Oktober 25th, 2018 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

Die World Series
Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Szene der Woche
Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

Statistik der Woche
6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

Der Rest der Liga
Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

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Oktober 18th, 2018 by Silversurger

Im Gegensatz zu den enttäuschend einseitigen Divisional-Serien halten die beiden Serien um die League Championships bislang alles, was sie versprochen haben. Jedes einzelne Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Milwaukee Brewers sowie zwischen den Boston Red Sox und den Houston Astros war spannend und in beiden Duellen ist nach vier bzw. fünf absolvierten Partien noch nichts entschieden. Schon im jeweils nächsten Spiel kann sich das aber ändern, denn sowohl die Dodgers als auch die Red Sox sind nur noch einen Sieg von der World Series entfernt.

Vom Rest der Liga gibt es derweil nicht allzu viel Neues zu vermelden. Von den Teams, die nach neuen Coaches und Managern suchen, scheint noch keines unmittelbar vor einem Vertragsschluss zu stehen. Eine Hiobsbotschaft gab es für die New York Yankees: Kurz nach ihrem Playoff-Aus stellte sich heraus, dass Shortstop Didi Gregorius eine Tommy-John-Surgery benötigt, die inzwischen bereits stattgefunden hat. Gregorius wird somit einen Großteil der kommenden Saison verpassen. Entsprechend stark haben die Spekulationen zugenommen, dass die Yankees sich in der Offseason um Manny Machado, den wohl begehrtesten kommenden Free Agent auf dieser Position, bemühen könnten.

National League
In der NLCS haben die Los Angeles Dodgers letzte Nacht erstmals die Führung übernommen. Der Garant dafür war Clayton Kershaw, der beim 5:2-Erfolg gegen die Milwaukee Brewers endlich in einem Playoffspiel seine Klasse zeigen konnte. Mit einem ERA von 4.11, erworben in 27 Partien (22 Starts) mit insgesamt 140 gepitchten Innings, entsprachen seine Postseason-Auftritte bislang nur selten seinen Leistungen in der regulären Saison. Zum Vergleich: In 318 Saisonspielen (316 Starts, 2096.1 Innings) liegt sein Karriere-ERA bei sagenhaften 2.39. Oktober dürfte nicht gerade sein Lieblingsmonat sein, aber gestern ließ er sich – anders als im ersten Spiel der Serie – davon nichts anmerken und dominierte die Hitter der Brewers sieben Innings lang fast nach Belieben.

Die Brewers huldigen unterdessen auffällig dem neuen Trend im Baseball: dem sogenannten Bullpenning, also sehr frühen und häufigen Pitcherwechseln. In Spiel eins wurde Starter Gio Gonzalez schon nach zwei Innings ersetzt, in Spiel vier sogar schon nach einem Inning, wobei er sich da aber auch eine Verletzung zugezogen hatte. Spiel fünf schließlich war ein neues Extrem, denn Starter Wade Miley musste schon nach einem einzigen Batter den Mound räumen. Laut Manager Craig Counsell war das eine geplante Aktion, um den Gegner zu verwirren und zum verstärkten Einsatz von Rechtshändern gegen den linkshändigen vermeintlichen Starter zu bringen. Das hat zwar funktioniert, wurde aber letzten Endes nicht von Erfolg gekrönt. Es ist interessant, die Entwicklung weg vom klassischen Starter, die einige Teams – allen voran Tampa Bay – in der regulären Saison vorangetrieben haben, nun auch in der Postseason angewendet zu sehen. Erfolg hatten die Brewers mit dieser Taktik bislang allerdings nur in Spiel eins der Serie. Ihren zweiten Sieg holten sie in Spiel drei bei einem ganz normalen Start von Jhoulys Chacin, der 5.1 Shutout-Innings pitchte.

Die Entscheidung der Serie kann Freitagnacht ab 2:39 Uhr unserer Zeit fallen, wenn Spiel sechs von den Dodgers gewonnen wird. Wenn die Brewers noch in die World Series wollen, müssen sie sowohl dieses Spiel als auch die dann entscheidende Partie am Samstag gewinnen.

American League
Die ALCS verläuft bislang gefühlt alles andere als einseitig, trotzdem haben die Boston Red Sox inzwischen eine komfortable Führung von 3:1 Spielen und stehen somit kurz vor der World Series.

Gelungen ist ihnen das, indem sie in knappen Spielen zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Hits gelandet haben. Dafür steht niemand mehr als Outfielder Jackie Bradley Jr.: Zuerst beeinflusste er den Ausgang von Spiel zwei durch einen 3-Run-Double, bei dem der Ball ziemlich lustig durch die Gegend hüpfte. In Spiel drei besiegelte er den Sieg seines Teams durch einen Grand Slam im achten Inning. In Spiel vier schließlich schlug er den Go-ahead-Homerun im sechsten Inning. Das waren 9 entscheidende RBIs in den drei Siegen der Red Sox und jeden davon erzielte er bei zwei Outs.

Die Red Sox haben nun drei Matchbälle zum Gewinn der Best-of-3-Serie. Die erste Chance, einen davon zu verwandeln, besteht heute Nacht ab 2:09 Uhr unserer Zeit beim Duell von David Price und Justin Verlander.

Szene der Woche
An dieser Stelle muss ich mal die vielen großartigen Catches erwähnen, die die Serie der Astros gegen die Red Sox hervorgebracht hat. Der sehenswerteste davon war für mich der Catch von Astros-Outfielder Tony Kemp in Spiel drei gegen die Red Sox. Er beraubte dadurch Steve Pearce eines Extra-Base-Hits gegen die Outfield-Mauer und verhinderte zu dem Zeitpunkt eine höhere Führung Bostons. Genützt hat es im Endeffekt wenig, denn am Ende gewannen die Red Sox mit 8:2. Seinem Kollegen Josh Reddick erging es ähnlich: Auch er hatte eine tolle Aktion, die in Spiel vier Schlimmeres verhinderte, auch dieses Spiel brachten die Red Sox nach Hause – passenderweise durch einen spektakulären Catch von Andrew Benintendi. Genauso entscheidend für den Ausgang dieser Partie war der Catch, den Mookie Betts nicht machen konnte: Ein Fan griff unzulässigerweise ins Spiel ein und verhinderte, dass Betts den potenziellen Homerun von Jose Altuve stehlen konnte. Die Umpires entschieden dennoch auf Out, denn bei Fan Interference ist die Szene so zu beurteilen wie sie vermutlich ohne den Eingriff passiert wäre.

Statistik der Woche
1930. Das ist eigentlich keine richtige Statistik, sondern eine Jahreszahl. Im genannten Jahr ist es zum letzten Mal vorgekommen, dass ein Pitcher zwei Spiele einer Playoffserie hintereinander gestartet hat. George Earnshaw war es damals, der für die Philadelphia Athletics die Spiele fünf und sechs der World Series gegen die St. Louis Cardinals begann. Earnshaw gewann beide Spiele und entschied damit die Serie zu Gunsten von Philadelphia. Earnshaw pitchte damals im ersten Spiel sieben Innings und im zweiten neun. Morgen wird voraussichtlich Wade Miley von den Brewers erstmals seit 88 Jahren wieder das zweite Playoffspiel in Folge beginnen. Er brachte es bei seinem vorherigen Start allerdings auf 0 Innings, da er schon vor dem ersten Out ausgewechselt wurde.

Spiel der Woche
Die bislang aufregendste Partie der League Championships war für mich Spiel vier zwischen den Dodgers und den Brewers. Viele Runs gab es in dem 13-Inning-Thriller zwar nicht zu sehen, dafür aber überragendes Pitching insbesondere von beiden Bullpens, einen fantastischen Catch sowie den entscheidenden Walkoff-Hit von Cody Bellinger und natürlich die vielen Gesichter des Manny Machado: Für seinen Freund und Gegenspieler Jonathan Schoop hatte er sowohl einen Geburtstagskuchen als auch einen starken Wurf zum Groundout übrig, für Jesús Aguilar leider nur einen ziemlich fiesen Tritt und für die lange zitternden Dodgersfans schließlich den erlösenden Lauf um die Bases, mit dem er Christian Yelichs Wurf aus dem Rightfield zuvor kam und seinem Team den Sieg brachte.

Mein Einschalttipp
Ich bleibe natürlich bei meiner Empfehlung, möglichst jedes der letzten paar Spiele auf dem Weg zur World Series 2018 zu schauen. Innerhalb unserer Zeitzone bietet sich speziell die sechste Partie zwischen den Red Sox und den Astros an. Mit einer Startzeit von 23:09 Uhr unserer Zeit ist es das einzige verbleibende Spiel der League Championships, das nicht mitten in der Nacht beginnt. Ob es überhaupt stattfindet oder ob die Serie schon vorher durch einen Sieg von Boston in Spiel 5 entschieden wird, bleibt noch abzuwarten. Dementsprechend stehen auch die Starting Pitcher noch nicht fest. Nach derzeitigem Stand würde es vermutlich auf Dallas Keuchel und auf Chris Sale hinauslaufen, sofern Letzterer bis dahin nach seinen Magenproblemen wieder ganz auf den Beinen ist.

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Oktober 11th, 2018 by Silversurger

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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Oktober 4th, 2018 by Silversurger

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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Oktober 1st, 2018 by Silversurger

Baseball ist so herrlich konsequent: Wenn 162 Spiele nicht genug sind, um zwischen Platz eins und zwei einen Unterschied festzustellen, dann wird nicht lange hin und her gerechnet. Es wird kurzerhand ein Spiel 163 zwischen den betroffenen Teams angesetzt und zwar nicht irgendwann, sondern gleich am nächsten Tag. Ein Spiel 163 ist ein besonderes Ereignis, das nur alle paar Jahre vorkommt. Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal in der MLB-Geschichte gleich zwei Entscheidungsspiele, denn sowohl die NL Central als auch die NL West endeten mit einem Gleichstand an der Tabellenspitze.

Erfreulicherweise finden beide Spiele heute aus europäischer Sicht zu sehr günstigen Zeiten statt. Um 19:05 Uhr unserer Zeit spielen in Chicago die Cubs und die Milwaukee Brewers den Sieger der NL Central aus. Als Pitcher wird Jose Quintana (4.09 ERA, 4.52 FIP) für die Cubs starten. Die Brewers haben noch keinen Starter benannt,aber höchstwahrscheinlich wird es auf Jhoulys Chacin (3.56 ERA, 3.99 FIP) hinauslaufen. Der Sieger des Spiels verdient sich zwei Tage Pause und trifft ab Donnerstag in der NLDS auf den Sieger des Wild-Card-Spiels. Der Verlierer ist noch nicht ausgeschieden, muss aber in eben jenem Wild-Card-Spiel am Dienstag eine weitere Extrarunde einlegen.

Der Gegner im Wild-Card-Spiel ist der Verlierer aus dem anderen Spiel 163, das heute Abend ab 22:09 Uhr unserer Zeit die Los Angeles Dodgers gegen die Colorado Rockies absolvieren. Walker Buehler (2.76 ERA, 2.98 FIP) geht für Los Angeles ins Rennen gegen German Marquez (3.76 ERA, 3.33 FIP). Der Gewinner dieser Partie spielt ab Donnerstag die NLDS gegen die Atlanta Braves.

Die Favoritenrollen in den heutigen Spielen sind ziemlich klar verteilt: Die Cubs und die Dodgers haben den Heimvorteil, die größere Postseason-Erfahrung und das bessere Run Differential als der jeweilige Gegner auf ihrer Seite. Ich drücke dann mal den Außenseitern die Daumen.

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September 27th, 2018 by Silversurger

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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September 20th, 2018 by Silversurger

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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September 6th, 2018 by Silversurger

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

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August 30th, 2018 by Silversurger

Die Trade-Saison geht langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen: Morgen, am 31. August, ist die Deadline für Waiver-Trades. Vereinswechsel sind danach theoretisch noch möglich, doch die betreffenden Spieler dürften in den Playoffs nicht eingesetzt werden. Die Philadelphia Phillies haben schnell noch mit OF/3B Jose Bautista von den Mets nachgerüstet, die Atlanta Braves mit 1B Lucas Duda von den Royals und C Rene Rivera von den Angels – beide sind übrigens ebenfalls ehemalige Mets. Ein hochkarätiger Spieler, der ebenfalls noch vor der Deadline den Klub wechseln könnte, ist 3B Josh Donaldson. Er wurde auf den Waiver gesetzt und die Blue Jays sind wohl sehr daran interessiert, ihn loszuwerden, um wenigstens das Gehalt aus seinem auslaufenden Vertrag zu sparen. Ein Trade könnte allerdings an der nötigen Gesundheitsprüfung scheitern, denn Donaldson ist noch im Aufbautraining nach einer Verletzung. Ein paar Waiver-Claims für prominente Spieler führten diese Woche nicht zu Trades: So konnten sich die Cincinnati Reds nicht mit den Brewers über Matt Harvey einigen und auch Billy Hamilton zogen sie nach Claim durch ein unbekanntes Team vom Waiver zurück, ebenso wie die Rays ihren Closer Sergio Romo.

Der Tag nach der Deadline, der 1. September, ist ein weiteres wichtiges Datum im MLB-Kalender: Ab diesem Tag dürfen die MLB-Teams in den Spielen statt auf einen ausgewählten 25-Mann-Kader auf ihren vollen 40-Mann-Kader zugreifen. Wir werden dann eine Menge sogenannter September-Call-ups sehen, größtenteils junge Spieler aus den Minor-Leagues, die Spielpraxis in der MLB erhalten und die Stammspieler in der Endphase der langen Saison entlasten sollen. Jetzt schauen wir aber erst mal, welches Bild sich zum Einstieg in diese Endphase in der MLB bietet:

American League
Die Boston Red Sox (92-42) sind immer noch mit großem Vorsprung das Top-Team der MLB und der American League East, doch ein bisschen ist der Zauber ihrer überragenden Saison zuletzt verblasst: Auf einer Strecke von acht Spielen gingen sechs verloren, darunter durch die Tampa Bay Rays (71-62) der erste Sweep gegen die Red Sox in der ganzen Saison. Gegen die Marlins gab es nun zwei Comeback-Siege für Boston, wodurch der Abstand zu den New York Yankees (84-49) wieder auf 7,5 Spiele gewachsen ist. Die Red Sox werden sich nicht mehr einholen lassen und sie werden auch locker die 100-Siege-Marke überspringen. Der Rekord von 116 Siegen, der zwischenzeitlich in Reichweite schien, ist aber erstmal in weite Ferne gerückt. Zudem stehen mit den White Sox, den Braves und den Astros ein paar unangenehme Gegner an.

Auch die Cleveland Indians (75-57) schwächeln gerade ein bisschen, kassierten aus den letzten sieben Spielen fünf Niederlagen. In der AL Central tut ihnen das angesichts der klaren Verhältnisse natürlich nicht sonderlich weh, noch nicht mal wenn die Niederlagen wie gestern gegen den Divisionszweiten Minnesota Twins (62-70) erlitten werden. Die Twins sind so weit hinter den Indians und gleichzeitig so weit vor dem Rest des Feldes, dass sich für sie in dieser dieser Saison nichts mehr tun wird. Immerhin um Platz drei ist inzwischen ein Kampf entbrannt, die Detroit Tigers (53-80) und die Chicago White Sox (53-80) stehen exakt gleichauf. Die beiden scheinen allerdings in unterschiedliche Richtungen unterwegs zu sein: Von ihren letzten 15 Spielen haben die White Sox 11 gewonnen, die Tigers hingegen haben 11 verloren.

In der AL West haben die Houston Astros (82-51) erfolgreich den Angriff der Oakland Athletics (80-54) abgewehrt, indem sie zwei der drei direkten Duelle gewonnen haben. Die A’s müssen damit die Träume vom Divisionssieg zumindest zurückstellen und sich erst mal auf die Sicherung ihres Wild-Card-Platzes konzentrieren. Gegen den direkten Konkurrenten, die Seattle Mariners (74-59), sollte in den ab heute anstehenden vier Spielen zumindest ein Split her, um den Vorsprung von 5,5 Spielen zu wahren. Für die Mariners könnte diese Serie bereits die letzte Chance sein, noch mal nah heranzukommen. Durch Niederlagen in den letzten drei Spielen – zwei in San Diego, eine in Arizona – haben sie die Gelegenheit verpasst, aus der verlorenen Serie der Athletics in Houston Kapital zu schlagen.

National League
In der National League East haben die Atlanta Braves (74-58) sich zwei unnötige Niederlagen gegen Schlusslicht Miami Marlins (53-81) geleistet. Dennoch haben sie ihre Position gegenüber den Philadelphia Phillies (71-62) gefestigt. Den Phillies scheint die Luft ausgegangen zu sein, jedenfalls haben sie seit vier Wochen keine einzige Serie mehr gewinnen können und das, obwohl es in dieser Zeit überwiegend gegen schwache Teams wie die Washington Nationals (67-67), die New York Mets (59-74), die Padres und die Blue Jays ging. Auf diese Weise sind die Phillies inzwischen auch im Wild-Card-Rennen ins Hintertreffen geraten und mit 2,5 Spielen Rückstand auf einen solchen Platz zurzeit das schwächste der fünf Teams mit ernsthaften Ambitionen.

Momentan würden beide Wild Cards an die NL Central gehen. Hier haben sich an der Spitze die Chicago Cubs (78-54) inzwischen etwas abgesetzt, vor allem durch eine Reihe von sieben Siegen in Folge, die erst gestern Abend bei den Mets ihr Ende fand. Dahinter halten sich aber auch die St. Louis Cardinals (74-59) und die Milwaukee Brewers (74-60) mehr als solide und verteidigen dadurch die Wild-Card-Plätze gegen die anderen Divisionen – zum Beispiel beim 2:1-Seriensieg der Cardinals bei den Rockies am letzten Wochenende.

Die NL West bleibt die spannendste Division der Liga. Während in jeder anderen Division inzwischen mindestens dreieinhalb Spiele zwischen dem Ersten und dem Zweiten liegen, liegt hier zwischen dem Ersten und dem Dritten nur ein einziges Spiel. Das sieht nach einem geradezu perfekten Zeitpunkt dafür aus, dass es ab heute vier Tage lang zum direkten Kräftemessen zwischen den Arizona Diamondbacks (73-60) und den Los Angeles Dodgers (72-61) kommt. Die Colorado Rockies (72-60) hoffen vermutlich, dass die beiden sich die Siege teilen, während sie selbst sich der einfacher erscheinenden Aufgabe gegen die San Diego Padres (52-83) widmen. Die San Francisco Giants (67-68) haben die Saison inzwischen abgehakt. Das könnte sich nicht deutlicher zeigen als daran, dass ihr Star-Catcher Buster Posey sich einer Hüftoperation unterzogen hat mit dem Ziel, nächstes Jahr schmerzfrei spielen zu können.

Szene der Woche
Das Spiel zwischen den Phillies und den Nationals am Dienstag war eigentlich ein Duell der beiden Cy-Young-Kandidaten Aaron Nola und Max Scherzer, doch in Erinnerung bleiben wird die spielentscheidende Aktion eines anderen Pitchers – und zwar nicht beim Pitchen. Vince Velasquez war von den Phillies als Pinch-Runner ins Spiel geschickt worden, um beim Stand von 4:5 bei einem Out im unteren neunten Inning den langsamen und erst vor Kurzem von einer Verletzung genesenen Wilson Ramos an der zweiten Base zu ersetzen. Das war wohl keine gute Idee, denn Velasquez ging die Aufgabe mit einer gehörigen Portion Übermut an: Bei einem Flyball ins Centerfield tagte er die Base, um nach dem Catch von Michael Taylor die dritte Base zu erreichen. Das war eine eigenmächtige, riskante und relativ unnötige Entscheidung. Dann ging auch noch der Slide über die Base hinweg, aber da der Wurf nicht gut ankam, war Velasquez safe. Jedenfalls dachte er das, doch sowohl der Gegner als auch die Umpires hatten aufgepasst und gesehen, dass er die zweite Base verlassen hatte, bevor Taylor überhaupt am Ball war. Velasquez war somit das dritte Aus und das Spiel verloren. So kann’s gehen, sogar unter MLB-Profis.

Statistik der Woche 
50. So viele Saves hat Edwin Diaz als Closer der Mariners dieses Jahr bislang erzielt. Das haben in der MLB-Historie erst 16 Pitcher vor ihm geschafft und es ist noch ein ganzes Stück Saison übrig. 29 Spiele haben die Mariners noch vor sich, in denen Diaz sich an den Rekord von Francisco Rodriguez (62 in der Saison 2008) heranarbeiten oder diesen sogar noch übertreffen kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Mariners ihm auch weiterhin genug Gelegenheiten dafür schaffen. 54 Chancen auf einen Save haben sie ihm bisher gegeben, das sind 12 mehr als irgendein anderer Closer dieses Jahr hatte. Noch eine nette Geschichte am Rande: Mariners-Manager Scott Servais hatte Diaz im Juli versprochen, dass er sich dessen Frisur zulegen würde, wenn er 50 Saves schafft. Servais hat sein Wort gehalten.

Spiel der Woche
Das Spiel der Reds gegen die Brewers letzte Nacht sparte nicht an Highlights. Zum einen gab es eine Menge Hits, 36 an der Zahl, die zu insgesamt 25 Runs und einem knappen 13:12-Sieg der Gäste aus Milwaukee nach mehreren Führungswechseln führten. Der interessanteste Hit war ein 3-Run-Homer von Reds-Reliever Michael Lorenzen, den dieser erzielte, nachdem er schon einen vermeintlichen Strikeout bei einem verunglückten Bunt erlitten hatte. Die größte Story des Tages war aber Brewers-Outfielder Christian Yelich, der ein absolut überragendes Spiel hatte: Er erzielte bei 6 Versuchen 6 Hits, darunter ein Cycle, und war obendrein mit einem perfekten Wurf aus dem Outfield für ein Aus an der Homeplate verantwortlich. Man sollte meinen, mit so einer Leistung gewinnt man ein Spiel locker im Alleingang, aber dass es für die Brewers nach zehn Innings zum knappen Sieg reichte, war nicht möglich ohne das Wirken von Jesus – genauer gesagt den Homerun von Jesus Aguilar im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Die Baseballwelt schaut nach Los Angeles, denn dort spielen die Dodgers und die Arizona Diamondbacks an diesem Wochenende die Spitze der NL West unter sich aus (oder sie machen die Colorado Rockies zum lachenden Dritten). Die ersten drei Spiele finden aus mitteleuropäischer Sicht leider allesamt tief in der Nacht statt, daher ist mein Einschalttipp Spiel vier, das ihr am Sonntag ab 22:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen könnt. Starting Pitcher in dieser Partie werden voraussichtlich Clay Buchholz (2.07 ERA, 3.41 FIP) für Arizona und Walker Buehler (3.02 ERA, 3.21 FIP) für Los Angeles sein. Das ist ein interessantes Matchup zwischen dem starken Rookie Buehler und dem 34-jährigen Buchholz, der relativ überraschend mit seiner besten Saison seit fünf Jahren auftrumpft.

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August 2nd, 2018 by Silversurger

Die Trade Deadline der MLB kam und ging am Dienstag Abend, und auch wenn die ganz großen Würfe ausblieben – Bryce Harper und Jacob deGrom zum Beispiel haben nicht das Team gewechselt –, hat sich doch einiges bewegt. Ich werde hier nicht alle Moves herunterbeten (eine umfassende Übersicht findet sich hier), aber natürlich steht der Grand Slam am Donnnerstag diese Woche unter dem Zeichen der Deadline-Trades. Die größte Überraschung war für mich die Aktivität der Pittsburgh Pirates, die sich mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela verstärkt haben. Das ist eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Pirates aus ihrer unklaren Ausgangslage heraus einen Angriff auf die Playoffs starten wollen oder nicht. Ebenfalls sehr aktiv waren die Milwaukee Brewers und die Seattle Mariners als weitere Buyer sowie auf der Seite der Seller die Minnesota Twins und die Baltimore Orioles, welche offenbar einen konsequenten Rebuild angehen. Zurückhaltender als ich gedacht hätte, waren die Oakland Athletics, die New York Mets und die Washington Nationals. Das einzige Team, das komplett untätig blieb, sind die San Francisco Giants.

Übrigens: Auch nach der Deadline vom 31. Juli sind Trades in der MLB nicht ausgeschlossen. Getradet werden dürfen nun allerdings nur noch Spieler, die entweder nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen oder die vorher auf den Waiver gesetzt wurden. Auf Spieler von dieser Liste kann jedes Team einen Anspruch anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt. Mit diesem Team kann der bisherige Klub des Spielers sich auf einen Trade einigen, andere Teams sind außen vor. Somit können Trades im August relativ leicht blockiert werden, aber manchmal geht doch ein Blockbuster durch. Letztes Jahr wechselte zum Beispiel Justin Verlander auf diese Art zu den Houston Astros, mit denen er schließlich die World Series gewann.

American League
In der American League East haben sich alle Teams zur Trade Deadline so verhalten, wie man es von ihnen erwartet hatte: Die Boston Red Sox (75-34) und die New York Yankees (68-38) haben vor allem ihre Starting Rotation verstärkt, um im Ringen um die Division weiterhin bestehen zu können. Die Tampa Bay Rays (55-53), die Toronto Blue Jays (48-59) und die Baltimore Orioles (33-75) hingegen haben haufenweise erfahrene Spieler abgegeben und sich im Gegenzug mit Prospects für eine erhoffte bessere Zukunft gerüstet. In dieser Division ist schon lange klar, dass es bis zum Ende der Saison ein Zweikampf bleiben wird. Über die nächsten vier Tage hinweg wird dieser mal wieder ganz unmittelbar ausgetragen, denn die Red Sox empfangen die Yankees in Fenway Park (siehe Einschalttipp).

Noch klarer sind die Fronten in der AL Central, die schon seit Monaten nur noch einen Contender kennt, nämlich die Cleveland Indians (59-48). Für die Indians ist wichtig, in keinen allzu gemütlichen Trott zu fallen, denn in den Playoffs werden sie ganz anders gefordert sein als in der regulären Saison. Zur Deadline haben die Indians hauptsächlich ihren Bullpen und die Tiefe des Outfields aufgerüstet. Die Minnesota Twins (49-58) haben ihr Farmsystem mit einer Reihe von Trades deutlich ausgebaut und sich im Zuge dessen von Top-Spielern wie 2B Brian Dozier (Dodgers) und RP Ryan Pressly (Astros) getrennt. Die Detroit Tigers (47-62), Chicago White Sox (37-70) und Kansas City Royals (34-73) waren ebenfalls als Seller unterwegs, hielten sich dabei jedoch eher zurück. Mike Moustakas (Royals zu Brewers) und Joakim Soria (White Sox zu Brewers) sind die beiden nennenswerten Namen, während Leute wie Mike Fiers, Shane Green (beide Tigers) und Jose Abreu (White Sox) überraschenderweise nicht getradet wurden.

Von den Houston Astros (69-41) hatte ich keine großen Aktivitäten erwartet, aber sie waren doch recht rührig, um ihren Bullpen zu verstärken. Ryan Pressly (Twins) wird ihnen sicher weiterhelfen, Roberto Osuna (Blue Jays) bringt wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens einige Fragezeichen mit. Hinter Houston tobt in der AL West das Rennen um eine Wild Card. Während die Seattle Mariners (63-45) zweimal gegen die Astros verloren, gelang den Oakland Athletics (64-46) gerade ein Sweep der Blue Jays und nun stehen beide gleichauf. Vielleicht machen die Deadline-Trades am Ende den Unterschied: Die Athletics haben mit Jeurys Familia (Mets) ein Ass für den Bullpen geholt, konnten oder wollten sich ansonsten aber keine Ergänzungen des Kaders leisten. Mariners-GM Jerry Dipoto war so aktiv wie man ihn kennt und investierte eine Reihe von Prospects, um drei Reliever und den Outfielder Cameron Maybin (Marlins) an Land zu ziehen. Die Los Angeles Angels (54-55) und die Texas Rangers (46-63) trennten sich erwartungsgemäß von einigen Veteranen mit auslaufenden Verträgen.

National League
Die Teams der National League East gehörten nicht zu den aktivsten auf dem Markt der Deadline-Trades. Sowohl die Philadelphia Phillies (59-48) als auch die Atlanta Braves (57-47) gönnten sich ein paar unspektakuläre, doch solide Ergänzungen ihrer Kader. Die Washington Nationals (54-53) haben die Saison offenbar noch nicht aufgegeben, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass sie an Stars mit auslaufenden Verträgen wie Bryce Harper und Daniel Murphy eisern festhalten. Für beide hätten sich hochwertige Prospect-Pakete einheimsen lassen, aber die Nationals beschränkten sich auf zwei kleine Trades, in denen sie RP Brandon Kintzler (Cubs) und LF Brian Goodwin (Royals) abgaben. Die New York Mets (44-61) ließen ihren Closer Jeurys Familia (Athletics) und 2B Asdrubal Cabrera (Phillies) ziehen, fanden aber offenbar keine Abnehmer für die ebenfalls auslaufenden C Devin Mesoraco und OF/3B Jose Bautista. Ihre hochwertig bestückte Rotation ließen die Mets unangetastet, was wohl ein Zeichen dafür ist, dass man derzeit keinen langfristigen Rebuild anstrebt, sondern schnell wieder wettbewerbsfähig sein will. Auch die Miami Marlins (46-63) beschränkten sich auf kleinere Trades, 1B Justin Bour und C J. T. Realmuto bleiben vorerst in Miami.

Zwischen den beiden Kontrahenten um die NL Central sind in meinen Augen die Milwaukee Brewers (63-48) zumindest auf kurzfristige Sicht der klare Gewinner der Trade-Deadline. Mit 2B Jonathan Schoop (Orioles), 3B Mike Moustakas (Royals) und RP Joakim Soria (White Sox) haben sie sich deutlich verstärkt, mussten dafür aber auch einige gute Prospects abgeben. Die Chicago Cubs (62-45) entschieden sich für den zurückhaltenderen Weg. Auch sie ergänzten ihren Kader, wählten in SP Cole Hamels (Rangers) und RP Brandon Kintzler (Nationals) aber günstigere Optionen, deren Nützlichkeit sich erst noch zeigen muss: Hamels erlebt bislang das schwächste Jahr seiner Karriere und Kintzler stand in Washington im Verdacht, die undichte Stelle zu sein, welche negative Nachrichten über die Stimmung im Clubhouse durchsickern ließ. Die Pittsburgh Pirates (56-53) stehen nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (55-53), aber beide verfolgen gegensätzliche Strategien für den Rest der Saison: Die Trades der Cardinals sind klar darauf gerichtet, Weichen für die Zukunft zu stellen, die der Pirates hingegen sprechen für einen Angriff auf den zurzeit noch vier Spiele entfernten Wild-Card-Platz. Die Cincinnati Reds (48-60) waren erstaunlich zurückhaltend mit Trades; für SP Matt Harvey fanden sie offenbar keinen Abnehmer.

In der NL West geht es nach wie vor hauteng zu. Dementsprechend waren die Arizona Diamondbacks (60-49), die Los Angeles Dodgers (60-49) und die Colorado Rockies (58-49) bemüht, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verstärken. Der Rahmen der Möglichkeiten ist bei den Dodgers traditionell etwas größer und so gelang es ihnen, mit SS/3B Manny Machado (Orioles) und 2B Brian Dozier (Twins) zwei Top-Leute zu holen. Die Diamondbacks ergänzten mit weniger spektakulären Namen, aber dennoch sinnvoll ihr Infield und ihren Bullpen, während die Rockies sich auf RP Seunghwan Oh (Blue Jays) als Neuzugang beschränkten. Bei den San Francisco Giants (55-54) gab es Gerüchte, dass Madison Bumgarner und Andrew McCutchen zu haben sein könnten, aber letzten Endes entschied man, an den Deadline-Trades dieses Jahr nicht teilzunehmen. Die San Diego Padres (42-68) beließen es bei nur einem Trade, der aber immerhin brachte ihnen für zwei Reliever das Top-Prospect C Francisco Mejia von den Indians ein.

Szene der Woche
Nach all den vielen Trades in den letzten Tagen bleibe ich auch in dieser Kategorie beim Thema: Selten war ein Trade so schön anzusehen wie der des Relievers Jake Diekman von den Rangers zu den Diamondbacks. Der Deal fand statt in der Mitte einer Zwei-Spiele-Serie der Rangers in Arizona. Diekman war somit bereits in der richtigen Stadt und musste nur seine Tasche packen und von der einen Kabine in die andere umziehen. Das tat er so stilvoll wie es nur geht, indem er dafür das Bullpen Cart der Diamondbacks nutzte und sich von deren Maskottchen, dem Rotluchs D. Baxter, kutschieren ließ.

Statistik der Woche 
10. So viele RBIs erzielte Catcher Franciso Arcia in den beiden ersten Spielen seiner MLB-Karriere am Donnerstag und am Samstag für die Los Angeles Angels. Der Venezolaner stellte damit einen neuen Rookie-Rekord auf. Besonders erstaunlich an der Sache ist, dass es sich bei Arcia um kein hochgelobtes und -bezahltes Prospect handelt, sondern um einen 28-Jährigen, der zwölf Jahre lang in den Minor Leagues gespielt und auf seine Chance gewartet hat. Nachdem die Angels Catcher Martin Maldonado zu den Astros getradet haten, hat er diese Chance endlich bekommen – und sie für den Anfang definitiv genutzt.

Spiel der Woche
Man könnnte hier das 25:4 der Nationals über die Mets anführen mit den meisten Runs eines MLB-Teams seit elf Jahren und der höchsten Niederlage in der Franchise-Geschichte der New Yorker. Aber ich will nicht schon wieder mit meinem Gejammer über die Mets nerven. Nein, mein Spiel der Woche war das gestrige 6:4 der Dodgers gegen die Brewers. Gründe dafür gibt es genug: Erstens war es eine sehr spannende Partie, die nach mehrfachen Führungswechseln erst im zehnten Inning per Walkoff-Homerun durch Yasmani Grandal entschieden wurde. Zweitens war es für beide Teams ein wichtiges Spiel, weil jedes von ihnen gewinnen musste, um in seiner jeweiligen Division auf Platz eins vorzurücken. Drittens spielten mehrere Akteure eine Rolle, die erst durch die jüngste Trade-Welle zu einem der Teams gekommen waren. Vor allem hatte 2B Brian Dozier ein starkes Debüt für die Dodgers, unter anderem mit seinem Homerun zum Ausgleich im zweiten Inning. Sehenswert war auch das Wiedersehen von Dodgers-Shortstop Manny Machado und Brewers-2B Jonathan Schoop – beide sind Freunde und waren vor ein paar Tagen noch Teamkameraden in Baltimore, aber natürlich hält das Machado nicht davon ab, solche Plays zu machen.

Mein Einschalttipp
Wenn die Boston Red Sox gegen die New York Yankees spielen, dann gilt in diesem Jahr noch etwas mehr als in jedem anderen: Da kann und sollte man nicht wegschauen. Gleich viermal hintereinander gibt es von heute bis Sonntag das Duell der Erzrivalen und zumindest eines davon findet zu einer europafreundlichen Uhrzeit statt, am Samstag um 22:05 Uhr unserer Zeit. Das Spiel könnt ihr wie üblich auf mlb.tv sehen, außerdem wird es auf DAZN gesendet und obendrein kostenlos gestreamt auf spox.com. Es gibt also keine Ausreden, es sich nicht anzusehen. Und weil in diesem Artikel kein Absatz ohne Bezug auf Trades auskommt, sei erwähnt, dass es am Samstag voraussichtlich zu einem Matchup zweier neu verpflichteter Starter kommen wird: Nathan Eovaldi (3.80 ERA, 4.01 FIP) wird nach dem Wechsel von den Rays seinen zweiten Start für die Red Sox absolvieren und J. A. Happ (4.05 ERA, 3.94 FIP) zum zweiten Mal für die Yankees antreten. Hinter dem ehemaligen Blue Jay steht allerdings noch ein Fragezeichen, da er sich die Hand-Mund-Fuß-Krankheit eingefangen hat und man abwarten muss, ob er am Samstag fit ist.

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