Juli 1st, 2021 by Silversurger

Halbzeit in der MLB: Bis zum All-Star-Break sind zwar noch eineinhalb Wochen zu spielen, doch die meisten Teams haben bereits die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Offiziell ist noch lange nichts entschieden, aber für viele Klubs ist die Saison trotzdem schon mehr oder weniger gelaufen. Laut den Playoff-Wahrscheinlichkeiten von Fangraphs liegen jedenfalls für 17 von 30 Teams die Hoffnungen auf eine Endrundenteilnahme inzwischen bei unter 15%. Ich werde im heutigen Überblick mal verstärkt auf diese Wahrscheinlichkeiten schauen. Wie diese zustande kommen, erkläre ich ganz am Ende dieses Artikels.

Von den Chancen, die sich die Klubs selbst für den Rest des Jahres ausrechnen, wird auch abhängen, ob und in welcher Art sie vor der Trade Deadline am 31. Juli noch mal auf dem Spielermarkt tätig werden. Die meisten Trades finden traditionell kurz vor der Deadline statt, aber die Blue Jays und die Marlins haben schon mal vorgelegt: Toronto sicherte sich in dem vorgestern eingefädelten Deal Reliever Adam Cimber und Outfielder Corey Dickerson, Miami erhält Infielder Joe Panik und Minor-League-Pitcher Adam McInvale. Das Kernstück des Trades dürfte Cimber sein, der eine dringend benötigte Aufwertung des Bullpens der Blue Jays darstellt. Ihn lassen sie sich ein Stück Zukunft in Form von McInvale kosten sowie das Geld, welches mit dem Tausch eines teuren mittelmäßigen Spielers (Dickerson) gegen einen günstigen mittelmäßigen Spieler (Panik) verbunden ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die aktuellen Vorkommnisse um Trevor Bauer, auch wenn es für eine faire Beurteilung wohl noch zu früh ist: Eine Frau wirft dem Pitcher der Dodgers vor, an ihr gegen ihren Willen entwürdigende und gewalttätige Sexualpraktiken vorgenommen zu haben. Bauer streitet die Praktiken nicht ab, stellt sie aber im Gegensatz zu der Frau als einvernehmlich dar. Wie in solchen Fällen üblich, wird die MLB eine eigene Untersuchung anstellen und über mögliche Konsequenzen entscheiden.

National League
In der NL East werden laut Fangraphs den New York Mets (41-35) mit 76,1% die größten Playoff-Chancen zugetraut. Alle anderen Teams der Divison rangieren unter 15%. Den Atlanta Braves (38-41, 14,6%) werden dabei noch etwas bessere Chancen zugerechnet als den Washington Nationals (40-38), obwohl diese zurzeit in der Tabelle vor den Braves stehen und nur noch zwei Spiele hinter den unübersehbar schwächelnden Mets rangieren. Die Mets haben ihre letzten 15 Spiele allesamt gegen Divisionskonkurrenten bestritten, dabei nur 6 Siege erzielt und nur ein einziges Mal mehr als 5 Runs gescort. Gestern setzte es eine 2:20-Packung gegen die Braves, nach der die Mets interessanterweise trotzdem noch die wenigsten Runs der Liga kassiert (aber gleichzeitig auch die wenigsten gescort) haben. Die Philadelphia Phillies (37-41, 6,9%) sind laut Fangraphs so gut wie aus dem Rennen um die Playoffs, die Miami Marlins (34-45, 0,1%) sowieso.

An der Spitze der NL Central hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Erdrutsch vollzogen: Die Milwaukee Brewers (48-33) haben die Chicago Cubs (42-39) in drei Spielen gesweept, und nachdem die Brewers jetzt acht Spiele in Folge gewonnen, die Cubs hingegen sechs hintereinander verloren haben, findet sich Milwaukee mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze wieder. Das schlägt sich auch in den Playoff-Wahrscheinlichkeiten nieder, die für die Brewers nun bei 86,0% liegen, für die Cubs hingegen nur noch bei 14,5%. Die St. Louis Cardinals (40-41) haben sich durch einen Sweep gegen Arizona wieder nahe an die Cubs und eine ausgeglichene Bilanz herangearbeitet. Fangraphs traut den Cards dennoch mit 4,2% noch geringere Playoff-Chancen zu als den Cincinnati Reds (39-40, 8,6%). Die Chancen der Pittsburgh Pirates (29-50) werden mit 0,0% beziffert. Interessant ist übrigens auch, dass sowohl in der NL East als auch in der NL Central die Playoff-Wahrscheinlichkeiten fast vollständig in der Chance bestehen, die jeweilige Division zu gewinnen. Die Chancen auf eine Wild Card liegen für alle Teams dieser Divisionen jeweils unter 6%.

Der Grund dafür ist natürlich in der NL West zu suchen und zu finden. Hier gibt es drei Teams mit sehr hohen Playoff-Chancen. Allen voran wird den Los Angeles Dodgers (49-31) eine Wahrscheinlichkeit von 99,3% zugerechnet, die sich zusammensetzt aus 64,3% für den Divisionssieg und weiteren 35% für eine Wild Card. Das Gegenstück dazu sind die San Diego Padres (49-32), die mit einer 29,2%-Chance auf die Division und einer 68,2%-Chance auf die Wild Card insgesamt 97,3% erreichen. Jetzt fragt man sich zurecht, was mit den San Francisco Giants (50-29) ist, die als bislang erfolgreichstes MLB-Team der Saison die Divisionstabelle anführen, auch nach zuletzt zwei Niederlagen gegen die Dodgers. Vom anhaltenden Erfolg der Giants ist Fangraphs noch nicht ganz überzeugt, schreibt ihnen aber immerhin eine 79,9%-Chance auf eine Playoff-Teilnahme zu (73,4% davon in Form einer Wild Card). Die Chancen der Colorado Rockies (34-47) und der Arizona Diamondbacks (22-60) stehen wenig überraschend bei 0,0%.

American League
Von den Wild Cards der American League dürfte mindestens eine in die AL East gehen. Die Boston Red Sox (50-31) sind mit 60,2% Favorit auf den Divisionssieg und zu 86,9% in den Playoffs. Dass ihre bislang überraschend starke Saison kein Zufall ist, konnten sie gerade erst wieder untermauern, indem sie zum zweiten Mal in Folge die New York Yankees (41-39) gesweept haben. Die Yankees haben mit 41,6% noch realistische Playoff-Chancen, optimistischer ist Fangraphs aber für die Tampa Bay Rays (47-34, 53,3%) und die Toronto Blue Jays (41-37, 46,2%). Die Baltimore Orioles (27-54) haben gerade mit einem 3-Spiele-Sweep in Houston ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich gegeben, sind aber längst so weit abgeschlagen, dass 0,0% ein realistisches Maß für ihre Playoff-Hoffnungen sind.

Für sehr unwahrscheinlich hält Fangraphs, dass die AL Central eine Wild Card abbekommt. In den Playoffs ist vor allem mit den Chicago White Sox (47-32) zu rechnen, die zu 89,5% dabei sind und zwar höchstwahrscheinlich (87,1%) als Divisionssieger. Die Cleveland Indians (42-35) sind mit Playoff-Chancen von 18,2% nur Außenseiter und könnten es am ehesten schaffen, indem sie den White Sox den Divisionssieg abjagen (11,4%). Trotz der klaren Zweiteilung der Division ist es laut den Playoff-Odds übrigens noch nicht sicher, dass die AL Central sich zwischen den White Sox und den Indians entscheidet: Die Minnesota Twins (33-45) haben demnach immerhin noch eine 1,3%-ige Chance auf den Gruppensieg und selbst Schlusslicht Kansas City Royals (33-46) bringt es nach zuletzt acht Niederlagen in Folge noch auf 0,2%. Allein die Detroit Tigers (36-45), in der Tabelle immerhin Dritter und gerade zweimal siegreich gegen die Indians, bekommt von Fangraphs keine Liebe und steht bei 0,0%.

In der AL West stehen zwei Teams bei 48 Siegen und beiden rechnet Fangraphs gute Chancen zu, die Playoffs zu erreichen. Trotz des peinlichen Rückschlags gegen die Orioles stehen die Houston Astros (48-33) knapp vorne und haben mit 90,5% die höchste Wahrscheinlichkeit für die Postseason, davon 74,4% für den Gruppensieg. Die Astros weisen übrigens mit 13,5% auch die besten Chancen aller AL-Teams auf, die World Series zu gewinnen. Höher eingestuft ist nur der Titelverteidiger aus der NL, die Dodgers mit 16,4%. Die Oakland Athletics (48-34) gewinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,0% die Division und haben ansonsten gute Chancen (36,7%) auf einen Wild-Card-Platz. Dahinter wird es recht dünn: Die Chancen der Los Angeles Angels (39-41), Shohei Ohtani und Mike Trout eine Playoff-Bühne zu bieten, liegen bei nur 10,6%; den Seattle Mariners (42-39) traut Fangraphs trotz der besseren Bilanz nur zu 1,6% die Postseason zu. Die Texas Rangers (31-49) sind mit 0,0% draußen und können sich ganz darauf konzentrieren, wenigstens die Trade-Deadline erfolgreich zu gestalten. 

Szene der Woche
Die Kampagne der MLB gegen den Gebrauch klebriger Substanzen hat ihr erstes Opfer, besser gesagt ihren ersten Täter gefunden: Hector Santiago von den Seattle Mariners erhielt am Sonntag in der Mitte des fünften Innings der Partie gegen die White Sox einen Platzverweis, nachdem die Umpires seinen Handschuh kontrolliert hatten. Santiago beteuerte hinterher, er habe lediglich Harzpulver benutzt, das zum Trocknen der Wurfhand erlaubt ist. In Verbindung mit Schweiß habe es sich möglicherweise zu einer schmierigen Masse entwickelt. Mit der Argumentation kam er offenbar nicht durch, denn die Liga bestätigte am Dienstag nach einer weiteren Prüfung des beschlagnahmten Handschuhs Santiagos Sperre für zehn Spiele. Den Spieler kostet das mindestens einen Start, das Team kostet es den Rosterplatz, den es während der Sperre nicht anderweitig besetzen darf.

Statistik der Woche 
10. So viele hintereinander erzielte Strikeouts durch einen Pitcher in einem Spiel sind MLB-Rekord. Aufgestellt hat diese Marke der legendäre Tom Seaver im Jahr 1970 für die New York Mets. Seit Freitag teilt Seaver sich den Rekord mit Aaron Nola von den Philadelphia Phillies. Verrückterweise gelang Nola diese besondere Leistung ausgerechnet gegen die Mets – jedes seiner zehn Strikeout-Opfer trug Seavers Nummer 41 am Ärmel, zum Gedenken an den letztes Jahr mit Covid-19 verstorbenen Hall-of-Famer. Ort des Geschehens war Citi Field, der Nachfolge-Ballpark von Shea Stadium, in dem Seaver vor 51 Jahren die Bestleistung aufgestellt hatte. Die Adresse von Citi Field lautet übrigens Seaver Way 41. Das Spielergebnis war sowohl am 22. April 1970 als auch am 25. Juni 2021 dasselbe: 2:1 für die Mets.

Spiel der Woche
Nach einer Flut von No-Hittern zu Saisonbeginn hat es ein paar Wochen gedauert, doch nun hat die MLB-Saison 2021 ihr siebtes Spiel, in dem eine Mannschaft ohne Hit blieb. Die Chicago Cubs vollbrachten das Kunststück gegen den amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers. Es war der 17. No-Hitter in der Geschichte der Cubs, aber der erste, an dem mehrere Pitcher beteiligt waren. Zach Davies benötigte für die ersten sechs Innings 94 Pitches, in denen er fünf Walks zuließ und durch einige starke Defensivaktionen an der dritten Base von Kris Davis unterstützt wurde. Das war ein guter, aber kein überragender Start, der sich für die Cubs selbst offenbar nicht so recht nach einem No-Hitter anfühlte. Jedenfalls hatte Closer Craig Kimbrel, der nach sauberen Innings von Ryan Tepera und Andrew Chafin die letzten drei Outs besorgte, zunächst keine Ahnung, dass er gerade nicht nur einen 4:0-Sieg, sondern einen No-Hitter vollendet hatte.

Mit sieben No-Hittern ist der moderne MLB-Rekord von 1990, 1991, 2012 und 2015 schon zur Saisonmitte eingestellt. Der Allzeit-Rekord von acht No-Hittern stammt aus dem Jahr 1884, noch bevor der Mound 1893 auf seine bis heute gültige Entfernung festgelegt wurde. Die Chancen stehen gut, dass beide Marken dieses Jahr noch fallen. In drei weiteren Spielen der letzten Tage roch es ebenfalls nach No-Hitter: Für die Red Sox hatte Nick Pivetta am Donnerstag gegen die Rays 6.2 No-Hit-Innings, bevor man ihn nach 100 Pitches auswechselte und Darwinson Hernandez im nächsten Inning den ersten Hit abgab. Pirates-Rookie Max Kranick feuerte in seinem MLB-Debüt am Sonntag fünf perfekte Innings. Er benötigte dafür nur 50 Pitches, musste aber ausgewechselt werden, als sein Lauf durch eine einstündige Regenpause unterbrochen wurde. Am Dienstag waren die Pirates auf der anderen Seite eines Beinahe-No-Hitters, als German Marquez für die Rockies in einem Complete-Game-Shutout acht No-Hit-Innings schaffte, bevor er beim zweiten Pitch im neunten Inning den ersten und einzigen Treffer durch Pittsburghs Ka’Ai Tom zuließ.

Mein Einschalttipp
Das Derby zwischen den New York Yankees und den New York Mets, allgemein als Subway Series bekannt, geht am Wochenende in die erste Runde. Die MLB hat dieses Jahr geschichtsträchtige Daten für das Stadtduell ausgewählt: Die Hinserie in Yankee Stadium umfasst den 4. Juli, die Rückserie in Citi Field den 11. September. Wenn man Fan eines der beiden Teams ist, sind die drei Spiele von Freitag bis Sonntag quasi Pflicht, auch wenn das zwei Nachtschichten bedeutet. Für alle anderen bietet sich an, in das Samstagspiel ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinzuschauen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Michael King (4.06 ERA, 4.65 FIP) für die Yankees und Marcus Stroman (2.44 ERA, 3.59 FIP) für die Mets sein. Falls ihr kein mlb.tv-Abo habt, müsst ihr auch nicht leer ausgehen, denn das Freitagsspiel ist das „Free Game of the Day“.

Erläuterung zu den Playoff-Wahrscheinlichkeiten
Die sogenannten Playoff-Odds, mit denen ich in der heutigen Übersicht hantiert habe, stammen von der Statistikseite fangraphs.com. Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen dieser Spieler für den Rest des Jahres prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

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Juni 24th, 2021 by Silversurger

Das größte Thema in der MLB sind nach wie vor die klebrigen Substanzen, deren Gebrauch durch Pitcher die Liga mit verstärkten Kontrollen unterbinden will. Seit Montag wird jeder Pitcher mehrmals pro Spiel untersucht. Als erstes war Jacob deGrom dran – nicht weil seine unglaublichen Leistungen ihn besonders verdächtig gemacht hatten, sondern weil es zufällig das erste Spiel an dem Tag war. deGrom war ebenso „sauber“ wie alle anderen bislang kontrollierten Pitcher. Das heißt nicht, dass das Problem nicht existiert – es haben nur offenbar alle Nutzer der klebrigen Hilfsmittel rechtzeitig damit aufgehört. Dafür spricht jedenfalls, dass rund zwei Drittel der MLB-Pitcher eine deutliche Abnahme bei der Rotationsrate ihrer Pitches verzeichnen, seit die Liga vor drei Wochen die stärkere Umsetzung der Regeln ankündigte. Die Kontrollen scheinen also nicht umsonst zu sein, auch wenn sie mitunter zu ziemlich skurrilen Szenen führen:

Weitere interessante Neuigkeiten aus der MLB sind die Ankunft von Top-Prospect Wander Franco (siehe „Statistik der Woche“) und die Geschichte(n), die Shohei Ohtani schreibt: Dank des 2-Way-Phänomens der Angels war das Spiel gegen die Giants gestern Abend das erste in der MLB-Historie, in dem ein American-League-Team ohne Designated Hitter gegen ein National-League-Team mit DH antrat. Ohtani ist zudem der erste bestätigte Teilnehmer des Home Run Derbys am 12. Juli – er wird sowohl der erste Pitcher als auch der erste Japaner sein, der an der Veranstaltung teilnimmt.

American League
Die AL East hat einen neuen Tabellenführer, jedenfalls für den Moment. Die Boston Red Sox (44-30) fügten den Tampa Bay Rays (44-31) am Dienstag die siebte Niederlage in Folge zu und übernahmen damit die Divisionsspitze. Doch das Duell ist noch lange nicht entschieden, denn gestern meldeten sich die Rays mit einem überzeugenden 8:2-Sieg zurück, und heute Nacht steht im letzten Spiel der Serie der Spitzenplatz erneut zur Disposition. Für die Red Sox geht es dann ohne Pause in die nächste schwierige Serie gegen die New York Yankees (39-34). Gleichzeitig treffen die Toronto Blue Jays (37-35) auf die Baltimore Orioles (23-51). Obwohl die beiden als Dritter und Vierter Tabellennachbarn sind, liegen Welten zwischen den beiden Teams. Die Blue Jays haben sich gerade auf eine positive Bilanz zurückgekämpft und sind voll im Rennen um eine Wild Card, während das einzige Rennen der Orioles in diesem Jahr wohl das gegen den Titel des schlechtesten Teams der Liga ist. Trotz zuletzt fünf Niederlagen in Folge stehen die Orioles in diesem Wettbewerb noch vor den Diamondbacks.

Fünf Niederlagen in Folge mussten auch die Chicago White Sox (44-30) einstecken. Erst gestern gelang ihnen gegen die Pirates der erste Sieg seit einer Woche. Das Polster der White Sox in der AL Central war immerhin groß genug, um den ersten Platz trotz der Schwächephase zu halten, doch die Cleveland Indians (40-31) sind jetzt nur noch zweieinhalb Spiele zurück. Viel mehr gibt es zu dieser Division nicht zu sagen, denn die Kansas City Royals (33-39), die Detroit Tigers (32-42) und die Minnesota Twins (31-42) prügeln sich zwar munter um die Plätze, aber die konkrete Sortierung zwischen den drei abgeschlagenen Teams wird am Ende lediglich für die Draftreihenfolge interessant sein.

Auch die AL West ist im Wesentlichen ein Zweikampf. In diesem haben die Houston Astros (46-28) sich mit einer sensationell starken Serie von zehn Siegen in Folge inzwischen an die Spitze gesetzt und die Oakland Athletics (45-31) auf Rang zwei verdrängt. Die Astros weisen aktuell die beste Bilanz der AL und mit +135 das stärkste Run Differential der gesamten MLB auf. In den kommenden Tagen haben sie zudem mit den Tigers und den Orioles sehr lösbare Aufgaben vor sich, während die A’s zum Derby nach San Francisco müssen. Mit einem 4-Spiele-Sweep über die Rays haben diese Woche die Seattle Mariners (39-37) aufhorchen lassen. Wenn sie in den anstehenden Serien gegen die White Sox und die Blue Jays bestehen, könnten für die Mariners noch Außenseiterchancen auf eine Wild Card drin sein. Ihr deutlich negatives Run Differential von -48 wirft allerdings Zweifel auf, ob das Team „for real“ ist.

National League
Die NL East wird nach wie vor von den New York Mets (38-31) angeführt, auch wenn für sie zuletzt nur Serien von 1-3 gegen die Washington Nationals (35-36) und 2-2 gegen die Atlanta Braves (35-38) drin waren. Getragen werden die Mets vom mit Abstand besten Starting Pitching der Liga (2.64 ERA). Das ist erstaunlich angesichts der vielen Verletzungen, die die Rotation getroffen haben: Syndergaard und Carrasco haben dieses Jahr noch kein Spiel absolviert und werden es auch nicht allzu bald tun; Lucchesi unterzieht sich heute einer Tommy-John-Surgery, womit seine Saison gelaufen ist; Yamamoto fehlt noch mindestens einen Monat, Gsellman sechs bis acht Wochen; deGrom spielt zwar eine Saison für die Geschichtsbücher, musste aber auch schon ein paar Wochen pausieren und mehrere Spiele vorzeitig abbrechen; Stroman wurde vorgestern im zweiten Inning ausgewechselt, scheint aber nach ersten Untersuchungen nicht länger auszufallen. Die Mets überbrücken die Misere zurzeit mit mindestens zwei Spot-Startern oder Bullpen-Spielen pro Woche, vermutlich müssen sie bald noch mal auf dem Trade-Markt tätig werden. Auf dem Programm stehen für die Mets auch diese Woche wieder Duelle gegen die direkten Konkurrenten: zuerst viermal gegen die Philadelphia Phillies (34-37), dann ein Nachholspiel bei den Nationals und noch drei Partien in Atlanta. Lustigerweise sind übrigens die letztplatzierten Miami Marlins (31-42) neben den Mets das einzige Team der Division mit einem positiven Run Differential (+15).

In der NL Central gibt es sogar nur ein einziges Team mit einem positiven Run Differential, nämlich die Chicago Cubs (41-33, +24). An der Spitze stehen sie damit trotzdem nicht, denn dort nisten die Milwaukee Brewers mit einer Bilanz von 42-33, obwohl sie einen Run mehr kassiert als erzielt haben – ob man das Glück oder Effizienz nennen will, soll jeder selbst entscheiden. Nächste Woche wird es auf jeden Fall interessant, denn von Montag bis Mittwoch treffen die Cubs und die Brewers sich zum Spitzenduell in Wrigley Field. Die Cincinnati Reds (36-36) sahen vor einer Woche noch so aus, als ob sie sich wieder nach oben arbeiten, doch seitdem haben sie nur noch ein Spiel gewonnen und sind damit ebenso ins Niemandsland abgerutscht wie die St. Louis Cardinals (36-38).

Die drei stärksten Teams der National League spielen allesamt in der NL West. Wir warten quasi wöchentlich auf den Einbruch der San Francisco Giants (48-26), doch der scheint nicht zu kommen. Dass die Giants nicht nur die beste Bilanz aller MLB-Teams haben, sondern mit +101 auch das beste Run Differential der NL, spricht klar für sie. In den kommenden Tagen stehen zwei weitere Bewährungsproben für das Überraschungsteam des Jahres an, denn es geht erst zu Hause ins Derby gegen die Athletics und dann nach Los Angeles zum Klassiker gegen die Dodgers (44-30). Die Dodgers kommen gerade angeschlagen aus San Diego, wo sie sich einen 3-Spiele-Sweep durch die Padres (45-32) abgeholt haben. Die Padres haben damit nun sieben Spiele in Folge gewonnen, ihr Zwischentief offensichtlich hinter sich gelassen und sind zurück im Dreikampf ihrer Division. Da die Padres nun dreimal gegen die Arizona Diamondbacks spielen, benötigt es nicht viel Phantasie, um ihnen eine Fortsetzung der Erfolgsserie zuzutrauen. Die Diamondbacks haben ihre brutale Niederlagenserie nach 17 verlorenen Spielen mit einem Sieg gegen die Brewers am Montag zwar endlich beendet. Seitdem haben sie aber schon wieder zweimal verloren, sodass derzeit 19 Niederlagen aus den letzten 20 Spielen zu Buche stehen.

Szene(n) der Woche
Triple Plays sind ja an sich schon ein seltenes Ereignis im professionellen Baseball. Nahezu unglaublich wird es, wenn ein Team zwei davon innerhalb von drei Tagen schafft. Den Yankees ist das gelungen, sie haben am Donnerstag gegen die Blue Jays ihr zweites und am Sonntag gegen die Athletics bereits ihr drittes Triple Play in diesem Jahr vollendet. Beide waren zudem auf ihre Art ziemlich einzigartig. Das gegen die Blue Jays war das erste 1-3-6-2-5-6-Triple-Play, das jemals verzeichnet wurde. Kurz zur Erklärung für alle, die mit den Scoring-Bezeichnungen nicht so vertraut sind: 1-3-6-2-5-6 bedeutet, dass der Spielzug über Pitcher, First Baseman, Shortstop, Catcher, Third Baseman und nochmal Shortstop lief. In freier Wildbahn sieht das dann so aus:


Das Triple Play gegen die Athletics war vom Ablauf her eher Standard (5-4-3, also Third Baseman, Second Baseman, First Baseman), aber es war das letzte Play des Spiels. Es war das erste Mal seit rund 12 Jahren, dass ein MLB-Spiel mit einem Triple Play beendet wurde.

 

Statistik der Woche 
2001. Das ist keine ausgefeilte Statistik, sondern nur ein Geburtsjahr. Es sagt allerdings aus, dass Wander Franco der erste MLB-Spieler ist, der im aktuellen Jahrtausend geboren wurde. Das 20-jährige Top-Prospect der Rays gab sein Big-League-Debüt am Dienstag und schlug auch gleich seinen ersten Homerun.

Spiel der Woche
Hier fällt mir die Wahl diese Woche schwer. Die Blue Jays hatten einen tollen Comeback-Win gegen die Orioles mit sechs Runs nach dem zweiten Out im neunten Inning. Das eingangs erwähnte Match zwischen den Angels mit Shohei Ohtani und den Giants mit Kevin Gausman war ebenfalls absolut sehenswert. Noch beeindruckender fand ich aber das gestrige Spiel zwischen den Nationals und den Phillies, in dem Washington drei Rückstände – darunter einen von fünf und einen von vier Runs – aufholte und mit purer Willenskraft den Sieg nach Hause brachte:

Mein Einschalttipp
Zweimal geht es in den kommenden Tagen direkt um die Spitze einer Division: zuerst heute Nacht im letzten Spiel der Serie zwischen den Rays und den Red Sox in der AL East und dann von Montag bis Mittwoch zwischen den Brewers und den Cubs in der NL Central. Mein Einschalttipp ist das dritte Spiel der Serie in Milwaukee: Es läuft am kommenden Mittwoch um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als Free Game of the Day auf mlb.tv. Ihr braucht also nur einen Account auf mlb.com, dann könnt ihr es auch ohne Abo sehen. Starting Pitcher werden voraussichtlich Corbin Burnes (2.62 ERA, 1.13 FIP) für die Brewers und Jake Arrieta (5.45 ERA, 5.58 FIP) für die Cubs sein.
Je nachdem, wie die Spiele am Wochenende laufen, könnte es übrigens auch in den beiden Spielen zwischen den Dodgers und den Giants  Montag- und Dienstagnacht um eine Divisionsspitze gehen.

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Juni 3rd, 2021 by Silversurger

Rund ein Drittel der MLB-Saison ist bereits gespielt und zur großen Freude jedes neutralen Beobachters geht es in allen Divisionen noch äußerst spannend zu. Nur in einer Division beträgt der Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten mehr als 2,5 Spiele, dafür liegen in jener Division lediglich 6 Spiele zwischen dem Ersten und dem Letzten. 

Vor dem gewohnten Überblick zum Stand der Dinge in der MLB noch eine Ankündigung: Ich hatte das Vergnügen, ein Exklusiv-Interview mit einem langjährigen MLB-Spieler zu führen. Ich bin gerade dabei, die Übersetzung aufzuschreiben, und werde das Ganze aller Voraussicht nach am Samstag veröffentlichen. Schaut also bitte am Wochenende mal hier vorbei, es wird auf jeden Fall interessant. Gerne könnt ihr auch raten, um wen es sich handelt. Mein Hinweis lautet: Er ist bzw. war ein 2-Way-Player der etwas anderen Art. 

National League
Es ist nicht lange her, da war die NL East die spannendste Division der Liga und hatte fast täglich einen neuen Tabellenführer. Inzwischen haben sich die New York Mets (27-21) ganz ordentlich abgesetzt, mit 4,5 Siegen ist ihr Vorsprung auf die zweitplatzierten Philadelphia Phillies (26-29) und Atlanta Braves (25-28) der größte in der MLB. Dabei haben die Mets von allen Teams die wenigsten Spiele auf dem Konto – diese Woche hatten sie schon wieder zweimal das Pech, Spiele gegen die Braves wegen schlechten Wetters ausfallen lassen zu müssen. Am Ende der Tabelle stehen die Miami Marlins (24-30) nach fünf Niederlagen in Folge nun gleichauf mit den Washington Nationals (23-29).

Einen Wechsel an der Spitze gibt es in der NL Central. Die Chicago Cubs (32-23) laufen zurzeit richtig heiß, haben neun der letzten zehn Spiele gewonnen und zuletzt sogar die Padres gesweept. Damit sind sie an den St. Louis Cardinals (31-25) vorbei gezogen, während diese eine Serie gegen die Dodgers verloren. Die Milwaukee Brewers (29-26) haben sich, unter anderem mit einem Sweep gegen die Nationals, auch wieder ein Stück herangearbeitet. Die nächste Woche anstehende Serie der Brewers gegen die Cincinnati Reds (24-29) könnte für Letztere schon fast entscheidend in der Hinsicht sein, ob die Reds sich dieses Jahr noch Hoffnungen auf die Postseason machen dürfen. 

In der NL West liegt es ohne Frage auf der Hand, wer auf die Postseason hoffen darf: Die San Francisco Giants (34-21), die San Diego Padres (34-23) und die Los Angeles Dodgers (33-23) werden den Divisonssieg sowie mindestens einen Wild-Card-Platz unter sich ausmachen. Die Padres waren das dominierende Team der letzten Wochen, mussten nun aber einen Dämpfer hinnehmen, indem sie von den Cubs gesweept wurden. Prompt haben sich die Giants den Platz an der Sonne geschnappt, die am Wochenende die wichtige Serie gegen die Dodgers 3-1 gewonnen haben. Nun müssen die Giants allerdings ebenfalls gegen die Cubs antreten; für mich wird das die interessanteste Serie der kommenden Tage (siehe „Einschalttipp“). 

American League
Die Tampa Bay Rays (35-22) stehen zwar nach wie vor an der Spitze der AL East sowie der AL insgesamt, aber in den letzten beiden Spielen gegen den vermeintlichen Lieblingsgegner New York Yankees (31-25) zogen sie zweimal knapp den kürzeren. Heute Abend ab 19:05 Uhr unserer Zeit steigt das vierte Spiel der Serie. Für die Boston Red Sox (32-23) wäre das Aufeinandertreffen der beiden Konkurrenten die Chance gewesen, sich den ersten Platz zurück zu holen, doch mit drei Niederlagen gegen die Astros ließen sie diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen. Am Wochenende steht übrigens mal wieder das ewig junge Duell der Red Sox gegen die Yankees an, während die Rays zu den zuletzt desolaten Rangers reisen. Die Toronto Blue Jays (29-25) haben seit zwei Tagen ihr Ausweichquartier in Buffalo bezogen. Sie fühlen sich dort offenbar wohl, jedenfalls wurden die ersten Spiele gegen die Marlins beide gewonnen. 

In der AL Central duellieren sich gerade die beiden Spitzenteams, die Chicago White Sox (33-22) und die Cleveland Indians (30-24). Das erste Spiel ging mit 8:6 an die White Sox und es sah so aus, als könnten die Southsider die Tür zum Divisionssieg weit aufstoßen, doch die Indians holten sich die beiden folgenden Spiele mit 3:1 und 6:5. Ein viertes Spiel in dieser spannenden Serie wäre schön gewesen, fiel aber gestern leider dem Wetter zum Opfer. Die Kansas City Royals (27-26) sind wieder knapp im positiven Bereich, nachdem sie diese Woche vier von fünf Spielen gewannen – je zwei gegen die Pirates und gegen die Minnesota Twins (22-33). Die Twins sind mittlerweile Letzter hinter den Detroit Tigers (23-32).

Die AL West wird von den Oakland Athletics (33-25) angeführt, denen die Houston Astros (31-24) unmittelbar im Nacken sitzen. Wenn man auf das Run Differential schaut, müsste es längst umgekehrt stehen – die Astros haben mit +62 das zweitbeste Run-Verhältnis der AL, die A’s stehen gerade mal bei +1. Die Stärke der Athletics besteht darin, die knappen Spiele zu gewinnen. 11-7 ist ihre Bilanz in 1-Run-Games, das ist die zweitstärkste Ausbeute der Liga. Noch besser stehen in dieser Art von Spielen nur die Seattle Mariners (28-29) da mit einer Bilanz von 13-5. Auch in der gerade beendeten Serie gegen die Athletics gewannen die Mariners ein Spiel mit einem Run Unterschied – verloren allerdings die anderen beiden mit jeweils sechs Runs Abstand. 

Szene der Woche 
Was um Himmels willen war das, was Javier Baez letzten Donnerstag gegen die Pirates gemacht hat? Eigentlich war es ein Routine-Groundout, bei dem der gegnerische First Baseman Will Craig einfach nur auf seine Base hätte treten müssen. Doch Schlitzohr Baez gelang es mit einer unerwarteten Kehrtwende, Craig dermaßen zu verwirren, dass der sich auf einen absurden Rundown zwischen Home und First einließ, an dessen Ende die Cubs einen Run gescort hatten und Baez an der zweiten Base angekommen war. 

Statistik der Woche 
2.000.000. Third Baseman Josh Donaldson von den Minnesota Twins hat letzten Samstag den zweimillionsten Run der MLB-Geschichte erzielt. Er scorte ihn bei einem Automatic Double seines Teamkameraden Nelson Cruz im ersten Inning gegen Royals-Pitcher Ervin Santana. Das sagt jedenfalls das Elias Sports Bureau, der offizielle Statistikdienst der MLB. Baseball Reference sieht das leicht anders und rechnet den zweimillionsten Run Cesar Hernandez von den Indians zu, einen Tag früher als Donaldson. Beide Dienste zählen, unter gewissen historischen Uneindeutigkeiten, die Runs ab der Gründung der National League im Jahr 1876. Bezieht man die Spiele der 1871 gegründeten National Association mit ein, wurde der Meilenstein schon früher erreicht – und noch sehr viel früher, wenn künftig die Statistiken der Negro Leagues mitgezählt werden, wie es die MLB letztes Jahr angekündigt hat. 

Spiel der Woche
Vier Spiele hatten die Giants innerhalb einer Woche gegen die Dodgers verloren, bevor ihnen die Wende gelang und sie ihrerseits drei Siege gegen den Erzrivalen einfuhren. Dass es dazu kam, haben sie zu einem guten Teil ihrem Outfielder Mike Tauchman zu verdanken, dessen Rettungsaktion gegen Albert Pujols vielleicht schon der Catch des Jahres war. Vorangegangenen war ein Schlagabtausch, bei dem die Giants dreimal in Führung gegangen waren, zuletzt im achten Inning durch einen 3-Run-Homerun von Buster Posey, übrigens den 150. seiner Karriere. Jedes Mal glichen die Dodgers postwendend aus. Der weite Ball ins Leftfield von Pujols hätte den Walkoff-Sieg für L. A. bedeutet, wäre Tauchman nicht mit dem spektakulären Play zur Stelle gewesen. So hatten die Giants weiterhin die Siegchance, die sie im zehnten Inning schließlich nutzten. 

Mein Einschalttipp
Die interessanteste Serie des Wochenendes ist für mich wie gesagt die zwischen den San Francisco Giants und den Chicago Cubs. Beide Teams führen nach dem ersten Drittel der Saison überraschenderweise ihre Division an, beide haben in der vergangenen Woche die Favoriten der National League – die Padres bzw. die Dodgers – abgefertigt und treffen nun erstmals in diesem Jahr aufeinander. Wie für Westküstenspiele üblich, finden die meisten Partien der Serie nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, aber immerhin können wir das Finale am Sonntag ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sehen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Kyle Hendricks für die Cubs (4.62 ERA, 5.51 FIP) und Johnny Cueto (3.45 ERA, 2.64 FIP) für die Giants sein. 

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Mai 6th, 2021 by Silversurger

Happy Birthday, Willie Mays! Eine der größten Legenden des Baseballs und das älteste lebende Mitglied der Hall of Fame feiert heute seinen 90. Geburtstag. Baseball ist so ein alter, traditionsreicher Sport und glänzt doch immer wieder mit neuen Ereignissen, die es vorher nie gegeben hat. Alec Bettinger und John Means können davon diese Woche ein Lied singen – Means in Dur, Bettinger in Moll. Ein Comeback der besonderen Art gab es am Dienstag: Nach über eineinhalb Jahren Corona-Pause wird endlich auch in den Minor Leagues wieder Baseball gespielt.

National League
Die NL East verkörpert in der bisherigen Saison sowohl Mittelmaß als auch Spannung wie keine andere Division. Für keines der beteiligten Teams haben sich bislang die hohen Erwartungen erfüllt, aber alle bleiben in ihrer Mittelmäßigkeit so eng beisammen, dass jederzeit für jeden alles drin ist. So gab es seit dem letzten Donnerstag vier verschiedene Tabellenführer: Vor einer Woche waren es die Atlanta Braves (14-16), die jetzt Dritter sind. Dann waren es die Philadelphia Phillies (16-15), die auch jetzt wieder vorne stehen. Zwischenzeitlich waren die Washington Nationals (12-14), jetzt Vierter, vorne, zeitweise gemeinsam mit den jetzt zweitplatzierten New York Mets (12-13). Die einzigen, die nie auf Platz eins standen, sind die Miami Marlins (13-16), welche aber lustigerweise auch das einzige Team der Division mit einem positiven Run Differential sind. Eine unschöne Nachricht aus Miami ist, dass Pitcher Paul Campbell positiv auf das leistungsfördernde Steroid DHCMT getestet wurde. Campbell wurde, wie in der MLB für erstmals überführte Dopingsünder üblich, für 80 Spiele gesperrt. Angesichts seiner bislang trotz Doping eher bescheidenen Leistungen (8.74 ERA in 11.1 IP) werden die Marlins den Ausfall verkraften.

Auch in der NL Central gibt es einen Führungswechsel. Nachdem die Milwaukee Brewers (17-14) vier Spiele hintereinander verloren haben, sind die St. Louis Cardinals (18-13) an ihnen vorbeigezogen. Heute Nachmittag gibt es übrigens zwei interessante Fernduelle um die Spitzen der NL East und der NL Central, wenn zum jeweiligen Serienfinale die Cardinals auf die Mets und die Brewers auf die Phillies treffen. Die Chicago Cubs (15-16) erleben bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt, auf der es in den letzten Tagen mal wieder steil bergauf ging mit einem 3-Spiele-Sweep über die Dodgers.  

Dieser Sweep wirkt sich wiederum massiv auf das Tabellenbild der NL West aus. Die Los Angeles Dodgers (17-15) sind plötzlich nur noch Dritter. Obwohl sich ihre Gesamtbilanz mit einem Run Differential von +37 noch sehr passabel liest, kann und muss man nach elf Niederlagen in den letzten vierzehn Spielen wohl von einer Krise des Titelverteidigers sprechen. Zu allem Überfluss ist für Starter Dustin May die Saison gelaufen, er muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen. An der Spitze der Division stehen jetzt erstmal die San Francisco Giants (18-13), dicht gefolgt von den San Diego Padres (18-13). Eine glückliche Fügung des Spielplans will es, dass die Giants und die Padres am Wochenende dreimal gegeneinander antreten. Die Paarung gab es schon am letzten Wochenende, da behielten die Padres in San Diego mit 2:1 Siegen die Oberhand. Nun darf man gespannt sein, ob sich eines der beiden Teams absetzen kann oder ob in ein paar Tagen doch wieder die Dodgers der lachende Dritte bzw. Erste sind. Dazu müssen sie allerdings erstmal im Stadtderby bei den Angels bestehen. 

American League
Die Boston Red Sox (18-13) haben in den letzten Tagen ein bisschen geschwächelt, drei von vier Spielen gegen die Rangers verloren und eines gegen die Tigers. Noch halten sie sich an der Spitze der AL East, doch die New York Yankees (16-14) nahen durch fünf Siege in Folge mit großen Schritten und auch die Tampa Bay Rays (17-15) haben zurzeit einen starken Lauf. Knapp positiv stehen die Toronto Blue Jays (16-15), die demnächst einen Umzug im laufenden Betrieb zu bewältigen haben: Ab 1. Juni werden die Blue Jays ihre Heimspiele in Buffalo austragen. In Florida wird es nämlich zu der Jahreszeit zu warm und feucht, um dauerhaft im unüberdachten Spring-Training-Ballpark zu spielen, und das Reisen zwischen Kanada und den USA ist immer noch durch Corona stark beeinträchtigt, sodass eine Heimkehr nach Toronto weiterhin warten muss. Nicht übersehen sollte man, dass auch die Baltimore Orioles (15-16) keineswegs abgeschlagen sind – mit dem No-Hitter gegen die Mariners (siehe „Statistik der Woche“) haben sie sich gestern eindrucksvoll in Erinnerung gebracht.

Die Tabelle der AL Central zeigt eine sehr interessante Momentaufnahme: Die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Kansas City Royals stehen allesamt bei 16-13 und teilen sich damit die Divisionsspitze. In den nächsten Tagen wird hier aber definitiv Bewegung reinkommen, denn zunächst spielen heute Abend noch mal die Royals gegen die Indians und dann kommen am Wochenende die White Sox für drei Spiele nach Kansas City. Chicago muss einen weiteren schweren Schlag an der Verletzungsfront verdauen: Centerfielder Luis Robert zog sich am Sonntag beim Baserunning einen Riss am Hüftmuskel zu und wird wohl drei bis vier Monate lang ausfallen. Nach Eloy Jimenez, den es kurz vor Saisonbeginn erwischte, müssen die White Sox somit auch auf den zweiten ihrer jungen Star-Outfielder für einen Großteil der Saison verzichten.

Die AL West wird nach wie vor von den Oakland Athletics (19-13) angeführt, dahinter haben die Seattle Mariners (17-15) den Rang des ersten Verfolgers von den Houston Astros (15-15) zurückgeholt. Das stärkste Team der letzten Tage waren allerdings die Texas Rangers (15-17), die von ihren jüngsten fünf Spielen vier gewonnen haben und am Wochenende die Mariners zu einer interessanten Serie erwarten. Die Los Angeles Angels (13-16) drohen nach vier Niederlagen am Stück, den Anschluss zu verlieren. Um das zu vermeiden, muss am Wochenende der eine oder andere Erfolg im Derby gegen die ebenfalls angeschlagenen Dodgers her.

Szene der Woche
Wie eingangs erwähnt, hat Brewers-Pitcher Alec Bettinger etwas „geschafft“, was es noch nie zuvor gegeben hat. Der Rekord, auf den der 25-Jährige sicher liebend gerne verzichten würde, besteht darin, in seinem ersten MLB-Spiel mehrere Grand Slams zuzulassen. Dabei war er fast schon aus dem ersten Inning entkommen, als er mit zwei Outs bei einem schwachen Groundball von Matt Beaty die erste Base abdeckte, aber beim Fangen den Kontakt zur Base verfehlte. Kurz darauf flog ihm von A. J. Pollock der erste Homerun bei geladenen Bases um die Ohren. Im zweiten Inning, wieder mit zwei Outs, wieder mit geladenen Bases, war erneut Beaty am Schlag. Dieses Mal war es ein Flyball, der gerade so den Rightfield-Zaun überwand. Das war zweimal Pech für Beaty, der insgesamt 11 Runs zuließ und damit auch den Rekord für die meisten Earned Runs in einem MLB-Debüt einstellte.

Statistik der Woche 
0. So viele Hits hat John Means beim gestrigen 6:0 der Orioles gegen die Mariners zugelassen – und übrigens genausoviele Walks, Hit-by-Pitches und Errors. Trotzdem war es am Ende „nur“ ein No-Hitter und kein Perfect Game, denn im dritten Inning kam Sam Haggerty bei einem nicht gefangenen dritten Strike auf die erste Base. Es war das erste Mal in der MLB-Geschichte, dass ein dropped 3rd Strike den einzigen Baserunner in einem nicht-perfekten No-Hitter verursachte. Interessanterweise gab es in keinem der drei No-Hitter der bisherigen Saison einen Walk: Bei Joe Musgrove am 9. April und Carlos Rodon am 14. April war es jeweils ein Hit-by-Pitch, der zwischen No-No und Perfektion stand.

Spiel der Woche
Die Chicago Cubs und die Cincinnati Reds entschieden am Sonntag kurzerhand, das Home-Run-Derby vorzuziehen. Insgesamt wurden in dem so spannenden wie unterhaltsamen Spiel zehn Bälle in ebenso vielen Innings über den Zaun geschlagen, fünf von jedem Team. Den knappen Unterschied zugunsten der Reds machte am Ende der überragende Spieler der Partie aus: Rightfielder Nick Castellanos erzielte fünf Hits in sechs At-Bats, darunter zwei Homeruns sowie den Walk-Off-Single für sein Team im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Derby in Los Angeles, überkreuztes Fernduell in NL East und NL Central, Gipfeltreffen in der NL West – heute und am Wochenende warten eine Menge aufregender Spielpaarungen. Wenn ich mich für eine einzelne Partie entscheiden müsste, dann wäre es die zwischen den San Francisco Giants und den San Diego Padres am Samstag ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit – nicht zuletzt wegen des interessanten Pitching-Matchups zwischen Joe Musgrove (2.38 ERA, 2.75FIP) und Kevin Gausman (2.04 ERA, 3.23 FIP).

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März 8th, 2021 by Silversurger

Wenn es so etwas wie einen Verlierer der Offseason gibt, dann sind die Chicago Cubs ein ganz heißer Kandidat dafür. Wenige Jahre nach dem Titelgewinn 2016 ist das damals zur Dynastie hochgelobte Team weitgehend auseinandergefallen und scheint am Anfang eines erneuten Rebuildings zu stehen. Diesen muss es ohne den Architekten des letzten Aufbaus bestreiten, denn Team-Präsident Theo Epstein hat das sinkende Schiff bereits verlassen. Epsteins langjähriger Adjutant Jed Hoyer übernahm das Amt zwar nahtlos, sorgte aber gleich mit seinen ersten Entscheidungen für zweifelnde Blicke. So tradete er den besten Starter des Teams, Yu Darvish, sowie Backup-Catcher Victor Caratini zu den San Diego Padres und gab sich dafür mit vier sehr jungen Minor Leaguern zufrieden. Zudem entschied man, Outfielder Kyle Schwarber kein Arbitration-Angebot zu machen und ihn stattdessen zu entlassen. Schwarber unterschrieb wenige Tage später einen 10-Millionen-Vertrag bei den Washington Nationals. Dass die Cubs scheinbar vorschnell und trotz alles andere als übermächtiger Divisions-Konkurrenz in den Fire-Sale gehen, ist schon unverständlich genug. Dass sie dabei versäumen, wenigstens angemessene Gegenleistungen zu erzielen, ist schlichtweg ein Desaster. Ich weiß, ich lehne mich gerade weit aus dem Fenster und muss vielleicht in ein paar Monaten Abbitte leisten. Aber für mich sind die Cubs auf den größten Absturz des Jahres programmiert.

Voraussichtliches Lineup
C Willson Contreras
1B Anthony Rizzo
2B Nico Hoerner
SS Javier Baez
3B Kris Bryant
LF Joc Pederson
CF Ian Happ
RF Jason Heyward

Voraussichtliche Rotation
RHP Kyle Hendricks
RHP Jake Arrieta
RHP Zach Davies
RHP Trevor Williams
RHP Alec Mills
Key Reliever: Craig Kimbrel

Wichtigster Zugang
OF Joc Pederson (Los Angeles Dodgers)

Wichtigster Abgang
SP Yu Darvish (San Diego Padres)

Bestes Prospect
RHP Brailyn Marquez

Größte Stärke
Der Kern des Lineups: Kris Bryant, Javier Baez und Anthony Rizzo sind immer noch ein Top-Trio, das jedem Gegner das Leben schwer machen kann. Alle drei befinden sich im letzten Vertragsjahr und dürften zur Trade-Deadline im Schaufenster stehen.

Größte Schwäche
Pitching: Kyle Hendricks ist die letzte verlässliche Größe, ansonsten besteht das Staff aus viel Mittelmaß und Nostalgie.

Spannendste Frage
Wann wird das Rebuilding-Projekt offiziell? Bislang besteht Jed Hoyer darauf, dass die Cubs sich nicht im Neuaufbau befinden. Der Darvish-Trade spricht eine andere Sprache. Spätestens zum 31. Juli, der Deadline für Spielerwechsel während der Saison, werden die Cubs Farbe bekennen müssen, wohin die Reise gehen und wie lange sie dauern soll.

Meine Prognose
Platz 4 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 4th, 2021 by Silversurger

Die Bälle fliegen wieder – zwar nur in den Testspielen des Spring Trainings, aber nach vier Monaten Entzug ist man schon mehr als dankbar, dass es überhaupt wieder Live-Baseball zu sehen gibt. Davon abgesehen gab es in den letzten Tagen wenige weltbewegende Neuigkeiten aus der MLB. Deswegen und weil ich mich aktuell stark auf die Serie der Vorschauartikel konzentriere, fällt der Grand Slam am Donnerstag diese Woche etwas kürzer aus als gewohnt.

Royals: Dozier bleibt, Dyson kommt zurück
Die Kansas City Royals haben sich mit Corner-Infielder/Outfielder Hunter Dozier auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt. Der 29-Jährige erhält einen Vierjahresvertrag, der ihm 25 Millionen Dollar einbringen wird. Zusammen mit möglichen Leistungsboni und einer Klub-Option über 10 Millionen für das Jahr 2025 können Doziers Einkünfte aus dem Vertrag auf bis zu 49 Millionen steigen.
Zudem kehrt ein alter Bekannter zurück nach Kansas City: Outfielder Jarrod Dyson wurde 2006 von den Royals gedraftet und gewann mit ihnen die World Series 2015. Seit er den Klub 2017 verließ, war er eher wenig erfolgreich für die Mariners, Diamondbacks, Pirates und White Sox tätig. Nun ist er mit einem Einjahresvertrag über 1,5 Millionen Dollar zurück in der Hoffnung, mit mittlerweile 36 Jahren noch einmal an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Cespedes auf Teamsuche
Yoenis Cespedes war einst ein Superstar-Outfielder, doch in den vergangenen vier Jahren kämpfte er vor allem mit Verletzungen und Motivationsproblemen. Seine Karriere beenden will der 35-Jährige aber noch nicht. Er hielt am Dienstag ein Probetraining vor den Scouts von elf MLB-Teams ab. Die Yankees, White Sox, Brewers, Blue Jays, Tigers, Padres, Rays, Reds, Marlins, Cubs und Braves schauten sich an, was Cespedes zu bieten hat. Da er aufgrund seiner anhaltenden Knöchelprobleme seit 2018 nicht mehr im Feld gespielt hat, dürfte er vor allem als DH und somit für Teams aus der American League interessant sein.

Calhoun am Knie operiert
Kole Calhoun wird mindestens einen Teil der Saison verpassen. Der 33-jährige Outfielder der Arizona Diamondbacks litt unter einem Meniskusriss, der gestern operiert wurde.

Ein paar weitere Verletzungen und Ausfälle: Astros-Pitcher Framber Valdez hat sich im Spring Training den Finger gebrochen. Es ist noch unklar, wie lange er ausfällt. Nationals-Pitcher Jon Lester muss morgen an der Schilddrüse operiert werden; wenn alles gut läuft, ist er nach einer Woche wieder einsatzfähig. Yankees-Manager Aaron Boone bekommt einen Herzschrittmacher eingesetzt. Er geht davon aus, in wenigen Tagen wieder beim Team zu sein.  

Tepera bleibt bei den Cubs
Die Chicago Cubs haben sich mit Reliever Ryan Tepera auf eine Fortsetzung seiner Tätigkeit für den Klub geeinigt. Der 33-Jährige erhält einen Einjahresvertrag mit einem garantiertem Gehalt von 800.000 Dollar, das über Leistungs- und Einsatzboni auf etwas mehr als das Doppelte anwachsen kann.

Triple-A-Saison startet später
Die Saison in den höchsten Minor Leagues wird deutlich später beginnen als bisher angekündigt. Der Opening Day der Triple-A-Ligen sollte ursprünglich am 6. April sein. Wegen der Corona-Einschränkungen und weil eine klare Priorität auf den regulären Start der MLB-Saison gelegt wird, verzögert der Start sich um mindestens einen Monat. Für die anderen Minor Leagues ab Double-A abwärts stand schon länger fest, dass diese den Spielbetrieb nicht vor Mai aufnehmen werden. 

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

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Februar 4th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison soll wie geplant ab 1. April stattfinden. Das klingt nicht nach einer Neuigkeit, ist aber eine. Denn eine Verschiebung wurde in den letzten Tagen von mehreren Seiten gefordert, allein die Spielergewerkschaft stellt sich quer. Der Knaller der Woche auf dem Transfermarkt war der Wechsel von Nolan Arenado zu den St. Louis Cardinals.

Spieler wollen keinen späteren Saisonbeginn
Die Fronten scheinen verhärtet: Nachdem die Spielergewerkschaft MLBPA Anfang der Woche einen Vorschlag der Liga ablehnte, der eine auf 154 Spiele verkürzte Saison ab 28. April vorsah, schalteten sich gestern die US-Gesundheitsbehörden ein. Sie empfehlen ebenfalls, einen Monat später in den Spielbetrieb zu starten, und stellen in Aussicht, dass bis dahin alle Spieler und sonstigen Beteiligten geimpft werden könnten. Doch die MLBPA will davon nichts wissen, die Beteiligung an einem Gespräch mit Regierungsvertretern und der Ligaleitung lehnte sie rundheraus ab. Solange es keine Einigung zwischen Liga und MLBPA gibt, gelten weiterhin die ursprünglichen Starttermine. Demnach stehen am 27. Februar die ersten Spring-Training-Spiele und am 1. April die Saisoneröffnung an.

Ich muss gestehen, dass mir nicht klar ist, worauf die Gewerkschaft mit ihrer Blockadehaltung hinaus will – das Angebot der Liga enthielt die Zusage, die vollen Gehälter zu zahlen und die Designated-Hitter-Regel in der gesamten Liga anzuwenden. Damit wären die zwei vermeintlichen Kernforderungen der Spieler erfüllt. Ein besseres, der Pandemielage angepasstes Angebot können sie kaum erwarten. Eine Erklärung könnte sein, dass es der MLBPA um eine Machtdemonstration geht, bevor nächstes Jahr zwischen der Liga und ihr die Verhandlungen um einen neuen Rahmenvertrag (CBA) anstehen. Wenn das tatsächlich der Hintergrund ist, lässt es nichts Gutes für die CBA-Verhandlungen erwarten – 2022, die hoffentlich erste Saison nach der Pandemie, könnte mit einem Streik beginnen. 

Rockies traden Arenado nach St. Louis
Nolan Arenado, zweifellos einer der besten Third Basemen der Liga, wechselt den Verein: Die Colorado Rockies schicken den 29-Jährigen zu den St. Louis Cardinals. Die Cardinals geben im Gegenzug den linkshändigen Pitcher Austin Gomber, die beiden rechtshändigen Pitcher Tony Locey und Jake Sommers, 3B Mateo Gil sowie IF Elehuris Montero an Colorado ab. Das sind eine Menge talentierter Spieler, aber allesamt weder etablierte Major Leaguer noch Top-Prospects. Ganz offensichtlich waren die Rockies bereit, sich mit relativ wenig zufrieden zu geben, nur um den teuren Vertrag von Arenado loszuwerden, der ihm bei voller Erfüllung bis 2027 noch 214 Millionen Dollar einbringen wird. Mehr noch, die Rockies zahlen sogar drauf: 51 Millionen von Arenados Vertrag nehmen sie auf ihre Kappe, darunter das volle Gehalt von 35 Millionen für die anstehende Saison 2021. Aus Sicht der Cardinals ist das ein großartiges Geschäft, und auch Arenado selbst ist mit dem Wechsel glücklich: Er spielt ab sofort für ein Team mit deutlich besseren Playoffchancen und erhält obendrein die Möglichkeit, nach jedem der beiden kommenden Jahre einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. Die Rockies hingegen werden einige Überzeugungsarbeit gegenüber den eigenen Fans leisten müssen, um den Sinn dieses Moves zu rechtfertigen.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Auf dem Free-Agent-Markt hat sich auch in dieser Woche einiges getan, wenngleich mit zum Beispiel Trevor Bauer, Marcell Ozuna und Justin Turner noch einige große Namen ausstehen. Besonders aktiv waren die Cubs, die anscheinend aus ihrem langen Winterschlaf aufgewacht und nun dabei sind, ihr fadenscheinig gewordenes Roster aufzufüllen. Hier die Vertragsabschlüsse der vergangenen sieben Tage im Überblick: SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 2 Jahre, 28 Millionen Dollar), 2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers, 2 Jahre plus Kluboption, 18 Millionen), DH Nelson Cruz (Minnesota Twins, 1 Jahr, 13 Millionen), SP Adam Wainwright (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 8 Millionen plus Boni), OF Eddie Rosario (Cleveland Indians, 1 Jahr, 8 Millionen), OF Joc Pederson (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 7 Millionen), SP Chris Archer (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 6,5 Millionen),  RP Alex Colome (Twins, 1 Jahr plus Kluboption, 6,25 Millionen), RP Joakim Soria (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3,5 Millionen plus Boni), SP Carlos Rodon (Chicago White Sox, 1 Jahr, 3,5 Millionen), RP Andrew Chafin (Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 2,75 Millionen), SP Trevor Williams (Cubs, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sean Doolittle (Cincinnati Reds, 1 Jahr, 1,5 Millionen plus Boni), C Alex Avila (Washington Nationals, 1 Jahr, 1,5 Millionen),  SP/RP Kohl Stewart (Cubs,1 Jahr, 750.000)

Zwischen den Baltimore Orioles und den Los Angeles Angels gibt es einen Trade, dessen Kernstück Starting Pitcher Alex Cobb ist. Der 33-jährige Rechtshänder wechselt zu den Angels, die im Gegenzug Infield-Prospect Jahmai Jones nach Baltimore schicken. Die Orioles übernehmen zudem zwei Drittel des Gehalts von 15 Millionen Dollar, das Cobb dieses Jahr zusteht. 

Schwere Vorwürfe gegen Callaway
Dem Pitching-Coach der Los Angeles Angels, Mickey Callaway, werden mehrere Fälle sexueller Belästigung vorgeworfen. Nach einem Bericht von The Athletic haben fünf Frauen aus dem Bereich der Sportmedien Callaway beschuldigt, sie mit unerwünschten Textnachrichten und Fotos bedrängt zu haben. Die Vorwürfe ziehen sich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, in denen Callaway für drei verschiedene Teams gearbeitet hat. Der 45-Jährige war von 2013 bis 2017 Pitching Coach der Cleveland Indians und von 2018 bis 2019 Manager der New York Mets. Die Angels haben Callaway, der die Anschuldigungen abstreitet, unmittelbar nach deren Bekanntwerden von seinem Posten freigestellt und eine vollständige Untersuchung gemeinsam mit der Liga angekündigt.

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Januar 28th, 2021 by Silversurger

Keine Woche ohne einen verstorbenen Hall of Famer – so sieht der Start in das lang ersehnte Jahr 2021 bisher leider aus. Diese Woche steht die Trauermeldung nicht am Ende, sondern am Anfang des Grand Slams, denn mit Hank Aaron ist einer der ganz Großen des Baseballs von uns gegangen.
Viel Zeit zum Innehalten bleibt leider nicht, denn der Countdown zur neuen Saison läuft und die MLB-Teams sind eifrig dabei, letzte Hand an ihre Kader zu legen. Den größten Deal landeten diese Woche die Phillies. Sie wurden sich mit J. T. Realmuto einig, dem Top-Free-Agent dieser Offseason nach meiner Rangliste vom November. 

Abschied von Hank Aaron
Die Baseballwelt trauert um einen der größten Slugger aller Zeiten: Henry „Hank“ Aaron ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Aaron schlug in seiner Karriere 755 Homeruns und war damit lange Rekordhalter, bevor ihn Barry Bonds im Jahr 2007 überholte. Angesichts der Rolle von Bonds in der Steroid-Ära gilt Aaron Vielen bis heute als der wahre Homerun-Champion der MLB-Geschichte. In seiner 23 Jahre langen Karriere mit den Milwaukee/Atlanta Braves und den Milwaukee Brewers wurde er 21-mal ins All-Star-Team berufen, gewann zwei Batting-Titel, drei Gold Gloves und die World Series 1957. Die Zeit seines größten Erfolges war für ihn zugleich die schwerste seines Lebens, denn das Übertreffen des Homerun-Rekords von Babe Ruth im Jahr 1974 wurde von massiven rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen begleitet. Aaron ertrug den blinden Hass mit Mut und Gelassenheit. Für seine Rolle als Vorbild und sein auch nach der Karriere fortgesetztes gesellschaftliches Engagement wurde er 2002 mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. Seit 1982 ist er Mitglied der Baseball Hall of Fame, in die er im ersten Jahr der Wählbarkeit mit 98% der Stimmen aufgenommen wurde.

Niemand in die Hall of Fame gewählt
Apropos Hall of Fame: Die diesjährige Wahl zur Aufnahme in die Ehrenhalle ist vorbei und zum ersten Mal seit 2013 erreichte niemand die nötige Mehrheit von 75% Zustimmung der 401 wahlberechtigten Baseball-Journalisten. 14 Wahlberechtigte gingen sogar so weit, einen leeren Wahlzettel abzugeben.
Die höchsten Werte erzielten Curt Schilling (71,1%), Barry Bonds (61,8%) und Roger Clemens (61,6%). Diese drei wären von ihren Karriereleistungen her eigentlich allesamt sichere Hall-of-Fame-Kandidaten, doch wegen Dopingvorwürfen und Charakterfragen wird ihnen schon seit neun Jahren regelmäßig die nötige Mehrheit verweigert. Nächstes Jahr stehen sie zum zehnten und letzten Mal auf dem Wahlschein – ihre letzte Chance wird vermutlich ihre beste sein, weil es einige der Wahlberechtigten wohl als ausreichenden Denkzettel ansehen werden, sie so lange wie möglich schmoren zu lassen und sie dann doch noch in die Halle zu wählen. Schilling hat auf dieses Spiel keine Lust mehr und bat in einem Brief darum, nächstes Mal nicht mehr zur Wahl gestellt zu werden. Voraussichtlich wird die Hall of Fame diesem Wunsch nicht entsprechen, da die Regeln eine freiwillige Aufgabe der Wählbarkeit nicht vorsehen.
Die Spieler, die dieses Jahr zum ersten Mal wählbar waren, galten bereits im Vorfeld als wenig aussichtsreiche Gruppe. Mark Buehrle erhielt von ihnen die meisten Stimmen, ist aber mit 11,0% weit von einer Berufung entfernt. Mit weniger als 5% der Stimmen sind Aramis Ramirez, LaTroy Hawkins, Barry Zito, A.J. Burnett, Michael Cuddyer, Dan Haren, Nick Swisher und Shane Victorino bei zukünftigen Wahlrunden nicht mehr dabei.

Saisonstart: Cactus League bittet um Verschiebung
Der Zeitplan bis zum Start der MLB-Saison am 1. April ist nach wie vor in Kraft, aber Verzögerungen durch Corona sind längst nicht vom Tisch. In einem Brief an Commissioner Rob Manfred hat nun die Cactus League – also der in Arizona basierte Teil der Spring-Training-Einrichtungen – darum gebeten, den Beginn des Spring Trainings zu verschieben. Als Grund werden die zurzeit hohen Infektionszahlen in Maricopa County angegeben.
Die Entscheidung über eine Verschiebung können die Cactus League und die MLB nur gemeinsam mit der Spielergewerkschaft MLBPA treffen. Die MLBPA hat derweil bereits sehr deutlich gemacht, dass sie einen späteren Start des Spring Trainings sehr kritisch sieht. Der Grund dafür aus Sicht der Spieler liegt auf der Hand: Ein verspätetes Spring Training würde wahrscheinlich auch einen verspäteten Saisonstart und im Endeffekt eine erneut verkürzte Saison bedeuten – und damit Gehaltseinbußen, da die Spielergehälter sich anteilsmäßig reduzieren, wenn weniger Spiele stattfinden.  

Zahltag für Realmuto
Schon seit sie J. T. Realmuto im Februar 2019 von den Miami Marlins ertradeten, waren die Philadelphia Phillies erklärtermaßen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Catcher interessiert. Die Verhandlungen zogen sich jedoch lange hin, der Vertrag lief aus und es mehrten sich die Gerüchte, dass der zweimalige All-Star sich anderweitig orientieren könnte. Nun haben beide Seiten doch noch zu einem Abschluss gefunden und sich auf eine Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre geeinigt. Der Deal hat ein Volumen von 115,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 23,1 Millionen und stellt in dieser Hinsicht den teuersten Vertrag da, den je ein Catcher bekommen hat. Es war offenbar ein zentraler Verhandlungspunkt für Realmuto, den Gehaltsschnitt von Joe Mauer zu übertreffen, der 2010 bei den Minnesota Twins einen Achtjahresvertrag über 184 Millionen (23 Millionen pro Jahr) erhielt.

Yankees ertraden Taillon 
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, ihre Starting Rotation aufzuwerten und gleichzeitig 2021 unter der 210-Millionen-Grenze für Spielergehälter zu bleiben, ab welcher Strafzahlungen fällig wären. Vor diesem Hintergrund ist der Move zu sehen, von den Pittsburgh Pirates James Taillon zu holen. Der 29-Jährige ist ein solider Starter mit einem Karriere-ERA von 3.67 und hat für dieses Jahr einen Vertrag über relativ überschaubare 2,5 Millionen. Das Fragezeichen, das Taillon mitbringt, ist eine Tommy-John-Surgery vom August 2019, wegen der er die gesamte Saison 2020 pausieren musste. Als Gegenleistung für Taillon schicken die Yankees vier Prospects nach Pittsburgh: die Pitcher Miguel Yajure und Roansy Contreras, Infielder Maikol Escotto und Outfielder Canaan Smith werden Teil des Rebuilds der Pirates. 
Ein langjähriges Mitglied der Yankees-Rotation wird 2021 nicht mehr an Bord sein: Masahiro Tanaka gab heute bekannt, dass er zurück nach Japan geht und sich dort den Rakuten Eagles anschließt.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Da die Signings gerade massenweise einprasseln, liste ich den Rest wieder im Telegrammstil auf. Neue MLB-Verträge gab es diese Woche für: IF/OF Jurickson Profar (San Diego Padres, 3 Jahre plus beidseitige Option, 21 Millionen Dollar), SS Marcus Semien (Blue Jays, 1 Jahr, 18 Millionen), IF/OF Enrique Hernandez (Boston Red Sox, 2 Jahre, 14 Millionen), SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins, 1 Jahr, 10,5 Millionen), RP Brad Hand (Washington Nationals, 1 Jahr, 10,5 Millionen), SP Garrett Richards (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Kluboption, 10 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr plus Kluboption, 5 Millionen), RP Anthony Bass (Miami Marlins, 2 Jahre plus Kluboption, 5 Millionen), C Wilson Ramos (Detroit Tigers, 1 Jahr, 2 Millionen), C Austin Romine (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1,5 Millionen), SS Freddy Galvis (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 1,5 Millionen), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 1 Million), IF Tommy La Stella (San Francisco Giants, 3 Jahre, Gehalt unbekannt), RP Aaron Loup (New York Mets, 1 Jahr, Gehalt unbekannt). 

Zudem gab es noch zwei kleinere Trades: Die New York Mets schicken SP/RP Steven Matz nach Toronto und erhalten dafür die drei Pitching-Prospects Josh Winckowski, Sean Reid-Foley und Yennsy Diaz aus dem Farmsystem der Blue Jays. Die New York Yankees geben RP Adam Ottavino sowie Minor-League-Pitcher Frank German für einen noch zu benennenden Spieler und/oder eine Ablösezahlung an die Boston Red Sox ab. Das Bemerkenswerte an letzterem Trade ist, dass er der erste zwischen den Erzrivalen Yankees und Red Sox seit sechseinhalb Jahren ist.

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