Oktober 11th, 2018 by Dominik

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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Oktober 4th, 2018 by Dominik

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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September 27th, 2018 by Dominik

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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September 20th, 2018 by Dominik

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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September 6th, 2018 by Dominik

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

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August 16th, 2018 by Dominik

Baseball-Fan zu sein ist ein wunderbares Hobby. Aber manchmal macht es mich auch richtig wütend. Ich meine nicht, wenn mein Team verliert – das ärgert mich natürlich auch, aber das ist in Ordnung, das gehört zum Sport dazu. Was mir wirklich sauer aufstößt, weil es eben nichts mit Sport zu tun hat, sind Szenen wie die der vergangenen Nacht. Da ist ein junger Spieler wie Ronald Acuna Jr., der sich nichts Übleres zu Schulden kommen lässt als das Spiel zu spielen, das wir alle lieben. Er spielt es gut, in den letzten Tagen spielte er es sogar so gut, dass er unter anderem acht Homeruns in acht Spielen zum Erfolg seiner Atlanta Braves beitrug. Die letzten drei davon waren Leadoff-Homeruns in aufeinander folgenden Partien gegen die Miami Marlins. Als Acuna letzte Nacht im vierten Spiel der Serie erneut als erster Schlagmann an die Platte trat, warf Marlins-Pitcher Jose Urena ihm gleich den ersten Pitch hart an den Ellenbogen. Es war der schnellste Pitch, den Urena im ganzen Jahr geworfen hat. Natürlich behauptete er hinterher, es sei keine Absicht gewesen, aber das zu glauben fälllt unter den gegebenen Umständen extrem schwer. Die Umpires glaubten es jedenfalls nicht und erteilten Urena einen Platzverweis. Mit einem einzigen Pitch war es der kürzeste Start des Jahres. Acuna spielte zunächst weiter, musste sich aber im zweiten Inning mit Schmerzen auswechseln lassen. Nach ersten Erkenntnissen scheint nichts gebrochen zu sein, weitere Untersuchungen stehen noch aus – ebenso wie die Entscheidung der MLB, ob Urena mit einer Sperre rechnen muss.

American League
Zum Glück gab es diese Woche nicht nur solche unschönen Szenen, sondern auch eine Menge sehenswerten Baseball. Zum Beispiel von den Boston Red Sox (86-36), die von ihren letzten 18 Spielen 15 gewonnen haben. Zudem haben sie für den ersten Cycle dieser Saison gesorgt, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler innerhalb eines Spiels: Mookie Betts ist dieses Kunststück am Donnnerstag in Toronto gelungen, allerdings ausgerechnet bei einer der seltenen Niederlagen der Red Sox. In der American League East ist der Vorsprung der Red Sox vor den New York Yankees (75-45) mittlerweile auf zehn Spiele angewachsen. Das ist die zweitdeutlichste Führung innerhalb der MLB und schon ein bisschen verrückt, denn schließlich sind die Yankees mit ihrer Bilanz das zweitbeste Team der ganzen Liga und selbst auf Kurs für 100 oder mehr Siege.

Noch größer als der Vorsprung der Red Sox ist nur der der Cleveland Indians (69-51) in der AL Central. Die Indians fahren weiterhin stabil ihre Siege ein, zuletzt sogar fünf hintereinander, während der Rest der Division längst einen Haken unter die Saison gemacht hat. Immerhin eine gute Nachricht von den Minnesota Twins (56-63) gibt es aus deutscher Sicht zu vermelden: Max Kepler hat nach seiner ausgedehnten Schwächephase im Mai und Juni inzwischen wieder voll in die Spur gefunden. Mit Slashlines von .358/.350/.494 im Juli und .268/.362/.488 im bisherigen August hat der Rightfielder wieder seinen Platz als einer der Leistungsträger seines Teams eingenommen.

Es ist ein bisschen schade, dass die East und die Central dieses Jahr so früh komplett entschieden scheinen. Dafür hat es die dritte Division der AL, die AL West, richtig in sich: Die Houston Astros (74-47) stehen zwar immer noch vorne, doch sicher können sie sich an der Spitze längst nicht mehr fühlen. Dazu trug insbesondere eine Reihe von fünf Niederlagen bei, vier davon beigebracht durch die Seattle Mariners (70-52). Die Oakland Athletics (72-49) stehen nun nur noch zwei Spiele hinter den Astros und die Mariners selbst sind ebenfalls nah herangerückt. Die meiste Zeit spielt man in der MLB ja Fernduelle, aber zurzeit trägt der Spielplan massiv dazu bei, den Dreikampf mit direkten Aufeinandertreffen zu befeuern: Nach den Serien Astros-Mariners und Athletics-Mariners in der letzten Woche stehen nun Athletics-Astros und anschließend Mariners-Astros an sowie eine Woche später Astros-Athletics und dann Athletics-Mariners.

National League
Die National League East hat sich in den letzten Tagen deutlich ausdifferenziert. Vor einer Woche noch standen die Atlanta Braves (68-51) und die Philadelphia Phillies (66-53) quasi gleichauf an der Spitze, die Washington Nationals (60-61) waren guter Hoffnung, eine Aufholjagd starten zu könnnen, und am Ende der Tabelle spürten die New York Mets (51-67) den Atem von Schlusslicht Miami Marlins (48-75) im Nacken. Inzwischen haben die Braves einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Phillies, die Nationals sind mit neun Spielen Rückstand wohl endgültig aus dem Rennen und die Mets haben den vierten Platz gegenüber den Marlins deutlich gefestigt. Mal sehen, wie lange die Klarheit Bestand hat – die Braves haben übers Wochenende eine schwere Serie gegen die Rockies zu bestreiten, während die Phillies gleich fünfmal gegen die Mets antreten dürfen.

In der NL Central behaupten die Chicago Cubs (69-50) ihren Spitzenplatz vor den Milwaukee Brewers (68-55), doch die eigentliche Nachricht in dieser Division sind die St. Louis Cardinals (66-55). Acht Spiele in Folge haben die Cardinals gewonnen und zehn der letzten elf. Damit sind sie wieder dick im Rennen sowohl um die Division als auch um eine Wild Card. Damit beweisen die Cardinals mal wieder ihr legendäres Talent, immer dann aufzutrumpfen, wenn sie gerade allseits abgeschrieben wurden. Der Wechsel zu einem Interims-Manager in der Saisonmitte, der Verzicht auf Verstärkungen zur Trade-Deadline – alles sah danach aus, dass man die laufende Saison unspektakulär ausklingen lassen wollte. Doch nun steht man plötzlich nur noch ein Spiel hinter dem derzeitigen Wild-Card-Inhaber, den Brewers – und erwartet ausgerechnet diese Brewers am Wochenende zu einer Drei-Spiele-Serie. Den entgegengesetzten Weg sind derweil die Pittsburgh Pirates (61-60) gegangen. Sie hatten zur Deadline mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela aufgerüstet, doch es sieht derzeit nicht danach aus, als könnten sie den Anschluss an die Playoff-Plätze noch mal herstellen. Die anstehende Vier-Spiele-Serie gegen die Cubs dürfte dafür bereits die letzte realistsiche Chance sein.

Bleibt noch die NL West, nach wie vor die knappste Division der Liga mit weniger als zwei Spielen Abstand zwischen drei Teams. Die Arizona Diamondbacks (66-55) stehen noch vorne, konnten zuletzt aber nicht überzeugen: In Cincinnati verlor man die Serie 1:2, in Texas reichte es nur zu einem 1:1-Split. Das öffnete der Konkurrenz die Tür und vor allem die Colorado Rockies (64-56) nutzten die Chance, um sich zurück in die Spitzengruppe zu spielen. Entscheidend dafür war, dass die Rockies die Serie gegen die Los Angeles Dodgers (65-57) 3:1 für sich entschieden. Die Dodgers verloren nach den drei Spielen in Colorado noch zwei weitere gegen die San Francisco Giants (61-61), bevor sie letzte Nacht die Bremse fanden und einen Walk-off-Sieg über die Giants im zwölften Inning einfuhren. Die Dodgers könnten gerade gut einen Aufbaugegner gebrauchen, aber den bekommen sie nicht: Mit Seattle und St. Louis erwarten sie Teams, die selbst gerade jeden Sieg benötigen, um in Contention zu bleiben.

Szene der Woche
Wer die Liga über mlb.tv verfolgt, hat bestimmt schon zigmal die Szene gesehen, in der Yoenis Cespedes (damals noch bei den Athletics) aus dem Leftield heraus Howie Kendrick an der Homeplate auswirft. Das war 2014 und es wird bis heute immer wieder als Pausenfüller eingespielt, weil es so ein großartiges Play war. Nun gibt es einen würdigen Nachfolger für diese Szene und die Hauptperson trägt ebenfalls das Trikot der Athletics: Rookie Ramon Laureano komplettierte ein traumhaftes Doubleplay gegen die Angels, als er am Samstag einen Flyball ins linke Centerfield mit einem für sich allein schon sehenswerten Catch eroberte und dann einen unglaublichen Wurf 321 Fuß (98 Meter) weit perfekt an die erste Base feuerte, bevor Eric Young es dorthin zurück schaffen konnte.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns schlug der Rookie-First-Baseman der Toronto Blue Jays, Ronald Guzman, am Freitag beim 12:7-Sieg über die Yankees. Guzman ist der erste Rookie, dem dies jemals in einem Spiel gegen die Yankees gelungen ist, und die Yankees dürften auch sonst sein Lieblingsgegner sein: In 17 At-Bats gegen die New Yorker hat Guzman dieses Jahr 6 Homeruns erzielt. Gegen den Rest der MLB waren es insgesamt 7 in 271 At-Bats.

Spiel der Woche
Die Nationals sind diese Woche faktisch aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden und wenn man später zurückblickt, wird man möglicherweise ein Spiel als den entscheidenden Knackpunkt der Saison ausmachen: In der bis dahin unentschiedenen Serie zwischen den Nationals und den Cubs trafen am Sonntagabend Cole Hamels und Max Scherzer aufeinander. Beide Pitcher hatten einen hervorragenden Tag und hielten je 7 Innings durch, in denen Scherzer nur drei, Hamels sogar nur einen Hit erlaubten. Mit Glück und Geschick hatten die Nationals aus diesem einen Hit im zweiten Inning eine 1:0-Führung gezaubert (Walk, Single, Sacrifice Fly) und als ihnen im neunten Inning gegen ihren Ex-Teamkameraden Brandon Kintzler durch zwei weitere Hits zwei weitere Runs gelangen, schien das Spiel so gut wie gewonnen. Ryan Madson übernahm den Mound als Closer, bekam den Job aber nicht erledigt: Durch einen Single und zwei Hit-by-Pitches lud er die Bases und bei zwei Outs kam Pinch Hitter David Bote an die Platte. Der war zwar nur einen Strike vom dritten Aus entfernt, schlug aber den kniehohen Fastball weit übers Centerfield zum Walkoff-Grand-Slam. Man nennt so etwas – einen Homerun mit Bases Loaded und drei Runs Rückstand im unteren neunten oder Extra-Inning – auch einen „Ultimate Grand Slam“. Ein solcher kam bislang erst 27-mal vor und ist damit ähnlich selten wie das perfekte Spiel eines Pitchers.

Mein Einschalttipp
Ich habe ja oben schon erwähnt, dass es zurzeit vor allem in der AL West richtig rund geht, was direkte Duelle um die Playoff-Plätze angeht. Dort lohnt es sich auf jeden Fall, täglich reinzuschauen. Aber da mein letzter Einschalttipp schon diese Division betraf, gibt es eine andere Empfehlung: Die Atlanta Braves und die Colorado Rockies haben beide zurzeit einen Lauf und es wird interessant zu sehen sein, ob und wie sich das fortsetzt, wenn sie es von heute bis Sonntag miteinander zu tun bekommen. Das attraktivste Matchup gibt es Freitagnacht ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit zwischen Colorados Kyle Freeland (3.02 ERA, 3.95 FIP) und Atlantas Sean Newcomb (3.40 ERA, 4.15 FIP). Wer nachts lieber schläft, kann das letzte Spiel der Serie am Sonntag ab 19:35 Uhr unserer Zeit anschauen. Pitchen werden dann vermutlich German Marquez (4.51 ERA, 4.07 FIP) und Anibal Sanchez (3.07 ERA, 3.77 FIP).

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Juli 26th, 2018 by Dominik

Die All-Star-Pause ist vorbei und es geht zum einen wieder rund auf den Spielfeldern der MLB, zum anderen ist aber auch die heiße Phase für Trades angebrochen. Noch bis 31. Juli sind direkte Trades ohne Umweg über den Waiver möglich. Traditionell nutzen in dieser Zeit des Jahres Teams in aussichtsreicher Position die Gelegenheit, Lücken zu füllen und Schwächen zu beheben, indem sie erfahrene Spieler von schwächeren Teams erhandeln.Letztere lassen sich mit Nachwuchstalenten bezahlen und sparen sich überdies die oft teuren Gehälter der Veteranen. Die relevantesten Trades der letzten Tage waren die der Reliever Jeurys Familia (Mets zu Athletics), Brad Hand (Padres zu Indians), Zach Britton (Orioles zu Yankees), Seungwhan Oh (Blue Jays zu Rockies) sowie der von Starter Nathan Eovaldi (Rays zu Red Sox). Als nächstes wird wahrscheinlich Blue-Jays-Starter J. A. Happ das Team wechseln; als mögliches Ziel gelten die Yankees, aber auch andere Teams wie die Brewers und die Cubs sind noch im Rennen. Es ist fest damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen und noch bis zur letzten Minute der Tradephase weitere relevante Deals hinzukommen. Bei den Kollegen des Podcasts Just Baseball wird es am Dienstag ab 20 Uhr eine Live-Sondersendung geben, die ich jedem deutschsprachigen Baseballfan allerwärmstens ans Herz lege.

National League
An der Spitze der National League East spielt sich weiterhin ein knappes Rennen zwischen den Philadelphia Phillies (57-44) und den Atlanta Braves (52-44) ab. Beide Teams gelten als Kandidaten, vor der Trade Deadline noch aufzurüsten. Etwas unklar ist hingegen die Situation der Washington Nationals (50-51). Der ursprüngliche Favorit steht knapp negativ und liegt bereits sieben Siege hinter der Spitze zurück. Nun steht eine Vier-Spiele-Serie gegen die Miami Marlins (44-59) an, deren Verlauf wohl die Richtung weisen wird, ob die Nationals eher zu Käufern oder zu Verkäufern werden. Die Marlins werden auf jeden Fall verkaufen, um ihren Rebuild weiter voranzutreiben. Insbesondere All-Star-Catcher J. T. Realmuto steht im Schaufenster. Auch die New York Mets (42-57) gehen in den Ausverkauf: Closer Familia ist schon weg, ihm dürften 2B Asdrubal Cabrera, Starter Zack Wheeler und vielleicht sogar eines der Asse Noah Syndergaard und Jacob deGrom folgen. Kein Abnehmer wird sich für Outfielder Yoenis Cespedes finden, der sich einer OP an beiden Fersen unterziehen muss und für acht bis zehn Monate ausfällt.

Die Situation in der NL Central ist ähnlich wie in der NL East: Auch hier gibt es mit den Chicago Cubs (59-42) und den Milwaukee Brewers (58-46) zwei Teams, die zur Deadline Ausschau nach der entscheidenden Verstärkung halten, um sich von dem Konkurrenten abzusetzen. Insbesondere die Brewers, die Starter Brent Sutter an eine Tommy-John-Surgery verloren und auch sonst ein paar Löcher im Kader haben, werden sicher aktiv werden. Und auch in der NL Central gibt es auf Rang drei ein Team, das nicht so recht weiß, wohin die Reise gehen soll: Die Pittsburgh Pirates (53-50) haben zwölf der letzten vierzehn Spiele gewonnen, darunter zehn hintereinander. Mit nur noch sieben Spielen Rückstand sind sie jetzt eigentlich zu gut zum Verkaufen, aber immer noch zu weit ab vom Schuss, um All-in zu gehen. Die St. Louis Cardinals (51-51) hingegen haben durch den Trainerwechsel letzte Woche bereits deutlich gemacht, dass sie die laufende Saison abgehakt haben und den Blick in die Zukunft richten. Für die Cincinnati Reds (45-57) gilt das ohnehin.

In der NL West sind die San Diego Padres (42-63) die einzigen, die mit dem Playoff-Rennen nichts zu tun haben. Sie haben sich bereits von Brad Hand getrennt und werden wohl weitere Reliever sowie möglicherweise Starter Tyson Ross anbieten, um ihre Farm weiter aufzuwerten. Die Los Angeles Dodgers (56-46) haben inzwischen die Spitze erobert und letzte Woche mit Manny Machado bereits eine prominente Verstärkung an Land gezogen. Ihr Bullpen könnte noch ein, zwei neue Gesichter vertragen, um weiterhin vor den Arizona Diamondbacks (56-47) und den Colorado Rockies (54-47) zu bestehen. Im Vergleich mit diesen beiden sowie den San Francisco Giants (52-51) dürfte das Farmsystem der Dodgers am meisten hergeben, um am Markt aktiv zu bleiben.

American League
Die Boston Red Sox (71-32) sind nach wie vor das beste Team im Baseball. Vom ewigen Konkurrenten New York Yankees (64-36) haben sie sich in der American League East um mittlerweile fünfeinhalb Spiele abgesetzt und auch beim Aufrüsten der Rotation haben sie mit Eovaldi den ersten Treffer gelandet. Die Yankees werden nachziehen und ebenfalls mindestens einen Starter an Bord holen; J. A. Happ und/oder Cole Hamels könnten in Kürze in Nadelstreifen auflaufen. Die Tampa Bay Rays (52-50), die Toronto Blue Jays (46-55) und die Baltimore Orioles (29-73) sind sowohl in der Division als auch im Wildcard-Rennen weit abgeschlagen. Mit Machado, Britton, Oh und Eovaldi haben alle drei bereits Spieler abgegeben, denen in den kommenden Tagen noch einige folgen werden.

Die AL Central ist mangels Konkurrenz für die Cleveland Indians (55-46) schon lange so gut wie entschieden. Aber da die Indians nicht nur den Divisionssieg anstreben, sondern auch einen möglichst tiefen Playoff-Run, sind sie definitiv noch auf der Suche nach Verstärkungen. Die könnten sie zum Beispiel in der eigenen Gruppe finden, denn die Minnesota Twins (47-53), die Detroit Tigers (44-60), die Chicago White Sox (36-65) und die Kansas City Royals (31-70) sind allesamt auf der Suche nach Abnehmern. Fernando Rodney, Brian Dozier, Michael Fulmer, Jose Abreu, James Shields und Mike Moustakas sind Namen, die man schon bald auf anderen Trikots finden könnte.

Die Titelverteidiger Houston Astros (67-37) sind vielleicht das einzige Top-Team, das sich erlauben kann, zur Trade Deadline untätig zu bleiben – der Kader weist schlichtweg keine nennenswerten Schwachstellen auf. Hinter den Astros hat sich innerhalb der AL West ein heißer Kampf zwischen zwei Überraschungsteams um die zweite Wild Card der AL entwickelt. Zurzeit haben die Seattle Mariners (61-41) diese in der Hand, aber die Oakland Athletics (60-43) sind nur noch eineinhalb Spiele zurück. Mit einer Bilanz von 23-7 sie die A’s ligaweit das beste Team der letzten 30 Tage. Sowohl Oakland als auch Seattle schauen nach punktuellen Ergänzungen zur Trade Deadline, sind finanziell und von der Farm her aber nicht in der Position für große Sprünge. Die Los Angeles Angels (51-52) und die Texas Rangers (42-61) sind aus dem Rennen. Bei den Rangers könnte es durchaus einen größeren Ausverkauf geben; die Angels hingegen werden ihren Kader weitgehend beisammen halten, um nächstes Jahr einen neuen Versuch zu unternehmen, die Blütezeit von Mike Trout für einen zählbaren Teamerfolg zu nutzen.

Szene der Woche
Meine Szene dieser Woche ist ein Feueralarm. Ausgelöst wurde er am Dienstag im Great American Ballpark in Cincinnati. Zum Glück war es ein Fehlalarm und es entstand auch keine Massenpanik. Aber der Alarm und die damit verbundene Spielunterbrechung waren möglicherweise Schuld daran, dass Cardinals-Pitcher Austin Gomber aus dem Rhythmus geriet und die Chance verlor, seine MLB-Karriere mit einem No-Hitter zu krönen. Sechs Innings hatte der Rookie die Reds vor dem Alarm ohne Hit gehalten, nach dem Alarm erlaubte er zuerst Joey Votto einen Single und anschließend Eugenio Suarez einen Homerun. Es war der zweite Abend hintereinander, an dem ein Pitcher der Cardinals sein MLB-Debüt gab und knapp einen No-Hitter verpasste: Am Montag hatte Daniel Poncedeleon sieben No-Hit-Innings geworfen, wurde dann aber nach 116 Pitches ausgewechselt und musste mit ansehen, wie der Bullpen zuerst den No-Hitter und dann das ganze Spiel verlor.

Statistik der Woche 
6. In so vielen Spiele hintereinander gelang Matt Carpenter, First Baseman der Cardinals, vom vorletzten bis zum letzten Samstag jeweils mindestens ein Homerun. Eine solche Strecke ist bislang nur 28 Spielern gelungen, dasheißt sie ist sie ein selteneres Ereignis als beispielsweise ein Perfect Game. Der Höhepunkt der Serie war das 18:5 der Cardinals gegen die Cubs am Freitag, bei dem Carpenter aus fünf At-Bats drei Homeruns und zwei Doubles machte. Ein solches Spiel hatte bis dahin in der modernen Ära der MLB nur ein einziger Spieler absolviert und der war am Freitag sogar selbst dabei: Kris Bryant von den Chicago Cubs im Jahr 2016.

Spiel der Woche
Ich warte zwar immer noch darauf, zum ersten Mal in meinem Leben einen Sieg der Mets live im Ballpark zu erleben. Aber am Samstag im Yankee Stadium durfte ich zumindest ein extrem spannendes Lokalderby sehen, das Runs auf fast jede erdenkliche Art zu bieten hatte: per Single, per Double, per Triple, per Homerun, per Walk, per Hit-by-Pitch, per Groundout, per Doubleplay und per Fan-Interferece. Wenn ich nichts vergessen habe, fehlten lediglich ein Sac-Fly und ein Balk. Die Mets gingen im zweiten Inning durch Michael Confortos Solo-Homerun 1:0 in Führung, die bis ins vierte Inning hielt. Dann ließ Starter Steven Matz deutlich nach und geriet – unter negativer Mithilfe des schwachen Ersatz-Centerfielders Matt den Dekker – 1:4 ins Hintertreffen. Später arbeiteten sich die Mets noch zweimal bis auf einen Run heran, doch die Yankees schaukelten die Partie nach Hause. Das war aus meiner Sicht zwar schade, aber letztlich verdient, denn dass es überhaupt so knapp wurde, hatten die Mets bei 5:12 Hits weniger sich selbst als der katastrophalen Vorstellung von Yankees-Closer Aroldis Chapman zu verdanken. Einen Single, drei Walks und ein Hit-by-Pitch ließ er für insgesamt 3 earned Runs und 0 Outs zu, bevor Chasen Shreve ihn ersetzte und die Tür zumachte. Wer interessiert ist an einem Bericht über die Stimmung und das Drumherum bei den von mir besuchten MLB-Spielen, sollte in den nächsten Tagen noch mal hier im Blog vorbei schauen.

Mein Einschalttipp
Eine interessante Vier-Spiele-Serie steht ab heute bis einschließlich Sonntag an, wenn die Atlanta Braves die Los Angeles Dodgers empfangen. Beide Teams befinden sich in engen Duellen um die jeweilige Divisionsführung und könnten leicht zu direkten Konkurrenten werden, falls sie am Ende auf eine Wild Card angewieisein sollten. Am morgigen Freitag schicken beide ihr Ass auf den Mound: Mike Foltynewicz (2.85 ERA, 3.38 FIP) startet für die Braves, Clayton Kershaw (2.64 ERA, 3.22 FIP) für die Dodgers. Leider wird die gesamte Serie von DAZN ignoriert, sodass man hierzulande nur als Abonnent von mlb.tv in den Genuss kommt, das Spiel ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit live verfolgen zu können.

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Juli 1st, 2018 by Dominik

Es ist mal wieder soweit: Wie an jedem 1. Juli erhält Bobby Bonilla heute von den New York Mets eine Überweisung von 1,19 Millionen Dollar. Wie an jedem 1. Juli werden die Mets kübelweise Hohn und Spott über sich ergehen lassen und die ganze Baseballwelt wird kollektiv darüber schmunzeln, was für eine verrückte und ungeschickte Franchise sie doch sind. Natürlich sind sie das, völlig unbestreitbar. Trotzdem muss ich sie vor einer verbreiteten und heute sicher wieder vielfach zu lesenden Behauptung in Schutz nehmen; nämlich vor der Behauptung, der Fall Bonilla sei einzigartig und so etwas könne nur bei den Mets passieren.

Für den Fall, dass jemand die berühmte Geschichte um Bonilla noch nicht kennt, erzähle ich sie kurz noch mal: Roberto Martin Antonio – genannt Bobby – Bonilla war ein Third Baseman und Right Fielder, der von 1986 bis 2001 für acht verschiedene MLB-Teams spielte. Von 1992 bis 1995 und dann noch einmal 1999 trat er für die Mets an, die ihn beim ersten der beiden Engagements mit einem 5-Jahres-Vertrag über 29 Millionen Dollar zum höchstbezahlten Baseballprofi seiner Zeit machten. Das war vielleicht übertrieben großzügig, aber zumindest bekamen die Mets von Bonilla in dieser Zeit solide Leistungen mit einem Batting Average von .278 und 91 Homeruns in dreieinhalb Jahren.

Ganz anders lief Bonillas zweiter Anlauf bei den Mets im Jahr 1999. Er absolvierte nur 60 Spiele, in denen er unterirdische .160/.277/.303 mit 4 Homeruns schlug und sich trotzdem immer wieder bei Manager Bobby Valentine über zu wenig Einsatzzeit beschwerte. Negativer Höhepunkt: Während des entscheidenden Playoffspiels, Game 6 der NLCS gegen die Braves, saß Bonilla im Clubhaus und spielte mit seinem Teamkameraden Rickey Henderson Karten statt die Kollegen zu unterstützen. Nach dieser desolaten Saison wurde Bonilla entlassen. Jedoch schuldeten die Mets ihm aus dem bestehenden Vertrag für das Jahr 2000 noch 5,9 Millionen Dollar, die sie nicht bezahlen konnten oder wollten. Es folgten Verhandlungen zwischen Mets-Owner Fred Wilpon und Bonilla sowie seinem Agenten Dennis Gilbert, die mit einer gütlichen Einigung endeten: Die Zahlung sollte bis zum Jahr 2011 gestundet und dann mit Zins und Zinseszins über 25 Jahre hinweg abgestottert werden. So geschah es und deshalb erhält der heute 54-jährige Bonilla noch bis 2035 jedes Jahr pünktlich am 1. Juli seine 1.193.248,20 Dollar. Alles in allem wird er anstelle der 5,9 Millionen letztlich 29,8 Millionen Dollar von den Mets erhalten haben – als nachträgliche Vergütung für ein Jahr, in dem er kein einziges Spiel für die Mets absolvierte.

Der Grund, dass die Mets diesen Deal überhaupt eingegangen sind, macht die Sache noch lächerlicher als sie ohnehin schon wäre: Teambesitzer Wilpon hatte sich damals den Geschäften des windigen Investors Bernie Madoff verschrieben. Madoff versprach zweistellige Gewinnraten und so sah es für Wilpon nach einer guten Idee aus, Bonilla 8 Prozent Zinsen auf die verzögerte Auszahlung seines Gehalts zu versprechen, während man selbst das Geld jährlich um 12 bis 15 Prozent zu vermehren glaubte. Das Madoff-Modell erwies sich bekanntlich als große Mogelpackung und Wilpon als ihr prominentestes Opfer. Bernie Madoff wurde übrigens 2009 zu einer 150-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Dass die Vereinsführung der Mets sich für den Bonilla-Vertrag bis heute verspotten lassen muss, hat sie sich redlich verdient. Aber wie eingangs schon angedeutet: So einzigartig, wie es oft dargestellt wird, ist dieser Fall in der MLB gar nicht. Es ist auch nicht der erste und bei weitem nicht der schlimmste. Zur partiellen Ehrenrettung der Mets stelle ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar andere haarsträubende Deals mit weit geringerem Bekanntheitsgrad vor:

Der 2008 von den Boston Red Sox entlassene Manny Ramirez erhält seit dem 1. Juli 2011 und noch bis 2026 jedes Jahr 1,968 Millionen Dollar.

Chris Davis – ja genau, der mit der historisch schlechten Saison – wird noch bis zum Alter von 52 Jahren Zahlungen aus seinem aktuellen Siebenjahresvertrag mit den Baltimore Orioles erhalten. Von 2023 bis 2032 bekommt er jährlich 3,5 Millionen Dollar, anschließend noch 1,4 Millionen Dollar bis 2037.

Matt Holliday hat dieses Jahr bislang kein neues Team gefunden, aber finanzielle Sorgen muss er sich nicht machen; von 2020 bis 2029 erhält er jedes Jahr 1,4 bis 1,6 Millionen Dollar aus einem 2010 geschlossenen Vertrag mit den St. Louis Cardinals.

Max Scherzer steht bei den Washington Nationals noch bis 2021 unter Vertrag, die schönsten Zahltage fangen dann aber erst an: Von 2022 bis 2028 wird Scherzer jährlich eine fürstliche „Rente“ von 15 Millionen Dollar kassieren, weil die Nationals ihr Ass 2015 unbedingt langfristig halten wollten, auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten konnten.

Der älteste mir bekannte Fall – und gleichzeitig einer der verrücktesten – ist der von Reliever Bruce Sutter.  Dieser erhielt 1985 bei den Atlanta Braves einen Sechsjahresvertrag über 9,1 Millionen Dollar. Ausgezahlt wurden ihm damals „nur“ rund 750.000 Dollar pro Jahr, wobei er in drei von sechs Jahren noch nicht mal spielte. Seit 1991 und noch bis 2021 erhält Sutter jährlich 1,12 Millionen Dollar. Sowohl die 750.000 als auch die 1,12 Millionen sind wohlgemerkt nur Zinszahlungen. Die Braves schulden ihm also 2022 immer noch das eigentliche Gehalt von 9,1 Millionen Dollar für den bis dahin 37 Jahre alten Vertrag. Sutter wird dann 69 Jahre alt sein und insgesamt über 47 Millionen Dollar für drei nicht besonders gute Jahre in Atlanta erhalten haben. Vor allem als Fan der Braves sollte man also nicht allzu laut über den Bonilla-Day der Mets lachen – sonst stößt man womöglich auf Gegenspott von jemandem, der weiß, dass es auch einen Sutter-Day gibt.

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Mai 24th, 2018 by Dominik

Haufenweise spannende Spiele, einige Führungswechsel an den Divisionsspitzen, leider aber auch schon wieder ein Dopingfall – die vergangene Woche in der MLB bot quasi einen Querschnitt der bisherigen Saison. Negativ aus diesem Bild heraus fallen die Arizona Diamondbacks, die nach großartigem Saisonbeginn derzeit kaum wiederzuerkennen sind. Auf der anderen Seite sind die Milwaukee Brewers in meinen Augen das Team der Stunde und haben mittlerweile den besten Record in der generell recht ausgeglichenen National League. Nicht ganz so ausgeglichen ist die American League, aus der nach wie vor die Boston Red Sox, die Houston Astros und die New York Yankees deutlich herausragen.

National League
Die beiden jungen Überraschungsteams der National League East haben in den letzten Tagen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander gespielt. Das Resultat ist nicht etwa mehr Klarheit an der Spitze der Division, sondern durch den 2:1-Erfolg der Phillies sind Philadelphia (28-19) und die Atlanta Braves (29-19) nur noch näher aneinander heran gerückt. Ein Stück dahinter, aber auch nur drei bzw. dreieinhalb Spiele zurück sind die Washington Nationals (26-22) und die New York Mets (24-21). Beide hatten sicher mehr von der Saison erwartet als nach zwei Monaten auf den Plätzen drei und vier zu stehen, doch wenn man sich ihre Bilanzen anschaut, sehen diese eigentlich durchaus so aus, wie man sie sich vor der Saison vorstellen konnte – nur dass man zu diesem Zeitpunkt die Braves und die Phillies nicht derart stark auf der Rechnung hatte. Die Braves werden in den kommenden Tagen alle Hände voll zu tun haben, ihren Spitzenplatz zu verteidigen: Sie müssen zunächst nach Boston zum bislang stärksten Team der Liga und dann für vier Spiele zu den extrem schwer einzuschätzenden Mets. Vielleicht sind die Mets in zwei Wochen besser einzuschätzen, denn dann haben sie zwölf aufeinander folgende Spiele gegen Top-Teams – viermal Braves, viermal Brewers, viermal Cubs – hinter sich.

Es ist immmer wieder erstaunlich, wie schnell es in der MLB gehen kann: Wochenlang war die NL Central die spannendste Division, weil zwischen den besten vier Teams nie mehr als zwei Spiele lagen. Aber kaum, dass mal eines der Teams eine Siegesserie einlegt, bei der die anderen nicht mitziehen, sieht es schon anders aus. Immerhin drei Spiele Vorsprung haben die Milwaukee Brewers (31-19) auf den Rest des Feldes, nachdem sie zuletzt acht von zehn gewonnen haben. Dahinter stehen die Pittsburgh Pirates (27-21), die St. Louis Cardinals (26-21) und die Chicago Cubs (25-21) weiterhin sehr eng beisammen. Die kommende Woche wird heiß, denn es kommt zu zahlreichen direkten Duellen der vier Teams. Mal sehen, ob wir dann schlauer sind.

In der NL West gab es einen Führungswechsel, der sich schon eine Weile angedeutet hatte, denn die Arizona Diamondbacks (25-24) – vor drei Wochen noch das Top-Team der NL – befinden sich im freien Fall. Sechs Niederlagen, ein einzelner Sieg und dann weitere sieben Niederlagen sind die niederschmetternde Bilanz der letzten vierzehn Spiele. Nutznießer sind die Colorado Rockies (26-24), die sich trotz mittelmäßiger Leistungen und einem deutlich negativen Run Differential (-28) plötzlich an der Spitze der Division wiederfinden. Der Schwäche der Konkurrenz ist es zu verdanken, dass sowohl die San Francisco Giants (24-26) als auch die Los Angeles Dodgers (22-27) noch gute Chancen haben, Anschluss nach ganz oben zu finden. Gerade die Dodgers haben nach ihrem enttäuschenden Saisonstart zuletzt deutliche Lebenszeichen von sich gegeben, indem ihnen ein Sweep gegen die Nationals und eine 2:1-Serie gegen die Rockies gelangen. Darauf lässt sich in den kommenden drei Heimspielen gegen die San Diego Padres (21-30) aufbauen.

American League
Auch in der American League East hat die Führung gewechselt, zurzeit haben die Boston Red Sox (34-15) wieder die Nase vor den Yankees und auch vor dem Rest der gesamten Liga. Nach ein paar schwächeren Auftritten der Red Sox erwiesen sich die Baltimore Orioles (15-34) und die Tampa Bay Rays (22-25) als dankbare Aufbaugegner, während die New York Yankees (31-15) zuletzt zweimal gegen die Rangers verloren und nun mit den Angels und den Astros zwei schwere Gegner vor sich haben. Den Rest der Division kann man wohl getrost abhaken, denn außer den Rays und den Orioles sind auch die Toronto Blue Jays (23-26) nach acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen inzwischen so weit abgeschlagen, dass ihre Playoff-Chancen auf ein Minimum gesunken sind. Elf Spiele beträgt in der AL East mittlerweile der Abstand zwischen Platz eins und drei, in keiner anderen Division sind es mehr als viereinhalb.

Wenn die Cleveland Indians (24-23) in der AL East zu Hause wären, hätten sie dort übrigens auch schon neun Spiele Rückstand auf Platz eins. Da sie aber in der AL Central und damit in der wohl schwächsten Division der Liga sind, stehen sie nach wie vor ganz vorne – immerhin jetzt wieder mit knapp positivem Record. Die Minnesota Twins (21-24) bleiben dran, auch wenn „unser“ MLB-Star Max Kepler leider immer noch einen sehr schwachen Mai hat, in dem er bislang nur .186/.310/.343 schlägt. Best of the rest sind die Detroit Tigers (21-28), mit weiterem Abstand folgen die Chicago White Sox (15-31) und die Kansas City Royals (16-33). Als ob die White Sox nicht schon genug Probleme hätten, hat sich nun auch noch ihr Stamm-Catcher Wellington Castillo beim Gebrauch leistungssteigernder Mittel erwischen lassen. Er erhält die übliche Ersttäter-Strafe von 80 Saisonspielen Sperre zuzüglich All-Star-Game und Playoffs.

Völlig unbeeindruckt vom letztwöchigen Dopingfall Robinson Cano, der mit der gleichen Sperre geahndet wurde wie Castillo, zeigen sich bislang die Seattle Mariners (29-19) und das, obwohl sie inzwischen auch auf Canos Vertreter als Second Baseman, Dee Gordon, verletzungsbedingt verzichten müssen. Mit derzeit fünf Siegen am Stück waren die Mariners das erfolgreichste Team der Woche und bleiben dran am Titelverteidiger Houston Astros (32-18), der die AL West weiterhin anführt. Die Astros sind übrigens das erste Team in diesem Jahr, das beim Run Differential die Schwelle von +100 überschritten hat. Dazu beigetragen hat die fünftbeste Offensive und die mit großem Abstand beste Defensive der Liga. Nur 126 kassierte Runs in 50 Spielen sind eine enorme Leistung – man sieht es daran, dass Platz zwei von den Nationals und den Cubs geteilt wird mit jeweils glatt 50 Runs mehr. Mit den Los Angeles Angels (27-22) und mit Abstrichen den Oakland Athletics (25-24) hat die AL West zwei weitere konkurrenzfähige Teams, was die Division deutlich interessanter macht als im letzten Jahr.

Szene der Woche
Wie nah kann man einem Homerun kommen, ohne einen Homerun zu schlagen? Vermutlich nicht viel näher als Twins-2B Brian Dozier im gestrigen Spiel gegen die Tigers. Sein Leadoff-Hit im ersten Inning flog hoch über das Centerfield und viele Zuschauer hielten ihn ebenso wie Dozier selbst zunächst für einen Homerun. Doch der Ball traf auf das obere Ende der Outfield-Wand oder dort genau in eine Fuge der Polsterung, in welcher er stecken blieb. Auch wenn ihm in dieser Szene ein paar Zentimeter zum Glück fehlten, musste Dozier sich nicht lange ärgern, denn nach seinem Ground-Rule-Double brachte ihn ein Single von Eddie Rosario doch noch zur 1:0-Führung nach Hause. Am Ende gewannen allerdings die Tigers 4:1.

Statistik der Woche 
45. Das ist übrigens genau die gleiche Zahl wie letzte Woche, obwohl es dieses Mal um eine komplett andere Statistik geht. Nach 45 Spielen, darunter jedes bisherige Spiel der laufenden Saison, endete am Sonntag für Phillies-Outfielder Odubel Herrera die Serie von Partien, in denen er mindestens einmal auf Base kam. So jedenfalls die offizielle Lesart der MLB, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann: Bei seiner letzten Gelegenheit, während des 1:5 bei den Cardinals im neunten Inning die Strecke doch noch am Leben zu erhalten, erreichte Herrera nämlich durchaus die erste Base. Es war zwar ein Strikeout, doch Catcher Francisco Pena fing den Pitch von Jordan Hicks nicht und so durfte Herrera Richtung Base rennen und kam dort sicher an. Er kam somit regulär auf Base, für die Serie wird das aber nicht gewertet. Schade und meinen Augen nicht ganz fair. Übrigens kam Herrera in den drei zwischenzeitlichen Spielen ebenfalls immer auf Base, ohne die fragwürdige Regel stünde der Zähler nun also bei 49.

Spiel der Woche
Es war womöglich das Comeback des Jahres: Bis tief ins neunte Inning waren die Miami Marlins am Sonntag auf dem Weg, einen Sieg aus Atlanta zu entführen. 9:4 lagen die Marlins vorne und das 9:5 bei einem Sacrifice Fly von Ronald Acuna schien nur Ergebniskosmetik zu sein. Immerhin war das schon das zweite Out im letzten Durchgang und es fehlte nur ein weiteres, um den Deckel auf das Spiel zu machen. Doch dieses eine Out wollte einfach nicht gelingen. Closer Brad Ziegler musste weichen, nachdem er einen Walk und drei Singles zugelassen hatte, die Führung nur noch 9:7 betrug und mit einem Runner auf Base der Ausgleich am Schlag stand. Tayron Guerrero übernahm den Mound, aber nicht das Kommando: Kaum ein Pitch landete in der Strikezone und nach zwei Walks, einem Hit und keinem Aus besorgte Dansby Swanson mit seinem 2-RBI-Single den Walkoff-Sieg für die Braves.

Mein Einschalttipp
Wenn am Wochenende die New York Yankees und die Los Angeles Angels aufeinandertreffen, dann wird das schon deshalb interessant, weil es zwei gute und interessante Teams sind. Besondere Würze bringt aber das voraussichtliche Matchup am Sonntag, das als Showdown der beiden japanischen Pitcher Masahiro Tanaka (Yankees) und Shohei Ohtani (Angels) inszeniert wird. Tanaka war bis zu seinem Wechsel in die MLB 2014 der Superstar der japanischen Profiliga NPB, Ohtani sein Nachfolger als solcher, bevor es ihn vor dieser Saison ebenfalls nach Amerika zog. Ohtani erlebt bislang einen glänzenden Start in seine MLB-Karriere mit 3.35 ERA, 3.25 FIP und nebenbei hervorragenden Batting-Leistungen an den Tagen, an denen er als Pitcher pausiert. Tanaka (4.95 ERA, 4.82 FIP) hat bis dato ein eher schwaches Jahr und wird froh sein, dass er in der American League spielt, sodass Ohtani ihm wenigstens als Hitter erspart bleibt.

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Mai 17th, 2018 by Dominik

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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