September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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September 10th, 2020 by Silversurger

Zum zweiten Mal hintereinander muss ich meine wöchentliche Zusammenfassung zur MLB mit einer Trauermeldung beginnen: Wenige Tage nach Tom Seaver ist mit Lou Brock ein weiterer Star der 60er- und 70er-Jahre gestorben. Brock begann seine Karriere bei den Chicago Cubs, aber die längste Zeit verbrachte er bei den St. Louis Cardinals, mit denen er 1964 und 1967 die World Series gewann. Am bekanntesten war der Leftfielder für sein exzellentes Baserunning. Mit 938 gestohlenen Bases hielt er bis 1991 den MLB-Rekord und steht in dieser Kategorie immer noch auf Platz zwei hinter Rickey Henderson. Brock starb nach mehreren schweren Krankheiten letzten Sonntag im Alter von 81 Jahren.

Sportlich war es eine gute Woche für die MLB, denn es war die erste in diesem Jahr ohne Spielausfälle. Da die reguläre Saison schon in zweieinhalb Wochen endet, konzentriere ich mich im heutigen Überblick stark auf das Ringen um die Playoffplätze.

National League
Die National League ist im Hinblick auf das Playoff-Rennen nach wie vor die deutlich interessantere Teilliga der MLB. Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass erst fünf von acht Plätzen so gut wie sicher vergeben sind.

In der NL East machen die Atlanta Braves (25-18) und die Philadelphia Phillies (21-18) die Ränge 1 und 2 unter sich aus, beide werden wir auf jeden Fall in der Postseason sehen. Ob sie dort sehr lange durchhalten, darf man bezweifeln, denn beide Teams haben große Probleme beim Pitching – die Braves haben den schlechtesten Starter-ERA der NL (5.92), die Phillies den schlechtesten Bullpen-ERA der MLB (7.24). Um die Divisionsgegner auf Distanz zu halten, hat es bisher gereicht, aber spätestens gegen die Top-Teams der NL West, die Los Angeles Dodgers (32-12) und die San Diego Padres (28-17), wird es wohl anders aussehen. Neben den vier Genannten sind auch die Chicago Cubs (25-19) aus der NL Central faktisch durch. Für den zweiten Platz in dieser Division sitzen trotz knapp negativer Bilanz die St. Louis Cardinals (18-17) in der besten Positon. Zweifelhaft ist allerdings, ob und wie die Cardinals es wegstecken werden, in den verbleibenden 18 Tagen noch 23 Spiele zu absolvieren. Selbst nach diesen 23 werden sie übrigens nur auf 58 absolvierte Patien kommen. Auf zwei Spiele gegen die Detroit Tigers, die in der langen Corona-Pause der Cardinals ausfielen, wird die Liga verzichten, sofern ihnen in der Endabrechnung keine entscheidende Bedeutung zukommt. Der Hauptkonkurrent der Cardinals um den zweiten Platz sind die Milwaukee Brewers (19-22). Die Brewers haben bislang alle Erwartungen enttäuscht und auch zur Trade-Deadline nicht gegengesteuert. Dennoch haben sie noch alle Chancen auf einen Turnaround, da noch zehn Spiele gegen die Cardinals anstehen.

Neben dem zweiten Platz in der Central sind noch zwei Wild Cards zu vergeben. Die San Francisco Giants (23-21) spielen eine fantastische zweite Saisonhälfte, zuletzt mit fünf Siegen hintereinander und acht aus den letzten zehn Spielen. Ihr Restprogramm mit siebenmal den Padres und dreimal den Athletics ist hart, aber die Giants gehen als klarer Favorit in den Wild-Card-Endspurt. Die zweite Wild Card hätten zurzeit die Miami Marlins (19-19); die haben aber noch fast so viele Nachholspiele wie die Cardinals zu absolvieren, darunter sieben gegen die Phillies innerhalb der nächsten fünf Tage. Vermutlich wird das Rennen um den letzten Playoffplatz zwischen den Marlins sowie entweder den Cardinals oder den Brewers – je nachdem, wer von ihnen nicht Zweiter in der Central wird – stattfinden. Ein Comeback der Cincinnati Reds (19-24), der New York Mets (20-24) oder der Colorado Rockies (20-23) ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. 

American League
In der American League ist in Bezug auf die Playoffs fast alles entschieden. Die AL East werden die Tampa Bay Rays (28-15) sich nicht mehr nehmen lassen, und auch die Toronto Blue Jays (24-19) und die New York Yankees (22-21) werden so gut wie sicher in die Postseason einziehen. Dass das den Yankees wohl nur über die Wild Card gelingen wird und dass sie im Playoff-Bild der AL der einzige Wackelkandidat sind, ist eine faustdicke Überraschung dieser Saison. Seit dem 19. August lautet die Bilanz der Yankees 6-15, die wichtigen Serien gegen Toronto und Tampa Bay wurden allesamt verloren. Gegen die Baltimore Orioles (20-22) gilt es nun, zu retten, was zu retten ist (siehe „Einschalttipp“). 

In der AL Central ist zwar noch völlig offen, in welcher Reihenfolge die Chicago White Sox (27-16), die Cleveland Indians (26-17) und die Minnesota Twins (27-18) durch die Ziellinie laufen, aber für alle drei ist der Playoff-Platz sicher und es geht nur noch um die Setzliste. Auch in der AL West ist das Wesentliche klar: Die Oakland Athletics (26-15) gewinnen die Division, die Houston Astros (22-22) ziehen als Zweiter in die Postseason ein. Die Astros sind neben den Yankees der zweite Favorit, dem das erweiterte Playoff-Format dieser Saison zugute kommt. Unter normalen Umständen wären wohl beide auf der Strecke geblieben.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche dauerte rund 10 Minuten, aber ich erspare euch die Originallänge und poste stattdessen eine gut einminütige Zusammenfassung. Sage und schreibe 19 Pitches lang kämpften Reliever Caleb Thielbar von den Twins und Cardinals-Catcher Matt Wieters am Dienstag um den Ausgang eines At-Bats bei zwei Outs und geladenen Bases. Mit insgesamt 14 Foul Balls hielt Wieters das At Bat am Leben, Thielbar warf zehn 3-2-Pitches hintereinander in die Strikezone und entging so dem automatischen Run, den ein Walk bei vollen Bases bedeutet hätte. Schließlich gewann Thielbar das zermürbende Duell, als Wieters in ein Flyout schlug. Es war das drittlängste At Bat seit der 1988 begonnenen exakten Aufzeichnung der Pitches.

Statistik der Woche 
300. So viele Homeruns hat Mike Trout in seiner Karriere schon geschlagen. Nummer 300 erzielte er am Samstag als Beitrag zu einem 10:9-Sieg seiner Los Angeles Angels gegen die Houston Astros. Der 29-Jährige ist damit das 151. Mitglied im 300-Homeruns-Club und erst das 16., dass diese Marke mit unter 30 Jahren erreichte. Zudem hat er es schneller als jeder andere Spieler der Geschichte auf die Kombination von 300 Homeruns und 200 Stolen Bases gebracht. Der bisherige Rekordhalter Willie Mays benötigte dafür 1.295 Spiele, Trout schaffte es in 1.235. Gleichzeitig wurde Trout mit dem 300. Homerun zum alleinigen Franchise-Rekordhalter der Angels, indem er die 299 Karriere-Homeruns von Tim Salmon übertrumpfte. (Ich frage mich gerade, ob man zwingend wie ein Fisch heißen muss, um viele Homeruns für die Angels zu erzielen. Aber das nur am Rande.)

Spiel der Woche
Zum zweiten Mal in Folge präsentiere ich an dieser Stelle einen veritablen Blowout. Die 29 Runs, die die Atlanta Braves gestern Abend gegen die Marlins erzielten, waren die meisten in einem Spiel der National League seit 1897. Ein anderer witziger Fakt zum Spiel: Es war das erste 29:9 in der Geschichte der MLB. Das letzte noch nie dagewesene Ergebnis hatte es vor 21 Jahren gegeben, als die Reds die Rockies 24:12 schlugen. Jeder Spieler aus der Startformation der Braves brachte es gestern auf mindestens einen Hit und mindestens einen Run. Den größten Anteil hatte Adam Duvall mit drei Homeruns und 9 RBI.

Mein Einschalttipp
Wer hätte gedacht, dass es im September ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Yankees und den Orioles um einen Playoffplatz geben würde? Ich jedenfalls nicht, aber genau so kann es in den nächsten Tagen kommen. Ab heute treffen die größte Überraschung und die größte Enttäuschung der AL in einer Vier-Spiele-Serie aufeinander. DAZN ist leider nicht am Ball, aber die Partie am Samstag läuft ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit als Free Game of the Day bei mlb.tv, sodass ihr auch ohne Abo reinschauen könnt.

Hier noch ein Bonus-TV-Tipp für Leser aus Österreich: Am Sonntag läuft auf Puls 4 ab 13:20 Uhr 42, die hervorragende Verfilmung der Geschichte von Jackie Robinson. Das Programm bietet auch einen Livestream an; um diesen aus Deutschland oder anderen Ländern abzuspielen, benötigt man die Hilfes eines VPN-Tools. 

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September 3rd, 2020 by Silversurger

Der Baseball hat einen seiner Größten verloren: Tom Seaver ist am Montag im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Pitcher war von 1967 bis 1986 in der MLB aktiv und wurde 1992 in die Hall of Fame gewählt. Seinen größten Erfolg feierte er 1969, als er mit den „Miracle Mets“ die World Series gewann. Ironischerweise feierte er seinen Abschied ebenfalls bei einem World-Series-Sieg der Mets, wenngleich er 1986 beim Gegner, den Red Sox, spielte und wegen einer Verletzung in der Finalserie nicht zum Einsatz kam. Seaver hatte sich ab 2012 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, da er an Demenz litt. Er starb an dieser Krankheit, verbunden mit einer Covid-19-Infektion.

Covid-19 beeinträchtigt auch weiterhin immer wieder die laufende MLB-Saison. Die Oakland Athletics haben sich letzten Sonntag in die Liste der Teams mit corona-bedingten Spielausfällen eingereiht und seitdem vier Partien abgesagt. Nach aktuellem Stand soll es am Freitag für sie weitergehen. Die Infektion eines Angestellten, die zu den Maßnahmen geführt hatte, zog bislang glücklicherweise keine weiteren Kreise.

American League
Dreieinhalb Wochen vor dem Ende der Saison werfe ich wie gewohnt einen Blick auf die Tabellenstände, welche zumindest in der American League schon ein ziemlich klares Bild im Hinblick auf die Playoffs vermitteln.

Die Spitze der AL East bleibt fest in der Hand der Tampa Bay Rays (26-12). Gerade haben die Rays die letzte direkte Serie dieses Jahres gegen die New York Yankees (20-15) mit 2:1 entschieden, insgesamt haben sie acht von zehn Spielen gegen die Yankees gewonnen. Letztere können froh sein, dass sie am letzten Wochenende drei von fünf allesamt äußerst knappen Derbys gegen die Mets gewonnen haben, denn nur dadurch halten sie sich noch knapp vor den Toronto Blue Jays (19-16) auf Platz zwei. Interessanterweise haben die Blue Jays und die Yankees sich dieses Jahr noch gar nicht auf dem Platz gesehen. Das ändert sich ab nächsten Dienstag: Dann bleiben nur noch 20 Saisonspiele übrig und die Hälfte davon besteht aus direkten Duellen der Blue Jays gegen die Yankees. Ein bisschen Entwarnung muss aber auch sein: Wer von den beiden das Rennen um den zweiten Platz verliert, wird höchstwahrscheinlich trotzdem als Wild-Card-Team in die Postseason einziehen. Weder die Baltimore Orioles (16-20) noch die Boston Red Sox (12-25) noch die Konkurrenz aus den anderen Divisionen machen den Eindruck, diesen Playoffplatz gefährden zu können.

Auch in der AL Central ist die Frage nicht wirklich, wer in die Playoffs kommt, sondern allein in welcher Reihenfolge es die Cleveland Indians (23-14), die Chicago White Sox (22-15) und die Minnesota Twins (22-16) tun werden. Die Führung hat in den letzten Tagen mehrmals zwischen den drei Teams gewechselt und sie treffen alle noch ein paarmal aufeinander. Letzte Woche sah es zeitweise danach aus, dass die Twins sich aus dem Rennen verabschieden, als sie sechs Spiele hintereinander verloren, die Hälfte davon gegen die direkten Konkurrenten. Doch mit zwei Siegen gegen die White Sox gestern und vorgestern haben sie sich zurückgemeldet. Nun müssen sie allerdings fünfmal hintereinander gegen die Detroit Tigers (17-17) antreten, die mit ihrer .500-Bilanz zu den positiven Überraschungen des Jahres gehören.  

Die eingangs erwähnten Spielausfälle bei den Oakland Athletics (22-12) führten dazu, dass sich in der AL West diese Woche nicht viel getan hat. In Bezug auf den Gruppensieg wird es in der kommenden Woche richtig interessant, wenn die A’s von Montag bis Donnerstag fünfmal auf die Houston Astros (20-15) treffen. Hinsichtlich der Playoffs ist aber auch in dieser Division die Messe gelesen. Denn die Athletics und die Astros sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Boot, während es für die Seattle Mariners (15-22), die Texas Rangers (13-22) und die Los Angeles Angels (12-25) mehr als nur ein kleines Wunder bräuchte, um sich für Oktober-Baseball zu qualifizieren.

National League
In der National League geht es deutlich spannender zu als in der American League. Das Rennen um beide Wild Cards sowie das um zwei zweite Plätze sind noch weit offen.

In der NL East stehen die Atlanta Braves (22-14) nicht nur vorne, machen nicht nur den gefestigsten Eindruck innerhalb der Division, sondern sie haben auch das mit Abstand einfachste Restprogramm. Wenn sie die anstehende Pflichtaufgabe gegen die abgeschlagenen Washington Nationals (12-22) ähnlich souverän lösen wie die letzte gegen die Red Sox, dann sind die Braves quasi durch. Dahinter wird es interessant. Die Philadelphia Phillies (17-15) haben sich mit acht Siegen aus den letzten neun Spielen vom Fehlstarter zum Favoriten für den zweiten Playoffplatz der Division gemausert. Am Wochenende müssen sie sich in vier Spielen der New York Mets (16-21) erwehren, die in dieser Serie vermutlich die letzte Chance sehen, ihre Saison noch zu retten. Zwischen den Phillies und den Mets stehen die Miami Marlins (16-16). Denen hatte vor der Saison wirklich niemand etwas zugetraut und erst recht nicht, nachdem sie kurz nach dem Start zehn Tage pausieren mussten, weil sich das halbe Team mit Corona infiziert hatte. Nun stehen sie mit ausgeglichener Bilanz auf einem Wild-Card-Platz. Ob sie den noch haben, nachdem sie in den nächsten eineinhalb Wochen dreimal gegen Tampa Bay, dreimal gegen Atlanta und siebenmal gegen Philadelphia ran müssen? Unterschätzen wird man die Marlins jedenfalls nicht mehr.

Die NL Central haben sich schon früh in der Saison die Chicago Cubs (22-14) gesichert, indem sie mit 13 Siegen aus den ersten 16 Spielen starteten. Seitdem spielen sie zwar nur noch einen knappen .500er-Ball, aber in der eher schwachen Division reicht das, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Theoretisch können die St. Louis Cardinals (14-14) mit ihren vielen coronabedingten Nachholspielen den Cubs noch gefährlich werden – der Praxistest steht unmittelbar bevor, denn die Cardinals und die Cubs bestreiten von Freitag bis Montag fünf Spiele gegeneinander. Lachender Dritter dieses Duells könnten die Milwaukee Brewers (17-19) werden, die sich noch berechtigte Hoffnung auf Platz zwei oder eine Wild Card machen. Um diese Hoffnung zu nähren, müssen sie allerdings die schwere Serie bei den Indians erfolgreich bestreiten. Auch die Cincinnati Reds (16-21) rechnen sich noch Chancen auf die Wild Card aus; die anstehende Aufgabe gegen die Pittsburgh Pirates (10-24) erscheint jedenfalls lösbar.

Bei der Beschäftigung mit der NL West fällt mir gerade auf, dass ich in letzter Zeit kaum etwas über die Los Angeles Dodgers (28-10) geschrieben habe. Woran liegt das, sind sie etwa nicht der Rede wert? Natürlich sind sie das. Aber sie cruisen so unheimlich souverän und überlegen durch die Saison, dass sie quasi keine Fragen offen lassen. Sie scoren so viele Runs und lassen gleichzeitig so wenige gegnerische Runs zu wie kaum ein anderes Team. Sie verlieren nie eine Serie und nie mehr als zwei Spiele am Stück. Sie sind zur Trade-Deadline untätig geblieben und niemanden hat es gewundert, weil das Team komplett ist und keine Lücken oder Schwachstellen aufweist. Die Dodgers bieten einerseits keine Angriffspunkte, es ist andererseits aber auch schwer, über sie ins Schwärmen zu geraten, denn wie schon vor der Saison klar war: Für dieses Team gibt es dieses Jahr nur ein Ziel und nur daran wird es sich messen lassen.
Hinter den Dodgers hat sich mit den San Diego Padres (23-15) inzwischen ein zweites Team fest in der Spitze etabliert und wird sich von dort nicht mehr vertreiben lassen, erst recht nicht nach den umfangreichen Nachrüstungen zur Trade-Deadline. Spannend wird es auf den weiteren Plätzen. Die Colorado Rockies (18-19) und die San Francisco Giants (18-20) sind beide in der Verlosung eines Wild-Card-Platzes. Allerdings ist mein Eindruck, dass die beiden in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Rockies waren in den ersten zwei, drei Wochen der Saison richtig stark, haben aber seitdem spürbar abgebaut. Nun müssen sie hintereinander je dreimal gegen die Dodgers und die Padres ran, was durchaus das Ende der Playoff-Träume bedeuten könnte. Die Giants hingegen starteten so schwach in die Saison, wie es von ihnen erwartet wurde, arbeiteten sich dann aber Stück für Stück nach vorne. Diese Woche geht es gegen die abgeschlagenen Arizona Diamondbacks (14-23) und die Mariners.

Szene der Woche
Hier gibt es diese Woche mal kein Highlight-Play, bei dem dem unbedarften Beobachter sofort die Kinnlade runterklappt, sondern einen eher nerdigen Fakt: Seit der lückenlosen Aufzeichnung von Spielzügen, also seit mindestens 1961, hatte es in der MLB noch nie ein 3-2-8-Double-Play gegeben – bis zum Auftritt der St. Louis Cardinals am letzten Freitag. 3-2-8 bezeichnet die Positionen der beteiligten Spieler, in dem Fall einen Spielzug vom First Baseman zum Catcher und von dort zum Centerfielder. Schwer vorzustellen, wie das geht? Hier ist die Auflösung:

Da ich keine Kategorie für die beste Schlagzeile der Woche habe, gibt es hier noch einen Bonus. Am Dienstag gelang Rangers-Shortstop Elvis Andrus von den Texas Rangers der folgende Homerun gegen Astros-Reliever Ryan Pressly. Matt Kelly von mlb.com kommentierte dies mit der Überschrift: „Heartbreak Hotel – Elvis homers off Pressly“. Hut ab.

Statistik der Woche 
62. Das ist der aktuelle ERA– der Cleveland Indians. Zur Erklärung: ERA steht für Earned Run Average und ist die bekannteste Statistik für Pitcher. Das Minus hinter der Abkürzung zeigt an, dass die Zahl unter Berücksichtigung des historischen Umfelds, Ballparkfaktoren und anderen Einflüssen derart normiert wurde, dass eine durchschnittliche Leistung den Wert 100 trägt und dass eine Leistung umso besser ist, je weiter sich der Wert nach unten von 100 entfernt.  Auf diese Weise kann man die Leistungen über Zeiten und Orte hinweg vergleichen. Das Bemerkenswerte an dem ERA– von 62 der Indians ist, dass dies bislang die dominanteste Pitching-Saison ist, die im modernen Baseball (d. h. seit 1900) je gemessen wurde. Das zweite Team in der ewigen Rangliste sind übrigens die Los Angeles Dodgers, ebenfalls im laufenden Jahr. Es ist klar, dass man die Statistiken dieser außergewöhnlichen Saison im Vergleich mit normalen Jahren eher vorsichtig betrachten sollte. Ich hätte allerdings eher mit Ausreißern in die andere Richtung gerechnet, nachdem zu Beginn der Saison vielfach gemutmaßt wurde, die verkürzte Vorbereitung stelle einen Nachteil für die Pitcher dar.

Spiel der Woche
Allzu spannend war es nicht, das Duell der Colorado Rockies und der San Francisco Giants Dienstagnacht. Aber es war auf seine Art ein denkwürdiges Spiel und wenn man nicht gerade glühender Anhänger der Rockies ist, sollte man es sich mal anschauen. Unter den vielen bemerkenswerten Fakten und Statistiken, die die Partie hervorbrachte, fand ich persönlich am verblüffendsten, dass die Giants in jedem Inning Runs scorten – außer im letzten, in dem der Ersatz-Catcher der Rockies pitchte.

Mein Einschalttipp
Der Divisionssieg in der NL Central kann an diesem Wochenende praktisch entschieden werden: Fünfmal treffen die Cubs auf die Cardinals, ihren einzigen vielleicht noch ernstzunehmenden Verfolger. In diese Serie sollte man mal reinschauen. Leider überträgt DAZN keines der Spiele, es sei denn MLB Network wählt die Partie am Samstagabend aus. Ansonsten bleibt nur mlb.tv, zum Beispiel am Samstag ab 23:15 Uhr oder am Montag ab 22 Uhr, um die beiden Spiele zu erwähnen, die nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht laufen.

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August 13th, 2020 by Silversurger

Covid-19 und kein Ende in Sicht: Nachdem am letzten Wochenende neue Fälle bei den St. Louis Cardinals auftraten, mussten bis einschließlich heute alle Spiele der Cardinals abgesagt werden. Zudem sahen sich die Cleveland Indians zu internen Sperren gezwungen, weil ihre Pitcher Zach Plesac und Mike Clevinger sich am Samstag ins Nachtleben von Chicago gestürzt und damit die Pandemieregeln der Liga verletzt hatten. Aus Sorge, dass Corona-Ausbrüche nach der regulären Saison auch die Playoffs durcheinander wirbeln könnten, wird inzwischen immer lauter darüber nachgedacht, die Postseason in einer Bubble auszutragen. Das würde bedeuten, dass man zwei bis drei Stadien auswählt, in denen sämtliche Playoffspiele stattfinden, während die Teams in nahe gelegenen Hotels so weit wie möglich von der Außenwelt isoliert werden. Die Entscheidung, ob man einen solchen Weg gehen möchte, wird aber erst für September erwartet.

National League
In der Tabelle der NL East stehen nach wie vor die Miami Marlins (8-4) an der Spitze, wenngleich ihr Höhenflug nach dem verblüffenden 7-1-Start erst mal gestoppt scheint. Am Wochenende müssen die Marlins dreimal gegen die Atlanta Braves (11-9) ran, den eigentlichen Favoriten der Division, der selbst gerade drei Niederlagen hinter sich hat und auf Wiedergutmachung aus sein wird. Die anderen Teams der ursprünglich als besonders stark eingeschätzten Division bleiben bisher allesamt hinter den Erwartungen zurück: Bei den Washington Nationals (6-8) funktioniert die Offensivabteilung nur sporadisch, während die New York Mets (8-11) Probleme haben, regelmäßig verlässliche Starting Pitcher aufzustellen. Noah Syndergaard fällt nach seiner Tommy-John-Surgery vom März das ganze Jahr aus; Marcus Stroman wird dieses Jahr ebenfalls nicht pitchen, nachdem er sich in der Gemengelage um seine Wadenverletzung und die Corona-Pandemie für den Opt-Out entschieden hat; Steven Matz befindet sich zudem in einer tiefen Formkrise. Die Philadelphia Phillies (5-8) haben gerade zweimal gegen die Orioles verloren und brauchen im „Duell der Enttäuschten“ mit den Mets am Wochenende einen Erfolg, wenn sie die Playoff-Hoffnungen nicht früh begraben wollen.

In der NL Central geben nach wie vor die Chicago Cubs (12-3) unangefochten den Ton an. Ihre Bilanz nach dem ersten Viertel der Saison ist die beste der gesamten MLB, während die Cincinnati Reds (8-10) und die Milwaukee Brewers (7-9) den Erwartungen bisher nicht gerecht werden. In den kommenden Tagen treffen die Brewers viermal auf die Cubs, sodass das Wochenende entweder eine frühe Vorentscheidung oder neue Spannung bringen kann. Die St. Louis Cardinals (2-3) sind bisher noch kaum zu beurteilen – man kann ihnen nur wünschen, dass sie ihren Corona-Ausbruch endlich im Griff haben und noch eine halbwegs reguläre Restsaison spielen können. Dass sie es dabei noch auf 60 Spiele bringen, erscheint inzwischen unwahrscheinlich.

Hochspannung in der NL West hätte man angesichts der klaren Favoritenstellung der Los Angeles Dodgers (12-7) eher nicht erwartet, aber die Colorado Rockies (12-6) und die San Diego Padres (11-8) sorgen mit starken Leistungen bislang für ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im direkten Duell mit den Padres mussten die Dodgers in den letzten drei Tagen zwei Niederlagen hinnehmen. In der kommenden Nacht bekommen die Padres die Gelegenheit, durch einen weiteren Sieg mit den Dodgers gleichzuziehen (siehe „Einschalttipp“).

American League
In der AL East werden die New York Yankees (12-6) ihrer Favoritenrolle schon seit Beginn gerecht. Die Tampa Bay Rays (11-8), die vor der Saison als einziger ernsthafter Konkurrent der Yankees galten, hatten hingegen einen eher holprigen Start. Den scheinen sie nun aber hinter sich gelassen zu haben. Die letzten sieben Tage bestanden für sie aus einer 3-1 gewonnenen Serie gegen die Yankees sowie aus drei Siegen gegen die Boston Red Sox (6-12), die sie heute als Vier-Spiele-Sweep abzuschließen hoffen. Überraschenderweise finden sich auch die Baltimore Orioles (9-7) mit einer positiven Bilanz wieder. Vier Siege in Folge, je zwei gegen die Nationals und die Phillies, machen es möglich. Wäre nicht der Regen dazwischen gekommen, wären es möglicherweise fünf geworden: Die dritte Partie gegen die Nationals wurde beim Stand von 5:2 für die Orioles im sechsten Inning abgebrochen. Sie wird morgen in Baltimore zu Ende gespielt, direkt vor Beginn der nächsten Serie gegen Washington.  

Die Minnesota Twins (12-7) führen die AL Central an. Dass sie eine überragende Offense auf den Platz bringen, war vor der Saison klar. Etwas überraschend ist hingegen, wie sehr sie auch im Pitching überzeugen. 65 zugelassene Runs sind die zweitwenigsten der gesamten AL. Im Gegensatz zu den auf beiden Seiten des Balls starken Twins sind die Cleveland Indians (10-9) ein ziemlich extremer Fall: Absolut herausragendes Pitching paart sich bei ihnen mit häufiger Abwesenheit von offensiver Unterstützung. Immerhin bringen sie es auf diese Weise mit nur 62 erzielten Runs und trotz der beiden deutlichen Niederlagen gegen die Cubs noch auf ein Run Differential von +11. Die drei restlichen Teams der Division hingegen weisen trotz jeweils über 20 mehr erzielten Runs allesamt negative Run Differentials auf.

Gefühlt wird deutlich mehr über die Yankees und die Twins gesprochen als über die Oakland Athletics (13-6). Tatsächlich sind aber die A’s das Team mit sowohl der besten Bilanz der AL als auch mit dem deutlichsten Vorsprung innerhalb ihrer Division, der AL West. Alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf, auch die Houston Astros (8-10). Im direkten Aufeinandertreffen der Athletics und der Astros gab es am letzten Wochenende einen Sweep der A’s und im letzten der drei Spiele unschöne Szenen. Oaklands Outfielder Ramon Laureano wurde von den Pitchern der Astros während der Serie mehrmals abgeworfen. Nach dem dritten solchen Vorfall begann Laureano eine hitzige Diskussion, zuerst mit dem Übeltäter Humberto Castellanos, dann mit Houstons Hitting-Coach Alex Cintron. Schließlich warf Cintron seinen Helm auf den Boden und ging auf Laureano los, woraufhin eine größere Rangelei zwischen beiden Teams ausbrach. Mutmaßlicher Hintergrund der Ereignisse ist der Sign-Stealing-Skandal um die Meistersaison 2017 der Astros. Diesen hatte Mike Fiers ans Licht gebracht, der damals bei den Astros gespielt hatte und heute für die Athletics aktiv ist. Die Liga hat dieses Jahr eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Brawls, weswegen die Strafen relativ hart ausfielen: Laureano wurde für sechs Spiele gesperrt, Cintron für 20. Cintrons Sperre läuft bereits, während Laureano Einspruch gegen das Strafmaß eingelegt hat und bis zur Entscheidung noch spielen darf.   

Szene der Woche
Wenn ihr Baseball seit weniger als fünf Jahren verfolgt, habt ihr vermutlich noch nie einen 4-Base-Error gesehen – also einen einzelnen Fehler im Feldspiel, der dem Gegner vier Bases „schenkt“. Zum ersten Mal seit April 2015 gab es am Sonntag ein solches Missgeschick. Der Pechvogel, dem es unterlief, ist Rookie-Outfielder Jo Adell von den Los Angeles Angels. Er bekam einen Flyball von Nick Solak (Texas Rangers) scheinbar sicher in den Handschuh, doch der Ball hüpfte heraus und über den Zaun. Der Scorer wertete die Aktion zunächst als Homerun, korrigierte sich aber später und trug sie als Error ein – zum Ärger von beiden beteiligten Spielern.

Statistik der Woche 
.472. Das ist der aktuelle Batting Average von Charlie Blackmon. Er liegt damit zurzeit an der Spitze der Liga, gefolgt von Donovan Solano (Giants) mit .458 und DJ LeMahieu (Yankees) mit .431. Nachdem schon mehr als ein Viertel der Saison absolviert ist, darf man sich fragen, ob dies das Jahr ist, in dem es zum ersten Mal seit Ted Williams 1941 (.406) wieder einem Batter gelingt, über eine gesamte Saison hinweg über .400 zu schlagen.

Spiel der Woche
Das Besondere an meinem Spiel der Woche ist, dass es das erste Major-League-Spiel in Buffalo seit 1915 war. Die Toronto Blue Jays haben in dem Ballpark im Norden des Bundesstaats New York Quartier bezogen, weil die kanadischen Behörden keine Genehmigung für MLB-Spiele und den damit verbundenen Reiseverkehr in Toronto erteilt haben. Dass der Heimauftakt der „Buffalo Blue Jays“ gegen die Miami Marlins vom Dienstag obendrein ein unterhaltsames Spiel mit mehreren Führungswechseln und einer Verlängerung war, machte mir die Wahl umso leichter:

Mein Einschalttipp
Diese Woche habe ich einen Tipp für die Frühaufsteher unter euch: Morgen um 3:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt Spiel vier der Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den San Diego Padres. Die Dodgers taten sich bislang schwer mit den Padres, vor allem in den beiden ersten Partien (1:2 und 2:6) wollte die sonst so gefürchtete Offense nicht recht in Schwung kommen. Nach einem 6:0-Erfolg im dritten Spiel peilen die Dodgers nun an, zumindest mit einem Split aus der Reihe zu gehen. Leicht wird es sicher nicht gegen Chris Paddack (3.18 ERA, 3.87 FIP), das Ass der Padres. Für die Dodgers wird Julio Urias (2.40 ERA, 2.90 FIP) auf dem Mound stehen. Mit Urias ist man bisher nur teilweise zufrieden: Auf der einen Seite hat er in seinen bisherigen Starts kaum gegnerische Punkte zugelassen, auf der anderen Seite hat er viele Pitches gebraucht und damit in seinen drei Spielen nur 15 Innings abgedeckt.

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August 6th, 2020 by Silversurger

Wir gewöhnen uns zurzeit in vielen Lebensbereichen an eine „neue Normalität“. In der MLB besteht die neue Normalität offenbar darin, dass immer wieder einzelne Teams tage- oder wochenweise wegen Corona-Ausbrüchen aus dem Spielplan genommen werden und dieser laufend angepasst wird. Die Miami Marlins und die Philadelphia Phillies sind seit Anfang der Woche zurück im Spielbetrieb, dafür pausieren nun die St. Louis Cardinals, bei denen sieben Spieler und sechs Angestellte positiv getestet wurden.

Die MLB strebt nach wie vor an, 60 Spiele je Team durchzuführen, unter anderem mit Hilfe von verkürzten Doubleheadern mit 7 Innings pro Spiel. Doch es gibt auch einen Plan B: Falls es nötig wird, die Saison mit unterschiedlich vielen gespielten Partien zu beenden, wird in der Endabrechnung statt der Zahl der Siege der Prozentanteil der Siege herangezogen.

Dass Corona auch für ansonsten gesunde Profisportler keine Lappalie ist, zeigt der Fall von Eduardo Rodriguez: Der Red-Sox-Pitcher erlitt infolge der Virusinfektion eine Herzmuskelentzündung und fällt für den Rest der Saison aus. In Anbetracht solcher Erfahrungen kann man es den Spielern nicht verdenken, die sich den Risiken dieser Saison nicht weiter aussetzen wollen: Lorenzo Cain (Brewers), Shelby Miller (Brewers), Isan Diaz (Marlins) und Yoenis Cespedes (Mets, siehe „Szene der Woche“) haben sich im Lauf der letzten Tage für den Opt-Out entschieden.

Ein Opfer der Pandemielage wird leider auch das Field-of-Dreams-Spiel, das nächste Woche in Iowa stattfinden sollte. MLB-Commissioner Rob Manfred dazu: „Wir haben alles versucht, um ein erstklassiges Event für die Menschen in Iowa, für die Bewunderer des Films und für die Fans im Allgemeinen durchzuführen. Leider mussten wir zu dem Schluss gelangen, dass es nicht klug wäre, angesichts der öffentlichen Gesundheitslage die normalen Abläufe der Clubs zu ändern.“ Eine bedauerliche, aber vernünftige Entscheidung. Das Spiel soll 2021 nachgeholt werden. 

American League
Die Tabellen sagen nach zwei Wochen und diversen Ausfällen noch nicht viel aus. Aber immerhin haben die meisten Teams schon rund ein Fünftel der Saison absolviert, also riskieren wir einen kurzen Blick: In der AL East überragen die New York Yankees (9-2), die den hohen Erwartungen bisher in nahezu jeder Hinsicht gerecht werden. Enttäuschend waren bisher lediglich die Auftritte von Starting Pitcher J. A. Happ und das frühe Saison-Aus von Reliever Tommy Kahnle, der sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen musste. Alle anderen Teams der Division stehen derzeit mit einer negativen Bilanz dar, einschließlich des nicht allzu geheimen Geheimfavoriten Tampa Bay Rays (5-7). 

Auch an der Spitze der AL Central herrschen schon relativ klare Verhältnisse, nachdem die Minnesota Twins (10-2) zuletzt sechs Spiele in Folge gewonnen haben, drei davon gegen die Cleveland Indians (7-6). Auch die Chicago White Sox (7-5) sind gut aus den Startlöchern gekommen. Man darf gespannt sein, wie sie sich am Wochenende im Verfolgerduell mit den Indians schlagen.

In der AL West sind die Oakland Athletics (8-4) bislang die positive Überraschung. Sie führen die Division vor den Houston Astros (6-5) an. Am Wochenende treffen die A’s und die Astros dreimal direkt aufeinander. Die Negativüberraschung sind die Los Angeles Angels (4-8). Bei ihnen erfüllt wieder mal kaum jemand die hohen Erwartungen – außer natürlich Mike Trout, der sich nach ein paar Tagen Babypause mit drei Homeruns in zwei Spielen zurück meldete. Als zweiter Superstar des Teams ist eigentlich seit drei Jahren Shohei Ohtani vorgesehen, doch ihm machen in unschöner Regelmäßigkeit Verletzungen einen Strich durch die Rechnung. Aktuell setzt ihn eine Zerrung im Unterarm außer Gefecht. Ohtani wird wohl heute oder morgen als DH ins Lineup der Angels zurückkehren, als Pitcher fällt er aber voraussichtlich für den Rest der Saison aus.

National League
Über die NL East kann man wegen der vielen Spielausfälle kaum etwas sagen außer dass die Atlanta Braves (8–5) ziemlich gut und die New York Mets (5-8) ziemlich schlecht gestartet sind – was größtenteils aus den sieben direkten Aufeinandertreffen resultiert, welche die Braves 5-2 für sich entschieden haben. Ein Wermutstropfen für die Braves ist, dass sie auf ihren besten Pitcher für den Rest des Jahres verzichten müssen. Mike Soroka erlitt einen Achillessehnenriss, als er im Spiel gegen die Mets am Dienstag die erste Base covern wollte und schon beim ersten Schritt vom Mound ungünstig auftrat. Tabellenführer der NL East sind übrigens die Miami Marlins (5-1) – eine schöne Momentaufnahme für den krassen Außenseiter, aber angesichts von nur sechs gespielten Partien ein Muster ohne Wert.

In der NL Central schwimmen die Chicago Cubs (10-2) auf einer Welle von sechs Siegen hintereinander und haben die Milwaukee Brewers (4-5) und die Cincinnati Reds (5-7) schon ein ganzes Stück weit abgehängt. Kaum zu beurteilen sind bislang die St. Louis Cardinals (2-3), die coronabedingt erst fünf Spiele absolvieren konnten. Nach sechs Tagen Quarantäne in einem Hotel in Milwaukee durften die Cardinals gestern nach Hause reisen. Sie werden voraussichtlich morgen den Spielbetrieb wieder aufnehmen, beginnend mit dem Härtetest einer Wochenendserie gegen die Cubs.

Die NL West könnte spannender werden als erwartet. Zwar haben die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers (9-4) einen grundsoliden Start hingelegt und sich mit +33 bereits das höchste Run Differential der gesamten MLB erspielt. Doch die Colorado Rockies (8-3) überzeugen ebenso, haben bislang jede ihrer Serien gewonnen. Auch die San Diego Padres (7-6) kamen gut in die Saison rein, erhielten aber durch jeweils 1:2 verlorene Serien gegen die Dodgers und die Rockies diese Woche ihre ersten Dämpfer.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist der Abgang von Yoenis Cespedes bei den Mets. Der Outfielder mit dem Hang zum Spektakulären – sowohl auf dem Platz als auch jenseits davon – sorgte für Aufruhr im Lager der Mets, als er am Sonntag nicht zum Spiel in Atlanta erschien und auf Kontaktversuche nicht reagierte. Schließlich schickte man eine Gruppe von Sicherheitsleuten, die sich Zugang zu seinem Hotelzimmer verschafften, welches sie allerdings komplett leer vorfanden. Erst in der Mitte des Spiels meldete sich der Agent von Cespedes mit der Erklärung, sein Mandant habe entschieden, wegen Corona aus der Saison auszusteigen. Das ist sein gutes Recht, aber auf diese Art, ohne jeden persönlichen Abschied von dem Team, dem er fünf Jahre angehört hat, hinterlässt die Sache mehr als einen faden Beigeschmack. Bei den Mets wird man Cespedes wohl nicht mehr sehen, denn das aktuelle ist sein letztes Vertragsjahr.

Da es von dem obskuren Abgang kein Video gibt und wir alle sowieso lieber schöne Baseballszenen sehen, gibt es quasi als Bonus zur Szene der Woche diesen atemberaubenden Wurf von Mookie Betts:

Statistik der Woche 
9 von 9. Tyler Alexander gelang es am Sonntag, neun Batter hintereinander per Strikeout abzufertigen. Der Reliever kam im dritten Inning für die Detroit Tigers ins Spiel und pflügte einmal durch das komplette Lineup der Cincinnati Reds, bevor er Mike Moustakas bei einem 0-2-Count abwarf und dadurch die Strecke beendete. Alexander hat damit einen Rekord für die meisten aufeinander folgenden Strikeouts durch einen Einwechselpitcher aufgestellt. Der Rekord für die meisten Strikeouts hintereinander durch einen einzelnen Pitcher liegt bei zehn, aufgestellt von Mets-Starter Tom Seaver im Jahr 1970.

Spiel der Woche
Zwei Homeruns von Joc Pederson, ein besonders beeindruckender von Fernando Tatis Jr. und ein sehenswertes Doubleplay, um die Aufholjagd im neunten Inning zu beenden – das sind die Hauptzutaten für mein Spiel der Woche, das letzte Nacht zwischen den San Diego Padres und den Los Angeles Dodgers stieg:

Mein Einschalttipp
Diese Woche gibt es nicht nur einen Einschalt-, sondern auch einen Hingehtipp: Morgen beginnt die verkürzte Saison der Baseball-Bundesliga. Den Anfang machen am Freitag um 18:30 Uhr die Paderborn Untouchables und die Cologne Cardinals. Eine halbe Stunde später beginnt das wohl interessanteste Duell des ersten Spieltags, bei dem der amtierende Meister Heidenheim Heideköpfe auf die Mainz Athletics trifft. Zuschauer sind in fast allen Ballparks im Rahmen von Abstands- und Hygienekonzepten und mit Erfassung von Kontaktdaten erlaubt – eine Ausnahme davon stellen bislang die bayerischen Teams dar, die noch keine Zuschauer zulassen dürfen. Informiert euch bitte beim jeweiligen Verein über die konkreten Bedingungen, zum Beispiel ob Tickets online gekauft werden müssen. Wenn euch das zu umständlich oder zu unsicher ist oder ihr kein Team in der Nähe habt, schaut doch bei einer der Live-Übertragungen rein. Mir liegt leider keine genaue Information vor, welche Vereine Streams zur Verfügung stellen, aber zumindest mit den üblichen Verdächtigen wie Bonn, Regensburg, München, Hamburg und Berlin darf man wohl rechnen. Wer dazu weitere Informationen hat, kann sie gerne als Kommentar posten.

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März 20th, 2020 by Silversurger

Die St. Louis Cardinals gehen als Verteidiger des Divisionstitels in die neue Saison der NL Central. Das kam ein bisschen überraschend nach drei eher mittelmäßigen Jahren und einem ebensolchen Beginn der letzten Saison. Doch die Cardinals steigerten sich im Verlauf des Jahres und brachten es in der zweiten Saisonhälfte auf die beeindruckende Bilanz von 51 Siegen und nur 30 Niederlagen. Darauf lässt sich für 2020 aufbauen, insbesondere auf den starken Leistungen des Pitching-Staffs um Jack Flaherty, der sich als das neue Ass des Teams etabliert hat. Die Cardinals sind keine Überflieger, denn dazu ist das Lineup zu inkonsistent und auch der Bullpen wirft zu viele Fragen auf. Nennenswerte Verstärkungen in der Offseason waren zudem Fehlanzeige. Aber der Klub ist traditionell berüchtigt dafür, aus begrenzten Möglichkeiten das Beste herauszuholen, und sein Manager Mike Shildt personifiziert diese Eigenschaft wie kaum ein zweiter. Deshalb traue ich den Cardinals zu, dass sie auch 2020 die NL Central gewinnen werden. Viel mehr als Bauchgefühl ist das jedoch nicht angesichts der weit offenen Konkurrenzsituation in der Division. Letztes Jahr war es schon ein Dreikampf zwischen den Cardinals, den Cubs und den Brewers, in der neuen Saison könnten die Reds in diese Gruppe aufsteigen und die Sache noch spannender machen. Auf eine Reihenfolge innerhalb des Quartetts würde ich nicht wetten wollen.

Voraussichtliches Lineup
C Yadier Molina
1B Paul Goldschmidt
2B Kolten Wong
SS Paul DeJong
3B Matt Carpenter
LF Tyler O’Neill
CF Harrison Bader
RF Dexter Fowler

Voraussichtliche Rotation
RHP Jack Flaherty
RHP Miles Mikolas
RHP Dakota Hudson
RHP Adam Wainwright
RHP Carlos Martinez
Key Reliever: Giovanny Gallegos

Wichtigster Zugang
LHP Kwang-Hyun Kim (SK Wyverns)

Wichtigster Abgang
OF Marcell Ozuna (Atlanta Braves)

Bestes Prospect
OF Dylan Carlson

Größte Stärke
Paul Goldschmidt: Für seine Verhältnisse hatte Goldy in seinem ersten Jahr als Cardinal eine schwächere Saison mit 2.9 fWAR und .821 OPS. Aber die Saisonstatistik täuscht darüber hinweg, dass er nach dem All-Star-Break mächtig in Fahrt kam. 18 Homeruns, 60 RBI und .886 OPS in der zweiten Saisonhälfte machten jeden Zweifel an den nach wie vor herausragenden Fähigkeiten des 32-jährigen First Baseman zunichte.

Größte Schwäche
Offensive Tiefe: Mit Goldschmidt, Matt Carpenter und vielleicht noch Paul DeJong ist ein starker Kern an Hittern vorhanden. Ob das reicht, um ganz oben mitzuhalten, ist zumindest fraglich. Die Batting-Leistung des Teams insgesamt war 2019 nur knapp durchschnittlich und das Auftreten in der NLCS war ein regelrechter Offenbarungseid der Cardinals-Offense. Inzwischen haben die Cardinals ihren Cleanup-Hitter Marcell Ozuna ersatzlos ziehen lassen, was das Lineup mit Sicherheit nicht stärker macht.

Spannendste Frage
Wer übernimmt die Rolle des Closers? 2019 hatten die Cardinals Saves von neun verschiedenen Pitchern. In der zweiten Saisonhälfte übernahm Carlos Martinez den Job und machte seine Sache gut. Da Martinez dieses Jahr in die Starting Rotation zurückkehrt, ist die Stelle wieder zu haben. Die offensichtliche Wahl wäre Andrew Miller, der jedoch mit einer mysteriösen Verletzung zu kämpfen hat. Ob und welche Rolle das frühere Top-Prospect Alex Reyes spielen wird, ist ebenfalls schwer einzuschätzen. Eine sichere Bank als Reliever ist am ehesten Giovanny Gallegos, auf den es letztlich als Closer hinauslaufen könnte.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 4th, 2020 by Silversurger

Auf Anregung des Lesers Firstdown macht die Ballparks-Serie heute Station in St. Louis. Busch Stadium steht regelmäßig in der Spitzengruppe der bestbesuchten Stadien der MLB – was in erster Linie an dem fast immer konkurrenzfähigen Heimteam liegen dürfte, aber sicher auch daran, dass es ein schöner, moderner Ballpark mit obendrein herrlicher Aussicht ist.

Busch Stadium, St. Louis (1)

Geschichte
Als eine der ältesten und erfolgreichsten MLB-Franchises blicken die Cardinals auf eine umfangreiche Stadiengeschichte in St. Louis zurück. Busch Stadium ist seit der Teamgründung 1892 der siebte Ballpark, in dem sie ihre Heimspiele austragen. Da die letzten beiden Stadien ebenfalls Busch Stadium heißen, spricht man auch von Busch Stadium III, wenn man betonen möchte, dass es um den aktuellen Ballpark geht.

Man könnte auf die Idee kommen, Busch Stadium sei nach einer Biermarke benannt. Stimmt aber nicht ganz, denn der Stadionname war zuerst da: Eigentlich wollte 1953 der damals neue Teambesitzer August Busch Jr. die Spielstätte „Budweiser Stadium“ taufen. Doch die Regeln der Liga verboten es, ein Stadion nach einem alkoholischen Getränk zu benennen. Daher gab ihm Busch seinen eigenen Namen – und brachte etwas später die neue Marke Busch Beer auf den Markt. Die Familie Busch bzw. der Konzern Anheuser-Busch verkauften die Franchise 1996 an eine Investorengruppe, sind den Cardinals aber immer noch so eng verbunden, dass sie auch für das 2006 eröffnete Stadion die Namensrechte erwarben.

Der Bau von Busch Stadium III wurde seit 1995 angestrebt, doch wie so oft scheiterteten die frühen Pläne an Finanzierungs- und Standortfragen. So gab man sich nach dem Auszug des NFL-Teams St. Louis Rams zunächst mit einer Renovierung von Busch Stadium II zufrieden. Erst 2003 stand der Mix aus Krediten, öffentlichen Zuschüssen und privaten Beteiligungen, der einen Baustart im Januar 2004 ermöglichte. Da der Standort des neuen und der des alten Stadions sich überschneiden, mussten die zeitlichen Abläufe des Baus und des Abrisses präzise aufeinander abgestimmt werden: 2004 und 2005 wurde in Busch Stadium II noch gespielt, während direkt nebenan ein Großteil von Busch Stadium III errichtet wurde. Nach Saisonende 2005 musste der alte Ballpark zügig abgerissen werden, damit der neue soweit fertig gestellt werden konnte, um im April 2006 vor reduzierter Kulisse die ersten Spiele zu ermöglichen. Erst im Laufe der Saison wurden nach und nach alle Bereiche des Stadions fertig gestellt und frei gegeben.

Territorrialschlacht: Busch Stadium III (rechts) vs. Busch Stadium II (links) (2)

Das Team der Cardinals schloss das neue Stadion offensichtlich schnell ins Herz: Das Eröffnungsspiel gegen die Milwaukee Brewers am 10. April 2006 wurde 6:4 gewonnen, sowohl der erste Hit durch David Eckstein als auch der erste Homerun durch Albert Pujols gingen auf das Konto des Heimteams. Am Ende der Saison, in der sämtliche Spiele in St. Louis ausverkauftes Haus meldeten, schafften es die Cardinals in die World Series und gewannen diese 4:1 gegen die Detroit Tigers. Die Cardinals sind damit das einzige Team seit den Yankees von 1923, das im Eröffnungsjahr eines neuen Stadions den Titel holte.

Busch Stadium III hat inzwischen noch zwei weitere World Series beherbergt: 2011 feierten die Cards eine weitere Championship, als sie einen 2:3-Rückstand gegen die Texas Rangers mit zwei Siegen in Busch Stadium zum 4:3-Erfolg drehten. 2013 unterlagen sie den Boston Red Sox in 2:4 Spielen.

Architektonische Auffälligkeiten
In vielerlei Hinsicht ist Busch Stadium III ein typisches Exemplar des retro-klassischen Stils, in dem das Architekturbüro Populous in den 90er- und Nuller-Jahren zahlreiche Ballparks designte. Kennzeichnend für diese Stadien sind die Konstruktion als reine Baseballstadien, die in Stufen übereinander geschichteten Tribünen und die offene Bauweise mit einem Einschnitt im Outfield, der eine attraktive Aussicht ermöglicht – im konkreten Fall auf die Skyline der Stadt St. Louis mit ihrem Wahrzeichen Arch Gateway.

Die Außenfassade des Stadions wird dominiert von rotem Ziegelstein und Metall und spiegelt somit den industriellen Charakter der Region wider. Ihr ikonischster Teil ist der Westeingang durch Tor 3 mit der Bronzestatue der Cardinals-Legende Stan Musial und der symbolischen Nachbildung der Eads Bridge.

Stan Musial wacht vor Gate 3 (3)

Ein wunder Punkt des schönen und beliebten Stadions war lange Zeit die Umgebung: Trotz der Lage mitten in St. Louis war rings um das Bauwerk wenig los, was für die Zuschauer vor und nach dem Spiel attraktiv hätte sein können. Als Abhilfe sollte direkt nach dem Stadionbau auf dem frei gewordenen Platz von Busch Stadium II unter dem namen Ballpark Village ein Komplex mit Restaurants, Hotels und Unterhaltungsangeboten entstehen. Das Projekt verzögerte sich immer wieder, doch 2014 konnte schließlich der erste Abschnitt von Ballpark Village eröffnet werden. Die endgültige Fertigstellung wird für dieses Jahr erwartet.

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 336 Fuß (102m) Leftfield-Line, 400 Fuß (122m) Centerfield und 335 Fuß (102m) Rightfield-Line liegt Busch Stadium leicht über dem MLB-Durchschnitt. Es überrascht daher nicht, dass die Parkfaktoren sowohl für die letzte Saison als auch über mehrere Jahre hinweg gesehen den Ballpark der Cardinals als pitcherfreundlich ausweisen. Insbesondere für rechtshändige Slugger ist Busch Stadium ein ungünstiges Pflaster, denn sie schlagen hier signifikant weniger Homeruns als in den meisten anderen MLB-Stadien.

Wo sitzt man am besten?
Tradition hat offenbar ihren Preis: Gemeinsam mit anderen altehrwürdigen Franchises wie den Cubs, Yankees, Dodgers und Red Sox finden sich die Cardinals in den Top-5 der teuersten Ticketpreise der Liga. 96 Dollar kostete eine Eintrittskarte für Busch Stadium 2019 im Durchschnitt. Es ist zudem nicht einfach, überhaupt an Tickets heranzukommen, denn die Auslastung des Stadions liegt regelmäßig bei über 95%.

Wenn Geld keine Rolle spielt, sind die grünen Sitze des Cardinals Club direkt hinter der Homeplate die Premium-Erfahrung in Busch Stadium. Man ist dort nicht nur mit perfekter Sicht ganz nah am Geschehen, sondern hat vor dem Spiel Zugang zu einem Büffet und wird während des Spiels am Platz bedient. Ergattert man einen solchen Platz für unter 300 Dollar – was für weniger gefragte Spiele über Reseller-Plattformen möglich ist –, dann hat man ein echtes Schnäppchen gemacht, denn oft gehen die Preise hier in den vierstelligen Bereich.

Möchte man kein Vermögen ausgeben, so empfehlen sich eher Plätze auf den oberen Levels (300 und 400). An heißen, sonnigen Tagen sitzt man dabei deutlich besser auf der Third-Base-Seite (z. B. 352-357 und 452-454) als auf der anderen. Die Rightfield-Seite sollte man, unabhängig vom Level, an solchen Tagen vor allem für Nachmittagsspiele eher meiden.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Joe Penniston (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: deliriant (CC BY–NC-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Matthew D. Britt (CC BY-SA 2.0)

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Januar 23rd, 2020 by Silversurger

Die Baseball Hall of Fame in Cooperstown bekommt zwei neue Mitglieder: Derek Jeter und Larry Walker haben bei der diesjährigen Wahl jeweils die Zustimmungsschwelle von 75% überschritten. Jeter gelang dies gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, Walker im zehnten und somit letztmöglichen Jahr.
Unterdessen legt der Sign-Stealing-Skandal um die Houston Astros und die Boston Red Sox nach wie vor einen Schatten auf die Saisonvorbereitung, wenngleich es in den letzten Tage relativ ruhig um das Thema war. Der Untersuchungsbericht und das Strafmaß für die Red Sox stehen noch aus. Bezüglich der Astros sorgten kurz Gerüchte für die Aufregung, dass Spieler Buzzer unter dem Trikot getragen haben sollen, über die sie Signale über die gegnerischen Pitches erhielten. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Vorwürfe nicht neu waren und sich im Zuge der Untersuchung der MLB bereits als nicht stichhaltig erwiesen hatten.

Jeter und Walker kommen in die Hall of Fame
Dass Derek Jeter bei erster Gelegenheit in die Ruhmeshalle des Baseball aufgenommen wird, war jederzeit klar; die Frage war eigentlich nur, ob die Shortstop-Legende der Yankees ein einstimmiges Ergebnis erzielt oder nicht. Letztendlich kam er auf 99,7%, mit anderen Worten: Es fehlte ihm genau eine Stimme zu dem Traumergebnis, das sein Teamkamerad Mariano Rivera letztes Jahr als bisher einziger erreicht hatte. Warum unter den 397 Wählern der Baseball Writers Association of America (BBWA) einer der Meinung war, Jeter gehöre nicht auf seinen Wahlzettel, kann man nur mutmaßen. Vielleicht war es eine prinzipielle Entscheidung, Jeter nicht die 100% zu gönnen, weil größere Spieler als er – Babe Ruth, Ted Williams, Hank Aaron etc. – sie auch nicht bekommen haben. Vielleicht war es auch eine taktische Entscheidung, weil dem betreffenden Wähler zehn andere Spieler, für die eine knappe Wahl abzusehen war, wichtiger waren. Wie dem auch sei, im Juli wird Jeter in die Hall of Fame aufgenommen und das mit dem zweitbesten Wahlergebnis aller Zeiten.
Gemeinsam mit ihm wird auch Larry Walker seine Plakette in Cooperstown erhalten. Der kanadische Outfielder war in den 90er- und Nullerjahren ein Star bei den Colorado Rockies und den Montreal Expos. Er übersprang im zehnten Jahr seiner Wählbarkeit mit 76,6% die Hürde. Dass es für ihn trotz beeindruckender Statistiken so lange gedauert hat, liegt wohl auch daran, dass Walker den größten Teil seiner Leistungen in Coors Field erbracht hat, einem traditionell hitterfreundlichen Ballpark. Nichtsdestotrotz ist Walkers Aufnahme in die Hall of Fame meiner Ansicht nach genauso hochverdient wie die Jeters – gemessen an ihrem Karriere-bWAR sind beide mit 72,4 (Jeter) bzw. 72,7 (Walker) übrigens ziemlich exakt gleich zu bewerten.
Erneut verpasst haben den Einzug in die Halle Curt Schilling (70,0%), Roger Clemens (61,0%) und Barry Bonds (60,7%). Die drei ehemaligen Superstars gehören von den produzierten Ergebnissen her ohne Zweifel hinein, doch sie alle tragen die Hypothek des Steroid-Zeitalters mit sich, welche ihre Leistungen für immer mit einem einschränkenden Sternchen versieht. Für die drei war es das achte Jahr der Wählbarkeit. Mein Tipp ist, dass man sie bis zum zehnten schmoren lässt und sie dann doch aufnimmt.

Fliegender Managerwechsel bei den Mets
Über die New York Mets hatte ich letzten Donnerstag noch spekuliert, dass sie sich möglicherweise von ihrem Manager Carlos Beltran trennen wegen dessen unrühmlicher Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Astros. Keine zwei Stunden später war er es bereits soweit, und schon gestern präsentierten die Mets einen Nachfolger für Beltran: Luis Rojas heißt der neue Cheftrainer, ist 38 Jahre alt und hat sich innerhalb der Mets-Organisation von der dominikanischen Sommerliga bis in die Major League hochgearbeitet. Rojas war für den Posten schon im November in der engeren Auswahl, die schließlich auf Beltran fiel. Rojas spielte selbst nie professionell Baseball und ist außerhalb der Mets ein relativ unbeschriebenes Blatt. In Fachkreisen wurde er aber schon länger als einer der interessantesten jungen Managerkandidaten gehandelt. Rojas ist der Sohn des Ex-Outfielders und Managers Felipe Alou und ein Halbbruder von Moises Alou.

Astros und Red Sox suchen noch
Noch vor den Mets hatten die Houston Astros und die Boston Red Sox im Zuge der Sign-Stealing-Affäre ihre Manager entlassen. Laut Teambesitzer Jim Crane wollen die Astros Anfang nächster Woche eine Entscheidung über die Nachfolge von A. J. Hinch treffen. In der engeren Auswahl sind Dusty Baker, Buck Showalter, John Gibbons, Eduardo Pérez, Will Venable, Jeff Banister und mindestens ein weiterer Kandidat, dessen Name bisher nicht öffentlich wurde.
Aus dem Umfeld der Red Sox hält sich hartnäckig Hensley Meulens, derzeit Bench-Coach der Mets, als Favorit für die von Alex Cora hinterlassene freie Stelle. Weitere Kandidaten gibt es mit Sicherheit, aber der Klub lässt bislang wenig nach außen dringen und macht nicht den Eindruck, dass eine Entscheidung unmittelbar bevor stünde.

Braves verpflichten Ozuna
Die Atlanta Braves sichern sich den hochrangigsten zuletzt noch verfügbaren Free Agent: Marcell Ozuna unterschreibt für ein Jahr und erhält dafür 18 Millionen Dollar. Der 29-Jährige wird voraussichtlich den Stammplatz im Leftfield neben Ender Inciarte (Center) und Ronald Acuna Jr. (Right) übernehmen. Offensiv ist Ozuna ein klares Upgrade für die Braves, bei denen die Rolle von Nick Markakis und Adam Duvall durch die Verpflichtung geschmälert und die von Austin Riley ins Infield verlagert wird. In Bezug auf Ozunas Defensivleistungen ist abzuwarten, ob er die Schulterprobleme überwunden hat, die ihn in den vergangenen beiden Jahren beim Werfen behindert haben. Da für Ozuna ein Qualifying Offer seines Ex-Klubs vorgelegen hatte, erhalten die Cardinals von den Braves einen Draftpick als Kompensation für den Wechsel.

Weitere Spielerverpflichtungen
Außer Ozuna haben auch SP/RP Drew Smyly (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4-7 Millionen Dollar einsatzabhängig), OF Alex Gordon (Kansas City Royals, 1 Jahr, 4-5 Millionen) und C Matt Wieters (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 2-3 Millionen) neue MLB-Verträge erhalten. Minor-League-Verpflichtungen erwähne ich an dieser Stelle normalerweise nicht, aber für SP Felix Hernandez gibt es eine Ausnahme: Er wurde von den Atlanta Braves verpflichtet und erhält die Chance, im Camp zu zeigen, dass mit ihm noch zu rechnen ist. Das ehemalige Ass der Seattle Mariners hat seit 2017 nicht mehr die Leistungen und Ergebnisse abgeliefert, die man von ihm gewohnt war. Der 33-Jährige kämpft mit Sean Newcomb und einigen anderen um einen Platz als Nummer fünf in Atlantas Starting Rotation.

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Januar 16th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 steht vor der Tür, was eigentlich Grund zur Vorfreude sein sollte. Doch die letzten Tage standen klar im Schatten unrühmlicher Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit. Das Meisterteam des Jahres 2017 wurde des systematischen Betrugs überführt, vergleichbare Anschuldigungen gegen das Meisterteam des Jahres 2018 werden noch geprüft. Die bislang ausgesprochenen und noch zu erwartenden Strafen sind empfindlich, auch wenn sie nicht bis zum ultimativen Mittel – dem Entzug von Titeln – reichen. Mehrere Verantwortliche haben durch den Skandal bereits ihren Job verloren, mindestens ein weiterer könnte in Kürze folgen. Alles in allem gibt der professionalle Baseball gerade ein betrübliches Bild ab. Als Fan des Sports kann man nur hoffen, dass es sich bei den aktuellen Ereignissen um ein reinigendes Gewitter handelt und dass spätestens in zwei Monaten wieder der sportliche und vor allem faire Wettkampf auf dem Platz im Mittelpunkt steht.

Red Sox feuern schon mal den Manager
Die Boston Red Sox haben in der Saison 2018 die Fingerzeige der gegnerischen Catcher gefilmt, die Informationen während der Spiele ausgewertet und an ihre Batter weitergeleitet. Die Untersuchung dazu läuft noch und wird aller Voraussicht nach zu ähnlichen Strafen führen wie die Astros sie diese Woche für ihre Verstöße im Jahr 2017 hinnehmen mussten (siehe Bericht vom Dienstag). Als erste interne Konsequenz trennten die Red Sox sich vorgestern von Manager Alex Cora. Das kommt wenig überraschend, denn Cora kommt eine zentrale Rolle in beiden Sign-Stealing-Fällen zu. 2017 war er Bench Coach der Astros und laut dem Untersuchungsergebnis der MLB die Hauptperson, die gemeinsam mit mehreren Spielern das Spionagesystem entwickelte und durchführte. Ein Strafmaß für ihn hat die Liga noch nicht festgelegt, weil dazu zunächst die Untersuchung der Vorfälle in Boston abgeschlossen werden soll, wo Cora ab 2018 als Field Manager, also Cheftrainer der Red Sox tätig war.
Der Nachfolger für Cora in Boston steht noch nicht fest. Als frühe Favoriten für den Job gelten Jason Varitek, bislang Assistent des General Managers, sowie der derzeitige Bench Coach der New York Mets, Hensley Meulens.

Stolpert auch Beltran über den Sign-Stealing-Skandal?
Auch die Mets könnten bald wieder auf der Suche nach einem neuen Manager sein, denn ihr vor zwei Monaten verpflichteter Skipper Carlos Beltran steht ebenfalls im Fokus des Sign-Stealing-Skandals. Er war zwar während der Vorgänge bei den Astros 2017 nur Spieler und als solcher von der MLB ausdrücklich von individuellen Strafen ausgenommen. Beltrans Integrität hat jedoch spürbaren Schaden genommen: Beim Aufkommen des Skandals verkündete er noch öffentlich, von einem Sign-Stealing-System in Houston nichts mitbekommen zu haben. Die Untersuchung der Liga benennt ihn jedoch als einzigen Spieler namentlich als einen der Protagonisten neben Cora. Eine Entscheidung, ob die Mets die Zusammenarbeit mit Beltran fortsetzen, wird bis Ende der Woche erwartet.

Donaldson zu den Twins
Zurück zum Sport: Die Minnesota Twins sind als Sieger aus dem wochenlangen Wettbieten um die Dienste von Josh Donaldson hervorgegangen. Der Third Baseman bekommt einen Vertrag über vier Jahre und 92 Millionen Dollar. Für weitere 8 Millionen kann der Klub die Option auf ein fünftes Jahr ziehen, wodurch sich Donaldsons Einkünfte aus dem Konktrakt auf glatte 100 Millionen belaufen würden. Drei Tage zuvor hatte es noch so ausgesehen, als hätten die Twins einen anderen Weg eingeschlagen, indem sie ihrem bisherigen Third Baseman Miguel Sano 30 Millionen für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre gaben. Nun stellt sich heraus, dass der Plan von vornherein war, Sano auf die defensiv weniger anspruchsvolle Position an der ersten Base zu verschieben und ein Upgrade für die dritte Base zu finden. Das ist durch die Verpflichtung von Donaldson definitiv gelungen. Der 34-Jährige bringt sowohl starkes Feldspiel als auch ordentliche Homerun-Power auf die Waage. Die Twins werten damit ein ohnehin schon beeindruckendes Lineup weiter auf. Mit Max Kepler, Mitch Garver, Nelson Cruz, Eddie Rosario, Sano und Donaldson haben sie nun sechs Spieler an Bord, die 2019 mehr als 30 Homeruns schlugen.

Weitere Spielerverpflichtungen
Außer Donaldson haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: 3B Todd Frazier (Texas Rangers, 1 Jahr, 5 Millionen Dollar mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Alex Wood (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 4-10 Millionen leistungsabhängig), IF Jedd Gyorko (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 2 Millionen mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Ivan Nova (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,5-2 Millionen leistungsabhängig), OF Guillermo Heredia (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 1 Million).

Viele kleine Trades
Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass zwischen den Colorado Rockies und den St. Louis Cardinals ein Trade im Raum steht, dessen Kernstück Third Baseman Nolan Arenado sein soll. Bisher haben die Verhandlungen aber zu keinem Ergebnis geführt. Daher gibt es an dieser Stelle zwar eine Reihe kleiner Deals, aber (noch) keinen Blockbuster zu vermelden:
Die Tampa Bay Rays holen sich in 1B/OF Jose Martinez und OF Randy Arozarena zwei Ergänzungsspieler von den Cardinals, welche dafür Pitching-Prospect Matthew Liberatore und C Edgardo Rodriguez bekommen. Der „Hauptpreis“ in diesem Trade ist Liberatore. Um das linkshändige Talent zu bekommen, geben die Cardinals nicht nur Martinez und Arozarena her, sondern auch einen hohen Draftpick (Nummer 38) für einen niedrigeren (Nummer 66).
Die Los Angeles Angels bekommen von den Diamondbacks RP Matt Andriese im Tausch gegen Minor-League-Pitcher Jeremy Beasley.
OF Austin Dean wechselt von den Miami Marlins zu den Cardinals, die dafür Minor-League-OF Diowill Burgos abgeben.
Die Chicago Cubs schicken IF/OF Tony Kemp zu den Oakland Athletics und bekommen im Gegenzug Minor-League-IF Alfonso Rivas.
Die Houston Astros bekommen SP/RP Austin Pruitt von den Tampa Bay Rays und geben dafür die Minor Leaguer OF Cal Stevenson und RP Peyton Battenfield ab.
Die Texas Rangers schicken RP Jeffrey Springs zu den Boston Red Sox und erhalten als Gegenleistung 1B Sam Travis.

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