Februar 21st, 2017 by Silversurger

Im vorletzten Teil der Serie über Pitcharten geht es um den Changeup – manchmal auch mit Bindestrich als „Change-Up“ geschrieben oder der Kürze halber nur als „Change“.

Der Changeup sieht aus wie ein Fastball, ist aber keiner. Mit durchschnittlich 83,6 mph (134,5 km/h) in der vergangenen Saison ist der Changeup zwar schneller als ein Curveball oder ein Knuckleball, aber auch deutlich langsamer als ein Fastball und genau darauf kommt es an. Der Batter soll denken, dass er einen Fastball bekommt und bis er merkt, dass der Ball viel langsamer fliegt, ist sein Timing bereits ruiniert. „Viel langsamer“ heißt in dem Fall, dass der Ball ungefähr eine Zwanzigstelsekunde schneller auf Höhe der Homeplate ist als der erwartete Fastball – klingt wenig, ist im Ergebnis aber oft der Unterschied zwischen Homerun und Foulball.

Der Changeup kommt fast immer im Zusammenhang mit einem oder mehreren Fastballs zum Einsatz. Eine typische Situation ist zum Beispiel, dass der Batter gerade bei einem Fastball etwas zu spät am Ball war und ihn verfehlte oder foulte. Nun nimmt er sich ganz fest vor, beim nächsten Pitch schneller zu sein. Der Pitcher ahnt das und serviert ihm einen Changeup, woraufhin der Batter viel zu früh schwingt oder die Bewegung gleich ganz abbricht.

Entscheidend für einen erfolgreichen Changeup ist, dass die Illusion eines Fastballs möglichst lange aufrecht erhalten wird. Die Armbewegung des Pitchers und die Flugbahn des Balles sollten daher identisch zum Fastball sein. Der Pitcher sollte dabei niemanden sehen lassen, wie er den Ball greift, denn im Griff liegt der deutliche Unterschied zum Fastball. Der üblichste Griff ist der hier abgebildete mit allen fünf Fingern und relativ tief in der Hand, wodurch der Pitch automatisch langsamer wird.

Griff eines Changeups1

Eine Variante stellt der sogenannte Circle Changeup dar. Der Griff unterscheidet sich vom normalen Changeup dadurch, dass Daumen und Zeigefinger sich berühren und an der Seite des Balls einen Kreis formen. Dadurch bricht die Flugbahn des Pitches mehr oder weniger deutlich zur Handseite des Pitchers aus, also bei einem Rechtshänder nach rechts.

Griff eines Circle-Changeups2

Da der Changeup typischerweise davon lebt, als überraschende Abwechslung eingesetzt zu werden, wird dieser Pitch von den meisten Pitchern nicht allzu häufig benutzt. Kein qualifizierter MLB-Pitcher verwendete den Changeup 2016 öfter als 45%, unter den Startern war Marco Estrada mit 28,6% bereits Spitzenreiter. Insgesamt waren in dieser Saison 11,5% aller Pitches Changeups.

Über die historische Entwicklung des Changeups kann man nicht viel sagen, jedenfalls nicht in der Art, dass sich ein Erfinder oder eine bestimmter Zeitpunkt benennen ließe. Gebräuchlich wurde der Begriff wohl ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, aber es wurden auch früher schon Pitches geworfen, die weder Fastball noch Breaking Ball waren. Man nannte solche Pitches „Slow Ball“ und es dürfte sich bei ihnen in aller Regel um das gehandelt haben, was wir heute als Changeup bezeichnen. Pitcher, die mit einem sehr guten Changeup berühmt wurden, sind beispielsweise Pedro Martinez und Trevor Hoffman.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

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