Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

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April 11th, 2019 by Silversurger

Zwei Wochen in der Saison und schon haben sich einige der frühen Kapriolen in den Divisionstabellen bereits wieder gelegt. Aber immer noch werden alle drei Gruppen der American League von mehr oder weniger großen Überraschungen angeführt: den Tampa Bay Rays, den Detroit Tigers und den Seattle Mariners. Direkt dahinter haben sich inzwischen die Favoriten in Stellung gebracht – mit Ausnahme der Boston Red Sox, die gemeinsam mit den Chicago Cubs in der NL Central die große Enttäuschung dieser frühen Saisonphase sind. Hier die wöchentliche Rundumschau zu allem, was in der MLB los ist:

American League
In der American League East trumpfen nach wie vor die Tampa Bay Rays (10-3) ganz groß auf. Vor allem im Pitching überzeugen die Rays – mit überragenden Startern und Openern ebenso wie mit einem starken Bullpen. Nur 26 Runs haben die Rays bislang erlaubt, neun weniger als die zweitbesten Teams der MLB (Indians, Tigers, Reds). Für die New York Yankees (5-7) reißen derweil die Hionsbotschaften nicht ab: Dank einer Aufbauserie gegen die Baltimore Orioles (5-7) hatte man sich nach dem vergeigten Start gerade wieder aufgerichtet, schon folgte in Form eines Drei-Spiele-Sweeps durch die Astros wieder der Rückschlag. Zu allem Überfluss stellte sich nach neuen medizinischen Untersuchungen heraus, dass Starter Luis Severino mit seiner Rückenverletzung noch länger ausfallen wird als bisher gedacht. Er wird frühestens in sechs Wochen wieder ins Training einsteigen. Schönere Neuigkeiten gibt es von den Toronto Blue Jays (4-8): Die Ankunft des potenziellen Superstars Vladimir Guerrero Jr. ist ein Stück näher gerückt. Nach einem Monat Verletzungspause und ein paar Rehab-Spielen auf Single-A-Niveau wurde der 20-Jährige nun nach Buffalo ins AAA-Team der Blue Jays berufen. Nach wie vor an letzter Stelle der Division stehen die Boston Red Sox (3-9). Der Vorjahres-Champion macht bislang rundum den Eindruck, noch nicht in der neuen Saison angekommen zu sein.

Auch die Cleveland Indians (7-4) hatten einen schweren Start, durch einen Vier-Spiele-Sweep gegen die Blue Jays haben sie sich davon aber bereits erholt. Nun liefern sie sich gerade mit den Detroit Tigers (8-4) ein Duell um die Führung in der AL Central. Jedes Team hat bisher ein Spiel gewonnen, das Rubber-Match findet heute Abend ab 19:10 Uhr unserer Zeit statt. Die Minnesota Twins (6-4) mischen ebenfalls noch oben mit und nähren die Hoffnung, dass diese Division spannender wird als erwartet. Max Kepler ist übrigens in Topform: Er befindet sich aktuell auf einer Strecke von acht Spielen mit je mindestens einem Hit, darunter drei Homeruns in drei aufeinender folgenden Partien gegen die Phillies. Die Chicago White Sox (3-8) und die Kansas City Royals (2-9) haben sich derweil bereits im Keller eingerichtet. Vor allem in der Ecke, die die Royals dort bewohnen, ist es nach neun Niederlagen in Folge zappenduster.

Die Seattle Mariners (12-2) führen nach wie vor deutlich die AL West an und bringen nicht nur mich massiv zum Staunen. Vor allem die Offensive der Mariners produziert mit bislang 110 Runs auf einem Niveau, das kein anderes Team in der Liga teilt (siehe auch „Statistik der Woche“). Das war so nicht vorhersehbar und wohl auch nicht geplant, denn die Moves der Mariners in der Offseason sahen eher nach einem halbherzigen Rebuilding-Projekt aus. Es stehen nun wegweisende Serien gegen die Houston Astros (8-5) und die Indians an. Je nachdem wie diese verlaufen, wird man sich in Seattle wohl neue Ziele stecken. Übrigens haben nicht nur die Mariners und die Astros, sondern die gesamte AL West einen überraschend starken Start hingelegt. Als einzige Division hat sie kein einziges Team mit negativer Bilanz. Die Texas Rangers (6-6) und die Oakland Athletics (8-8) stehen ausgeglichen, die Los Angeles Angels (7-6) nach sechs Siegen in Folge plötzlich sogar positiv.

National League
Eine starke Division ist – in dem Fall den Erwartungen entsprechend – auch die National League East. Die Philadelphia Phillies (7-4), die Atlanta Braves (7-4) und die New York Mets (7-4) stehen allesamt gleichauf, die Washington Nationals (6-5) nur ein Spiel dahinter. Lediglich die Miami Marlins (3-9) sind bereits abgeschlagen, aber auch das war nicht anders zu erwarten. Der Spielplan der ersten Wochen wirkt sich sehr förderlich auf die Spannung in der NL East aus, da er schon außergewöhnlich viele Duelle zwischen den vier Top-Teams vorgesehen hat. Die Nationals haben bisher sogar ausschließlich divisionsinterne Partien gespielt. Heute und an den kommenden drei Tagen treffen erstmals in diesem Jahr die Braves und die Mets aufeinander.

In der NL Central sah es nach einem fulminanten Start der Milwaukee Brewers (8-5) so aus, als könnten diese sich frühzeitig absetzen. Nach drei Niederlagen bei den Angels sind die Brewers aber zurück auf dem Boden und schauen mit einigem Respekt auf die anstehenden Aufgaben: Dreimal bei den Dodgers, dann dreimal gegen die St. Louis Cardinals (7-5), viermal gegen die Dodgers und noch dreimal bei den Cardinals sind ein knüppelhartes Programm für die nächsten zwei Wochen. Die Pittsburgh Pirates (6-4) halten bislang ebenfalls gut mit, allerdings muss man dazu sagen, dass sie fünf ihrer sechs Siege gegen die Cincinnati Reds (3-8) erzielt haben. Der einzige weitere Sieg gelang gestern gegen die Chicago Cubs (3-8), welche bisher zu den negativen Überraschungen der noch jungen Saison zählen.

Enttäuscht haben bislang auch die Colorado Rockies (3-9) in der NL West. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen wird es ihnen ganz recht gewesen sein, dass die dritte Partie gegen die Braves gestern wegen einer Regen-, Schnee- und Sturmwarnung auf Ende August verschoben wurde. Die Rockies reisen jetzt erst mal zu den San Francisco Giants (4-9), bei denen es zwar meistens windig ist, aber zumindest wohl nicht schneit – und bei denen die Rockies sich die Chance auf denen einen oder anderen Sieg ausrechnen dürften. An der Spitze der Division haben die San Diego Padres (8-5) inzwischen die Los Angeles Dodgers (8-5) eingeholt, nachdem Letztere drei Spiele hintereinander gegen die Braves abgegeben haben.

Szene der Woche
Es gab in den letzten Tagen wahnsinnig viele sehenswerte Szenen: Jorge Polanco gelang der erste Cycle der Saison, Lourdes Gurriel der erste Home-Steal, die Reds und die Pirates lieferten sich eine handfeste Keilerei, Mike Trout klaute Christian Yelich einen Homerun und Marcell Ozuna scheiterte kläglich, als er auch mal so ein Highlight-Play vollbringen wollte. Meine Szene der Woche aber ist der absolut unglaubliche freihändige Basehit von Javier Baez. Seht und staunt.

Statistik der Woche 
14. So viele Spiele haben die Seattle Mariners in diesem Jahr absolviert und in genauso vielen Spielen haben sie mindestens einen Homerun erzielt. Gestern wäre die Serie fast gerissen, doch bei zwei Outs im neunten Inning gelang Mitch Haniger der siegbringende Schlag zum 6:5 gegen die Royals. Die Mariners haben damit einen MLB-Rekord eingestellt, den sie nun gemeinsam mit den Indians von 2002 halten. Heute Abend, erneut gegen Kansas City, haben sie die Chance, diese Bestmarke zu übertreffen.

Spiel der Woche
Ein 0:5-Rückstand nach vier Innings und Madison Bumgarner als gegnerischer Pitcher? Das klingt nach einer recht ausweglosen Situation. Nicht nur für die San Diego Padres, die am Montag schon zum vierten Mal in diesem Jahr ein Spiel drehten. Drei Homeruns trugen zum erfolgreichen Comeback bei, den schönsten und letztlich entscheidenden besorgte Youngster Franmil Reyes im siebten Inning. Zu dem Zeitpunkt hatte bereits Reyes Moronta das Pitching bei den Giants übernommen, um für Bumgarner das Schlimmste zu verhindern – ohne Erfolg, wie sich herausstellte.

Mein Einschalttipp
In der AL West kommt es an diesem Wochenende zum ersten Gipfeltreffen zwischen dem klaren Favoriten Houston Astros und dem Überraschungsteam Seattle Mariners. Sofern ihr nicht unter Schlafstörungen leidet, empfehle ich zum Reinschauen das Spiel am Sonntag, das mit 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als einziges nicht mitten in der Nacht stattfindet. Das Pitching-Matchup ist ebenfalls sehr attraktiv: Houstons Gerrit Cole (3.32 ERA, 2.76 FIP) trifft auf Seattles Openening-Day-Starter Marco Gonzales (3.16 ERA, 3.43 FIP). Das Spiel wird auf DAZN übertragen und natürlich auf mlb.tv.

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November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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    März 29th, 2018 by Silversurger

    Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

    Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
    Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

    Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

    Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

    Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
    Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

    Und was wird aus Greg Holland?
    Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

    Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

    Steven Wright wird gesperrt
    Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

    Oh shit! 
    Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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    April 27th, 2017 by Silversurger

    Was für eine bittere MLB-Woche: Meine Mets hatten ihren stärksten Auftritt Dienstagnacht in Form eines Rainouts gegen die Braves – den konnten sie wenigstens nicht verlieren. In Giants-Pitcher Madison Bumgarner hat sich einer der besten und interessantesten Spieler der Liga ernsthaft verletzt und gestern Abend musste Brewers-1B Eric Thames, Hauptakteur der Cinderella-Story des bisherigen Jahres, mit Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Zu allem Überfluss haben die Padres das spannende Experiment mit Christian Bethancourt als Allround-Spieler für gescheitert erklärt und ihn in die Minors geschickt. Zum Glück sorgte Chris Coghlan von den Blue Jays dafür, dass von dieser Woche nicht nur deprimierende Szenen hängen bleiben werden. Dazu später mehr, jetzt erst mal der obligatorische Schwenk durch die einzelnen Divisionen:

    National League
    In der National League East sieht es derzeit danach aus, dass sich in dieser Division besonders schnell die Spreu vom Weizen trennt. Die Washington Nationals (14-6) ziehen nach den ersten 20 Spielen bereits recht einsam ihre Kreise an der Spitze vor den Miami Marlins (10-8) und den Philadelphia Phillies (9-9), die beide für ihre Verhältnisse gut in die Saison gekommen sind, den Nationals aber realistisch betrachtet nicht gefährlich werden dürften. Leider ein Totalausfall in der ihnen zugedachten Rolle des Co-Favoriten in der Division sind die New York Mets (8-11). Nach ordentlichem Beginn haben sie nun zwei Wochen lang quasi nur verloren: Fünf Niederlagen in Folge und neun in den letzten zehn Spielen stehen mittlerweile zu Buche. Am Anfang dieses Slumps hatten sie ein paarmal Pech mit dem Spielausgang, dann kamen Verletzungen dazu und inzwischen scheint auch einfach das Selbstvertrauen ein Stückweit verloren zu sein. So war jedenfalls mein Eindruck letzte Nacht beim 2:8 gegen die Atlanta Braves (6-12), die nach dem Sweep durch die Nationals ein willkommener Aufbaugegner hätten sein können, aber stattdessen auf erstaunlich wenig Gegenwehr der Mets stießen. Bei den Marlins tut sich übrigens etwas im Hinblick auf den angestrebten Verkauf der Franchise durch Owner Jeffrey Loria: Eine Bietergruppe um den ehemaligen Governeur, Präsidentensohn, -bruder und -kandidaten Jeb Bush und um Ex-Yankees-Star Derek Jeter gilt inzwischen als klarer Favorit, die Marlins zu erwerben.

    Titelverteidiger Chicago Cubs (11-8) hat in der NL Central mittlerweile die Verhältnisse gerade gerückt und sich mit nacheinander gewonnenen Serien gegen die Milwaukee Brewers (11-11), die Cincinnati Reds (10-11) und die Pittsburgh Pirates (9-12) an die Spitze der Division gesetzt. Die schwach gestarteten St. Louis Cardinals (9-11) zeigen inzwischen Anzeichen eines Aufschwungs. Dem Sweep gegen die Pirates vor einer Woche ließen sie weitere drei Siege über die Brewers folgen und setzen heute in einem Doubleheader das Duell der Fehlgestarteten mit den Toronto Blue Jays fort.

    Die NL West fühlt sich immer noch ein bisschen an, als würde sie auf dem Kopf stehen, denn unverändert halten sich die etwas überraschenden Colorado Rockies (14-8) und die noch mehr überraschenden Arizona Diamondbacks (14-9) an der Spitze mit spürbarem Vorsprung auf die Los Angeles Dodgers (10-12). In einer schwierigen Lage befinden sich die San Francisco Giants (7-14). Zwar sprangen aus den letzten drei Spielen immerhin zwei Siege gegen die Dodgers heraus, doch davor setzte es gegen die Rockies einen Drei-Spiele-Sweep und vor allem fällt Star-Pitcher Madison Bumgarner nun für mindestens zwei Monate aus, nachdem er in seiner Freizeit einen Fahrradunfall hatte und sich dabei die Rippen und die Schulter des Wurfarms verletzte. Eine Aufholjagd ohne den wichtigsten Leistungsträger des Teams dürfte schwierig werden.

    American League
    Die Baltimore Orioles (13-6) führen nach wie vor die American League East an und das zwar knapp, aber überzeugend: Von ihren bislang sieben Serien in diesem Jahr haben sie noch keine einzige verloren und sechs davon absolvierten sie gegen Divisionsrivalen. Auf Platz zwei halten sich die New York Yankees (11-7), bei denen sich nach der zwischenzeitlichen Siegesserie in den letzten Tagen Licht und Schatten abwechselten. Die nächsten Tage werden richtungsweisend sein, denn heute Nacht geht es zunächst noch einmal gegen die Boston Red Sox (11-8) und dann drei Tage lang gegen die Orioles. Genau wie die Yankees haben auch die Toronto Blue Jays (6-14) in den letzten sieben Tagen immer abwechselnd gewonnen und verloren, was in ihrem Fall aber nach dem katastrophalen Start ein Fortschritt war. Wenn sie dem turbulenten Sieg im ersten Spiel gegen die  Cardinals (siehe unten) heute einen erfolgreichen Doubleheader folgen lassen, sind die Blue Jays wieder halbwegs im Rennen.

    Die knappste Division der MLB ist die AL Central, in der die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Detroit Tigers allesamt mit 11-9 gleichauf stehen und nur knapp dahinter die Minnesota Twins (10-11), für die Max Kepler am Sonntag seinen zweiten Homerun des Jahres geschlagen hat. Den Anschluss verloren haben derzeit die Kansas City Royals, die nach sieben Niederlagen in Folge – jeweils Sweeps gegen die Texas Rangers und die White Sox – plötzlich bei 7-14 stehen und als nächstes dreimal gegen die Twins ran müssen.

    Die AL West bietet momentan neben der NL East das klarste Tabellenbild: Der Vorsprung der Houston Astros (14-10) ist bereits recht komfortabel, zumal auf den nächsten Rängen die Los Angeles Angels (11-12) und die Oakland Athletics (10-11) folgen, die beide keine ernsthaften Kandidaten dafür sind, um den Divisionstitel mitzuspielen. Die Texas Rangers (10-12) haben sich, insbesondere durch den Sweep über die Royals, wieder ans Feld herangespielt, während es für die Seattle Mariners (9-13) momentan schlecht aussieht. Sie haben zwar nur einen Sieg weniger als die Rangers und die A’s, müssen aber nun den Rückschlag verkraften, dass gleichzeitig Pitching-Ass Felix Hernandez und der in der bisherigen Saison sehr starke Outfielder Mitch Haniger (.338/.442/.600) auf die Verletztenliste gesetzt werden mussten.

    Szene der Woche
    Vielleicht ist es nicht nur die Szene der Woche sondern schon die des Jahres. Jedenfalls wird auf absehbare Zeit kein Highlight-Reel ohne den gigantischen Sprung von Torontos Chris Coghlan über Cardinals-Catcher Yadier Molina und seine anschließende Rolle über die Homeplate auskommen. Ich muss mir das Ding jedenfalls immer wieder ansehen. Wow.

    Statistik der Woche 
    11. So viele Homeruns hat 1B Eric Thames von den San Diego Padres dieses Jahr bereits erzielt, vier mehr als die zehn Spieler, die gemeinsam den zweiten Platz der Rangliste belegen. Sofern die Verletzung, derentwegen Thames gestern Abend ausgewechselt werden musste, ihn nicht daran hindert, hat er in den nächsten Tagen die Chance, am Rekord von Albert Pujols (2006) und Alex Rodriguez (2007) mit je 14 April-Homeruns zu kratzen. Das Erstaunliche daran ist, dass der 30-jährige Thames die letzten vier Jahre nicht mal in der MLB gespielt sondern sich zuerst ein Jahr in den Minors und dann in Südkorea bei den NC Dinos verdingt hat. Dort produzierte er zwar starke Zahlen, doch dass er bei seiner Rückkehr nach Amerika derart auftrumpfen würde, hat ihm wohl kaum jemand zugetraut.

    Spiel der Woche
    Ich muss hier noch mal auf das Spiel der Toronto Blue Jays bei den St. Louis Cardinals zurückkommen, in dem sich die Akrobatik-Aktion von Chris Coghlan zutrug. Nicht nur wegen dieses Moments war Torontos 6:5-Erfolg ein spektakuläres Spiel mit Happy End für die enttäuschend in die Saison gestarteten Blue Jays: Erst drehten sie einen Rückstand um, dann gingen sie dreimal in Führung, die von den Cardinals immer wieder ausgeglichen wurde, bevor schließlich im elften Inning der als Pinch Hitter eingewechselte Pitcher Marcus Stroman einen Double schlug und später bei einem Error – dem vierten der Cardinals in diesem Spiel – den siegbringenden Run erzielte. Es war übrigens der erste Pinch Hit eines Blue-Jays-Pitchers überhaupt.

    Spiel(e) der kommenden Woche
    Die Entscheidung fällt schwer, denn mir erscheinen zwei Matchups der kommenden Tage gleichermaßen interessant: Sowohl in der AL East mit den Orioles und den Yankees als auch in der NL West mit den Rockies und den Diamondbacks ringen je zwei Teams um die Spitze, denen ich das vor der Saison nicht zugetraut hätte – und in beiden Fällen treffen diese beiden Teams nun in einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag aufeinander. Mein Einschalttipp sind die beiden Spiele am Sonntag, weil sie sich zeitlich (Orioles@Yankees um 19:05 Uhr, Rockies@Diamondbacks um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) so gut aneinander fügen, dass man einen schönen langen Baseballabend daraus machen kann – und am Tag danach ist passenderweise Feiertag.

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    April 6th, 2017 by Silversurger

    Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

    American League
    Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

    Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

    Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

    National League
    In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

    Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

    Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

    Spielzug der Woche
    Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

    Statistik der Woche 
    50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

    Spiel der Woche
    Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

    Spiel(e) der kommenden Woche
    Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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    Oktober 6th, 2016 by Silversurger

    Im Grand Slam am Donnerstag dreht sich dieses Mal wenig überraschend alles um die Playoffs der MLB. Ich blicke auf die beiden bevorstehenden Divisional-Serien und gebe meine Tipps dazu ab. Außerdem schaue ich zurück auf die zwei großartigen Wild-Card-Duelle, die mich einen Großteil der beiden vergangenen Nächte gekostet haben, aber jede Minute davon wert waren.

    American League
    Die American League wird heute Nacht vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen um 22:30 Uhr unserer Zeit die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers aufeinander, angeführt von Marco Estrada (3.48 ERA) und Cole Hamels (3.32 ERA). Obwohl der #1-Seed (Texas) gegen das Wild-Card-Team (Toronto) antritt, sehe ich diese Serie als ziemlich ausgeglichen an. Tatsächlich frage ich mich nach wie vor, wie ein Team, das offensiv wie defensiv eher mittelmäßige Zahlen produziert, die Saison mit der besten Bilanz der AL abschließen konnte. Einer Antwort kann man sich über das übermäßig erfolgreiche Abschneiden der Rangers in knappen Spielen annähern. Dabei spielten mit Sicherheit Taktik, Erfahrung und Selbstvertrauen eine Rolle, mindestens ebenso sicher aber auch eine gehörige Portion Glück. Worauf ich hinaus will ist, dass die Rangers sicher keine Übermannschaft sind. Zumindest im Pitching dürften die Blue Jays sogar überlegen sein. Mein Tipp ist, dass es eine ganz enge Serie wird, in der die Rangers am Ende dank des Heimrechts und dank ihrer Nervenstärke im entscheidenden Spiel die Oberhand behalten.

    Um 2 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den Boston Red Sox um Rick Porcello (3.15 ERA) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.26 ERA). Diese Serie schätze ich als weniger knapp ein, die Red Sox sind in meinen Augen klarer Favorit. Das fußt zum einen darauf, dass Boston schon das ganze Jahr über das offensive Powerhouse der Liga ist, zum anderen darauf, dass auch das Pitching der Red Sox im Laufe der Saison immer besser wurde, während auf der anderen Seite das der Indians durch Verletzungen stark gebeutelt wurde und entsprechend nachgelassen hat. Zur Illustration: Bis zum All-Star-Break hatten die Indians in der AL die wenigsten Runs (355) zugelassen, die Red Sox hingegen die fünftmeisten (424). Nach dem All-Star-Break hingegen hat Boston mit Abstand die wenigsten Runs (270) erlaubt, während Cleveland (321) nur noch im Mittelfeld landet. Man kann diese sehr oberflächliche Darstellung über diverse fortgeschrittene Statistiken durchdeklinieren, das Ergebnis ist immer, dass die Red Sox nicht mehr nur offensiv sondern seit einigen Monaten auch defensiv den Indians überlegen sind. Meine Erwartung ist daher ein deutlicher Seriengewinn der Red Sox.

    National League
    In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es morgen um 23:30 Uhr unserer Zeit mit den Los Angeles Dodgers bei den Washington Nationals. Wer letzte Nacht Bumgarner gegen Syndergaard genossen hat, der darf sich jetzt schon auf den nächsten Leckerbissen freuen, denn das Duell des Auftaktspiels lautet Ian Kershaw (1.69 ERA) gegen Max Scherzer (2.96 ERA). Den Zahlen nach geht Kershaw als leichter Favorit in die Partie und als leichten Favoriten sehe ich auch seine Dodgers in der gesamten Serie. Bei den Nationals bleibt abzuwarten, wie sie die Verletzungen von Wilson Ramos und Stephen Strasburg verkraften und wie fit die Angeschlagenen Daniel Murphy und Bryce Harper sein werden.

    Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 3 Uhr das Kräftemessen zwischen den Chicago Cubs und den San Francisco Giants, ebenfalls mit einem attraktiven Pitching-Matchup zwischen Jon Lester (2.44 ERA) und Johnny Cueto (2.79). Für einen Erfolg der Giants in dieser Serie sprechen zwei Faktoren: Madison Bumgarner sowie der Umstand, dass die Giants in diesem Jahrzehnt offenbar ein Abo auf Meisterschaften in den geraden Jahren haben. Für einen Erfolg der Cubs spricht hingegen so ziemlich alles Andere. Wenn man nun bedenkt, dass Bumgarner nach dem Wild-Card-Spiel aller Voraussicht nach nur für eine der bis zu fünf NLDS-Partien zur Verfügung steht und es sich bei der „even year magic“ um nicht mehr als einen spaßigen Aberglauben handelt, sieht es für mich ganz stark nach einer klaren Angelegenheit für Chicago aus.

    Spielzug der Woche
    Die Ehre des Spielzugs der Woche haben dieses Mal zwei vergleichbare Aktionen aus verschiedenen Spielen gleichermaßen verdient: Beide Wild-Card-Spiele wurden erst im letzten Inning (in Toronto im elften, in New York im neunten) entschieden und in beiden war es ein 3-Run-Homerun, der die Waage zum Kippen brachte. Die Plays der Woche sind somit die Homeruns von Edwin Encarnacion und von Conor Gillaspie.

    Statistik der Woche
    23. Das ist die Anzahl scoreloser Innings, die Madison Bumgarner in Postseason-Spielen hintereinander absolviert hat – den Complete-Game-Shutout gegen die Mets von letzter Nacht mitgerechnet. Betrachtet man die Giants insgesamt, so haben diese von Spiel 3 der NLDS des Jahres 2012 bis zum gestrigen Wild-Card-Spiel nun neun Spiele in Folge gewonnen, bei denen sie im Falle einer Niederlage ausgeschieden wären.

    Spiel der Woche
    Auch beim Spiel der Woche entscheide ich mich nicht für eines, denn die Wild-Card-Spiele waren beide äußerst sehenswert und an Spannung nicht zu überbieten. Zwischen Toronto und Baltimore stand es bis ins elfte Inning 2:2, zwischen New York und San Francisco bis ins neunte 0:0, die jeweiligen Enden habe ich schon oben als Spielzüge der Woche erwähnt. In beiden Fällen stand hinterher ein prominenter Relieve Pitcher im Mittelpunkt der Analysen und Kritiken: Bei den Mets wiederholte sich die Geschichte aus dem letzten Jahr, dass Closer Jeurys Familia in der Postseason nicht an seine Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen konnte. Er ließ zuerst zwei Baserunner und dann den entscheidenden Homerun in einem ansonsten von hervorragendem Pitching auf beiden Seiten geprägten Spiel zu. Der andere Verlierer der Wild-Card-Runde, die Orioles, ernteten hingegen Kopfschütteln dafür, dass sie in Zach Britton den wohl besten Reliever der Liga elf Innings lang auf der Bank ließen. Klar, man hätte Britton irgendwann ab dem achten Inning für ein, zwei Innings bringen können, vielleicht hätte man ihn im elften Inning bei Scoring Position und nur einem Aus sogar bringen müssen. Ich kann allerdings Manager Buck Showalter verstehen, dass er davor zurück schreckte, im Auswärtsspiel seinen Closer zu verheizen, ohne selbst in Führung zu liegen. Hätte er das getan und dann verloren, wäre das Geschrei mindestens genauso groß gewesen.

    Spiel der kommenden Woche
    Diese Kategorie ist während der regulären Saison als Einschalttipp gedacht, aber in den Playoffs ist natürlich jedes Spiel hochinteressant und relevant und ich kann nur jedem Baseballfan empfehlen, sich so viele wie möglich davon anzuschauen. Dennoch möchte ich ein Spiel hervorheben und zwar das erste Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Texas Rangers heute Nacht. Ich schätze, so ziemlich jeder neutrale Fan sowie jeder Anhänger eines der beiden Teams hat sich gewünscht, dass sich dieses Aufeinandertreffen aus dem letzten Jahr wiederholt und tatsächlich ist es so gekommen. Denn seit der ALDS 2015 verbindet die beiden Teams eine (hoffentlich) gesunde Rivalität, zu deren Sinnbild der legendäre Batflip von José Bautista wurde. Ich bin gespannt, wie Spieler und Fans das Wiedersehen aufnehmen. Von mir aus darf es gern ein bisschen hitzig werden, aber bitte ohne Gewalt.

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    Juni 30th, 2016 by Silversurger

    Der All-Star-Break naht mit großen Schritten und mit den Arizona Diamondbacks hat bereits das erste Team 81 absolvierte Spiele und damit eine halbe Saison auf dem Zähler. Höchste Zeit, mal wieder den aktuellen Stand der Dinge in der MLB zu rekapitulieren.

    American League

    Nachdem die Spitzen der East- und Central-Divisionen der American League ein paar Wochen lang heiß umkämpft waren, werden die Verhältnisse nun immer klarer und wir haben in allen drei Divisionen klare Favoriten auf den Gruppensieg.

    Das Team der Stunde sind eindeutig die Cleveland Indians (47-30), die sich auf einer 12-Siege-Serie befinden und damit die Kansas City Royals (41-36), die Detroit Tigers (40-38) und die Chicago White Sox (39-39) immer weiter hinter sich zurück lassen. Getragen werden sie dabei von einer guten Offense und einer noch besseren Defense, die mit 3.7 kassierten Runs pro Spiel mit Abstand die beste in der AL ist. Während der zwölf Siege – bestehend aus Sweeps gegen die White Sox, die Rays, die Tigers und die Braves – haben die Indians nur einmal fünf Runs zugelassen, dreimal haben sie zu null gewonnen. Wie immer schauen wir an dieser Stelle auch kurz darauf, wie es Max Kepler bei den Minnesota Twins (25-52) ergeht: Er kommt momentan täglich zum Einsatz und hatte in den letzten sieben Spielen sechs Hits bei 24 At-Bats, darunter seinen dritten MLB-Homerun, sowie drei Walks und eine gestohlene Base. Das ist sehr solide, bitte weiter so!

    In der AL East durften wir lange einen engen Dreikampf zwischen den Baltimore Orioles (47-30), den Boston Red Sox (42-36) und den Toronto Blue Jays (43-37) beobachten, doch nun haben sich die Orioles etwas abgesetzt und das vor allem durch eine laufende Siegesserie von sieben Spielen. Von den letzten zehn Spielen haben die Orioles acht gewonnen, die Red Sox hingegen nur drei und die Blue Jays vier.

    Die AL West ist und bleibt fest in der Hand der Texas Rangers (51-28), daran ändert bislang auch das Wiedererstarken der Houston Astros (42-37) nichts, die neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben. Aber zumindest im Wild-Card-Rennen ist mit den Astros nach ihrem überraschend schlechten Start in die Saison inzwischen wieder zu rechnen, sie liegen nur noch 0.5 Spiele hinter Boston und Toronto und gleichauf mit Kansas City. Den umgekehrten Weg sind die Seattle Mariners (39-39) gegangen: Sie sind stark in die Saison gestartet, inzwischen aber hart auf dem Boden der Tatsachen und damit im grauen Mittelmaß gelandet. Zur Veranschaulichung der gegenläufigen Entwicklung bei den Astros und den Mariners: In den letzten 30 Spielen stehen die Astros bei 22-8, die Mariners bei 11-19. In den ersten 30 Spielen der Saison waren es 11-19 für die Astros und 18-12 für die Mariners.

    National League

    Die National League East sah diese Woche eine Zeitlang aus wie ein dreispuriges LKW-Rennen auf der Autobahn: Die Washington Nationals (47-32), die New York Mets (40-37) und die Miami Marlins (41-37) schwächelten allesamt und hinterließen den Eindruck, dass keiner von ihnen den Willen oder die Fähigkeit hat, die Nachlässigkeit der anderen auszunutzen. Das änderte sich in den letzten vier Tagen, als die Nationals zuerst mit einem 3:2 über die Brewers ihre Serie von sechs Niederlagen beendeten und anschließend die New York Mets in drei Spielen sweepten. Kleine Kuriosität am Rande: Mit den Philadelphia Phillies (278 Runs scored), den Mets (276) und den Atlanta Braves (256) befinden sich die drei MLB-weit offensivschwächsten Teams allesamt in der NL East; wobei die Mets sich noch zugute halten können, nicht nur bei den erzielten sondern auch bei den zugelassenen Runs die zweitwenigsten der Liga aufzuweisen und allein deshalb noch halbwegs im Rennen zu sein.

    Die Chicago Cubs (51-26) waren zuletzt nicht mehr ganz so dominant wie in den ersten Monaten der Saison, weisen aber immer noch die beste Abwehr, den zweitbesten Angriff und den besten Record der MLB auf und haben gerade – nach verlorenen Serien gegen die St. Louis Cardinals (40-37) und in Miami – die Reds gesweept. Die Cardinals wiederum konnten an den Erfolg über den direkten Konkurrenten nicht anknüpfen und sind nach verlorenen Serien gegen die Mariners und die Royals nun wieder volle elf Spiele hinter den Cubs zurück. Sie werden ihren Blick in der zweiten Saisonhälfte auf die Wild Cards richten, von denen sie derzeit nur 0.5 Spiele Rückstand trennen und auf die trotz negativer Bilanz auch die Pittsburgh Pirates (38-41) noch hinter der Augenklappe hervorschielen dürften.

    In der NL West liegen die San Francisco Giants (49-31) nach wie vor deutlich vor den Los Angeles Dodgers (43-37) und noch deutlicher vor dem Rest des Feldes, der allesamt weit unter .500 steht. Die Giants dürften aber mit etwas Sorge auf die letzten fünf Spiele zurückblicken, von denen sie vier verloren und das nicht unbedingt gegen die Creme der Liga, nämlich die Phillies und die Athletics.

    Spielzug der Woche

    Melvin Upton Jr.s homerun-robbing Doubleplay hätte es bei mir sicher in neun von zehn Wochen zum Spielzug der Woche gebracht, doch nicht dieses Mal, denn die Auszeichnung geht an das wohl verrückteste Foul-Out der Saison: Chase Utley, Yasiel Puig und Adrian Gonzalez jagen außerhalb des Feldes einem Flyball hinterher; Utley versucht den Catch, verschätzt sich aber und lenkt den Ball ab zu Gonzalez; der greift erst mit der freien Hand zu, bekommt den Ball ebenfalls nicht zu fassen und fischt ihn dann doch noch wenige Zentimeter über dem Boden mit dem Handschuh auf. Besser kann ich es nicht erklären, klickt am besten einfach auf den Videolink und staunt selbst.

    Statistik der Woche

    30. Das ist die Anzahl von MLB-Teams, gegen die Miguel Cabrera in seiner Karriere mindestens einen Homerun geschlagen hat. Anders formuliert: Miggy hat gegen jedes einzelne Team der MLB schon mal den Ball über den Zaun gehauen. Die Miami Marlins, für die Cabrera von 2003 bis 2007 selbst aktiv war, waren die einzigen, die bis vorgestern von dem Slugger der Detroit Tigers verschont geblieben waren, doch nun waren auch sie fällig. Ich halte das für eine beeindruckende Leistung, allerdings ist sie bei näherem Hinsehen gar nicht so selten: Neben Cabrera haben dieses Kunststück schon acht weitere aktive Spieler vollbracht, zuletzt Albert Pujols.

    Spiel der Woche

    Die Colorado Rockies und die Arizona Diamondbacks standen sich am Freitagabend neun Innings lang gegenüber, was an sich nichts Ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich war aber, dass das Spiel viereinhalb Stunden dauerte und damit so lange wie noch kein Spiel jemals zuvor in der National League. Die Länge des Spiels kam durch mehrere Faktoren zustande: viele Hits (30 von beiden Teams zusammen), viele Errors (5) und vor allem viele eingesetzte Pitcher (16) mit entsprechenden Wechselpausen. Aber die Partie war nicht nur lang, sondern auch sehr spannend: Arizona ging früh 2:0 in Führung, welche die Rockies im fünften Inning auf 2:3 herumdrehten. Die D-Backs antworteten mit einem 6-Run-Inning, woraufhin Colorado im siebten und achten Inning ebenfalls sechs Runs nachlegte und wieder vorne lag. Erst nachdem im neunten Inning Yasmani Tomas‘ zweiter Homerun und ein Single von Michael Born die Diamondbacks zum dritten Mal in Front gebracht hatten, konnten diese an der 10:9-Führung festhalten – nicht ohne etwas Glück, denn die Rockies brachten im unteren neunten Inning noch zwei Runner in Scoring Position und Nolan Arenado fast bis nach Hause.

    Spiel der kommenden Woche

    Zum interessantesten Spiel der nächste Tage wollte ich gerade das Aufeinandertreffen der Colorado Rockies, in deren Spielen es insgesamt mit Abstand die meisten Runs gibt (zweitbester Angriff, drittschlechteste Abwehr), gegen die Los Angeles Dodgers mit Clayton Kershaw, in dessen Spielen es üblicherweise sehr wenige Runs gibt (1.79 ERA), erklären. Leider erreicht mich während des Schreibens dieser Zeilen die Nachricht, dass Kershaw mit Rückenproblemen auf die Disabled List gesetzt wird, sodass es dieses Duell zwischen Power-Offense und Ace-Pitcher nicht geben wird. Den Dodgers bleibt in diesem Jahr in Sachen verletzter Pitcher aber auch wirklich nichts erspart…

    Als Alternative wähle ich das Spiel der Rockies gegen die San Francisco Giants mit Madison Bumgarner (1.99 ERA) am kommenden Dienstag. Der Grund bleibt der gleiche: Ich freue mich auf das Kräftemessen zwischen einem Top-Pitcher und einer Top-Offense.

     

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