April 29th, 2021 by Silversurger

Eine Schrecksekunde überschattete letzte Nacht das sportliche Geschehen in der MLB: Phillies-Outfielder Bryce Harper wurde von einem 97-mph-Fastball von Cardinals-Reliever Genesis Cabrera im Gesicht getroffen. Der Vorfall weckte unschöne Erinnerungen an 2014, als Giancarlo Stanton in einer ähnlichen Szene mehrere Frakturen erlitt. Doch Harper hatte offenbar Glück im Unglück. Er konnte das Feld trotz der blutenden Verletzung selbstständig verlassen und meldete sich später aus dem Krankenhaus, dass mit ihm alles in Ordnung sei. 
Gar nicht in Ordnung war offenbar zuletzt das Verhältnis zwischen den Colorado Rockies und Jeff Bridich. Der erwartbar schwache Start der Rockies in die Saison sowie die offensichtliche Planlosigkeit des General Managers führten dazu, dass man sich Anfang der Woche gemeinsam entschied, die Zusammenarbeit zu beenden. Der neue Team-Präsident Greg Feasel hat angekündigt, zunächst einen Interims-GM zu benennen und sich mit der Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Bridich bis nach der Saison Zeit zu lassen. 

American League
Die AL East wird nach wie vor von den überraschend starken Boston Red Sox (16-9) angeführt, die sogar die meisten Siege der gesamten AL aufweisen. Nachdem die Red Sox bislang vor allem durch Offensive überzeugten, zeigten sie zuletzt beim 2-Spiele-Sweep über die Mets mit 2:1 und 1:0, dass sie auch in Pitcherduellen bestehen können. Die Tampa Bay Rays (13-12) haben sich mit zwei Siegen gegen die Athletics zurück in eine positive Bilanz gespielt und damit die Toronto Blue Jays (11-12) überholt. Auch mit den New York Yankees (11-13) ist wieder zu rechnen. Mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen gegen die Indians und die Baltimore Orioles (10-14) scheinen sie auf einem guten Weg, den Fehlstart in die Saison hinter sich zu lassen.

Auch die zweite große Überraschung der AL, die Kansas City Royals (15-8) an der Spitze der AL Central, zeigt keine Anzeichen eines Einbruchs. Im Gegenteil, die Detroit Tigers (8-16) wurden in vier Spielen glatt gesweept und eine 1:2-Niederlage gegen die Pirates wurde gleich wieder durch einen 9:6-Sieg ausgemerzt. Über das Wochenende steht eine interessante Serie an zwischen den überraschend starken Royals und den überraschend schwachen Minnesota Twins (8-15). Im Anschluss kommen die Cleveland Indians (11-12) und dann die Chicago White Sox (12-10) nach Kansas City, sodass die Royals in eineinhalb Wochen ein ziemlich gutes Bild davon haben dürften, ob sie die Division weiterhin dominieren können.

In der AL West haben sich die Verhältnisse ein bisschen gerade gerückt: Zum einen endete die Siegesserie der Oakland Athletics (15-10) nach 13 Erfolgen am Stück, seitdem verloren die A’s drei von vier Spielen gegen die Rays und die Orioles. Zum anderen haben sich die Houston Astros (13-11) zurück ins Rennen gearbeitet mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen – übrigens allesamt gegen die direkten Konkurrenten Los Angeles Angels (12-11) und Seattle Mariners (13-12). Ob eines der beiden letztgenannten Teams auf Dauer oben mithalten kann, wird sich vielleicht schon in den kommenden Tagen andeuten, denn die Angels und die Mariners treffen in einer 3-Spiele-Serie aufeinander.

National League
Die NL East ist zurzeit die einzige Division, in der kein einziges Team mit einer positiven Bilanz aufwarten kann. Das ist für die Beteiligten sicher enttäuschend, macht aber das Rennen nicht weniger spannend. Eine kleine Siegesserie reicht zurzeit aus, um von ganz unten nach ganz oben zu stürmen, so wie es gerade den Atlanta Braves (12-12) durch drei Erfolge gegen die Cubs gelungen ist. Am Wochenende treffen die beiden Mitfavoriten der Braves, die Philadelphia Phillies (12-12) und die New York Mets (9-10) direkt aufeinander. Auch in der unteren Tabellenhälfte gibt es während der nächsten Tage drei direkte Duelle: Die von einer Verletzungsserie geplagten Miami Marlins (11-13) treffen auf die Washington Nationals (9-12).

In der NL Central halten sich die Milwaukee Brewers (14-10) recht überzeugend an der Spitze, allerdings müssen sie als nächstes gegen den Champion, die Dodgers, antreten. Das könnte eine Chance für die St. Louis Cardinals (12-12) und die Pittsburgh Pirates (12-12) sein, die im Verfolgerduell aufeinandertreffen. Die Pirates haben übrigens seit ihrem 1-6-Start keine Serie mehr verloren, das hätte wohl kaum jemand gedacht. Massiv abgestürzt sind zuletzt die Chicago Cubs (10-14) mit fünf Niederlagen in Folge sowie die Cincinnati Reds (11-13), die acht der letzten zehn Spiele verloren haben – die beiden Siege aber ausgerechnet gegen die Dodgers holten. 

Apropos Dodgers: Der Titelverteidiger schwächelt! Ich will es nicht überdramatisieren, denn die Dodgers (16-9) haben nach wie vor die meisten Siege aller NL-Teams und führen die NL West an. Doch nach verlorenen Serien gegen die Reds und gegen die San Diego Padres (14-12) müssen sie sich die Spitze plötzlich teilen und zwar verblüffenderweise nicht mit den Padres, sondern mit den San Francisco Giants (16-9). Man muss dazu sagen, dass die Giants bislang einen recht gnädigen Spielplan hatten, aber das ist nun erstmal vorbei: Sowohl an diesem als auch am folgenden Wochenende treffen die Giants je dreimal auf die Padres (siehe „Einschalttipp“). Übrigens haben die Giants noch eine Verstärkung an Land gezogen. Outfielder Mike Tauchman kam in einem Trade von den New York Yankees und debütierte letzte Nacht gleich mal mit einem 3-Hit-Game beim 7:3 über die Colorado Rockies (9-15).

Szene der Woche
Manche Dinge sind so verrückt, dass man sie sich kaum ausdenken kann: Am 23. April 1999 schlug Third Baseman Fernando Tatis für die St. Louis Cardinals bei einem Gastspiel in Dodger Stadium zwei Grand Slams im selben Inning. Er ist der einzige MLB-Spieler, dem dies je gelungen ist. Auf den Tag genau 22 Jahre später, also am vergangenen Freitag, spielte sein Sohn Fernando Tatis Jr. als Shortstop der San Diego Padres ebenfalls in Dodger Stadium. Das ist an sich schon ein unfassbarer Zufall. Die Krönung des Ganzen ist, dass Tatis Jr. dem Vorbild seines Papas folgte, indem er an diesem Tag in diesem Stadion ebenfalls zwei Homeruns schlug – nicht im selben Inning und keine Grand Slams, aber trotzdem: unglaublich.

Statistik der Woche 
2. Diese Zahl begegnet einem öfter, wenn man sich die Statistiken anschaut, die Jacob deGrom dieses Jahr bislang produziert hat: Nur 2 Earned Runs hat der Pitcher der Mets in 35 Innings zugelassen, das entspricht einem ERA von sagenhaften 0.51. Gleichzeitig hat er selbst 2 RBI erzielt bei einer Batting-Line von .462/.462/.538. Trotz dieser überragenden Zahlen hat deGrom aus seinen bislang 5 Spielen nur 2 Wins und 2 Losses davongetragen. Das zeigt uns zum einen mal wieder, dass die Win-Loss-Statistik für Pitcher so gut wie gar nichts aussagt, und es zeigt zum anderen (ebenfalls: mal wieder), wie wenig Unterstützung der wohl beste Pitcher der Welt von seiner Offense bekommt. CNN-Reporter Jason Hoffman bringt es voll auf den Punkt: „deGrom is going to have the quickest Hall of Fame speech of all time. He has nobody to thank.“ 

Spiel der Woche
Die MLB-Saison 2021 hat ihren dritten No-Hitter – mehr oder weniger. Jedenfalls hat Madison Bumgarner am Sonntag beim 7:0-Sieg seiner Diamondbacks gegen die Braves das komplette Spiel gepitcht und keinen Hit zugelassen. Der einzige Baserunner der Braves kam durch einen Wurffehler von Shortstop Nick Ahmed zustande. Allerdings wird die Partie nicht als offizieller No-Hitter gezählt, weil sie Teil eines Doubleheaders war und daher nur über 7 Innings ging. Ob Bumgarner, der für die 21 Outs 98 Pitches benötigte, auch ein achtes und neuntes Inning geworfen hätte und ob den Braves gegen ihn oder einen Reliever weiterhin keinen Hit geschafft hätten, bleibt leider pure Spekulation. Eine großartige Leistung war es so oder so von MadBum.

Mein Einschalttipp
Die Aufeinandertreffen der Dodgers und der Padres waren der größte Hit der bisherigen Saison. Überraschenderweise haben sich neben diesen beiden auch die Giants in den Kampf um die NL West eingeschaltet. Ab morgen sind die Giants für drei Spiele in San Diego zu Gast und ich bin äußerst gespannt, ob auch diese Paarung das Zeug zu einem epischen Duell hat. Die erste Partie ist etwas für Frühaufsteher, sie läuft am Samstagmorgen ab 3:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Wer am Wochenende lieber etwas länger aufbleibt, wird mehr Freude an den Zeiten für die Spiele am Samstag- und Sonntagabend haben, jeweils ab 22:05 Uhr unserer Zeit. Alle Spiele gibt es wie üblich über mlb.tv zu sehen, DAZN überträgt leider keines davon.

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März 11th, 2021 by Silversurger

Letztes Jahr um diese Zeit waren die Arizona Diamondbacks in aller Munde, weil sie mit den Verpflichtungen von Madison Bumgarner und Starling Marte zwei der größten Ausrufezeichen der Offseason 2019/20 gesetzt hatten. Die aktuelle Offseason ist quasi das genaue Gegenteil dazu: Kaum ein Team setzt so stark auf Kontinuität wie die Diamondbacks. Der prominenteste Neuzugang ist ein Relief Pitcher, der nennenswerteste Abgang ebenfalls. Sowohl das Lineup als auch die Rotation gehen nahezu unverändert in die neue Saison. Allerdings muss man in dem Zusammenhang daran erinnern, dass schon zur Trade-Deadline während der letzten Saison Starling Marte, Archie Bradley und Robbie Ray abgegeben wurden. Bezieht man das mit ein, haben die Diamondbacks deutlich mehr Substanz verloren als gewonnen. So bleibt nur die Hoffnung, dass in der Offense nahezu jeder einen Schritt nach vorne macht, das einstige Pitching-Ass Madison Bumgarner zurück in die Spur findet und gleichzeitig die positiven Überraschungen Zac Gallen und Merrill Kelly keine Regression erleben. Selbst wenn all das gelingt, dürfte es immer noch zu wenig sein, um mit den Dodgers und/oder den Padres mitzuhalten.

Voraussichtliches Lineup
C Carson Kelly
1B Christian Walker
2B Ketel Marte
SS Nick Ahmed
3B Eduardo Escobar
LF David Peralta
CF Tim Locastro
RF Kole Calhoun

Voraussichtliche Rotation
LHP Madison Bumgarner
RHP Zac Gallen
RHP Merrill Kelly
LHP Caleb Smith
RHP Luke Weaver
Key Reliever: Joakim Soria

Wichtigster Zugang
RP Joakim Soria (Oakland Athletics)

Wichtigster Abgang
RP Junior Guerra (Los Angeles Angels)

Bestes Prospect
OF Kristian Robinson

Größte Stärke
Potenzial: Da es kaum Neuzugänge gibt, liegt die größte Chance auf eine gute Saison darin, dass die vorhandenen Spieler sich steigern. Neben Bumgarner (siehe unten) ist ein Kandidat dafür Ketel Marte, der 2020 nicht an sein MVP-Niveau von 2019 anknüpfen konnte. Auch Christian Walker und Rookie-Pitcher Corbin Martin ist ein Breakout-Jahr zuzutrauen.

Größte Schwäche
Madison Bumgarner: Mit 31 sollte MadBum eigentlich noch voll im Saft stehen, doch im ersten von fünf Vertragsjahren in Arizona sah er aus wie eine 85 Millionen Dollar teure Altlast. 6.48 ERA, 7.18 FIP und 2.81 Homeruns je 9 Innings sind nicht nur bedenkliche, sondern katastrophal schlechte Werte. Etwas Hoffnung machen zwei starke Starts zum Ende der Saison, bei denen er keine Runs zuließ und mit durchschnittlich 89.4 mph wieder deutlich schneller warf als in dem Jahr bis dahin.

Spannendste Frage
Was ist der Plan für die D-Backs? Die Franchise steckt fest zwischen den übermächtig erscheinenden Dodgers und Padres auf der einen und den Rockies auf der anderen Seite, ungefähr auf Augenhöhe mit den Giants. In dieser Lage sollte man einen klaren Plan für die kommenden Jahre haben, entweder in die eine oder in die andere Richtung. Diesen Plan sehe ich bei den Diamondbacks nicht. Die Inaktivität in der Offseason spricht dafür, dass sie ihn wohl selbst nicht sehen.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 4th, 2021 by Silversurger

Die Bälle fliegen wieder – zwar nur in den Testspielen des Spring Trainings, aber nach vier Monaten Entzug ist man schon mehr als dankbar, dass es überhaupt wieder Live-Baseball zu sehen gibt. Davon abgesehen gab es in den letzten Tagen wenige weltbewegende Neuigkeiten aus der MLB. Deswegen und weil ich mich aktuell stark auf die Serie der Vorschauartikel konzentriere, fällt der Grand Slam am Donnerstag diese Woche etwas kürzer aus als gewohnt.

Royals: Dozier bleibt, Dyson kommt zurück
Die Kansas City Royals haben sich mit Corner-Infielder/Outfielder Hunter Dozier auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt. Der 29-Jährige erhält einen Vierjahresvertrag, der ihm 25 Millionen Dollar einbringen wird. Zusammen mit möglichen Leistungsboni und einer Klub-Option über 10 Millionen für das Jahr 2025 können Doziers Einkünfte aus dem Vertrag auf bis zu 49 Millionen steigen.
Zudem kehrt ein alter Bekannter zurück nach Kansas City: Outfielder Jarrod Dyson wurde 2006 von den Royals gedraftet und gewann mit ihnen die World Series 2015. Seit er den Klub 2017 verließ, war er eher wenig erfolgreich für die Mariners, Diamondbacks, Pirates und White Sox tätig. Nun ist er mit einem Einjahresvertrag über 1,5 Millionen Dollar zurück in der Hoffnung, mit mittlerweile 36 Jahren noch einmal an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Cespedes auf Teamsuche
Yoenis Cespedes war einst ein Superstar-Outfielder, doch in den vergangenen vier Jahren kämpfte er vor allem mit Verletzungen und Motivationsproblemen. Seine Karriere beenden will der 35-Jährige aber noch nicht. Er hielt am Dienstag ein Probetraining vor den Scouts von elf MLB-Teams ab. Die Yankees, White Sox, Brewers, Blue Jays, Tigers, Padres, Rays, Reds, Marlins, Cubs und Braves schauten sich an, was Cespedes zu bieten hat. Da er aufgrund seiner anhaltenden Knöchelprobleme seit 2018 nicht mehr im Feld gespielt hat, dürfte er vor allem als DH und somit für Teams aus der American League interessant sein.

Calhoun am Knie operiert
Kole Calhoun wird mindestens einen Teil der Saison verpassen. Der 33-jährige Outfielder der Arizona Diamondbacks litt unter einem Meniskusriss, der gestern operiert wurde.

Ein paar weitere Verletzungen und Ausfälle: Astros-Pitcher Framber Valdez hat sich im Spring Training den Finger gebrochen. Es ist noch unklar, wie lange er ausfällt. Nationals-Pitcher Jon Lester muss morgen an der Schilddrüse operiert werden; wenn alles gut läuft, ist er nach einer Woche wieder einsatzfähig. Yankees-Manager Aaron Boone bekommt einen Herzschrittmacher eingesetzt. Er geht davon aus, in wenigen Tagen wieder beim Team zu sein.  

Tepera bleibt bei den Cubs
Die Chicago Cubs haben sich mit Reliever Ryan Tepera auf eine Fortsetzung seiner Tätigkeit für den Klub geeinigt. Der 33-Jährige erhält einen Einjahresvertrag mit einem garantiertem Gehalt von 800.000 Dollar, das über Leistungs- und Einsatzboni auf etwas mehr als das Doppelte anwachsen kann.

Triple-A-Saison startet später
Die Saison in den höchsten Minor Leagues wird deutlich später beginnen als bisher angekündigt. Der Opening Day der Triple-A-Ligen sollte ursprünglich am 6. April sein. Wegen der Corona-Einschränkungen und weil eine klare Priorität auf den regulären Start der MLB-Saison gelegt wird, verzögert der Start sich um mindestens einen Monat. Für die anderen Minor Leagues ab Double-A abwärts stand schon länger fest, dass diese den Spielbetrieb nicht vor Mai aufnehmen werden. 

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Februar 4th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison soll wie geplant ab 1. April stattfinden. Das klingt nicht nach einer Neuigkeit, ist aber eine. Denn eine Verschiebung wurde in den letzten Tagen von mehreren Seiten gefordert, allein die Spielergewerkschaft stellt sich quer. Der Knaller der Woche auf dem Transfermarkt war der Wechsel von Nolan Arenado zu den St. Louis Cardinals.

Spieler wollen keinen späteren Saisonbeginn
Die Fronten scheinen verhärtet: Nachdem die Spielergewerkschaft MLBPA Anfang der Woche einen Vorschlag der Liga ablehnte, der eine auf 154 Spiele verkürzte Saison ab 28. April vorsah, schalteten sich gestern die US-Gesundheitsbehörden ein. Sie empfehlen ebenfalls, einen Monat später in den Spielbetrieb zu starten, und stellen in Aussicht, dass bis dahin alle Spieler und sonstigen Beteiligten geimpft werden könnten. Doch die MLBPA will davon nichts wissen, die Beteiligung an einem Gespräch mit Regierungsvertretern und der Ligaleitung lehnte sie rundheraus ab. Solange es keine Einigung zwischen Liga und MLBPA gibt, gelten weiterhin die ursprünglichen Starttermine. Demnach stehen am 27. Februar die ersten Spring-Training-Spiele und am 1. April die Saisoneröffnung an.

Ich muss gestehen, dass mir nicht klar ist, worauf die Gewerkschaft mit ihrer Blockadehaltung hinaus will – das Angebot der Liga enthielt die Zusage, die vollen Gehälter zu zahlen und die Designated-Hitter-Regel in der gesamten Liga anzuwenden. Damit wären die zwei vermeintlichen Kernforderungen der Spieler erfüllt. Ein besseres, der Pandemielage angepasstes Angebot können sie kaum erwarten. Eine Erklärung könnte sein, dass es der MLBPA um eine Machtdemonstration geht, bevor nächstes Jahr zwischen der Liga und ihr die Verhandlungen um einen neuen Rahmenvertrag (CBA) anstehen. Wenn das tatsächlich der Hintergrund ist, lässt es nichts Gutes für die CBA-Verhandlungen erwarten – 2022, die hoffentlich erste Saison nach der Pandemie, könnte mit einem Streik beginnen. 

Rockies traden Arenado nach St. Louis
Nolan Arenado, zweifellos einer der besten Third Basemen der Liga, wechselt den Verein: Die Colorado Rockies schicken den 29-Jährigen zu den St. Louis Cardinals. Die Cardinals geben im Gegenzug den linkshändigen Pitcher Austin Gomber, die beiden rechtshändigen Pitcher Tony Locey und Jake Sommers, 3B Mateo Gil sowie IF Elehuris Montero an Colorado ab. Das sind eine Menge talentierter Spieler, aber allesamt weder etablierte Major Leaguer noch Top-Prospects. Ganz offensichtlich waren die Rockies bereit, sich mit relativ wenig zufrieden zu geben, nur um den teuren Vertrag von Arenado loszuwerden, der ihm bei voller Erfüllung bis 2027 noch 214 Millionen Dollar einbringen wird. Mehr noch, die Rockies zahlen sogar drauf: 51 Millionen von Arenados Vertrag nehmen sie auf ihre Kappe, darunter das volle Gehalt von 35 Millionen für die anstehende Saison 2021. Aus Sicht der Cardinals ist das ein großartiges Geschäft, und auch Arenado selbst ist mit dem Wechsel glücklich: Er spielt ab sofort für ein Team mit deutlich besseren Playoffchancen und erhält obendrein die Möglichkeit, nach jedem der beiden kommenden Jahre einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. Die Rockies hingegen werden einige Überzeugungsarbeit gegenüber den eigenen Fans leisten müssen, um den Sinn dieses Moves zu rechtfertigen.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Auf dem Free-Agent-Markt hat sich auch in dieser Woche einiges getan, wenngleich mit zum Beispiel Trevor Bauer, Marcell Ozuna und Justin Turner noch einige große Namen ausstehen. Besonders aktiv waren die Cubs, die anscheinend aus ihrem langen Winterschlaf aufgewacht und nun dabei sind, ihr fadenscheinig gewordenes Roster aufzufüllen. Hier die Vertragsabschlüsse der vergangenen sieben Tage im Überblick: SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 2 Jahre, 28 Millionen Dollar), 2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers, 2 Jahre plus Kluboption, 18 Millionen), DH Nelson Cruz (Minnesota Twins, 1 Jahr, 13 Millionen), SP Adam Wainwright (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 8 Millionen plus Boni), OF Eddie Rosario (Cleveland Indians, 1 Jahr, 8 Millionen), OF Joc Pederson (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 7 Millionen), SP Chris Archer (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 6,5 Millionen),  RP Alex Colome (Twins, 1 Jahr plus Kluboption, 6,25 Millionen), RP Joakim Soria (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3,5 Millionen plus Boni), SP Carlos Rodon (Chicago White Sox, 1 Jahr, 3,5 Millionen), RP Andrew Chafin (Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 2,75 Millionen), SP Trevor Williams (Cubs, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sean Doolittle (Cincinnati Reds, 1 Jahr, 1,5 Millionen plus Boni), C Alex Avila (Washington Nationals, 1 Jahr, 1,5 Millionen),  SP/RP Kohl Stewart (Cubs,1 Jahr, 750.000)

Zwischen den Baltimore Orioles und den Los Angeles Angels gibt es einen Trade, dessen Kernstück Starting Pitcher Alex Cobb ist. Der 33-jährige Rechtshänder wechselt zu den Angels, die im Gegenzug Infield-Prospect Jahmai Jones nach Baltimore schicken. Die Orioles übernehmen zudem zwei Drittel des Gehalts von 15 Millionen Dollar, das Cobb dieses Jahr zusteht. 

Schwere Vorwürfe gegen Callaway
Dem Pitching-Coach der Los Angeles Angels, Mickey Callaway, werden mehrere Fälle sexueller Belästigung vorgeworfen. Nach einem Bericht von The Athletic haben fünf Frauen aus dem Bereich der Sportmedien Callaway beschuldigt, sie mit unerwünschten Textnachrichten und Fotos bedrängt zu haben. Die Vorwürfe ziehen sich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, in denen Callaway für drei verschiedene Teams gearbeitet hat. Der 45-Jährige war von 2013 bis 2017 Pitching Coach der Cleveland Indians und von 2018 bis 2019 Manager der New York Mets. Die Angels haben Callaway, der die Anschuldigungen abstreitet, unmittelbar nach deren Bekanntwerden von seinem Posten freigestellt und eine vollständige Untersuchung gemeinsam mit der Liga angekündigt.

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April 21st, 2020 by Silversurger

Da ist sie wieder: Meine Ballparks-Serie wird ein paar Extrarunden drehen, während wir weiterhin gespannt abwarten, ob und in welcher Form es dieses Jahr eine MLB-Saison gibt. Da als eine Möglichkeit diskutiert wird, die Saison komplett in und um Phoenix zu bestreiten, schaue ich mir heute naheliegenderweise das dortige Stadion der Arizona Diamondbacks an. Es hört seit 2005 auf den Namen Chase Field; zuvor war es bekannt als Bank One Ballpark oder kurz: BOB.

Chase Field in Phoenix, Arizona (1)

Geschichte
Wie die meisten Stadion-Bauprojekte begann auch dieses mit einer Streit um die Finanzierung. Die zuständige Regionalregierung von Maricopa County beschloss 1994, die Umsatzsteuer zu erhöhen, um die Baukosten zu stemmen. Das führte zu massiven Protesten aus der Bevölkerung bis hin zu einem Anschlag, bei dem eine Vertreterin des Countys angeschossen wurde. Trotz aller Widerstände wurde der Bau ab 1996 durchgezogen und 1998 fertig gestellt – gerade rechtzeitig für die erste Saison der neu gegründeten Arizona Diamondbacks. Für die Diamondbacks war in den ersten Jahren ihres Bestehens nicht nur die Ablehnung der öffentlichen Finanzierung durch Teile der Bevölkerung eine schwere Hypothek, sondern auch der Baupreis selbst: Dieser war von ursprünglich kalkulierten 279 Millionen auf 364 Millionen Dollar gestiegen, und die Verträge verpflichteten den Klub, sämtliche Kosten über 253 Millionen selbst zu tragen.

Chase Field war 1998 das erste MLB-Stadion in den USA mit ausfahrbarem Dach. Es war zudem das erste Stadion der USA mit natürlichem Rasen unter einem ausfahrbaren Dach.

Das Eröffnungsspiel fand am 31. März 1998 statt und war gleichzeitig das erste Spiel der Diamondbacks überhaupt. Pitcher Andy Benes führte das Team in die Premiere, die mit 2:9 gegen die Colorado Rockies verloren ging. Wie die meisten Expansion-Teams hatten die Diamondbacks einen schweren Start, doch schon ein Jahr nach der 65-97-Saison 1998 brachten sie es 1999 auf 100 Siege und zwei weitere Jahre später sah der Ballpark seine erste World Series. Die Diamondbacks gewannen gegen die New York Yankees alle vier Heimspiele und holten so ihren ersten Meistertitel.

2008 wurde Chase Field zum ersten Mal einer Renovierung unterzogen, deren Kernstück die Errichtung einer 14 Meter hohen und 41 Meter breiten HD-Anzeigetafel war. Der Naturrasen wurde 2019 durch Kunstrasen ersetzt. Bereits seit einigen Jahren ist die Diskussion im Gange, dass für den Ballpark demnächst ein Neu- oder größerer Umbau anstehen sollte.

Außenansicht von Chase Field (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Chase Field bietet eine sehr nüchterne Außenansicht und wird generell als eines der weniger schönen MLB-Stadien angesehen. Ein Vergleich, auf den man häufig stößt, ist der mit einem riesigen Flugzeughangar. Anders als die meisten modernen Ballparks, bietet es nur sehr wenig Aussicht auf die Umgebung. Stattdessen dominiert im Centerfield die riesige Videowand.

Besonders auffällig und zugleich die größte Annehmlichkeit des Ballparks im Wüstenstaat ist das ausfahrbare Dach, verbunden mit einer leistungsfähigen Klimaanlage, die die Temperatur während der Spiele auf 25,5°C reguliert.

Im Inneren ist das hervorstechendste Merkmal von Chase Field der Swimming Pool rechts hinter dem Centerfield. Diesen kann man mitsamt der um ihn herum angebrachten Sitzplätze für ein paar tausend Dollar pro Spiel mieten.

Der Pool im Outfield (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Chase Field hat mit 407 Fuß (124m) ein überdurchschnittlich tiefes Outfield, das zudem durch die mit 25 Fuß (7,62m) höchste Centerfield-Mauer der Liga begrenzt wird. Durch die warme, trockene Luft sowie das große Outfield hat sich Chase Field über einen langen Zeitraum den Ruf erworben, eines der hitterfreundlichsten Stadien der MLB zu sein. Das ist es zwar nach wie vor, insbesondere in der Hinsicht, dass es mehr Doubles und Triples erlaubt als ein durchschnittlicher Ballpark.

Die Anfälligkeit des Stadions für Homeruns ist jedoch in den letzten beiden Jahren gegenüber früher deutlich gesunken. Das liegt vor allem daran, dass die Bälle seit 2018 in einem speziell dafür eingerichteten, temperatur- und feuchtigkeitsregulierten Raum gelagert werden. Soweit man es nach dieser kurzen Zeit schon beurteilen kann, hat die veränderte Lagerung den erhofften Effekt, dass die Bälle seitdem weitaus „normaler“ fliegen als man es vorher in dem heißen, trockenen Wüstenklima von Phoenix gewohnt war.

Wo sitzt man am besten?
Bei einem Fassungsvermögen von 49.000 Zuschauern und durchschnittlichen Besuchszahlen, die sich seit Jahren zwischen 25.000 bis 27.000 eingependelt haben, wirkt Chase Field oft überdimensoniert. Dieser Eindruck verstärkt sich umso mehr, da 80% der Plätze zwischen den Foulpoles liegen – das heißt, es gibt nur wenige Plätze im hinteren Outfield, stattdessen sehr hohe Tribünen an den beiden langen Seiten des Feldes.

Die gute Nachricht, die aus diesem Umstand resultiert: Die Ticketpreise in Chase Field gehören zu den günstigsten der Liga. Die schlechte Nachricht: Auf den höher gelegenen Plätzen ist man sehr weit weg vom Geschehen. Es lohnt sich daher, ein paar Dollar mehr zu investieren, um näher am Feld zu sitzen.

Sehr nah dran ist man in den Bereichen Clubhouse Box, Dugout Box und 1st Base oder 3rd Base Box. Tickets in diesen Regionen kosten in der Regel zwischen 90 und 180 Dollar. Auf den oberen Ebenen kommt man für 20 bis 30 Dollar unter. Ein guter Kompromiss besteht in den Club-Box-Sitzen der Ebene 200. Für 50 bis 60 Dollar hat man von dort eine hervorragende Sicht auf das Spiel.

Panorama aus Sicht der Rightfield-Tribüne (4)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Dicklyon (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Cygnusloop99 (CC BY-SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Nick Bastian (CC BY-ND 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: 0pen$0urce (CC BY-SA 4.0)

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März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

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März 11th, 2020 by Silversurger

Fast alle Teams der MLB kann man einigermaßen einordnen: Playoff-Kandidat oder nicht, Tendenz eher aufstrebend oder nachlassend, Rebuilding und wenn ja in welcher Phase etc. Die Arizona Diamondbacks hingegen finde ich äußerst schwer zu fassen. Von einem Contender erwartet man nicht, dass er die Franchise-Player Paul Goldschmidt und Zack Greinke wegtradet. Die Diamondbacks haben das vor beziehungsweise während der letzten Saison getan. Andererseits erwartet man von einem Team, das höhere Ambitionen aufgibt und möglicherweise einen Neuaufbau anstrebt, keine Investition von 85 Millionen Dollar in die Verpflichtung von Madison Bumgarner und keinen Trade für Starling Marte. Auch das haben die Diamondbacks getan. Grob gesagt kommt man in der Summe dieser Maßnahmen, was die Stärke des Teams angeht, ungefähr auf Null raus. Die Diamondbacks bleiben somit in derselben Situation von weder Fisch noch Fleisch. Mit diesem Team wird man nicht Letzter, aber ein tiefer Playoff-Run wäre ebenfalls eine große Überraschung. Da es in der NL West mit den San Diego Padres ein zweites Team in ähnlicher Lage gibt, kann das Rennen um Platz 2 in der Division durchaus spannend werden und mit etwas Glück einen Wild-Card-Platz abwerfen. Die Kluft gegenüber den Dodgers ist für sämtliche Teams der Division nach wie vor riesig. Von größeren Verletzungen und anderen Unwägbarkeiten abgesehen, werden weder die Diamondbacks noch sonst jemand auch nur in ihre Nähe kommen.

Voraussichtliches Lineup
C Carson Kelly
1B Christian Walker
2B Ketel Marte
SS Nick Ahmed
3B Eduardo Escobar
LF David Peralta
CF Starling Marte
RF Kole Calhoun

Voraussichtliche Rotation
LHP Madison Bumgarner
LHP Robbie Ray
RHP Luke Weaver
RHP Zac Gallen
RHP Mike Leake
Key Reliever: Archie Bradley

Wichtigster Zugang
LHP Madison Bumgarner (San Francisco Giants)

Wichtigster Abgang
OF Jarrod Dyson (Pittsburgh Pirates)

Bestes Prospect
OF Kristian Robinson

Größte Stärke
Switch-Hitting: Mit Ketel Marte und Eduardo Escobar haben die Diamondbacks zwei der besten Switch-Hitter der Liga in ihren Reihen – also Batter, die je nach Pitcher mit Links oder Rechts schlagen. 2019 wurden Marte und Escobar die ersten Teamkameraden, die es in einer Saison auf jeweils mindestens 10 Homeruns von jeder Seite der Platte brachten.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Die Diamondbacks haben in den letzten vier Jahren fünf Closer durchprobiert. Seit der zweiten Saisonhälfte 2019 ist es Archie Bradley, der oberflächlich betrachtet gute Resultate (2.10 ERA, 18/21 Saves) erzielte, während gleichzeitig seine Pitchgeschwindigkeit nachließ und sich seine Walk-Rate gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelte. Die Setup-Rollen für das siebte und achte Inning sind ungeklärt. Ein Problemfeld des Bullpens war letztes Jahr die niedrige Strikeout-Rate (8.8 K/9); das werden auch die Neuzugänge Junior Guerra (8.3 K/9) und Hector Rondon (7.1 K/9) nicht beheben.

Spannendste Frage
Was ist von Madison Bumgarner zu erwarten? Der Linkshänder ist einer der Top-Pitcher seiner Generation und erst 30 Jahre alt. Der hochdotierte Fünfjahresvertrag, den ihm die Diamondbacks gegeben haben, wirkt dennoch recht optimistisch. Zum einen haben MadBums Leistungen spürbar an Konstanz verloren, nicht zuletzt weil er deutlich mehr harte Treffer und Fly-Balls zulässt als früher. Zum anderen kann er es einfach nicht lassen, gefährlichen Nebensportarten zu frönen. 2017 fiel er nach einem Unfall mit einem Geländemotorrad monatelang aus; in der laufenden Offseason wurde bekannt, dass er seit Jahren unter dem Decknamen „Mason Saunders“ an Rodeo-Veranstaltungen teilnimmt.

Meine Prognose
Platz 2 in der NL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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Januar 16th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 steht vor der Tür, was eigentlich Grund zur Vorfreude sein sollte. Doch die letzten Tage standen klar im Schatten unrühmlicher Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit. Das Meisterteam des Jahres 2017 wurde des systematischen Betrugs überführt, vergleichbare Anschuldigungen gegen das Meisterteam des Jahres 2018 werden noch geprüft. Die bislang ausgesprochenen und noch zu erwartenden Strafen sind empfindlich, auch wenn sie nicht bis zum ultimativen Mittel – dem Entzug von Titeln – reichen. Mehrere Verantwortliche haben durch den Skandal bereits ihren Job verloren, mindestens ein weiterer könnte in Kürze folgen. Alles in allem gibt der professionalle Baseball gerade ein betrübliches Bild ab. Als Fan des Sports kann man nur hoffen, dass es sich bei den aktuellen Ereignissen um ein reinigendes Gewitter handelt und dass spätestens in zwei Monaten wieder der sportliche und vor allem faire Wettkampf auf dem Platz im Mittelpunkt steht.

Red Sox feuern schon mal den Manager
Die Boston Red Sox haben in der Saison 2018 die Fingerzeige der gegnerischen Catcher gefilmt, die Informationen während der Spiele ausgewertet und an ihre Batter weitergeleitet. Die Untersuchung dazu läuft noch und wird aller Voraussicht nach zu ähnlichen Strafen führen wie die Astros sie diese Woche für ihre Verstöße im Jahr 2017 hinnehmen mussten (siehe Bericht vom Dienstag). Als erste interne Konsequenz trennten die Red Sox sich vorgestern von Manager Alex Cora. Das kommt wenig überraschend, denn Cora kommt eine zentrale Rolle in beiden Sign-Stealing-Fällen zu. 2017 war er Bench Coach der Astros und laut dem Untersuchungsergebnis der MLB die Hauptperson, die gemeinsam mit mehreren Spielern das Spionagesystem entwickelte und durchführte. Ein Strafmaß für ihn hat die Liga noch nicht festgelegt, weil dazu zunächst die Untersuchung der Vorfälle in Boston abgeschlossen werden soll, wo Cora ab 2018 als Field Manager, also Cheftrainer der Red Sox tätig war.
Der Nachfolger für Cora in Boston steht noch nicht fest. Als frühe Favoriten für den Job gelten Jason Varitek, bislang Assistent des General Managers, sowie der derzeitige Bench Coach der New York Mets, Hensley Meulens.

Stolpert auch Beltran über den Sign-Stealing-Skandal?
Auch die Mets könnten bald wieder auf der Suche nach einem neuen Manager sein, denn ihr vor zwei Monaten verpflichteter Skipper Carlos Beltran steht ebenfalls im Fokus des Sign-Stealing-Skandals. Er war zwar während der Vorgänge bei den Astros 2017 nur Spieler und als solcher von der MLB ausdrücklich von individuellen Strafen ausgenommen. Beltrans Integrität hat jedoch spürbaren Schaden genommen: Beim Aufkommen des Skandals verkündete er noch öffentlich, von einem Sign-Stealing-System in Houston nichts mitbekommen zu haben. Die Untersuchung der Liga benennt ihn jedoch als einzigen Spieler namentlich als einen der Protagonisten neben Cora. Eine Entscheidung, ob die Mets die Zusammenarbeit mit Beltran fortsetzen, wird bis Ende der Woche erwartet.

Donaldson zu den Twins
Zurück zum Sport: Die Minnesota Twins sind als Sieger aus dem wochenlangen Wettbieten um die Dienste von Josh Donaldson hervorgegangen. Der Third Baseman bekommt einen Vertrag über vier Jahre und 92 Millionen Dollar. Für weitere 8 Millionen kann der Klub die Option auf ein fünftes Jahr ziehen, wodurch sich Donaldsons Einkünfte aus dem Konktrakt auf glatte 100 Millionen belaufen würden. Drei Tage zuvor hatte es noch so ausgesehen, als hätten die Twins einen anderen Weg eingeschlagen, indem sie ihrem bisherigen Third Baseman Miguel Sano 30 Millionen für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre gaben. Nun stellt sich heraus, dass der Plan von vornherein war, Sano auf die defensiv weniger anspruchsvolle Position an der ersten Base zu verschieben und ein Upgrade für die dritte Base zu finden. Das ist durch die Verpflichtung von Donaldson definitiv gelungen. Der 34-Jährige bringt sowohl starkes Feldspiel als auch ordentliche Homerun-Power auf die Waage. Die Twins werten damit ein ohnehin schon beeindruckendes Lineup weiter auf. Mit Max Kepler, Mitch Garver, Nelson Cruz, Eddie Rosario, Sano und Donaldson haben sie nun sechs Spieler an Bord, die 2019 mehr als 30 Homeruns schlugen.

Weitere Spielerverpflichtungen
Außer Donaldson haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: 3B Todd Frazier (Texas Rangers, 1 Jahr, 5 Millionen Dollar mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Alex Wood (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 4-10 Millionen leistungsabhängig), IF Jedd Gyorko (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 2 Millionen mit Klub-Option auf ein weiteres Jahr), SP Ivan Nova (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,5-2 Millionen leistungsabhängig), OF Guillermo Heredia (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 1 Million).

Viele kleine Trades
Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass zwischen den Colorado Rockies und den St. Louis Cardinals ein Trade im Raum steht, dessen Kernstück Third Baseman Nolan Arenado sein soll. Bisher haben die Verhandlungen aber zu keinem Ergebnis geführt. Daher gibt es an dieser Stelle zwar eine Reihe kleiner Deals, aber (noch) keinen Blockbuster zu vermelden:
Die Tampa Bay Rays holen sich in 1B/OF Jose Martinez und OF Randy Arozarena zwei Ergänzungsspieler von den Cardinals, welche dafür Pitching-Prospect Matthew Liberatore und C Edgardo Rodriguez bekommen. Der „Hauptpreis“ in diesem Trade ist Liberatore. Um das linkshändige Talent zu bekommen, geben die Cardinals nicht nur Martinez und Arozarena her, sondern auch einen hohen Draftpick (Nummer 38) für einen niedrigeren (Nummer 66).
Die Los Angeles Angels bekommen von den Diamondbacks RP Matt Andriese im Tausch gegen Minor-League-Pitcher Jeremy Beasley.
OF Austin Dean wechselt von den Miami Marlins zu den Cardinals, die dafür Minor-League-OF Diowill Burgos abgeben.
Die Chicago Cubs schicken IF/OF Tony Kemp zu den Oakland Athletics und bekommen im Gegenzug Minor-League-IF Alfonso Rivas.
Die Houston Astros bekommen SP/RP Austin Pruitt von den Tampa Bay Rays und geben dafür die Minor Leaguer OF Cal Stevenson und RP Peyton Battenfield ab.
Die Texas Rangers schicken RP Jeffrey Springs zu den Boston Red Sox und erhalten als Gegenleistung 1B Sam Travis.

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