Juli 5th, 2018 by Dominik

Wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass am 5. Juli die Washington Nationals und die New York Mets bei einer negativen Bilanz stehen? Ich beschäftige mich nicht wirklich mit Sportwetten, aber wahrscheinlich hätte man mit diesem Tipp sehr reich werden können. Generell finde ich die National League dieses Jahr besonders interessant, denn im Gegensatz zur American League steht in keiner Division das Team an der Spitze, das eine Mehrheit dort erwartet hätte. In beiden Ligen gleichermaßen erfreulich finde ich, dass mit nur einer Ausnahme in allen Divisionen das Rennen so spannend ist, dass höchstens eineinhalb Spiele zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten liegen. So kann es meinetwegen gerne noch lange nach dem bevorstehenden All-Star-Break bleiben. Auch in den unteren Regionen der Tabellen wird es in den kommenden Wochen spannend: Für die dort feststeckenden Teams beginnt jetzt die heiße Phase, in der sie versuchen werden, möglichst viele Spieler, die wegen Alter oder Vertragsdauer ohnehin keine lange Zukunft mehr im Verein haben, bei den konkurrenzfähigen Teams gegen Nachwuchstalente einzutauschen. Manny Machado, Jacob deGrom und Mike Moustakas sind nur drei von vielen Namen, die derzeit als Kandidaten für solche Trades kursieren.

National League
In der National League East gibt es momentan viel Bewegung, nur an Rang eins für die Atlanta Braves (49-36) hat sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr geändert. Das muss nicht so bleiben, denn nach zwei Niederlagen gegen die Yankees müssen die Braves nun zu einer schwierigen Serie nach Milwaukee und die Philadelphia Phillies (47-37) sind ihnen bereits dicht auf den Fersen, nachdem sie zuletzt unter anderem drei Siege gegen die Washington Nationals (42-43) eingefahren haben. Die Nationals, die eigentlich angetreten waren, um diese Division erneut zu gewinnen, haben 17 der letzten 22 Spiele verloren, sind nun sogar unter die .500-Marke gerutscht und damit weit hinter die Phillies und die Braves zurückgefallen. Noch viel weiter zurück sind die New York Mets (34-49) und die Miami Marlins (36-52), die zumindest dadurch für Spannung sorgen, dass sie sich momentan fast täglich auf dem letzten Platz abwechseln.

Auch die NL Central wird momentan nicht von dem ursprünglichen Favoriten angeführt, doch die bislang zu unkonstanten Chicago Cubs (49-35) befinden sich gerade wieder mal in einem Ansturm auf die Spitze. Sechs Partien in Folge haben sie gewonnen und liegen jetzt nur noch ein Spiel hinter den Milwaukee Brewers (51-35). Die Brewers spielen an den nächsten Tagen wie schon erwähnt ein Duell der Überraschungsteams gegen die Braves, während die Cubs mit den Cincinnati Reds (38-49) eine scheinbar einfachere Aufgabe vor sich haben. Nicht vergessen sollte man die St. Louis Cardinals (44-41), die sich an ihrer bevorzugten Stelle halten: im Windschatten. Eine frisch gewonnene Serie gegen die Diamondbacks zeigt, dass mit den Cardinals nach wie vor zu rechnen ist – anders als mit den Pittsburgh Pirates (40-46), deren starker Start in die Saison längst vergessen ist und die bis zum All-Star-Break noch ein schweres Restprogramm (Phillies, Nationals, Brewers) vor sich haben.

Die Los Angeles Dodgers (47-39) finde ich dieses Jahr besonders schwer einzuschätzen. Immer wieder kämpfen sie sich in der NL West an die Spitze heran, um dann plötzlich ganz stark nachzulassen. Zurzeit zeigt die Konjunkturkurve nach vier Siegen hintereinander wieder nach oben. In den restlichen zehn Spielen bis zur Pause sind sechsmal die Stadtrivalen Los Angeles Angels der Gegner der Dodgers. Die Arizona Diamondbacks (48-39), zurzeit im Fernduell noch ein halbes Spiel vor den Dodgers, wirken angeschlagen, haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Darunter war ein Sweep durch die San Francisco Giants (45-43), die dadurch ebenfalls nah an die Spitze gerückt sind – das haben sie aber gleich wieder verspielt, indem sie sich ihrerseits von den Colorado Rockies (44-43) sweepen ließen. Um das aktuelle Bild der NL West zusammenzufassen: Keines der Teams kann bislang mit Klasse und Konstanz überzeugen, aber gerade das macht die Division zu einer der spannendsten der Liga.

American League
Extrem spannend ist auch die American League East, allerdings nur was den Zweikampf um die Spitze angeht. Am letzten Wochenende verloren die Boston Red Sox (59-29) das direkte Duell gegen die New York Yankees (56-28) zwar mit 1:2, aber die Tabellenführung konnten sie trotzdem behaupten, weil sie in den letzten zehn Spielen außer diesen beiden Niederlagen alles gewannen. Gegen die Royals, die Rangers und die Toronto Blue Jays (40-46) dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht schlecht stehen, auch die restlichen Spiele bis zum All-Star-Break deutlich positiv zu gestalten. Das gilt allerdings auch für die Yankees, die es ebenfalls mit den Blue Jays sowie mit den Baltimore Orioles (24-61) zu tun bekommen. Ein Härtetest dürfte höchstens die Serie bei den Indians Ende nächster Woche werden.

Jene Cleveland Indians (48-37) haben in der AL Central gerade die Pflichtaufgabe gegen die Kansas City Royals (25-61) souverän erledigt und bleiben für mich weiterhin der langweiligste aller Tabellenführer – langweilig, weil sie auf Platz eins ihrer Division völlig unangefochten sind, aber auch weil ihnen dafür Leistungen reichen, die man wohl als gehobenes Mittelmaß bezeichnen darf. Wer gehofft hatte, dass entweder die Detroit Tigers (38-50) oder die Minnesota Twins (35-48) noch mal etwas Spannung reinbringen könnten, der wird enttäuscht sein: Beide haben je elf ihrer letzten dreizehn Spiele verloren und können sich getrost auf die Pläne konzentrieren, welche Veteranen man zur Trade Deadline einigermaßen gewinnbringend loswerden kann. Auch für die Chicago White Sox (30-56) und die Kansas City Royals (25-61) geht es natürlich schon lange um nichts anderes mehr.

Sehr viel lieber als in die AL Central schaut man als interessierter und halbwegs neutraler MLB-Fan zurzeit in die AL West. Dort gibt es zum einen die Houston Astros (57-31), in meinen Augen immer noch das stärkste Team der Liga, auch wenn der spektakuläre Fight zwischen den Yankees und den Red Sox die Aufmerksamkeit ein bisschen von ihnen weglenkt. Komisch eigentlich, denn schließlich gibt es auch die Seattle Mariners (55-32), durch die auch in dieser Division der Sieg alles andere als ein Selbstläufer ist. Ein bisschen leid tut es mir um die Oakland Athletics (48-39), denn auch die spielen bislang eine richtig starke Saison, haben aber angesichts der Kräfteverhältnisse in der American League trotzdem kaum Aussichten auf einen Playoff-Platz. Die einzige Hoffnung, daran etwas zu ändern, wäre ein Einbruch der Mariners. Der kann durchaus kommen, auch wenn zurzeit nicht viel darauf hindeutet und ich es ihnen nicht wünsche.

Szene der Woche
Wahrscheinlich haben wir diese Woche den Homerun-Raub des Jahres gesehen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welcher es war: Der von Torontos Kevin Pillar gegen Nick Castellanos oder der von Milwaukees Keon Broxton gegen Brian Dozier? Seht sie euch an und entscheidet selbst!

Statistik der Woche 
17:1. Das war der Endstand zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Montag. Das Besondere daran ist, dass Dodgers-Reliever Caleb Ferguson sich in diesem Spiel einen Save verdient hat. Das klingt kaum zu glauben, denn normalerweise besteht ein Save darin, dass man eine Führung von höchstens drei Runs verteidigt oder aber eine Führung, die durch vorhandene Baserunner auf der Kippe steht. Relativ unbekannt ist die Regelung, dass ein Save auch darin bestehen kann, als Reliever mindestens drei Innings bis zum letzten Out des Spiels zu pitchen. In dem Fall spielt der konkrete Spielstand keine Rolle und so kam es, dass Ferguson einen 16-Run-Save verbuchen konnte.

Spiel der Woche
Die Spiele der Miami Marlins und der Tampa Bay Rays sind selten für Schlagzeilen gut, aber am Mittwoch haben die beiden sich ein richtig gutes Lokalderby geliefert. Fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis nach 16 Innings die Rays als Sieger feststanden. Vorangegangen waren ein schneller Start der Rays, die nach eineinhalb Innings 4:0 in Front lagen, sowie eine erfolgreiche Aufholjagd der Marlins, die im fünften Inning auf 4:4 ausglichen. Fast wären sie sogar in Führung gegangen, doch Defensiv-Ass Kevin Kiermaier gelang es, nach einem gefangenen Flyball Brian Anderson an der Homeplate auszuwerfen. Es folgten zehn scorelose Innings, bevor den Rays im 16. Durchgang nach dem zweiten Out fünf Runs gelangen. Angesichts der daraus resultierenden 9:4-Führung entschied Rays-Manager Kevin Cash, seinen Bullpen zu schonen und Backup-Catcher Jesus Sucre pitchen zu lassen. Das ging fast schief, denn Sucre ließ drei Singles und einen Sacrifice Fly zu, bevor Cash ein Einsehen hatte und Jose Alvarado brachte, um die letzten zwei Outs einzufahren.

Mein Einschalttipp
Wenn am Sonntag ab 19:10 Uhr europäischer Zeit die New York Mets auf die Tampa Bay Rays treffen, dann wird das vermutlich keine Sternstunde des Baseballs werden. Die Mets befinden sich in einem desolatem Zustand und im heimischen Citi Field sind sie vor allem offensiv noch eine viel größere Katastrophe als auswärts. Starting Pitcher wird am Sonntag irgendein Minor Leaguer sein, der vom Klub bislang noch nicht mal benannt wurde. Das liegt daran, dass Jacob deGrom, Steven Matz und Zack Wheeler momentan die einzigen sind, die von der Rotation der Mets noch übrig sind. Jason Vargas und Noah Syndergaard sind nach Verletzungen im Aufbautraining und so lange überbrückt man mit Spot-Startern. Syndergaard wird sogar am gleichen Tag einen Rehab-Start im Single-A-Team in Brooklyn absolvieren – er steht also nur wenige Kilometer entfernt auf dem Minor-League-Mound, während die Zuschauer im Citi Field einen nicht zu beneidenden Lückenbüßer kennenlernen dürfen. Der Gegner sind die Rays, die eine für ihre Verhältnisse ordentliche Saison spielen, aber weit entfernt von den zwei übermächtigen Konkurrenten im Niemandsland der AL East dümpeln – ein rundum mittelmäßiges Team um den ebenso mittelmäßigen Starter Nathan Eovaldi (3.92 ERA, 4.75 FIP). Warum um alles in der Welt empfehle ich euch ausgerechnet dieses Spiel? Nun, ich habe „leider“ schon lange Tickets für die Partie und wenn ich sie mir schon anschauen muss, könnt ihr es doch aus Solidarität auch tun, oder? DAZN hat das Spiele aus unerfindlichen Gründen nicht im Programm, aber auf mlb.tv könnt ihr es live, in Farbe und in voller Länge genießen.

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Juni 7th, 2018 by Dominik

Casey Mize ist der erste Pick der MLB-Draft 2018. Der Rechtshänder galt schon im Vorfeld als Favorit darauf, von den Detroit Tigers gewählt zu werden und da er im College für die Auburn Tigers spielte, muss er sich noch nicht mal an einen neuen Teamnamen gewöhnen. Insgesamt wurden in 40 Runden insgesamt 1214 Spieler gedraftet. Von den meisten werden wir als normale MLB-Fans erst in einigen Jahren wieder der sogar nie etwas hören, weil sie nun erst mal den langen Weg durch die Minor Leagues antreten oder aber dem Ruf des Baseballs nicht folgen und sich für ein Studium oder einen alternativen Karriereweg entscheiden. Letzteres wäre auch für Pick Nummer 9 der ersten Runde denkbar gewesen: Die Oakland Athletics entschieden sich an dieser Stelle für Outfielder Kyler Murray von den Oklahoma Sooners. Das sorgte für Aufsehen, den Murray gilt auch als großes Football-Talent und sollte in diesem Jahr als Quarterback für das Team seiner Uni starten. Inzwischen wurde bekannt, dass es wohl eine Absprache zwischen Murray und den A’s gibt: Murray wird die kommende Saison für die Sooners absolvieren, danach tritt er aber für rund 5 Millionen Dollar den Job bei den Athletics an und konzentriert sich ganz auf Baseball.

Neben der Draft waren diese Woche leider zahlreiche schwere Verletzungen die wichtigsten Neuigkeiten. Eine ganze Reihe von Pitchern wurde langfristig außer Gefecht gesetzt: Jordan Montgomery von den Yankees, Ryan Sherriff von den Cardinals und Rays-Talent Anthony Banda mussten sich allesamt der Tommy-John-Surgery unterziehen und werden wohl erst zur Saison 2020 wieder ins MLB-Geschehen eingreifen. Besonders bitter erging es einem weiteren Cardinal: Top-Prospect Alex Reyes hatte vor 22 Monaten ebenfalls eine Tommy-John-Surgery; vor ein paar Tagen gab er endlich sein Comeback, doch schon nach vier Innnings war die Saison für ihn beendet, weil eine Sehne rechts oben am Rücken riss und Reyes erneut operiert werden musste.

National League
In der National League East tobt ein Zweikampf alt gegen jung oder konkreter gesagt: Washington Nationals (35-25) gegen Atlanta Braves (36-26). Die direkte Serie zwischen den beiden entschieden am vergangenen Wochenende die Braves für sich, die Nationals haben aber seitdem wieder aufgeholt und nun stehen beide quasi gleichauf an der Spitze. Ein Stück zurückgefallen sind hingegen die Philadelphia Phillies (32-27), die von den letzten zehn Spielen nur drei gewinnen konnten. Besonders schmerzhaft dürfte der erlittene Sweep gegen die Giants gewesen sein: In den drei Spielen brachten die Phillies nur einen einzigen Run zustande und das war ein Solo-Homerun ausgerechnet von Pitcher Jake Arrieta. Noch größere Offensivsorgen haben die New York Mets (27-32), mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Manche werden sich erinnern, dass die Mets mit 12-2 einen großartigen Start in die Saison hatten – seit dem 15. April sind sie allerdings das schlechteste Team der NL mit einer Bilanz von 15-30. Sogar die Miami Marlins (22-39) waren mit 18-27 in diesem Zeitraum deutlich besser. MLB-weit ist seit 15. April übrigens ein einziges Team mit 14-30 noch schlechter als die Mets: die Orioles, von denen die Mets sich gerade in zwei Spielen haben sweepen lassen.

Einen Zwei-Spiele-Sweep mussten auch die Milwaukee Brewers (37-25) gegen die Indians gerade einstecken, zudem verloren sie voher eine Serie gegen die White Sox 1:2. Noch halten sich die Brewers an der Spitze der NL Central, doch sie spüren deutlich den Atem der Chicago Cubs (34-24) im Nacken. Die Cubs haben acht der letzten zehn Spiele gewonnen, sie haben die beste Defensive, die zweitbeste Offensive und das mit Abstand beste Run Differential der NL. Die Gelegenheit scheint günstig, jetzt auch in der Division die Verhältnisse gerade zu rücken: Nacheinander werden die Cubs nun Serien gegen die Pittsburgh Pirates (31-30), die Brewers und die St. Louis Cardinals (32-27) spielen, jeweils drei Spiele lang. Über den Stand nach diesen eineinhalb Wochen kann man nur eines sicher voraussagen: Die Cincinnati Reds (21-41) werden dann immer noch auf dem letzten Platz stehen.

Wer in der NL West in eineinhalb Wochen – oder auch nur in einer Woche – auf welchem Platz steht, ist völlig offen. Mit nur 4,5 Spielen Abstand zwischen Rang eins und Rang fünf ist diese Division eindeutig die ausgeglichenste der Liga. Ganz vorne stehen mit identischem Record die Arizona Diamondbacks (32-29) und die Colorado Rockies (32-29), dicht gefolgt von den San Francisco Giants (31-31) und den Los Angeles Dodgers (30-31), die beide auf der Überholspur unterwegs zu sein scheinen. Das gilt übrigens auch für die San Diego Padres (29-35), die gerade drei Serien hintereinander gewonnen haben und jetzt an die Ostküste reisen, wo sie mit den Marlins eine vermutlich lösbare Aufgabe erwartet.

American League
Kommen wir von der ausgeglichensten Division der MLB zur unausgeglichensten: In der American League East sind die Rollen längst klar verteilt. Die Boston Red Sox (43-19) als immer noch bestes Team der Liga sowie Erzrivale New York Yankees (40-18) lassen den Rest der Gruppe weit hinter sich, die Tampa Bay Rays (28-32) und die Toronto Blue Jays (26-35) bilden ein schwaches Mittelfeld, und die Baltimore Orioles (19-41) haben trotz ihrer Siege gegen die Mets immer noch die schlechteste Bilanz der gesamten MLB. Der Blick auf die Spielpläne lässt erwarten, dass die klaren Verhältnisse in der Division insgesamt noch klarer werden, während es im Kampf um die Spitze spannend bleibt: Die Red Sox treffen noch einmal auf die Tigers und dann auf die White Sox, die Yankees besuchen ihren am Boden liegenden Stadtrivalen Mets – jede Niederlage der beiden NL-East-Spitzen in diesen Spielen wäre bereits eine Überraschung.

Eine Überraschung wäre auch, wenn irgendein anderes Team als die Cleveland Indians (32-28) die AL Central gewinnt. Zurzeit ist das die einzige Division, in der ich mich schon jetzt auf einen klaren Favoriten festzulegen traue – nicht weil die Indians so überragend gut wären, sondern weil sie dieses Jahr kaum Konkurrenz haben. Die Detroit Tigers (29-34) sind momentan am nächsten dran, doch fehlt es ihnen ebenso offensichtlich an der Qualität für einen Playoffrun wie den Chicago White Sox (20-39) und den Kansas City Royals (21-41). Die Minnesota Twins (26-31) haben mit einer 3:1-Serie gegen die Indians zumindest ein deutliches Lebenszeichen abgegeben, nun aber auch wieder zwei Spiele gegen die White Sox verloren. Ich würde mir ja wünschen, dass Max Kepler, „unser“ Mann in der MLB, die Twins aus dem Tief führt, doch leider läuft es bei ihm weiterhin überhaupt nicht rund. In den letzten 30 Spielen schlug er magere .192/.309/.365.

Wenn mich jemand nach der größten Überraschung der bisherigen MLB-Saison fragt, so antworte ich ohne zu zögern: Die Seattle Mariners (38-23) führen die AL West an. Es ist kaum zu glauben, was alles nicht dafür sprach, dass die Mariners nach gut 60 Spielen so gut dastehen: eine eher fragwürdige Offseason, diverse Verletzungen während der Saison (Erasmo Ramirez, David Phelps, Robinson Cano, Dee Gordon, Nelson Cruz, Ben Gamel, Ryon Healy), eine empfindliche Dopingsperre (Robinson Cano), die Formschwäche des langjährigen Pitcher-Asses Felix Hernandez, das wahrscheinliche Karriereende von Ichiro Suzuki, die übermächtige Konkurrenz in Form von World Champion Houston Astros (38-25) und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Mariners seit 17 Jahren nicht in den Playoffs waren und man es ihnen deshalb schlichtweg nicht zutraut. Das alles haben sie überwunden und stehen nun – zumindest in einer Momentaufnahme – ganz vorne. Dort zu bleiben wird nicht einfach, zumal echte Herausforderungen unmittelbar bevorstehen: Zunächst müssen die Mariners nach Tampa Bay, was auf dem Papier kein schwerer Gegner aber allein schon wegen der extrem weiten Anreise unangenehm ist. Danach kommen die Los Angeles Angels (35-28) und die Red Sox nach Seattle, bevor die Reise wieder an die Ostküste zu den Yankees sowie nach Boston geht. Wenn die Mariners nach diesem Marathon immer noch vorne stehen, werde ich noch deutlich beeindruckter sein als ich es jetzt schon bin.

Szene der Woche
Es gibt Tage, an denen klappt einfach alles. Da kann man sogar wie Maikel Franco locker-lässig an der Homeplate vorbei traben und trotzdem einen Run erzielen, weil weder der Umpire noch die Gegner genau hingeschaut haben. Dann wieder gibt es Tage, an denen klappt überhaupt nichts. An solchen Tagen sieht man Spielzüge wie letzte Nacht zwischen den Cincinnati Reds und den Colorado Rockies: Billy Hamilton fängt einen scheinbar einfachen Flugball nicht, Scott Schebler geht nur halbherzig hinterher, derweil stolpert Carlos Gonzalez über die zweite Base, plumpst hin beim Versuch, zu selbiger zurückzukehren, kommt aber trotzdem unbehelligt an, weil inzwischen auch Scooter Gennett den Ball hat fallen lassen. Leider fehlt dem Video die passende Musik, man sollte es mit dem Benny-Hill-Theme unterlegen. Zu guter Letzt gibt es noch Tage, an denen etwas ganz Übles doch wieder gut wird: Vor fünf Wochen war die Baseball-Welt geschockt, als White-Sox-Reliever Danny Farquhar während des Spiels mit einer Gehirnblutung im Dugout zusammenbrach. Zum Glück wurde er sehr schnell und erfolgreich behandelt und am Freitag war der Jubel groß, als Farquhar das Spiel seines Teams besuchte und den zeremoniellen ersten Pitch warf.

Statistik der Woche 
8. So viele Strikeouts kassierte Yankees-Outfielder Aaron Judge während des Doubleheaders gegen Detroit am Montag dieser Woche. Damit hat Judge mal wieder einen MLB-Rekord aufgestellt, wenn auch einen von der Sorte, über den er nicht allzu glücklich sein wird. Seit der Aufnahme regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1913 gab es noch nie so viele Strikeouts gegen einen Spieler an einem Tag.

Spiel der Woche
Es gibt sicher schönere Spiele als das zwischen den New York Mets und den Chicago Cubs vom letzten Samstag. Ich wähle es hier trotzdem, weil es zum einen eine lange Zeit sehr spannende Parie war und weil es zum anderen so wunderbar treffend den Zustand der New York Mets widerspiegelt: Die Mets erhalten zurzeit nahezu täglich sehr gute Vorstellungen ihrer Starting Pitcher. Acht Spiele hintereinander ist es den Startern gelungen, nicht mehr als zwei Runs zu kassieren, siebenmal war es sogar nur ein Run oder gar keiner. Gewonnen haben die Mets von diesen acht Spielen nur ein einziges, die anderen sieben hat entweder der Bullpen oder – häufiger noch – die fehlende Offense vergeigt. Im angesprochenen Spiel brillierte Jacob deGrom mit 13 Strikeuots und nur einem Run in sieben Innings, insgesamt stellten die Mets-Pitcher sogar einen Franchise-Rekord auf mit 24 Strikeouts in einem Spiel. Doch die Bats der Mets blieben wie so oft stumm. Lediglich ein Solo-Homerun von Michael Conforto rettete sie mit einem 1:1 in die Extra-Innings, bevor es im 14. Innning zum großen Zusammenbruch kam und das Spiel 1:7 an die Cubs abgegeben wurde. Es war übrigens erst das zweite Mal in der MLB-Geschichte, dass ein Team, das es auf 24 oder mehr Strikeouts in einem Spiel brachte, dieses Spiel verlor. Den Rekord halten die Los Angeles Angels, die 2004 ein 17-Inning-Spiel trotz 26 Strikeouts mit 0:1 an die Milwaukee Brewers verloren.

Mein Einschalttipp
Eigentlich muss man immer einschalten, wenn die New York Mets und die New York Yankees in der Subway Series aufeinander treffen und natürlich werde ich das von Freitag bis Sonntag auch regelmäßig tun. Nachdem aber zurzeit leistungsmäßig Welten zwischen den beiden Lokalrivalen liegen und ich den Mets bereits im „Spiel der Woche“ breiten Raum gewidmet habe, geht mein Einschalttipp an ein anderes Duell, nämlich an das zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs. Von Montag bis Mittwoch werden die beiden Teams um die Führung der NL Central ringen und das Finale der Serie läuft für uns Mitteleuropäer zur besten Sendezeit um 20:10 Uhr. Mike Montgomery (3.89 ERA, 3.85 FIP) für die Cubs und Jhoulys Chacin (3.39 ERA, 4.00 FIP) für die Brewers dürften ein ziemlich ausgeglichenes Pitching-Matchup bilden, dem ihr sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN folgen könnt. Auch ohne kostenpflichtiges Abo könnt ihr dabei sein, denn es ist das „Free Game of the Day“ auf mlb.tv.

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Mai 17th, 2018 by Dominik

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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April 5th, 2018 by Dominik

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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