März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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August 30th, 2018 by Silversurger

Die Trade-Saison geht langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen: Morgen, am 31. August, ist die Deadline für Waiver-Trades. Vereinswechsel sind danach theoretisch noch möglich, doch die betreffenden Spieler dürften in den Playoffs nicht eingesetzt werden. Die Philadelphia Phillies haben schnell noch mit OF/3B Jose Bautista von den Mets nachgerüstet, die Atlanta Braves mit 1B Lucas Duda von den Royals und C Rene Rivera von den Angels – beide sind übrigens ebenfalls ehemalige Mets. Ein hochkarätiger Spieler, der ebenfalls noch vor der Deadline den Klub wechseln könnte, ist 3B Josh Donaldson. Er wurde auf den Waiver gesetzt und die Blue Jays sind wohl sehr daran interessiert, ihn loszuwerden, um wenigstens das Gehalt aus seinem auslaufenden Vertrag zu sparen. Ein Trade könnte allerdings an der nötigen Gesundheitsprüfung scheitern, denn Donaldson ist noch im Aufbautraining nach einer Verletzung. Ein paar Waiver-Claims für prominente Spieler führten diese Woche nicht zu Trades: So konnten sich die Cincinnati Reds nicht mit den Brewers über Matt Harvey einigen und auch Billy Hamilton zogen sie nach Claim durch ein unbekanntes Team vom Waiver zurück, ebenso wie die Rays ihren Closer Sergio Romo.

Der Tag nach der Deadline, der 1. September, ist ein weiteres wichtiges Datum im MLB-Kalender: Ab diesem Tag dürfen die MLB-Teams in den Spielen statt auf einen ausgewählten 25-Mann-Kader auf ihren vollen 40-Mann-Kader zugreifen. Wir werden dann eine Menge sogenannter September-Call-ups sehen, größtenteils junge Spieler aus den Minor-Leagues, die Spielpraxis in der MLB erhalten und die Stammspieler in der Endphase der langen Saison entlasten sollen. Jetzt schauen wir aber erst mal, welches Bild sich zum Einstieg in diese Endphase in der MLB bietet:

American League
Die Boston Red Sox (92-42) sind immer noch mit großem Vorsprung das Top-Team der MLB und der American League East, doch ein bisschen ist der Zauber ihrer überragenden Saison zuletzt verblasst: Auf einer Strecke von acht Spielen gingen sechs verloren, darunter durch die Tampa Bay Rays (71-62) der erste Sweep gegen die Red Sox in der ganzen Saison. Gegen die Marlins gab es nun zwei Comeback-Siege für Boston, wodurch der Abstand zu den New York Yankees (84-49) wieder auf 7,5 Spiele gewachsen ist. Die Red Sox werden sich nicht mehr einholen lassen und sie werden auch locker die 100-Siege-Marke überspringen. Der Rekord von 116 Siegen, der zwischenzeitlich in Reichweite schien, ist aber erstmal in weite Ferne gerückt. Zudem stehen mit den White Sox, den Braves und den Astros ein paar unangenehme Gegner an.

Auch die Cleveland Indians (75-57) schwächeln gerade ein bisschen, kassierten aus den letzten sieben Spielen fünf Niederlagen. In der AL Central tut ihnen das angesichts der klaren Verhältnisse natürlich nicht sonderlich weh, noch nicht mal wenn die Niederlagen wie gestern gegen den Divisionszweiten Minnesota Twins (62-70) erlitten werden. Die Twins sind so weit hinter den Indians und gleichzeitig so weit vor dem Rest des Feldes, dass sich für sie in dieser dieser Saison nichts mehr tun wird. Immerhin um Platz drei ist inzwischen ein Kampf entbrannt, die Detroit Tigers (53-80) und die Chicago White Sox (53-80) stehen exakt gleichauf. Die beiden scheinen allerdings in unterschiedliche Richtungen unterwegs zu sein: Von ihren letzten 15 Spielen haben die White Sox 11 gewonnen, die Tigers hingegen haben 11 verloren.

In der AL West haben die Houston Astros (82-51) erfolgreich den Angriff der Oakland Athletics (80-54) abgewehrt, indem sie zwei der drei direkten Duelle gewonnen haben. Die A’s müssen damit die Träume vom Divisionssieg zumindest zurückstellen und sich erst mal auf die Sicherung ihres Wild-Card-Platzes konzentrieren. Gegen den direkten Konkurrenten, die Seattle Mariners (74-59), sollte in den ab heute anstehenden vier Spielen zumindest ein Split her, um den Vorsprung von 5,5 Spielen zu wahren. Für die Mariners könnte diese Serie bereits die letzte Chance sein, noch mal nah heranzukommen. Durch Niederlagen in den letzten drei Spielen – zwei in San Diego, eine in Arizona – haben sie die Gelegenheit verpasst, aus der verlorenen Serie der Athletics in Houston Kapital zu schlagen.

National League
In der National League East haben die Atlanta Braves (74-58) sich zwei unnötige Niederlagen gegen Schlusslicht Miami Marlins (53-81) geleistet. Dennoch haben sie ihre Position gegenüber den Philadelphia Phillies (71-62) gefestigt. Den Phillies scheint die Luft ausgegangen zu sein, jedenfalls haben sie seit vier Wochen keine einzige Serie mehr gewinnen können und das, obwohl es in dieser Zeit überwiegend gegen schwache Teams wie die Washington Nationals (67-67), die New York Mets (59-74), die Padres und die Blue Jays ging. Auf diese Weise sind die Phillies inzwischen auch im Wild-Card-Rennen ins Hintertreffen geraten und mit 2,5 Spielen Rückstand auf einen solchen Platz zurzeit das schwächste der fünf Teams mit ernsthaften Ambitionen.

Momentan würden beide Wild Cards an die NL Central gehen. Hier haben sich an der Spitze die Chicago Cubs (78-54) inzwischen etwas abgesetzt, vor allem durch eine Reihe von sieben Siegen in Folge, die erst gestern Abend bei den Mets ihr Ende fand. Dahinter halten sich aber auch die St. Louis Cardinals (74-59) und die Milwaukee Brewers (74-60) mehr als solide und verteidigen dadurch die Wild-Card-Plätze gegen die anderen Divisionen – zum Beispiel beim 2:1-Seriensieg der Cardinals bei den Rockies am letzten Wochenende.

Die NL West bleibt die spannendste Division der Liga. Während in jeder anderen Division inzwischen mindestens dreieinhalb Spiele zwischen dem Ersten und dem Zweiten liegen, liegt hier zwischen dem Ersten und dem Dritten nur ein einziges Spiel. Das sieht nach einem geradezu perfekten Zeitpunkt dafür aus, dass es ab heute vier Tage lang zum direkten Kräftemessen zwischen den Arizona Diamondbacks (73-60) und den Los Angeles Dodgers (72-61) kommt. Die Colorado Rockies (72-60) hoffen vermutlich, dass die beiden sich die Siege teilen, während sie selbst sich der einfacher erscheinenden Aufgabe gegen die San Diego Padres (52-83) widmen. Die San Francisco Giants (67-68) haben die Saison inzwischen abgehakt. Das könnte sich nicht deutlicher zeigen als daran, dass ihr Star-Catcher Buster Posey sich einer Hüftoperation unterzogen hat mit dem Ziel, nächstes Jahr schmerzfrei spielen zu können.

Szene der Woche
Das Spiel zwischen den Phillies und den Nationals am Dienstag war eigentlich ein Duell der beiden Cy-Young-Kandidaten Aaron Nola und Max Scherzer, doch in Erinnerung bleiben wird die spielentscheidende Aktion eines anderen Pitchers – und zwar nicht beim Pitchen. Vince Velasquez war von den Phillies als Pinch-Runner ins Spiel geschickt worden, um beim Stand von 4:5 bei einem Out im unteren neunten Inning den langsamen und erst vor Kurzem von einer Verletzung genesenen Wilson Ramos an der zweiten Base zu ersetzen. Das war wohl keine gute Idee, denn Velasquez ging die Aufgabe mit einer gehörigen Portion Übermut an: Bei einem Flyball ins Centerfield tagte er die Base, um nach dem Catch von Michael Taylor die dritte Base zu erreichen. Das war eine eigenmächtige, riskante und relativ unnötige Entscheidung. Dann ging auch noch der Slide über die Base hinweg, aber da der Wurf nicht gut ankam, war Velasquez safe. Jedenfalls dachte er das, doch sowohl der Gegner als auch die Umpires hatten aufgepasst und gesehen, dass er die zweite Base verlassen hatte, bevor Taylor überhaupt am Ball war. Velasquez war somit das dritte Aus und das Spiel verloren. So kann’s gehen, sogar unter MLB-Profis.

Statistik der Woche 
50. So viele Saves hat Edwin Diaz als Closer der Mariners dieses Jahr bislang erzielt. Das haben in der MLB-Historie erst 16 Pitcher vor ihm geschafft und es ist noch ein ganzes Stück Saison übrig. 29 Spiele haben die Mariners noch vor sich, in denen Diaz sich an den Rekord von Francisco Rodriguez (62 in der Saison 2008) heranarbeiten oder diesen sogar noch übertreffen kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Mariners ihm auch weiterhin genug Gelegenheiten dafür schaffen. 54 Chancen auf einen Save haben sie ihm bisher gegeben, das sind 12 mehr als irgendein anderer Closer dieses Jahr hatte. Noch eine nette Geschichte am Rande: Mariners-Manager Scott Servais hatte Diaz im Juli versprochen, dass er sich dessen Frisur zulegen würde, wenn er 50 Saves schafft. Servais hat sein Wort gehalten.

Spiel der Woche
Das Spiel der Reds gegen die Brewers letzte Nacht sparte nicht an Highlights. Zum einen gab es eine Menge Hits, 36 an der Zahl, die zu insgesamt 25 Runs und einem knappen 13:12-Sieg der Gäste aus Milwaukee nach mehreren Führungswechseln führten. Der interessanteste Hit war ein 3-Run-Homer von Reds-Reliever Michael Lorenzen, den dieser erzielte, nachdem er schon einen vermeintlichen Strikeout bei einem verunglückten Bunt erlitten hatte. Die größte Story des Tages war aber Brewers-Outfielder Christian Yelich, der ein absolut überragendes Spiel hatte: Er erzielte bei 6 Versuchen 6 Hits, darunter ein Cycle, und war obendrein mit einem perfekten Wurf aus dem Outfield für ein Aus an der Homeplate verantwortlich. Man sollte meinen, mit so einer Leistung gewinnt man ein Spiel locker im Alleingang, aber dass es für die Brewers nach zehn Innings zum knappen Sieg reichte, war nicht möglich ohne das Wirken von Jesus – genauer gesagt den Homerun von Jesus Aguilar im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Die Baseballwelt schaut nach Los Angeles, denn dort spielen die Dodgers und die Arizona Diamondbacks an diesem Wochenende die Spitze der NL West unter sich aus (oder sie machen die Colorado Rockies zum lachenden Dritten). Die ersten drei Spiele finden aus mitteleuropäischer Sicht leider allesamt tief in der Nacht statt, daher ist mein Einschalttipp Spiel vier, das ihr am Sonntag ab 22:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen könnt. Starting Pitcher in dieser Partie werden voraussichtlich Clay Buchholz (2.07 ERA, 3.41 FIP) für Arizona und Walker Buehler (3.02 ERA, 3.21 FIP) für Los Angeles sein. Das ist ein interessantes Matchup zwischen dem starken Rookie Buehler und dem 34-jährigen Buchholz, der relativ überraschend mit seiner besten Saison seit fünf Jahren auftrumpft.

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März 22nd, 2018 by Silversurger

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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Dezember 22nd, 2016 by Silversurger

O. K., so langsam sind wir wohl wirklich in der Saure-Gurken-Zeit der MLB-Offseason angekommen. Jedes Team hat noch ein, zwei Needs und jeder brauchbare Free Agent hat ein paar vermeintliche oder tatsächliche Interessenten, aber Nägel mit Köpfen wurden in den letzten Tagen nur sehr wenige gemacht. Die Spekulationen sprudeln natürlich wie eh und je, von irgendetwas müssen die ganzen hauptberuflichen Baseballschreiber ja leben. Die meisten der Gerüchte erweisen sich jedoch als heiße Luft und die Wahrheit ist vermutlich, dass sich zwischen den Winter Meetings und dem Beginn des neuen Jahres schlichtweg nicht viel tut, weil auch die Verantwortlichen der MLB-Teams sich mal ein bisschen relative Ruhe gönnen. Entsprechend kurz fällt heute der Grand Slam am Donnerstag aus.

Die Phillies verlängern mit Herrera und holen Buchholz
Aktiver als der Rest der Liga waren in den letzten Tagen die Philadelphia Phillies. Zunächst sicherten sie sich letzten Donnerstag den Verbleib von Odubel Herrera bis mindestens 2021. Der Vertrag, der dem nächste Woche 25 werdenden Outfielder ein Einkommen von 30,5 Millionen Dollar sichert, enthält zudem zwei Cluboptionen für die Jahre 2022 (11,5 Millionen) und 2023 (12,5 Millionen). Herrera (.286/.361/.420) war in der vergangenen Saison Philadelphias einziger All-Star und soll ein wichtiger Teil des Kerns junger Spieler bleiben, um den herum die Phillies ein konkurrenzfähiges Team aufbauen wollen.

Eher eine Übergangslösung für die Zeit bis dahin ist Pitcher Clay Buchholz, den die Phillies mitsamt seinem 13,5 Millionen Dollar teuren Vertrag für 2017 von den Red Sox geholt haben. Buchholz überzeugte letztes Jahr zwar eher in seinen 13 Relieve-Auftritten (3.57 ERA) als in den 21 Starts (5.01 ERA), wird aber wohl auch in Philadelphia hauptsächlich als Starter in Erscheinung treten. Nach meiner Einschätzung stehen die Phillies ohnehin vor einem weiteren Jahr, in dem einzelne Ergebnisse noch nicht so wichtig sind und in dem Buchholz eher als Mentor für die jungen Spieler gefragt ist denn als Leistungsträger. Für Buchholz haben die Phillies 2B-Prospect Josh Tobias nach Boston geschickt.

Die Marlins verstärken den Bullpen
Ein weiteres NL-East-Team im Umbruch sind die Miami Marlins und auch sie haben diese Woche ihr Pitching-Personal mit ehemaligen Red Sox verstärkt. Für jeweils zwei Jahre und recht stolze Preise von 16 bzw. 12 Millionen Dollar steigen die beiden Rechtshänder Brad Ziegler und Junichi Tazawa in den Wettbewerb mit A. J. Ramos um die Rolle des Closers der Marlins ein. Diese drei, zusammen mit Kyle Barraclough und Dustin McGowan, bilden einen durchaus ansehnlichen Bullpen, den die Marlins dank ihrer fragwürdigen Starting-Rotation auch bitter nötig haben dürften.

Mike Dunn unterschreibt bei den Rockies
Auch die Colorado Rockies haben sich Hilfe für den Bullpen geholt und bezahlen Linkshänder Mike Dunn 19 Millionen Dollar für drei Jahre plus optional 6 Millionen für ein weiteres Jahr. Dunn bringt aus der letzten Saison in Miami einen ERA von 3.40 mit und als seine Stärke gilt, dass er wenige Homeruns zulässt (bisher 34 in 351 Karriere-Innings). Das klingt nach einer Fähigkeit, die man gut gebrauchen kann, wenn man seine Heimspiele im hitterfreundlichen Coors Field austrägt.

Daniel Hudson geht zu den Pirates
Und noch mal Verstärkung für den Bullpen: Die Pittsburgh Pirates haben sich für zwei Jahre und 11 Millionen Dollar mit Daniel Hudson (zuvor bei den Diamondbacks) geeinigt. Der 29-Jährige, der schon zwei Tommy-John-Surgeries und ein schwaches Jahr 2016 (5.22 ERA in 70 Auftritten) hinter sich hat, ist wohl das nächste Projekt von Pitching-Coach Ray Searage; Searage gilt als Spezialist dafür, aus dem Tritt geratene Pitcher zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Ein Schnäppchen für die Padres
1,75 Millionen Dollar sind für die meisten von uns eine unverschämte Menge Geld, als Jahresgehalt für einen als Free Agent verpflichteten erfahrenen Major-League-Pitcher ist das jedoch ein regelrechtes Schnäppchen. Angeblich verzichtete Jhoulys Chacin auf deutlich lukrativere Angebote, weil die San Diego Padres ihm im Gegenzug einen Platz in der Starting Rotation zusicherten. Diese Rotation wird nach derzeitigem Stand aus Chacin (2016: 144 IP, 4.81 ERA), Luis Perdomo (146.2, 5.71), Christian Friedrich (129.1, 4.80), Paul Clemens (61.1, 3.67) und Jared Cosart (37.1, 6.03) bestehen. Furchterregend klingt anders, ehrlich gesagt.

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