Januar 26th, 2019 by Silversurger

Vor einigen Tagen hat die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler zur diesjährigen Aufnahme in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown gewählt wurden. Mariano Rivera hat dabei Geschichte geschrieben, denn er wurde als erster Spieler überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis gewählt. Gemeinsam mit ihm erhielten Roy Halladay, Edgar Martinez und Mike Mussina die nötige Dreiviertelmehrheit. Zudem kommen Harold Baines und Lee Smith auf Entscheidung des Era Committees in die Ruhmeshalle.

Bevor ich jeden der geehrten Spieler kurz vorstelle, bringe ich noch mal das Wahlsystem in Erinnerung: Die „normale“ Hall-of-Fame-Wahl wird durchgeführt von der Journalistenvereinigung BBWA. Wahlberechtigt sind deren Mitglieder, sofern sie der BBWA seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder von ihnen darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden. Üblicherweise sind nach diesem Verfahren jährlich 25 bis 40 Spieler wählbar.

In diesem Jahr durften 425 Wahlberechtigte über 35 Spieler abstimmen. Gewählt wurden die genannten vier Spieler. 16 kamen auf unter 5% und sind nächstes Jahr nicht mehr wählbar, ebenso wie Fred McGriff, der es beim zehnten Versuch nur auf 39,1% brachte. Spannende Fälle sind Curt Schilling (60,9%), Roger Clemens (59,5%), Barry Bonds (59,1%) und Larry Walker (54,6%). Walker war zum neunten Mal dabei und kann sich für nächstes Jahr gute Hoffnung machen. Denn typischerweise bekommen Spieler im letzten Jahr der Wählbarkeit noch einmal einen wohlwollenden Schub an Stimmen. Schilling, Clemens und Bonds waren zum siebten Mal dabei und werden wohl frühestens beim zehnten Versuch 2022 reinkommen. Zwar gehören gerade Clemens und Bonds unbestreitbar zu den besten Baseballspielern aller Zeiten, doch bei der Wahl werden sie regelmäßig abgestraft für ihren sehr wahrscheinlichen Doping-Missbrauch. Auch Schillings Leistungen waren ohne Weiteres gut genug für die Hall of Fame; bei ihm spielen charakterliche Defizite und radikale politische Äußerungen eine große Rolle dabei, dass die Wähler ihn noch schmoren lassen. Das komplette Wahlergebnis findet sich hier.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Era Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Dieses Jahr war das „Today’s Game Committee“ dran und hat während der Winter Meetings im Dezember Harold Baines und Lee Smith gewählt.

Mariano Rivera
Dass Mariano Rivera eine der großartigsten MLB-Karrieren aller Zeiten haben würde, war erst spät abzusehen: Er debütierte 1995 als 25-Jähriger für die New York Yankees und gab mit 5.51 ERA bei zehn Starts und neun Relief-Auftritten wenig Anlass für hochtrabende Erwartungen. Doch der Umstieg zum reinen Relief Pitcher brachte ihm den Durchbruch. 1997 wurde er von den Yankees zum Closer erklärt und hielt diese Rolle fortan Jahre lang fest im Griff. Mariano führt die Allzeit-Ranglisten mit den meisten Saves (652) und den meisten beendeten Spielen (952) an und schaffte es 13-mal ins All-Star-Team. Trotz überragender Saisonleistungen gelang es ihm regelmäßig, in den Playoffs noch eine Schippe draufzulegen. Sein Postseason-ERA von 0.70 in 141 Innings und seine 42 Saves in Playoff-Spielen sind mit großem Abstand führend in der MLB-Geschichte. Rivera war einer der ganz großen Faktoren dafür, dass die Yankees in seiner aktiven Zeit siebenmal die World Series erreichten und sie fünfmal gewannen.

Roy Halladay
Mit einem beachtlichen Ergebnis von 85,4% hat ein weiterer Pitcher es gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit in die Hall of Fame geschafft. Tragischerweise war es Roy Halladay nicht vergönnt, diese Ehrung zu erleben, denn Halladay starb im November 2017 mit 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Halladay war ein dominanter Starter in den 2000er Jahren und gewann mit jedem seiner beiden Teams einen Cy-Young-Award: 2003 mit den Toronto Blue Jays in der AL, 2010 mit den Philadelphia Phillies in der NL. Er pitchte in der Blüte seiner Karriere nicht nur sehr gut, sondern auch sehr ausdauernd. Achtmal brachte er es auf 220 oder mehr Innings in einem Jahr, 2003 sogar auf seitdem unerreichte 266. Man kann vermuten, dass es für Halladay ohne die tragischen Umstände knapp geworden wäre, die 75% im ersten Anlauf zu erreichen. Aber auch wenn es sonst vielleicht zwei oder drei Wahlgänge gebraucht hätte, hat er die Aufnahme in die Ruhmeshalle zweifellos verdient.

Edgar Martinez
Edgar Martinez, der seine gesamte Karriere bei den Seattle Mariners verbrachte, erlebte bei der Wahl 2019 den typischen Aufschwung des zehnten Jahres – nach neun vergeblichen Anläufen nahm er die 75%-Hürde dieses Mal mit 85,4% ganz locker. Offenbar waren nun doch viele der BBWA-Mitglieder der Ansicht, dass man den siebenfachen All-Star mit einer Karriere-Slashline von .312/.418/.515 nicht dauerhaft ignorieren darf. Martinez hatte es schwerer als viele andere, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu spielen. Das lag zum einen daran, dass er fast ausschließlich als DH spielte, und zum anderen daran, dass er – gerade für einen DH – vergleichsweise wenige Homeruns schlug. Bei Letzterem muss man Martinez zugute halten, dass er im Gegensatz zu fast allen großen Sluggern seiner Generation nie mit verbotenen Substanzen in Verbindung gebracht wurde.

Mike Mussina
Der Vierte im Bunde der frisch Gewählten ist Mike Mussina. Er übertraf mit 76,7% im sechsten Anlauf gerade so die Schwelle. Der Pitcher, dessen 18 Jahre lange Karriere sich auf die Baltimore Orioles und die New York Yankees aufteilte, gewann nie einen Cy-Young-Award und nie eine World Series. Er überzeugte generell weniger mit einzelnen herausragenden Auftritten und Statistiken als durch Konstanz und Durchhaltevermögen. Alles in allem brachte er es dadurch auf 83.0 WAR und somit auf Rang 58 der Rangliste aller Spieler der MLB-Historie – übrigens weit vor allen anderen Spielern, die dieses Jahr mit ihm in die Hall of Fame einziehen. Ich muss zugeben, dieser Wert hat mich überrascht – und meine anfängliche Skepsis zerstreut, ob Mussina wirklich in die Halle gehört.

Harold Baines
Komplett unzerstreut bleibt meine Skepsis, dass Harold Baines, einer der beiden durch das Era Committe bestimmten Spieler, etwas in der Hall of Fame zu suchen hat. Baines hatte eine lange und produktive Karriere, brachte es auf fünf All-Star-Berufungen und war in den meisten seiner 21 MLB-Jahre zweifellos ein überdurchschnittlicher Spieler. Das ist gut und aller Ehren wert, aber mehr auch nicht. Schließlich reden wir von der Hall of Fame, nicht von der Halle der Überdurchschnittlichen. Das mag hart klingen, aber die Wähler der BBWA sahen es offenbar genauso wie ich: Baines brachte es in den Wahlen auf einen Höchstwert von 6,1% im Jahr 2010 und fiel 2011 im fünften Jahr seiner Wählbarkeit unter die 5%-Hürde. Dass und wie er nun über das Era Committee berufen wurde, hat mehr als ein gewisses Geschmäckle: Dem Gremium gehörten unter anderem Jerry Reinsdorf an, der Owner der Chicago White Sox, sowie Tony La Russa, der ehemalige General Manager der White Sox. Baines spielte 14 Jahre lang für die White Sox und als er seine Karriere dort begann, waren die beiden entscheidenden Führungspersonen – Reinsdorf und La Russa.

Lee Smith
Während die Entscheidung über die Aufnahme von Baines innerhalb des Era Committees äußerst knapp fiel, bestand im Hinblick auf Lee Smith Einigkeit in dem Gremium. Smith war ebenfalls in der BBWA-Wahl nicht zum Zuge gekommen. Er stand für die (damalige) Höchstzahl von 15 Wahlgängen zur Wahl, brachte es jedoch nie über 50,6%. Als Relief Pitcher – so sagte man jedenfalls bis zu Riveras 100%-Wahl – hat man es generell relativ schwer, die nötigen Zustimmungsraten zu erhalten. Nachdem letztes Jahr bereits Trevor Hoffman (601 Saves) in die Halle gewählt wurde, sind dort nun mit ihm, Rivera (652) und Smith (478) die Top-3 Spieler mit den meisten Karriere-Saves der MLB-Geschichte vertreten. Smith war von 1993 bis 2006 Rekordhalter in dieser Kategorie.

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