Dezember 27th, 2018 by Silversurger

Über die Weihnachtstage kehrt üblicherweise auch in der MLB etwas Ruhe und Besinnlichkeit ein und so gab es in den vergangenen Tagen keine nennenswerten Moves zu vermelden. Kurz vor den Feiertagen fanden aber durchaus noch ein paar interessante Trades und Verpflichtungen statt, auf die ich hier kurz zurück kommen möchte – allen voran ein Blockbuster zwischen den Dodgers und den Reds, der auf Seiten der Dodgers ein Vorbote für etwas noch Größeres sein könnte.

Dodgers sparen, Reds rüsten auf
Die Cincinnati Reds scheinen fest entschlossen, aus der Rolle der grauen Maus in der NL Central herauszutreten: Im Trade mit den Los Angeles Dodgers haben sie sich in OF Matt Kemp, OF Yasiel Puig und SP Alex Wood drei etablierte Veteranen sowie Backup-Catcher Kyle Farmer gesichert. Im Gegenzug erhalten die Dodgers die beiden Prospects IF Jeter Downs und P Josiah Gray. Das klingt auf den ersten Blick sehr einseitig zu Gunsten der Reds, doch tatsächlich waren die Dodgers so versessen auf den Trade, dass sie noch 7 Millionen Dollar obendrauf legen und zudem den Vertrag von Homer Bailey übernehmen, obwohl sie für ihn keine Verwendung haben und ihn direkt wieder entlassen werden. Der Sinn des Trades besteht für die Dodgers darin, dass sie in Summe rund 17 Millionen Dollar an Gehältern sparen und damit unter die Luxussteuer-Grenze rutschen. Sie könnten allerdings bald wieder darüber liegen, denn es wird gemunkelt, dass die Dodgers sich mit der Aktion den Spielraum für eine große Free-Agent-Verpflichtung verschaffen wollten. Bryce Harper gilt als heißer Kandidat dafür.

Erneuter Dreiecks-Trade der Rays
Die Tampa Bay Rays scheinen eine Vorliebe für kreative Trades zu haben, denn in der zweiten Woche hintereinander haben sie einen Handel abgeschlossen, bei dem drei Teams involviert sind. Ihre Partner waren dieses Mal die Oakland Athletics und die Texas Rangers. Der bekannteste betroffene Spieler ist IF Jurickson Profar, der von Texas nach Oakland wechselt. RP Emilio Pagan und ein Draftpick wandern von den Athletics zu den Rays, während die Rays 750.000 Dollar an internationalem Bonus-Budget zu den Rangers schicken. Außerdem wechseln die Minor-Leaguer Rollie Lacy von den Rangers zu den Rays, Eli White von den Athletics zu den Rangers sowie Brock Burke, Kyle Bird und Yoel Espinal von den Rays zu den Rangers.

Dipoto holt den nächsten Santana
Die Seattle Mariners und ihr handlungsfreudiger GM Jerry Dipoto mischen natürlich auch wieder im Trade-Karussell mit. Dipotos neueste Errungenschaft ist OF Domingo Santana, der im Austausch gegen OF Ben Gamel und Minor-League-Pitcher Noah Zavalos von den Milwaukee Brewers kommt. Ich bin gespannt, ob dieser Santana länger in Seattle bleibt als der letzte. Dipoto hatte in dieser Offseason bereits Carlos Santana von den Phillies ertradet, nur um ihn eineinhalb Wochen später nach Cleveland weiterzureichen.

Cardinals verpflichten Andrew Miller
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist, dass Relief Pitcher Andrew Miller zu den St. Louis Cardinals geht. Der stark umworbene Linkshänder erhält einen Vertrag über 25 Millionen Dollar für zwei Jahre. Wenn er in dieser Zeit in mindestens 110 Spielen eingesetzt wird, verlängert sich die Laufzeit um ein weiteres Jahr für 12 Millionen. I

Daniel Murphy zu den Rockies
Infielder Daniel Murphy hat bei den Colorado Rockies einen ähnlichen Vertrag unterschrieben wie Miller in St. Louis. Er erhält zunächst 24 Millionen Dollar für zwei Jahre, die anschließende beidseitige Option für das dritte Jahr ist 12 Millionen wert. Der Buyout, falls der Vertrag nicht fortgesetzt wird, beträgt 6 Millionen Dollar.

Anibal Sanchez ergänzt Nationals-Rotation
Für zwei Jahre und 19 Millionen Dollar wird SP Anibal Sanchez bei den Washington Nationals spielen. Der 34-Jährige wird Teil einer beeindruckenden Pitching-Rotation um Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin sein.

Athletics holen Soria und Fiers
SP Mike Fiers kehrt zurück zu den Oakland Athletics. Die A’s hatten Fiers drei Wochen zuvor entlassen, weil sie ihm kein Arbitration-Angebot unterbreiten wollten. Sie einigten sich mit ihm aber stattdessen auf einen neuen Kontrakt über rund 14 Millionen Dollar für zwei Jahre Auch Reliever Joakim Soria erhält bei den Athletics einen Zweijahresvertrag. Er unterschreibt für 15 Millionen Dollar. Soria hat Erfahrung als Closer, wird in Oakland aber eher als Setup-Man für Blake Treinen zum Einsatz kommen.

Trevor Cahill zu den Angels
Auch die Los Angeles Angels bauen an ihrer Starting Rotation für 2019. Nach der Verpflichtung von Matt Harvey in der Vorwoche meldeten die Angels nun auch mit Trevor Cahill Vollzug. Der 30-jährige Rechtshänder erhält für ein Jahr 9 Millionen plus Leistungsboni von bis zu 1,5 Millionen Dollar.

Giants verpflichten Switch-Pitcher Venditte
Pat Venditte ist der einzige Switch-Pitcher in der MLB seit über 30 Jahren. Er hat sich bislang noch nicht stabil in der Liga etablieren können, aber in den wenigen Einsätzen für die Dodgers letztes Jahr zeigte er vielversprechende Ansätze (14 IP, 2.57 ERA). 2019 wird Venditte für die Giants antreten, die ihm für das Jahr 585.000 Dollar bezahlen.

Cruz nach Minnesota
In letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass die Minnesota Twins sich mit DH Nelson Cruz auf einen Vertrag über ein Jahr plus Option für ein weiteres Jahr geeinigt haben. Finanzielle Details sind noch nicht bekannt.

Machado, Harper, Kikuchi nähern sich Entscheidungen
Die beiden Top-Free-Agents Manny Machado und Bryce Harper sowie das japanische Pitcher-Talent Yusei Kikuchi haben sich bislang nicht entschieden, wo sie in den nächsten Jahren spielen wollen. Machado hat aber bereits wissen lassen, dass die engere Auswahl sich für ihn auf die Chicago White Sox, die New York Yankees und die Philadelphia Phillies beschränkt und dass er sich im neuen Jahr entscheiden wird. Harper hat sich noch nicht so eindeutig geäußert, aber mit den Chicago Cubs und den Los Angeles Dodgers haben sich zwei Favoriten auf seine Dienste herauskristallisiert. Um Kikuchi gibt es bislang erstaunlich wenige konkrete Spekulationen. Eine Entscheidung dürfte aber bald fallen und bekannt werden, denn Kikuchi wurde formal am 3. Dezember für eine Verpflichtung in der MLB freigegeben, die innerhalb von 30 Tagen erfolgen muss.

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Mai 31st, 2018 by Silversurger

Beim Blick auf den aktuellen Stand der Dinge in der MLB fällt vor allem eines ins Auge: In der American League besteht eine massive Kluft zwischen einer Menge sehr starker und sehr schwacher Teams, die National League hingegen ist viel ausgeglichener. In der NL gibt es zum Beispiel neun Teams, die eine Siegquote zwischen .500 und .600 aufweisen und somit ein solides Mittelfeld verkörpern. In der AL fallen lediglich zwei Teams in dieses Fenster, alle anderen stehen besser oder schlechter da. Die zwei bislang erfolgreichsten Mannschaften der MLB – die Red Sox und die Yankees – sind ebenso AL-Teams wie die beiden schwächsten – die Orioles und die White Sox.

Die Zeit der großen Trades kommt in der MLB meist erst gegen Ende Juli. Einen nennenswerten  Handel gab es aber bereits diese Woche und natürlich waren die Seattle Mariners beteiligt – unter General Manager Jerry Dipoto schon lange das tradefreudigste Team der Liga. Dieses Mal strecke Dipoto seine Fühler in Richtung Tampa Bay aus mit dem Ziel, den Bullpen mit Alex Colome und die Tiefe des Outfields mit Denard Span zu stärken. Die Rays akzeptierten und erhielten im Gegenzug die beiden Minor-League-Pitcher Andrew Moore und Tommy Romero. Den Rays ist damit auf dem Weg geholfen, ihren Kader weiter zu verjüngen und etwas Geld zu sparen – Geld, das die Mariners vor allem wegen der Doping-Sperre von Robinson Cano übrig hatten.

American League
Obwohl der gerade geschilderte Trade dafür spricht, dass die Tampa Bay Rays (28-26) sich weiterhin als Rebuilding-Team sehen, stehen sie in der American League East überraschend solide da – insbesondere nach der jüngsten Serie von fünf Siegen gegen die Baltimore Orioles (17-39) und die Oakland Athletics. Die Rays haben sich inzwischen auf Platz drei der Division festgesetzt mit immerhin schon vier Spielen Vorsprung vor den Toronto Blue Jays (28-31). Natürlich sind da noch zwei andere Teams in der Division, aufgrund derer die Rays sich kaum großen Träumen hingeben werden: Die Boston Red Sox (39-17) sind nach wie vor das Maß der Dinge in der MLB und führen dennoch nur knapp, da mit den New York Yankees (35-17) auch das zweitbeste Team der Liga in der AL East zu Hause ist. Die Yankees haben übrigens gerade eine Serie gegen das dritte Top-Team der AL, die Houston Astros, 2:1 gewonnen. In den nächsten Tagen bekommen es nun die Red Sox mit den Astros zu tun, während die Yankees mit den Orioles eine vermutlich leichtere Aufgabe haben.

Deutlich geringer als in der AL East ist die Leistungsdichte in der AL Central. Es sieht zunehmend nach einem Alleingang der Cleveland Indians (29-25) aus, die sowohl als einzige in der Division eine positive Sieg-Niederlagen-Bilanz aufweisen als auch als einzige ein positives Run Differential (+38). Die Minnesota Twins (22-29) werden nach wie vor nicht der ihnen zugedachten Rolle gerecht, mit den Indians um den Gruppensieg zu wetteifern. Nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind die Twins sogar hinter die Detroit Tigers (25-30) zurück gefallen. Wenn sie die Saison in irgendeiner Weise spannend gestalten wollen, dann muss jetzt dringend eine Siegesserie her und zwar gegen die Indians – ab heute bis Sonntag gibt es viermal die Gelegenheit. Danach steht für Max Kepler und Co. eine weitere Vier-Spiele-Serie an gegen das derzeit schwächste Team der MLB, die Chicago White Sox (16-37).

Die fehlende Spannung in der AL Central wird ausgeglichen durch die überraschend interessante AL West. World Champion Houston Astros (35-22) steht zwar erwartungsgemäß vorne und das überragende Run Differential von +123 spricht dafür, dass dies auch vollkommen gerechtfertigt ist. Doch die Seattle Mariners (33-22) bleiben konstant dran und in den kommenden zwei Spielen zwischen Houston und Seattle am Dienstag und Mittwoch könnte es durchaus um die Divisionsführung gehen. Die Los Angeles Angels (30-26) haben in den letzten Tagen ein paar Niederlagen gegen die Yankees und die Tigers einstecken müssen, spielen ansonsten aber auch eine starke Saison und dürften gute Aussichten haben, diese Woche gegen die Texas Rangers (24-34) sowie gegen die Royals wieder ein paar Erfolge einzufahren. Die gleichen Gegner in umgekehrter Reihenfolge erwarten die Oakland Athletics (28-28), die ebenfalls zu den positiven Überraschungen der bisherigen Saison gehören, zuletzt aber drei teils knappe Spiele gegen die Rays verloren.

National League
In die National League East scheint nach turbulentem Beginn inzwischen die ursprünglich erwartete Normalität Einzug zu halten. Jedenfalls stehen nach sechs Siegen in Folge heute erstmals in diesem Jahr die favorisierten Washington Nationals (32-22) vorne. Schützenhilfe gab es dabei vom Erzrivalen New York Mets (27-26), der den Atlanta Braves (32-23) einen Split abtrotzte, während die Philadelphia Phillies (30-23) zwei von bislang drei Spielen an die Los Angeles Dodgers abgaben. Die aktuelle Ausgangslage mit nur einem halben Spiel zwischen Washington und Atlanta bietet die perfekte Bühne für die ab heute anstehende Vier-Spiele-Serie zwischen den Braves und den Nationals. Da werde ich auf jeden Fall mal reinschauen, wobei ich persönlich natürlich hoffe, dass sie sich die Punkte derart teilen, dass es am Ende den Mets zugute kommt.

Die Tendenz, dass sich aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen der NL Central die Milwaukee Brewers (36-21) mehr und mehr abheben, hat sich in den letzten Tagen weiter fortgesetzt. Gegen die Mets und die St. Louis Cardinals (29-24) gewann man die letzten Serien und nun steht mit den White Sox eine sehr lösbare Aufgabe an. Viereinhalb Spiele Vorsprung haben die Brewers nun schon auf die Chicago Cubs (29-23) und fünf auf die Cardinals. Ein bisschen an Boden verloren haben die Pittsburgh Pirates (29-26), die ihre Heimserien gegen die Cubs und die Cardinals diese Woche jeweils 1:2 abgeben mussten. Eine direkte Revanche ist aber möglich, denn die Pirates sind ab heute für vier Tage in St. Louis.

Die NL West befindet sich in einer Art Übergangszustand: Vorne stehen immer noch die Colorado Rockies (30-26) vor den Arizona Diamondbacks (28-27), doch beide konnten nach dem starken Saisonstart zuletzt nicht mehr überzeugen und die Tendenz geht klar in Richtung einer fortgesetzten Aufholjagd der Los Angeles Dodgers (26-29): Zehn von dreizehn Spielen haben die Dodgers zuletzt gewonnen, am Wochenende kommt es zum direkten Duell bei den Rockies und als ganz großer Hoffnungsträger kehrt Clayton Kershaw voraussichtlich heute zurück auf den Mound. Ein paar Tage länger müssen die San Francisco Giants (26-30) noch auf ihr Ass Madison Bumgarner verzichten, doch im Laufe der nächsten Woche wird auch er sein Comeback geben und mit ihm beziehungsweise kurz davor auch Joe Panik, Hunter Pence, Alen Hanson und Mark Melancon. Ich bin gespannt, ob die Giants mit all den Verstärkungen von der eigenen Verletztenliste nun ebenfalls eine Erfolgsserie beginnen können. Das Tabellenbild der NL West könnte relativ schnell komplett anders aussehen, nur die San Diego Padres (24-33) werden schätzungsweise da bleiben wo sie sind.

Szene der Woche
Ich teile diese Kategorie mal wieder ein bisschen auf: Der Preis für die kurioseste Szene der Woche geht an Royals-Catcher Salvador Perez und das Gesicht von Shin Soo Choo von den Rangers, deren Zusammenwirken ermöglichte, Choos Teamkollegen Delino DeShields beim Stealing zu erwischen. Die hässlichste Szene war definitiv der heimtückische Slide – man kann es auch eine Blutgrätsche nennen – von Anthony Rizzo gegen Pirates-Catcher Elias Diaz. Statt einer Strafe wurde diese Aktion mit einem Error und zwei Runs belohnt, die im achten Inning der Partie die Vorentscheidung bedeuteten. Die lustigste Szene war die Gänsejagd in Detroit. Und die sympathischste Szene der Woche war für mich die Reaktion von Astros-Pitcher Justin Verlander auf das Buh-Konzert, das die Zuschauer im Yankee Stadium ihm bereiteten. Verlander ist zurzeit die Souveränität in Person, egal ob auf dem Mound oder auf dem Weg in den Dugout.

Statistik der Woche 
18,0. Das ist der K/9-Wert von Brewers-Reliever Josh Hader. Der Indikator drückt aus, wie viele Strikeouts ein Pitcher je neun Innings erzielt. Hader hat die meisten K/9 von allen MLB-Pitchern, die diese Saison mehr als 2 Innings geworfen haben. Mit bislang 66 Strikeouts steht Hader auch in absoluten Zahlen weit, weit vor allen anderen Relievern. Sein FIP von 1.00 führt ebenfalls die Liga an und auch seine 1.09 ERA sind ein Top-Wert. Wenn Hader dieses Leistungsniveau über das gesamte Jahr hinweg hält, könnte er der erste seit Eric Gagné im Jahr 2003 sein, der als Reliever den Cy-Young-Award erhält.

Spiel der Woche
Die Cleveland Indians und die Houston Astros haben sich am vergangenen Sonntag möglicherweise bereits das Spiel des Jahres geliefert. In den ersten sieben Innings war es das erwartete Pitching-Duell zwischen Gerrit Cole und Trevor Bauer, nach dem die Indians mit 3:2 knapp die Nase vorn hatten. Im achten Inning scorten die Astros sechs Runs, darunter ein 3-Run-Homerun von Evan Gattis, und die Sache schien entschieden. Doch die Achterbahnfahrt ging jetzt erst richtig los: Das neunte Inning begann Jose Ramirez mit einem epischen 17-Pitches-At-Bat, das mit einem Double für den Hitter endete. Sechs Hits und zwei verschlissene Relief-Pitcher später hatte Cleveland das Unwahrscheinliche geschafft und aus einem 3:8-Rückstand ein 8:8 gemacht. Das Spiel ging in die Verlängerung, die erst mal drei scorelose Innings brachte. Im dreizehnten Durchgang sah es zum zweiten Mal an diesem Tag danach aus, dass ein Homerun von Gattis die Entscheidung brachte. Doch der Solo-Shot wurde prompt von Yonder Alonso erwidert und es stand schon wieder unentschieden. Erst im vierzehnten Inning endete der Marathon: Der frisch eingewechselte Brad Peacock durfte für die Astros nur einen einzigen Pitch werfen – den 451. Pitch im Spiel insgesamt –, denn diesen schlug Clevelands Rookie-Outfielder Greg Allen zu seinem ersten Homerun des Jahres und somit zum Walkoff-Sieg über den Zaun.

Mein Einschalttipp
Die Astros haben gerade eine spannende Serie gegen die Yankees hinter sich, nun wartet direkt der nächste Hochkaräter aus der AL East: Von heute bis Sonntag gastieren die Boston Red Sox für vier Spiele in Houston. Normalerweise gehe ich bei meiner Entscheidung, welches Spiel innerhalb einer Serie ich zum Einschalttipp erkläre, danach, wann die Pitching-Asse der Teams am Start sind. Das momentane Ass der gesamten MLB, Justin Verlander, läuft für Houston Samstagnacht um 0:15 Uhr mitteleurpäischer Zeit auf. Aber die Rotation der Astros besteht ja momentan nur aus Assen und das wohl interessanteste Matchup steigt Freitagnacht ab 2:10 Uhr zwischen den beiden Strikeout-Maschinen Gerrit Cole (2.05 ERA, 2.29 FIP, 109 SO) und Chris Sale (2.76 ERA, 2.94 FIP, 104 SO). Leider wird keines der beiden Spiele auf DAZN übertragen, sodass mlb.tv der einzige Weg ist, sie aus Deutschland auf legalem Weg zu verfolgen.

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November 16th, 2017 by Silversurger

Wir befinden uns mitten in der Award-Woche der MLB: Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden an den vergangenen drei Tagen ausgezeichnet, heute Nacht steht noch die Bekanntgabe des wertvollsten Spielers (MVP) der beiden Teilligen aus. Letzte Nacht gab es den ersten nennenswerten Trade der Offseason – selbstverständlich unter Beteiligung der Seattle Mariners, dem tradefreudigsten aller MLB-Teams. Diese und ein paar andere interessante Nachrichten habe ich im heutigen Grand Slam am Donnerstag zusammengefasst.

Bellinger und Judge sind die Rookies of the Year
An dieser Wahl gab es kaum Zweifel und das Ergebnis war dann auch entsprechend eindeutig: Cody Bellinger von den Los Angeles Dodgers und Aaron Judge von den New York Yankees wurden zu den Rookies des Jahres gewählt und erst zum vierten Mal in der MLB-Geschichte wurden beide Entscheidungen einstimmig getroffen. Es passt dabei wie die Faust aufs Auge, dass in dem Jahr mit den meisten Homeruns aller Zeiten zwei Spieler ausgezeichnet werden, die in den jeweiligen Ligen neue Rookie-Rekorde für Homeruns aufgestellt haben: Bellinger mit 39 in der National League, Judge mit 52 in der American League.
Bellinger sollte dieses Jahr eigentlich noch gar keine große Rolle in der MLB spielen. Der 22-Jährige war allenfalls für etwas Spielpraxis als September-Call-up vorgesehen, doch Verletzungen von Andrew Toles und Adrian Gonzalez gaben ihm schon im April eine Chance und die nutzte er auf eindrucksvolle Art und Weise. Offensiv sprechen die 39 Homeruns und eine .267/.352/.581-Slashline für sich und auch im Feld überzeugte Bellinger mit Verlässlichkeit wo auch immer man in spielen ließ: meistens an der First Base, oft im Left Field, gelegentlich auch im Center und im Right Field.
Der 25-jährige Right Fielder Judge drückte der AL massiv seinen Stempel auf, indem er sie sowohl bei den Homeruns als auch bei gescorten Runs (128) und Walks (127), aber auch mit den meisten Strikeouts (208) anführte. Mit seiner spektakulären Spielweise, seiner imposanten körperlichen Erscheinung und natürlich auch, weil er für den bekanntesten Baseball-Klub der Welt spielt, scheint Judge wie geschaffen für die Rolle eines langjährigen Superstars. Das scheint man auch bei Sony zu denken, denn letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass Judge das Cover der nächsten Ausgabe des Playstation-Hits MLB The Show zieren wird. Angesichts all dessen ist es geradezu überraschend, dass der Junge immer noch so sympathisch und bodenständig rüberkommt.

Manager des Jahres: Molitor und Lovullo
Nicht ganz so eindeutig wie bei den Rookies war die Wahl der Manager des Jahres, aber mit dem Manager der Minnesota Twins, Paul Molitor, und dem der Arizona Diamondbacks, Torey Lovullo, gibt es auch hier zwei würdige Preisträger. Beiden gelang es in diesem Jahr, eine enttäuschende Franchise in verblüffend kurzer Zeit zu einem Playoff-Team umzudrehen.
Molitor ist der Vater des historisch einmaligen Erfolgs der Minnesota Twins, nach einer Saison mit über 100 Niederlagen (103 im Jahr 2016) im darauf folgenden Jahr in die Playoffs einzuziehen. Um 26 Siege verbesserten sich die Twins im dritten Jahr unter Molitor auf eine Bilanz von 85-77 und sind damit das Cinderella-Team des Jahres, auch wenn das Gaststpiel in den Playoffs durch die Wild-Card-Niederlage gegen die Yankees nur von kurzer Dauer war.
Noch beeindruckender liest sich die Bilanz von Torey Lovullo: Er trat vor einem Jahr in Arizona seine erste Stelle als MLB-Manager an und führte das Team prompt zu 93 Siegen und zur ersten Playoff-Teilnahme seit 2011. Insbesondere das Pitching der Diamondbacks erlebte unter Lovullo einen kompletten Turnaround: Dem schlechtesten ERA der Franchise-Geschichte mit 5.09 im Jahr 2016 (letzter Platz in der MLB) folgte der beste ERA der Franchise-Geschichte mit 3.67 im Jahr 2017 – und damit Platz drei in der MLB trotz eines hitter-freundlichen Heim-Ballparks.

Cy-Young-Awards für Scherzer und Kluber 
Wer dieses Jahr die Auszeichnung als bester Pitcher erhalten würde, war während der Saison lange unklar, da in jeder Teilliga zwei aussichtsreiche Kandidaten im Rennen waren. Im Endeffekt fielen die Wahlen dann aber sehr klar aus: Max Scherzer (Washington Nationals) ist zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal insgesamt der Preisträger der National League, Corey Kluber (Cleveland Indians) sicherte sich in der American League nach 2014 seinen zweiten Titel.
Scherzer erhielt von 30 Stimmen 27 erste und drei zweite Plätze und setzte sich somit klar von Clayton Kershaw ab. Scherzer (2.51 ERA, 2.90 FIP) blieb zwar von den relevanten Durchschnittszahlen hinter Kershaw (2.31 ERA) bzw. Stephen Strasburg (2.71 FIP) zurück, bewies aber mit rund 25 mehr absolvierten Innings ein größeres Durchhaltevermögen als die beiden Konkurrenten und brachte es auf führende 6.0 Wins Above Replacement (WAR). Damit sowie mit seinen 268 Strikeouts überzeugte er die wahlberechtigten Mitglieder der BBWA.
Noch ein Stück klarer war der Wahlgewinn für Kluber, der in der Abstimmung für die American League 28-mal auf Platz eins landete und nur von zwei Wählern hinter Chris Sale eingestuft wurde. Mit 2.25 ERA führte Kluber die gesamte MLB an. Davon abgesehen hätten sich auch gute Argumente für Sale gefunden, der in puncto FIP (2.45), WAR (7.7) und Strikeouts (308) MLB-weit vorne lag. Am Ende spielen neben den reinen Zahlen auch das Bauchgefühl und die subjektive Wahrnehmung der Wähler eine Rolle und vermutllich hatten viele den gleichen Eindruck wie ich, dass Sale trotz der starken Werte seine Leistungen nicht so konstant abrief wie Kluber.

Anthopoulos neuer GM der Braves
Die Atlanta Braves waren seit Anfang Oktober ohne General Manager. Der ehemalige Amtsinhaber John Coppolella hatte zurück treten müssen, nachdem zahlreiche von ihm begangene Regelverstöße, unter anderem bei internationalen Spielerverpflichtungen, aufgedeckt worden waren. Als sein Nachfolger steht nun Alex Anthopoulos fest. Der 40-Jährige, der das gleiche Amt von 2009 bis 2015 für die Toronto Blue Jays ausübte, erhält einen Vierjahresvertrag und umfangreiche Kompetenzen in der sportlichen Leitung des Klubs. Er übernimmt nämlich nicht nur das Amt des GM von Coppolella sondern als „Executive Vice President of Baseball Operations“ auch einen guten Teil des bisherigen Aufgabenbereichs von John Hart, der vom Teampräsidenten zum Berater herabgestuft wurde. Während das Front Office der Braves somit ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, will man sportlich auf Kontinuität setzen: Anthopoulos plant nach eigenen Aussagen derzeit keine Änderungen am Coaching-Personal.

Carlos Beltran hat neue Ziele
Die 20 Jahre lange MLB-Karriere von Carlos Beltran hat im World-Series-Titel mit den Houston Astros ihren Höhepunkt und würdigen Abschluss gefunden. So sieht es der 40-jährige Outfielder, der zuvor für die Royals, die Mets, die Giants, die Cardinals und die Yankees aktiv gewesen war und nun das Ende seiner aktiven Zeit als Spieler verkündet hat. Zur Ruhe setzen will sich der neunmalige All-Star aber nicht, vielmehr strebt er nach neuen Tätigkeitsfeldern: Zum einen möchte er mehr für seine Familie da sein, zum anderen kann er sich gut vorstellen, zukünftig als Manager eines MLB-Teams tätig zu sein. Rein zufällig sind der Ort, in dem seine Familie wohnt, und der, in dem gerade eine renommierte MLB-Franchise nach einem neuen Manager sucht, derselbe. Dass die Yankees erklärtermaßen einen Kandidaten suchen, der anders als der frisch entlassene Joe Girardi einen Draht zu jungen Spielern und einen positiven Einfluss auf das persönliche Klima im Team hat, passt ebenfalls ins Bild. Fragt sich nur, ob der Verein bereit ist, das Risiko eines kompletten Neueinsteigers auf der Position einzugehen.

Alle Qualifying Offers werden abgelehnt
Die Frist der neun Qualifying Offers, die letzte Woche von MLB-Teams ausgestellt wurden, läuft offiziell noch bis heute Nacht. Es gilt allerdings bereits als sicher, dass alle betroffenen Spieler – Eric Hosmer, Lorenzo Cain, Mike Moustakas (alle Royals), Jake Arrieta, Wade Davis (beide Cubs), Carlos Santana (Indians), Greg Holland (Rockies), Alex Cobb (Rays) und Lance Lynn (Cardinals) – die standardisierten Angebote über ein Jahr und 17,4 Millionen Dollar ablehnen werden. Sie alle streben Verträge über mehr Dollars und eine längere Laufzeit an. Für ihre Clubs sind die Offers dennoch ein gutes Geschäft, denn wenn die Spieler nun das Team wechseln, erhält das abgebende Team einen Draft-Pick als Kompensation.

Mariners traden für Healy 
Jerry Dipoto, der General Manager der Seattle Mariners, macht seinem Ruf als eifrigster Trader der Liga weiterhin alle Ehre. Im ersten nennenswerte Move der Offseason hat Dipoto First Baseman Ryon Healy von den Oakland Athletics geholt. Der Handel ist für beide Teams sinnvoll, denn die Athletics hatten mit den Youngsters Matt Olson, Matt Chapman und Healy ein Überangebot für die Infield-Corners und als DH soll zukünftig verstärkt Khris Davis zum Einsatz kommen. Healy war somit verzichtbar und wird nun den 1B-Job in Seattle übernehmen, wo Yonder Alonso und Danny Valencia Free Agents geworden sind. Für Healy wechseln RP Emilio Pagan und Infield-Prospect Alexander Campos nach Oakland.

Dodgers und Padres spielen 2018 in Mexiko
Zum ersten Mal seit 1999 wird die MLB 2018 ein Gastspiel in Mexiko absolvieren. Vom 4. bis zum 6. Mai spielen die San Diego Padres und die Los Angeles Dodgers eine Drei-Spiele-Serie in Monterrey. Die Padres haben wegen ihrer grenznahen Heimat viele Fans in Mexiko und werden sich diesen nach 1996 gegen die Mets und 1999 gegen die Rockies zum dritten Mal in regulären Saisonspielen vor Ort präsentieren. Die Spiele in Monterrey ersetzen eine Heim-Serie der Padres. Die MLB strebt an, in den kommenden sechs Jahren regelmäßig Serien in Mexiko zu spielen und mittelfristig auch Spiele in Asien und in Europa (voraussichtlich Großbritannien) anzusetzen.

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Januar 12th, 2017 by Silversurger

Steigt bei euch auch schon die Vorfreude auf die neue Baseballsaison? Noch befindet sich die MLB weitgehend im Winterschlaf, aber in einem Monat beginnt es wieder ernst zu werden: Ab dem 12. Februar melden sich die Pitcher und Catcher bei ihren Teams zum Dienst, wenige Tage später kommen die Positionsspieler hinzu und am 24. Februar beginnen die Spring-Trainig-Spiele, bevor am 2. April endlich die echte Saison anfängt. Die Baseball-Bundesliga ist übrigens einen Tag früher dran, beide Staffeln starten am 1. April in die neue Spielzeit.
In der vergangenen Woche war rund um die MLB nicht allzu viel los, abgesehen davon dass die Seattle Mariners weiterhin traden wie die Weltmeister. Hier die wichtigsten Neuigkeiten der letzten Tage:

Vier weitere Mariners-Trades
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass in der MLB momentan kaum ein Trade vonstatten geht, bei dem nicht der General Manager der Mariners, Jerry Dipoto, seine Finger im Spiel hat. Aus den letzten Tagen gibt es jedenfalls vier relevante Geschäfte zu vermelden und die Mariners waren an allen beteiligt: Zuerst schickten sie Outfielder Seth Smith zu den Baltimore Orioles im Tausch gegen Starting Pitcher Yovani Gallardo – keine Ahnung, was dabei der Hintergedanke war, denn einen Pitcher vom Format Gallardos (5.42 ERA im letzten Jahr) hätte man relativ problemlos unter den verfügbaren Free Agents gefunden. Jedenfalls war durch diesen Trade ein Platz im Outfield frei geworden und der wurde unmittelbar neu besetzt, indem man den flinken Jarrod Dyson aus Kansas City holte und dafür Pitcher Nathan Karns abgab. Gestern schickte Dipoto zunächst die Minor-League-Pitcher Luiz Gohara und Thomas Burrows nach Atlanta für Outfield-Prospect Mallex Smith und Reliever Shae Simmons. „Smith adds to our growing inventory of multi-skilled, athletic outfielders“, ließ sich Dipoto unmittelbar nach dem Trade zitieren, doch nur 77 Minuten später war Smith schon wieder weg als Teil eines Trades mit den Tampa Bay Rays. Die Rays erhielten neben Smith noch Pitcher Ryan Yarbrough und Shortstop Carlos Vargas als Preis für Starter Drew Smyly.
Das waren übrigens die Trades Nummer acht bis elf der Mariners seit Ende der letzten Saison und seit seinem Amtsantritt vor 16 Monaten hat Dipoto nun stolze 36 Trades auf dem Konto. Ich finde, das ist eine ziemlich beeindruckende Zahl in einem Sport, den man mit neun bis zehn Spielern ausübt. Ist Dipoto ein Genie oder eher ein moderner Hans im Glück? Wir werden sehen.

Plouffe und Casilla zu den Athletics 
Aktiv waren in den letzten Tagen auch die Oakland Athletics, wenngleich nicht in Form von Trades sondern durch Free-Agent-Verpflichtungen: Third-Baseman Trevor Plouffe (ehemals bei den Twins) unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag über 5 Millionen Dollar und Reliever Santiago Casilla kommt aus San Francisco zurück auf die andere Seite der Bay für 11 Millionen Dollar und zwei Jahre. Die beiden Verpflichtungen passen in das Schema, das die A’s in dieser Offseason bisher erkennen lassen: Sie setzen in ihrer noch andauernden Rebuilding-Phase auf kurze Veträge mit erfahrenen Spielern, die einerseits als Platzhalter und Mentoren für die eigenen Nachwuchsleute dienen können und andererseits möglicherweise noch etwas Gegenwert bringen, wenn der eine oder andere Contender zur Trade-Deadline bereit ist, Talente gegen kurzfristige Kaderergänzungen einzutauschen.

Die Rays holen Colby Rasmus
In einer ähnlichen Situation wie die Athletics sind die Tampa Bay Rays und auch ihre neueste Verpflichtung, der ehemalige Astros-Outfielder Colby Rasmus, passt in das eben beschriebene Schema. Der 30-Jährige hat eine schwache Saison mit einem Average von .206 und 15 Homeruns hinter sich und lässt sich mit 5 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Prämien das Jahr in Tampa Bay versüßen, in dem er versuchen wird, seine Karriere wiederzubeleben. Auch Rasmus könnte, sofern er bessere Stats abliefert als 2016, ein Tradekandidat für die Deadline Ende Juli sein.

Max Scherzer verletzt
Top-Pitcher Max Scherzer von den Washington Nationals sollte eigentlich einer der Stars des US-Teams beim World Baseball Classic (der Baseball-Weltmeisterschaft) im März sein, doch daraus wird nichts: Wegen eines Ermüdungsbruches in einem Finger seiner Wurfhand muss Scherzer die Teilnahme am Turnier absagen. Der Finger macht wohl schon seit August letzten Jahres Probleme und soll nun noch ein wenig länger geschont werden. Scherzer und die Nationals rechnen aber damit, dass er am Spring Training teilnehmen kann und rechtzeitig zum Saisonbeginn wieder voll einsatzfähig ist.

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