Februar 2nd, 2019 by Silversurger

Neben der Wahl des Lineups durch den Field Manager besteht die zweite taktische Einflussmöglichkeit beim Batting in der Herangehensweise des jeweiligen Batters, dem sogenannten Batting Approach. In diesen fließen sowohl generelle Vorlieben und Fähigkeiten des Spielers ein als auch auf die konkrete Situation zugeschnittene Anweisungen.

Man muss dazu sagen, dass die Variationsmöglichkeiten beim Hitting deutlich geringer sind als beim Pitching. Anders formuliert: Es gibt mehr Arten, einen Pitch zu werfen, als Arten, einen Schläger zu schwingen. Deshalb ist es in der Regel ein Vorteil für den Pitcher, wenn er sich mit einem bestimmten Batter zum ersten Mal duelliert. Je häufiger der Batter und der Pitcher sich in einem Spiel, einem Jahr oder einer ganzen Karriere begegnen, umso mehr stellen diese Erfahrungen einen Vorteil für den Batter da.

Viele Faktoren, die beim Hitting zu beachten sind, gelten universal für jeden Spieler und in (fast) jeder Situation. Sie müssen jedem Baseballer in Fleisch und Blut übergehen, denn wenn der Ball im Anflug ist, gibt es keine Zeit zum Überlegen und die erworbenen Instinkte müssen übernehmen.

– Die Augen sollen immer und jederzeit auf den Ball gerichtet sein.

– Die Standposition innerhalb der Batter’s Box ist so zu wählen, dass die Reichweite des Schlägers die Strikezone bis zum äußeren Rand umfasst, man aber auch an ihrem inneren Rand noch genug Platz für einen sauberen Schwung hat. Um ein wenig mehr Reaktionszeit zu haben, positionieren sich die meisten Batter am hinteren Rand der Batter’s Box.

– Der Schläger soll fest, aber nicht verkrampft in den Händen liegen, die mittleren Fingerknöchel beider Hände bilden eine Linie.

– Beim Schwung kommt der größte Teil der Kraft nicht aus den Armen, sondern aus der Gewichtsverlagerung. Der Batter lehnt sich auf sein hinteres Bein, während er auf den Pitch wartet. Wenn er schwingt, dreht er sich dem Ball entgegen und macht einen kleinen Schritt mit dem vorderen Bein.

– Erst ganz am Schluss der Bewegung kommen die Hände mit dem Schläger nach vorne. Gedanklich ist das Ziel nicht, den Ball zu treffen, sondern durch ihn hindurch zu schlagen. Dies verhindert ein unbeabsichtigtes Abbremsen des Schwungs kurz vor dem Auftreffen.

– Die Bahn des Schlägers soll möglichst parallel zum Boden verlaufen (“level Swing”). Auf diese Art befindet sich der Schläger länger in dem Bereich, in dem er den Ball treffen kann, als wenn er die Zone in einer Aufwärts- oder Abwärtsbewegung durchquert. Gleichzeitig erhöht ein flacher Schwung die Chance, Line Drives zu schlagen.

Individuell unterschiedlich ist die Herangehensweise, nach welchen Bällen man schlägt und nach welchen nicht. Dies hängt unter anderem davon ab, ob man eher darauf abzielt, einen hohen Schlagdurchschnitt zu erzielen und häufig auf Base zu kommen, oder darauf, öfter mal einen Homerun zu erzielen und zwischendurch das eine oder andere Strikeout in Kauf zu nehmen. Manche Batter versuchen, bei jedem Pitch, der in der Strikezone oder zumindest in der Nähe ankommt, Kontakt herzustellen. Andere warten konsequent auf einen bestimmten Pitch – wenn sie zum Beispiel einen Fastball outside wollen, dann lassen sie – zumindest solange weniger als zwei Strikes im Count sind – jeden anderen Pitch durch. Mit zwei Strikes passt fast jeder Batter seinen Approach an, zum Beispiel indem er den Schläger ein Stück weiter oben fasst und in der Batter’s Box einen Schritt auf den Pitcher zumacht. Auf diese Weise gibt man ein wenig Schlagkraft auf für eine höhere Kontaktwahrscheinlichkeit.

Die individuellste Komponente ist der Batting Stance, also die Art, wie man beim Warten auf den Pitch in der Batter’s Box steht. Manche Batter stehen zum Beispiel fast aufrecht und sorgen so dafür, dass der Pitcher keine niedrigen Strikes werfen kann, andere kauern sich eng zusammen und machen die Strikezone besonders klein. Bei der Platzierung der Füße bietet ein offener Stand – das heißt, der hintere Fuß steht näher an der Homeplate als der vordere – den Vorteil, dass man eine bessere Sicht auf den Pitcher und den Ball hat. Ein geschlossener Stand hingegen erhöht die Chance in die gegenüberliegende Richtung zu schlagen, was zum Beispiel gegen einen Infield-Shift extrem hilfreich ist. Der Kompromiss zwischen dem offenen und dem geschlossenen ist ein neutraler Stand, bei dem beide Füße auf gleicher Höhe stehen.

Eine häufig diskutierte Frage ist, inwieweit Batter die Richtung und Art ihrer Hits kontrollieren können. Angesichts der Schwierigkeit, einen in Geschwindigkeit, Flugbahn, Platzierung und Rotation variierenden Ball überhaupt zu treffen, erscheint es utopisch, dabei auch noch auf eine Lücke zwischen zwei Verteidigern zu zielen. Ob ein hart geschlagener Ball direkt im Handschuh des Shortstop landet oder aber über die zweite Base hinweg ins Outfield fliegt, ist tatsächlich zu einem guten Teil Glückssache. Das heißt aber nicht, dass der Batter machtlos in Bezug auf das Ergebnis seines Schlages ist. Wenn zum Beispiel ein rechtshändiger Batter den Ball zur rechten Seite “pullen” möchte, so kann er darauf hinwirken, indem er erstens einen eher offenen Batting Stance wählt, zweitens auf einen Pitch in der inneren Hälfte der Strikezone wartet und drittens einen Tick später schwingt als wenn seine Absicht eine andere wäre. Eine andere Einflussmöglichkeit ist die Bahn des Schlägerschwungs. Ein flacher “level Swing” ist zwar in den meisten Situationen von Vorteil, aber in manchen Fällen kann es sinnvoll sein, bewusst etwas nach unten oder oben zu schwingen, um einen Groundball oder einen Flyball zu erzeugen.

Ein langer und hoher Flyball, auch wenn er im Outfield fangbar ist, kann zum Beispiel dann wünschenswert sein, wenn sich ein Runner auf der dritten Base befindet und noch keine zwei Outs erzielt wurden. In dem Fall wird der Runner mit dem Fuß Kontakt zur Base halten (“Tag-up”) und losrennen, sobald der Outfielder den Ball berührt. Wenn auf diese Weise ein Run gelingt, während der Batter ein Flyout erleidet, wird diesem ein Sacrifice-Fly gutgeschrieben.

Eine andere Art des Schlags, bei der sich der Batter oft “opfert”, ist der Bunt. Bei einem Bunt wird der Schläger nicht geschwungen, sondern waagerecht in die Strikezone gehalten, um den Ball daran abtropfen zu lassen. Die häufigste taktische Anwendung dieser Technik ist der Sacrifice Bunt. In dem Fall besteht das Ziel darin, einen oder mehrere Baserunner voran zu bringen und dafür ein Out des Batters in Kauf zu nehmen. Ein anderes Anwendungsfeld des Bunts besteht darin, die Defense auf dem falschen Fuß zu erwischen, wenn die Verteidiger besonders tief stehen oder im Rahmen eines Shifts eine Seite des Infields vernachlässigen.

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