Juni 17th, 2021 by Silversurger

Klebrige Substanzen und ihr Gebrauch durch Pitcher sind nach wie vor Diskussionsthema Nummer eins in der MLB. Nachdem schon zu Beginn der Saison sowie noch einmal am 3. Juni verstärkte Kontrollen und eine konsequentere Umsetzung der bestehenden Regeln angekündigt wurden, macht die Liga nun offenbar Ernst: In einem Memo an alle Teams und einer Pressemitteilung gab Commissioner Rob Manfred bekannt, dass ab kommenden Montag Starting Pitcher mindestens zweimal pro Spiel und Reliever nach jedem Einsatz auf unerlaubte Hilfsmittel wie Baumharz oder Spider Tack untersucht werden. Wer mit einer solchen Substanz erwischt wird, muss mit sofortigem Platzverweis und zehn Spielen Sperre rechnen. Die Teams werden mit in die Verantwortung genommen, indem sie die gesperrten Spieler weiterhin bezahlen müssen und den Platz im Kader während der Sperre nicht an jemand anderen vergeben dürfen.
Interessanterweise sind erste Auswirkungen der Ankündigung vom 3. Juni offenbar bereits zu beobachten: Bei zahlreichen Pitchern sind die zunächst auffällig hohen Rotationsraten ihrer Pitches seitdem deutlich zurückgegangen.

Ein selbsterklärtes „Opfer“ der neuen Regelauslegung ist Rays-Pitcher Tyler Glasnow: Er musste mit einem Anriss des ulnaren Seitenbandes im Ellenbogen seines Wurfarmes auf die Verletztenliste. Er macht ausdrücklich für die Verletzung verantwortlich, dass er von der Liga gezwungen wurde, mitten in der Saison etwas an seinen eingeübten Abläufen zu ändern, indem er auf seine Mischung aus Harz und Sonnencreme verzichten musste. Mit Clevelands Shane Bieber und Washingtons Max Scherzer verletzten sich diese Woche übrigens zwei weitere prominente Pitcher; von einem Zusammenhang mit dem Klebethema ist in ihren Fällen bislang nicht die Rede.

National League
Auch bei den New York Mets (35-25) macht man sich große Sorgen um einen Pitcher. Zwar läuft es sportlich super für das Team aus Queens: Von den letzten zehn Spielen wurden acht gewonnen und das gegen Hochkaräter wie die Padres und die Cubs, der Vorsprung in der NL East auf die Philadelphia Phillies (33-30) beträgt mittlerweile fünf Spiele. Jacob deGrom pitcht eine Saison für die Ewigkeit, er hat in seinen elf Starts insgesamt nur vier Runs zugelassen und steht auf einem ERA von unglaublichen 0.54. Doch er ist auch der Grund für die Sorgen, denn er musste zuletzt zweimal vorzeitig ausgewechselt werden. Letzten Freitag war eine entzündete Sehne im Ellenbogen der Grund, dass deGrom nach sechs Innings raus musste. Eine MRT  zeigte keine Schäden und Jake konnte gestern wieder spielen, doch nach drei perfekten Innings mit acht Strikeouts war wieder Schluss, dieses Mal wegen Problemen mit der Schulter. Er wird sich nun weiteren Untersuchungen unterziehen und man kann nur hoffen, dass er nicht länger ausfällt.
Die dreifachen Divisions-Titelverteidiger Atlanta Braves (30-35) spielen derweil weiterhin eine enttäuschende Saison. Sechs der letzten sieben Spiele haben sie verloren, darunter zwei gegen die Phillies und zwei gegen die abgeschlagenen Miami Marlins (29-39). Nun stehen auch noch zwei besonders schwierige Serien für die Braves an: erst viermal gegen die Cardinals, dann viermal gegen die Mets. 

Die St. Louis Cardinals (35-33) sind ihrerseits in Zugzwang, denn der einstige Tabellenführer der NL Central ist inzwischen auf Platz vier abgerutscht. Das klingt aber hoffnungsloser als es ist, denn abgesehen vom Schlusslicht Pittsburgh Pirates (23-44) sind in dieser Division alle Teams in den letzten Tagen sehr eng zusammengerückt. Vorne stehen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (je 38-30), doch beide haben ihre letzten drei Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (35-31) haben derweil sechs Spiele am Stück gewonnen – drei davon gegen die Brewers – und sind jetzt wieder voll im Rennen, ebenso wie die Cardinals nach ihrem Sweep über die Marlins. 

Der nächste Gegner der Reds sind die San Diego Padres (38-32), die sich seit zweieinhalb Wochen in der NL West im freien Fall befinden. Seit dem 30. Mai weisen sie eine Bilanz von 4-13 auf – zwar größtenteils gegen Top-Teams, doch zuletzt ließen sie sich auch von den Colorado Rockies (28-41) sweepen. Da die San Francisco Giants (43-25) und die Los Angeles Dodgers (41-27) weiterhin die Mehrzahl ihrer Spiele gewinnen, setzen die beiden sich zunehmend ab und bilden statt des einstigen Führungstrios nur noch ein Führungsduo. Da die Dodgers nächste Woche dreimal in San Diego gastieren, haben die Padres die Chance, den Anschluss schnell wiederherzustellen – aber auch, ihn endgültig zu verlieren. Apropos endgültig verlorener Anschluss: Den Arizona Diamondbacks (20-49) zuzuschauen, tut momentan selbst als neutraler Beobachter weh. Von ihren letzten 30 Spielen haben sie 27 verloren, darunter zweimal 13 am Stück. Die zweite dieser Serien dauert zurzeit noch an. Seit gestern sind die Diamondbacks zudem Mit-Inhaber des MLB-Rekords von 22 Auswärtsniederlagen am Stück; wenn sie heute auch das vierte Spiel in San Francisco verlieren, gehört der unrühmliche Rekord ihnen allein. 

American League
In der American League gibt es eine recht ausgeglichene Spitze in der Form, dass jede Division von einem Team mit 43 Siegen angeführt wird. In der AL East sind das die Tampa Bay Rays (43-26), für die die Luft allerdings gerade etwas dünn wird: Die Boston Red Sox (42-27) haben in den letzten Tagen zwei Spiele auf die Rays gut gemacht, sodass die beiden nun nur noch ein einziges Spiel trennt. Das ist eine spannende Ausgangslage vor dem direkten Aufeinandertreffen in der kommenden Woche, auch wenn die Rays vorher noch nach Seattle und die Red Sox nach Kansas City müssen. Im Mittelfeld der Division duellieren sich derzeit die New York Yankees (35-33) und die Toronto Blue Jays (33-33). Bislang hatten zweimal die Yankees knapp das bessere Ende für sich, Spiel drei steigt heute Nacht ab 1:07 mitteleuropäischer Zeit.

In keiner Division herrschen derart klare Verhältnisse wie in der AL Central. Ganz vorne haben wir die Chicago White Sox (43-25), die – gemeinsam mit den Giants – die beste Bilanz der gesamten MLB aufweisen. Der einzige verbliebene Konkurrent in der Division sind die Cleveland Indians (37-28), allerdings schon mit gehörigem Abstand auf die White Sox. Hinter den Rest der AL Central können wir getrost einen Haken setzen. Die Kansas City Royals (30-39) hatten eine Weile vorne mitgehalten, doch nach elf Niederlagen in den letzten zwölf Spielen gehören sie inzwischen klar in eine Kategorie mit den Detroit Tigers (29-39) und den Minnesota Twins (27-41). Alle drei müssen sich um die laufende Saison keine großen Gedanken mehr machen, außer jenen, welche Spieler man zur Trade-Deadline möglichst gewinnbringend auf den Markt bringen kann. 

Auch die AL West hat ihr 43-Siege-Team, nämlich die Oakand Athletics (43-27). Die A’s haben gerade durch einen Sweep den Zwischenspurt der Los Angeles Angels (33-35) gestoppt und damit die Tabellenführung vor den Houston Astros (39-28) behauptet. Die Astros schafften derweil in den beiden letzten Spielen gegen die Texas Rangers (25-43) etwas, das es in der MLB-Geschichte noch nie gab: José Altuve beendete vorgestern das Spiel mit einem Walkoff-Homerun und begann gestern das nächste Spiel mit einem Leadoff-Homerun. Ist es nicht faszinierend, dass es nach 150 Jahren professionellem Baseball immer noch fast jede Woche etwas völlig Neues gibt? Beide Spitzenteams der Division haben nun schwere Aufgaben vor sich: Die Athletics reisen zu den Yankees, während die Astros die White Sox empfangen (siehe „Einschalttipp“).

Szene der Woche 
Anthony Rizzo hat uns am Freitag mit einem der großartigsten At Bats des Jahres beschert. Der First Baseman der Cubs fiel gegen Cardinals-Pitcher Daniel Ponce de Leon schnell mit 0-2 zurück. Der nächste Pitch war ein hoher Ball, den Rizzo durchließ, bevor er einen Pitch nach dem anderen wegfoulte. Den vierzehnten Pitch des At Bats, einen 96-Meilen-Fastball, schlug er schließlich zum Homerun. Der Count war zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht mal voll, es stand 2-2 mit neun Foulballs. Rizzos Homerun im fünften Inning war der Ausgleich zum 5:5, die Cubs gewannen am Ende 8:5.

Statistik der Woche 
8. So viele Homeruns schlugen die Toronto Blue Jays am Sonntag beim 18:4-Sieg gegen die Boston Red Sox. Die Blue Jays sind damit das einzige Auswärtsteam, das jemals in der 109-jährigen Geschichte von Fenway Park so viele Homeruns in einem Spiel erzielte.

Spiel der Woche
Wir bleiben in Fenway Park, denn dort gab es zwei Tage vor dem Homerun-Festival der Blue Jays eine sehr viel spannendere Partie zu bestaunen. Obwohl es nur über achteinhalb Innings ging, dauerte das Spiel 3 Stunden und 47 Minuten. In dieser Zeit bekam man als Zuschauer einiges geboten: unter anderem sechs Führungswechsel – die meisten in einem MLB-Spiel seit fast zwei Jahren –, drei Bases-Loaded-Walks, den zweitkürzesten Out-Of-The-Park-Homerun (315 Yards) sowie den längsten nicht gefangenen Infield Fly (211 Yards) der Saison und einen Platzverweis gegen Astros-Manager Dusty Baker. Einen halbnackten Flitzer gab es übrigens auch, der taucht allerdings nicht im Video auf.

Mein Einschalttipp
Von Dienstag bis Donnerstag nächster Woche stehen die immer sehenswerten Duelle zwischen den Red Sox und den Rays sowie zwischen den Dodgers und den Padres an. Nachdem ich hier aber schon so oft NL-West- und AL-East-Matchups empfohlen habe, geht der Einschalttipp heute mal an eine andere hochinteressante Paarung: Die Astros treffen ab heute viermal auf die White Sox. Es sind die beiden Teams mit den besten Run Differentials der American League, im Fall der Astros vor allem auf offensive Feuerkraft gegründet, bei den White Sox hingegen auf hervorragendes Pitching. Die ersten drei Spiele laufen nach europäischer Zeit mitten in der Nacht, das vierte aber zur besten Sendezeit am Sonntagabend um 20:10 Uhr – sogar ganz ohne Konkurrenz durch die Fußball-EM. Übrigens: In den USA ist am Sonntag Vatertag. Aus diesem Anlass gibt es diese Woche das Jahresabo von mlb.tv zum halben Preis.

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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September 21st, 2017 by Silversurger

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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