Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 6th, 2018 by Silversurger

Es ist mir jetzt fast ein bisschen peinlich, dass ich letzte Woche an dieser Stelle von „Saure-Gurken-Zeit“ gesprochen habe. Damit lag ich völlig daneben, denn auf dem Trade- und Free-Agent-Markt der MLB haben sich in den letzten Tagen die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei haben noch nicht mal die Winter Meetings angefangen. Das jährliche Treffen von Repräsentanten aller 30 Teams findet ab dem kommenden Samstag für vier Tage in Las Vegas statt. Traditionell ist das die Gelegenheit, bei der die großen Deals besprochen werden. Dieses Jahr hat sich einiges schneller entwickelt, zu einem guten Teil angetrieben durch Jerry Dipoto, den trade-eifrigen General Manager der Seattle Mariners. Man darf gespannnt sein, ob es auf den Meetings so handlungsfreudig weitergeht oder ob mit den bereits durchgezogenen Deals das Vehandlungspulver schon weitgehend verschossen ist.

Paul Goldschmidt zu den Cardinals
Ich fange mal an mit dem bisher einzigen Blockbuster-Trade des Jahres, an dem Dipoto und die Mariners nicht beteiligt waren: Paul Goldschmidt, bislang Dreh- und Angelpunkt der Offensive der Arizona Diamondbacks, geht zu den St. Louis Cardinals. Im Gegenzug wechseln Pitcher Luke Weaver, die beiden Minor Leaguer Catcher Carson Kelly und Infielder Andrew Young sowie ein Draftpick für 2019 nach Arizona. Goldschmidt ist eine deutliche Verstärkung für die Cardinals – das wäre er für jedes Team – und wird mit Matt Carpenter ein furchterregendes Duo an den Ecken des Infields bilden. Während St. Louis somit klar den Angriff auf die Spitze der NL Central wagt, scheint man sich bei den Diamondbacks eher in Richtung Neuaufbau zu orientieren. Goldschmidt ist weg, Patrick Corbin (siehe unten) ebenfalls und auch A. J. Pollocks ausgelaufener Vertrag wird wohl nicht verlängert werden.

Mets ertraden Cano und Diaz
Angefangen hatte die Woche mit dem ersten großen Trade der Seattle Mariners seit James Paxton, also seit rund zwei Wochen. Die New York Mets verstärken sich mit Second Baseman Robinson Cano und Closer Edwin Diaz. Dafür gehen Outfielder Jay Bruce, Reliever Anthony Swarzak sowie die drei Pitcher-Talente Jarred Kelenic, Justin Dunn und Gerson Bautista nach Seattle. Cano ist auf seiner Position einer der besten Spieler aller Zeiten, allerdings ist er schon 36 Jahre alt, saß dieses Jahr eine Dopingsperre ab und bringt noch fünf Jahre Vertragslaufzeit über 120 Millionen Dollar mit. Um die Kosten und das Risiko stemmen zu können, waren die Mets froh, mit Bruce und Swarzak zwei Spieler abgeben zu dürfen, die ebenfalls relativ teure Verträge haben und zuletzt die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Zudem übernehmen die Mariners noch 20 Millionen Dollar von Canos Gehalt. Die drei Prospects, vor allem Kelenic, dürften den Mets mehr weh getan haben als Bruce und Swarzak. Immerhin erhalten sie dafür mit Diaz den zurzeit besten Closer der Liga, der zudem erst 24 Jahre alt ist und noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht.

Phillies sichern sich Segura
Nachdem sich letzte Woche die Atlanta Braves mit Josh Donaldson und Brian McCannn und diese Woche die Mets mit Cano und Diaz verstärkt hatten, wollten die Philadelphia Phillies nicht zurück stehen. Sie haben daraufhin ebenfalls einen Deal mit Seattle eingefädelt, der ihnen All-Star-Shortstop Jean Segura sowie die beiden Reliever Juan Nicasio und James Pazos einbringt. Die Mariners erhalten dafür First Baseman Carlos Santana und Shortstop J. P. Crawford. Aus sportlicher Sicht ergibt dieser Trade kaum Sinn für die Mariners – es geht für sie letztlich einzig um gesparte Gehälter. Wenn man den Vertrag von Santana gegenrechnet, ergibt sich für Seattle eine Ersparnis von über 30 Millionen Dollar.

Colome zu den White Sox getradet
Und gleich noch einer, der von der Gehaltsliste der Mariners gestrichen werden kann: Reliever Alex Colome geht von Seattle zu den Chicago White Sox. Für ihn bekommen die Mariners Catcher Omar Narvaez. Narvaez ist ein Ergänzungsspieler, der noch bis 2022 unter Teamkontrolle steht und 2019 das Mindestgehalt der MLB verdienen wird – es handelt sich also um einen weiteren Trade, der von Seattles Seite primär der Kostenreduktion dient.

Nationals holen Corbin und Gomes
Im Windschatten der aufsehenerregenden Trades dieser Woche haben die Washington Nationals sich das bisher größte Free-Agent-Signing der Offseason geleistet. Der linkshändige Starting Pitcher Patrick Corbin, in meinem Free-Agent-Ranking auf Platz drei, unterschreibt einen Sechsjahresvertrag über 140 Millionen Dollar. Die Nationals überraschen mit diesem Move. Eigentlich hatten einige Anzeichen dafür gesprochen, dass sie zu einem Rebuilding tendieren und in der NL East für die nächsten zwei, drei Jahre den Braves, den Phillies und vielleicht den Mets das Feld überlassen. Die Verpflichtung von Corbin spricht eine andere Sprache und ebenso, dass die Nationals zudem Catcher Yan Gomes für zwei Prospects von den Cleveland Indians ertradet haben. Mit vier Teams, die an die Spitze streben, könnnte die NL East die interessanteste Division der kommenden Saison werden.

Ein neuer Catcher für die Astros
Auch die Houston Astros haben sich einen neuen Catcher gegönnnt: Robinson Chirinos erhält einen Vertrag über ein Jahr und 5,75 Millionen Dollar. Chirinos ist als mittelmäßiger Batter und defensiv unterdurchschnittlicher Catcher eher der Typ Ergänzungsspieler. Für den Moment darf er sich als Teil der Startaufstellung fühlen, denn die Catcher aus dem letzten Jahr – Brian McCann, Martin Maldonado und Evan Gattis – wurden allesamt nicht weiter verpflichtet.

Garrett Richards zu den Padres
Die San Diego Padres investieren für das Jahr 2020, indem sie Pitcher Garrett Richards (bisher bei den Los Angeles Angels) einen Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar geben. Das ist eine Menge Geld für einen 30-Jährigen mit ausführlicher Verletzungsgeschichte, der 2019 voraussichtlich kein Spiel absolvieren wird, nachdem er im Juli eine Tommy-John-Surgery hatte. Es ist eine Verpflichtung mit hohem Risiko, aber auch mit hohen Chancen. Denn immer wenn Richards gesund war, hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Pitcher ist, der einem Team weiterhelfen kann.

Einige neue Free Agents
Üblicherweise steht man als Spieler in den ersten sechs Jahren seiner MLB-Karriere unter Teamkontrolle. Drei Jahre lang verdient man in der Regel das Minimum, danach wird das Gehalt im sogenannten Arbitration-Verfahren ausgehandelt – es sei denn, der Verein hat kein Interesse, den Spieler weiter zu beschäftigen. Letzten Freitag endete der Zeitraum, in dem die Teams entscheiden mussten, welchen Spielern im vierten bis sechsten Jahr sie einen Vertrag anbieten. Jene, die kein Angebot bekommen haben, sind nun Teil des Free-Agent-Marktes. Unter ihnen sind keine ganz große Namen, aber doch ein paar Überraschungen. 2B Jonathan Schoop (zuletzt Brewers), OF Billy Hamilton (Reds), IF Yangervis Solarte (Blue Jays), IF Wilmer Flores (Mets), P Mike Fiers (Athletics) und 1B Justin Bour (Phillies) sind die bekanntesten unter den „non-tendered“ Free Agents, die nun auf der Suche nach einem neuen Team sind.

Dodgers verlängern mit Dave Roberts
Nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander waren Zweifel aufgekommen, ob die Los Angeles Dodgers an ihrem Manager Dave Roberts festhalten würden. Die Dodgers zogen dann aber doch zunächst die Option auf ein weiteres Jahr und nun haben sie sich mit Roberts auf eine langfristige Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt: Vier Jahre, also bis einschließlich zur Saison 2022, soll der 46-Jährige im Amt bleiben. Die finanziellen Konditionen der Einigung wurden bisher nicht bekannt.

Eovaldi bleibt in Boston
Quasi in letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass auch die Nummer sieben meiner Free-Agent-Liste, Nathan Eovaldi, einen neuen Vertrag in der Tasche hat. Der Pitcher bleibt bei den Boston Red Sox, mit denen er gerade die World Series gewonnen hat. Der Vertrag läuft wohl über vier Jahre und 67,5 Millionen Dollar.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,