August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

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April 25th, 2019 by Silversurger

Was für eine spannende Saison: Letzte Woche konstatierte ich an dieser Stelle noch, dass ein Team – die Tampa Bay Rays – in seiner Division bereits mit 5,5 Spielen Abstand vorne liegt. Seitdem hat sich die Lage dahin entwickelt, dass alle Erstplatzierten der sechs Divisionen zusammen nur noch fünf Spiele Vorsprung auf die Zweiten haben. Das Team der Stunde sind die Yankees, die seit letzter Woche jedes Spiel gewonnen haben. Einen noch größeren Erfolg haben die Oakland Athletics abseits des Platzes erzielen können: Sie konnten ihren Star-Slugger Khris Davis bis 2021 an sich binden. 33,5 Millionen für zwei Jahre sind aus Teamsicht ein ziemliches Schnäppchen. Davis hatte sich von vornherein dazu bekannt, in Oakland bleiben zu wollen und dafür auch weniger Gehalt zu akzeptieren als er woanders verdienen könnte.

American League
Die Tampa Bay Rays (16-9) sind von der Bilanz her nach wie vor das beste Team nicht nur der American League East, sondern der gesamten MLB. Doch ihre Dominanz bröckelt unübersehbar: Gegen den einen Favoriten in der Division, die Boston Red Sox (10-15), mussten die Rays diese Woche einen Drei-Spiele-Sweep einstecken. Der andere Favorit, die New York Yankees (14-10), legte derweil sechs Siege in Folge hin – obwohl seine Verletzungsmisere unvermindert anhält: Catcher Gary Sanchez ist zurück im Lineup, dafür mussten nun die Outfielder Aaron Judge und Clint Frazier auf die Inury-List gesetzt werden. Die Yankees stehen nun nur noch 1,5 Spiele hinter den Rays und der Vorsprung kann heute Nacht auf ein einziges Spiel schmilzen, wenn sie auch Spiel vier gegen die Angels gewinnen, während die Rays spielfrei sind. Danach müssen die Rays nach Boston, um erneut dreimal gegen die Red Sox anzutreten. Für die Toronto Blue Jays (11-14) steht morgen das wahrscheinlich interessanteste Ereignis des Jahres an, denn Vladimir Guerrero Jr. soll zu seinem ersten MLB-Einsatz kommen (siehe „Einschalttipp“).

An der Spitze der AL Central liefern die Minnesota Twins (13-9) und die Cleveland Indians (13-10) sich ein äußerst enges Rennen. Es wird in den nächsten Wochen ein Fernduell bleiben, denn ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten steht erst im Juni an. Die nächsten größeren Prüfsteine für beide sind die Astros: Die Indians müssen ab heute zu vier Spielen in Houston antreten, anschließend kommen die Astros für vier Spiele nach Minnesota. Ein etwas kurioser Fall sind die drittplatzierten Detroit Tigers (12-11): Ihre 76 erzielten Runs sind in der AL mit Abstand die wenigsten und das Run Differential mit -15 klar negativ. Dennoch bringen sie es auf eine knapp positive Bilanz. Man kann das auf eine besonders effektive Spielweise zurückführen, aber wahrscheinlich ist es eher Glück und gleichzeitig ein Hinweis, dass man sich mittelfristig eher im Bereich der Chicago White Sox (9-14) und der Kansas City Royals (8-17) einordnen wird.

Wie gerade schon erwähnt, haben die Houston Astros (15-9) eine schwierige Woche vor sich, da sie nun nacheinander gegen die beiden Top-Teams der AL Central antreten müssen. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass ihre beiden engsten Verfolger in der AL West zurzeit nicht den Eindruck erwecken, ihren guten Saisonstart auf Dauer fortzuführen: Die Seattle Mariners (16-11) haben sich gerade von den Padres sweepen lassen und die Texas Rangers (12-11) von den Oakland Athletics (14-13). Als nächstes treffen die Mariners und die Rangers viermal aufeinander, nehmen sich also in irgendeiner Konstallation gegenseitig die Punkte weg. Keine schlechten Voraussetzungen für die Athletics, das Feld von hinten aufzurollen – wozu sie allerdings eine ungeliebte Reise an die Ostküste (Toronto, Boston, Pittsburgh) erfolgreich gestalten müssen.

National League
Die National League East erweist sich bislang als der allseits erwartete Vierkampf. Nach 2:1 Siegen der New York Mets (13-11) über die Philadelphia Phillies (13-11) stehen beide nun gleichauf an der Spitze, unmittelbar gefolgt von den Atlanta Braves (12-11). Die Washington Nationals (11-12) fallen nach vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen ein bisschen ab. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Trend sich in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzt, denn die Nationals haben ein sehr anstrengendes Programm vor sich (Padres, Cardinals, Phillies, Brewers, Dodgers…).

In der NL Central ist zurzeit eine Menge Bewegung. An der Spitze stehen nach fünf Siegen in Folge inzwischen relativ klar die St. Louis Cardinals (15-9). Die Verfolgerplätze teilen sich zwei Teams, die offenbar in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Chicago Cubs (12-10) arbeiten seit zwei Wochen hart und erfolgreich daran, ihren Fehlstart in die Saison vergessen zu lassen, zuletzt gewannen sie Serien gegen die Diamondbacks und die Dodgers. Den Pittsburgh Pirates (12-10) hingegen scheint nach einem unerwartet starken Saisonbeginn etwas die Luft auszugehen. Vier Niederlagen hintereinander mussten sie einstecken, das Run Differential ist inzwischen in den negativen Bereich gerutscht und gegen Arizona musste das bis dato überragende Pitching einmal elf und einmal zwölf Runs einstecken. Ebenfalls abgerutscht sind die Milwaukee Brewers (13-13), die sieben der letzten acht Spiele verloren. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben sie sich eine Neuverpflichtung gegönnt: Starting Pitcher Gio Gonzalez kehrt für 2 Millionen Dollar für den Rest der Saison zurück nach Milwaukee.

Die engste Division, wenn man nach dem Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Platz geht, ist die NL West. Die Los Angeles Dodgers (15-11) sind zwar immer noch das Maß der Dinge, doch die Division ist in den letzten Tagen spürbar zusammengerückt. Möglich gemacht haben das zwei Niederlagen der Dodgers bei den Cubs, während die Arizona Diamondbacks (14-11), die San Diego Padres (14-11) und die San Francisco Giants (11-14) in den letzten Tagen jeweils drei Siege in Folge einfuhren. Auch die Colorado Rockies (11-14) sind im Kommen, sie haben genau wie die Diamondbacks acht der letzten zehn Spiele gewonnen.

Szenen der Woche
Dass Justin Bour gern mal auf das Erreichen einer Base verzichtet, haben wir letzte Woche schon gesehen. Diese Woche leistete Bour sich erneut die Hauptrolle in einem kuriosen Moment. Er schlug – bei einem Out und vorhandenem Runner auf der ersten Base – einen Popup im Infield und verzichtete darauf, zur Base zu laufen. Ein schwerer Fehler, den die Mariners eiskalt bestraften: Sie ließen den Ball auf den Boden fallen und sammelten dann durch Würfe an die zweite und die erste Base gemütlich ein Doubleplay ein. Die Szene eignet sich in mehrfacher Hinsicht als Lehrvideo: erstens dafür, warum man immer zur ersten Base rennen sollte, nachdem man den Ball ins Feld geschlagen hat; zweitens dafür, dass die Infield-Fly-Regel nicht gilt, solange nur ein Baserunner vorhanden ist.

Ein weiteres ungewöhnliches Doubleplay kann ich nicht unerwähnt lassen: Zuerst gelang es Athletics-Centerfielder Ramon Laureano, einen scheinbar sicheren Homerun von Teoscar Hernandez noch vom Zaun zu pflücken. Derweil war Justin Smoak von der ersten Base bereits losgelaufen, kehrte korrekterweise wieder zurück, lief dann aber nach einem zu weit geratenen Wurf erneut Richtung zweite Base und wurde dort schließlich von Jurickson Profar erwischt. Hier also der zweite frühe Kandidat für das Doubleplay des Jahres:

Statistik der Woche 
59. So viele Homeruns haben die Baltimore Orioles in dieser Saison schon zugelassen und damit einen Rekord aufgestellt, auf den sie sicher gern verzichten würden. Es sind die meisten Homeruns, die je ein Team innerhalb eines Monats erlaubt hat. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: In den Split-Statistiken werden üblicherweise März und April zusammengefasst. Ohne die vier Homeruns, die die Orioles schon im März kassiert haben, stehen sie diesen Monat bei „nur“ 55 und somit bei zwei weniger als die Oakland Athletics im Mai des Jahres 1964. Aber diese Spitzfindigkeit wird sich vermutlich bald in Luft auflösen, denn die Orioles haben noch fünf Spiele im April.

Spiel der Woche
Nichts fühlt sich besser an als ein Comeback-Win, insbesondere wenn man vorher eine Serie von Niederlagen einstecken musste. Als die Braves am Samstag in das Spiel gegen die Indians gingen, hatten sie viermal hintereinander verloren – zuletzt am gleichen Tag im ersten Teil des Doubleheaders. Und es schien einfach so weiterzugehen mit dem Absturz der Braves, die ihren Starter Touki Toussaint schon nach 1.1 Innings und sieben verschuldeten Runs vom Mound nehmen mussten. Ersatzmann Shane Carle, der als 26. Mann in den Kader des Doublheader-Tages geholt worden war, gelang es, mit 3.2 scorelosen Innings die Blutung zu stoppen und den Spielstand bei 0:7 einzufrieren. Mit einem Run im fünften und zwei im siebten Inning schien Atlantas Offensive zunächst nur Ergebniskosmetik zu betreiben. Doch im Endeffekt war das die Grundlage, im neunten Inning die Wende herbeizuführen. Clevelands Reliever Adam Cimber ließ drei Walks und ein Single zu, sein Nachfolger auf dem Mound Tyler Olson walkte seinen ersten und einzigen Batter. Cody Anderson kam rein, um beim Stand von 7:6 und zwei Outs gegen Ronald Acuna den Sack zuzumachen, doch dem gelang stattdessen ein Double, welcher das Ergebnis auf 8:7 für die Braves drehte. Closer A. J. Minter sorgte mit drei Strikeouts in der unteren Hälfte des Innings für das seltene Gefühl, dass die Braves stolz auf ihren Bullpen sein durften.

Mein Einschalttipp
Die Toronto Blue Jays spielen gegen die Oakland Athletics. Das klingt – sofern man nicht ein großer Anhänger eines der beiden Teams ist – nicht nach einem Matchup, dem man entgegenfiebert. Aber diesen Freitag schaut die Baseballwelt gespannt auf das Debüt von Vladimir Guerrero Jr. Der Nachwuchsspieler der Blue Jays hat die Minor Leagues dominiert und wird seit Monaten massiv gehypet als der nächste große Star der MLB. Nun ist endlich der lang ersehnte Call-up erfolgt und Vlad Jr. darf zeigen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Partie beginnt Freitagnacht um 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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März 28th, 2019 by Silversurger

Opening Day. Eine Woche nach dem „Gruß aus der Küche“ in Form der zwei Eröffnungsspiele zwischen Oakland und Seattle in Tokio beginnt heute endlich für alle MLB-Teams die Saison 2019. Da die Teams in den ersten Spielen in aller Regel ihre besten Pitcher ins Rennen schicken, stehen gleich ein paar echte Hammer-Matchups an. Die Tage vor dem Saisonbeginn waren dieses Jahr von ungewohnt vielen Vertragsverlängerungen für Top-Spieler geprägt – und leider auch vom üblichen Pensum niederschmetternder Verletzungsnachrichten. So ist die Saison für einige schon beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dallas Keuchel und Craig Kimbrel hingegen sind fit und dennoch wird ihr Saisonbeginn sich verspäten, denn beide sind am Opening Day immer noch ohne neuen Arbeitgeber.

Zwei Highlights des Eröffnungstages
Wenn es nach Monaten des Wartens endlich wieder losgeht, ist natürlich jedes Spiel ein Highlight für alle Beteiligten. Auf zwei besonders herausragende Matchups möchte ich dennoch hinweisen: In der National League trifft Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom mit den New York Mets auf den Zweitplatzierten der Cy-Young-Wahl, Max Scherzer, und die Washington Nationals. Das Spiel beginnt um 18:05 mitteleuropäischer Zeit. Sofern die Partie nach ungefähr drei Stunden beendet ist, lohnt es sich, gleich umzuschalten zur Übertragung aus Tampa Bay. Dort treten nämlich ab 21 Uhr unserer Zeit die Rays mit dem Cy-Young-Gewinner der American League, Blake Snell, gegen den Zweitplatzierten der Wahl, Justin Verlander, und die Houston Astros an. Interessantere Konstellationen hätte man sich kaum ausdenken können.

Jede Menge Vertragsverlängerungen
Der große Trend dieser Offseason oder zumindest der letzten Wochen ist der zu vorzeitigen Verlängerungen von Spielerverträgen. Es scheint derzeit sowohl bei den Klubs als auch bei den Spielern die Auffassung zu herrschen, dass man sein Schäfchen besser rechtzeitig ins Trockene bringt, statt in ein oder zwei Jahren die Ungewissenheiten der Free Agency auszutesten. Der große Paukenschlag war der Rekordvertrag von Mike Trout letzte Woche. In den folgenden Tagen schloss sich eine ganze Reihe weiterer Einigungen zwischen Starspielern und ihren aktuellen Vereinen an. Hier die wichtigsten, sortiert nach Höhe der garantierten Gehaltssummen:

Starting Pitcher Chris Sale hat für fünf weitere Jahre in Boston unterschrieben. Er erhält dafür 145 Millionen Dollar, zusätzlich zu den 15 Millionen, die ihm der bestehende Vertrag für 2019 einbringt. Von dem Geld sind 50 Millionen „deferred money“, das heißt diesen Teil erhält er von den Red Sox nicht gleich, sondern in Raten bis 2040.

Jacob deGrom hat sich mit den New York Mets auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, der allerdings eine Ausstiegsklausel für deGrom nach drei Jahren und eine Teamoption für die Mets auf ein sechstes Jahr enthält. Für die grundsätzlich vereinbarten fünf Jahre beträgt das Garantiegehalt des Pitchers 137,5 Millionen Dollar. Auch sein Vertrag enthält rund 50 Millionen Dollar, die erst mit 15 Jahren Verzögerung ausgezahlt werden.

Paul Goldschmidt hat zwar für die St. Louis Cardinals noch kein MLB-Spiel absolviert, aber der First Baseman fühlt sich bei seinem neuen Klub offensichtlich schon so wohl, dass er bereit war, sich ebenfalls für fünf Jahre zu binden. Der First Baseman, der von den Arizona Diamondbacks nach St. Louis getradet worden war, lässt sich seine Unterschrift mit 130 Millionen Dollar bezahlen.

Die Houston Astros haben sich gleich zwei Leistungsträger für die nächsten Jahre gesichert. Third Baseman Alex Bregman erhält einen Sechsjahresvertrag für glatte 100 Millionen Dollar, Starting Pitcher Justin Verlander bleibt nach seinem laufenden Vertrag für 2019 (28 Millionen) auch 2020 und 2021 in Houston und bekommt für die beiden Jahre zusammen weitere 66 Millionen.

Die Chicago Cubs behalten Starter Kyle Hendricks bis mindestens 2023 und bezahlen ihm dafür rund 63 Millionen Dollar. Sie haben sich zudem eine Teamoption auf die Saison 2024 gesichert, für die Hendricks weitere 16 Millionen bekäme.

Knebel, Souza Jr.: Saison gelaufen
Die Pechvögel der Woche sind Outfielder Steven Souza Jr. von den Arizona Diamondbacks und Closer Corey Knebel von den Milwaukee Brewers. Souza Jr. zog sich bei einem einem Slide über die Homeplate im Spring-Training-Spiel gegen die White Sox mehrere Bänderrisse im linken Knie zu. Er hatte sich gerade erst von einer anderen Verletzung zurück gekämpft und sollte einen Stammplatz im Rightfield der Diamondbacks einnehmen. Der Posten wird nun wohl von Neuverpflichtung Adam Jones übernommen.

Für Knebel deutet, nachdem sich ein seit Jahren bestehender leichter Bänderriss im Ellenbogen verstärkt hat, alles auf eine Tommy-John-Surgery hin. Wenn sich das bestätigt, wird er bis in die kommende Saison hinein ausfallen. Der Bullpen der Brewers, eigentlich das Prunkstück des Teams, hat damit schon den zweiten herben Rückschlag erlitten, denn auch Jeremy Jeffress wird mit Schulterproblemen zumindest noch einige Wochen ausfallen. Die Brewers sind nach den schlechten Nachrichten noch einmal tätig geworden und haben Reliever Alex Wilson für ein Jahr unter Vertrag genommen.

Einige weitere prominente Verletzungsopfer dieser Woche werden wohl zumindest irgendwann im Laufe der Saison wieder zur Verfügung stehen. Second Baseman Scooter Gennett von den Cincinnati Reds wird mit einer Leistenzerrung zwei bis drei Monate ausfallen. Für First Baseman Matt Olson von den Oakland Athletics lautete die Prognose nach seiner Handfraktur zunächst auf sechs bis acht Wochen Ausfallzeit. Möglicherweise rechnen die A’s aber doch mit einer längeren Pause, jedenfalls haben sie gestern mit Kendrys Morales von den Toronto Blue Jays eine Vertretung für Olson geholt. Auch Francisco Lindor fällt noch eine Weile aus. Der Shortstop der Cleveland Indians war gerade dabei, nach einer Wadenverletzung wieder Spielform aufzubauen, doch nun macht der Knöchel Probleme. Es werden neue Untersuchungen nötig, Lindors Rückkehr ins Team verschiebt sich auf bislang unbestimmte Zeit.

Was wird aus Keuchel und Kimbrel?
Es wurde auch dieses Jahr viel über die langsame und ereignisarme Free Agency geklagt, aber im Endeffekt sind doch fast alle „eindeutigen“ Major Leaguer wieder für gutes Geld bei MLB-Klubs untergekommen. Die beiden Ausnahmen sind Starting Pitcher Dallas Keuchel und Reliever Craig Kimbrel. Zumindest in der frühen Phase der Offseason gab es wohl ein paar Angebote und Verhandlungen, doch beide Pitcher konnten sich nicht mit einem Klub einigen. Es hing (natürlich) am Geld, vor allem aber auch an der Vertragslaufzeit, denn der 31-jährige Keuchel und der in Kürze ebenso alte Kimbrel bestehen auf der Sicherheit eines mehrjährigen Engagements. In den letzten Wochen wurde es um beide erstaunlich ruhig. Ich schätze, sie werden abwarten, bis der eine oder andere Klub durch Verletzungen anderer Spieler unter Handlungsdruck gerät und dann doch bereit ist, das Portemonnaie etwas weiter aufzumachen.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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März 5th, 2019 by Silversurger

In einer Division mit den New York Yankees und den Boston Red Sox kann man recht ungestört an einem Neuaufbau arbeiten. Da an diesen beiden derzeit nicht vorbei zu kommen ist, ist die Erwartungshaltung bei den Toronto Blue Jays für die bevorstehende Saison sehr niedrig. Das gilt jedenfalls für das Team insgesamt, es gilt aber nicht für einen ganz bestimmten Spieler: Die Erwartungen an Nachwuchshoffnung Vlad Guerrero Jr. könnten höher kaum sein. Der Junge wird nächste Woche 20 Jahre alt, hat noch keinen MLB-Pitch gesehen und wird bereits verehrt wie ein Heilsbringer. Wenn er den Vorschusslorbeeren halbwegs gerecht wird, ist Vlad Jr. dieses Jahr der Hauptgrund, ein Spiel im Rogers Center zu besuchen. Viel mehr Gründe dafür fallen einem derzeit nicht ein, aber mittelfristig scheinen die Blue Jays auf einem guten Weg zu sein. Die Farm ist gut mit Talenten bestückt, während man sich von finanziellen und sportlichen Altlasten im Kader konsequent getrennt hat – selbst wenn es bedeutete, wie im Fall Troy Tulowitzki mal eben 38 Millionen Dollar aus dem Fenster zu werfen. Die sportliche Verantwortung für den Aufbau eines neuen, konkurrenzfähigen Blue-Jays-Teams wurde Charlie Montoyo übertragen. Der 53-Jährige war zuletzt Bench Coach der Tampa Bay Rays und hat ansonsten viel Erfahrung als Minor-League-Coach. Für die Entwicklung eines jungen Rosters könnte er somit genau die richtige Besetzung sein.

Voraussichtliches Lineup
C Danny Jansen
1B Justin Smoak
2B Devon Travis
SS Freddy Galvis
3B Vladimir Guerrero Jr.
LF Billy McKinney
CF Kevin Pillar
RF Randal Grichuk
DH Kendrys Morales

Voraussichtliche Rotation
RHP Marcus Stroman
RHP Aaron Sanchez
RHP Matt Shoemaker
LHP Ryan Borucki
LHP Clayton Richard
Key Reliever: Ken Giles

Wichtigster Zugang
SS Freddy Galvis (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
SS Troy Tulowitzki (New York Yankees)

Bestes Prospect
3B Vladimir Guerrero Jr.

Größte Stärke
Das Supertalent: Mit Schlagleistungen von .381/.437/.636 dominierte Vlad Jr. 2018 die Minor Leagues und wäre zweifellos reif gewesen für die Beförderung in die Major League. Die Blue Jays entschieden sich dagegen und sie werden ihr Top-Prospect wohl auch zum Saisonstart 2019 noch nicht einsetzen. Es geht dabei um „Service-Time“, das heißt um die Dauer der Teamkontrolle über den Spieler: Wenn sie mit dem Call-up bis Mitte April warten, zählt 2019 nicht als volles Jahr und der Spieler ist statt sechs Jahren knapp sieben Jahre an den Klub gebunden, bei dem er sein MLB-Debüt gibt.

Größte Schwäche
Das Outfield: Centerfielder Kevin Pillar ist einer der besten Feldspieler der Liga, doch mit dem Schläger trifft er den Ball weder hart noch oft. Rightfielder Randal Grichuk hat ordentliche Homerunpower, sammelt aber Strikeouts in rekordverdächtiger Zahl. Ein ähnlicher Typ wie Grichuk ist Teoscar Hernandez, der sich im Leftfield mit dem unerprobten Billy McKinney abwechseln wird. Es ist wohl keine weit hergeholte Prognose, dass 2019 kein einziger Outfielder der Blue Jays eine On-Base-Percentage über .300 erreichen wird.

Spannendste Frage
Kann die Rotation gesund bleiben? Marcus Stroman, Aaron Sanchez und Matt Shoemaker sind potenziell solide Starter, litten aber in den vergangenen zwei Jahren allesamt unter diversen Verletzungen. Clayton Richard ist der einzige unter den diesjährigen Blue Jays, der es 2018 (für die Padres) auf über 150 Innings brachte – allerdings mit einem üblen ERA von 5.33.

Meine Prognose
Platz 4 in der AL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 31st, 2019 by Silversurger

Bryce Harper, Manny Machado, J. T. Realmuto. Ich wollte die Namen nur mal wieder genannt haben, weil die ganze MLB-Offseason sich um sie zu drehen scheint. Das war auch diese Woche nicht anders, obwohl es in Bezug auf die Drei nichts wirklich Neues gibt: Favoriten sind nach wie vor die Phillies für Harper und die White Sox für Machado, während die Marlins für Realmuto offenbar nach wie vor Mondpreise verlangen, sodass auch mit den neuesten Interessenten – den Reds und den Padres – bisher noch keine Vereinbarung zu erzielen war. Ganz ereignislos war die Woche aber nicht. Hier sind die neuesten Entwicklungen aus der MLB sowie ein TV-Tipp von ganz woanders:

Dodgers holen A. J. Pollock
Der hochwertigste Free-Agent-Move der Woche ist leider so alt, wie er in diesem Artikel nur sein kann: Keine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Outfielder A. J. Pollock sich mit den Los Angeles Dodgers einig geworden ist. Pollock erhält einen Vierjahresvertrag über 50 Millionen Dollar sowie die Option, den Vertrag von seiner Seite aus um ein Jahr zu verlängern. Dafür würde er abhängig von seinen vorherigen Leistungen weitere 10 bis 20 Millionen erhalten. Pollock kann im Feld ruhigen Gewissens auf allen Outfield-Positionen eingesetzt werden und ist am Schlag eine verlässliche rechtshändige Ergänzung für das linkshänderlastigen Lineup der Dodgers. Dadurch, dass die Dodgers sich mit Pollock den zweitumworbensten Outfielder der diesjährigen Free Agency gesichert haben, dürfte es so gut wie sicher sein, dass sie sich nicht mehr am Ringen um die Dienste von Bryce Harper beteiligen.

Marco Estrada zu den Athletics
Die Oakland Athletics bauen weiter an ihrer Starting Rotation und haben nun nach Mike Fiers und Joakim Soria auch Marco Estrada verpflichtet. Der 35-Jährige hatte in Toronto zuletzt zwei eher schwache Jahre, doch die A’s hoffen, dass er nach überstandenen Rückenproblemen zu früheren Leistungen zurückfindet. Estrada erhält einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar.

Blue Jays verpflichten Freddy Galvis
Estradas früherer Klub, die Toronto Blue Jays, gönnt sich derweil einen neuen Shortstop. Freddy Galvis ist ein solider Feldspieler und ein eher unterdurchschnittlicher Batter, aber immerhin ein Muster an Durchhaltevermögen: Er hat als ein einziger MLB-Spieler sowohl 2017 (für die Phillies) als auch 2018 (für die Padres) alle 162 Spiele der jeweiligen Saison absolviert. Galvis erhält einen Einjahresvertrag, der ihm 5 Millionen Dollar garantiert und eine Kluboption für ein weiteres Jahr und 4,5 Millionen enthält.

Neil Walker wird ein Marlin
Die Miami Marlins versuchen auch 2019, mit möglichst geringen Gehaltszahlungen durch eine weitere Aufbausaison zu kommen. Aber den einen oder anderen erfahrenen Spieler braucht man dann doch auf dem Feld und mit Infielder Neil Walker dürfte man einen recht guten Deal gemacht haben. Der 33-jährige, zuletzt für die Yankees aktive Switch-Hitter unterschreibt für ein Jahr und 2 Millionen Dollar.

Diverse Reliever finden ein neues Zuhause
Besonders aktiv war diese Woche der Markt für Relief Pitcher. Die relevanteste Neuverpflichtung war Linkshänder Justin Wilson, der für 10 Millionen Dollar einen Zweijahresvertrag bei den New York Mets unterschrieben hat. Wilsons alter Klub, die Chicago Cubs, wurde sich derweil mit Brad Brach einig. Brach erhält 4,35 Millionen für ein Jahr, danach gibt es eine beidseitige Option, durch die der Vertag sich auf zwei Jahre und bis zu 9,5 Millionen erstrecken würde. Greg Holland geht zu den Diamondbacks und wird dort für ein Jahr leistungsabhängig 3,5 bis 7 Millionen bekommen. Oliver Perez bleibt bei den Cleveland Indians. Sein Vertrag bringt ihm 2,5 Millionen für ein Jahr und verlängert sich automatisch, wenn der 37-Jährige 2019 in mindestens 55 Spielen auftaucht. Für die Seattle Mariners wird Hunter Strickland vermutlich besonders motiviert auftreten, denn er kann das Volumen seines Vertrages leistungsabhängig von 1,3 Millionen auf 2,6 Millionen verdoppeln. Er käme damit in die Größenordnung des Grundgehalt von Shawn Kelley, welcher sich mit den Texas Rangers auf 2,5 Millionen für ein Jahr plus Option auf ein zweites Jahr geeinigt hat, ebenfalls mit leistungsbezogenen Bonusmöglichkeiten.

Royals verlängern mit Merrifield
Preisfrage: Welcher MLB-Spieler führte 2018 sowohl mit den meisten Hits (192) als auch mit den meisten Stolen Bases (45) die gesamte Liga an? Ganz ehrlich, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass es 2B Whit Merrifield von den Kansas City Royals war. Im Gegensatz zu mir scheinen die Royals sehr genau zu wissen, was sie an ihm haben, deshalb haben sie ihm eine Vertragsverlängerung bis 2023 zukommen lassen. Die Konditionen von 16,25 Millionen Dollar Garantiegehalt und bis zu 2 Millionen Leistungsboni für die vierjährige Laufzeit klingen geradezu unverschämt günstig. Das relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass der Spätentwickler Merrifield – er spielte seine erste volle MLB-Saison 2017 im Alter von 29 Jahren – ohnehin noch bis 2022 unter Teamkontrolle gewesen wäre und 2019 für das Mindestgehalt hätte spielen müssen. Der Vertrag verlängert diese Zeit somit nur um ein Jahr und gibt dem Spieler im Gegenzug eine ordentliche finanzielle Sicherheit.

Lovullo bleibt bis 2021 in Arizona
Auch die Arizona Diamondbacks und Torey Lovullo haben sich auf eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit geeinigt: Der Vertrag des Managers, der Ende 2019 ausgelaufen wäre, wird bis 2021 verlängert. Lovullo hatte die Diamondbacks in seinem ersten Jahr 2017 zu einer überraschenden Bilanz von 93-69 und in die Playoffs geführt. 2018 hatten sie eine schwächere, aber immer noch solide Saison mit 82 Siegen und 80 Niederlagen.

Lust auf auf Live-Baseball? 
Baseball live, am Februar-Wochenendmorgen gemütlich ans Bett serviert – gibt’s nicht? Gibt’s doch! In Australien steht die Serie um die Meisterschaft der ABL an und ABL.TV streamt die Best-of-3-Serie kostenlos in die ganze Welt. Die Kontrahenten sind die Brisbane Bandits und Perth Heat. Beide haben ihre Division gewonnen und sich im Playoff-Halbfinale verdient durchgesetzt.

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Januar 17th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency der MLB entwickelt sich, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Nachdem letzte Woche vor allem Catcher und Reliever gefragt waren, haben nun die besten verfügbaren Second Basemen ihre neuen Arbeitgeber gefunden. Brian Doziers Anheuern in Washington hatte es in letzter Sekunde noch in den letzten Grand Slam geschafft. In den Tagen darauf entschieden sich Jed Lowrie und D.J. LeMahieu, dass es sie beide nach New York zieht. Die größten Schlagzeilen machte derweil ein junger Sportler, der vielleicht nie in der MLB spielen wird.

Murray meldet sich zur NFL-Draft
Die Posse um Kyler Murray geht weiter: Der 21-Jährige ist ein Top-Talent sowohl als Baseball-Outfielder wie auch als Football-Quarterback und er kann sich offenbar nicht zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Letztes Jahr gab er den Oakland Athletics, die ihn in der ersten Draftrunde wählten, eine feste Zusage, zum diesjährigen Spring Training eine Profikarriere im Baseball zu beginnen. Nun hat er sich allerdings am letztmöglichen Tag auch für die NFL-Draft im April angemeldet, für die er ebenfalls als Kandidat für die erste Runde gilt. Von dem knapp 5 Millionen Dollar schweren Vertrag mit den A’s ist Murray offiziell noch nicht zurück getreten. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der NFL-Teams eine klare Entscheidung von ihm verlangen, bevor sie einen hohen Draftpick in ihn investieren.

Lowrie und LeMahieu gehen nach New York
Die Parallelen sind unübersehbar: Beide New Yorker Teams haben sich die Unterschriften von etablierten Second Basemen gesichert, beide haben dafür Zweijahresverträge vergeben und die finanzielle Größenordnung ist ebenfalls ähnlich: Jed Lowrie erhält von den Mets 20 Millionen Dollar, D.J. LeMahieu 24 Millionen von den Yankees. Gemeinsam ist beiden Verpflichtungen auch, dass sie relativ überraschend kamen. Denn die Yankees haben an der zweiten Base Gleyber Torres und die Mets verstärkten die Position erst vor wenigen Wochen mit Robinson Cano. LeMahieu ist wohl flexibel genug, an allen drei Bases zu spielen und die Rolle eines Super-Ersatzspielers einzunehmen, der auch ohne echten Stammplatz fast täglich zum Einsatz kommt. Lowrie hingegen spielte in seiner Karriere bisher fast ausschließlich als Second Baseman. Realistische Optionen der Mets mit Lowrie auf 2B könnten darin bestehen, Cano Einsatzzeit an der ersten Base zu geben und Jeff McNeill im Outfield zu testen.

Flores zu den Diamondbacks
Keine Verwendung mehr hatten die Mets angesichts ihres gut gefüllten Infields für Wilmer Flores. Er erhielt kein Arbitration-Angebot und konnte sich einen neuen Klub suchen, den er nun in den Arizona Diamondbacks gefunden hat. Der 27-Jährige erhält einen Vertrag über 4,25 Millionen Dollar im ersten Jahr plus Verlängerungsoption für den Verein, die Flores im zweiten Jahr weitere 5,5 Millionen einbringen würde. Flores kann auf sämtlichen Infield-Positionen spielen und hatte – außer im vergangenen Jahr – immer deutlich bessere Zahlen gegen Linkshänder als gegen Rechtshänder. Damit könnte er in Arizona vor allem für Jake Lamb an der ersten Base ein sinnvoller Platoon-Partner sein.

Dodgers ertraden neuen alten Catcher
Nach dem Abgang von Yasmani Grandal waren die Los Angeles Dodgers händeringend auf der Suche nach einem neuen Catcher. Wie vielen anderen Klubs waren auch ihnen die Forderungen, die die Miami Marlins für J.T. Realmuto stellen, offenbar zu hoch. Deswegen haben sie sich nun zumindest vorerst mit einer günstigeren Tradeoption begnügt: Russell Martin kommt von den Toronto Blue Jays im Austausch gegen die Minor Leaguer SS Ronny Brito und RHP Andrew Sopko. Die Blue Jays übernehmen rund 16,4 Millionen Dollar von Martins Gehalt im finalen Vertragsjahr 2019, sodass die Dodgers ihm nur 3,6 Millionen zahlen müssen. Für dieses relativ überschaubare Geld haben sie nun einen in Kürze 36-jährigen Catcher mit unverändert guter Defense, dessen Offensivleistungen jedoch in den letzten Jahren spürbar nachgelassen haben. Martin war 2002 von den Dodgers gedraftet worden und hatte bereits von 2006 bis 2010 für sie gespielt.

Giants und Blue Jays ergänzen Pitching-Staff
Die San Francisco Giants haben sich mit Pitcher Derek Holland auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Linkshänder erhält 7 Millionen Dollar und kann dieses Gehalt in Abhängigkeit von der Anzahl seiner Starts auf bis zu 9 Millionen steigern. Zudem haben die Giants die Option auf ein weiteres Vertragsjahr. Holland hatte seine durch Verletzungen beeinträchtigte Karriere letztes Jahr in San Francisco erfolgreich wiederbelebt und es auf einen ERA von 3.57 in 30 Starts mit 171.1 Innings gebracht. Auch die Toronto Blue Jays haben ihr Pitching-Personal ergänzt: David Phelps, der die letzte Saison durch eine Tommy-John-Surgery verpasst hat, unterschreibt einen Einjahresvertrag plus Kluboption für 2020. Phelps wird mindestens 2,5 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen mehrere leistungsbezogene Boni. Der ehemalige Starter war von den Seattle Mariners 2016 zum Reliever umfunktioniert worden und hatte in dieser Rolle starke Leistungen gebracht, bevor die Verletzung ihn ausbremste.

Ein neuer Outfielder für die Rays
Die Tampa Bay Rays haben ebenfalls noch ein Puzzlestück hinzugefügt: Zu ihnen kommt Outfielder Avisail Garcia, der von den Chicao White Sox keinen neuen Vertrag erhalten hatte. Garcia bekommt für einen Einjahreskontrakt leistungsabhängig zwischen 3,5 und 6 Millionen Dollar. Die starke Leistungsbezogenheit des Vertrages erscheint logisch, denn Garcias bisherige Karriere war ein ziemliches Auf und Ab. Die Rays wollen offenbar sicher gehen, dass sie nicht zu viel bezahlen, falls sie nicht wie erhofft den Avisail Garcia von 2017 erhalten, sondern eher den von 2018.

Harper und Machado lassen sich weiterhin Zeit
Nicht viel Neues gibt es derweil im Hinblick auf die beiden begehrtesten Free Agents dieser Offseason, Bryce Harper und Manny Machado, zu vermelden – ganz ohne diese beiden Namen kommt ein Grand Slam am Donnerstag zurzeit aber auch nicht aus. Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Die Philadelphia Phillies gelten als Favorit, entweder Harper oder Machado – jedoch nicht beide – an Land zu ziehen. Die Chicago White Sox sind ebenfalls an beiden interessiert, werben aber vor allem um Machado. Sie haben ihm wohl schon vor einigen Wochen ein Angebot in der Größenordnung von sieben Jahren und 175 Millionen Dollar unterbreitet – was zwar eine Menge Geld ist, aber weniger als das, was von den meisten Experten als sein Marktwert angesehen wird. Bezüglich Harper sind auch die Washington Nationals noch im Rennen, obwohl die Gerüchte um eine Rückkehr ihres Superstars seit letzter Woche wieder deutlich abgekühlt sind. Über die New York Yankees hieß es schon mehrmals, sie seien in Bezug auf Machado und/oder Harper aus dem Rennen, aber sie scheinen mindestens noch mit einem Auge darauf zu schielen, wie sich die Sache entwickelt.

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Januar 3rd, 2019 by Silversurger

Der erste Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr wird ein eher kurzer, denn wie üblich hat sich zwischen den Jahren nicht viel getan in der MLB. Zwei internationale Signings retten die Woche vor der Bedeutungslosigkeit: Der Wechsel des heiß umworbenen japanischen Pitchers Yusei Kikuchi in die USA ist perfekt und auch der Deutsche Markus Solbach erhält eine neue Chance, sich im Mutterland des Baseballs zu beweisen.

Kikuchi geht nach Seattle
Ein ganzer Haufen Teams war hinter dem 27-jährigen Kikuchi her, der allerdings bereits hatte durchblicken lassen, dass er wegen der Nähe zur Heimat ein Engagement an der Westküste bevorzugen würde. Die Seattle Mariners haben nun das Rennen um Kikuchis Dienste gemacht und hoffen, dass ihr neuer Linkshänder ähnlich stark einschlägt wie letztes Jahr Shohei Ohtani bei den Los Angeles Angels. Der Vergleich zwischen den beiden wird dieses Jahr noch oft bemüht werden, zumal sie nun in der gleichen Division gelandet sind. Im Gegensatz zum Two-Way-Phänomen Ohtani ist Kikuchi aber „nur“ ein ganz normaler, gleichwohl hochtalentierter Pitcher. Das Vertragswerk zwischen den Mariners und Kikuchi ist recht umfangreich: Der Kontrakt läuft zunächst über drei Jahre für insgesamt 43 Millionen Dollar. Anschließend haben beiden Seiten Optionen, den Vertrag zu verlängern. Der Klub kann die Zusammenarbeit auf sieben Jahre ausdehnen, wodurch die Vereinbarung ein Gesamtvolumen von 109 Millionen Dollar erhielte. Falls diese Option nicht ausgeübt wird, so kann der Spieler seinerseits zumindest ein viertes Jahr Vertragslaufzeit auslösen und damit weitere 13 Millionen verdienen.

Dodgers verpflichten Solbach
Markus Solbach erhält er bei den Los Angeles Dodgers eine neue Gelegenheit, sich an die MLB heran zu spielen. Der deutsche Nationalspieler und amtierende Deutsche Meister mit den Bonn Capitals unterzeichnete heute einen Minor-League-Vertrag. Wo genau der 27-Jährige die Saison beginnen wird, entscheidet sich, nachdem sich die Dodgers im Spring Training ein genaues Bild von ihm gemacht haben. Von 2011 bis 2016 war Solbach bereits für die Minnesota Twins und die Arizona Diamondbacks in den Minor Leagues aktiv. Zurzeit spielt Solbach noch in der Australian Baseball League für Adelaide Bite. ABL.TV überträgt regelmäßig donnerstags bis Sonntags Spiele der Liga kostenlos auf YouTube. In der Sendeplanung müsst ihr von der zweiten Zeitspalte zehn Stunden abziehen, um die Startzeit nach mitteleuropäischer Zeit zu erhalten. Morgen früh um 9 Uhr unserer Zeit gibt es beispielsweise das Spiel von Adelaide Bite bei Geelong-Korea zu sehen. Solbach wird dann leider nicht zu sehen sein, er hatte seinen Start schon heute. Er feierte seinen frisch unterzeichneten Vertrag mit einem weiteren starken Auftritt über acht Innings, in denen er nur vier Hits und einen Run zuließ.

Tulowitzki zu den Yankees
Auch die reichsten Klubs machen gern mal ein Schnäppchen: Die New York Yankees haben sich mit Shortstop Troy Tulowitzki auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Damit ist ein solider Ersatzmann für den noch bis Mitte der Saison verletzten Didi Gregorius gefunden. Tulowitzki kostet die Yankees nur das Mindestgehalt von 555.000 Dollar, da sein ehemaliger Klub, die Toronto Blue Jays, ihn entlassen hatte und noch zwei Jahre für den Rest seiner Bezüge von insgesamt 38 Millionen aufkommen muss. Die Yankees haben sich trotz der Verpflichtung von Tulowitzki ausdrücklich nicht aus dem Rennen um Top-Free-Agent Manny Machado verabschiedet.

Lucroy neuer Catcher der Angels
Die Los Angeles Angels gehören in der bisherigen Offseason zu den aktivieren Teams. Allerdings beschränken sie sich dabei bislang weitgehend darauf, Spieler mit mehr oder weniger großen Fragezeichen an Land zu ziehen und ihnen Einjahresverträge zu geben. Die Verpflichtung von Jonathan Lucroy passt perfekt in dieses Muster. Der zuletzt offensiv nicht und defensiv wenig überzeugende Catcher kommt für 3,35 Millionen Dollar. Genau wie Matt Harvey, Trevor Cahill und Justin Bour kann Lucroy eine solide Ergänzung des Rosters sein und im besten Fall etwas Gegenwert zur Trade-Deadline einbringen. Danach, dass die Angels in diesem Jahr nach den Playoffs schielen, sehen ihre Moves bislang aber in keiner Weise aus.

Blue Jays ergänzen Rotation
Der ehemalige Angel Matt Shoemaker geht zu den Toronto Blue Jays. Der 32-jährige Rechtshänder ist ein solider, jedoch recht oft verletzter Pitcher. Sein Vertrag sieht ein Grundgehalt von 3,5 Millionen Dollar vor sowie Bonuszahlungen von bis zu einer weiteren Million, abhängig von der Zahl der Innings, die er absolviert. Eine weitere Ergänzung des Pitching-Personals ist Clayton Richard, der im Tausch gegen Minor-League-Outfielder Connor Panas von den San Diego Padres kommt. Der 35-jährige Linkshänder hat Erfahrung sowohl als Starter als auch als Reliever.

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