Dezember 12th, 2019 by Silversurger

In San Diego enden heute die Winter Meetings. Eigentümer, Manager, Scouts und sonstige Offizielle aller MLB- und Minor-League-Teams, dazu Ligavertreter, Spieleragenten und jede Menge Journalisten bevölkerten in den letzten Tagen das Hilton Bayfront Hotel und dessen Umgebung. Die Meetings haben dieses Jahr mit diversen großen Neuigkeiten ihren Ruf als Höhepunkt der Offseason untermauert. Neben der Bekanntgabe neuer Hall-of-Fame-Berufungen und des All-MLB-Teams gab es ein paar interessante Trades und jede Menge Vertragsabschlüsse. Allen voran kamen die drei dicksten Fische des Free-Agent-Pools – Gerrit Cole, Stephen Strasburg und Anthony Rendon – vom Markt. Insgesamt haben die MLB-Klubs innerhalb der sieben Tage seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag Spielerverträge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar vergeben.

Yankees locken Cole mit Rekordvertrag
Die New York Yankees haben bei ihren Bemühungen um Gerrit Cole großes Durchhaltevermögen bewiesen. Schon 2008 wollten sie ihn haben, wählten ihn in der ersten Draftrunde aus, doch Cole entschied sich damals gegen die frühe MLB-Karriere und für das College UCLA. Zehn Jahre später versuchten sie, ihn per Trade von den Pittsburgh Pirates zu holen, doch die Houston Astros machten das bessere Angebot. Beim dritten Versuch ist es nun endlich gelungen, das Ass in die Bronx zu locken. Erforderlich war dafür ein Vertragsangebot, das Cole zur teuersten Verpflichtung eines Pitchers aller Zeiten macht. 324 Millionen Dollar erhält der 29-Jährige über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind 36 Millionen pro Jahr und somit mehr als eine Million Dollar für jedes einzelne Spiel, das Cole für die Yankees absolvieren wird. Der Vertrag umfasst eine No-Trade-Klausel sowie eine Ausstiegsoption für den Spieler nach fünf Jahren. Die Yankees tragen somit das volle Risiko für den Fall, dass Cole seine zuletzt überragenden Leistungen im Laufe der neun Jahre irgendwann nicht mehr bringen sollte. Solange er sie bringt, ist er jedenfalls eine enorme Verstärkung.

Strasburg bleibt in Washington
Der zweite Top-Pitcher unter den diesjährigen Free Agents bleibt dort, wo er 2010 seine MLB-Karriere begonnen hat und wo er sie wohl auch beenden wird: Stephen Strasburg hat sich mit den Washington Nationals auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren geeinigt. Das garantierte Gehalt für den amtierenden World-Series-MVP beträgt 245 Millionen Dollar, zudem sind diverse Boni für das Erreichen von Einzelawards vorgesehen und ein Trade ohne Zustimmung des Spielers ist vertraglich ausgeschlossen. Verlängerungs- oder Ausstiegsoptionen wurden nicht vereinbart.

Rendon wird ein Angel
Schon vor dem Abschluss mit Strasburg hatten die Nationals durchblicken lassen, dass sie sich finanziell höchstens einen ihrer beiden Top-Free-Agents – Antony Rendon oder eben Strasburg – leisten können. Für Rendon hieß das, dass er sich anderweitig umsehen musste. Er wurde schnell fündig: Es geht an die andere Küste der USA, zu den Los Angeles Angels. Der Third Baseman erhält dort im Wesentlichen den selben Vertrag wie sein ehemaliger Teamkamerad Strasburg in Washington: 245 Millionen Dollar über sieben Jahre, ohne Ausstiegsoption, mit No-Trade-Klausel. Mit Rendon und Mike Trout haben die Angels nun die beiden – nach jährlichem Durchschnittsgehalt – höchstbezahlten Positionsspieler der MLB in ihren Reihen.

Rays schicken Pham nach San Diego
Der interessanteste Trade der Woche wurde schon vor den Winter Meetings eingetütet: Die Tampa Bay Rays und die San Diego Padres tauschen zwei gestandene Outfielder und zudem eine Reihe von Prospects. Die Padres erhalten OF Tommy Pham sowie Minor-League-IF Jake Cronenworth, die Rays bekommen dafür OF Hunter Renfroe sowie Minor-League-SS Xavier Edwards und einen später zu benennenden Spieler. Der 31-jährige Pham ist definitiv der prominenteste Teil des Trades. Mit 13.6 fWAR über die letzten drei Jahre war er einer der effektivsten Outfielder der Liga in diesem Zeitraum. Dass er abgegeben wird, dürfte von Seiten der notorisch sparsamen Rays vor allem Kostengründe haben. Pham ist noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, sein im Arbitration-Verfahren auszuhandelndes Gehalt wird für 2020 auf 8,6 Millionen Dollar prognostiziert.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Den Rest der sehr aktiven Woche auf dem Spielermarkt gibt es im Telegrammstil: Neue MLB-Verträge vereinbart haben SP Kyle Gibson (Texas Rangers, 3 Jahre, 28 Millionen Dollar), SP Tanner Roark (Toronto Blue Jays, 2 Jahre, 24 Millionen), SP Michael Pineda (Minnesota Twins, 2 Jahre, 20 Millionen), SP Jordan Lyles (Rangers, 2 Jahre, 16 Millionen), SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 14 Millionen), SP Rick Porcello (New York Mets, 1 Jahr, 10 Millionen), RP Blake Treinen (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 10 Millionen), SP Josh Lindblom (Milwaukee Brewers, 3 Jahre, 9-18 Millionen leistungsabhängig), SP Kevin Gausman (San Francisco Giants, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Joely Rodriguez (Rangers, 2 Jahre, 5,5 Millionen plus Option für ein drittes Jahr), C Alex Avila (Twins, 1 Jahr, 4,25 Millionen), SP Michael Wacha (Mets, 1 Jahr, 3-10 Millionen leistungsabhängig), RP Junior Guerra (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 2,65 Millionen plus Option für ein zweites Jahr), RP Brad Brach (Mets, 1 Jahr, 850.000 plus Einsatzboni), RP Dan Winkler (Chicago Cubs, 1 Jahr, 750.000) und RP Kyle Finnegan (Nationals, 1 Jahr, Gehalt unbekannt).
Die Mets gönnen sich eine Ergänzung für das Outfield, indem sie CF Jake Marisnick von den Houston Astros holen. Für den Defensivspezialisten gehen zwei eher nachrangige Prospects – P Blake Taylor und OF Kenedy Corona – nach Houston.
OF Nomar Mazara wechselt zu den Chicago White Sox, die dafür OF-Prospect Steele Walker zu den Texas Rangers schicken.
Die Giants holen IF Zack Cozart und SS-Prospect Will Wilson von den Los Angeles Angels. Die Angels erhalten dafür keine direkte Gegenleistung – ihr Profit besteht darin, dass die Giants den teuren Vertrag des zuletzt sehr schwachen und häufig verletzten Cozart (12,167 Millionen für 2020) übernehmen.

Miller und Simmons kommen in die Hall of Fame
Marvin Miller und Ted Simmons werden in die Hall of Fame des Baseballs aufgenommen. Diese Entscheidung wurde während der Winter Meetings vom Modern Era Committee bekannt gegeben. Es handelt sich um eines der im jährlichen Wechsel tagenden Expertengremien, die über die quasi nachträgliche Aufnahme von Personen aus bestimmten historischen Zeiträumen befinden. Dieses Jahr war der Zeitraum von 1970 bis 1987 dran. Simmons war ein schlagstarker Catcher, der den Großteil seiner Karriere bei den St. Louis Cardinals verbrachte. Miller war ein langjähriger und äußerst einflussreicher Vertreter der Spielergewerkschaft MLBPA. Die offizielle Einführung von Miller und Timmons in die Ruhmeshalle wird am 26. Juli 2020 stattfinden – gemeinsam mit jenen Spielern, die von den Mitgliedern des Journalistenverbandes BBWAA gewählt und am 21. Januar bekannt gegeben werden.

Rule-5-Draft heute Abend
Ein integraler Bestandteil der Winter Meetings – und gleichzeitig ihr Abschluss – ist die sogenannte Rule 5 Draft. Es handelt sich um ein Verfahren, das verhindern soll, dass Teams übermäßig Talente horten und diese keine Chance auf MLB-Spielzeit haben: Spieler, die seit vier oder fünf Jahren in den Minor-Leagues sind und nicht den Sprung in den 40-Mann-Kader geschafft haben, können in der Rule-5-Draft von anderen Teams abgeworben werden. Wählbar sind nach diesen Kriterien Hunderte von Spielern, tatsächlich werden aber normalerweise insgesamt nicht mehr als 10-15 gepickt. Ein guter Teil von ihnen wird zudem im Laufe der Folgesaison zurück zum alten Team geschickt, denn das neue Team verliert seinen Anspruch auf den Spieler, sobald es ihn nicht das ganze Jahr über im MLB-Kader führt. Die Rule-5-Draft findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Den ersten Pick haben die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Auf mlb.com wird es einen Audio-Livestream geben.

All-MLB-Team gewählt
Zum ersten Mal ließ die MLB dieses Jahr nach Saisonende ein All-MLB-Team wählen. Wer dabei ist, entschieden zu gleichen Anteilen die Fans per Internet-Abstimmung sowie ein Expertengremium. Hier ist es, das „Dream-Team“ der MLB-Saison 2019:

C J.T. Realmuto, Phillies
1B Pete Alonso, Mets
2B DJ LeMahieu, Yankees
3B Anthony Rendon, Nationals
SS Xander Bogaerts, Red Sox
OF Mike Trout, Angels
OF Cody Bellinger, Dodgers
OF Christian Yelich, Brewers
DH Nelson Cruz, Twins
SP Gerrit Cole, Astros
SP Justin Verlander, Astros
SP Jacob deGrom, Mets
SP Max Scherzer, Nationals
SP Stephen Strasburg, Nationals
RP Kirby Yates, Padres
RP Josh Hader, Brewers

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Dezember 5th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency in der MLB nimmt Fahrt auf: Mit Zack Wheeler und Mike Moustakas durften diese Woche zwei der dickeren Fische der diesjährigen FA-Klasse hochdotierte Verträge in Philadelphia beziehungsweise Cincinnati unterschreiben. Um die „Hauptpreise“ Stephen Strasburg und Gerrit Cole war es eine Zeit lang relativ ruhig, doch nun haben sich beide mit den Verantwortlichen der New York Yankees getroffen. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass es mit einem von ihnen innerhalb der nächsten Tage einen Vertragsabschluss gibt.

Hier im Baseblog läuft übrigens noch fünf Tage lang die Abstimmung über den MRI-Award. Momentan hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert, aber noch ist nichts entschieden.

Wheeler zu den Phillies
Hinter Zack Wheeler war eine ganze Reihe von Teams her, da er nach den teuren Stars Cole und Strasburg als die beste bezahlbare Alternative zur Verstärkung einer Starting-Rotation galt. „Bezahlbar“ ist ein relativer Begriff, denn seine Dienste lassen sich die Philadelphia Phillies immerhin stolze 118 Millionen Dollar für fünf Jahre kosten. Sie erhalten dafür einen 29-jährigen Starting Pitcher, der eine Menge messbarer Fähigkeiten mitbringt, bisher aber nie ganz den Sprung vom Talent zum Ass geschafft hat. Gebremst wurde seine Entwicklung durch Verletzungen, die ihn 2015 bis 2017 zweieinhalb MLB-Saisons kostete. Doch nach zwei soliden und weitgehend verletzungsfreien Spielzeiten 2018 und 2019 liegen die Sorgen um Wheelers körperliche Robustheit weitgehend hinter ihm. Da Wheeler ein Qualifying Offer der Mets abgelehnt hatte, kostet seine Aufnahme die Phillies ihren Zweitrundenpick in der kommenden Draft sowie 500.000 Dollar des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

Reds holen Moustakas
Mike Moustakas brauchte drei Anläufe, bis es für ihn mit dem ersehnten Langzeitvertrag klappte: Sowohl 2017 als auch 2018 galt der Infielder als einer der besseren Free Agents, doch beide Male musste er sich schließlich mit kurzzeitigen Engagements bei den Royals beziehungsweise den Brewers zufrieden geben. Bei den Cincinnati Reds gibt es nun den großen Zahltag in Form eines Vierjahresvertrages über 64 Millionen Dollar. Geholfen hat dem gelernten Third Baseman dabei, dass er bei den Brewers letztes Jahr unter Beweis stellen konnte, auch an der zweiten Base eine gute Figur abzugeben. Der 3B-Posten ist in Cincinnati nämlich fest an Eugenio Suarez vergeben, aber als Doubleplay-Partner von Freddy Galvis hat sich ein Platz für Moustakas in dem aufstrebenden Team gefunden.

Vier Minor Leaguer für Dylan Bundy
Die Los Angeles Angels suchen mehrere Upgrades für ihre Starting-Rotation. Das erste haben sie nun nicht unter den Free Agents gefunden, sondern auf dem Trade-Markt. Rechtshänder Dylan Bundy kommt von den Baltimore Orioles im Austausch gegen vier Minor-League-Pitcher. Unter diesen ist Isaac Mattson der aussichtsreichste Kandidat auf eine zukünftige MLB-Karriere; außer ihm wechseln Kyle Bradish, Kyle Brnovich und Zach Peek nach Baltimore.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Die Atlanta Braves ergänzen ihre Rotation für ein Jahr mit Linkshänder Cole Hamels. Der 36-Jährige erhält 18 Millionen Dollar.
In einem kleinen Trade mit den Boston Red Sox haben die Cleveland Indians Sandy Leon als neuen Ersatz-Catcher an Land gezogen. Leon erhält einen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar. Für ihn geben die Indians Minor-League-Pitcher Adenys Bautista an Boston ab.
Die Miami Marlins griffen dankbar zu, als zwei erprobte MLB-Spieler von ihren bisherigen Teams entlassen wurden: 1B Jesus Aguilar wurde über den Waiver von den Tampa Bay Rays geholt, IF Jonathan Villar kommt im Austausch gegen den linkshändigen Nachwuchspitcher Easton Lucas von den Baltimore Orioles nach Miami.
Die Oakland Athletics haben sich mit Lefty-Reliever Jake Diekman auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre für insgesamt 7,5 Millionen Dollar geeinigt.

Treinen, Pillar und andere sind nun Free Agents
Während einige Spieler bereits ihr neues Team gefunden haben, haben andere erst vor wenigen Tagen erfahren, dass sie eines brauchen. In 56 Fällen haben die MLB-Teams entschieden, Spielern, die sie über das Arbitration-Verfahren weiterhin an sich hätten binden können, kein Angebot zu unterbreiten. Diese sogenannten Non-Tender sind nun Free Agents und damit auf Job-Suche. Bei den meisten Non-Tenders handelt es sich um wenig bekannte Ergänzungsspieler, aber es sind auch ein paar namhafte Überraschungen dabei. Insbesondere RP Blake Treinen (Athletics), OF Kevin Pillar (Giants), SP Aaron Sanchez (Astros), SP Kevin Gausman (Reds) und SS Addison Russell (Cubs) dürften einige Interessenten auf den Plan rufen.

Wechseln die Mets den Besitzer?
In Fankreisen der New York Mets schlug die Nachricht gestern ein wie eine Konfettibombe: Der Milliardär Steve Cohen steht wohl kurz davor, eine Mehrheit der Eigentumsanteile an dem Klub zu übernehmen. Dies würde das Ende der Ära Wilpon einläuten. Fred Wilpon hatte seit 1980 als Teilhaber und seit 2002 allein das Ruder bei den Mets in der Hand, inzwischen unterstützt von seinem Sohn Jeff. Die Wilpons, die 2008 in den gigantischen Finanzskandal um Bernie Madoff verwickelt waren, sind bei den Anhängern der Mets extrem unbeliebt, weil sie zum einen als sehr knausrig hinsichtlich notwendiger Investitionen gelten und zum anderen als Kontrollfreaks, die sich unverhältnismäßig ins sportliche Tagesgeschäft einmischen. Ob Cohen der erhoffte Heilsbringer ist, wird man abwarten müssen, aber die bisherigen Quellenberichte sprechen dafür, dass er wohl eine deutlich ausgabefreudigere Politik anstrebt als seine Vorgänger. Leisten kann er es sich jedenfalls – sein Vermögen wird auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt, er wäre damit der reichste Owner eines MLB-Teams. Die Mets sollen ihn angeblich rund 2,6 Milliarden kosten – kein schlechter Schnitt für die Wilpons, die ihre Anteile zwischen 1980 und 2002 schrittweise für 470 Millionen erworben haben.

Angels bleiben in Anaheim
Die Los Angeles Angels werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht in Los Angeles, sondern in Anaheim zu Hause sein: Mit der Stadt wurde eine Einigung erzielt, die den Verbleib des Teams bis 2050 sichert und für den Betrag von 325 Millionen Dollar das Stadion in das Eigentum des Klubs übergehen lässt. Als ihr eigener Hausherr werden die Angels nun das Thema Modernisierung vorantreiben. Ob es auf eine Renovierung des vorhandenen Ballparks oder auf einen Abriss und Neubau hinausläuft, ist noch zu entscheiden.

Carrasco und Donaldson sind die Comeback Players 2019
Die MLB hat bekannt gegeben, dass Carlos Carrasco und Josh Donaldson die Comeback Players of the Year 2019 sind. Dass Carrasco diese Auszeichnung erhalten würde, stand zu keiner Zeit in Frage. Der 32-jährige Pitcher gab am 6. Juli bekannt, dass er unter Leukämie erkrankt war und auf unbestimmte Zeit ausfallen würde. Knapp zwei Monate später stand er unter großem Jubel wieder auf dem Mound und absolvierte noch elf Saisonspiele. Josh Donaldson hatte 2018 nur in 55 Spielen dabei sein können und galt vor der Saison wegen seiner Verletzungsgeschichte und dem relativ hohen Alter von 33 Jahren als Risikoverpflichtung. Mit 155 Auftritten und 37 Homeruns in der Saison 2019 ließ er alle Zweifler verstummen.

London-Tickets ab heute erhältlich
Die MLB kehrt zurück nach Europa: Nach der diesjährigen Premiere mit zwei Spielen zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox steht 2020 ein weiteres Traditionsduell auf dem Programm. Am 13. und 14. Juni treffen die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals im London Stadium aufeinander. Tickets dafür sind seit heute über die offizielle Seite erhältlich.

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Oktober 24th, 2019 by Silversurger

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

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September 19th, 2019 by Silversurger

Entscheidung vertagt: Die Houston Astros, die Atlanta Braves und die New York Yankees haben in den letzten Tagen allesamt die Chance verpasst, den Gewinn ihrer jeweiligen Division in trockene Tücher zu bringen. Dass für sie noch etwas schief geht, dürfte allerdings nur eine theoretische Möglichkeit sein. Ernsthaft umkämpft sind zehn Tage vor Saisonende noch die beiden Central-Divisionen und vor allem die Wild Cards beider Ligen.

Unabhängig vom Endspurt um die Playoffs gab es diese Woche zwei unschöne Nachrichten: Mike Trout musste am Montag am Fuß operiert werden und fällt für den Rest des Jahres aus. Mit ihm und Christian Yelich, den es eine Woche zuvor erwischt hatte, verpassen die wahrscheinlichsten MVP-Kandidaten beider Ligen die Endphase der Saison. Die andere schlechte Nachricht ist, dass Pirates-Closer Felipe Vazquez verhaftet wurde. Wobei die Verhaftung an sich eine gute Nachricht ist, falls die Vorwürfe gegen Vazquez sich als zutreffend erweisen. Der 28-Jährige wird wegen Kindesmissbrauch angeklagt, er soll sexuelle Kontakte zu einer 13-Jährigen gehabt haben.

National League
Die Magic Number der Atlanta Braves (93-60) für den Gewinn der National League East beträgt 2. Das heißt entweder zwei Siege für sie oder zwei Niederlagen für die Washington Nationals (83-68) oder je eines von beidem und die Braves sind durch. In den letzten Tagen haben sie es noch mal unnötig spannend gemacht, indem sie zwei Spiele gegen die Philadelphia Phillies (78-72) verloren. Die Phillies stehen ebenso wie die New York Mets (79-73) nur drei Spiele hinter dem zweiten Wild-Card-Platz der NL. Allzu optimistisch bin ich für sie angesichts der anstehenden Spiele – noch eines gegen Atlanta, dann drei gegen Cleveland und fünf gegen Washington – allerdings nicht. Die Mets haben mit Cincinnati und den Miami Marlins (53-99) lösbarere Aufgaben vor sich, aber für einen ernsthaften Angriff auf die Playoffs dürfen sie sich keinerlei Ausrutscher mehr erlauben.

Sowohl die Phillies als auch die Mets stecken im Wild-Card-Rennen bislang hinter den Teams der NL Central fest. Die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers (82-70) stehen gleichauf und müssten sich, wäre die Saison jetzt zuende, ein Entscheidungsspiel liefern, bevor der Sieger das Wild-Card-Spiel gegen die Nationals absolvieren dürfte. Aber soweit sind wir noch lange nicht, denn noch haben beide Teams ein Auge auf den Divisionssieg geworfen. Die St. Louis Cardinals (85-67) stehen vorne, müssen in den verbleibenden zehn Spielen aber siebenmal gegen die Cubs spielen (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs können die Angelegenheit somit noch aus eigener Kraft für sich entscheiden. Die Brewers haben einen deutlich leichteren Spielplan, müssen aber hoffen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig so günstig die Punkte abnehmen, dass für sie selbst am Ende eine Wild Card oder gar der Divisionssieg herausspringt.

Über die NL West kann man nur sagen: Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Die Los Angeles Dodgers (98-55) stehen seit über einer Woche als Divisionssieger fest, für alle anderen Teams ist nichts mehr zu holen – auch nicht für die Arizona Diamondbacks (78-75) mit 4,5 Spielen Rückstand auf den Wild-Card-Platz und vier Teams, die man überholen müsste.

American League
Die New York Yankees (99-54) haben noch nicht die Schwelle von 100 Siegen erreicht und sie haben auch noch nicht die American League East gewonnen. Beides ist aber nur noch Formsache – wenn es nicht heute Abend gegen die Angels soweit ist, dann spätestens am Wochenende gegen die Toronto Blue Jays (61-91). Für die Tampa Bay Rays (90-63) wird die Saison spannend bis zum Ende bleiben. Zurzeit belegen sie den zweiten Wild-Card-Platz der AL, zwei Spiele hinter den Athletics und ein halbes Spiel vor den Indians. Als nächstes steht eine 4-Spiele-Serie gegen die von ihrer enttäuschenden Saison frustrierten Boston Red Sox (79-72) an.

Die AL Central ist immer noch eine der spannenden Divisionen, doch mit vier Spielen Vorsprung und ausschließlich Kellerteams auf dem restlichen Spielplan können die Minnesota Twins (93-59) sich nur noch selbst schlagen. Die Serie gegen die Cleveland Indians (89-63) am letzten Wochenende haben die Twins 2:1 gewonnen und damit die Zweifel am Divisionssieg so gut wie beseitigt. Der Blick der Indians ist nun klar auf eine Wild Card gerichtet. In der Hinsicht wären sie zurzeit der knapp ausgebootete Dritte, aber ein Sieg heute Abend gegen die Detroit Tigers (45-106) würde schon ausreichen, um wieder gleichzuziehen mit den Rays. Am Wochenende folgt eine 3-Spiele-Serie gegen die Phillies. Das ist eine interessante Konstellation für ein Interleague-Duell so spät in der Saison zwischen zwei Teams, die in die jeweiligen Wild-Card-Rennen eingebunden sind. 

Die erste Wild Card der AL würde derzeit in die AL West gehen. Dort stehen die Houston Astros (100-53) unmittelbar vor dem Gewinn der Division, während die Oakland Athletics sich nach acht Siegen aus den letzten zehn Spielen ein kleines Polster für die Wild Card zugelegt haben. Das Restprogramm der A’s klingt zudem äußerst vorteilhaft; es besteht aus den Texas Rangers (74-79), den Los Angeles Angels (69-83) und den Seattle Mariners (64-88). 

Szene der Woche 
Es ist nicht gerade das Jahr der Toronto Blue Jays, aber immerhin haben sie eine ganze Reihe interessanter junger Spieler, die Hoffnung für die nahe Zukunft machen. Einer von ihnen ist Cavan Biggio, Sohn des Hall-of-Fame-Mitglieds Craig Biggio. Cavan schlug am Dienstag zum ersten Mal in seiner jungen Karriere einen Cycle, also ein Single, ein Double, ein Triple und einen Homerun in einem Spiel. Sein Vater hat das genau einmal geschafft, am 2. April 2002. Die Biggios sind damit das zweite Vater-Sohn-Paar der MLB-Geschichte, in dem beide einen Cycle geschlagen haben. Das andere waren Daryle und Gary Ward.

Statistik der Woche 
1. So viele Baserunner hatten die Arizona Diamondbacks am Samstag in der Partie gegen die Cincinnati Reds. Sie gewannen das Spiel 1:0. Es war das erste Mal im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, dass ein Team ein Spiel gewonnen hat, in dem es nur einen einzigen Baserunner hatte. Der Baserunner war Nick Ahmed. Sein Triple im dritten Inning sowie der Sacrifice Fly von Jarrod Dyson gleich beim nächsten Pitch waren genug, um den Reds den fast perfekten Tag zu verderben.

Spiel der Woche
„It ain’t over till it’s over“ lautet eines der berühmtesten Baseball-Sprichwörter. Dass es wahr ist, bewiesen am Dienstag mal wieder die Minnesota Twins. Gegen die Chicago White Sox hatte man zunächst eine scheinbar beruhigende 5:0-Führung hergeschenkt und musste in die Verlängerung. Dort gingen die White Sox im elften Inning durch einen Homerun von Tim Anderson in Führung. Die Twins glichen aus, ein Sacrifice Fly von Mitch Garver scorte LaMonte Wade zum 6:6. Im zwölften Inning gingen die White Sox erneut in Front, dieses Mal sicherheitshalber mit zwei Runs durch den Homerun von Ryan Cordell. Aber auch davon ließen die Twins sich nicht zum Aufgeben bewegen. Ein 2-RBI-Single von Marwin Gonzalez brachte den erneuten Ausgleich und bereitete den Weg für eine  sehr ungewöhnliche Art, ein Spiel zu beenden: Ein Walkoff-Hit-by-Pitch von José Ruiz gegen Ronaldo Torreyes bei geladenen Bases entschied die Partie für die Twins.

Mein Einschalttipp
Die St. Louis Cardinals und die Chicago Cubs liefern sich ein ausgedehntes Finale um die NL Central. Sieben der letzten zehn Spiele absolvieren sie im direkten Duell, die ersten vier davon am kommenden Wochenende in Chicago. Jede dieser Partien wird heiß umgekämpft sein, also schaut sie euch an, wenn ihr könnt. Erfreulicherweise ist auch die Baseballabteilung von DAZN wieder ein bisschen aufgewacht und überträgt zwei der Spiele: das erste heute Nacht ab 1:15 Uhr, das zweite morgen Abend ab 20:20 Uhr. Eventuell kommt über MLB Network noch die Partie am Samstag, ebenfalls ab 20:20 Uhr unserer Zeit, dazu. Auf der sicheren Seite seid ihr mit mlb.tv, wo ihr zusätzlich zu den drei genannten Spielen auch das am Sonntag (erneut 20:20 Uhr) sehen könnt.

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August 15th, 2019 by Silversurger

Wenn euer Team noch im Playoff-Rennen ist, beginnt spätestens jetzt mit nur noch rund 40 ausstehenden Spielen die heiße Phase der MLB-Saison. Sollte für eure Lieblinge das Jahr bereits gelaufen sein, gibt es ebenfalls einen Grund zur Freude: Seit ein paar Tagen steht der Spielplan für die nächste Saison, in der bestimmt alles besser wird. Am 26. März 2020 geht es los. Es wird das früheste Startdatum der MLB-Geschichte (abgesehen von vorgezogenen internationalen Spielen) und soll ein kompletter Spieltag sein, an dem alle 30 Teams aktiv sind – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Weitere Highlights der kommenden Saison sind die Eröffnung eines neuen Stadions für die Rangers, Globe Life Field, am 31. März, eine Serie zwischen den Mets und den Marlins in Puerto Rico Ende April, ein Spiel der White Sox gegen die Yankees in direkter Nachbarschaft zum „Field of Dreams“ in Iowa am 13. August sowie zwei Partien zwischen den Cubs und den Cardinals im Juni in London.

American League
Die New York Yankees (81-41) machen genau so weiter wie in den letzten Wochen: mit Verletzungsmeldungen ohne Ende und mit einem Erfolg nach dem anderen. Vor allem ihrem Lieblingsgegner, den Baltimore Orioles (39-82), haben die Yankees gewaltig eingeschenkt mit einer Saisonbilanz von 17:2 Siegen und zuletzt 16 Erfolgen gegen die Orioles hintereinander. Zum Glück für Baltimore müssen sie dieses Jahr nicht mehr gegen die Yankees ran. In der American League East haben zwar die Tampa Bay Rays (71-51) ebenfalls eine starke Woche hinter sich, doch mit zehn Spielen Rückstand dürfte der erste Platz außer Reichweite sein. Apropos außer Reichweite: Auch zwei Siege gegen die Indians ändern für die Boston Red Sox (64-59) nichts daran, dass die Playoffs dieses Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne den Titelverteidiger stattfinden werden.

Auf die AL Central haben die beiden gerade erwähnten Erfolge der Red Sox gegen die Cleveland Indians (72-49) deutlich stärkere Auswirkungen. Durch sie haben nämlich die Indians den erst am vergangenen Wochenende von den Minnesota Twins (75-48) eroberten ersten Platz bereits wieder verloren. Die Twins liegen jetzt wieder hauchdünn vorne und die kurzfristigen Aussichten scheinen auch eher Minnesota zu begünstigen:  Während die Twins bei den Rangers und gegen die Chicago White Sox (54-65) antreten, müssen die Indians für sieben Tage nach New York – zuerst in die Bronx zu den Yankees, dann direkt weiter nach Queens zu den Mets.

In der AL West gibt es quasi seit Saisonbeginn keine Zweifel am ersten Platz der Houston Astros (78-43). Daran ändert sich auch dadurch nichts, dass sie diese Woche dreimal gegen Teams aus dem Keller – einmal gegen die Orioles, zweimal gegen die White Sox – verloren haben. Jetzt allerdings müssen die Astros nach Oakland zu einer 4-Spiele-Serie bei den Athletics (68-52) und dort sollten sie sich wieder gefangen haben, wenn sie es nicht doch noch mal spannend machen wollen. Ein Sweep durch die Athletics in dieser Serie würde sowohl in der Division alles möglich machen als auch die Ausgangsposition der A’s im Hinblick auf die Wild Cards deutlich stärken. Zurzeit sieht es für die Athletics an beiden Fronten eher schlecht aus: Sie liegen 9,5 Spiele hinter den Astros, zwei Spiele hinter dem Wild-Card-Platz und nach den Astros wartet mit den Yankees direkt das zweite Top-Team der AL auf sie.

National League
In der National League East hatten die Atlanta Braves (72-50) in den letzten vier Wochen eher durchwachsene Ergebnisse, doch zuletzt gab es mal wieder drei Siege in Folge, davon zwei gegen die aufstrebenden New York Mets (61-59). Der Lauf der Mets ist damit erstmal beendet, ihr Rückstand auf die Wild Cards liegt wieder bei drei Spielen. Inhaber der ersten Wild Card sind zurzeit die Washington Nationals (65-55), die sich mit einem Sweep über die Reds wieder etwas Luft verschafft haben. Ebenfalls im Wild-Card-Rennen aktiv sind die Philadelphia Phillies (62-58). Sie haben durch zwei Siege über die Cubs ihren Rückstand auf nur noch zwei Spiele reduziert.

Durch die Niederlagen gegen Philadelphia haben die Chicago Cubs (64-56) die Tabellenführung in der NL Central verloren. An ihrer Stelle stehen nach fünf Siegen in Folge die St. Louis Cardinals (63-55). Wenn es so weiter geht, werden die letzten zehn Tage der Saison Ende September ein furioses Hauen und Stechen, denn Chicago und St. Louis treffen dann noch siebenmal direkt aufeinander. Vielleicht sind dann die Milwaukee Brewers (63-58) der lachende Dritte. Sie segeln zurzeit im Windschatten der beiden anderen, nur eineinhalb Spiele von der Spitze entfernt trotz negativen Run-Differentials. Ein positives Run-Differential und dennoch keine Chance, noch etwas zu reißen, haben die Cincinnati Reds (56-63). Das Schlusslich bilden die Pittsburgh Pirates (50-70). Bei ihnen läuft seit dem All-Star-Break rein gar nichts mehr zusammen und zu allem Überfluss musste nun auch noch Starter Jameson Taillon eine Tommy-John-Surgery über sich ergehen lassen. Er fällt damit nicht nur für den Rest der laufenden, sondern wahrscheinlich auch für die komplette nächste Saison aus.

Von Woche zu Woche wird der Abstand zwischen den Los Angeles Dodgers (81-41) und dem Rest des Feldes in der NL West immer noch ein bisschen größer. 19,5 Spiele Vorsprung haben sie inzwischen auf die Arizona Diamondbacks (61-60), von ihren letzten zehn Spielen haben die Dodgers neun gewonnen. Spannung ist Fehlanzeige in dieser Division, zumal auch die Wild-Card-Aussichten der Diamondbacks oder der San Francisco Giants (60-61) angesichts der geballten Konkurrenz aus den anderen Divisionen nur noch minimal erscheinen. Über das Wochenende treffen die Diamondbacks und die Giants viermal direkt aufeinander – für beide ist diese Serie der letzte Strohhalm, bevor man die Saison so endgültig abhaken muss wie die San Diego Padres (56-64) und die Colorado Rockies (54-67) es längst getan haben.

Szene der Woche 
Drei Homeruns von einem Spieler in einem Spiel kommen deutlich häufiger vor als zum Beispiel ein Cycle, sind aber nüchtern betrachtet wertvoller. Für die Seattle Mariners hatte neun Jahre lang kein Spieler ein 3-Homerun-Game, bis am Dienstag Kyle Seager den Bann brach. Gelungen ist ihm das allerdings nur durch ein bisschen Hilfe des Outfields der Detroit Tigers. Seagers Flyball bei zwei Outs im neunten Inning
war eigentlich zu kurz und Centerfielder Niko Goodrum bereits mit dem Handschuh dran. Doch Leftfielder Brandon Dixon konnte nicht rechtzeitig bremsen, stieß mit Goodrum zusammen und dieser ließ vor Schreck den Ball über den Zaun springen. Da der Ball außer Goodrums Handschuh nichts berührt hatte – nicht den Boden, nicht den Zaun unterhalb der gelben Linie –, war es den Regeln nach ein astreiner Homerun.

Statistik der Woche 
80. So viele Siege haben dieses Jahr als erstes die Yankees und die Dodgers erreicht. In der MLB-Geschichte kam das bislang zweimal vor, 1947 und 1953. In beiden Jahren trafen sich diese beiden Teams letztlich in der World Series.

Spiel der Woche
Man hat ja meistens nicht viel zu lachen als Fan der Mets, aber während der Aufholjagd der letzten Wochen machte das Team endlich mal wieder richtig Spaß. Das merkte man spürbar an der Zahl und an den Reaktionen der Zuschauer in der wichtigen Serie gegen die Nationals am vergangenen Wochenende. In allen drei Partien herrschte regelrechte Playoff-Atmosphäre, wobei der Höhepunkt gleich im ersten Spiel erreicht wurde: Einen 3:6-Rückstand im neunten Inning konnten die Mets zunächst durch Todd Fraziers gewaltigen 3-Run-Homerun ausgleichen und wenig später per Walkoff-Single von Michael Conforto endgültig zum Triumph drehen. Rookie-of-the-Year-Kandidat Pete Alonso war von dem epischen Comeback so begeistert, dass er Conforto die Kleider vom Leib riss…

Mein Einschalttipp
Gipfeltreffen in der NL: Am Wochenende empfängt das zweitbeste Team der bisherigen Saison, die Atlanta Braves, das beste, die Los Angeles Dodgers, zu einer 3-Spiele-Serie. Je nach Schlafgewohnheiten und Medienzugang habe ich unterschiedliche Empfehlungen: DAZN überträgt Freitagnacht ab 1:20 Uhr die erste Partie der Serie. Die Starter werden voraussichtlich Kenta Maeda (4.12 ERA, 4.09 FIP) für die Dodgers und Mike Soroka (2.32 ERA, 3.18 FIP) für Atlanta sein. Am Sonntag um 19:20 Uhr, allerdings nur auf mlb.tv, kann man das Serienfinale zwischen Neuling Dustin May (2.65 ERA, 2.74 FIP) und Max Fried (3.99 ERA, 3.76 FIP) sehen.

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August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

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Juni 6th, 2019 by Silversurger

Die erste der beiden unendlichen Free-Agent-Geschichten dieses Jahres ist endlich vorbei: Star-Closer Craig Kimbrel hat einen Vertrag bei den Chicago Cubs unterschrieben. Es ist, wie von Kimbrel die ganze Zeit über angestrebt, ein Vertrag über mehrere Jahre, allerdings für weitaus weniger Geld als von ihm ursprünglich erhofft: 43 Millionen Dollar bekommt der 31-Jährige für dieses und die beiden folgenden Jahre, anschließend kann der Klub für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranhängen. Kollege Dallas Keuchel ist nach wie vor ohne Vertrag, doch der linkshändige Starter hat wohl ebenfalls einige ernsthafte Interessenten. Genannt werden derzeit vor allem die Yankees und die Braves.

American League
Die American League East bleibt spannend, dafür haben die New York Yankees (38-22) und die Tampa Bay Rays (36-23) in den letzten Tagen gesorgt – nicht mit Absicht, versteht sich, denn sie taten es, indem sie jeweils drei bzw. vier Spiele in Folge verloren. Die Boston Red Sox (32-29) konnten dadurch den Abstand zur Spitze auf „nur noch“ sechseinhalb Spiele verkleinern und sehen einem interessanten Wochenende entgegen: An diesem treffen sie innerhalb von drei Tagen viermal auf die Rays, während die Yankees in Cleveland antreten müssen.

Die Cleveland Indians (31-30) haben ihre Bilanz gerade mal wieder auf knapp positiv gedreht, indem sie die ersten beiden Spiele einer Serie gegen die Minnesota Twins (40-20) gewonnen haben. Doch der Abstand auf die Twins in der AL Central ist immer noch enorm und die schlechten Nachrichten für die Indians reißen einfach nicht ab: Nach Mike Clevinger, Danny Salazar und Corey Kluber fällt mit Carlos Carrasco ein weiterer Teil der Rotation aus und das auf unbestimmte Zeit. Als Grund gibt der Verein eine „blood condition“ an und verzichtet vorerst auf weitere Details; die Bekundungen, dass alle Teamkameraden für ihn da sein werden und dass man der Familie viel Kraft wünscht, lassen leider auf eine möglicherweise schwere Erkrankung schließen. Auch die Detroit Tigers (23-35) müssen unschöne Neuigkeiten verdauen: Ihr einstiger Superstar Miguel Cabrera leidet unter chronischen Kniebeschwerden und wird auf Anweisung der Ärzte ab sofort nur noch als Designated Hitter zum Einsatz kommen statt auf seiner angestammten Position als First Baseman.

Wenn es gerade schon um Verletzungen geht, darf ich Joey Gallo nicht unerwähnt lassen: Bei dem Outfielder der Texas Rangers (31-28) ist es zwar „nur“ eine Bauchmuskelzerrung, aber sie wird ihn einige Wochen außer Gefecht setzen. Das könnte ein Knackpunkt für die Rangers sein, die bislang eine überraschend starke Saison gespielt haben und dabei auf Gallo als Leistungsträger setzen konnten. In der AL West sind die Rangers zwar weit entfernt von den schlichtweg konkurrenzlosen Houston Astros (42-21), halten sich aber stabil auf Platz zwei, während die Oakland Athletics munter Achterbahn fahren: Einer Reihe von zehn Siegen ließen die A’s sechs Niederlagen in sieben Spielen folgen. Heute Abend geht es im Rubber-Game der Serie gegen die Los Angeles Angels (30-32) direkt um den dritten Platz in der Division.

National League
Die Philadelphia Phillies (35-27) halten in der National League East ihren knappen Vorsprung vor den Atlanta Braves (33-28), doch das Outfield der Phillies verursacht derzeit größere Sorgen: Bryce Harper bringt bislang nicht die Leistung, die man sich von dem Mann mit dem Rekordvertrag versprochen hatte; Odubel Herrera ist vorläufig gesperrt, weil er unter Verdacht steht, seiner Freundin körperliche Gewalt angetan zu haben; Andrew McCutchen hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird für den Rest des Jahres ausfallen. Als eine erste Maßnahme holten die Phillies Jay Bruce von den Mariners, aber die Baustelle im Outfield dürfte damit längst nicht behoben sein. Generell macht in dieser Division bislang niemand einen so gefestigten Eindruck, dass man von einer frühzeitigen Entscheidung ausgehen könnte. Die erfolgreichsten Teams der letzten ein, zwei Wochen waren ausgerechnet die beiden Schlusslichter: Die Washington Nationals (28-33) gewannen acht ihrer letzten zehn Spiele, die Miami Marlins (23-36) sieben.

Auch in der NL Central wird es noch lange spannend bleiben. Die Chicago Cubs (34-26) sind zwar noch vorne, doch die Division ist deutlich enger zusammengerückt, indem die St. Louis Cardinals (30-29) die Cubs am letzten Wochenende gesweept haben. Die gleiche Paarung steht am kommenden Wochenende erneut an, dieses Mal in Chicago (siehe Einschalttipp). Die Milwaukee Brewers (34-28) hatten sich zwischenzeitlich kurz die Tabellenführung ausgeliehen, diese aber durch zwei überraschende Niederlagen gegen die Marlins prompt wieder abgegeben. Die Pittsburgh Pirates (29-31) und die Cincinnati Reds (28-32) sind noch so nah dran, dass man von der NL Central als einzige Division sprechen kann, in der von Platz eins bis fünf noch für jedes Team alles möglich ist..

In der NL West kann man das beim besten Willen nicht behaupten, hier wird niemand den Los Angeles Dodgers (43-20) streitig machen, dass sie zum siebten Mal in Folge die Division gewinnen. Hier geht es für die anderen Teams einzig und allein um Platz zwei bzw. um die Chance auf einen Wild-Card-Platz. Die Colorado Rockies (31-29) haben sich durch acht Siege in Folge, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Arizona Diamondbacks (31-32), zum „Best of the Rest“ hochgearbeitet. Die Serie wurde zwar inzwischen durch zwei Niederlagen bei den Cubs beendet, aber weder die Cardinals noch die San Diego Padres (31-31) scheinen zurzeit in der Verfassung, zum Gegenschlag auszuholen – die San Francisco Giants (25-35) sowieso nicht.

Szene der Woche
Die offensichtliche Wahl an dieser Stelle ist natürlich die Bekanntgabe des Nummer-eins-Picks der diesjährigen Draft: Herzlichen Glückwunsch an Catcher Adley Rutschman, der wie erwartet von den Baltimore Orioles ausgewählt wurde und hoffentlich in ein, zwei Jahren mit dafür sorgen wird, dass man sich die Orioles wieder gerne anschaut.

Eine interessante Spielszene habe ich auch noch parat, genauer gesagt eine wie ich sie – zumindest auf professionellem Niveau – noch nie erlebt habe. Aber seht selbst:

Statistik der Woche 
1135. So viele Homeruns wurden im Mai dieses Jahres geschlagen und damit so viele wie in keinem Monat der MLB-Geschichte zuvor. Torontos Supertalent Vladimir Guerrero Jr. hatte die Ehre, am Freitag im achten Inning in Colorado den 1120. Homerun des Monats zu schlagen und damit den Rekord zu sichern, bevor die Kollegen noch 15 draufpackten, um die neue Bestmarke zu zementieren. Den größten Anteil an der Homerunflut im Mai hatten Pittsburghs Josh Bell, Houstons Alex Bregman und Cincinnatis Derek Dietrich mit jeweils 12.

Spiel der Woche
Vielleicht sollte ich dieses Mal eher von einem „Inning der Woche“ sprechen. Ausgerechnet die Miami Marlins – immer noch das Team mit den wenigsten Siegen und den wenigsten erzielten Runs in der NL – explodierten Dienstagnacht gegen die Milwaukee Brewers mit sage und schreibe elf Runs in einem Inning. Es war das erfolgreichste Inning der Franchisegeschichte, und am Ende des Tages stand ein 16:0-Sieg von einem der – eigentlich – schlechtesten Teams der Liga gegen eines der – eigentlich – besten.

Mein Einschalttipp
Die Serie zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs hat am letzten Wochenende eine Menge Spannung zurück in die NL Central gebracht, indem die Cardinals als Außenseiter dem Favoriten und Tabellenführer Cubs alle drei Spiele abnahmen. Von Freitag bis Sonntag kommt es zu drei Rückspielen in Chicago. Eine angenehme Startzeit um 20:20 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung bietet gleich die erste Partie am Freitag mit dem Pitcher-Duell zwischen Cole Hamels (3.62 ERA, 3.92 FIP) und Mike Mikolas (4.41 ERA, 4.69 FIP). Zu sehen gibt es das Spiel nur mit einem Abo von mlb.tv, bei DAZN bleibt die Serie leider komplett unberücksichtigt.

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Mai 9th, 2019 by Silversurger

Die vergangene MLB-Woche stand im Zeichen einiger beeindruckender Pitcher-Leistungen. Mike Fiers, Noah Syndergaard, Kyle Hendricks und Hyun-Jin Ryu legten allesamt Auftritte hin wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt. Auf jede davon gehe ich später in diesem Grand Slam am Donnerstag noch etwas ein, doch zunächst wie üblich der Blick auf die Zwischenstände in den einzelnen Divisionen:

American League
Die Boston Red Sox (19-19) sind zurück. Das ist die wichtigste Nachricht aus der American League East, auch wenn dort – völlig verdient – nach wie vor die Tampa Bay Rays (23-13) vorne stehen. Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen haben sich die Red Sox aus dem Loch gegraben, in dem sie die ersten Wochen der Saison verbracht hatten. Ein nervenaufreibender 2:1-Sieg über die Baltimore Orioles (13-24) in der vergangenen Nacht brachte sie erstmals seit Saisonbeginn wieder zu einer ausgeglichenen Bilanz. Da gleichzeitig die Toronto Blue Jays (15-22) deutlich abgebaut haben, sieht es in der AL East nun so langsam nach dem erwarteten Dreikampf zwischen Tampa Bay, den New York Yankees (21-15) und den Red Sox aus. Für Letztere dürfte es recht gelegen kommen, dass die Rays und die Yankees an den beiden kommenden Wochenenden insgesamt sechsmal gegeneinander antreten müssen (siehe „Einschalttipp“).

In der AL Central darf man wohl so langsam daran glauben, dass die Minnesota Twins (23-12) „for real“ sind. Mit einer Siegquote von 65,7% führen sie nach wie vor die gesamte MLB an und der Abstand auf die verletzungsgeplagten Cleveland Indians (19-16) wächst langsam, aber beständig. Beide Teams haben in den nächsten Wochen Spielpläne, die recht lösbar aussehen – was in einer Division mit den drei Rebuildern Detroit Tigers (16-17), Chicago White Sox (16-19) und Kansas City Royals (13-25) nichts Ungewöhnliches ist.

Auch die AL West sieht zurzeit nicht nach einer besonders wettbewerbsstarken Division aus. Die Houston Astros (22-15) sind hier die einzige Konstante und es ist zu vermuten, dass sie eine auf Dauer recht einsame Saison erleben werden. Hinter den Astros stehen lediglich die Seattle Mariners (20-19) noch bei einer knapp positiven Bilanz, doch zehren sie dabei immer noch von ihrem längst vergangenen Traumstart in das Jahr. Von den letzten zehn Spielen gingen acht verloren und in den nächsten zehn lauten die Gegner achtmal Yankees, Red Sox oder Twins. Die Texas Rangers (17-17) halten sich bislang überraschend wacker, müssen nun allerdings für vier Spiele nach Houston.

National League
Die National League East war allgemein als besonders umkämpfte Division erwartet worden, doch zurzeit sieht es ganz so aus als könnten die Philadelphia Phillies (21-15) sich frühzeitig vom Rest des Feldes absetzen. Sie sind momentan das einzige Team der NL East mit einer positiven Bilanz und ebenfalls das einzige mit einem positiven Run Differential. Die Atlanta Braves (16-17) wurden auf der ersten Hälfte ihrer Westküstenreise von den Dodgers gesweept und müssen als nächstes nach Arizona. Bei den Dodgers müssen nun die Washington Nationals (14-22) antreten, bevor die Nationals in den nächsten zwei Wochen insgesamt siebenmal auf die New York Mets (17-20) treffen. Je nach Ausgang dieser Duelle kann es sein, dass entweder die Mets oder die Nationals die Saison dann schon so ziemlich abhaken können. Die Miami Marlins (10-26) haben das längst getan.

So schnell kann es gehen im Baseball: Letzte Woche waren die St. Louis Cardinals (21-16) noch die unumstrittenen Überflieger der NL Central. Doch dann ließ man sich im Spitzenduell von den Chicago Cubs (21-13) sweepen, verlor zudem zwei von drei Partien gegen Philadelphia und schon findet man sich nur noch auf Platz drei wieder. Zwischen die Cubs und die Cardinals haben sich die Milwaukee Brewers (23-16) geschoben, die gegen die Mets und die Nationals sechs Spiele in Folge gewonnen haben. Am Wochenende steht schon wieder eine Spitzenserie an: Die Cubs erwarten die Brewers für drei Spiele. Die Cardinals haben derweil mit den Pittsburgh Pirates (17-16) einen Gegner, den man ebenfalls noch nicht abschreiben kann.

Die Los Angeles Dodgers (25-14) sind zurzeit das erfolgreichste Team der NL und vor allem zu Hause eine Macht. 15 Siege und nur 4 Niederlagen sind eine Heimbilanz, mit der in der MLB kein Team auch nur ansatzweise mithalten kann. Ihre drei jüngsten Heimserien haben die Dodgers allesamt gesweept, und zu ihrer Freude finden die nächsten sechs Spiele ebenfalls im Dodger Stadium statt – vier gegen die Nationals, zwei gegen die San Diego Padres (21-17). Zwischen den Dodgers und den Padres stehen in der NL West die Arizona Diamondbacks (21-16). Die D-Backs sind für mich eine der großen Überraschungen der bisherigen Saison. An ihrer Stelle hatte ich eher die Colorado Rockies (16-20) erwartet, die letztes Wochenende das direkte Duell in Arizona 1:2 verloren und auch sonst bisher eher enttäuscht haben. Wegen miesen Wetters in Colorado konnten die Rockies diese Woche bislang nur ein Spiel absolvieren und auch das verlief mit 4:14 gegen die San Francisco Giants (16-20) wenig ermutigend.

Szene der Woche
Die Offensive im Slump, der Bullpen unzuverlässig? Für Noah Syndergaard, Starting Pitcher der New York Mets, war das im Spiel gegen die Reds am Donnerstag kein Problem, er machte dann eben alles alleine. Und „alles“ bedeutet nicht nur, dass er über volle neun Innings ging und keinen Run zuließ. Nein, er musste auch den einzigen Run seines eigenen Teams noch selbst per Solo-Homerun beisteuern. Dieser Homerun ist meine Szene der Woche:

Statistik der Woche 
81. So viele Pitches benötigte Kyle Hendricks am Freitag, um für die Chicago Cubs die kompletten neun Innings gegen die St. Louis Cardinals zu absolvieren. Er ließ vier Hits, aber keine Runs zu beim 4:0-Erfolg seines Teams. Man nennt so ein Spiel (ein Complete-Game-Shutout mit weniger als 100 Pitches) einen Maddux. Ein solcher gelang auch Hyun-Jin Ryu am Dienstag. Er brauchte 93 Pitches, um die Atlanta Braves abzufertigen und den Los Angeles Dodgers einen 9:0-Sieg zu ermöglichen.

Spiele der Woche
Die Saison 2019 hat ihren ersten No-Hitter: Mike Fiers gelang das Kunststück am Dienstag beim 2:0 seiner Oakland Athletics gegen die Cincinnati Reds. Obwohl er nur zwei Walks und sonst keine Baserunner zuließ, war Fiers vom Pitch-Count her bei weitem nicht so effektiv wie Hendricks und Ryu: 131 Pitches brauchte er, um das Spiel zu Ende zu bringen. Das waren die meisten Pitches in einem No-Hitter seit… Mike Fiers im August 2015! Damals warf er 134 Pitches gegen die Dodgers beim ersten No-Hitter seiner Karriere. Fiers ist erst der 35. Pitcher der Geschichte mit zwei MLB-Spielen ohne erlaubten Hit.

Das Spiel der San Francisco Giants gegen die Cincinnati Reds vom Montag hatte zwar nicht das sportliche Niveau der zuvor genannten Partien, aber dafür wartete es mit so vielen kuriosen Situationen auf, dass ich es hier nicht unerwähnt lassen möchte. Los ging es damit schon vor dem Spielbeginn, welcher sich durch eine Bieneninvasion verzögerte und Derek Dietrich als Kammerjäger auf den Plan rief. Später schrieben die Giants-Pitcher Pat Venditte und Sam Dyson Geschichte, als sie – augenscheinlich unabsichtlich – vier gegnerische Spieler in einem Inning abwarfen und damit den MLB-Rekord einstellten. Besser machte es ihr Teamkamerad Pablo Sandoval: Der Third Baseman pitchte ein sauberes neuntes Inning in dem Spiel, in dem er zuvor einen Homerun geschlagen, eine Base gestohlen und ein Highlight-Play im Feld produziert hatte. Genützt hat es den Giants letzten Endes wenig, denn sie gingen mit 4:12 unter gegen die Reds, für die Newcomer Nick Senzel mit zwei Homeruns brillierte.

Mein Einschalttipp
Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees gelten als positive Überraschungen der bisherigen Saison – die Rays, weil sie hervorragend dastehen und vor allem im Pitching den Rest der Liga alt aussehen lassen; die Yankees, weil sie trotz enormen Verletzungspechs immer noch vorne mitspielen. Am Wochenende kommt es zum ersten Mal in dieser Saison zu einem direkten Aufeinandertreffen der beiden Divisionsrivalen. Gleich im ersten Spiel am Freitag schicken beide ihre bislang besten Starter auf den Mound: Für die Yankees tritt Domingo German (2.35 ERA, 2.72 FIP) an, für die Rays Tyler Glasnow (1.47 ERA, 2.40 FIP). Die Partie könnt ihr ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht auf Samstag sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen.

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Mai 2nd, 2019 by Silversurger

Der Mai ist gekommen und die MLB hat ein neues Top-Team: Mit 20 Siegen aus 30 Spielen sind die St. Louis Cardinals derzeit ganz vorne. Ihrem einstigen Top-Prospect Alex Reyes dürfte allerdings nicht zum Feiern zumute sein: Erst wurde er wegen schwacher Leistungen in die Minor League versetzt, dann lief es dort im ersten Start auch nicht gut und schließlich musste für den aufgestauten Frust eine Wand herhalten, die sich offenbar mit voller Härte zur Wehr setzte. Jedenfalls hat Reyes sich dabei den kleinen Finger gebrochen, fällt nun mehrere Wochen aus und ist hiermit offiziell nominiert für den MRI-Award 2019. Noch ein Stück dämlicher angestellt hat sich Logan Webb, das Top-Pitching-Prospect der San Francisco Giants: Er hat offenbar versucht, mit der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron seine Leistungen zu steigern. Nach dem positiven Test auf das Dopingmittel wurde er für 80 Spiele gesperrt und dürfte damit die Chance vertan haben, schon dieses Jahr den Sprung ins MLB-Roster zu schaffen.

National League
Die Teams der National League East haben keine besonders gute Woche hinter sich. Eine Ausnahme davon stellen lediglich die Philadelphia Phillies (17-13) dar. Deren 3:1-Seriensieg über die Miami Marlins (9-21) ist dafür verantwortlich, dass sie als einzige in der Division bei einer positiven Bilanz stehen. Die New York Mets (15-15) und die Atlanta Braves (15-15) haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und halten sich mit schwankenden Leistungen gerade so über Wasser. Insbesondere bei den Mets muss man zweifeln, ob das noch lange gut geht, denn mit einem Run Differential von -20 und den meisten zugelassenen Runs (169) der gesamten NL steht man normalerweise nicht bei 15-15. Die Washington Nationals (12-17) sind auf dem Weg in die Krise schon einen Schritt weiter, soll heißen: Sie stecken mittendrin. Von den letzten sieben Spielen haben sie nur eines gewonnen und dafür brauchte es 11 Innings gegen die Padres. Ausgerechnet jetzt steht für die Nationnals eine schwierige Auswärtstour an (Phillies, Brewers, Dodgers).

Mit Siegen in zehn der letzten elf Spiele lassen die St. Louis Cardinals (20-10) in der NL Central zurzeit niemandem Gelegenheit, an sie heranzukommen. Doch am Wochenende könnte es spannend werden, denn die Chicago Cubs (16-12) begrüßen die Cardinals für eine Drei-Spiele-Serie zum Spitzenduell (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs hatten einen ganz miesen Start in den ersten beiden Saisonwochen. Seitdem haben sie aber keine Serie mehr verloren und inzwischen das stärkste Run Differential (+38) der NL herausgespielt. Die Milwaukee Brewers (17-15) können da zwar mit einem Run-Verhältnis von -9 nicht mithalten, doch mit Erfolgen in je zwei von drei Spielen gegen die Mets und die Rockies scheinen sie ihr Zwischentief überwunden zu haben. Die anstehenden Serien gegen erneut die Mets sowie die Nationals klingen nach lösbaren Aufgaben. Die Pittsburgh Pirates (14-14) dürften mit den Playoffs wenig zu tun haben, aber mit zwei Siegen gegen die Rangers ist für sie wenigstens der freie Fall von acht Niederlagen in Folge erstmal gestoppt.

Die Los Angeles Dodgers (20-13) sind in der NL West voll auf Kurs, müssen aber zwei Rückschläge verdauen: erstens eine 1:2 verlorene Serie beim Erzrivalen San Francisco Giants (13-18), zweitens eine Verletzung von Centerfielder A. J. Pollock. Bei Letzterer handelt es sich um eine Infektion im rechten Ellenbogen, der 2016 schon einmal operiert werden musste. Damals wurde eine Metallplatte eingesetzt; aus dieser muss nun eine Schraube entfernt werden, die wohl die Probleme verursacht hat. Pollock wird nach der Prozedur für einige Wochen ausfallen. Die Dodgers müssen nun für drei Spiele zu den San Diego Padres (17-14), während in Denver die Colorado Rockies (14-17) auf die Arizona Diamondbacks (18-13) treffen. Es wird also ein richtig interessantes Wochenende in der NL West mit lauter direkten Duellen zwischen den vier besten Teams der Division.

American League
Können die Tampa Bay Rays (19-11) sich auf Dauer an der Spitze der American League East halten? Ein 2:0-Sweep bei den Boston Red Sox (14-17) am vergangenen Wochenende machte Hoffnung, doch der verlorene Doubleheader in Kansas City gestern war ein herber Dämpfer. Zum Glück für die Rays konnten die New York Yankees (17-13) daraus kein Kapital schlagen, da sie selbst ihre beiden Spiele in Arizona verloren. Die große Neuigkeit bei den Toronto Blue Jays (14-16) war die letzte Woche angekündigte und heiß ersehnte Ankunft des Supertalents Vladimir Guerrero Jr. Bislang konnte Vlad Jr. den Hype noch nicht rechtfertigen, in fünf Spielen schlug er eine Slashline von .167/.286/.222. Aber fünf Spiele sind im Baseball so gut wie gar nichts; es gibt also noch lange keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Alles andere als eine Enttäuschung sind bislang die Minnesota Twins (18-10). Sie weisen mittlerweile die beste Bilanz nicht nur der AL Central, sondern der gesamten AL auf. Zuletzt gabe es zwei Erfolge aus drei Spielen gegen die Astros, davor einen Sweep gegen die Orioles. Zu den drei Siegen über Baltimore steuerte Max Kepler vier Homeruns bei, und auch sonst spielt „unser“ Mann in der MLB eine ganz hervorragende Saison (.277/.349/.564, 7 HR). Auf Platz zwei verdrängt sind inzwischen die Cleveland Indians (16-13), die letzte Nacht nicht nur ein 2:4 bei den Marlins verdauen mussten, sondern auch die viel schlimmere Nachricht, dass sie auf ihr Ass Corey Kluber eine Weile verzichten müssen. Kluber wurde von einem Comebacker von Brian Anderson am Pitching-Arm getroffen und erlitt eine Fraktur. Er ist nach Danny Salazar und Mike Clevinger schon der dritte Starter der Indians, der für mindestens einige Wochen ausfälllt.

In der AL West konnten die Houston Astros (18-13) zwar diese Woche nicht überzeugen – einem Split gegen die Indians folgten zwei Niederlagen in drei Spielen gegen die Twins –, doch geschadet hat ihnen das nicht, denn die Verfolger schwächelten noch mehr. Sowohl die Seattle Mariners (18-15) als auch die Texas Rangers (14-15) haben von ihren letzten neun Spielen sieben verloren – und ihre einzigen Siege bei dem 2:2-Split im direkten Aufeinandertreffen eingefahren. Auch die Oakland Athletics (14-19) befinden sich im Absturz. Nach einer 0:6-Bilanz aus den Spielen in Toronto und Boston bleibt ihnen nur noch die Station in Pittsburgh, um von ihrem Ostküstentrip nicht mit leeren Händen heimzukehren.

Szene der Woche
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle die Bierdusche würdigen, die Ryan Braun von den Milwaukee Brewers(!) in Citi Field zuteil wurde, als er einen Flyball von Pete Alonso zu fangen versuchte (man beachte die schlecht versteckte Botschaft „This Bud’s for you“ im Hintergrund):

Sehenswert wäre auch der Dodgers-Fan gewesen, der auf der Jagd nach einem Foulball zunächst eine Portion Pommes aufgab – und ein Inning später das Pizzastück, das er sich als Ersatz geholt hatte, hinterher warf:

Aber Yankees-Pitcher C. C. Sabathia lässt mir keine andere Wahl, eine andere Szene in den Mittelpunkt zu stellen. Mit seinem 3000. Strikeout erreichte der 38-Jährige einen Meilenstein, den nur 16 Leute vor ihm bewältigt haben, und ließ sich dafür zurecht feiern:

Statistik der Woche 
1.998. So viele RBI sind Albert Pujols in seiner Karriere bislang gelungen. Das ist zwar eine kleinere Zahl als die der Strikeouts von C. C. Sabathia, dennoch ist sie noch ein Stück beeindruckender. Pujols steht damit nämlich offiziell auf dem dritten Platz der Allzeit-Rangliste, auf welcher er in den letzten Tagen Lou Gehrig (1.994) und Barry Bonds (1.996) überholt hat. Vor Pujols stehen nun nur noch Hank Aaron (2.297) und Alex Rodriguez (2.086). Inoffiziell belegt er übrigens „nur“ Rang fünf; das liegt daran, dass RBI erst 1920 als Statistik eingeführt wurden, sodass ein Teil der 2.214 RBI von Babe Ruth und die gesamten 2.075 RBI von Cap Anson nicht in die Rekordliste der MLB einfließen.

Spiel der Woche
Das Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Sonntag hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Die erste war die Geschichte von zwei älteren Herren: Dodgers-Pitcher Rich Hill (39) kehrte aus seiner Verletzungspause zurück und bildete mit Catcher Russel Martin (36) das wohl älteste Battery-Duo, das die MLB zurzeit zu bieten hat. Für Hill lief es eher mittelmäßig – zwar absolvierte er 6 Innings, in denen ihm 6 Strikeuots gelangen und er nur einen Earned Run zuließ, aber diese Werte schmeicheln etwas, denn ein Error im zweiten Inning verhinderte, dass ihm weitere vier Runs angerechnet wurden. Die zweite Geschichte war die eines noch sehr jungen Herren: Cody Bellinger, 23, brachte per Sac-Fly den ersten Run, per Homerun den zweiten Run sowie durch ein Single den siebten und letzten Run seines Teams über die Platte. Der Homerun war übrigens der 14. in der laufenden Saison, womit Bellinger einen Rekord einstellte: Nur vier Spieler haben es jemals geschafft, noch vor dem 1. Mai einer Saison so viele Homeruns zu erzielen – Albert Pujols 2006, Alex Rodriguez 2007 sowie Christian Yelich und Cody Bellinger 2019. Die dritte Geschichte war die eines Teams, das in der jungen Saison schon hoch geflogen und tief gefallen ist. Die Pirates gaben eine 5:1-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 6:7 ihr achtes Spiel in Folge. Aber zum Glück ist es Baseball und schon im nächsten Spiel waren es die Pirates selbst, die ein dramatisches Comeback bejubeln durften.

Mein Einschalttipp
In der NL Central ist ein heißer Zweikampf zwischen den St. Louis Cardinals und den Chicago Cubs entbrannt. Die derzeit drei Spiele Abstand zwischen den beiden stammen von dem schwachen Saisonstart der Cubs, sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Teams zurzeit in absolut beeindruckender Form sind. Von Freitag bis Sonntag haben die Cubs drei Heimspiele gegen die Cardinals und von daher keine schlechten Chancen, den Rückstand zu verringern oder gar aufzuholen. DAZN ignoriert diese interessante Serie leider komplett, daher könnt ihr sie ausschließlich über mlb.tv verfolgen. Sowohl am Freitag (20:20 Uhr) als auch am Samstag (22:05 Uhr) kommen die Spiele zu europafreundlichen Zeiten, während die Partie am Sonntag (1:05 Uhr) eher etwas für Nachteulen ist.

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April 11th, 2019 by Silversurger

Zwei Wochen in der Saison und schon haben sich einige der frühen Kapriolen in den Divisionstabellen bereits wieder gelegt. Aber immer noch werden alle drei Gruppen der American League von mehr oder weniger großen Überraschungen angeführt: den Tampa Bay Rays, den Detroit Tigers und den Seattle Mariners. Direkt dahinter haben sich inzwischen die Favoriten in Stellung gebracht – mit Ausnahme der Boston Red Sox, die gemeinsam mit den Chicago Cubs in der NL Central die große Enttäuschung dieser frühen Saisonphase sind. Hier die wöchentliche Rundumschau zu allem, was in der MLB los ist:

American League
In der American League East trumpfen nach wie vor die Tampa Bay Rays (10-3) ganz groß auf. Vor allem im Pitching überzeugen die Rays – mit überragenden Startern und Openern ebenso wie mit einem starken Bullpen. Nur 26 Runs haben die Rays bislang erlaubt, neun weniger als die zweitbesten Teams der MLB (Indians, Tigers, Reds). Für die New York Yankees (5-7) reißen derweil die Hionsbotschaften nicht ab: Dank einer Aufbauserie gegen die Baltimore Orioles (5-7) hatte man sich nach dem vergeigten Start gerade wieder aufgerichtet, schon folgte in Form eines Drei-Spiele-Sweeps durch die Astros wieder der Rückschlag. Zu allem Überfluss stellte sich nach neuen medizinischen Untersuchungen heraus, dass Starter Luis Severino mit seiner Rückenverletzung noch länger ausfallen wird als bisher gedacht. Er wird frühestens in sechs Wochen wieder ins Training einsteigen. Schönere Neuigkeiten gibt es von den Toronto Blue Jays (4-8): Die Ankunft des potenziellen Superstars Vladimir Guerrero Jr. ist ein Stück näher gerückt. Nach einem Monat Verletzungspause und ein paar Rehab-Spielen auf Single-A-Niveau wurde der 20-Jährige nun nach Buffalo ins AAA-Team der Blue Jays berufen. Nach wie vor an letzter Stelle der Division stehen die Boston Red Sox (3-9). Der Vorjahres-Champion macht bislang rundum den Eindruck, noch nicht in der neuen Saison angekommen zu sein.

Auch die Cleveland Indians (7-4) hatten einen schweren Start, durch einen Vier-Spiele-Sweep gegen die Blue Jays haben sie sich davon aber bereits erholt. Nun liefern sie sich gerade mit den Detroit Tigers (8-4) ein Duell um die Führung in der AL Central. Jedes Team hat bisher ein Spiel gewonnen, das Rubber-Match findet heute Abend ab 19:10 Uhr unserer Zeit statt. Die Minnesota Twins (6-4) mischen ebenfalls noch oben mit und nähren die Hoffnung, dass diese Division spannender wird als erwartet. Max Kepler ist übrigens in Topform: Er befindet sich aktuell auf einer Strecke von acht Spielen mit je mindestens einem Hit, darunter drei Homeruns in drei aufeinender folgenden Partien gegen die Phillies. Die Chicago White Sox (3-8) und die Kansas City Royals (2-9) haben sich derweil bereits im Keller eingerichtet. Vor allem in der Ecke, die die Royals dort bewohnen, ist es nach neun Niederlagen in Folge zappenduster.

Die Seattle Mariners (12-2) führen nach wie vor deutlich die AL West an und bringen nicht nur mich massiv zum Staunen. Vor allem die Offensive der Mariners produziert mit bislang 110 Runs auf einem Niveau, das kein anderes Team in der Liga teilt (siehe auch „Statistik der Woche“). Das war so nicht vorhersehbar und wohl auch nicht geplant, denn die Moves der Mariners in der Offseason sahen eher nach einem halbherzigen Rebuilding-Projekt aus. Es stehen nun wegweisende Serien gegen die Houston Astros (8-5) und die Indians an. Je nachdem wie diese verlaufen, wird man sich in Seattle wohl neue Ziele stecken. Übrigens haben nicht nur die Mariners und die Astros, sondern die gesamte AL West einen überraschend starken Start hingelegt. Als einzige Division hat sie kein einziges Team mit negativer Bilanz. Die Texas Rangers (6-6) und die Oakland Athletics (8-8) stehen ausgeglichen, die Los Angeles Angels (7-6) nach sechs Siegen in Folge plötzlich sogar positiv.

National League
Eine starke Division ist – in dem Fall den Erwartungen entsprechend – auch die National League East. Die Philadelphia Phillies (7-4), die Atlanta Braves (7-4) und die New York Mets (7-4) stehen allesamt gleichauf, die Washington Nationals (6-5) nur ein Spiel dahinter. Lediglich die Miami Marlins (3-9) sind bereits abgeschlagen, aber auch das war nicht anders zu erwarten. Der Spielplan der ersten Wochen wirkt sich sehr förderlich auf die Spannung in der NL East aus, da er schon außergewöhnlich viele Duelle zwischen den vier Top-Teams vorgesehen hat. Die Nationals haben bisher sogar ausschließlich divisionsinterne Partien gespielt. Heute und an den kommenden drei Tagen treffen erstmals in diesem Jahr die Braves und die Mets aufeinander.

In der NL Central sah es nach einem fulminanten Start der Milwaukee Brewers (8-5) so aus, als könnten diese sich frühzeitig absetzen. Nach drei Niederlagen bei den Angels sind die Brewers aber zurück auf dem Boden und schauen mit einigem Respekt auf die anstehenden Aufgaben: Dreimal bei den Dodgers, dann dreimal gegen die St. Louis Cardinals (7-5), viermal gegen die Dodgers und noch dreimal bei den Cardinals sind ein knüppelhartes Programm für die nächsten zwei Wochen. Die Pittsburgh Pirates (6-4) halten bislang ebenfalls gut mit, allerdings muss man dazu sagen, dass sie fünf ihrer sechs Siege gegen die Cincinnati Reds (3-8) erzielt haben. Der einzige weitere Sieg gelang gestern gegen die Chicago Cubs (3-8), welche bisher zu den negativen Überraschungen der noch jungen Saison zählen.

Enttäuscht haben bislang auch die Colorado Rockies (3-9) in der NL West. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen wird es ihnen ganz recht gewesen sein, dass die dritte Partie gegen die Braves gestern wegen einer Regen-, Schnee- und Sturmwarnung auf Ende August verschoben wurde. Die Rockies reisen jetzt erst mal zu den San Francisco Giants (4-9), bei denen es zwar meistens windig ist, aber zumindest wohl nicht schneit – und bei denen die Rockies sich die Chance auf denen einen oder anderen Sieg ausrechnen dürften. An der Spitze der Division haben die San Diego Padres (8-5) inzwischen die Los Angeles Dodgers (8-5) eingeholt, nachdem Letztere drei Spiele hintereinander gegen die Braves abgegeben haben.

Szene der Woche
Es gab in den letzten Tagen wahnsinnig viele sehenswerte Szenen: Jorge Polanco gelang der erste Cycle der Saison, Lourdes Gurriel der erste Home-Steal, die Reds und die Pirates lieferten sich eine handfeste Keilerei, Mike Trout klaute Christian Yelich einen Homerun und Marcell Ozuna scheiterte kläglich, als er auch mal so ein Highlight-Play vollbringen wollte. Meine Szene der Woche aber ist der absolut unglaubliche freihändige Basehit von Javier Baez. Seht und staunt.

Statistik der Woche 
14. So viele Spiele haben die Seattle Mariners in diesem Jahr absolviert und in genauso vielen Spielen haben sie mindestens einen Homerun erzielt. Gestern wäre die Serie fast gerissen, doch bei zwei Outs im neunten Inning gelang Mitch Haniger der siegbringende Schlag zum 6:5 gegen die Royals. Die Mariners haben damit einen MLB-Rekord eingestellt, den sie nun gemeinsam mit den Indians von 2002 halten. Heute Abend, erneut gegen Kansas City, haben sie die Chance, diese Bestmarke zu übertreffen.

Spiel der Woche
Ein 0:5-Rückstand nach vier Innings und Madison Bumgarner als gegnerischer Pitcher? Das klingt nach einer recht ausweglosen Situation. Nicht nur für die San Diego Padres, die am Montag schon zum vierten Mal in diesem Jahr ein Spiel drehten. Drei Homeruns trugen zum erfolgreichen Comeback bei, den schönsten und letztlich entscheidenden besorgte Youngster Franmil Reyes im siebten Inning. Zu dem Zeitpunkt hatte bereits Reyes Moronta das Pitching bei den Giants übernommen, um für Bumgarner das Schlimmste zu verhindern – ohne Erfolg, wie sich herausstellte.

Mein Einschalttipp
In der AL West kommt es an diesem Wochenende zum ersten Gipfeltreffen zwischen dem klaren Favoriten Houston Astros und dem Überraschungsteam Seattle Mariners. Sofern ihr nicht unter Schlafstörungen leidet, empfehle ich zum Reinschauen das Spiel am Sonntag, das mit 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als einziges nicht mitten in der Nacht stattfindet. Das Pitching-Matchup ist ebenfalls sehr attraktiv: Houstons Gerrit Cole (3.32 ERA, 2.76 FIP) trifft auf Seattles Openening-Day-Starter Marco Gonzales (3.16 ERA, 3.43 FIP). Das Spiel wird auf DAZN übertragen und natürlich auf mlb.tv.

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