Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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September 1st, 2020 by Silversurger

Gestern ist die Frist für Spielerwechsel in der laufenden MLB-Saison abgelaufen. Angesichts der Kürze und der Unsicherheiten dieser Saison hielten sich viele Teams im Vergleich mit „normalen“ Jahren eher zurück mit größeren Investitionen. Eine deutliche Ausnahme davon stellen die San Diego Padres dar. Mit 10 Zu- und 14 Abgängen waren sie extrem aktiv und adressierten sämtliche Schwächen ihres bisherigen Kaders. Der prominenteste Neuzugang ist Starting Pitcher Mike Clevinger, der gemeinsam mit Outfielder Greg Allen und einem noch nicht benannten Spieler von den Cleveland Indians kommt. Zudem bekommen die Padres Catcher Jason Castro von den Angels, DH Mitch Moreland von den Red Sox, Reliever Trevor Rosenthal von den Royals sowie von den Mariners Catcher Austin Nola und die Reliever Taylor Williams, Dan Altavilla und Austin Adams. Abgegeben haben sie dafür einige Ersatzspieler und Prospects – allerdings ohne die Spitze ihres Farmsystems anzutasten. Die Padres sind damit der klare Gewinner der diesjährigen Trade-Deadline. Neben der produktivsten Offense der Liga stellen sie nun mit Clevinger, Chris Paddack und Dilson Lamet ein Top-Trio in der Rotation, das sich hinter niemandem verstecken muss und Unterstützung mit viel frischem Wind aus dem Bullpen bekommt.

Ebenfalls recht aktiv waren die Toronto Blue Jays. In der begründeten Hoffnung, einen Run auf die Playoffs zu starten, haben sie ihr Starting Pitching mit Ross Stripling (Dodgers), Robbie Ray (Diamondbacks) und Taijuan Walker (Mariners) aufgerüstet. Hinzu kommt mit Jonathan Villar (Marlins) eine Ergänzung für das Infield.

Auch die Cincinnati Reds und die New York Mets scheinen dieses Jahr noch etwas vorzuhaben, wenngleich sie zurzeit ein paar Spiele von den Playoffplätzen entfernt sind. Beide haben sich punktuell verstärkt: die Reds mit Outfielder Brian Goodwin (Angels) und Reliever Archie Bradley (Diamondbacks), die Mets mit Catcher Robinson Chirinos und Infielder Todd Frazier (beide von den Rangers) sowie mit Reliever Miguel Castro (Orioles). Castro kann sich beim Kofferpacken Zeit lassen, denn die Mets spielen heute und morgen in Baltimore, sodass er erstmal nur die Uniform und von einem Dugout in den anderen wechseln muss. 

Nicht ganz schlau werde ich (wie schon in der gesamten bisherigen Saison) aus der Rolle, die die Miami Marlins spielen. Das Team belegt reichlich überraschend mit einer ausgeglichenen Bilanz Platz 2 der NL East. Soll man in so einer Situation zur Trade-Deadline als Seller oder Buyer auftreten? Die Marlins haben sich für beides entschieden: Villar für Outfield-Prospect Griffin Conine zu den Blue Jays zu schicken, ist ein typischer Seller-Move; andererseits holen sie Outfielder Starling Marte von den Diamondbacks im Austausch gegen einen erkrankten Pitcher (Caleb Smith) und zwei Prospects. Das spricht dann doch eher dafür, dass sie bei dem Versuch, zum ersten Mal seit 2003 die Playoffs zu erreichen, Ernst machen wollen. Eine weitere Verstärkung erwarten die Marlins davon, dass 2B Isan Diaz entschieden hat, von seinem ursprünglichen Corona-Opt-Out zurückzutreten. Das ist wohl auch der Grund, aus dem Villar verzichtbar geworden ist.

Den seltsamsten Move haben meiner Ansicht nach die Milwaukee Brewers getätigt: Ihre einzige Aktion zur Trade-Deadline bestand darin, Reliever David Phelps für drei Minor-League-Pitcher zu den Philadelphia Phillies zu schicken. Damit schwächen sie nicht nur ihr eigenes Team, das nur einen Sieg vom Wild-Card-Platz entfernt steht, sondern sie schicken ausgerechnet dem Team eine Verstärkung, das eben jenen Wild-Card-Platz zurzeit belegt und damit die direkte Konkurrenz darstellt.

Zu den Verlierern der Deadline würde ich neben den Brewers auch die Astros, die Yankees, die Rays und die White Sox zählen – lauter Teams mit Playoff-Ambitionen und Verletzungsproblemen vor allem im Pitching, die die Frist untätig verstreichen ließen. 

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August 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison läuft auf vollen Touren. Das klingt wie ein Allgemeinplatz, ist aber tatsächlich eine hochaktuelle Meldung: Gestern war nämlich der erste Tag seit über drei Wochen, an dem kein Team coronabedingt pausieren musste. Die Cardinals, die es besonders schwer erwischt hatte, sind seit Samstag wieder im Rennen. Ab demselben Tag mussten einige Reds-Spiele wegen eines positiven Testergebnisses ausfallen. Da diese Infektion eines einzelnen, namentlich nicht genannten Spielers offenbar keine weiteren Kreise zog, konnten die Reds schon gestern mit einem Doubleheader gegen die Royals wieder ins Geschehen eingreifen.

American League
In der Tabelle der AL East sind die New York Yankees (16-8) plötzlich nicht mehr unangefochten – zwei Niederlagen gegen den direkten Konkurrenten Tampa Bay Rays (16-9) haben dazu geführt, dass die Rays nach Siegen gleichgezogen haben. Mit neun gewonnenen Spielen aus den letzten zehn ist Tampa Bay zurzeit das heißeste Team der Liga, und wenn heute Abend (siehe „Einschalttipp“) ein weiterer Erfolg gelingt, übernehmen sie die Führung der Division. Die Yankees leiden derweil mal wieder unter dem Verletzungspech, das ihnen seit Jahren ein treuer Begleiter ist. Mit Giancarlo Stanton, Aaron Judge und DJ LeMahieu landeten in der vergangenen Woche drei ihrer herausragenden Batter auf der Injury List. Auch die Teams in der zweiten Reihe der AL East sind sich in den letzten Tagen direkt begegnet: Die überraschend gut gestarteten Baltimore Orioles (12-12) unterlagen dreimal hintereinander den Toronto Blue Jays (10-11), wodurch die Lücke zwischen den beiden fast geschlossen wurde. Die Boston Red Sox (7-18) befinden sich derweil weiterhin im freien Fall, weisen mittlerweile den zweitschlechtesten Record und die schlechteste Run-Differenz (-49) der MLB auf.

Die AL Central wird nach wie vor von den Minnesota Twins (16-9) angeführt, doch die Cleveland Indians (15-9) mit zuletzt fünf Siegen in Folge bleiben dran. Hier wird es vor allem nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag spannend, wenn die beiden eine Serie gegeneinander spielen. Zu den Indians ist noch zu erwähnen, dass es nach dem letzte Woche erwähnten Zwischenfall um Mike Clevinger und Zach Plesac ein Team-Meeting gab. Darin äußerten mehrere Spieler offen ihren Ärger über die beiden Pitcher, die mit einem abendlichen Ausflug die Pandemieregeln verletzt und anschließend darüber gelogen hatten. Mindestens ein Mitspieler drohte offen an, aus der Saison auszusteigen, falls Clevinger und Plesac kurzfristig in den Kader zurückkehren sollten. Das wird erst mal nicht passieren, die beiden trainieren zurzeit an einem gesonderten Standort. Wie es mit ihnen weitergeht, ob man ihnen nach einer angemessen langen Quarantäne verzeiht oder ob man versucht sie zu traden, bleibt abzuwarten. Zurück zum Sport: Das junge Team der Chicago White Sox (14-11) hat in den letzten Tagen in einen Rhythmus gefunden und könnte der lachende Dritte werden, wenn sich die Twins und die Indians nächste Woche gegenseitig die Punkte wegnehmen. Davor steht für die White Sox allerdings noch das Derby gegen die Cubs übers Wochenende. Hinter den drei erwähnten Teams tut sich schon eine gewisse Kluft auf: Die Detroit Tigers (9-13) und die Kansas City Royals (10-15) werden erwartungsgemäß mit den Playoffs nichts zu tun haben.

Ziemlich sicher dürfte hingegen schon jetzt die Playoff-Teilnahme der Oakland Athletics (17-8) sein. Die A’s haben nach wie vor die beste Bilanz der gesamten AL. Ihr Hauptkonkurrent um den ersten Platz der AL West sind inzwischen die Houston Astros (14-10), die sich nach ihrem durchwachsenen Start mit einer Serie von sieben Siegen zurück ins Rennen gearbeitet haben. Kurioserweise weisen die Athletics und die Astros momentan exakt dieselben Zahlen sowohl erzielter (126) als auch kassierter (99) Runs auf. Am Wochenende wartet auf Houston eine schwere Aufgabe in Form der Padres. Die haben gerade drei Spiele gegen die Texas Rangers (10-13) gewonnen und damit deren Hoffnungen auf eine gute Saison einen herben Dämpfer versetzt. Bei den Los Angeles Angels (8-17) und den Seattle Mariners (8-18) sind derartige Hoffnungen bereits begraben.

National League
Kommen wir zur spannendsten Division der Liga, der NL East. Der Vorsprung der führenden Atlanta Braves (14-11) auf die letztplatzierten Washington Nationals (9-12) beträgt gerade mal drei Spiele. Zum Vergleich: In den anderen Divisionen der NL ist schon der Abstand zwischen Platz eins und zwei größer als in der East jener zwischen eins und fünf. Die Ausgeglichenheit spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen wieder: Die Braves und die Nationals sowie die Philadelphia Phillies (9-10) und die New York Mets (12-14) haben von ihren letzten zehn Spielen jeweils fünf gewonnen und fünf verloren. Nur die Miami Marlins (9-9) fallen etwas aus der Reihe. Sie hatten vor und kurz nach ihrer Coronapause einen überraschenden Traumstart, befinden sich nun aber mit fünf Niederlagen hintereinander gegen die Braves und die Mets klar auf dem absteigenden Ast.

Einen Traumstart hatten auch die Chicago Cubs (16-8) in der NL Central. Davon zehren sie nach wie vor, denn auch wenn sie fünf ihrer letzten acht Spiele verloren haben, schickt sich innerhalb der Division niemand an, ihnen ernsthaft das Leben schwer zu machen. Eine ausgeglichene Bilanz reicht den Milwaukee Brewers (10-10) für Platz zwei, dahinter folgen die St. Louis Cardinals (6-7). Die Cardinals haben angesichts ihrer vielen Nachholspiele noch reichlich Gelegenheit, das Feld von hinten aufzurollen – ich würde allerdings eher damit rechnen, dass die zahlreichen vorgesehenen Doubleheader auf Dauer zu viel Kraft kosten. Auch die Cincinnati Reds (10-12) haben noch Spiele nachzuholen und könnten für eine Überraschung gut sein, zumal sie nun 15-mal hintereinander ausschließlich gegen die Cubs, die Brewers und die Cardinals antreten. Die Pittsburgh Pirates (4-16) sind bisher mit Abstand das schwächste Team der gesamten Liga und auf dem Weg zu einer historischen Saison: Ihre bisherige Siegquote von 20% wäre die schlechteste eines Major-League-Teams seit 140 Jahren.

In der NL West hat sich in der vergangenen Woche einiges gerade gerückt in Richtung der Verhältnisse, die man vor der Saison erwartet hatte. Damit meine ich insbesondere, dass die Los Angeles Dodgers (18-8) sich klar vom Rest des Feldes abgesetzt haben und dass die furios gestarteten Colorado Rockies (13-11) gegenüber den San Diego Padres (14-12) und den Arizona Diamondbacks (13-12) auf Normalmaß zurückgeschrumpft sind. Zwischen diesen drei Teams dürfte der Rest der Saison ein richtig spannendes Hauen und Stechen um Platz zwei und vielleicht den einen oder anderen Wild-Card-Platz werden. Schon etwas abgeschlagen sind in dieser Division einzig die San Francisco Giants (10-16).

Szene der Woche
Darf man bei einer 7-Run-Führung und geladenen Bases im achten Inning nach einem 3-0-Pitch schlagen? Die offensichtliche Antwort des Regelbuches lautet „na klar“. Aber im Baseball gibt es bekanntlich auch noch die sogenannten ungeschriebenen Regeln. Das Problem mit diesen Regeln ist, dass niemand genau sagen kann, wie sie lauten, weil sie – nun ja: ungeschrieben sind. Relativ einig ist man sich, dass bei einer hohen Führung keine besonderen Aktionen wie ein überraschender Bunt oder das Stehlen einer Base versucht werden, weil man den Gegner nicht unnötig demütigen soll. So weit, so gut, aber gehört dazu auch, dass man nicht den Schläger schwingen darf, wenn man einen Fastball in der Mitte der Strikezone serviert bekommt? Bei den Texas Rangers scheinen einige das so zu sehen, unter anderem Pitcher Ian Gibaut, der den Grand Slam von Fernando Tatis Jr. damit „bestrafte“, den nächsten Pitch in Richtung des Kopfes von Manny Machado zu werfen. Ganz ehrlich: So etwas hat für mich nichts mit ungeschriebenen Regeln zu tun, sondern einzig und allein mit schlechten Verlierern.

Statistik der Woche 
6. So viele Spiele mit 3 Homeruns in der Karriere eines Spielers sind MLB-Rekord. Gehalten wird dieser von drei Spielern: von Johnny Mize, der seine sechs 3-Homer-Auftritte von 1938 bis 1950 hatte, von Sammy Sosa mit derselben Leistung in den Jahren 1996 bis 2002 und seit letzten Donnerstag auch von Mookie Betts. Zweimal im Jahr 2016, zweimal 2018, einmal 2019 und nun das erste Mal 2020 schlug Betts den Ball dreifach über den Zaun. Da er erst 27 Jahre alt ist und bei den Dodgers erst kürzlich einen Vertrag bis 2033 unterschrieben hat, stehen die Chancen für ihn gut, sich früher oder später den alleinigen Rekord zu sichern.

Spiel der Woche
Hier kann diese Woche nur die Partie zwischen den Minnesota Twins und den Milwaukee Brewers von Dienstagnacht stehen. Acht Innings lang war es die Show von Twins-Starter Kenta Maeda, der den Brewers keinen Hit erlaubte. Im neunten Inning endete der No-Hitter beim Stand von 3:0 für die Twins durch einen Schlag von Eric Sogard, der haarscharf an Jorge Polancos Handschuh vorbei ging. Ein schwacher Auftritt von Minnesotas Closer Taylor Rogers und ein Error von Infielder Ildemado Vargas ermöglichten den Brewers, den Spielstand auszugleichen. Es folgten drei Extra-Innings mit diversen interessanten Szenen: der Ejection von Twins-1B Marwin Gonzalez, die Catcher Mitch Garver zwang, die für ihn ungewohnte Position zu übernehmen; einem Inning, in dem die Twins nur zwei Batter an die Platte schickten (das dritte Out war der automatische Runner nach der neuen Extra-Innings-Regel); einem sehenswerten Diving-Catch von Max Kepler; und schließlich dem Walkoff-Sieg der Twins durch ein Single von Polanco.

Mein Einschalttipp
Von einem Showdown zu sprechen, ist sicher noch verfrüht, doch immerhin steht beim heutigen Besuch der Tampa Bay Rays in Yankee Stadium die Tabellenspitze der AL East auf dem Spiel. Die Rays haben die ersten beiden Partien der Serie mit 6:3 und 4:2 gewonnen – mathematisch würde ich im dritten Spiel ein 2:1 erwarten, aber so vorhersehbar ist Baseball zum Glück nicht. Für die Yankees wäre es das erste Mal seit drei Jahren, dass sie im eigenen Stadion einen 3-Spiele-Sweep erleiden. Verhindern soll dies Starting Pitcher James Paxton (7.04 ERA, 4.97 FIP), der in diesem Jahr allerdings bislang noch nicht seine gewohnte Form gefunden und deutlich an Wurfgeschwindigkeit eingebüßt hat. Die Rays verzichten auf einen klassischen Starter, John Curtiss (2.84 ERA, 2.99 FIP) wird für sie als Opener ins Spiel gehen. Ich werde heute Abend ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf jeden Fall reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es wie immer auf mlb.tv, und erfreulicherweise hat sich auch DAZN entschieden, die Partie zu übertragen.

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März 6th, 2020 by Silversurger

Mein Vorschau-Ranking ist im mittleren Drittel angelangt und gleichzeitig an einer Stelle, an der ich einen gewissen Cut sehe zwischen den ab jetzt besprochenen Teams und den zehn, die ich schon vorgestellt habe. Ab Rang 21 abwärts habe ich die Mannschaften einsortiert, für die ich dieses Jahr nur marginale Chancen auf die Teilnahme an den Playoffs sehe. Die Milwaukee Brewers sind das erste Team in meiner Vorschauserie, dem ich die Playoff-Qualifikation grundsätzlich zutraue. Warum auch nicht, schließlich waren sie schon letztes und vorletztes Jahr dabei. 2018 trennte sie nur ein Sieg vom Einzug in die World Series, 2019 waren sie im Wild-Card-Spiel einen schlechten Pitch und ein defensives Missgeschick davon entfernt, den späteren Champion Washington auszuschalten. Trotzdem habe ich die Brewers für die kommende Saison nur ganz am Rand meines Playoff-Blickfelds. Sie haben in der Offseason einen relativ großen Umbruch erlebt und der sieht für mich nicht so aus, als sollten sie gestärkt daraus hervorgehen. Die Vertragsverlängerung mit Superstar Christian Yelich bis 2028 ist zwar ein großer Erfolg, aber auch ein finanzieller Kraftakt von 215 Millionen Dollar, dem sich einiges unterordnen musste. Die Top-Free-Agents Yasmani Grandal und Mike Moustakas unterschrieben ihre neuen Verträge anderswo, auch Eric Thames, Gio Gonzalez, Jordan Lyles, Drew Pomeranz und einige mehr zogen weiter. Aufgefüllt wurde der Kader durch Trades und günstige Free Agents mehr schlecht als recht. Insbesondere das Infield wirft eine Menge Fragezeichen auf. Auch das Pitching-Staff jenseits von Brandon Woodruff und Josh Hader überzeugt mich nicht wirklich. Ich muss allerdings zugeben, dasss mir das mit den Brewers-Pitchern seit Jahren so geht und Manager Craig Counsell es regelmäßig geschafft hat, mich positiv zu überraschen. Mal sehen, ob ihm das auch dieses Jahr gelingt.

Voraussichtliches Lineup
C Omar Narvaez
1B Justin Smoak
2B Keston Hiura
SS Orlando Arcia
3B Eric Sogard
LF Christian Yelich
CF Lorenzo Cain
RF Avisail Garcia

Voraussichtliche Rotation
RHP Brandon Woodruff
RHP Adrian Houser
LHP Eric Lauer
LHP Brett Anderson
RHP Josh Lindblom
Key Reliever: Josh Hader

Wichtigster Zugang
OF Avisail Garcia (Tampa Bay Rays)

Wichtigster Abgang
C Yasmani Grandal (Chicago White Sox)

Bestes Prospect
SS Brice Turang

Größte Stärke
Christian Yelich: Die gegnerischen Pitcher finden einfach kein Mittel gegen den MVP 2018 und Vize-MVP 2019 der National League. Letztes Jahr warfen sie gegen ihn nur 41,8% der Pitches in die Strikezone (2018 waren es noch 48,6%), doch Yelich passte sich nahtlos an und schlug .329/.429/.671. Das ist ein OPS von 1.100 und damit die beste Offensivleistung eines MLB-Spielers in den letzten zehn Jahren außer der 2015-Saison von Bryce Harper (1.109 OPS).

Größte Schwäche
Das Infield: Justin Smoak, Brock Holt, Eric Sogard, Jedd Gyorko, Luis Urias, Ryon Healy, Ronny Rodriguez – die Brewers haben die Offseason damit verbracht, Infielder anzuhäufen, die meisten davon Utility-Spieler ohne klare Position und mit entsprechenden Defiziten in der Defensive. Den einzigen klaren Stammplatz hat der junge Second Baseman Keston Hiura, der sich in seinem Rookiejahr 2019 als starker Hitter, aber schwacher Feldspieler gezeigt hat.

Spannendste Frage
Schafft Josh Lindblom den Durchbruch im dritten Anlauf? Der Pitcher wurde 2008 von den Dodgers gedraftet, konnte sich aber nie in der MLB etablieren. 2014 wechselte er nach Südkorea, ein Comebackversuch 2017 bei den Pirates war nicht von Erfolg gekrönt. Zurück in Südkorea überarbeitete Lindblom sein Pitch-Arsenal und plötzlich erzielte er überragende Ergebnisse. Ein ERA von 2.50 in 30 Starts für die Doosan Bears brachte ihm den MVP-Award der KBO-Saison 2019 und weckte die Aufmerksamkeit der Brewers, bei denen der 32-Jährige einen Dreijahresvertrag für 9 Millionen Doller erhielt.

Meine Prognose
Platz 4 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 5th, 2020 by Silversurger

Fast wäre es diese Woche ein Grand Slam am Donnerstag geworden, in dem es nur um Krankheiten und Verletzungen geht. Doch die Milwaukee Brewers und Christian Yelich haben uns mit einer Blockbuster-Vertragsverlängerung vor der Depressivität eines solchen Artikels gerettet.

Christian Yelich – für immer ein Brewer?
Die Milwaukee Brewers und ihr Superstar Christian Yelich haben sich diversen Berichten zufolge geeinigt, ihre Zusammenarbeit langfristig festzuschreiben. Der Deal soll dem 28-jährigen Outfielder in den nächsten neun Jahren bis zu 215 Millionen Dollar einbringen und noch eine beidseitige Option für ein zehntes Jahr enthalten. Das ist mehr Geld als man normalerweise ausgeben kann und doch im Vergleich mit dem, was andere Stars in den letzten Jahren erhalten haben, ein relativ günstiger Vertrag. Yelich ist nach seinen bisherigen Leistungen für das Team jedenfalls jeden Cent davon wert. Seiner MVP-Saison 2018, in der eine Slashline von .326/.402/.598 produzierte, ließ er eine noch bessere Saison 2019 (.329/.429/.671) folgen. Der zweite MVP-Award blieb ihm wohl nur deshalb verwehrt, weil er den letzten Monat durch eine Knieverletzung verpasste.
Die Brewers sind ein Small-Market-Team und rangieren traditionell im hinteren Drittel der Gehaltsrangliste. Der Vertrag für Yelich ist mit großem Abstand die höchste Investition, die sie je in einen Spieler getätigt haben. Vor dem Hintergrund des jetzt vereinbarten Deals erklärt sich, warum keine größeren Anstrengungen unternommen wurden, Free Agents wie Mike Moustakas und Yasmani Grandal zu halten oder gleichwertig zu ersetzen – es ging wohl schlicht darum zu sparen, damit man sich den Langzeitvertrag mit Yelich leisten kann.

Garrett Whitley übel verletzt durch Foulball
Auf keinen Fall Verletzungen zu riskieren ist die oberste Devise im Spring Training, aber das ist leider oft leichter gesagt als getan. Garrett Whitley, Outfield-Prospect der Tampa Bay Rays, hat es am Montag während des Spiels gegen die Baltimore Orioles auf besonders hinterhältige Weise erwischt: Whitley hielt sich im Dugout seines Teams auf, als ein Foulball von Renato Nunez von den Stufen des Dugouts abprallte und ihm von dort ins Gesicht prallte. Der 22-Jährige erlitt mehrere Frakturen, blieb aber die ganze Zeit über bei Bewusstsein und konnte nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das nennt man wohl Glück im Unglück.

Saisonstart ohne Judge und Stanton
Die New York Yankees sind schon wieder das Lazarett der Liga: Dass die Starting-Rotation zu Saisonbeginn auf James Paxton und das ganze Jahr über auf Luis Severino verzichten muss, stand schon länger fest. Inzwischen wurden auch die Befürchtungen bestätigt, dass die beiden Top-Slugger Aaron Judge und Giancarlo Stanton nicht rechtzeitig zum Opening Day fit werden. Stanton laboriert an einer Wadenverletzung, Judge hat Probleme mit der Schulter, die bis in den Brustbereich ausstrahlen. Für beide Spieler gibt es noch keinen Zeitplan für eine mögliche Rückkehr; als grober Anhaltswert ist die Rede von Mitte bis Ende April.

Sorgen um Sale und Canning
Die Boston Red Sox können sich über das Verletzungspech des Erzrivalen nicht mal klammheimlich freuen, denn sie haben ihre eigenen Probleme. Ihr Top-Pitcher Chris Sale wird den Saisonbeginn verpassen und es ist völlig unklar, wie schlecht es um seinen Ellenbogen tatsächlich steht. Anfang der Woche ließ er seine Befunde von Dr. James Andrews untersuchen – eine Nachricht, die unter Baseballfans die Alarmglocken schrillen lässt, denn Dr. Andrews ist ein führender Spezialist für die berüchtigte Tommy-John-Surgery (TJS). Immerhin scheint es bei Sale laut verschiedenen Quellen nicht auf eine TJS hinauszulaufen, aber die Unklarheit über die Verletzung ist immer noch so groß, dass derzeit eine dritte Meinung eingeholt wird.
In einer ähnlichen Lage befindet sich Griffin Canning von den Los Angeles Angels. Der junge Starter musste schon die letzte Saison vorzeitig wegen Ellenbogenproblemen beenden und unterzieht sich derzeit mehreren Untersuchungen. Auch bei ihm besteht das Worst-Case-Szenario darin, dass er sich einer TJS unterziehen muss.

Corona-Auswirkungen nicht absehbar
In Italien, der Schweiz und anderen Staaten wurden bereits zahlreiche Fußballspiele ausgesetzt, in Japan werden die Spring-Training-Spiele der Nippon Baseball League derzeit ohne Zuschauer ausgetragen und gestern gab es im College-Basketball die ersten Spielabsagen im US-Sport. In diesem Licht drängt sich die Frage auf, ob das Coronavirus sich auch auf die bevorstehende MLB-Saison auswirkt. Eine befriedigende Antwort darauf kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Bislang gibt es keine Pläne, Spiele abzusagen, zu verlegen oder die Öffentlichkeit auszuschließen, aber die Lage kann sich natürlich täglich ändern. MLB-Commissioner Rob Manfred hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die weitere Entwicklung beobachtet und bei Bedarf Maßnahmen vorschlägt. In einem Schreiben an alle Klubs wurde empfohlen, derzeit auf Autogramme und Händeschütteln zu verzichten, keine Reisen in besonders betroffene Länder zu unternehmen, laufend Kontakt mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu halten und sicherzustellen, dass alle Spieler gegen Grippe geimpft sind. Davon abgesehen bleibt dem professionellen Baseball nur dasselbe übrig wie uns allen: abwarten, was noch kommt.

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Februar 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist im Spring Training angekommen. Nahezu alle Spieler trainieren inzwischen mit ihren Teams und bereiten sich auf die Testspiele vor, die morgen für die ersten Teams und übermorgen dann für alle anderen beginnen. Dass die Sign-Stealing-Affäre um die Houston Astros längst nicht raus ist aus den Köpfen, zeigt sich in nahezu jedem Interview, das die Spieler der anderen Teams zurzeit geben. Mike Trout, Aaron Judge und Kenley Jansen sind nur ein paar von vielen, die diese Woche ihren Ärger über die Schummeleien der Astros kund getan und vor allem kritisiert haben, dass die MLB keine Strafen gegen die beteiligten Spieler verhängt hat.
Ab Anfang nächster Woche werdet ihr hier auf dem Blog wie in den letzten Jahren wieder kurze Vorschauartikel für alle MLB-Teams finden, also schaut bitte regelmäßig rein. Jetzt gibt es aber erstmal den Überblick über die Baseball-News der Woche – wobei die erste und wichtigste Meldung sich ausnahmsweise nicht auf die Major League, sondern auf ihren Unterbau bezieht:

Minor-League-Gehälter steigen – ein wenig
Die Ligaleitung hat beschlossen, die Bezahlung in den Minor Leagues ab der Saison 2021 zu erhöhen. Die Mindestgehälter steigen von wöchentlich 290 auf 400 Dollar in Rookie- und Short-Season-Leagues, von 290 auf 500 Dollar in Single-A, von 350 auf 600 Dollar in Double-A und von 502 auf 700 Dollar in Triple-A. Das ist prinzipiell erfreulich, allerdings immer noch ein Hungerlohn, wenn man berücksichtigt, dass das Geld nur während der Saison fließt und dass Arbeitsplatzsicherheit in dieser Branche ohnehin ein Fremdwort ist. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Single-A-Spielers lag 2019 bei 6.000 Dollar, das eines Double-A-Spielers bei 9.350 Dollar und damit weit unter der von den US-Behörden definitierten Armutsgrenze von 12.490 Dollar. In Triple-A lag man mit im Schnitt 15.000 Dollar knapp darüber – ein Witz im Vergleich mit dem Minimumgehalt von 555.000 Dollar in der MLB. Es ist und bleibt ein Skandal, das innerhalb des Big Business, das der professionelle Baseball in den USA ist, solch prekäre Verhältnisse geduldet und gefördert werden – nicht zuletzt durch Lobbyarbeit der MLB, die 2018 den „Erfolg“ erzielte, dass Baseballspieler von gesetzlichen Mindestlöhnen ausgenommen sind.

Sperren wegen zu viel Horsepower
Noch bevor sie richtig begonnen hat, hat die Saison ihre ersten Dopingsünder. Einer der überführten Übeltäter ist Francis Martes, ein Pitcher ausgerechnet in der Organisation der Houston Astros – als ob die in dieser Offseason noch nicht genug negative Publicity hätten. Martes galt einst als hochrangiges Prospect und hatte 2017 auch schon ein paar MLB-Einsätze für die Astros. Mitte 2018 musste er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen und verpasste dadurch den Rest der Saison 2018 und die gesamte Saison 2019. Obendrein wurde er letztes Jahr bereits für ein halbes Jahr gesperrt – er sorgte damals für spöttische Schlagzeilen, weil ihm die Verwendung von Clomifen nachgewiesen wurde, eines Mittels zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Dazu gelernt hat der 24-Jährige seitdem offenbar nicht, nur das Dopingmittel hat er gewechselt: Dieses Mal ist es Boldenon, ein Steroid aus der Veterinärmedizin, das in erster Linie Rennpferden verabreicht wird. Als Wiederholungstäter ist Martes nun für eine volle Saison gesperrt. Beim nächsten Verstoß ist laut den Anti-Doping-Regeln der MLB eine lebenslange Sperre fällig.
Mit demselben Pferde-Steroid erwischt wurde Pablo Reyes, Utility-Player der Pittsburgh Pirates. Reyes hatte 2018 ein starkes MLB-Debüt bei den Pirates, seine Saison 2019 fiel jedoch deutlich ab und er wurde nach der Saison zurück in die Minor Leagues abgestuft. Mit unerlaubten Mitteln wollte er offenbar den Weg zurück in die Major League finden, der nun aber deutlich länger geworden sein dürfte. Als Ersttäter läuft die Sperre für Reyes 80 Spiele, also eine halbe Saison.

Brewers signen Brock Holt
Brock Holt, der wohl prominenteste verbliebene Free Agent außer Yasiel Puig, hat einen neuen Verein gefunden: Der 31-Jährige einigte sich mit den Milwaukee Brewers auf einen Einjahresvertrag mit Klub-Option für ein weiteres Jahr. Die Brewers holen sich damit eine weitere Allzweckwaffe ins Team, die (mindestens) im Infield jede Position solide ausfüllen kann. Mit Justin Smoak, Eric Sogard, Jedd Gyorko, Luis Urias, Ryon Healy, Ronny Rodriguez und jetzt Holt hat der Klub in dieser Offseason regelrecht Spieler angehäuft, um aus ihnen ein Infield herauszukristallisieren, in dem bisher der junge Second Baseman Keston Hiura den einzigen sicheren Stammplatz hat.

Ein Trade mit Seltenheitswert
Relief Pitcher Burch Smith wechselt gegen eine Ablösezahlung von den San Francisco Giants zu den Oakland Athletics. Das wäre eigentlich kaum eine Meldung wert, zumal der 29-jährige Smith bislang wenig Erfolg in der MLB hatte und von den Giants ohnehin schon aus dem Kader gestrichen worden war. Das Interessante an der Sache ist: Es ist der erste Trade seit fast 30 Jahren zwischen den beiden Teams, die geographisch nur durch eine Bucht mit einer langen Brücke voneinander getrennt sind. Am 4. Dezember 1990 gab es den letzten Handel zwischen den Lokalrivalen, als Outfielder Ernest Riles zu den A’s kam und dafür Outfielder Darren Lewis and Minor-League-Pitcher Pedro Pena nach San Francisco wechselten. Warum so lange Funkstille herrschte zwischen den Athletics und den Giants, kann oder will niemand so recht erklären. Farhan Zaidi, seit einem Jahr General Manager der Giants, hat jedenfalls einen guten Draht zu Billy Beane und den Athletics, für die er von 2011 bis 2014 tätig war.

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Februar 11th, 2020 by Silversurger

Die Baseblog-Ballparks-Serie macht heute noch einmal Station im hohen Norden der USA, genauer gesagt in Wisconsin. Auf Wunsch des Baseblog-Lesers Munich habe ich mich mit Miller Park beschäftigt, Heimat der Milwaukee Brewers und des wohl berühmtesten Wurstrennens der Welt, das an jedem Spieltag in der Mitte des sechsten Innings stattfindet:

Geschichte
Die Milwaukee Brewers gibt es seit 1970. Das Team übernahm damals das Milwaukee County Stadium, in welchem von 1953 bis 1965 schon die Milwaukee Braves gespielt hatten. Spätestens seit Anfang der 90er-Jahre war klar, dass das alte Stadion nicht mehr wettbewerbsfähig war. Es fehlte an einträglichen Plätzen der Premiumklasse, an einer Videoleinwand und an einem Schutz gegen die Wetterkapriolen, für die die Region berühmt ist.

Wie die meisten Stadionbauprojekte, so sorgte auch Miller Park für langwierige Kontroversen um die Finanzierung, insbesondere um den öffentlichen Anteil daran. 290 der insgesamt 400 Millionen Dollar Baukosten wurden letzten Endes aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Zu diesem Zweck wurde eine zusätzliche Mehrwertsteuer von 0,1% eingeführt, die in Milwaukee und den umliegenden Counties seit 1996 und noch bis August 2020 erhoben wird. Der damalige Senator von Wisconsin wurde wegen der Einführung dieser Steuer vorzeitig abgewählt.

Leider ist das Schicksal des Senators nicht die traurigste Geschichte im Zusammenhang mit dem Bau von Miller Park: Am 14. Juli 1999 stürzte „Big Blue“, einer der größten Baukräne der Welt, in sich zusammen und erschlug drei Arbeiter. Die durch den Unfall verursachten Schäden am Dach sowie die Untersuchung der Ereignisse verzögerten die Inbetriebnahme des Stadions um ein Jahr.

Miller Park im Juli 2018 (1)

Zur Eröffnung am 6. April 2001 war reichlich Prominenz vor Ort, deshalb gab es gleich zwei „erste“ Pitches: einen von US-Präsident George W. Bush und einen von MLB-Commissioner Bud Selig. Selig war vor Übernahme des Spitzenpostens der Liga Eigentümer der Brewers gewesen, Miller Park war daher zu einem guten Teil sein Projekt. Die Brewers gewannen das Eröffnungsspiel 5:4 gegen die Cincinnati Reds.

2002 war Milwaukee Gastgeber des All-Star-Spiels. Eine World Series hat Miller Park bisher noch nicht erlebt. Die bislang größten Erfolge der Brewers im aktuellen Stadion sind die erreichten NL Championship Series 2011 (2-4 gegen die Cardinals) und 2018 (3-4 gegen die Dodgers).

Ein weiteres Highlight der Stadiongeschichte war der bisher einzige No-Hitter in Miller Park – interessanterweise weder durch einen Pitcher der Brewers noch durch einen ihrer Gegner. Wegen eines Sturms in Texas wurde am 14. September 2008 die Partie zwischen den Houston Astros und den Chicago Cubs nach Milwaukee verlegt, und Cubs-Pitcher Carlos Zambrano erlaubte den Astros keinen Hit. Es war der erste No-Hitter der MLB-Geschichte, der auf neutralem Grund erzielt wurde.

Miller Park geht dieses Jahr in seine letzte Saison unter dem aktuellen Namen. Der Vertrag mit der Brauerei über die Namensrechte läuft nach 20 Jahren aus und wird abgelöst durch ein Engagement der American Family Insurance. Ab 2021 heißt das Stadion American Family Field.

Außenansicht von Miller Park (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Architektur und Design von Miller Park gehen auf die Firmen NBBJ und Arup zurück; damit ist es eines von ganz wenigen modernen MLB-Stadien, die nicht von Populous/HOK geplant wurden. Vom inneren und äußeren Erscheinungsbild her fügt sich das Bauwerk dennoch recht nahtlos ein in den Trend der „Retro-Moderne“, den Populous 1992 mit Oriole Park startete und an dem sich nahezu alle seitdem erbauten Stadien orientieren.

Das eine Merkmal, anhand dessen Miller Park optisch unter anderen Ballparks hervorsticht, ist seine Dachkonstruktion. Das verschließbare Dach ist dem vor allem im Frühjahr und Herbst oft unberechenbaren Wetter in Wisconsin geschuldet. Es ermöglicht, Sonne, Wind, Regen und Schnee auszuschließen und den Innenraum auf bis zu 17 Grad über Außentemperatur zu heizen.

Eine weitere Besonderheit befindet sich im Inneren des Ballparks über den Tribünen des Leftfields. Dort hat das Maskottchen Bernie Brewer ein eigenes Häuschen, genannt Bernie’s Dugout. Bei jedem Homerun für die Bewers rutscht Bernie auf einer gelben Rutsche zu einer Plattform in Form einer Homeplate.

Bernie’s Dugout and Slide (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Miller Park weist mit 344 Fuß (105m) Leftfield-Line, 400 Fuß (122m) Centerfield und 345 Fuß (105m) relativ große Felddimensionen auf. Allerdings verlaufen die Linien zwischen den genannten Punkten recht flach und die Begrenzung des Outfields ist an keiner Stelle höher als 9 Fuß (2,74m). Diese beiden Faktoren dürften die Hauptursachen dafür sein, dass das Stadion überdurchschnittlich viele Homeruns erlaubt und bei Hittern entsprechend beliebt ist.

Während der ersten Betriebsjahre von Miller Park mochten die Hitter das Stadion noch nicht so sehr, jedenfalls nicht bei Nachmittagsspielen: Durch die Dachkonstruktion lagen oft die Homeplate und beide Batter’s Boxes im Schatten, der Mound hingegen in vollem Sonnenlicht. Das machte den Battern wegen der schlechten Sicht auf den Ball das Leben schwer und stellte für sie auch ein Sicherheitsrisiko dar. Seit 2010 werden solche Spiele deshalb bei halb geschlossenem Dach ausgetragen, sodass der Bereich um Homeplate und Mound einheitlich beschattet ist.

Wo sitzt man am besten?
Miller Park gehört von den Ticketpreisen her zur Mittelklasse der MLB. 2019 kostete eine Eintrittskarte im Durchschnitt 71 Dollar Das Grundprinzip ist dasselbe wie in allen Stadien: Je näher man an der Homeplate sitzen will, umso teurer wird es. Je weiter man sich seitlich in Richtung Outfield und/oder in die oberen Ränge begibt, umso eher kann man ein Schnäppchen machen. Auf den Bleachers ganz im Left- oder Rightfield kann man Tickets ab 15 Dollar bekommen. Die Sicht von dort ist wie von den meisten Plätzen in Miller Park einwandfrei, nur eben weit weg vom Geschehen im Infield.

Vorsicht: Es gibt in Miller Park, verteilt über nahezu alle Bereiche, auch ein paar Plätze, von denen die Sicht durch Säulen, Geländer oder Ähnliches beeinträchtigt wird. Am besten macht man sich vor dem Kauf eine Seite wie Aviewfrommyseat zunutze.

Ein außergewöhnlicher Ort, um ein Spiel zu verfolgen, ist das Restaurant direkt am Zaun des Leftfields. Vor und nach der Partie kann man dort ohne Zusatzkosten essen gehen, während des Spiels kostete ein Platz je nach Lage 45 bis 60 Dollar – mit gutem Blick aufs Feld, Bedienung am Platz und der Chance, einen Homerunball zu ergattern. Ich schreibe bewusst „kostete“, denn das bisherige „TGI Friday’s“ erhält ab diesem Jahr einen neuen Betreiber, über dessen Preise ich noch nichts herausgefunden habe. Immerhin weiß ich nach einiger Recherche, dass das Lokal zukünftig „Restaurant To Be Named Later“ heißen wird. Ich hielt das zunächst für eine Platzhalterbezeichnung, aber es ist der tatsächliche Name.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Brewersfan 1061 (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Greg Hume (CC BY-SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: daveynin (CC BY 2.0)

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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