März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

Posted in Baseball international, Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 26th, 2019 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag schläft auch an Weihnachten nicht, weil es die MLB genauso wenig tut. Zum Beispiel wünschten sich viele Fans der New York Mets für ihren Klub nichts sehnlicher als eine Verstärkung des Bullpens – und bekamen prompt am Heiligabend Dellin Betances unter den Baum gelegt. Auch die Toronto Blue Jays und die Chicago White Sox rüsteten um die Feiertage herum ordentlich nach, um 2020 eine erfreulichere Rolle spielen zu können als in den letzten Jahren. Von Seiten der Liga wird derweil eine Regeländerung kolportiert, die – wenn sie tatsächlich irgendwann kommt – nicht nur für fröhliche Gesichter sorgen wird.
Hier auf dem Baseblog ist das der letzte Grand Slam am Donnerstag und wahrscheinlich auch der letzte Artikel im Jahr 2019. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr, in dem wir uns hoffentlich in alter (oder neuer) Frische wieder hier lesen!

Digitale Strikezone in drei Jahren?
MLB-Commissioner Rob Manfred ist bekanntlich schon lange ein Fan der Idee, eine automatisierte, per Videokamera und Computer festgelegte Strikezone einzuführen. Ein solches System wurde dieses Jahr bereits in der Arizona Fall League getestet. Unter den Spielern gewann die digitale Strikezone dabei wohl nicht viele Befürworter, doch die Ligaleitung verfolgt das Ziel einer Einführung in die MLB weiter und hat inzwischen eine Einigung mit der Schiedsrichtervereinigung erzielt. Diese könnte zur Umsetzung der Pläne in drei Jahren führen, wie Jacob Bogage in der Washington Post berichtet.

White Sox signen Keuchel, Gonzalez und Encarnacion
Die Chicago White Sox sind eines der aktivsten Teams der diesjährigen Offseason. Nachdem sie bereits Catcher Yasmani Grandal und Outfielder Nomar Mazara an Land gezogen sowie mit First Baseman Jose Abreu verlängert hatten, verstärken sie nun ihre Starting Rotation mit zwei erfahrenen linkshändigen Pitchern. Dallas Keuchel, der am 1. Januar 32 wird, kommt für zunächst drei Jahre und 55,5 Millionen Dollar. Wenn er es 2021 und 2022 auf genügend Einsatzzeit bringt, verlängert der Kontrakt sich automatisch für ein weiteres Jahr und 18,5 Millionen. Der 34-jährige Gio Gonzalez ist eine deutlich günstigere, aber durchaus solide Ergänzung. Er erhält einen Einjahresvertrag über eine Garantiesumme von 5 Millionen Dollar, für weitere 6,5 Millionen können die White Sox den Kontrakt bei Bedarf bis 2021 ausdehnen. Ganz frisch kam heute Nacht die Meldung, dass auch Edwin Encarnacion bei den White Sox anheuert. Der in Kürze 37-jährige Slugger bringt eine Menge Erfahrung in das junge Lineup und wird sich mit Abreu als DH und First Baseman abwechseln. Er erhält 12 Millionen für ein Jahr, der Klub hat die Option auf ein weiteres Jahr zum gleichen Preis.

Ryu und Shaw zu den Blue Jays
Jede AL-Division hat nächstes Jahr ein Team, das mit bedeutenden Investitionen den Sprung in die Konkurrenzfähigkeit versucht. Was in der AL Central die White Sox und in der AL West die Los Angeles Angels sind, sind in der AL East die Toronto Blue Jays. Die Blue Jays haben einen starken jungen Kern um Vladimir Guerrero Jr., Lourdes Gurriel Jr., Bo Bichette, Cavan Biggio und Danny Jansen. Gefehlt hat es bislang am Pitching, welches mit Tanner Roark, Chase Anderson, Shun Yamaguchi und nun der Star-Verpflichtung Hyun-Jin Ryu neu aufgestellt wurde. Für Ryu lässt der Klub 80 Millionen Dollar über vier Jahre springen und sticht damit namhafte Mitbewerber wie die Dodgers, die Angels, die Braves oder die Twins aus. Ryu ist zweifellos einer der Top-Pitcher der Liga, bringt aber auch einige Fragezeichen in Form einer Verletzungsgeschichte und seines Alters von 33 Jahren mit sich. Als weitere Ergänzung des Kaders holen die Blue Jays Infielder Travis Shaw. Der 29-jährige hatte 2017 und 2018 starke Jahre bei den Milwaukee Brewers, bevor er 2019 plötzlich das Baseballspielen verlernt zu haben schien und nach der Saison von den Brewers entlassen wurde. Die Blue Jays hoffen, dass er zu alter Stärke zurück findet, und bezahlen ihm 4 Millionen Dollar für ein Jahr.

Mets holen Betances, sparen bei Cespedes
Das Weihnachtsgeschenk der Mets an sich selbst hatte ich schon am Anfang dieses Artikels erwähnt: Relief Pitcher Dellin Betances unterschreibt für ein Jahr und ein garantiertes Gehalt von 10,5 Millionen Dollar. Darüber hinaus hat Betances die Option auf ein bis zwei weitere Jahre und zusätzliche Zahlungen, die in Abhängigkeit von seinen Leistungen und Einsatzzeiten aktiv werden. Betances gehörte mehrere Jahre zu den besten Relievern der Liga, bis er die Saison 2019 verletzungsbedingt bis auf ein einziges Spiel komplett verpasste. Eine Umzugspauschale ist vermutlich nicht Teil des Vertrages: Der in Manhatten geborene Betances spielte zuletzt in der Bronx für die Yankees und hat es somit nicht weit zum neuen Arbeitgeber in Queens. Das Geld für seine Verpflichtung haben die Mets auch deshalb zur Verfügung, weil sie sich mit ihrem Outfielder Yoenis Cespedes auf eine Vertragsänderung geeinigt haben: Statt 29,5 Millionen Dollar erhält Cespedes 2020 nur noch 6 Millionen als Grundgehalt, die in Abhängigkeit von der Zahl seiner Einsätze auf bis zu 20 Millionen anwachsen können. Grund für die Neuverhandlungen war die obskure Knöchelverletzung, die Cespedes sich im Mai 2019 auf seiner Ranch zugezogen hatte – offenbar beim Reiten oder einer ähnlichen Aktivität, die er nicht hätte ausführen dürfen, während er sich gerade von einer anderen Verletzung erholen sollte.

Weitere Neuverpflichtungen
Die oben noch nicht erwähnten Spielerverpflichtungen dieser Woche gibt es wie gewohnt im Telegrammstil: OF Kole Calhoun (Arizona Diamondbacks, 2 Jahre, 16 Millionen Dollar + 1 Jahr Klub-Option), SP Julio Teheran (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 9 Millionen), C Martin Maldonado (Houston Astros, 2 Jahre, 7 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr, 6,25 Millionen), 1B C. J. Cron (Detroit Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), SS Jonathan Schoop (Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), RP Sergio Romo (Minnesota Twins, 1 Jahr, 5 Millionen + 1 Jahr Klub-Option), 3B Maikel Franco (Kansas City Royals, 1 Jahr, 3-4 Millionen leistungsabhängig), RP Tyler Clippard (Twins, 1 Jahr, 2,75 Millionen).

Posted in Grand Slam, Minor Leagues, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

April 26th, 2018 by Silversurger

Die MLB-Saison ist noch jung und doch ist sie für fast ein Drittel der Teams bereits gelaufen. Klingt hart, ist aber so – jedenfalls, wenn man den in der Regel recht guten Prognosen von Fangraphs Glauben schenkt. Laut selbigen ist nach vier Wochen MLB bereits für neun der 30 Teams die Wahrscheinlichkeit für eine Playoff-Teilnahme auf ein Prozent oder weniger gesunken. Das ist schade für die Rays, Orioles, Tigers, Royals, White Sox, Rangers, Marlins, Reds und Padres. Es erleichtert ihnen aber andererseits, ihre Mühen und Planungen klar auf die längerfristige Entwicklung ihrer Teams auszurichten, was die meisten von ihnen ohnehin schon tun. Zum Vergleich: 2017 waren zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Teams so früh schon so deutlich abgeschrieben, die Padres und die Reds. 2018 geht die Schere also bislang deutlich schneller auseinander als im letzten Jahr und übrigens auch in den Vorjahren. Zum Glück sehen wir auf der anderen Seite der Tabellen aber auch einige sicher noch lange und enge Rennen um die Divisionen, sodass trotz der ungwohnt zahlreichen „Non-Contender“ für Spannung gesorgt ist. Insbesondere in der National League haben wir die interessante Situation, dass die Favoriten aller drei Divisionen mehr oder weniger einen Fehlstart hingelegt haben und nun schauen müssen, wie sie sich langsam wieder nach oben arbeiten.

National League
Auf die National League East trifft die Sache mit dem spannenden Rennen jedenfalls voll und ganz zu. Abgesehen von den Miami Marlins (7-17) machen sich hier alle Teams zurzeit berechtigte Hoffnungen, es in die Postseason zuschaffen. Da haben wir zunächst die New York Mets (15-7), die nach dem sehr starken Beginn zuletzt etwas nachgelassen haben. Insbesondere Matt Harvey und Steven Matz erlaubten sich schwache Starts, Harvey wurde sogar in den Bullpen herabgesetzt und ist damit alles andere als glücklich. Der von einer Verletzung zurückkehrende Justin Vargas soll das Loch in der Rotation stopfen. Sollten die Mets weiter schwächeln, stehen die Philadelphia Phillies (15-8) und die Atlanta Braves (13-10) schon bereit, um in die entstehende Lücke vorzustoßen. Beide spielen eine überraschend gute Saison und weisen mit +31 bzw. +27 bereits deutlich bessere Run Differentials auf als die Mets (+9). Die Braves erhoffen sich einen weiteren Schub durch ihr frisch im MLB-Kader angekommenes Top-Talent, den Outfielder Robert Acuna. Und dann gibt es da noch die Washington Nationals (11-14), die immer noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und gerade eine Serie gegen die San Francisco Giants verloren haben, auf lange Sicht aber nach wie vor als Favorit auf den Divisionssieg gelten.

Die Parallele zur NL East ist unübersehbar, denn auch in der NL Central versteckt sich der Favorit, die Chicao Cubs (11-10) bislang auf dem vierten Platz. Und auch hier steht dahinter nur ein komplett hoffnungsloses Team, die Cincinnati Reds (5-19). Die Mannschaft der Stunde sind eindeutig die Milwaukee Brewers (16-9) mit derzeit acht Siegen am Stück. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass diese acht Siege gegen die Reds, die Marlins und die Royals eingefahren wurden, also gegen die wohl schlechtesten drei Teams der Liga. Umso mehr freue ich mich, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Cubs und den Brewers ansteht, die sicher dabei hilft, die Stärkenverhältnisse in der Division besser zu beurteilen. Mittlerweile nur noch Dritter sind die Pittsburgh Pirates (13-11), die einen furiosen Start hatten, dann aber von den letzten neun Spielen sieben verloren. Auch ihnen steht ein echter Härtetest bevor, denn am Wochenende müssen sie dreimal gegen die St. Louis Cardinals (14-9) ran, die ihrem Run Differential von +34 nach das aktuell stärkste Team der NL stellen.

In der NL West finden wir den Favoriten einen Platz höher als in den beiden anderen Divisionen, aber zufrieden werden die Los Angeles Dodgers (11-12) damit sicher nicht sein. Zuletzt verloren sie zweimal hintereinander gegen die Marlins, unter anderem einen Start von Clayton Kershaw. Wobei Kershaw und die anderen Starter – außer vielleicht Rich Hill – kaum Schuld tragen an den enttäuschenden Ergebnissen der ersten vier Saisonwochen. Es sind vielmehr der Bullpen und die Offensive, die bislang nicht mehr als mittelmäßige Leistungen bringen und somit weit weniger als es den Ansprüchen in Los Angeles entspricht. Nutznießer davon sind bislang vor allem die Arizona Diamondbacks (16-7), deren Siegquote von 69,6% NL-Spitze ist. Beeindruckend ist vor allem das Pitching der Diamondbacks, das so wenige Runs (73) zugelassen hat wie kein anderes NL-Team. Sehr viele Runs mehr, nämlich 130, haben die Colorado Rockies (14-12) zugelassen. Das ist in Colorado ein Stück weit normal, doch mit 111 erzielten Runs und somit einem Run Differential von -19 trotzdem bei einer positiven Bilanz zu stehen, hat auch mit Glück zu tun, das man bekanntlich selten auf Dauer hat. Die San Francisco Giants (11-13) stehen beispielsweise mit genau dem gleichen Run Differential zwei Plätze weiter hinten. Anders als bei den Rockies ist es bei den Giants vor allem die Offense, die ihrem Job nicht gerecht wird; 76 Runs sind mit Abstand die wenigsten in der NL und auch MLB-weit haben nur die Royals (72 Runs) weniger gescort, allerdings mit zwei Spielen weniger.

American League
Die Boston Red Sox (18-5) sind immer noch das stärkste Team der MLB – sie haben die meisten Siege, die höchste Siegquote (78,3%), die zweitmeisten erzielten (131) sowie die zweitwenigsten erlaubten (67) Runs und das mit Abstand beste Run Differential (+64) der Liga. Und doch hat die Dominanz der Red Sox in den letzten Tagen einige deutliche Risse bekommen. Der Knackpunkt war der No-Hitter durch die Athletics (siehe „Spiel der Woche“), nach dem auch das nächste Spiel gegen die A’s und anschließend ein weiteres gegen die Toronto Blue Jays (14-9) verloren wurde. Letzte Nacht sah es in Toronto erneut nicht gut aus für die Red Sox, die aber dank der Einzelleistung von Mookie Betts mit zwei Homeruns knapp als Sieger vom Platz gingen. Nachdem die Red Sox nach ihrem Wahnsinns-Start also wieder etwas geerdet sind, wird es in der American League East richtig interessant. Außer den Blue Jays haben nun auch die New York Yankees (14-9) mit zuletzt fünf Siegen am Stück die Verfolgung voll aufgenommen. Fünf Siege hintereinander haben übrigens auch die Tampa Bay Rays (9-13) geschafft und nebenbei letzte Nacht eine der interessanten Storys der Woche geschrieben: Sechs Jahre und drei Tommy-John-Surgerys nach seinem letzten MLB-Einsatz feierte Pitcher Jonny Venters mit einem Relief-Einsatz gegen die Baltimore Orioles (6-18) sein Comeback. Es war ein kurzer, aber erfolgreicher Auftritt, in dem Venters sein Gegenüber Chris Davis in vier Pitches zu einem Groundout brachte.

Die Cleveland Indians (13-9) tun das, was sie schon die ganze Saison über tun: in der Offense nur das Allernötigste, aber gerade genug, um auf der Basis hervorragenden Pitchings die Mehrzahl der Spiele zu gewinnen. Das tun sie in der AL Central derzeit relativ konkurrenzlos, denn mit den Detroit Tigers (10-12), den Chicago White Sox (5-16) und den Kansas City Royals (5-17) ist dieses Jahr generell kaum zu rechnen und nun sind auch noch die Minnesota Twins (8-11) mit sechs Niederlagen am Stück massiv abgestürzt. Nach je drei Niederlagen bei den Rays und den Yankees müssen sie heute noch einmal in New York antreten und sind dann sicher froh, diesen Auswärtstrip hinter sich zu haben. Zu Hause geht es am Wochenende gegen die Reds, die sich als Aufbaugegner für das schwächelnde Batting der Twins eignen könnten. Eine erschütternde Geschichte gibt es aus Chicago zu vermelden: Danny Farquhar, Reliever der White Sox, ist am Freitag während des Spiels gegen die Astros plötzlich bewusstlos zusammen gebrochen. Glücklicherweise wurde er schnell medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnblutung nach einem geplatzten Aneurysma festgestellt und operiert wurde. Die OP ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, Farquhar ist nach Auskunft der Ärzte ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen.

Puh, wie leitet man nach so einer Nachricht am besten zurück zum sportlichen Geschehen in der AL West? Ich schätze, das geht nur mit einem harten Cut. Die Houston Astros (17-9) sehen in jeder Hinsicht aus wie das Championship-Team, das sie sind. Vom berüchtigten World Series Hangover gibt es keine Spur, die Offense schnurrt ebenso reibungslos wie das Pitching. Wenn der viertbeste Starter eines Teams Dallas Keuchel heißt und einen ERA von 3.10 aufweist und der sechstbeste Reliever Brad Peacock mit einem ERA von 2.84, dann läuft in Houston offenbar eine ganze Menge richtig. Eines ist allerdings anders als letztes Jahr: Während der Divisionssieg der Astros 2017 quasi von Anfang an ein Selbstläufer war, gibt es in dieser Saison unübersehbar Konkurrenz. Insgesamt vier Teams der AL West haben eine positive Bilanz, nach den Astros allen voran die Los Angeles Angels (16-9), die auch gerade eine Serie in Houston mit 2:1 entführen konnten. Ebenfalls positiv stehen die Seattle Mariners (13-10) und völlig unerwartet die Oakland Athletics (13-12), die acht ihrer letzten zehn Spiele für sich entschieden. Ich rechne zwar sowohl bei den Mariners als auch bei den Athletics damit, dass sie sich mittelfristig unter .500 einpendeln werden, aber ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, mich von ihnen weiterhin überraschen zu lassen. Eine Überraschung wäre auch, wenn die Texas Rangers (9-17) in diesem Jahr noch mal ein Bein auf den Boden bekämen. Nach einem ohnehin schwachen Saisonbeginn musste nun nach SS Elvis Andrus und 2B Rougned Odor auch noch ihr Star-3B Adrian Beltre mit einer Oberschenkelverletzung auf die Verletztenliste.

Szene der Woche
Diese Kategorie zu füllen, fällt mir regelmäßig am schwersten, weil bei über 90 Spielen pro Woche immer eine Riesenauswahl an tollen Szenen besteht. Unbedingt eine Erwähnung verdient hat diese Woche auf jeden Fall das Triple Play der Mariners gegen die Astros mit freundlicher Unterstützung von Evan Gattis. Bartolo Colon ist sowieso immer für ein Highlight gut, dieses Mal indem er ein Wettrennnen gegen Dee Gordon, einen der schnellsten Spieler der MLB, gewinnt. Die sehenswerteste Szene war für mich jedoch der Single von Ronald Torreyes im Spiel seiner Yankees gegen Toronto vom Freitag. Statistisch sollte man den Hit eigentlich nicht Torreyes gut schreiben, sondern seinem Bat, denn dieser hat den Job ganz allein erledigt, nachdem er seinem Träger aus der Hand gerutscht war

Statistik der Woche 
21. So viele Pitches sah Giants-1B Brandon Belt am Sonntag in einem At-Bat gegen Angels-Pitcher Jaime Barria. Das war das längste At-Bat seit mindestens 30 Jahren, vielleicht das längste aller Zeiten – vor 1988 gab es keine so exakten Aufzeichnungen. Belt lag im Count relativ schnell mit 1-2 zurück, foulte den Ball dann 16-mal weg, zwischendurch ließ er noch zwei Balls passieren. Erst den 21. Pitch, einen mittelhohen Inside-Fastball, schlug Belt ins Spiel und schied aus, indem Kole Calhoun den Ball im Rightfield aus der Luft fing.

Spiel der Woche
Die Saison 2018 hat ihren ersten No-Hitter und es ist einer für die Geschichtsbücher: Denn die Red Sox waren von ihrer Siege-Niederlagen-Bilanz her das beste Team, das im modernen Baseball je einen No-Hitter gegen sich hinnehmen musste. Obendrein waren die Red Sox das Team mit der zweitlängsten Serie ohne No-Hitter gegen sich. Vor 25 Jahren waren sie das letzte Mal ohne Hit geblieben. Länger ist es mit fast 27 Jahren nur bei den Oakland Athletics her – ausgerechnet bei den Athletics, die am Sonntag auf der anderen, der guten Seite des No-Hitters stehen durften. Einen interessanten Fakt habe ich noch: Sonnntag war das erste Mal seit 1990, dass ein Team ge-nohittet wurde, während es die MLB in erzielten Runs anführte. Der Pitcher, der damals gegen die Blue Jays den No-Hitter einfuhr: Dave Stewart von den Oakland Athletics. Dieses Mal war es Sean Manaea, der sich die für jeden Pitcher ganz besondere Auszeichnung ans Revers heften darf, in einem kompletten Spiel keinen einzigen Hit zugelassen zu haben. Zweimal hatte er dabei Glück mit – völlig vertretbaren – Entscheidungen der Scorer und der Umpires: zuerst im fünften Inning, als Sandy Leon die erste Base nach einem Drop von Marcus Semien erreichte und dieser als Error gewertet wurde; dann im sechsten, als Andrew Benintendi zunächst ein Single zugerechnet wurde, die Review aber doch ein Out ergab, weil er den Basepfad verlassen hatte, um einem Tag zu entgehen.

Mein Einschalttipp
In Washington läuft über das Wochenende eine interessante Serie, wenn die Nationals auf die Arizona Diamondbacks treffen. Die beiden Teams haben bislang auf unterschiedliche Weise überrascht: die Diamondbacks im positiven, die Nationals im negativen Sinne. Gelingt es den Nationals, in den drei Heimspielen den Knoten in ihrer Offense zum Platzen zu bringen, ausgerechnet gegen den pitchingstarken Gegner? Es geht in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1:05 Uhr unserer Zeit gleich mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Zack Godley und Stephen Strasburg los, das ihr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen könnt. Falls ihr in der Nacht lieber schlaft (oder noch gar nicht zu Hause seid?): Die beiden anderen Spiele der Serie kommen zu deutlich europafreundlicheren Zeiten am Samstag (22:05 Uhr) und – erneut auch auf DAZN – am Sonntag (19:35 Uhr).

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,