November 15th, 2018 by Silversurger

Diese Woche steht der Grand Slam ganz im Zeichen der offiziellen MLB-Awards für die Saison 2018. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden in den letzten Tagen bekannt gegeben. Nun richtet sich die Spannung auf die wichtigste Einzelauszeichnung, den Most Valuable Player (MVP) in beiden Teilligen. Die wichtigsten sonstigen Nachrichten der Woche sind, dass in Baltimore eine GM-Karriere neu beginnt, in Minnesota eine bedeutende Spielerkarriere endet und die Karriere des Spitzenfunktionärs der MLB um fünf Jahre verlängert wird.

Cy-Young-Awards für Snell und deGrom
Die beiden herausragenden Pitcher des Jahres sind Blake Snell von den Tampa Bay Rays in der American League und Jacob deGrom von den New York Mets in der National League. In der AL war es ein relativ knappes Rennen zwischen Snell und Houstons Justin Verlander. Snell setzte sich am Ende mit 17 ersten Plätzen auf den 30 Wahlzetteln und mit insgesamt 169 Punkten durch, während Verlander die restlichen 13 Erstplatzierungen und 154 Gesamtpunkte hatte. Für deGrom war es eine sehr viel deutlichere Angelegenheit: 29 von 30 Erststimmen und 207 Gesamtpunkte entfielen auf ihn, der Abstand auf Washingtons Max Scherzer mit einem einzigen ersten Platz und 123 Punkten war riesig. Im Endeffekt haben sich also die Pitcher durchgesetzt, die in der populärsten Statistik – dem Earned Run Average – vorne lagen. 1.70 ERA von deGrom und 1.89 ERA von Snell ergeben das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte des Awards, dass die Preisträger in beiden Ligen einen Wert von unter 1.90 aufweisen.

Ohtani und Acuna die besten Rookies
Die Wahlen zum besten Neuling des Jahres gingen in beiden Ligen eindeutig aus. In der NL landete Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves mit 27 ersten Plätzen deutlich vor Washingtons Juan Soto und Walker Buehler von den Dodgers. Das war einigermaßen erwartbar, im Gegensatz zum Ergebnis der AL: Shohei Ohtani, Two-Way-Star als Pitcher und Batter für die Los Angeles Angels, landete auf 25 von 30 Wahlscheinen ganz vorne und ließ die Yankees-Infielder Miguel Andujar und Gleyber Torres abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei landen. Andujar galt vorher als Mitfavorit auf Augenhöhe, aber am Ende führte dann für eine Mehrzahl der Wahlberechtigten trotz Verletzung offensichtlich kein Weg vorbei an dem spektakulären Multitalent aus Japan.

Manager des Jahres sind Melvin und Snitker
Mit Bob Melvin von den Oakland Athletics und Brian Snitker von den Atlanta Braves gewannen zwei Manager die jährliche Auszeichnung, die ihre jeweiligen Teams zu überraschend starken Saisons gecoacht haben. Melvin gelang es, mit den Athletics und ihrem Low-Budget-Kader 97 Siege zu erzielen und bis in die Wild-Card-Runde der AL vorzudringen. Für diese Leistung erhielt er 18 von 30 Erststimmen. Auf Platz zwei landete Alex Cora vom World-Series-Sieger Boston Red Sox. Snitker brachte es mit seinem jungen Team auf eine Bilanz von 90-72, was genau der Kehrwert der vorherigen Saison der Braves war und für den Gewinn der NL East reichte. Bei der Wahl zum NL-Manager des Jahres kam er 17-mal auf den ersten Platz und gewann den Award knapp von Craig Counsell von den Milwaukee Brewers. Man muss an dieser Stelle noch mal herausstellen, dass alle Awards, die diese Woche vergeben wurden und noch werden, sich ausdrücklich auf die reguläre Saison beziehen. Die Wahl durch die Journalistenvereinigung BBWA fand direkt vor dem Start der Postseason statt und somit ohne Berücksichtigung von Erfolgen oder Misserfolgen in den Playoffs.

MVP-Awards folgen heute Nacht
Heute Nacht, zwischen 0 und 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit, werden die höchsten Auszeichnungen vergeben, die man als Spieler in einer Saison erreichen kann. Genau wie für die anderen Awards wurden vorher jeweils drei Finalisten bekannt gegeben. In beiden Ligen gibt es klare Favoriten und es wäre eine große Überraschung, wenn nicht Mookie Betts in der AL und Christian Yelich in der NL die begehrte Trophäe erhielten. Die anderen Finalisten – José Ramirez und Mike Trout in der AL, Nolan Arenado und Javier Báez in der NL – stehen alle mit Recht auf dem Treppchen, aber an Betts und Yelich dürfte dieses Jahr kein Weg vorbei führen. Beide dominieren sowohl die traditionellen als auch die fortgeschrittenen Statistiken und beide haben auch ihr Team zu hervorragenden Saisons geführt.

Die Orioles haben einen neuen General Manager
Den Baltimore Orioles steht nach einer katastrophalen Saison und dem Abgang diverser Topspieler ein umfassendes Rebuilding ins Haus. Die Verantwortung für dessen Umsetzung wird in die Hände von Mike Elias gelegt, der den Posten des General Managers übernimmt. Der 35-jährige Elias war bisher Assistenz-GM bei den Houston Astros und dort vor allem für Spielerverpflichtungen verantwortlich. Diesen Job hat er offensichtlich nicht ganz schlecht gemacht, denn die Astros haben unter seiner Mitwirkung die World Series 2017 gewonnen und waren auch dieses Jahr eines der stärksten Teams der Liga. Für das 115-Niederlagen-Team Baltimore ist es bis dahin noch ein weiter Weg, aber von den Astros zu lernen ist sicher kein schlechtes Rezept.

Alex Cora bleibt länger
Die Boston Red Sox hatten ihren vor der Saison neu verpflichteten Manager Alex Cora zunächst mit einem Vertrag bis 2020 plus Cluboption für 2021 ausgestattet. Nach Coras extrem erfolgreichen ersten Jahr mit der gewonnenen World Series und dem zweiten Platz als Manager des Jahres wurde er nun damit belohnt, dass sein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde. Er läuft nun fest bis 2021, anschließend hat unverändert der Verein die Option auf ein weiteres Jahr.

Joe Mauer beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der MLB, alle für die Minnesota Twins, beendet Catcher Joe Mauer seine Karriere. Mauer war für lange Zeit das Gesicht der Twins-Franchise. Er wuchs als Fan der Twins in St. Paul auf und wurde von diesen im Jahr 2001 als Nummer-1-Pick gedraftet. Er erreichte sechsmal das All-Star-Team und war 2009 MVP der Liga. 2006, 2008 und 2009 führte er die AL mit dem höchsten Batting Average an – damit war er der erste Catcher in der AL, der einen Batting-Titel gewann und der erste Catcher in der gesamten MLB, dem dies dreimal gelang. Langweilig dürfte es für Mauer zu Hause so schnell nicht werden, denn wenige Tage nach dem Verkünden seines Ruhestands wurden er und seine Frau Eltern ihrer dritten Tochter.

Fünf weitere Jahre für Manfred
In Atlanta findet derzeit ein Treffen der Teambesitzer statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Der Vertrag von Rob Manfred als Commissioner der MLB wird um fünf Jahre verlängert. Formal handelt es sich um eine Abstimmung, aber ist ganz stark zu erwarten, dass diese einstimmig zu Gunsten von Manfred ausfallen wird. Der 60-Jährige steht der Liga seit 2015 vor. In seiner Amtszeit wurden Rekordumsätze erzielt und es wurde ein neuer Rahmenvertrag mit der Spielergewerkschaft ausgehandelt, der allgemein als sehr günstig für die Teambesitzer gilt. Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der Vereine kaum etwas, das gegen eine Verlängerung seiner Amtszeit spricht.

Nur Ryu akzeptiert das Qualifying Offer
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag hatten vor 14 Tagen von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer über 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr erhalten. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal und Craig Kimbrel haben dieses Angebot allesamt abgelehnt. Das war zu erwarten, aber als Formsache mussten die Teams das Angebot unterbreiten. Damit sicherten sie sich die Chance, einen hohen Draftpick als Kompensation zu erhalten, wenn die Spieler woanders unterschreiben. Der einzige, der das Angebot angenommen hat, ist Hyun-Jin Ryu. Der südkoreanische Linkshänder bleibt somit den Los Angeles Dodgers für 2019 als Starting Pitcher erhalten. Der 31-Jährige schloss die Saison 2018 mit einem ERA von 1.97 und 3.00 FIP ab.

James Paxton auf dem Tradeblock?
Die Offseason ist immer auch die Zeit der Trade-Spekulationen. Dass gerade die Seattle Mariners unter GM Jerry Dipoto einem guten Deal (oder einem, den sie dafür halten) nie abgeneigt sind, ist ebenfalls bekannt. Von daher kann es gut sein, dass sich das aktuell heißeste Gerücht bewahrheitet: James Paxton, das aktuelle Ass der Mariners, soll für einen Trade zur Verfügung stehen. Angesichts des relativ dünnen Free-Agent-Marktes für Starting Pitcher dürfte sich eine ganze Reihe von Interessenten finden, allen voran vermutlich die Yankees und die Astros.

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Oktober 19th, 2017 by Silversurger

Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

National League
Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

American League
Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

Szene der Woche
Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

Statistik der Woche 
93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

Spiel der Woche
Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

Spiel der kommenden Woche
Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

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Juni 29th, 2017 by Silversurger

Wie doch die Zeit vergeht: In nur eineinhalb Wochen steht bereits der All-Star-Break an, sozusagen die Halbzeitpause der MLB-Saison. Als erstes Team der Liga haben die Los Angeles Angels bereits über die Hälfte ihrer Spiele (82 von 162) absolviert. Mit dem Walkoff-Win gegen ihren Lokalrivalen, die Los Angeles Dodgers, sind die Angels erfolgreich in ihre zweite Saisonhhälfte gestartet. Trotz der Niederlage sind die Dodgers derzeit die Attraktion der Liga: Mit 17 Siegen aus 20 Spielen sind sie in den vergangenen drei Wochen derart heiß gelaufen, dass sie inzwischen den Houston Astros die Rolle als stärkstes Teams der MLB streitig machen.

National League
Die Washington Nationals (47-31) spielen in der National League East seit Wochen nicht mehr als das, was Baseballer einen .500er-Ball nennen, aber das reicht locker aus, um die Divisionskonkurrenz in Schach zu halten. Immer wenn es drauf ankommt, ist die sagenhafte Offense (MLB-Spitze mit 442 erzielten Runs) zur Stelle und holt den nach wie vor schwachen Bullpen aus der Bredouille. Hinter den Nationals geht es um nicht viel mehr als die Ehre – die Ehre, in der Endabrechnung Platz zwei zu belegen, den momentan die Atlanta Braves (37-40) vor den Miami Marlins (35-41) und den New York Mets (35-42) behaupten, sowie die Ehre, am Ende vielleicht doch nicht das schlechteste Team der Liga zu sein. Momentan sind es die Philadelphia Phillies (26-51), aber zwei Siege hintereinander gegen die Mariners lassen zumindest ein ernsthaftes Bemühen erkennen.

Ein wahres Schneckenrennen bietet momentan die NL Central: Obwohl sich die Chicago Cubs (39-39) mit Mühe auf einer lediglich ausgeglichenen Bilanz halten, tasten sie sich Woche für Woche ein Stückchen näher an die Milwaukee Brewers (41-39) heran, welche sich wahrscheinlich selbst am meisten darüber wundern, immer noch an der Spitze der Division zu stehen. Die St. Louis Cardinals (36-41) und die Pittsburgh Pirates (36-42) sind noch nicht aus dem Rennen, machen auf mich aber nicht den Eindruck, dieses Jahr noch viel reißen zu können – andererseits tun das ja auch die Brewers und die Cubs nur sehr eingeschränkt und die Cincinnati Reds (33-44) sowieso nicht. Hier noch eine interessante Geschichte aus dem Lager der Cubs: Dienstagnacht ließen sich Pitcher Jake Arrieta und Catcher Miguel Montero sage und schreibe sieben Bases von den Nationals stehlen. Statt sich an die eigene Nase zu fassen, beschwerte Montero sich hinterher öffentlich über die langsame Pitching-Bewegung von Jake Arrieta – und wurde prompt aus dem Team entlassen. Irgendwie hat er das mit seinem Verhalten durchaus verdient – es zeigt aber auch, wie blank die Nerven beim Titelverteidiger angesichts der bisher höchst mittelmäßigen Saison offenbar liegen.

Vom Schneckenrennen in der NL Central kommen wir zum genauen Gegenteil in der NL West. Die Los Angeles Dodgers (52-28) und die Arizona Diamondbacks (50-29) marschieren nahezu im Gleichschritt, haben 17 bzw. 16 ihrer letzten 20 Spiele gewonnen. Die Leidtragenden dieser beiden Erfolgsserien sind die Colorado Rockies (47-34), die sich in ihrem ersten echten Slump des Jahres befinden und derzeit acht Spiele in Folge verloren haben – ungünstigerweise allesamt gegen Divisionskonkurrenz, zuletzt sogar dreimal gegen die San Francisco Giants (30-51). Am Wochenende müsste für die Rockies nun dringend ein Seriensieg über die Diamondbacks her, wenn man in dem Dreikampf um die Division nicht noch deutlicher zurückfallen will.

American League
Ich bereite Teile dieses Artikels meistens schon am Mittwoch vor und nun muss ich schon zum zweiten Mal in Folge am Donnerstagnachmittag den Text umschreiben, in dem ich vermelden wollte, dass die New York Yankees (42-34) die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (43-35) verloren haben. Ich glaube so langsam, die machen sich einen Spaß daraus, ausgerechnet Mittwochnacht immer wieder alles zu drehen – das macht mir die Yankees nicht gerade sympathischer… Was ich hingegen so erfreulich wie bemerkenswert finde ist, wie sich seit Wochen in winzigen Schritten die Tampa Bay Rays (41-39) an den Titelkampf heranpirschen. Wenn das so weitergeht, wird die AL East dieses Jahr auch über die ewig junge Yankees-Red-Sox-Rivalität hinaus eine sehr spannende Division. Zumal auch die Baltimore Orioles (38-39) sich von ihrem zwischenzeitlichen Absturz inzwischen gefangen und die Toronto Blue Jays (37-40) sich ebenfalls noch nicht aufgegeben haben.

Ebenfalls ein heißes Rennen gibt es in der AL Central, in der sich die Cleveland Indians (41-36) und die Minnesota Twins (40-36) alle paar Tage an der Spitze abwechseln. An den letzten beiden Wochenenden trafen die beiden Kontrahenten direkt aufeinander und interessanterweise haben sie sich jeweils im Auswärts-Ballkpark gegenseitig gesweept. Ob auch die Kansas City Royals (38-38) noch ein Wörtchen mitreden können, wird sich vielleicht schon über das kommende Wochenende zweigen, wenn sie viermal auf die Twins treffen. Die bis vor Kurzem noch bemerkenswerte Ausgeglichenheit der Division ist derweil Vergangenheit, denn durch anhaltend schwache Auftritte der Detroit Tigers (34-43) und der Chicago White Sox (33-44) ist inzwischen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus der AL Central geworden.

Zwei Klassen gibt es auch in der AL West: die Houston Astros (53-26) als Klasse für sich und der Rest irgendwo dahinter. Ähnlich wie in der NL East hinter den Nationals spielen die anderen Teams nur noch die Plätze untereinander aus, wobei in der AL West durchaus realistische Hoffnung auf eine Wild Card besteht. Bemerkenswerterweise halten die Los Angeles Angels (42-40) sich wacker über .500 und damit vor den Texas Rangers (39-39) und den Seattle Mariners (39-41) auf Platz zwei. Das hätte ich ihnen insbesondere wegen des Ausfalls von Superstar Mike Trout – der übrigens kurz vor oder kurz nach dem All-Star-Break zurück erwartet wird – nicht zugetraut.

Szene(n) der Woche
Diese Woche haben mich vor allem einige fantastische Catches beeindruckt. Gleich zwei davon gehen auf das Konto von Cubs-Infielder Javier Baez, beide aus dem gleichen Spiel gegen die Nationals: Zuerst klaute er Bryce Harper einen sicheren Hit durch einen hart geschlagenen Linedrive und später im Spiel sprintete er 132 Fuß (gut 40 Meter), um kurz vor der Spielfeldbegrenzung einen Foulball von Adam Lind abzufangen. Ein weiteres Highlight lieferte Reds-Outfielder Scott Schebler ab, der mit einem gigantischen Sprung einen Homerun von Brewers-Neuzugang Stephen Vogt verhinderte. Nicht ganz gelungen war ein Fangversuch von Rockies-3B Nolan Arenado, der sich gegen einen Groundball von Giants-Pitcher Ty Blach ganz lang machte, den Ball aber nicht zu fassen bekam. Umso beeindruckender war dann aber, wie er  ihn sich blitzschnell angelte und ihn im Liegen zum Aus an der ersten Base feuerte.

Statistik der Woche 
0.99. Das ist der ERA von Nationals-Pitcher Max Scherzer aus seinen 5 Starts im Juni. In 36.1 Innings hat er nur 14 Hits und 6 Walks zugelassen, was einem WHIP von 0.55 entspricht. Gleichzeitig hat er 51 Strikeouts geworfen, das sind 12.63 Strikeouts pro 9 Innnings. Den Gegnern, die es mit Scherzer in diesem Monat zu tun bekamen, erlaubte er einen Batting Average von gerade mal .114.

Spiel der Woche
Das Spiel der Cleveland Indians gegen die Texas Rangers am Montag schien frühzeitig entschieden, als die Gäste schon im ersten Inning vier Runs scorten und die Führung bis zum vierten Inning auf 9:2 ausbauten. Die Indians mussten ab dem vierten Inning auch noch ohne ihren Manager Terry Francona auskommen, der mit Herzbeschwerden in die Notaufnahme musste (glücklicherweise stellte sich heraus, dass keine ernsthafte Erkrankung vorlag). Doch die amtierenden AL-Champions weigerten sich, einfach aufzugeben und kamen mit 13 Punkten zurück, ohne weitere Runs des Gegners zuzulassen. Schon nach dem siebten Inning hatten die Indians das Spiel komplett gedreht und den 15:9-Endstand hergestellt. Der Erfolg geht wohl als geschlossene Teamleistung durch: Keiner der 15 Runs wurde als Homerun erzielt, dafür hatte jeder einzelne Batter mindestens einen Hit; alle außer Jason Kipnis hatten sogar zwei oder mehr.

Spiel der kommenden Woche
In der NL West steht mit der Serie der Rockies gegen die Diamondbacks das nächste Gipfeltreffen des spannnenden Dreikampfs an, doch nach zwei Einschalttipps aus dieser Division in Folge soll es dieses Mal etwas anderes sein: Die New York Yankees treffen übers Wochenende dreimal auf die Houston Astros zu einer bestimmt sehr attraktiven Serie. Von der Startzeit her bietet sich das Matchup am Sonntag um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Auf dem Mound werden voraussichtlich die beiden Rechtshänder Luis Severino (3.15 ERA) für die Yankees und Mike Fiers (3.98 ERA) für die Astros stehen.

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