Juni 6th, 2019 by Silversurger

Die erste der beiden unendlichen Free-Agent-Geschichten dieses Jahres ist endlich vorbei: Star-Closer Craig Kimbrel hat einen Vertrag bei den Chicago Cubs unterschrieben. Es ist, wie von Kimbrel die ganze Zeit über angestrebt, ein Vertrag über mehrere Jahre, allerdings für weitaus weniger Geld als von ihm ursprünglich erhofft: 43 Millionen Dollar bekommt der 31-Jährige für dieses und die beiden folgenden Jahre, anschließend kann der Klub für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranhängen. Kollege Dallas Keuchel ist nach wie vor ohne Vertrag, doch der linkshändige Starter hat wohl ebenfalls einige ernsthafte Interessenten. Genannt werden derzeit vor allem die Yankees und die Braves.

American League
Die American League East bleibt spannend, dafür haben die New York Yankees (38-22) und die Tampa Bay Rays (36-23) in den letzten Tagen gesorgt – nicht mit Absicht, versteht sich, denn sie taten es, indem sie jeweils drei bzw. vier Spiele in Folge verloren. Die Boston Red Sox (32-29) konnten dadurch den Abstand zur Spitze auf „nur noch“ sechseinhalb Spiele verkleinern und sehen einem interessanten Wochenende entgegen: An diesem treffen sie innerhalb von drei Tagen viermal auf die Rays, während die Yankees in Cleveland antreten müssen.

Die Cleveland Indians (31-30) haben ihre Bilanz gerade mal wieder auf knapp positiv gedreht, indem sie die ersten beiden Spiele einer Serie gegen die Minnesota Twins (40-20) gewonnen haben. Doch der Abstand auf die Twins in der AL Central ist immer noch enorm und die schlechten Nachrichten für die Indians reißen einfach nicht ab: Nach Mike Clevinger, Danny Salazar und Corey Kluber fällt mit Carlos Carrasco ein weiterer Teil der Rotation aus und das auf unbestimmte Zeit. Als Grund gibt der Verein eine „blood condition“ an und verzichtet vorerst auf weitere Details; die Bekundungen, dass alle Teamkameraden für ihn da sein werden und dass man der Familie viel Kraft wünscht, lassen leider auf eine möglicherweise schwere Erkrankung schließen. Auch die Detroit Tigers (23-35) müssen unschöne Neuigkeiten verdauen: Ihr einstiger Superstar Miguel Cabrera leidet unter chronischen Kniebeschwerden und wird auf Anweisung der Ärzte ab sofort nur noch als Designated Hitter zum Einsatz kommen statt auf seiner angestammten Position als First Baseman.

Wenn es gerade schon um Verletzungen geht, darf ich Joey Gallo nicht unerwähnt lassen: Bei dem Outfielder der Texas Rangers (31-28) ist es zwar „nur“ eine Bauchmuskelzerrung, aber sie wird ihn einige Wochen außer Gefecht setzen. Das könnte ein Knackpunkt für die Rangers sein, die bislang eine überraschend starke Saison gespielt haben und dabei auf Gallo als Leistungsträger setzen konnten. In der AL West sind die Rangers zwar weit entfernt von den schlichtweg konkurrenzlosen Houston Astros (42-21), halten sich aber stabil auf Platz zwei, während die Oakland Athletics munter Achterbahn fahren: Einer Reihe von zehn Siegen ließen die A’s sechs Niederlagen in sieben Spielen folgen. Heute Abend geht es im Rubber-Game der Serie gegen die Los Angeles Angels (30-32) direkt um den dritten Platz in der Division.

National League
Die Philadelphia Phillies (35-27) halten in der National League East ihren knappen Vorsprung vor den Atlanta Braves (33-28), doch das Outfield der Phillies verursacht derzeit größere Sorgen: Bryce Harper bringt bislang nicht die Leistung, die man sich von dem Mann mit dem Rekordvertrag versprochen hatte; Odubel Herrera ist vorläufig gesperrt, weil er unter Verdacht steht, seiner Freundin körperliche Gewalt angetan zu haben; Andrew McCutchen hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird für den Rest des Jahres ausfallen. Als eine erste Maßnahme holten die Phillies Jay Bruce von den Mariners, aber die Baustelle im Outfield dürfte damit längst nicht behoben sein. Generell macht in dieser Division bislang niemand einen so gefestigten Eindruck, dass man von einer frühzeitigen Entscheidung ausgehen könnte. Die erfolgreichsten Teams der letzten ein, zwei Wochen waren ausgerechnet die beiden Schlusslichter: Die Washington Nationals (28-33) gewannen acht ihrer letzten zehn Spiele, die Miami Marlins (23-36) sieben.

Auch in der NL Central wird es noch lange spannend bleiben. Die Chicago Cubs (34-26) sind zwar noch vorne, doch die Division ist deutlich enger zusammengerückt, indem die St. Louis Cardinals (30-29) die Cubs am letzten Wochenende gesweept haben. Die gleiche Paarung steht am kommenden Wochenende erneut an, dieses Mal in Chicago (siehe Einschalttipp). Die Milwaukee Brewers (34-28) hatten sich zwischenzeitlich kurz die Tabellenführung ausgeliehen, diese aber durch zwei überraschende Niederlagen gegen die Marlins prompt wieder abgegeben. Die Pittsburgh Pirates (29-31) und die Cincinnati Reds (28-32) sind noch so nah dran, dass man von der NL Central als einzige Division sprechen kann, in der von Platz eins bis fünf noch für jedes Team alles möglich ist..

In der NL West kann man das beim besten Willen nicht behaupten, hier wird niemand den Los Angeles Dodgers (43-20) streitig machen, dass sie zum siebten Mal in Folge die Division gewinnen. Hier geht es für die anderen Teams einzig und allein um Platz zwei bzw. um die Chance auf einen Wild-Card-Platz. Die Colorado Rockies (31-29) haben sich durch acht Siege in Folge, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Arizona Diamondbacks (31-32), zum „Best of the Rest“ hochgearbeitet. Die Serie wurde zwar inzwischen durch zwei Niederlagen bei den Cubs beendet, aber weder die Cardinals noch die San Diego Padres (31-31) scheinen zurzeit in der Verfassung, zum Gegenschlag auszuholen – die San Francisco Giants (25-35) sowieso nicht.

Szene der Woche
Die offensichtliche Wahl an dieser Stelle ist natürlich die Bekanntgabe des Nummer-eins-Picks der diesjährigen Draft: Herzlichen Glückwunsch an Catcher Adley Rutschman, der wie erwartet von den Baltimore Orioles ausgewählt wurde und hoffentlich in ein, zwei Jahren mit dafür sorgen wird, dass man sich die Orioles wieder gerne anschaut.

Eine interessante Spielszene habe ich auch noch parat, genauer gesagt eine wie ich sie – zumindest auf professionellem Niveau – noch nie erlebt habe. Aber seht selbst:

Statistik der Woche 
1135. So viele Homeruns wurden im Mai dieses Jahres geschlagen und damit so viele wie in keinem Monat der MLB-Geschichte zuvor. Torontos Supertalent Vladimir Guerrero Jr. hatte die Ehre, am Freitag im achten Inning in Colorado den 1120. Homerun des Monats zu schlagen und damit den Rekord zu sichern, bevor die Kollegen noch 15 draufpackten, um die neue Bestmarke zu zementieren. Den größten Anteil an der Homerunflut im Mai hatten Pittsburghs Josh Bell, Houstons Alex Bregman und Cincinnatis Derek Dietrich mit jeweils 12.

Spiel der Woche
Vielleicht sollte ich dieses Mal eher von einem „Inning der Woche“ sprechen. Ausgerechnet die Miami Marlins – immer noch das Team mit den wenigsten Siegen und den wenigsten erzielten Runs in der NL – explodierten Dienstagnacht gegen die Milwaukee Brewers mit sage und schreibe elf Runs in einem Inning. Es war das erfolgreichste Inning der Franchisegeschichte, und am Ende des Tages stand ein 16:0-Sieg von einem der – eigentlich – schlechtesten Teams der Liga gegen eines der – eigentlich – besten.

Mein Einschalttipp
Die Serie zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs hat am letzten Wochenende eine Menge Spannung zurück in die NL Central gebracht, indem die Cardinals als Außenseiter dem Favoriten und Tabellenführer Cubs alle drei Spiele abnahmen. Von Freitag bis Sonntag kommt es zu drei Rückspielen in Chicago. Eine angenehme Startzeit um 20:20 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung bietet gleich die erste Partie am Freitag mit dem Pitcher-Duell zwischen Cole Hamels (3.62 ERA, 3.92 FIP) und Mike Mikolas (4.41 ERA, 4.69 FIP). Zu sehen gibt es das Spiel nur mit einem Abo von mlb.tv, bei DAZN bleibt die Serie leider komplett unberücksichtigt.

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März 28th, 2019 by Silversurger

Opening Day. Eine Woche nach dem „Gruß aus der Küche“ in Form der zwei Eröffnungsspiele zwischen Oakland und Seattle in Tokio beginnt heute endlich für alle MLB-Teams die Saison 2019. Da die Teams in den ersten Spielen in aller Regel ihre besten Pitcher ins Rennen schicken, stehen gleich ein paar echte Hammer-Matchups an. Die Tage vor dem Saisonbeginn waren dieses Jahr von ungewohnt vielen Vertragsverlängerungen für Top-Spieler geprägt – und leider auch vom üblichen Pensum niederschmetternder Verletzungsnachrichten. So ist die Saison für einige schon beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dallas Keuchel und Craig Kimbrel hingegen sind fit und dennoch wird ihr Saisonbeginn sich verspäten, denn beide sind am Opening Day immer noch ohne neuen Arbeitgeber.

Zwei Highlights des Eröffnungstages
Wenn es nach Monaten des Wartens endlich wieder losgeht, ist natürlich jedes Spiel ein Highlight für alle Beteiligten. Auf zwei besonders herausragende Matchups möchte ich dennoch hinweisen: In der National League trifft Cy-Young-Gewinner Jacob deGrom mit den New York Mets auf den Zweitplatzierten der Cy-Young-Wahl, Max Scherzer, und die Washington Nationals. Das Spiel beginnt um 18:05 mitteleuropäischer Zeit. Sofern die Partie nach ungefähr drei Stunden beendet ist, lohnt es sich, gleich umzuschalten zur Übertragung aus Tampa Bay. Dort treten nämlich ab 21 Uhr unserer Zeit die Rays mit dem Cy-Young-Gewinner der American League, Blake Snell, gegen den Zweitplatzierten der Wahl, Justin Verlander, und die Houston Astros an. Interessantere Konstellationen hätte man sich kaum ausdenken können.

Jede Menge Vertragsverlängerungen
Der große Trend dieser Offseason oder zumindest der letzten Wochen ist der zu vorzeitigen Verlängerungen von Spielerverträgen. Es scheint derzeit sowohl bei den Klubs als auch bei den Spielern die Auffassung zu herrschen, dass man sein Schäfchen besser rechtzeitig ins Trockene bringt, statt in ein oder zwei Jahren die Ungewissenheiten der Free Agency auszutesten. Der große Paukenschlag war der Rekordvertrag von Mike Trout letzte Woche. In den folgenden Tagen schloss sich eine ganze Reihe weiterer Einigungen zwischen Starspielern und ihren aktuellen Vereinen an. Hier die wichtigsten, sortiert nach Höhe der garantierten Gehaltssummen:

Starting Pitcher Chris Sale hat für fünf weitere Jahre in Boston unterschrieben. Er erhält dafür 145 Millionen Dollar, zusätzlich zu den 15 Millionen, die ihm der bestehende Vertrag für 2019 einbringt. Von dem Geld sind 50 Millionen „deferred money“, das heißt diesen Teil erhält er von den Red Sox nicht gleich, sondern in Raten bis 2040.

Jacob deGrom hat sich mit den New York Mets auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, der allerdings eine Ausstiegsklausel für deGrom nach drei Jahren und eine Teamoption für die Mets auf ein sechstes Jahr enthält. Für die grundsätzlich vereinbarten fünf Jahre beträgt das Garantiegehalt des Pitchers 137,5 Millionen Dollar. Auch sein Vertrag enthält rund 50 Millionen Dollar, die erst mit 15 Jahren Verzögerung ausgezahlt werden.

Paul Goldschmidt hat zwar für die St. Louis Cardinals noch kein MLB-Spiel absolviert, aber der First Baseman fühlt sich bei seinem neuen Klub offensichtlich schon so wohl, dass er bereit war, sich ebenfalls für fünf Jahre zu binden. Der First Baseman, der von den Arizona Diamondbacks nach St. Louis getradet worden war, lässt sich seine Unterschrift mit 130 Millionen Dollar bezahlen.

Die Houston Astros haben sich gleich zwei Leistungsträger für die nächsten Jahre gesichert. Third Baseman Alex Bregman erhält einen Sechsjahresvertrag für glatte 100 Millionen Dollar, Starting Pitcher Justin Verlander bleibt nach seinem laufenden Vertrag für 2019 (28 Millionen) auch 2020 und 2021 in Houston und bekommt für die beiden Jahre zusammen weitere 66 Millionen.

Die Chicago Cubs behalten Starter Kyle Hendricks bis mindestens 2023 und bezahlen ihm dafür rund 63 Millionen Dollar. Sie haben sich zudem eine Teamoption auf die Saison 2024 gesichert, für die Hendricks weitere 16 Millionen bekäme.

Knebel, Souza Jr.: Saison gelaufen
Die Pechvögel der Woche sind Outfielder Steven Souza Jr. von den Arizona Diamondbacks und Closer Corey Knebel von den Milwaukee Brewers. Souza Jr. zog sich bei einem einem Slide über die Homeplate im Spring-Training-Spiel gegen die White Sox mehrere Bänderrisse im linken Knie zu. Er hatte sich gerade erst von einer anderen Verletzung zurück gekämpft und sollte einen Stammplatz im Rightfield der Diamondbacks einnehmen. Der Posten wird nun wohl von Neuverpflichtung Adam Jones übernommen.

Für Knebel deutet, nachdem sich ein seit Jahren bestehender leichter Bänderriss im Ellenbogen verstärkt hat, alles auf eine Tommy-John-Surgery hin. Wenn sich das bestätigt, wird er bis in die kommende Saison hinein ausfallen. Der Bullpen der Brewers, eigentlich das Prunkstück des Teams, hat damit schon den zweiten herben Rückschlag erlitten, denn auch Jeremy Jeffress wird mit Schulterproblemen zumindest noch einige Wochen ausfallen. Die Brewers sind nach den schlechten Nachrichten noch einmal tätig geworden und haben Reliever Alex Wilson für ein Jahr unter Vertrag genommen.

Einige weitere prominente Verletzungsopfer dieser Woche werden wohl zumindest irgendwann im Laufe der Saison wieder zur Verfügung stehen. Second Baseman Scooter Gennett von den Cincinnati Reds wird mit einer Leistenzerrung zwei bis drei Monate ausfallen. Für First Baseman Matt Olson von den Oakland Athletics lautete die Prognose nach seiner Handfraktur zunächst auf sechs bis acht Wochen Ausfallzeit. Möglicherweise rechnen die A’s aber doch mit einer längeren Pause, jedenfalls haben sie gestern mit Kendrys Morales von den Toronto Blue Jays eine Vertretung für Olson geholt. Auch Francisco Lindor fällt noch eine Weile aus. Der Shortstop der Cleveland Indians war gerade dabei, nach einer Wadenverletzung wieder Spielform aufzubauen, doch nun macht der Knöchel Probleme. Es werden neue Untersuchungen nötig, Lindors Rückkehr ins Team verschiebt sich auf bislang unbestimmte Zeit.

Was wird aus Keuchel und Kimbrel?
Es wurde auch dieses Jahr viel über die langsame und ereignisarme Free Agency geklagt, aber im Endeffekt sind doch fast alle „eindeutigen“ Major Leaguer wieder für gutes Geld bei MLB-Klubs untergekommen. Die beiden Ausnahmen sind Starting Pitcher Dallas Keuchel und Reliever Craig Kimbrel. Zumindest in der frühen Phase der Offseason gab es wohl ein paar Angebote und Verhandlungen, doch beide Pitcher konnten sich nicht mit einem Klub einigen. Es hing (natürlich) am Geld, vor allem aber auch an der Vertragslaufzeit, denn der 31-jährige Keuchel und der in Kürze ebenso alte Kimbrel bestehen auf der Sicherheit eines mehrjährigen Engagements. In den letzten Wochen wurde es um beide erstaunlich ruhig. Ich schätze, sie werden abwarten, bis der eine oder andere Klub durch Verletzungen anderer Spieler unter Handlungsdruck gerät und dann doch bereit ist, das Portemonnaie etwas weiter aufzumachen.

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Juli 19th, 2018 by Silversurger

Das Tauziehen ist beendet: Die Zukunft von Baltimores Star-Infielder Manny Machado beherrschte in den letzten Tagen geradezu penetrant die Berichterstattung um die MLB, selbst die All-Star-Events wurden davon ein Stück weit zur Seite gedrängt. Unter anderem die Yankees, die Brewers und die Phillies sollen sich sehr um einen Deal bemüht haben, aber nun ist die Sache endlich entschieden und Machado wird für den Rest der Saison die Los Angeles Dodgers verstärken. Im Gegenzug wechselt ein Paket von fünf Prospects, darunter Outfielder Yusniel Diaz, zu den Orioles.

Ebenfalls beendet ist die Zeit von Mike Matheny als Manager der St. Louis Cardinals. Matheny war sechseinhalb Jahre für den Klub tätig. In den ersten vier Jahren unter seiner Verantwortung erreichten die Cardinals jedes Mal die Playoffs. 2016 und 2017 verpassten sie diese, und nachdem es auch in diesem Jahr zur Saisonmitte nicht allzu vielversprechend aussieht, entschied man sich, den Wechsel einzuleiten. Der bisherige Bench-Coach Mike Shildt übernimmt vorerst als Interims-Manager und hat die Chance, sich als dauerhafte Besetzung zu empfehlen.

Da wegen des All-Star-Breaks seit letzter Woche nur wenige MLB-Spiele stattgefunden haben, verzichte ich dieses Mal auf die Einzelbetrachtung der Divisionen und lege den Fokus des Grand Slams auf die drei Hauptevents der All-Star-Woche – ergänzt um einen egoistischen Einschalttipp.

MLB Futures Game 
Den Auftakt der All-Star-Woche bildete wie üblich das Futures Game. Dieses Stelldichein der vielversprechendsten Talente erfährt leider nicht die Beachtung, die es verdient. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer schon am Sonntag gleichzeitig mit der letzten Runde der MLB-Spiele vor dem Break stattfindet. Traditionell treten die US-amerikanischen Talente gegen die aus dem Rest der Welt an. Dieses Mal gewannen die USA 10:6, wobei das meiste Aufsehen einem Spieler des Welt-Teams zukam: Yusniel Diaz gelang es als zweiter Spieler in der Geschichte des Futures Games, in der Partie zwei Homeruns zu erzielen. Dieser Auftritt kann durchaus direkten Einfluss darauf gehabt haben, dass Diaz drei Tage später zum Kernstück des Machado-Trades wurde. Auf der anderen Seite machte der erst 18-jährige Pitcher Hunter Greene auf sich aufmerksam. Der letztjährige #2-Draftpick der Cincinnati Reds warf 27 Pitches, darunter 19 Fastballs, von denen jeder Geschwindigkeiten zwischen 100,0 und 103,1 Meilen pro Stunde erreichte. Einen davon, 102,3 mph schnell, ließ er allerdings von Luis Alexander Basabe (White Sox) über den Zaun schlagen.

Homerun-Derby
221 Homeruns wurden im diesjährigen Homerun-Derby geschlagen, mehr als je zuvor. Die meisten (55) gingen auf das Konto von Kyle Schwarber (Chicago Cubs). 21 Bälle über den Zaun gelangen Schwarber allein im Halbfinale gegen Rhys Hoskins (Philadelphia Phillies). Gewonnen hat das Derby letzten Endes aber nicht Schwarber, sondern Bryce Harper (Washington Nationals). In seinem Heimstadion behielt Harper im Finale dank eines atemberaubenden Comebacks in der letzten Minute seiner Zeit mit 19:18 die Oberhand. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, ist zumindest umstritten. Denn einige der Pitches, die Harpers Papa ihm zuwarf, kamen zu früh, noch bevor der vorherige Ball gelandet war. Das entspricht nicht den Regeln, aber den Titel wird man Harper nicht aberkennen. Denn zum einen versäumten die Offiziellen, in der Situation direkt einzugreifen und zum anderen dürfte der erzielte Vorteil minimal sein, zumal Harper am Ende noch 22 Sekunden übrig hatte.

All-Star-Game
Zum sechsten Mal hintereinander hat die American League das All-Star-Game gewonnen. Das hört sich nach dauerhafter Dominanz an, doch ganz so klar ist die Sache nicht. Langfristig gesehen hat die AL erst seit dem diesjährigen Spiel genau einen Sieg Vorsprung mit 44:43 gewonnenen All-Star-Games. Und es hätte am Dienstag ohne Weiteres auch andersherum ausgehen können, denn das Spiel war durchweg knapp und wurde erst im zehnten Inning entschieden. Die Zuschauer erlebten mehr oder weniger ein zweites Homerun-Derby, denn fast alle der 8:6 Zähler fielen durch lange Bälle. Zehnmal ging der Ball über den Zaun, ein neuer All-Star-Game-Rekord. Die Entscheidung im Extra-Inning brachten Back-to-back-Homeruns der Astros-Teamkollegen Alex Bregman und George Springer.

Mein Einschalttipp
Mein USA-Urlaub neigt sich dem Ende zu, doch am Samstag steht noch der hoffentlich krönende Abschluss mit dem Derby der New York Yankees gegen meine Mets an. Das Schöne als Fan eines solchen Teams ist, dass man in das Spiel ohne jede Erwartungshaltung gehen kann. Wenn man überrascht wird, dann ausschließlich positiv, denn schlimmer als vor zwei Wochen beim 0:9 gegen die Rays kann es kaum werden. Das einzige, was meine Freude auf das Spiel trüben könnte, wäre ein Rainout, weswegen ich ständig den Wetterbericht beobachte. Momentan steht die Vorhersage bei 50% Regenwahrscheinlichkeit, also bitte Daumen drücken. Aller Voraussicht nach wird Yoenis Cespedes nach seiner Verletzung zumindest als DH zur Verfügung stehen und auch das Pitching-Matchup klingt vernünftig: Zwar werden deGrom und Severino nach ihren All-Star-Einsätzen wohl einen Tag länger geschont werden, aber Steven Matz (3.38 ERA, 4.81 FIP) und Sonny Gray (5.46 ERA, 4.34 FIP) waren nach ein paar holprigen Starts zuletzt gut drauf und dürften für ein interessantes Spiel sorgen. Matz schätze ich dabei etwas stärker ein, dafür haben die Yankees die deutlich bessere Offense am Start. Wenn ihr reinschauen wollt, schaltet ab 19:05 mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv oder DAZN ein. Ich sitze übrigens auf Höhe des vorderen linken Außenfelds – der Typ mit der Metskappe. 😉

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Juli 12th, 2018 by Silversurger

Im USA-Urlaub die MLB zu verfolgen, ist gar nicht so leicht. Klingt komisch, ist aber so. Das liegt zum einen an mir selbst, weil ich den Tag über meist unterwegs oder am Strand bin und die Spiele hier – für mich völlig ungewohnt – zu „normalen“ Zeiten laufen. Es liegt aber auch daran, dass die meisten Fernsehübertragungen nur empfangbar sind, wenn man den entsprechenden lokalen Sender abonniert hat. In den Hotels ist das oft nicht der Fall. WLAN hat man zwar fast immer, aber erstens ist es nicht immer stark genug, um damit mlb.tv zu streamen und zweitens wird man bei mlb.tv automatisch geblockt, wenn man sich im Einzugsbereich eines der beteiligten Teams aufhält – ein Ärgernis, das einem als Fan im Ausland zum Glück unbekannt ist.

Genug gejammert, die wesentlichen News und Szenen bekommt man natürlich auch hier mit und so hat es zumindest für eine kurze Urlaubsfassung des Grand Slam am Donnerstag gereicht. Viel Spaß damit:

American League
Die Boston Red Sox (65-29) haben ihre letzten neun Spiele allesamt gewonnen. Damit sind sie das aktuell beste Team im Baseball und haben sich  im Rennen um die American League East um dreieinhalb Spiele von den New York Yankees (60-31) absetzen können. Letztere haben gegen die Baltimore Orioles (26-67) nur einen Split zu Stande gebracht und müssen nun zum Abschluss des ersten Saisonteils bei den Indians antreten.

Die Cleveland Indians (50-41) könnten ihrerseits ein Erfolgserlebnis gut gebrauchen, nachdem sie gerade Serien gegen die Athletics und die Reds abgegeben haben. In der schwachen AL Central bleiben die Indians dennoch unangefochten. Mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen zeigt die Kurve bei den Minnesota Twins (41-49) zwar deutlich nach oben und sie haben den zweiten Platz in der Division zurück erobert, aber der Abstand zu den Indians ist immer noch enorm.

In der AL West haben die Houston Astros (62-33) zuletzt zwei von drei Spielen gegen die Oakland Athletics (52-41) verloren und müssen heute darum kämpfen, die Serie wenigstens noch zu splitten. Mit 15 Siegen aus den letzten 20 Spielen sind die Athletics das erfolgreichste Team der MLB in diesem Zeitraum. Ihre Bilanz ist inzwischen besser als die, mit der die Indians die AL Central anführen, doch in der AL West reicht es nur für Platz drei hinter den Seattle Mariners (58-35).

National League
In der National League East gab es diese Woche einen Führungswechsel: Die Atlanta Braves (51-40) verloren sechs der letzten acht Spiele und rutschten zwischenzeitlich hinter die Philadelphia Phillies (51-40) auf Rang zwei ab. Durch den gestrigen Sieg der Braves über Toronto und die gleichzeitige Niederlage der Phillies bei den New York Mets (37-53) stehen die beiden jetzt exakt gleichauf. Die Washington Nationals (46-46) stehen nur bei .500 und treten nun in New York zum Duell der Enttäuschten an.

Die beste Mannschaft der National League sind entweder die Milwaukee Brewers (55-38), wenn man nach Siegen geht, oder die Chicago Cubs (51-38), wenn man sich an ihrem Run Differential von +105 orientiert. Die beiden liefern sich ein enges Rennen um die NL Central und haben in den letzten Tagen exakt im Gleichschritt gewonnen und verloren. Die St. Louis Cardinals (47-44) sind inzwischen einige Spiele hinter das Führungsduo zurückgefallen.

In der NL West wird es eng für die Arizona Diamondbacks (51-42), die nur noch ein halbes Spiel vor den Los Angeles Dodgers (50-42) liegen. Gestern setzte es ein deftiges 2:19 gegen die Colorado Rockies (47-45), bei denen die Diamondbacks heute noch einmal antreten müssen. Danach geht es nach Atlanta, während die Dodgers ihren Part des Fernduells in Form einer weiteren Derbyserie gegen die Angels absolvieren.

Szene der Woche
Für mich war die größte Szene dieser Woche ein Single von Brandon Nimmo. Der Outfielder der Mets beendete damit im siebten Inning der Partie am Sonntag das Perfect Game, welches Rays-Starter Nathan Eovaldi bis dahin am Laufen hatte. Es war die einzige Gelegenheit während der neun Innings, mal herzlich zu jubeln über eine Aktion der Mets, die ansonsten eine erschreckend schwache und kampflose Vorstellung boten. Ein 0:9 war sicher nicht das, was ich mir von meinem ersten Besuch im Citi Field seit drei Jahren erhofft hatte. Aber als Fan dieses Klubs hat man längst gelernt, für die kleinen Dinge dankbar zu sein – an diesem Tag eben dafür, dass ich wenigstens kein perfektes Spiel gegen das eigene Team mit ansehen musste.

Statistik der Woche 
9. So viele Runs Rückstand hatten die Nationals letzten Donnerstag im vierten Inning auf die Marlins. Doch angeführt von Trea Turner, der allein für zwei Homeruns und 8 RBI verantwortlich zeichnete, kam Washington zurück ins Spiel und gewann schließlich 14:12. Es war das höchste Comeback der Franchise-Geschichte.

Spiel der Woche
Die Oakland Athletics sind zurzeit verblüffend gut drauf, die spannendste Partie der Woche mussten sie aber letzten Endes verloren geben: Gegen die Houston Astros lagen die A’s am Dienstag bis ins neunte Inning 0:4 hinten, bevor sie die Aufholjagd starteten. Genau wie am Vortag gegen Gerrit Cole hatten sie auch gegen Justin Verlander kein Land gesehen, kamen aber mit dem Bullpen der Astros gut zurecht. Ken Giles brachte kein Out zu Stande, musste nach drei Singles Platz für Hector Rondon machen, der aber den Ausgleich durch einen Double von Marcus Semien auch nicht verhindern konnte. Es ging in die Extra-Innings und ein Solo-Shot von Stephen Piscotty im elften Inning schien das Spiel endgültig zu Gunsten der A’s zu drehen. Doch die Freude währte nicht lange, denn die Astros kamen zurück und gewannen das Spiel per Walkoff durch einen kuriosen Error: Alex Bregman traf den Ball schwach und dachte, es wäre ein Foulball. Der Ball rollte aber doch ins Spielfeld und A’s-Catcher Jonathan Lucroy versuchte, Bregman zu taggen. Dieser wich aus und rannte Richtung erste Base, als er sah, dass Lucroy den Ball fallen ließ. Beim Versuch, zur Base zu werfen, traf Lucroy Bregman am Helm, von wo der Ball ins Rightfield prallte und Kyle Tucker erlaubte, den siegbringenden Run zu scoren. Muss man gesehen haben.

Mein Einschalttipp
Ich bin kein großer Fan des All-Star-Games, da es sportlich nicht mehr als eine Spaßveranstaltung ist. Aber es ist eine Gelegenheit, die größten Stars der MLB (fast) alle auf einmal zu sehen und erfreulicherweise gibt es diese Gelegenheit dieses Jahr umsonst: Außer über mlb.tv und DAZN kann man das Spiel auch in einem kostenlosen Livestream auf spox.com sehen. Die Partie findet statt am Dienstag bzw. nach mitteleuropäischer Zeit am Mittwochmorgen ab 2 Uhr. Die kompletten All-Star-Roster beider Ligateile könnt ihr hier nachlesen.

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