November 25th, 2018 by Silversurger

Er wollte für sein Team gerade stehen und wurde zum Gespött der Liga: Am 13. Juni dieses Jahres machte sich Relief Pitcher Chris Martin auf den weiten Weg vom Bullpen ins Infield, um seine Texas Rangers in einer Keilerei mit den Los Angeles Dodgers zu unterstützen. Ein Bullpen Cart stand gerade nicht bereit, also legte der 32-Jährige einen beherzten Sprint hin, um den Fight nicht zu verpassen. Doch wie wir alle inzwischen wissen, ging die Sache schief. Auf nicht mal halbem Wege musste Martin den Ansturm abbrechen, weil es plötzlich furchtbar im Oberschenkel zwickte.

Es war sicher nicht einfach, all die bissigen Kommentare durch Journalisten, Gegenspieler und sogar die eigenen Teamkameraden zu ertragen. Doch nun kann Chris Martin sich über ein spätes Trostpflaster für seinen aufopferungsvollen Einsatz freuen: Die Leserinnen und Leser von Baseblog.de haben mehrheitlich entschieden, dass Martin die erstmals ausgelobte Auszeichnung für die dämlichste Verletzung des Jahres erhält. „Das ist der erste Award meiner Karriere. Ich bin unheimlich stolz und möchte mich ganz herzlich bei den 20 Leuten bedanken, die mir ihre Stimme geschenkt haben“, könnte Martin rein theoretisch gesagt haben, falls er jemals von der Auszeichnung erfahren hätte.

Gänzlich undemokratisch wurde übrigens der Name des Awards festgelegt: Die Idee von Leser Mat, ihn MRI-Award zu nennen, fand die sofortige Begeisterung des Blogbetreibers. Die Abkürzung steht hier für „Most Ridiculous Injury“ und spielt zugleich mit dem englischen Begriff für eine Magnetresonanztomographie (auf deutsch MRT).


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August 28th, 2018 by Silversurger

Gewonnen und verloren wird als Mannschaft, aber mehr noch als in den meisten anderen Sportarten stehen im Baseball auch die Einzelleistungen der Spieler im Blickpunkt. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA, sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler der AL und der NL, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen. Je mehr sich die reguläre Saison ihrem Ende zuneigt, umso mehr schießen die Spekulationen ins Kraut, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Hier sind meine Tipps dazu:

American League MVP
Der naturgegebene Favorit an dieser Stelle ist eigentlich immer Mike Trout von den Los Angeles Angels, der wahrscheinlich beste Baseballspieler unserer Zeit. Trout muss regelmäßig den Makel überwinden, in einem nur eingeschränkt konurrenzfähigen Team zu spielen. Daher braucht es von ihm immer eine besonders gute Saison, um trotzdem den Award als wertvollster Spieler der AL zu gewinnen. Lange Zeit sah es ganz danach aus, dass ihm dieses Jahr wieder mal eine solche besonders gute Saison gelingt, vielleicht sogar die beste aller Zeiten. Doch nun hat Trout drei Wochen Verletzungspause hinter sich und die Konkurrenz hat spürbar aufgeholt. Vor allem Red-Sox-Outfielder Mookie Betts drängt sich auf. Betts führt die AL mit 8.4 bWAR an und steht mit allen Komponenten seiner Slashline (.336/.422/.628) weit vorne in der Liga. Eine bessere On-Base-Percentage als Betts hat nur Trout (.458), und der einzige, der Betts mit einem Average von .337 und Slugging von .657 übertrifft, ist sein Teamkamerad J. D. Martinez. Martinez ist es auch, der sich mit Khris Davis von den Oakland Athletics ein Rennen um die Homerun-Krone liefert. Beide, Martinez und Davis, tragen allerdings wenig zum Defensivspiel ihres Teams bei, während Betts auch hier zu den Top-Spielern der Liga gehört.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer (8.7) knapp vor Aaron Nola (8.6), nach fWAR führt Jacob deGrom (6.9) vor Scherzer (6.0) – eine besondere Leistung des Pitcher-Trios angesichts der Tatsache, dass sie nur in jedem fünften Spiel dabei sind. Gerade deswegen werden Pitcher aber nur sehr selten zum MVP gewählt und ich schätze, dass sich auch dieses Mal ein Positionsspieler durchsetzt. Wer es sein wird, ist zurzeit noch schwer vorherzusagen, denn von den Statistiken her sind mehrere Spieler recht eng beisammen. Am Ende spielt sicher auch eine Rolle, wer von ihnen sein Team in die Playoffs führt und wer nicht. Matt Carpenter (St. Louis) und Nolan Arenado (Colorado) könnten gute Chancen haben, wenn die begonnenen Comebacks ihrer Mannschaften von Erfolg gekrönt werden. Wahrscheinlicher erscheint mir jedoch, dass der Award an Freddie Freeman geht, den unumstrittenen Führungsspieler der jungen und erfolgreichen Atlanta Braves.

American League Cy Young
Letztes Jahr sah Bostons Chris Sale lange Zeit nach dem sicheren Gewinner aus, doch mit einem starken Endspurt jagte Corey Cluber ihm den Award noch ab. Es ist nicht auszuschließen, dass es dieses Jahr ähnlich läuft. Wieder hat Chris Sale stark vorgelegt und führt haufenweise Statistiken an (1.97 ERA, 1.95 FIP, 13.5 K/9, 6.4 bWAR, 6.1 fWAR etc.), aber wieder scheint ihm gegen Ende der Saison ein bisschen die Puste auszugehen: Sale ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen auf der DL gelandet und wird noch rund 14 Tage brauchen, bevor er wieder auf dem Mound steht. Ich denke, er wird den Cy-Young-Award trotzdem bekommen, aber die Astros Gerrit Cole und Justin Verlander haben jetzt erstmal die Gelegenheit, in seiner Abwesenheit zu glänzen und das Rennen spannend zu machen. Clevelands Trevor Bauer wäre auch ein Kandidat gewesen, fällt aber ebenfalls zurzeit aus.

National League Cy Young
Hier trifft Tradition auf statistische Analyse, denn es stellt sich die Frage, ob man mit einer Bilanz von nur 8 Wins und ebenso vielen Losses die höchste Auszeichnung für einen Pitcher gewinnen darf. Es ist die Bilanz von Jacob deGrom, der mit 1.71 ERA und 2.07 FIP der beste Pitcher der NL ist. Meine Meinung ist ganz klar: Der arme Mann kann nichts dafür, dass er bei den New York Mets spielt und dass diese kaum Runs erzielen, um seine fantastischen Starts in Siege umzumünzen. Pitcher-Wins sind eine komplett unbrauchbare Statistik, und wer daran festmacht, dass Max Scherzer (16-6) oder Aaron Nola (15-3) ein würdigerer Preisträger wären, hat leider gar nichts verstanden.

American League Rookie
Der frühe Favorit für die Auszeichnung als bester Neuling war Shohei Ohtani, der japanische Two-Way-Star der Angels. Man kann nicht behaupten, dass Ohtani enttäuscht hätte, denn sowohl als Pitcher wie auch als Batter waren seine Leistungen solide bis gut. Doch Ohtanis Debütsaison wird deutlich geschmälert durch eine Verletzung, die ihn für einen Monat ganz außer Gefecht setzte und ihn bis heute vom Pitchen abhält. Zwischenzeitlich lief ihm deswegen Yankees-2B Gleyber Torres den Rang ab, der allerdings in der zweite Saisonhälfte zuerst seinerseits eine Verletzungspause einlegen musste und seit seiner Rückkehr deutlich schwächer produziert als vorher. Das öffnet die Tür für einen Überraschungskandidaten: Torres‘ Teamkamerad Miguel Andujar bringt weniger Vorschusslorbeeren mit als die beiden anderen, dafür aber mindestens genauso gute Leistungen und deutlich mehr Konstanz und Durchhaltevermögen. Andujar führt die Rookies der AL unter anderem in HRs (21), RBIs (76), AVG (.307) und bWAR (3.4) an.

National League Rookie
In der NL dürfte es auf zwei Kandidaten hinauslaufen. Juan Soto hatte sein Debüt für die Washington Nationals erst am 20. Mai, doch seitdem hat er mit 15 Homeruns in 86 Spielen, einer On-Base-Percentage von .408, einem Slugging von .507 und gutem Defensivspiel im Rightfield überzeugt. Geradezu sensationell erscheint diese Leistung angesichts der Tatsache, dass der Junge erst 19 Jahre alt ist und das AAA-Niveau der Minor Leagues komplett übersprungen hat. Soto wäre ein würdiger Rookie of the Year, Atlantas Ronald Acuna Jr. aber auch. Der 21-Jährige hat in noch weniger Spielen (76) noch mehr Homeruns (21) erzielt als Soto. Acuna kommt zwar seltener auf Base (.358 OBP), hat aber aufgrund seines stärkeren Sluggings (.570) einen etwas höheren OPS (.928 zu .915) und deutlich mehr bWAR (3.4 zu 2.0). Hinzu kommt, dass Acuna mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, weil er bei einem Contender spielt und weil er Anfang August mit einer Serie von acht Homeruns in acht Spielen aufhorchen ließ.

American League Comeback Player
Eine typische Comeback-Player-Saison erlebt Matt Duffy von den Tampa Bay Rays: Er verpasste einen Großteil der Saison 2016 und die ganze Saison 2017 mit einer Achillesssehnenverletzung. Ob er 2018 eine Rolle spielen würde, schien in den Sternen zu stehen. Doch Duffy erwies sich als ganz der Alte: ein solider Third Baseman mit guten Hitting Skills (.300/.357/.375), wenngleich – früher wie heute – mit relativ wenig Power. Weitere Kandidaten dürften SP Tyler Skaggs (Angels), SP Nathan Eovaldi (Red Sox) und SS Jurickson Profar (Rangers) sein.

National League Comeback Player
Der Comeback Award ging bisher in der Regel an Spieler, die sich entweder nach einer Verletzung oder nach einer längeren Formschwäche wieder zurück gekämpft hatten. Noch nie erhielt ihn jemand nach Rückkehr von einem Engangement im Ausland. Dieses Mal könnte das erste Mal sein und es wäre durchaus verdient, wenn Miles Mikolas die Auszeichnung erhält. Der Pitcher spielte von 2012 bis 2014 mit mittelmäßigem Erfolg für die Padres und die Rangers. Nach seiner Entlassung in Texas ging er 2015 nach Japan zu den Yomiuri Giants und entwickelte sich dort umgehend zu einem Star-Spieler, der es in drei Spielzeiten auf einen ERA von 2.18 brachte. Vor der aktuellen Saison holten die St. Louis Cardinals Mikolas zurück nach Amerika und er rechtfertigte das Vertrauen mit guten Leistungen (2.94 ERA, 3.49 FIP, 162.0 IP). Ein eher klassischer Kandidat wäre Matt Kemp. Der 33-Jährige schien dem Ende seiner Karriere nahe, als sein Trade von Atlanta zu den Dodgers im Winter als reine Sparmaßnahme eingestuft wurde und man davon ausging, dass er noch vor dem ersten Spiel entlassen würde. Doch Kemp erkämpfte sich einen Platz im Roster und spielt derzeit seine beste Saison seit 2014.

American League Manager
Manager of the Year wird man nicht unbedingt, weil man das Team mit der besten Bilanz trainiert. Man wird es, wenn man mehr aus einem Team herausholt als allgemein erwartet wurde. Von den Boston Red Sox und den New York Yankees zum Beispiel wurde, obwohl beide mit Rookie-Managern antreten, eine erfolgreiche Saison erwartet; daher hatten Alex Cora und Aaron Boone wenig Gelegenheit, die Erwartungen zu übertreffen. Ganz anders Bob Melvin, der mit den Oakland Athletics drauf und dran ist, ein regelrechtes Wunder zu vollbringen. Die A’s gingen als krasser Außenseiter in die Saison und befinden sich nun in aussichtsreicher Position, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen und obendrein den Houston Astros an der Spitze der AL West das Leben schwer zu machen. Sofern die Athletics in den restlichen Wochen keinen massiven Einbruch erleben, dürfte Melvin der Award sicher sein.

National League Manager
In der NL sind die St. Louis Cardinals der Klub, über den alle reden. Sie gingen als solides Mittelfeld-Team mit Überraschungspotenzial in die Saison, waren aber zum All-Star-Break praktisch abgeschrieben. Als Konsequenz läutete man einen Umbruch ein und entließ Manager Mike Matheny. Mike Shildt übernahm den Job als Interimsbesetzung und plötzlich läuft es unglaublich gut in St. Louis. Das ist ein geradezu perfektes Beispiel für einen Fall, in dem ein Manager den entscheidenden Unterschied macht. Wenn Shildt die Cardinals in die Playoffs führt, gehört der Award vermutlich ihm. Neben den Cardinals haben vor allem die beiden Spitzenteams der East-Division die Erwartungen übertroffen. Sollte St. Louis die Postseason verpassen, wird die Auszeichnung wohl an den Manager des Teams gehen, das die NL East gewinnt. Ich tippe auf Brian Snitker mit den Atlanta Braves, aber auch Gabe Kapler hat mit seinen Philadelphia Phillies eine bemerkenswerte Saison zustande gebracht, egal wie es am Ende ausgeht.

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November 17th, 2017 by Silversurger

Letzte Nacht wurden die beiden wichtigsten individuellen Titel für die abgelaufene MLB-Saison vergeben: Giancarlo Stanton von den Miami Marlins und Jose Altuve von den Houston Astros sind nun offiziell die wertvollsten Spieler des Jahres 2017.

Mir gefällt diese Wahl aus mehreren Gründen. Der erste Grund ist natürlich, dass die beiden es schlichtweg verdient haben. Jose Altuve ist ein sensationeller Baseballspieler und das zeigt er seit Jahren, ohne dass er dafür die verdiente Beachtung gefunden hätte. Altuve schlägt keine 30 Homeruns und seine Defense ist eher solide als spektakulär. Aber er trifft den Ball und zwar öfter als jeder andere: In jedem der letzten vier Jahre führte er die AL mit den meisten Hits an, in zwei davon auch die gesamte MLB. Sein Batting Average lag dieses Jahr mit .346 so hoch wie nie in seiner Karriere und weit vor jeglicher Konkurrenz (Zweiter der MLB war Charlie Blackmon mit .331). In Sachen Wins Above Replacement sind sich die beiden führenden Berechnungsverfahren uneinig: Laut Baseball-Reference führt Altuve die AL mit 8.3 WAR an, Fangraphs sieht ihn mit 7.5 WAR knapp hinter dem Rookie des Jahres Aaron Judge (8.2). Judge war bei den von den Baseball Writers of America (BBWA) durchgeführten Wahlen auch der engste Verfolger von Altuve. Die Entscheidung fiel aber letztlich sehr eindeutig: Auf 27 von 30 Wahlzetteln stand Altuve ganz oben, Judge nur auf zwei und ein einziger entfiel auf Jose Ramirez. Als MVP und World-Series-Sieger darf sich der 1,68 Meter kleine Altuve nun zu den ganz Großen der MLB zählen.

Giancarlo Stanton gewann die Wahl in der NL zwar ebenfalls verdient, aber nur hauchdünn vor Joey Votto von den Cincinnati Reds. Beide brachten es auf zehn erste Plätze auf den Stimmzetteln, insgesamt lag Stanton mit 302 zu 300 Punkten knapp vorne. Neben Stanton und Votto erhielten auch Paul Goldschmidt (4), Charlie Blackmon (3), Nolan Arenado (2) und Kris Bryant (1) Stimmen als MVP der NL. Stanton überzeugt vor allem mit Power: 59 Homeruns sind nicht nur führend für diese Saison, sondern auch die meisten seit dem Rekord von Barry Bonds mit 73 im Jahr 2001. Oder anders formuliert: Stanton hat die meisten Homeruns seit der Einführung von Doping-Tests in der MLB erzielt. Darüber hinaus führte er dieses Jahr auch mit 132 RBIs und mit den meisten WAR die NL an – laut Fangraphs gleichauf mit Anthony Rendon (6.9), laut Baseball-Reference gleichauf mit Max Scherzer (7.4).

Ein zweiter Grund, das Ergebnis der MVP-Wahl zu mögen, ist das Signal, das durch das ungleiche Paar der Gewählten gesendet wird. Was ich damit meine, sieht man auf den ersten Blick, wenn man sich (hier zum Beispiel) Stanton und Altuve anschaut: 1,68 Meter und 75 Kilo zu 1,98 Meter und 111 Kilo. Stanton ist der größte Spieler, der je zum MVP gewählt wurde, Altuve ist aktuell gemeinsam mit zwei anderen der kleinste Spieler der Liga. „[T]hat’s what I love about baseball — it gives the opportunity to every single guy to develop and play the game. There’s not a rule that you have to be 6-foot or you have to be real strong to play baseball and to become a good player“ – treffender als Jose Altuve selbst kann man es nicht formulieren.

Der dritte Grund, warum mir die Wahl gefällt, ist pure Eitelkeit: Ich muss zugeben, dass es sich gut anfühlt, bei einer Prognose ausnahmsweise mal fast alle Awards richtig vorausgesagt zu haben…

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September 5th, 2017 by Silversurger

Baseball ist ein Teamsport, man gewinnt zusammen und man verliert zusammen – weswegen es zum Beispiel blödsinnig ist, Pitcher-Wins und -Losses zu zählen. Aber natürlich sind es im Baseball noch mehr als in den meisten anderen Mannschaftssportarten auch immer wieder die Leistungen von einzelnen Spielern, die Aufmerksamkeit erregen und manchmal so bedeutend sind, dass sie Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Teams sehr stark mitbestimmen. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen.

Da sich die reguläre Saison dem Ende zuneigt, darf man so langsam anfangen zu spekulieren, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Bevor ich noch lange um den heißen Brei herum rede – hier sind meine Tipps:

American League MVP
In den letzten Jahren hat sich an dieser Stelle immer Mike Trout aufgedrängt, nicht zuletzt weil er regelmäßig die WAR-Statistik anführte. Trout ist meiner Ansicht nach immer noch der beste Spieler der MLB, aber dieses Jahr hatte er eine längere Verletzungspause und konnte der Saison deswegen nicht so sehr seinen Stempel aufdrücken wie man es von ihm gewohnt ist. Ganz anders Jose Altuve, bei dem dieses Jahr alles zusammenpasst: Er führt die AL sowohl mit 7.4 bWAR als auch mit 183 Hits, einem Batting Average von .354, einer On-Base-Percentage von .415, 290 Total Bases und einer OPS+ von 168 an und ist damit das Herzstück des besten Teams der Liga, der Houston Astros. So sieht für mich eine MVP-Saison aus, auch wenn Altuve mit „nur“ 21 Homeruns nichts für Power-Hitting-Fanatiker ist. Diese werden wohl eher für Aaron Judge mit seinen 38 teilweise monströsen Homeruns Partei ergreifen. Judge ist auch ein toller Baseballer, keine Frage. Aber wenn ich die Wahl hätte, wen von beiden ich lieber in meinem Team haben möchte, würde diese klar auf Altuve fallen.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer vorne – eine besondere Leistung angesichts der Tatsache, dass er als Starting-Pitcher nur in jedem fünften Spiel dabei ist und obendrein ein paar Starts durch Verletzungen verpasst hat. Erfahrungsgemäß werden Pitcher nur selten zum MVP gewählt und ich vermute, dass sich das auch dieses Mal bewahrheitet, denn in Giancarlo Stanton drängt sich eine spektakulärere Option auf. Mit bislang 53 Homeruns ist Stanton auf dem Weg zu einer historischen Saison und das Kriterium, dass er sein Team deutlich wertvoller macht als es ohne ihn wäre, trifft auf ihn wohl so sehr zu wie auf kaum einen anderen. Neben Stanton und Scherzer dürften auch Paul Goldschmidt und Joey Votto in die nähere Auswahl kommen. Bryce Harper ist wegen seiner aktuellen Verletzung vermutlich aus dem Rennen.

American League Cy Young
Chris Sale war über weite Teile der Saison der Favorit auf den Cy-Young-Award und das nicht zu Unrecht, schließlich führt er die gesamte MLB mit 189.2 gepitchten Innings, 270 Strikeouts und einem FIP von 2.20 sehr deutlich an. Allerdings hatte er in zwei seiner letzten drei Spiele schwache Starts und plötzlich steht ein Anderer im Zentrum der Aufmerksamkeit: Clevelands Corey Kluber hatte einen holprigen Start in die Saison und musste fast den ganzen Mai über pausieren. Aber in den 18 Starts seit seiner Rückkehr war er extrem dominant und brachte es auf einen ERA von 1.85. Selbst auf das gesamte Jahr gesehen liegt er mit seinem ERA von 2.56 und FIP von 2.55 inzwischen auf Platz eins bzw. zwei der AL. Es wird ein spannender Endspurt zwischen Sale und Klubwr, aber Kluber scheint zurzeit auf der Überholspur.

National League Cy Young
Lange Zeit sah es so aus, als sollte es dieses Jahr eine klare Angelegenheit für Max Scherzer werden, nachdem sein ewiger Konkurrent Clayton Kershaw längere Zeit pausieren musste. Doch rechtzeitig zur heißen Phase der Saison ist Kershaw wieder fit und bei seinem Start am Freitag sah er aus, als wäre er nie weg gewesen. Mit einem ERA von 1.95 führt Kershaw die NL an, gefolgt von Scherzer mit 2.19. Momentan sehe ich Scherzer als leichten Favoriten, weil er seinem Team 25 Innings mehr geben konnte, aber es stehen noch vier bis fünf Starts für jeden der beiden aus und das Rennen ist eng.

American League Rookie
Wie oben ausgeführt glaube ich zwar nicht, dass Aaron Judge in seiner ersten kompletten MLB-Saison den MVP-Titel abräumen kann. Der Titel des besten Rookies in der AL dürfte ihm hingegen kaum zu nehmen sein. Mit 38 Homeruns, 101 Runs, 5.7 bWAR und 154 OPS+ ist er unter den jungen Spielern eine Klasse für sich. Allenfalls Matt Olson kommt auf ein vergleichbares Niveau, welches er aber über einen viel kürzeren Zeitraum gezeigt hat. Aus diesem Grund dürfte Olson nicht mal für Platz zwei in Frage kommen, auf dem ich eher Andrew Benintendi sehe.

National League Rookie
Auch in der NL sehe ich kein spannendes Duell um die Auszeichnung als bester Rookie sondern einen sehr deutlichen Favoriten. Cody Bellinger steht kurz davor, den Rekord für die meisten Homeruns eines Rookies in der NL zu brechen. Unter den Rookie-Battern ist er dieses Jahr konkurrenzlos. Allenfalls die Pitcher German Marquez und Kyle Freeland könnten zumindest Außenseiterchancen haben, ihm den Titel streitig zu machen. Beide haben das Problem, dass sie im hitterfreundlichen Ballpark der Rockies spielen, wodurch ihre Statistiken immer ein bisschen schwächer aussehen als sie sind.

American League Comeback Player
Ich tippe auf Michael Brantley, der wegen Schulteroperationen fast das gesamte letzte Jahr verpasst hat. Vor der Saison schien völlig offen, ob er an frühere Leistungen anknüpfen kann und seinen Platz wiederfindet in einem Team, das ohne ihn die World Series erreicht hatte. Er schlägt dieses Jahr .299/.358/.445 und sieht voll und ganz nach dem Spieler aus, der er immer war. Das einzige, was seine Chancen auf den Award beeinträchtigen könnte ist, dass er derzeit erneut verletzt ist, auch wenn es dieses Mal wohl eine deutlich kleinere Geschichte ist. Ein anderer Kandidat wäre Craig Kimbrel. Bei ihm ist es etwas zweifelhaft, ob man von einem Comeback sprechen soll, denn er hatte 2016 zwar das schlechteste Jahr seine Karriere, das mit 31 Saves, 3.40 ERA und 2.92 FIP aber für die meisten anderen Pitcher ein ziemlich ordentliches Jahr gewesen wäre. Dieses Jahr ist er jedenfalls wieder der Alte mit bislang 32 Saves, 1.55 ERA und 1.33 FIP.

National League Comeback Player
Zack Greinke war in Arizona nach einer schwachen Saison 2016 mit 4.37 ERA und 4.12 FIP sowie einigen nagenden Wehwehchen schon zum Fehleinkauf abgestempelt. Doch dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren, dass die Diamondbacks die Kurve nach oben gekriegt haben und eine ganz hervorragende Saison spielen. Mit 3.08 ERA und 3.14 ERA in bislang 172.1 gepitchten Innings hat Greinke es ins All-Star-Team geschafft und ist mit 5.4 bWAR der drittbeste Pitcher in der NL. Andrew McCutchen und Greg Holland sind weitere Kandidaten für den Comeback-Award der NL.

American League Manager
Zum Manager of the Year wird man ernannt, wenn man ein Team dazu bringt, unter ungünstigen Umständen und trotz niedriger Erwartungen eine erfolgreiche Saison zu spielen. Das trifft wohl auf niemanden so sehr zu wie auf A. J. Hinch, den Manager der Houston Astros. Houston galt vor der Saison als eines von drei Teams, die mit den Texas Rangers und den Seattle Mariners um die AL West spielen könnten, doch stattdessen haben die Astros jegliche Konkurrenz schnell und dauerhaft weit hinter sich gelassen. Hinch ist es gelungen, das Lineup der Astros zur erfolgreichsten Offense der gesamten MLB zu formen und trotz diverser Verletzungen auch das Pitching auf Kurs zu halten.

National League Manager
In der NL fällt es mir schwerer, einen klaren Favoriten zu identifzieren. Dave Roberts von den Los Angeles Dodgers ist die offensichtlichste Option, denn als Manager des sowohl von den Siegen (92) als auch vom Run Differential (+189) mit Abstand erfolgreichsten Teams der Liga hat man definitiv eine Menge richtig gemacht. Der andere heiße Kandidat ist Torey Lovullo. Der nimmt zwar mit seinen Diamondbacks nur Platz zwei in der Division ein, doch dass Arizona so gut dasteht, mit einer Bilanz von 80-58 und aktuell einer Serie von elf Siegen hintereinander, hätte vor der Saison sicher niemand gedacht. Letztes Jahr hatten die Diamondbacks noch ein enttäuschendes Jahr mit 93 Niederlagen. Die größte Veränderung, die sie in der Offseason vorgenommen haben und die sich offenbar als Schlüssel zum Erfolg erwiesen hat, war die Anstellung eines neuen Managers: Lovullo.

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