Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

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Juli 18th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison ist wieder im vollen Lauf, der All-Star-Break schon fast vergessen – nicht zuletzt, weil die Los Angeles Angels zum Wiederbeginn einen emotionalen Paukenschlag gelandet haben. Ihr erstes Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs hätte kein Drehbuchschreiber sich besser ausdenken können. Mehr dazu im „Spiel der Woche“, jetzt aber erst mal ein kurzer Überblick über die einzelnen Divisionen.

American League
Die American League East sieht vom Tabellenbild her weitgehend unverändert aus, nachdem die New York Yankees (60-33) und die Tampa Bay Rays (56-41) sich im Spitzenduell bisher die Siege geteilt haben. Die für gestern vorgesehene Partie musste wegen schlechten Wetters abgesagt werden, dafür gibt es heute einen Doubleheader zwischen den Yankees und den Rays. Die Boston Red Sox (52-44) kamen eher durchwachsen aus den Startlöchern zur zweiten Hälfte und sind im Wild-Card-Rennen hinter den Rays, den Indians und den Athletics etwas zurückgefallen. Zur Stabilisierung der bislang enttäuschenden Rotation haben die Red Sox Andrew Cashner im Tausch gegen zwei 17-jährige Prospects von den Baltimore Orioles (29-66) ertradet.

In die AL Central ist plötzlich die Spannung zurück gekehrt. Zwar starteteten die Minnesota Twins (58-36) mit zwei Siegen über Verfolger Cleveland Indians (54-40) in den zweiten Teil der Saison. Doch ein Sieg der Indians in Spiel drei sowie drei Erfolge gegen die Detroit Tigers (29-62), während die Twins sich von den Mets sweepen ließen, haben den einst komfortablen Vorsprung auf nur noch vier Spiele reduziert. Das könnte noch mal eng werden, zumal die Twins mit den Athletics und den Yankees deutlich schwerere Aufgaben vor sich haben als die Indians mit den Kansas City Royals (35-62) und den Blue Jays.

Die Spitze der AL West haben die Houston Astros (60-37) zwar noch relativ fest im Griff, doch das Team der Stunde sind eindeutig die Oakland Athletics (55-41). Die A’s sind als einziges Team der MLB seit dem All-Star-Break ohne Niederlage und haben sich im Ringen um Platz zwei und eine Wild Card inzwischen deutlich von den Texas Rangers (50-46) abgesetzt. Die Rangers, das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, machen nach vier verlorenen Spielen in Folge den Eindruck, dass die Luft ziemlich draußen ist. 4:12, 2:9 und 4:19 lauteten die letzten Ergebnisse und als nächstes müssen die Rangers ausgerechnet bei den Astros antreten. Gegen Selbige haben die Los Angeles Angels (50-47) zuvor noch ein viertes Spiel. Die Angels befinden sich gegenüber den Rangers auf der Überholspur. Sie haben bislang zwei von drei gegen Houston gewonnen und davor die Mariners gesweept.

National League
Die Atlanta Braves (58-39) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, aber der Vorsprung in der National League East beträgt beruhigende 6 Spiele. Wenn es gut läuft, können die Braves die Division in den kommenden zwei Wochen bereits mehr oder weniger eintüten: In den nächsten zwölf Partien geht es zehnmal gegen die direkten Verfolger: siebenmal gegen die Washington Nationals (50-44) und dreimal gegen die Philadelphia Phillies (49-47). Ein deutliches Lebenszeichen senden mit bislang vier Siegen hintereinander die New York Mets (44-51). Für sie steht eine interessante Serie in San Francisco an, denn dort treffen zwei Teams aufeinander, die eine enttäuschende erste Hälfte und einen vielversprechenden Start in Teil zwei der Saison gemeinsam haben.

Die NL Central ist nach wie vor die spannendste Division der Liga. Nur 7,5 Spiele liegen zwischen Platz eins und fünf, das sind weniger als in jeder anderen Division zwischen Platz eins und drei. Die Chicago Cubs (52-44) hatten einen Traumstart in die zweite Saisonhälfte. Ein Sweep gegen die Pittsburgh Pirates (45-50) und zwei von drei gegen die Cincinnati Reds (43-50) halten die Cubs an der Spitze und die aufmüpfigen Außenseiter auf Distanz. Die Milwaukee Brewers (50-47) schauen nach einer schwächeren Phase zurzeit mehr nach den St. Louis Cardinals (48-46) in ihrem Rücken als nach den Cubs, doch zuletzt zwei Siege gegen die Braves geben Milwaukee Anlass zur Hoffnung, dass der Slump vorerst überwunden ist.

Das stärkste Team im Baseball bleiben die Los Angeles Dodgers (64-34). Bei 14 Spielen Vorsprung in der NL West dürfte ihre größte Sorge darin bestehen, bis zu den Playoffs fokussiert zu bleiben und nicht nachlässig zu werden. Im Wettbewerb um die Wild-Card-Plätze mischen zurzeit nur die Arizona Diamondbacks (49-47) mit. Die San Diego Padres (46-49) und die Colorado Rockies (46-50) schwächeln zurzeit erheblich und sind sogar hinter die San Francisco Giants (47-49) zurück gefallen. Die 5-Siege-Serie der Giants, darunter ein 4-Spiele-Sweep über die Rockies, ist eine der größten Überraschungen der ersten Woche nach dem All-Star-Break.

Szene der Woche 
Ein Single von Hanser Alberto für die Baltimore Orioles beendete den acht Innings währenden Traum der Tampa Bay Rays, das erste combined Perfect Game der MLB-Geschichte zu werfen. Normalerweise wechselt man einen Pitcher, der ein perfektes Spiel am Laufen hat, nicht aus. Doch die von den Rays eingeführte Taktik des Opening Pitchers hat Ryne Stanek und Ryan Yarbrough ganz nah an das noch nie dagewesene Ereignis heran gebracht. Nach dem ersten Pitch im neunten Inning war der Traum ausgeräumt. Spielverderber Alberto scorte später noch den einzigen Run für die Orioles, bevor das Spiel mit 4:1 für Tampa Bay endete.

Statistik der Woche 
5+3. Die Cincinnati Reds sind das erste Team im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, das in einem Spiel 5 Triples und 3 Homeruns erzielt hat. Gelungen ist ihnen das am Samstag während eines 17:9-Auswärtssieges bei den Colorado Rockies. Eine historische Leistung vollbrachte dabei auch Phillip Ervin, der als erster Reds-Spieler seit fast exakt 70 ein Spiel mit 6 Hits vollbrachte. Winning Pitcher der Partie war übrigens Jared Hughes. Er warf genau einen Pitch.

Spiel der Woche
Ich hatte es eingangs schon erwähnt: Das Spiel der Los Angeles Angels gegen die Seattle Mariners vom letzten Freitag war wohl das unglaublichste Ereignis des MLB-Jahres. Es war das erste Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs, obendrein der Vorabend seines 28. Geburtstages, und die Trauer um den verlorenen Teamkameraden war ominpräsent. Alle Spieler der Angels trugen Skaggs-Trikots mit der Nummer 45, den zeremoniellen ersten Pitch warf die Mutter von Tyler Skaggs – übrigens einen perfekten Strike. Von dieser Sorte warfen die echten Pitcher der Angels an dem Tag noch einige mehr, es wurde ein No-Hitter. Vollbracht haben diese Leistung Taylor Cole und Felix Pena, aber dieser No-Hitter wird für immer untrennbar mit dem Namen Tyler Skaggs verbunden sein. Eine paar weitere Kuriositäten: Die Offense der Angels erzielte 13 Runs und 13 Hits wenige Stunden vor dem 13. Juli, Skaggs Geburtstag. Es war der erste combined No-Hitter in Kalifornien seit dem 13. Juli 1991, dem Tag an dem Skaggs geboren wurde.

Mein Einschalttipp
Die Oakland Athletics sind nach dem All-Star-Break bislang das erfolgreichste Team  der Liga und haben sich in Reichweite der einst übermächtig erscheinenden Houston Astros gebracht. Ob sie ihnen ernsthaft gefährlich werden, kann sich nächste Woche weisen, wenn die Kontrahenten von Montag bis Mittwoch in Houston dreimal direkt aufeinander treffen. Mein Einschalttipp ist die Partie am Mittwoch zur besten Sendezeit ab 20:10 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung. Da es noch fast eine Woche hin ist, stehen die Starting Pitcher für das Spiel noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es auf Justin Verlander (2.98 ERA, 4.07 FIP) für Houston und Chris Bassitt (3.98 ERA, 4.42 FIP) für Oakland hinauslaufen.

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Mai 9th, 2019 by Silversurger

Die vergangene MLB-Woche stand im Zeichen einiger beeindruckender Pitcher-Leistungen. Mike Fiers, Noah Syndergaard, Kyle Hendricks und Hyun-Jin Ryu legten allesamt Auftritte hin wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt. Auf jede davon gehe ich später in diesem Grand Slam am Donnerstag noch etwas ein, doch zunächst wie üblich der Blick auf die Zwischenstände in den einzelnen Divisionen:

American League
Die Boston Red Sox (19-19) sind zurück. Das ist die wichtigste Nachricht aus der American League East, auch wenn dort – völlig verdient – nach wie vor die Tampa Bay Rays (23-13) vorne stehen. Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen haben sich die Red Sox aus dem Loch gegraben, in dem sie die ersten Wochen der Saison verbracht hatten. Ein nervenaufreibender 2:1-Sieg über die Baltimore Orioles (13-24) in der vergangenen Nacht brachte sie erstmals seit Saisonbeginn wieder zu einer ausgeglichenen Bilanz. Da gleichzeitig die Toronto Blue Jays (15-22) deutlich abgebaut haben, sieht es in der AL East nun so langsam nach dem erwarteten Dreikampf zwischen Tampa Bay, den New York Yankees (21-15) und den Red Sox aus. Für Letztere dürfte es recht gelegen kommen, dass die Rays und die Yankees an den beiden kommenden Wochenenden insgesamt sechsmal gegeneinander antreten müssen (siehe „Einschalttipp“).

In der AL Central darf man wohl so langsam daran glauben, dass die Minnesota Twins (23-12) „for real“ sind. Mit einer Siegquote von 65,7% führen sie nach wie vor die gesamte MLB an und der Abstand auf die verletzungsgeplagten Cleveland Indians (19-16) wächst langsam, aber beständig. Beide Teams haben in den nächsten Wochen Spielpläne, die recht lösbar aussehen – was in einer Division mit den drei Rebuildern Detroit Tigers (16-17), Chicago White Sox (16-19) und Kansas City Royals (13-25) nichts Ungewöhnliches ist.

Auch die AL West sieht zurzeit nicht nach einer besonders wettbewerbsstarken Division aus. Die Houston Astros (22-15) sind hier die einzige Konstante und es ist zu vermuten, dass sie eine auf Dauer recht einsame Saison erleben werden. Hinter den Astros stehen lediglich die Seattle Mariners (20-19) noch bei einer knapp positiven Bilanz, doch zehren sie dabei immer noch von ihrem längst vergangenen Traumstart in das Jahr. Von den letzten zehn Spielen gingen acht verloren und in den nächsten zehn lauten die Gegner achtmal Yankees, Red Sox oder Twins. Die Texas Rangers (17-17) halten sich bislang überraschend wacker, müssen nun allerdings für vier Spiele nach Houston.

National League
Die National League East war allgemein als besonders umkämpfte Division erwartet worden, doch zurzeit sieht es ganz so aus als könnten die Philadelphia Phillies (21-15) sich frühzeitig vom Rest des Feldes absetzen. Sie sind momentan das einzige Team der NL East mit einer positiven Bilanz und ebenfalls das einzige mit einem positiven Run Differential. Die Atlanta Braves (16-17) wurden auf der ersten Hälfte ihrer Westküstenreise von den Dodgers gesweept und müssen als nächstes nach Arizona. Bei den Dodgers müssen nun die Washington Nationals (14-22) antreten, bevor die Nationals in den nächsten zwei Wochen insgesamt siebenmal auf die New York Mets (17-20) treffen. Je nach Ausgang dieser Duelle kann es sein, dass entweder die Mets oder die Nationals die Saison dann schon so ziemlich abhaken können. Die Miami Marlins (10-26) haben das längst getan.

So schnell kann es gehen im Baseball: Letzte Woche waren die St. Louis Cardinals (21-16) noch die unumstrittenen Überflieger der NL Central. Doch dann ließ man sich im Spitzenduell von den Chicago Cubs (21-13) sweepen, verlor zudem zwei von drei Partien gegen Philadelphia und schon findet man sich nur noch auf Platz drei wieder. Zwischen die Cubs und die Cardinals haben sich die Milwaukee Brewers (23-16) geschoben, die gegen die Mets und die Nationals sechs Spiele in Folge gewonnen haben. Am Wochenende steht schon wieder eine Spitzenserie an: Die Cubs erwarten die Brewers für drei Spiele. Die Cardinals haben derweil mit den Pittsburgh Pirates (17-16) einen Gegner, den man ebenfalls noch nicht abschreiben kann.

Die Los Angeles Dodgers (25-14) sind zurzeit das erfolgreichste Team der NL und vor allem zu Hause eine Macht. 15 Siege und nur 4 Niederlagen sind eine Heimbilanz, mit der in der MLB kein Team auch nur ansatzweise mithalten kann. Ihre drei jüngsten Heimserien haben die Dodgers allesamt gesweept, und zu ihrer Freude finden die nächsten sechs Spiele ebenfalls im Dodger Stadium statt – vier gegen die Nationals, zwei gegen die San Diego Padres (21-17). Zwischen den Dodgers und den Padres stehen in der NL West die Arizona Diamondbacks (21-16). Die D-Backs sind für mich eine der großen Überraschungen der bisherigen Saison. An ihrer Stelle hatte ich eher die Colorado Rockies (16-20) erwartet, die letztes Wochenende das direkte Duell in Arizona 1:2 verloren und auch sonst bisher eher enttäuscht haben. Wegen miesen Wetters in Colorado konnten die Rockies diese Woche bislang nur ein Spiel absolvieren und auch das verlief mit 4:14 gegen die San Francisco Giants (16-20) wenig ermutigend.

Szene der Woche
Die Offensive im Slump, der Bullpen unzuverlässig? Für Noah Syndergaard, Starting Pitcher der New York Mets, war das im Spiel gegen die Reds am Donnerstag kein Problem, er machte dann eben alles alleine. Und „alles“ bedeutet nicht nur, dass er über volle neun Innings ging und keinen Run zuließ. Nein, er musste auch den einzigen Run seines eigenen Teams noch selbst per Solo-Homerun beisteuern. Dieser Homerun ist meine Szene der Woche:

Statistik der Woche 
81. So viele Pitches benötigte Kyle Hendricks am Freitag, um für die Chicago Cubs die kompletten neun Innings gegen die St. Louis Cardinals zu absolvieren. Er ließ vier Hits, aber keine Runs zu beim 4:0-Erfolg seines Teams. Man nennt so ein Spiel (ein Complete-Game-Shutout mit weniger als 100 Pitches) einen Maddux. Ein solcher gelang auch Hyun-Jin Ryu am Dienstag. Er brauchte 93 Pitches, um die Atlanta Braves abzufertigen und den Los Angeles Dodgers einen 9:0-Sieg zu ermöglichen.

Spiele der Woche
Die Saison 2019 hat ihren ersten No-Hitter: Mike Fiers gelang das Kunststück am Dienstag beim 2:0 seiner Oakland Athletics gegen die Cincinnati Reds. Obwohl er nur zwei Walks und sonst keine Baserunner zuließ, war Fiers vom Pitch-Count her bei weitem nicht so effektiv wie Hendricks und Ryu: 131 Pitches brauchte er, um das Spiel zu Ende zu bringen. Das waren die meisten Pitches in einem No-Hitter seit… Mike Fiers im August 2015! Damals warf er 134 Pitches gegen die Dodgers beim ersten No-Hitter seiner Karriere. Fiers ist erst der 35. Pitcher der Geschichte mit zwei MLB-Spielen ohne erlaubten Hit.

Das Spiel der San Francisco Giants gegen die Cincinnati Reds vom Montag hatte zwar nicht das sportliche Niveau der zuvor genannten Partien, aber dafür wartete es mit so vielen kuriosen Situationen auf, dass ich es hier nicht unerwähnt lassen möchte. Los ging es damit schon vor dem Spielbeginn, welcher sich durch eine Bieneninvasion verzögerte und Derek Dietrich als Kammerjäger auf den Plan rief. Später schrieben die Giants-Pitcher Pat Venditte und Sam Dyson Geschichte, als sie – augenscheinlich unabsichtlich – vier gegnerische Spieler in einem Inning abwarfen und damit den MLB-Rekord einstellten. Besser machte es ihr Teamkamerad Pablo Sandoval: Der Third Baseman pitchte ein sauberes neuntes Inning in dem Spiel, in dem er zuvor einen Homerun geschlagen, eine Base gestohlen und ein Highlight-Play im Feld produziert hatte. Genützt hat es den Giants letzten Endes wenig, denn sie gingen mit 4:12 unter gegen die Reds, für die Newcomer Nick Senzel mit zwei Homeruns brillierte.

Mein Einschalttipp
Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees gelten als positive Überraschungen der bisherigen Saison – die Rays, weil sie hervorragend dastehen und vor allem im Pitching den Rest der Liga alt aussehen lassen; die Yankees, weil sie trotz enormen Verletzungspechs immer noch vorne mitspielen. Am Wochenende kommt es zum ersten Mal in dieser Saison zu einem direkten Aufeinandertreffen der beiden Divisionsrivalen. Gleich im ersten Spiel am Freitag schicken beide ihre bislang besten Starter auf den Mound: Für die Yankees tritt Domingo German (2.35 ERA, 2.72 FIP) an, für die Rays Tyler Glasnow (1.47 ERA, 2.40 FIP). Die Partie könnt ihr ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht auf Samstag sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen.

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Mai 6th, 2019 by Silversurger

Wer am vergangenen Wochenende und dem vorhergehenden Maifeiertag die Baseball-Bundesliga verfolgt hat, musste sich vermutlich mehrfach verwundert die Augen reiben. Irgendwas war anders als sonst, das zeigte sich vor allem an der unglaublich großen Anzahl von Runs, die erzielt wurden: 569 Zähler gingen in 32 Spielen über die Platte, das sind 17,8 Runs je Partie. Zum Vergleich: Üblich ist in der Bundesliga, seit Jahren relativ stabil, ein Durchschnitt von rund 11 Runs pro Spiel.

Man könnte auf die Idee kommen, der Spielplan hätte in den letzten Tagen besonders viele einseitige Spiele vorgesehen und dadurch die Offensiv-Feuerwerke hervorgerufen. So war es allerdings nicht. Auf dem Plan stand eine ziemlich gewöhnliche Mischung aus Paarungen mit großem Leistungsgefälle (z. B. Bremen vs. Bonn, Solingen vs. Wesseling) sowie solchen auf Augenhöhe in den oberen (z. B. Regensburg vs. Mannheim, Heidenheim vs. Mainz) oder in den unteren Tabellenregionen (z. B. Ulm vs. Saarlouis, Bremen vs. Köln). Die wundersame Run-Inflation zog sich durch sämtliche Arten von Duellen und traf (fast) alle Teams: Die Solingen Alligators sind unter den 16 Klubs der einzige, der nicht an mindestens einem Spiel mit mindestens 20 Runs beteiligt war.

Ganz unerklärlich ist der statistische Ausreißer der letzten Tage nicht. Mir erscheint es jedenfalls mehr als plausibel, dass hinter dem Phänomen eine allseitige Pitcher-Knappheit steckt. Vier Spiele innerhalb von vier bis fünf Tagen, mit dem vorhergehenden Wochenende sechs Spiele innerhalb von acht Tagen – das ist Alltag für MLB-Teams, aber eine komplett ungewohnte Belastung für die Bundesligisten. Viele von ihnen haben genau zwei Leute an Bord, die fähig und gewohnt sind, auf diesem Niveau einmal pro Woche sechs, sieben Innings zu pitchen. Dazu kommen im günstigen Falle zwei, drei Reliever, die für ein paar Innings einspringen und zur Not auch mal einen Start übernehmen können. Im weniger günstigen Fall kommt man als Coach eines Bundesligateams in solch intensiven Tagen noch schneller an den Punkt, an dem die Entscheidung richtig unangenehm wird: Verheizt man seine Starter, indem man sie mit nur zwei Tagen Pause erneut antreten lässt? Wirft man 17-, 18-jährige Nachwuchsspieler ins kalte Wasser? Oder schickt man Positionsspieler auf den Mound, um irgendwie die Innings rumzukriegen? Keine der drei Optionen ist dem sportlichen Niveau, das man den Zuschauern und sich selbst bieten möchte, besonders zuträglich. Verrückte Ergebnisse wie die der vergangenen Tage sind die logische Folge.

Es ist ein bisschen schade, dass die Bundesliga sich auf diese Weise selbst beschädigt. Ich möchte es aber mit der Kritik nicht übertreiben, denn dass die Spiele dieses Jahr in einen so engen Terminplan gequetscht wurden, kann man der Ligaleitung kaum zum Vorwurf machen. Es ist vielmehr eine bedauerliche Notwendigkeit, weil durch die Baseball-EM und die Olympia-Qualifikation das Zeitfenster für die Bundesligasaison sehr viel kleiner ist als in anderen Jahren.

Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen kehrt nun zumindest für ein paar Wochen wieder Normalität ein in den Spielrhythmus der Bundesliga. Um Christi Himmelfahrt herum wartet Ende Mai / Anfang Juni jedoch erneut eine Hammerwoche auf die höchste deutsche Spielklasse.

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April 25th, 2019 by Silversurger

Was für eine spannende Saison: Letzte Woche konstatierte ich an dieser Stelle noch, dass ein Team – die Tampa Bay Rays – in seiner Division bereits mit 5,5 Spielen Abstand vorne liegt. Seitdem hat sich die Lage dahin entwickelt, dass alle Erstplatzierten der sechs Divisionen zusammen nur noch fünf Spiele Vorsprung auf die Zweiten haben. Das Team der Stunde sind die Yankees, die seit letzter Woche jedes Spiel gewonnen haben. Einen noch größeren Erfolg haben die Oakland Athletics abseits des Platzes erzielen können: Sie konnten ihren Star-Slugger Khris Davis bis 2021 an sich binden. 33,5 Millionen für zwei Jahre sind aus Teamsicht ein ziemliches Schnäppchen. Davis hatte sich von vornherein dazu bekannt, in Oakland bleiben zu wollen und dafür auch weniger Gehalt zu akzeptieren als er woanders verdienen könnte.

American League
Die Tampa Bay Rays (16-9) sind von der Bilanz her nach wie vor das beste Team nicht nur der American League East, sondern der gesamten MLB. Doch ihre Dominanz bröckelt unübersehbar: Gegen den einen Favoriten in der Division, die Boston Red Sox (10-15), mussten die Rays diese Woche einen Drei-Spiele-Sweep einstecken. Der andere Favorit, die New York Yankees (14-10), legte derweil sechs Siege in Folge hin – obwohl seine Verletzungsmisere unvermindert anhält: Catcher Gary Sanchez ist zurück im Lineup, dafür mussten nun die Outfielder Aaron Judge und Clint Frazier auf die Inury-List gesetzt werden. Die Yankees stehen nun nur noch 1,5 Spiele hinter den Rays und der Vorsprung kann heute Nacht auf ein einziges Spiel schmilzen, wenn sie auch Spiel vier gegen die Angels gewinnen, während die Rays spielfrei sind. Danach müssen die Rays nach Boston, um erneut dreimal gegen die Red Sox anzutreten. Für die Toronto Blue Jays (11-14) steht morgen das wahrscheinlich interessanteste Ereignis des Jahres an, denn Vladimir Guerrero Jr. soll zu seinem ersten MLB-Einsatz kommen (siehe „Einschalttipp“).

An der Spitze der AL Central liefern die Minnesota Twins (13-9) und die Cleveland Indians (13-10) sich ein äußerst enges Rennen. Es wird in den nächsten Wochen ein Fernduell bleiben, denn ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten steht erst im Juni an. Die nächsten größeren Prüfsteine für beide sind die Astros: Die Indians müssen ab heute zu vier Spielen in Houston antreten, anschließend kommen die Astros für vier Spiele nach Minnesota. Ein etwas kurioser Fall sind die drittplatzierten Detroit Tigers (12-11): Ihre 76 erzielten Runs sind in der AL mit Abstand die wenigsten und das Run Differential mit -15 klar negativ. Dennoch bringen sie es auf eine knapp positive Bilanz. Man kann das auf eine besonders effektive Spielweise zurückführen, aber wahrscheinlich ist es eher Glück und gleichzeitig ein Hinweis, dass man sich mittelfristig eher im Bereich der Chicago White Sox (9-14) und der Kansas City Royals (8-17) einordnen wird.

Wie gerade schon erwähnt, haben die Houston Astros (15-9) eine schwierige Woche vor sich, da sie nun nacheinander gegen die beiden Top-Teams der AL Central antreten müssen. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass ihre beiden engsten Verfolger in der AL West zurzeit nicht den Eindruck erwecken, ihren guten Saisonstart auf Dauer fortzuführen: Die Seattle Mariners (16-11) haben sich gerade von den Padres sweepen lassen und die Texas Rangers (12-11) von den Oakland Athletics (14-13). Als nächstes treffen die Mariners und die Rangers viermal aufeinander, nehmen sich also in irgendeiner Konstallation gegenseitig die Punkte weg. Keine schlechten Voraussetzungen für die Athletics, das Feld von hinten aufzurollen – wozu sie allerdings eine ungeliebte Reise an die Ostküste (Toronto, Boston, Pittsburgh) erfolgreich gestalten müssen.

National League
Die National League East erweist sich bislang als der allseits erwartete Vierkampf. Nach 2:1 Siegen der New York Mets (13-11) über die Philadelphia Phillies (13-11) stehen beide nun gleichauf an der Spitze, unmittelbar gefolgt von den Atlanta Braves (12-11). Die Washington Nationals (11-12) fallen nach vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen ein bisschen ab. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Trend sich in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzt, denn die Nationals haben ein sehr anstrengendes Programm vor sich (Padres, Cardinals, Phillies, Brewers, Dodgers…).

In der NL Central ist zurzeit eine Menge Bewegung. An der Spitze stehen nach fünf Siegen in Folge inzwischen relativ klar die St. Louis Cardinals (15-9). Die Verfolgerplätze teilen sich zwei Teams, die offenbar in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Chicago Cubs (12-10) arbeiten seit zwei Wochen hart und erfolgreich daran, ihren Fehlstart in die Saison vergessen zu lassen, zuletzt gewannen sie Serien gegen die Diamondbacks und die Dodgers. Den Pittsburgh Pirates (12-10) hingegen scheint nach einem unerwartet starken Saisonbeginn etwas die Luft auszugehen. Vier Niederlagen hintereinander mussten sie einstecken, das Run Differential ist inzwischen in den negativen Bereich gerutscht und gegen Arizona musste das bis dato überragende Pitching einmal elf und einmal zwölf Runs einstecken. Ebenfalls abgerutscht sind die Milwaukee Brewers (13-13), die sieben der letzten acht Spiele verloren. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben sie sich eine Neuverpflichtung gegönnt: Starting Pitcher Gio Gonzalez kehrt für 2 Millionen Dollar für den Rest der Saison zurück nach Milwaukee.

Die engste Division, wenn man nach dem Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Platz geht, ist die NL West. Die Los Angeles Dodgers (15-11) sind zwar immer noch das Maß der Dinge, doch die Division ist in den letzten Tagen spürbar zusammengerückt. Möglich gemacht haben das zwei Niederlagen der Dodgers bei den Cubs, während die Arizona Diamondbacks (14-11), die San Diego Padres (14-11) und die San Francisco Giants (11-14) in den letzten Tagen jeweils drei Siege in Folge einfuhren. Auch die Colorado Rockies (11-14) sind im Kommen, sie haben genau wie die Diamondbacks acht der letzten zehn Spiele gewonnen.

Szenen der Woche
Dass Justin Bour gern mal auf das Erreichen einer Base verzichtet, haben wir letzte Woche schon gesehen. Diese Woche leistete Bour sich erneut die Hauptrolle in einem kuriosen Moment. Er schlug – bei einem Out und vorhandenem Runner auf der ersten Base – einen Popup im Infield und verzichtete darauf, zur Base zu laufen. Ein schwerer Fehler, den die Mariners eiskalt bestraften: Sie ließen den Ball auf den Boden fallen und sammelten dann durch Würfe an die zweite und die erste Base gemütlich ein Doubleplay ein. Die Szene eignet sich in mehrfacher Hinsicht als Lehrvideo: erstens dafür, warum man immer zur ersten Base rennen sollte, nachdem man den Ball ins Feld geschlagen hat; zweitens dafür, dass die Infield-Fly-Regel nicht gilt, solange nur ein Baserunner vorhanden ist.

Ein weiteres ungewöhnliches Doubleplay kann ich nicht unerwähnt lassen: Zuerst gelang es Athletics-Centerfielder Ramon Laureano, einen scheinbar sicheren Homerun von Teoscar Hernandez noch vom Zaun zu pflücken. Derweil war Justin Smoak von der ersten Base bereits losgelaufen, kehrte korrekterweise wieder zurück, lief dann aber nach einem zu weit geratenen Wurf erneut Richtung zweite Base und wurde dort schließlich von Jurickson Profar erwischt. Hier also der zweite frühe Kandidat für das Doubleplay des Jahres:

Statistik der Woche 
59. So viele Homeruns haben die Baltimore Orioles in dieser Saison schon zugelassen und damit einen Rekord aufgestellt, auf den sie sicher gern verzichten würden. Es sind die meisten Homeruns, die je ein Team innerhalb eines Monats erlaubt hat. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: In den Split-Statistiken werden üblicherweise März und April zusammengefasst. Ohne die vier Homeruns, die die Orioles schon im März kassiert haben, stehen sie diesen Monat bei „nur“ 55 und somit bei zwei weniger als die Oakland Athletics im Mai des Jahres 1964. Aber diese Spitzfindigkeit wird sich vermutlich bald in Luft auflösen, denn die Orioles haben noch fünf Spiele im April.

Spiel der Woche
Nichts fühlt sich besser an als ein Comeback-Win, insbesondere wenn man vorher eine Serie von Niederlagen einstecken musste. Als die Braves am Samstag in das Spiel gegen die Indians gingen, hatten sie viermal hintereinander verloren – zuletzt am gleichen Tag im ersten Teil des Doubleheaders. Und es schien einfach so weiterzugehen mit dem Absturz der Braves, die ihren Starter Touki Toussaint schon nach 1.1 Innings und sieben verschuldeten Runs vom Mound nehmen mussten. Ersatzmann Shane Carle, der als 26. Mann in den Kader des Doublheader-Tages geholt worden war, gelang es, mit 3.2 scorelosen Innings die Blutung zu stoppen und den Spielstand bei 0:7 einzufrieren. Mit einem Run im fünften und zwei im siebten Inning schien Atlantas Offensive zunächst nur Ergebniskosmetik zu betreiben. Doch im Endeffekt war das die Grundlage, im neunten Inning die Wende herbeizuführen. Clevelands Reliever Adam Cimber ließ drei Walks und ein Single zu, sein Nachfolger auf dem Mound Tyler Olson walkte seinen ersten und einzigen Batter. Cody Anderson kam rein, um beim Stand von 7:6 und zwei Outs gegen Ronald Acuna den Sack zuzumachen, doch dem gelang stattdessen ein Double, welcher das Ergebnis auf 8:7 für die Braves drehte. Closer A. J. Minter sorgte mit drei Strikeouts in der unteren Hälfte des Innings für das seltene Gefühl, dass die Braves stolz auf ihren Bullpen sein durften.

Mein Einschalttipp
Die Toronto Blue Jays spielen gegen die Oakland Athletics. Das klingt – sofern man nicht ein großer Anhänger eines der beiden Teams ist – nicht nach einem Matchup, dem man entgegenfiebert. Aber diesen Freitag schaut die Baseballwelt gespannt auf das Debüt von Vladimir Guerrero Jr. Der Nachwuchsspieler der Blue Jays hat die Minor Leagues dominiert und wird seit Monaten massiv gehypet als der nächste große Star der MLB. Nun ist endlich der lang ersehnte Call-up erfolgt und Vlad Jr. darf zeigen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Partie beginnt Freitagnacht um 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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April 14th, 2019 by Silversurger

Die Bonn Capitals (5-1) sind wieder voll in der Erfolgsspur: Am ersten Spieltag der Baseball-Bundesliga gab der Titelverteidiger noch überraschend ein Spiel gegen die Hamburg Stealers (4-2) ab – es war seine erste Niederlage in einem regulären Saisonspiel seit 2017. Nach zwei klaren Siegen gegen die Dohren Wild Farmers (2-3) gewannen die Bonner heute auch beide Spiele gegen den Erzrivalen Solingen Alligators (4-2). Damit sind die Capitals zurück an der Tabellenspitze.

Den Spitzenplatz teilen die Capitals sich mit den Untouchables Paderborn (5-1). Der Spielplan war bislang recht vorteilhaft für die Untouchables, die vier ihrer Siege gegen Aufsteiger Wesseling Vermins (2-4) und die Bremen Dockers (0-6) einfuhren. In den nächsten beiden Wochen warten auf Paderborn zuerst in Bonn und dann gegen Solingen die echten Prüfsteine.

Nur einen Sieg haben bislang die Cologne Cardinals (1-4) auf dem Konto. Die beiden Niederlagen gegen Hamburg an diesem Wochenende waren jedoch äußerst knapp, im ersten drehten die Stealers sogar einen 0:8-Rückstand. Nächste Woche dürften sowohl die Kölner gegen Wesseling als auch die Hamburger gegen Bremen gute Chancen auf Zählbares haben.

An der Spitze der Süd-Gruppe der Bundesliga herrschen nach drei Spieltagen überraschend klare Verhältnisse: Die Mainz Athletics haben sechs von sechs Spielen gewonnen und führen bereits mit zwei Siegen Vorsprung vor den Haar Disciples und den Mannheim Tornados (jeweils 4-2). Der Pflichtaufgabe gegen die Saarlouis Hornets (0-6) entledigten die Mainzer sich an diesem Wochenende mit 6:1 und 3:0. Überragend waren bei den A’s vor allem die Pitcher, die in beiden Spielen zusammen lediglich drei gegnerische Hits zuließen, sowie Slugger Austin Gallagher (2 Homeruns, 1 Double, 6 RBI).

Die Heidenheim Heideköpfe und die Regensburg Legionäre, eigentlich jedes Jahr die Top-Favoriten im Süden, kommen bislang nur auf ausgeglichene Bilanzen von 3-3. Die Heideköpfe konnten bisher keine Serie gewinnen, mussten sich gegen Stuttgart, Haar und jetzt auch im vermeintlichen Spitzenduell mit Regensburg mit Splits begnügen.

Neben Mainz sind die positive Überraschung der ersten Wochen die Ulm Falcons (2-4): Sie wurden gemeinsam mit Saarlouis als Abstiegskandidat gehandelt, haben aber nun schon sowohl gegen die Stuttgart Reds (2-4) als auch gegen Mannheim je einen Sieg entführen können.

Am Osterwochenende steht im Norden das Spitzenduell Bonn gegen Paderborn an. Im Süden steigt die interessanteste Serie zwischen Heidenheim und Mannheim, die beide darum kämpfen müssen, dass ihr Kontakt zur Spitze nicht abreißt.

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März 29th, 2019 by Silversurger

Das war gestern ein großartiger Opening Day in der MLB, aber wisst ihr was heute ist? Opening Day! Auch die Baseball-Bundesliga startet in die Saison 2019. Los geht es gleich mit einem echten Klassiker der Südstaffel: Die Mainz Athletics empfangen die Regensburg Legionäre zu einem Freitagabendspiel. Der erste Pitch im Stadion am Hartmühlenweg fliegt um 19 Uhr. Am Samstag und am Sonntag greifen dann auch alle anderen der insgesamt 16 Bundesliga-Teams mit je zwei Spielen ins Geschehen ein.

Der Zeitrahmen für die Saison ist dieses Jahr enger als gewohnt. Im September findet die Baseball-Europameisterschaft in Bonn und Solingen statt und später noch ein Olympia-Qualifikationsturnier in Italien. Daher wird die reguläre Saison schon Mitte Juni abgeschlossen und der Deutsche Meister soll spätestens am 17. August feststehen. Das ist dem Spielplan nach machbar, aber es gibt dieses Mal nicht viele Ausweichtermine, wenn zum Beispiel wetterbedingt Spiele ausfallen.

Mit einer ausführlichen Preview auf alle Teams, wie ich sie für die MLB geschrieben habe, kann ich euch zur Baseball-Bundesliga leider nicht beglücken, da ich die Klubs nicht so detailliert einschätzen kann. Vieles hängt von den drei, vier (meist amerikanischen) Importspielern ab, die jeder Klub sich gönnt, und wer bei deren Verpflichtung ein gutes Händchen hatte, stellt sich erst im Laufe der ersten Spieltage heraus. Einen groben Überblick traue ich mir aber zu:

Zu den Top-Favoriten zählen jedenfalls sicher wieder der amtierende Deutsche Meister Bonn Capitals sowie der Süd- und Deutsche Vizemeister Heidenheim Heideköpfe. Die Bonner Meistermannschaft ist größtenteils beisammen geblieben. Die wichtigste Änderung ist, dass Trainer Bradley Roper-Hubbert den Verein verlassen hat und durch Alex Derhak ersetzt wurde. Heidenheim musste mit Mitch Nilsson und Jay Pecci zwei etablierte Kräfte abgeben, konnte aber mit Pitcher Mike Bolsenbroek auch einen hochkarätigen Neuzugang an Land ziehen.

Neben dem klaren Favoriten Bonn gehören im Norden zu den üblichen Verdächtigen für das Rennen um die Playoffs die Solingen Alligators und die Paderborn Untouchables. Ob die Dohren Wild Farmers wieder eine gute Rolle spielen können, bleibt abzuwarten. Sie verloren ihren Trainer David Wohlgemuth sowie drei Spieler an die Hamburg Stealers. Es wäre von daher nicht unbedingt eine Überraschung, wenn die Stealers dieses Jahr eine bessere Rolle spielen als zuletzt und die Wild Farmers dafür etwas nachlassen. Für die Cologne Cardinals, die Bremen Dockers und den Aufsteiger Wesseling Vermins dürfte es in erster Linie um den Klassenerhalt gehen.

Im Süden ist wie jedes Jahr mit den Regensburg Legionären und den Mainz Athletics zu rechnen. Die Legionäre haben die Pitcher Mike Bolsenbroek und Jonathan Eisenhuth verloren, dafür aber Jan Tomek und Benji Wait geholt. Tomas Bison ist der dritte Cheftrainer innerhalb eines Jahres, der sein Glück in der Oberpfalz versucht. Bei den Mainzern hingegen setzt man auf Kontinuität. Der Kern des Teams von Spielertrainer Max Boldt ist derselbe wie in den letzten Jahren, abgesehen von den Importspielern – und selbst unter diesen ist mit Austin Gallagher wieder ein bekanntes Gesicht.

Schwer einzuschätzen sind die Mannheim Tornados, die München-Haar Disciples und die Stuttgart Reds. Bei den dreien wurden die Kader ordentlich aufgemischt und man darf gespannt sein, wie die neu zusammengesetzten Teams harmonieren. Mit dem Abstieg dürften sie eher nichts zu tun haben, dieses Thema werden voraussichtlich die Ulm Falcons und die Saarlouis Hornets unter sich ausmachen.

Einige Spiele der Baseball-Bundesliga werden per Radio- oder TV-Stream übertragen. Die entsprechenden Links finden sich dann immer auf der Homepage der Liga. Am Eröffnungswochenende gibt es die Partien zwischen den Hamburg Stealers und den Bonn Capitals sowie zwischen den Dohren Wild Farmers und den Cologne Cardinals zu sehen.

Boxscores und Statistiken zu den Spielen werden ab diesem Jahr nicht mehr von GameChanger, sondern vom neuen Partner Easyscore angeboten. Auch das neue System enthält wieder einen kostenfreien und ohne Registrierung verfügbaren Liveticker. Den werde ich heute Abend gleich mal testen. Und morgen geht es in den Ballpark. Juhu!

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März 28th, 2019 by Silversurger

Opening Day. Eine Woche nach dem „Gruß aus der Küche“ in Form der zwei Eröffnungsspiele zwischen Oakland und Seattle in Tokio beginnt heute endlich für alle MLB-Teams die Saison 2019. Da die Teams in den ersten Spielen in aller Regel ihre besten Pitcher ins Rennen schicken, stehen gleich ein paar echte Hammer-Matchups an. Die Tage vor dem Saisonbeginn waren dieses Jahr von ungewohnt vielen Vertragsverlängerungen für Top-Spieler geprägt – und leider auch vom üblichen Pensum niederschmetternder Verletzungsnachrichten. So ist die Saison für einige schon beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dallas Keuchel und Craig Kimbrel hingegen sind fit und dennoch wird ihr Saisonbeginn sich verspäten, denn beide sind am Opening Day immer noch ohne neuen Arbeitgeber.

Zwei Highlights des Eröffnungstages
Wenn es nach Monaten des Wartens endlich wieder losgeht, ist natürlich jedes Spiel ein Highlight für alle Beteiligten. Auf zwei besonders herausragende Matchups möchte ich dennoch hinweisen: In der National League trifft Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom mit den New York Mets auf den Zweitplatzierten der Cy-Young-Wahl, Max Scherzer, und die Washington Nationals. Das Spiel beginnt um 18:05 mitteleuropäischer Zeit. Sofern die Partie nach ungefähr drei Stunden beendet ist, lohnt es sich, gleich umzuschalten zur Übertragung aus Tampa Bay. Dort treten nämlich ab 21 Uhr unserer Zeit die Rays mit dem Cy-Young-Gewinner der American League, Blake Snell, gegen den Zweitplatzierten der Wahl, Justin Verlander, und die Houston Astros an. Interessantere Konstellationen hätte man sich kaum ausdenken können.

Jede Menge Vertragsverlängerungen
Der große Trend dieser Offseason oder zumindest der letzten Wochen ist der zu vorzeitigen Verlängerungen von Spielerverträgen. Es scheint derzeit sowohl bei den Klubs als auch bei den Spielern die Auffassung zu herrschen, dass man sein Schäfchen besser rechtzeitig ins Trockene bringt, statt in ein oder zwei Jahren die Ungewissenheiten der Free Agency auszutesten. Der große Paukenschlag war der Rekordvertrag von Mike Trout letzte Woche. In den folgenden Tagen schloss sich eine ganze Reihe weiterer Einigungen zwischen Starspielern und ihren aktuellen Vereinen an. Hier die wichtigsten, sortiert nach Höhe der garantierten Gehaltssummen:

Starting Pitcher Chris Sale hat für fünf weitere Jahre in Boston unterschrieben. Er erhält dafür 145 Millionen Dollar, zusätzlich zu den 15 Millionen, die ihm der bestehende Vertrag für 2019 einbringt. Von dem Geld sind 50 Millionen „deferred money“, das heißt diesen Teil erhält er von den Red Sox nicht gleich, sondern in Raten bis 2040.

Jacob deGrom hat sich mit den New York Mets auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, der allerdings eine Ausstiegsklausel für deGrom nach drei Jahren und eine Teamoption für die Mets auf ein sechstes Jahr enthält. Für die grundsätzlich vereinbarten fünf Jahre beträgt das Garantiegehalt des Pitchers 137,5 Millionen Dollar. Auch sein Vertrag enthält rund 50 Millionen Dollar, die erst mit 15 Jahren Verzögerung ausgezahlt werden.

Paul Goldschmidt hat zwar für die St. Louis Cardinals noch kein MLB-Spiel absolviert, aber der First Baseman fühlt sich bei seinem neuen Klub offensichtlich schon so wohl, dass er bereit war, sich ebenfalls für fünf Jahre zu binden. Der First Baseman, der von den Arizona Diamondbacks nach St. Louis getradet worden war, lässt sich seine Unterschrift mit 130 Millionen Dollar bezahlen.

Die Houston Astros haben sich gleich zwei Leistungsträger für die nächsten Jahre gesichert. Third Baseman Alex Bregman erhält einen Sechsjahresvertrag für glatte 100 Millionen Dollar, Starting Pitcher Justin Verlander bleibt nach seinem laufenden Vertrag für 2019 (28 Millionen) auch 2020 und 2021 in Houston und bekommt für die beiden Jahre zusammen weitere 66 Millionen.

Die Chicago Cubs behalten Starter Kyle Hendricks bis mindestens 2023 und bezahlen ihm dafür rund 63 Millionen Dollar. Sie haben sich zudem eine Teamoption auf die Saison 2024 gesichert, für die Hendricks weitere 16 Millionen bekäme.

Knebel, Souza Jr.: Saison gelaufen
Die Pechvögel der Woche sind Outfielder Steven Souza Jr. von den Arizona Diamondbacks und Closer Corey Knebel von den Milwaukee Brewers. Souza Jr. zog sich bei einem einem Slide über die Homeplate im Spring-Training-Spiel gegen die White Sox mehrere Bänderrisse im linken Knie zu. Er hatte sich gerade erst von einer anderen Verletzung zurück gekämpft und sollte einen Stammplatz im Rightfield der Diamondbacks einnehmen. Der Posten wird nun wohl von Neuverpflichtung Adam Jones übernommen.

Für Knebel deutet, nachdem sich ein seit Jahren bestehender leichter Bänderriss im Ellenbogen verstärkt hat, alles auf eine Tommy-John-Surgery hin. Wenn sich das bestätigt, wird er bis in die kommende Saison hinein ausfallen. Der Bullpen der Brewers, eigentlich das Prunkstück des Teams, hat damit schon den zweiten herben Rückschlag erlitten, denn auch Jeremy Jeffress wird mit Schulterproblemen zumindest noch einige Wochen ausfallen. Die Brewers sind nach den schlechten Nachrichten noch einmal tätig geworden und haben Reliever Alex Wilson für ein Jahr unter Vertrag genommen.

Einige weitere prominente Verletzungsopfer dieser Woche werden wohl zumindest irgendwann im Laufe der Saison wieder zur Verfügung stehen. Second Baseman Scooter Gennett von den Cincinnati Reds wird mit einer Leistenzerrung zwei bis drei Monate ausfallen. Für First Baseman Matt Olson von den Oakland Athletics lautete die Prognose nach seiner Handfraktur zunächst auf sechs bis acht Wochen Ausfallzeit. Möglicherweise rechnen die A’s aber doch mit einer längeren Pause, jedenfalls haben sie gestern mit Kendrys Morales von den Toronto Blue Jays eine Vertretung für Olson geholt. Auch Francisco Lindor fällt noch eine Weile aus. Der Shortstop der Cleveland Indians war gerade dabei, nach einer Wadenverletzung wieder Spielform aufzubauen, doch nun macht der Knöchel Probleme. Es werden neue Untersuchungen nötig, Lindors Rückkehr ins Team verschiebt sich auf bislang unbestimmte Zeit.

Was wird aus Keuchel und Kimbrel?
Es wurde auch dieses Jahr viel über die langsame und ereignisarme Free Agency geklagt, aber im Endeffekt sind doch fast alle „eindeutigen“ Major Leaguer wieder für gutes Geld bei MLB-Klubs untergekommen. Die beiden Ausnahmen sind Starting Pitcher Dallas Keuchel und Reliever Craig Kimbrel. Zumindest in der frühen Phase der Offseason gab es wohl ein paar Angebote und Verhandlungen, doch beide Pitcher konnten sich nicht mit einem Klub einigen. Es hing (natürlich) am Geld, vor allem aber auch an der Vertragslaufzeit, denn der 31-jährige Keuchel und der in Kürze ebenso alte Kimbrel bestehen auf der Sicherheit eines mehrjährigen Engagements. In den letzten Wochen wurde es um beide erstaunlich ruhig. Ich schätze, sie werden abwarten, bis der eine oder andere Klub durch Verletzungen anderer Spieler unter Handlungsdruck gerät und dann doch bereit ist, das Portemonnaie etwas weiter aufzumachen.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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