Juni 20th, 2019 by Silversurger

Das Maß aller Dinge in der MLB sind momentan die Los Angeles Dodgers: Als erstes Team in diesem Jahr haben sie die Marke von 50 Siegen erreicht – schneller waren, dem Kalenderdatum nach, übrigens allein die Seattle Mariners des Jahres 2001. Eine 100-Siege-Saison der Dodgers scheint damit so gut wie gebucht – was für den Klub sicher ein schöner Erfolg, aber längst nicht zufriedenstellend wäre: Nach zwei verlorenen World Series zählt für die Dodgers dieses Jahr allein der Titel.

American League
Die Tampa Bay Rays (43-31) spielen eine großartige Saison, doch sie haben ein Problem: Sie finden einfach kein Rezept gegen die New York Yankees (46-27). Zum dritten Mal in diesem Jahr trafen die beiden Kontrahenten um die Spitze der American League East in einer Serie aufeinander, zum dritten Mal zogen die Rays den Kürzeren. Mit 3:0, 6:3 und 12:1 fuhren die Yankees einen überzeugenden Sweep ein und stehen nun wieder klar vorne. Dafür, dass das so bleibt, sollen interne und externe Verstärkungen sorgen: Von den Mariners kommt Slugger Edwin Encarnacion im Tausch gegen ein Prospect, zudem ist Giancarlo Stanton aus seiner Verletzungspause zurück und auch Aaron Judge wird wohl heute oder morgen reaktiviert. Nach sieben Siegen in den letzten acht Spielen sind plötzlich auch die Boston Red Sox (41-35) wieder im Rennen. Den Wild-Card-Platz haben sie bereits zurück erobert und mit den Toronto Blue Jays (26-48) steht für sie eine weitere lösbar Aufgabe an.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (48-25) durch die verlorene Serie gegen die Red Sox ein bisschen an Boden verloren, doch sie sind immer noch das stärkste Team der AL, und der Abstand auf die Cleveland Indians (39-34) ist nach wie vor komfortabel. Die Indians werden sinnvollerweise weniger auf die Twins schielen als auf die Chance, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen. In dieser Hinsicht könnten die zwei jüngsten Siege gegen die Rangers sich als Big Points erweisen, insbesondere wenn ihnen heute Abend ein dritter folgt (siehe Einschalttipp). Im Anschluss daran warten auf die Indians zwölfmal hintereinander drei der schlechtesten Teams der Liga: sechsmal die Kansas City Royals (25-49) sowie je dreimal die Detroit Tigers (26-44) und die Orioles.

Auch die Houston Astros (48-27) in der AL West haben einen bequemen Vorsprung und dass ihr Star José Altuve seit gestern wieder an Bord ist, wird sie noch stärker machen. Dennoch befinden die Astros sich gerade in einer Mini-Krise: Zum ersten Mal in diesem Jahr haben sie vier Spiele am Stück verloren. Ausgerechnet in dieser Situation wartet alles andere als ein Aufbaugegner, nämlich die schwierige Auswärtsserie bei den New York Yankees. Man darf aber getrost davon ausgehen, dass die Astros nicht lange im Tief verharren werden. Der Rest der Division, mit Ausnahme der tief gefallenen Seattle Mariners (32-46), liefert sich ein enges Rennen um Platz zwei. Die Texas Rangers (39-35) sind nach einer durchwachsenen Woche noch knapp vorne, doch sowohl die Oakland Athletics (39-36) als auch die Los Angeles Angels (38-37) haben sich nah herangearbeitet.

National League
In der National League East ist ordentlich Bewegung: Die Philadelphia Phillies (39-34) haben Serien gegen die Atlanta Braves (44-31) und die Washington Nationals (35-38) und damit auch erstmal den Anschluss an die Spitze verloren. An selbiger stehen die Braves inzwischen recht unangefochten, nachdem sie in den letzten zwei Wochen lediglich zwei Spiele verloren haben. Für sie steht nun eine interessante Serie gegen die Nationals an, die ähnlich gut in Form sind und sich auf Platz drei hochgearbeitet haben. Eine Schrecksekunde für Washington gab es am Dienstag, als ihr Pitching-Ass Max Scherzer sich bei einem missglückten Bunt im Training die Nase brach. Doch der als extrem ehrgeizig und willensstark bekannte Scherzer ließ sich davon nicht beirren und pitchte am Tag danach sieben scorelose Innings mit zehn Strikeouts. Die New York Mets (35-39) sind derweil auf Rang vier abgerutscht. Damit sind sie noch nicht ganz aus dem Rennen, aber angesichts der Matchups bis zum All-Star-Break (@Cubs, @Phillies, Braves, Yankees, Phillies) sind meine Hoffnungen für sie relativ gering.

Die Chicago Cubs (40-33) und die Milwaukee Brewers (40-34) liefern sich weiterhin ein munteres Wechselspiel um die Spitze der NL Central. Seit letzter Nacht sind wieder die Cubs vorne: Ein Split im Stadtduell gegen die White Sox genügte ihnen dafür, weil die Brewers sich in San Diego sweepen ließen. Richtig rund lief es zuletzt weder bei den Cubs noch bei den Brewers, daher konnten die St. Louis Cardinals (38-35) sich mit Erfolgen gegen die Marlins und die Mets zurück in die Spitzengruppe arbeiten. Auch die Cincinnati Reds (34-38) und die Pittsburgh Pirates (33-40) sind noch in Schlagweite innerhalb dieser knappsten aller MLB-Divisionen.

Wie eingangs schon erwähnt, sind die Los Angeles Dodgers (50-25) das stärkste Team der bisherigen Saison. Als solches sind sie auch in der NL West völlig unangefochten. Die Musik spielt hier eher im Ringen um Platz zwei: Die Colorado Rockies (39-34) haben zurzeit die beste Ausgangsposition, müssen aber nach bereits zwei Niederlagen heute noch einmal gegen die Arizona Diamondbacks (38-37) und am Wochenende dreimal in Dodger Stadium antreten. Gleichauf mit den Diamondbacks hoffen die San Diego Padres (38-37), ihre derzeitige Erfolgsserie auch in Pittsburgh und Baltimore fortsetzen zu können.

Szene der Woche
Die erstaunlichste Szene der letzten sieben Tage ist und bleibt für mich der Intentional Balk von Kenley Jansen. Da ich den aber bereits in einem eigenen Artikel beleuchtet habe, gehe ich hier den konservativen Weg und widme mich den in dieser Woche geschlagenen Cycles. Von dieser besonderen Hitting-Leistung – dem Erzielen je eines Singles, Doubles, Triples und eines Homeruns durch einen Spieler in einem Spiel – gibt es selten mehr als eine Handvoll pro Saison. Am Donnerstag und am Freitag gab es zum ersten Mal seit 1912 zwei an direkt aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte Shohei Ohtani beim 5:3-Sieg seiner Angels in Tampa Bay:

Tags darauf folgte Clevelands Jake Bauers mit einer nicht weniger beeindruckenden Performance beim 13:4-Sieg in Detroit:

Statistik der Woche 
92. So viele Runs scorten die Colorado Rockies und die San Diego Padres während ihrer vier Duelle am letzten Wochenende. Das sind mehr Runs als je zuvor in einer 4-Spiele-Serie erzielt wurden. Es fielen noch ein paar mehr Rekorde in dieser verrückten Serie bei perfektem Wetter im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga: Rockies-Leadoff Charlie Blackmon allein gelangen 15 Hits, ebenfalls die meisten in einer 4-Spiele-Serie. Im wildesten Spiel der Serie schafften es am Freitag die Padres zum ersten Mal in ihrer Geschichte, einen Rückstand von 6 Runs umzudrehen. Am Ende gewannen sie 16:12 in zwölf Innings. Die anderen Partien kamen ohne Extra-Innings aus: Colorado siegte am Donnerstag 9:6 und am Samstag 14:8, bevor am Sonntag noch mal die Padres mit 14:13 die Nase vorn hatten. Hier der Beweis, dass tatsächlich Baseball gespielt wurde, auch wenn die Ergebnisse eher nach Football klingen:

Spiel der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ Major Leaguer zu feiern: Max Kepler hatte Dienstagnacht das vielleicht aufregendste Spiel seiner Karriere. Dabei war er noch nicht mal von Anfang an dabei, sollte eigentlich einen Ruhetag bekommen während der Partie seiner Twins gegen die Red Sox. Doch er kam im sechsten Inning als Pinch Hitter und wurde anschließend im Spiel gelassen – zum Glück für die Twins, denn ohne ihren deutschen Star hätten sie wohl ziemlich sicher verloren und damit erstmals in dieser Saison drei Niederlagen in Folge eingesteckt. Im siebten Inning ging Boston 2:1 in Führung – im achten glich Kepler den Stand durch einen RBI-Single aus und rettete sein Team in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning brachte Mookie Betts die Red Sox erneut in Front – Kepler konterte mit einem Homerun und hielt das Spiel offen. Im siebzehnten Inning schließlich entschied Kepler die Partie mit einem Walk-off-Single bei geladenen Bases zum 4:3.

Mein Einschalttipp
Zwei Teams am Scheideweg treffen sich heute zur besten deutschen Sendezeit (ab 20:05 Uhr) zum Finale ihrer 4-Spiele-Serie: Die Texas Rangers empfangen die Cleveland Indians. Die Rangers benötigen einen Sieg, um sich nach 7:2, 3:10 und 4:10 wenigstens den Split zu sichern. Noch ist es etwas zu früh in der Saison, um ernsthaft an die Verteilung der Wild Cards zu denken. Aber zurzeit deutet einiges darauf hin, dass diese beiden Teams bis zum Ende zu den heißen Kandidaten um den Hintereingang in die Playoffs gehören werden. Als Starting Pitcher werden Mike Minor (2.63 ERA, 3.72 FIP) für die Rangers und Shane Bieber (3.92 ERA, 3.89 FIP) für Cleveland antreten. Das Spiel gibt es auf DAZN über MLB Network sowie natürlich auf mlb.tv zu sehen.

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April 5th, 2018 by Silversurger

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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November 17th, 2017 by Silversurger

Letzte Nacht wurden die beiden wichtigsten individuellen Titel für die abgelaufene MLB-Saison vergeben: Giancarlo Stanton von den Miami Marlins und Jose Altuve von den Houston Astros sind nun offiziell die wertvollsten Spieler des Jahres 2017.

Mir gefällt diese Wahl aus mehreren Gründen. Der erste Grund ist natürlich, dass die beiden es schlichtweg verdient haben. Jose Altuve ist ein sensationeller Baseballspieler und das zeigt er seit Jahren, ohne dass er dafür die verdiente Beachtung gefunden hätte. Altuve schlägt keine 30 Homeruns und seine Defense ist eher solide als spektakulär. Aber er trifft den Ball und zwar öfter als jeder andere: In jedem der letzten vier Jahre führte er die AL mit den meisten Hits an, in zwei davon auch die gesamte MLB. Sein Batting Average lag dieses Jahr mit .346 so hoch wie nie in seiner Karriere und weit vor jeglicher Konkurrenz (Zweiter der MLB war Charlie Blackmon mit .331). In Sachen Wins Above Replacement sind sich die beiden führenden Berechnungsverfahren uneinig: Laut Baseball-Reference führt Altuve die AL mit 8.3 WAR an, Fangraphs sieht ihn mit 7.5 WAR knapp hinter dem Rookie des Jahres Aaron Judge (8.2). Judge war bei den von den Baseball Writers of America (BBWA) durchgeführten Wahlen auch der engste Verfolger von Altuve. Die Entscheidung fiel aber letztlich sehr eindeutig: Auf 27 von 30 Wahlzetteln stand Altuve ganz oben, Judge nur auf zwei und ein einziger entfiel auf Jose Ramirez. Als MVP und World-Series-Sieger darf sich der 1,68 Meter kleine Altuve nun zu den ganz Großen der MLB zählen.

Giancarlo Stanton gewann die Wahl in der NL zwar ebenfalls verdient, aber nur hauchdünn vor Joey Votto von den Cincinnati Reds. Beide brachten es auf zehn erste Plätze auf den Stimmzetteln, insgesamt lag Stanton mit 302 zu 300 Punkten knapp vorne. Neben Stanton und Votto erhielten auch Paul Goldschmidt (4), Charlie Blackmon (3), Nolan Arenado (2) und Kris Bryant (1) Stimmen als MVP der NL. Stanton überzeugt vor allem mit Power: 59 Homeruns sind nicht nur führend für diese Saison, sondern auch die meisten seit dem Rekord von Barry Bonds mit 73 im Jahr 2001. Oder anders formuliert: Stanton hat die meisten Homeruns seit der Einführung von Doping-Tests in der MLB erzielt. Darüber hinaus führte er dieses Jahr auch mit 132 RBIs und mit den meisten WAR die NL an – laut Fangraphs gleichauf mit Anthony Rendon (6.9), laut Baseball-Reference gleichauf mit Max Scherzer (7.4).

Ein zweiter Grund, das Ergebnis der MVP-Wahl zu mögen, ist das Signal, das durch das ungleiche Paar der Gewählten gesendet wird. Was ich damit meine, sieht man auf den ersten Blick, wenn man sich (hier zum Beispiel) Stanton und Altuve anschaut: 1,68 Meter und 75 Kilo zu 1,98 Meter und 111 Kilo. Stanton ist der größte Spieler, der je zum MVP gewählt wurde, Altuve ist aktuell gemeinsam mit zwei anderen der kleinste Spieler der Liga. „[T]hat’s what I love about baseball — it gives the opportunity to every single guy to develop and play the game. There’s not a rule that you have to be 6-foot or you have to be real strong to play baseball and to become a good player“ – treffender als Jose Altuve selbst kann man es nicht formulieren.

Der dritte Grund, warum mir die Wahl gefällt, ist pure Eitelkeit: Ich muss zugeben, dass es sich gut anfühlt, bei einer Prognose ausnahmsweise mal fast alle Awards richtig vorausgesagt zu haben…

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