Mai 24th, 2018 by Dominik

Haufenweise spannende Spiele, einige Führungswechsel an den Divisionsspitzen, leider aber auch schon wieder ein Dopingfall – die vergangene Woche in der MLB bot quasi einen Querschnitt der bisherigen Saison. Negativ aus diesem Bild heraus fallen die Arizona Diamondbacks, die nach großartigem Saisonbeginn derzeit kaum wiederzuerkennen sind. Auf der anderen Seite sind die Milwaukee Brewers in meinen Augen das Team der Stunde und haben mittlerweile den besten Record in der generell recht ausgeglichenen National League. Nicht ganz so ausgeglichen ist die American League, aus der nach wie vor die Boston Red Sox, die Houston Astros und die New York Yankees deutlich herausragen.

National League
Die beiden jungen Überraschungsteams der National League East haben in den letzten Tagen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander gespielt. Das Resultat ist nicht etwa mehr Klarheit an der Spitze der Division, sondern durch den 2:1-Erfolg der Phillies sind Philadelphia (28-19) und die Atlanta Braves (29-19) nur noch näher aneinander heran gerückt. Ein Stück dahinter, aber auch nur drei bzw. dreieinhalb Spiele zurück sind die Washington Nationals (26-22) und die New York Mets (24-21). Beide hatten sicher mehr von der Saison erwartet als nach zwei Monaten auf den Plätzen drei und vier zu stehen, doch wenn man sich ihre Bilanzen anschaut, sehen diese eigentlich durchaus so aus, wie man sie sich vor der Saison vorstellen konnte – nur dass man zu diesem Zeitpunkt die Braves und die Phillies nicht derart stark auf der Rechnung hatte. Die Braves werden in den kommenden Tagen alle Hände voll zu tun haben, ihren Spitzenplatz zu verteidigen: Sie müssen zunächst nach Boston zum bislang stärksten Team der Liga und dann für vier Spiele zu den extrem schwer einzuschätzenden Mets. Vielleicht sind die Mets in zwei Wochen besser einzuschätzen, denn dann haben sie zwölf aufeinander folgende Spiele gegen Top-Teams – viermal Braves, viermal Brewers, viermal Cubs – hinter sich.

Es ist immmer wieder erstaunlich, wie schnell es in der MLB gehen kann: Wochenlang war die NL Central die spannendste Division, weil zwischen den besten vier Teams nie mehr als zwei Spiele lagen. Aber kaum, dass mal eines der Teams eine Siegesserie einlegt, bei der die anderen nicht mitziehen, sieht es schon anders aus. Immerhin drei Spiele Vorsprung haben die Milwaukee Brewers (31-19) auf den Rest des Feldes, nachdem sie zuletzt acht von zehn gewonnen haben. Dahinter stehen die Pittsburgh Pirates (27-21), die St. Louis Cardinals (26-21) und die Chicago Cubs (25-21) weiterhin sehr eng beisammen. Die kommende Woche wird heiß, denn es kommt zu zahlreichen direkten Duellen der vier Teams. Mal sehen, ob wir dann schlauer sind.

In der NL West gab es einen Führungswechsel, der sich schon eine Weile angedeutet hatte, denn die Arizona Diamondbacks (25-24) – vor drei Wochen noch das Top-Team der NL – befinden sich im freien Fall. Sechs Niederlagen, ein einzelner Sieg und dann weitere sieben Niederlagen sind die niederschmetternde Bilanz der letzten vierzehn Spiele. Nutznießer sind die Colorado Rockies (26-24), die sich trotz mittelmäßiger Leistungen und einem deutlich negativen Run Differential (-28) plötzlich an der Spitze der Division wiederfinden. Der Schwäche der Konkurrenz ist es zu verdanken, dass sowohl die San Francisco Giants (24-26) als auch die Los Angeles Dodgers (22-27) noch gute Chancen haben, Anschluss nach ganz oben zu finden. Gerade die Dodgers haben nach ihrem enttäuschenden Saisonstart zuletzt deutliche Lebenszeichen von sich gegeben, indem ihnen ein Sweep gegen die Nationals und eine 2:1-Serie gegen die Rockies gelangen. Darauf lässt sich in den kommenden drei Heimspielen gegen die San Diego Padres (21-30) aufbauen.

American League
Auch in der American League East hat die Führung gewechselt, zurzeit haben die Boston Red Sox (34-15) wieder die Nase vor den Yankees und auch vor dem Rest der gesamten Liga. Nach ein paar schwächeren Auftritten der Red Sox erwiesen sich die Baltimore Orioles (15-34) und die Tampa Bay Rays (22-25) als dankbare Aufbaugegner, während die New York Yankees (31-15) zuletzt zweimal gegen die Rangers verloren und nun mit den Angels und den Astros zwei schwere Gegner vor sich haben. Den Rest der Division kann man wohl getrost abhaken, denn außer den Rays und den Orioles sind auch die Toronto Blue Jays (23-26) nach acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen inzwischen so weit abgeschlagen, dass ihre Playoff-Chancen auf ein Minimum gesunken sind. Elf Spiele beträgt in der AL East mittlerweile der Abstand zwischen Platz eins und drei, in keiner anderen Division sind es mehr als viereinhalb.

Wenn die Cleveland Indians (24-23) in der AL East zu Hause wären, hätten sie dort übrigens auch schon neun Spiele Rückstand auf Platz eins. Da sie aber in der AL Central und damit in der wohl schwächsten Division der Liga sind, stehen sie nach wie vor ganz vorne – immerhin jetzt wieder mit knapp positivem Record. Die Minnesota Twins (21-24) bleiben dran, auch wenn „unser“ MLB-Star Max Kepler leider immer noch einen sehr schwachen Mai hat, in dem er bislang nur .186/.310/.343 schlägt. Best of the rest sind die Detroit Tigers (21-28), mit weiterem Abstand folgen die Chicago White Sox (15-31) und die Kansas City Royals (16-33). Als ob die White Sox nicht schon genug Probleme hätten, hat sich nun auch noch ihr Stamm-Catcher Wellington Castillo beim Gebrauch leistungssteigernder Mittel erwischen lassen. Er erhält die übliche Ersttäter-Strafe von 80 Saisonspielen Sperre zuzüglich All-Star-Game und Playoffs.

Völlig unbeeindruckt vom letztwöchigen Dopingfall Robinson Cano, der mit der gleichen Sperre geahndet wurde wie Castillo, zeigen sich bislang die Seattle Mariners (29-19) und das, obwohl sie inzwischen auch auf Canos Vertreter als Second Baseman, Dee Gordon, verletzungsbedingt verzichten müssen. Mit derzeit fünf Siegen am Stück waren die Mariners das erfolgreichste Team der Woche und bleiben dran am Titelverteidiger Houston Astros (32-18), der die AL West weiterhin anführt. Die Astros sind übrigens das erste Team in diesem Jahr, das beim Run Differential die Schwelle von +100 überschritten hat. Dazu beigetragen hat die fünftbeste Offensive und die mit großem Abstand beste Defensive der Liga. Nur 126 kassierte Runs in 50 Spielen sind eine enorme Leistung – man sieht es daran, dass Platz zwei von den Nationals und den Cubs geteilt wird mit jeweils glatt 50 Runs mehr. Mit den Los Angeles Angels (27-22) und mit Abstrichen den Oakland Athletics (25-24) hat die AL West zwei weitere konkurrenzfähige Teams, was die Division deutlich interessanter macht als im letzten Jahr.

Szene der Woche
Wie nah kann man einem Homerun kommen, ohne einen Homerun zu schlagen? Vermutlich nicht viel näher als Twins-2B Brian Dozier im gestrigen Spiel gegen die Tigers. Sein Leadoff-Hit im ersten Inning flog hoch über das Centerfield und viele Zuschauer hielten ihn ebenso wie Dozier selbst zunächst für einen Homerun. Doch der Ball traf auf das obere Ende der Outfield-Wand oder dort genau in eine Fuge der Polsterung, in welcher er stecken blieb. Auch wenn ihm in dieser Szene ein paar Zentimeter zum Glück fehlten, musste Dozier sich nicht lange ärgern, denn nach seinem Ground-Rule-Double brachte ihn ein Single von Eddie Rosario doch noch zur 1:0-Führung nach Hause. Am Ende gewannen allerdings die Tigers 4:1.

Statistik der Woche 
45. Das ist übrigens genau die gleiche Zahl wie letzte Woche, obwohl es dieses Mal um eine komplett andere Statistik geht. Nach 45 Spielen, darunter jedes bisherige Spiel der laufenden Saison, endete am Sonntag für Phillies-Outfielder Odubel Herrera die Serie von Partien, in denen er mindestens einmal auf Base kam. So jedenfalls die offizielle Lesart der MLB, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann: Bei seiner letzten Gelegenheit, während des 1:5 bei den Cardinals im neunten Inning die Strecke doch noch am Leben zu erhalten, erreichte Herrera nämlich durchaus die erste Base. Es war zwar ein Strikeout, doch Catcher Francisco Pena fing den Pitch von Jordan Hicks nicht und so durfte Herrera Richtung Base rennen und kam dort sicher an. Er kam somit regulär auf Base, für die Serie wird das aber nicht gewertet. Schade und meinen Augen nicht ganz fair. Übrigens kam Herrera in den drei zwischenzeitlichen Spielen ebenfalls immer auf Base, ohne die fragwürdige Regel stünde der Zähler nun also bei 49.

Spiel der Woche
Es war womöglich das Comeback des Jahres: Bis tief ins neunte Inning waren die Miami Marlins am Sonntag auf dem Weg, einen Sieg aus Atlanta zu entführen. 9:4 lagen die Marlins vorne und das 9:5 bei einem Sacrifice Fly von Ronald Acuna schien nur Ergebniskosmetik zu sein. Immerhin war das schon das zweite Out im letzten Durchgang und es fehlte nur ein weiteres, um den Deckel auf das Spiel zu machen. Doch dieses eine Out wollte einfach nicht gelingen. Closer Brad Ziegler musste weichen, nachdem er einen Walk und drei Singles zugelassen hatte, die Führung nur noch 9:7 betrug und mit einem Runner auf Base der Ausgleich am Schlag stand. Tayron Guerrero übernahm den Mound, aber nicht das Kommando: Kaum ein Pitch landete in der Strikezone und nach zwei Walks, einem Hit und keinem Aus besorgte Dansby Swanson mit seinem 2-RBI-Single den Walkoff-Sieg für die Braves.

Mein Einschalttipp
Wenn am Wochenende die New York Yankees und die Los Angeles Angels aufeinandertreffen, dann wird das schon deshalb interessant, weil es zwei gute und interessante Teams sind. Besondere Würze bringt aber das voraussichtliche Matchup am Sonntag, das als Showdown der beiden japanischen Pitcher Masahiro Tanaka (Yankees) und Shohei Ohtani (Angels) inszeniert wird. Tanaka war bis zu seinem Wechsel in die MLB 2014 der Superstar der japanischen Profiliga NPB, Ohtani sein Nachfolger als solcher, bevor es ihn vor dieser Saison ebenfalls nach Amerika zog. Ohtani erlebt bislang einen glänzenden Start in seine MLB-Karriere mit 3.35 ERA, 3.25 FIP und nebenbei hervorragenden Batting-Leistungen an den Tagen, an denen er als Pitcher pausiert. Tanaka (4.95 ERA, 4.82 FIP) hat bis dato ein eher schwaches Jahr und wird froh sein, dass er in der American League spielt, sodass Ohtani ihm wenigstens als Hitter erspart bleibt.

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Mai 17th, 2018 by Dominik

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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März 29th, 2018 by Dominik

Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

Und was wird aus Greg Holland?
Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

Steven Wright wird gesperrt
Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

Oh shit! 
Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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März 18th, 2018 by Dominik

Dieses Jahr könnte für die Los Angeles Angels das Ende sein – das Ende der Zeit, in der man sie auf eine One-Man-Show namens Mike Trout reduzieren konnte. Die Angels sind eines der aktivsten Teams der laufenden Offseason und gehen mit entsprechend hohen Ambitionen in die Saison 2018. Der größte Coup war natürlich die Verpflichtung des japanischen Supertalents Shohei Ohtani. Buchstäblich die gesamte MLB war hinter ihm her. Ohtani hätte anderswo mehr Geld und höhere Aussichten auf Titel haben können, aber er entschied sich für die Angels. Diese vereinigen nun mlt Trout und Ohtani die größten aktiven Baseballstars der USA und Japans in einem Team. Um auf diesem Potenzial aufzubauen, haben die Angels weitere Verstärkungen an Land gezogen: Schon im letzten August tradete GM Billy Eppler für Outfielder Justin Upton und stattete ihn mit einem langfristigen Vertrag aus. Nach der Saison folgten neben Ohtani 2B Ian Kinsler, SS/3B Zack Cozart und ein paar Ergänzungen der Bank wie Catcher René Rivera und OF Chris Young. Die Angels gehen mit einem verbesserten Batting-Lineup sowie mit einer herausragenden Infield-Defense an den Start. Fragezeichen gibt es in der Rotation und im Bullpen, insbesondere wenn dort Verletzungen auftreten sollten. Alles in allem reichen die Angels nicht an die Houston Astros heran, sind für mich aber einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf eine der beiden Wild Cards in der American League.

Voraussichtliches Lineup
C Martin Maldonado
1B Luis Valbuena
2B Ian Kinsler
SS Andrelton Simmons
3B Zack Cozart
LF Justin Upton
CF Mike Trout
RF Kole Calhoun
DH Shohei Ohtani

Voraussichtliche Rotation
SP Garrett Richards
SP Matt Shoemaker
SP Shohei Ohtani
SP Tyler Skaggs
SP J. C. Ramirez
Closer Blake Parker

Wichtigster Zugang
SP Shohei Ohtani (Hokkaido Nippon Ham Fighters)

Wichtigster Abgang
1B C. J. Cron (Tampa Bay Rays)

Bestes Prospect
SP Shohei Ohtani

Größte Stärke
Mike Trout: Auch wenn die Angels auf einem guten Weg zu mehr Ausgeglichenheit im Kader sind, ist und bleibt Trout doch der herausragende Einzelakteur und wie sollte es auch anders sein? Er ist der beste Baseballspieler der Welt, basta. In fünf seiner sechs kompletten MLB-Saisons hat er die Liga in Wins Above Replacement angeführt und selbst als er letztes Jahr nur 114 Spiele absolvieren konnte, brachte er es immer noch auf Rang sechs.

Größte Schwäche
Anfällige Rotation: Die Angels haben eine durchaus talentierte Pitcherriege, doch konnte diese zwei Jahre hintereinander aufgrund diverser Verletzungen nie die Erwartungen erfüllen. 2017 war Ricky Nolasco der einzige, der es auf mindestens 30 Starts und 180 Innings für die Angels brachte – und Nolasco war erstens nicht gut und ist zweitens nicht mehr im Verein. Auch Ohtani hat nie mehr als 160.2 Innings in einer Saison gepitcht und hatte schon mit Bänderdehnungen im Ellenbogen zu tun. Bei den Angels wird derzeit erwogen, eine 6-Mann-Rotation zu  etablieren, um die einzelnen Starter zu entlasten und vor neuerlichen Verletzungen zu bewahren.

Spannendste Frage
Wird Ohtani ein echter Two-Way-Star? Das japanische Talent erntet Vergleiche mit der Legende Babe Ruth. Das ist sicher etwas hoch gegriffen, liegt aber zumindest in der Hinsicht nahe, dass Ruth sowohl als Pitcher wie auch als Batter ein Spitzenspieler war. Das kommt im modernen Profibaseball eigentlich nicht mehr vor, doch Ohtani will zeigen, dass es nach wie vor möglich ist. In der Liga in seiner Heimat hat er den Beweis bereits erbracht: In fünf Jahren hat er dort einerseits 82 Starts als Pitcher absolviert und es auf 543 Innings mit 2.52 ERA gebracht. In der gleichen Zeit hatte er auch 1170 Plate Appearances mit einer Slashline von .286/.358/.500 und 48 Homeruns. Bei seiner Teamsuche in den USA war Ohtani wichtig, dass er auch in der MLB für beide Rollen eingeplant wird. Die Angels wollen ihn wohl an den Tagen direkt vor und nach seinen Starts pausieren lassen und ihn dazwischen als Designated Hitter einsetzen.

Prognose
Platz 2 in der AL West, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 11th, 2018 by Dominik

Und sie bewegt sich doch! Letzte Nacht ist endlich mal wieder etwas passiert in dieser sehr langsamen Offseason: Mit Jay Bruce hat ein weiterer Free Agent meiner Top-20-Liste einen neuen (und alten) Arbeitgeber gefunden. Einen Monat vor dem Trainingsauftakt für die neue Saison sind aber immer noch 14 Mitglieder dieser Liste – und zahlreiche weitere Free Agents – ohne neuen Vertrag. Würden die Arbeitslosen der MLB sich zu einer eigenen Mannschaft zusammen finden, brächten sie ein beachtliches Lineup zusammen: C Lucroy, 1B Hosmer, 2B Walker, SS Nunez, 3B Moustakas, LF Gonzalez, CF Cain, RF Martinez, DH Morrison. Starting Rotation: Darvish, Arrieta, Lynn, Cobb, Cashner. Bullpen: Holland, Reed, Albers, Watson. Das wäre kein schlechtes Team, oder?

Jay Bruce zurück in New York
Die notorisch sparsamen Mets haben sich doch noch aus der Deckung gewagt und Outfielder Jay Bruce zurück geholt. Nach einem holprigem Start in New York hatte der Outfielder 2017 in die Erfolgsspur gefunden (.256/.321/.520) und sich zum Publikumsliebling gemausert. Zur Trade Deadline war er nach Cleveland getradet worden, weil die Saison der Mets frühzeitig abgehakt war und sein Vertrag ohnehin auslief. Nun streift Bruce in den nächsten drei Jahren doch wieder das Mets-Jersey über und erhält dafür 39 Millionen Dollar. Bruce wird hauptsächlich im Rightfield spielen, kann aber auch mal an der First Base einspringen und bringt den Mets somit mehr Flexibilität für ihr Lineup sowie dringend benötigte Führungsqualität. Wenn nun noch ein solider Second oder Third Baseman (die jeweils andere Rolle übernimmt Asdrubal Cabrera) gefunden wird und vielleicht noch ein Starter für die untere Hälfte der Rotation, dann sieht die Offseason der Mets plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus wie es lange den Anschein hatte.

Boone Logan zu den Brewers
Das andere interessante Free-Agent-Signing dieser Woche ist aus Milwaukee zu vermelden und betrifft wenig überraschend einen Relief Pitcher. Reliever scheinen die einzigen Spieler zu sein, für die es in dieser Offseason einen nennenswerten Markt gibt. Die Brewers haben sich die Dienste von Linkshänder Boone Logan gesichert, der 1,875 Millionen Dollar Festgehalt für ein Jahr erhält und über leistungsbezogene Bestandteile weitere 3,2 Millionen verdienen kann. Der Verein hat eine einseitige Option auf ein zweites Vertragsjahr.

Neuer Backup-Catcher für die Angels
Die Los Angeles Angels sind eines von ganz wenigen Teams, die dieses Jahr richtig aufgerüstet haben. Mit Catcher René Rivera haben sie nun ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt. Der 34-Jährige erhält 2,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wird voraussichtlich als Reserve und Entlastung für Stamm-Catcher Martin Maldonado dienen.

Padres finden Bullpen-Verstärkung in Japan
Nachdem vor zwei Wochen schon die Diamondbacks mit dem ersten MLB-Engagement des 33-jährigen japanischen Relievers Yoshihisa Hirano überraschten, haben die San Diego Padres nun eine ähnliche Verpflichtung getätigt: Auch Kazuhisa Makita ist 33 und auch er erhält von seinem neuen Team einen Zweijahresvertrag. Im Gegensatz zu Hirano ist er nicht als Closer eingeplant sondern in einer weniger exponierten Bullpenrolle, folgerichtig ist er mit vier Millionen Dollar auch ein Stück günstiger. Ich bin gespannt, ob und wie Makitas Submarine-Stil sich in der MLB bewährt.

Dreiecks-Trade zwischen Dodgers, Royals und White Sox 
Es sind keine allzu berühmten Spieler involviert, aber ich finde, ein Dreiecks-Trade ist immer eine interessante Konstellation. In diesem Fall haben die Dodgers, die Royals und die White Sox sich auf solch einen Ringtausch geeinigt. Im Einzelnen: Die Dodgers bekommen Reliever Scott Alexander von den Royals und Minor-League-Infielder Jake Peter von den White Sox; die Royals erhalten von den Dodgers Pitching-Prospect Trevor Oaks und Minor-League-Infielder Erick Mejia; die White Sox bekommen die Reliever Luis Avilan und zwei Millionen Dollar von den Dodgers sowie Reliever Joakim Soria und eine Million von den Royals. Die wichtigsten Konsequenzen des Trades sind, dass die Dodgers mit Alexander einen Linkshänder-Spezialisten als Nachfolger von Tony Watson haben, ohne wieder in den Bereich der Luxussteuer zu rutschen; dass die Royals Sorias Gehalt loswerden und damit mehr Spielraum in der Free Agency haben (z. B. für Eric Hosmer); und dass die White Sox zwei solide Reliever bekommen, ohne viel dafür hergeben zu müssen.

Trade Solarte
Einen weiteren Trade haben die Blue Jays und die Padres vereinbart: Yangervis Solarte wechselt von San Diego nach Toronto, das im Gegenzug zwei Minor Leaguer abgibt. Solarte gibt den Blue Jays Tiefe für das gesamte Infield, dafür haben die Padres in Outfielder Edward Oliveras und RP Jared Carkuff nun zwei weitere Talente, die sich mit etwas Glück zu MLB-Spielern entwickeln könnten.

Skandal um Spieler-Agent Wood 
Die Agentur CSE, die zahlreiche MLB- und Minor-League-Spieler vertritt, hat einen hochrangigen Mitarbeiter, Spieler-Agent Jason Wood, gefeuert. Das wäre keine Meldung wert, stünde die Entlassung nicht in Zusammenhang mit einem ekligen Skandal, in dem mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Spieler soll beim Duschen eine Kamera gefunden haben und es sieht alles danach aus, dass Wood diese Kamera angebracht und zahlreiche weitere von ihm betreute Spieler beim Duschen gefilmt hat. Wood bestreitet die Vorwürfe, der Anfangsverdacht ist aber offenbar stark genug, dass der Agent auch von der Spielergewerkschaft bis auf weiteres gesperrt wurde. Wood vertrat bislang beispielsweise Red-Sox-Outfielder Andrew Benintendi, Mariners-Pitcher David Phelps und Rays-Pitcher Jake Odorizzi.

Finale Weltrangliste für 2017
Ein kurzer Nachtrag zur kürzlich hier veröffentlichten Serie über Baseball in aller Welt: Der Weltverband WBSC hat die endgültige Baseball-Weltrangliste des Jahres 2017 veröffentlicht. Die ersten sechs Plätze sind unverändert geblieben,wobei die zweitplatzierten USA im Jahr ihres WBC-Triumphes den Rückstand auf Spitzenreiter Japan deutlich verkleinern konnten. Den größten Sprung nach vorne machte Israel von Rang 22 auf 19. Deutschland steht wie schon ein Jahr zuvor auf dem 20. Platz.

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Dezember 14th, 2017 by Dominik

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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September 21st, 2017 by Dominik

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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Juli 27th, 2017 by Dominik

Wie letzte Woche angekündigt gibt es heute eine etwas kürzer als gewohnt ausfallende Urlaubsedition des Grand Slam am Donnerstag. Das Team der Stunde sind die Kansas City Royals mit derzeit acht Siegen am Stück. Die Los Angeles Dodgers schienen Ende letzter Woche etwas zu stolpern, aber nach zwei Niederlagen gegen die Atlanta Braves haben sie nun schon wieder fünfmal hintereinander gewonnen und sind auch ohne den verletzten Clayton Kershaw dabei, ihre dominante Saison fortzusetzen.

National League
Wenig Neues in der National League East: Die Washington Nationals (60-39) ziehen weiterhin einsam ihre Kreise vor dem abgeschlagenen Rest der Division. Angesichts von zwölfeinhalb Spielen Vorsprung wird auch der Ausfall von Stephen Strasburg zu verkraften sein. Der Pitcher ist wegen eines eingeklemmten Nervs im Unterarm auf der DL gelandet, wird aber voraussichtlich nur einen Start verpassen.

Deutlich spannender geht es in der NL Central zu, in der die Chicago Cubs (53-47) seit dem All-Star-Break ihre Vorjahresform wiedergefunden und inzwischen auch die Führung übernommen haben. Die Milwaukee Brewers (54-49) sind mit nur zwei Siegen aus den letzten zehn Spielen böse abgestürzt, aber noch liegen sie nur ein halbes Spiel hinter den Cubs und von Freitag bis Sonntag treffen die beiden Kontrahenten direkt aufeinander. Mit etwas Abstand sind auch die St. Louis Cardinals (50-51) und die Pittsburgh Pirates (50-52) noch im Rennen.

Die NL West ist nach wie vor die stärkste Division im Baseball und auf gutem Weg, beide Wild-Card-Plätze der National League zu holen. Die Arizona Diamondbacks (58-43) und die Colorado Rockies (58-45) würden in jeder anderen Gruppe ernsthaft um Platz eins mitspielen, doch auf die Los Angeles Dodgers (71-31) haben sie schon zwölfeinhalb bzw. dreizehneinhalb Spiele Rückstand. Die Dodgers müssen voraussichtlich vier bis sechs Wochen auf ihren Starpitcher Clayton Kershaw verzichten. Man darf gespannt sein, ob sie nun zur Trade Deadline noch einmal nachlegen und jemanden wie Sonny Gray oder Yu Darvish an Land ziehen.

American League
Die Boston Red Sox (56-47) haben sich zwischendurch vier Niederlagen in Folge erlaubt und damit für neue Spannung in der American League East gesorgt. Sie stehen nun nur noch knapp vor den New York Yankees (53-46) und den Tampa Bay Rays (53-49) und werden froh sein, dass diese sich in den nächsten Tagen im direkten Duell gegenseitig Punkte wegnehmen. Die Red Sox selbst werden es aber auch nicht leicht haben, denn sie treffen nun nacheinander auf die beiden Contender der AL Central.

Diese beiden, die Cleveland Indians (54-45) und die Kansas City Royals (53-47), schenken sich zurzeit mit sechs bzw. acht Siegen hintereinander überhaupt nichts im Kampf und die Spitze der AL Central. Leidtragender davon sind die Minnesota Twins (49-51), die sich vorerst von dem lange aufrecht erhaltenen Führungsanspruch verabschieden müssen. Daran ändert leider auch die gute Form „unseres“ MLBlers Max Kepler (.292/.366/.444 im Juli) nichts.

In der AL West bleiben die Houston Astros (67-34) das Maß aller Dinge. Angesichts des Hypes um die Los Angeles Dodgers ist der um die Astros etwas abgeflaut. Doch auch sie spielen nach wie vor eine absolut beeindruckende Saison. Mit siebzehn Spielen auf die zweitplatzierten Seattle Mariners (51-52) halten sie den derzeit höchsten Vorsprung innerhalb der Majors und ihre 599 erzielten Runs führen die MLB mit weitem Abstand an.

Szene der Woche
Triple Plays, also drei Outs auf einen Streich, sieht man generell schon selten in der MLB. Ein Run-Scoring-Triple-Play, also eines, bei dem gleichzeitig ein Run nach Hause kommt, ist noch weitaus seltener – genauer gesagt kam das erst zehnmal vor. Und wenn dies dann auch noch beim allerersten At Bat im neuen Heimstadion eines frisch verpflichteten Spielers passiert, dann haben wir ein vermutlich historisch einmaliges Ereignis. Passiert ist das Ganze am Dienstag Third Baseman Todd Frazier, der letzte Woche im Zuge eines Trades von den Chicago White Sox zu den New York Yankees gewechselt war – ausgerechnet gegen die Cincinnati Reds, für die Frazier von 2011 bis 2015 gespielt hatte.

Statistik der Woche 
20 Jahre, 275 Tage. So alt ist der aktuell jüngste Spieler in der MLB, der frisch aus den Minors ins Team der Boston Red Sox geholte Third Baseman Rafael Devers. Es soll eigentlich nur ein kurzes Hineinschnuppern sein, um die Lücke bis zur Ankunft des neu aus San Francisco verpflichteten Eduardo Nunez zu füllen. Doch Devers hat sich offenbar vorgenommen, es den Red Sox sehr schwer zu machen, ihn wieder nach unten zu schicken: In seinem ersten Spiel holte er zwei Walks heraus, im zweiten zwei Hits und der erste davon war gleich ein Home Run. Devers ist damit der jüngste Red-Sox-Spieler mit einem Homerun seit Tony Conigliaro im Jahr 1965.

Spiel der Woche
Ich sehe zurzeit urlaubsbedingt nicht viel Baseball, aber das Spiel zwischen den Cleveland Indians und den Los Angeles Angels Dienstagnacht war sicher sehr unterhaltsam: Zuerst sah es nach einer klaren Angelegenheit für die Indians aus, als diese im zweiten Inning auf 7:0 davon zogen. Doch die Angels verkürzten Stück um Stück und nach sechs Durchgängen stand es 7:7. Bis ins elfte Inning hinein blieb es bei diesem Spielstand, bevor schließlich Edwin Encarnacion per Walk-Off-Grand-Slam doch noch den Sieg für Cleveland sicherte. Encarnacions Homerun war übrigens sein 1000. RBI in der MLB – genauer gesagt seine RBIs 998 bis 1001.

Spiel der kommenden Woche
Sowohl die Cleveland Indians als auch die Boston Red Sox führen derzeit mit hauchdünnem Vorsprung ihre jeweilige Division an. Insofern wird es auf jeden Fall spannend, was das Aufeinandertreffen dieser beiden Teams von Montag bis Mittwoch hervorbringt. Obendrein gibt es voraussichtlich in der Partie Dienstagnacht ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ein starkes Pitcherduell zu sehen, wenn für Boston Chris Sale (2.37 ERA, 1.91 FIP) und für Cleveland Carlos Carrasco (3.58 ERA, 3.59 FIP) auf dem Mound stehen.

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Juni 29th, 2017 by Dominik

Wie doch die Zeit vergeht: In nur eineinhalb Wochen steht bereits der All-Star-Break an, sozusagen die Halbzeitpause der MLB-Saison. Als erstes Team der Liga haben die Los Angeles Angels bereits über die Hälfte ihrer Spiele (82 von 162) absolviert. Mit dem Walkoff-Win gegen ihren Lokalrivalen, die Los Angeles Dodgers, sind die Angels erfolgreich in ihre zweite Saisonhhälfte gestartet. Trotz der Niederlage sind die Dodgers derzeit die Attraktion der Liga: Mit 17 Siegen aus 20 Spielen sind sie in den vergangenen drei Wochen derart heiß gelaufen, dass sie inzwischen den Houston Astros die Rolle als stärkstes Teams der MLB streitig machen.

National League
Die Washington Nationals (47-31) spielen in der National League East seit Wochen nicht mehr als das, was Baseballer einen .500er-Ball nennen, aber das reicht locker aus, um die Divisionskonkurrenz in Schach zu halten. Immer wenn es drauf ankommt, ist die sagenhafte Offense (MLB-Spitze mit 442 erzielten Runs) zur Stelle und holt den nach wie vor schwachen Bullpen aus der Bredouille. Hinter den Nationals geht es um nicht viel mehr als die Ehre – die Ehre, in der Endabrechnung Platz zwei zu belegen, den momentan die Atlanta Braves (37-40) vor den Miami Marlins (35-41) und den New York Mets (35-42) behaupten, sowie die Ehre, am Ende vielleicht doch nicht das schlechteste Team der Liga zu sein. Momentan sind es die Philadelphia Phillies (26-51), aber zwei Siege hintereinander gegen die Mariners lassen zumindest ein ernsthaftes Bemühen erkennen.

Ein wahres Schneckenrennen bietet momentan die NL Central: Obwohl sich die Chicago Cubs (39-39) mit Mühe auf einer lediglich ausgeglichenen Bilanz halten, tasten sie sich Woche für Woche ein Stückchen näher an die Milwaukee Brewers (41-39) heran, welche sich wahrscheinlich selbst am meisten darüber wundern, immer noch an der Spitze der Division zu stehen. Die St. Louis Cardinals (36-41) und die Pittsburgh Pirates (36-42) sind noch nicht aus dem Rennen, machen auf mich aber nicht den Eindruck, dieses Jahr noch viel reißen zu können – andererseits tun das ja auch die Brewers und die Cubs nur sehr eingeschränkt und die Cincinnati Reds (33-44) sowieso nicht. Hier noch eine interessante Geschichte aus dem Lager der Cubs: Dienstagnacht ließen sich Pitcher Jake Arrieta und Catcher Miguel Montero sage und schreibe sieben Bases von den Nationals stehlen. Statt sich an die eigene Nase zu fassen, beschwerte Montero sich hinterher öffentlich über die langsame Pitching-Bewegung von Jake Arrieta – und wurde prompt aus dem Team entlassen. Irgendwie hat er das mit seinem Verhalten durchaus verdient – es zeigt aber auch, wie blank die Nerven beim Titelverteidiger angesichts der bisher höchst mittelmäßigen Saison offenbar liegen.

Vom Schneckenrennen in der NL Central kommen wir zum genauen Gegenteil in der NL West. Die Los Angeles Dodgers (52-28) und die Arizona Diamondbacks (50-29) marschieren nahezu im Gleichschritt, haben 17 bzw. 16 ihrer letzten 20 Spiele gewonnen. Die Leidtragenden dieser beiden Erfolgsserien sind die Colorado Rockies (47-34), die sich in ihrem ersten echten Slump des Jahres befinden und derzeit acht Spiele in Folge verloren haben – ungünstigerweise allesamt gegen Divisionskonkurrenz, zuletzt sogar dreimal gegen die San Francisco Giants (30-51). Am Wochenende müsste für die Rockies nun dringend ein Seriensieg über die Diamondbacks her, wenn man in dem Dreikampf um die Division nicht noch deutlicher zurückfallen will.

American League
Ich bereite Teile dieses Artikels meistens schon am Mittwoch vor und nun muss ich schon zum zweiten Mal in Folge am Donnerstagnachmittag den Text umschreiben, in dem ich vermelden wollte, dass die New York Yankees (42-34) die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (43-35) verloren haben. Ich glaube so langsam, die machen sich einen Spaß daraus, ausgerechnet Mittwochnacht immer wieder alles zu drehen – das macht mir die Yankees nicht gerade sympathischer… Was ich hingegen so erfreulich wie bemerkenswert finde ist, wie sich seit Wochen in winzigen Schritten die Tampa Bay Rays (41-39) an den Titelkampf heranpirschen. Wenn das so weitergeht, wird die AL East dieses Jahr auch über die ewig junge Yankees-Red-Sox-Rivalität hinaus eine sehr spannende Division. Zumal auch die Baltimore Orioles (38-39) sich von ihrem zwischenzeitlichen Absturz inzwischen gefangen und die Toronto Blue Jays (37-40) sich ebenfalls noch nicht aufgegeben haben.

Ebenfalls ein heißes Rennen gibt es in der AL Central, in der sich die Cleveland Indians (41-36) und die Minnesota Twins (40-36) alle paar Tage an der Spitze abwechseln. An den letzten beiden Wochenenden trafen die beiden Kontrahenten direkt aufeinander und interessanterweise haben sie sich jeweils im Auswärts-Ballkpark gegenseitig gesweept. Ob auch die Kansas City Royals (38-38) noch ein Wörtchen mitreden können, wird sich vielleicht schon über das kommende Wochenende zweigen, wenn sie viermal auf die Twins treffen. Die bis vor Kurzem noch bemerkenswerte Ausgeglichenheit der Division ist derweil Vergangenheit, denn durch anhaltend schwache Auftritte der Detroit Tigers (34-43) und der Chicago White Sox (33-44) ist inzwischen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus der AL Central geworden.

Zwei Klassen gibt es auch in der AL West: die Houston Astros (53-26) als Klasse für sich und der Rest irgendwo dahinter. Ähnlich wie in der NL East hinter den Nationals spielen die anderen Teams nur noch die Plätze untereinander aus, wobei in der AL West durchaus realistische Hoffnung auf eine Wild Card besteht. Bemerkenswerterweise halten die Los Angeles Angels (42-40) sich wacker über .500 und damit vor den Texas Rangers (39-39) und den Seattle Mariners (39-41) auf Platz zwei. Das hätte ich ihnen insbesondere wegen des Ausfalls von Superstar Mike Trout – der übrigens kurz vor oder kurz nach dem All-Star-Break zurück erwartet wird – nicht zugetraut.

Szene(n) der Woche
Diese Woche haben mich vor allem einige fantastische Catches beeindruckt. Gleich zwei davon gehen auf das Konto von Cubs-Infielder Javier Baez, beide aus dem gleichen Spiel gegen die Nationals: Zuerst klaute er Bryce Harper einen sicheren Hit durch einen hart geschlagenen Linedrive und später im Spiel sprintete er 132 Fuß (gut 40 Meter), um kurz vor der Spielfeldbegrenzung einen Foulball von Adam Lind abzufangen. Ein weiteres Highlight lieferte Reds-Outfielder Scott Schebler ab, der mit einem gigantischen Sprung einen Homerun von Brewers-Neuzugang Stephen Vogt verhinderte. Nicht ganz gelungen war ein Fangversuch von Rockies-3B Nolan Arenado, der sich gegen einen Groundball von Giants-Pitcher Ty Blach ganz lang machte, den Ball aber nicht zu fassen bekam. Umso beeindruckender war dann aber, wie er  ihn sich blitzschnell angelte und ihn im Liegen zum Aus an der ersten Base feuerte.

Statistik der Woche 
0.99. Das ist der ERA von Nationals-Pitcher Max Scherzer aus seinen 5 Starts im Juni. In 36.1 Innings hat er nur 14 Hits und 6 Walks zugelassen, was einem WHIP von 0.55 entspricht. Gleichzeitig hat er 51 Strikeouts geworfen, das sind 12.63 Strikeouts pro 9 Innnings. Den Gegnern, die es mit Scherzer in diesem Monat zu tun bekamen, erlaubte er einen Batting Average von gerade mal .114.

Spiel der Woche
Das Spiel der Cleveland Indians gegen die Texas Rangers am Montag schien frühzeitig entschieden, als die Gäste schon im ersten Inning vier Runs scorten und die Führung bis zum vierten Inning auf 9:2 ausbauten. Die Indians mussten ab dem vierten Inning auch noch ohne ihren Manager Terry Francona auskommen, der mit Herzbeschwerden in die Notaufnahme musste (glücklicherweise stellte sich heraus, dass keine ernsthafte Erkrankung vorlag). Doch die amtierenden AL-Champions weigerten sich, einfach aufzugeben und kamen mit 13 Punkten zurück, ohne weitere Runs des Gegners zuzulassen. Schon nach dem siebten Inning hatten die Indians das Spiel komplett gedreht und den 15:9-Endstand hergestellt. Der Erfolg geht wohl als geschlossene Teamleistung durch: Keiner der 15 Runs wurde als Homerun erzielt, dafür hatte jeder einzelne Batter mindestens einen Hit; alle außer Jason Kipnis hatten sogar zwei oder mehr.

Spiel der kommenden Woche
In der NL West steht mit der Serie der Rockies gegen die Diamondbacks das nächste Gipfeltreffen des spannnenden Dreikampfs an, doch nach zwei Einschalttipps aus dieser Division in Folge soll es dieses Mal etwas anderes sein: Die New York Yankees treffen übers Wochenende dreimal auf die Houston Astros zu einer bestimmt sehr attraktiven Serie. Von der Startzeit her bietet sich das Matchup am Sonntag um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Auf dem Mound werden voraussichtlich die beiden Rechtshänder Luis Severino (3.15 ERA) für die Yankees und Mike Fiers (3.98 ERA) für die Astros stehen.

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Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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