Januar 24th, 2017 by Silversurger

In der Serie über Pitcharten bewegen wir uns langsam aber sicher weg von den „reinen“ Fastballs hin zu Zwischenformen, die gegenüber dem 4-Seamer und dem 2-Seamer weniger Geschwindigkeit und mehr Bewegung aufweisen. Eine solche Zwischenform, die aber noch als Fastball gilt und diesen deshalb im Namen trägt, ist der Cut Fastball oder kurz Cutter.

Der Cutter ist üblicherweise 2 bis 5 mph langsamer als ein klassischer Fastball. Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Cutters lag in der Saison 2016 bei 88,1 mph (142 km/h), die eines 4-Seamers bei 92,6 mph (149 km/h) und die eines 2-Seamers bei 91,9 mph (148 km/h). Die ideale Flugbahn eines Cutters verläuft bis kurz vor der Strikezone relativ geradlinig und bricht dann zur Handschuhseite des Pitchers (bei einem rechtshändigen Pitcher also nach links) hin aus.

Ziel des Cutters ist, dem Batter schlechten Kontakt zu verschaffen und somit entweder einen Foul Ball oder ein Groundout zu verursachen, da sich der Ball spät vom sogenannten Sweet Spot – dem optimalen Kontaktpunkt – des Schlägers weg bewegt. Insbesondere bei andershändigen Battern (z. B. Linkshändern bei rechtshändigem Pitcher) kommt es recht häufig vor, dass der Schläger durch einen Cutter zu Bruch geht, weil der Batter den Ball zwar mit voller Wucht, aber viel zu weit unten an einer dünnen Stelle des Schlägers trifft.

Ein möglicher Griff eines Cutters1


Der Griff und die Armbewegung eines Cutters sind im Prinzip die gleichen wie beim normalen Fastball, wahlweise einem 2-Seamer oder 4-Seamer. Den Unterschied macht, dass man den Ball nicht ganz zentriert hält, sondern ihn zwischen Daumen und Zeigefinger etwas weiter aus der Hand herausschauen lässt und beim Release ein wenig zusätzlichen Druck mit dem Daumen ausübt. Dies gibt dem Ball – neben der für einen Fastball üblichen Rückwärtsdrehung (Backspin) – einen leichten Seitwärtsdrall mit und zwar genau in die andere Richtung als es bei einem 2-Seamer oder Sinker der Fall ist.

Will man den Cutter mit einem bestimmten Namen verbinden, so kommt sofort der legendäre Yankees-Closer Mariano Rivera in den Sinn. Unter aktiven MLB-Spielern ist Neu-Giant Mark Melancon einer der wenigen Pitcher, die den Cutter als Hauptpitch benutzen. Für eine Reihe prominenter Pitcher wie Josh Tomlin, Corey Kluber und Jon Lester ist der Cutter ein wichtiger Sekundärpitch. Insgesamt waren 5,7% der 2016 in der MLB geworfenen Pitches Cutter.

Flugbahn eines Cutters2


1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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Januar 3rd, 2017 by Silversurger

Neues Jahr, neue Serie: Auf Anregung von Michael und Oli im Baseblog.de-Wunschkonzert werde ich mich in den kommenden Wochen mit den verschiedenen Arten beschäftigen, auf die man einen Pitch werfen kann.

Es gibt zig verschiedene Pitches, sofern man die diversen Unterarten und Varianten berücksichtigt. Wenn man ein bisschen zusammenfasst und sich auf die im modernen Baseball gebräuchlichsten Pitches konzentriert, kommt man auf die acht, denen ich mich in der Serie widme. Ein einzelner Pitcher beherrscht in aller Regel drei oder vier verschiedene Pitches. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den Pitches bestehen vor allem in der Geschwindigkeit des Balles sowie in der Form seiner Flugbahn. Das geht teilweise auch aus den Bezeichnungen der Pitches hervor, aber grundsätzlich richtet sich die Einordnung nicht nach Geschwindigkeit und Bahn der Bälle, sondern danach, auf welche Art sie gehalten und geworfen werden. Daher kommt es durchaus vor, dass der Fastball des einen Pitchers langsamer ist als der Changeup manch anderer Pitcher, aber es bleibt dennoch ein Fastball aufgrund der Wurfmethode.

Das Problem bei der Sache ist, dass man beim Zuschauen normalerweise nicht sieht, was genau der Pitcher mit dem Ball anstellt – klar, denn erstens will er das vor dem Gegner verbergen und zweitens passiert das Ganze verdammt schnell. Deswegen kann man oft nur raten, um welche Art von Pitch es sich jeweils handelt. Hilfreich sind dabei technische Hilfsmittel wie Radarmessung und Aufzeichnung der Flugbahn, vorhandenes Wissen über den Pitcher und dessen Repertoire sowie natürlich vor allem zwei geübte Augen.

Weit über die Hälfte der in der MLB-Saison 2016 geworfenen Pitches waren Fastballs – 56,7% laut Fangraphs, zu denen man die beiden getrennt erfassten Fastball-Varianten Cutter (5,7%) und Splitter (1,4%) noch hinzuzählen kann. Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Fastball um die in aller Regel schnellste Art, einen Pitch zu werfen. Ein Fastball wird immer mit Backspin, also mit Rückwärtsdrall geworfen. Dadurch verliert er nur langsam an Höhe und scheint mitunter sogar während des Fluges zu steigen, was allerdings eine optische Täuschung darstellt.

Der typischste und am häufigsten verwendete Fastball ist der 4-Seam-Fastball oder kurz: 4-Seamer. Andere Versionen des Fastballs sind der 2-Seam-Fastball, auch 2-Seamer oder Sinker genannt, sowie die beiden schon erwähnten Pitches Cutter und Splitter.

Der Curveball erklärt sich ebenfalls bereits durch den Namen. Er beschreibt eine gebogene Flugbahn, die dem Batter die Einschätzung erschwert, wo der Ball ankommt.

Der Slider gehört wie der Curveball zu den Breaking Balls, also zu den Bällen, die während des Fluges aus ihrer Bahn auszubrechen scheinen. Von der Geschwindigkeit und Flugbahn her ist der Slider zwischen Fastball und Curveball anzusiedeln.

Das Besondere am Changeup ist, dass er auf den ersten Blick wie ein Fastball aussieht, aber deutlich langsamer fliegt.

Der Knuckleball schließlich ist ein Pitch, den relativ wenige Pitcher im Repertoire haben. Diese Wenigen spezialisieren sich oft sehr stark auf den Knuckleball und werfen ihn fast ausschließlich. Ein Knuckleball weist fast keine Rotation auf, was zu einer kaum vorhersagbaren Flugbahn führt – das macht die Sache schwierig für den Batter, aber auch für den Catcher, den Umpire und nicht zuletzt für den Pitcher selbst.

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