Dezember 26th, 2019 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag schläft auch an Weihnachten nicht, weil es die MLB genauso wenig tut. Zum Beispiel wünschten sich viele Fans der New York Mets für ihren Klub nichts sehnlicher als eine Verstärkung des Bullpens – und bekamen prompt am Heiligabend Dellin Betances unter den Baum gelegt. Auch die Toronto Blue Jays und die Chicago White Sox rüsteten um die Feiertage herum ordentlich nach, um 2020 eine erfreulichere Rolle spielen zu können als in den letzten Jahren. Von Seiten der Liga wird derweil eine Regeländerung kolportiert, die – wenn sie tatsächlich irgendwann kommt – nicht nur für fröhliche Gesichter sorgen wird.
Hier auf dem Baseblog ist das der letzte Grand Slam am Donnerstag und wahrscheinlich auch der letzte Artikel im Jahr 2019. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr, in dem wir uns hoffentlich in alter (oder neuer) Frische wieder hier lesen!

Digitale Strikezone in drei Jahren?
MLB-Commissioner Rob Manfred ist bekanntlich schon lange ein Fan der Idee, eine automatisierte, per Videokamera und Computer festgelegte Strikezone einzuführen. Ein solches System wurde dieses Jahr bereits in der Arizona Fall League getestet. Unter den Spielern gewann die digitale Strikezone dabei wohl nicht viele Befürworter, doch die Ligaleitung verfolgt das Ziel einer Einführung in die MLB weiter und hat inzwischen eine Einigung mit der Schiedsrichtervereinigung erzielt. Diese könnte zur Umsetzung der Pläne in drei Jahren führen, wie Jacob Bogage in der Washington Post berichtet.

White Sox signen Keuchel, Gonzalez und Encarnacion
Die Chicago White Sox sind eines der aktivsten Teams der diesjährigen Offseason. Nachdem sie bereits Catcher Yasmani Grandal und Outfielder Nomar Mazara an Land gezogen sowie mit First Baseman Jose Abreu verlängert hatten, verstärken sie nun ihre Starting Rotation mit zwei erfahrenen linkshändigen Pitchern. Dallas Keuchel, der am 1. Januar 32 wird, kommt für zunächst drei Jahre und 55,5 Millionen Dollar. Wenn er es 2021 und 2022 auf genügend Einsatzzeit bringt, verlängert der Kontrakt sich automatisch für ein weiteres Jahr und 18,5 Millionen. Der 34-jährige Gio Gonzalez ist eine deutlich günstigere, aber durchaus solide Ergänzung. Er erhält einen Einjahresvertrag über eine Garantiesumme von 5 Millionen Dollar, für weitere 6,5 Millionen können die White Sox den Kontrakt bei Bedarf bis 2021 ausdehnen. Ganz frisch kam heute Nacht die Meldung, dass auch Edwin Encarnacion bei den White Sox anheuert. Der in Kürze 37-jährige Slugger bringt eine Menge Erfahrung in das junge Lineup und wird sich mit Abreu als DH und First Baseman abwechseln. Er erhält 12 Millionen für ein Jahr, der Klub hat die Option auf ein weiteres Jahr zum gleichen Preis.

Ryu und Shaw zu den Blue Jays
Jede AL-Division hat nächstes Jahr ein Team, das mit bedeutenden Investitionen den Sprung in die Konkurrenzfähigkeit versucht. Was in der AL Central die White Sox und in der AL West die Los Angeles Angels sind, sind in der AL East die Toronto Blue Jays. Die Blue Jays haben einen starken jungen Kern um Vladimir Guerrero Jr., Lourdes Gurriel Jr., Bo Bichette, Cavan Biggio und Danny Jansen. Gefehlt hat es bislang am Pitching, welches mit Tanner Roark, Chase Anderson, Shun Yamaguchi und nun der Star-Verpflichtung Hyun-Jin Ryu neu aufgestellt wurde. Für Ryu lässt der Klub 80 Millionen Dollar über vier Jahre springen und sticht damit namhafte Mitbewerber wie die Dodgers, die Angels, die Braves oder die Twins aus. Ryu ist zweifellos einer der Top-Pitcher der Liga, bringt aber auch einige Fragezeichen in Form einer Verletzungsgeschichte und seines Alters von 33 Jahren mit sich. Als weitere Ergänzung des Kaders holen die Blue Jays Infielder Travis Shaw. Der 29-jährige hatte 2017 und 2018 starke Jahre bei den Milwaukee Brewers, bevor er 2019 plötzlich das Baseballspielen verlernt zu haben schien und nach der Saison von den Brewers entlassen wurde. Die Blue Jays hoffen, dass er zu alter Stärke zurück findet, und bezahlen ihm 4 Millionen Dollar für ein Jahr.

Mets holen Betances, sparen bei Cespedes
Das Weihnachtsgeschenk der Mets an sich selbst hatte ich schon am Anfang dieses Artikels erwähnt: Relief Pitcher Dellin Betances unterschreibt für ein Jahr und ein garantiertes Gehalt von 10,5 Millionen Dollar. Darüber hinaus hat Betances die Option auf ein bis zwei weitere Jahre und zusätzliche Zahlungen, die in Abhängigkeit von seinen Leistungen und Einsatzzeiten aktiv werden. Betances gehörte mehrere Jahre zu den besten Relievern der Liga, bis er die Saison 2019 verletzungsbedingt bis auf ein einziges Spiel komplett verpasste. Eine Umzugspauschale ist vermutlich nicht Teil des Vertrages: Der in Manhatten geborene Betances spielte zuletzt in der Bronx für die Yankees und hat es somit nicht weit zum neuen Arbeitgeber in Queens. Das Geld für seine Verpflichtung haben die Mets auch deshalb zur Verfügung, weil sie sich mit ihrem Outfielder Yoenis Cespedes auf eine Vertragsänderung geeinigt haben: Statt 29,5 Millionen Dollar erhält Cespedes 2020 nur noch 6 Millionen als Grundgehalt, die in Abhängigkeit von der Zahl seiner Einsätze auf bis zu 20 Millionen anwachsen können. Grund für die Neuverhandlungen war die obskure Knöchelverletzung, die Cespedes sich im Mai 2019 auf seiner Ranch zugezogen hatte – offenbar beim Reiten oder einer ähnlichen Aktivität, die er nicht hätte ausführen dürfen, während er sich gerade von einer anderen Verletzung erholen sollte.

Weitere Neuverpflichtungen
Die oben noch nicht erwähnten Spielerverpflichtungen dieser Woche gibt es wie gewohnt im Telegrammstil: OF Kole Calhoun (Arizona Diamondbacks, 2 Jahre, 16 Millionen Dollar + 1 Jahr Klub-Option), SP Julio Teheran (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 9 Millionen), C Martin Maldonado (Houston Astros, 2 Jahre, 7 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr, 6,25 Millionen), 1B C. J. Cron (Detroit Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), SS Jonathan Schoop (Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), RP Sergio Romo (Minnesota Twins, 1 Jahr, 5 Millionen + 1 Jahr Klub-Option), 3B Maikel Franco (Kansas City Royals, 1 Jahr, 3-4 Millionen leistungsabhängig), RP Tyler Clippard (Twins, 1 Jahr, 2,75 Millionen).

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Dezember 10th, 2019 by Silversurger

Er tauchte dieses Jahr in nur einem einzigen MLB-Spiel auf, aber dieser eine Auftritt hinterließ bleibenden Eindruck: Dellin Betances erhält den MRI-Award 2019. Die Wahl zu diesem aus unerfindlichen Gründen wenig geliebten Titel fand hier im Baseblog statt und ging mit überwältigender Mehrheit an den Yankees-Reliever. Von 52 abgegebenen Stimmen für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres entfielen 27 und somit satte 52% auf Betances. Mit gehörigem Abstand folgt Hunter Strickland (11 Stimmen, 21%), für den es zum zweiten Mal im Folge nur zum Vize-MRI-Award reichte – was, nebenbei bemerkt, ein MLB-Rekord für die Ewigkeit sein dürfte.

So hat es sich im Nachhinein für Betances also doch noch gelohnt, wenigstens dieses eine Spiel zu absolvieren. Der 31-Jährige war ein Jahr lang mit Schulterproblemen ausgefallen, bevor er am 15. September gegen die Los Angeles Angels seine Rückkehr auf den Mound feierte. Das Comeback mit zwei Strikeouts war für den Reliever so erfolgreich und elektrisierend, dass es ihn zu einem Jubelsprung veranlasste, bei dem er sich die linke Achillessehne anriss.

Dellin Betances ist inzwischen auf dem Weg der Besserung und auf der Suche nach einem neuen Job, da der Vertrag bei den Yankees ausgelaufen ist. Gut möglich, dass der gebürtige New Yorker in seiner Heimatstadt bleibt, denn sowohl die Yankees als auch die Mets gelten als ernsthafte Interessenten an seinen Diensten für die Saison 2020. Ich wünsche ihm, dass es ein verletzungsfreies Jahr wird.


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Dezember 3rd, 2019 by Silversurger

Wir wissen inzwischen, wer die MVPs, die Rookies und die Manager des Jahres 2019 sind, die All-Stars kennen wir schon lange und das erstmals gewählte All-MLB-Team wird in ein paar Tagen von der Liga bekannt gegeben. Was in dieser Reihe schöner Auszeichnungen noch fehlt, ist der Award, den es nur hier im Baseblog gibt: der für die dämlichste Verletzung, die „most ridiculous injury“, kurz der MRI-Award.

Letztes Jahr gab es ein lange spannendes Rennen zwischen Chris Martin, der sich auf dem Weg zu einer Schlägerei den Oberschenkel gezerrt hatte, und Hunter Strickland, der sich beim wutentbrannten Schlag gegen eine Tür die Hand gebrochen hatte. Chris Martin trug schließlich den Titel davon, doch verteidigen wird er ihn nicht, denn dafür waren seine Verletzungen im Jahr 2019 viel zu unspektakulär. Kollege Strickland hingegen steht erneut auf der Nominierungsliste – toll, was der Mann sich immer wieder einfallen lässt, um es in meine Blogartikel zu schaffen.

Genug der Vorrede, Ladies and Gentlemen, hier sind die Nominierten für den MRI-Award 2019:

  • Blake Snell: Schon kurz nach Saisonstart im April sicherte sich Blake Snell, Starter der Tampa Bay Rays, die Teilnahme an dieser Wahl. passiert ist es im heimischen Badezimmer: Snell kam – logischerweise nackt – aus der Dusche, sein Blick fiel auf ein nicht näher bezeichnetes Deko-Objekt aus Granit und brachte ihn spontan auf die Idee, dieses woanders hinzustellen. Dabei übersah er, dass das Objekt aus drei Teilen bestand, die nicht fest miteinander verbunden waren. Prompt fiel ihm eine Granitstange auf den vierten Zeh (sagt man dazu eigentlich „Ringzeh“?) des rechten Fußes und brach diesen. Snell fiel für zehn Tage aus.
  • Hunter Strickland: Der Reliever der Washington Nationals wird trotz erheblicher Rückschläge nicht müde, sich mit störenden Einrichtungsgegenständen im Clubhouse anzulegen. Letztes Jahr bezahlte er seine Attacke auf eine Tür mit zwei Monaten auf der Verletztenliste. Diesen August gelang es ihm, beim Training im Fitnessraum eine Schnur so an einer Hantel zu befestigen, dass diese ihm, als er im Sitzen an der Schnur zog, ins Gesicht klatschte und ihm die Nase brach. Zum Glück war es ein glatter, unkomplizierter Bruch, sodass Strickland schon zwei Tage später wieder spielen konnte.
  • Kyle Crick: Sich als Sportler nicht im Spiel oder im Training, sondern bei einer Schlägerei zu verletzen, ist eigentlich schon dämlich genug. Noch dämlicher ist es, wenn das beim Fight mit dem eigenen Teamkameraden passiert. Felipe Vazquez und Kyle Crick, beides Reliever der Pittsburgh Pirates, gerieten am 9. September aus unbekannten Gründen in der Kabine aneinander. Ein Wort gab das andere und schließlich wurde die Auseinandersetzung handfest. Crick legte hinterher Wert auf die Feststellung, Vazquez habe angefangen. Er selbst allerdings schlug so fest und ungeschickt zu, dass er sich ein Band im Zeigefinger riss und operiert werden musste. (Dass der inzwischen wegen Kindesmissbrauchs verhaftete Vazquez die Schläge wohl verdient hatte, ist eine andere, für diesen Artikel zu ernste und traurige Geschichte…)
  • Dellin Betances: Der Yankees-Reliever trat 2019 in genau einem einzigen Spiel auf. Fast ein Jahr lang war er mit Schulterproblemen ausgefallen, bevor er am 15. September gegen die Los Angeles Angels endlich sein Comeback feiern durfte. Er fertigte seine ersten beiden Batter mit Strikeouts ab und freute sich darüber so sehr, dass er jubelnd vom Mound sprang – wobei er sich die linke Achillessehne anriss und damit die Saison für sich beendete.

Welches war die dämlichste Verletzung der MLB-Saison 2019?

  • Dellin Betances – Achillessehnenriss beim Jubeln (52%, 27 Votes)
  • Hunter Strickland – Nasenbruch im Fitnessraum (21%, 11 Votes)
  • Kyle Crick – Handverletzung beim Fight mit Teamkamerad (13%, 7 Votes)
  • Blake Snell – Zehenfraktur im Badezimmer (13%, 7 Votes)

Total Voters: 52

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Die Abstimmung ist ab sofort und für genau eine Woche freigeschaltet. Selbstverständlich ist die Wahl anonym, aber ihr dürft gerne in den Kommentaren Wahlkampf für euren Favoriten machen.

Damit mich niemand falsch versteht: Es liegt mir nichts ferner als ernsthafte Verletzungen zu feiern oder mich darüber lustig zu machen. Jeder verletzte Spieler kann sich meines Mitgefühls und meiner aufrichtigen Genesungswünsche sicher sein. Trotzdem erlaube ich mir, über Missgeschicke wie die hier geschilderten in einem gewissen Rahmen zu lachen und zu scherzen – nicht mehr und nicht weniger als man innerhalb eines Sportteams nach solchen Aktionen auch den Spott der Mitspieler ertragen muss.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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