März 25th, 2021 by Silversurger

Um ein Haar hätten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten den Opening Day der MLB zum bundesweiten Feiertag gemacht. Hat leider nicht geklappt, aber ich fiebere trotzdem weiterhin dem 1. April entgegen. Aktuell laufen noch die letzten Tage des Spring Trainings. Bei den Neuigkeiten der Woche handelt es sich leider überwiegend um Verletzungsmeldungen, aber ein paar Vertragsverlängerungen und eine interessante Ankündigung der Ligaleitung sind auch dabei. 

MLB will gegen manipulierte Bälle vorgehen
In einer Memo an alle 30 Klubs hat die Liga angekündigt, in diesem Jahr verstärkt gegen die Behandlung von Spielbällen durch Fremdsubstanzen durchgreifen zu wollen. Das Zeitalter des Spit-Balls liegt zwar weit hinter uns, aber es ist kein großes Geheimnis, dass auch heute noch viele Pitcher die Bälle „bearbeiten“, beispielsweise mit Kiefernteer. Das klebrige Kiefernteer darf mit gewissen Einschränkungen von Battern verwendet werden, um einen besseren Griff am Schläger zu haben. Am Ball und in den Händen von Pitchern ist es verboten. Um Verstößen künftig häufiger auf die Schliche zu kommen, sollen nicht nur stichprobenartig Bälle kontrolliert werden, sondern es sollen auch statistische Auffälligkeiten untersucht werden wie zum Beispiel drastische Sprünge bei der Rotationsrate einzelner Pitcher. Die Ankündigung der MLB enthält die Androhung von Strafen sowohl gegen die Pitcher als auch gegen Klubpersonal, das die Manipulationen unterstützt. Welche Art und welches Ausmaß diese Strafen haben sollen, lässt die Liga bislang offen.

Yates fällt lange aus
Die Toronto Blue Jays müssen dieses Jahr ohne den frisch verpflichteten Kirby Yates auskommen: Der ursprünglich für die Closer-Rolle vorgesehene Reliever benötigt eine Tommy-John-Surgery. Zweifel an der Gesundheit seines Ellenbogens bestanden wohl schon länger: Die Atlanta Braves hatten in der Offseason ein Vertragsangebot nach der medizinischen Untersuchung zurückgezogen, und auch die Blue Jays reduzierten ihr Angebot wegen des Risikos von 8,5 Millionen Dollar auf 5,5 Millionen. Nun ist es traurige Gewissheit, dass Yates bis in die nächste Saison und damit über die Vertragslaufzeit hinaus ausfällt. Wer an seiner Stelle als Closer fungieren wird, ist unklar. Jordan Romano, David Phelps, Rafael Dolis und Tyler Chatwood dürften die wahrscheinlichsten Kandidaten für Save-Gelegenheiten der Blue Jays sein.

Noch mehr Verletzungen
Neben Yates haben eine ganze Reihe weiterer MLB-Profis schlechte Nachrichten erhalten. Ich beschränke mich auf eine Auswahl: Pitcher Carlos Carrasco wird den Mets nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel für sechs bis acht Wochen fehlen. Eine ähnliche Verletzung hat sich Brendan Rogers, das Top-Prospect der Rockies, zugezogen. Bei den Pirates hat Steven Brault muskuläre Probleme im Arm und bekam deshalb einen Monat Pause verordnet. Bis er wieder voll einsatzbereit ist, dürften zehn bis zwölf Wochen vergehen. Drei weitere Pitcher – Rico Garcia (Giants), Jimmy Cordero (White Sox) und Blake Cederlind (Pirates) – müssen sich ebenfalls der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen und somit ihre Hoffnungen begraben, es dieses Jahr in ein Major-League-Roster zu schaffen.

Royals verlängern mit Perez
Die Kansas City Royals sichern sich die Dienste ihres langjährigen Catcher Salvador Perez bis mindestens 2025: Der 30-Jährige erhält einen Vierjahresvertrag, beginnend nach dieser Saison, mit einem Garantiegehalt von 82 Millionen Dollar. Für weitere 11,5 Millionen kann der Klub die Option auf ein weiteres Jahr ziehen. Perez ist für die Royals eines der Gesichter der Franchise. Er hat in seiner Karriere nie woanders gespielt und war bereits ein wichtiger Teil des Teams, als es 2015 die World Series gewann.

Astros: McCullers unterschreibt, Correa wartet ab
Die Houston Astros binden ebenfalls einen ihrer World-Series-Helden langfristig an sich: Starting Pitcher Lance McCullers Jr. erhält einen Fünfjahresvertrag ab 2022, der ihm 85 Millionen Dollar einbringt. Auch mit Carlos Correa würden die Astros gern Nägel mit Köpfen machen. Dem Shortstop wurde ein Vertrag in der Größenordnung von sechs Jahren und 120 Millionen angeboten, doch eine Einigung scheint es bisher nicht zu geben.

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März 22nd, 2021 by Silversurger

Die Houston Astros waren das dominierende MLB-Team der Jahre 2017 bis 2019. Wie ein Fels thronten sie mit ihren regelmäßigen 100-Siege-Performances über der Liga, holten eine Meisterschaft und verpassten nur knapp eine zweite. Auch 2020 schafften sie es in die Postseason und stießen bis in die Championship Series vor. Doch es war bereits unübersehbar, dass der Fels Risse bekommen hat. Der größte war zweifellos der Sign-Stealing-Skandal, der letzte Offseason ans Licht kam und die Franchise Vertrauen, Ansehen, Draftpicks sowie den Manager und den General Manager kostete. Weitere Risse vollzogen sich durch den Abgang von Gerrit Cole vor und die Verletzung von Justin Verlander während der Saison. Am Ende reichte es nur zu einer knapp negativen Bilanz von 29-31 und einer sehr glücklichen Playoff-Qualifikation dank des einmalig erweiterten Teilnehmerfeldes. Auf diesen Luxus können die Astros in der kommenden Saison nicht wieder setzen, zumal der Fels einen weiteren Riss erhalten hat: Centerfielder und Leadoff-Hitter George Springer war als Free Agent nicht zu halten und heuerte inzwischen bei den Blue Jays an. Dass ich den Astros trotz allem den Divisionssieg zutraue, hat zwei Gründe: Erstens drängt sich in der AL West kein Team wirklich auf – die Angels, die Athletics und eben die Astros haben allesamt das Talent, um oben mitzuspielen, aber sie alle tragen auch große Fragezeichen mit sich herum. Zweitens erwarte ich von den Astros eine „Jetzt oder nie“-Mentalität, denn dieses Jahr könnte die letzte Chance sein, noch einmal den Titel anzugreifen, bevor nach der Saison auch Carlos Correa, Lance McCullers Jr. und Zack Greinke Free Agents werden.

Voraussichtliches Lineup
C Martin Maldonado
1B Yuli Gurriel
2B Jose Altuve
SS Carlos Correa
3B Alex Bregman
LF Michael Brantley
CF Myles Straw
RF Kyle Tucker
DH Yordan Alvarez

Voraussichtliche Rotation
RHP Zack Greinke
RHP Lance McCullers Jr.
RHP Jake Odorizzi
RHP Cristian Javier
RHP Jose Urquidy
Key Reliever: Ryan Pressly

Wichtigster Zugang
RHP Jake Odorizzi (Minnesota Twins)

Wichtigster Abgang
OF George Springer (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
RHP Forrest Whitley

Größte Stärke
Die Offense: Einige der Stars wie Jose Altuve und Carlos Correa hatten 2020 mit Formproblemen zu kämpfen, trumpften aber in der Postseason umso gewaltiger auf. Wenn sie diesen Lauf in die neue Saison tragen können, bringen sie gemeinsam mit Alex Bregman, Michael Brantley sowie den Youngsters Kyle Tucker und Yordan Alvarez auch ohne George Springer ein immer noch furchterregendes Lineup auf die Waage.

Größte Schwäche
Die Rotation: Es ist nicht lange her, da war das die Stärke oder zumindest eine der Stärken der Astros. Doch Gerrit Cole ist weg, Justin Verlander wird nach seiner Tommy-John-Surgery vielleicht nie wieder für die Astros pitchen und Framber Valdez fällt mit gebrochenem Finger noch wochen-, wenn nicht monatelang aus. Zu allem Überfluss musste sich nun auch Top-Prospect Forrest Whitley der Tommy-John-Surgery unterziehen und somit die Saison abschreiben, bevor sie begonnen hat. Bleiben als einzige verlässliche Größen Lance McCullers Jr. und Zack Greinke, umgeben von reichlich Mittelmaß.

Spannendste Frage
Wie nachtragend sind die gegnerischen Fans? Wenn letztes Jahr irgendjemand Grund hatte, sich über die leeren Stadien zu freuen, dann die Astros. Statt des erwarteten monatelangen Spießrutenlaufs mit Anfeindungen und Buhrufen bei jedem Auswärtsspiel konnten sie in aller Stille ihrer Arbeit nachgehen. Ich bin gespannt, ob die Reaktionen auf die Sign-Stealing-Geschichte dieses Jahr nachgeholt werden oder ob dafür dann doch schon zu viel Gras über die Sache gewachsen ist.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 11th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison ist nur noch drei Wochen entfernt, das Spring-Training läuft auf Hochtouren und endlich haben auch die beiden letzten „großen“ Free Agents Jackie Bradley Jr. und Jake Odorizzi ihr neues Team gefunden. Leider gab es diese Woche auch wieder ein paar Verletzungen, durch die die Saison für die betreffenden Spieler ganz oder teilweise gelaufen ist, bevor sie richtig begonnen hat. Dank des deutschen Corona-Flickenteppichs gibt es etwas verwirrende Neuigkeiten in Bezug auf die Baseball-Bundesliga – mehr dazu am Ende dieses Artikels.

Bradley Jr. zu den Brewers
Die Milwaukee Brewers haben sich die Dienste von Jackie Bradley Jr. gesichert. Das kam etwas überraschend, denn im Centerfield der Brewers ist bereits Lorenzo Cain als Stammspieler gesetzt. Dasselbe gilt für das Leftfield mit Christian Yelich, sodass für Bradley Jr. voraussichtlich die etwas größeren Anteile eines Platoons mit Avisail Garcia im Rightfield bleiben. Der in Kürze 31-Jährige erhält einen Zweijahresvertrag, der ihm 13 Millionen Dollar im ersten und 11 Millionen im zweiten Jahr garantiert. Eine Option ermöglicht dem Spieler, nach dem ersten Jahr einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. 

Astros verpflichten Odorizzi
Auch Jake Odorizzi hat einen neuen Job. Der Starting Pitcher unterschreibt für zwei Jahre bei den Houston Astros. Dafür erhält er ein garantiertes Gehalt von 23,5 Millionen Dollar und die Verlängerungsoption für ein weiteres Jahr. Odorizzi hatte 2019 ein starkes Jahr für die Minnesota Twins mit 3.51 ERA und 3.36 FIP in 30 Starts. 2020 konnte er wegen mehrerer Verletzungen nur 13.2 Innings pitchen. Die Astros sahen sich offenbar gezwungen, noch eine Verstärkung an Land zu ziehen, nachdem Framber Valdez sich an seinem letzte Woche gebrochenen Finger operieren lassen muss und möglicherweise für die gesamte Saison ausfällt. Zudem steht seit gestern fest, dass Pitching-Prospect Forrest Whitley sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss, womit für ihn die Saison gelaufen ist. 

Castillo, Martinez, Britton, Votto fallen aus
Auch für Jose Castillo, Relief Pitcher der San Diego Padres, ist die Saison bereits beendet. Der 25-jährige Linkshänder benötigt ebenfalls eine Tommy-John-Surgery und wird erst irgendwann im nächsten Jahr wieder spielen können.
Nur unwesentlich besser ergeht es Yankees-Reliever Zack Britton, dem in einer arthroskopischen Operation Knochensporne entfernt werden müssen. Sein Arm muss danach sechs Wochen komplett ruhen, danach schließen sich drei bis vier Monate Reha bis zur Einsatzfähigkeit an.
Rund vier Monate wird auch Jose Martinez ausfallen. Der Corner-Infielder/Outfielder schien auf gutem Weg, einen Platz auf der Bank der New York Mets zu ergattern, bevor er in einem Spring-Training-Spiel mit einem Umpire zusammenprallte und einen Meniskusriss erlitt.
Leider gibt es auch schon den ersten prominenten Covid-19-Fall der Saison: Joey Votto wurde positiv getestet. Der First Baseman der Cincinnati Reds muss sich für mindestens zehn Tage isolieren. Ob und in welcher Stärke er unter Symptomen leidet, ist bislang nicht bekannt. 

Lou Gehrig Day am 2. Juni
Ab diesem Jahr wird in der MLB regelmäßig am 2. Juni ein Lou Gehrig Day begangen. An diesem Tag wird dem legendären First Baseman der Yankees gedacht werden, vor allem aber soll er an die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erinnern, die auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt ist. Gehrig starb am 2. Juni 1941 im Alter von 37 Jahren an ALS – am selben Datum, an dem er 16 Jahre früher eine Rekordstrecke von 2.130 Einsätzen hintereinander gestartet hatte. Lou Gehrig ist der dritte Spieler nach Jackie Robinson (15. April) und Roberto Clemente (9. September), dem die MLB jährlich einen eigenen Tag widmet.

Bundesliga startet versetzt
Am 1. April ist Opening Day – das gilt nicht nur für die MLB, sondern auch für die Baseball-Bundesliga. Allerdings nur für den Süden, denn die Nordgruppe der höchsten deutschen Spielklasse startet erst über einen Monat später und absolviert mit 7 Spieltagen nur halb so viele Partien wie die Bundesliga Süd. Der Hintergrund ist, dass die an der Südgruppe beteiligten Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Liga als Teil des Spitzensports anerkennen, die nördlichen Bundesländer hingegen nicht. Das hört sich an wie ein verfrühter Aprilscherz, ist aber kuriose und bittere Realität. Aber vielleicht sollte man es nicht zu negativ sehen und lieber froh sein, dass es in Baseball-Deutschland zur Coronazeit nur zwei unterschiedliche Regelungen gibt und nicht 16…

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Januar 21st, 2021 by Silversurger

Aus dem Hot Stove dampft es gewaltig, die Offseason der MLB kommt endlich in Schwung. Drei der Top-10-Free-Agents und eine Menge weiterer interessanter Spieler sind in den letzten Tagen unter Dach und Fach gekommen. Die größten Schlagzeilen gehörten dabei den Blue Jays und den Yankees. Auch die Mets sorgten für Gesprächsstoff, aber da ging es leider weniger um sportliche Dinge als um das schlichtweg ekelhafte Verhalten eines – jetzt ehemaligen – leitenden Angestellten.  

Mets feuern GM Porter
Nur 37 Tage war Jared Porter in seinem Amt als General Manager der New York Mets. Dem 41-Jährigen wurde ein erst jetzt bekannt gewordener Vorfall aus dem Jahr 2016 zum Verhängnis. Er soll eine Journalistin sexuell belästigt haben, indem er ihr über 60 unverlangte und unbeantwortete aufdringliche Textnachrichten schickte, inklusive Bildern eines (seines?) erigierten Penis. 
„Typisch Mets“ könnte man denken, wenngleich die Vorfälle lange vor Porters Zeit in New York liegen und die Verantwortlichen des Klubs glaubhaft beteuern, von ihnen keine Ahnung gehabt zu haben, als sie sich für ihn entschieden. Der Eigentümer der Mets, Steven Cohen, reagierte innerhalb weniger Stunden nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe mit Porters Entlassung und betonte, es gebe unter seiner Führung „null Toleranz für diese Art des Verhaltens“. Team-Präsident Sandy Alderson wird den GM-Job nun vorerst selbst übernehmen und ohne Eile nach einem passenden Nachfolger für Porter suchen.
Seitens der Ligaleitung wird es eine Untersuchung der Vorwürfe geben, die voraussichtlich in einer befristeten oder unbefristeten Sperre Porters für jegliche Tätigkeit innerhalb der MLB enden dürfte.
Porter stellt den zweiten Fall innerhalb kurzer Zeit dar, in dem die Mets einen hochrangigen Angestellten einstellen und noch vor dem ersten Saisonspiel wieder feuern. Vor fast genau einem Jahr wurde Carlos Beltran von seinem erst zwei Monate zuvor angetretenen Mangerposten entbunden wegen der Rolle, die er im Sign-Stealing-Skandal der Astros gespielt hatte.

Blue Jays signen Springer
Sicher hätten die Verantwortlichen der Mets diese Woche lieber George Springer als Neuzugang vermeldet statt Fragen über das Geschlechtsteil ihres Ex-GM zu beantworten, doch das Rennen um den Centerfielder hat ein anderes Team gemacht: Die Toronto Blue Jays haben sich mit dem umworbenen Free Agent auf einen Sechsjahresvertrag geeinigt. Der dreifache All-Star bringt eine seltene Mischung aus starker Centerfield-Defense und noch stärkeren Offensivleistungen mit. Diese lassen die Blue Jays sich über den gesamten Vertragszeitraum hinweg 150 Millionen Dollar kosten.
Weil die Houston Astros als abgebender Verein dem 31-Jährigen ein Qualifying Offer vorgelegt hatten, wird für seine Verpflichtung eine Kompensation in Form von Draftpicks fällig: Die Astros erhalten einen zusätzlichen Pick in der vierten Runde der nächsten Draft, die Blue Jays verlieren dafür ihren Zweitrundenpick #54 sowie 500.000 Euro des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen. 

Yankees: LeMahieu bleibt, Kluber kommt
Angesichts der aufrüstenden Konkurrenz sowohl in der Stadt (Mets) als auch in der Division (Blue Jays) wollen die New York Yankees nicht zurückstehen. Als ersten Teil eines Doppelschlags haben sie am Freitag das monatelange Tauziehen um eine Weiterverpflichtung von Second Baseman D. J. LeMahieu erfolgreich beendet. Der 32-Jährige erhält einen Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar. Obwohl beide Seiten von vornherein an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert waren, zogen sich die Verhandlungen hin, weil die Yankees mit ihrer Payroll dieses Jahr unbedingt unter der Luxussteuer-Grenze von 210 Millionen Dollar bleiben wollten. Diesen Kurs können sie nun beibehalten, indem die Zahlungsverpflichtungen gegenüber LeMahieu auf eine relativ lange Vertragslaufzeit gestreckt werden.
Noch am selben Tag legten die Yankees nach mit einer Verstärkung der Starting Rotation. Corey Kluber unterschreibt einen Einjahresvertrag über 11 Millionen Dollar. Der 34-Jährige war bis vor zwei Jahren das Pitching-Ass der Cleveland Indians, bevor er 2019 erst durch Formschwäche und dann auch noch durch einen gebrochenen Arm aus der Bahn geworfen wurde. 2020 trug er das Trikot der Texas Rangers, für die er verletzungsbedingt nur ein einziges Inning warf. In einem Probetraining vor Vertretern fast aller MLB-Teams zeigte er letzten Mittwoch offenbar mit Erfolg, dass mit ihm 2021 wieder zu rechnen ist.

Brantley bleibt bei den Astros
Um Michael Brantley gab es gestern etwas Verwirrung: Zuerst hieß es kurz nach Bekanntwerden des Springer-Deals, auch Springers Freund und Outfield-Kollege Brantley sei sich mit den Blue Jays einig und werde einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Eine Stunde, nachdem diese Meldung die Runde gemacht hatte, dementierten die Blue Jays. Man sei interessiert an Brantley, aber es gebe noch keine Einigung. Nochmal gut zwei Stunden später dann die endgültige Kehrtwende: Brantley bleibt bei den Houston Astros. Der 33-Jährige erhält dort einen Zweijahresvertrag über 32 Millionen Dollar. Für die Astros ist das ein wichtiger Schritt, nachdem ihnen zuvor drohte, ihr komplettes bisheriges Stamm-Outfield – bestehend aus Springer, Brantley und Josh Reddick – in der Free Agency zu verlieren.
Neben Brantley haben sich die Astros auch einen neuen Catcher gesichert: Jason Castro kehrt nach vier Jahren in der Fremde zurück zu dem Verein, der ihn einst gedraftet hatte. Der 33-Jährige soll nach gerade eingetrudelten Meldungen einen Zweijahresvertrag bekommen, der sich wohl auf rund 7 Millionen Dollar beläuft. 

Weitere Neuverpflichtungen  
Auch die folgenden Spieler haben in den letzten Tagen neue Engagements in der MLB gefunden: SP Jose Quintana (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 8 Millionen Dollar), SP J. A. Happ (Minnesota Twins, 1 Jahr, 8 Millionen), RP Archie Bradley (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 6 Millionen), RP Kirby Yates (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 5,5 Millionen plus Boni), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen plus Boni), SP Jon Lester (Washington Nationals, 1 Jahr plus beidseitige Option, 5 Millionen), SP Alex Wood (San Francisco Giants, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). SP/RP Tyler Chatwood (Blue Jays, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). 

3-Team-Trade um Musgrove und Lucchesi 
Die San Diego Padres, die New York Mets und die Pittsburgh Pirates haben sich auf einen Dreiecks-Trade geeinigt. Involviert sind zwei MLB-Spieler: zum einen SP Joe Musgrove, der von Pittsburgh nach San Diego wechselt, zum anderen SP Joey Lucchesi, der von den Padres zu den Mets geschickt wird. Die Pirates erhalten durch den Deal eine Reihe von Prospects – C/OF Endy Rodriguez von den Mets sowie CF Hudson Head, SP Omar Cruz, RP David Bednar und SP Drake Fellows von den Padres. Head dürfte in dieser Reihe der interessanteste Name sein, er wurde bisher als Nummer acht unter den Talenten der Padres gelistet.

Don Sutton ist tot 
Zum zweiten Mal hintereinander schließt der Grand Slam am Donnerstag mit der Trauermeldung zu einer Dodgers-Legende: Gut eine Woche nach Tommy Lasorda ist am Montag Don Sutton gestorben. Sutton war von 1966 bis 1988 als Starting Pitcher in der MLB aktiv. Er spielte für fünf verschiedene Teams, aber in 16 von 23 Saisons war er ein Dodger. Nach der aktiven Karriere war er als TV-Kommentator tätig, unter anderem für die Atlanta Braves. 1998 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. Sutton erlag im Alter von 75 Jahren einer Krebserkrankung.

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Januar 19th, 2021 by Silversurger

Wahrscheinlich gäbe es diese Artikelserie nicht, wenn uns nicht allen ein Skandal besonders frisch im Gedächtnis wäre, der erst vor gut einem Jahr aufgedeckt wurde. Die Sign-Stealing-Affäre um die Houston Astros landet auf meiner Liste der größten Skandale der MLB-Geschichte auf Rang vier.

Nur kurz zur Einordnung: Sign-Stealing ist und war schon immer ein Teil des Baseballspiels. Wenn Catcher und Pitcher sich in die Karten schauen lassen, weil sie die Handzeichen, mit denen sie den nächsten Pitch anzeigen, nicht gut genug verbergen und verschlüsseln, dann ist das ihre eigene Schuld. Unfair bis kriminell wird das Ganze jedoch, wenn die Gegner sich dabei unerlaubterweise technischer Hilfsmittel bedienen. Das haben vor den Astros schon andere Teams versucht und sich teilweise dabei erwischen lassen, aber noch nie wurde ein so ausgefeiltes Sign-Stealing-System aufgedeckt wie beim World-Series-Gewinner von 2017. 

Öffentlich bekannt wurde das Thema im November 2019 durch ein Interview von Mike Fiers. Der ehemalige Pitcher der Astros berichtete in The Athletic, dass sein Team bei den Heimspielen eine Videokamera im Centerfield platziert hatte, die die Handzeichen des generischen Catchers auffing. Hinter dem Dugout verfolgten Spieler und andere Angestellte den Videostream und signalisierten dem Schlagmann den jeweils kommenden Pitch – wer schon mal Baseball gespielt hat, weiß, was für ein enormer Vorteil dieses Wissen ist. Die Signale erfolgten auf unterschiedlichen Wegen, besondere Berühmtheit erlangte das Verfahren per Klopfen auf eine Mülltonne.

Die Ligaleitung leitete nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe eine zweimonatige Untersuchung ein. Es wurden Aufnahmen sämtlicher Heimspiele der Astros im betreffenden Zeitraum gesichtet und 68 Zeugen befragt, darunter 23 Spieler. Schließlich sah man den Regelverstoß, der sich über die Saison 2017 und in Teile der Saison 2018 erstreckte, als erwiesen an und verkündete teilweise drastische Strafen: General Manager Jeff Luhnow und Field Manager A. J. Hinch wurden ein Jahr lang für jede Tätigkeit in der MLB gesperrt. Der ehemalige Bench Coach Alex Cora, ab 2018 Field Manager bei den Boston Red Sox, musste sich einer weiteren Untersuchung unterziehen, weil den Red Sox unter seiner Führung ebenfalls elektronisches Sign-Stealing vorgeworfen wurde. In dem Fall konnte ihm aber keine Beteiligung nachgewiesen werden, daher blieb es für ihn ebenfalls bei der Sperre von einem Jahr für die Vorkommnisse in Houston. Darüber hinaus verloren die Astros ihre Erst- und Zweitrundenpicks in den beiden folgenden Drafts und mussten 5 Millionen Dollar Strafe zahlen. 

Interessant und diskussionswürdig ist, welche Strafen nicht ausgesprochen wurden: Obwohl den Astros systematisches Mogeln in ihrer Championship-Saison 2017 nachgewiesen wurde, durften sie den Titel behalten. Teambesitzer Jim Crane ging straffrei aus, da die Untersuchung keine Anhaltspunkte dafür ergab, dass er von dem Spionagesystem wusste. Ebenfalls straffrei blieben die an dem System beteiligten Spieler. Die MLB argumentierte damit, dass die Spieler erstens deshalb verschont wurden, weil sie allesamt kooperierten und zur Aufklärung des Falles beitrugen. Zweitens sei angesichts der Vielzahl der Beteiligten nicht zu differenzieren, welche Spieler Rädelsführer des Systems waren und welche nur Mitläufer oder Mitwisser. Der einzige Spieler, der in diesem Zusammenhang namentlich bekannt wurde, war Carlos Beltran. Auch er erhielt keine Sperre, allerdings wurde er von den New York Mets, bei denen er gerade erst seinen ersten Managerposten angetreten hatte, wegen seiner Rolle im Sign-Stealing-Skandal noch vor dem ersten Spiel entlassen und hat bisher keinen neuen Job.

Von den drei Verurteilten sind übrigens zwei inzwischen wieder in Amt und Würden: A. J. Hinch hat zur Saison 2021 den Managerposten der Detroit Tigers übernommen. Alex Cora hat nach Absitzen der Sperre seinen alten Job bei den Red Sox zurückerhalten. Bleibt noch Jeff Luhnow, der möglicherweise mit dem Baseball abgeschlossen hat. Jedenfalls wurde vor einigen Tagen bekannt, dass er als Teil einer Investorengruppe am Kauf eines mexikanischen Fußballvereins arbeitet.

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Januar 14th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 naht mit großen Schritten. Wenn alles wie geplant läuft, beginnen in gut einem Monat die Trainingslager mit dem Reporting der Pitcher und Catcher. Zwei Wochen später, Ende Februar, geht es dann auch schon los mit den Vorbereitungsspielen und am 1. April ist Opening Day. Bis dahin muss in Sachen Free Agency noch viel passieren, denn von den 20 Top-Free-Agents dieses Jahres sind sage und schreibe 17 noch ohne Vertrag. Das dürfte zu einem großen Teil der Unsicherheit im Angesicht der Coronalage geschuldet sein, aber da die MLB nach wie vor von einem pünktlichen Start ausgeht, müsste sich jetzt doch so langsam mal etwas tun auf dem Markt um Trevor Bauer, J. T. Realmuto, George Springer, D. J. LeMahieu usw.
Vielleicht zeigt mein Jammern ja wieder Wirkung. Letzte Woche hat es jedenfalls funktioniert: Gerade mal eine Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am Donnerstag, dessen Hauptmeldung daraus bestand, dass es wenig zu vermelden gibt, kam es zu einem Blockbuster-Trade zwischen den Indians und den Mets.

Die Mets rüsten auf
Die neue Ära in der Teamgeschichte der New York Mets, eingeleitet mit dem den Kauf der Franchise durch Multimilliardär Steve Cohen, hat ihren ersten großen Deal: Shortstop Francisco Lindor und Starting Pitcher Carlos Carrasco wechseln von den Cleveland Indians nach Queens. Für die Mets sind das zwei deutliche Upgrades, die gemeinsam mit dem neuen Catcher James McCann und einem noch gesuchten neuen Centerfielder (Wunschkandidat: George Springer) den Anspruch untermauern, in diesem und den kommenden Jahren um einen Titel mitzuspielen. Der Preis für die beiden Verstärkungen ist aus Sicht der Mets recht überschaubar. Sie geben an Cleveland Amed Rosario und Andres Gimenez ab – zwei talentierte, aber weit unterhalb der All-Star-Klasse eines Lindor angesiedelte Shortstops – sowie die beiden noch weit von MLB-Reife entfernten Prospects Josh Wolf und Isaiah Greene. Das einzige, was mir als Metsfan an dem Trade nicht gefällt, ist, dass Lindor nur für ein Jahr unter Vertrag steht. Aber es laufen wohl schon Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung.
Auf Seiten der Indians passt der Trade in das Bild des Re-Toolings, das sie seit ein, zwei Jahren betreiben: Auch Mike Clevinger, Trevor Bauer und Corey Kluber wurden gegen eine Kombination junger MLB-Spieler und noch jüngerer Prospects abgegeben. Damit schwächen die Indians auf kurze Sicht ihr Team, sparen aber Geld ein und verhindern gleichzeitig, dass man in absehbarer Zeit in ein vollständiges Rebuilding-Projekt einsteigen müsste. 

Closer Hendriks zu den White Sox 
Die vom finanziellen Volumen her bislang größte Free-Agent-Verpflichtung dieser Offseason haben sich die Chicago White Sox geleistet: 54 Millionen Dollar lassen sie sich die Dienste von Closer Liam Hendriks bis 2024 kosten. Die gewählte Vertragskonstruktion ist interessant und meines Wissens in der MLB bisher noch nicht dagewesen. Es handelt sich formal um einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen plus eine Klub-Option für 2024 über 15 Millionen. Wenn der Klub die Option nicht zieht, bekommt Hendriks die 15 Millionen aber trotzdem, mit dem Unterschied, dass die Zahlung über zehn Jahre gestreckt wird. Das nenne ich mal eine nette Altersvorsorge.

Nationals signen Schwarber
Kyle Schwarber galt vor wenigen Jahren noch als kommender Superstar, inzwischen ist er aufgrund stark schwankender Leistungen eher als ewiges Talent verschrien. Nachdem die Chicago Cubs die Geduld mit dem Outfielder und Catcher verloren und ihm gekündigt haben, haben nun die Washington Nationals zugegriffen. Sie bezahlen dem 27-Jährigen 10 Millionen Dollar für ein Jahr plus beidseitige Option auf ein weiteres Jahr, die ihm weitere 8 Millionen einbringen würde.

Late-Inning-Hilfe für die Astros 
Die Houston Astros bessern ihren Bullpen mit zwei neuen Relievern auf. Das prominentere der neuen Gesichter ist Pedro Baez. Der 32-Jährige verbrachte seine gesamte bisherige Karriere bei den Los Angeles Dodgers und kam dort in sieben Jahren auf starke 3.03 ERA. Bei den Astros erhält Baez einen Zweijahresvertrag plus Kluboption, der ihm 12 Millionen Dollar garantiert und dazu noch ein paar Leistungsboni vorsieht. Zudem kommt der Rechtshänder Ryne Stanek nach Houston. Er bekommt 1,1 Millionen für einen Einjahresvertrag.

Neuer Infielder bei den Brewers  
Die Milwaukee Brewers sind bekannt dafür, im Infield auf Flexibilität zu setzen mit zahlreichen Utility-Spielern, die je nach Matchup und Spielsituation zwischen den einzelnen Posten rotieren. Dieser Strategie bleiben sie offenbar treu, jedenfalls passt Neuverpflichtung Daniel Robertson genau ins Bild. Auf seinen bisherigen Stationen in Tampa Bay und San Francisco ist der 26-Jährige meistens als Second Baseman, Third Baseman oder Shortstop aufgelaufen und hat auch schon auf jeder anderen Position außer Catcher gespielt. Robertson erhält einen Einjahresvertrag über 900.000 Dollar, der ihm leistungsabhängig noch bis zu 400.000 Dollar mehr einbringen kann.

Tommy Lasorda ist tot 
Zum Abschluss eine traurige Nachricht: Tommy Lasorda ist tot. Der langjährige Manager der Los Angeles Dodgers starb Donnerstagnacht im Alter von 93 Jahren. Lasorda leitete das Team von 1976 bis 1996, gewann mit ihm viermal die National League und zweimal die World Series. Unmittelbar nachdem er seine Karriere beendet hatte, wurde er 1997 in die Hall of Fame aufgenommen und die Dodgers retireten sein Trikot mit der Nummer 2. Im Jahr 2000 unterbrach er seinen Ruhestand, um die US-Nationalmannschaft zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney zu führen.

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Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 11th, 2020 by Silversurger

Die World Series 2020 naht mit großen Schritten. Ab heute Nacht laufen die League Championships, also quasi die Halbfinals im Kampf um den begehrtesten Titel der Baseballwelt. In der American League haben sich in spannenden Serien die Tampa Bay Rays gegen die New York Yankees und die Houston Astros gegen die Oakland Athletics qualifiziert. In der National League war es weniger spannend. Die Los Angeles Dodgers wurden ihrer Favoritenrolle gegen die San Diego Padres ebenso deutlich gerecht wie die Atlanta Braves der ihren gegen die Miami Marlins. 

American League Championship: Rays vs. Astros
Das Matchup zwischen den Rays und den Astros ist in vielerlei Hinsicht reizvoll. Zum Beispiel in der Hinsicht, dass das erfolgreichste Team der aktuellen Saison auf den AL-Champion des Vorjahres trifft. Oder auch in der Hinsicht, dass die Rays als eines der unter neutralen Fans beliebtesten Teams gegen den wegen des Sign-Stealing-Skandals aktuell meistgehassten Klub der Liga spielen.

Die Astros haben es auch ohne den nach New York gewechselten Gerrit Cole, ohne den verletzten Justin Verlander und ohne die berüchtigte Mülltonne zum vierten Mal hintereinander in die ALCS geschafft. 2017 und 2019 zogen sie in die World Series ein, die sie 2017 gewannen.

Für die Rays ist es erst die zweite ALCS der Teamgeschichte. 2008 besiegten sie die Boston Red Sox in sieben Spielen, bevor sie in der World Series den Philadelphia Phillies unterlagen. Die Chancen der Rays, auch dieses Mal die AL-Championship zu gewinnen, dürften gut stehen. Mit überragendem Pitching sowohl der Asse Tyler Glasnow, Blake Snell und Charlie Morton als auch des Bullpens dominierten sie schon die gesamte Saison, und rechtzeitig zum Endspurt scheint auch die Offense in Rookie-Outfielder Randy Arozarena einen aus dem Nichts erschienenen Star gefunden zu haben. 

Die ALCS wird auf neutralem Boden in San Diego ausgetragen. Der Spielort dürfte ein kleiner Vorteil für die ohnehin favorisierten Rays sein, da sie schon die fünf Spiele gegen die Yankees in Petco Park absolvierten. Anders als in der NLCS werden übrigens keine Zuschauer vor Ort sein, da der Staat Kalifornien dies aufgrund der Coronalage untersagt. Das erste Spiel findet heute Nacht ab 1:37 Uhr unserer Zeit statt. Spiel zwei steigt am morgigen Montag schon ab 22:07 Uhr. 

National League Championship: Dodgers vs. Braves 
Die beiden Teilnehmer der NLCS bringen jeweils eine makellose Weste aus den bisherigen Playoffs mit, indem sie sowohl die Wild-Card- als auch die Divisional-Runde gesweept haben. Für eines der Teams wird die Erfolgsserie nun unweigerlich enden. 

Für die Dodgers ist im Grunde seit mehreren Jahren, spätestens aber seit der spektakulären Verpflichtung von Star-Outfielder Mookie Betts im Februar klar, dass es kein geringeres Ziel geben darf als die World Series. Dieses Ziel haben sie bislang mit einer Souveränität verfolgt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Die Offense um Betts, Cody Bellinger und viele andere verkörpert ebenso Weltspitzenklasse wie das Pitching um Walker Buehler und Clayton Kershaw. Alles zusammen resultierte in einer traumhaften Saisonbilanz von 43-17 und +136 Runs. Wenn man ein Haar in der Suppe suchen will, so stößt man am ehesten auf Kenley Jansen, der als Closer nicht sattelfest ist. 

Demgegenüber hat sich der Bullpen der Braves in den bisherigen Playoffs als sehr ausgewogen und verlässlich erwiesen. Das gilt überraschenderweise auch für das Starting Pitching, das vor wenigen Wochen noch als die Achillesferse des Teams galt. Allen voran Max Fried und Ian Anderson haben den überzeugenden Gegenbeweis angetreten. In fünf Spielen gewannen die Braves viermal zu null. Ihr eigentliches Prunkstück, die schlagkräftige Offense mit den Stars Freddie Freeman und Ronald Acuna Jr., geriet dadurch fast ein bisschen in den Hintergrund. 

Die Spiele der NLCS in Arlington, Texas, werden die ersten Partien der Saison 2020 sein, in denen Zuschauer im Stadion erlaubt sind. 11.500 Tickets durften je Spiel verkauft werden. Es sind zugleich die ersten Spiele überhaupt mit Zuschauern im neu eröffneten Ballpark der Texas Rangers, in dem auch die World Series gespielt wird. Die NLCS startet in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 3rd, 2020 by Silversurger

Nach der viertägigen Wild-Card-Runde lässt sich deren Ergebnis in wenigen Worten zusammenfassen: Alle sieben Teams aus den Central-Divisionen sowie die Toronto Blue Jays sind ausgeschieden, sämtliche Erst- und Zweitplatzierten der East- und West-Divisionen haben es in die nächste Runde geschafft. Wie es sich ergeben hat, treffen in dieser nächsten Runde, den Divisional Series, alle Mannschaften auf Konkurrenten aus der eigenen Division. 

Die Divisionals werden wie geplant in neutralen Ballparks ausgetragen. Am Montag beginnen die beiden ALDS, die NLDS kommen am Dienstag dazu. Gespielt wird dann wieder täglich ohne Pausentage bis zur Entscheidung im Best-of-5-Format. 

American League Divisional Series 
Tampa Bay Rays vs. New York Yankees (in San Diego) 
Vor der Saison waren die Yankees der Top-Favorit und die Rays der Geheimfavorit der AL. Das hat sich ein bisschen geändert, nachdem die Rays sowohl in der Gesamtabrechnung die Yankees klar hinter sich ließen als auch die direkten Duelle mit acht zu zwei Siegen dominierten. Kein anderes Team hatte die Yankees dieses Jahr so souverän und konsistent unter Kontrolle wie die Rays, welche der stärksten Offense der Liga nur 34 Runs in zehn Spielen erlaubten. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Yankees selten in Bestbesetzung antreten konnten – DJ LeMahieu, Aaron Judge und Giancarlo Stanton verpassten jeweils einen großen Teil der Spiele gegen die Rays. Dieses Mal sind sie allesamt an Bord beim Versuch, den Angstgegner zu überwinden. 

Oakland Athletics vs. Houston Astros (in Los Angeles) 
Wenn man nach der regulären Saison geht, sehen die Vorzeichen für dieses Duell ziemlich einseitig aus: Die Athletics spielten eine dominante 36-24-Saison, die Astros hingegen hatten Glück, mangels Konkurrenz mit einer negativen Bilanz von 29-31 noch einen Platz in den Playoffs zu ergattern. Der Unterschied zwischen beiden Teams wurde nicht zuletzt in den zehn direkten Vergleichen erspielt, von denen die Athletics sieben gewannen. In der Wild-Card-Runde waren allerdings die Astros überzeugender. Sie sweepten routiniert die Minnesota Twins, während die Oakland Athletics sich zu einem knappen 2-1 über die Chicago White Sox mühten.

National League Divisional Series
Los Angeles Dodgers vs. San Diego Padres (in Arlington) 
Für neutrale Zuschauer dürfte dies das am heißesten erwartete Duell der Divisional-Runde sein. Die Dodgers weisen aus der regulären Saison die beste Bilanz der MLB auf, die Padres haben die zweitmeisten Siege der NL auf dem Konto – und das, obwohl sie zehnmal gegen das Überteam aus LA antreten mussten. Die Dodgers behielten in diesen Spielen knapp mit 6-4 die Oberhand. In der Wild-Card-Runde machten die Dodgers kurzen Prozess mit den Brewers, während die Padres gegen die St. Louis Cardinals drei Spiele brauchten. Sorgen bereitet nach wie vor das Starting-Pitching der Padres. Ob die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger bis zur NLDS fit werden, ist fraglich. Gestern Nacht war es der Bullpen der Padres, der in einem gemeinsamen Kraftakt die Kastanien aus dem Feuer holte: Neun verschiedene Pitcher hielten den Gegner über neun Innings ohne Run – das hatte es bisher noch nie gegeben. 

Atlanta Braves vs. Miami Marlins (in Houston) 
Diese beiden Teams haben es allen Kritikern gezeigt. Die Braves waren als das Playoff-Team mit dem schwächsten Pitching eingestuft gewesen. Als Antwort darauf ließen sie gegen die Cincinnati Reds in zwei Spielen über insgesamt 22 Innings keinen einzigen Run zu. Nun geht es gegen die Miami Marlins, die aus dem „Bottom Feeder“, zu dem sie vor der Saison abgestempelt waren, ein trotziges Motto gemacht haben. Auch sie benötigten nur zwei Spiele, um gegen die Chicago Cubs souverän das Weiterkommen zu sichern. In der regulären Saison gewannen die Braves sechs von zehn gegen die Marlins, darunter ein spektakuläres 29:9. Die Braves gehen als klarer Favorit in die NLDS, aber die Marlins fühlen sich bekanntlich pudelwohl in der Außenseiterrolle. 

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