Juni 18th, 2019 by Silversurger

Die Szene ist schon ein paar Tage alt, aber sie geht mir einfach nicht aus dem Kopf: Freitagnacht, Dodgers gegen Cubs, 9. Inning. Closer Kenley Jansen ist ein Aus davon entfernt, den 5:3-Sieg für Los Angeles nach Hause zu bringen. Mit Victor Caratini am Schlag und Jason Heyward als Runner an der zweiten Base ruft Jansen plötzlich laut und vernehmlich: „I’m going to balk!“ Genau das tut er dann auch, indem er den rechten Fuß an den Rubber stellt und ein paarmal aufstampft. Um die kuriose Situation perfekt zu machen, sendet er anschließend persönlich den Runner zur dritten Base.

Zur Erinnerung: Ein Balk bezeichnet eine unzulässige Aktion des Pitchers, zum Beispiel eine angetäuschte oder abgebrochene Pitchingbewegung. Wenn der Umpire auf Balk entscheidet, wird das Spiel kurz unterbrochen und jeder vorhandene Baserunner darf eine Base weiter gehen. Normalerweise ärgert sich der Pitcher in so einer Situation, denn entweder weiß er, dass er einen Fehler gemacht hat, oder er fühlt sich vom Umpire benachteiligt. Einen absichtlichen Balk, zumal mit Ankündigung, hatte ich bisher noch nie gesehen.

Objektiv betrachtet gibt es scheinbar keinen Grund, einen Baserunner eine Base weiter zu schicken. Schließlich kommt er damit dem Erzielen eines Runs einen Schritt näher. Obendrein entsteht eine weitere freie Base zwischen dem aktuellen Batter und dem Runner. Das heißt, wenn der Batter zum Beispiel durch einen Walk ebenfalls auf Base kommt, hat sich die Verteidigung durch den Balk eine Möglichkeit zum Force-Out an der dritten Base genommen.

Das war im aktuellen Fall nicht anders, und dennoch sah Jansen es offenbar als Vorteil an, Heyward nicht mehr an der zweiten Base stehen zu haben. Seine Gründe dafür erklärte er nach dem Spiel (siehe unten stehendes Video): Es ging um die Zeichen, die Pitcher und Catcher sich während eines At-Bats geben, um die Art und Richtung der Pitches zu verabreden. Mit einem Runner an der zweiten Base muss der Catcher seine Signale verschlüsselt übermitteln als sonst, denn der Runner schaut ihm direkt auf die Finger und kann seinerseits dem Batter Tipps geben, wenn er die Zeichen durchschaut. Steht der Runner an der dritten Base, ist ihm das nicht möglich. Für Jansen war somit der Vorteil, sich unbeobachtet mit dem Catcher austauschen zu können, größer als der Nachteil, Heyward näher an die Homeplate zu lassen. Ob Heyward scort oder nicht, war tatsächlich relativ egal, denn die Dodgers hatten ja zwei Runs Vorsprung. Das Verhindern eines zweiten Baserunners war sehr viel wichtiger als die Frage, was mit dem ersten Runner passiert. Der Plan ging letztlich auf, denn Jansen gelang das Strikeout gegen Caratini.

Hätte Heyward auf die geschenkte Base verzichten können, um weiterhin die Zeichen des Catchers zu studieren? Nein, denn die Regeln sind eindeutig: Bei einem Balk muss jeder Baserunner eine Base weiter rücken. Zudem ist es verboten, nach dem legalen Erreichen einer Base zurück zu einer früheren Base zu laufen, um die Defense zu stören. Hätte Heyward das versucht, wäre er automatisch als out erklärt worden und das Spiel wäre zu Ende gewesen.

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