Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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November 20th, 2018 by Silversurger

In meiner Serie über die Ballparks der MLB geht es heute zum ersten und voraussichtlich einzigen Mal um ein Stadion außerhalb der USA. Im Rogers Centre tragen die Toronto Blue Jays ihre Heimspiele aus. Da es sich um eine Multifunktionsarena handelt, finden in dem Gebäude diverse weitere Veranstaltungen wie zum Beispiel Messen und Konzerte statt. Bis 2015 war es gleichzeitig die Heimstätte des CFL-Football-Teams Toronto Argonauts.

Geschichte
Football spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, dieses Stadion zu bauen. Denn es war ein Spiel um die CFL-Meisterschaft im Jahr 1982, bei dem auf nachhaltige Weise deutlich wurde, dass ein geschlossenes Stadion angesichts des kanadischen Wetters eine gute Idee wäre. Das Exhibition Stadium, die damalige Heimat sowohl der Blue Jays als auch der Argonauts, wurde während des Spiels von einem sehr heftigen Regenschauer heimgesucht. 7,8 Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeuge der unhaltbaren Zustände in der Arena, in der 55.000 Zuschauer versuchten, unter einen kleinen überdachten Bereich sowie in die Toilettenräumlichkeiten zu flüchten. Während der Siegesfeier am nächsten Tag gab es massenhafte und lautstarke Forderungen nach einem überdachten Stadion, denen sich der Premierminister des Bundesstaates Ontario, Bill Davis, der selbst das Spiel besucht hatte, anschloss.

Nach einer gut dreijährigen Phase des Sondierens und Planens begann 1986 der Bau der neuen Arena. Die Finanzierung des Baus, der erst 150 Millionen kanadische Dollar kosten sollte, im Endeffekt aber 570 Millionen verschlag, erfolgte zu einem guten Teil über Sponsoren. Das Modell, das dabei angewandt wurde, stieß auf starke Kritik, da es den beteiligten 30 Unternehmen für je 5 Millionen Dollar unter anderem exklusive Werbepartnerschaften für 99 Jahre zusicherte, was sich mittelfristig absehbar als Spottpreis erwies. 

Die offizielle Eröffnung des Stadions, zunächst unter dem Namen SkyDome, fand am 3. Juni 1989 in Form einer Feier mit prominenten Gästen und Livemusik statt. Das Highlight war die Öffnung des weltweit ersten komplett einfahrbaren Stadiondachs. Die 50.000 anwesenden Besucher waren davon allerdings nicht allzu begeistert, denn sie wurden bei der Zeremonie prompt wieder vollgeregnet.

Das erste Baseballspiel in der Arena war die Partie der Blue Jays gegen die Milwaukee Brewers am 5. Juni 1989. Das Spiel wurde 3:5 verloren, aber ein schlechtes Omen war diese Niederlage nicht: Der Umzug in das neue Stadion markierte den Beginn der erfolgreichsten fünf Jahre der Teamgeschichte mit vier Divisionsmeisterschaften und zwei gewonnenen World Series. Dementsprechend erlebte der Dome seine sportlichen Highlights als Baseballstadion allesamt Anfang der 90er Jahre: das All-Star-Spiel 1991 sowie die World-Series-Heimspiele der Blue Jays 1992 und 1993. 

Da das Stadion sich nicht nur im Bau, sondern auch im Unterhalt als sehr viel teurer erwies als ursprünglich kalkuliert, häuften sich über die Jahre Unsummen an Schulden an, sodass die Arena 1998 Gläubigerschutz anmelden musste und zum Preis von 80 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft wurde. 2005 übernahm Rogers Communications das Stadion – ein Telekommunikationsunternehmen, dem auch die Blue Jays gehören und von dem der ehemalige SkyDome seinen neuen Namen erhielt.

Rogers Centre, CN Tower und die Skyline von Toronto (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Rogers Centre liegt in der südlichen Innenstadt von Toronto und bietet allein dadurch schon einen spektakulären Anblick, dass es direkt neben dem CN Tower steht, dem 553 Meter hohen Wahrzeichen der Stadt. Das herausragende Feature der Arena selbst ist das komplett ein- und ausfahrbare kuppelförmige Dach. Innerhalb von 20 Minuten wird aus einem offenen Stadion eine riesige Halle und umgekehrt. Bei niedrigen Temperaturen funktioniert der Mechanismus allerdings nicht zuverlässig, daher bleibt die Kuppel in den kalten Monaten durchgängig geschlossen.

Rogers Centre mit offenem Dach (2)

Nicht nur in Bezug auf das Dach ist Rogers Centre ein wahrer Verwandlungskünstler: Der Pitchermound wird hydraulisch ein- und ausgeklappt, je nachdem ob gerade ein Baseballfeld gebraucht wird oder nicht. Für Footballspiele können zusätzliche Sitze ausgefahren und bewegt werden, sodass sich die benötigte Form des Feldes ergibt. Bei Bedarf kann innerhalb einiger Stunden auch der Kunstrasenbelag entfernt  und später wieder ausgerollt werden.

Eine weitere Besonderheit von Rogers Centre ist ein integriertes Hotel mit 350 Zimmern, von denen 70 Blick auf das Spielfeld gewähren.

Innenansicht bei geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2018 sehen Rogers Center als ein Stadion, in dem etwas unterdurchschnittlich viele Hits und etwas überdurchschnittlich viele Homeruns vorkommen. Die Dimensionen von 328 Fuß (100 Meter) langen Foullinien ins Rightfield und Leftfield sowie einem 400 Fuß (122 Meter) tiefen Centerfield liegen im Mittelfeld der MLB-Ballparks. Es spricht somit vieles dafür, dass Rogers Centre eine Spielumgebung darstellt, in der weder die Hitter noch die Pitcher besonders bevorteilt werden.

In einer anderen Eigenheit, die sich auf das Spiel auswirkt ist Rogers Centre allerdings durchaus etwas besonderes im Vergleich mit fast allen anderen Ballparks: Es ist eines von nur noch zwei Kunstrasenstadien in der MLB (das andere ist Tropicana Field in Tampa Bay). Der künstliche Untergrund, das sogenannte AstroTurf, ist häufiger Gegenstand von Diskussionen. Einerseits liegt es auf der Hand, dass ein künstlicher Belag angesichts des kanadischen Klimas und des häufig geschlossenen Daches sehr viel leichter zu unterhalten ist als natürlicher Rasen. Andererseits herrscht unter den Spielern und Verantwortlichen im professionellen Baseball mehr und mehr die Meinung vor, dass Kunstrasen zu mehr Verletzungen und körperlichen Abnutzungserscheinungen führt als echtes Gras. Aus diesem Grund spielen inzwischen fast alle MLB-Klubs auf Naturrasen und auch in Toronto wurden mehrmals entsprechende Pläne publik. Umgesetzt wurden diese bisher nicht und es ist völlig offen, ob es jemals dazu kommt. Denn der finanzielle Aufwand für die bauliche Installation und Pflege eines Grasuntergrunds unter den gegebenen Bedingungen wäre hoch und würde der Arena obendrein einen guten Teil ihrer aktuellen Wandlungsfähigkeit nehmen.

Wo sitzt man am besten?
Im Bett liegen und Baseball schauen – nicht im Fernsehen, sondern live durch ein bodentiefes Fenster. Wäre das was? Im Toronto Marriott City Centre Hotel ist das möglich. Für 500 bis 600 kanadische Dollar (pro Nacht und Zimmer, nicht pro Person) kann man sich dieses besondere Erlebnis gönnen.

Was die normalen Sitzplätze betrifft, so folgt Rogers Stadium den gleichen Regelmäßigkeiten wie alle anderen MLB-Stadien: Oben ist es günstiger als unten, im Outfield ist es günstiger als hinter der Homeplate, Spiele gegen populäre Teams wie die Red Sox oder die Yankees sind teurer als andere Spiele. Das höchste Level (Blöcke mit 500er Nummern) ist zwar das billigste, aber man sitzt dort schon sehr weit weg, weil sich in Rogers Centre zwischen den normalen Blöcken noch zwei Ringe mit Logen ziehen. Je nach Wetter sind auch die Plätze auf der First-Base-Seite nicht empfehlenswert, denn bei starkem Sonnenschein und offenem Dach wird man dort oft geblendet.

In den letzten fünf Jahren sind die Ticketpreise in Toronto jährlich gestiegen, 2018 betrugen sie ca. 17 bis 85 Dollar je nach Platz. Das Ende der Fahnenstange scheint allerdings vorerst erreicht, denn angesichts steigender Preise bei sinkender sportlicher Leistung verkauften sich die Tickets dieses Jahr so schlecht, dass es in der zweiten Saisonhälfte teilweise wahnwitzige Sonderangebote hagelte wie zum Beispiel Premiumsitze für unter 10 Dollar.

Wer das Spiel mit Kindern besucht, kann sich bei der Blockwahl für einen der speziellen Familienbereiche entscheiden. Hierzu zählen die Abschnitte 237/238 (mittig im Leftfield) sowie 516/517 (oben auf Höhe der ersten Base). Der Hauptunterschied dieser Bereiche zu anderen Sitzen ist, dass dort kein Alkohol verkauft wird. Man kann sich mit seinen Kindern aber auch auf alle anderen Plätze wagen – meiner Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit, in einem MLB-Ballpark von Betrunkenen angepöbelt zu werden, sehr viel geringer als in einem deutschen Fußballstadion.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: The City of Toronto (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Magnus Manske (CC BY SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: The West End (CC BY-NC-ND 2.0)

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November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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    September 27th, 2018 by Silversurger

    Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

    Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

    Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

    Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

    American League
    Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

    Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

    Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

    National League
    Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

    Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

    Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

    Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

    a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

    b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

    c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

    Szene der Woche
    Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

    Statistik der Woche
    23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

    Spiel der Woche
    Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

    Mein Einschalttipp
    Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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    September 13th, 2018 by Silversurger

    Die Red Sox haben die ersten großen Meilensteine der regulären Saison gesetzt: Seit gestern sind sie als erstes Team hieb- und stichfest für die Playoffs qualifiziert und seit heute sind sie die erste Mannschaft, die es in diesem Jahr auf 100 Siege gebracht hat. Abseits der grauen Theorie bleibt es dabei, dass das Playoff-Picture der American League praktisch feststeht. Offen ist allein die Frage, wer von den beiden Kontrahenten im Wild-Card-Spiel das Heimrecht erhält – die Yankees oder die Athletics.

    Für das Erreichen von 100 Siegen kann man sich zwar nichts kaufen, aber es ist immer ein sehr plastischer Beweis dafür, dass man eine besonders gute Saison gespielt hat. Bisher haben das noch nie vier MLB-Teams in einer Saison geschafft und nie drei in einer der beiden Teilligen. Beides könnte dieses Jahr passieren: In der AL sind sowohl die Yankees als auch die Astros auf Kurs für diese Marke und auch die Athletics haben noch realistische Chancen, sie zu erreichen. Die andere Seite der Medaille ist, dass wir in der AL auch mindestens zwei Teams mit mehr als 100 Niederlagen sehen werden. Die Orioles haben diese Schwelle mit 104 verlorenen Spielen bereits überschritten, die Royals mit bislang 96 werden folgen. Auch die White Sox und die Tigers könnte es noch mit einer dreistelligen Zahl in der „L“-Spalte erwischen.

    Die National League präsentiert sich wie schon das ganze Jahr über deutlich ausgeglichener: Voraussichtlich wird kein Team 100 Siege oder 100 Niederlagen erreichen und es steht auch noch längst kein Playoff-Teilnehmer fest – auch wenn die Braves langsam aufatmen können, weil ihnen die Verfolger ausgehen.

    American League
    Theoretisch sicher ist den Boston Red Sox (100-46) bisher nur die Playoff-Teilnahme. Um den Gewinn der American League East wetteifern sie offiziell noch mit den New York Yankees (90-56), was bei zehn Spielen Rückstand und nur noch 16 ausstehenden Spielen nicht allzu realistisch erscheint. Aber in sechs dieser Spiele treffen die Yankees und die Red Sox direkt aufeinander, insofern könnte da tatsächlich noch etwas passieren. Nichts mehr passieren wird zugunsten der Tampa Bay Rays (80-65), die mit ihrer Bilanz in der NL voll im Rennen um jede Division und um eine Wild Card wären. Aber sie haben das Pech, in der AL East angesiedelt zu sein, deshalb sind acht Siege aus den letzten zehn Spielen und eine insgesamt hervorragende Saison des Small-Market-Teams leider vergeblich.

    In der AL Central haben die Minnesota Twins (67-78) ein Lebenszeichen von sich gegeben, indem sie gerade zwei Spiele gegen die Yankees gewonnen haben. Das kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass sie der mit Abstand schlechteste Divisionszweite der Liga sind und den Cleveland Indians (82-64) das Leben nach wie vor extrem einfach machen. Die Chicago White Sox (57-89) sahen ein paar Wochen lang so aus wie das kommende junge Team, mit dem man in den nächsten Jahren rechnen darf. Nach einer Serie von sechs Niederlagen, die erst letzte Nacht mit einem 12-Innning-Zittersieg in Kansas City gestoppt wurde, sind sie allerdings erst mal wieder hart auf dem Boden gelandet und sie müssen noch einen härteren Rückschlag einstecken: Ihr hochgelobter Rookie-Pitcher Michael Kopech wird seine MLB-Karriere leider nach nur vier Starts für ca. eineinhalb Jahre auf Eis legen, denn er muss sich wegen eines gerissenen Bandes im Ellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

    Die Houston Astros (92-54) spielen eine blitzsaubere Saison. Sie haben dank eines starken Lineups und noch stärkeren Pitchings inzwischen wieder das beste Run Differential der Liga (+242), die Red Sox wurden am Wochenende mit 2:1 Spielen besiegt und in der AL West stehen die Astros ebenfalls vorne. Es spricht somit vieles dafür, dass der Titelverteidiger auch in diesem Jahr ein gewichtiges Wort um die World Series mitreden wird. Trotzdem stehen die Astros in der allgemeinen Aufmerksamkeit ein bisschen im Schatten zum einen der Red Sox, die dank ihrer 100 Siege und der ewig jungen Rivalität mit den Yankees die Blicke auf sich ziehen; und zum anderen in dem der Oakland Athletics (89-57), die gerade wieder sechs Siege hintereinander zu ihrer unglaublichen zweiten Saisonhälfte hinzugefügt haben und mit 34-15 nach dem All-Star-Break die MLB anführen. In der Division dürften die drei Spiele Rückstand auf die Astros kaum einzuholen sein, aber im Wild-Card-Ranking liegen die A’s nur noch ein Spiel hinter den Yankees, sodass das Heimrecht noch in Reichweite ist. Ein Vorteil für die A’s ist ihr relativ leichtes Restprogramm; ein Nachteil ist, dass sie gerade mit Sean Manaea einen Top-Pitcher für den Rest der laufenden und vielleicht für die ganze nächste Saison an eine Schulterverletzung verloren haben.

    National League
    Obwohl die Philadelphia Phillies (74-71) seit Wochen keinen guten Baseball mehr spielen, waren sie in der National League East lange Zeit ganz nah dran an den führenden Atlanta Braves (82-64). In den letzten Tagen gewannen die Braves in Spielen gegen Arizona und San Francisco fünfmal am Stück, während die Phillies gegen die Mets und die Nationals fünfmal am Stück verloren. Damit dürfte die Sache weitgehend durch sein. Zwar spielen die Braves und die Phillies in den verbleibenden Wochen noch siebenmal gegeneinander, doch die Leistungskurven der beiden zeigen einfach zu eindeutig in unterschiedliche Richtungen. Bevor sie die Braves einholen, verlieren die Phillies eher noch Rang zwei an die Washington Nationals (74-72). Für eine Wild Card kommen beide nicht ernsthaft in Frage.

    Führend im Wild-Card-Ranking sind nach wie vor die Teams aus der NL Central. Nachdem die Milwaukee Brewers (84-63) bei den Chicago Cubs (84-61) zwei von drei Spielen gewonnen haben, stehen die Cubs nur dank zweier ausstehender Nachholspiele noch vorne und somit gewaltig unter Druck. Die St. Louis Cardinals (81-65) haben die Spitze ebenfalls noch in Reichweite, dürften aber mehr als zufrieden sein, wenn sie den aktuellen Wild-Card-Platz halten. Ihr Restprogramm macht nämlich einen sehr schweren Eindruck mit Serien gegen die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), die Braves, die Brewers, die Cubs und lediglich den Giants als mutmaßlich schwachem Gegner.

    Die Colorado Rockies sind ein verblüffendes Phänomen: Zweieinhalb Wochen vor Saisonende führen sie immer noch die NL West an und sind damit nicht nur der einzige Spitzenreiter einer Division mit einem negativen Run Differential (-2). Sie sind sogar der einzige mit einem Run Differential von weniger als +100. Eineinhalb Spiele dahinter stehen die Los Angeles Dodgers (79-67), die ein Run Differential von +133 aufweisen, dahinter die Arizona Diamondbacks (77-69) mit +72. Da das Run Differential ein wichtiger Teil der Schätzverfahren ist, wie sie zum Beispiel Fangraphs bei der Ermittlung der Playoff-Wahrscheinlichkeiten anwendet, gelten die Dodgers nach wie vor als deutlicher Favorit auf den Divisionssieg. Ich schenke diesen Zahlen nicht allzu viel Glauben, vielmehr erscheint mir der Ausgang in der NL West völlig offen. Alle Beteiligten des Dreikampfes treffen in der restlichen Zeit noch direkt aufeinander, sodass jeder von ihnen sein Schicksal selbst in der Hand hat. Komplett aus dem Rennen sind unterdessen nach momentan elf Niederlagen in Folge die San Francisco Giants (68-79).

    Szene der Woche
    Die Szene der Woche gehört endlich mal wieder „unserem“ MLB-Star Max Kepler. Um ein Haar hätten wir diese Woche das erste Perfect Game seit 2012 gesehen, also eine Pitching Performance, die über ein gesamtes Spiel keinen einzigen Baserunner zulässt. Jorge Lopez, ein junger und in seinen Leistungen bislang recht wechselhafter Pitcher der Kansas City Royals, warf am Sonntag gegen die Twins acht Innings lang das Spiel seines Lebens. Drei Outs trennten ihn davon, in die Geschichte der bislang 23 Perfect Games in der MLB einzugehen. Doch Kepler behielt die Nerven und holte einen Walk heraus, um seinem Team die Höchststrafe zu ersparen. Anschließend gelang Robbie Grossman auch noch der erste und einzige Hit der Twins an diesem Abend und Ehire Adrianza brachte Kepler per Sacrifice Fly zum 1:4 nach Hause.

    Statistik der Woche 
    7. So viele MLB-Spiele hat Rookie Rowdy Tellez von den Toronto Blue Jays bislang absolviert und dabei genauso viele Doubles geschlagen. Er ist der erste Spieler seit 1913, dem dies zum Karrierestart gelungen ist. Sechs der Doubles hatte er sogar in seinen ersten drei Spielen, was ebenfalls seit 1913 kein anderer geschafft hat. Dass ein Rookie überhaupt sechs Doubles in drei aufeinander folgenden Spielen schlägt, ist im modernen Baseball zuvor nur einem gelungen: Joe diMaggio im Jahr 1936.

    Spiel der Woche
    Es ist ja fast ein bisschen langweilig, aber ich muss erneut ein Spiel der Red Sox zum Spiel der Woche erklären. Die Serie gegen die Houston Astros war ein äußerst sehenswertes Kräftemessen und um ein Haar hätten die Astros nach Siegen in den ersten beiden Spielen am Sonntag den Sweep perfekt gemacht. Denn Boston begann zwar stark und lag nach fünf Innings mit 5:1 vorne, unter anderem durch J. D. Martinez‘ vierzigsten Homerun in diesem Jahr. Doch die Astros drehten das Momentum im sechsten Inning, in dem sie durch fünf Hits und einen Walk die Partie auf 5:5 ausglichen. Im siebten Inning legten die Astros eigentlich die 6:5-Führung nach. Eigentlich… denn Jose Altuves Run, den er nach einem Schlag von Yuli Gurriel und einem zu hohen Wurf von Xander Bpgaerts scheinbar erzielte, wurde von den Umpires nicht gegeben. Sie urteilten, dass Altuve von Astros-Catcher Sandy Leon vor dem Erreichen der Homeplate getagt wurde. Tatsächlich war es eine knappe Angelegenheit und hier als Schiedsrichter daneben zu liegen, ist keine Schande. Unakzeptabel erscheint mir hingegen, dass nach einer fast vier Minuten lang andauernden Prüfung per Video die Entscheidung bestehen blieb. Für mich sah Altuve nach den Stand- und Zeitlupenbildern eindeutig safe aus, aber urteilt selbst. So blieb es beim 5:5 und die Red Sox nutzten im neunten Inning die Gelegenheit, durch einen Hit von Mitch Moreland ihren siebten Walkoff-Sieg des Jahres einzufahren.

    Mein Einschalttipp
    So kurz vor dem Saisonende gibt es naturgemäß eine ganze Menge richtungsweisender Serien, jedenfalls in der noch heiß umkämpften NL. Eine davon liefern sich ab heute Nacht vier Spiele lang die St. Louis Cardinals und die Los Angeles Dodgers. Beide haben noch die jeweilige Divisionsspitze im Blick, sind aber vor allem direkte Konkurrenten um den zweiten Wild-Card-Platz der NL. Wenn ihr die MLB über DAZN schaut, habt ihr lediglich das Serienfinale in der Nacht von Sonntag auf Montag zur Auswahl. Auf mlb.tv könnt ihr auch die anderen Spiele sehen, zum Beispiel am Samstag um 19:05 Uhr das einzige, das nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht läuft. Vom Pitching-Matchup dürfte das erste Spiel (heute Nacht ab 1:15 Uhr) das interessanteste sein, wenn Clayton Kershaw (2.42 ERA, 3.03 FIP) auf Austin Gomber (2.93 ERA, 3.64 FIP) trifft.

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    August 16th, 2018 by Silversurger

    Baseball-Fan zu sein ist ein wunderbares Hobby. Aber manchmal macht es mich auch richtig wütend. Ich meine nicht, wenn mein Team verliert – das ärgert mich natürlich auch, aber das ist in Ordnung, das gehört zum Sport dazu. Was mir wirklich sauer aufstößt, weil es eben nichts mit Sport zu tun hat, sind Szenen wie die der vergangenen Nacht. Da ist ein junger Spieler wie Ronald Acuna Jr., der sich nichts Übleres zu Schulden kommen lässt als das Spiel zu spielen, das wir alle lieben. Er spielt es gut, in den letzten Tagen spielte er es sogar so gut, dass er unter anderem acht Homeruns in acht Spielen zum Erfolg seiner Atlanta Braves beitrug. Die letzten drei davon waren Leadoff-Homeruns in aufeinander folgenden Partien gegen die Miami Marlins. Als Acuna letzte Nacht im vierten Spiel der Serie erneut als erster Schlagmann an die Platte trat, warf Marlins-Pitcher Jose Urena ihm gleich den ersten Pitch hart an den Ellenbogen. Es war der schnellste Pitch, den Urena im ganzen Jahr geworfen hat. Natürlich behauptete er hinterher, es sei keine Absicht gewesen, aber das zu glauben fälllt unter den gegebenen Umständen extrem schwer. Die Umpires glaubten es jedenfalls nicht und erteilten Urena einen Platzverweis. Mit einem einzigen Pitch war es der kürzeste Start des Jahres. Acuna spielte zunächst weiter, musste sich aber im zweiten Inning mit Schmerzen auswechseln lassen. Nach ersten Erkenntnissen scheint nichts gebrochen zu sein, weitere Untersuchungen stehen noch aus – ebenso wie die Entscheidung der MLB, ob Urena mit einer Sperre rechnen muss.

    American League
    Zum Glück gab es diese Woche nicht nur solche unschönen Szenen, sondern auch eine Menge sehenswerten Baseball. Zum Beispiel von den Boston Red Sox (86-36), die von ihren letzten 18 Spielen 15 gewonnen haben. Zudem haben sie für den ersten Cycle dieser Saison gesorgt, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler innerhalb eines Spiels: Mookie Betts ist dieses Kunststück am Donnnerstag in Toronto gelungen, allerdings ausgerechnet bei einer der seltenen Niederlagen der Red Sox. In der American League East ist der Vorsprung der Red Sox vor den New York Yankees (75-45) mittlerweile auf zehn Spiele angewachsen. Das ist die zweitdeutlichste Führung innerhalb der MLB und schon ein bisschen verrückt, denn schließlich sind die Yankees mit ihrer Bilanz das zweitbeste Team der ganzen Liga und selbst auf Kurs für 100 oder mehr Siege.

    Noch größer als der Vorsprung der Red Sox ist nur der der Cleveland Indians (69-51) in der AL Central. Die Indians fahren weiterhin stabil ihre Siege ein, zuletzt sogar fünf hintereinander, während der Rest der Division längst einen Haken unter die Saison gemacht hat. Immerhin eine gute Nachricht von den Minnesota Twins (56-63) gibt es aus deutscher Sicht zu vermelden: Max Kepler hat nach seiner ausgedehnten Schwächephase im Mai und Juni inzwischen wieder voll in die Spur gefunden. Mit Slashlines von .358/.350/.494 im Juli und .268/.362/.488 im bisherigen August hat der Rightfielder wieder seinen Platz als einer der Leistungsträger seines Teams eingenommen.

    Es ist ein bisschen schade, dass die East und die Central dieses Jahr so früh komplett entschieden scheinen. Dafür hat es die dritte Division der AL, die AL West, richtig in sich: Die Houston Astros (74-47) stehen zwar immer noch vorne, doch sicher können sie sich an der Spitze längst nicht mehr fühlen. Dazu trug insbesondere eine Reihe von fünf Niederlagen bei, vier davon beigebracht durch die Seattle Mariners (70-52). Die Oakland Athletics (72-49) stehen nun nur noch zwei Spiele hinter den Astros und die Mariners selbst sind ebenfalls nah herangerückt. Die meiste Zeit spielt man in der MLB ja Fernduelle, aber zurzeit trägt der Spielplan massiv dazu bei, den Dreikampf mit direkten Aufeinandertreffen zu befeuern: Nach den Serien Astros-Mariners und Athletics-Mariners in der letzten Woche stehen nun Athletics-Astros und anschließend Mariners-Astros an sowie eine Woche später Astros-Athletics und dann Athletics-Mariners.

    National League
    Die National League East hat sich in den letzten Tagen deutlich ausdifferenziert. Vor einer Woche noch standen die Atlanta Braves (68-51) und die Philadelphia Phillies (66-53) quasi gleichauf an der Spitze, die Washington Nationals (60-61) waren guter Hoffnung, eine Aufholjagd starten zu könnnen, und am Ende der Tabelle spürten die New York Mets (51-67) den Atem von Schlusslicht Miami Marlins (48-75) im Nacken. Inzwischen haben die Braves einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Phillies, die Nationals sind mit neun Spielen Rückstand wohl endgültig aus dem Rennen und die Mets haben den vierten Platz gegenüber den Marlins deutlich gefestigt. Mal sehen, wie lange die Klarheit Bestand hat – die Braves haben übers Wochenende eine schwere Serie gegen die Rockies zu bestreiten, während die Phillies gleich fünfmal gegen die Mets antreten dürfen.

    In der NL Central behaupten die Chicago Cubs (69-50) ihren Spitzenplatz vor den Milwaukee Brewers (68-55), doch die eigentliche Nachricht in dieser Division sind die St. Louis Cardinals (66-55). Acht Spiele in Folge haben die Cardinals gewonnen und zehn der letzten elf. Damit sind sie wieder dick im Rennen sowohl um die Division als auch um eine Wild Card. Damit beweisen die Cardinals mal wieder ihr legendäres Talent, immer dann aufzutrumpfen, wenn sie gerade allseits abgeschrieben wurden. Der Wechsel zu einem Interims-Manager in der Saisonmitte, der Verzicht auf Verstärkungen zur Trade-Deadline – alles sah danach aus, dass man die laufende Saison unspektakulär ausklingen lassen wollte. Doch nun steht man plötzlich nur noch ein Spiel hinter dem derzeitigen Wild-Card-Inhaber, den Brewers – und erwartet ausgerechnet diese Brewers am Wochenende zu einer Drei-Spiele-Serie. Den entgegengesetzten Weg sind derweil die Pittsburgh Pirates (61-60) gegangen. Sie hatten zur Deadline mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela aufgerüstet, doch es sieht derzeit nicht danach aus, als könnten sie den Anschluss an die Playoff-Plätze noch mal herstellen. Die anstehende Vier-Spiele-Serie gegen die Cubs dürfte dafür bereits die letzte realistsiche Chance sein.

    Bleibt noch die NL West, nach wie vor die knappste Division der Liga mit weniger als zwei Spielen Abstand zwischen drei Teams. Die Arizona Diamondbacks (66-55) stehen noch vorne, konnten zuletzt aber nicht überzeugen: In Cincinnati verlor man die Serie 1:2, in Texas reichte es nur zu einem 1:1-Split. Das öffnete der Konkurrenz die Tür und vor allem die Colorado Rockies (64-56) nutzten die Chance, um sich zurück in die Spitzengruppe zu spielen. Entscheidend dafür war, dass die Rockies die Serie gegen die Los Angeles Dodgers (65-57) 3:1 für sich entschieden. Die Dodgers verloren nach den drei Spielen in Colorado noch zwei weitere gegen die San Francisco Giants (61-61), bevor sie letzte Nacht die Bremse fanden und einen Walk-off-Sieg über die Giants im zwölften Inning einfuhren. Die Dodgers könnten gerade gut einen Aufbaugegner gebrauchen, aber den bekommen sie nicht: Mit Seattle und St. Louis erwarten sie Teams, die selbst gerade jeden Sieg benötigen, um in Contention zu bleiben.

    Szene der Woche
    Wer die Liga über mlb.tv verfolgt, hat bestimmt schon zigmal die Szene gesehen, in der Yoenis Cespedes (damals noch bei den Athletics) aus dem Leftield heraus Howie Kendrick an der Homeplate auswirft. Das war 2014 und es wird bis heute immer wieder als Pausenfüller eingespielt, weil es so ein großartiges Play war. Nun gibt es einen würdigen Nachfolger für diese Szene und die Hauptperson trägt ebenfalls das Trikot der Athletics: Rookie Ramon Laureano komplettierte ein traumhaftes Doubleplay gegen die Angels, als er am Samstag einen Flyball ins linke Centerfield mit einem für sich allein schon sehenswerten Catch eroberte und dann einen unglaublichen Wurf 321 Fuß (98 Meter) weit perfekt an die erste Base feuerte, bevor Eric Young es dorthin zurück schaffen konnte.

    Statistik der Woche 
    3. So viele Homeruns schlug der Rookie-First-Baseman der Toronto Blue Jays, Ronald Guzman, am Freitag beim 12:7-Sieg über die Yankees. Guzman ist der erste Rookie, dem dies jemals in einem Spiel gegen die Yankees gelungen ist, und die Yankees dürften auch sonst sein Lieblingsgegner sein: In 17 At-Bats gegen die New Yorker hat Guzman dieses Jahr 6 Homeruns erzielt. Gegen den Rest der MLB waren es insgesamt 7 in 271 At-Bats.

    Spiel der Woche
    Die Nationals sind diese Woche faktisch aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden und wenn man später zurückblickt, wird man möglicherweise ein Spiel als den entscheidenden Knackpunkt der Saison ausmachen: In der bis dahin unentschiedenen Serie zwischen den Nationals und den Cubs trafen am Sonntagabend Cole Hamels und Max Scherzer aufeinander. Beide Pitcher hatten einen hervorragenden Tag und hielten je 7 Innings durch, in denen Scherzer nur drei, Hamels sogar nur einen Hit erlaubten. Mit Glück und Geschick hatten die Nationals aus diesem einen Hit im zweiten Inning eine 1:0-Führung gezaubert (Walk, Single, Sacrifice Fly) und als ihnen im neunten Inning gegen ihren Ex-Teamkameraden Brandon Kintzler durch zwei weitere Hits zwei weitere Runs gelangen, schien das Spiel so gut wie gewonnen. Ryan Madson übernahm den Mound als Closer, bekam den Job aber nicht erledigt: Durch einen Single und zwei Hit-by-Pitches lud er die Bases und bei zwei Outs kam Pinch Hitter David Bote an die Platte. Der war zwar nur einen Strike vom dritten Aus entfernt, schlug aber den kniehohen Fastball weit übers Centerfield zum Walkoff-Grand-Slam. Man nennt so etwas – einen Homerun mit Bases Loaded und drei Runs Rückstand im unteren neunten oder Extra-Inning – auch einen „Ultimate Grand Slam“. Ein solcher kam bislang erst 27-mal vor und ist damit ähnlich selten wie das perfekte Spiel eines Pitchers.

    Mein Einschalttipp
    Ich habe ja oben schon erwähnt, dass es zurzeit vor allem in der AL West richtig rund geht, was direkte Duelle um die Playoff-Plätze angeht. Dort lohnt es sich auf jeden Fall, täglich reinzuschauen. Aber da mein letzter Einschalttipp schon diese Division betraf, gibt es eine andere Empfehlung: Die Atlanta Braves und die Colorado Rockies haben beide zurzeit einen Lauf und es wird interessant zu sehen sein, ob und wie sich das fortsetzt, wenn sie es von heute bis Sonntag miteinander zu tun bekommen. Das attraktivste Matchup gibt es Freitagnacht ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit zwischen Colorados Kyle Freeland (3.02 ERA, 3.95 FIP) und Atlantas Sean Newcomb (3.40 ERA, 4.15 FIP). Wer nachts lieber schläft, kann das letzte Spiel der Serie am Sonntag ab 19:35 Uhr unserer Zeit anschauen. Pitchen werden dann vermutlich German Marquez (4.51 ERA, 4.07 FIP) und Anibal Sanchez (3.07 ERA, 3.77 FIP).

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    Mai 10th, 2018 by Silversurger

    Das Evil Empire hat die Herrschaft übernommen: Nach 17 Siegen in den letzten 18 Spielen, darunter acht in Folge gegen die drei härtesten Konkurrenten in der American League, stehen die New York Yankees an der Spitze der MLB. Aber nicht nur aus New York gab es diese Woche Schlagzeilen: In zwei verschiedenen Ländern außerhalb der USA wurden diese Woche No-Hitter in MLB-Spielen geworfen, Albert Pujols hat seinen 3000. Hit erzielt und Dylan Bundy einen ungeliebten Rekord aufgestellt. Das und alles, was man sonst über die Woche in der MLB wissen sollte, gibt es auch am heutigen Feiertag im Grand Slam am Donnerstag. Und wenn ihr fertig gelesen habt und nicht allzu weit von Berlin, Köln, Dohren, Mainz, Heidenheim oder Ulm wohnt: Macht euch auf in den Ballpark, die Bundesliga spielt heute!

    National League
    Die Washington Nationals (20-18) scheinen drauf und dran, die National League East von hinten aufzurollen. Nach neun Siegen in den letzten elf Spielen ist der Fehlstart in die Saison bereits so gut wie vergessen. Mit den Diamondbacks, den Yankees und den Dodgers erwartet sie für die nächsten zehn Tage allerdings ein heftiges Programm. Die Atlanta Braves (21-14) hingegen treffen in sieben der nächsten elf Spiele auf die Miami Marlins (13-23). Das klingt nach einer guten Chance für das Überraschungsteam des Jahres, die Führung in der Division erst mal wieder auszubauen. Ein weiteres Überraschungsteam redet dabei ein Wörtchen mit: Die Philadelphia Phillies (21-15) stehen nur ein halbes Spiel hinter Atlanta und das nicht aus Zufall, sondern weil sie neben einer soliden Offense die besten Pitchingwerte der NL East aufweisen – wer hätte das gedacht? Die New York Mets (18-17) sind derweil nach ihrem Höhenflug der ersten Saisonwochen hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet und stehen nur noch knapp positiv, nachdem sie acht der letzten neun Spiele verloren. Endgültig erledigt hat sich bei ihnen das Kapitel Matt Harvey: Der einstige Leistungs- und Hoffnungsträger hatte sich in den vergangenen zwei Jahren durch mehrere Verletzungen, schwankende Leistungen und eine nicht immer vorbildliche Arbeitseinstellung zunehmend ins Abseits befördert. Am Samstag wurde Harvey designated for assignment, am Dienstag einigten die Mets sich mit den Cincinnati Reds auf einen Trade gegen Catcher Devin Mesoraco. Mesoraco ist selbst ein Spieler, der vor ein paar Jahre hohe Erwartungen weckte, diese dann aber vor allem wegen Verletzungen nie erfüllen konnte. Es scheint mir eine gute Lösung für alle Beteiligten zu sein, dass Harvey und Mesoraco nun die Chance zum Neuanfang in einer neuen Umgebung haben. Interessant übrigens, wie schnell es im Baseball manchmal geht: Mesoraco stand am Dienstag zunächst im Lineup der Reds für das Spiel gegen die Mets. Eine Stunde vor Spielbeginn wurde der Wechsel bekannt gegeben, Mesoraco wurde aus dem Reds-Lineup gestrichen und hatte im neunten Inning den ersten Pinch-Hit-Auftritt für sein neues Team gegen das alte.

    Die Cincinnati Reds (10-27) haben von den Mets nicht nur Matt Harvey übernommen, sie haben ihnen auch zwei von drei Spielen abgenommen und sind dadurch nicht mehr das schlechteste Team der MLB. In der NL Central bleiben sie dennoch abgeschlagen Letzter und das wird sich angesichts der starken Konkurrenz wohl auch nicht mehr ändern. Obwohl die St. Louis Cardinals (20-14), die Milwaukee Brewers (21-16), die Pittsburgh Pirates (21-16) und die Chicago Cubs (19-15) am vergangenen Wochenende diverse Spiele untereinander zu absolvieren hatten, brachten diese keine Klarheit in den Kräfteverhältnissen zu Tage. Alle vier Teams sind immer noch ganz eng zusammen und bilden somit von allen Divisionen die größte und spannendste Spitzengruppe.

    Das Gegenteil davon ist die NL West als einzige Division, in der ein Team an der Spitze schon mehr als zwei Spiele Vorsprung hat. Genauer gesagt sind es 3.5 Spiele, die die Arizona Diamondbacks (24-12) vor den Colorado Rockies (21-16) liegen. Die Rockies sind übrigens ein interessantes Phänomen: Ihre Offense kommt kaum in Schwung, das Pitching ist auch nicht besonders gut, dementsprechend weisen sie auch ein negatives Run Differential (-16) auf, aber trotzdem gewinnen sie einen Haufen Spiele und halten sich weit vor den Los Angeles Dodgers (16-20), die mit einer besseren Offense, besserem Pitching und einem Run Differential von +10 aufwarten. Die Dodgers sind übrigens zurzeit das einzige Team der Liga, das mit einem positiven Run Differential eine negative Bilanz aufweist. Zwischen den Rockies und den Dodgers stehen in der Tabelle noch die San Francisco Giants (19-18). Bei den Giants bin ich noch weit entfernt von einer konkreten Idee, was ich von ihnen halten soll. Auch sie stehen mit negativem Run Differential bei einer positiven Sieg-Niederlagen-Bilanz, aber ich traue ihnen noch eine deutliche Steigerung zu, wenn spätestens in der zweiten Saisonhälfte die verletzten Top-Pitcher Madison Bumgarner und Johnny Cueto wieder mitwirken können.

    American League
    Es brauchte ein bisschen Anlauf, weil die Boston Red Sox (25-11) etwas schneller starteten als erwartet und die New York Yankees (26-10) etwas langsamer, aber inzwischen sind wir mitten in dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen um die American League East zwischen den beiden alten Kontrahenten. Die Bilanzen der beiden sind nicht nur innerhalb der Division, sondern auch MLB-weit absolute Spitze und mit 209 (Yankees) bzw. 200 (Red Sox) Runs haben sie die beiden besten Offenses der Liga. Hinter den Rivalen tut sich bereits eine gewisse Kluft auf, 6.5 Spiele liegen die Toronto Blue Jays (20-17) trotz positiver Bilanz schon zurück, von den Tampa Bay Rays (15-19) und den Baltimore Orioles (9-27) gar nicht zu reden. Letztere sind mit einer Siegquote von nur 25% mittlerweile das schlechteste Team der MLB, was auch ihr katastrophales Run Differential von -78 bestätigt.

    Schaut man sich die AL Central derzeit im Vergleich mit den anderen Divisionen an, so erscheint es fast schade, dass sie mindestens einen Playoff-Teilnehmer stellen wird. Denn man hat zurzeit nicht den Eindruck, dass irgendjemand ernsthaft daran interessiert ist, diese Division zu gewinnen. Vorne stehen die Cleveland Indians (18-18) und entsprechen somit von der Platzierung her den Erwartungen, allerdings nicht mit ihrer gerade mal ausgeglichenen Bilanz. Der Rest der Gruppe – die Minnesota Twins (15-17), die Detroit Tigers (15-21), die Kansas City Royals (12-24) und die Chicago White Sox (9-25) stehen allesamt im negativen Bereich. Immerhin haben die Twins nach einem ausgedehnten Slump zuletzt deutliche Lebenszeichen gesetzt, indem sie fünf Spiele in Folge gewannen. Unser Lokalmatador Max Kepler konnte dazu leider nicht allzu viel beitragen: Sein Mai läuft mit einer Slashline von .200/.333/.267 bislang bei weitem nicht so gut wie die Saison bis dahin. Hoffen wir, dass er bald wieder die Kurve kriegt.

    Die Fans der Los Angeles Angels (22-14) werden diese Hoffnung nicht teilen, denn mit ihrem Team werden Kepler und seine Twins es an den kommenden vier Tagen zu tun bekommen. Die Angels arbeiten erfolgreich daran, dem Titelverteidiger und Favoriten Houston Astros (24-15) in der AL West das Leben schwer zu machen und sich gleichzeitig die ebenfalls überraschend starken Seattle Mariners (20-15) vom Hals zu halten. In Seattle hat übrigens relativ heimlich, still und leise eine wahre Legende ihre Karriere so gut wie beendet: Ichiro Suzuki kündigte am Wochenende an, dieses Jahr nicht mehr zu spielen. Der 44-Jährige wechselt stattdessen als Assistent in den Trainerstab. Er wird nah am Team sein und wohl auch weiterhin mittrainieren, aber sein Spielervertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Möglicherweise gibt es 2019 noch einen angemessenen Abschied: Die Mariners eröffnen die nächste Saison am 20. und 21. März mit Spielen gegen die Oakland Athletics (18-19) in Tokio. Laut Seattles GM Jerry Dipoto ist es nicht unwahrscheinlich, dass Ichiro dann noch einmal die Mariners-Uniform anzieht.

    Szene der Woche
    Meine Szene der Woche umfasst dieses Mal ein komplettes Halbinning. Gemeint ist das obere erste Inning der Partie zwischen den Baltimore Orioles und den Kansas City Royals vom Dienstag. Sage und schreibe zehn Runs erzielten die Royals – ausgerechnet die Royals, bis dato die zweitschlechtesten Run-Scorer der AL! – in diesem Durchgang. Darunter waren vier Homeruns, allesamt zugelassen von Orioles-Starter Dylan Bundy. Nach dem vierten Homer sowie zwischendurch einem Single und zwei Walks musste Bundy beim Stand von 0:7 den Mound räumen, ohne ein einziges Out erzielt zu haben. Vier zugelassene Homeruns eines Pitchers ohne ein Out sind ein historischer Rekord, auch wenn Bundy darauf nicht stolz sein wird. Mike Wright Jr. übernahm die Aufgabe, aus dem Inning heraus zu kommen, was ihm aber auch erst drei Runs später gelang. Insgesamt durften die Royals in diesem Inning 15 Batter an die Platte schicken.

    Statistik der Woche 
    3003. So viele Hits hat Albert Pujols in seiner MLB-Karriere erzielt. Er ist damit seit dieser Woche das 32. Mitglied im 3000er-Klub der Liga. Diesem gehören außer Pujols noch Adrian Beltre (3075) und Ichiro Suzuki (3089) als aktive Spieler an, an der Spitze steht Pete Rose mit 4256 Hits. Pujols‘ dreitausendster Hit war ein Single in Form eines Linedrives ins Rightfield gegen Mariners-Pitcher Mike Leake beim 5:0-Sieg seiner Angels am Freitag in Seattle.

    Spiel der Woche
    Den Titel des sehenswertesten Spiels muss ich in dieser Woche doppelt vergeben, nachdem es innerhalb weniger Tage gleich zwei No-Hitter zu sehen gab. Den ersten schafften die Los Angeles Dodgers am Freitag beim 4:0 gegen die San Diego Padres. Die Grundlage hatte Rookie Walker Buehler gelegt, der erst seinen dritten MLB-Start absolvierte und nach 94 Pitches in sechs Innings trotz des laufenden No-Hitters ausgewechselt wurde. Tony Cingrani, Yimi Garcia und Adam Liberatore übernahmen je eines der verbleibenden drei Innings und hielten sich schadlos, sodass die Dodgers zum ersten Mal in der Franchise-Geschichte einen combined No-Hitter bejubeln durften. Da sich das Ganze bei einem Gastspiel im mexikanischen Monterrey zutrug, war es zugleich der erste No-Hitter der MLB-Geschichte außerhalb USA und Kanadas. Apropos Kanada: Dort gab es mittlerweile sieben No-Hitter, den neuesten davon Dienstagnacht in Toronto. Der ging zwar auf das Konto des Gastteams, der Seattle Mariners, aber in gewisser Weise war es doch ein Heimspiel, denn der erfolgreiche Pitcher war der Kanadier James Paxton. Neben Paxton durfte sich Kyle Seager als Held feiern lassen, der an der dritten Base mit seiner Defensivaktion zum Ende des siebten Innings die beste Chance der Blue Jays auf einen Hit zunichte machte.

    Mein Einschalttipp
    Vermutlich habe ich an dieser Stelle noch keine Paarung so oft empfohlen wie die Boston Red Sox gegen die New York Yankees, aber was soll’s: Es ist nicht nur historisch die größte Rivalität im Baseball, sondern auch ganz aktuell das Duell der beiden erfolgreichsten Teams der Liga. Zwei hochkarätige und spannende Spiele haben sich die Kontrahenten gestern und vorgestern schon geliefert, beide mit dem besseren Ende für die Yankees. Heute Nacht steigt ab 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit das dritte und letzte Spiel der Serie im Yankee Stadium. Abonnenten von DAZN können live dabei sein, die Kunden von mlb.tv sowieso. Als Starter werden Eduardo Rodriguez (5.29 ERA, 4.55 FIP) für Boston und C. C. Sabathia (1.39 ERA, 3.59 FIP) für New York antreten. Der überraschend starke Routinier Sabathia hat übrigens kürzlich verraten, dass er ein klares Ziel vor Augen hat: Der 37-jährige möchte dieses Jahr die World Series gewinnen und sich dann zur Ruhe setzen.

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    April 26th, 2018 by Silversurger

    Die MLB-Saison ist noch jung und doch ist sie für fast ein Drittel der Teams bereits gelaufen. Klingt hart, ist aber so – jedenfalls, wenn man den in der Regel recht guten Prognosen von Fangraphs Glauben schenkt. Laut selbigen ist nach vier Wochen MLB bereits für neun der 30 Teams die Wahrscheinlichkeit für eine Playoff-Teilnahme auf ein Prozent oder weniger gesunken. Das ist schade für die Rays, Orioles, Tigers, Royals, White Sox, Rangers, Marlins, Reds und Padres. Es erleichtert ihnen aber andererseits, ihre Mühen und Planungen klar auf die längerfristige Entwicklung ihrer Teams auszurichten, was die meisten von ihnen ohnehin schon tun. Zum Vergleich: 2017 waren zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Teams so früh schon so deutlich abgeschrieben, die Padres und die Reds. 2018 geht die Schere also bislang deutlich schneller auseinander als im letzten Jahr und übrigens auch in den Vorjahren. Zum Glück sehen wir auf der anderen Seite der Tabellen aber auch einige sicher noch lange und enge Rennen um die Divisionen, sodass trotz der ungwohnt zahlreichen „Non-Contender“ für Spannung gesorgt ist. Insbesondere in der National League haben wir die interessante Situation, dass die Favoriten aller drei Divisionen mehr oder weniger einen Fehlstart hingelegt haben und nun schauen müssen, wie sie sich langsam wieder nach oben arbeiten.

    National League
    Auf die National League East trifft die Sache mit dem spannenden Rennen jedenfalls voll und ganz zu. Abgesehen von den Miami Marlins (7-17) machen sich hier alle Teams zurzeit berechtigte Hoffnungen, es in die Postseason zuschaffen. Da haben wir zunächst die New York Mets (15-7), die nach dem sehr starken Beginn zuletzt etwas nachgelassen haben. Insbesondere Matt Harvey und Steven Matz erlaubten sich schwache Starts, Harvey wurde sogar in den Bullpen herabgesetzt und ist damit alles andere als glücklich. Der von einer Verletzung zurückkehrende Justin Vargas soll das Loch in der Rotation stopfen. Sollten die Mets weiter schwächeln, stehen die Philadelphia Phillies (15-8) und die Atlanta Braves (13-10) schon bereit, um in die entstehende Lücke vorzustoßen. Beide spielen eine überraschend gute Saison und weisen mit +31 bzw. +27 bereits deutlich bessere Run Differentials auf als die Mets (+9). Die Braves erhoffen sich einen weiteren Schub durch ihr frisch im MLB-Kader angekommenes Top-Talent, den Outfielder Robert Acuna. Und dann gibt es da noch die Washington Nationals (11-14), die immer noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und gerade eine Serie gegen die San Francisco Giants verloren haben, auf lange Sicht aber nach wie vor als Favorit auf den Divisionssieg gelten.

    Die Parallele zur NL East ist unübersehbar, denn auch in der NL Central versteckt sich der Favorit, die Chicao Cubs (11-10) bislang auf dem vierten Platz. Und auch hier steht dahinter nur ein komplett hoffnungsloses Team, die Cincinnati Reds (5-19). Die Mannschaft der Stunde sind eindeutig die Milwaukee Brewers (16-9) mit derzeit acht Siegen am Stück. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass diese acht Siege gegen die Reds, die Marlins und die Royals eingefahren wurden, also gegen die wohl schlechtesten drei Teams der Liga. Umso mehr freue ich mich, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Cubs und den Brewers ansteht, die sicher dabei hilft, die Stärkenverhältnisse in der Division besser zu beurteilen. Mittlerweile nur noch Dritter sind die Pittsburgh Pirates (13-11), die einen furiosen Start hatten, dann aber von den letzten neun Spielen sieben verloren. Auch ihnen steht ein echter Härtetest bevor, denn am Wochenende müssen sie dreimal gegen die St. Louis Cardinals (14-9) ran, die ihrem Run Differential von +34 nach das aktuell stärkste Team der NL stellen.

    In der NL West finden wir den Favoriten einen Platz höher als in den beiden anderen Divisionen, aber zufrieden werden die Los Angeles Dodgers (11-12) damit sicher nicht sein. Zuletzt verloren sie zweimal hintereinander gegen die Marlins, unter anderem einen Start von Clayton Kershaw. Wobei Kershaw und die anderen Starter – außer vielleicht Rich Hill – kaum Schuld tragen an den enttäuschenden Ergebnissen der ersten vier Saisonwochen. Es sind vielmehr der Bullpen und die Offensive, die bislang nicht mehr als mittelmäßige Leistungen bringen und somit weit weniger als es den Ansprüchen in Los Angeles entspricht. Nutznießer davon sind bislang vor allem die Arizona Diamondbacks (16-7), deren Siegquote von 69,6% NL-Spitze ist. Beeindruckend ist vor allem das Pitching der Diamondbacks, das so wenige Runs (73) zugelassen hat wie kein anderes NL-Team. Sehr viele Runs mehr, nämlich 130, haben die Colorado Rockies (14-12) zugelassen. Das ist in Colorado ein Stück weit normal, doch mit 111 erzielten Runs und somit einem Run Differential von -19 trotzdem bei einer positiven Bilanz zu stehen, hat auch mit Glück zu tun, das man bekanntlich selten auf Dauer hat. Die San Francisco Giants (11-13) stehen beispielsweise mit genau dem gleichen Run Differential zwei Plätze weiter hinten. Anders als bei den Rockies ist es bei den Giants vor allem die Offense, die ihrem Job nicht gerecht wird; 76 Runs sind mit Abstand die wenigsten in der NL und auch MLB-weit haben nur die Royals (72 Runs) weniger gescort, allerdings mit zwei Spielen weniger.

    American League
    Die Boston Red Sox (18-5) sind immer noch das stärkste Team der MLB – sie haben die meisten Siege, die höchste Siegquote (78,3%), die zweitmeisten erzielten (131) sowie die zweitwenigsten erlaubten (67) Runs und das mit Abstand beste Run Differential (+64) der Liga. Und doch hat die Dominanz der Red Sox in den letzten Tagen einige deutliche Risse bekommen. Der Knackpunkt war der No-Hitter durch die Athletics (siehe „Spiel der Woche“), nach dem auch das nächste Spiel gegen die A’s und anschließend ein weiteres gegen die Toronto Blue Jays (14-9) verloren wurde. Letzte Nacht sah es in Toronto erneut nicht gut aus für die Red Sox, die aber dank der Einzelleistung von Mookie Betts mit zwei Homeruns knapp als Sieger vom Platz gingen. Nachdem die Red Sox nach ihrem Wahnsinns-Start also wieder etwas geerdet sind, wird es in der American League East richtig interessant. Außer den Blue Jays haben nun auch die New York Yankees (14-9) mit zuletzt fünf Siegen am Stück die Verfolgung voll aufgenommen. Fünf Siege hintereinander haben übrigens auch die Tampa Bay Rays (9-13) geschafft und nebenbei letzte Nacht eine der interessanten Storys der Woche geschrieben: Sechs Jahre und drei Tommy-John-Surgerys nach seinem letzten MLB-Einsatz feierte Pitcher Jonny Venters mit einem Relief-Einsatz gegen die Baltimore Orioles (6-18) sein Comeback. Es war ein kurzer, aber erfolgreicher Auftritt, in dem Venters sein Gegenüber Chris Davis in vier Pitches zu einem Groundout brachte.

    Die Cleveland Indians (13-9) tun das, was sie schon die ganze Saison über tun: in der Offense nur das Allernötigste, aber gerade genug, um auf der Basis hervorragenden Pitchings die Mehrzahl der Spiele zu gewinnen. Das tun sie in der AL Central derzeit relativ konkurrenzlos, denn mit den Detroit Tigers (10-12), den Chicago White Sox (5-16) und den Kansas City Royals (5-17) ist dieses Jahr generell kaum zu rechnen und nun sind auch noch die Minnesota Twins (8-11) mit sechs Niederlagen am Stück massiv abgestürzt. Nach je drei Niederlagen bei den Rays und den Yankees müssen sie heute noch einmal in New York antreten und sind dann sicher froh, diesen Auswärtstrip hinter sich zu haben. Zu Hause geht es am Wochenende gegen die Reds, die sich als Aufbaugegner für das schwächelnde Batting der Twins eignen könnten. Eine erschütternde Geschichte gibt es aus Chicago zu vermelden: Danny Farquhar, Reliever der White Sox, ist am Freitag während des Spiels gegen die Astros plötzlich bewusstlos zusammen gebrochen. Glücklicherweise wurde er schnell medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnblutung nach einem geplatzten Aneurysma festgestellt und operiert wurde. Die OP ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, Farquhar ist nach Auskunft der Ärzte ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen.

    Puh, wie leitet man nach so einer Nachricht am besten zurück zum sportlichen Geschehen in der AL West? Ich schätze, das geht nur mit einem harten Cut. Die Houston Astros (17-9) sehen in jeder Hinsicht aus wie das Championship-Team, das sie sind. Vom berüchtigten World Series Hangover gibt es keine Spur, die Offense schnurrt ebenso reibungslos wie das Pitching. Wenn der viertbeste Starter eines Teams Dallas Keuchel heißt und einen ERA von 3.10 aufweist und der sechstbeste Reliever Brad Peacock mit einem ERA von 2.84, dann läuft in Houston offenbar eine ganze Menge richtig. Eines ist allerdings anders als letztes Jahr: Während der Divisionssieg der Astros 2017 quasi von Anfang an ein Selbstläufer war, gibt es in dieser Saison unübersehbar Konkurrenz. Insgesamt vier Teams der AL West haben eine positive Bilanz, nach den Astros allen voran die Los Angeles Angels (16-9), die auch gerade eine Serie in Houston mit 2:1 entführen konnten. Ebenfalls positiv stehen die Seattle Mariners (13-10) und völlig unerwartet die Oakland Athletics (13-12), die acht ihrer letzten zehn Spiele für sich entschieden. Ich rechne zwar sowohl bei den Mariners als auch bei den Athletics damit, dass sie sich mittelfristig unter .500 einpendeln werden, aber ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, mich von ihnen weiterhin überraschen zu lassen. Eine Überraschung wäre auch, wenn die Texas Rangers (9-17) in diesem Jahr noch mal ein Bein auf den Boden bekämen. Nach einem ohnehin schwachen Saisonbeginn musste nun nach SS Elvis Andrus und 2B Rougned Odor auch noch ihr Star-3B Adrian Beltre mit einer Oberschenkelverletzung auf die Verletztenliste.

    Szene der Woche
    Diese Kategorie zu füllen, fällt mir regelmäßig am schwersten, weil bei über 90 Spielen pro Woche immer eine Riesenauswahl an tollen Szenen besteht. Unbedingt eine Erwähnung verdient hat diese Woche auf jeden Fall das Triple Play der Mariners gegen die Astros mit freundlicher Unterstützung von Evan Gattis. Bartolo Colon ist sowieso immer für ein Highlight gut, dieses Mal indem er ein Wettrennnen gegen Dee Gordon, einen der schnellsten Spieler der MLB, gewinnt. Die sehenswerteste Szene war für mich jedoch der Single von Ronald Torreyes im Spiel seiner Yankees gegen Toronto vom Freitag. Statistisch sollte man den Hit eigentlich nicht Torreyes gut schreiben, sondern seinem Bat, denn dieser hat den Job ganz allein erledigt, nachdem er seinem Träger aus der Hand gerutscht war

    Statistik der Woche 
    21. So viele Pitches sah Giants-1B Brandon Belt am Sonntag in einem At-Bat gegen Angels-Pitcher Jaime Barria. Das war das längste At-Bat seit mindestens 30 Jahren, vielleicht das längste aller Zeiten – vor 1988 gab es keine so exakten Aufzeichnungen. Belt lag im Count relativ schnell mit 1-2 zurück, foulte den Ball dann 16-mal weg, zwischendurch ließ er noch zwei Balls passieren. Erst den 21. Pitch, einen mittelhohen Inside-Fastball, schlug Belt ins Spiel und schied aus, indem Kole Calhoun den Ball im Rightfield aus der Luft fing.

    Spiel der Woche
    Die Saison 2018 hat ihren ersten No-Hitter und es ist einer für die Geschichtsbücher: Denn die Red Sox waren von ihrer Siege-Niederlagen-Bilanz her das beste Team, das im modernen Baseball je einen No-Hitter gegen sich hinnehmen musste. Obendrein waren die Red Sox das Team mit der zweitlängsten Serie ohne No-Hitter gegen sich. Vor 25 Jahren waren sie das letzte Mal ohne Hit geblieben. Länger ist es mit fast 27 Jahren nur bei den Oakland Athletics her – ausgerechnet bei den Athletics, die am Sonntag auf der anderen, der guten Seite des No-Hitters stehen durften. Einen interessanten Fakt habe ich noch: Sonnntag war das erste Mal seit 1990, dass ein Team ge-nohittet wurde, während es die MLB in erzielten Runs anführte. Der Pitcher, der damals gegen die Blue Jays den No-Hitter einfuhr: Dave Stewart von den Oakland Athletics. Dieses Mal war es Sean Manaea, der sich die für jeden Pitcher ganz besondere Auszeichnung ans Revers heften darf, in einem kompletten Spiel keinen einzigen Hit zugelassen zu haben. Zweimal hatte er dabei Glück mit – völlig vertretbaren – Entscheidungen der Scorer und der Umpires: zuerst im fünften Inning, als Sandy Leon die erste Base nach einem Drop von Marcus Semien erreichte und dieser als Error gewertet wurde; dann im sechsten, als Andrew Benintendi zunächst ein Single zugerechnet wurde, die Review aber doch ein Out ergab, weil er den Basepfad verlassen hatte, um einem Tag zu entgehen.

    Mein Einschalttipp
    In Washington läuft über das Wochenende eine interessante Serie, wenn die Nationals auf die Arizona Diamondbacks treffen. Die beiden Teams haben bislang auf unterschiedliche Weise überrascht: die Diamondbacks im positiven, die Nationals im negativen Sinne. Gelingt es den Nationals, in den drei Heimspielen den Knoten in ihrer Offense zum Platzen zu bringen, ausgerechnet gegen den pitchingstarken Gegner? Es geht in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1:05 Uhr unserer Zeit gleich mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Zack Godley und Stephen Strasburg los, das ihr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen könnt. Falls ihr in der Nacht lieber schlaft (oder noch gar nicht zu Hause seid?): Die beiden anderen Spiele der Serie kommen zu deutlich europafreundlicheren Zeiten am Samstag (22:05 Uhr) und – erneut auch auf DAZN – am Sonntag (19:35 Uhr).

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    April 19th, 2018 by Silversurger

    „Kepler hat ausgedient.“ Ich muss zugeben, dass mir kurz der Schreck in die Glieder fuhr, als ich heute Morgen diese Schlagzeile las. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht um unseren deutschen MLB-Star ging, sondern um das gleichnamige Weltraumteleskop. Irgendein Zusammenhang scheint allerdings zu bestehen, denn in der gleichen Nacht, in der das Teleskop „Kepler“ durch seinen Nachfolger „Tess“ abgelöst wurde, wurde auch Max Kepler mit Knieproblemen ausgewechselt. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin – und noch besser, dass es nach ersten Erkenntnissen keine schlimme Verletzung ist. Es wird erwartet, dass Kepler – der Spieler, nicht das Teleskop – nach ein, zwei Tagen Pause wieder voll einsatzbereit ist.

    Nach wie vor nicht voll einsatzbereit sind mehrere MLB-Ballparks. Die seit Wochen anhaltenen Wetterkapriolen führen nach wie vor zu zahlreichen Spielausfällen und somit zu recht krummen Tabellen; einige Teams haben schon 18 Spiele absolviert, die Twins erst 13. Sogar im überdachten Rogers Center in Toronto fiel diese Woche ein Spiel aus, weil eben jenes Dach ein Loch hatte, nachdem Eisbrocken vom benachbarten CN Tower herunter gefallen waren.

    American League
    Die Boston Red Sox (15-2) sind aktuell das Maß aller Dinge in der MLB. 88% ihrer Partien haben sie bislang gewonnen, darunter zuletzt sechs hintereinander und zwei sehr deutlich in den AL-Spitzenspielen gegen die Los Angeles Angels. An das Run Differential der Red Sox von +60 kommt ligaweit nur ein einziges Team auf mehr als die Hälfte heran und das ist der Divisionskonkurrent aus der American League East, die Toronto Blue Jays (12-5) mit +38. Auf das erste Aufeinandertreffen der Red Sox und der Blue Jays in der kommenden Woche darf man sich jetzt schon freuen. Vorher warten allerdings noch die New York Yankees (8-8) mit einer Vier-Spiele-Serie auf die Blue Jays (siehe „Mein Einschalttipp“). Die Yankees werden dringend beweisen wollen, dass sie mehr zu bieten haben als den durchwachsenen Start in die Saison. Arbeiten müssen sie vor allem an ihren Unkonzentriertheiten, die zu 17 Errors in 16 Spielen führten, den meisten in der AL. Relativ hoffnungslos erscheint schon kurz nach Saisonbeginn die Lage für die Baltimore Orioles und die Tampa Bay Rays (jeweils 5-13). Für die Rays gab es nun noch eine Hiobsbotschaft, denn einer ihrer wenigen Stars, CF Kevin Kiermaier, muss am Daumen operiert werden und fällt drei Monate lang aus.

    Die AL Central hat gerade Puerto Rico begeistert, genauer gesagt lieferten die Cleveland Indians (9-7) und die Minnesota Twins (8-5) sich dort eine Zwei-Spiele-Serie um die Vorherrschaft in der Division. Den Puerto Ricanern wurde einiges geboten: Das erste Spiel entschieden die Indians 6:1 für sich durch vier Homeruns, und den ersten erzielte ausgerechnet der in Puerto Rico geborene und aufgewachsene Francisco Lindor; das zweite Spiel entwickelte sich zu einem 16-Inning-Marathon, den die Twins schließlich 2:1 gewannen durch einen Run ihres Puerto Ricaners Eddie Rosario. Die Indians und die Twins bleiben somit eng beisammen an der Spitze der zweigeteilten Division, in deren unterem Teil die Detroit Tigers (6-9) derzeit das Schneckenrennen gegen die Chicago White Sox (4-11) und die Kansas City Royals (3-13) anführen.

    In Oakland wird derweil munter gefeiert, denn die Athletics (9-10) sind seit genau 50 Jahren dort zu Hause. Obwohl sie sich wohl nichts sehnlicher wünschen, als endlich aus dem alten Coliseum ausziehen zu dürfen, haben sie es noch mal ordentlich gefüllt, indem die Tickets für das Spiel am Dienstag verschenkt wurden. 46.028 Menschen folgten dem Aufruf, was trotz Gratistickets zwar kein ganz kein volles Haus war, angesichts der Umstände in Oakland aber als Erfolg gilt. Auch die Ergebnisse stimmen zurzeit, die A’s blicken auf ungewohnte vier Siege in Folge und auf zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Texas Rangers (7-13). Angeführt wird die AL West nach wie vor von den Los Angeles Angels (13-5). Die Angels haben durch die zwei Niederlagen gegen Boston deutlich an Boden verloren gegenüber den Houston Astros (12-7), welche in der gleichen Zeit zweimal die Seattle Mariners (9-7) abfertigten. Die Serie gegen Seattle ist jedoch noch nicht gewonnen, denn einmal haben auch die Mariners schon gewonnen und heute Abend gibt es eine vierte Partie.

    National League
    Das erfolgreichste Team der National League East und auch der NL ingesamt sind immer noch die New York Mets (13-4), auch wenn sie diese Woche erstmals eine Serie abgeben mussten: Zwei von drei Heimspielen gegen die Washington Nationals (9-10) wurden verloren, das dritte allerdings relativ spektakulär mit neun Runs im achten Inning gewonnen. Die Mets gegen die Nationals ist nach wie vor das Duell, auf das ich in dieser Division primär schaue. Doch bislang halten sich auch die Atlanta Braves und die Philadelphia Phillies (jeweils 10-7) weiterhin wacker. Die Phillies haben nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Pirates und die Diamondbacks. Die Braves müssen unterdessen viermal gegen die Mets antreten. Ihr prominenter Neuzugang José Bautista wird in diesen Spielen noch nicht zum Einsatz kommen; der 37-jährige Slugger soll in einem verlängerten Spring Training und dann zunächst in den Minors an Wettkampffähigkeit herangeführt werden, bevor ein Aufrücken in den MLB-Kader infrage kommt. Möglicherweise braucht man ihn aber doch relativ schnell, nachdem 1B Freddie Freeman letzte Nacht einen Pitch an die Hand bekommen hat, die schon einmal gebrochen war. Falls er länger ausfällt, könnte es ein paar Verschiebungen im Lineup geben und Bautista möglicherweise für die dritte Base infrage kommen.

    Die Cincinnati Reds (3-13) trennen sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Manager Bryan Price und Pitching Coach Mack Jenkins, die Meldung kam gerade ganz frisch rein. Abgesehen von den Reds am Ende der Tabelle sieht die NL Central bislang komplett anders aus als man es vor der Saison erwartet hätte. Die Pittsburgh Pirates (12-6) überzeugen nach wie vor vor allem mit Offensive und rehabilitierten sich letzte Nacht durch ein 10:2 gegen die Rockies für ihre erste verlorene Serie der Saison. Es folgen die St. Louis Cardinals (10-7) mit derzeit fünf Siegen am Stück und erst dann kommen die beiden Favoriten. Die Milwaukee Brewers (10-9) haben ein negatives Run Differential (-15), jedoch nach zwei Shutouts gegen die Reds immerhin wieder einen knapp positiven Record. Die Chicago Cubs (7-8) hatten in den letzten Tagen kaum Gelegenheit, ihre nicht zufriedenstellende Bilanz aufzubessern: Durch Spielausfälle war die 3:5-Niederlage gegen St. Louis vom Dienstag die einzige Partie, die die Cubs seit letztem Samstag absolvieren konnten.

    Ein Seriensweep gegen die San Diego Padres (7-13) hat den Los Angeles Dodgers (8-9) deutlich dabei geholfen, sich in der NL West ihrem angestammten Platz an der Spitze anzunähern. Noch sitzen dort die Arizona Diamondbacks (12-5) nach ihrem starken Start fest im Sattel und übers Wochenende dürfen auch sie dreimal gegen die Padres antreten. Allerdings müssen sie einen gewichtigen Ausfall verkraften, denn SP Taijuan Walker hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird wohl um eine Tommy-John-Surgery nicht herum kommen. Die Starting Rotation der Diamondbacks ist bislang eine Stärke, doch eine zuverlässige Nachfolge für Walkers Platz zeichnet sich nicht wirklich ab – außer Shelby Miller, der nach seiner eigenen Tommy-John-Surgery im Mai 2017 aber auch noch ein paar Monate brauchen wird. Auf Platz zwei halten sich die Colorado Rockies (11-9), die bislang eine recht untypische Saison spielen: Das traditionell heimstarke Team hat bislang nur zwei von sechs Spielen in Coors Field gewonnen, dafür aber neun von vierzehn Auswärtsspielen.

    Szene der Woche
    Bei aller Neutralität, um die ich mich hier bemühe, fällt es mir doch schwer, Szenen hervorzuheben, die sich gegen die Mets richten. Bryce Harper hätte mir fast keine andere Wahl gelassen mit dem unglaublichen Homerun, den er am Montag im Citi Field geschlagen hat. Ein guter Teil der Energie seines Schwung nach dem Pitch von Jacob deGrom muss dafür draufgegangen sein, den Schläger zu zerstören und dennoch bekam der Ball noch genug davon ab, um über den Zaun getragen zu werden. Zugegeben, das war beeindruckend, aber trotzdem gab es drei Tage zuvor eine noch erstaunlichere Szene. Ein 3-Run-Flyout hatte ich jedenfalls bisher noch nie gesehen, bevor mir Marlins-2B Starlin Castro – unter unfreiwilliger Mithilfe von Pirates-Catcher Elias Diaz – bewies, dass es so etwas tatsächlich gibt.

    Statistik der Woche 
    29. So viele At-Bats hat Steven Brault, Pitcher der Pittsburgh Pirates, in seiner MLB-Karriere bislang als Batter absolviert und nicht einen Strikeout kassiert. 29 At-Bats klingen nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine Leistung, die seit über 80 Jahren keiner geschafft hat. Im Klartext: Brault ist der erste Pitcher, der seine Karriere mit 29 oder mehr At-Bats ohne einen Strikeout beginnt, seit Jim Turner von den Boston Bees im Jahr 1937. Ich finde, das muss man mal erwähnt haben.

    Spiel der Woche
    Das aufregendste Spiel der vergangenen Tage war für mich das der Chicago Cubs gegen die Atlanta Braves vom Samstag. 10:2 führten die Braves bereits nach vier Innings und noch bis zur Mitte des sechsten Durchgangs. Die Cubs kamen dann zwar im sechsten und siebten Inning zu Runs, lagen aber bei zwei Outs im achten Inning immer noch mit fünf Zählern hinten. Bei kaltem Wind und konstantem Nieselregen gingen viele Zuschauer frühzeitig nach Hause und auch als Spieler sehnt man sich in so einer Lage danach, das Spiel möge bitte einfach nur bald vorbei sein. Sollte man jedenfalls meinen. Aber die Cubs kamen noch mal zurück und zwar in einer Weise, dass sich jeder, der zu früh gegangen ist, furchtbar ärgern wird. Neun Runs erzielten sie im achten Inning, alle bei zwei Outs und keinen davon per Homerun. Drei Hits, fünf Walks, ein Wild Pitch, ein Error und zwei Hits-by-Pitch trugen zu der Aufholjagd bei und zeigen, wie blank die Nerven in diesen Minuten bei den Braves gelegen haben müssen, die den Sieg innerlich wohl längst verbucht hatten und plötzlich kalt erwischt wurden.

    Mein Einschalttipp
    Starke Blue Jays, mittelmäßige Yankees – das hatten wir vor der Saison anders erwartet. Jetzt ist es an beiden, zu beweisen oder zu widerlegen, dass die bisherigen Ergebnisse ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprechen. Passenderweise sind die Blue Jays ab heute vier Tage lang zu Gast in New York, sodass sich das eine oder andere vielleicht direkt klären lässt. Mein Einschalttipp ist das vierte Spiel der Serie am Sonntag zur europafreundlichen Zeit von 19:05 Uhr MESZ. Auf dem Mound werden voraussichtlich Rechtshänder Luis Severino (2.63 ERA) für die Yankees sowie Linkshänder Jaime Garcia (3.86 ERA) für die Blue Jays stehen. Wie jedes MLB-Spiel kann man die Partie mit einem mlb.tv-Abo verfolgen. Falls ihr das nicht habt, aber Kunde bei DAZN seid, könnt ihr zwar nicht dieses Spiel sehen, aber immerhin die anderen drei dieser interessanten Serie.

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    März 22nd, 2018 by Silversurger

    Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

    Yankees und Red Sox kommen nach London 
    Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

    Cobb unterschreibt bei den Orioles 
    Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

    Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
    Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

    Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

    Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

    Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

    Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

    Neue Verträge für Altuve und Suarez
    Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

    Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

    Turner, Phelps und weitere Verletzte
    Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

    3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

    Und schon wieder eine Dopingsperre
    Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

    Die ultimative Rache des Mike Perez 
    Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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