Juli 1st, 2018 by Dominik

Es ist mal wieder soweit: Wie an jedem 1. Juli erhält Bobby Bonilla heute von den New York Mets eine Überweisung von 1,19 Millionen Dollar. Wie an jedem 1. Juli werden die Mets kübelweise Hohn und Spott über sich ergehen lassen und die ganze Baseballwelt wird kollektiv darüber schmunzeln, was für eine verrückte und ungeschickte Franchise sie doch sind. Natürlich sind sie das, völlig unbestreitbar. Trotzdem muss ich sie vor einer verbreiteten und heute sicher wieder vielfach zu lesenden Behauptung in Schutz nehmen; nämlich vor der Behauptung, der Fall Bonilla sei einzigartig und so etwas könne nur bei den Mets passieren.

Für den Fall, dass jemand die berühmte Geschichte um Bonilla noch nicht kennt, erzähle ich sie kurz noch mal: Roberto Martin Antonio – genannt Bobby – Bonilla war ein Third Baseman und Right Fielder, der von 1986 bis 2001 für acht verschiedene MLB-Teams spielte. Von 1992 bis 1995 und dann noch einmal 1999 trat er für die Mets an, die ihn beim ersten der beiden Engagements mit einem 5-Jahres-Vertrag über 29 Millionen Dollar zum höchstbezahlten Baseballprofi seiner Zeit machten. Das war vielleicht übertrieben großzügig, aber zumindest bekamen die Mets von Bonilla in dieser Zeit solide Leistungen mit einem Batting Average von .278 und 91 Homeruns in dreieinhalb Jahren.

Ganz anders lief Bonillas zweiter Anlauf bei den Mets im Jahr 1999. Er absolvierte nur 60 Spiele, in denen er unterirdische .160/.277/.303 mit 4 Homeruns schlug und sich trotzdem immer wieder bei Manager Bobby Valentine über zu wenig Einsatzzeit beschwerte. Negativer Höhepunkt: Während des entscheidenden Playoffspiels, Game 6 der NLCS gegen die Braves, saß Bonilla im Clubhaus und spielte mit seinem Teamkameraden Rickey Henderson Karten statt die Kollegen zu unterstützen. Nach dieser desolaten Saison wurde Bonilla entlassen. Jedoch schuldeten die Mets ihm aus dem bestehenden Vertrag für das Jahr 2000 noch 5,9 Millionen Dollar, die sie nicht bezahlen konnten oder wollten. Es folgten Verhandlungen zwischen Mets-Owner Fred Wilpon und Bonilla sowie seinem Agenten Dennis Gilbert, die mit einer gütlichen Einigung endeten: Die Zahlung sollte bis zum Jahr 2011 gestundet und dann mit Zins und Zinseszins über 25 Jahre hinweg abgestottert werden. So geschah es und deshalb erhält der heute 54-jährige Bonilla noch bis 2035 jedes Jahr pünktlich am 1. Juli seine 1.193.248,20 Dollar. Alles in allem wird er anstelle der 5,9 Millionen letztlich 29,8 Millionen Dollar von den Mets erhalten haben – als nachträgliche Vergütung für ein Jahr, in dem er kein einziges Spiel für die Mets absolvierte.

Der Grund, dass die Mets diesen Deal überhaupt eingegangen sind, macht die Sache noch lächerlicher als sie ohnehin schon wäre: Teambesitzer Wilpon hatte sich damals den Geschäften des windigen Investors Bernie Madoff verschrieben. Madoff versprach zweistellige Gewinnraten und so sah es für Wilpon nach einer guten Idee aus, Bonilla 8 Prozent Zinsen auf die verzögerte Auszahlung seines Gehalts zu versprechen, während man selbst das Geld jährlich um 12 bis 15 Prozent zu vermehren glaubte. Das Madoff-Modell erwies sich bekanntlich als große Mogelpackung und Wilpon als ihr prominentestes Opfer. Bernie Madoff wurde übrigens 2009 zu einer 150-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Dass die Vereinsführung der Mets sich für den Bonilla-Vertrag bis heute verspotten lassen muss, hat sie sich redlich verdient. Aber wie eingangs schon angedeutet: So einzigartig, wie es oft dargestellt wird, ist dieser Fall in der MLB gar nicht. Es ist auch nicht der erste und bei weitem nicht der schlimmste. Zur partiellen Ehrenrettung der Mets stelle ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar andere haarsträubende Deals mit weit geringerem Bekanntheitsgrad vor:

Der 2008 von den Boston Red Sox entlassene Manny Ramirez erhält seit dem 1. Juli 2011 und noch bis 2026 jedes Jahr 1,968 Millionen Dollar.

Chris Davis – ja genau, der mit der historisch schlechten Saison – wird noch bis zum Alter von 52 Jahren Zahlungen aus seinem aktuellen Siebenjahresvertrag mit den Baltimore Orioles erhalten. Von 2023 bis 2032 bekommt er jährlich 3,5 Millionen Dollar, anschließend noch 1,4 Millionen Dollar bis 2037.

Matt Holliday hat dieses Jahr bislang kein neues Team gefunden, aber finanzielle Sorgen muss er sich nicht machen; von 2020 bis 2029 erhält er jedes Jahr 1,4 bis 1,6 Millionen Dollar aus einem 2010 geschlossenen Vertrag mit den St. Louis Cardinals.

Max Scherzer steht bei den Washington Nationals noch bis 2021 unter Vertrag, die schönsten Zahltage fangen dann aber erst an: Von 2022 bis 2028 wird Scherzer jährlich eine fürstliche „Rente“ von 15 Millionen Dollar kassieren, weil die Nationals ihr Ass 2015 unbedingt langfristig halten wollten, auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten konnten.

Der älteste mir bekannte Fall – und gleichzeitig einer der verrücktesten – ist der von Reliever Bruce Sutter.  Dieser erhielt 1985 bei den Atlanta Braves einen Sechsjahresvertrag über 9,1 Millionen Dollar. Ausgezahlt wurden ihm damals „nur“ rund 750.000 Dollar pro Jahr, wobei er in drei von sechs Jahren noch nicht mal spielte. Seit 1991 und noch bis 2021 erhält Sutter jährlich 1,12 Millionen Dollar. Sowohl die 750.000 als auch die 1,12 Millionen sind wohlgemerkt nur Zinszahlungen. Die Braves schulden ihm also 2022 immer noch das eigentliche Gehalt von 9,1 Millionen Dollar für den bis dahin 37 Jahre alten Vertrag. Sutter wird dann 69 Jahre alt sein und insgesamt über 47 Millionen Dollar für drei nicht besonders gute Jahre in Atlanta erhalten haben. Vor allem als Fan der Braves sollte man also nicht allzu laut über den Bonilla-Day der Mets lachen – sonst stößt man womöglich auf Gegenspott von jemandem, der weiß, dass es auch einen Sutter-Day gibt.

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Juni 28th, 2018 by Dominik

Halbzeit! Ein paar Teams haben die 81 Spiele schon voll gemacht, die anderen stehen kurz davor und ich frage mich, wohin schon wieder die Zeit gerast ist. Immer wieder erwische ich mich beim Gedanken, es sei ja noch früh in der Saison, dabei ist die Hälfte bereits vorbei. Wie schnell in der MLB die Zeit vergeht, fällt auch in anderer Hinsicht auf: Gerade mal zweieinhalb Baseballjahre ist es her, da standen sich in der World Series 2015 die Kansas City Royals und die New York Mets gegenüber. Ausgerechnet diese beiden Teams sowie die Baltimore Orioles sind zurzeit die schwächsten, die die Liga zu bieten hat. Das erstaunt nicht nur, weil alle drei vor Kurzem noch vorne mitspielten, sondern auch weil keines dieser Teams sich – anders als zum Beispiel die White Sox, die Marlins oder die Reds – bislang aufgerafft hat, ein ernsthaftes Rebuilding anzugehen.

American League
Das Kopf-an-Kopf-Rennen in der American League East geht weiter: Diese Woche haben mal wieder die Boston Red Sox (54-27) die Nase vor den New York Yankees (52-26), welche einen schmerzhaften Sweep durch die Tampa Bay Rays (39-40) hinnehmen mussten. Dass die Red Sox vorne stehen, liegt aber allein an den mehr absolvierten Spielen – die Siegquote von 66,7% ist für beide Teams exakt identisch. Interessanter könnte die Ausgangslage kurz vor dem nächsten direkten Aufeinandertreffen der Erzrivalen (siehe „Einschalttipp“) gar nicht sein. Vom Rest der Division gibt es nicht viel zu berichten außer vielleicht, dass die ohnehin schon enttäuschenden Toronto Blue Jays (37-43) in den letzten Tagen noch mehr schlechte Nachrichten angehäuft haben: Die Starter Jaime Garcia und Aaron Sanchez mussten auf die Verletztenliste gesetzt werden und der ehemals vielversprechende junge Closer Roberto Osuna wurde für 75 Spiele gesperrt. Gegen Osuna steht seit Mai eine Anklage im Raum, laut der er eine Frau angegriffen haben soll, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Osuna ließ bekannt geben, dass er vor Gericht auf „nicht schuldig“ plädieren, die Sperre der MLB aber akzeptieren wird. Es ist gut möglich, dass die Blue Jays Osuna entlassen oder traden werden.

Die Cleveland Indians (44-35) haben die Gunst des Spielplans genutzt und ihren Vorsprung in der AL Central ausgebaut, indem sie hintereinander die Chicago White Sox (28-51) und die Detroit Tigers (36-45) gesweept haben. Die Cardinals waren für die Indians gerade der erste Gegner seit rund drei Wochen mit einer positiven Bilanz – die Serie ging 2:1 an St. Louis, doch damit kann man in Cleveland leben. Konkurrenz in der Division ist nämlich nach wie vor nicht vorhanden, auch und vor allem weil die Minnesota Twins (34-42) regelmäßig vor scheinbar schwächeren Gegnern einknicken, obwohl sie in den Serien gegen starke Teams wie Cleveland oder Boston zuletzt immer gut aussahen. Alles andere als gut sehen die Kansas City Royals (25-55) aus. Der World Champion von 2015 wird zwar von der Sieg-Niederlagen-Bilanz noch von den Orioles unterboten, weist aber inzwischen sowohl die wenigsten erzielten (283) als auch die meisten kassierten (435) Runs von allen Teams der MLB auf. Es zeigt sich bei den Royals momentan nicht der kleinste Ansatz, auf dem man aufbauen könnte; auch ihre Farm gibt wenig her.

Die Houston Astros (54-28) sind das genaue Gegenteil der Royals, sie führen die MLB in Runs scored (426) und in Runs allowed (252) an und machen nach wie vor nicht den Eindruck, dass sie sich auf dem Weg zur Titelverteidigung von irgendwem stoppen lassen wollen. In der AL West haben die Astros inzwischen dreieinhalb Spiele Vorsprung auf die Seattle Mariners (50-31), welche gleichwohl ihren Anspruch auf einen Wild-Card-Platz zementiert haben. Die wichtigste Konkurrenz um diese zweite Wild Card (nehmen wir die erste mal als sicher für die Red Sox oder Yankees an) kommt aus der eigenen Division. Inzwischen haben die Oakland Athletics (43-38) dabei den Los Angeles Angels (41-40) den Rang abgelaufen. Von ihren letzten elf Spielen haben die A’s neun gewonnen und stehen nach der Hälfte ihrer Saisonspiele erstaunlich gut da. Für sie wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, voller Selbstvertrauen in den All-Star-Break zu gehen, doch bis dahin sind es noch 16 Spiele, darunter sechs gegen die Indians, vier gegen die Astros und drei gegen die Giants. Die Angels befinden sich derweil auf Talfahrt mit zuletzt fünf Niederlagen am Stück. Eine gute Nachricht gibt es aber: Der verletzte Shohei Ohtani wird voraussichtlich doch noch im laufenden Jahr ins Team zurückkehren, wenn auch vielleicht nur als DH und nicht als Pitcher.

National League
In der National League East schwächeln die Atlanta Braves (54-34) zurzeit ein bisschen, haben fünf der letzten sieben Spiele verloren und das gegen vermeintlich schwache Gegner (Toronto, Baltimore, Cincinnati). Da die Washington Nationals (41-37) solidarisch mitschwächeln, hat sich zwischen den beiden nicht viel geändert. Lachender Dritter – inzwischen sogar lachender Zweiter – sind die Philadelphia Phillies (42-36), die geschickt unter dem Radar in Richtung einer erfolgreichen Saison fliegen. Ab heute werden sie allerdings zumindest für vier Tage auf dem Radar auftauchen, denn gegen die Nationals steht ein direktes Duell um den Verfolgerposten in der Division an. Gleichzeitig gibt es auch im Keller der NL East ein direktes Duell: Die New York Mets (32-46) laufen höchste Gefahr, sich von den Miami Marlins (32-49) auf den letzten Platz der Division und wahrscheinlich auch der gesamten NL befördern zu lassen. Zu den extrem mageren sportlichen Ergebnissen der Mets kommt seit vorgestern die Sorge um General Manager Sandy Alderson hinzu, dessen Krebserkrankung zurückgekehrt ist und der deshalb für unbestimmte Zeit pausiert. Seine Geschäfte übernimmt ein dreiköpfiges Gremium, welches direkt Owner Jeff Wilpon unterstellt ist. Wilpon tritt damit nun etwas offizieller in den Vordergrund, wirklich ändern dürfte sich dadurch allerdings wenig, denn Wilpon gilt schon lange als Dreh- und Angelpunkt der (Miss-)Geschicke der Mets. Er soll ein Kontrollfreak sein, der dem General Manager und dem Manager bis in die kleinsten Entscheidungen hineinregiert, sodass sich kaum seriös beurteilen lässt, wieviel Schuld am desolaten Zustand man Alderson und Callaway überhaupt zuschreiben kann.

Die NL Central ist in den vergangenen eineinhalb Wochen ein Stück enger zusammengerückt: Während die Milwaukee Brewers (46-33) und die Chicago Cubs (43-35) von den letzten zehn Spielen mehr verloren als gewonnen haben, konnten die St. Louis Cardinals (42-37) ihre Bilanz in dem Zeitraum wenigstens ausgeglichen gestalten. Die große Nachricht ist allerdings, dass die Cincinnnati Reds (34-46) in den letzten zehn Partien neun Siege eingefahren haben, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Cubs und eine gewonnene Serie gegen die Braves. Ab heute geht es für die Reds viermal hintereinander gegen die Brewers und ich bin sehr gespannt, ob sie ihren positiven Trend fortsetzen können. Unbedingt erwähnen muss ich mal wieder eine Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres: Cubs-Closer Brandon Morrow ist gerade wieder zurück von einigen Tagen auf der Verletztenliste, nachdem er sich beim Ausziehen seiner Hose den Rücken verknackst hatte. Morrow selbst dazu: „It’s frustrating any time you can’t get out there, especially when you can’t go for something as stupid as taking your pants off.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die NL West sieht ganz oben mit den Arizona Diamondbacks (46-34) und ganz unten mit den San Diego Padres (36-47) so aus wie gehabt. Dazwischen war diese Woche jedoch ordentlich Bewegung. Sowohl die Los Angeles Dodgers (43-36) als auch die San Francisco Giants (42-39) haben in diesem Zeitraum fünf von sechs Spielen gewonnen, die Colorado Rockies (38-42) hingegen haben zuletzt vier Spiele hintereinander verloren, zwei davon gegen die Giants. Da noch ein weiteres Spiel gegen die Giants, im Anschluss drei gegen die Dodgers und dann wieder drei gegen die Giants anstehen, drohen den Rockies derzeit ganz massiv die Felle davon zu schwimmen. Auch um ihr weiteres Programm bis zum All-Star-Break – sechsmal Mariners, dreimal Diamondbacks – sind die Rockies definitiv nicht zu beneiden.

Szene der Woche
Der kurioseste Moment der vergangenen Tage war wohl der verschwundene Homerun von Clint Frazier. Beim Stand von 6:6 zwischen den Blue Jays und den Yankees schien der junge Slugger seine New Yorker mit einem gewaltigen Homerun in Front zu bringen. Doch der Schlag war ein bisschen zu gewaltig, denn mitten in der Flugbahn war plötzlich Endstation in Form eines von der Decke hängenden Lautsprechers. Von dort tropfte der Ball nach unten ab und war leichte Beute für Shortstop Adeiny Hechavarria, da laut den Regeln in Toronto Bälle an die Decke in diesem Bereich als „im Spiel“ behandelt werden. Hechavarria hatte in dem Moment Hilfe von oben, aber ich muss noch ein anderes spektakuläres Out erwähnen, dessen Urheber ohne jede Hilfe auskam: Brewers-Starter Brent Suter bewahrte gestern Kansas Citys Alex Gordon mit einer zirkusreifen Einzelleistung vor dem Erreichen der ersten Base. Ein bisschen habe ich allerdings den Eindruck, dass Suter sich in der Situation von Domingo Ayalas Tipps inspirieren ließ, ein Routine-Out aussehen zu lassen wie ein Top-Play…

Statistik der Woche 
27. In so vielen aufeinander folgenden Auswärtsspielen haben die Oakland Athletics einen Homerun geschlagen. Das ist ein neuer Rekord, nachdem die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 1996 von den Baltimore Orioles gehalten wurde. Pünktlich für die Erwähnung in diesem Artikel wurde die Rekord-Strecke gestern beendet, als die A’s zwar 3:0 bei den Detroit Tigers gewannen, aber eben ohne Homerun. Die Athletics sind übrigens mit großem Abstand das Team mit den meisten Auswärts-Homeruns. 72-mal haben sie den Ball in der Fremde über den Zaun gedroschen, auf Rang zwei landen die Yankees mit „nur“ 60.

Spiel der Woche
Diese Woche gibt es zwei Kandidaten für das Spiel der Woche, von denen man sich je nach persönlicher Vorliebe eines aussuchen kann: Wenn man auf viele Hits und Runs steht, dann sollte man sich mindestens die Zusammenfassung der Partie der Red Sox gegen die Mariners vom Freitag anschauen. Bevorzugt man hingegen hochklassige Pitcherduelle, dann empfiehlt sich eher das Spiel der Brewers gegen die Cardinals vom gleichen Tag. Bis ins siebte Inning hinein war es ein No-Hitter für St. Louis‘ Jack Flaherty, der erst durch einen Solo-Homerun von Jesus Aguilar seine weiße Weste beschmutzte. Da auch Milwaukees Junior Guerra und der Brewers-Bullpen ein hervorragendes Spiel hatten, war dieser Homerun gleichzeitig der 1:1-Ausgleich. Im neunten Inning gewannen die Brewers das Spiel per Walkoff durch einen weiteren Solo-Shot von Aguilar. Es war das erste Mal seit mindestens 1961, dass derselbe Spieler nach fünf oder mehr Innings erst einen No-Hitter und dann auch das Spiel jeweils per Homeruns beendet.

Mein Einschalttipp
Ich habe nicht nachgezählt, aber vermutlich ist das Duell Red Sox gegen Yankees die häufigste Paarung in meinen bisherigen Einschalttipps. Sorry, wenn ich damit jemanden langweile, aber dieses Jahr gibt es in der MLB nichts Spannenders und Spektakulärers als das Aufeinandertreffen dieser beiden Erzrivalen, und deshalb kann ich auch für dieses Wochenende nur dazu raten, hier mal reinzuschauen. Die Zeiten sind dieses Mal leider allesamt ungünstig für Menschen mit einem „normalen“ europäischen Schlafrhythmus, aber wenigstens entsteht dadurch keine Konkurrenz zur Fußball-WM. Da die beiden Asse der Teams nicht direkt aufeinander treffen, gibt es von mir eine geteilte Empfehlung: Wenn ihr auf einen Sieg der Red Sox hofft, dann schaut euch Samstagnacht ab 1:15 Uhr Chris Sale (2.56 ERA, 2.48 FIP) gegen Sonny Gray (4.93 ERA, 4.19 FIP) an. Falls ihr es, aus welch obskuren Gründen auch immer, eher mit den Yankees haltet, dann könntet ihr an der Partie Sonntagnacht ab 2:05 Uhr von Luis Severino (2.10 ERA, 2.21 FIP) gegen David Price (3.66 ERA, 3.71 FIP) mehr Spaß haben. Wahrscheinlich habe ich durch diese Voraussage gerade bewirkt, dass es genau andersherum kommt. Beide Spiele (und auch das erste der Serie Freitagnacht ab 1:05 Uhr) werden sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen.

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Juni 12th, 2018 by Dominik

Während in der MLB erst ein gutes Drittel der Spiele absolviert ist, tritt die Baseball-Bundesliga bereits in ihre heiße Phase ein. 20 bis 22 Partien hat jeder Bundesligist schon hinter sich, am 7. Juli werden es 28 und die reguläre Saison damit beendet sein. Spätestens dann steht fest, welche jeweils vier Teams im Norden und im Süden in die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft einziehen, während die restlichen jeweils vier die Abstiegsrunde spielen müssen.

Hinsichtlich der anstehenden Entscheidungen stellen sich die beiden Ligateile zurzeit sehr unterschiedlich dar. Im Norden sind kaum noch Fragen offen: Die Bonn Capitals sind eine Klasse für sich mit einer Bilanz von 22-0. Als weitere Teilnehmer der Zwischenrunde stehen die Dohren Wild Farmers (16-6) bereits fest und auch die Paderborn Untouchables (14-8) und die Solingen Alligators (13-9) sind so gut wie sicher dabei. In der Abstiegsrunde wird man dementsprechend die Hamburg Stealers (9-13), die Cologne Cardinals (5-15), die Berlin Flamingos (4-16) und die Bremen Dockers (3-19) sehen. Ganz uninteressant sind die letzten Spieltage deswegen aber nicht: Am kommenden Wochenende wird es zum Beispiel zwischen Paderborn und Dohren sowie zwischen Bremen und Berlin darum gehen, möglicherweise entscheidende Weichen für die Folgerunden zu stellen.

Die Teams nehmen nämlich in die Meisterschafts- und Abstiegsrunden alle Ergebnisse mit, die sie in der regulären Saison gegen die anderen drei Teilnehmer erzielt haben. Gegen jeden davon spielen sie dann einen weiteren Doppelspieltag. Danach tragen die Erst- und Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunden zwischen Nord und Süd die Halbfinalspiele und schließlich das Finale um die Deutsche Meisterschaft aus. Aus den Abstiegsrunden steigt jeweils der Letzte direkt ab und der Vorletzte muss in die Relegation.

In der Bundesliga Süd geht es weitaus spannender zu als in der Nordstaffel, denn hier ist noch fast gar nichts entschieden. Die Heidenheim Heideköpfe (19-3) hatten zunächst einen ähnlich dominanten Start wie im Norden die Bonner. Doch am Fronleichnamswochenende setzte es in drei Spielen zwei Niederlagen und plötzlich spürt Heidenheim den Atem der Regensburg Legionäre (17-5) im Nacken. Eben diese Legionäre gastieren am kommenden Wochenende in Heidenheim und könnten sich mit zwei Siegen eine geteilte Tabellenführung erstreiten. Im Mittelfeld der Tabelle ist es ein noch heißeres Rennen, denn mit den Haar Disciples (14-8), den Mannheim Tornados (13-9) und den Mainz Athletics (11-9) wetteifern drei gleich gute Teams um zwei Plätze in der Meisterschaftsrunde. Zurzeit belegen die Athletics den undankbaren fünften Platz, aber sie haben ihr Schicksal selbst in der Hand, denn ihr Restspielplan sieht noch je zwei Spiele gegen Haar und Mannheim vor.

Wer von diesen dreien am Ende auf Rang fünf steht, muss an der Abstiegsrunde teilnehmen, wird sich dort aber nicht allzu viele Sorgen machen müssen. Denn mit den Saarlouis Hornets (4-16), den Stuttgart Reds (4-18) und den Ulm Falcons (4-18) stehen auch im unteren Bereich der Tabelle drei Teams gleichauf und diese drei werden es sein, die den Abstieg realistischerweise unter sich ausmachen.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich, dass am vergangenen Wochenende zwei Europapokalwettbewerbe stattgefunden haben, in denen die deutschen Vertreter durchaus beachtliche Ergebnisse erzielten. Die Heidenheim Heideköpfe spielten als Deutscher Meister im European Champions Cup in Rotterdam. Sie verpassten zwar knapp das Halbfinale, fuhren aber Siege gegen die Vertreter der italienischen Liga, A.S.D. Rimini (3:1) sowie T&A San Marino (6:5) ein. Die Heideköpfe haben damit nicht nur einen Achtungserfolg erzielt, sondern auch den deutschen Startplatz für diesen Wettbewerb im nächsten Jahr gesichert. Den Pokal gewann das Heimteam Curaçao Neptunus Rotterdam.

Gleichzeitig waren die Bonn Capitals im tschechischen Ostrava beim Turnier um den CEB-Cup dabei. Ein 7:3-Halbfinalsieg über die Gastgeber brachte Bonn die Finalteilnahme. Im Endspiel unterlag man dann knapp mit 0:2 dem belgischen Meister Borgerhout Squirrels.

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Mai 3rd, 2018 by Dominik

Der Mai ist gekommen. Auch wenn dieser Monat dem Sprichwort nach „alles neu“ macht, möchte ich mir doch kurz die Zeit nehmen, auf ein paar Aprilrekorde zurück blicken: Zum Beispiel erzielten die Teams der MLB zum ersten Mal überhaupt in einem vollständigen Monat mehr Strikeouts (6656) als Hits (6360). Die Tendenz, dass Batter mehr auf alles oder nichts – Homerun oder Strikeout – setzen, ist schon seit ein paar Jahren zunehmend zu beobachten. Darüber hinaus dürfte das kalte Wetter eine Rolle gespielt haben. Dieses war auch verantwortlich für einen weiteren Rekord: 28 Spiele sind im April ausgefallen, so viele wie nie zuvor. Auf deutlich erfreulichere Art hatten die Arizona Diamondbacks einen historischen Monat: Sie begannen als erstes Team seit 1907 eine Saison mit neun gewonnenen Serien hintereinander. Als dieses Kunststück damals den Cubs gelang, gewannen sie übrigens am Ende die World Series.

American League
Die American League East entwickelt sich langsam, aber sicher in die Richtung, die man vor der Saison von ihr erwartet hatte. Das heißt vor allem, dass sich an der Spitze die Erzrivalen Boston Red Sox (22-8) und New York Yankees (20-10) ein Rennen liefern. Die Red Sox haben immer noch die beste Bilanz der Liga, von den letzten zehn Spielen konnten sie jedoch nur die Hälfte gewinnen. Das gab den Yankees die Gelegenheit zum Aufschließen und mit ihrerseits zwölf Siegen aus den letzten vierzehn Partien haben sie diese Chance genutzt. Leidtragender sind die Toronto Blue Jays (17-13), deren Höhenflug vorerst gestoppt scheint – wobei die Welt nach dem heutigen Doubleheader gegen die Indians durchaus schon wieder anders aussehen kann. Das mit dem gestoppten Höhenflug gilt auch für die Tampa Bay Rays (13-16), die einen beeindruckenden Zwischenspurt von acht Siegen hintereinander hingelegt haben, der aber nach einer verlorenen Serie gegen die Tigers wieder verpufft ist.

Für die Cleveland Indians (16-13) stehen die Zeichen auf eine eher langweilige Saison in der AL Central: Während sie selbst relativ regelmäßig zwar nicht überragende, aber zumindest solide positive Ergebnisse einfahren, steht der gesamte Rest der Division bei deutlich mehr Niederlagen als Siegen. Von den Detroit Tigers (13-16), den Chicago White Sox (8-20) und den Kansas City Royals (8-22) hatte kaum jemand etwas anderes erwartet. Die Minnesota Twins (10-16) stehen hingegen höchst unerwartet so schlecht da. Nach ordentlichem Start in die Saison verlor das Team von Max Kepler elf der letzten dreizehn Partien und das nicht nur gegen Spitzenteams, sondern auch mehrfach gegen die Reds und die Rays.

Die Houston Astros (20-12) an der Spitze der AL West sind ein gewohntes Bild und daran wird sich auf absehbare Zeit vermutlich nichts ändern, auch nicht durch die zwei Niederlagen gegen die Yankees. Hinter den Astros geht es eng zu zwischen den Los Angeles Angels (18-10) und den Seattle Mariners (17-12). Letztere sind drauf und dran, für mich zum Unter-dem-Radar-Team der AL zu werden wie es die St. Louis Cardinals in der NL schon sind. Beide Mannschaften haben es irgendwie an sich, dass sie jedes Mal, wenn ich mal zwei, drei Tage nicht auf sie geachtet habe, plötzlich besser dastehen als ich gedacht oder für möglich gehalten hätte. Besser als gedacht sind übrigens auch die Oakland Athletics (15-15) mit ihrer .500-Bilanz.

National League
In der National League East spielen gerade die Atlanta Braves (18-11) und die New York Mets (17-11) die Tabellenführung unter sich aus. Die ersten zwei Spiele der Serie gingen an die Braves, obwohl die Mets ihre Top-Asse Noah Syndergaard und Jacob DeGrom aufgeboten hatten. Letzterer musste zu allem Überfluss mit einem überdehnten Ellenbogen ausgewechselt werden. Den Braves schaut man zurzeit sehr gerne zu, vor allem weil sie viele sehr junge Spieler bereits erfolgreich einsetzen – 2B Ozzie Albies ist mit 21 schon eine feste Größe, der 20-jährige SP Mike Soroka hatte in Spiel 1 gegen die Mets ein glänzendes Debüt mit sechs Innings und nur einem zugelassenen Run, und der 20-jährige OF Ronald Acuna spielt bisher so sensationell, wie man es nach seinem Sturm durch die Minor Leagues erwartet hatte. Die Philadelphia Phillies (17-13) wären eigentlich gern als lachender Dritter aufgetreten, während sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte wegnimmt. Stattdessen sind sie aber in ihre erste größere Schwächephase der Saison geraten und haben nicht nur die Serien gegen die Diamondbacks und die Braves verloren, sondern auch die gegen die Miami Marlins (11-19). Immerhin haben sie nach Siegen trotzdem zu den Mets aufschließen können. Und dann sind da ja noch die Washington Nationals (15-16), die bisher enttäuscht hatten, nun aber mit vier Siegen hintereinander offenbar dabei sind, erstmals richtig in Fahrt zu kommen.

Noch spannender als in der NL East geht es von den Bilanzen der Teams her nur in der NL Central zu. Die Milwaukee Brewers (19-13), die St. Louis Cardinals (17-12), die Chicago Cubs (16-12) und die Pittsburgh Pirates (17-14) stehen zurzeit allesamt nahezu gleichauf. Nur die Cincinnati Reds (7-24) schwimmen nicht mit, sie sind auch zwei Wochen nach dem überraschend frühen Trainerwechsel nach wie vor das schlechteste Team im Baseball. Am Wochenende stehen zwei für die Division richtungsweisende Serien auf dem Programm: Die Cardinals empfangen dreimal die Cubs und gleichzeitig die Brewers dreimal die Pirates. Die Chancen stehen also gut, dass sich das Tabellenbild bis nächste Woche spürbar ausdifferenziert. Am ehesten sind es nach wie vor die Pirates, von denen man erwarten würde, dass sie in dem Rennen nicht auf Dauer mithalten können. Allerdings haben sie erst diese Woche die Cardinals gesweept und dass sie die meisten kassierten Runs (143) der vier Konkurrenten haben, machen sie mehr als wett dadurch, dass sie in der Division auch die meisten erzielten Runs (149) auf dem Konto haben.

Für die Los Angeles Dodgers (13-17) kommt es zurzeit knüppeldick: nicht nur weil sie in der NL West dabei sind, den Anschluss zu verlieren, indem sie vor der letzten Nacht fünf Spiele hintereinander verloren haben, darunter eine Serie gegen die Arizona Diamondbacks (21-9); nicht nur, weil die Colorado Rockies (17-15) und die San Francisco Giants (16-15) keine Anstalten machen, die Verfolgung des Spitzenreiters dem Favoriten aus L. A. zu überlassen. Sondern auch, indem nun zu allem Überfluss mit SS Corey Seager einer der jungen und kaum ersetzbaren Leistungsträger der Dodgers-Offense dauerhaft ausfällt. Seager hat die typische Baseballerverletzung, ein beschädigtes ulnares Seitenband, das nur durch die Tommy-John-Surgery zu reparieren ist und ungefähr ein Jahr Pause bedeutet. Man darf gespannt sein, ob die Dodgers sich für Seagers Vertretung mit einer internen Lösung – Chris Taylor oder Kike Hernandez – zufrieden geben oder ob sie einen Trade anstreben. Die große Lösung wäre ein Handel für Manny Machado von den Orioles, allerdings würde das die Gehälter der Dodgers gefährlich nahe an die Schwelle zur Luxussteuer bringen, die sie dieses Jahr auf keinen Fall überschreiten wollten.

Szene der Woche
Wenn mich jemand zwingen würde, meine Auswahl auf die MLB zu beschränken, dann wäre Odubel Herreras Catch mit Sprung in einen Busch sicher ein ebenso heißer Kandidat wie der Homerun von Yoenis Cespedes, der beim Stand von 0:11 in San Diego nicht nur für die Tonne war, sondern auch genau dort landete. Auch den 8-Strikeouts-Save von Brewers-Closer Josh Hader hätte man hier nennen können. Aber sorry, liebe Profis, diese Woche habt ihr alle keine Chance gegen den knuddeligen Little Leaguer, der die mehrfache Aufforderung seines Coaches, von der dritten Base zur Homeplate zu rennen, auf die coolstmögliche Art umgesetzt und sie dann auch noch mit einem atemberaubenden Slide gekrönt hat. Ganz, ganz großes Kino.

Statistik der Woche 
7. So viele Homeruns hat 1B/DH Matt Davidson dieses Jahr schon im Kauffman Stadium in Kansas City geschlagen. Das Besondere daran ist, dass Davidson nicht für die dort heimischen Royals, sondern für die Chicago White Sox spielt. Die sieben Homers sind bereits jetzt die meisten, die je ein Auswärtsspieler in einer Saison in diesem Stadion geschlagen hat. Dabei ist die Saison gerade erst einen Monat alt und Davidson ist in anderen Ballparks bislang nicht unbedingt als Homerun-Hitter berüchtigt – neben den sieben Stück in sieben Spielen bei den Royals sind es in den 18 anderen Spielen zusammen nur zwei.

Spiel der Woche
Nick Kingham ist kein Wunderkind, das den professionellen Baseball im Sturm erobert hat: Er wurde 2010 erst in der vierten Runde von den Pittsburgh Pirates gedraftet und brauchte acht Jahre, um sich mit durchaus wechselhaften Leistungen in den Minor Leagues bis zu seinem MLB-Debüt hochzuarbeiten. Dieses Debüt des 26-jährigen Rechtshänders war allerdings ein historisch gutes: 6 2/3 Innings lang hielt er am Sonntag gegen die St. Louis Cardinals ein perfektes Spiel aufrecht, das heißt er ließ keinen der ersten 20 MLB-Batter, die ihm gegenüber traten, die erste Base erreichen. Auch wenn Paul DeJong den Bann schließlich mit einem Single bei zwei Outs im siebten Inning brach, ist Kinghams Pitching-Debüt ein Rekord für die MLB in ihrer heutigen Form. Er produzierte anschließend noch ein Out gegen Marcell Ozuna, um die sieben fast-perfekten Innings abzuschließen und nahm die begeisterten Ovationen der Fans in Pittsburgh entgegen. Dafür, dass sein glanzvoller Einstand nicht umsonst war, hatte bereits im unteren sechsten Inning die Offense der Pirates mit vier Runs gesorgt, denen im achten Inning ein weiterer zum 5:0-Endstand folgte. Für Kingham stand zunächst nicht fest, ob er einen weiteren MLB-Start absolvieren darf. Wenig überraschend entschied die Teamführung nach diesem Spiel, dass er vorerst Teil der Rotation bleiben wird.

Mein Einschalttipp
Das aktuell beste Team der National League trifft auf den amtierenden – und auch dieses Jahr sehr starken – Titelverteidiger aus der American League. Im Oktober würde man so ein Aufeinandertreffen World Series nennen, im Mai ist es „nur“ eine reguläre Serie zwischen den Arizona Diamondbacks und den Houston Astros. Von Freitag bis Sonntag finden die drei Spiele statt und ich empfehle jedem Baseballfan, da mal reinzuschauen. DAZN-Kunden stehen in dem Fall leider im Regen, denn keines der Spiele hat es in die Auswahl des Abo-Streams geschafft. Das ist aber nicht so schlimm wie es sich anhört, denn erfreulicherweise ist die Begegnung am Sonntag das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv. Los geht es um 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit dem ersten Pitch von Justin Verlander (1.13 ERA, 2.35 FIP), der bislang eine sensationell gute Saison für die Astros spielt. Für die Diamondbacks wird voraussichtlich Matt Koch (2.37 ERA, 4.32 FIP) antreten; Koch ist im Vergleich mit Verlander ein unbeschriebenes Blatt, aber in seinen drei bisherigen Starts hat er Leistungen gebracht, die als mindestens solide einzustufen sind.

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März 29th, 2018 by Dominik

Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

Und was wird aus Greg Holland?
Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

Steven Wright wird gesperrt
Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

Oh shit! 
Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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März 14th, 2018 by Dominik

Die Cardinals sind ein Team, das bei mir immer ein bisschen unter dem Radar fliegt und am Ende meistens besser abschneidet als ich gedacht hätte. Nun haben sie allerdings zwei Jahre hintereinander die Playoffs verpasst und ich tippe, dass 2018 als drittes Jahr hinzukommt. Das Potenzial, dass sie mich wieder eines Besseren belehren, ist durchaus vorhanden: Das Team, das es letztes Jahr auf eine knapp positive Bilanz von 83-79 brachte, wurde gezielt verstärkt und vier bis fünf Siege mehr dürften schon für eine Wild Card reichen. Die interessantesten Neuverpflichtungen der Cardinals sind Outfielder Marcell Ozuna, der mehr Power ins Lineup bringen soll; Luke Gregerson als neuer Closer; und Starting Pitcher Miles Mikolas, der nach drei starken Jahren in Japan eine neue Chance bekommt, sich in der MLB zu beweisen. Wenn die drei Neulinge so einschlagen wie erhofft, dann dürften die Cardinals auf jeden Fall im Rennen um die Postseason sein. Entschieden wird dieses möglicherweise in den direkten Duellen mit dem Divisionsrivalen Milwaukee Brewers.

Voraussichtliches Lineup
C Yadier Molina
1B Matt Carpenter
2B Kolten Wong
SS Paul DeJong
3B Jedd Gyorko
LF Marcell Ozuna
CF Tommy Pham
RF Dexter Fowler

Voraussichtliche Rotation
SP Carlos Martinez
SP Michael Wacha
SP Adam Wainwright
SP Luke Weaver
SP Miles Mikolas
Closer Luke Gregerson

Wichtigster Zugang
OF Marcell Ozuna (Miami Marlins)

Wichtigster Abgang
IF Aledmys Diaz (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
SP Alex Reyes

Größte Stärke
Ausgeglichenheit: Ich sehe bei den Cardinals keine herausragenden Stärken oder Superstars. Aber ich sehe ein rundherum solides Team und es kann durchaus ein Vorteil sein, dass die Cards nicht auf Gedeih oder Verderb von einem einzelnen Spieler oder Mannschaftsteil abhängen.

Größte Schwäche
Bullpen/Closer: Ein möglicher Schwachpunkt könnte das hintere Ende des Bullpens sein. Neuzugang Luke Gregerson ist als Closer vorgesehen, doch die Eignung des 33-Jährigen für die Rolle ist umstritten, zumal 2017 das schwächste Jahr in seiner Karriere war (4.57 ERA, 4.62 FIP, 0.0 fWAR) und er gerade einen guten Teil des Spring Trainings mit einer Bauchmuskelzerrung verpasst. Kleiner Tipp: Greg Holland sucht noch einen Job.

Spannendste Frage
Wie schnell kann Alex Reyes helfen? Der 23-Jährige ist die größte Nachwuchshoffnung der Cards. Zum Ende der Saison 2016 hatte er es in zwölf Spielen (fünf Starts) auf glänzende 1.57 ERA und 10.9 K/9 gebracht. Doch im Februar 2017 ereilte ihn die berüchtigten Tommy-John-Surgery. Wenn alles gut läuft, kann er vielleicht im Mai wieder auf dem Mound stehen und in der Rotation zum Beispiel den zuletzt spürbar nachlassenden Adam Wainwright ablösen.

Prognose
Platz 3 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 15th, 2018 by Dominik

Man ist ja in dieser Offseason schon dankbar, wenn es wenigstens eine nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung pro Woche gibt. Wenn dieses Tempo anhält, sind allerdings bis nächstes Jahr um diese Zeit immer noch nicht alle Free Agents des laufenden Jahres unter Vertrag. Bei jedem größeren Abschluss hofft man, dass er die Initialzündung darstellt, nach der die Dominosteine zu purzeln beginnen, doch auch die Unterschrift von Yu Darvish bei den Chicago Cubs hat bislang keinen solchen Effekt ausgelöst. Inzwischen haben alle Teams offiziell das Spring Training aufgenommen. Ein Teil der verbleibenden Free Agents hat ebenfalls ein Camp eröffnet, aus dem seltsamerweise eine Art Staatsgeheimnis gemacht wird.

Darvish zu den Cubs
Vielen galt er als bester Free Agent des Jahres, doch Yu Darvish musste lange warten auf seinen großen Zahltag. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit sechs Jahren für 126 bis 150 Millionen Dollar ist Darvishs Vertrag bei den Chicago Cubs sowohl von der Laufzeit als auch von der Bezahlung her der einträglichste, der in dieser Offseason geschlossen wurde. Er bewegt sich in der Größenordnung, die von den Experten allgemein erwartet wurde, wobei ich sagen muss, dass ich nach den Erfahrungen der letzten zwei, drei Monate nicht mehr mit so einem großen Vertrag gerechnet hatte. Vom Jahresgehalt her erscheint er mir angemessen, doch die lange Laufzeit für einen Spieler über 30 birgt ein hohes Risiko, dass der Klub die eingegangene Verpflichutng irgendwann bereut.

Durch die Ankunft von Darvish dürfte gleichzeitig besiegelt sein, dass Jake Arrieta keine Zukunft mehr in Chicago hat. Der ebenfalls 31-jährige Free Agent, der in viereinhalb Jahren bei den Cubs seinen Lebenslauf um einen Cy-Young-Award, zwei No-Hitter und eine gewonnene World Series bereicherte, ist nun das einzige auf dem Markt verbliebene unumstrittene Ass. Ein Team, bei dem er möglicherweise landen könnte, sind die Milwaukee Brewers. Die Brewers waren in dieser Offseason bereits recht aktiv, mindestens ein etablierter Starter soll aber noch geholt werden. Wenn es Arrieta wird, dürfte das die Rivalität zwischen den Cubs und den Brewers im Kampf um die NL Central noch ein ganzes Stück anheizen.

Romo bleibt in Tampa Bay
Für verhältnismäßig kleines Geld bleibt Sergio Romo bei den Tampa Bay Rays. Der 34-jährige Reliever erhält 2,5 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag. Wenn er die Leistungen konserviert, die er in Tampa Bay bislang gebracht hat, haben die Rays ein echtes Schnäppchen gemacht: Mit 1.47 ERA (2.96 FIP) hat Romo in den 25 Spielen seit der Aufnahme im Juli letzten Jahres ein komplett anderes Gesicht gezeigt als zuvor bei den Los Angeles Dodgers (6.12 ERA, 5.76 FIP in 30 Spielen).

Cardinals holen Norris
Auch die Cardinals sichern sich einen günstigen Pitcher. Für 3 Millionen Dollar spielt dieses Jahr Bud Norris in St. Louis. Neben einem extrem coolen Namen (als Kind der 80er denke ich bei ihm immer an eine Mischung aus Bud Spencer und Chuck Norris) bringt der 32-Jährige vor allem Flexibilität mit: Norris ist in seiner neun Jahre langen MLB-Karriere als Starter, als Reliever und zuletzt bei den Angels als Closer aufgetreten und hat in jeder dieser Rollen zwar selten überragende, aber fast immer solide Leistungen gebracht.

Dodgers verlängern mit Utley
Ich versuche zwar immer, beim Verfassen dieses Blogs ein Stück weit journalistische Seriosität und Objektivität walten zu lassen, aber ich bin natürlich auch ein Fan mit Gefühlen und die kann und will ich nicht ganz aus dem Spiel lassen. Einem Chase Utley werde ich wohl nie neutral gegenüber stehen können, denn über seinen 15 erfolgreichen Jahren in der MLB liegt für mich immer der Schatten des brutalen Fouls, mit dem er in der NLDS 2015 dem Shortstop meines Lieblingsteams das Bein gebrochen hat. Utley ist inzwischen 39 und ich wünsche mir, dass er endlich seine Karriere beendet. Natürlich tut er mir den Gefallen nicht, stattdessen bekommt er zwei Millionen Dollar von den Los Angeles Dodgers für zwei weitere Jahre. Mit bislang 1850 Hits und 199 Hit-by-Pitches ist Utley auf dem Weg, der vierte Spieler in der MLB-Historie zu werden, der es auf mehr als 2000 Hits und 200 Hit-by-Pitches bringt. Ich sage hier lieber nichts dazu, für welche der beiden Kategorien ich ihm mehr „Erfolg“ wünsche…

Catcher Stewart zu den Braves
Noch eine Free-Agent-Verpflichtung der kleineren Sorte: Catcher Chris Stewart, zuletzt bei den Pirates, erhält bei den Atlanta Braves einen Einjahresvertrag. Es ist ein Major-League-Vertrag, der mit 575.000 Dollar knapp über dem Mindestgehalt liegt. Der 36-Jährige hat seine Stärken vor allem in der Defense und wird hinter Tyler Flowers und Kurt Suzuki die Nummer drei hinter der Platte sein, in erster Linie als Absicherung gegen eine Verletzung der anderen beiden.

Keine Medien im Camp der Free Agents
Die MLBPA hat ihren Ankündigungen Taten folgen lassen und ein Spring-Trainig-Camp für Free Agents organisiert. Die sportliche Leitung des Camps in Bradenton, Florida, hat der frühere Astros-Manager Bo Porter übernommen. Angesichts von immer noch Dutzenden MLB-erprobter Spieler, die nach wie vor ohne Vertrag für die neue Saison sind, ist das sicher ein sinnvoller Schritt, um zu verhindern, dass diese Spieler vom Trainingsstand ins Hintertreffen geraten und es noch schwerer haben, bis Saisonbeginn einen Verein zu finden. Was sich mir vom Sinn her bislang nicht erschließt, ist die Geheimniskrämerei um das Free-Agent-Camp: Die Spielergewerkschaft lässt bislang keinerlei Medienberichterstattung aus dem Camp zu. Statt auf ihre Anliegen aufmerksam und für eine Verpflichtung Werbung zu machen, verschanzen sich die Spieler – man weiß noch nicht mal, wer überhaupt dabei ist – hinter geschlossenen Toren und MLBPA-Chef Tony Clark verweigert dazu jeden Kommentar.

Sicher ist lediglich, dass die Schützlinge der Agentur von Scott Boras – darunter Jake Arrieta, Eric Hosmer, J. D. Martinez, Mike Moustakas, Greg Holland, Carlos Gonzalez und Carlos Gomez – sich nicht an dem Camp beteiligen. Um sie muss man sich wohl auch die geringsten Sorgen machen, denn von Boras ist die Verhandlungstaktik, die Klubs bis zu einer Unterschrift lange hinzuhalten, seit Jahren bekannt.

Nachrichten aus dem Drogensumpf
Eine ganze Reihe beunruhigender Neuigkeiten gab es diese Woche aus dem Bereich Doping und Drogenmissbrauch. Vier Minor-Leaguer wurden positiv auf Drogenkonsum getestet und gesperrt: Catcher Nick Ciuffo (Rays), Pitcher Alex Cunningham (Padres) und Second Baseman Mitchell Tolman (Pirates) müssen für jeweils 50 Spiele aussetzen, Pitcher Steve Geltz (Phillies) sogar für 100 Spiele, weil er sich schon zum dritten Mal hat erwischen lassen. Während der Sperren ruht logischerweise auch die Bezahlung.

Mit schlimmeren Konsequenzen muss der ehemalige All-Star-Pitcher Esteban Loaiza rechnen. Bei ihm wurden während einer Verkehrskontrolle nahe der mexikanischen Grenze bei San Diego 20 Kilo Kokain im Wert von rund 500.000 Dollar gefunden. Der 46-Jährige, der in 14 MLB-Saisons über 43 Millionen Dollar verdient hat, bleibt vorerst in Untersuchungshaft, weil er die geforderten 200.000 Dollar Kaution nicht bezahlen kann. Wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, wird er ohnehin für längere Zeit einsitzen.

Zu unguter Letzt braut sich ein neuer Dopingskandal zusammen, nachdem ein Ex-Mitarbeiter der Spieleragentur ACES, Juan Carlos Nuñez, seine früheren Arbeitgeber verklagt hat. Nuñez selbst hat bereits eine Haftstrafe hinter sich, weil er Teil des Biogenesis-Skandals im Jahr 2013 war – der prominenteste enttarnte Doping-Konsument war damals Alex Rodriguez, der für ein Jahr gesperrt wurde. Nuñez wirft nun seinen ehemaligen Chefs Seth und Sam Levinson vor, vom Gebrauch leistungsfördernder Substanzen durch ihre Klienten gewusst und diese dabei unterstützt zu haben. In der Anklage geht es um fünf bis sechs Jahre alte Fälle, namentlich genannt werden Melky Cabrera, Fernando Rodney und Nelson Cruz. Sollte sich bewahrheiten, dass die Chefs von ACES eine aktive Rolle in der Geschichte gespielt haben, könnte diese schnell weitere und aktuellere Kreise ziehen, denn ACES vertritt nach wie vor zahlreiche prominente Spieler.

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Februar 8th, 2018 by Dominik

Die meisten Teams haben bereits ihre Spring-Training-Quartiere bezogen, nächste Woche geht es offiziell los mit der Vorbereitung auf die MLB-Saison 2018. Noch immer haben aber rund 120 eigentlich etablierte Spieler keinen Verein gefunden und es scheint auch niemand damit zu rechnen, dass sich das auf die Schnelle noch massiv ändert. Die Spielergewerkschaft MLBPA stellt sich jedenfalls bereits auf die besondere Situation ein, indem sie auf der Suche nach geeigneten Orten für ein eigenes Spring-Training-Camp der Free Agents ist.

Unter den Spielern regt sich Unzufriedenheit
Viele Spieler und deren Vertreter haben in den letzten Tagen ihren Ärger über die aus ihrer Sicht geizigen Klubs kundgetan. Noch sieht es nicht nach einem Arbeitskampf aus, aber es mehren sich die Anzeichen, dass bald vorgezogene Neuverhandlungen anstehen könnten. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA), eine Art Rahmentarifvertrag zwischen der MLB und der MLBPA, wurde zwar erst vor einem Jahr neu unterzeichnet und gilt noch bis 2021. Die Spielerseite kommt aber zunehmend zu der Überzeugung, man sei mit dem Vertrag einen schlechten Deal eingegangen.

Ein Grund für die offenbar schwache Verhandlungsposition der Spieler dürfte sein, dass die Luxury-Tax-Regeln des neuen CBA die Klubs stärker zum Sparen anhalten als man vorher dachte. Selbst notorisch ausgabefreudige Franchises wie die Yankees oder die Dodgers bemühen sich, wenigstens in einzelnen Jahren unter die Schwellwerte der Luxussteuer zu rutschen. Denn bei dauerhafter Überschreitung drohen nicht mehr nur einfache Strafzahlungen sondern diese steigen mit jeder Wiederholung und gehen mit weiteren Nachteilen einher wie späteren Draftpicks oder reduzierten Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

In diesem Jahr scheint es den Vereinen auch deshalb leichter zu fallen, sich mit großzügigen Angeboten zurück zu halten, weil die Free-Agent-Klasse des nächsten Jahres deutlich hochkarätiger zu werden verspricht als die jetzige. Bryce Harper und Manny Machado sind dann zum Beispiel zu haben und möglicherweise auch Clayton Kershaw, der eine Opt-Out-Klausel im Vertrag hat. Selbst die reichen Teams müssen schon jetzt darauf achten, sich den Spielraum gegenüber ihrem Budget und der Luxussteuergrenze zu bewahren, wenn sie 2019 einen dieser Stars abgreifen möchten. Das kann durchaus dazu beitragen, sich dieses Jahr mit größeren Investitionen zurückzuhalten.

Andere Faktoren, über die sich zum Beispiel Spieleragent Scott Boras öffentlich beklagt hat, sind die zunehmenden Neigungen der Teams, sich von Spielern über 30 abzuwenden und stattdessen über längere Zeit Prospects zu tanken. Da mag er nicht ganz falsch liegen. Allerdings kann man wohl kaum dagegen streiken oder protestieren, dass die Teams dazulernen. Langjährige Verträge für Spieler, bei denen kaum absehbar ist, zu welchen Leistungen sie in der zweiten Hälfte des Kontrakts noch fähig sind, haben sich in den letzten Jahren allzu oft als schlechte Idee erwiesen. Und die geduldige Strategie eines Aufbaus durch selbst herangezogene Talente hat sich für Teams wie die Cubs und die Astros ganz offensichtlich bewährt und findet nun entsprechend viele Nachahmer.

Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein auf die nächste Offseason, denn dann wird sich zeigen, ob sich der Trend zur Zurückhaltung der Klubs auf dem Free-Agent-Markt verfestigt oder ob sich dieses Jahr als ein durch das Aufeinandertreffen einiger Besonderheiten verursachter Ausreißer erweist.

Mets verpflichten Todd Frazier
Wenigstens ein relevanter Free Agent ist diese Woche bei einem Team untergekommen und zwar Third Baseman Todd Frazier bei den New York Mets. Die Verpflichtung passt in jeglicher Hinsicht: Frazier stammt aus New Jersey und war erklärtermaßen daran interessiert, nach seinem letztjährigen Engagement bei den Yankees weiterhin in Heimatnähe zu bleiben. Die Mets hatten dringenden Bedarf im Infield, da die Zukunft des seit zwei Jahren verletzten David Wright mehr als fragwürdig ist und die Allzweckwaffen Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und Jose Reyes auf der Position allesamt überfordert schienen. 2017 brachten die drei es zusammen auf üble -17 DRS auf 3B. Frazier war mit +10 DRS einer der Top-Fielder auf diesem Posten und bringt offensiv (.213/.344/.428) zusätzliche Power ins Lineup, die seinen schwachen Average aufwiegt. Frazier erhält einen Zweijahresvertrag über 17 Millionen Dollar.

Vor ein paar Wochen wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass ich das ein paar Tage vor Beginn des Spring Trainings schreiben kann, aber es ist wahr: Die New York Mets sind eines der aktivsten Teams der Offseason. Das ist angsichts der sparsamen Eigentümer der Franchise eine echte Überraschung. General Manager Sandy Alderson ist es durch gezieltes und geduldiges Handeln gelungen, das Lineup mit verhältnismäßig wenig Geld zu ergänzen und zu verstärken – neben Frazier unterschrieben OF Jay Bruce für 39 Millionen (2 Jahre), IF Jose Reyes für 2,5 Millionen (1 Jahr) und 1B Adrian Gonzalez für 545.000 (1 Jahr). Zudem wurden Schwachstellen im Bullpen durch die Verpflichtung von Anthony Swarzak (14 Millionen, 2 Jahre) und den schon letztes Jahr eingefädelten Trade für A. J. Ramos beseitigt. Wenn jetzt noch ein solider Starter wie Lance Lynn oder Alex Cobb hinzukommt, bin ich von der Offseason der Mets aufrichtig begeistert.

Rangers sichern sich ab mit Colon
Minor-League-Signings lasse ich an dieser Stelle meistens unerwähnt, aber für ihn bin ich zu jeder Ausnahme bereit: Bartolo „Big Sexy“ Colon setzt seine Karriere fort. Der bald 45-jährige Akteur des legendärsten Homeruns aller Zeiten hat zwar kein Team gefunden, dass ihm einen MLB-Vertrag anbietet, aber er konnte einen ordentlichen Minor-League-Vertrag mit den Texas Rangers aushandeln. Colon hatte 2017 ein schwaches Jahr mit 6.48 ERA in 28 Starts für die Atlanta Braves und die Minnesota Twins. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung und seinem Durchhaltevermögen sowohl als Mentor wie auch als Absicherung für den Fall von Verletzungen eine wertvolle Rolle spielen. Sein Engagement wird automatisch in einen Einjahresvertrag über 1,75 Millionen Dollar umgewandelt, wenn und sobald er in den 40-Mann-Kader der Rangers berufen wird.

Ein Quarterback für die Yankees
Es muss sehr an Yankees-GM Brian Cashman genagt haben, dass die Mets einen Heisman-Trophy-Gewinner in ihren Reihen haben und er nicht. Die Scharte ist nun ausgewetzt, denn in einem Trade mit den Texas Rangers haben die Yankees sich die Rechte an dem Superbowl-Champion und vierfachen Pro Bowler Russell Wilson gesichert. Warum verpflichtet ein Baseballteam einen Quarterback? Es ist im Endeffekt nicht mehr als ein Marketing-Gag, denn obwohl Wilson in seiner Collegezeit ein brauchbarer Second Baseman war und zwei Spielzeiten in der Organisation der Colorado Rockies verbrachte, strebt er nicht an, eine MLB-Karriere zu verfolgen. Also keine Angst, liebe Seahawks-Fans, Wilson wird weiterhin Football spielen. Seine Rolle bei den Yankees wird sich darauf beschränken, ein, zwei Tage im Spring Training mitzumachen und sich damit einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Carlos Martinez unter Anklage
Unschöne Neuigkeiten von jenseits des Spielfelds gab es diese Woche über Pitcher Carlos Martinez von den St. Louis Cardinals. Gegen Martinez läuft ein Gerichtsverfahren, weil er am 4. Juli 2014 an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Diese begann wohl in einem Strip-Club und eskalierte dann draußen in einer Schlägerei, bei der Martinez der Anklage zufolge gemeinsam mit anderen einen Mann attackierte. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem eine Rückenfraktur, und klagt nun auf Entschädigungszahlungen. Mit einer Sperre durch die Liga ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen: erstens weil es sich um einen Zivilprozess handelt, nicht um eine Strafanklage, zweitens weil das verschärfte Vorgehen der MLB gegenüber Vorfällen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt erst nach den hier betroffenen Ereignissen in Kraft getreten ist.

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Dezember 7th, 2017 by Dominik

Die MLB-Offseason ist im Vergleich zu den vergangenen Wochen deutlich in Bewegung gekommen: Die Yankees haben einen neuen Manager, die ersten interessanten Free Agents haben neue Teams gefunden und auch für die beiden „großen“ Personalien Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani sind nun zumindest gewisse Entwicklungslinien absehbar.

Aaron Boone ist neuer Yankees-Manager
Als letztes Team, das noch nach einer neuen sportlichen Leitung gesucht hatte, haben sich die New York Yankees für einen Nachfolger von Joe Girardi entschieden. Aaron Boone heißt der neue Mann, dessen Verpflichtung – zumindest in meinen Augen – eine Überraschung ist. Boone kommt nämlich ohne jede Vorerfahrung als Trainer oder Manager an den wohl begehrtesten Baseball-Job der Welt. Die acht Jahre seit dem Ende seiner Spielerkarriere hat der 44-Jährige als TV-Experte bei ESPN verbracht. Zuvor war Boone von 1997 bis 2009 als Infielder in der MLB aktiv, darunter 2003 ein halbes Jahr lang für die Yankees. Dieser Aufenthalt dürfte in New York in zwiespältiger Erinnerung geblieben sein: seine größte Heldentat war ein Walkoff-Homerun in Spiel 7 der ALCS gegen Boston, seine größte Verfehlung war die unerlaubte Teilnahme an einem Basketballspiel, bei der er sich das Knie verletzte und damit seinen vorzeitigen Abschied von den Yankees provozierte.
Den unrühmlichen Abgang von damals hat man Boone offenbar verziehen und auch die fehlende Erfahrung war kein Grund, seine Bewerbung als Manager der Yankees negativ zu bescheiden. Boone gilt als kommunikative Persönlichkeit mit einem guten Draht zu jungen Spielern, was genau dem Typ entspricht, den die Yankees gesucht und den sie in Boones Vorgänger Girardi nicht gesehen haben.

Sieben Kandidaten im Rennen um Ohtani
Nachdem das Supertalent Shohei Ohtani und sein Agent Bewerbungsunterlagen von allen 30 Teams angefordert (und wahrscheinlich auch erhalten) hatten, haben sie eine Auswahl von sieben Teams getroffen, mit denen man sich zusammensetzen und einen Vertragsabschluss ausloten will. Die größte Überraschung ist sicherlich, dass die Yankees nicht in der engeren Auswahl sind. Der Pitcher und Outfielder, den einige den japanischen Babe Ruth nennen, bevorzugt einen Arbeitsplatz an der Westküste und trifft sich dieser Tage mit Vertretern der San Francisco Giants, Los Angeles Dodgers, Los Angeles Angels, Seattle Mariners, San Diego Padres, Texas Rangers und Chicago Cubs. Das meiste Geld könnte er bei den Texas Rangers verdienen, die über 3,535 Millionen Dollar aus dem Bonuspool für internationale Verpflichtungen verfügen. Die Mariners und die Angels haben letzte Nacht extra noch je 1 Million Dollar für ihren Bonuspool ertradet, indem sie Prospects zu den Minnesota Twins geschickt haben – sie verfügen nun über einen Spielraum von 2,557 Millionen (Mariners) bzw. 2,315 Millionen (Angels). Ohtani hat zwar längst deutlich gemacht, dass Geld nicht an erster Stelle für ihn steht – andernfalls hätte er die zwei Jahre bis zu seinem 25. Geburtstag gewartet, was ihm ermöglicht hätte, für eine neunstellige Summe zu unterschreiben. Ich gehe aber schon davon aus, dass er zu einem der drei genannten Teams geht, da die restlichen Kandidaten jeweils nicht mehr als 300.000 Dollar bieten können.

Die Entscheidung liegt bei Stanton
Nicht nur Ohtani sondern auch Giancarlo Stanton hat in den nächsten Tagen eine wichtige Entscheidung zu treffen: Der MVP der National League hat die Wahl, ob er zukünftig in San Francisco oder in St. Louis spielen möchte – oder ob ihm beides nicht recht ist und er die Miami Marlins zwingt, seinen Vertrag zu erfüllen oder einen attraktiveren Tradepartner zu finden. Mit den Giants und den Cardinals haben die Marlins bereits Einigungen erzielt, zu welchen Konditionen ein Trade des Sluggers durchgeführt werden könnte. Ohne Stantons Zustimmung läuft allerdings nichts, da sein Vertrag eine No-Trade-Klausel enthält.

Aberkannte Braves-Prospects finden neue Teams
Nachdem die Atlanta Braves vor zwei Wochen wegen Regelverstößen eine ganze Reihe von internationalen Prospects ziehen lassen mussten, sind diese nun frei, bei anderen Teams zu unterzeichnen. Den größten Fang haben dabei die Los Angeles Angels gemacht: Für einen Signing Bonus von 2,2 Millionen Dollar haben sie den 17-jährigen Shortstop Kevin Maitan verpflichtet, der als sehr großes Talent gilt. Maitan wird von mlb.com derzeit auf Rang 38 der besten Prospects geführt. Für 850.000 Dollar hat auch Livan Soto, ein weiterer 17-jähriger Shortstop, bei den Angels unterschrieben.

Neuer Catcher für die White Sox
Die Chicago White Sox befinden sich erklärtermaßen im Rebuilding und sind nach wie vor auf der Suche nach Tradepartnern für alle Spieler, die anderen Klubs etwas wert sein könnten, zum Beispiel Jose Abreu und Avisail Garcia. Vor diesem Hintergrund kommt die Meldung etwas überraschend, dass die White Sox den 30-jährigen Catcher Wellington Castillo mit einem Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar plus Team-Option für ein drittes Jahr ausstatten. Castillo ist vor allem für seine Defensivstärke bekannt. 2017 führte er die MLB mit 49% ausgeworfenen Basestealern an, aber auch offensiv produzierte er für die Baltimore Orioles mit .282/.323/.490 sehr ordentlich. Für die unerwartete Investition der White Sox sehe ich zwei potenzielle Erklärungen: Entweder geht es ihnen darum, die Entwicklung junger Pitcher durch die Anwesenheit eines erfahrenen Catchers zu fördern, oder sie hoffen, Castillo im Juli gewinnbringend traden zu können. Vielleicht spielen auch beide Gedanken eine Rolle.

Rangers verpflichten Mike Minor
Das von der Vertragssumme her bedeutendste Signing der bisherigen Offseason haben die Texas Rangers getätigt, indem sie Pitcher Mike Minor mit einem Kontrakt über 28 Millionen Dollar für drei Jahre ausgestattet haben. Minor hatte zuletzt ein starkes Jahr (2.55 ERA, 2.62 FIP) als Reliever für die Kansas City Royals. Die Rangers planen aber wohl, den Linkshänder als Starter einzusetzen. Als solcher hatte er vor der Zeit in Kansas City und einer längeren Verletzungspause fünf Jahre lang für die Atlanta Braves gepitcht und es dabei auf solide, aber nicht herausragende Werte von 4.10 ERA und 3.90 FIP gebracht.

Mikolas von Japan nach St. Louis
Die St. Louis Cardinals haben ebenfalls ihr Starting Pitching aufgerüstet: Miles Mikolas hat für 15,5 Millionen Dollar und zwei Jahre unterschrieben. Mikolas spielte von 2012 bis 2014 mit eher mittelmäßigem Erfolg für die Padres und die Rangers. Nach seiner Entlassung in Texas ging er 2015 nach Japan zu den Yomiuri Giants und entwickelte sich dort umgehend zu einem Star-Spieler, der er es in drei Spielzeiten auf einen ERA von 2.18 brachte (besser als Shohei Ohtani). Man darf gespannt sein, ob es dem 29-Jährigen gelingt, die Erfolge aus der NPB in die MLB zu transferieren.

Wily Peralta zu den Royals
Auch die Kansas City Royals gönnen sich einen neuen Pitcher, allerdings eher in der Sparvariante: Für 1,5 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Bestandteile spielt Rechtshänder Wily Peralta 2018 in Kansas City, zudem hat sich das Team eine Option für 2019 gesichert. Peralta war nach sechs Jahren in Milwaukee Free Agent geworden und hatte ausgerechnet im letzten Jahr seines Vertrags bei den Brewers eine katastrophale Saison (7.85 ERA, 5.34 FIP). Die Brewers beorderten ihn nach acht schwachen Starts zunächst in den Bullpen und verzichteten in den letzten drei Monaten ganz auf seine Dienste. Das klingt nach keiner besonders vielversprechenden Verpflichtung, aber manchmal wirkt ein Neuanfang in veränderter Umgebung ja Wunder.

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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