März 21st, 2021 by Silversurger

Die St. Louis Cardinals stellen mich vor ein kleines Dilemma. Wenn ich sie in meinem Ranking so einsortiere, wie ich sie im Vergleich mit den 29 anderen MLB-Teams sehe, dann stehen sie ein paar Plätze weiter unten. Doch da ich traditionell meine prognostizierten Playoff-Teilnehmer auf die ersten zehn Ränge setze, gehören sie dorthin. Was ich damit sagen will: Die NL Central ist für mich zurzeit die schwächste Division der MLB, aber irgendwer muss sie gewinnen. Dass das dieses Jahr die Cardinals sind, erscheint recht wahrscheinlich. Denn während alle anderen Teams der Division bestenfalls auf der Stelle treten, haben die Cards in der Offseason zumindest ein Ausrufezeichen gesetzt. Gemeint ist der Trade für Nolan Arenado, einen der besten Third Baseman der Liga. Für den fünffachen Allstar gaben die Cardinals an die Colorado Rockies ein Paket von fünf Spielern ab, von denen sie keinen ernsthaft vermissen werden. Das ist für St. Louis ein sehr gutes Geschäft und eine deutliche Verstärkung. Es ist allerdings auch die einzige in dieser Offseason. Bekannte Problemzonen wie ein offensivschwaches Outfield und fehlende Tiefe im Starting Pitching bleiben bestehen; eine neue tut sich im Infield auf, nachdem man 2B Kolten Wong keinen neuen Vertrag anbot. Große Hoffnungen ruhen dabei auf der Entwicklung junger Spieler wie Tommy Edman und Dylan Carlson. Alles in allem sind die Cardinals ein solides, konkurrenzfähiges Team, aber nicht auf Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften der NL East und NL West.

Voraussichtliches Lineup
C Yadier Molina
1B Paul Goldschmidt
2B Tommy Edman
SS Paul DeJong
3B Nolan Arenado
LF Tyler O’Neill
CF Harrison Bader
RF Dylan Carlson

Voraussichtliche Rotation
RHP Jack Flaherty
LHP Kwang Hyun Kim
RHP Miles Mikolas
RHP Adam Wainwright
RHP Carlos Martinez
Key Reliever: Giovanny Gallegos

Wichtigster Zugang
3B Nolan Arenado (Colorado Rockies)

Wichtigster Abgang
2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers)

Bestes Prospect
OF Dylan Carlson

Größte Stärke
Defense: Die Cardinals legen seit Jahren großen Wert auf gutes Feldspiel. 2020 führten sie die MLB mit einer Defensive Efficiency von .731 an. Der Wert sagt aus, wie groß der Anteil von Bällen im Spiel ist, den das Teams in Outs umsetzt. Mit Nolan Arenado an der dritten Base und mit Dylan Carson statt Dexter Fowler im Outfield könnte das Fielding der Cardinals dieses Jahr sogar noch besser sein als im letzten.

Größte Schwäche
Rotation-Tiefe: Trotz eines unbefriedigenden 2020 ist Jack Flaherty das Ass der Cardinals, und Adam Wainwright scheint in jedem Jahr seines biblischen Alters ein bisschen besser zu werden. Dann geht es aber auch schon los: Carlos Martinez hatte ein katastrophales Jahr 2020, das die Frage aufwarf, ob er nicht doch besser als Reliever aufgehoben wäre. Kwang Hyun Kim laboriert nach seinem starken ersten MLB-Jahr an Verletzungen, die ihn den Saisonstart kosten könnten. Miles Mikolas wird selbigen aufgrund von Schulterproblemen verpassen. Dakota Hudson erholt sich von einer Tommy-John-Surgery und kann günstigstenfalls in den Playoffs eine Hilfe sein. Die Cardinals werden somit vermutlich häufiger mit Verlegenheitsstartern leben und sich mehr auf ihren exzellenten Bullpen verlassen müssen als ihnen lieb ist.

Spannendste Frage
Wie wird Arenado schlagen? Wenn jemand von den Rockies kommt und bisher die Hälfte seiner Spiele im Batter-Paradies Coors Field absolviert hat, liegt die Frage auf der Hand, ob bei einem Teamwechsel seine Schlagleistungen leiden. Die Erfahrung zeigt, dass ein solcher Effekt zwar einerseits in den Heimspiel-Statistiken von Ex-Rockies beobachtbar ist, sich aber andererseits oft durch verbesserte Auswärts-Stats ausgleicht, weil die ständige körperliche Umstellung hinsichtlich der Luft- und Platzverhältnisse in Heim- und Auswärtsspielen wegfällt. Was in Bezug auf Arenado eher Sorgen bereitet, ist sein schwaches Jahr 2020, in dem nicht nur oberflächliche Werte wie der Batting Average (.253) Karrieretiefstwerte erreichten, sondern auch Kontaktmaße wie Hard-Hit-Rate (33,7%) und Exit Velocity (87.8 mph). Mit knapp 30 Jahren und angesichts der Kürze der Saison besteht gute Hoffnung, dass Arenados 2020 nur ein statistischer Ausreißer war, vermutlich zusammenhängend mit einer inzwischen auskurierten Schulterverletzung.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 18th, 2021 by Silversurger

Zum vorletzten Mal vor dem Opening Day meldet sich der Grand Slam am Donnerstag mit einem kurzen Update über die wichtigsten Ereignisse rund um die MLB. Den Schwerpunkt meiner Blog-Aktivitäten bildet zurzeit die Serie von Vorschauartikeln zur kommenden Saison. Jeden Nachmittag um 17 Uhr kommt ein weiteres Preview dazu, also schaut bitte regelmäßig rein! 

Szene der Woche
Diese Kategorie pflege ich eigentlich nur während der Saison, aber für besonders Sehenswertes gibt es eine Ausnahme: Luis Guillorme von den New York Mets lieferte sich am Sonntag mit Cardinals-Pitcher Jordan Hicks ein wahrhaft episches Duell. Für Hicks war es der erste Einsatz nach fast zwei Jahren Verletzungspause. Mit zwei schnellen Strikes hatte er Guillorme am Rande eines Outs, doch der kämpfte. Mit einem Foulball nach dem anderen wehrte der Infielder das Ende des At-Bats ab, hin und wieder ließ er einen Ball durch, sodass nach 12 Pitches der Count voll war. Nach neun weiteren Foulballs – einige davon über 101 mph schnell – ließ Guillorme einen tiefen Slider passieren und holte so einen 22-Pitch-Walk heraus. Da das Ganze in einem Spring-Training-Spiel passierte, fließt es nicht in die offizielle Statistik ein. Andernfalls wäre es MLB-Rekord gewesen: Die längste Plate Appearance in einem regulären Spiel hatte Brandon Belt von den San Francisco Giants, der 2018 nach 21 Pitches gegen Jaime Barria von den Los Angeles Angels in ein Flyout schlug.

Cahill und Franco finden neue Teams
Zwei mutmaßlich nicht konkurrenzfähige Teams ergänzen kurz vor Saisonbeginn ihre Roster: Die Pittsburgh Pirates gönnen sich für 1,5 Millionen Dollar einen Einjahresvertrag mit Pitcher Trevor Cahill. Der 33-Jährige machte in den 25 Innings, die er letztes Jahr für die Giants warf, einen guten Eindruck (3.24 ERA, 4.19 FIP) und dürfte bei den Pirates einen Platz in der Rotation erhalten.
Für ein Garantiegehalt von 800.000 Dollar heuert Third Baseman Maikel Franco bei den Baltimore Orioles an. Das frühere Top-Prospect der Phillies erfüllte nie die hohen Erwartungen an seine MLB-Karriere, ist für die Orioles aber definitiv ein Upgrade auf einer bislang vakanten Position.

Markakis beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der Major League zieht Nick Markakis einen Schlussstrich. Die Entscheidung hatte der 37-Jährige seinen Angaben zufolge bereits kurz nach dem Ende der letzten Saison getroffen. Der Outfielder wurde 2003 in der ersten Runde von Baltimore Orioles gedraftet, für die er 2006 sein Debüt gab und prompt zum Rookie of the Year gewählt wurde. Der zweite Verein in Markakis‘ Karriere waren die Atlanta Braves in seinem Heimatstaat Georgia, für die er von 2015 bis 2020 spielte. In seiner gesamten MLB-Karriere schlug er 288/.357/.423 in 9.321 Plate Appearances. Er erzielte 2.388 Hits, darunter 189 Homeruns, 514 Doubles und 22 Triples, zudem stahl er 66 Bases.

Regelexperimente in den Minor Leagues
Wie schon mehrfach in den vergangenen Jahren, hat die MLB auch für die kommende Saison wieder einige mögliche Regeländerungen ausgewählt, die testweise in verschiedenen Minor Leagues eingeführt werden. Die übergeordneten Ziele sind eine Reduzierung der Spieldauer, mehr geschlagene Bälle im Spiel und ein dadurch erhöhtes Zuschauerinteresse. Im Einzelnen werden folgende Änderungen getestet:

  • Größere Bases (Triple-A): Eine Vergrößerung der Bases von einem Quadrat mit 15 Zoll (38,1cm) auf eines mit 18 Zoll (45,7cm) Seitenlänge soll vor allem Verletzungen durch Kollisionen reduzieren. Zudem reduziert sie leicht den Weg zwischen den Bases, was einen kleinen Vorteil beim Erreichen der Base während eines Groundballs oder eines Steals bedeutet.
  • Begrenzung des defensiven Stellungsspiels (Double-A): Vier Infielder müssen zu Beginn eines Spielzuges mit beiden Füßen auf dem Infield-Dirt stehen. Die Regel könnte zu einem späteren Zeitpunkt dahingehend verschäft werden, dass je zwei Infielder auf beiden Seiten der Second Base stehen müssen, sodass echte Shifts verboten wären.
  • Erschwerte Pickoffs (High-A): Pitcher müssen sich vom Rubber wegbewegen, bevor sie zu einer Base werfen. Dies soll die Anzahl und den Erfolg von Stealversuchen erhöhen.
  • Mehrere Maßnahmen in Low-A: Auch hier sollen Steals gefördert werden, in dem Fall durch eine Begrenzung von Pickoff-Versuchen auf zwei pro Plate Appearance. Ein dritter Versuch ist erlaubt, wenn er er erfolgreich ist, andernfalls wird er als Balk gewertet. Vorerst nur in der Low-A-Southeast League wird die Unterstzützung der Umpires durch ein automatisches Ball-Strike-System (ABS) getestet. In den Low-A-West Leagues wird der Effekt einer Uhr getestet, die die Zeit zwischen Pitches, zwischen Innings und während Pitcherwechseln begrenzt.

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Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

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Februar 4th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison soll wie geplant ab 1. April stattfinden. Das klingt nicht nach einer Neuigkeit, ist aber eine. Denn eine Verschiebung wurde in den letzten Tagen von mehreren Seiten gefordert, allein die Spielergewerkschaft stellt sich quer. Der Knaller der Woche auf dem Transfermarkt war der Wechsel von Nolan Arenado zu den St. Louis Cardinals.

Spieler wollen keinen späteren Saisonbeginn
Die Fronten scheinen verhärtet: Nachdem die Spielergewerkschaft MLBPA Anfang der Woche einen Vorschlag der Liga ablehnte, der eine auf 154 Spiele verkürzte Saison ab 28. April vorsah, schalteten sich gestern die US-Gesundheitsbehörden ein. Sie empfehlen ebenfalls, einen Monat später in den Spielbetrieb zu starten, und stellen in Aussicht, dass bis dahin alle Spieler und sonstigen Beteiligten geimpft werden könnten. Doch die MLBPA will davon nichts wissen, die Beteiligung an einem Gespräch mit Regierungsvertretern und der Ligaleitung lehnte sie rundheraus ab. Solange es keine Einigung zwischen Liga und MLBPA gibt, gelten weiterhin die ursprünglichen Starttermine. Demnach stehen am 27. Februar die ersten Spring-Training-Spiele und am 1. April die Saisoneröffnung an.

Ich muss gestehen, dass mir nicht klar ist, worauf die Gewerkschaft mit ihrer Blockadehaltung hinaus will – das Angebot der Liga enthielt die Zusage, die vollen Gehälter zu zahlen und die Designated-Hitter-Regel in der gesamten Liga anzuwenden. Damit wären die zwei vermeintlichen Kernforderungen der Spieler erfüllt. Ein besseres, der Pandemielage angepasstes Angebot können sie kaum erwarten. Eine Erklärung könnte sein, dass es der MLBPA um eine Machtdemonstration geht, bevor nächstes Jahr zwischen der Liga und ihr die Verhandlungen um einen neuen Rahmenvertrag (CBA) anstehen. Wenn das tatsächlich der Hintergrund ist, lässt es nichts Gutes für die CBA-Verhandlungen erwarten – 2022, die hoffentlich erste Saison nach der Pandemie, könnte mit einem Streik beginnen. 

Rockies traden Arenado nach St. Louis
Nolan Arenado, zweifellos einer der besten Third Basemen der Liga, wechselt den Verein: Die Colorado Rockies schicken den 29-Jährigen zu den St. Louis Cardinals. Die Cardinals geben im Gegenzug den linkshändigen Pitcher Austin Gomber, die beiden rechtshändigen Pitcher Tony Locey und Jake Sommers, 3B Mateo Gil sowie IF Elehuris Montero an Colorado ab. Das sind eine Menge talentierter Spieler, aber allesamt weder etablierte Major Leaguer noch Top-Prospects. Ganz offensichtlich waren die Rockies bereit, sich mit relativ wenig zufrieden zu geben, nur um den teuren Vertrag von Arenado loszuwerden, der ihm bei voller Erfüllung bis 2027 noch 214 Millionen Dollar einbringen wird. Mehr noch, die Rockies zahlen sogar drauf: 51 Millionen von Arenados Vertrag nehmen sie auf ihre Kappe, darunter das volle Gehalt von 35 Millionen für die anstehende Saison 2021. Aus Sicht der Cardinals ist das ein großartiges Geschäft, und auch Arenado selbst ist mit dem Wechsel glücklich: Er spielt ab sofort für ein Team mit deutlich besseren Playoffchancen und erhält obendrein die Möglichkeit, nach jedem der beiden kommenden Jahre einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. Die Rockies hingegen werden einige Überzeugungsarbeit gegenüber den eigenen Fans leisten müssen, um den Sinn dieses Moves zu rechtfertigen.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Auf dem Free-Agent-Markt hat sich auch in dieser Woche einiges getan, wenngleich mit zum Beispiel Trevor Bauer, Marcell Ozuna und Justin Turner noch einige große Namen ausstehen. Besonders aktiv waren die Cubs, die anscheinend aus ihrem langen Winterschlaf aufgewacht und nun dabei sind, ihr fadenscheinig gewordenes Roster aufzufüllen. Hier die Vertragsabschlüsse der vergangenen sieben Tage im Überblick: SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 2 Jahre, 28 Millionen Dollar), 2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers, 2 Jahre plus Kluboption, 18 Millionen), DH Nelson Cruz (Minnesota Twins, 1 Jahr, 13 Millionen), SP Adam Wainwright (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 8 Millionen plus Boni), OF Eddie Rosario (Cleveland Indians, 1 Jahr, 8 Millionen), OF Joc Pederson (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 7 Millionen), SP Chris Archer (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 6,5 Millionen),  RP Alex Colome (Twins, 1 Jahr plus Kluboption, 6,25 Millionen), RP Joakim Soria (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3,5 Millionen plus Boni), SP Carlos Rodon (Chicago White Sox, 1 Jahr, 3,5 Millionen), RP Andrew Chafin (Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 2,75 Millionen), SP Trevor Williams (Cubs, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sean Doolittle (Cincinnati Reds, 1 Jahr, 1,5 Millionen plus Boni), C Alex Avila (Washington Nationals, 1 Jahr, 1,5 Millionen),  SP/RP Kohl Stewart (Cubs,1 Jahr, 750.000)

Zwischen den Baltimore Orioles und den Los Angeles Angels gibt es einen Trade, dessen Kernstück Starting Pitcher Alex Cobb ist. Der 33-jährige Rechtshänder wechselt zu den Angels, die im Gegenzug Infield-Prospect Jahmai Jones nach Baltimore schicken. Die Orioles übernehmen zudem zwei Drittel des Gehalts von 15 Millionen Dollar, das Cobb dieses Jahr zusteht. 

Schwere Vorwürfe gegen Callaway
Dem Pitching-Coach der Los Angeles Angels, Mickey Callaway, werden mehrere Fälle sexueller Belästigung vorgeworfen. Nach einem Bericht von The Athletic haben fünf Frauen aus dem Bereich der Sportmedien Callaway beschuldigt, sie mit unerwünschten Textnachrichten und Fotos bedrängt zu haben. Die Vorwürfe ziehen sich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, in denen Callaway für drei verschiedene Teams gearbeitet hat. Der 45-Jährige war von 2013 bis 2017 Pitching Coach der Cleveland Indians und von 2018 bis 2019 Manager der New York Mets. Die Angels haben Callaway, der die Anschuldigungen abstreitet, unmittelbar nach deren Bekanntwerden von seinem Posten freigestellt und eine vollständige Untersuchung gemeinsam mit der Liga angekündigt.

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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September 10th, 2020 by Silversurger

Zum zweiten Mal hintereinander muss ich meine wöchentliche Zusammenfassung zur MLB mit einer Trauermeldung beginnen: Wenige Tage nach Tom Seaver ist mit Lou Brock ein weiterer Star der 60er- und 70er-Jahre gestorben. Brock begann seine Karriere bei den Chicago Cubs, aber die längste Zeit verbrachte er bei den St. Louis Cardinals, mit denen er 1964 und 1967 die World Series gewann. Am bekanntesten war der Leftfielder für sein exzellentes Baserunning. Mit 938 gestohlenen Bases hielt er bis 1991 den MLB-Rekord und steht in dieser Kategorie immer noch auf Platz zwei hinter Rickey Henderson. Brock starb nach mehreren schweren Krankheiten letzten Sonntag im Alter von 81 Jahren.

Sportlich war es eine gute Woche für die MLB, denn es war die erste in diesem Jahr ohne Spielausfälle. Da die reguläre Saison schon in zweieinhalb Wochen endet, konzentriere ich mich im heutigen Überblick stark auf das Ringen um die Playoffplätze.

National League
Die National League ist im Hinblick auf das Playoff-Rennen nach wie vor die deutlich interessantere Teilliga der MLB. Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass erst fünf von acht Plätzen so gut wie sicher vergeben sind.

In der NL East machen die Atlanta Braves (25-18) und die Philadelphia Phillies (21-18) die Ränge 1 und 2 unter sich aus, beide werden wir auf jeden Fall in der Postseason sehen. Ob sie dort sehr lange durchhalten, darf man bezweifeln, denn beide Teams haben große Probleme beim Pitching – die Braves haben den schlechtesten Starter-ERA der NL (5.92), die Phillies den schlechtesten Bullpen-ERA der MLB (7.24). Um die Divisionsgegner auf Distanz zu halten, hat es bisher gereicht, aber spätestens gegen die Top-Teams der NL West, die Los Angeles Dodgers (32-12) und die San Diego Padres (28-17), wird es wohl anders aussehen. Neben den vier Genannten sind auch die Chicago Cubs (25-19) aus der NL Central faktisch durch. Für den zweiten Platz in dieser Division sitzen trotz knapp negativer Bilanz die St. Louis Cardinals (18-17) in der besten Positon. Zweifelhaft ist allerdings, ob und wie die Cardinals es wegstecken werden, in den verbleibenden 18 Tagen noch 23 Spiele zu absolvieren. Selbst nach diesen 23 werden sie übrigens nur auf 58 absolvierte Patien kommen. Auf zwei Spiele gegen die Detroit Tigers, die in der langen Corona-Pause der Cardinals ausfielen, wird die Liga verzichten, sofern ihnen in der Endabrechnung keine entscheidende Bedeutung zukommt. Der Hauptkonkurrent der Cardinals um den zweiten Platz sind die Milwaukee Brewers (19-22). Die Brewers haben bislang alle Erwartungen enttäuscht und auch zur Trade-Deadline nicht gegengesteuert. Dennoch haben sie noch alle Chancen auf einen Turnaround, da noch zehn Spiele gegen die Cardinals anstehen.

Neben dem zweiten Platz in der Central sind noch zwei Wild Cards zu vergeben. Die San Francisco Giants (23-21) spielen eine fantastische zweite Saisonhälfte, zuletzt mit fünf Siegen hintereinander und acht aus den letzten zehn Spielen. Ihr Restprogramm mit siebenmal den Padres und dreimal den Athletics ist hart, aber die Giants gehen als klarer Favorit in den Wild-Card-Endspurt. Die zweite Wild Card hätten zurzeit die Miami Marlins (19-19); die haben aber noch fast so viele Nachholspiele wie die Cardinals zu absolvieren, darunter sieben gegen die Phillies innerhalb der nächsten fünf Tage. Vermutlich wird das Rennen um den letzten Playoffplatz zwischen den Marlins sowie entweder den Cardinals oder den Brewers – je nachdem, wer von ihnen nicht Zweiter in der Central wird – stattfinden. Ein Comeback der Cincinnati Reds (19-24), der New York Mets (20-24) oder der Colorado Rockies (20-23) ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. 

American League
In der American League ist in Bezug auf die Playoffs fast alles entschieden. Die AL East werden die Tampa Bay Rays (28-15) sich nicht mehr nehmen lassen, und auch die Toronto Blue Jays (24-19) und die New York Yankees (22-21) werden so gut wie sicher in die Postseason einziehen. Dass das den Yankees wohl nur über die Wild Card gelingen wird und dass sie im Playoff-Bild der AL der einzige Wackelkandidat sind, ist eine faustdicke Überraschung dieser Saison. Seit dem 19. August lautet die Bilanz der Yankees 6-15, die wichtigen Serien gegen Toronto und Tampa Bay wurden allesamt verloren. Gegen die Baltimore Orioles (20-22) gilt es nun, zu retten, was zu retten ist (siehe „Einschalttipp“). 

In der AL Central ist zwar noch völlig offen, in welcher Reihenfolge die Chicago White Sox (27-16), die Cleveland Indians (26-17) und die Minnesota Twins (27-18) durch die Ziellinie laufen, aber für alle drei ist der Playoff-Platz sicher und es geht nur noch um die Setzliste. Auch in der AL West ist das Wesentliche klar: Die Oakland Athletics (26-15) gewinnen die Division, die Houston Astros (22-22) ziehen als Zweiter in die Postseason ein. Die Astros sind neben den Yankees der zweite Favorit, dem das erweiterte Playoff-Format dieser Saison zugute kommt. Unter normalen Umständen wären wohl beide auf der Strecke geblieben.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche dauerte rund 10 Minuten, aber ich erspare euch die Originallänge und poste stattdessen eine gut einminütige Zusammenfassung. Sage und schreibe 19 Pitches lang kämpften Reliever Caleb Thielbar von den Twins und Cardinals-Catcher Matt Wieters am Dienstag um den Ausgang eines At-Bats bei zwei Outs und geladenen Bases. Mit insgesamt 14 Foul Balls hielt Wieters das At Bat am Leben, Thielbar warf zehn 3-2-Pitches hintereinander in die Strikezone und entging so dem automatischen Run, den ein Walk bei vollen Bases bedeutet hätte. Schließlich gewann Thielbar das zermürbende Duell, als Wieters in ein Flyout schlug. Es war das drittlängste At Bat seit der 1988 begonnenen exakten Aufzeichnung der Pitches.

Statistik der Woche 
300. So viele Homeruns hat Mike Trout in seiner Karriere schon geschlagen. Nummer 300 erzielte er am Samstag als Beitrag zu einem 10:9-Sieg seiner Los Angeles Angels gegen die Houston Astros. Der 29-Jährige ist damit das 151. Mitglied im 300-Homeruns-Club und erst das 16., dass diese Marke mit unter 30 Jahren erreichte. Zudem hat er es schneller als jeder andere Spieler der Geschichte auf die Kombination von 300 Homeruns und 200 Stolen Bases gebracht. Der bisherige Rekordhalter Willie Mays benötigte dafür 1.295 Spiele, Trout schaffte es in 1.235. Gleichzeitig wurde Trout mit dem 300. Homerun zum alleinigen Franchise-Rekordhalter der Angels, indem er die 299 Karriere-Homeruns von Tim Salmon übertrumpfte. (Ich frage mich gerade, ob man zwingend wie ein Fisch heißen muss, um viele Homeruns für die Angels zu erzielen. Aber das nur am Rande.)

Spiel der Woche
Zum zweiten Mal in Folge präsentiere ich an dieser Stelle einen veritablen Blowout. Die 29 Runs, die die Atlanta Braves gestern Abend gegen die Marlins erzielten, waren die meisten in einem Spiel der National League seit 1897. Ein anderer witziger Fakt zum Spiel: Es war das erste 29:9 in der Geschichte der MLB. Das letzte noch nie dagewesene Ergebnis hatte es vor 21 Jahren gegeben, als die Reds die Rockies 24:12 schlugen. Jeder Spieler aus der Startformation der Braves brachte es gestern auf mindestens einen Hit und mindestens einen Run. Den größten Anteil hatte Adam Duvall mit drei Homeruns und 9 RBI.

Mein Einschalttipp
Wer hätte gedacht, dass es im September ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Yankees und den Orioles um einen Playoffplatz geben würde? Ich jedenfalls nicht, aber genau so kann es in den nächsten Tagen kommen. Ab heute treffen die größte Überraschung und die größte Enttäuschung der AL in einer Vier-Spiele-Serie aufeinander. DAZN ist leider nicht am Ball, aber die Partie am Samstag läuft ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit als Free Game of the Day bei mlb.tv, sodass ihr auch ohne Abo reinschauen könnt.

Hier noch ein Bonus-TV-Tipp für Leser aus Österreich: Am Sonntag läuft auf Puls 4 ab 13:20 Uhr 42, die hervorragende Verfilmung der Geschichte von Jackie Robinson. Das Programm bietet auch einen Livestream an; um diesen aus Deutschland oder anderen Ländern abzuspielen, benötigt man die Hilfes eines VPN-Tools. 

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September 3rd, 2020 by Silversurger

Der Baseball hat einen seiner Größten verloren: Tom Seaver ist am Montag im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Pitcher war von 1967 bis 1986 in der MLB aktiv und wurde 1992 in die Hall of Fame gewählt. Seinen größten Erfolg feierte er 1969, als er mit den „Miracle Mets“ die World Series gewann. Ironischerweise feierte er seinen Abschied ebenfalls bei einem World-Series-Sieg der Mets, wenngleich er 1986 beim Gegner, den Red Sox, spielte und wegen einer Verletzung in der Finalserie nicht zum Einsatz kam. Seaver hatte sich ab 2012 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, da er an Demenz litt. Er starb an dieser Krankheit, verbunden mit einer Covid-19-Infektion.

Covid-19 beeinträchtigt auch weiterhin immer wieder die laufende MLB-Saison. Die Oakland Athletics haben sich letzten Sonntag in die Liste der Teams mit corona-bedingten Spielausfällen eingereiht und seitdem vier Partien abgesagt. Nach aktuellem Stand soll es am Freitag für sie weitergehen. Die Infektion eines Angestellten, die zu den Maßnahmen geführt hatte, zog bislang glücklicherweise keine weiteren Kreise.

American League
Dreieinhalb Wochen vor dem Ende der Saison werfe ich wie gewohnt einen Blick auf die Tabellenstände, welche zumindest in der American League schon ein ziemlich klares Bild im Hinblick auf die Playoffs vermitteln.

Die Spitze der AL East bleibt fest in der Hand der Tampa Bay Rays (26-12). Gerade haben die Rays die letzte direkte Serie dieses Jahres gegen die New York Yankees (20-15) mit 2:1 entschieden, insgesamt haben sie acht von zehn Spielen gegen die Yankees gewonnen. Letztere können froh sein, dass sie am letzten Wochenende drei von fünf allesamt äußerst knappen Derbys gegen die Mets gewonnen haben, denn nur dadurch halten sie sich noch knapp vor den Toronto Blue Jays (19-16) auf Platz zwei. Interessanterweise haben die Blue Jays und die Yankees sich dieses Jahr noch gar nicht auf dem Platz gesehen. Das ändert sich ab nächsten Dienstag: Dann bleiben nur noch 20 Saisonspiele übrig und die Hälfte davon besteht aus direkten Duellen der Blue Jays gegen die Yankees. Ein bisschen Entwarnung muss aber auch sein: Wer von den beiden das Rennen um den zweiten Platz verliert, wird höchstwahrscheinlich trotzdem als Wild-Card-Team in die Postseason einziehen. Weder die Baltimore Orioles (16-20) noch die Boston Red Sox (12-25) noch die Konkurrenz aus den anderen Divisionen machen den Eindruck, diesen Playoffplatz gefährden zu können.

Auch in der AL Central ist die Frage nicht wirklich, wer in die Playoffs kommt, sondern allein in welcher Reihenfolge es die Cleveland Indians (23-14), die Chicago White Sox (22-15) und die Minnesota Twins (22-16) tun werden. Die Führung hat in den letzten Tagen mehrmals zwischen den drei Teams gewechselt und sie treffen alle noch ein paarmal aufeinander. Letzte Woche sah es zeitweise danach aus, dass die Twins sich aus dem Rennen verabschieden, als sie sechs Spiele hintereinander verloren, die Hälfte davon gegen die direkten Konkurrenten. Doch mit zwei Siegen gegen die White Sox gestern und vorgestern haben sie sich zurückgemeldet. Nun müssen sie allerdings fünfmal hintereinander gegen die Detroit Tigers (17-17) antreten, die mit ihrer .500-Bilanz zu den positiven Überraschungen des Jahres gehören.  

Die eingangs erwähnten Spielausfälle bei den Oakland Athletics (22-12) führten dazu, dass sich in der AL West diese Woche nicht viel getan hat. In Bezug auf den Gruppensieg wird es in der kommenden Woche richtig interessant, wenn die A’s von Montag bis Donnerstag fünfmal auf die Houston Astros (20-15) treffen. Hinsichtlich der Playoffs ist aber auch in dieser Division die Messe gelesen. Denn die Athletics und die Astros sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Boot, während es für die Seattle Mariners (15-22), die Texas Rangers (13-22) und die Los Angeles Angels (12-25) mehr als nur ein kleines Wunder bräuchte, um sich für Oktober-Baseball zu qualifizieren.

National League
In der National League geht es deutlich spannender zu als in der American League. Das Rennen um beide Wild Cards sowie das um zwei zweite Plätze sind noch weit offen.

In der NL East stehen die Atlanta Braves (22-14) nicht nur vorne, machen nicht nur den gefestigsten Eindruck innerhalb der Division, sondern sie haben auch das mit Abstand einfachste Restprogramm. Wenn sie die anstehende Pflichtaufgabe gegen die abgeschlagenen Washington Nationals (12-22) ähnlich souverän lösen wie die letzte gegen die Red Sox, dann sind die Braves quasi durch. Dahinter wird es interessant. Die Philadelphia Phillies (17-15) haben sich mit acht Siegen aus den letzten neun Spielen vom Fehlstarter zum Favoriten für den zweiten Playoffplatz der Division gemausert. Am Wochenende müssen sie sich in vier Spielen der New York Mets (16-21) erwehren, die in dieser Serie vermutlich die letzte Chance sehen, ihre Saison noch zu retten. Zwischen den Phillies und den Mets stehen die Miami Marlins (16-16). Denen hatte vor der Saison wirklich niemand etwas zugetraut und erst recht nicht, nachdem sie kurz nach dem Start zehn Tage pausieren mussten, weil sich das halbe Team mit Corona infiziert hatte. Nun stehen sie mit ausgeglichener Bilanz auf einem Wild-Card-Platz. Ob sie den noch haben, nachdem sie in den nächsten eineinhalb Wochen dreimal gegen Tampa Bay, dreimal gegen Atlanta und siebenmal gegen Philadelphia ran müssen? Unterschätzen wird man die Marlins jedenfalls nicht mehr.

Die NL Central haben sich schon früh in der Saison die Chicago Cubs (22-14) gesichert, indem sie mit 13 Siegen aus den ersten 16 Spielen starteten. Seitdem spielen sie zwar nur noch einen knappen .500er-Ball, aber in der eher schwachen Division reicht das, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Theoretisch können die St. Louis Cardinals (14-14) mit ihren vielen coronabedingten Nachholspielen den Cubs noch gefährlich werden – der Praxistest steht unmittelbar bevor, denn die Cardinals und die Cubs bestreiten von Freitag bis Montag fünf Spiele gegeneinander. Lachender Dritter dieses Duells könnten die Milwaukee Brewers (17-19) werden, die sich noch berechtigte Hoffnung auf Platz zwei oder eine Wild Card machen. Um diese Hoffnung zu nähren, müssen sie allerdings die schwere Serie bei den Indians erfolgreich bestreiten. Auch die Cincinnati Reds (16-21) rechnen sich noch Chancen auf die Wild Card aus; die anstehende Aufgabe gegen die Pittsburgh Pirates (10-24) erscheint jedenfalls lösbar.

Bei der Beschäftigung mit der NL West fällt mir gerade auf, dass ich in letzter Zeit kaum etwas über die Los Angeles Dodgers (28-10) geschrieben habe. Woran liegt das, sind sie etwa nicht der Rede wert? Natürlich sind sie das. Aber sie cruisen so unheimlich souverän und überlegen durch die Saison, dass sie quasi keine Fragen offen lassen. Sie scoren so viele Runs und lassen gleichzeitig so wenige gegnerische Runs zu wie kaum ein anderes Team. Sie verlieren nie eine Serie und nie mehr als zwei Spiele am Stück. Sie sind zur Trade-Deadline untätig geblieben und niemanden hat es gewundert, weil das Team komplett ist und keine Lücken oder Schwachstellen aufweist. Die Dodgers bieten einerseits keine Angriffspunkte, es ist andererseits aber auch schwer, über sie ins Schwärmen zu geraten, denn wie schon vor der Saison klar war: Für dieses Team gibt es dieses Jahr nur ein Ziel und nur daran wird es sich messen lassen.
Hinter den Dodgers hat sich mit den San Diego Padres (23-15) inzwischen ein zweites Team fest in der Spitze etabliert und wird sich von dort nicht mehr vertreiben lassen, erst recht nicht nach den umfangreichen Nachrüstungen zur Trade-Deadline. Spannend wird es auf den weiteren Plätzen. Die Colorado Rockies (18-19) und die San Francisco Giants (18-20) sind beide in der Verlosung eines Wild-Card-Platzes. Allerdings ist mein Eindruck, dass die beiden in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Rockies waren in den ersten zwei, drei Wochen der Saison richtig stark, haben aber seitdem spürbar abgebaut. Nun müssen sie hintereinander je dreimal gegen die Dodgers und die Padres ran, was durchaus das Ende der Playoff-Träume bedeuten könnte. Die Giants hingegen starteten so schwach in die Saison, wie es von ihnen erwartet wurde, arbeiteten sich dann aber Stück für Stück nach vorne. Diese Woche geht es gegen die abgeschlagenen Arizona Diamondbacks (14-23) und die Mariners.

Szene der Woche
Hier gibt es diese Woche mal kein Highlight-Play, bei dem dem unbedarften Beobachter sofort die Kinnlade runterklappt, sondern einen eher nerdigen Fakt: Seit der lückenlosen Aufzeichnung von Spielzügen, also seit mindestens 1961, hatte es in der MLB noch nie ein 3-2-8-Double-Play gegeben – bis zum Auftritt der St. Louis Cardinals am letzten Freitag. 3-2-8 bezeichnet die Positionen der beteiligten Spieler, in dem Fall einen Spielzug vom First Baseman zum Catcher und von dort zum Centerfielder. Schwer vorzustellen, wie das geht? Hier ist die Auflösung:

Da ich keine Kategorie für die beste Schlagzeile der Woche habe, gibt es hier noch einen Bonus. Am Dienstag gelang Rangers-Shortstop Elvis Andrus von den Texas Rangers der folgende Homerun gegen Astros-Reliever Ryan Pressly. Matt Kelly von mlb.com kommentierte dies mit der Überschrift: „Heartbreak Hotel – Elvis homers off Pressly“. Hut ab.

Statistik der Woche 
62. Das ist der aktuelle ERA– der Cleveland Indians. Zur Erklärung: ERA steht für Earned Run Average und ist die bekannteste Statistik für Pitcher. Das Minus hinter der Abkürzung zeigt an, dass die Zahl unter Berücksichtigung des historischen Umfelds, Ballparkfaktoren und anderen Einflüssen derart normiert wurde, dass eine durchschnittliche Leistung den Wert 100 trägt und dass eine Leistung umso besser ist, je weiter sich der Wert nach unten von 100 entfernt.  Auf diese Weise kann man die Leistungen über Zeiten und Orte hinweg vergleichen. Das Bemerkenswerte an dem ERA– von 62 der Indians ist, dass dies bislang die dominanteste Pitching-Saison ist, die im modernen Baseball (d. h. seit 1900) je gemessen wurde. Das zweite Team in der ewigen Rangliste sind übrigens die Los Angeles Dodgers, ebenfalls im laufenden Jahr. Es ist klar, dass man die Statistiken dieser außergewöhnlichen Saison im Vergleich mit normalen Jahren eher vorsichtig betrachten sollte. Ich hätte allerdings eher mit Ausreißern in die andere Richtung gerechnet, nachdem zu Beginn der Saison vielfach gemutmaßt wurde, die verkürzte Vorbereitung stelle einen Nachteil für die Pitcher dar.

Spiel der Woche
Allzu spannend war es nicht, das Duell der Colorado Rockies und der San Francisco Giants Dienstagnacht. Aber es war auf seine Art ein denkwürdiges Spiel und wenn man nicht gerade glühender Anhänger der Rockies ist, sollte man es sich mal anschauen. Unter den vielen bemerkenswerten Fakten und Statistiken, die die Partie hervorbrachte, fand ich persönlich am verblüffendsten, dass die Giants in jedem Inning Runs scorten – außer im letzten, in dem der Ersatz-Catcher der Rockies pitchte.

Mein Einschalttipp
Der Divisionssieg in der NL Central kann an diesem Wochenende praktisch entschieden werden: Fünfmal treffen die Cubs auf die Cardinals, ihren einzigen vielleicht noch ernstzunehmenden Verfolger. In diese Serie sollte man mal reinschauen. Leider überträgt DAZN keines der Spiele, es sei denn MLB Network wählt die Partie am Samstagabend aus. Ansonsten bleibt nur mlb.tv, zum Beispiel am Samstag ab 23:15 Uhr oder am Montag ab 22 Uhr, um die beiden Spiele zu erwähnen, die nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht laufen.

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August 13th, 2020 by Silversurger

Covid-19 und kein Ende in Sicht: Nachdem am letzten Wochenende neue Fälle bei den St. Louis Cardinals auftraten, mussten bis einschließlich heute alle Spiele der Cardinals abgesagt werden. Zudem sahen sich die Cleveland Indians zu internen Sperren gezwungen, weil ihre Pitcher Zach Plesac und Mike Clevinger sich am Samstag ins Nachtleben von Chicago gestürzt und damit die Pandemieregeln der Liga verletzt hatten. Aus Sorge, dass Corona-Ausbrüche nach der regulären Saison auch die Playoffs durcheinander wirbeln könnten, wird inzwischen immer lauter darüber nachgedacht, die Postseason in einer Bubble auszutragen. Das würde bedeuten, dass man zwei bis drei Stadien auswählt, in denen sämtliche Playoffspiele stattfinden, während die Teams in nahe gelegenen Hotels so weit wie möglich von der Außenwelt isoliert werden. Die Entscheidung, ob man einen solchen Weg gehen möchte, wird aber erst für September erwartet.

National League
In der Tabelle der NL East stehen nach wie vor die Miami Marlins (8-4) an der Spitze, wenngleich ihr Höhenflug nach dem verblüffenden 7-1-Start erst mal gestoppt scheint. Am Wochenende müssen die Marlins dreimal gegen die Atlanta Braves (11-9) ran, den eigentlichen Favoriten der Division, der selbst gerade drei Niederlagen hinter sich hat und auf Wiedergutmachung aus sein wird. Die anderen Teams der ursprünglich als besonders stark eingeschätzten Division bleiben bisher allesamt hinter den Erwartungen zurück: Bei den Washington Nationals (6-8) funktioniert die Offensivabteilung nur sporadisch, während die New York Mets (8-11) Probleme haben, regelmäßig verlässliche Starting Pitcher aufzustellen. Noah Syndergaard fällt nach seiner Tommy-John-Surgery vom März das ganze Jahr aus; Marcus Stroman wird dieses Jahr ebenfalls nicht pitchen, nachdem er sich in der Gemengelage um seine Wadenverletzung und die Corona-Pandemie für den Opt-Out entschieden hat; Steven Matz befindet sich zudem in einer tiefen Formkrise. Die Philadelphia Phillies (5-8) haben gerade zweimal gegen die Orioles verloren und brauchen im „Duell der Enttäuschten“ mit den Mets am Wochenende einen Erfolg, wenn sie die Playoff-Hoffnungen nicht früh begraben wollen.

In der NL Central geben nach wie vor die Chicago Cubs (12-3) unangefochten den Ton an. Ihre Bilanz nach dem ersten Viertel der Saison ist die beste der gesamten MLB, während die Cincinnati Reds (8-10) und die Milwaukee Brewers (7-9) den Erwartungen bisher nicht gerecht werden. In den kommenden Tagen treffen die Brewers viermal auf die Cubs, sodass das Wochenende entweder eine frühe Vorentscheidung oder neue Spannung bringen kann. Die St. Louis Cardinals (2-3) sind bisher noch kaum zu beurteilen – man kann ihnen nur wünschen, dass sie ihren Corona-Ausbruch endlich im Griff haben und noch eine halbwegs reguläre Restsaison spielen können. Dass sie es dabei noch auf 60 Spiele bringen, erscheint inzwischen unwahrscheinlich.

Hochspannung in der NL West hätte man angesichts der klaren Favoritenstellung der Los Angeles Dodgers (12-7) eher nicht erwartet, aber die Colorado Rockies (12-6) und die San Diego Padres (11-8) sorgen mit starken Leistungen bislang für ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im direkten Duell mit den Padres mussten die Dodgers in den letzten drei Tagen zwei Niederlagen hinnehmen. In der kommenden Nacht bekommen die Padres die Gelegenheit, durch einen weiteren Sieg mit den Dodgers gleichzuziehen (siehe „Einschalttipp“).

American League
In der AL East werden die New York Yankees (12-6) ihrer Favoritenrolle schon seit Beginn gerecht. Die Tampa Bay Rays (11-8), die vor der Saison als einziger ernsthafter Konkurrent der Yankees galten, hatten hingegen einen eher holprigen Start. Den scheinen sie nun aber hinter sich gelassen zu haben. Die letzten sieben Tage bestanden für sie aus einer 3-1 gewonnenen Serie gegen die Yankees sowie aus drei Siegen gegen die Boston Red Sox (6-12), die sie heute als Vier-Spiele-Sweep abzuschließen hoffen. Überraschenderweise finden sich auch die Baltimore Orioles (9-7) mit einer positiven Bilanz wieder. Vier Siege in Folge, je zwei gegen die Nationals und die Phillies, machen es möglich. Wäre nicht der Regen dazwischen gekommen, wären es möglicherweise fünf geworden: Die dritte Partie gegen die Nationals wurde beim Stand von 5:2 für die Orioles im sechsten Inning abgebrochen. Sie wird morgen in Baltimore zu Ende gespielt, direkt vor Beginn der nächsten Serie gegen Washington.  

Die Minnesota Twins (12-7) führen die AL Central an. Dass sie eine überragende Offense auf den Platz bringen, war vor der Saison klar. Etwas überraschend ist hingegen, wie sehr sie auch im Pitching überzeugen. 65 zugelassene Runs sind die zweitwenigsten der gesamten AL. Im Gegensatz zu den auf beiden Seiten des Balls starken Twins sind die Cleveland Indians (10-9) ein ziemlich extremer Fall: Absolut herausragendes Pitching paart sich bei ihnen mit häufiger Abwesenheit von offensiver Unterstützung. Immerhin bringen sie es auf diese Weise mit nur 62 erzielten Runs und trotz der beiden deutlichen Niederlagen gegen die Cubs noch auf ein Run Differential von +11. Die drei restlichen Teams der Division hingegen weisen trotz jeweils über 20 mehr erzielten Runs allesamt negative Run Differentials auf.

Gefühlt wird deutlich mehr über die Yankees und die Twins gesprochen als über die Oakland Athletics (13-6). Tatsächlich sind aber die A’s das Team mit sowohl der besten Bilanz der AL als auch mit dem deutlichsten Vorsprung innerhalb ihrer Division, der AL West. Alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf, auch die Houston Astros (8-10). Im direkten Aufeinandertreffen der Athletics und der Astros gab es am letzten Wochenende einen Sweep der A’s und im letzten der drei Spiele unschöne Szenen. Oaklands Outfielder Ramon Laureano wurde von den Pitchern der Astros während der Serie mehrmals abgeworfen. Nach dem dritten solchen Vorfall begann Laureano eine hitzige Diskussion, zuerst mit dem Übeltäter Humberto Castellanos, dann mit Houstons Hitting-Coach Alex Cintron. Schließlich warf Cintron seinen Helm auf den Boden und ging auf Laureano los, woraufhin eine größere Rangelei zwischen beiden Teams ausbrach. Mutmaßlicher Hintergrund der Ereignisse ist der Sign-Stealing-Skandal um die Meistersaison 2017 der Astros. Diesen hatte Mike Fiers ans Licht gebracht, der damals bei den Astros gespielt hatte und heute für die Athletics aktiv ist. Die Liga hat dieses Jahr eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Brawls, weswegen die Strafen relativ hart ausfielen: Laureano wurde für sechs Spiele gesperrt, Cintron für 20. Cintrons Sperre läuft bereits, während Laureano Einspruch gegen das Strafmaß eingelegt hat und bis zur Entscheidung noch spielen darf.   

Szene der Woche
Wenn ihr Baseball seit weniger als fünf Jahren verfolgt, habt ihr vermutlich noch nie einen 4-Base-Error gesehen – also einen einzelnen Fehler im Feldspiel, der dem Gegner vier Bases „schenkt“. Zum ersten Mal seit April 2015 gab es am Sonntag ein solches Missgeschick. Der Pechvogel, dem es unterlief, ist Rookie-Outfielder Jo Adell von den Los Angeles Angels. Er bekam einen Flyball von Nick Solak (Texas Rangers) scheinbar sicher in den Handschuh, doch der Ball hüpfte heraus und über den Zaun. Der Scorer wertete die Aktion zunächst als Homerun, korrigierte sich aber später und trug sie als Error ein – zum Ärger von beiden beteiligten Spielern.

Statistik der Woche 
.472. Das ist der aktuelle Batting Average von Charlie Blackmon. Er liegt damit zurzeit an der Spitze der Liga, gefolgt von Donovan Solano (Giants) mit .458 und DJ LeMahieu (Yankees) mit .431. Nachdem schon mehr als ein Viertel der Saison absolviert ist, darf man sich fragen, ob dies das Jahr ist, in dem es zum ersten Mal seit Ted Williams 1941 (.406) wieder einem Batter gelingt, über eine gesamte Saison hinweg über .400 zu schlagen.

Spiel der Woche
Das Besondere an meinem Spiel der Woche ist, dass es das erste Major-League-Spiel in Buffalo seit 1915 war. Die Toronto Blue Jays haben in dem Ballpark im Norden des Bundesstaats New York Quartier bezogen, weil die kanadischen Behörden keine Genehmigung für MLB-Spiele und den damit verbundenen Reiseverkehr in Toronto erteilt haben. Dass der Heimauftakt der „Buffalo Blue Jays“ gegen die Miami Marlins vom Dienstag obendrein ein unterhaltsames Spiel mit mehreren Führungswechseln und einer Verlängerung war, machte mir die Wahl umso leichter:

Mein Einschalttipp
Diese Woche habe ich einen Tipp für die Frühaufsteher unter euch: Morgen um 3:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt Spiel vier der Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den San Diego Padres. Die Dodgers taten sich bislang schwer mit den Padres, vor allem in den beiden ersten Partien (1:2 und 2:6) wollte die sonst so gefürchtete Offense nicht recht in Schwung kommen. Nach einem 6:0-Erfolg im dritten Spiel peilen die Dodgers nun an, zumindest mit einem Split aus der Reihe zu gehen. Leicht wird es sicher nicht gegen Chris Paddack (3.18 ERA, 3.87 FIP), das Ass der Padres. Für die Dodgers wird Julio Urias (2.40 ERA, 2.90 FIP) auf dem Mound stehen. Mit Urias ist man bisher nur teilweise zufrieden: Auf der einen Seite hat er in seinen bisherigen Starts kaum gegnerische Punkte zugelassen, auf der anderen Seite hat er viele Pitches gebraucht und damit in seinen drei Spielen nur 15 Innings abgedeckt.

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