Januar 12th, 2021 by Silversurger

Wir schreiben das Jahr 2013. Die Steroid-Ära der MLB von den 1990er-Jahren bis Mitte der 2000er-Jahre ist Geschichte, ihre prominentesten Vertreter wie Barry Bonds, Marc McGwire und Roger Clemens haben ihre Karrieren beendet, es finden regelmäßige Dopingtests statt. So langsam kann der professionelle Baseball von sich behaupten, den Glauben an seine Integrität wieder hergestellt zu haben. Doch am 22. Januar kommt die Miami New Times mit einem Bericht heraus, der das mühsam aufgebaute Vertrauen erneut nachhaltig erschüttert.

Im Fokus der Recherchen des Blattes standen Dokumente, die ein ehemaliger Mitarbeiter der Schönheitsklinik „Biogenesis of America“ geleakt hatte. Die Dokumente wiesen drei MLB-Spieler, die bereits 2012 positiv auf leistungsfördernde Mittel getestet worden waren – Yasmani Grandal, Melky Cabrera und Bartolo Colon –,  als Patienten der Klinik aus. Diverse weitere, bislang nicht positiv getestete Baseballstars wie Alex Rodriguez, Ryan Braun und Nelson Cruz standen ebenfalls in Verbindung mit Biogenesis und gerieten mit unter Verdacht, in der Klinik weniger eine Schönheitsbehandlung erhalten zu haben als vielmehr systematisches Doping.

Anders als in früheren Fällen zeigte die MLB von Anfang an den Willen zur schnellen und vollständigen Aufklärung. Sowohl die Ligaleitung als auch die Strafverfolgungsbehörden führten Untersuchungen durch und strengten Klagen gegen den Eigentümer der Klinik, Anthony Bosch, und mehrere seiner Geschäftspartner an. Diese führten letztlich dazu, dass Bosch zu vier Jahren Haft verurteilt wurde wegen „Verschwörung zur Verbreitung von Testosteron“. Die Strafe wurde später um ein Drittel reduziert, weil Bosch kooperativ war und die strafrechtliche Verfolgung diverser Komplizen ermöglichte.

14 MLB-Spieler wurden im Zuge der Ermittlungen des Dopings mit Wachstumshormonen überführt. Gegen sie wurde keine gerichtliche Anzeige gestellt, aber die MLB sprach teils empfindliche Strafen aus. Das härteste Urteil erging gegen Alex Rodriguez. Er wurde am 5. August 2013 bis zum Ende der Saison 2014 gesperrt, das wären 211 Spiele gewesen. Da er gegen die Entscheidung Einspruch einlegte, durfte er die Saison 2013 doch noch zu Ende spielen, bevor ein Schlichter die Sperre für das gesamte Jahr 2014 – also 162 Spiele – bestätigte. Rodriguez‘ Strafe fiel höher aus als es für einen Ersttäter üblich wäre, weil die MLB in seinem Fall als erwiesen ansah, dass seine Verstöße über mehrere Jahre hinweg erfolgt waren und er obendrein versucht hatte, die Ermittlungen zu behindern.

Ryan Braun war bereits 2011 positiv getestet worden und damals um eine Sperre herumgekommen wegen eines Formfehlers beim Umgang mit der Probe. Nach den Biogenesis-Enthüllungen einigte er sich mit der Ligaleitung, eine Sperre von 65 Spielen zu akzeptieren. Nelson Cruz, Everth Cabrera, Jhonny Peralta, Antonio Bastardo, Francisco Cervelli, Jordany Valdespin, Jesus Montero, Cesar Puello, Sergio Escalona, Fernando Martinez, Fautino de los Santos und Jordan Norberto wurden für jeweils 50 Spiele gesperrt.

Wenn man Grandal, Colon und Melky Cabrera dazu zählt, die schon 2012 für ebenfalls je 50 Spiele gesperrt waren, sind insgesamt 17 MLB-Spieler über den Biogenesis-Skandal gestolpert. Von den ausgesprochenen individuellen Strafen her war es der größte Skandal der MLB-Geschichte.

Für einige der betroffenen Spieler war die Beteiligung an den Vorgängen der Todesstoß ihrer Karriere. Braun und Rodriguez setzten ihre auf hohem Niveau fort und wären eigentlich Kandidaten für eine Aufnahme in die Hall of Fame. Aufgrund der Dopinggeschichten wird diese ihnen wahrscheinlich verwehrt bleiben. Anderen, zum Beispiel Colon, Cervelli, Cruz und Grandal, gelang es irgendwie, dass man sie heute kaum noch mit den geschilderten Vorgängen in Verbindung bringt.

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Januar 25th, 2018 by Silversurger

Wenn schon die aktuellen Stars der MLB keine Schlagzeilen in Form von Free-Agent-Signings oder Trades machen, dann müssen zumindest die von früher dafür sorgen, dass es etwas zu berichten gibt: Gleich vier Spieler werden dieses Jahr nach Wahl durch die Baseball Writers‘ Asscociation of America (BBWA) neu in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Deutschlands erster MLB-Spieler Donald Lutz wird es dorthin vermutlich nicht schaffen, aber dafür steht er am Anfang einer hoffentlich erfolgreichen Trainerkarriere. Ein paar Roster-Moves in den Big Leagues gab es diese Woche natürlich auch, aber die großen Namen kamen darin erneut nicht vor. Selbst die Gerüchteküche köchelt auf sehr kleiner Flamme – lediglich von Yu Darvish und Lorenzo Cain liest man zurzeit vermehrt, dass ihre Entscheidungen, wo sie unterschreiben werden, kurz bevor stehen sollen.

Jones, Guerrero, Thome und Hoffman sind gewählt
Am 29. Juli 2018 wird die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse im Rahmen einer Zeremonie in Cooperstown offiziell in die Ruhmeshalle des Baseballs aufgenommen. Das ist zwar noch gut ein halbes Jahr hin, aber vergangene Nacht wurde bereits bekannt gegeben, welche Spieler die Wahlberechtigten der BBWA für die diesjährige Aufnahme auserkoren haben. Erst zum zweiten Mal seit 1955 gelang es vier Spielern auf einmal, die erforderliche 75%-Mehrheit zu erreichen.

Das beste Ergebnis erzielte gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit Larry „Chipper“ Jones mit 97,2%. Der Third Baseman hatte seine Karriere 2012 nach 19 Jahren in der MLB beendet. Er brachte es auf 2.726 Hits, 468 Homeruns und einen MVP-Titel in der National League. Als Switch-Hitter brachte er es auf Karriere-Averages von über .300 von beiden Seiten der Homeplate. Jones spielte nie für ein anderes Team als die Atlanta Braves, mit denen er 1995 die World Series gewann.

Vladimir Guerrero erhielt 92,9% der Stimmen und wird damit der dritte Spieler – und gleichzeitig der erste Batter – aus der Dominikanischen Republik sein, der Aufnahme in die Hall of Fame findet. Der Rightfielder und DH blickt zurück auf 16 Jahre in der MLB, die meisten davon mit den Montreal Expos und den Anaheim bzw. Los Angeles Angels. Mit einer Karriere-Slashline von .318/.379/.553 und 449 Homeruns ist der AL-MVP von 2009 ein würdiger Hall of Famer.

Das gleiche lässt sich über Jim Thome sagen, der mit 89,8% genau wie Jones gleich im erstmöglichen Jahr in die Hall of Fame gewählt wurde. Thome absolvierte bei sechs verschiedenen Teams 22 MLB-Jahre, gut die Hälfte davon für die Cleveland Indians. Da er als 1B und 3B ein eher unterdurchschnittlicher Fielder war, spielte der Power-Hitter vor allem in der zweiten Hälfte seiner Karriere oft als DH. Mit 612 Homeruns belegt er Platz acht in der ewigen Rangliste, was für sich allein schon Rechtfertigung genug für die Aufnahme in die Hall ist; er hat aber auch die siebtmeisten Walks (1.747) aller Zeiten und dadurch eine Karriere-On-Base-Percentage von über .400 erzielt.

Trevor Hoffman war 2017 noch der große Pechvogel, als ihm mit 74% nur 20 Stimmen zur Wahl im ersten Jahr fehlten. Dieses Jahr kam er auf 79,9% und somit klar über die Schwelle. Hoffman brachte es in 18 Jahren – mehr als 15 davon für die San Diego Padres – auf 601 Saves, einen nur von Mariano Rivera übertroffenen Wert. Er wird der fünfte Reliever in der Hall of Fame sein. Der sechste wird dann übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Rivera, der nächstes Jahr zum ersten Mal auf dem Stimmzettel stehen wird.

Neben Rivera dürfte Edgar Martinez als ein sicherer Tipp für die Wahl 2019 gelten. Er ist dann, nachdem er dieses Mal mit 70,4% erneut nicht den Sprung schaffte, zum zehnten und letzten Mal wählbar. In aller Regel sind die Stimmberechtigten im letzten Jahr der Wählbarkeit eines Spielers, der mehrfach nah dran war, großzügig.

Vierzehn ehemalige MLB-Spieler landeten im ersten Jahr ihrer Wählbarkeit unter der Schwelle von 5%, die ihnen eine zweite Chance im nächsten Jahr ermöglicht hätte. Der prominenteste davon ist Johan Santana. Santana pitchte nicht nur den einzigen No-Hitter in der Geschichte der New York Mets, er war mit einem ERA+ von 136 auch sonst ein sehr erfolgreicher Pitcher. Für die Kernzeit seiner Karriere von 2002 bis 2010 hatte er unter allen Startern, die in dieser Zeit mindestens 500 Innings pitchten, mit 2.89 den niedrigsten ERA. Es ist somit nicht übertrieben zu sagen, dass er der beste Pitcher seiner Generation war. Leider verkürzten Verletzungen seine Zeit in der MLB und trugen dazu bei, dass Santana auch heute nicht die Anerkennung zuteil wird, die er verdient hätte.

Giants verpflichten Austin Jackson
Die San Francisco Giants sind eines von vielleicht vier, fünf MLB-Teams, die an der Ereignisarmut dieser Offseason keine Mitschuld tragen. Eine Woche nach dem Trade für Andrew McCutchen haben die Giants nun in Austin Jackson einen weiteren Outfielder verpflichtet. Der 31-Jährige war zuletzt für die Cleveland Indians aktiv und füllte dort die Rolle eines Reserve- und Ergänzungsspielers aus, der besonders gegen linkshändiges Pitching gute Ergebnisse erzielte. Er wird in San Francisco wohl eine ähnliche Rolle spielen. Wenn die Giants nicht noch einen Centerfielder für jeden Tag verpflichten – jemanden wie Lorenzo Cain zum Beispiel –, dann dürfte ein Platoon aus Steve Duggar gegen Rechts- und Jackson gegen Linkshänder ein realistisches Szenario sein. Jackson erhält sechs Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag.

Randal Grichuk zu den Blue Jays 
Auch die Toronto Blue Jays arbeiten an ihrem Outfield. Letzte Woche verpflichteten sie schon den Veteranen Curtis Granderson, nun kommt nach einem Trade mit den St. Louis Cardinals noch Randal Grichuk hinzu. Der 26-Jährige war bei den Cardinals entbehrlich geworden, nachdem diese früher in der Offseason Marcell Ozuna von den Miami Marlins an Land gezogen hatten. Grichuk ist ein guter Defender, der alle drei Outfield-Positionen beherrscht, sowie ein Power-Hitter. Offensichtliche Probleme hat er bei der Plate-Disziplin: In jeder seiner bisher drei MLB-Saisons endeten rund 30% seiner At-Bats mit einem Strikeout und nur rund 6% mit einem Walk. Für Grichuk wurden Reliever Dominic Leone und Pitching-Prospect Conner Greene nach St. Louis geschickt.

Vier Reliever für die Diamondbacks
Die Arizona Diamondbacks versuchen offenbar, ihren Bullpen möglichst kostengünstig aufzurüsten: In den letzten Tagen statteten sie in Antonio Bastardo, Fernando Salas, Kris Medlen und Michael Blazek gleich vier MLB-erfahrene Reliever mit Minor-League-Verträgen aus. Wenn einer oder zwei davon es schaffen, ihre Karriere mit soliden Leistungen wiederzubeleben, dann haben die Diamondbacks ein gutes Geschäft gemacht.

Neuer Job für Donald Lutz
Der ganz große Durchbruch ist ihm als Spieler leider nie gelungen, dennoch hat Donald Lutz einen festen Platz in der Baseball-Geschichte als erster Deutscher, der es bis in die MLB schaffte. Zurzeit spielt der 28-Jährige sehr erfolgreich mit den Brisbane Bandits um die australische Meisterschaft, doch im Anschluss geht es zurück nach Amerika: Lutz steigt als Bench Coach bei den Arizona League Reds, einem Rookie-Farmteam der Cincinnati Reds, ein. Lutz war als Spieler von 2007 bis 2016 für die Reds aktiv gewesen und hatte für sie 2013 und 2014 insgesamt 62 MLB-Einsätze. Ich drücke ihm die Daumen, dass er auch als Coach Baseball-Geschichte schreibt.

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