Oktober 15th, 2018 by Dominik

Es war ein hartes Stück Arbeit und benötigte die volle Länge der Best-of-Five-Serie, aber nun ist es geschafft: Die Bonn Capitals feiern die erste nationale Meisterschaft in ihrer Vereinsgeschichte – so sah es jedenfalls gestern Abend aus angesichts von über 2000 ausgelassen jubelnden, tanzenden und trinkenden Fans und Spielern. Einige von ihnen ließen sich gleich vor Ort die ausufernden Playoff-Bärte schneiden. Ob sie damit zu voreilig waren, muss sich angesichts eines ausstehenden Protests noch zeigen.

Die Bonner hatten bereits während der regulären Saison der Bundesliga Nord Historisches geleistet, indem sie diese ungeschlagen mit 40-0 Siegen abschlossen. In den anschließenden Playoffs, die dieses Jahr nur aus Halbfinale und Finale bestanden, machten die Top-Teams aus dem Süden es ihnenn deutlich schwerer als die Nord-Konkurrenz. In beiden Serien gerieten die Capitals zwischenzeitlich 1:2 in Rückstand und waren somit jeweils gezwungen, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen. Eines davon war der jetzt schon legendäre 19-Inning-Marathon mit Maurice Wilhelms perfektem „Spiel im Spiel“ gegen die Regensburg Legionäre.

Ein ganz so spektakuläres Spiel gab es im Finale gegen Titelverteidiger Heidenheim Heideköpfe zwar nicht, aber auch diese Serie war hochspannend: Nach ihrem Auftaktsieg am 3. Oktober unterlagen die Capitals in Heidenheim zweimal deutlich und standen erneut mit einem Fuß über dem Abgrund. Doch einmal mehr demonstrierte Bonn seine enorme Heimstärke und gewann die beiden entscheidenden Partien mit 4:2 und 7:5. In beiden Spielen gab es mehrere Führungswechsel, aber am Ende hatten die Capitals jeweils rechtzeitig die Nase vorn, um auf das Nachschlagen im unteren neunten Inning verzichten zu können.

Dass noch ein kleines Fragezeichen hinter der Meisterschaft der Bonn Capitals steht, liegt an einer Szene aus Spiel vier: Beim Stand von 2:1 für Heidenheim im siebten Inning wurde Bonns Shortstop Eric Brenk von einem der Umpires versehentlich am Wurf zur Homeplate gehindert. Dadurch kam ein weiterer Heidenheimer Runner über die Platte, doch die Schiedsrichter entschieden auf „dead ball“ und gaben den Punkt nicht. Gegen diese Entscheidung legten die Heideköpfe Protest ein. Über den muss das Schiedsgericht des Verbandes erst noch befinden, weshalb die Meisterschaft noch nicht offiziell ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Protest Erfolg hat, dürfte allerdings recht gering sein.

Ich erlaube mir jedenfalls schon jetzt, den Capitals ganz herzlich zu gratulieren. Nach Jahren der Dominanz in der Bundesliga Nord mit vier Nordmeisterschaften hintereinander haben sie sich redlich verdient, auch mal die „große“ Meisterschaft nach Hause zu holen. Besonders gönnt man den Erfolg dem Bonner Spielertrainer BJ Roper-Hubbert, der zuvor bereits angekündigt hatte, seine siebenjährige Tätigkeit bei den Capitals nach der Saison zu beenden und zurück in die USA zu gehen. Mit dem lange ersehnten Titel im Gepäck fällt der Abschied sicher etwas leichter.

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Oktober 11th, 2018 by Dominik

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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September 29th, 2018 by Dominik

Vor zwei Wochen hatten die Bonn Capitals und die Regensburg Legionäre sich noch einen Baseball-Marathon von historischen Ausmaßen geliefert, heute ging es hingegen extrem schnell. Nicht mal ganz eine Stunde dauerte es, das am 26. September wegen Dunkelheit abgebrochene Spiel 5 des Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zu Ende zu spielen, dann durften die Regensburger schon wieder ihre viereinhalbstündige Heimfahrt antreten.

Zu sehen gab es in den verbleibenden knapp vier Innings nichts außer erstklassigem Pitching: Sascha Koch setzte seine begonnene Partie für die Capitals fort und ließ nichts zu außer einem einzigen Walk. Insgesamt brachte er es auf ein Complete Game über 9 Innings mit 3 erlaubten Hits und 2 Runs. Für die Regensburger pitchte ihr Ass Mike Bolsenbroek die 3.2 Innings und ließ nur einen Hit zu. Sein starker Auftritt war vergebens, denn es blieb letztlich bei dem 2:3-Rückstand aus Regensburger Sicht, mit dem das Spiel vor zwei Wochen unterbrochen worden war. 2:3 Siege  war dementsprechend auch das Ergebnis der Halbfinalserie und so stehen die Bonn Capitals zum zweiten Mal in Folge im Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Der Gegner der Capitals ist der gleiche wie im letzten Jahr: Genau wie 2017 wurden die Heidenheim Heideköpfe Südmeister und die Bonn Capitals Nordmeister, genau wie damals stehen sich beide nun in der Endspielserie gegenüber.

Los geht es am kommenden Mittwoch, dem 3. Oktober – wegen der notwendigen Verlängerung des Halbfinales muss der Feiertag dran glauben. Das erste Spiel findet in Bonn statt, das zweite und dritte am kommenden Wochenende (6./7. Oktober) in Heidenheim. Wenn in der Best-of-3-Serie ein viertes und ein fünftes Spiel notwendig werden sollten, finden diese am 13. und 14. Oktober wieder in Bonn statt.

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September 18th, 2018 by Dominik

Ganz ehrlich, wer hat schon mal von Ernie Shore gehört? Mir sagte der Name bisher nichts, aber der gute Herr hat vor etwas mehr als hundert Jahren eine Leistung vollbracht, die bis heute als die beste Rellieve-Appearance der MLB-Geschichte gilt: Am 23. Juni 1917 startete Babe Ruth als Pitcher für die Boston Red Sox gegen die Washington Senators. Er walkte den ersten Batter und flog anschließend vom Platz, weil er sich beim Umpire massiv über dessen Entscheidung beschwerte. An seiner Stelle kam Ernie Shore ins Spiel. Der Runner, den er von Ruth geerbt hatte, wurde bei einem Stealversuch ausgeworfen und Shore arbeitete alle 26 Batter ab, die ihm gegenüber traten, ohne einen weiteren Baserunner zuzulassen. Es war ein perfektes Spiel von ihm, aber es fand keinen Eintrag in die offizielle Liste der Perfect Games, weil ihm dazu eben der eine Batter fehlte, der gegen Ruth den Walk hatte.

Warum erzähle ich uralte Geschichten aus Amerika, obwohl es hier eigentlich um die Bundesliga gehen soll? Ich möchte damit bei der Einordnung helfen, was für ein unglaubliches Ereignis sich am Sonntag in Bonn zugetragen hat. Es war das vierte Spiel der Halbfinalserie zwischen den Capitals und den Regensburg Legionären. Regensburg hatte zuvor zwei von drei Spielen gewonnen und benötigte somit nur noch einen Sieg, um ins Finale einzuziehen. Bonn brauchte unbedingt den Sieg, um ein fünftes Spiel zu erzwingen. Entsprechend verbissen kämpften beide Teams. Regensburg ging 2:0 in Führung, Bonn konnte kurz vor Schluss ausgleichen und es stand nach neun Innings 2:2. Für die Capitals übernehm ab dem zehnten Inning Maurice Wilhelm den Mound und ihm gelang etwas, was in der MLB (und ziemlich sicher auch in der Bundesliga) noch nie einem Pitcher gelungen ist: Er feuerte volle neun Innings als Reliever, ohne einen einzigen Gegner auf Base kommen zu lassen. Da das Spiel mit ihm als Pitcher weder begann noch endete – nach Inning Nummer 18 stand es immer noch 2:2 – kann die Partie nicht als das zweite Perfect Game der Bundesliga-Geschichte gewertet werden, auch wenn sie einem solchen gleichzusetzen ist.

Im 19. Inning des besagten Spiels schafften es die Bonner schließlich, den siegbringenden Run nach Hause zu schlagen, nachdem sie zuvor schon in jedem Extra-Inning Runner auf die Bases, aber niemanden über die Platte gebracht hatten. Den Walk-off-Run nach einem Hit von Danny Lankhorst erzielte übrigens – man höre und staune! – Maurice Wilhelm. Mit diesem Spiel hat der MVP der Jahre 2016 und 2017 in der Bundesliga Nord sich sein eigenes Denkmal gesetzt.

Nach einem fünfeinhalbstündigen Marathonduell hat man vermutlich anderes im Sinn, als gleich eine weitere Partie zu beginnen, doch genau das musste am Sonntag in Bonn sein: Durch den Sieg hatten die Capitals die Serie auf 2:2 ausgeglichen und das entscheidende fünfte Spiel war terminiert, direkt im Anschluss an das vierte stattzufinden. Die Legionäre waren damit alles andere als glücklich, da ihnen inzwischen die Pitcher ausgegangen waren und es ohnehin absehbar war, dass das Spiel wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht zu Ende gespielt werden konnte. Doch die Partie wurde um 18 Uhr begonnen und bis zur unteren Hälfte des fünften Innings gespielt. Bonn war zum Zeitpunkt des Abbruchs gerade 3:2 in Führung gegangen und hatte noch zwei Runner auf den Bases. Mit genau dieser Spielsituation wird das Spiel fortgesetzt, allerdings erst zwei Wochen später, am 29. September. Ein Termin am kommenden Wochenende war nicht möglich, da in Bonn die Deutsche Meisterschaft der U15-Jugend stattfindet. Aus diesem Grund entschied der DBV, den Beginn der Finalspiele um die Deutsche Meisterschaft vom 29./30. September auf den 3. Oktober zu verlegen.

Ganz entspannt können sich auf diese Spiele die Heidenheim Heideköpfe vorbereiten. Der Meister der Bundesliga Süd wurde in seiner Halbfinalserie der Favoritenrolle gegen die Solingen Alligatos gerecht und brachte sie mit glatten 3:0 Siegen über die Bühne. Spiel eins (9:8) war noch eine knappe Angelegenheit, die Spiele zwei (11:0) und drei (15:0) wurden von den Heideköpfen so überlegen geführt, dass sie schon nach sieben Innings durch die 10-Run-Gnadenregel endeten.

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August 13th, 2018 by Dominik

Ich kann nicht behaupten, ein Fan des neuen Modus sein, nach dem die Baseball-Bundesliga dieses Jahr zum ersten Mal spielt. Sowohl die letztes Jahr erst eingeführte Interleague-Runde als auch die Playoff-Viertelfinals wurden abgeschafft und durch eine längliche Zwischenrunde ersetzt. In dieser bleiben Nord und Süd wie in der regulären Saison streng voneinander getrennt, und am Ende ziehen nur die Erst- und Zweitplatzierten der beiden Ligateile in die verkürzten Playoffs ein. Meine Befürchtung war, dass in weiten Teilen der Liga sehr früh Langeweile einkehrt, weil es für viele Teams wochen- oder gar monatelang quasi um nichts mehr geht. In Teilen hat sich diese Befürchtung bewahrheitet, aber zum Glück sind am vergangenen Wochenende fast alle Spiele genau so ausgegangen wie sie ausgehen mussten, um doch noch einiges an Spannung zu erhalten.

Sechs Spiele hat jeder noch zu absolvieren (Köln und Hamburg zudem noch ein Nachholspiel) und nur von drei der 16 Bundesligisten kann man behaupten, dass das Jahr für sie komplett gelaufen ist: Die Dohren Wild Farmers (17-17) haben keine realistische Chance mehr auf das Halbfinale, während die Hamburg Stealers (16-17) und die Mannheim Tornados (21-13) in den Abstiegsrunden so weit vorne stehen, dass ihnen nichts mehr passieren kann. Ein bisschen langweilig ist es auch ganz oben in der Tabelle, denn für die Bonn Capitals (34-0) und die Heidenheim Heideköpfe (27-7) sind die Playoffs längst gebucht. Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt, gibt es aber dennoch: Die Capitals werden alles daran setzen, ihre perfekte Saison zu vollenden, und die Heideköpfe brauchen noch einen Sieg, um sich Platz eins und damit einen vermutlich angenehmeren Halbfinalgegner zu sichern.

Der wirklich spannende Bereich der Liga ist der Kampf um die beiden zweiten Halbfinalplätze. Im Norden sind die Solingen Alligators (22-12) den Untouchables Paderborn (23-11) ganz nah auf die Pelle gerückt, indem sie am Wochenende in zwei spannenden Spielen die Wild Farmers sweepten, während Paderborn die beiden erwarteten Niederlagen gegen Bonn kassierte. Am Samstag kommt es zum möglicherweise vorentscheidenden Doubleheader zwischen Solingen und Paderborn.

In der Südstaffel der Bundesliga balgen sich mit den Regensburg Legionären (22-12), den Haar Disciples (21-13) und den Mainz Athletics (20-14) noch drei Teams um den zweiten Platz. Dafür, dass sich jetzt so ein interessantes Bild bietet, sorgten am Wochenende drei hautenge Comeback-Siege: Die Disciples drehten ein 0:3 gegen Heidenheim zum 4:3-Erfolg, die Mainzer überwanden gegen Regensburg gleich zwei Rückstände. Im ersten Spiel lagen die Athletics 0:2 zurück und gewannen am Ende 3:2, im zweiten stand es bis ins siebte Inning hinein gar 3:11, bevor die A’s das scheinbar Unmögliche möglich machten – sie glichen auf 11:11 aus, gerieten im neunten Inning erneut mit zwei Runs in Rückstand und siegten am Ende per Walkoff mit 14:13. Der große Held dieses Wunders von Mainz war Lennard Stöcklin: In Spiel eins gewann der umgeschulte Infielder das erste Complete Game seiner noch jungen Pitcher-Karriere und in Spiel zwei war ausgerechnet er es, der den siegbringenden Hit für die Mainzer erzielte – zu dem es freilich nur deshalb kommen konnte, weil seine Teamkameraden in der Aufholjagd sage und schreibe fünf Homeruns vorgelegt hatten.

Haar und Mainz haben fantastische Leistungen gebracht, um die Spannung im Playoff-Rennen zu erhalten, doch beide stehen immer noch mit dem Rücken zur Wand vor dem anstehenden Doppelspieltag der A’s gegen Heidenheim und der Disciples gegen Regensburg – nicht nur wegen des Tabellenstands, sondern auch, weil beide nach Verletzungen und Abgängen nur noch äußerst dünn mit Pitchern besetzt sind.

Auch im Abstiegskampf der Bundesliga sind noch einige Entscheidungen offen. Die Cologne Cardinals (11-22) haben beim Split gegen die Bremen Dockers (7-27) die Gelegenheit verpasst, ihren Kopf endgültig aus der Schlinge zu ziehen. Das wollen sie nun beim Schlusslicht Berlin Flamingos (5-29) nachholen, was die Bremer wohl mit gemischten Gefühlen betrachten würden: Einerseits wäre dadurch ihre theoretische Möglichkeit auf den direkten Klassenerhalt verloren, andererseits würde es ihre Chancen verbessern, sich wenigstens in die Relegationsspiele zu retten.

Im Süden haben die Stuttgart Reds (10-24) am Wochenende zwei deutliche Siege gegen die Ulm Falcons (6-28) errungen. Das sichert den Reds eine günstige Ausgangsposition vor dem direkten Duell mit dem Tabellennachbarn Saarlouis Hornets (9-23). Zwischen den beiden geht es hauptsächlich um den Relegationsplatz, während Ulm bereits mit einem Bein in der zweiten Liga steht. Zu allem Überfluss müssen die Falcons als nächstes gegen die übermächtig erscheinenden Tornados antreten. Aber vielleicht sind die ja doch nicht so übermächtig oder jedenfalls nicht mehr hundertprozentig motiviert – gegen die Hornets kamen sie zuletzt jedenfalls nicht über einen Split hinaus.

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Juni 12th, 2018 by Dominik

Während in der MLB erst ein gutes Drittel der Spiele absolviert ist, tritt die Baseball-Bundesliga bereits in ihre heiße Phase ein. 20 bis 22 Partien hat jeder Bundesligist schon hinter sich, am 7. Juli werden es 28 und die reguläre Saison damit beendet sein. Spätestens dann steht fest, welche jeweils vier Teams im Norden und im Süden in die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft einziehen, während die restlichen jeweils vier die Abstiegsrunde spielen müssen.

Hinsichtlich der anstehenden Entscheidungen stellen sich die beiden Ligateile zurzeit sehr unterschiedlich dar. Im Norden sind kaum noch Fragen offen: Die Bonn Capitals sind eine Klasse für sich mit einer Bilanz von 22-0. Als weitere Teilnehmer der Zwischenrunde stehen die Dohren Wild Farmers (16-6) bereits fest und auch die Paderborn Untouchables (14-8) und die Solingen Alligators (13-9) sind so gut wie sicher dabei. In der Abstiegsrunde wird man dementsprechend die Hamburg Stealers (9-13), die Cologne Cardinals (5-15), die Berlin Flamingos (4-16) und die Bremen Dockers (3-19) sehen. Ganz uninteressant sind die letzten Spieltage deswegen aber nicht: Am kommenden Wochenende wird es zum Beispiel zwischen Paderborn und Dohren sowie zwischen Bremen und Berlin darum gehen, möglicherweise entscheidende Weichen für die Folgerunden zu stellen.

Die Teams nehmen nämlich in die Meisterschafts- und Abstiegsrunden alle Ergebnisse mit, die sie in der regulären Saison gegen die anderen drei Teilnehmer erzielt haben. Gegen jeden davon spielen sie dann einen weiteren Doppelspieltag. Danach tragen die Erst- und Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunden zwischen Nord und Süd die Halbfinalspiele und schließlich das Finale um die Deutsche Meisterschaft aus. Aus den Abstiegsrunden steigt jeweils der Letzte direkt ab und der Vorletzte muss in die Relegation.

In der Bundesliga Süd geht es weitaus spannender zu als in der Nordstaffel, denn hier ist noch fast gar nichts entschieden. Die Heidenheim Heideköpfe (19-3) hatten zunächst einen ähnlich dominanten Start wie im Norden die Bonner. Doch am Fronleichnamswochenende setzte es in drei Spielen zwei Niederlagen und plötzlich spürt Heidenheim den Atem der Regensburg Legionäre (17-5) im Nacken. Eben diese Legionäre gastieren am kommenden Wochenende in Heidenheim und könnten sich mit zwei Siegen eine geteilte Tabellenführung erstreiten. Im Mittelfeld der Tabelle ist es ein noch heißeres Rennen, denn mit den Haar Disciples (14-8), den Mannheim Tornados (13-9) und den Mainz Athletics (11-9) wetteifern drei gleich gute Teams um zwei Plätze in der Meisterschaftsrunde. Zurzeit belegen die Athletics den undankbaren fünften Platz, aber sie haben ihr Schicksal selbst in der Hand, denn ihr Restspielplan sieht noch je zwei Spiele gegen Haar und Mannheim vor.

Wer von diesen dreien am Ende auf Rang fünf steht, muss an der Abstiegsrunde teilnehmen, wird sich dort aber nicht allzu viele Sorgen machen müssen. Denn mit den Saarlouis Hornets (4-16), den Stuttgart Reds (4-18) und den Ulm Falcons (4-18) stehen auch im unteren Bereich der Tabelle drei Teams gleichauf und diese drei werden es sein, die den Abstieg realistischerweise unter sich ausmachen.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich, dass am vergangenen Wochenende zwei Europapokalwettbewerbe stattgefunden haben, in denen die deutschen Vertreter durchaus beachtliche Ergebnisse erzielten. Die Heidenheim Heideköpfe spielten als Deutscher Meister im European Champions Cup in Rotterdam. Sie verpassten zwar knapp das Halbfinale, fuhren aber Siege gegen die Vertreter der italienischen Liga, A.S.D. Rimini (3:1) sowie T&A San Marino (6:5) ein. Die Heideköpfe haben damit nicht nur einen Achtungserfolg erzielt, sondern auch den deutschen Startplatz für diesen Wettbewerb im nächsten Jahr gesichert. Den Pokal gewann das Heimteam Curaçao Neptunus Rotterdam.

Gleichzeitig waren die Bonn Capitals im tschechischen Ostrava beim Turnier um den CEB-Cup dabei. Ein 7:3-Halbfinalsieg über die Gastgeber brachte Bonn die Finalteilnahme. Im Endspiel unterlag man dann knapp mit 0:2 dem belgischen Meister Borgerhout Squirrels.

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Oktober 15th, 2017 by Dominik

Die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft im Baseball erstreckte sich über die volle Anzahl von fünf Spielen, aber am Ende war das Resultat doch eindeutig: Mit 8:1 holten sich die Heidenheim Heideköpfe einen nie gefährdeten Sieg gegen die Bonn Capitals und sind damit nach 2009 und 2015 zum dritten Mal Deutscher Meister.

Man kann nur herzlich gratulieren und neidlos anerkennen, dass der Titel völlig verdient in Heidenheim gelandet ist: Die Heideköpfe haben souverän die Südmeisterschaft gewonnen, sie haben ebenso souverän die Interleaguerunde gewonnen und auf den letzten Etappen haben sie zuerst den Titelverteidiger Mainz Athletics und dann den Nordmeister Bonn Capitals bezwungen. Anders formuliert: Sie haben sich allen denkbaren Herausforderungen gestellt und jede davon gemeistert.

Der Held des entscheidenden Spiels war Clayton Freimuth. Der Pitcher, der zuletzt meistens als Reliever für die letzten Innings verwendet worden war, bekam dieses Mal den Start und ging über die volle Distanz, in der er nur drei Hits zuließ und zwölf Strikeouts verbuchte. Die offensiven Highlights setzten Mitch Nilsson und Shawn Larry mit je einem Homerun für Heidenheim.

Für die Bonn Capitals lief an diesem Tag nicht viel zusammen, aber über die gesamte Saison betrachtet ist auch die Leistung des Nord- und Vizemeisters aller Ehren wert. Die erste Deutsche Meisterschaft der Capitals war in greifbarer Nähe und angesichts ihrer Dominanz in der Nordstaffel ist wohl fest davon auszugehen, dass mit den Bonnern auch in den nächsten Jahren zu rechnen ist.

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September 26th, 2017 by Dominik

Die Heidenheim Heideköpfe und die Bonn Capitals spielen an den kommenden zwei bis drei Wochenenden den Deutschen Meister im Baseball aus. Somit treffen im Finale der Südmeister und der Nordmeister der regulären Saison aufeinander.

Beide Teams haben die Höchstzahl von fünf Spielen gebraucht, um sich ihrer Halbfinalgegner zu entledigen, beide hinterließen aber im Endeffekt keinen Zweifel, dass sie den Finaleinzug verdient haben. Bonn überzeugte gegen München-Haar vor allem mit enorm starkem Pitching und gewann alle drei Spiele, in denen die Bayern nicht auf ihr eigenes Pitcher-Ass Ryan Bollinger zurückgreifen konnten. Heidenheim besiegte Mainz vor allem mit starker Offensive, wobei auch eine Rolle spielte, dass es den Athletics in den Spielen vier und fünf an gesunden und erfahrenen Pitchern mangelte.

Vom Saisonverlauf her ist es schwer, einen Favorit auszumachen: Beide Teams gewannen ihre Staffel der Baseball-Bundesliga deutlich und von den beiden direkten Aufeinandertreffen in der Interleague-Runde gewann jedes Team eines. In den anderen Interleague-Spielen überzeugten die Heideköpfe etwas mehr als die Capitals, dafür haben diese sich inzwischen mit USA-Rückkehrer Markus Solbach noch einmal deutlich verstärkt.

Die Erfahrung aus den letzten Jahren spricht eher für die Heideköpfe – neun der letzten zehn Meisterschaften gingen an den Süden, zwei davon nach Heidenheim, das in diesem Zeitraum zwei weitere Male im Finale stand. Für die Capitals hingegen wird es die erste Endspielteilnahme seit 1999, als sie den Paderborn Untouchables unterlagen.

Ich denke und hoffe, dass das Finale genauso spannend wird wie die beiden Halbfinal-Runden. Die ersten beiden Partien finden am kommenden Samstag und Sonntag jeweils um 14 Uhr in Heidenheim statt, am Wochenende danach stehen in Bonn die Spiele drei und vier an, ebenfalls um 14 Uhr am Samstag und am Sonntag. Falls ein Spiel fünf notwendig wird, so geht es dafür am 14. Oktober wieder nach Heidenheim. Besuchen werde ich voraussichtlich keines der Spiele; zu einer solchen Reise fehlt mir nach dem Ausscheiden meiner Mainzer Lieblinge ein bisschen der innere Antrieb. Aber ich werde alle Möglichkeiten nutzen, die Spiele aus der Ferne zu verfolgen. Zu diesen Möglichkeiten gehört mindestens das Live-Scoring auf Gamechanger, vermutlich aber auch ein Radiostream auf meinsportradio.de und vielleicht sogar ein Videostream. Auf der Seite der Baseball-Bundesliga wird man das rechtzeitig erfahren.

Nachtrag: Das mit dem Videostream hat sich geklärt, schaut euch einfach Jochens hilfreichen Kommentar unter diesem Artikel an!

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August 14th, 2016 by Dominik

Nun sind es nur noch vier Teams, die sich Hoffnung auf die Deutsche Meisterschaft 2016 machen dürfen. In allen Viertelfinalpaarungen haben sich die von mir vor zwei Wochen zum Favoriten erklärten Mannschaften durchgesetzt, aber durchweg souverän traten dabei nur die Bonn Capitals auf.

Nach dem Artikel über das Viertelfinale wurde ich gefragt, warum ich nichts über die Abstiegs-Playoffs geschrieben habe. Offen gestanden finde ich diese Runden ziemlich reizlos, solange nicht davon auszugehen ist, dass am Ende tatsächlich jemand absteigen wird. In aller Regel passiert das nicht, weil die Teams aus der zweiten Liga gar nicht aufsteigen wollen. Warum das so ist, kann ich als Außenstehender nur mutmaßen – muss man hohe Auflagen erfüllen, will man finanzielle Risiken meiden oder ist der Niveausprung so groß, dass man fürchtet, sich zum Prügelknaben zu machen und den Spaß am Spiel zu verlieren? Wie dem auch sei, es führt jedenfalls dazu, dass die Playdowns für mich so interessant sind wie das Hornberger Schießen. Dass im Süden die Bad Homburg Hornets die Mannheim Tornados durch je einen Heim- und einen Auswärtssplit ins nächste Woche stattfindende fünfte Spiel gezwungen haben, ist aber schon eine kleine Sensation, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Jetzt aber zurück zur Meisterschaftsrunde, hier meine kurze Einschätzung zu den Halbfinals:

Bonn – Regensburg
Bonn hat als einziges Team sein Viertelfinale zu keinem Zeitpunkt spannend gemacht und mit drei klaren Siegen gegen die Stuttgart Reds seine Favoritenrolle untermauert. Der Weg ins Finale wird aber sicher kein Selbstläufer, denn mit den Regensburg Legionären wartet als nächste Aufgabe das in den vergangenen Jahren dominierende Team des deutschen Baseballs auf die Capitals. Die Legionäre gaben letzte Woche überraschend ein Heimspiel gegen die Hamburg Stealers ab, sorgten nun aber mit zwei Shutoutsiegen in Hamburg für die erwarteten klaren Verhältnisse. Bonn muss nächstes Wochenende gut vorlegen, sonst könnte es schwer werden, weil dieses Jahr der Modus drei Heimspiele für das schlechter platzierte Team (in dem Fall Regensburg) vorsieht, falls die Serie über fünf Spiele geht.
Mein Tipp: knapper Erfolg für Bonn. 

Mainz – Heidenheim 
Südmeister Mainz ging es ähnlich wie den Regensburgern: Auch die Athletics gaben unerwarteterweise ein Heimspiel ab, auch sie gaben sich dann aber keine weitere Blöße und gewannen die Serie letztlich klar mit 3:1. 3:1 lautet übrigens auch die Bilanz der Mainzer gegen die Heidenheim Heideköpfe aus der regulären Saison und beim 11:1/4:1-Doppelsieg am letzten Spieltag schien die Mainzer Überlegenheit in Offensive wie Defensive sehr deutlich. Wenn die Heideköpfe das Halbfinale überstehen wollen, müssen sie sich schon massiv steigern – sowohl gegenüber jenem letzten Auftritt in Mainz als auch gegenüber dem Viertelfinale, das sie nur knapp gegen Solingen gewannen, nachdem sie mit 0:1 und 1:2 Spielen zweimal in Rückstand gelegen hatten.
Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz. 

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Juli 30th, 2016 by Dominik

Die Bundesliga hatte heute ihren letzten Spieltag – einen Nachholspieltag, um genau zu sein, aber wegen des vielen Regens in den letzten Monaten waren so viele Spiele nachzuholen, dass mehr als die Hälfte der Teams noch mal ran müsste. Die letzte playoff-relevante Entscheidung fiel erst im vierzehnten Inning des letzten Spiels, das die Haar Disciples letztlich 6:7 gegen Mainz verloren und dadurch die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde verpassten. Nun stehen alle Paarungen das Viertelfinale der Playoffs fest und es geht gleich am nächsten Wochenende los, damit man rechtzeitig vor der Europameisterschaft im September den neuen Deutschen Meister küren kann. Als Favoriten gehen eindeutig Nordmeister Bonn und Südmeister Mainz ins Rennen, die beide ihre jeweilige Liga deutlich dominierten und sich vorzeitig Platz eins sicherten. Aber auch Heidenheim, Regensburg und Solingen sollte man nicht unterschätzen, immerhin haben diese drei alle Deutschen Meisterschaften der letzten acht Jahre unter sich aufgeteilt.

Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht, aber gespielt wird trotzdem auf dem Platz des anderen Teams. Klingt komisch, ist aber so.

Mainz Athletics – Untouchables Paderborn
Die Mainzer waren in der regulären Saison nicht zu stoppen – nicht vom amtierenden Meister Heidenheim, nicht von den immer ambitionierten Regensburgern oder sonst jemandem – sie haben jede Saisonserie 3:1 oder 4:0 gewonnen. Verletzte Leistungsträger wie Pitcher Jan-Niclas Stöcklin, Catcher Jonathan Wagner und Shortstop Trey Stover wurden mühelos durch vorhandenes Personal ersetzt und während der Saison kam mit dem belgischen Outfielder Thomas de Wolf noch eine massive Verstärkung hinzu. Obwohl de Wolf nur die zweite Saisonhälfte spielte, führt er mit zehn Homeruns die gesamte Liga an. Der Erfolg der Athletics wird gleichermaßen von der explosiven Offense wie von der dominanten Pitcherriege um Eric Massingham und Tim Stahlmann getragen.

Die Untouchables haben eine durchwachsene Saison hinter sich, in der sie gegen jeden außer Bonn gewonnen, aber auch gegen jeden außer Dortmund verloren haben. Es handelt sich um ein recht ausgeglichenes Team, das in der Nordstaffel die zweitmeisten Runs erzielt und die drittwenigsten Runs zugelassen hat und seinen herausragenden Akteur in Pitcher Matt Kemp hat.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz.

Bonn Capitals – Stuttgart Reds
Genauso dominant wie die Mainzer in der Südliga waren die Bonner im Norden. Auch sie gewannen sämtliche Serien, einzelne Ausrutscher erlaubten sie sich gegen Solingen sowie überraschenderweise gegen Köln und Hannover. Bonn hat die meisten Runs erzielt und die wenigsten kassiert, dank einer ganzen Reihe starker Batter, allen voran Daniel Lamb-Hunt und Wilson Norman Lee, und ebenso starkem Pitching, vor allem von dem nahezu unschlagbar erscheinenden Sascha Koch.

Stuttgart hatte einen guten Start in die Saison mit Splits gegen Regensburg und Mainz sowie einem Doppelsieg gegen Haar, den direkten Konkurrenten um Platz vier. Einem Durchhänger in der Saisonmitte, während dem es sogar eine sensationelle Heimniederlage gegen Tübingen setzte, folgte ein solider Endspurt, der letztlich hauchdünn vor Haar die Playoffteilnahme sicherte. Die Teamleistungen waren sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive sehr wechselhaft, dauerhaft Verlass war nur auf den amerikanischen Outfielder Gary Michael Owens.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Bonn.

Regensburg Legionäre – Hamburg Stealers
Für Regensburg ist eine Saison, die man nicht auf Platz eins abschließt, schon ein kleiner Misserfolg, aber Mainz war dieses Jahr einfach in allen Belangen besser, was sich auch in der direkten Saisonserie zeigte, in der man Mainz dreimal deutlich unterlag und nur einmal knapp gewann. Interne Querelen, die in der Entlassung von Headcoach Ivan Rodriguez gipfelten, taten ein Übriges, dass die Saison nicht so verlief wie erhofft. Aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt und wenn es ein Team gibt, das man in Bezug auf die Deutsche Meisterschaft nie abschreiben darf, dann sind es die Legionäre.

Für Hamburg muss es wie ein böser Traum wirken: Die letzten sechs Playoff-Teilnahmen der Stealers endeten allesamt in der ersten Runde und fünf davon gegen die Legionäre. Das waren immer Duelle Vierter gegen Erster, aber kaum dass Hamburg nun mal auf Platz drei gelandet ist, warten schon wieder die Regensburger auf sie. Die Stealers haben ihre Stärken und vor allem in Louis Cohen einen sehr guten Pitcher, aber auch dieses Mal gehen sie als Außenseiter ins Viertelfinalduell.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Regensburg.

Solingen Alligators – Heidenheim Heideköpfe
Auf dem Papier ist das die interessanteste Paarung der ersten Playoffrunde, immerhin treffen die Deutschen Meister der beiden vergangenen Jahre aufeinander und nach meiner Einschätzung dürfte dieses Duell auch das spannendste werden. Anders als in den vergangenen Jahren lieferte sich Solingen dieses Mal kein enges Rennen mit den Capitals um Platz eins der Nordliga sondern schien relativ früh in der Saison auf den zweiten Platz geeicht und selbst der geriet gegen Ende der Saison leicht ins Wackeln. Dennoch sind die Alligators ein solides Team, das mit gutem Pitching und den Offensivwaffen Daniel Sánchez Reyes und Dominik Wulf jeden schlagen kann.

Den Heideköpfen geht es ähnlich wie den Alligators: Auch sie spielten in den letzten Jahren immer bis zum Schluss um die Meisterschaft in ihrer Liga, waren dieses Mal aber den bärenstarken Mainzern einfach nicht gewachsen und landeten hinter Regensburg auf Rang drei, was auch ihrem Abschneiden in den meisten Offensiv- und Defensivstatistiken entspricht. Mit Wes Roemer haben auch die Heideköpfe einen starken amerikanischen Pitcher, ansonsten liegen ihre Stärken in der Offensive: In der gesamten Südliga gibt es neun Batter mit einer OPS über 1.000, mit Terrell Charles Joyce, James McOwen, Shawn Larry und Simon Gühring kommen vier davon aus Heidenheim.

Mein Tipp: knapper Erfolg für Heidenheim.

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