Oktober 29th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 ist Geschichte. In den Los Angeles Dodgers hat sie einen würdigen und verdienten Champion gefunden, der die Tampa Bay Rays in einer mitreißenden Finalserie mit 4:2 besiegte. 

Was wird hängen bleiben von dieser World Series? Vermutlich vor allem die Entscheidung von Rays-Manager Kevin Cash in Spiel sechs, seinen bis dahin überragenden Starter Blake Snell früh auszuwechseln – die Dodgers drehten direkt im Anschluss daran das Spiel zu ihren Gunsten. In Erinnerung bleiben sicher auch die starken Schlagleistungen von World-Series-MVP Corey Seager und von Tampas Rookie-Sensation Randy Arozarena sowie das verrückte Comeback der Rays in Spiel vier.

Die World Championship 2020 wird für immer eine kleine Fußnote tragen, weil sie wegen der Coronapandemie „nur“ eine verkürzte Saison krönt. Das soll die Leistung der Dodgers aber in keiner Weise schmälern – überzeugender als sie kann man weder die reguläre Saison noch die Playoffs dominieren. Apropos Corona: Die Pandemie hat die MLB-Postseason glücklicherweise weitgehend verschont. Quasi in letzter Sekunde holte sie sich dann aber doch wieder einen Platz in den Schlagzeilen. Justin Turner wurde nach dem siebten Inning ausgewechselt, weil während des Spiels ein Testergebnis eintraf, dass ihn als Covid-19-positiv auswies. Warum Turner erst nach sieben Innings raus musste, obwohl die MLB das Ergebnis wohl schon im zweiten Inning kannte, warum es nicht schon vor dem Spiel vorlag und vor allem warum Turner nach dem Spiel seine Mitspieler umarmen und für Fotos posieren durfte, wird wohl noch für einige Zeit Diskussionsstoff bieten.

Der Vollständigkeit halber noch ein kurzer Rückblick auf das letzte Spiel in der Form, wie ich ihn schon zu den Spielen 1 und 2 bzw. 3 bis 5 geschrieben hatte:

World Series, Spiel 6
Die Rays gingen als Favorit in diese Partie, weil das Pitching-Matchup klar für sie zu sprechen schien: Sie schickten Blake Snell ins Rennen gegen Tony Gonsolin, von dem klar war, dass er nicht mehr als der Opener eines Bullpen-Spiels der Dodgers sein würde. Tatsächlich übernahmen die Rays schon im ersten Inning die Führung durch einen Solo-Homerun von Randy Arozarena. Der Rookie baute seine Postseason-Rekorde damit auf 10 Homeruns und 29 Hits aus. Für die Dodgers hingegen erwies sich Snell als nahezu unhitbar. Der Starter der Rays brachte es auf 9 Strikeouts in 5.1 Innings, ließ kaum harten Kontakt zwischen Ball und Schläger zu und wurde dennoch nach dem zweiten Hit der Dodgers – einem soften Linedrive von Austin Barnes – nach nur 73 Pitches ausgewechselt. Das war vermutlich der Fehler des Jahres von Tampas Manager Kevin Cash, denn der eingewechselte Reliever Nick Anderson ließ direkt ein Double von Mookie Betts zu, ließ Barnes bei einem Wild Pitch scoren und Betts bei einem Fielder’s Choice von Seager. Schon stand es 2:1 für die Dodgers; eine Führung, die sie nicht mehr hergaben und im achten Inning per Homerun von Betts zum 3:1-Endstand ausbauten.

Szene der Woche
Was soll ich groß sagen, die Szene der Woche war natürlich der Triumph der Dodgers in der World Series. Zum Genießen für alle Fans und Freunde der Dodgers gibt es hier den entscheidenden Moment aus sechs verschiedenen Perspektiven mit ebenso vielen verschiedenen Kommentaren:

Statistik der Woche
62,9%. Das ist der Anteil der Spiele, die die Dodgers in den letzten vier Jahren gewonnen haben. Das macht sie nicht nur zum besten Team dieser vier Jahre, sondern auch zum besten in einem beliebigen Vierjahreszeitraum der Wild-Card-Ära (seit 1995). Auf Platz zwei dieser Statistik liegen die Yankees mit 62,8% in den Jahren 1996-1999. Die gewannen in diesem Zeitraum übrigens drei World Series. 

So geht es weiter
Die MLB befindet sich seit gestern offiziell in der Offseason und damit in der Vorbereitung auf eine hoffentlich einigermaßen normale Saison 2021. Große Themen der nächsten Monate – neben der Entwicklung der Pandemie – werden die Suchen der Boston Red Sox, der Chicago White Sox und der Detroit Tigers nach neuen Managern sein. Bei den Mets steht ein noch deutlich wichtigerer Wechsel an: Der Milliardär Steven Cohen will den Klub von Fred und Jeff Wilpon kaufen und benötigt dafür die Zustimmung von 23 der 29 anderen MLB-Teambesitzer.

Die Free Agency, also der Zeitraum, in dem Spieler ohne Vertrag bei einem neuen Klub unterschreiben können, beginnt am kommenden Montag, fünf Tage nach Ende der World Series. Bis Sonntag haben die Vereine Zeit, Verlängerungs- oder Kündigungsoptionen in bestehenden Verträgen zu ziehen und unter bestimmten Bedingungen Qualifying Offers an Spieler mit auslaufenden Kontrakten auszusprechen.

In der Woche ab dem 9. November werden die vier wichtigsten Awards der MLB für die Saison 2020 bekannt gegeben: die Rookies of the Year, die Managers of the Year, die Cy-Young-Awards und die Most Valuable Players, jeweils getrennt für die National League und die American League.

Der Baseblog wird euch wie gewohnt durch die Offseason begleiten, unter anderem mit wöchentlichen Updates zu aktuellen Entwicklungen im Grand Slam am Donnerstag. Hinzu kommen traditionelle Events wie das Baseblog-Wunschkonzert, die Wahl zur Most Ridiculous Injury (MRI-Award), Statusberichte zur Free Agency und auch wieder eine oder zwei Artikelserien zu einem Schwerpunktthema – lasst euch überraschen und schaut bitte weiterhin regelmäßig rein!

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Oktober 22nd, 2020 by Silversurger

Die World Series ist wieder komplett offen: Nachdem die Los Angeles Dodgers am Dienstag den ersten Sieg vorgelegt hatten, ging Spiel zwei letzte Nacht an die Tampa Bay Rays. Heute legt die Serie ihren ersten – und vielleicht einzigen – Pausentag ein. Stattdessen steht als Alternative das Matchup Trump vs. Biden an, falls euch die Nachtschicht schon in Fleisch und Blut übergangen ist oder ihr vergessen habt, nach dem letzten Spiel den Wecker auszustellen.

World Series, Spiel eins
Die Auftaktpartie war eine beeindruckende Präsentation, wie sehr die Dodgers mit der Verpflichtung von Mookie Betts ihre Chancen auf den lang ersehnten Titel gesteigert haben. Zwei Hits inklusive Homerun, ein Walk, zwei gestohlene Bases, zwei Runs – so ein Gesamtpaket an Offensivleistungen war vor Betts noch nie einem Spieler in einem World-Series-Spiel gelungen. Die Teamkameraden ließen ihn mit seiner überragenden Leistung nicht allein, insgesamt brachten es die Dodgers auf acht Runs. Sechs davon gingen, aus Sicht der Rays betrachtet, auf das Konto von Starter Tyler Glasnow. Er verlor nach drei gewohnt starken Innnings im vierten und fünften Durchgang den Faden, walkte insgesamt sechs Batter und hinterließ seinem Team kaum eine Chance, das Spiel noch zu drehen. Zumal sein Gegenüber Clayton Kershaw keine Spur von der ihm zugeschriebenen Playoff-Schwäche zeigte. Er ließ in sechs Innings nur zwei Hits und einen Run zu, schickte acht Schlagmänner per Strikeout zurück in den Dugout. Nachdem Kershaw Feierabend hatte, ließen die Rays mit zwei Runs im siebten Inning ein kurzes Lebenszeichen aufflackern, doch letztlich brachten die Dodgers die Partie souverän mit 8:3 nach Hause und konnten sogar ihre Top-Reliever auf der Bank lassen.

World Series, Spiel 2
Die Reliever brauchten die Dodgers umso mehr in Spiel zwei, denn sie verzichteten auf einen echten Starter und ließen den Bullpen die gesamte Partie bestreiten. Die Taktik ging nicht auf. Schon im ersten Inning gab Tampas Second Baseman Brandon Lowe mit dem ersten von zwei Homeruns den Rhythmus für eine gegenüber Spiel eins stark verbesserte Rays-Offensive vor. Zur Mitte des fünften Innings führten die Rays bereits 5:0, während die Dodgers gegen den bis dahin überragenden Blake Snell noch keinen einzigen Hit zustande bekommen hatten. Chris Taylor brach dann zwar den Bann, und außer ihm erzielten auch Will Smith und Corey Seager noch Homeruns für die Dodgers, doch das Aufbäumen reichte nicht aus, um die 4:6-Niederlage zu verhindern.

So geht es weiter
Freitagnacht ab 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Serie mit Spiel drei fortgesetzt. Als Starting Pitcher werden Walker Buehler für Los Angeles und Charlie Morton für Tampa Bay antreten. Samstag und Sonntag folgen zur selben Uhrzeit die Spiele vier und fünf. Falls dann noch keine Entscheidung gefallen ist, gibt es einen weiteren Pausentag, bevor es Dienstagnacht um 1:08 unserer Zeit in Spiel sechs geht.

Zur Freude aller Baseballfans ohne ein Abo von mlb.tv oder DAZN werden die Spiele der World Series zumindest teilweise bei Sport1 als kostenloser Livestream gesendet. Hier ist der Link zum Stream von Spiel drei.

Szene der Woche
Vielleicht habt ihr erwartet, dass ich hier den sensationellen Catch von Mookie Betts aus Spiel 7 der NLCS abfeiere. Der war zweifellos großartig, aber der Catch von Lin Che-Hsuan in Verbindung mit der anschließenden schauspielerischen Glanzleistung in der taiwanesischen CPBL war noch ein Stück großartiger:

Statistik der Woche
22. So viele Hits hat der Rookie-Outfielder Randy Arozarena in der laufenden Postseason schon erzielt. Er hat damit einen Rekord eingestellt, den Derek Jeter 1996 aufgestellt hatte. Jeter wurde damals nach der Saison zum Rookie of the Year gewählt. Diese Ehre wird Arozarena vorerst versagt bleiben, da er erst spät in der Saison in den MLB-Kader der Rays hochgerückt ist. Dadurch gilt er aber auch nächstes Jahr noch als Rookie und hat somit alle Chancen, sich den Award für 2021 zu sichern.

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Januar 16th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 steht vor der Tür, was eigentlich Grund zur Vorfreude sein sollte. Doch die letzten Tage standen klar im Schatten unrühmlicher Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit. Das Meisterteam des Jahres 2017 wurde des systematischen Betrugs überführt, vergleichbare Anschuldigungen gegen das Meisterteam des Jahres 2018 werden noch geprüft. Die bislang ausgesprochenen und noch zu erwartenden Strafen sind empfindlich, auch wenn sie nicht bis zum ultimativen Mittel – dem Entzug von Titeln – reichen. Mehrere Verantwortliche haben durch den Skandal bereits ihren Job verloren, mindestens ein weiterer könnte in Kürze folgen. Alles in allem gibt der professionalle Baseball gerade ein betrübliches Bild ab. Als Fan des Sports kann man nur hoffen, dass es sich bei den aktuellen Ereignissen um ein reinigendes Gewitter handelt und dass spätestens in zwei Monaten wieder der sportliche und vor allem faire Wettkampf auf dem Platz im Mittelpunkt steht.

Red Sox feuern schon mal den Manager
Die Boston Red Sox haben in der Saison 2018 die Fingerzeige der gegnerischen Catcher gefilmt, die Informationen während der Spiele ausgewertet und an ihre Batter weitergeleitet. Die Untersuchung dazu läuft noch und wird aller Voraussicht nach zu ähnlichen Strafen führen wie die Astros sie diese Woche für ihre Verstöße im Jahr 2017 hinnehmen mussten (siehe Bericht vom Dienstag). Als erste interne Konsequenz trennten die Red Sox sich vorgestern von Manager Alex Cora. Das kommt wenig überraschend, denn Cora kommt eine zentrale Rolle in beiden Sign-Stealing-Fällen zu. 2017 war er Bench Coach der Astros und laut dem Untersuchungsergebnis der MLB die Hauptperson, die gemeinsam mit mehreren Spielern das Spionagesystem entwickelte und durchführte. Ein Strafmaß für ihn hat die Liga noch nicht festgelegt, weil dazu zunächst die Untersuchung der Vorfälle in Boston abgeschlossen werden soll, wo Cora ab 2018 als Field Manager, also Cheftrainer der Red Sox tätig war.
Der Nachfolger für Cora in Boston steht noch nicht fest. Als frühe Favoriten für den Job gelten Jason Varitek, bislang Assistent des General Managers, sowie der derzeitige Bench Coach der New York Mets, Hensley Meulens.

Stolpert auch Beltran über den Sign-Stealing-Skandal?
Auch die Mets könnten bald wieder auf der Suche nach einem neuen Manager sein, denn ihr vor zwei Monaten verpflichteter Skipper Carlos Beltran steht ebenfalls im Fokus des Sign-Stealing-Skandals. Er war zwar während der Vorgänge bei den Astros 2017 nur Spieler und als solcher von der MLB ausdrücklich von individuellen Strafen ausgenommen. Beltrans Integrität hat jedoch spürbaren Schaden genommen: Beim Aufkommen des Skandals verkündete er noch öffentlich, von einem Sign-Stealing-System in Houston nichts mitbekommen zu haben. Die Untersuchung der Liga benennt ihn jedoch als einzigen Spieler namentlich als einen der Protagonisten neben Cora. Eine Entscheidung, ob die Mets die Zusammenarbeit mit Beltran fortsetzen, wird bis Ende der Woche erwartet.

Donaldson zu den Twins
Zurück zum Sport: Die Minnesota Twins sind als Sieger aus dem wochenlangen Wettbieten um die Dienste von Josh Donaldson hervorgegangen. Der Third Baseman bekommt einen Vertrag über vier Jahre und 92 Millionen Dollar. Für weitere 8 Millionen kann der Klub die Option auf ein fünftes Jahr ziehen, wodurch sich Donaldsons Einkünfte aus dem Konktrakt auf glatte 100 Millionen belaufen würden. Drei Tage zuvor hatte es noch so ausgesehen, als hätten die Twins einen anderen Weg eingeschlagen, indem sie ihrem bisherigen Third Baseman Miguel Sano 30 Millionen für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre gaben. Nun stellt sich heraus, dass der Plan von vornherein war, Sano auf die defensiv weniger anspruchsvolle Position an der ersten Base zu verschieben und ein Upgrade für die dritte Base zu finden. Das ist durch die Verpflichtung von Donaldson definitiv gelungen. Der 34-Jährige bringt sowohl starkes Feldspiel als auch ordentliche Homerun-Power auf die Waage. Die Twins werten damit ein ohnehin schon beeindruckendes Lineup weiter auf. Mit Max Kepler, Mitch Garver, Nelson Cruz, Eddie Rosario, Sano und Donaldson haben sie nun sechs Spieler an Bord, die 2019 mehr als 30 Homeruns schlugen.

Weitere Spielerverpflichtungen
Außer Donaldson haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: 3B Todd Frazier (Texas Rangers, 1 Jahr, 5 Millionen Dollar mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Alex Wood (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 4-10 Millionen leistungsabhängig), IF Jedd Gyorko (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 2 Millionen mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Ivan Nova (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,5-2 Millionen leistungsabhängig), OF Guillermo Heredia (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 1 Million).

Viele kleine Trades
Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass zwischen den Colorado Rockies und den St. Louis Cardinals ein Trade im Raum steht, dessen Kernstück Third Baseman Nolan Arenado sein soll. Bisher haben die Verhandlungen aber zu keinem Ergebnis geführt. Daher gibt es an dieser Stelle zwar eine Reihe kleiner Deals, aber (noch) keinen Blockbuster zu vermelden:
Die Tampa Bay Rays holen sich in 1B/OF Jose Martinez und OF Randy Arozarena zwei Ergänzungsspieler von den Cardinals, welche dafür Pitching-Prospect Matthew Liberatore und C Edgardo Rodriguez bekommen. Der „Hauptpreis“ in diesem Trade ist Liberatore. Um das linkshändige Talent zu bekommen, geben die Cardinals nicht nur Martinez und Arozarena her, sondern auch einen hohen Draftpick (Nummer 38) für einen niedrigeren (Nummer 66).
Die Los Angeles Angels bekommen von den Diamondbacks RP Matt Andriese im Tausch gegen Minor-League-Pitcher Jeremy Beasley.
OF Austin Dean wechselt von den Miami Marlins zu den Cardinals, die dafür Minor-League-OF Diowill Burgos abgeben.
Die Chicago Cubs schicken IF/OF Tony Kemp zu den Oakland Athletics und bekommen im Gegenzug Minor-League-IF Alfonso Rivas.
Die Houston Astros bekommen SP/RP Austin Pruitt von den Tampa Bay Rays und geben dafür die Minor Leaguer OF Cal Stevenson und RP Peyton Battenfield ab.
Die Texas Rangers schicken RP Jeffrey Springs zu den Boston Red Sox und erhalten als Gegenleistung 1B Sam Travis.

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