Juli 1st, 2021 by Silversurger

Halbzeit in der MLB: Bis zum All-Star-Break sind zwar noch eineinhalb Wochen zu spielen, doch die meisten Teams haben bereits die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Offiziell ist noch lange nichts entschieden, aber für viele Klubs ist die Saison trotzdem schon mehr oder weniger gelaufen. Laut den Playoff-Wahrscheinlichkeiten von Fangraphs liegen jedenfalls für 17 von 30 Teams die Hoffnungen auf eine Endrundenteilnahme inzwischen bei unter 15%. Ich werde im heutigen Überblick mal verstärkt auf diese Wahrscheinlichkeiten schauen. Wie diese zustande kommen, erkläre ich ganz am Ende dieses Artikels.

Von den Chancen, die sich die Klubs selbst für den Rest des Jahres ausrechnen, wird auch abhängen, ob und in welcher Art sie vor der Trade Deadline am 31. Juli noch mal auf dem Spielermarkt tätig werden. Die meisten Trades finden traditionell kurz vor der Deadline statt, aber die Blue Jays und die Marlins haben schon mal vorgelegt: Toronto sicherte sich in dem vorgestern eingefädelten Deal Reliever Adam Cimber und Outfielder Corey Dickerson, Miami erhält Infielder Joe Panik und Minor-League-Pitcher Adam McInvale. Das Kernstück des Trades dürfte Cimber sein, der eine dringend benötigte Aufwertung des Bullpens der Blue Jays darstellt. Ihn lassen sie sich ein Stück Zukunft in Form von McInvale kosten sowie das Geld, welches mit dem Tausch eines teuren mittelmäßigen Spielers (Dickerson) gegen einen günstigen mittelmäßigen Spieler (Panik) verbunden ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die aktuellen Vorkommnisse um Trevor Bauer, auch wenn es für eine faire Beurteilung wohl noch zu früh ist: Eine Frau wirft dem Pitcher der Dodgers vor, an ihr gegen ihren Willen entwürdigende und gewalttätige Sexualpraktiken vorgenommen zu haben. Bauer streitet die Praktiken nicht ab, stellt sie aber im Gegensatz zu der Frau als einvernehmlich dar. Wie in solchen Fällen üblich, wird die MLB eine eigene Untersuchung anstellen und über mögliche Konsequenzen entscheiden.

National League
In der NL East werden laut Fangraphs den New York Mets (41-35) mit 76,1% die größten Playoff-Chancen zugetraut. Alle anderen Teams der Divison rangieren unter 15%. Den Atlanta Braves (38-41, 14,6%) werden dabei noch etwas bessere Chancen zugerechnet als den Washington Nationals (40-38), obwohl diese zurzeit in der Tabelle vor den Braves stehen und nur noch zwei Spiele hinter den unübersehbar schwächelnden Mets rangieren. Die Mets haben ihre letzten 15 Spiele allesamt gegen Divisionskonkurrenten bestritten, dabei nur 6 Siege erzielt und nur ein einziges Mal mehr als 5 Runs gescort. Gestern setzte es eine 2:20-Packung gegen die Braves, nach der die Mets interessanterweise trotzdem noch die wenigsten Runs der Liga kassiert (aber gleichzeitig auch die wenigsten gescort) haben. Die Philadelphia Phillies (37-41, 6,9%) sind laut Fangraphs so gut wie aus dem Rennen um die Playoffs, die Miami Marlins (34-45, 0,1%) sowieso.

An der Spitze der NL Central hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Erdrutsch vollzogen: Die Milwaukee Brewers (48-33) haben die Chicago Cubs (42-39) in drei Spielen gesweept, und nachdem die Brewers jetzt acht Spiele in Folge gewonnen, die Cubs hingegen sechs hintereinander verloren haben, findet sich Milwaukee mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze wieder. Das schlägt sich auch in den Playoff-Wahrscheinlichkeiten nieder, die für die Brewers nun bei 86,0% liegen, für die Cubs hingegen nur noch bei 14,5%. Die St. Louis Cardinals (40-41) haben sich durch einen Sweep gegen Arizona wieder nahe an die Cubs und eine ausgeglichene Bilanz herangearbeitet. Fangraphs traut den Cards dennoch mit 4,2% noch geringere Playoff-Chancen zu als den Cincinnati Reds (39-40, 8,6%). Die Chancen der Pittsburgh Pirates (29-50) werden mit 0,0% beziffert. Interessant ist übrigens auch, dass sowohl in der NL East als auch in der NL Central die Playoff-Wahrscheinlichkeiten fast vollständig in der Chance bestehen, die jeweilige Division zu gewinnen. Die Chancen auf eine Wild Card liegen für alle Teams dieser Divisionen jeweils unter 6%.

Der Grund dafür ist natürlich in der NL West zu suchen und zu finden. Hier gibt es drei Teams mit sehr hohen Playoff-Chancen. Allen voran wird den Los Angeles Dodgers (49-31) eine Wahrscheinlichkeit von 99,3% zugerechnet, die sich zusammensetzt aus 64,3% für den Divisionssieg und weiteren 35% für eine Wild Card. Das Gegenstück dazu sind die San Diego Padres (49-32), die mit einer 29,2%-Chance auf die Division und einer 68,2%-Chance auf die Wild Card insgesamt 97,3% erreichen. Jetzt fragt man sich zurecht, was mit den San Francisco Giants (50-29) ist, die als bislang erfolgreichstes MLB-Team der Saison die Divisionstabelle anführen, auch nach zuletzt zwei Niederlagen gegen die Dodgers. Vom anhaltenden Erfolg der Giants ist Fangraphs noch nicht ganz überzeugt, schreibt ihnen aber immerhin eine 79,9%-Chance auf eine Playoff-Teilnahme zu (73,4% davon in Form einer Wild Card). Die Chancen der Colorado Rockies (34-47) und der Arizona Diamondbacks (22-60) stehen wenig überraschend bei 0,0%.

American League
Von den Wild Cards der American League dürfte mindestens eine in die AL East gehen. Die Boston Red Sox (50-31) sind mit 60,2% Favorit auf den Divisionssieg und zu 86,9% in den Playoffs. Dass ihre bislang überraschend starke Saison kein Zufall ist, konnten sie gerade erst wieder untermauern, indem sie zum zweiten Mal in Folge die New York Yankees (41-39) gesweept haben. Die Yankees haben mit 41,6% noch realistische Playoff-Chancen, optimistischer ist Fangraphs aber für die Tampa Bay Rays (47-34, 53,3%) und die Toronto Blue Jays (41-37, 46,2%). Die Baltimore Orioles (27-54) haben gerade mit einem 3-Spiele-Sweep in Houston ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich gegeben, sind aber längst so weit abgeschlagen, dass 0,0% ein realistisches Maß für ihre Playoff-Hoffnungen sind.

Für sehr unwahrscheinlich hält Fangraphs, dass die AL Central eine Wild Card abbekommt. In den Playoffs ist vor allem mit den Chicago White Sox (47-32) zu rechnen, die zu 89,5% dabei sind und zwar höchstwahrscheinlich (87,1%) als Divisionssieger. Die Cleveland Indians (42-35) sind mit Playoff-Chancen von 18,2% nur Außenseiter und könnten es am ehesten schaffen, indem sie den White Sox den Divisionssieg abjagen (11,4%). Trotz der klaren Zweiteilung der Division ist es laut den Playoff-Odds übrigens noch nicht sicher, dass die AL Central sich zwischen den White Sox und den Indians entscheidet: Die Minnesota Twins (33-45) haben demnach immerhin noch eine 1,3%-ige Chance auf den Gruppensieg und selbst Schlusslicht Kansas City Royals (33-46) bringt es nach zuletzt acht Niederlagen in Folge noch auf 0,2%. Allein die Detroit Tigers (36-45), in der Tabelle immerhin Dritter und gerade zweimal siegreich gegen die Indians, bekommt von Fangraphs keine Liebe und steht bei 0,0%.

In der AL West stehen zwei Teams bei 48 Siegen und beiden rechnet Fangraphs gute Chancen zu, die Playoffs zu erreichen. Trotz des peinlichen Rückschlags gegen die Orioles stehen die Houston Astros (48-33) knapp vorne und haben mit 90,5% die höchste Wahrscheinlichkeit für die Postseason, davon 74,4% für den Gruppensieg. Die Astros weisen übrigens mit 13,5% auch die besten Chancen aller AL-Teams auf, die World Series zu gewinnen. Höher eingestuft ist nur der Titelverteidiger aus der NL, die Dodgers mit 16,4%. Die Oakland Athletics (48-34) gewinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,0% die Division und haben ansonsten gute Chancen (36,7%) auf einen Wild-Card-Platz. Dahinter wird es recht dünn: Die Chancen der Los Angeles Angels (39-41), Shohei Ohtani und Mike Trout eine Playoff-Bühne zu bieten, liegen bei nur 10,6%; den Seattle Mariners (42-39) traut Fangraphs trotz der besseren Bilanz nur zu 1,6% die Postseason zu. Die Texas Rangers (31-49) sind mit 0,0% draußen und können sich ganz darauf konzentrieren, wenigstens die Trade-Deadline erfolgreich zu gestalten. 

Szene der Woche
Die Kampagne der MLB gegen den Gebrauch klebriger Substanzen hat ihr erstes Opfer, besser gesagt ihren ersten Täter gefunden: Hector Santiago von den Seattle Mariners erhielt am Sonntag in der Mitte des fünften Innings der Partie gegen die White Sox einen Platzverweis, nachdem die Umpires seinen Handschuh kontrolliert hatten. Santiago beteuerte hinterher, er habe lediglich Harzpulver benutzt, das zum Trocknen der Wurfhand erlaubt ist. In Verbindung mit Schweiß habe es sich möglicherweise zu einer schmierigen Masse entwickelt. Mit der Argumentation kam er offenbar nicht durch, denn die Liga bestätigte am Dienstag nach einer weiteren Prüfung des beschlagnahmten Handschuhs Santiagos Sperre für zehn Spiele. Den Spieler kostet das mindestens einen Start, das Team kostet es den Rosterplatz, den es während der Sperre nicht anderweitig besetzen darf.

Statistik der Woche 
10. So viele hintereinander erzielte Strikeouts durch einen Pitcher in einem Spiel sind MLB-Rekord. Aufgestellt hat diese Marke der legendäre Tom Seaver im Jahr 1970 für die New York Mets. Seit Freitag teilt Seaver sich den Rekord mit Aaron Nola von den Philadelphia Phillies. Verrückterweise gelang Nola diese besondere Leistung ausgerechnet gegen die Mets – jedes seiner zehn Strikeout-Opfer trug Seavers Nummer 41 am Ärmel, zum Gedenken an den letztes Jahr mit Covid-19 verstorbenen Hall-of-Famer. Ort des Geschehens war Citi Field, der Nachfolge-Ballpark von Shea Stadium, in dem Seaver vor 51 Jahren die Bestleistung aufgestellt hatte. Die Adresse von Citi Field lautet übrigens Seaver Way 41. Das Spielergebnis war sowohl am 22. April 1970 als auch am 25. Juni 2021 dasselbe: 2:1 für die Mets.

Spiel der Woche
Nach einer Flut von No-Hittern zu Saisonbeginn hat es ein paar Wochen gedauert, doch nun hat die MLB-Saison 2021 ihr siebtes Spiel, in dem eine Mannschaft ohne Hit blieb. Die Chicago Cubs vollbrachten das Kunststück gegen den amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers. Es war der 17. No-Hitter in der Geschichte der Cubs, aber der erste, an dem mehrere Pitcher beteiligt waren. Zach Davies benötigte für die ersten sechs Innings 94 Pitches, in denen er fünf Walks zuließ und durch einige starke Defensivaktionen an der dritten Base von Kris Davis unterstützt wurde. Das war ein guter, aber kein überragender Start, der sich für die Cubs selbst offenbar nicht so recht nach einem No-Hitter anfühlte. Jedenfalls hatte Closer Craig Kimbrel, der nach sauberen Innings von Ryan Tepera und Andrew Chafin die letzten drei Outs besorgte, zunächst keine Ahnung, dass er gerade nicht nur einen 4:0-Sieg, sondern einen No-Hitter vollendet hatte.

Mit sieben No-Hittern ist der moderne MLB-Rekord von 1990, 1991, 2012 und 2015 schon zur Saisonmitte eingestellt. Der Allzeit-Rekord von acht No-Hittern stammt aus dem Jahr 1884, noch bevor der Mound 1893 auf seine bis heute gültige Entfernung festgelegt wurde. Die Chancen stehen gut, dass beide Marken dieses Jahr noch fallen. In drei weiteren Spielen der letzten Tage roch es ebenfalls nach No-Hitter: Für die Red Sox hatte Nick Pivetta am Donnerstag gegen die Rays 6.2 No-Hit-Innings, bevor man ihn nach 100 Pitches auswechselte und Darwinson Hernandez im nächsten Inning den ersten Hit abgab. Pirates-Rookie Max Kranick feuerte in seinem MLB-Debüt am Sonntag fünf perfekte Innings. Er benötigte dafür nur 50 Pitches, musste aber ausgewechselt werden, als sein Lauf durch eine einstündige Regenpause unterbrochen wurde. Am Dienstag waren die Pirates auf der anderen Seite eines Beinahe-No-Hitters, als German Marquez für die Rockies in einem Complete-Game-Shutout acht No-Hit-Innings schaffte, bevor er beim zweiten Pitch im neunten Inning den ersten und einzigen Treffer durch Pittsburghs Ka’Ai Tom zuließ.

Mein Einschalttipp
Das Derby zwischen den New York Yankees und den New York Mets, allgemein als Subway Series bekannt, geht am Wochenende in die erste Runde. Die MLB hat dieses Jahr geschichtsträchtige Daten für das Stadtduell ausgewählt: Die Hinserie in Yankee Stadium umfasst den 4. Juli, die Rückserie in Citi Field den 11. September. Wenn man Fan eines der beiden Teams ist, sind die drei Spiele von Freitag bis Sonntag quasi Pflicht, auch wenn das zwei Nachtschichten bedeutet. Für alle anderen bietet sich an, in das Samstagspiel ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinzuschauen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Michael King (4.06 ERA, 4.65 FIP) für die Yankees und Marcus Stroman (2.44 ERA, 3.59 FIP) für die Mets sein. Falls ihr kein mlb.tv-Abo habt, müsst ihr auch nicht leer ausgehen, denn das Freitagsspiel ist das „Free Game of the Day“.

Erläuterung zu den Playoff-Wahrscheinlichkeiten
Die sogenannten Playoff-Odds, mit denen ich in der heutigen Übersicht hantiert habe, stammen von der Statistikseite fangraphs.com. Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen dieser Spieler für den Rest des Jahres prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

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Juni 5th, 2021 by Silversurger

Wenn im Baseball die Rede von einem 2-Way-Player ist, denkt man vermutlich erst mal an Shohei Ohtani und an Babe Ruth. Bei mir geht es heute um einen 2-Way-Player der ganz anderen Art. Scott Radinsky war von 1990 bis 2001 als Relief Pitcher für die Chicago White Sox, die Los Angeles Dodgers, die St. Louis Cardinals und die Cleveland Indians aktiv und füllte danach diverse Coaching-Jobs in den Major und Minor Leagues aus. Das würde nach einer ziemlich normalen Profi-Baseballkarriere klingen, hätte Radinsky nicht die ganze Zeit über ein zweites Standbein als Punkrocker gepflegt, was seine Lebensgeschichte zu einer doch eher ungewöhnlichen macht. Zunächst mit Ten Foot Pole und dann mit der 1994 von ihm gegründeten Band Pulley nutzte Radinsky regelmäßig die Saisonpausen, um Alben aufzunehmen und durch die Welt zu touren, unter anderem als Support von Green Day und NOFX. Vor wenigen Tagen hat Pulley eine neue EP veröffentlicht. Ich hatte das Vergnügen, mit Scott Radinsky ein Interview führen zu dürfen, das ihr im Folgenden nachlesen könnt.

Scott Radinsky 2012 als Pitching Coach der Indians1

Dominik: Zunächst mal herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für mich und meine Leserinnen und Leser nimmst. Würdest du dich bitte kurz vorstellen und erzählen, was du getan hast und zurzeit tust?

Scott: Danke, gern. Ich bin Scott Radinsky, ein ehemaliger MLB-Pitcher und Profi-Baseball-Coach, der auch in einer Punk-Band namens Pulley singt. In den letzten paar Jahren habe ich bei einem lokalen High-School-Team ausgeholfen und mich für USA Baseball engagiert. [Anm.: USA Baseball ist quasi das US-Pendant zum DBV und unter anderem für die Olympia- und Nationalmannschaften verantwortlich.]

Dominik: Baseball und Punkrock, das klingt für mich nach einer großartigen Kombination, weil ich persönlich beides sehr mag, aber es scheinen mir auch zwei sehr unterschiedliche Welten zu sein – auf der einen Seite ein Sport, der als eher konservativ gilt und viel Disziplin und Einordnung in hierarchische Strukturen verlangt, auf der anderen Seite eine Musikszene, deren Mottos darin bestehen, seinen eigenen Weg zu gehen, Autoritäten und Hierarchien in Frage zu stellen usw. Wie passt das für dich zusammen?

Scott: Nun, tatsächlich hat beides für mich nie richtig zusammengepasst, abgesehen davon, dass es die einzigen Dinge sind, die ich je gemacht habe. Wenn ich nach Gemeinsamkeiten suche, dann ist es am ehesten, dass man in beiden Fällen vor Publikum spielt, aber das ist auch schon so ziemlich alles. Baseball ist der große Apparat mit festen Strukturen und Leuten, die sich gegenseitig ausbooten, um selbst nach oben zu kommen. Es ist eine ziemliche Ellenbogengesellschaft. Das Spiel ist großartig, aber das Business? Äh, nicht so großartig. 
Punkrock hingegen kam immer ohne echte Grenzen aus, innerhalb derer man sich bewegen müsste, man hat die Freiheit, sich künstlerisch und musikalisch auszudrücken und einfach man selbst zu sein. Gerade wenn man mit Labels arbeitet, die selbst von Punks betrieben werden, gibt einem das die Freiheit, sich auszudrücken und die Ermutigung, den eigenen Weg zu gehen, egal wohin dieser einen führt. 

Dominik: Würdest du sagen, Baseball sollte in der Hinsicht etwas vom Punkrock lernen?

Scott: Sie könnten auf jeden Fall lernen, mehr sie selbst zu sein und den Spielern mehr zu erlauben, sich auszudrücken. Tatsächlich gab es in den letzten paar Jahren deutlich weniger Kontroversen um die Aufrechterhaltung bestimmer Images, und einige Spieler mit offener Persönlichkeit werden ermutigt, diese auszuleben und sich nicht anzupassen. Das ist ein großer Schritt für ein Spiel, das es seit über 100 Jahren gibt, mit ungeschriebenen Regeln, Traditionen usw. Vielleicht ist der Baseball also bereits dabei, eine Seite aus dem Punkrock-Handbuch zu übernehmen.

Dominik: Alice Cooper hat mal gesagt: „Wenn mich jemand vor die Wahl gestellt hätte, ein Rockstar zu sein oder im Leftfield für die Tigers zu spiele, dann wäre das gar keine Frage gewesen. Ich hätte einfach gesagt: Wo ist mein Spind?“ Was wäre deine Wahl gewesen, wenn du zwischen Bühne und Mound hättest entscheiden müssen?

Scott: Ich denke, in dem Fall hätte ich gewählt, von Februar bis Oktober ein Baseballspieler zu sein und ein Punk in den restlichen vier Monaten des Jahres. Moment mal – das ist ja genau das, was ich bin!

Dominik: Wie war das mit deinen Teamkameraden während der aktiven Karriere, haben sie sich für dein Zweitleben als Musiker interessiert?

Scott: Einige waren beeindruckt, anderen war es egal oder es war ihnen gar nicht bewusst. Ich habe es meistens ziemlich gut hinbekommen, beides voneinander zu trennen, außer wenn ich wusste, dass sich jemand aufrichtig interessierte. Einige der Jungs waren auf Konzerten oder während der Aufnahmen im Studio und da wurde ihnen erst richtig klar, scheiße, das ist echt. Sie hatten definitiv eine andere Perspektive, nachdem sie es persönlich aus der Nähe gesehen haben.

Dominik: Und wie war es andersherum für deine Bandkollegen? Es heißt, dass du wegen dem Baseball aus deiner früheren Band Ten Foot Pole rausgeflogen bist.

Scott: Ja, Baseball war die Begründung, dass man mich bat, die Band zu verlassen, obwohl ich zu der Zeit schon seit acht Jahren professionell gespielt hatte. Es war die Zeit der Punk-Explosion in den frühen bis mittleren 1990ern und Ten Foot Pole hatte die Hoffnung, den Durchbruch zu schaffen. Je nachdem, wie man es betrachtet, kann man wohl auch sagen, dass vielleicht Geld der Grund war.  

Dominik: Du hast in 557 MLB-Spielen gepitcht. Welches war das eine Spiel oder der eine Moment, den du am meisten genossen hast?

Scott: Das war wahrscheinlich der Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal in der Major League pitchen durfte. Das ist der Moment, auf den wir alle hinarbeiten. Als es endlich passierte und ich mir bewusst machte, dass ich in einem MLB-Spiel pitchte, da wusste ich: Ich hab’s geschafft! Danach kam der anstrengende Teil, der Kampf ums Überleben und darum, so lange dabei zu bleiben wie ich konnte.

Dominik: Hattest du als Reliever einen Walkup-Song, vielleicht sogar von deiner Band? 

Scott: Ich hatte leider keinen Song, der regelmäßig gespielt wurde, wenn ich ins Spiel kam. Ich hätte wohl einen von den Ramones gewählt.

Dominik: Inwiefern fließen deine Baseballerfahrungen in deine eigenen Songtexte ein?

Scott: Mein tägliches Leben ist definitiv ein Einfluss auf meine Lyrics und manchmal ist Baseball ein Teil davon. Ich bin nicht sicher, ob ich einen ganzen Song nennen könnte, der sich auf Baseball zurückführen lässt. Der Einfluss kommt wohl eher in Form von einzelnen Gedanken, Zeilen und Abschnitten zum Tragen als in kompletten Liedern. 

Dominik: Wäre es denn vorstellbar für dich, mal ein ganzes Album zu veröffentlichen, auf dem sich alles um Baseball dreht, so wie man es von den Isotopes kennt?

Scott: Ich weiß nicht recht, ob ich das könnte. Gott sei Dank gibt es die Isotopes.

Dominik: Apropos Veröffentlichen, ihr habt mit Pulley gerade die EP „Different Strings“ herausgebracht. Sie enthält vier Songs, die man von euch schon kannte, in neuen Akustik-Versionen. Wie ist es dazu gekommen?

Scott: Das ging zum Beginn der Coronazeit los, während wir dabei waren, neue Songs zu schreiben. Wenn wir davon eine Pause brauchten, klimperten wir zwischendurch ältere Songs auf Akustikgitarren und stellten fest, dass einige der Lieder auf diese Art gar nicht schlecht klangen. Also haben wir eine Auswahl getroffen und sie aufgenommen.

Dominik: Dass ihr dabei wart, neue Songs zu schreiben, heißt also, dass demnächst auch mit einem vollen Album zu rechnen ist? 

Scott: Ja, wir sind nach wie vor dran und werden demnächst weitere Veröffentlichungen am Start haben.

Dominik: Gibt es Hoffnung, euch auch bald mal wieder in Deutschland zu sehen, wenn die Coronasache durchgestanden ist?

Scott: Ich hoffe ganz stark, dass wir alle bald wieder Shows besuchen und spielen und uns an Live-Musik erfreuen können.

Dominik: Leider sind Musik und Sport zwei der am härtesten von Corona getroffenen Bereiche. Wie gut bist du mit der Pandemiesituation zurecht gekommen?

Scott: Ja, die Pandemie hat uns alle hart getroffen. Aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbracht habe und das langsame Leben genossen habe. Insofern war es in Ordnung für mich und hat mich nicht verrückt gemacht. Sicher war bei mir der Druck auch dadurch geringer, dass ich vorher schon keinen festen Job hatte und mir trotzdem keine Sorgen machen musste. Ich weiß nicht, wie lange das Sportgeschäft brauchen wird, bis es die finanziellen Einbußen verkraftet hat, aber zurzeit können die Stadien ihre Kapazitäten wieder stärker ausschöpfen, was für die Eigentümer hilfreich und ermutigend sein dürfte. 

Dominik: Wie sehen deine Zukunftspläne im Baseball aus? Hast du die Hoffnung, es als Trainer oder Manager noch mal zurück in die Big Leagues zu schaffen?

Scott: Momentan setze ich erstmal meine Arbeit mit USA Baseball und auf dem High-School-Level fort. Zudem gibt es ein College-Summer-League-Team in meiner Nähe, bei dem ich ebenfalls als Coach mithelfen werde. Was eine Rückkehr in den professionellen Baseball angeht, würde ich die Tür nicht ganz schließen wollen, aber ich bin definitiv nicht auf der Suche. Falls jemand anruft, werde ich sicher zuhören. Angesichts der Richtung, die das Profi-Level zurzeit eingeschlagen hat, muss ich sagen, dass ich sicher besser in einen Bereich passe, in dem ich eher lehren kann als nur Informationen zu transferieren. 

Dominik: Wie stehst du zu den Regeländerungen, die in letzter Zeit umgesetzt wurden oder noch diskutiert werden, zum Beispiel das 3-Batter-Minimum, automatische Baserunner in Extra-Innings oder den universellen DH?

Scott: Ich habe schon eine Meinung zu all diesen Themen, aber im Endeffekt werde ich weder in die eine noch in die andere Richtung etwas ändern können. Daher schwimme ich in dem Fall mit dem Strom und nehme es so wie es kommt. Generell habe ich den Eindruck, dass sich die Dinge ein bisschen in Richtung Little League entwickeln. 

Dominik: Du hast jahrelang für die Cleveland Indians gespielt und gearbeitet. Was hältst du von den Diskussionen um den Namen und das Logo?

Scott: Ja, ich war fast ein Jahrzehnt lang in verschiedenen Rollen für die Indians tätig. Ich muss zugeben, dass ich in der Zeit nie wirklich über den Namen nachgedacht habe. Es hat mich nie beschäftigt, weil ich sie nur unter diesem Namen kannte.

Dominik: Wenn du bei der anstehenden Auswahl des neuen Namens mitbestimmen könntest, wie würdest du das Team nennen?

Scott: Ich würde es definitiv gern „The Cleveland Baseball Team“ nennen. Ich finde, das hat einen guten Klang, lang aber gut. Aber es wird mir auch schwer fallen, sie irgendwie anders zu nennen als die Indians.

Dominik: Gibt es noch etwas, das du mit mir und meinen Leserinnen und Lesern teilen möchtest, auch wenn ich versäumt haben sollte, die richtige Frage zu stellen?

Scott: Ich möchte einfach allen danken, die das Interview gelesen haben und bis zum Ende dabei geblieben sind. Passt auf euch auf und seid nett zueinander!

Dominik: Da schließe ich mich doch glatt an. Vielen Dank, Scott!

Scott Radinsky bei einem Konzert mit Pulley 20132

Ein weiteres Dankeschön geht an Nick Josten von JO!PR und SBÄM Records für die Vermittlung des Interviews. Hier könnt ihr euch den ersten Song der EP „Different Strings“ von Scotts Band Pulley anhören. Ihr findet sie bei den bekannten Streaminganbietern, zudem sind unter dem Video (wenn ihr es in Youtube öffnet) Bezugsquellen für die Vinyl-Version genannt.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Achim Raschka (CC BY-SA 3.0)

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Juni 3rd, 2021 by Silversurger

Rund ein Drittel der MLB-Saison ist bereits gespielt und zur großen Freude jedes neutralen Beobachters geht es in allen Divisionen noch äußerst spannend zu. Nur in einer Division beträgt der Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten mehr als 2,5 Spiele, dafür liegen in jener Division lediglich 6 Spiele zwischen dem Ersten und dem Letzten. 

Vor dem gewohnten Überblick zum Stand der Dinge in der MLB noch eine Ankündigung: Ich hatte das Vergnügen, ein Exklusiv-Interview mit einem langjährigen MLB-Spieler zu führen. Ich bin gerade dabei, die Übersetzung aufzuschreiben, und werde das Ganze aller Voraussicht nach am Samstag veröffentlichen. Schaut also bitte am Wochenende mal hier vorbei, es wird auf jeden Fall interessant. Gerne könnt ihr auch raten, um wen es sich handelt. Mein Hinweis lautet: Er ist bzw. war ein 2-Way-Player der etwas anderen Art. 

National League
Es ist nicht lange her, da war die NL East die spannendste Division der Liga und hatte fast täglich einen neuen Tabellenführer. Inzwischen haben sich die New York Mets (27-21) ganz ordentlich abgesetzt, mit 4,5 Siegen ist ihr Vorsprung auf die zweitplatzierten Philadelphia Phillies (26-29) und Atlanta Braves (25-28) der größte in der MLB. Dabei haben die Mets von allen Teams die wenigsten Spiele auf dem Konto – diese Woche hatten sie schon wieder zweimal das Pech, Spiele gegen die Braves wegen schlechten Wetters ausfallen lassen zu müssen. Am Ende der Tabelle stehen die Miami Marlins (24-30) nach fünf Niederlagen in Folge nun gleichauf mit den Washington Nationals (23-29).

Einen Wechsel an der Spitze gibt es in der NL Central. Die Chicago Cubs (32-23) laufen zurzeit richtig heiß, haben neun der letzten zehn Spiele gewonnen und zuletzt sogar die Padres gesweept. Damit sind sie an den St. Louis Cardinals (31-25) vorbei gezogen, während diese eine Serie gegen die Dodgers verloren. Die Milwaukee Brewers (29-26) haben sich, unter anderem mit einem Sweep gegen die Nationals, auch wieder ein Stück herangearbeitet. Die nächste Woche anstehende Serie der Brewers gegen die Cincinnati Reds (24-29) könnte für Letztere schon fast entscheidend in der Hinsicht sein, ob die Reds sich dieses Jahr noch Hoffnungen auf die Postseason machen dürfen. 

In der NL West liegt es ohne Frage auf der Hand, wer auf die Postseason hoffen darf: Die San Francisco Giants (34-21), die San Diego Padres (34-23) und die Los Angeles Dodgers (33-23) werden den Divisonssieg sowie mindestens einen Wild-Card-Platz unter sich ausmachen. Die Padres waren das dominierende Team der letzten Wochen, mussten nun aber einen Dämpfer hinnehmen, indem sie von den Cubs gesweept wurden. Prompt haben sich die Giants den Platz an der Sonne geschnappt, die am Wochenende die wichtige Serie gegen die Dodgers 3-1 gewonnen haben. Nun müssen die Giants allerdings ebenfalls gegen die Cubs antreten; für mich wird das die interessanteste Serie der kommenden Tage (siehe „Einschalttipp“). 

American League
Die Tampa Bay Rays (35-22) stehen zwar nach wie vor an der Spitze der AL East sowie der AL insgesamt, aber in den letzten beiden Spielen gegen den vermeintlichen Lieblingsgegner New York Yankees (31-25) zogen sie zweimal knapp den kürzeren. Heute Abend ab 19:05 Uhr unserer Zeit steigt das vierte Spiel der Serie. Für die Boston Red Sox (32-23) wäre das Aufeinandertreffen der beiden Konkurrenten die Chance gewesen, sich den ersten Platz zurück zu holen, doch mit drei Niederlagen gegen die Astros ließen sie diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen. Am Wochenende steht übrigens mal wieder das ewig junge Duell der Red Sox gegen die Yankees an, während die Rays zu den zuletzt desolaten Rangers reisen. Die Toronto Blue Jays (29-25) haben seit zwei Tagen ihr Ausweichquartier in Buffalo bezogen. Sie fühlen sich dort offenbar wohl, jedenfalls wurden die ersten Spiele gegen die Marlins beide gewonnen. 

In der AL Central duellieren sich gerade die beiden Spitzenteams, die Chicago White Sox (33-22) und die Cleveland Indians (30-24). Das erste Spiel ging mit 8:6 an die White Sox und es sah so aus, als könnten die Southsider die Tür zum Divisionssieg weit aufstoßen, doch die Indians holten sich die beiden folgenden Spiele mit 3:1 und 6:5. Ein viertes Spiel in dieser spannenden Serie wäre schön gewesen, fiel aber gestern leider dem Wetter zum Opfer. Die Kansas City Royals (27-26) sind wieder knapp im positiven Bereich, nachdem sie diese Woche vier von fünf Spielen gewannen – je zwei gegen die Pirates und gegen die Minnesota Twins (22-33). Die Twins sind mittlerweile Letzter hinter den Detroit Tigers (23-32).

Die AL West wird von den Oakland Athletics (33-25) angeführt, denen die Houston Astros (31-24) unmittelbar im Nacken sitzen. Wenn man auf das Run Differential schaut, müsste es längst umgekehrt stehen – die Astros haben mit +62 das zweitbeste Run-Verhältnis der AL, die A’s stehen gerade mal bei +1. Die Stärke der Athletics besteht darin, die knappen Spiele zu gewinnen. 11-7 ist ihre Bilanz in 1-Run-Games, das ist die zweitstärkste Ausbeute der Liga. Noch besser stehen in dieser Art von Spielen nur die Seattle Mariners (28-29) da mit einer Bilanz von 13-5. Auch in der gerade beendeten Serie gegen die Athletics gewannen die Mariners ein Spiel mit einem Run Unterschied – verloren allerdings die anderen beiden mit jeweils sechs Runs Abstand. 

Szene der Woche 
Was um Himmels willen war das, was Javier Baez letzten Donnerstag gegen die Pirates gemacht hat? Eigentlich war es ein Routine-Groundout, bei dem der gegnerische First Baseman Will Craig einfach nur auf seine Base hätte treten müssen. Doch Schlitzohr Baez gelang es mit einer unerwarteten Kehrtwende, Craig dermaßen zu verwirren, dass der sich auf einen absurden Rundown zwischen Home und First einließ, an dessen Ende die Cubs einen Run gescort hatten und Baez an der zweiten Base angekommen war. 

Statistik der Woche 
2.000.000. Third Baseman Josh Donaldson von den Minnesota Twins hat letzten Samstag den zweimillionsten Run der MLB-Geschichte erzielt. Er scorte ihn bei einem Automatic Double seines Teamkameraden Nelson Cruz im ersten Inning gegen Royals-Pitcher Ervin Santana. Das sagt jedenfalls das Elias Sports Bureau, der offizielle Statistikdienst der MLB. Baseball Reference sieht das leicht anders und rechnet den zweimillionsten Run Cesar Hernandez von den Indians zu, einen Tag früher als Donaldson. Beide Dienste zählen, unter gewissen historischen Uneindeutigkeiten, die Runs ab der Gründung der National League im Jahr 1876. Bezieht man die Spiele der 1871 gegründeten National Association mit ein, wurde der Meilenstein schon früher erreicht – und noch sehr viel früher, wenn künftig die Statistiken der Negro Leagues mitgezählt werden, wie es die MLB letztes Jahr angekündigt hat. 

Spiel der Woche
Vier Spiele hatten die Giants innerhalb einer Woche gegen die Dodgers verloren, bevor ihnen die Wende gelang und sie ihrerseits drei Siege gegen den Erzrivalen einfuhren. Dass es dazu kam, haben sie zu einem guten Teil ihrem Outfielder Mike Tauchman zu verdanken, dessen Rettungsaktion gegen Albert Pujols vielleicht schon der Catch des Jahres war. Vorangegangenen war ein Schlagabtausch, bei dem die Giants dreimal in Führung gegangen waren, zuletzt im achten Inning durch einen 3-Run-Homerun von Buster Posey, übrigens den 150. seiner Karriere. Jedes Mal glichen die Dodgers postwendend aus. Der weite Ball ins Leftfield von Pujols hätte den Walkoff-Sieg für L. A. bedeutet, wäre Tauchman nicht mit dem spektakulären Play zur Stelle gewesen. So hatten die Giants weiterhin die Siegchance, die sie im zehnten Inning schließlich nutzten. 

Mein Einschalttipp
Die interessanteste Serie des Wochenendes ist für mich wie gesagt die zwischen den San Francisco Giants und den Chicago Cubs. Beide Teams führen nach dem ersten Drittel der Saison überraschenderweise ihre Division an, beide haben in der vergangenen Woche die Favoriten der National League – die Padres bzw. die Dodgers – abgefertigt und treffen nun erstmals in diesem Jahr aufeinander. Wie für Westküstenspiele üblich, finden die meisten Partien der Serie nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, aber immerhin können wir das Finale am Sonntag ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sehen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Kyle Hendricks für die Cubs (4.62 ERA, 5.51 FIP) und Johnny Cueto (3.45 ERA, 2.64 FIP) für die Giants sein. 

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Mai 20th, 2021 by Silversurger

Es ist ganz offensichtlich das Jahr der No-Hitter in der MLB: Detroits Spencer Turnbull und Corey Kluber von den Yankees sind schon der fünfte und der sechste Pitcher mit einem Spiel ohne gegnerischen Hit in dieser noch relativ jungen Saison. Neben den No-Hittern häufen sich zurzeit leider auch die Verletzungen bei vielen Teams. Der prominenteste Ausfall dieser Woche ist Angels-Superstar Mike Trout, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel sechs bis acht Wochen pausieren muss. Auch Kevin Pillar, Centerfielder der Mets, wird eine Weile nicht spielen können, nachdem er einen Pitch ins Gesicht bekam und sich mehrfach die Nase brach. Ein erster Kandidat für die dämlichste Verletzung des Jahres steht auch schon fest: Huascar Ynoa, Pitcher der Braves, brach sich am Sonntag die Hand, als er aus Frust über die eigene Leistung auf eine Bank im Dugout einschlug.

National League
Jede Woche ein neuer Tabellenführer in der NL East? Das stimmte in letzter Zeit meistens, aber nicht dieses Mal. Die New York Mets (20-17) halten sich knapp vor den Philadelphia Phillies (22-21), auch und vor allem indem sie in den letzten Tagen die Atlanta Braves (20-23) durch eine gewonnene Serie auf Distanz gehalten haben. Dass die Mets sich so wacker schlagen, ist bemerkenswert – einerseits weil sie immer noch mit Abstand die wenigsten Runs der gesamten MLB auf dem Konto haben, andererseits weil sie zurzeit extrem ersatzgeschwächt antreten müssen: Mit Jeff McNeill, Michael Conforto, Kevin Pillar, Brandon Nimmo, J. D. Davis, Albert Almora, Luis Guillorme, Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Carlos Carrasco, Taijuan Walker und Seth Lugo stehen inzwischen mehr als die halbe Startformation plus die beiden wichtigsten Ersatzspieler und eine komplette Starting Rotation auf der Verletztenliste. 

In der NL Central haben die St. Louis Cardinals (25-18) sich zwar letztes Wochenende von den Padres sweepen lassen, doch zwei Siege gegen die Pittsburgh Pirates (17-25) genügten, um sich gegenüber der schwächelnden Konkurrenz in der Division ein Stück weiter abzusetzen. In den kommenden Tagen haben die Cardinals ihren Verfolger Nummer eins, die Chicago Cubs (21-21), in einer möglicherweise richtungsweisenden Serie zu Gast. Ebenso richtungsweisend kann auch die Serie der Milwaukee Brewers (21-22) bei den Cincinnati Reds (19-22) werden. Beide Teams kassierten zuletzt eine Menge Niederlagen und müssen darum kämpfen, nicht langfristig den Anschluss zu verlieren. 

Der Anschluss in der NL West ist für zwei Teams längst abgerissen. Zwischen den Arizona Diamondbacks (18-26) und den Colorado Rockies (15-29) auf der einen und den restlichen drei Teams auf der anderen Seite vollzieht sich eine Kluft, die selbst in noch weit über 100 ausstehenden Spielen unüberbrückbar erscheint. Das kommt nicht ganz überraschend – abgesehen davon, dass ich die San Francisco Giants (27-16) am unteren Rand der Kluft erwartet hätte statt an der Tabellenspitze, die sie zurzeit vor den San Diego Padres (27-17) und den Los Angeles Dodgers (25-18) behaupten. Ich habe hier schon ein paarmal geschrieben, dass die Giants auch etwas Glück mit dem Spielplan hatten, aber das ist jetzt vorbei: Am Wochenende treffen die Giants erstmals in dieser Saison auf die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), am Wochenende danach übrigens schon wieder. Nutznießer des Duells der Erzrivalen könnten die Padres sein, die den Covid-Ausbruch im Team sensationell weggesteckt und neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben.

American League
Mit der Hochspannung in der NL West kann in der American League vor allem die AL East mithalten. Die Boston Red Sox (26-18) stehen zwar seit Wochen an der Spitze, doch es ist inzwischen ein Vierkampf, und die Abstände zwischen Boston, den Tampa Bay Rays (25-19), den Toronto Blue Jays (23-18) und den New York Yankees (24-19) sind hauchdünn. Alle drei Verfolger haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, die Rays sogar die letzten sechs am Stück. Die interessanteste Paarung der nächsten Tage steigt in Dunedin, Florida, wo die Blue Jays die Rays für vier Spiele empfangen. Es werden übrigens die letzten „Heimspiele“ sein, die die Blue Jays in dem nur wenige Meilen von Tampa entfernten Spring-Training-Park absolvieren. Ab 1. Juni wird das Übergangs-Zuhause ein Stück näher an die kanadische Grenze verlegt, in den Ballpark des AAA-Affiliates Buffalo Bisons.

Bei den Chicago White Sox (26-17) läuft es im Prinzip super. Zehn der letzten dreizehn Spiele – übrigens allesamt gegen die Kansas City Royals (20-22) und die Minnesota Twins (14-27) – wurden gewonnen, die AL Central führt man mit zwei Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (23-18) an. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein in Chicagos Süden, denn zwischen Team und Manager scheint es zu knirschen – mehr dazu später in diesem Artikel. Richtig mies läuft die bisherige Saison für die Twins. Was ist los mit dem Team, das als Co-Favorit mit den White Sox gestartet war, aber nun Letzter ist? Ein einzelner Grund lässt sich nicht festmachen, denn sowohl die Offense als auch die Starter finden ihren Rhythmus nicht, vom Bullpen ganz zu schweigen. Meine Vermutung ist, dass es in erster Linie eine Frage verlorenen Selbstvertrauens durch den schwachen Start ist. Um auch etwas Positives aus der Central zu berichten: Die Detroit Tigers (17-26) sind auf einer richtig guten Welle. Acht der letzten zehn Spiele hat der Außenseiter gewonnen, darunter sogar einen No-Hitter gegen die Mariners – auch dazu später mehr.

Apropos Seattle Mariners (21-23): Ihre Saison ist bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt. Vom krassen Außenseiter schwangen sie sich auf zum Überraschungsteam und scheinen nun auf dem Weg zurück in die Niederungen der AL West. Von ihren letzten fünfzehn Spielen haben sie nicht nur zehn verloren, sondern sich dabei zweimal no-hitten lassen. Durch den Absturz der Mariners und die weiterhin wenig ermutigenden Leistungen der Los Angeles Angels (18-24) und Texas Rangers (19-26) entwickelt sich die Division immer mehr zu einem Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (26-18) und den Houston Astros (25-18). Die beiden stehen sich derzeit im direkten Duell gegenüber; nach je einem Sieg für beide Teams steht heute Abend ab 21:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Game um die Tabellenführung an.

Szene(n) der Woche
Hier hätte ich gern den Schlag von Huascar Ynoa gegen die Dugout-Bank gezeigt, aber leider ist davon kein Videomaterial zu finden. Stattdessen zeige ich euch zwei Aktionen, über die diese Woche in den sozialen Medien diskutiert wurde. Die erste ist ein Slide von Manny Machado. Im Spiel selbst war es keine große Sache: Machado slidet unter Tommy Edman, um den Tag und ein Doubleplay zu verhindern. Danach schaut er besorgt nach dem getroffenen Gegenspieler und da mit diesem alles in Ordnung ist, klatscht man sich ab und weiter geht’s. Auf Twitter und Co. entwickelte sich allerdings ein regelrechter Shitstorm wegen des angeblich schmutzigen Spiels von Machado. Was meint ihr dazu? Schmutzig oder nicht?

Und dann war da noch der Homerun von Yermin Mercedes. Ein Homerun ist eigentlich immer eine tolle Sache, aber der DH der White Sox schlug ihn in einer Situation, die einigen Verfechtern ungeschriebener Regeln als unanständig gilt: bei einer hohen Führung des eigenen Teams, einem Positionsspieler auf dem Mound und einem 3-0-Count. Dass sich in so einem Fall die gegnerischen Spieler und Fans ärgern, ist nicht außergewöhnlich, wohl aber, dass einem der eigene Manager öffentlich in den Rücken fällt. Mercedes habe einen Fehler gemacht und werde dafür interne Konsequenzen erleiden, ließ White-Sox-Skipper Tony La Russa nach dem Spiel wissen. Nachdem mehrere Spieler der White Sox und anderer Teams Mercedes verteidigten, darunter Pitcher Lance Lynn, legte La Russa nach: „Lance hat einen Spind, ich habe ein Büro.“ Das könnte noch interessant werden in Chicago…

    

Statistik der Woche 
61. So viele Strikeouts warf Yankees-Pitcher Gerrit Cole im Laufe von 41.2 Innings, ohne zwischendurch einen Walk zuzulassen. Das ist ein Rekord, der mindestens bis 1893 zurückreicht, das Jahr, in dem die heutige Entfernung zwischen Mound und Homeplate festgelegt wurde. Lustigerweise war die alte Bestmarke erst ein paar Tage vorher aufgestellt worden, nämlich von Corbin Burnes, der für die Brewers letzten Donnerstag den ersten Walk nach 58 Strikeouts zuließ. 

Spiel(e) der Woche
Für diese Kategorie habe ich keine andere Wahl als die beiden No-Hitter der letzten Tage zu präsentieren. Spencer Turnbull von den Tigers ist sicher der überraschendere der beiden Namen, die sich neu in die MLB-Geschichtsbücher eintragen durften. Beim 5:0 seiner Tigers gegen die Mariners pitchte er zum ersten Mal in seinem Leben über das siebte Inning hinaus und schloss das Spiel nach 117 Pitches ab. Er ließ nur zwei Baserunner zu, beide per Walk. 

Einen Tag später hatte Corey Kluber seinen großen Auftritt – ausgerechnet in Globe Life Field, wo er letztes Jahr den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere erlebt hatte. Nur ein einziges Inning konnte er im Trikot der Texas Rangers pitchen, den Rest der Saison verpasste er mit Verletzungen. Bei den Yankees bekam er dieses Jahr eine neue Chance und seine gestrige Leistung zeigt eindeutig, dass er wieder da ist. Mit nur 101 Pitches fertigte er sein ehemaliges Team ab. Ein Walk für Charlie Culberson im dritten Inning war alles, was ihn von einem perfekten Spiel trennte.

Mein Einschalttipp
Heute und in den nächsten Tagen stehen reihenweise Spitzenspiele an, aber das bevorstehende Duell der ewigen Erzrivalen Giants und Dodgers ragt für mich noch ein Stück aus dem Rest heraus. Die beiden sehen sich in der Wochenendserie zum ersten Mal in dieser Saison. Je nach Schlafgewohnheiten kann man sich natürlich auch die beiden Nachtspiele von Freitag auf Samstag (3:45 Uhr) und Samstag auf Sonntag (1:15 Uhr) anschauen, aber für den Durchschnittseuropäer bietet sich wohl die Partie am Sonntag um 22:05 Uhr unserer Zeit an. Starting Pitcher sind Anthony DeSclafani (2.03 ERA, 3.28 FIP) für die Giants und Julio Urias (3.04 ERA, 2.92 FIP) für die Dodgers.

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April 22nd, 2021 by Silversurger

Während die National League immer noch gebannt auf das epische Duell zwischen den Dodgers und den Padres zurückblickt und sich auf die Fortsetzung ab heute Nacht freut, stechen in sämtlichen Divisionen der American League überraschende Ergebnisse und Entwicklungen hervor. Überraschend kam auch das Karriereende von zwei langjährigen MLB-Veteranen: Sowohl Jay Bruce, zuletzt als First Baseman für die Yankees im Einsatz, als auch der seit September vereinslose Second Baseman Neil Walker erklärten in den letzten Tagen ihren Rücktritt vom professionellen Baseball.  Nicht die Karriere, aber mindestens die aktuelle Saison ist für Adrian Morejon beendet. Seit gestern steht fest, dass der 22-Jährige Starter der Padres sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Die Padres-Rotation ist gleich doppelt vom Verletzungspech verfolgt: Dinelson Lamet musste gestern seinen ersten Start nach einem halben Jahr Pause im zweiten Inning abbrechen und unterzieht sich nun weiteren Untersuchungen.

National League
Die NL East hatte ich vor der Saison als stärkste Division der Liga eingeschätzt, doch diese Erwartung hat sich bislang nicht erfüllt. Das derzeit einzige Team mit knapp positivem Record sind die New York Mets (7-6), die aber nach zwei desolaten Niederlagen bei den Cubs ein Run Differential von -14 aufweisen. Tatsächlich bringen es bislang allein die Miami Marlins (8-9) auf ein positives Run Differential (+4). Mit sieben Siegen aus den letzten zehn Spielen haben die Marlins zudem von allen Teams der Division aktuell den besten Lauf und schicken sich an, im zweiten Jahr hintereinander den Spielverderber für die hoch eingestuften Teams der Mets, der Phillies (9-9), der Braves (8-10) und der Nationals (7-9) zu geben.

Ebenfalls sieben aus den letzten zehn haben die Milwaukee Brewers (11-7) gewonnen, die sich damit an die Spitze der NL Central gesetzt haben. Der starke Start der Cincinnati Reds (9-8) scheint sich hingegen immer mehr als Strohfeuer zu erweisen. Drei Niederlagen am Stück haben sie gegen die Indians und die Diamondbacks kassiert und nun stehen schwierige Auswärtsserien gegen die St. Louis Cardinals (8-10) und die Dodgers an. Erfreulich verläuft die Saison bislang für die Pittsburgh Pirates (8-10). Sie stehen zwar erwartungsgemäß auf dem letzten Platz, verkaufen sich aber keineswegs so schwach und chancenlos, wie man es vor der Saison und noch während der ersten Woche befürchten musste. 

So, wie es aussieht, bleibt die seit Jahren bestehende Dominanz der Los Angeles Dodgers (14-4) in der NL West weiterhin ungebrochen. Die San Diego Padres (10-10) wurden von den Dodgers in einer epischen Serie (siehe „Spiel der Woche“) in ihre Schranken verwiesen, ganz abgesehen von den eingangs erwähnten Verletzungssorgen. Eine positive Überraschung sind bislang die San Francisco Giants (11-7), die wacker oben mitmischen. Man muss allerdings dazu sagen, dass es der Spielplan bisher recht gut mit den Giants meint und ihnen die ersten Duelle gegen die Dodgers noch bis 22. Mai erspart bleiben. Am Ende der Tabelle finden sich die Colorado Rockies (6-12) als derzeit schwächstes Team der Liga, aber nicht ohne Hoffnung nach zuletzt zwei Siegen in Folge gegen die Astros.

American League
Nicht ohne Hoffnung ist auch das aktuell schwächste der Team der American League, aber der Fehlstart in die Saison sorgt bei den New York Yankees (6-11) und ihren Fans für gewaltigen Frust. Strikeouts und andere misslungene Aktionen der eigenen Spieler werden gnadenlos mit Buhrufen quittiert, das Spiel gegen die Tampa Bay Rays (10-9) am Freitag musste sogar kurz unterbrochen werden, weil Bälle und andere Gegenstände aufs Feld geworfen wurden.  An der Spitze der AL East stehen anstelle der abgestürzten Favoriten aus New York und der (auch von mir) gehypten Toronto Blue Jays (8-10) immer noch die Boston Red Sox (12-7). Die Red Sox leben dabei immer noch von einem Zwischenspurt mit neun Siegen hintereinander vom 6. bis zum 14. April. Seitdem wechselten Licht und Schatten sich ab; nun steht eine interessante Serie gegen die Mariners bevor (siehe „Einschalttipp“).

Wenn mich ein Team noch mehr überrascht als die Red Sox an der Spitze der AL East, dann sind das die Kansas City Royals (10-7) in der AL Central. Die Royals haben gerade gegen die Rays zum ersten Mal in diesem Jahr eine Serie verloren, aber auch diese beendeten sie mit einem positiven Ausklang durch einen aufregenden Walkoff-Sieg in Spiel drei. Die Chicago White Sox (9-9) und die Cleveland Indians (8-8) halten mit ausgeglichenen Bilanzen den Anschluss, während die Minnesota Twins (6-11) durch richtig schwierige Zeiten gehen: Wegen mehrerer Covid-Fälle im Team – darunter Max Kepler – mussten drei Spiele der Twins verschoben werden; von den letzten zehn Spielen, die vor und nach der Zwangspause ausgetragen werden konnten, wurden neun verloren; gestern Nacht setzte es eine besonders empfindliche Niederlage bei den Athletics, als drei Führungen aus der Hand gegeben wurden, bevor zwei Fielding Errors im zehnten Inning das Spiel entschieden. 

Des einen Leid ist des anderen Freud‘: Für die Oakland Athletics (12-7) war der Walkoff gegen die Twins bereits der elfte Sieg in Folge – eine verblüffende Wende, nachdem die A’s mit 1-7 in die Saison gestartet waren. Nun stehen sie in der AL West ganz vorne, während die Houston Astros (7-10) den entgegengesetzten Weg zurückgelegt haben. Nach neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen sind sie auf dem letzten Platz angekommen, noch hinter den Texas Rangers (9-10). Neben den Athletics stehen mit den Seattle Mariners (11-7) und den Los Angeles Angels (9-7) zwei weitere Teams bei einer positiven Bilanz. Vor allem von den Mariners hätte ich das nicht erwartet; sie haben bereits Serien gegen die Astros, die Twins und die Giants gewonnen und zuletzt sogar den Dodgers einen Split abgetrotzt.

Szene der Woche
Ein Triple Play ist immer etwas Besonderes, deshalb bekommt die Aktion der Cincinnati Reds vom Samstag hier auch den Ehrenplatz. Noch sehr viel seltener ist aber ein sogenanntes Unassisted Triple Play, also ein solches, bei dem alle drei Outs ganz alleine von einem einzelnen Feldspieler erledigt werden. Ein solcher Spielzug gelang in der gesamten MLB-Geschichte bisher nur 15-mal. Joey Votto hätte die Nummer 16 auf der Liste sein können: Erst fing er Josh Naylors Linedrive zum ersten Out, dann tagte er Franmil Reyes kurz vor der ersten Base zum zweiten Out. Zum Abschluss hätte er selbst auf die dritte Base treten und damit das Out gegen Eddie Rosario besorgen können, der schon die Homeplate passiert und gar nicht mitbekommen hatte, was Sache war. Doch Votto entschied sich im Eifer des Gefechts, den Ball zu Third Baseman Max Schrock zu werfen und diesen am Spielzug teilhaben zu lassen. Daher ist es kein Unassisted, sondern ein 3-3-5-Triple-Play. Gefreut hat sich Votto trotzdem mit vollem Recht, denn es war ein toller Spielzug und ein wichtiger Baustein beim 3:2-Sieg über die Indians.

Statistik der Woche 
40. So viele Strikeouts hat Corbin Burnes von den Milwaukee Brewers in seinen vier Starts in dieser Saison erzielt. Das ist für sich allein schon eine starke Leistung, aber wirklich einzigartig wird sie durch die Tatsache, dass Burnes in diesem Jahr noch keinen einzigen Walk zugelassen hat. Das sind gleich zwei MLB-Rekorde: 40 Strikeouts mit null Walks hat vor ihm weder ab Saisonstart noch innerhalb von vier aufeinanderfolgenden Spielen je ein MLB-Pitcher geschafft.

 

Spiel der Woche
So früh in der Saison bin ich sehr zurückhaltend damit, vom Spiel des Jahres zu reden, aber was die Los Angeles Dodgers und die San Diego Padres am Freitag – nach unserer Zeit am Samstagmorgen – geboten haben, war ganz großes Kino. Monster-Homeruns, verblüffende Errors, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, haufenweise Führungswechsel, eine Beinahe-Schlägerei, ein Fan auf dem Feld, 17 verschiedene Pitcher einschließlich eines Feldspielers, drei volle Extra-Innings – was immer man sich unter einem aufregenden Baseballspiel vorstellt, dieses Match hatte es zu bieten. 

Mein Einschalttipp
Der naheliegende Tipp an dieser Stelle ist natürlich wieder das Matchup zwischen den Dodgers und den Padres, denn die wohl heißeste Intra-Division-Serie der Saison geht ab heute Nacht in ihre zweite Runde. Aber weil das wahrscheinlich jeder Baseballfan sowieso schon auf dem Schirm hat, gibt es von mir eine zusätzliche Empfehlung: Mit den Seattle Mariners und den Boston Red Sox treffen zwei der größten Überraschungen der bisherigen Saison von heute bis Sonntag viermal aufeinander. Die Spiele am Samstag und am Sonntag laufen jeweils zur europafreundlichen Zeit um 19:10 Uhr. Die voraussichtlichen Starter sind Chris Flexen vs. Nate Eovaldi am Samstag und Nick Margevicius vs. Eduardo Rodriguez am Sonntag.

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April 15th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 hat es in sich: Gleich zwei No-Hitter gab es in den letzten Tagen zu bestaunen. Zudem sorgte ein ausgefahrener Ellenbogen für Schlagzeilen und Diskussionen. Leider spielt allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz auch Corona immer noch eine Rolle in Form kleiner und großer Ausbrüche innerhalb mehrerer Teams. 

American League
Wer sich vor einer Woche verwundert die Augen rieb, weil die Baltimore Orioles (5-6) die AL East anführten, hat nun erneut Grund zum Staunen – nicht, weil die Orioles zurück auf Normalmaß geschrumpft sind, sondern weil sie an der Spitze der Division von einer weiteren Überraschungsmannschafg abgelöst wurden. Mit 0-3 (gegen die Orioles) waren die Boston Red Sox scheinbar desolat in die Saison gestartet, doch seitdem gewannen sie jedes einzelne Spiel und stehen nun mit 9-3 ganz vorne. Dahinter stehen die Toronto Blue Jays (6-6) zwar bisher nur bei einer ausgeglichenen Bilanz, haben aber bereits zwei gewonnene Serien gegen die New York Yankees (5-7) auf dem Konto, welche sich den letzten Platz mit den Tampa Bay Rays (5-7) teilen. 

Auch in der AL Central ist mit den Kansas City Royals (6-4) ein Team vorne, von dem man das nicht erwartet hätte. Zwei Siege gegen die Angels haben den Royals einen kleinen Vorsprung vor dem Rest des Feldes eingebracht, in dem die Cleveland Indians (6-5), Chicago White Sox (6-6) und Detroit Tigers (6-6) fast gleichauf stehen. Auch die Minnesota Twins (5-7) sind nicht weit weg, aber fünf Niederlagen am Stück gegen die Mariners und die Red Sox haben Max Kepler & Co. einen empfindlichen Dämpfer verpasst. 

In der AL West ging die Schere in der ersten Saisonwoche bereits recht weit auseinander, doch dann steckten die Houston Astros (6-6) nach ihrem 6-1-Start fünf Niederlagen in Folge ein, während die Oakland Athletics (5-7) viermal hintereinander gewannen, und schon ist die Division wieder eng beisammen. Ganz vorne stehen zurzeit die Los Angeles Angels (7-5), gefolgt von den Seattle Mariners (6-5). Beide Teams haben aber auch schlechte Nachrichten zu verdauen: Bei den Angels fällt Outfielder Dexter Fowler nach einer Knieoperation für die gesamte Saison aus; genauso geht es Mariners-Pitcher James Paxton, der eine Tommy-John-Surgery benötigt. Die Astros haben möglicherweise einen Corona-Ausbruch im Team. Jose Altuve, Martin Maldonado, Yordan Alvarez, Alex Bregman und Robel Garcia wurden gestern auf die Covid-19-Verletztenliste gesetzt, nähere Informationen hat der Klub bisher nicht herausgegeben. 

National League
In der NL East hatten zunächst die Philadelphia Phillies (6-6) den besten Start, doch durch drei Siege innerhalb von zwei Tagen haben die New York Mets (5-3) den Phillies inzwischen den Rang abgelaufen. Dasselbe kann man über die Miami Marlins (5-6) und die Atlanta Braves (4-8) sagen – auch hier haben drei Spiele das Bild gedreht. In beiden Serien ist es übrigens (noch) kein Sweep, denn sowohl zwischen den Mets und den Phillies als auch den Marlins und den Braves steht heute noch eine vierte Partie an. Die Washington Nationals (3-6) sind schwach in die Saison gestartet, konnten nun aber gegen die Cardinals immerhin zwei von drei Spielen gewinnen. Die noch bessere Nachricht ist, dass von den zahlreichen Covid-19-Betroffenen der Nationals aus der ersten Saisonwoche inzwischen wieder fast alle an Bord sind. Einzig Pitcher Jon Lester wurde noch ein Aufbautraining am alternativen Trainingsstandort verordnet. 

Auch in der NL Central verursacht Corona Sorgen: Bei den Chicago Cubs (5-7) wurden zwei Coaches positiv auf das Virus getestet. Infektionen bei Spielern wurden bisher nicht festgestellt, doch drei Reliever sind vorsorglich in Quarantäne. Sportlich läuft es auch nicht toll für die Cubs: Drei Serien hintereinander gingen verloren, zwei davon gegen die Milwaukee Brewers (7-5), welche sich dadurch an die Spitze der Division gesetzt haben. Die teilen sie sich bislang noch mit den Cincinnati Reds (7-5), obwohl diese nach ihrem starken Auftakt zuletzt Serien gegen die Diamondbacks und die Giants verloren. 

Die Los Angeles Dodgers (10-2) machen genau da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Mit fünf Siegen am Stück und neun aus den letzten zehn sind sie in der NL West schon wieder eine Klasse für sich. Auch das Run Differential der Dodgers von +32 ist einsame Spitze in der MLB. Noch bricht aber zum Glück keine Langeweile in der Division aus, denn mit den San Francisco Giants (8-4) und den San Diego Padres (8-5) spielen zwei Teams so weit oben mit, dass sie derzeit beide Wild Cards der NL abbekämen. Am Wochenende können die Padres erstmals zeigen, ob sie in der Lage sind, den Dodgers im Kampf um die Division gefährlich zu werden (siehe „Einschalttipp“). 

Szene der Woche
Ich muss zugeben, dass ich mich über den 3:2-Sieg im Home Opener der Mets gegen die Marlins am letzten Donnerstag gefreut habe. „A win is a win“, so fasste es Mets-Outfielder Michael Conforto später zusammen. Eben jener Conforto war allerdings verantwortlich dafür, dass die Freude über den Sieg nicht ganz ungetrübt war, denn so gewinnt man eigentlich nicht gern. Die Mets hatten im neunten Inning einen Rückstand ausgeglichen und anschließend die Bases geladen, unter anderem durch einen Intentional Walk für Francisco Lindor. Conforto kam mit einem Out an die Platte und gab schnell zwei Strikes an Marlins-Reliever Anthony Bass ab. Bei einem 1-2-Count schien der dritte Strike die Zone zu durchqueren, doch der Ball streifte Confortos Arm und der Umpire entschied auf Hit-by-Pitch. Wegen der geladenen Bases brachte das den siegbringenden Run für die Mets nach Hause. Was die Szene streitbar machte, war die Bewegung von Conforto während des Pitches. Er wich dem Ball nicht nur nicht aus, sondern lehnte sich ihm regelrecht entgegen. In dem Fall hätte der Umpire, wie er später selbst feststellte, eigentlich auf Strike entscheiden müssen. Doch die Tatsachenentscheidung blieb bestehen, obwohl es noch ein Video-Review gab. Bei diesem durfte den Regeln nach nur überprüft werden, ob der Pitch wirklich den Arm berührt hatte, aber nicht das Ermessen des Umpires, inwiefern der Batter den Hit-by-Pitch billigend in Kauf nahm oder gar absichtlich herbeiführte. 

Statistik der Woche 
8. So viele Spiele hintereinander hat Red-Sox-Slugger J. D. Martinez zum Saisonstart absolviert, in denen er jeweils mindestens einen Extra-Base-Hit erzielte. Er stellte damit einen MLB-Rekord ein, welchen er nun gemeinsam mit Sandy Alomar Jr. (1997) und Alex Rodriguez (2007) hält. Der alleinige Rekord blieb Martinez versagt: In der Partie gegen die Twins am Dienstag gelang ihm zum ersten Mal in diesem Jahr kein einziger Hit. 

Spiel(e) der Woche
Die San Diego Padres waren das letzte MLB-Team, das noch nie einen No-Hitter erzielt hatte. Das änderte sich letzten Freitag, als Joe Musgrove das Kunststück beim 3:0-Sieg gegen die Texas Rangers gelang. Dass ausgerechnet Musgrove diesen Meilenstein der Teamgeschichte erzielte, scheint einem fast schon zu kitschigen Drehbuch entnommen. Der 28-Jährige spielt zwar erst seit diesem Jahr für San Diego, aber er wuchs unweit des Ballparks als Fan der Padres auf. Um ein Haar hätte es gegen die Rangers sogar zum Perfect Game gereicht: Ein Hit-by-Pitch gegen Joey Gallo im vierten Inning erlaubte den einzigen Baserunner für Texas, ansonsten stand sowohl in der Spalte für Hits als auch in der für Walks eine fette Null. 

Auch der zweite No-Hitter in dieser noch jungen Saison ging nur knapp am Perfect Game vorbei. Acht Innings lang ließ White-Sox-Lefty Carlos Rodon letzte Nacht keinen Baserunner der Cleveland Indians zu. Zu Beginn des neunten wurde es gleich zweimal brenzlig: Zuerst gelang First Baseman Jose Abreu um Haaresbreite ein Groundout gegen Josh Naylor, um das perfekte Spiel seines Pitchers intakt zu halten. Im folgenden At-Bat traf dieser mit einem Slider den Fuß von Roberto Perez. Das Perfect Game war damit passé, aber Rodon behielt die Nerven und brachte mit den letzten beiden Outs den No-Hitter und den 8:0-Sieg nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Zurück zu den Padres: Am Wochenende steht zum ersten Mal in diesem Jahr das mit Spannung erwartete Duell der beiden Favoriten in der NL West an. Dreimal hintereinander sind die Los Angeles Dodgers zu Gast in Petco Park. Frühaufsteher haben vielleicht Lust, am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr beim ersten Spiel der Serie reinzuschauen. Meine Empfehlung ist die dritte Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr – nicht nur wegen der günstigen Startzeit, sondern auch wegen des Pitcherduells zwischen Blake Snell und Trevor Bauer. 

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März 30th, 2021 by Silversurger

Ich weiß, ein Meisterschaftstipp auf den amtierenden Champion ist immer ein bisschen langweilig. Aber die Los Angeles Dodgers lassen mir keine Wahl. 43 Siege sowie ein Run Differential von +136 in 60 Spielen, gefolgt vom ersehnten und verdienten World-Series-Sieg am Ende der längsten Playoffs aller Zeiten – die Saison 2020 der Dodgers war die Definition von Dominanz. Im Gegensatz zu vielen Meisterteams vor ihnen handelte es sich dabei nicht um ein einmaliges Aufbäumen. Die Dodgers sind schon lange ein Spitzenteam, haben achtmal in Folge die NL West gewonnen und dreimal in den letzten vier Jahren den NL-Titel geholt. Und sie werden es noch lange sein, denn der Kern des Teams ist auf Jahre hinaus gesichert und Überalterung kein Thema in einem Roster, in dem zehn der World-Series-Teilnehmer 26 oder jünger waren. Als wäre das alles nicht genug, legten die Dodgers in der Offseason noch nach, indem sie mit Trevor Bauer den begehrtesten Pitcher der diesjährigen Free Agency verpflichteten. Der Cy-Young-Gewinner der NL wird voraussichtlich die Nummer drei in der Rotation sein – allein das zeigt, wie absurd stark dieses Team aufgestellt ist. Eine Titelverteidigung – es wäre die erste in der MLB seit über 20 Jahren – ist natürlich kein Automatismus, sonst könnten wir ja gleich Bundesliga-Fußball schauen. 30 Mannschaften treten an, rund die Hälfte davon macht sich begründete und berechtigte Hoffnungen. Aber kaum jemand wird ernsthaft bestreiten, dass die Dodgers als haushoher Favorit in die Saison gehen.

Voraussichtliches Lineup
C Will Smith
1B Max Muncy
2B Gavin Lux
SS Corey Seager
3B Justin Turner
LF A. J. Pollock
CF Cody Bellinger
RF Mookie Betts

Voraussichtliche Rotation
RHP Walker Buehler
LHP Clayton Kershaw
RHP Trevor Bauer
LHP Julio Urias
RHP Dustin May
Key Relievers: Kenley Jansen, Blake Treinen

Wichtigster Zugang
RHP Trevor Bauer (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
OF Joc Pederson (Chicago Cubs)

Bestes Prospect
C Keibert Ruiz

Größte Stärke
So ziemlich alles: 2020 haben die Dodgers sowohl die meisten Runs von allen MLB-Teams erzielt (349) als auch in der NL die wenigsten Runs kassiert (213). MLB-weit waren es nur die zweitwenigsten kassierten Runs (hinter den Indians mit 209), aber um diesen Schönheitsfehler auszumerzen, hat man ja nun die Rotation mit Trevor Bauer aufgemotzt. Sie haben eine gesunde Altersstruktur, aus der Farm kommt immer noch etwas nach und der Kader ist so tief besetzt, dass selbst der Ausfall von ein, zwei Starspielern die Dodgers nicht aus der Bahn werfen würden.

Größte Schwäche
Keine: Wenn man mit der Lupe herangeht, stößt man zum Beispiel darauf, dass 2B Gavin Lux seinem Ruf als ehemaliges Top-Prospect bisher nicht gerecht wird. Oder darauf, dass der eine Teil des Catcher-Duos, Will Smith, in der Defensive unterdurchschnittlich ist und der andere Teil, Austin Barnes, in der Offensive. Oder darauf, dass Justin Turner, A. J. Pollock und Clayton Kershaw in einem Alter sind, in dem die Leistung innerhalb der nächsten Jahre nachlassen wird; bei Kenley Jansen ist dieser Prozess phasenweise bereits unübersehbar. Aber nichts davon ist eine große Schwäche, die nicht durch die Breite und Tiefe des Rosters aufgefangen würde.

Spannendste Frage
Schlägt der World-Series-Hangover zu? Das Phänomen ist bekannt, es schlägt sich in dem Umstand nieder, dass es in der MLB wie schon erwähnt seit über 20 Jahren keine Titelverteidigung gab. Oft qualifzierten sich die amtierenden Meister im Folgejahr nicht mal für die Playoffs. Der Hangover ist kein Aberglaube, sondern vermutlich eine Kombination aus mentaler Sättigung und körperlicher Erschöpfung durch die deutlich längere Saison der World-Series-Teilnehmer. Zumindest Letzteres dürfte nach der Kurzsaison 2020 weniger ins Gewicht fallen als sonst. Auch das spricht dafür, dass die Chancen auf einen Repeat des Champions dieses Jahr so gut stehen wie lange nicht.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL West, World Champion

Hier geht’s zum vollständigen Power-Ranking mit allen Previews.

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Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

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Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

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Januar 21st, 2021 by Silversurger

Aus dem Hot Stove dampft es gewaltig, die Offseason der MLB kommt endlich in Schwung. Drei der Top-10-Free-Agents und eine Menge weiterer interessanter Spieler sind in den letzten Tagen unter Dach und Fach gekommen. Die größten Schlagzeilen gehörten dabei den Blue Jays und den Yankees. Auch die Mets sorgten für Gesprächsstoff, aber da ging es leider weniger um sportliche Dinge als um das schlichtweg ekelhafte Verhalten eines – jetzt ehemaligen – leitenden Angestellten.  

Mets feuern GM Porter
Nur 37 Tage war Jared Porter in seinem Amt als General Manager der New York Mets. Dem 41-Jährigen wurde ein erst jetzt bekannt gewordener Vorfall aus dem Jahr 2016 zum Verhängnis. Er soll eine Journalistin sexuell belästigt haben, indem er ihr über 60 unverlangte und unbeantwortete aufdringliche Textnachrichten schickte, inklusive Bildern eines (seines?) erigierten Penis. 
„Typisch Mets“ könnte man denken, wenngleich die Vorfälle lange vor Porters Zeit in New York liegen und die Verantwortlichen des Klubs glaubhaft beteuern, von ihnen keine Ahnung gehabt zu haben, als sie sich für ihn entschieden. Der Eigentümer der Mets, Steven Cohen, reagierte innerhalb weniger Stunden nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe mit Porters Entlassung und betonte, es gebe unter seiner Führung „null Toleranz für diese Art des Verhaltens“. Team-Präsident Sandy Alderson wird den GM-Job nun vorerst selbst übernehmen und ohne Eile nach einem passenden Nachfolger für Porter suchen.
Seitens der Ligaleitung wird es eine Untersuchung der Vorwürfe geben, die voraussichtlich in einer befristeten oder unbefristeten Sperre Porters für jegliche Tätigkeit innerhalb der MLB enden dürfte.
Porter stellt den zweiten Fall innerhalb kurzer Zeit dar, in dem die Mets einen hochrangigen Angestellten einstellen und noch vor dem ersten Saisonspiel wieder feuern. Vor fast genau einem Jahr wurde Carlos Beltran von seinem erst zwei Monate zuvor angetretenen Mangerposten entbunden wegen der Rolle, die er im Sign-Stealing-Skandal der Astros gespielt hatte.

Blue Jays signen Springer
Sicher hätten die Verantwortlichen der Mets diese Woche lieber George Springer als Neuzugang vermeldet statt Fragen über das Geschlechtsteil ihres Ex-GM zu beantworten, doch das Rennen um den Centerfielder hat ein anderes Team gemacht: Die Toronto Blue Jays haben sich mit dem umworbenen Free Agent auf einen Sechsjahresvertrag geeinigt. Der dreifache All-Star bringt eine seltene Mischung aus starker Centerfield-Defense und noch stärkeren Offensivleistungen mit. Diese lassen die Blue Jays sich über den gesamten Vertragszeitraum hinweg 150 Millionen Dollar kosten.
Weil die Houston Astros als abgebender Verein dem 31-Jährigen ein Qualifying Offer vorgelegt hatten, wird für seine Verpflichtung eine Kompensation in Form von Draftpicks fällig: Die Astros erhalten einen zusätzlichen Pick in der vierten Runde der nächsten Draft, die Blue Jays verlieren dafür ihren Zweitrundenpick #54 sowie 500.000 Euro des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen. 

Yankees: LeMahieu bleibt, Kluber kommt
Angesichts der aufrüstenden Konkurrenz sowohl in der Stadt (Mets) als auch in der Division (Blue Jays) wollen die New York Yankees nicht zurückstehen. Als ersten Teil eines Doppelschlags haben sie am Freitag das monatelange Tauziehen um eine Weiterverpflichtung von Second Baseman D. J. LeMahieu erfolgreich beendet. Der 32-Jährige erhält einen Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar. Obwohl beide Seiten von vornherein an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert waren, zogen sich die Verhandlungen hin, weil die Yankees mit ihrer Payroll dieses Jahr unbedingt unter der Luxussteuer-Grenze von 210 Millionen Dollar bleiben wollten. Diesen Kurs können sie nun beibehalten, indem die Zahlungsverpflichtungen gegenüber LeMahieu auf eine relativ lange Vertragslaufzeit gestreckt werden.
Noch am selben Tag legten die Yankees nach mit einer Verstärkung der Starting Rotation. Corey Kluber unterschreibt einen Einjahresvertrag über 11 Millionen Dollar. Der 34-Jährige war bis vor zwei Jahren das Pitching-Ass der Cleveland Indians, bevor er 2019 erst durch Formschwäche und dann auch noch durch einen gebrochenen Arm aus der Bahn geworfen wurde. 2020 trug er das Trikot der Texas Rangers, für die er verletzungsbedingt nur ein einziges Inning warf. In einem Probetraining vor Vertretern fast aller MLB-Teams zeigte er letzten Mittwoch offenbar mit Erfolg, dass mit ihm 2021 wieder zu rechnen ist.

Brantley bleibt bei den Astros
Um Michael Brantley gab es gestern etwas Verwirrung: Zuerst hieß es kurz nach Bekanntwerden des Springer-Deals, auch Springers Freund und Outfield-Kollege Brantley sei sich mit den Blue Jays einig und werde einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Eine Stunde, nachdem diese Meldung die Runde gemacht hatte, dementierten die Blue Jays. Man sei interessiert an Brantley, aber es gebe noch keine Einigung. Nochmal gut zwei Stunden später dann die endgültige Kehrtwende: Brantley bleibt bei den Houston Astros. Der 33-Jährige erhält dort einen Zweijahresvertrag über 32 Millionen Dollar. Für die Astros ist das ein wichtiger Schritt, nachdem ihnen zuvor drohte, ihr komplettes bisheriges Stamm-Outfield – bestehend aus Springer, Brantley und Josh Reddick – in der Free Agency zu verlieren.
Neben Brantley haben sich die Astros auch einen neuen Catcher gesichert: Jason Castro kehrt nach vier Jahren in der Fremde zurück zu dem Verein, der ihn einst gedraftet hatte. Der 33-Jährige soll nach gerade eingetrudelten Meldungen einen Zweijahresvertrag bekommen, der sich wohl auf rund 7 Millionen Dollar beläuft. 

Weitere Neuverpflichtungen  
Auch die folgenden Spieler haben in den letzten Tagen neue Engagements in der MLB gefunden: SP Jose Quintana (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 8 Millionen Dollar), SP J. A. Happ (Minnesota Twins, 1 Jahr, 8 Millionen), RP Archie Bradley (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 6 Millionen), RP Kirby Yates (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 5,5 Millionen plus Boni), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen plus Boni), SP Jon Lester (Washington Nationals, 1 Jahr plus beidseitige Option, 5 Millionen), SP Alex Wood (San Francisco Giants, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). SP/RP Tyler Chatwood (Blue Jays, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). 

3-Team-Trade um Musgrove und Lucchesi 
Die San Diego Padres, die New York Mets und die Pittsburgh Pirates haben sich auf einen Dreiecks-Trade geeinigt. Involviert sind zwei MLB-Spieler: zum einen SP Joe Musgrove, der von Pittsburgh nach San Diego wechselt, zum anderen SP Joey Lucchesi, der von den Padres zu den Mets geschickt wird. Die Pirates erhalten durch den Deal eine Reihe von Prospects – C/OF Endy Rodriguez von den Mets sowie CF Hudson Head, SP Omar Cruz, RP David Bednar und SP Drake Fellows von den Padres. Head dürfte in dieser Reihe der interessanteste Name sein, er wurde bisher als Nummer acht unter den Talenten der Padres gelistet.

Don Sutton ist tot 
Zum zweiten Mal hintereinander schließt der Grand Slam am Donnerstag mit der Trauermeldung zu einer Dodgers-Legende: Gut eine Woche nach Tommy Lasorda ist am Montag Don Sutton gestorben. Sutton war von 1966 bis 1988 als Starting Pitcher in der MLB aktiv. Er spielte für fünf verschiedene Teams, aber in 16 von 23 Saisons war er ein Dodger. Nach der aktiven Karriere war er als TV-Kommentator tätig, unter anderem für die Atlanta Braves. 1998 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. Sutton erlag im Alter von 75 Jahren einer Krebserkrankung.

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