Dezember 6th, 2018 by Silversurger

Es ist mir jetzt fast ein bisschen peinlich, dass ich letzte Woche an dieser Stelle von „Saure-Gurken-Zeit“ gesprochen habe. Damit lag ich völlig daneben, denn auf dem Trade- und Free-Agent-Markt der MLB haben sich in den letzten Tagen die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei haben noch nicht mal die Winter Meetings angefangen. Das jährliche Treffen von Repräsentanten aller 30 Teams findet ab dem kommenden Samstag für vier Tage in Las Vegas statt. Traditionell ist das die Gelegenheit, bei der die großen Deals besprochen werden. Dieses Jahr hat sich einiges schneller entwickelt, zu einem guten Teil angetrieben durch Jerry Dipoto, den trade-eifrigen General Manager der Seattle Mariners. Man darf gespannnt sein, ob es auf den Meetings so handlungsfreudig weitergeht oder ob mit den bereits durchgezogenen Deals das Vehandlungspulver schon weitgehend verschossen ist.

Paul Goldschmidt zu den Cardinals
Ich fange mal an mit dem bisher einzigen Blockbuster-Trade des Jahres, an dem Dipoto und die Mariners nicht beteiligt waren: Paul Goldschmidt, bislang Dreh- und Angelpunkt der Offensive der Arizona Diamondbacks, geht zu den St. Louis Cardinals. Im Gegenzug wechseln Pitcher Luke Weaver, die beiden Minor Leaguer Catcher Carson Kelly und Infielder Andrew Young sowie ein Draftpick für 2019 nach Arizona. Goldschmidt ist eine deutliche Verstärkung für die Cardinals – das wäre er für jedes Team – und wird mit Matt Carpenter ein furchterregendes Duo an den Ecken des Infields bilden. Während St. Louis somit klar den Angriff auf die Spitze der NL Central wagt, scheint man sich bei den Diamondbacks eher in Richtung Neuaufbau zu orientieren. Goldschmidt ist weg, Patrick Corbin (siehe unten) ebenfalls und auch A. J. Pollocks ausgelaufener Vertrag wird wohl nicht verlängert werden.

Mets ertraden Cano und Diaz
Angefangen hatte die Woche mit dem ersten großen Trade der Seattle Mariners seit James Paxton, also seit rund zwei Wochen. Die New York Mets verstärken sich mit Second Baseman Robinson Cano und Closer Edwin Diaz. Dafür gehen Outfielder Jay Bruce, Reliever Anthony Swarzak sowie die drei Pitcher-Talente Jarred Kelenic, Justin Dunn und Gerson Bautista nach Seattle. Cano ist auf seiner Position einer der besten Spieler aller Zeiten, allerdings ist er schon 36 Jahre alt, saß dieses Jahr eine Dopingsperre ab und bringt noch fünf Jahre Vertragslaufzeit über 120 Millionen Dollar mit. Um die Kosten und das Risiko stemmen zu können, waren die Mets froh, mit Bruce und Swarzak zwei Spieler abgeben zu dürfen, die ebenfalls relativ teure Verträge haben und zuletzt die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Zudem übernehmen die Mariners noch 20 Millionen Dollar von Canos Gehalt. Die drei Prospects, vor allem Kelenic, dürften den Mets mehr weh getan haben als Bruce und Swarzak. Immerhin erhalten sie dafür mit Diaz den zurzeit besten Closer der Liga, der zudem erst 24 Jahre alt ist und noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht.

Phillies sichern sich Segura
Nachdem sich letzte Woche die Atlanta Braves mit Josh Donaldson und Brian McCannn und diese Woche die Mets mit Cano und Diaz verstärkt hatten, wollten die Philadelphia Phillies nicht zurück stehen. Sie haben daraufhin ebenfalls einen Deal mit Seattle eingefädelt, der ihnen All-Star-Shortstop Jean Segura sowie die beiden Reliever Juan Nicasio und James Pazos einbringt. Die Mariners erhalten dafür First Baseman Carlos Santana und Shortstop J. P. Crawford. Aus sportlicher Sicht ergibt dieser Trade kaum Sinn für die Mariners – es geht für sie letztlich einzig um gesparte Gehälter. Wenn man den Vertrag von Santana gegenrechnet, ergibt sich für Seattle eine Ersparnis von über 30 Millionen Dollar.

Colome zu den White Sox getradet
Und gleich noch einer, der von der Gehaltsliste der Mariners gestrichen werden kann: Reliever Alex Colome geht von Seattle zu den Chicago White Sox. Für ihn bekommen die Mariners Catcher Omar Narvaez. Narvaez ist ein Ergänzungsspieler, der noch bis 2022 unter Teamkontrolle steht und 2019 das Mindestgehalt der MLB verdienen wird – es handelt sich also um einen weiteren Trade, der von Seattles Seite primär der Kostenreduktion dient.

Nationals holen Corbin und Gomes
Im Windschatten der aufsehenerregenden Trades dieser Woche haben die Washington Nationals sich das bisher größte Free-Agent-Signing der Offseason geleistet. Der linkshändige Starting Pitcher Patrick Corbin, in meinem Free-Agent-Ranking auf Platz drei, unterschreibt einen Sechsjahresvertrag über 140 Millionen Dollar. Die Nationals überraschen mit diesem Move. Eigentlich hatten einige Anzeichen dafür gesprochen, dass sie zu einem Rebuilding tendieren und in der NL East für die nächsten zwei, drei Jahre den Braves, den Phillies und vielleicht den Mets das Feld überlassen. Die Verpflichtung von Corbin spricht eine andere Sprache und ebenso, dass die Nationals zudem Catcher Yan Gomes für zwei Prospects von den Cleveland Indians ertradet haben. Mit vier Teams, die an die Spitze streben, könnnte die NL East die interessanteste Division der kommenden Saison werden.

Ein neuer Catcher für die Astros
Auch die Houston Astros haben sich einen neuen Catcher gegönnnt: Robinson Chirinos erhält einen Vertrag über ein Jahr und 5,75 Millionen Dollar. Chirinos ist als mittelmäßiger Batter und defensiv unterdurchschnittlicher Catcher eher der Typ Ergänzungsspieler. Für den Moment darf er sich als Teil der Startaufstellung fühlen, denn die Catcher aus dem letzten Jahr – Brian McCann, Martin Maldonado und Evan Gattis – wurden allesamt nicht weiter verpflichtet.

Garrett Richards zu den Padres
Die San Diego Padres investieren für das Jahr 2020, indem sie Pitcher Garrett Richards (bisher bei den Los Angeles Angels) einen Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar geben. Das ist eine Menge Geld für einen 30-Jährigen mit ausführlicher Verletzungsgeschichte, der 2019 voraussichtlich kein Spiel absolvieren wird, nachdem er im Juli eine Tommy-John-Surgery hatte. Es ist eine Verpflichtung mit hohem Risiko, aber auch mit hohen Chancen. Denn immer wenn Richards gesund war, hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Pitcher ist, der einem Team weiterhelfen kann.

Einige neue Free Agents
Üblicherweise steht man als Spieler in den ersten sechs Jahren seiner MLB-Karriere unter Teamkontrolle. Drei Jahre lang verdient man in der Regel das Minimum, danach wird das Gehalt im sogenannten Arbitration-Verfahren ausgehandelt – es sei denn, der Verein hat kein Interesse, den Spieler weiter zu beschäftigen. Letzten Freitag endete der Zeitraum, in dem die Teams entscheiden mussten, welchen Spielern im vierten bis sechsten Jahr sie einen Vertrag anbieten. Jene, die kein Angebot bekommen haben, sind nun Teil des Free-Agent-Marktes. Unter ihnen sind keine ganz große Namen, aber doch ein paar Überraschungen. 2B Jonathan Schoop (zuletzt Brewers), OF Billy Hamilton (Reds), IF Yangervis Solarte (Blue Jays), IF Wilmer Flores (Mets), P Mike Fiers (Athletics) und 1B Justin Bour (Phillies) sind die bekanntesten unter den „non-tendered“ Free Agents, die nun auf der Suche nach einem neuen Team sind.

Dodgers verlängern mit Dave Roberts
Nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander waren Zweifel aufgekommen, ob die Los Angeles Dodgers an ihrem Manager Dave Roberts festhalten würden. Die Dodgers zogen dann aber doch zunächst die Option auf ein weiteres Jahr und nun haben sie sich mit Roberts auf eine langfristige Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt: Vier Jahre, also bis einschließlich zur Saison 2022, soll der 46-Jährige im Amt bleiben. Die finanziellen Konditionen der Einigung wurden bisher nicht bekannt.

Eovaldi bleibt in Boston
Quasi in letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass auch die Nummer sieben meiner Free-Agent-Liste, Nathan Eovaldi, einen neuen Vertrag in der Tasche hat. Der Pitcher bleibt bei den Boston Red Sox, mit denen er gerade die World Series gewonnen hat. Der Vertrag läuft wohl über vier Jahre und 67,5 Millionen Dollar.

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Mai 31st, 2018 by Silversurger

Beim Blick auf den aktuellen Stand der Dinge in der MLB fällt vor allem eines ins Auge: In der American League besteht eine massive Kluft zwischen einer Menge sehr starker und sehr schwacher Teams, die National League hingegen ist viel ausgeglichener. In der NL gibt es zum Beispiel neun Teams, die eine Siegquote zwischen .500 und .600 aufweisen und somit ein solides Mittelfeld verkörpern. In der AL fallen lediglich zwei Teams in dieses Fenster, alle anderen stehen besser oder schlechter da. Die zwei bislang erfolgreichsten Mannschaften der MLB – die Red Sox und die Yankees – sind ebenso AL-Teams wie die beiden schwächsten – die Orioles und die White Sox.

Die Zeit der großen Trades kommt in der MLB meist erst gegen Ende Juli. Einen nennenswerten  Handel gab es aber bereits diese Woche und natürlich waren die Seattle Mariners beteiligt – unter General Manager Jerry Dipoto schon lange das tradefreudigste Team der Liga. Dieses Mal strecke Dipoto seine Fühler in Richtung Tampa Bay aus mit dem Ziel, den Bullpen mit Alex Colome und die Tiefe des Outfields mit Denard Span zu stärken. Die Rays akzeptierten und erhielten im Gegenzug die beiden Minor-League-Pitcher Andrew Moore und Tommy Romero. Den Rays ist damit auf dem Weg geholfen, ihren Kader weiter zu verjüngen und etwas Geld zu sparen – Geld, das die Mariners vor allem wegen der Doping-Sperre von Robinson Cano übrig hatten.

American League
Obwohl der gerade geschilderte Trade dafür spricht, dass die Tampa Bay Rays (28-26) sich weiterhin als Rebuilding-Team sehen, stehen sie in der American League East überraschend solide da – insbesondere nach der jüngsten Serie von fünf Siegen gegen die Baltimore Orioles (17-39) und die Oakland Athletics. Die Rays haben sich inzwischen auf Platz drei der Division festgesetzt mit immerhin schon vier Spielen Vorsprung vor den Toronto Blue Jays (28-31). Natürlich sind da noch zwei andere Teams in der Division, aufgrund derer die Rays sich kaum großen Träumen hingeben werden: Die Boston Red Sox (39-17) sind nach wie vor das Maß der Dinge in der MLB und führen dennoch nur knapp, da mit den New York Yankees (35-17) auch das zweitbeste Team der Liga in der AL East zu Hause ist. Die Yankees haben übrigens gerade eine Serie gegen das dritte Top-Team der AL, die Houston Astros, 2:1 gewonnen. In den nächsten Tagen bekommen es nun die Red Sox mit den Astros zu tun, während die Yankees mit den Orioles eine vermutlich leichtere Aufgabe haben.

Deutlich geringer als in der AL East ist die Leistungsdichte in der AL Central. Es sieht zunehmend nach einem Alleingang der Cleveland Indians (29-25) aus, die sowohl als einzige in der Division eine positive Sieg-Niederlagen-Bilanz aufweisen als auch als einzige ein positives Run Differential (+38). Die Minnesota Twins (22-29) werden nach wie vor nicht der ihnen zugedachten Rolle gerecht, mit den Indians um den Gruppensieg zu wetteifern. Nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind die Twins sogar hinter die Detroit Tigers (25-30) zurück gefallen. Wenn sie die Saison in irgendeiner Weise spannend gestalten wollen, dann muss jetzt dringend eine Siegesserie her und zwar gegen die Indians – ab heute bis Sonntag gibt es viermal die Gelegenheit. Danach steht für Max Kepler und Co. eine weitere Vier-Spiele-Serie an gegen das derzeit schwächste Team der MLB, die Chicago White Sox (16-37).

Die fehlende Spannung in der AL Central wird ausgeglichen durch die überraschend interessante AL West. World Champion Houston Astros (35-22) steht zwar erwartungsgemäß vorne und das überragende Run Differential von +123 spricht dafür, dass dies auch vollkommen gerechtfertigt ist. Doch die Seattle Mariners (33-22) bleiben konstant dran und in den kommenden zwei Spielen zwischen Houston und Seattle am Dienstag und Mittwoch könnte es durchaus um die Divisionsführung gehen. Die Los Angeles Angels (30-26) haben in den letzten Tagen ein paar Niederlagen gegen die Yankees und die Tigers einstecken müssen, spielen ansonsten aber auch eine starke Saison und dürften gute Aussichten haben, diese Woche gegen die Texas Rangers (24-34) sowie gegen die Royals wieder ein paar Erfolge einzufahren. Die gleichen Gegner in umgekehrter Reihenfolge erwarten die Oakland Athletics (28-28), die ebenfalls zu den positiven Überraschungen der bisherigen Saison gehören, zuletzt aber drei teils knappe Spiele gegen die Rays verloren.

National League
In die National League East scheint nach turbulentem Beginn inzwischen die ursprünglich erwartete Normalität Einzug zu halten. Jedenfalls stehen nach sechs Siegen in Folge heute erstmals in diesem Jahr die favorisierten Washington Nationals (32-22) vorne. Schützenhilfe gab es dabei vom Erzrivalen New York Mets (27-26), der den Atlanta Braves (32-23) einen Split abtrotzte, während die Philadelphia Phillies (30-23) zwei von bislang drei Spielen an die Los Angeles Dodgers abgaben. Die aktuelle Ausgangslage mit nur einem halben Spiel zwischen Washington und Atlanta bietet die perfekte Bühne für die ab heute anstehende Vier-Spiele-Serie zwischen den Braves und den Nationals. Da werde ich auf jeden Fall mal reinschauen, wobei ich persönlich natürlich hoffe, dass sie sich die Punkte derart teilen, dass es am Ende den Mets zugute kommt.

Die Tendenz, dass sich aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen der NL Central die Milwaukee Brewers (36-21) mehr und mehr abheben, hat sich in den letzten Tagen weiter fortgesetzt. Gegen die Mets und die St. Louis Cardinals (29-24) gewann man die letzten Serien und nun steht mit den White Sox eine sehr lösbare Aufgabe an. Viereinhalb Spiele Vorsprung haben die Brewers nun schon auf die Chicago Cubs (29-23) und fünf auf die Cardinals. Ein bisschen an Boden verloren haben die Pittsburgh Pirates (29-26), die ihre Heimserien gegen die Cubs und die Cardinals diese Woche jeweils 1:2 abgeben mussten. Eine direkte Revanche ist aber möglich, denn die Pirates sind ab heute für vier Tage in St. Louis.

Die NL West befindet sich in einer Art Übergangszustand: Vorne stehen immer noch die Colorado Rockies (30-26) vor den Arizona Diamondbacks (28-27), doch beide konnten nach dem starken Saisonstart zuletzt nicht mehr überzeugen und die Tendenz geht klar in Richtung einer fortgesetzten Aufholjagd der Los Angeles Dodgers (26-29): Zehn von dreizehn Spielen haben die Dodgers zuletzt gewonnen, am Wochenende kommt es zum direkten Duell bei den Rockies und als ganz großer Hoffnungsträger kehrt Clayton Kershaw voraussichtlich heute zurück auf den Mound. Ein paar Tage länger müssen die San Francisco Giants (26-30) noch auf ihr Ass Madison Bumgarner verzichten, doch im Laufe der nächsten Woche wird auch er sein Comeback geben und mit ihm beziehungsweise kurz davor auch Joe Panik, Hunter Pence, Alen Hanson und Mark Melancon. Ich bin gespannt, ob die Giants mit all den Verstärkungen von der eigenen Verletztenliste nun ebenfalls eine Erfolgsserie beginnen können. Das Tabellenbild der NL West könnte relativ schnell komplett anders aussehen, nur die San Diego Padres (24-33) werden schätzungsweise da bleiben wo sie sind.

Szene der Woche
Ich teile diese Kategorie mal wieder ein bisschen auf: Der Preis für die kurioseste Szene der Woche geht an Royals-Catcher Salvador Perez und das Gesicht von Shin Soo Choo von den Rangers, deren Zusammenwirken ermöglichte, Choos Teamkollegen Delino DeShields beim Stealing zu erwischen. Die hässlichste Szene war definitiv der heimtückische Slide – man kann es auch eine Blutgrätsche nennen – von Anthony Rizzo gegen Pirates-Catcher Elias Diaz. Statt einer Strafe wurde diese Aktion mit einem Error und zwei Runs belohnt, die im achten Inning der Partie die Vorentscheidung bedeuteten. Die lustigste Szene war die Gänsejagd in Detroit. Und die sympathischste Szene der Woche war für mich die Reaktion von Astros-Pitcher Justin Verlander auf das Buh-Konzert, das die Zuschauer im Yankee Stadium ihm bereiteten. Verlander ist zurzeit die Souveränität in Person, egal ob auf dem Mound oder auf dem Weg in den Dugout.

Statistik der Woche 
18,0. Das ist der K/9-Wert von Brewers-Reliever Josh Hader. Der Indikator drückt aus, wie viele Strikeouts ein Pitcher je neun Innings erzielt. Hader hat die meisten K/9 von allen MLB-Pitchern, die diese Saison mehr als 2 Innings geworfen haben. Mit bislang 66 Strikeouts steht Hader auch in absoluten Zahlen weit, weit vor allen anderen Relievern. Sein FIP von 1.00 führt ebenfalls die Liga an und auch seine 1.09 ERA sind ein Top-Wert. Wenn Hader dieses Leistungsniveau über das gesamte Jahr hinweg hält, könnte er der erste seit Eric Gagné im Jahr 2003 sein, der als Reliever den Cy-Young-Award erhält.

Spiel der Woche
Die Cleveland Indians und die Houston Astros haben sich am vergangenen Sonntag möglicherweise bereits das Spiel des Jahres geliefert. In den ersten sieben Innings war es das erwartete Pitching-Duell zwischen Gerrit Cole und Trevor Bauer, nach dem die Indians mit 3:2 knapp die Nase vorn hatten. Im achten Inning scorten die Astros sechs Runs, darunter ein 3-Run-Homerun von Evan Gattis, und die Sache schien entschieden. Doch die Achterbahnfahrt ging jetzt erst richtig los: Das neunte Inning begann Jose Ramirez mit einem epischen 17-Pitches-At-Bat, das mit einem Double für den Hitter endete. Sechs Hits und zwei verschlissene Relief-Pitcher später hatte Cleveland das Unwahrscheinliche geschafft und aus einem 3:8-Rückstand ein 8:8 gemacht. Das Spiel ging in die Verlängerung, die erst mal drei scorelose Innings brachte. Im dreizehnten Durchgang sah es zum zweiten Mal an diesem Tag danach aus, dass ein Homerun von Gattis die Entscheidung brachte. Doch der Solo-Shot wurde prompt von Yonder Alonso erwidert und es stand schon wieder unentschieden. Erst im vierzehnten Inning endete der Marathon: Der frisch eingewechselte Brad Peacock durfte für die Astros nur einen einzigen Pitch werfen – den 451. Pitch im Spiel insgesamt –, denn diesen schlug Clevelands Rookie-Outfielder Greg Allen zu seinem ersten Homerun des Jahres und somit zum Walkoff-Sieg über den Zaun.

Mein Einschalttipp
Die Astros haben gerade eine spannende Serie gegen die Yankees hinter sich, nun wartet direkt der nächste Hochkaräter aus der AL East: Von heute bis Sonntag gastieren die Boston Red Sox für vier Spiele in Houston. Normalerweise gehe ich bei meiner Entscheidung, welches Spiel innerhalb einer Serie ich zum Einschalttipp erkläre, danach, wann die Pitching-Asse der Teams am Start sind. Das momentane Ass der gesamten MLB, Justin Verlander, läuft für Houston Samstagnacht um 0:15 Uhr mitteleurpäischer Zeit auf. Aber die Rotation der Astros besteht ja momentan nur aus Assen und das wohl interessanteste Matchup steigt Freitagnacht ab 2:10 Uhr zwischen den beiden Strikeout-Maschinen Gerrit Cole (2.05 ERA, 2.29 FIP, 109 SO) und Chris Sale (2.76 ERA, 2.94 FIP, 104 SO). Leider wird keines der beiden Spiele auf DAZN übertragen, sodass mlb.tv der einzige Weg ist, sie aus Deutschland auf legalem Weg zu verfolgen.

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Mai 17th, 2018 by Silversurger

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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