November 14th, 2019 by Silversurger

Es ist die große Award-Woche in der MLB und das ist auch das dominierende Themen im heutigen Grand Slam am Donnerstag. Erwähnenswert ist zudem, dass inzwischen alle Teams außer den Pittsburgh Pirates ihren Manager für die kommende Saison benannt haben – zuletzt die San Francisco Giants, bei denen Gabe Kapler die Nachfolge des in den Ruhestand gewechselten Bruce Bochy antritt. Außerdem gibt es mal wieder Ärger um mutmaßliches Sign Stealing von MLB-Teams in Heimspielen – ein Glück, dass zumindest die diesjährige World Series von dieser Diskussion verschont bleiben wird, da es in ihr keinen einzigen Heimsieg gab…

Die Giants haben einen neuen Manager
Gabe Kapler war nicht lange arbeitslos: Einen Monat, nachdem die Philadelphia Phillies ihren Field Manager entlassen hatten, hat dieser bei den San Francisco Giants bereits eine neue Anstellung gefunden. Der 44-Jährige gilt als kreativer Analytiker mit dem Talent, einen guten Draht zu den Spielern aufzubauen. In Philadelphia konnte er allerdings die Erwartungen, das Team aus dem Mittelmaß zu führen, nicht erfüllen, brachte es in zwei Jahren auf eine Bilanz von 161-163. Es kommt daher für mich etwas überraschend, dass die Giants ihre Hoffnungen auf ihn setzen. Der General Manager der Giants, Farhan Zaidi, und Kapler kennen sich aus der gemeinsamen Zeit von 2014 bis 2017 bei den Los Angeles Dodgers.

Alonso und Alvarez sind die besten Neulinge
Die Rookies of the Year wurden Montagnacht bekannt gegeben. In der American League gewann Yordan Alvarez von den Houston Astros die Auszeichnung einstimmig, in der National League holte Pete Alonso von den New York Mets den Titel mit 29 von 30 Stimmen. Das einzige Überraschende an diesen Ergebnissen ist die eine Stimme, die Alonso zur Einstimmigkeit fehlte. 53 Homeruns in seiner Debütsaison sind die meisten, die je ein Rookie erzielt hat, zudem gewann er das Homerun-Derby im Juli. Mit 4.8 fWAR leistete Alonso den mit Abstand größten Gesamtbeitrag eines Rookies, gefolgt von Braves-Pitcher Mike Soroka mit 4.0. Soroka erhielt übrigens die eine Stimme bei der Wahl, die nicht an Alonso ging. Alvarez brachte es auf 3.8 fWAR, was der Höchstwert eines Rookies in der American League war. Die mit Spannung erwartete erste Saison von Torontos Vladimir Guerrero Jr., der einst als heißer Favorit für den Rookie des Jahres galt, war mit 0.4 fWAR vergleichsweise enttäuschend.

Manager des Jahres ausgezeichnet
Bei den Wahlen zum Manager des Jahres ging es weitaus enger zu als bei den Rookies. In der NL setzte sich Mike Shildt von den St. Louis Cardinals knapp vor Craig Counsell von den Milwaukee Brewers durch. Counsell stand zwar auf 13 Wahlzetteln auf Platz eins und Shildt nur auf 10, doch deutlich mehr Zweitstimmen brachten Shildt in der Gesamtwertung nach vorne. Für Shildt war 2019 die erste volle Saison als Manager, nachdem er Mitte 2018 als Interimsbesetzung übernommen und sich eine Daueranstellung verdient hatte. Die Cardinals holten unter seiner Leitung 91 Siege und ihren ersten Divisionstitel seit 2015.
Auch in der American League war es ein enges Rennen: Minnesotas Rocco Baldelli und Yankees-Skipper Aaron Boone erhielten jeweils 13 Erststimmen, insgesamt hatte Baldelli die Nase vorn. Er führte die Twins zu 101 Siegen und auf Platz eins der AL Central in der Breakout-Saison des deutschen Stars Max Kepler.

Verlander und deGrom erhalten Cy-Young-Award
Auch die besten Pitcher der Saison 2019 haben diese Woche ihre Auszeichnung erhalten. In der American League gab es ein Rennen zwischen zwei Teamkameraden: Alle 30 Erststimmen der wahlberechtigten Journalisten entfielen auf Pitcher der Houston Astros. Justin Verlander erhielt 17 davon, Gerrit Cole die restlichen 13. Für Verlander ist es nach 2011 mit den Detroit Tigers das zweite Mal in seiner Karriere, dass er den begehrten Award erhält. Auch der Preisträger in der National League ist ein Wiederholungstäter. Jacob deGrom bekommt die Auszeichnung sogar zum zweiten Mal hintereinander. Das Ass der Mets ist damit der erste Pitcher seit Tim Lincecum 2008/2009, der den Cy-Young-Titel verteidigen konnte. Seine Wahl war alles andere als knapp; mit 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkten ließ er Hyun-Jin Ryu und Max Scherzer (je 72) weit hinter sich.

Wertvollste Spieler werden heute gekürt
Die letzte und wichtigste der großen Einzelauszeichnungen steht noch aus. Heute Nacht zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit werden die „Most Valuable Players“ der beiden Ligen verkündet. In der AL ist wie quasi jedes Jahr Mike Trout einer der Favoriten auf den Titel. Hätte er sich nicht Anfang September für den Rest der Saison verletzt, wäre es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mal eng geworden. So allerdings kann sich sein Konkurrent Alex Bregman durchaus Chancen ausrechnen. Ich würde dennoch eher auf einen weiteren und völlig verdienten Award für Trout tippen. In der NL dürfte es relativ knapp werden zwischen Cody Bellinger und Christian Yelich. Für Yelich sprechen die etwas besseren Offensivstatistiken, für Bellinger die stärkere Defense sowie die geringeren Ausfallzeiten aufgrund von Verletzungen. Der dritte Finalist der NL, Anthony Rendon, geht als klarer Außenseiter in die Entscheidung – nicht zuletzt, weil die Awards sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen und Rendons Heldentaten in den Playoffs somit unberücksichtigt bleiben.

Entscheidung über Qualifying Offers steht an
Kurz bevor heute Nacht die MVPs bekannt gegeben werden, steht noch eine wichtige Deadline an: Bis 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit müssen die zehn Spieler, die ein Qualifying Offer erhalten haben, sich entscheiden, ob sie dieses annehmen oder nicht. In den meisten Fällen ist klar abzusehen, dass das Qualifying Offer abgelehnt wird. Gerrit Cole, Stephen Strasburg, Anthony Rendon, Zack Wheeler und Madison Bumgarner werden darüber nicht mal nachdenken und auch für Josh Donaldson, Marcell Ozuna und Jake Odorizzi dürfte eine Unterschrift für ein Jahr und 17,8 Millionen Dollar kein Thema sein. Giants-Reliver Will Smith sowie Jose Abreu, First Baseman der White Sox, sind die einzigen beiden, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie das Angebot annehmen. Für alle, die es nicht annehmen, bedeutet das, dass bei einem Vereinswechsel der neue Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks an das bisherige Team leisten muss.

Haben die Astros bei der Meisterschaft 2017 betrogen?
Viel Wirbel gab es während der letzten Tage um die Houston Astros und die Nachricht, diese hätten bei Heimspielen in ihrer Championship-Saison 2017 systematisch Zeichen des gegnerischen Catchers ausspioniert. Konkret sollen die Zeichen mit einer Kamera im Centerfield gefilmt und durch akustische Signale – zum Beispiel Klopfen auf einen Mülleimer – an die Batter weitergegeben worden sein. Die MLB hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem mittlerweile vier Personen aus dem Umfeld der Astros von dem mutmaßlichen Betrugssystem berichtet haben. Eine dieser Personen ist der damalige Astros-Pitcher Mike Fiers, die anderen drei sind noch unbekannt. Das Ausspähen von Zeichen – das sogenannte Sign Stealing – ist grundsätzlich nicht verboten und auf herkömmlichem Wege durchaus Teil des Spiels. Was allerdings von der Liga untersagt ist, ist das Sign Stealing mit technischen Hilfsmitteln. Es gab in den letzten Jahren wiederholt Anschuldigungen gegen verschiedene Teams, darunter die Red Sox, die Yankees und die Astros, dass sie sich auf diese Weise Vorteile verschafft haben. Vor der Saison 2019 reagierte die Liga, indem sie die Regeln und die Kontrollen bezüglich Sign Stealing mit elektronischen Mitteln deutlich verschärfte.

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Oktober 31st, 2019 by Silversurger

Was für ein Wahnsinnsjahr für die Washington Nationals! Vor der Saison verloren sie in Bryce Harper ihren größten Star und nach zwei Monaten standen sie so mies da, dass ihre Playoff-Hoffnungen allgemein als totgesagt galten. Sie schafften es dann doch noch gerade so in die Postseason, kamen dort zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Runde weiter, dann noch eine und noch eine – und finden sich plötzlich am Ziel aller Träume als Champion der MLB wieder. Den Schlussakkord setzte letzte Nacht ein 6:2-Comebacksieg über die Houston Astros in Spiel 7 einer komplett verrückten World Series, in der sämtliche Partien an das jeweilige Auswärtsteam gingen.

Die World Series
Vor einer Woche sah es bereits sehr gut für die Nationals aus, weil sie damals nach zwei Spielen in Houston 2:0 vorne gelegen hatten. Doch die Astros kämpften sich zurück, holten in Washington mit 4:1, 8:1 und 7:1 drei rundum überzeugende Siege. Das Momentum war zurück auf ihrer Seite und sie schienen drauf und dran, als erster Champion seit den Red Sox 2013 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern zu dürfen.

Dazu allerdings hätte es dann doch mal eines Heimsieges bedurft und der wollte einfach nicht passieren. In Spiel 6 entschied Stephen Strasburg zum zweiten Mal in dieser Serie das Pitcherduell für sich und verhalf seinen Nationals – gemeinsam mit ein paar gewaltigen Homeruns von Adam Eaton, Juan Soto und Anthony Rendon – zu einem 7:2-Erfolg. Strasburg wurde übrigens nach dem Abschluss der World Series zu deren wertvollstem Spieler gewählt und erhielt dafür einen schicken Sportwagen.

Spiel 7 sah ein weiteres beeindruckendes Pitching-Matchup: Zack Greinke, Cy-Young-Gewinner 2009, gegen Max Scherzer, Cy-Young-Gewinner 2013, 2016 und 2017. Dass es dazu kam, ist dem Wundermittel Cortison zu verdanken, denn durch eine entsprechende Behandlung war Scherzer rechtzeitig fit geworden, nachdem er seinen Start in Spiel 5 mit Nackenbeschwerden hatte absagen müssen. Beide Starter lieferten ein starkes Spiel, wobei Greinke zunächst den besseren Auftritt hatte: Er ließ in 6 Innings nur einen Hit und keine Runs zu, während Scherzer sich zweimal überwinden ließ – erst durch einen Homerun von Yuli Gurriel, dann durch einen von Nationals-3B Anthony Rendon ungünstig ablenkten RBI-Single von Carlos Correa.  Eben jener Rendon machte seinen Fehler wieder gut, indem er im siebten Inning einen Solo-Homerun gegen Greinke schlug. Für Greinke war kurz darauf der Arbeitstag beendet. Den Mound übernahm Will Harris, dessen zweiter Pitch von Howie Kendrick zum 2-Run-Homerun geschlagen wurde und somit den Nationals die Führung brachte, die sie nicht mehr hergaben. Durch Hits von Soto im 8. und Eaton im 9. Inning erhöhte Washington auf 6:2, während Patrick Corbin und Daniel Hudson den Astros keine Chance gaben, offensiv noch etwas zu bewegen.

Die sieben Auswärtssiege in einer Best-of-7-Serie sind übrigens eine Kuriosität, deren Einmaligkeit über den Baseball hinausgeht: Nicht nur in der MLB, sondern auch in den anderen großen US-Ligen mit solchen Serien – der Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL – hat es so etwas bisher noch nie gegeben.

Szene der Woche
Klarer Fall, die Szene der Woche ist der Empfang der World-Series-Trophäe durch die Nationals:

Statistik der Woche
19-31. So lautete die Bilanz der Washington Nationals nach 50 Spielen in diesem Jahr. Das ist der schlechteste Record, mit dem je ein späterer World-Champion in die Saison gestartet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die World Series gewinnen, lag für die Nationals nach diesen 50 Spielen bei unter 0,1%.

Der Rest der Liga
Zwei Teams haben seit letzter Woche neue Field Manager verpflichtet: Die Philadelphia Phillies haben sich wie erwartet mit Joe Girardi geeinigt. Der ehemalige Meistercoach der New York Yankees ist nach zwei Jahren Pause zurück im Geschäft und strebt an, Bryce Harper & Co. zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dorthin wollen auch die San Diego Padres mit Jayce Tingler. Der Nachfolger von Andy Green ist in diesem Job ein Neuling, bringt aber Erfahrungen aus verschiedenen Coaching- und Management-Rollen bei den Texas Rangers mit und hat die Verantwortlichen der Padres überzeugt, dass er das Team aufs nächste Level führen kann.

Mit den Padres, den Phillies, den Angels (Joe Maddon) und den Cubs (David Ross) ist nun die Hälfte der Teams, die einen neuen Manager gesucht haben, fündig geworden. Offen sind noch die Stellen bei den New York Mets, den Pittsburgh Pirates, den San Francisco Giants und den Kansas City Royals.

Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; im Grand Slam am Donnnerstag lest ihr auch in der Offseason jede Woche das Neueste rund um die MLB. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird auch in diesem Jahr das traditionelle Baseblog-Offseason-Wunschkonzert geben. Der Artikel dazu geht innerhalb der nächsten Tage online.

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Oktober 24th, 2019 by Silversurger

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

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Oktober 22nd, 2019 by Silversurger

Für die Houston Astros und die Washington Nationals ist der große Tag gekommen: Heute Nacht beginnt die World Series. Die Rollen sind in diesem Jahr klar verteilt: Die Astros waren mit 107 Siegen und einem Run Differential von +280 das stärkste Team der regulären MLB-Saison. Die Nationals haben mit 93 Siegen und +149 Runs zwar ebenfalls ein starkes Jahr gespielt, aber eben bei weitem kein so überragendes wie der Gegner. Nach katastrophalem Start und einer fulminanten Aufholjagd sind sie nur durch die Hintertür, sprich mit einer Wild Card, überhaupt in die Playoffs gekommen. Sie gehen als klarer Außenseiter in die Finalserie, doch das sind sie schon gewohnt: Sowohl in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers als auch in der NLCS gegen die St. Louis Cardinals traten die Nationals bereits als vermeintlicher Underdog an und triumphierten am Ende doch.

Die äußeren Faktoren halten sich ziemlich die Waage: Die Astros haben wegen ihrer besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Dafür gehen die Nationals ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Dienstag gebucht haben, während die Astros sich noch bis Samstagnacht mit den Yankees herumschlagen mussten.

Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

Starting Rotation
Beide Teams haben hier ihre herausragende Stärke. Die Trios aus Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke (Astros) sowie aus Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin (Nationals) sind die besten im Baseball. Ich sehe im Vergleich dieser dreiköpfigen Monster die Astros hauchdünn vorn. Anders sieht es aus beim Blick auf die Nummer vier der Rotationen. Die Nationals gehen mit Anibal Sanchez ins Rennen, der eine sehr solide Saison und eine noch bessere bisherige Postseason (nur ein Run in 12.2 Innings) abgeliefert hat. Den Astros fehlt ein verlässlicher vierter Starter, deswegen haben sie bereits Spiel 6 der ALCS als Bullpen-Game absolviert.
Unentschieden

Bullpen
Der Bullpen der Nationals  war in der regulären Saison die Achillesferse des Teams. Mit einem ERA von 5.68 war er der schlechteste der NL und zweitschlechteste der gesamten MLB (nach den Orioles mit 5.79). In den Playoffs konnte dieser Schwachpunkt bisher überspielt werden, allerdings auf Kosten eines sehr intensiven Einsatzes der Starter und der beiden Top-Reliever Daniel Hudson und Sean Doolittle. Sollte der Bullpen in der World Series stärker gefordert werden, kann dieses Gebäude schnell zusammen brechen. Die Astros sind hier deutlich breiter aufgestellt mit Roberto Osuna, Will Harris, Joe Smith und allen voran Ryan Pressly.
Vorteil Astros

Catcher
Robinson Chirinos (Astros) und Kurt Suzuki (Nationals) sind solide offensive Catcher. Chirinos bringt allerdings das deutlich bessere Defensivspiel mit und hat in Martin Maldonado einen soliden Backup. Die Nationals hingegen stehen täglich vor der Entscheidung, ob man Suzukis defensive Schwächen in Kauf nimmt oder stattdessen Yan Gomes aufstellt, der ein besserer Catcher, aber ein schwächerer Schlagmann ist.
Vorteil Astros

First Base
Ryan Zimmerman ist ein Urgestein der Nationals, doch die Leistungen des 35-Jährigen in seiner möglicherweise letzten Saison sind längst nicht mehr das, was sie mal waren. Dass Alter kein verlässliches Kriterium zur Leistungsvorhersage ist, beweist Zimmermans Gegenüber Yuli Gurriel: Er ist ebenfalls 35, spielt aber gerade die beste Saison seines Lebens.
Vorteil Astros

Second Base
Mit Brian Dozier oder Howie Kendrick ist die Position bei den Nationals solide besetzt, aber hier müssen wir uns nicht lange mit Erklärungen und Analysen aufhalten angesichts der Tatsache, dass für die Astros der großartige José Altuve spielt.
Vorteil Astros

Shortstop
Auf den ersten Blick ein interessantes Matchup zwischen Carlos Correa (Astros) und Trea Turner (Nationals), denn beide gehören offensiv zu den besseren Shortstops der Liga. Vergleichbare On-Base-Kompetenzen, etwas mehr Power von Correa, dafür stärkeres Baserunning von Turner könnten auf ein Unentschieden hinauslaufen. Doch wir reden von einer der wichtigsten Feldpositionen in der Defensive und in dieser Hinsicht hat Correa klar die Nase vorn.
Vorteil Astros

Third Base
Abgesehen von den Starting Rotations findet sich an der dritten Base das hochkarätigste Matchup. Anthony Rendon für die Nationals und Alex Bregman für die Astros gehören zu den besten Hittern der Liga, beide haben in der regulären Saison eine OPS von über 1.000 produziert und sind in der engeren Auswahl der MVP-Kandidaten in ihrer jeweiligen Liga. Im Defensivspiel sind beide gleichermaßen solide.
Unentschieden

Leftfield
Michael Brantley war die einzige nennenswerte Neuverpflichtung der Astros vor dieser Saison und er hat sich mit mit starken Leistungen nahtlos in das Team eingefügt. Der Vergleich geht dennoch klar an die Nationals, denn sie bieten mit Juan Soto einen der interessantesten Jungstars der Liga auf. Der 20-Jährige produziert in nahezu allen Offensivstatistiken bessere Werte als sein Counterpart und paart das Ganze mit einer ebenfalls überragenden Defensive.
Vorteil Nationals

Centerfield
Victor Robles ist der zweite der jungen Wilden, dank derer sich die Trauer um den Verlust von Bryce Harper bei den Nationals in Grenzen hält. Robles ist ein hervorragender Feldspieler, reicht allerdings offensiv nicht an seinen Nebenmann Soto heran – und auch nicht an George Springer, den Centerfielder der Astros. Springer ist der wohl beste Lead-Off-Hitter der Liga und gewinnt diesen Vergleich deutlich.
Vorteil Astros

Rightfield
Josh Reddick (Astros) und Adam Eaton (Nationals) sind sowohl defensiv als auch offensiv solide MLB-Spieler, nicht mehr und nicht weniger. Eaton kommt etwas häufiger auf Base und bringt etwas mehr Power mit, daher geht der Punkt hier an ihn.
Vorteil Nationals

Designated Hitter
Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Astros besser auf das Spiel mit DH eingestellt und Yordan Alvarez hat gerade eine fantastische Rookie-Saison gespielt. Allerdings ist Alvarez in den bisherigen Playoffs, insbesondere in der Serie gegen die Yankees, kaum etwas gelungen. Wenn sich das nur als kleines Zwischentief und nicht als veritabler Slump erweist, geht das Duell klar an die Astros. Für die Nationals dürften in den Auswärtsspielen entweder Ryan Zimmerman oder Howie Kendrick als DH antreten, während der jeweils andere die erste Base bemannnt.
Vorteil Astros

Fazit
Ich komme auf siebenmal Astros, zweimal Nationals und zweimal Unentschieden. Das ist keine große Überraschung und entspricht der klaren Favoritenstellung der Astros. Ich persönlich habe zwar traditionell Sympathien für Underdogs, mochte aber die Nationals nie besonders und drücke deshalb den Astros die Daumen. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger.

Heute Nacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Max Scherzer gegen Gerrit Cole. Allein wegen dieses Matchups lohnt es sich definitiv, eine Nachtschicht einzulegen. Zu sehen sind die Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

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Oktober 17th, 2019 by Silversurger

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

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Oktober 10th, 2019 by Silversurger

Die Divisional-Serien der MLB-Saison 2019 geizen nicht mit Highlights. Einzig zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins war es eine sehr einseitige Angelegenheit, während in allen drei anderen Serien ein entscheidendes fünftes Spiel nötig wurde. Die bislang größte Überraschung gelang den Washington Nationals, die als Wild-Card-Team und klarer Außenseiter die Los Angeles Dodgers aus dem Rennen warfen. In der kommenden Nacht haben die Tampa Bay Rays die Chance, es gegen die Houston Astros den Nationals gleichzutun.

American League
Die New York Yankees haben sich zum großen Favoriten auf die Meisterschaft aufgeschwungen. Von vier MLB-Teams, die mit über 100 Siegen aus der regulären Saison in die Playoffs gingen, sind neben ihnen nur noch die Houston Astros dabei. Diese müssen allerdings gegen die Tampa Bay Rays nachsitzen. Nach Heimsiegen der Astros in den ersten beiden Partien sah es nach einem lockeren Durchmarsch des Favoriten aus. Aber weit gefehlt, die Rays kamen zurück, glichen auf 2:2 aus und gehen nun mit einer ordentlichen Portion Momentum in das Entscheidungsspiel. Selbst wenn die Astros die Serie noch gewinnen sollten, bringt sie der bis dahin nötige Kraftaufwand ins Hintertreffen gegenüber den Yankees. Diese genießen drei zusätzliche Ruhetage und gehen mit voll regeneriertem Pitching Staff in die American League Championship Series (ALCS).

Verdient haben sich die Yankees die Ruhetage, indem sie die Minnesota Twins innerhalb der Mindestzahl von drei Partien abfertigten. 10:4, 8:2 und 5:1 waren die Resultate der Spiele, in denen für die Yankees fast alles, für die Twins hingegen fast nichts funktionierte. Minnesotas deutscher MLB-Star Max Kepler blieb wie der Rest seines Teams blass, holte lediglich ein paar Walks heraus und brachte es auf keinen Hit.

Die ALCS beginnt Samstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit. Das Heimrecht in den ersten beiden Spielen haben die Astros, wenn sie weiterkommen, beziehungsweise die Yankees, falls ihr Gegner die Rays sind.

National League
In der NL schien es die ganze Saison über ausgemachte Sache zu sein, dass die Los Angeles Dodgers zum dritten Mal hintereinander in die World Series stürmen. Sie waren mit 106 Siegen mit Abstand das stärkste Team, fuhren die meisten Runs ein und ließen die wenigsten gegnerischen Runs zu. Die Washington Nationals, über die Hintertür des Wild-Card-Spiels qualifiziert, sollten für die Dodgers nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum großen Ziel, endlich den Titel zu holen. Genau danach sah es nach Spiel eins, einem souveränen 6:0 der Dodgers, auch aus. Doch vielleicht war man sich der Sache zu sicher und unterschätzte die Nationals. Die jedenfalls gewannen die Spiele zwei und vier und letzte Nacht auch das spannende Spiel fünf (siehe „Spiel der Woche“). Für die Nationals ist der Einzug in die NLCS der größte Erfolg ihrer seit erst 14 Jahren währenden Teamgeschichte. Bei den Dodgers wird derweil in den nächsten Tagen und Wochen Krisenstimmung herrschen. Es würde mich sehr überraschen, wenn Dave Roberts beim nächsten Grand Slam am Donnerstag noch ihr Manager ist.

Der Gegner der Nationals in der NLCS sind die St. Louis Cardinals. Auch ihr Vordringen bis zu diesem Punkt ist eine Überraschung. Durch eine furiosen Aufholjagd in den letzten Wochen der Saison haben sie die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers auf dem Weg zum Gewinn der NL Central abgefangen. In der NLDS ließen sie zweimal die Atlanta Braves vorlegen, um jeweils im nächsten Spiel die Serie auszugleichen. In Spiel fünf hingegen ließen die Cardinals nie Zweifel aufkommen: Noch bevor die Braves vor ihrem heimischen Publikum zum ersten Mal an die Platte traten, führten die Gäste bereits mit zehn Runs (siehe „Szene der Woche“), am Ende gewannen die Cards 13:1.

Die NLCS zwischen den Cardinals und den Nationals beginnt Freitagnacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. St. Louis hat Heimrecht in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben der Best-of-7-Serie.

Szene der Woche 
Nichts war diese Woche so beeindruckend wie das erste Inning der St. Louis Cardinals in Spiel fünf der NLDS gegen die Atlanta Braves. Zehn Runs hatte in der Geschichte der MLB-Playoffs noch nie ein Team im ersten Durchgang erzielt – bis die Cardinals gestern genau das taten. Besonders erstaunlich finde ich, dass ihnen das in diesem an Homerunrekorden reichen Jahr ohne einen einzigen Homerun gelungen ist. Vier Walks, drei Doubles, zwei Singles, ein Sacrifice Bunt, ein Error und ein Wild Pitch summierten sich zu der frühen Vorentscheidung des Spiels.

Statistik der Woche 
16. So viele Playoffspiele haben die Minnesota Twins hintereinander verloren – ein Rekord, auf den sie sicher liebend gern verzichten würden. Seit mittlerweile 16 Jahren hält die Durststrecke an. Der größte Spielverderber für die Twins waren immer wieder die Yankees, welche für 13 der 16 Niederlagen verantwortlich waren.

Spiel der Woche 
Das erste Spiel fünf der letzten Nacht war zwar im ersten Inning sensationell, ansonsten aber ein Langweiler. Ganz im Gegensatz zu der darauf folgenden Partie zwischen den Dodgers und den Nationals. Auch hier gab es eine frühe Führung, 2:0 nach einem und 3:0 nach zwei Innings für die favorisierten Dodgers. Doch Nationals-Starter Stephen Strasburg fand in seinen Rhythmus und hielt das Spiel offen, indem er im Rest seiner sechs Innings nichts mehr zuließ. Der mit Patrick Corbin verstärkte Bullpen steuerte weitere fünf saubere Innings bei und ermöglichte so das Comeback. Dieses gelang ausgerechnet gegen Clayton Kershaw, der sich als Reliever im achten Inning Homeruns von Anthony Rendon und Juan Soto einschenken ließ. Mit 3:3 ging das Spiel ins Extra-Inning, in welchem die größte Stunde in der langen Karriere von Howie Kendrick schlug: Nach einem Walk von Adam Eaton, einem Double von Rendon und einem Intentional Walk von Soto kam der Routinier gegen Joe Kelly an den Schlag und beförderte den zweiten Pitch zum Grand Slam über das Centerfield. Sean Doolittle besiegelte den 7:3-Sieg der Nationals mit einem perfekten zehnten Inning gegen AJ Pollock, Max Muncy und Justin Turner. Eine Schrecksekunde gab es im siebten Inning: Nationals-Catcher Kurt Suzuki wurde von einem Pitch von Walker Buehler an der Hand getroffen, von dort sprang der Ball nach oben und schlug ihm den Helm von Kopf. Suzuki ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung selbstständig vom Feld gehen und war beim Feiern nach dem Spiel schon wieder mit von der Partie.

Mein Einschalttipp
Die Divisional-Runde ist noch nicht vorbei: Heute Nacht ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt es in Houston zum Showdown zwischen den Astros und den Tampa Bay Rays. Tyler Glasnow (1.78 ERA, 2.26 FIP) für die Rays und Gerrit Cole (2.50 ERA, 2.64 FIP) für die Astros bilden ein hochwertiges Pitching-Matchup in der Partie, deren Gewinner in die ALCS gegen die Yankees einzieht. Das Spiel könnt ihr sowohl auf DAZN als auch über mlb.tv verfolgen.

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Oktober 3rd, 2019 by Silversurger

Die Kandidatenliste für die MLB-Meisterschaft ist auf nur noch acht Namen zusammengeschrumpft. Für die Oakland Athletics und die Milwaukee Brewers waren die Playoffs ein kurzes Abenteuer, sie unterlagen in den Wild-Card-Spielen den Tampa Bay Rays beziehungsweise den Washington Nationals. Heute Abend geht es schon los mit den Divisional Series, sozusagen den Viertelfinals um die World Series.

Die wichtigsten Neuigkeiten um die Teams, die es nicht in die Playoffs geschafft haben, sind die bekannt gegebenen Trainerentlassungen. Urgestein Joe Maddon erhält keinen neuen Vertrag bei den Chicago Cubs, die Los Angeles Angels feuern Brad Ausmus nach nur einer Saison und die Pittsburgh Pirates trennen sich von Clint Hurdle, dem sie wenige Tage zuvor noch öffentlich die Treue geschworen hatten. Kurz nach Fertigstellung dieses Artikels ergänze ich noch die Nachricht, dass auch Mickey Callaway und die New York Mets getrennte Wege gehen. Eine andere Art von Abschied feierten die Texas Rangers bei ihrem letzten Saisonspiel am Sonntag. Das 6:1 gegen die Yankees war das letzte Spiel im Globe Life Park. Ab der nächsten Saison werden die Rangers ihre Heimspiele im gleich nebenan neu erbauten Globe Liefe Field austragen.

National League
Die National League hat am Dienstag als erste der beiden Ligen ihr Wild-Card-Spiel absolviert und sie startet heute auch als erste in die Divisional Series.

Ab 23 Uhr heute Abend tragen die St. Louis Cardinals und die Atlanta Braves den ersten Teil ihres Best-of-5-Duells aus. Ein klarer Favorit lässt sich meiner Ansicht nach nicht festmachen. Jedes der beiden Teams hat etwas überraschend seine Division gewonnen, die Braves mit Schwerpunkt auf Offensive, die Cardinals vor allem mit starkem Pitching. Da die Braves den etwas besseren Record in der Saison hatten, genießen sie Heimrecht in den ersten beiden Spielen und auch im fünften Spiel, falls es dazu kommen sollte. Zum Auftakt werden Dallas Keuchel für Atlanta und Miles Mikolas für St. Louis auf dem Mound stehen.

In der zweiten NLDS sind die Rollen eindeutiger verteilt: Die Los Angeles Dodgers sind der klare Favorit in der Serie gegen die Washington Nationals, die heute Nacht um 2:30 mitteleuropäischer Zeit beginnt. Mit Ryu-Kershaw-Buehler und Scherzer-Strasburg-Corbin treffen zwei beeindruckende Starter-Riegen aufeinander. Allerdings sehe ich Vorteile für die Dodgers im Batting Lineup und vor allem im Bullpen. Hinzu kommt, dass die Dodgers sich in aller Ruhe zu Hause auf die Serie einstellen konnten, während die Nationals sowohl das Wild-Card-Spiel als auch die Reise von der Ost- an die Westküste wegstecken müssen.

American League
Einen Tag später als die NL, am Freitag, beginnen auch in der American League die Divisional Series. Ab 20 Uhr unserer Zeit treffen die Houston Astros auf Wild-Card-Gewinner Tampa Bay Rays. Ähnlich wie in der NL zwischen den Dodgers und den Nationals, herrschen auch in dieser Serie scheinbar klare Verhältnisse: Das 107-Siege-Team der Astros geht als haushoher Favorit in die Spiele gegen die Rays. Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke werden in den ersten drei Partien starten und ich wäre nicht überrascht, wenn diese drei Partien den Astros schon ausreichen, um die Best-of-5-Serie zu gewinnen.

Spannender sieht das Matchup zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins aus. Es sind die beiden offensivstärksten Teams der gesamten MLB mit jeweils eher mittelmäßigem Pitching. Die Yankees haben das erste Heimrecht Freitagnacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Starter der Partie wurden noch nicht bekannt gegeben. In jedem Fall müssen die Yankees auf Domingo German verzichten. Der Pitcher steht unter starkem Verdacht, seine Freundin geschlagen zu haben, und ist bis zur Aufklärung des Falles – mindestens für den Rest der Saison – gesperrt.

Szene der Woche 
Der erste Held der diesjährigen Playoffs heißt Juan Soto. Dem 20-Jährigen gelang im Wild-Card-Spiel der NL der entscheidende Hit für seine Washington Nationals. Bis ins achte Inning lagen die Nats noch 1:3 hinten. Die Wende begann mit einem umstrittenen Hit by Pitch: Michael Taylor wurde am Handgelenk getroffen, aber der Ball traf auch das Ende seines Schlägers. Trotz Review konnte die Reihenfolge der Ereignisse nicht zweifelsfrei geklärt werden, daher blieb der Call des Umpires stehen. Es folgten ein Broken-Bat-Single von Ryan Zimmerman in einem At-Bat, das sein letztes für dieses Team hätte sein können, sowie ein Walk von Anthony Rendon. Dann kam der große Auftritt von Soto. Bei geladenen Bases und zwei Outs hämmerte er den Ball ins Rightfield und brachte dadurch die ersten zwei Runs zum Ausgleich nach Hause. Da Milwaukees Trent Grisham den Ball unter dem Handschuh durchrollen ließ, war plötzlich noch mehr möglich. Soto lief weiter zur zweiten Base, ließ diese hinter sich und fand sich zwar in einem Rundown zwischen der zweiten und dritten Base gefangen, konnte diesen aber lange genug verzögern, dass Rendon vor dem Out das 4:3 gelang.

Statistik der Woche 
613. So viele Homeruns haben die Yankees und die Twins in der regulären Saison zusammen erzielt. Es war ein enges Rennen darum, wer der neue Rekordhalter wird. Am Ende hatten die Twins mit 307 die Nase knapp vor den Yankees mit 306. Nun treffen die beiden Teams sich in der ALDS und es ist wohl keine gewagte Vorhersage, dass in dieser Serie viele Bälle sehr weit fliegen werden.

Spiel der Woche 
Beide Wild-Card-Spiele hätten verdient, hier gewürdigt zu werden, aber da das der NL schon zwei Kategorien weiter oben Thema war, hat hier die AL-Partie zwischen den Athletics und den Rays ihren Platz. Das Ergebnis von 5:1 für die Rays hört sich eindeutig an, doch es war durchaus ein spannendes Spiel. Die Athletics hatten sogar mehr Hits als die Rays, 8:7 führten sie in dieser Kategorie. Den Unterschied zugunsten Tampa Bays machte letztlich zweierlei: erstens, dass vier ihrer sieben Hits Homeruns waren, darunter zwei von Leadoff-Hitter Yandy Diaz; zweitens, dass sie mit Charlie Morton einen erfahrenen Pitcher am Start hatten, der sich aus mehreren brenzligen Situationen befreien konnte. Allein für das erste Inning benötigte Morton 32 Pitches, aber letztlich brachte er Jurickson Profar zum Flyout bei geladenen Bases. Insgesamt lieferte Morton fünf Innings mit nur einem unearned Run ab, bevor der Bullpen den Rest besorgte und den Einzug in die ALDS perfekt machte.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Ein besonders Highlight im Baseballjahr ist der morgige Freitag. Es ist der möglicherweise einzige Tag, an dem man vier Playoff-Spiele hintereinander schauen kann. Nur am kommenden Montag könnte es noch einmal so ein volles Programm geben, aber nur wenn beide NL-Serien ins vierte Spiel gehen. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein könnte.

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September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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September 5th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison biegt auf die Zielgerade ein. Nur noch gut 20 Spiele hat jedes Team zu absolvieren. Das ist zwar mehr als zum Beispiel eine gesamte NFL-Saison – die übrigens heute Nacht beginnt –, aber in Baseball bedeutet es, dass über 85% der Runde gelaufen und die meisten Entscheidungen hinsichtlich der Playoff-Teilnahmen gefallen sind. Alle, die momentan an der Spitze einer Division stehen, können mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Postseason planen. Auch die Listen ernsthafter Bewerber für die Wild Cards haben sich in beiden Ligen spürbar gelichtet.

National League
So gut wie sicher gehört ein Wild-Card-Platz in der National League den Washington Nationals (78-60). Mit sieben Spielen Rückstand auf die Atlanta Braves (86-54) werden sie keinen ernsthaften Angriff mehr auf den Titel der NL East unternehmen, aber mit sechs Spielen Vorsprung auf die Philadelphia Phillies (72-66) sowie auf die Diamondbacks ist die Wild Card quasi gebucht. Die Phillies machen sich noch etwas Hoffnung auf den zweiten Wild-Card-Platz, für den sie drei Spiele auf die Cubs aufholen müssten. Allerdings haben die Phillies von allen Contendern das wohl schwerste Restprogramm, unter anderem mit noch sieben Spielen gegen Atlanta, fünf gegen Washington und drei bei den New York Mets (71-68). Die Mets ihrerseits kämpfen noch mit dem Mute der Verzweiflung, doch für sie ist der Playoff-Zug wohl abgefahren, seit sie sich letzte Woche nacheinander von den Braves und den Cubs sweepen ließen. Danach gewannen sie zwar die Serien gegen die Phillies und die Nationals, aber jeweils ein Spiel in diesen Serien zu verlieren, war in ihrer Situation schon mehr als sie sich erlauben durften.

Die NL Central war lange die spannendste Division im Baseball und vielleicht bleibt sie das auch, doch im Hinblick auf die Playoffs scheint schon fast alles klar: Die St. Louis Cardinals (78-61) und die Chicago Cubs (75-63) werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Postseason spielen, offen ist allein die Reihenfolge des Zieleinlaufs. Zweieinhalb Spiele Vorsprung haben die Cardinals momentan, was im Prinzip gar nichts ist, denn an den letzten zehn Tagen der Saison treffen die Cardinals und die Cubs noch siebenmal direkt aufeinander. So gut wie aus dem Rennen sind hingegen die Milwaukee Brewers (71-67), sofern sie sich nicht an den letzten Strohhalm klammern und am Wochenende die Cubs sweepen. Für die Cincinnati Reds (65-75) sind zwar die Playoffs längst kein Thema mehr, doch ihre Zukunft trägt das strahlende Gesicht von Aristides Aquino. Der junge Outfielder hat mit 14 Homeruns im August einen Rookie-Rekord aufgestellt und wurde sowohl zum Rookie of the Month als auch zum Player of the Month der NL gewählt.

In der NL West feiert die lange vermisste Spannnung ein kleines Comeback. Nicht für die Los Angeles Dodgers (92-50), die weiterhin eine äußerst souveräne Saison spielen, aber für die Arizona Diamondbacks (73-67). Sie schienen im Rennen um einen Wild-Card-Platz schon abgeschrieben, doch neun Siege aus den letzten zehn Spielen haben sie zurück in die Verlosung gebacht. Das Restprogramm der Diamondbacks ist vorteilhaft: Von ihren verbleibenden 22 Spielen müssen sie lediglich in einer Dreierserie gegen St. Louis gegen ein Team antreten, das in seiner Division besser als Platz vier steht. Falls die Cubs oder die Cardinals doch noch mal ins Straucheln geraden, könnte die Stunde der Diamondbacks schlagen.

American League
Die New York Yankees (92-49) erlauben sich zurzeit keinerlei Blößen. Acht der letzten zehn Spiele haben sie gewonnen und damit die American League East weiterhin fest im Griff.  Am Wochenende treten sie viermal zum Traditionsduell bei den Boston Red Sox (75-64) an, die mit fünfeinhalb Spielen Abstand zum Wild-Card-Platz so gut wie aus dem Rennen sind. Die beiden Wild Cards werden drei andere Teams unter sich ausmachen, eines aus jeder Division. In der AL East sind es die Tampa Bay Rays (82-59), die sich durch einen Sweep über die Indians am vergangenen Wochenende in die Pole Position gebracht haben. Aber der Vorsprung vor den Athletics und den Indians liegt bei nur einem halben Spiel, sodass man sich gegen die vermeintlich leichten Gegner Toronto Blue Jays (55-85) und Rangers keine größeren Ausrutscher erlauben sollte.

Die erwähnte Serie der Cleveland Indians (81-59) gegen die Rays wirkt sich auch auf die AL Central aus, nämlich in der Form dass die Minnesota Twins (86-53) die Gelegenheit nutzten und ihren Vorsprung auf fünfeinhalb Spiele ausbauten. Die Twins haben in den letzten drei Wochen überwiegend gegen Teams aus den Niederungen der MLB gespielt und diese Aufgaben mit 14 Siegen aus 19 Spielen souverän gelöst. Innerhalb der nächsten zehn Tage können sie mit sechs Partien gegen die Indians, unterbrochen von drei gegen die Nationals, endgültig alles klar machen – oder aber den Indians die Tür für einen spannenden Endspurt öffnen.

Einen spannenden Endspurt wird in der AL West nur ein Team erleben und das ist das der Oakland Athletics (80-58). Die Houston Astros (90-50) sind derweil längst durch. Wenn man sich ihr vebrleibendes Programm anschaut, wäre alles andere als ein deutliches Überschreiten der 100-Siege-Schwelle eine große Überraschung. Der einzige konkurrenzfähige Gegner im Restspielplan sind die Athletics, die von Montag bis Donnerstag für vier Spiele im Astrodome gastieren. Für Oakland sieht der Spielplan außer dieser einen Serie ähnlich lösbar aus, allerdings sind sie im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tampa Bay und Cleveland auf jeden einzelnen Sieg dringend angewiesen.

Szene der Woche 
Ich erlaube mir, vom Comeback des Jahres zu sprechen: Nur drei Monate, nachdem bei ihm Leukämie diagnostiziert wurde und die Frage, ob Carlos Carrasco je wieder in der MLB pitchen würde, weit hinter die Frage zurücktrat, ob er diese furchtbare Krankheit überlebt, stand er am Sonntag erstmals wieder für die Cleveland Indians auf dem Mound. Carrasco wurde mit stehenden Ovationen begrüßt, sowohl von den Zuschauern als auch von seinem eigenem und dem gegnerischen Team. Das war ein sehr schöner emotionaler Moment für einen, der es verdient hat – Carrasco ist für seine positive Lebenseinstellung und für sein großes Engagement für Benachteiligte bekannt. Schön, dass die Liga und die Welt sich wieder und weiterhin an seiner Anwesenheit erfreuen dürfen.

Statistik der Woche 
806-1. So lautet die Bilanz der New York Mets für Spiele, in denen sie im neunten Inning mit sechs oder mehr Runs geführt haben. Mit anderen Worten: Die 10:11-Niederlage gegen die Washington Nationals am Dienstag war die höchste Führung, die die Mets je im letzten Inning aus der Hand gegeben haben. Für die Nationals war es übrigens ebenfalls eine Premiere. Ihre Bilanz für Spiele, in denen sie im letzten Inning mit mindestens sechs Runs zurücklagen, lautet nun 1-775.

Spiel der Woche
Die MLB-Saison 2019 hat ihren vierten No-Hitter und schon den zweiten, der auf das Konto der Houston Astros geht. Letztes Mal waren es vier Pitcher gewesen, die gemeinsam die außerordentliche Leistung vollbracht hatten, ein ganzes Spiel lang keinen einzigen Basehit des Gegners zuzulassen. Glatte vier Wochen später gelang nun Justin Verlander das Kunststück im Alleingang, schon zum dritten Mal in seiner Karriere. 14 der 27 Outs am Sonntag erzielte Verlander per Strikeout. Die Blue Jays hatten den ganzen Tag über nur einen einzigen Baserunner, Cavan Biggio, der durch seinen Walk im ersten Inning nie die Hoffnung auf ein Perfect Game aufkommen ließ. Verlander hat sich mit diesem Spiel in einen sehr exklusiven Klub gepitcht– neben ihm haben es nur fünf Pitcher in der MLB-Geschichte auf drei No-Hitter gebracht, darunter Nolan Ryan mit sieben und Sandy Koufax mit vier.

Mein Einschalttipp
Leider habe ich es bisher zeitlich noch nicht geschafft, eine ordentliche Vorschau auf die Baseball-Europameisterschaft in Bonn und Solingen zu schreiben, aber diesen Aufruf muss ich jetzt doch dringend loswerden: Geht hin, wenn ihr könnt, und wenn nicht, dann schaut euch wenigstens ein paar Spiele im Livestream an. Alle Partien werden übertragen, ihr findet sie auf den Plattformen baseballsoftball.tv und gametime.sport. Die Vorrunde beginnt am Samstag, dem 7. September, um 11 Uhr mit dem Spiel Kroatien gegen Spanien in Bonn sowie um 12:30 Uhr mit dem Spiel Tschechien gegen Israel in Solingen. Das Eröffnungsspiel der deutschen Baseball-Nationalmannschaft gegen Schweden steigt am gleichen Tag ab 19 Uhr in Bonn. Den vollständigen Spielplan findet ihr hier.

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August 8th, 2019 by Silversurger

New York, New York – so lassen sich die auffälligsten Entwicklungen der vergangenen ein, zwei MLB-Wochen in aller Knappheit beschreiben. Die längst totgesagten Mets haben 13 ihrer letzten 14 Spiele gewonnen, stehen plötzlich bei einer positiven Bilanz und mitten im Rennen um eine Wild Card. Die Yankees sind noch einen Schritt weiter: Nach 8 Siegen hintereinander sind sie dabei, sämtliche Konkurrenten in der AL East und damit den Gedanken, das man eine Wild Card brauchen könnte, von sich abzuschütteln. Neben den Houston Astros in der AL West und den Los Angeles Dodgers in der NL West sind die Yankees das dritte MLB-Team, das mit einem zweistelligen Vorsprung den Divisionssieg so gut wie sicher hat.

National League
Die New York Mets (59-56) sind zurzeit das große Thema in der National League East und das völlig zurecht. Dennoch sollte man nicht übersehen, dass sie nach wie vor nur Vierter und ihre wiederbelebten Playoff-Chancen immer noch die eines Außenseiters sind. Die Atlanta Braves (68-48) führen die Division an mit recht komfortablem Vorsprung auf die Washington Nationals (61-53). Beide – zuerst Washington, dann Atlanta – müssen in den nächsten Tagen gegen die Mets antreten. Das wird somit eine extrem interessante und richtungsweisende Woche für die NL East, in der wir auch die Philadelphia Phillies (59-55) nicht vergessen dürfen. Für sie lief es mit verlorenen Serien gegen die White Sox und in Arizona zuletzt nicht gut, aber die ebenfalls angeschlagenen Giants könnten sich als willkommener Aufbaugegner für das Wochenende erweisen.

Die NL Central war dieses Jahr lange äußerst spannend mit einem Dreikampf an der Spitze und zwei weiteren Teams, die ebenfalls nicht weit abgeschlagen waren. Langsam, aber sicher scheint sich nun die Spreu vom Weizen zu trennen. Am Tabellenende erleben die Pittsburgh Pirates (48-66) mit nur 4 Siegen aus 25 Spielen seit dem All-Star-Break eine extrem frustrierende Phase. Bei inzwischen 14 Spielen Rückstand auf die Spitze und 11 auf die Wild Card haben sie sich endgültig aus dem Playoff-Rennen verabschiedet. Auch an der Spitze der Division hat sich das Bild etwas entzerrt, indem die Chicago Cubs (62-52) sich von den Verfolgern Milwaukee Brewers (60-56) und St. Louis Cardinals (58-55) etwas abgesetzt haben. Die Brewers wurden am Wochenende von Chicago im direkten Vergleich gesweept, die Cardinals müssen einen misslungenen Auswärtstrip wegstecken, auf dem sie in Oakland und bei den Dodgers alle fünf Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (54-58) sind trotz eines erstaunlich guten Run Differentials von +37 ein Stück zurück und stehen vor einer interessanten Serie: In vier Heimspielen gegen die Cubs können die Reds den Glauben an die große Überraschung entweder neu erwecken oder endgültig begraben.

Ob in der NL West dieses Jahr mit irgendwelchen Überraschungen zu rechnen ist, scheint mir sehr fraglich. Der Divisionssieg ist den Los Angeles Dodgers (77-40) gefühlt schon seit Mai sicher. Im Rest des Feldes hatten sich rund um den All-Star-Break die San Francisco Giants (56-59) in Stellung gebracht, selbiges von hinten aufzurollen, doch nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind die Träume vom epischen Comeback schon wieder ausgeträumt. Die San Diego Padres (52-61) und die Colorado Rockies (52-62) sind noch deutlicher aus dem Rennen, sodass die Arizona Diamondbacks (58-57) die einzige ernsthafte Hoffnung darstellen, eine Wild Card in die NL West zu holen. Angesichts der großen Konkurrenz aus den anderen Divsionen und nachdem die Diamondbacks zur Trade-Deadline mit Zack Greinke ihren besten Starter abgegeben haben, tippe ich eher darauf, dass sie leer ausgehen.

American League
Wie eingangs erwähnt scheint das lange spannende Rennen um die American League East inzwischen entschieden. Trotz ständiger Verletzungssorgen und einer bestenfalls durchschnittlichen Starting Rotation finden die New York Yankees (75-39) immer wieder Mittel und Wege, ihre Spiele zu gewinnen. Zuletzt waren es Sweeps gegen die Boston Red Sox (60-56) und die Baltimore Orioles (38-76). Angesichts anstehender Serien gegen die Toronto Blue Jays (47-70) und dann erneut gegen die Orioles sieht es ganz danach aus, dass die Yankees vor einer weiteren Woche mit vielen Siegen stehen. Für die Tampa Bay Rays (66-50), inzwischen 10 Spiele hinter den Yankees, wird realistisch betrachtet nur noch der Wild-Card-Weg in die Playoffs führen. Dieser Weg steht auch den Red Sox noch offen, doch aufeinanderfolgende Sweeps erst durch die Rays und dann durch die Yankees waren ein herber Rückschlag für den Titelverteidiger.

In der AL Central steht die vielleicht aufregendste Serie der bisherigen Saison an: Die Minnesota Twins (70-44) haben nur noch zwei Spiele Vorsprung vor den Cleveland Indians (68-46) und empfangen den direkten Konkurrenten am Wochenende für vier Partien (siehe „Einschalttipp“). Vor gut zwei Monaten, am 3. Juni, lagen die Indians noch 11,5 Spiele hinter den Twins. Seitdem haben sie in den letzten 55 Spielen eine Bilanz von 39-16 eingefahren und mit einem erfolgreichen Wochenende könnten sie die Aufholjagd zum Höhepunkt führen. Entschieden wird natürlich noch lange nichts: Bis zum Ende der Saison sind es für beide Teams noch 48 Spiele, 10 davon gegeneinander.

Die Houston Astros (75-40) sind ein sehr gutes Baseballteam (siehe auch „Spiel der Woche“), das die AL West gewinnen wird. Das dürfte ebenso sicher sein wie dass die Texas Rangers (58-56), die Los Angeles Angels (56-59) und die Seattle Mariners (48-68) nichts mit den Playoffs zu tun haben werden. Schade, dass in dieser Division schon so früh so wenig Spannung übrig ist. Und gut, dass es wenigstens die Oakland Athletics (65-50) gibt, die im Wild-Card-Rennen voll dabei sind. Nicht mehr dabei ist für den Rest der Saison übrigens Mariners-Infielder Tim Beckham. Der 29-Jährige wurde bei einem Dopingtest der verbotenen Substanz Stanozolol überführt und mit der für Ersttäter üblichen Sperre von 80 Spielen belegt. 32 dieser Spiele fallen in die kommende Saison, für die Beckham bislang noch keinen Vertrag hat.

Szene der Woche
Den Anblick von pitchenden Positionsspielern ist man ja fast schon gewohnt – sie kommen zum Einsatz, wenn ein Spiel vorzeitig entschieden ist oder so tief in Extra-Innings reicht, dass die regulären Relief-Pitcher verbraucht sind und eine Notlösung her muss. Am Freitag gab es im Spiel der Philadelphia Phillies gegen die Chicago White Sox eine noch interessantere Konstellation: In der unteren Hälfte des 13. Innings brachte Phillies-Manager Gabe Kapler für Pitcher Zach Eflin als Pinch-Runner einen anderen Pitcher, Vince Velasquez. Als das Spiel ins 14. Inning ging, ließ Kapler Velasquez im Spiel – allerdings nicht als Pitcher, sondern im Leftfield. Derweil wurde Outfielder Roman Quinn zum Pitchen auf den Mound geschickt. Das war zwar irgendwie seltsam, aber Velasquez machte auf der ungewohnten Position einen überragenden Job und rettete sein Team vor einem sicheren Rückstand:

Der Ausflug ins Outfield war für Velasquez damit noch nicht beendet. Er kehrte im folgenden Inning zurück auf den Posten, verpasste zunächst nur knapp das Out in einer ähnlichen Szene wie der vorherigen und beendete schließlich das Inning mit einem Catch, der eines Gold Glovers würdig gewesen wäre:

Statistik der Woche 
52. So viele Homeruns haben die New York Yankees dieses Jahr gegen die Baltimore Orioles geschlagen. Das sind mehr Homeruns als jemals ein Team in einer Saison gegen einen einzelnen Gegner erzielt hat. Bisheriger Rekordhalter waren die Yankees selbst mit 48 Homeruns gegen die Kansas City Athletics im Jahr 1956. Was die Sache noch ein Stück beeindruckender macht: Die Yankees spielen dieses Jahr – genauer gesagt nächste Woche – noch viermal gegen die Orioles, da ist also noch einiges drin.

Spiel der Woche
Als die Houston Astros sich letzte Woche zur Trade-Deadline zwei neue Starter gönnten, redeten alle von Zack Greinke, aber fast niemand von Aaron Sanchez. Logisch, denn im Gegensatz zu dem anerkannten Ass Greinke kam Sanchez als eher fragwürdiger Ergänzungsspieler, der es in Toronto dieses Jahr auf einen schwachen ERA von 6.07 gebracht hatte. Von Sanchez‘ erstem Spiel für die Astros werden sie aber noch eine ganze Weile reden. Sechs Innings lang hielt er die Seattle Mariners ohne einen einzigen Hit, anschließend brachten die Reliever Will Harris, Joe Biagini und Chris Devenski den kombinierten No-Hitter zum 9:0-Erfolg über die Mariners nach Hause.

Mein Einschalttipp
Meine Einschaltempfehlung geht diese Woche ganz klar an das Gipfeltreffen der AL Central zwischen den Minnesota Twins und den Cleveland Indians. Von Donnerstag bis Sonntag absolvieren die beiden Kontrahenten vier Spiele gegeneinander. Das Finale der Serie läuft am Sonntag direkt nach der Tagesschau, wenn auch leider nicht im deutschen Fernsehen, sondern nur auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup stellen voraussichtlich Rookie Aaron Civale (0.75 ERA, 2.05 FIP) für Cleveland und José Berrios (3.24 ERA, 3.76 FIP) für Minnesota.

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