Februar 7th, 2017 by Silversurger

Nachdem es in den ersten vier Folgen dieser Serie ausschließlich um Pitches ging, die sich mehr oder weniger dem Oberbegriff „Fastball“ unterordnen lassen, kommen nun die anderen Pitches zum Zuge und zwar als erstes der Curveball.

Ein Curveball hält genau das, was der Name verspricht: Seine Flugbahn weist einen ausgeprägten Bogen nach unten auf; je nach Technik des jeweiligen Pitchers kann auch eine horizontale Bewegung in Richtung von dessen Handschuhseite hinzukommen. Einen Curveball, dessen Bahn ohne horizontales Element gerade von oben nach unten bricht, nennt man in Anlehnung an die Zeiger einer Uhr auch 12-6-Curveball. Dieser ist in der Regel schwerer zu schlagen als ein Curveball mit horizontaler Bewegung (der, um beim Uhrzeigervergleich zu bleiben, manchmal 11-5-Curveball oder 2-8-Curveball genannt wird).

Im Gegensatz zum mit Backspin geworfenen Fastball weist ein Curveball typischerweise Topspin auf, das heißt der Ball dreht sich während des Fluges vorwärts statt rückwärts. Zu diesem Zweck wird er deutlich anders geworfen als alle Pitches, die ich bisher beschrieben habe: Der übliche Griff besteht darin, den Mittelfinger oben auf eine Naht des Balls zu legen, den Zeigefinger direkt daneben und den Daumen von unten auf die dem Mittelfinger schräg gegenüber liegende Naht. Beim Release vollzieht der Pitcher eine abwärts schnappende Bewegung mit dem Arm und dem Handgelenk, lässt den Ball zuerst mit dem nach oben ziehenden Daumen los und unterstützt mit dem nach unten schiebenden Zeige- oder Mittelfinger den Topspin.

Griff eines Curveballs1

Ein durchschnittlicher Curveball hatte in der MLB-Saison 2016 eine Geschwindigkeit von 77,9 mph (125 km/h), was ihn (abgesehen vom Spezialistenpitch Knuckleball) zum langsamsten in der MLB üblichen Pitch macht. Für den Batter bedeutet das, dass er gegenüber einem 4-Seam-Fastball eine Zehntelsekunde mehr Zeit hat, zu reagieren. Das ist eine ganze Menge und stellt einen dementsprechend hohen Anspruch an den Pitch, die zusätzlich eingeräumte Zeit durch schlechtere Vorhersagbarkeit der Flugbahn auszugleichen. Das Ziel ist, dass der Pitch stärker nach unten ausbricht als es für den Batter zunächst aussieht. Auf diese Weise sieht der Ball entweder so aus, als ob er in der Strikezone ankommt, landet aber tiefer und verführt zu einem swinging Strike; oder er sieht so aus, als käme er zu hoch, bevor er dann doch zum called Strike in die Zone fällt. Mit diesen Charakteristika eignet sich der Curveball besonders als Strikeout-Pitch.

Den Curveball kennt man schon seit den 1870er Jahren – er wurde damals von Vielen als zwar nicht regelwidrige, aber unehrenhafte Aktion betrachtet. Diese Zeiten sind natürlich lange vorbei und heute haben die meisten MLB-Pitcher einen Curveball im Repertoire. Für fast alle von ihnen ist er ein sekundärer Pitch, der als Abwechslung zum deutlich häufiger verwendeten Fastball genutzt wird. 10,2% aller 2016 in der MLB geworfenen Pitches waren Curveballs. Die Reliever Justin Grimm, J. P. Howell und Brett Cecil sowie Starter Lance McCullers gehören zu den wenigen Ausnahmen, deren Pitchauswahl in rund 50% der Fälle auf einen Curveball fällt. Als besonders herausragend gelten unter den aktiven Pitchern die Curveballs von Dodgers-Star Clayton Kershaw und die der Youngster Aaron Nola von den Phillies und Seth Lugo von den Mets. Letzterer führt seit dem 30. August 2016 mit 3498 Umdrehungen pro Minute die Rangliste der höchsten Drehzahlen eines Curveballs an. Historische Pitcher, die für ihren Curveball gerühmt wurden, sind Bob Feller, Sandy Koufax und Dwight Gooden.

Flugbahn eines Curveballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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Januar 3rd, 2017 by Silversurger

Neues Jahr, neue Serie: Auf Anregung von Michael und Oli im Baseblog.de-Wunschkonzert werde ich mich in den kommenden Wochen mit den verschiedenen Arten beschäftigen, auf die man einen Pitch werfen kann.

Es gibt zig verschiedene Pitches, sofern man die diversen Unterarten und Varianten berücksichtigt. Wenn man ein bisschen zusammenfasst und sich auf die im modernen Baseball gebräuchlichsten Pitches konzentriert, kommt man auf die acht, denen ich mich in der Serie widme. Ein einzelner Pitcher beherrscht in aller Regel drei oder vier verschiedene Pitches. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den Pitches bestehen vor allem in der Geschwindigkeit des Balles sowie in der Form seiner Flugbahn. Das geht teilweise auch aus den Bezeichnungen der Pitches hervor, aber grundsätzlich richtet sich die Einordnung nicht nach Geschwindigkeit und Bahn der Bälle, sondern danach, auf welche Art sie gehalten und geworfen werden. Daher kommt es durchaus vor, dass der Fastball des einen Pitchers langsamer ist als der Changeup manch anderer Pitcher, aber es bleibt dennoch ein Fastball aufgrund der Wurfmethode.

Das Problem bei der Sache ist, dass man beim Zuschauen normalerweise nicht sieht, was genau der Pitcher mit dem Ball anstellt – klar, denn erstens will er das vor dem Gegner verbergen und zweitens passiert das Ganze verdammt schnell. Deswegen kann man oft nur raten, um welche Art von Pitch es sich jeweils handelt. Hilfreich sind dabei technische Hilfsmittel wie Radarmessung und Aufzeichnung der Flugbahn, vorhandenes Wissen über den Pitcher und dessen Repertoire sowie natürlich vor allem zwei geübte Augen.

Weit über die Hälfte der in der MLB-Saison 2016 geworfenen Pitches waren Fastballs – 56,7% laut Fangraphs, zu denen man die beiden getrennt erfassten Fastball-Varianten Cutter (5,7%) und Splitter (1,4%) noch hinzuzählen kann. Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Fastball um die in aller Regel schnellste Art, einen Pitch zu werfen. Ein Fastball wird immer mit Backspin, also mit Rückwärtsdrall geworfen. Dadurch verliert er nur langsam an Höhe und scheint mitunter sogar während des Fluges zu steigen, was allerdings eine optische Täuschung darstellt.

Der typischste und am häufigsten verwendete Fastball ist der 4-Seam-Fastball oder kurz: 4-Seamer. Andere Versionen des Fastballs sind der 2-Seam-Fastball, auch 2-Seamer oder Sinker genannt, sowie die beiden schon erwähnten Pitches Cutter und Splitter.

Der Curveball erklärt sich ebenfalls bereits durch den Namen. Er beschreibt eine gebogene Flugbahn, die dem Batter die Einschätzung erschwert, wo der Ball ankommt.

Der Slider gehört wie der Curveball zu den Breaking Balls, also zu den Bällen, die während des Fluges aus ihrer Bahn auszubrechen scheinen. Von der Geschwindigkeit und Flugbahn her ist der Slider zwischen Fastball und Curveball anzusiedeln.

Das Besondere am Changeup ist, dass er auf den ersten Blick wie ein Fastball aussieht, aber deutlich langsamer fliegt.

Der Knuckleball schließlich ist ein Pitch, den relativ wenige Pitcher im Repertoire haben. Diese Wenigen spezialisieren sich oft sehr stark auf den Knuckleball und werfen ihn fast ausschließlich. Ein Knuckleball weist fast keine Rotation auf, was zu einer kaum vorhersagbaren Flugbahn führt – das macht die Sache schwierig für den Batter, aber auch für den Catcher, den Umpire und nicht zuletzt für den Pitcher selbst.

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