Oktober 10th, 2019 by Silversurger

Die Divisional-Serien der MLB-Saison 2019 geizen nicht mit Highlights. Einzig zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins war es eine sehr einseitige Angelegenheit, während in allen drei anderen Serien ein entscheidendes fünftes Spiel nötig wurde. Die bislang größte Überraschung gelang den Washington Nationals, die als Wild-Card-Team und klarer Außenseiter die Los Angeles Dodgers aus dem Rennen warfen. In der kommenden Nacht haben die Tampa Bay Rays die Chance, es gegen die Houston Astros den Nationals gleichzutun.

American League
Die New York Yankees haben sich zum großen Favoriten auf die Meisterschaft aufgeschwungen. Von vier MLB-Teams, die mit über 100 Siegen aus der regulären Saison in die Playoffs gingen, sind neben ihnen nur noch die Houston Astros dabei. Diese müssen allerdings gegen die Tampa Bay Rays nachsitzen. Nach Heimsiegen der Astros in den ersten beiden Partien sah es nach einem lockeren Durchmarsch des Favoriten aus. Aber weit gefehlt, die Rays kamen zurück, glichen auf 2:2 aus und gehen nun mit einer ordentlichen Portion Momentum in das Entscheidungsspiel. Selbst wenn die Astros die Serie noch gewinnen sollten, bringt sie der bis dahin nötige Kraftaufwand ins Hintertreffen gegenüber den Yankees. Diese genießen drei zusätzliche Ruhetage und gehen mit voll regeneriertem Pitching Staff in die American League Championship Series (ALCS).

Verdient haben sich die Yankees die Ruhetage, indem sie die Minnesota Twins innerhalb der Mindestzahl von drei Partien abfertigten. 10:4, 8:2 und 5:1 waren die Resultate der Spiele, in denen für die Yankees fast alles, für die Twins hingegen fast nichts funktionierte. Minnesotas deutscher MLB-Star Max Kepler blieb wie der Rest seines Teams blass, holte lediglich ein paar Walks heraus und brachte es auf keinen Hit.

Die ALCS beginnt Samstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit. Das Heimrecht in den ersten beiden Spielen haben die Astros, wenn sie weiterkommen, beziehungsweise die Yankees, falls ihr Gegner die Rays sind.

National League
In der NL schien es die ganze Saison über ausgemachte Sache zu sein, dass die Los Angeles Dodgers zum dritten Mal hintereinander in die World Series stürmen. Sie waren mit 106 Siegen mit Abstand das stärkste Team, fuhren die meisten Runs ein und ließen die wenigsten gegnerischen Runs zu. Die Washington Nationals, über die Hintertür des Wild-Card-Spiels qualifiziert, sollten für die Dodgers nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum großen Ziel, endlich den Titel zu holen. Genau danach sah es nach Spiel eins, einem souveränen 6:0 der Dodgers, auch aus. Doch vielleicht war man sich der Sache zu sicher und unterschätzte die Nationals. Die jedenfalls gewannen die Spiele zwei und vier und letzte Nacht auch das spannende Spiel fünf (siehe „Spiel der Woche“). Für die Nationals ist der Einzug in die NLCS der größte Erfolg ihrer seit erst 14 Jahren währenden Teamgeschichte. Bei den Dodgers wird derweil in den nächsten Tagen und Wochen Krisenstimmung herrschen. Es würde mich sehr überraschen, wenn Dave Roberts beim nächsten Grand Slam am Donnerstag noch ihr Manager ist.

Der Gegner der Nationals in der NLCS sind die St. Louis Cardinals. Auch ihr Vordringen bis zu diesem Punkt ist eine Überraschung. Durch eine furiosen Aufholjagd in den letzten Wochen der Saison haben sie die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers auf dem Weg zum Gewinn der NL Central abgefangen. In der NLDS ließen sie zweimal die Atlanta Braves vorlegen, um jeweils im nächsten Spiel die Serie auszugleichen. In Spiel fünf hingegen ließen die Cardinals nie Zweifel aufkommen: Noch bevor die Braves vor ihrem heimischen Publikum zum ersten Mal an die Platte traten, führten die Gäste bereits mit zehn Runs (siehe „Szene der Woche“), am Ende gewannen die Cards 13:1.

Die NLCS zwischen den Cardinals und den Nationals beginnt Freitagnacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. St. Louis hat Heimrecht in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben der Best-of-7-Serie.

Szene der Woche 
Nichts war diese Woche so beeindruckend wie das erste Inning der St. Louis Cardinals in Spiel fünf der NLDS gegen die Atlanta Braves. Zehn Runs hatte in der Geschichte der MLB-Playoffs noch nie ein Team im ersten Durchgang erzielt – bis die Cardinals gestern genau das taten. Besonders erstaunlich finde ich, dass ihnen das in diesem an Homerunrekorden reichen Jahr ohne einen einzigen Homerun gelungen ist. Vier Walks, drei Doubles, zwei Singles, ein Sacrifice Bunt, ein Error und ein Wild Pitch summierten sich zu der frühen Vorentscheidung des Spiels.

Statistik der Woche 
16. So viele Playoffspiele haben die Minnesota Twins hintereinander verloren – ein Rekord, auf den sie sicher liebend gern verzichten würden. Seit mittlerweile 16 Jahren hält die Durststrecke an. Der größte Spielverderber für die Twins waren immer wieder die Yankees, welche für 13 der 16 Niederlagen verantwortlich waren.

Spiel der Woche 
Das erste Spiel fünf der letzten Nacht war zwar im ersten Inning sensationell, ansonsten aber ein Langweiler. Ganz im Gegensatz zu der darauf folgenden Partie zwischen den Dodgers und den Nationals. Auch hier gab es eine frühe Führung, 2:0 nach einem und 3:0 nach zwei Innings für die favorisierten Dodgers. Doch Nationals-Starter Stephen Strasburg fand in seinen Rhythmus und hielt das Spiel offen, indem er im Rest seiner sechs Innings nichts mehr zuließ. Der mit Patrick Corbin verstärkte Bullpen steuerte weitere fünf saubere Innings bei und ermöglichte so das Comeback. Dieses gelang ausgerechnet gegen Clayton Kershaw, der sich als Reliever im achten Inning Homeruns von Anthony Rendon und Juan Soto einschenken ließ. Mit 3:3 ging das Spiel ins Extra-Inning, in welchem die größte Stunde in der langen Karriere von Howie Kendrick schlug: Nach einem Walk von Adam Eaton, einem Double von Rendon und einem Intentional Walk von Soto kam der Routinier gegen Joe Kelly an den Schlag und beförderte den zweiten Pitch zum Grand Slam über das Centerfield. Sean Doolittle besiegelte den 7:3-Sieg der Nationals mit einem perfekten zehnten Inning gegen AJ Pollock, Max Muncy und Justin Turner. Eine Schrecksekunde gab es im siebten Inning: Nationals-Catcher Kurt Suzuki wurde von einem Pitch von Walker Buehler an der Hand getroffen, von dort sprang der Ball nach oben und schlug ihm den Helm von Kopf. Suzuki ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung selbstständig vom Feld gehen und war beim Feiern nach dem Spiel schon wieder mit von der Partie.

Mein Einschalttipp
Die Divisional-Runde ist noch nicht vorbei: Heute Nacht ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt es in Houston zum Showdown zwischen den Astros und den Tampa Bay Rays. Tyler Glasnow (1.78 ERA, 2.26 FIP) für die Rays und Gerrit Cole (2.50 ERA, 2.64 FIP) für die Astros bilden ein hochwertiges Pitching-Matchup in der Partie, deren Gewinner in die ALCS gegen die Yankees einzieht. Das Spiel könnt ihr sowohl auf DAZN als auch über mlb.tv verfolgen.

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Oktober 3rd, 2019 by Silversurger

Die Kandidatenliste für die MLB-Meisterschaft ist auf nur noch acht Namen zusammengeschrumpft. Für die Oakland Athletics und die Milwaukee Brewers waren die Playoffs ein kurzes Abenteuer, sie unterlagen in den Wild-Card-Spielen den Tampa Bay Rays beziehungsweise den Washington Nationals. Heute Abend geht es schon los mit den Divisional Series, sozusagen den Viertelfinals um die World Series.

Die wichtigsten Neuigkeiten um die Teams, die es nicht in die Playoffs geschafft haben, sind die bekannt gegebenen Trainerentlassungen. Urgestein Joe Maddon erhält keinen neuen Vertrag bei den Chicago Cubs, die Los Angeles Angels feuern Brad Ausmus nach nur einer Saison und die Pittsburgh Pirates trennen sich von Clint Hurdle, dem sie wenige Tage zuvor noch öffentlich die Treue geschworen hatten. Kurz nach Fertigstellung dieses Artikels ergänze ich noch die Nachricht, dass auch Mickey Callaway und die New York Mets getrennte Wege gehen. Eine andere Art von Abschied feierten die Texas Rangers bei ihrem letzten Saisonspiel am Sonntag. Das 6:1 gegen die Yankees war das letzte Spiel im Globe Life Park. Ab der nächsten Saison werden die Rangers ihre Heimspiele im gleich nebenan neu erbauten Globe Liefe Field austragen.

National League
Die National League hat am Dienstag als erste der beiden Ligen ihr Wild-Card-Spiel absolviert und sie startet heute auch als erste in die Divisional Series.

Ab 23 Uhr heute Abend tragen die St. Louis Cardinals und die Atlanta Braves den ersten Teil ihres Best-of-5-Duells aus. Ein klarer Favorit lässt sich meiner Ansicht nach nicht festmachen. Jedes der beiden Teams hat etwas überraschend seine Division gewonnen, die Braves mit Schwerpunkt auf Offensive, die Cardinals vor allem mit starkem Pitching. Da die Braves den etwas besseren Record in der Saison hatten, genießen sie Heimrecht in den ersten beiden Spielen und auch im fünften Spiel, falls es dazu kommen sollte. Zum Auftakt werden Dallas Keuchel für Atlanta und Miles Mikolas für St. Louis auf dem Mound stehen.

In der zweiten NLDS sind die Rollen eindeutiger verteilt: Die Los Angeles Dodgers sind der klare Favorit in der Serie gegen die Washington Nationals, die heute Nacht um 2:30 mitteleuropäischer Zeit beginnt. Mit Ryu-Kershaw-Buehler und Scherzer-Strasburg-Corbin treffen zwei beeindruckende Starter-Riegen aufeinander. Allerdings sehe ich Vorteile für die Dodgers im Batting Lineup und vor allem im Bullpen. Hinzu kommt, dass die Dodgers sich in aller Ruhe zu Hause auf die Serie einstellen konnten, während die Nationals sowohl das Wild-Card-Spiel als auch die Reise von der Ost- an die Westküste wegstecken müssen.

American League
Einen Tag später als die NL, am Freitag, beginnen auch in der American League die Divisional Series. Ab 20 Uhr unserer Zeit treffen die Houston Astros auf Wild-Card-Gewinner Tampa Bay Rays. Ähnlich wie in der NL zwischen den Dodgers und den Nationals, herrschen auch in dieser Serie scheinbar klare Verhältnisse: Das 107-Siege-Team der Astros geht als haushoher Favorit in die Spiele gegen die Rays. Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke werden in den ersten drei Partien starten und ich wäre nicht überrascht, wenn diese drei Partien den Astros schon ausreichen, um die Best-of-5-Serie zu gewinnen.

Spannender sieht das Matchup zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins aus. Es sind die beiden offensivstärksten Teams der gesamten MLB mit jeweils eher mittelmäßigem Pitching. Die Yankees haben das erste Heimrecht Freitagnacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Starter der Partie wurden noch nicht bekannt gegeben. In jedem Fall müssen die Yankees auf Domingo German verzichten. Der Pitcher steht unter starkem Verdacht, seine Freundin geschlagen zu haben, und ist bis zur Aufklärung des Falles – mindestens für den Rest der Saison – gesperrt.

Szene der Woche 
Der erste Held der diesjährigen Playoffs heißt Juan Soto. Dem 20-Jährigen gelang im Wild-Card-Spiel der NL der entscheidende Hit für seine Washington Nationals. Bis ins achte Inning lagen die Nats noch 1:3 hinten. Die Wende begann mit einem umstrittenen Hit by Pitch: Michael Taylor wurde am Handgelenk getroffen, aber der Ball traf auch das Ende seines Schlägers. Trotz Review konnte die Reihenfolge der Ereignisse nicht zweifelsfrei geklärt werden, daher blieb der Call des Umpires stehen. Es folgten ein Broken-Bat-Single von Ryan Zimmerman in einem At-Bat, das sein letztes für dieses Team hätte sein können, sowie ein Walk von Anthony Rendon. Dann kam der große Auftritt von Soto. Bei geladenen Bases und zwei Outs hämmerte er den Ball ins Rightfield und brachte dadurch die ersten zwei Runs zum Ausgleich nach Hause. Da Milwaukees Trent Grisham den Ball unter dem Handschuh durchrollen ließ, war plötzlich noch mehr möglich. Soto lief weiter zur zweiten Base, ließ diese hinter sich und fand sich zwar in einem Rundown zwischen der zweiten und dritten Base gefangen, konnte diesen aber lange genug verzögern, dass Rendon vor dem Out das 4:3 gelang.

Statistik der Woche 
613. So viele Homeruns haben die Yankees und die Twins in der regulären Saison zusammen erzielt. Es war ein enges Rennen darum, wer der neue Rekordhalter wird. Am Ende hatten die Twins mit 307 die Nase knapp vor den Yankees mit 306. Nun treffen die beiden Teams sich in der ALDS und es ist wohl keine gewagte Vorhersage, dass in dieser Serie viele Bälle sehr weit fliegen werden.

Spiel der Woche 
Beide Wild-Card-Spiele hätten verdient, hier gewürdigt zu werden, aber da das der NL schon zwei Kategorien weiter oben Thema war, hat hier die AL-Partie zwischen den Athletics und den Rays ihren Platz. Das Ergebnis von 5:1 für die Rays hört sich eindeutig an, doch es war durchaus ein spannendes Spiel. Die Athletics hatten sogar mehr Hits als die Rays, 8:7 führten sie in dieser Kategorie. Den Unterschied zugunsten Tampa Bays machte letztlich zweierlei: erstens, dass vier ihrer sieben Hits Homeruns waren, darunter zwei von Leadoff-Hitter Yandy Diaz; zweitens, dass sie mit Charlie Morton einen erfahrenen Pitcher am Start hatten, der sich aus mehreren brenzligen Situationen befreien konnte. Allein für das erste Inning benötigte Morton 32 Pitches, aber letztlich brachte er Jurickson Profar zum Flyout bei geladenen Bases. Insgesamt lieferte Morton fünf Innings mit nur einem unearned Run ab, bevor der Bullpen den Rest besorgte und den Einzug in die ALDS perfekt machte.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Ein besonders Highlight im Baseballjahr ist der morgige Freitag. Es ist der möglicherweise einzige Tag, an dem man vier Playoff-Spiele hintereinander schauen kann. Nur am kommenden Montag könnte es noch einmal so ein volles Programm geben, aber nur wenn beide NL-Serien ins vierte Spiel gehen. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein könnte.

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September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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August 29th, 2019 by Silversurger

Genau heute in einem Monat ist es soweit. Dann ist die reguläre Saison der MLB beendet und alle Entscheidungen sind gefallen. Das jedenfalls ist der Plan, aber wenn man sich die AL West, die NL West und beide Wild-Card-Tabellen anschaut, dann erscheint es keineswegs unrealistisch, dass im einen oder anderen Fall auch 162 Spiele nicht ausreichen, um einen klaren Unterschied hervorzubringen. Zur Erinnerung: Wenn die Sieg-Niederlagen-Bilanz mehrerer Teams am Ende der regulären Saison gleich ist und zwischen diesen Teams entschieden werden muss, wer eine Division gewinnt und/oder wer einen Wild-Card-Platz belegt, so gibt es keine rechnerischen Tiebreaker, sondern es kommt zu einem zusätzlichen Spiel zwischen diesen Teams. Letztes Jahr kam das gleich zweimal vor, jeweils um die Spitze der NL Central und der NL West.

American League
Generalprobe bestanden: Die Serie gegen die Dodgers, die von vielen als Vorgeschmack auf eine mögliche World-Series-Paarung angesehen wurde, haben die New York Yankees (88-47) 2:1 für sich entschieden. Nun stehen drei Spiele gegen Angstgegner Oakland an, danach sieht das Restprogramm der Yankees sieht vergleichsweise einfach aus. Die American League East wird ihnen wohl niemand mehr nehmen. Für die Tampa Bay Rays (76-58) bedeutet das die seltsame Situation, den Yankees am bevorstehenden Wochenende die Daumen drücken zu müssen. Denn realistisch betrachtet geht es für sie nur noch um die Wild-Card-Plätze und die belegen zurzeit die Athletics und die Indians. Die Rays werden somit auf einen Ausrutscher der A’s in New York hoffen, während sie selbst sich gleichzeitig um die Erledigung der Hausaufgaben gegen die Indians bemühen (siehe „Einschalttipp“).

Die AL Central bleibt eine der spannenderen Division, auch wenn die Ausgangsposition der Minnesota Twins (81-51) deutlich besser erscheint als die der Cleveland Indians (78-55). Dazu trägt nicht nur der aktuelle Vorsprung bei, sondern auch der etwas leichtere restliche Spielplan. Allerdings enthält dieser auch noch sechs Spiele im September, in denen die beiden Kontrahenten direkt gegeneinander spielen, sodass auf jeden Fall noch alles drin ist. Über den Rest der Division breiten wir pietätvoll den Mantel des Schweigens…

Genau wie in den anderen beiden AL-Divisionen sind auch in der AL West nur noch zwei Teams in der Verlosung um die Playoffs. Letzte Woche hatte ich vorsichtig in Aussicht gestellt, dass es zwischen diesen beiden noch mal spannend werden könnte. Daraus wird nichts werden, denn die Houston Astros (87-47) haben rechtzeitig zur alten Souveränität zurück gefunden und mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen klare Verhältnisse geschaffen, während die Oakland Athletics (76-56) sich in einer ansonsten starken Woche von zwei Derby-Niederlagen gegen die Giants ausbremsen ließen. Beide reisen nun an die Ostküste, wobei die Astros bei den Blue Jays die leichtere Aufgabe haben als die Athletics bei den Yankees.

National League
Mit 13 Siegen aus den letzten 16 Spielen, darunter ein 3-Spiele-Sweep in Chicago am vergangenen Wochenende, sind die Washington Nationals (74-58) der große Gewinner der letzten Wochen. Fünf Spiele Vorsprung auf einen Nicht-Wild-Card-Platz sind schon ein recht stabiles Polster, und selbst ein Angriff auf die Atlanta Braves (81-55) an der Spitze der National League East scheint inzwischen möglich. Die Philadelphia Phillies (69-63) und die New York Mets (67-65) hingegen mussten Rückschläge hinnehmen und treten im Kampf um die zweite Wild Card bestenfalls auf der Stelle. Am Wochenende treffen die beiden in Philadelphia in einer möglicherweise vorentscheidenden Serie dreimal direkt aufeinander.

An der Spitze der NL Central standen sich lange Zeit drei Teams auf den Füßen, doch in den letzten Tagen ist das Bild etwas klarer geworden. Die St. Louis Cardinals (73-59) haben eine Serie von 6 Siegen am Stück hingelegt und dadurch nun einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Chicago Cubs (71-61). Die Cubs patzten am Wochenende, als sie sich von den Nationals sweepen ließen, und arbeiten nun mit bislang zwei Siegen gegen die Mets an Wiedergutmachung. Noch schlechter erging es den Milwaukee Brewers (68-65), die in den letzten 10 Tagen zwei Serien gegen die Cardinals insgesamt 2:4 verloren und drohen, sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen den Anschluss zu verpassen. Aber noch ist der Zug nicht abgefahren: Die Brewers spielen nun sieben Partien gegen die Cubs, unterbrochen von zwei Spielen gegen die Astros. Das ist ein bockelhartes Programm, aber auch die Gelegenheit, sich selbst und der Welt doch noch zu beweisen, dass man in die Playoffs gehört.  

Die Los Angeles Dodgers (88-47) haben die NL West weiterhin fest im Griff, daran ändert auch die verlorene Serie gegen die Yankees nichts. Die Arizona Diamondbacks (67-66) und die San Francisco Giants (65-67) haben diese Woche in einer 2-Spiele-Serie unter sich ausgemacht, wer von beiden sich noch leichte Hoffnung auf einen Wild-Card-Platz machen darf. Das sind eindeutig die Diamondbacks, nachdem sie beide Partien für sich entschieden. Wie lange diese leichte Hoffnung für Arizona anhält, werden wir vielleicht schon in den kommenden Tagen sehen, denn sie müssen nun viermal hintereinander gegen die Dodgers ran.

Szene der Woche 
Hier möchte ich dieses Mal keine einzelne Szene hervorheben, sondern das Erscheinungsbild eines ganzen Wochenendes: Es war „Players Weekend“, das bedeutet die Spieler traten mit selbst gewählte Spitznamen auf den Trikots und mit speziellen Accessoires wie zum Beispiel extra für diesen Anlass gestalteten Schuhen auf. Zu dieser Gelegenheit gibt es auch immer besondere Uniformen. Letztes Jahr waren diese besonders farbenfroh – vielleicht nicht jedermanns Sache, aber doch eine nette Abwechslung. Dieses Jahr wurde als Kontrastprogramm dazu auf Farben komplett verzichtet. Die Heimteams traten ganz in weiß an, die Auswärtsteams ganz in schwarz. Auch das hätte ich als interessante Abwechslung zu den Standardtrikots durchaus akzeptieren können – allerdings nur, wenn nicht irgend jemand mit der dämlichen Idee durchgekommen wäre, die Beschriftung der Trikots weiß-grau auf weiß bzw. schwarz-grau auf schwarz vorzunehmen. Gerade an diesem besonderen Wochenende mit den besonderen Namen bedruckt man die Trikots so, dass sie nur mit äußerster Mühe lesbar sind? Ganz schlechte Idee, liebe MLB.

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MLB Players Weekend 2019 (Abb. ähnlich)

Statistik der Woche 
1.74. Das ist der ERA von Jacob deGrom aus seinen letzten 10 Spielen gegen die Atlanta Braves. Er warf in diesen Spielen 89 Strikeouts und hielt durchschnittlich 6 2/3 Innings durch. Die Mets verloren 8 der 10 Spiele. Wer sich fragt, wie so etwas passieren kann, der schaue sich die Partie vom Freitag an: deGrom warf 13 Strikeouts in 7 Innings, ließ nur einen Run zu – und die Mets verloren 1:2 nach 14 Innings. Denn die Offense brachte keinen einzigen Punkt aufs Board außer einem Homerun, den der arme deGrom auch noch selbst schlagen musste.

Spiel der Woche
Wenn man gegen einen in der Tabelle hoffnungslos abgeschlagenen Gegner antritt, ist ein Sieg Pflicht, könnte man meinen. Wenn man gegen diesen Gegner vier Runs erzielt, noch bevor er selbst das erste Mal am Schlag war, hat man ihn schon ordentlich demoralisiert, könnte man meinen. Wenn man nach drei Innings 7:0 vorne liegt und im Spiel insgesamt elf Scores einfährt, kann einem der Gegner fast schon leid tun, könnte man meinen. Aber weil es Baseball ist, gibt es auch Spiele wie das zwischen den Phillies und den Marlins vom Freitag. Die Marlins zeigten sich gänzlich unbeeindruckt davon, „eigentlich“ keine Chance zu haben, und feierten am Ende ein 19:11-Blowout nach achteinhalb Innings. Schade, dass dieses Highlight-Spiel ihrer Saison gerade mal 9.065 Zuschauer sehen wollten. Mit einem Durchschnitt von 9.939 liegen die Marlins weit abgeschlagen in der Besuchertabelle. Ein neuer Tiefpunkt wurde übrigens diesen Montag erreicht, als beim Spiel gegen die Reds nur 5.297 Tickets verkauft wurden.

Mein Einschalttipp
Das Wild-Card-Rennen der AL wird am Wochenende noch nicht entschieden, aber es stehen gleich zwei richtungweisende Serien an: Die Athletics treten bei den Yankees an und hoffen, dort das Husarenstück vom letzten Aufeinandertreffen zu wiederholen, als sie dem Rekordmeister einen 3-Spiele-Sweep abnahmen. Gleichzeitig treffen in Tampa Bay die anderen beiden Wild-Card-Bewerber, die Indians und die Rays, in drei Spielen direkt aufeinander. Das Einschalten lohnt sich mit Sicherheit bei jedem dieser Spiele. Auf DAZN wird am Samstag ab 19:05 Uhr die Partie Yankees gegen Athletics übertragen, voraussichtlich mit dem Matchup Homer Bailey (5.04 ERA, 4.32 FIP) gegen Domingo German (4.03 ERA, 4.73 FIP). Die günstigste Zeit, auf mlb.tv ein Spiel der anderen Serie zu sehen, ist am Sonntag ab 19:10 Uhr, wenn Cleveland mit Adam Plutko (4.34 ERA, 5.45 FIP) gegen die Rays mit Charlie Morton (3.11 ERA, 2.79 FIP) antritt.

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Juli 4th, 2019 by Silversurger

Noch vier Tage MLB-Baseball, dann haben die meisten Spieler erstmal Pause. Das All-Star-Game steht an –  das unwichtigste Spiel des Jahres, was das Ergebnis angeht, und gleichzeitig eines der wichtigsten hinsichtlich der Frage, ob man dabei ist oder nicht. Die vollständigen Kader findet ihr hier. Der heißeste Tipp für die World Series zur (etwas mehr als) Halbzeit sind in der NL eindeutig die Los Angeles Dodgers. Sie sind laut Fangraphs auf Kurs für 103 Siege in der regulären Saison und haben eine knapp 20-prozentige Chance, den Titel zu gewinnen. Noch etwas höher stuft Fangraphs die Chancen der Houston Astros ein – obwohl diese in der AL angesichts von Konkurrenten wie den Yankees und den Twins längst nicht so souverän vorne liegen wie die Dodgers in der NL.

American League
Die New York Yankees (55-29) sind das einzige Team der MLB, das jemals ein Spiel auf europäischem Boden gewonnen hat. Das können sie nun ein Jahr lang von sich behaupten, nachdem sie am letzten Wochenende die 2-Spiele-Serie gegen die Boston Red Sox (45-41) gesweept haben (siehe „Spiel der Woche“). Dass die Yankees als Spitzenreiter der American League East in den All-Star-Break gehen, steht bereits fest. Allerdings stehen vor der Pause noch vier Spiele gegen den direkten Verfolger, die Tampa Bay Rays (50-37), an. Die Rays hatten in dieser Saison bislang große Probleme mit den Yankees, sahen gegen kein Team so schlecht aus wie gegen sie. Wenn sich das ändern soll, wäre dieses Wochenende ein guter Zeitpunkt dafür.

Auch für die Minnesota Twins (54-31) steht fest, dass sie in der AL Central den All-Star-Break an der Spitze überdauern werden. Sie saßen aber in diesem Jahr durchaus schon mal fester im Sattel. Zuletzt setzte es ein paar nicht eingeplante Niederlagen – in zwei von drei Spielen gegen die Chicago White Sox (41-42) und in einem von bisher zwei Spielen gegen die Athletics –, während gleichzeitig die Cleveland Indians (47-38) ihren Aufwärtstrend der letzten Wochen fortsetzen. Vor einem Monat lagen sie noch bei einer negativen Bilanz, inzwischen stehen sie neun Siege über .500 und wenn die Saison nun vorüber wäre, hätten sie einen Wild-Card-Platz erobert. In einem solchen Lauf steckt man auch mal zwei 0:13-Niederlagen vom letzten Wochenende gegen die Orioles ungerührt weg. Die drei Spiele seitdem haben die Indians alle gewonnen, heute Abend setzen sie zum Sweep gegen die Kansas City Royals (29-58) an.

Die Houston Astros (55-32) haben ihren Durchhänger offensichtlich überwunden: Fünf Siege in Folge stehen aus den letzten Tagen zu Buche, drei gegen Seattle und zwei in Colorado. Zum Abschluss des ersten Saisonabschnitts steht nun noch eine 3-Spiele-Serie gegen die Los Angeles Angels (44-43) an. Die Angels sind zurzeit schwer einzuschätzen. Drei Niederlagen gegen die Oakland Athletics (47-40) schienen letztes Wochenende ihre Wild-Card-Hoffnungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es folgten der tragische Tod von Tyler Skaggs und zwei Siege in den emotionalen Spielen bei den Texas Rangers (46-40). Für kein Team kommt die anstehende Pause wohl gelegener als für die Angels, die erst mal die Trauer bewältigen und sich dann darüber klar werden müssen, welche Ambitionen sie dieses Jahr noch verfolgen möchten.

National League
Die Ambitionen der Atlanta Braves (51-36) sind klar, sie wollen zum zweiten Mal in Folge die National League East gewinnen. Auf dieses Ziel können sie in den verbleibenden Spielen bis zur Pause noch ein großes Stück zugehen. Zunächst steht heute Abend das Rubber-Game der Serie gegen Verfolger Philadelphia Phillies (45-41) an. Anschließend geht es noch dreimal gegen die Miami Marlins (32-52), das mit Abstand schwächste Team der NL. Die Phillies müssen derweil bei den New York Mets (39-48) antreten. Die Mets sind so gut wie raus aus dem Rennen um die Playoff-Plätze, aber die Spiele gegen die Phillies können trotzdem entscheidend sein – entscheidend dafür, ob Manager Mickey Callaway seinen Job behält oder ob in der Pause ein Nachfolger installiert wird. Wie schnell im Baseball aus einem Totgesagten wieder ein Contender werden kann, beweisen unterdessen die Washington Nationals (44-41). 12 Siege aus den letzten 15 Spielen haben sowohl den Record als auch das Run Differential in den positiven Bereich gedreht und die Nationals auf einen Wild-Card-Platz befördert.

In der NL Central setzt sich die Entwicklung fort, die ich letzte Woche schon beschrieben hatte: Man wird den Eindruck nicht los, dass niemand diese Division gewinnen will. Momentan sind mal wieder die Milwaukee Brewers (46-41) vorn, obwohl sie in den letzten drei Wochen nur eine einzige Serie gewonnen haben. Das ist immerhin eine mehr als ihr Konkurrent, die Chicago Cubs (45-42). Die St. Louis Cardinals (42-42) konnten daraus keinen Nutzen ziehen, nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen pendeln sie träge um eine ausgeglichen Bilanz herum. Von einer solchen waren die Pittsburgh Pirates (42-43) lange weit entfernt. Aber in den letzten Wochen waren sie das erfolgreichste Team der Division und heute Abend können sie den 4-Spiele-Sweep gegen die Cubs und damit gleichzeitig die Rückkehr zum .500-Record perfekt machen. Und weil es langweilig wäre, nur das eine der beiden vermeintlichen Spitzenteams zu ärgern, spielen die Pirates am Wochenende auch eine Serie gegen die Brewers.

Apropos langweilig: Kommen wir zur NL West. Man kann es den Los Angeles Dodgers (59-29) kaum zum Vorwurf machen, dass sie um den Divisionssieg keinerlei Spannung aufkommen lassen. In den letzten zwölf Spielen sind die Dodgers ausnahmslos gegen ihre direkten Konkurrenten, die Colorado Rockies (44-42) und die Arizona Diamondbacks (43-45) angetreten. Sie haben acht davon gewonnen, was ziemlich genau der üblichen Quote der Dodgers in dieser Saison entspricht. Zum Abschluss des ersten Saisonteils müssen heute und an den kommenden drei Tagen auch die San Diego Padres (42-44) noch mal beim Überteam der NL antreten. Die Padres haben sich übrigens gerade von den San Francisco Giants (39-47) sweepen lassen und müssen angesichts der anstehenden Aufgabe fürchten, kurz vor der Pause den Anschluss im Wild-Card-Rennen zu verlieren.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist das Immaculate Inning von Stephen Strasburg. „Immaculate“, also makellos, ist ein Inning dann, wenn der Pitcher alle drei Batter, die ihm gegenüber treten, per Strikeout wegschickt und zwar mit der niedrigstmöglichen Anzahl von Pitches: 9. In den meisten Jahren kommt nicht mehr als eine Handvoll solcher Innings in der MLB vor. Strasburg gelang das Kunststück gestern im vierten Inning gegen die Marlins:

Statistik der Woche 
1.142. So viele Homeruns wurden im Juni dieses Jahres geschlagen und damit so viele wie in keinem Monat der MLB-Geschichte zuvor. Wenn euch diese Meldung bekannt vorkommt, dann ist das kein Wunder: Der „alte“ Rekord ist gerade mal einen Monat her mit 1.135 im Mai. Den höchsten Beitrag dazu leistete ein Spiel zwischen den Phillies und den Diamondbacks mit insgesamt 13 Homeruns, ebenfalls Rekord. Über den gesamten Monat hinweg waren es als Spieler Manny Machado und Edwin Encarnacion (je 11) sowie als Team die Atlanta Braves (56), die die meisten Homeruns zum Rekord beisteuerten. Den New York Yankees gelang im Juni in jedem einzelnen Spiel mindestens ein Homerun. Insgesamt dauerte ihre Serie 31 Spiele lang. Sie fand am Dienstag ihr Ende, als die New York Mets beim 4:2 gegen die Yankees keinen Homerun zuließen.

Spiel der Woche
Gastauftritte in London war man bislang eher von der NFL gewohnt und wenn man sich das Resultat des ersten MLB-Spiels in Europa anschaut, sieht es ganz so aus, als hätten die Yankees und die Red Sox den Engländern ebenfalls ein Football-Spiel geboten: Mit 17:13 gewannen die Yankees, also mit etwas mehr als einem Field Goal Vorsprung. Schon im ersten Inning tauschten beide Seiten Touchdowns aus, scheiterten aber jeweils am Extrapunkt. So stand es nach dem ersten Durchgang 6:6, bevor die Yankees im dritten Inning per Safety auf 8:6 erhöhten. Ein weiterer Touchdown im vierten und ein Field Goal im fünften Inning trieben die Führung auf 17:6. Die Red Sox legten zwar noch einen Touchdown und den Extrapunkt (seltsamerweise vor dem Touchdown) nach, aber die Aufholjagd kam zu spät. Gunslinger Aroldis Chapman kniete das neunte Inning souverän ab.

Mein Einschalttipp
Mein persönlicher Favorit unter den Veranstaltungen der All-Star-Woche ist weder das All-Star-Game noch das Homerun-Derby – obwohl ich mir Letzteres allein schon wegen der Teilnahme von Pete Alonso anschauen werde. Ich möchte an dieser Stelle empfehlen, sich das All-Star-Futures-Game anzuschauen. Leider geht dieses immer ein bisschen unter, weil es nicht in der spielfreien Zeit stattfindet, sondern schon am Sonntag parallel zum letzten regulären Spieltag vor dem All-Star-Break. In dem Spiel treffen zwei Auswahlmannschaften der vielversprechendsten Talente aufeinander. Unterteilt werden die Mannschaften dieses Jahr erstmals nicht nach US- und internationalen Spielern, sondern nach American League und National League. Im Gegensatz zum „großen“ All-Star-Game sieht man in dieser Partie – wenn man kein großer Beobachter der Minor Leagues ist – viele Spieler zum ersten Mal, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten ein, zwei Jahren in die MLB schaffen werden. Für sie ist dieses Spiel nicht ein routiniertes PR-Event, sondern die Chance, erstmals vor einer größeren TV-Audienz mit Leistung auf sich aufmerksam zu machen. Das Spiel wird Sonntagnacht ab 1 Uhr live auf mlb.com gestreamt. Dabei sind zum Beispiel vier der fünf Top-Prospects der Liga laut MLB Pipeline: Shortstop Wander Franco (Rays), LHP MacKenzie Gore (Padres), Outfielder Jo Adell (Angels) und Outfielder Luis Robert (White Sox). Die vollständigen Roster findet ihr hier.

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Juni 13th, 2019 by Silversurger

Die Woche begann mit einem Schock: David Ortiz, einer der größten und beliebtesten Baseballer der letzten 20 Jahre, wurde in seiner Heimatstadt Santo Domingo bei einem versuchten Raubüberfall angeschossen. Zum Glück gab es schnell Entwarnung in dem Sinne, dass die Verletzung weder lebensgefährlich ist noch mit bleibenden Schäden zu rechnen ist. „Big Papi“ Ortiz wurde zweimal operiert und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Der Täter und weitere Beteiligte wurden am Tatort festgenommen.

Zurück zum Sport: Die Free Agency 2019 hat endlich ihren Abschluss gefunden, indem zweieinhalb Monate nach Saisonbeginn auch Dallas Keuchel sein neues Team gefunden hat. Die Atlanta Braves haben dem Linkshänder einen Vertrag für den Rest des Jahres gegeben, für den er 13 Millionen Dollar erhält. Die Braves legen somit noch mal nach für das Rennen um die NL East, mit dem auch mein Überblick über die aktuellen Stände in der MLB beginnt:

National League
Mit sechs Siegen in Folge sind die Atlanta Braves (39-29) innerhalb der letzten Tage an die Spitze der National League East gestürmt, die sie heute erstmals in dieser Saison von den Philadelphia Phillies (38-30) übernommen haben. Am Wochenende kommt es in Atlanta zu drei direkten Duellen der beiden Kontrahenten. Die New York Mets (33-34) und die Washington Nationals (31-36) wirken mit ihren negativen Bilanzen schon etwas abgeschlagen, doch so weit sind sie gar nicht weg: 7,5 Spiele sind der geringste Abstand, den es in der MLB zurzeit zwischen Platz eins und vier einer Division gibt. Die Nationals haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, die Mets fünf der letzten sieben, darunter ein Split in der Subway Series bei den Yankees.

Die NL Central ist ebenfalls eine extrem spannende Division. Die Milwaukee Brewers (39-29) und die Chicago Cubs (38-29) haben sich in letzter Zeit mehrfach auf Rang eins abgewechselt. Die Brewers haben momentan knapp die Nase vorn, doch die Cubs haben ein Spiel weniger absolviert und können in der kommenden Nacht gleichziehen. Dazu müssen sie allerdings in Los Angeles gegen die Dodgers gewinnen, mit denen sie es auch an den folgenden drei Tagen zu tun haben. Die Brewers reisen mit in den Westen, haben dort mit den Giants aber den vermeintlich leichteren Gegner. Nach einer Achterbahnfahrt durch die bisherige Saison stehen die St. Louis Cardinals (33-33) derzeit bei einer ausgeglichenen Bilanz. Sie treten nun viermal bei den Mets an, einem Team in quasi identischer Situation wie sie selbst. Die Cincinnati Reds (30-36) haben erstmals seit Langem das Tabellenende verlassen und dieses an die seit sechs Spielen sieglosen Pittsburgh Pirates (30-37) abgegeben.

In der NL West gibt es ebenfalls Spannung, allerdings nicht im Hinblick auf die Tabellenführung. Die ist und bleibt fest in der Hand der Los Angeles Dodgers (45-23), welche die gesamte NL auch nach den zwei jüngsten Niederlagen gegen die Angels klar dominieren. Auf den mittleren Plätzen der Division ist jedoch einiges in Bewegung: Die Arizona Diamondbacks (36-33) haben ihr Zwischentief überwunden und nach sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen mit den Colorado Rockies (35-32) praktisch gleichgezogen. Nur noch auf Rang vier und mit einer negativen Bilanz stehen nach vier Niederlagen in Folge die San Diego Padres (33-35) da. Zu allem Überfluss mussten die Padres ihr Ass Chris Paddack in die Minor League herabstufen, nachdem sich bei ihm körperliche Ermüdungserscheinungen zeigten – er hatte 2018 eine Tommy-John-Surgery und spielt gerade seine erste vollständige MLB-Saison. Er wird ein paar Tage pausieren und dann neu bewertet.

American League
Die New York Yankees (41-25) halten sich knapp an der Spitze der American League East, wenngleich sie während der vergangenen eineinhalb Wochen deutlich geschwächelt haben mit verlorenen Serien gegen die Toronto Blue Jays (24-43) und die Indians sowie einem Split gegen die Mets. Als zweites Spitzenteam der Division sitzen die Tampa Bay Rays (41-26) weiterhin fest im Sattel, nachdem die Serie gegen die Boston Red Sox (35-34) 3:1 gewonnen wurde. Vor allem das Pitching der Rays ist nach wie vor überragend und führt mit nur 220 zugelassenen Runs mit großem Abstand die MLB an. Nächste Woche kommt es zu einem neuen Spitzenduell zwischen den Yankees und den Rays (siehe Einschalttipp).

Die Minnesota Twins (44-22) setzen ihren Spaziergang durch die AL Central unaufhaltsam fort. Sowohl ihre Siegquote als auch ihre 394 erzielten Runs sowie das Run-Differential von +110 sind MLB-Spitze. Eine große Hilfe dabei ist sicherlich die Schwäche der anderen Teams in ihrer Division. In den kommenden zwei Wochen zum Beispiel treffen die Twins siebenmal auf das schwächste Team der Liga, die Kansas City Royals (21-46). Die Detroit Tigers (25-39) sind nicht viel besser, vom Run-Differential (-109) sogar schlechter als die Royals (-72). Eine eher positive Überraschung sind bisher die Chicago White Sox (32-34), die den Cleveland Indians (34-33) einen Kampf um Platz zwei liefern. Ob Chicagos junges Team diese Rolle dauerhaft spielen kann, wird in den kommenden Wochen auf eine harte Prüfung gestellt: Die nächsten Gegner heißen Yankees, Cubs, Rangers, Red Sox und Twins.

Dass die AL West mit den Houston Astros (46-23) ein absolutes Spitzenteam beherbergt, ist weder neu noch überraschend. Sehr überraschend ist hingegen, dass die Texas Rangers (36-31) auf Kurs für einen Wild-Card-Platz sind. Der befürchtete Einbruch nach der Verletzung der Outfielder Joey Gallo und Willie Calhoun – beide sind wohl bald wieder an Bord – blieb aus. In den letzten 16 Spielen haben die Rangers 11-5 gespielt und jede der Niederlagen war knapp. Würde die Saison jetzt enden, wären die Rangers im Wild-Card-Spiel, mit je zwei Spielen Vorsprung auf die Indians, die Red Sox und die Oakland Athletics (35-34). Die Los Angeles Angels (33-35) sind nach ihrem Zwei-Spiele-Sweep im Lokalderby gegen die Dodgers ebenfalls wieder im Rennen, müssen nun aber in einer schwierigen Auswärtsserie in Tampa Bay bestehen.

Szene der Woche
Für diese Kategorie hätte ich mal wieder ein paar Homeruns im Angebot, zum Beispiel vier hintereinander von den Nationals oder einen von Hunter Pence für die Rangers, bei dem in Fenway Park einfach niemand den Ball holen wollte. Kein Homerun wurde der weite Flyball von Brett Gardner gegen die Indians. Der Yankees-Outfielder ärgerte sich so sehr über den Catch von Jordan Luplow, dass er seinen Helm im Dugout gegen die Wand pfefferte. Der Helm ließ sich das allerdings nicht gefallen und verpasste Gardner beim Gegenangriff eine blutige Lippe. Damit ist Gardner ein ganz heißer Anwärter auf meinen diesjährigen Award für die dämlichste Verletzung des Jahres.

Statistik der Woche 
13. Ja, es ist schon wieder ein Homerun-Rekord. Nachdem es letzte Woche die meisten Homeruns in einem Monat zu vermelden gab, sind es dieses Mal die meisten, die je in einem einzelnen Spiel erzielt wurden. Zu sehen waren sie Montagnacht in der Partie der Phillies gegen die Diamondbacks. Gleich die ersten drei Batter des Abends, Jarrod Dyson, Ketel Marte und David Peralta schlugen den Ball über den Zaun. Es folgten je zwei von Eduardo Escobar und Ildemaro Vargas und einer von Alex Avila für Arizona sowie zwei von Scott Kingery und je einer von Jean Segura, Rhys Hoskins und Jay Bruce für die Phillies. Den Rekord stellten Hoskins und Bruce im neunten Inning mit den Nummern zwölf und dreizehn des Spiels auf, der Sieg ging aber mit 13:8 an die Diamondbacks.

Spiel der Woche
Die Serie hatten die Braves mit Siegen in den ersten beiden Spielen in Miami bereits in der Tasche, als sie am Sonntag im dritten Spiel mit einem 1:5-Rückstand ins neunte Inning gingen. In so einer Situation kann man es ein bisschen lässig angehen, den Gegner die restlichen drei Outs machen lassen und gemütlich die Heimreise nach Atlanta antreten. Aber so sind sie nicht, die Braves der Saison 2019. Ein Double, einen Walk, einen Balk, ein Single und schließlich Ronald Acunas Homerun boten sie auf, um auf 5:5 auszugleichen. Auch davon, dass die Marlins im zehnten Inning mit einem Runner in Scoring Position und nur einem Out nahe am Walkoff waren, ließ Atlanta sich nicht beunruhigen. Mit zwei Strikeouts hintereinander bannte Jarlin Garcia die Gefahr und im zwölften Inning gelang es Matt Joyce schließlich, die Braves erstmals und gleichzeitig endgültig in Führung zu bringen. Für sie war es bereits der zwölfte Comeback-Win in diesem Jahr, dem sie letzte Nacht gegen Pittsburgh den dreizehnte folgen ließen.

Mein Einschalttipp
Das Ringen um die AL East geht in die nächste Runde: Von Montag bis Mittwoch gastieren die Rays dreimal bei den Yankees. Wenn das Überraschungsteam aus Tampa Bay eine ernsthafte Chance auf den Divisionssieg haben will, wäre es ein Riesenschritt, mal eine Serie gegen den direkten Konkurrenten zu gewinen. Die ersten beiden Serien des Jahres zwischen den beiden gingen jeweils 2:1 für die Yankees aus. Je nach Schlafgewonheiten und Medienausstattung empfiehlt sich zum Reinschauen entweder das erste oder das letzte Spiel der Serie: Montagnacht geht es los um 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit, das Spiel wird auf DAZN übertragen. Am Mittwoch schließt die Partie um 19:05 Uhr unserer Zeit die Reihe ab.

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April 25th, 2019 by Silversurger

Was für eine spannende Saison: Letzte Woche konstatierte ich an dieser Stelle noch, dass ein Team – die Tampa Bay Rays – in seiner Division bereits mit 5,5 Spielen Abstand vorne liegt. Seitdem hat sich die Lage dahin entwickelt, dass alle Erstplatzierten der sechs Divisionen zusammen nur noch fünf Spiele Vorsprung auf die Zweiten haben. Das Team der Stunde sind die Yankees, die seit letzter Woche jedes Spiel gewonnen haben. Einen noch größeren Erfolg haben die Oakland Athletics abseits des Platzes erzielen können: Sie konnten ihren Star-Slugger Khris Davis bis 2021 an sich binden. 33,5 Millionen für zwei Jahre sind aus Teamsicht ein ziemliches Schnäppchen. Davis hatte sich von vornherein dazu bekannt, in Oakland bleiben zu wollen und dafür auch weniger Gehalt zu akzeptieren als er woanders verdienen könnte.

American League
Die Tampa Bay Rays (16-9) sind von der Bilanz her nach wie vor das beste Team nicht nur der American League East, sondern der gesamten MLB. Doch ihre Dominanz bröckelt unübersehbar: Gegen den einen Favoriten in der Division, die Boston Red Sox (10-15), mussten die Rays diese Woche einen Drei-Spiele-Sweep einstecken. Der andere Favorit, die New York Yankees (14-10), legte derweil sechs Siege in Folge hin – obwohl seine Verletzungsmisere unvermindert anhält: Catcher Gary Sanchez ist zurück im Lineup, dafür mussten nun die Outfielder Aaron Judge und Clint Frazier auf die Inury-List gesetzt werden. Die Yankees stehen nun nur noch 1,5 Spiele hinter den Rays und der Vorsprung kann heute Nacht auf ein einziges Spiel schmilzen, wenn sie auch Spiel vier gegen die Angels gewinnen, während die Rays spielfrei sind. Danach müssen die Rays nach Boston, um erneut dreimal gegen die Red Sox anzutreten. Für die Toronto Blue Jays (11-14) steht morgen das wahrscheinlich interessanteste Ereignis des Jahres an, denn Vladimir Guerrero Jr. soll zu seinem ersten MLB-Einsatz kommen (siehe „Einschalttipp“).

An der Spitze der AL Central liefern die Minnesota Twins (13-9) und die Cleveland Indians (13-10) sich ein äußerst enges Rennen. Es wird in den nächsten Wochen ein Fernduell bleiben, denn ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten steht erst im Juni an. Die nächsten größeren Prüfsteine für beide sind die Astros: Die Indians müssen ab heute zu vier Spielen in Houston antreten, anschließend kommen die Astros für vier Spiele nach Minnesota. Ein etwas kurioser Fall sind die drittplatzierten Detroit Tigers (12-11): Ihre 76 erzielten Runs sind in der AL mit Abstand die wenigsten und das Run Differential mit -15 klar negativ. Dennoch bringen sie es auf eine knapp positive Bilanz. Man kann das auf eine besonders effektive Spielweise zurückführen, aber wahrscheinlich ist es eher Glück und gleichzeitig ein Hinweis, dass man sich mittelfristig eher im Bereich der Chicago White Sox (9-14) und der Kansas City Royals (8-17) einordnen wird.

Wie gerade schon erwähnt, haben die Houston Astros (15-9) eine schwierige Woche vor sich, da sie nun nacheinander gegen die beiden Top-Teams der AL Central antreten müssen. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass ihre beiden engsten Verfolger in der AL West zurzeit nicht den Eindruck erwecken, ihren guten Saisonstart auf Dauer fortzuführen: Die Seattle Mariners (16-11) haben sich gerade von den Padres sweepen lassen und die Texas Rangers (12-11) von den Oakland Athletics (14-13). Als nächstes treffen die Mariners und die Rangers viermal aufeinander, nehmen sich also in irgendeiner Konstallation gegenseitig die Punkte weg. Keine schlechten Voraussetzungen für die Athletics, das Feld von hinten aufzurollen – wozu sie allerdings eine ungeliebte Reise an die Ostküste (Toronto, Boston, Pittsburgh) erfolgreich gestalten müssen.

National League
Die National League East erweist sich bislang als der allseits erwartete Vierkampf. Nach 2:1 Siegen der New York Mets (13-11) über die Philadelphia Phillies (13-11) stehen beide nun gleichauf an der Spitze, unmittelbar gefolgt von den Atlanta Braves (12-11). Die Washington Nationals (11-12) fallen nach vier Niederlagen aus den letzten sechs Spielen ein bisschen ab. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Trend sich in den nächsten Tagen und Wochen fortsetzt, denn die Nationals haben ein sehr anstrengendes Programm vor sich (Padres, Cardinals, Phillies, Brewers, Dodgers…).

In der NL Central ist zurzeit eine Menge Bewegung. An der Spitze stehen nach fünf Siegen in Folge inzwischen relativ klar die St. Louis Cardinals (15-9). Die Verfolgerplätze teilen sich zwei Teams, die offenbar in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Chicago Cubs (12-10) arbeiten seit zwei Wochen hart und erfolgreich daran, ihren Fehlstart in die Saison vergessen zu lassen, zuletzt gewannen sie Serien gegen die Diamondbacks und die Dodgers. Den Pittsburgh Pirates (12-10) hingegen scheint nach einem unerwartet starken Saisonbeginn etwas die Luft auszugehen. Vier Niederlagen hintereinander mussten sie einstecken, das Run Differential ist inzwischen in den negativen Bereich gerutscht und gegen Arizona musste das bis dato überragende Pitching einmal elf und einmal zwölf Runs einstecken. Ebenfalls abgerutscht sind die Milwaukee Brewers (13-13), die sieben der letzten acht Spiele verloren. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben sie sich eine Neuverpflichtung gegönnt: Starting Pitcher Gio Gonzalez kehrt für 2 Millionen Dollar für den Rest der Saison zurück nach Milwaukee.

Die engste Division, wenn man nach dem Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Platz geht, ist die NL West. Die Los Angeles Dodgers (15-11) sind zwar immer noch das Maß der Dinge, doch die Division ist in den letzten Tagen spürbar zusammengerückt. Möglich gemacht haben das zwei Niederlagen der Dodgers bei den Cubs, während die Arizona Diamondbacks (14-11), die San Diego Padres (14-11) und die San Francisco Giants (11-14) in den letzten Tagen jeweils drei Siege in Folge einfuhren. Auch die Colorado Rockies (11-14) sind im Kommen, sie haben genau wie die Diamondbacks acht der letzten zehn Spiele gewonnen.

Szenen der Woche
Dass Justin Bour gern mal auf das Erreichen einer Base verzichtet, haben wir letzte Woche schon gesehen. Diese Woche leistete Bour sich erneut die Hauptrolle in einem kuriosen Moment. Er schlug – bei einem Out und vorhandenem Runner auf der ersten Base – einen Popup im Infield und verzichtete darauf, zur Base zu laufen. Ein schwerer Fehler, den die Mariners eiskalt bestraften: Sie ließen den Ball auf den Boden fallen und sammelten dann durch Würfe an die zweite und die erste Base gemütlich ein Doubleplay ein. Die Szene eignet sich in mehrfacher Hinsicht als Lehrvideo: erstens dafür, warum man immer zur ersten Base rennen sollte, nachdem man den Ball ins Feld geschlagen hat; zweitens dafür, dass die Infield-Fly-Regel nicht gilt, solange nur ein Baserunner vorhanden ist.

Ein weiteres ungewöhnliches Doubleplay kann ich nicht unerwähnt lassen: Zuerst gelang es Athletics-Centerfielder Ramon Laureano, einen scheinbar sicheren Homerun von Teoscar Hernandez noch vom Zaun zu pflücken. Derweil war Justin Smoak von der ersten Base bereits losgelaufen, kehrte korrekterweise wieder zurück, lief dann aber nach einem zu weit geratenen Wurf erneut Richtung zweite Base und wurde dort schließlich von Jurickson Profar erwischt. Hier also der zweite frühe Kandidat für das Doubleplay des Jahres:

Statistik der Woche 
59. So viele Homeruns haben die Baltimore Orioles in dieser Saison schon zugelassen und damit einen Rekord aufgestellt, auf den sie sicher gern verzichten würden. Es sind die meisten Homeruns, die je ein Team innerhalb eines Monats erlaubt hat. Eine kleine Einschränkung gibt es noch: In den Split-Statistiken werden üblicherweise März und April zusammengefasst. Ohne die vier Homeruns, die die Orioles schon im März kassiert haben, stehen sie diesen Monat bei „nur“ 55 und somit bei zwei weniger als die Oakland Athletics im Mai des Jahres 1964. Aber diese Spitzfindigkeit wird sich vermutlich bald in Luft auflösen, denn die Orioles haben noch fünf Spiele im April.

Spiel der Woche
Nichts fühlt sich besser an als ein Comeback-Win, insbesondere wenn man vorher eine Serie von Niederlagen einstecken musste. Als die Braves am Samstag in das Spiel gegen die Indians gingen, hatten sie viermal hintereinander verloren – zuletzt am gleichen Tag im ersten Teil des Doubleheaders. Und es schien einfach so weiterzugehen mit dem Absturz der Braves, die ihren Starter Touki Toussaint schon nach 1.1 Innings und sieben verschuldeten Runs vom Mound nehmen mussten. Ersatzmann Shane Carle, der als 26. Mann in den Kader des Doublheader-Tages geholt worden war, gelang es, mit 3.2 scorelosen Innings die Blutung zu stoppen und den Spielstand bei 0:7 einzufrieren. Mit einem Run im fünften und zwei im siebten Inning schien Atlantas Offensive zunächst nur Ergebniskosmetik zu betreiben. Doch im Endeffekt war das die Grundlage, im neunten Inning die Wende herbeizuführen. Clevelands Reliever Adam Cimber ließ drei Walks und ein Single zu, sein Nachfolger auf dem Mound Tyler Olson walkte seinen ersten und einzigen Batter. Cody Anderson kam rein, um beim Stand von 7:6 und zwei Outs gegen Ronald Acuna den Sack zuzumachen, doch dem gelang stattdessen ein Double, welcher das Ergebnis auf 8:7 für die Braves drehte. Closer A. J. Minter sorgte mit drei Strikeouts in der unteren Hälfte des Innings für das seltene Gefühl, dass die Braves stolz auf ihren Bullpen sein durften.

Mein Einschalttipp
Die Toronto Blue Jays spielen gegen die Oakland Athletics. Das klingt – sofern man nicht ein großer Anhänger eines der beiden Teams ist – nicht nach einem Matchup, dem man entgegenfiebert. Aber diesen Freitag schaut die Baseballwelt gespannt auf das Debüt von Vladimir Guerrero Jr. Der Nachwuchsspieler der Blue Jays hat die Minor Leagues dominiert und wird seit Monaten massiv gehypet als der nächste große Star der MLB. Nun ist endlich der lang ersehnte Call-up erfolgt und Vlad Jr. darf zeigen, ob er den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Partie beginnt Freitagnacht um 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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April 23rd, 2019 by Silversurger

Dass sich die Free Agency 2018/19 wieder lange hinziehen und dass einige Teams und Spieler bis kurz vor Saisonbeginn pokern würden, war abzusehen. Dass aber auch vier Wochen nach Saisonstart noch immer zwei der Top-5 Free Agents der MLB ohne Vertrag dastehen, ist eine echte Überraschung. Sowohl Starting Pitcher Dallas Keuchel als auch Reliever Craig Kimbrel verschreckten frühe Interessenten offenbar mit überhöhten Forderungen. Beide traten aber auch mehrfach Gerüchten entgegen, sie könnten ein ganzes Jahr aussetzen, wenn sie nicht die gewünschten Laufzeiten und Gehälter angeboten bekämen. Zumindest Keuchel wäre inzwischen wohl mit einem Einjahresvertrag zufrieden und auch von Kimbrel heißt es, dass er sich von seinem Traum von fünf bis sechs Jahren und mehr als 100 Millionen Dollar verabschiedet hat. Ich halte für wahrscheinlich, dass beide Spieler innerhalb der nächsten ein, zwei Wochen einen neuen Verein finden. Sollte das nicht der Fall sein, wird der 5. Juni zu einem interessanten Termin. An diesem Tag endet die dreitägige Draft der MLB und damit auch der Zeitraum, in dem die Verpflichtung von Keuchel oder Kimbrel für den aufnehmenden Klub mit dem Verlust eines Draftpicks einher ginge.

Mögliche Interessenten für Keuchel
Es kommen vor allem zwei Arten von Teams dafür infrage, sich intensiv um die Dienste von Keuchel zu bewerben: erstens solche, die während der ersten Saisonwochen festgestellt haben, dass ihre Starting Rotation eine Lücke aufweist; zweitens solche, die besser gestartet sind als erwartet und nun ein Puzzlestück hinzufügen möchten, um sich oben zu halten. Bei der erstgenannten Art von Teams fallen einem sofort die New York Mets ein. Für die Mets ist es eine ungewohnte Situation, dass sie bislang von einer soliden Offensive getragen werden, das Pitching aber stark zu wünschen übrig lässt. Justin Vargas spielt eine sehr schwache Saison, auch Noah Syndergaard konnte bisher nicht überzeugen, Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom pausiert mit Ellenbogenproblemen und Spot-Starter Chris Flexen hat sich (nicht zum ersten Mal) als Katastrophe erwiesen. Den Milwaukee Brewers ergeht es ähnlich. Ein verlässlicher Starter würde ihnen ermöglichen, Corbin Burnes in den Bullpen zu verschieben, wo er ihnen vermutlich mehr helfen könnte als als Starter. Als Beispiele für die zweite oben genannte Art von Teams nenne ich hier stellvertretend für ein paar andere die San Diego Padres und die Minnesota Twins. Auch die Seattle Mariners passen in das Raster, allerdings bezweifle ich deren Bereitschaft, das Geld und den Draftpick zu investieren.

Diese Klubs könnten an Kimbrel interessiert sein
Auch für Kimbrel, den besten Closer der letzten Jahre, könnten die Milwaukee Brewers ein passendes Ziel sein. Corey Knebel fällt für die gesamte Saison aus und wenn die Brewers ihr Erfolgsrezept eines exzellenten Bullpens weiter pflegen wollen, dürfte Kimbrel der ideale Mann sein. Finanzieller Spielraum ist in Milwaukee wohl auch vorhanden, daher gelten die Brewers als größter Favorit darauf, entweder Keuchel oder Kimbrel zu holen. Wenn Kimbrel nicht in Milwaukee landet, dann wahrscheinlich in der NL East – sein ehemaliger Klub, die Atlanta Braves, gelten ebenso als potenzielles Ziel für ihn wie die Philadelphia Phillies und die Washington Nationals. Die Braves waren schon während der Offseason an Kimbrel dran, dem aber damals die angebotene Laufzeit zu niedrig war; für die Phillies hatte David Robertson einen schwachen Saisonstart und steht inzwischen auf der Verletztenliste; und bei den Nationals ist ein schwacher Bullpen seit Jahren die größte Hürde dafür, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Auch Gio Gonzalez ist wieder zu haben
Neben Keuchel und Kimbrel ist mit Gio Gonzalez seit gestern ein weiterer interessanter Pitcher zurück auf dem Markt. Gonzalez ist wie Keuchel ein linkshändiger Starter und auch er hatte in der Offseason lange nach einem neuen Verein gesucht. Die Yankees erbarmten sich schließlich, indem sie ihm einen Minor-League-Vertrag mit Ausstiegsklausel gaben. Trotz einiger Verletzungssorgen entschieden die Yankees während der letzten Wochen nie dafür, Gonzalez in das MLB-Roster zu übernehmen. Er zog daraufhin die Klausel und ist nun wieder frei verfügbar. Gonzalez könnte für die Teams, welche ich als Interessenten für Keuchel aufgezählt habe, eine attraktive Billigvariante sein. Neben definitiv geringeren Gehaltsvorstellungen spricht für ihn, dass bei seiner Verpflichtung kein Draftpick abzugeben wäre, da er im Gegensatz zu Keuchel und Kimbrel kein Qualifying Offer erhalten hatte. Schneller einsatzfähig wäre er wahrscheinlich auch, denn die anderen beiden konnten sich seit einem halben Jahr nur in privaten Workouts einigermaßen fit halten, während er immerhin drei Starts auf AAA-Niveau absolvierte.

Mein Bauch sagt:
Heute in zwei Wochen stehen Dallas Keuchel für ein Jahr bei den Brewers, Craig Kimbrel für drei Jahre bei den Phillies und Gio Gonzalez für ein Jahr bei den Mets unter Vertrag.

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März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

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März 12th, 2019 by Silversurger

Die Atlanta Braves kamen 2018 aus dem Nirgendwo – genauer gesagt kamen sie aus einer Serie von drei Jahren mit mindestens 90 Niederlagen – und eroberten die NL East im Sturm. Eine 90-72-Bilanz stand am Ende der Saison zu Buche und damit das genaue Gegenteil des Ergebnisses aus dem Vorjahr. Dass die Braves mit ihrer konsequenten Aufbau- und Nachwuchspolitik irgendwann wieder eine ernstzunehmende Größe sein würden, war allseits erwartet worden, doch kaum jemand hatte sie schon für 2018 auf der Rechnung gehabt. Ihr Erfolgsheimnis war Konstanz: Während jeder der Konkurrenten in der Division sich letztes Jahr mindestens eine längere Schwächephase erlaubte, spielten die Braves durchweg soliden Baseball. Dazu dürften sie auch 2019 in der Lage sein, denn das Team wurde weitgehend zusammen gehalten und mit Third Baseman Josh Donaldson sinnvoll ergänzt. Ob konstant solider Baseball in diesem Jahr ausreicht, um erneut in die Playoffs zu kommen, erscheint mir allerdings zweifelhaft. Denn die Nationals, die Mets und die Phillies hatten allesamt sehr aktive Offseasons im Bemühen, eine Wiederholung der Betriebsunfälle vom letzten Jahr zu verhindern. Sofern das den Dreien halbwegs gelingt, sehe ich die Braves 2019 knapp hinter ihnen, vor allem weil mich ihre Rotation noch nicht überzeugt. Das Hauptziel dieses Jahres sollte sein, Pitching-Prospects wie Kyle Wright, Ian Anderson, Touki Toussaint und Mike Soroka weiter zu entwickeln. 2020 könnte dann das Jahr sein, ab dem die Braves sich für längere Zeit vor niemandem mehr verstecken müssen.

Voraussichtliches Lineup
C Tyler Flowers
1B Freddie Freeman
2B Ozzie Albies
SS Dansby Swanson
3B Josh Donaldson
LF Ronald Acuna Jr.
CF Ender Inciarte
RF Nick Markakis

Voraussichtliche Rotation
RHP Mike Foltynewicz
RHP Julio Teheran
RHP Kevin Gausman
LHP Sean Newcomb
RHP Touki Toussaint
Key Reliever: A. J. Minter

Wichtigster Zugang
3B Josh Donaldson (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
C Kurt Suzuki (Washington Nationals)

Bestes Prospect
RHP Kyle Wright

Größte Stärke
Jugend: Schon das Team, das letztes Jahr überraschend die Divisionskrone eroberte, wurde – neben Freddie Freeman – von vielen jungen Spielern getragen. Ronald Acuna Jr. wurde NL-Rookie of the Year der NL und auch Ozzie Albies, Dansby Swanson und Sean Newcomb sind bereits wichtige Stützen und noch nicht am Ende ihrer Entwicklung. Obwohl die Braves also schon reichlich von ihrer Farm geerntet haben, ist diese immer noch sehr gut bestückt, sodass der Talentzufluss in das MLB-Team noch einige Jahre anhalten wird.

Größte Schwäche
Walks: Die Pitcher der Braves ließen 2018 je neun Innings 3.92 Bases on Balls zu und damit mehr als jedes andere NL-Team. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass mit Rick Kranitz ein neuer Pitching-Coach geholt wurde. Man wird sehen, ob er das Problem in den Griff bekommt.

Spannendste Frage
Wer setzt sich im Rightfield durch? Wenn man der Stammformation der Braves eine Lücke attestieren kann, dann im rechten Außenfeld. Lange sah es in der Offseason so aus, als müsste man mit Adam Duvall ins Rennen gehen, der letztes Jahr aus Cincinnati geholt wurde und sich als herbe Enttäuschung erwies (.132/.193/.151). Ende Januar kam dann doch noch Nick Markakis mit einem Einjahresvertrag zurück. Markakis wurde zwar Mitte letzten Jahres ins All-Star-Team gewählt, doch in der zweiten Saisonhälfte baute auch er stark ab (.258/.332/.369). Falls keiner der beiden zurück zu früherer Stärke findet, dürften die Braves wohl entweder noch mal auf dem Markt tätig werden oder aber Prospect Christian Pache erste MLB-Luft schnuppern lassen.

Prognose
Platz 4 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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