Januar 3rd, 2019 by Silversurger

Der erste Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr wird ein eher kurzer, denn wie üblich hat sich zwischen den Jahren nicht viel getan in der MLB. Zwei internationale Signings retten die Woche vor der Bedeutungslosigkeit: Der Wechsel des heiß umworbenen japanischen Pitchers Yusei Kikuchi in die USA ist perfekt und auch der Deutsche Markus Solbach erhält eine neue Chance, sich im Mutterland des Baseballs zu beweisen.

Kikuchi geht nach Seattle
Ein ganzer Haufen Teams war hinter dem 27-jährigen Kikuchi her, der allerdings bereits hatte durchblicken lassen, dass er wegen der Nähe zur Heimat ein Engagement an der Westküste bevorzugen würde. Die Seattle Mariners haben nun das Rennen um Kikuchis Dienste gemacht und hoffen, dass ihr neuer Linkshänder ähnlich stark einschlägt wie letztes Jahr Shohei Ohtani bei den Los Angeles Angels. Der Vergleich zwischen den beiden wird dieses Jahr noch oft bemüht werden, zumal sie nun in der gleichen Division gelandet sind. Im Gegensatz zum Two-Way-Phänomen Ohtani ist Kikuchi aber „nur“ ein ganz normaler, gleichwohl hochtalentierter Pitcher. Das Vertragswerk zwischen den Mariners und Kikuchi ist recht umfangreich: Der Kontrakt läuft zunächst über drei Jahre für insgesamt 43 Millionen Dollar. Anschließend haben beiden Seiten Optionen, den Vertrag zu verlängern. Der Klub kann die Zusammenarbeit auf sieben Jahre ausdehnen, wodurch die Vereinbarung ein Gesamtvolumen von 109 Millionen Dollar erhielte. Falls diese Option nicht ausgeübt wird, so kann der Spieler seinerseits zumindest ein viertes Jahr Vertragslaufzeit auslösen und damit weitere 13 Millionen verdienen.

Dodgers verpflichten Solbach
Markus Solbach erhält er bei den Los Angeles Dodgers eine neue Gelegenheit, sich an die MLB heran zu spielen. Der deutsche Nationalspieler und amtierende Deutsche Meister mit den Bonn Capitals unterzeichnete heute einen Minor-League-Vertrag. Wo genau der 27-Jährige die Saison beginnen wird, entscheidet sich, nachdem sich die Dodgers im Spring Training ein genaues Bild von ihm gemacht haben. Von 2011 bis 2016 war Solbach bereits für die Minnesota Twins und die Arizona Diamondbacks in den Minor Leagues aktiv. Zurzeit spielt Solbach noch in der Australian Baseball League für Adelaide Bite. ABL.TV überträgt regelmäßig donnerstags bis Sonntags Spiele der Liga kostenlos auf YouTube. In der Sendeplanung müsst ihr von der zweiten Zeitspalte zehn Stunden abziehen, um die Startzeit nach mitteleuropäischer Zeit zu erhalten. Morgen früh um 9 Uhr unserer Zeit gibt es beispielsweise das Spiel von Adelaide Bite bei Geelong-Korea zu sehen. Solbach wird dann leider nicht zu sehen sein, er hatte seinen Start schon heute. Er feierte seinen frisch unterzeichneten Vertrag mit einem weiteren starken Auftritt über acht Innings, in denen er nur vier Hits und einen Run zuließ.

Tulowitzki zu den Yankees
Auch die reichsten Klubs machen gern mal ein Schnäppchen: Die New York Yankees haben sich mit Shortstop Troy Tulowitzki auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Damit ist ein solider Ersatzmann für den noch bis Mitte der Saison verletzten Didi Gregorius gefunden. Tulowitzki kostet die Yankees nur das Mindestgehalt von 555.000 Dollar, da sein ehemaliger Klub, die Toronto Blue Jays, ihn entlassen hatte und noch zwei Jahre für den Rest seiner Bezüge von insgesamt 38 Millionen aufkommen muss. Die Yankees haben sich trotz der Verpflichtung von Tulowitzki ausdrücklich nicht aus dem Rennen um Top-Free-Agent Manny Machado verabschiedet.

Lucroy neuer Catcher der Angels
Die Los Angeles Angels gehören in der bisherigen Offseason zu den aktivieren Teams. Allerdings beschränken sie sich dabei bislang weitgehend darauf, Spieler mit mehr oder weniger großen Fragezeichen an Land zu ziehen und ihnen Einjahresverträge zu geben. Die Verpflichtung von Jonathan Lucroy passt perfekt in dieses Muster. Der zuletzt offensiv nicht und defensiv wenig überzeugende Catcher kommt für 3,35 Millionen Dollar. Genau wie Matt Harvey, Trevor Cahill und Justin Bour kann Lucroy eine solide Ergänzung des Rosters sein und im besten Fall etwas Gegenwert zur Trade-Deadline einbringen. Danach, dass die Angels in diesem Jahr nach den Playoffs schielen, sehen ihre Moves bislang aber in keiner Weise aus.

Blue Jays ergänzen Rotation
Der ehemalige Angel Matt Shoemaker geht zu den Toronto Blue Jays. Der 32-jährige Rechtshänder ist ein solider, jedoch recht oft verletzter Pitcher. Sein Vertrag sieht ein Grundgehalt von 3,5 Millionen Dollar vor sowie Bonuszahlungen von bis zu einer weiteren Million, abhängig von der Zahl der Innings, die er absolviert. Eine weitere Ergänzung des Pitching-Personals ist Clayton Richard, der im Tausch gegen Minor-League-Outfielder Connor Panas von den San Diego Padres kommt. Der 35-jährige Linkshänder hat Erfahrung sowohl als Starter als auch als Reliever.

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Dezember 5th, 2017 by Silversurger

Nach drei Folgen aus Asien führt uns die Baseball-Weltreise diese Woche noch ein Stück weiter weg, nämlich nach Australien. Dort beginnt gerade der Sommer und die Baseball-Saison ist in vollem Gange.

Keine Chance gegen Cricket
Wie in den meisten Staaten des britischen Commonwealth hat es Baseball in Australien schon allein deshalb schwer, weil mit Cricket eine eng verwandte Sportart sich großer Popularität erfreut. Auch Fußball, Rugby, Australian Football und Feldhockey sind sehr beliebt, sodass für Baseball nur eine recht schmale Nische im Herzen der sportbegeisterten Australier bleibt.

Dabei blickt der Baseball „down under“ durchaus schon auf eine lange Geschichte zurück: Bereits in den 1850er Jahren wurde in Victoria – vor allem von im Goldrausch zugewanderten Amerikanern – organisiert Baseball gespielt und 1897 war erstmals ein australisches Team auf einer Spieltour quer durch die USA unterwegs. Seit 1934 – mit ein paar Unterbrechungen und unter wechselnden Namen – gibt es landesweite Baseball-Ligen in Australien. Traditionell wurde Baseball in Australien als Wintersport angesehen, geschuldet dem Umstand, dass in dieser Jahreszeit die Cricket-Felder frei waren und viele Cricket-Spieler Baseball nutzten, um sich während der Spielpause ihrer Stammsportart fit zu halten. Inzwischen hat Baseball sich soweit vom Cricket emanzipiert, dass man in eigenen Ballparks spielt und zwar hauptsächlich im (australischen) Sommer.

Das Baseball-Team aus Fitzroy im Jahr 18891

Das australische Nationalteam steht in der Weltrangliste der WBSC auf Platz sieben. Nachdem es bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic 2013 noch den letzten Platz unter 16 Teilnehmern setzte, schieden die Australier 2017 zwar ebenfalls in der ersten Runde aus, schlugen sich aber erstaunlich gut in einer schweren Gruppe: Gegen China gab es einen 11:0-Sieg, gegen Kuba (3:4) und Japan (1:4) unterlag man überraschend knapp. Erfolgreicher als die Männer ist das Frauen-Nationalteam, das in der Weltrangliste auf Platz vier steht und seine größten Erfolge mit Rang zwei bzw. drei bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 feierte.

Die Australian Baseball League
Die Australian Baseball League (ABL) besteht in ihrer heutigen Form seit 2010 und umfasst die sechs auf der unten stehenden Karte zu sehenden Teams. Es handelt sich um eine Profiliga, wobei niemand von dem Geld, das er in der ABL verdient, reich wird. Die Liga wurde unter massivem Engagement der MLB aufgebaut, die bis 2016 75% der Anteile an der Organisation hielt. Inzwischen ist die Liga zu 100% in der Hand von Baseball Australia, doch die Kooperation mit der MLB ist nach wie vor sehr eng. Für sie ist der Standort Australien nicht nur wegen der potenziellen Fanbasis attraktiv sondern vor allem wegen des Wetters: Fast die Hälfte der Spieler, die in der von November bis Februar dauernden Saison aktiv sind, sind amerikanische Minor Leaguer, die auf diese Art Spielpraxis sammeln sollen, während der Baseball in der Heimat sich im Winterschlaf befindet. Auch deutsche Spieler zieht es aus diesem Grund – und wegen der Anwesenheit von MLB-Scouts – immer wieder nach down under. Derzeit ist zum Beispiel Clayton Freimuth, der vor kurzem noch im Finale um die Deutsche Meisterschaft für die Heidenheim Heideköpfe brillierte, für die Sydney Blue Sox aktiv.

Standorte der ABL2

Während der regulären Saison werden meistens Vier-Spiele-Serien von Donnerstag bis Sonnntag gespielt, je eine auswärts und eine zu Hause gegen jede andere Mannschaft. Das macht insgesamt 40 Spiele je Team. Anschließend finden die Playoffs in zwei Runden statt: Im Halbfinale treffen das beste Team auf das viertbeste und zweitbeste auf das drittbeste, jeweils in einer Best-of-3-Serie, in der das besserplatzierte Team durchgängig Heimrecht hat. Im Finale wird ebenfalls Best-of-3 gespielt, wobei das besserplatzierte Team wählen darf, ob es entweder Spiel 1 oder die Spiele 2 und 3 zu Hause spielt. Rekordmeister ist Perth Heat, das vier der bislang sieben Meisterschaften gewonnen hat. Zuletzt waren zweimal hintereinander die Brisbane Bandits erfolgreich. Beide Teams sind auch dieses Jahr gut dabei, gemeinsam mit den Melbourne Aces.

Die Spiele der ABL zogen in der vergangenen Saison durchschnittlich 818 Zuschauer ins Stadion – das ist nicht viel, aber doch ganz beachtlich angesichts dessen, dass wegen der langen Reisewege selten in nennenswerter Zahl Auswärtsfans mit von der Partie sind. Nicht zuletzt deshalb werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Diese Übertragungen sind der ultimative Tipp für alle, die in der (bei uns) kalten Jahreszeit ihr Herz mit Live-Baseball aus sonnendurchfluteten Ballparks erwärmen möchten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

Baseball an australischen Universitäten
Die australischen Universitäten messen sich jedes Jahr Ende September eine Woche lang in den Australian Unversity Games in diversen Sportarten. Seit 2004 gehört auch Baseball regelmäßig dazu. 2017 waren neun Universitäten an dem Turnier beteiligt, das Finale gewann die Griffith University mit 9:7 gegen die Queensland University of Technology.

Berühmte Spieler aus Australien
Es gibt bisher noch keinen ganz großen Starspieler aus Australien, aber immerhin haben schon zahlreiche Aussies es zu einer MLB-Karriere gebracht. Der erste war Second Baseman Joe Quinn, der von 1884 bis 1901 für diverse MLB-Teams spielte. Erst 85 Jahre später schaffte wieder ein Australier den Sprung in die Major League, als Third Baseman Craig Shipley 1986 sein Debüt für die Los Angeles Dodgers gab. Inzwischen haben 33 Australier MLB-Erfahrungen gesammelt. Aktuell in der MLB aktiv sind die Pitcher Liam Hendriks (Oakland Athletics) und Warwick Saupold (Detroit Tigers).

Warwick Saupold auf dem Mound3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: Fitzroy Library Archives (Public Domain)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Dan027 (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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November 6th, 2017 by Silversurger

Vier oder fünf Monate Verzicht auf Baseball? Kann man machen, muss man aber nicht. Auch nachdem die Bundesliga, die MLB, die japanische und die koreanische Liga ihre Pforten für dieses Jahr geschlossen haben, gibt es noch Ecken auf der Welt, in denen Baseball gespielt wird.

Am interessantesten aus Sicht eines MLB-Fans ist sicher die noch knapp zwei Wochen laufende Arizona Fall League (AFL). Seit 10. Oktober und noch bis zum Finale am 18. November spielen sechs Teams montags bis samstags um die Meisterschaft. Wichtiger als der Titel ist jedoch den meisten teilnehmenden Spielern, mit starken Individualleistungen auf sich aufmerksam zu machen, um sich für den Aufstieg in die MLB zu empfehlen. Denn die AFL gilt traditionell als Sprungbrett für Talente, die schon ganz nah an der Reife für die Big Leagues sind. Jedes AFL-Team ist fünf MLB-Franchises zugeordnet und wird mit Minor-League-Prospects aus diesen bestückt. Bewegte Livebilder gibt es leider nur selten: Ganz vereinzelt werden Spiele auf mlb.com gestreamt, in den Paketen von mlb-tv und mlb-tv ist die AFL nicht enthalten.

Bei der Suche nach weiteren Orten, an denen im Herbst und Winter Baseball gespielt wird, richtet sich der Blick naheliegenderweise nach Süden. In Kuba, Mexiko, Puerto Rico, Venezuela und in der Dominikanischen Republik ist der Spielbetrieb in vollem Gange. Liveübertragung im Internet gibt es für die meisten dieser Ligen auch, allerdings in aller Regel kostenpflichtig und nur auf spanisch. Die Meister der fünf genannten Ligen treffen sich vom 2. bis zum 8. Februar im mexikanischen Guadalajara zum Highlight der karibischen Baseballsaison, zur Serie del Caribe, um in Turnierform die Nummer eins unter den lateinamerikanischen Vereinsmannschaften zu küren.

In Australien naht der Sommer und damit auch der Beginn der Saison in der Australian Baseball League (ABL). Am 16. November, also Donnerstag nächster Woche, geht es los mit dem Eröffnungsspiel des amtierenden Meisters Brisbane Bandits gegen die Canberra Cavalry. Weil der Spielplan komplementär zu jenen der meisten Ligen auf der Nordhalbkugel liegt, zieht die ABL regelmäßig Spieler aus Nordamerika und Europa – nicht zuletzt aus der Baseball-Bundesliga – an, die sich so den Winter über fit halten und ein bisschen Geld hinzuverdienen können. Erfreulicherweise werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

 

Nachtrag: In Taiwan gibt es vom 25. November bis zum 17. Dezember die CPBL Winter League mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung. Danke an Ralf für den Tipp.

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November 3rd, 2016 by Silversurger

Ein letztes Mal für dieses Jahr dreht sich der Grand Slam am Donnerstag heute ausschließlich um die World Series. Ab nächster Woche werde ich den regelmäßigen Artikel dafür nutzen, um wieder mehr in die Breite zu schauen und zusammenzufassen, was sich während der Offseason bei den Teams der MLB tut. Ich freue mich, wenn ihr auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier reinschaut. Ich habe mir ein bisschen was ausgedacht, um die Zeit bis zum Frühjahr zu überbrücken und ich möchte auch Anregungen von euch aufgreifen. Mehr dazu im Laufe des kommenden Wochenendes.

Die World Series
Ich hatte schon zu Beginn meiner Vorschau auf die World Series geschrieben, dass es mir manchmal so vorkommt, als gäbe es ein heimliches Drehbuch für die MLB. Dieser Eindruck hat sich durch die mitreißende Serie noch verfestigt. Die Dramaturgie, dass ausgerechnet die beiden am längsten titellosen Teams aufeinander treffen; dass der Underdog aus Cleveland durch zwei Auswärtssiege auf 3:1 davonzieht; dass die Cubs durch ihrerseits drei Auswärtssiege das Ruder herumreißen; dass in Spiel 7 wiederum die Indians einen hohen Rückstand aufholen, nur um dann nach zehn Innings und einer Regenpause knapp zu scheitern; ganz abgesehen von den vielen kleinen Geschichten um Theo Epstein und Terry Francona, um Kyle Schwarber und um Coco Crisp und so weiter und so fort – das alles könnte man sich kaum besser ausdenken als es in Wirklichkeit geworden ist. Oder wie es die Kollegen von Just Baseball formuliert haben: „Disney hätte das Drehbuch abgelehnt, so cheesy ist es.“

Spiel 7 hat die gesamte vorherige Serie noch einmal getoppt. Und obwohl ich dieses Mal wegen anhaltender Erfolglosigkeit meiner Tipps darauf verzichtet hatte, einen Sieger zu prognostizieren, lag ich schon wieder daneben. Denn ich hatte aufgrund der vielen verfügbaren Top-Pitcher ein Spiel mit wenigen Runs vorausgesagt und das 8:7 war alles andere als das.

Schon der Leadoff-Hitter des oberen ersten Innings, Dexter Fowler, besorgte per Solo-Homerun den ersten Score. Den konnten die Indians im dritten Inning ausgleichen, doch die Cubs legten nach und führten zwischenzeitlich 5:1 und 6:3. Clevelands Starter Corey Kluber war deutlich anzumerken, dass er zum zweiten Mal in Folge mit verkürzter Erholungspause von nur drei Tagen pitchte. Er musste nach vier Innings und ebenso vielen earned Runs weichen, doch auch Andrew Miller war heute nicht ganz er selbst und ließ vier Hits, einen Walk und zwei Runs zu.

Auf der anderen Seite machte Kyle Hendricks seine Sache besser, wenngleich er schon nach 4.2 Innings der Ungeduld von Manager Joe Maddon zum Opfer fiel. Die Cubs brachten sich dadurch in Zugzwang, nach weiteren drei Innings von Jon Lester im achten Inning Aroldis Chapman einzuwechseln, der bereits an den Vortagen für seine Verhältnisse außergewöhnlich viele Pitches hatte werfen müssen. Es zeigte sich, dass auch ein Ass wie Chapman offenbar nicht vor körperlicher Erschöpfung gefeit ist. Jedenfalls ist das die naheliegende Erklärung dafür, dass Chapman das Spiel entglitt und unter seiner Regie die 6:3-Führung verloren ging, noch bevor er sein erstes Aus erzielte.

Mit 6:6 ging die Partie in die Verlängerung und die Indians schienen nach dem Comeback das Momentum auf ihrer Seite zu haben. Dieses wurde jedoch ein Stückweit ausgebremst durch eine Regenunterbrechung, die Chicagos Jason Heyward für eine Motivationsrede an seine Teamkameraden nutzte. Sie scheint geholfen zu haben, denn unmittelbar danach eroberten die Cubs im zehnten Inning die Führung zurück und gaben sie nicht mehr her.

Spielzug der Woche
Es fällt schwer, nach so einem großartigen Spiel und so einer großartigen Serie einen einzelnen Spielzug herauszugreifen, aber von meiner Seite aus wird diese Ehre dem Homerun von David Ross zuteil – nicht unbedingt, weil es ein besonders spektakulärer gewesen wäre und es war auch nicht der wichtigste, aber es war einfach ein genialer Abschied für den 39-jährigen Catcher der Cubs. Im letzten Spiel der Karriere die World Series gewinnen und selbst einen Homerun dazu beitragen – das ist auch wieder so ein drehbuchverdächtiger Moment.

Statistik der Woche
1 Win. Den hat sich Aroldis Chapman in Spiel 7 „verdient“ und damit dankenswerterweise dem größtmöglichen Publikum mein Lieblingsreizthema vorgeführt, nämlich den Unsinn der Win-Statistik für Pitcher. Das „Verdienen“ sah in dem Fall so aus, dass Chapman im achten Inning beim Stand von 6:3 auf den Mound kam, einen Double von Brandon Guyer und einen Homerun von Rajai Davis zuließ und nach dem neunten Inning das Spiel beim Stand von 6:6 verließ. Weil aber seine Teamkameraden im Top des zehnten Innings die beiden Runs besorgten, die letztlich den Sieg bedeuteten, und weil Chapman offiziell erst zu Beginn des Bottom des zehnten Innings ausgewechselt wurde, steht ihm der Win zu. Deswegen steht nun für alle Zeiten unter dem Ergebnis des entscheidenden Spiels, in dem die Cubs erstmals nach 108 Jahren die World Series geholt haben, dass dieses von Aroldis Chapman gewonnen wurde. An seiner Stelle wäre mir das unangenehm, aber er kann ja nichts dafür, dass es diese dämlichste aller Statistiken gibt und dass sie einen ungebrochen hohen Stellenwert genießt.

Spiel der Woche
Das kann dieses Mal nur Spiel 7 der World Series sein, über das ich mich weiter oben schon ausgelassen habe.

Spiel der kommenden Woche
Kaum zu glauben, nachdem der Baseball in den letzten sieben Monaten ein ständiger Begleiter war, aber es ist wahr: Die Saison ist vorbei. Jedenfalls in der MLB und in der Bundesliga sowieso schon lange. Deswegen gibt es dieses Mal keinen Ausblick auf ein Spiel der Woche, dafür aber ein paar Tipps, wo man in dringenden Fällen noch eine Dosis Baseball herbekommt: zum einen natürlich in unbegrenzter Menge in Konservenform, wenn man ein Abo von mlb-tv hat; zum anderen gibt es aber auch ein paar Ligen, in denen aktuell noch (oder schon) gespielt wird. Am interessantesten für den MLB-Fan ist die Arizona Fall League, in der noch bis 19. November zahlreiche potenzielle Stars von morgen (und außerdem auch Tim Tebow) Spielpraxis sammeln. Ebenfalls eine Menge Top-Proespects gibt es in den Caribbean Leagues zu sehen, die seit Oktober und noch bis Ende des Jahres in Mexiko, Venezuela, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik spielen. Und vom 17. November bis Ende Januar findet auf der anderen Seite des Globus die Australian Baseball League statt. Erfahrungsgemäß landen hier neben den Einheimischen viele Spieler sowohl aus den Minor Leagues als auch aus Europa, die im Winter unter Wettkampfbedingungen an sich arbeiten wollen. Viele Spiele der AFL werden kostenlos gestreamt.

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