teams wochen- oder gar monatelang quasi um nichts mehr geht. In Teilen hat sich diese Befürchtung bewahrheitet, aber zum Glück sind am vergangenen Wochenende fast alle Spiele genau so ausgegangen wie sie ausgehen mussten, um doch noch einiges an Spannung zu erhalten.

Sechs Spiele hat jeder noch zu absolvieren (Köln und Hamburg zudem noch ein Nachholspiel) und nur von drei der 16 Bundesligisten kann man behaupten, dass das Jahr für sie komplett gelaufen ist: Die Dohren Wild Farmers (17-17) haben keine realistische Chance mehr auf das Halbfinale, während die Hamburg Stealers (16-17) und die Mannheim Tornados (21-13) in den Abstiegsrunden so weit vorne stehen, dass ihnen nichts mehr passieren kann. Ein bisschen langweilig ist es auch ganz oben in der Tabelle, denn für die Bonn Capitals (34-0) und die Heidenheim Heideköpfe (27-7) sind die Playoffs längst gebucht. Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt, gibt es aber dennoch: Die Capitals werden alles daran setzen, ihre perfekte Saison zu vollenden, und die Heideköpfe brauchen noch einen Sieg, um sich Platz eins und damit einen vermutlich angenehmeren Halbfinalgegner zu sichern.

Der wirklich spannende Bereich der Liga ist der Kampf um die beiden zweiten Halbfinalplätze. Im Norden sind die Solingen Alligators (22-12) den Untouchables Paderborn (23-11) ganz nah auf die Pelle gerückt, indem sie am Wochenende in zwei spannenden Spielen die Wild Farmers sweepten, während Paderborn die beiden erwarteten Niederlagen gegen Bonn kassierte. Am Samstag kommt es zum möglicherweise vorentscheidenden Doubleheader zwischen Solingen und Paderborn.

In der Südstaffel der Bundesliga balgen sich mit den Regensburg Legionären (22-12), den Haar Disciples (21-13) und den Mainz Athletics (20-14) noch drei Teams um den zweiten Platz. Dafür, dass sich jetzt so ein interessantes Bild bietet, sorgten am Wochenende drei hautenge Comeback-Siege: Die Disciples drehten ein 0:3 gegen Heidenheim zum 4:3-Erfolg, die Mainzer überwanden gegen Regensburg gleich zwei Rückstände. Im ersten Spiel lagen die Athletics 0:2 zurück und gewannen am Ende 3:2, im zweiten stand es bis ins siebte Inning hinein gar 3:11, bevor die A’s das scheinbar Unmögliche möglich machten – sie glichen auf 11:11 aus, gerieten im neunten Inning erneut mit zwei Runs in Rückstand und siegten am Ende per Walkoff mit 14:13. Der große Held dieses Wunders von Mainz war Lennard Stöcklin: In Spiel eins gewann der umgeschulte Infielder das erste Complete Game seiner noch jungen Pitcher-Karriere und in Spiel zwei war ausgerechnet er es, der den siegbringenden Hit für die Mainzer erzielte – zu dem es freilich nur deshalb kommen konnte, weil seine Teamkameraden in der Aufholjagd sage und schreibe fünf Homeruns vorgelegt hatten.

Haar und Mainz haben fantastische Leistungen gebracht, um die Spannung im Playoff-Rennen zu erhalten, doch beide stehen immer noch mit dem Rücken zur Wand vor dem anstehenden Doppelspieltag der A’s gegen Heidenheim und der Disciples gegen Regensburg – nicht nur wegen des Tabellenstands, sondern auch, weil beide nach Verletzungen und Abgängen nur noch äußerst dünn mit Pitchern besetzt sind.

Auch im Abstiegskampf der Bundesliga sind noch einige Entscheidungen offen. Die Cologne Cardinals (11-22) haben beim Split gegen die Bremen Dockers (7-27) die Gelegenheit verpasst, ihren Kopf endgültig aus der Schlinge zu ziehen. Das wollen sie nun beim Schlusslicht Berlin Flamingos (5-29) nachholen, was die Bremer wohl mit gemischten Gefühlen betrachten würden: Einerseits wäre dadurch ihre theoretische Möglichkeit auf den direkten Klassenerhalt verloren, andererseits würde es ihre Chancen verbessern, sich wenigstens in die Relegationsspiele zu retten.

Im Süden haben die Stuttgart Reds (10-24) am Wochenende zwei deutliche Siege gegen die Ulm Falcons (6-28) errungen. Das sichert den Reds eine günstige Ausgangsposition vor dem direkten Duell mit dem Tabellennachbarn Saarlouis Hornets (9-23). Zwischen den beiden geht es hauptsächlich um den Relegationsplatz, während Ulm bereits mit einem Bein in der zweiten Liga steht. Zu allem Überfluss müssen die Falcons als nächstes gegen die übermächtig erscheinenden Tornados antreten. Aber vielleicht sind die ja doch nicht so übermächtig oder jedenfalls nicht mehr hundertprozentig motiviert – gegen die Hornets kamen sie zuletzt jedenfalls nicht über einen Split hinaus.

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Juni 12th, 2018 by Dominik

Während in der MLB erst ein gutes Drittel der Spiele absolviert ist, tritt die Baseball-Bundesliga bereits in ihre heiße Phase ein. 20 bis 22 Partien hat jeder Bundesligist schon hinter sich, am 7. Juli werden es 28 und die reguläre Saison damit beendet sein. Spätestens dann steht fest, welche jeweils vier Teams im Norden und im Süden in die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft einziehen, während die restlichen jeweils vier die Abstiegsrunde spielen müssen.

Hinsichtlich der anstehenden Entscheidungen stellen sich die beiden Ligateile zurzeit sehr unterschiedlich dar. Im Norden sind kaum noch Fragen offen: Die Bonn Capitals sind eine Klasse für sich mit einer Bilanz von 22-0. Als weitere Teilnehmer der Zwischenrunde stehen die Dohren Wild Farmers (16-6) bereits fest und auch die Paderborn Untouchables (14-8) und die Solingen Alligators (13-9) sind so gut wie sicher dabei. In der Abstiegsrunde wird man dementsprechend die Hamburg Stealers (9-13), die Cologne Cardinals (5-15), die Berlin Flamingos (4-16) und die Bremen Dockers (3-19) sehen. Ganz uninteressant sind die letzten Spieltage deswegen aber nicht: Am kommenden Wochenende wird es zum Beispiel zwischen Paderborn und Dohren sowie zwischen Bremen und Berlin darum gehen, möglicherweise entscheidende Weichen für die Folgerunden zu stellen.

Die Teams nehmen nämlich in die Meisterschafts- und Abstiegsrunden alle Ergebnisse mit, die sie in der regulären Saison gegen die anderen drei Teilnehmer erzielt haben. Gegen jeden davon spielen sie dann einen weiteren Doppelspieltag. Danach tragen die Erst- und Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunden zwischen Nord und Süd die Halbfinalspiele und schließlich das Finale um die Deutsche Meisterschaft aus. Aus den Abstiegsrunden steigt jeweils der Letzte direkt ab und der Vorletzte muss in die Relegation.

In der Bundesliga Süd geht es weitaus spannender zu als in der Nordstaffel, denn hier ist noch fast gar nichts entschieden. Die Heidenheim Heideköpfe (19-3) hatten zunächst einen ähnlich dominanten Start wie im Norden die Bonner. Doch am Fronleichnamswochenende setzte es in drei Spielen zwei Niederlagen und plötzlich spürt Heidenheim den Atem der Regensburg Legionäre (17-5) im Nacken. Eben diese Legionäre gastieren am kommenden Wochenende in Heidenheim und könnten sich mit zwei Siegen eine geteilte Tabellenführung erstreiten. Im Mittelfeld der Tabelle ist es ein noch heißeres Rennen, denn mit den Haar Disciples (14-8), den Mannheim Tornados (13-9) und den Mainz Athletics (11-9) wetteifern drei gleich gute Teams um zwei Plätze in der Meisterschaftsrunde. Zurzeit belegen die Athletics den undankbaren fünften Platz, aber sie haben ihr Schicksal selbst in der Hand, denn ihr Restspielplan sieht noch je zwei Spiele gegen Haar und Mannheim vor.

Wer von diesen dreien am Ende auf Rang fünf steht, muss an der Abstiegsrunde teilnehmen, wird sich dort aber nicht allzu viele Sorgen machen müssen. Denn mit den Saarlouis Hornets (4-16), den Stuttgart Reds (4-18) und den Ulm Falcons (4-18) stehen auch im unteren Bereich der Tabelle drei Teams gleichauf und diese drei werden es sein, die den Abstieg realistischerweise unter sich ausmachen.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich, dass am vergangenen Wochenende zwei Europapokalwettbewerbe stattgefunden haben, in denen die deutschen Vertreter durchaus beachtliche Ergebnisse erzielten. Die Heidenheim Heideköpfe spielten als Deutscher Meister im European Champions Cup in Rotterdam. Sie verpassten zwar knapp das Halbfinale, fuhren aber Siege gegen die Vertreter der italienischen Liga, A.S.D. Rimini (3:1) sowie T&A San Marino (6:5) ein. Die Heideköpfe haben damit nicht nur einen Achtungserfolg erzielt, sondern auch den deutschen Startplatz für diesen Wettbewerb im nächsten Jahr gesichert. Den Pokal gewann das Heimteam Curaçao Neptunus Rotterdam.

Gleichzeitig waren die Bonn Capitals im tschechischen Ostrava beim Turnier um den CEB-Cup dabei. Ein 7:3-Halbfinalsieg über die Gastgeber brachte Bonn die Finalteilnahme. Im Endspiel unterlag man dann knapp mit 0:2 dem belgischen Meister Borgerhout Squirrels.

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Juli 30th, 2016 by Dominik

Die Bundesliga hatte heute ihren letzten Spieltag – einen Nachholspieltag, um genau zu sein, aber wegen des vielen Regens in den letzten Monaten waren so viele Spiele nachzuholen, dass mehr als die Hälfte der Teams noch mal ran müsste. Die letzte playoff-relevante Entscheidung fiel erst im vierzehnten Inning des letzten Spiels, das die Haar Disciples letztlich 6:7 gegen Mainz verloren und dadurch die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde verpassten. Nun stehen alle Paarungen das Viertelfinale der Playoffs fest und es geht gleich am nächsten Wochenende los, damit man rechtzeitig vor der Europameisterschaft im September den neuen Deutschen Meister küren kann. Als Favoriten gehen eindeutig Nordmeister Bonn und Südmeister Mainz ins Rennen, die beide ihre jeweilige Liga deutlich dominierten und sich vorzeitig Platz eins sicherten. Aber auch Heidenheim, Regensburg und Solingen sollte man nicht unterschätzen, immerhin haben diese drei alle Deutschen Meisterschaften der letzten acht Jahre unter sich aufgeteilt.

Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht, aber gespielt wird trotzdem auf dem Platz des anderen Teams. Klingt komisch, ist aber so.

Mainz Athletics – Untouchables Paderborn
Die Mainzer waren in der regulären Saison nicht zu stoppen – nicht vom amtierenden Meister Heidenheim, nicht von den immer ambitionierten Regensburgern oder sonst jemandem – sie haben jede Saisonserie 3:1 oder 4:0 gewonnen. Verletzte Leistungsträger wie Pitcher Jan-Niclas Stöcklin, Catcher Jonathan Wagner und Shortstop Trey Stover wurden mühelos durch vorhandenes Personal ersetzt und während der Saison kam mit dem belgischen Outfielder Thomas de Wolf noch eine massive Verstärkung hinzu. Obwohl de Wolf nur die zweite Saisonhälfte spielte, führt er mit zehn Homeruns die gesamte Liga an. Der Erfolg der Athletics wird gleichermaßen von der explosiven Offense wie von der dominanten Pitcherriege um Eric Massingham und Tim Stahlmann getragen.

Die Untouchables haben eine durchwachsene Saison hinter sich, in der sie gegen jeden außer Bonn gewonnen, aber auch gegen jeden außer Dortmund verloren haben. Es handelt sich um ein recht ausgeglichenes Team, das in der Nordstaffel die zweitmeisten Runs erzielt und die drittwenigsten Runs zugelassen hat und seinen herausragenden Akteur in Pitcher Matt Kemp hat.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz.

Bonn Capitals – Stuttgart Reds
Genauso dominant wie die Mainzer in der Südliga waren die Bonner im Norden. Auch sie gewannen sämtliche Serien, einzelne Ausrutscher erlaubten sie sich gegen Solingen sowie überraschenderweise gegen Köln und Hannover. Bonn hat die meisten Runs erzielt und die wenigsten kassiert, dank einer ganzen Reihe starker Batter, allen voran Daniel Lamb-Hunt und Wilson Norman Lee, und ebenso starkem Pitching, vor allem von dem nahezu unschlagbar erscheinenden Sascha Koch.

Stuttgart hatte einen guten Start in die Saison mit Splits gegen Regensburg und Mainz sowie einem Doppelsieg gegen Haar, den direkten Konkurrenten um Platz vier. Einem Durchhänger in der Saisonmitte, während dem es sogar eine sensationelle Heimniederlage gegen Tübingen setzte, folgte ein solider Endspurt, der letztlich hauchdünn vor Haar die Playoffteilnahme sicherte. Die Teamleistungen waren sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive sehr wechselhaft, dauerhaft Verlass war nur auf den amerikanischen Outfielder Gary Michael Owens.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Bonn.

Regensburg Legionäre – Hamburg Stealers
Für Regensburg ist eine Saison, die man nicht auf Platz eins abschließt, schon ein kleiner Misserfolg, aber Mainz war dieses Jahr einfach in allen Belangen besser, was sich auch in der direkten Saisonserie zeigte, in der man Mainz dreimal deutlich unterlag und nur einmal knapp gewann. Interne Querelen, die in der Entlassung von Headcoach Ivan Rodriguez gipfelten, taten ein Übriges, dass die Saison nicht so verlief wie erhofft. Aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt und wenn es ein Team gibt, das man in Bezug auf die Deutsche Meisterschaft nie abschreiben darf, dann sind es die Legionäre.

Für Hamburg muss es wie ein böser Traum wirken: Die letzten sechs Playoff-Teilnahmen der Stealers endeten allesamt in der ersten Runde und fünf davon gegen die Legionäre. Das waren immer Duelle Vierter gegen Erster, aber kaum dass Hamburg nun mal auf Platz drei gelandet ist, warten schon wieder die Regensburger auf sie. Die Stealers haben ihre Stärken und vor allem in Louis Cohen einen sehr guten Pitcher, aber auch dieses Mal gehen sie als Außenseiter ins Viertelfinalduell.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Regensburg.

Solingen Alligators – Heidenheim Heideköpfe
Auf dem Papier ist das die interessanteste Paarung der ersten Playoffrunde, immerhin treffen die Deutschen Meister der beiden vergangenen Jahre aufeinander und nach meiner Einschätzung dürfte dieses Duell auch das spannendste werden. Anders als in den vergangenen Jahren lieferte sich Solingen dieses Mal kein enges Rennen mit den Capitals um Platz eins der Nordliga sondern schien relativ früh in der Saison auf den zweiten Platz geeicht und selbst der geriet gegen Ende der Saison leicht ins Wackeln. Dennoch sind die Alligators ein solides Team, das mit gutem Pitching und den Offensivwaffen Daniel Sánchez Reyes und Dominik Wulf jeden schlagen kann.

Den Heideköpfen geht es ähnlich wie den Alligators: Auch sie spielten in den letzten Jahren immer bis zum Schluss um die Meisterschaft in ihrer Liga, waren dieses Mal aber den bärenstarken Mainzern einfach nicht gewachsen und landeten hinter Regensburg auf Rang drei, was auch ihrem Abschneiden in den meisten Offensiv- und Defensivstatistiken entspricht. Mit Wes Roemer haben auch die Heideköpfe einen starken amerikanischen Pitcher, ansonsten liegen ihre Stärken in der Offensive: In der gesamten Südliga gibt es neun Batter mit einer OPS über 1.000, mit Terrell Charles Joyce, James McOwen, Shawn Larry und Simon Gühring kommen vier davon aus Heidenheim.

Mein Tipp: knapper Erfolg für Heidenheim.

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Juli 2nd, 2016 by Dominik

Nun ist Baseblog.de schon gut drei Wochen alt und ich habe noch kein Wort über die Baseball-Bundesliga geschrieben – eigentlich ein Skandal, vor allem weil ich regelmäßig in Mainz auf der Tribüne sitze und genieße, wie die A’s dieses Jahr die Liga rocken. Da sollte doch wenigstens ein kleiner Überblick über den Stand der Dinge in den beiden Ligateilen mal drin sein, oder? Also los:

Bundesliga Süd

Im Süden hat man sich in den letzten Jahren an eine Dreiteilung der Liga gewöhnt: Die Regensburg Legionäre und die Heidenheim Heideköpfe machen üblicherweise die ersten beiden Plätze unter sich aus, die Tübingen Hawks und die Bad Homburg Hornets die letzten beiden und der interessanteste Teil ist das Mittelfeld aus vier Teams, die oft bis zum letzten Spieltag darum kämpfen, wer in die Playoffs darf und wer in die Playdowns muss. Dieses Jahr ist es weitgehend genauso mit der einen Ausnahme, dass die Mainz Athletics (16-4) ganz oben mitspielen und aus dem Zweikampf um die Spitze einen Dreikampf machen, in dem sie zurzeit sogar knapp die Nase vorn haben.

Um die Playoff-Teilnahme müssen sich die Mainzer jedenfalls keine Sorgen machen, nicht nur wegen des Vorsprungs von sechs Siegen auf Platz fünf, sondern auch weil sie gegen die Stuttgart Reds (11-9), die Mannheim Tornados (9-9) und die Haar Disciples (10-11) jeweils schon den direkten Vergleich in der Tasche haben. Für den Rest der Saison können die A’s sich nun ganz auf das höhere Ziel, die Süd-Meisterschaft, konzentrieren. Sowohl Regensburg (16-5) als auch Heidenheim (15-7) haben in den Heimspielen gegen die Athletics einen Split abgegeben und müssen in den nächsten Wochen noch nach Mainz.

Die Athletics führen die Statistiken sowohl in der Offensive (7,8 Runs pro Spiel) als auch in der Defensive (2,4 zugelassene Runs pro Spiel) deutlich an, wobei solche Vergleiche in der Bundesliga immer etwas verzerrt sind durch das große Leistungsgefälle und die häufige Anwendung der Mercy-Rules (u. a. Spielende bei 10-Run-Führung nach sieben Innings). Im Pitching sind die Mainzer jedenfalls mit einem Team-ERA von 1.73 und einem zugelassenen Average von .204 unzweifelhaft eine Klasse für sich. Zum Vergleich: Zweiter sind jeweils die Legionäre mit 2.80 ERA und .229 OAVG.

Hinter dem Spitzentrio balgen sich Stuttgart, Mannheim und Haar um nur noch einen verbleibenden Playoffplatz. Die drei treffen in den restlichen Wochen noch in jeder Kombination aufeinander und haben es somit selbst in der Hand, sich von den Konkurrenten abzusetzen. Vom Record her hat Stuttgart die beste Ausgangsposition, die Reds müssen aber noch zu zwei Spielen nach Regensburg, während für Haar nur noch einmal gegen eines der drei Topteams antreten muss (im Nachholspiel gegen Mainz).

Im Tabellenkeller bleibt es wohl ebenfalls spannend bis zum Schluss, denn Tübingen (2-17) und Bad Homburg (1-18) treffen erst am letzten regulären Spieltag aufeinander und sehen sich in aller Regel dann später noch einmal zum Abschluss der Playdowns. In den Statistiken sehen derzeit in allen Bereichen die Hornets besser aus – nur nicht beim Record, nachdem den Tübingen Hawks am Donnerstag eine faustdicke Überraschung gelungen ist, indem sie das Nachholspiel in Stuttgart 6:5 gewannen.

Bundesliga Nord

In der Nordstaffel ist die Spannung nach drei Vierteln der regulären Saison nicht mehr ganz so groß. Theoretisch ist zwar noch fast alles möglich, aber angesichts der klaren Führung der Bonn Capitals (16-2) sind die Meisterschaftschancen der Verfolger Solingen Alligators (11-7), Hamburg Stealers (12-8) und Paderborn Untouchables (10-8) nur noch theoretischer Natur.

Gleichzeitig stehen mit den vier genannten Teams auch die Playoffteilnehmer so gut wie fest, denn zwischen dem Viertplatzierten Paderborn und den Cologne Cardinals (6-12) auf Rang fünf klafft sechs Spiele vor Schluss bereits ein Abstand von vier Siegen. Dahinter stehen noch die Hannover Regents (5-13) und die Dortmund Wanderers (2-12).

Die Capitals dominieren die Nordliga auch statistisch deutlich, in der Südliga wären sie mit 6,9 Runs pro Spiel und einem Team-ERA von 2.33 allerdings nicht ganz vorne. Dieser Vergleich hinkt natürlich gewaltig, solange wir nicht gesehen haben, wie die Topteams der beiden Ligen gegeneinander abschneiden und das wird leider erst in den Playoffs geschehen.

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