November 29th, 2018 by Silversurger

Wenn es so etwas wie eine Saure-Gurken-Zeit in der MLB gibt, dann dürfte sie jetzt angebrochen sein. Es ist die Zeit, in der es immer mal wieder eine interessante Neuverpflichtung oder gar einen Trade gibt, bei dem man die Namen der Spieler schon mal gehört hat. Das meiste, was man hört, sind aber Spekulationen und Gerüchte. Traden die Giants Madison Bumgarner? Holen die Phillies sich Harper und Machado? Bauen die Athletics endlich ihr neues Stadion? Ich kann keine dieser Fragen beantworten, aber ich kann zumindest einen kleinen Überblick geben, was sich in den letzten Tagen in der MLB getan hat.

Tony Clark bleibt Kopf der Gewerkschaft
Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Teambesitzer der MLB den Vertrag mit Rob Manfred als Commissioner der Liga um fünf Jahre verlängert haben. Sein wichtigster Gegenpart, Tony Clark, wurde nun in seinem Amt als Vorsitzender der Spielergewerkschaft MLBPA ebenfalls bestätigt. Der Vertrag des früheren First Basemans wird bis 2022 verlängert. Damit ist nun klar, dass Clark und Manfred erneut die jeweiligen Verhandlungsführer sein werden, wenn das Collective Bargaining Agreement (CBA), quasi der Rahmentarifvertrag zwischen der Liga und den Spielern, neu diskutiert wird. Das aktuelle Vertragswerk läuft bis 2021.

Braves rüsten auf mit Donaldson und McCann
Die größten Free-Agent-Verpflichtungen dieser Woche gehen eindeutig auf das Konto der Atlanta Braves. Third Baseman Josh Donaldson, in meiner Liste der wichtigsten Free Agents immerhin auf Platz acht, erhält einen Einjahresvertrag über 23 Millionen Dollar. Ebenfalls für ein Jahr, wenngleich für „nur“ 2 Millionen Dollar unterschreibt Catcher Brian McCann. Die Braves haben dieses Jahr etwas überraschend die NL East gewonnen. Auf diesem Erfolg will man offensichtlich aufbauen, indem man das sehr junge, sehr talentierte Team um zwei erfahrene Veteranen ergänzt. Donaldson hat das Zeug zum Leistungsträger, sofern es ihm gelingt, gesund zu bleiben. Der 35-jährige McCann ist eher als Ergänzungsspieler zu sehen, aber er dürfte hochmotiviert ans Werk gehen, denn ihm wurde mit dem Wechsel nach Atlanta ein persönlicher Traum erfüllt. McCann wurde in einem Vorort von Atlanta geboren und spielte bereits von 2005 bis 2013 sehr erfolgreich für die Braves.

Ein paar weitere Neuverpflichtungen
Neben den Braves sicherten sich diese Woche ein paar weitere Teams Neuzugänge, die alle eher die zweite Reihe der MLB-Profis betrafen. Die aus meiner Sicht erwähnenswertesten möchte ich zumindest kurz aufgezählt haben: 1B C. J. Cron geht zu den Twins, 1B Jordan Patterson zu den Mets, OF Lonnie Chisenhall zu den Pirates, RP Adam McCreery zu den Dodgers, SP Ricardo Sanchez zu den Mariners, SP Matt Moore zu den Tigers, IF Ronald Torreyes zu den Cubs, RP Jesse Chavez zu den Rangers und SP Henderson Alvarez zu den Nationals.

Das nächste große Talent aus Japan
Die große Geschichte der letzten Offseason war das japanische Supertalent Shohei Ohtani. Ohtani landete letzten Endes bei den Los Angeles Angels und schaffte quasi aus dem Stand den Durchbruch in der MLB – aufsehenerregenderweise sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Trotz einer Verletzung, die ihn seit Juni weitgehend am Pitchen hinderte, wurde er zum Rookie des Jahres in der AL gewählt. Nun scheint das nächste Talent aus Japan vor dem Sprung nach Amerika zu stehen: Yusei Kikuchi von den Seibu Lions wird wohl Anfang nächster Woche offiziell zur Verpflichtung durch einen MLB-Klub freigegeben. Der linkshändige Pitcher ist 27 Jahre alt und spielt bereits seit sieben Jahren in der japanischen Profiliga NPB. Er bringt es dort auf einen Karriere-ERA von 2.77. Bereits als Schüler war 2009 eine ganze Reihe von MLB-Teams an einer Verpflichtung Kikuchis interessiert, doch er entschied sich damals, in Japan zu bleiben. Jetzt ist er offenbar bereit, den Schritt über den großen Teich zu wagen, und er könnte ohne Weiteres zu einem der begehrtesten Free Agents  dieser Offseason werden. Bei seinem letzten Spiel in der NPB waren Scouts der Yankees, Giants, Red Sox, Dodgers, Phillies, Brewers und Rangers anwesend und wahrscheinlich haben auch alle anderen Teams Kikuchi im Laufe des Jahres beobachten lassen. Sobald die Freigabe seitens der Seibu Lions erfolgt ist, haben die MLB-Teams 30 Tage Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen.

Ein neuer Ballpark für die Athletics?
Dass die Athletics gern einen neuen Ballpark hätten – idealerweise in Oakland, zur Not irgendwo anders – ist seit Jahren geradezu ein Running Gag in der MLB. Vielleicht tut sich nun aber wirklich etwas. Jedenfalls wurden am Mittwoch konkrete Pläne für einen Neubau offiziell veröffentlicht und ich muss sagen: Das rundherum begrünte, direkt am Wasser gelegene Stadion sieht auf den Zeichnungen sensationell schön aus. 2023 soll es eröffnet werden und obwohl Team-Präsident Dave Kaval keine Details zur Finanzierung verriet, soll auch diese weitgehend gesichert und mit der Stadt Oakland abgestimmt sein. Dass der Ballpark tatsächlich gebaut wird, glaube ich allerdings frühestens, wenn der erste Spatenstich erfolgt ist.

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November 6th, 2018 by Silversurger

Seit Samstag hat die Free Agency der MLB offiziell begonnen. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit den interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball länger hin als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. In solchen Sportarten werden oft innerhalb weniger Tage die wichtigsten Spielerverpflichtungen eingetütet, weil sowohl die Teams als auch die Spieler nach Planungssicherheit innerhalb des vorgegebenen finanziellen Rahmens streben. Im Baseball hingegen ist die Free Agency wie das Spiel selbst: Es gewinnt, wer den längeren Atem hat und geduldig auf den richtigen Moment wartet. Ich hoffe nur, es wird nicht wieder so eine extreme Hängepartie wie im letzten Jahr, wo sich der Poker um zahlreiche Spieler bis weit ins Spring Training und sogar in die Saison hinein zog.

Das Warten auf die ersten aufregenden Deals verkürzt man sich am besten durch munteres Spekulieren, welche Spieler dieses Jahr besonders gefragt sein werden und bei welchen Teams sie am Ende landen. Hier ist meine Top-20-Liste der wichtigsten Free Agents dieser Offseason:

  1. Bryce Harper, OF, 26 Jahre alt, bisher Washington Nationals

Für jeden, der solche Listen schreibt, lautet die erste Frage dieses Jahr: Harper oder Machado? Ich denke, dass Harper den besseren Vertrag bekommen wird, weil er der berechenbarere der beiden ist. Damit meine ich nicht die Konstanz seiner Leistungen, welche speziell in der ersten Saisonhälfte dieses Jahres durchaus zu wünschen übrig ließ und wohl verhindern wird, dass er den 400-Millionen-Rekordvertrag bekommt, den man ihm vor einem Jahr noch zugetraut hätte. Was ich mit Berechenbarkeit meine, ist dass ich mir bei Harper weniger Sorgen als bei Machado mache, dass er mit Rückschlägen und Frustrationen umgehen kann.  Favoriten: Nationals, Dodgers, Phillies

  1. Manny Machado, SS/3B, 26, Los Angeles Dodgers

Machado ist ein fantastischer Baseballspieler und produziert seit Jahren auf hohem Niveau, obwohl er – genau wie Harper – in einem Alter ist, in dem viele andere erst den Sprung in die Major League schaffen. Mit seinem Auftreten in der Postseason, das irgendwo zwischen Diva und Fiesling schwankte, dürfte er sich für die anstehenden Bewerbungen um einen neuen Job keinen Gefallen getan haben. Aber er wird vermutlich trotzdem ohne Probleme jemanden finden, der ihn für acht oder neun Jahre unter Vertrag nimmt und dafür rund 300 Millionen Dollar bezahlt. Favoriten: Yankees, Phillies, Dodgers

  1. Patrick Corbin, SP, 29, Arizona Diamondbacks

Corbin flog – bei mir jedenfalls – während der Saison ein bisschen unter dem Radar. Aber wenn man sich Zahlen wie 3.15 ERA und 2.47 FIP anschaut, sieht es ganz danach aus, dass der Linkshänder der interessanteste Starter auf dem diesjährigen Markt sein könnte. Da er obendrein noch unter 30 ist, dürfte gut und gerne ein Fünf- oder Sechsjahresvertrag mit dreistelliger Vergütung drin sein. Favoriten: Astros, Yankees, Diamondbacks

  1. Craig Kimbrel, RP, 31, Boston Red Sox

Relievern wird in den letzten Jahren immer mehr Wert beigemessen und für einen der Top-Closer der Liga, World-Series-Gewinner obendrein, dürfte ein ordentlicher Zahltag programmiert sein. Kimbrels Saison 2018 war nicht ganz so dominant wie 2017 und in den Playoffs wirkte er zeitweise etwas wackelig, doch am Ende war er wieder voll da. Ich schätze, die Red Sox nehmen die nötigen 50 Millionen Dollar in die Hand, um Kimbrel für drei, vier weitere Jahre an sich zu binden. Favoriten: Red Sox, Cubs, Braves

  1. Dallas Keuchel, SP, 31, Houston Astros

Keuchel ist immer noch ein Top-Pitcher, seine Leistungskurve zeigte in den letzten beiden Jahren aber tendenziell nach unten. Das wird die Teams davor zurück schrecken lassen, ihm einen sehr langen Vertrag zu geben. Dennoch wird er von der hohen Nachfrage nach Starting Pitching profitieren, insbesondere weil er entgegen dem allgemeinen Trend kein „Strikeout-oder-Homerun-Pitcher“ ist. Sein auf Groundballs abzielender Stil zahlt sich vor allem in hitterfreundlichen Ballparks aus. Favoriten: Astros, Nationals, Yankees

  1. Michael Brantley, OF, 32, Cleveland Indians

Brantley litt 2016 und 2017 unter Verletzungen und war schon fast in Vergessenheit geraten. Doch mit einer Slashline von .309/.364/.468 und 143 absolvierten Spielen meldete Brantley sich dieses Jahr eindrucksvoll zurück – gerade rechtzeitig, um sich nach dem Auslaufen seines relativ bescheidenen alten Vertrags in Position zu bringen. Favoriten: Indians, Mariners, Giants

  1. Nathan Eovaldi, SP, 29, Boston Red Sox

Ein weiterer World-Series-Held, der sich nun berechtigte Hoffnungen auf den großen Zahltag macht. Eovaldi hatte eine ordentliche erste Saisonhälfte in Tampa Bay und eine sehr gute zweite Hälfte inklusive Postseason für die Red Sox. Er dürfte relativ unumstritten der beste rechtshändige Starter auf dem Markt sein und im Gegensatz zu Corbin, Keuchel und Ryu – die allesamt Qualifying Offers erhalten haben – kostet er seinen neuen Klub keinen Draftpick. Allein seine recht umfangreiche Verletzungsgeschichte gibt ein bisschen Anlass zur Sorge und könnte dazu führen, dass ihm eher Verträge über drei als über sechs Jahre angeboten werden. Favoriten: Red Sox, Braves, Padres

  1. Josh Donaldson, 3B, 33, Cleveland Indians

Eine Verletzungsgeschichte bringt auch Josh Donaldson mit und auch für ihn schätze ich deshalb, dass er mit keinem langen Vertrag rechnen darf. Wenn er gesund ist, ist er aber ein Top-Spieler und von Machado abgesehen der beste Third Baseman, der zu haben ist. Wer ihn bekommt, wird möglicherweise ein Schnäppchen machen. Favoriten: Indians, Brewers, Braves

  1. Adam Ottavino, RP, 33, Colorado Rockies

Wer aus einer Saison bei den Rockies mit einem ERA von 2.43 heraus geht, der muss verdammt viel richtig gemacht haben – umso mehr, wenn er es in den Heimspielen im Hitter-Paradies Coors Field sogar auf einen Wert von 2.10 bringt. Ottavino wird einer der gefragtesten Reliever dieser Offseason sein und könnte es auf ein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Favoriten: Indians, Rockies, Dodgers

  1. Wilson Ramos, C, 31, Philadelphia Phillies

Die schwache Postseason von Yasmani Grandal könnte sich als Gold wert erweisen für Wilson Ramos, denn er steht nun als ziemlich eindeutig bester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse im Raum. Offensiv gehört Ramos unbestreitbar zur Elite auf seiner Position – 2018 brachte er es auf .306/.358/.487 mit 15 Homeruns in 111 Spielen. Seine Defensive ist mindestens solide, ein Fragezeichen ist nur seine Gesundheit nach bereits zwei Kreuzbandrissen.  Favoriten: Rays, Nationals, Mets

  1. Mike Moustakas, 3B, 30, Milwaukee Brewers
  2. Nelson Cruz, DH, 38, Seattle Mariners
  3. Hyun-Jin Ryu, SP, 32, Los Angeles Dodgers
  4. J. A. Happ, SP, 36, New York Yankees
  5. A. J. Pollock, OF, 31, Arizona Diamondbacks
  6. Jeurys Familia, RP, 29, Oakland Athletics
  7. Charlie Morton, SP, 35, Houston Astros
  8. Yasmani Grandal, C, 30, Los Angeles Dodgers
  9. Daniel Murphy, 1B/2B, 34, Chicago Cubs
  10. David Robertson, RP, 34, New York Yankees

Nicht ganz auf meine Liste geschafft haben es: RP Andrew Miller, RP Zach Britton, 2B D. J. LeMahieu, OF Andrew McCutchen, IF/OF Marwin Gonzalez, RP Joe Kelly

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September 6th, 2018 by Silversurger

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

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August 30th, 2018 by Silversurger

Die Trade-Saison geht langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen: Morgen, am 31. August, ist die Deadline für Waiver-Trades. Vereinswechsel sind danach theoretisch noch möglich, doch die betreffenden Spieler dürften in den Playoffs nicht eingesetzt werden. Die Philadelphia Phillies haben schnell noch mit OF/3B Jose Bautista von den Mets nachgerüstet, die Atlanta Braves mit 1B Lucas Duda von den Royals und C Rene Rivera von den Angels – beide sind übrigens ebenfalls ehemalige Mets. Ein hochkarätiger Spieler, der ebenfalls noch vor der Deadline den Klub wechseln könnte, ist 3B Josh Donaldson. Er wurde auf den Waiver gesetzt und die Blue Jays sind wohl sehr daran interessiert, ihn loszuwerden, um wenigstens das Gehalt aus seinem auslaufenden Vertrag zu sparen. Ein Trade könnte allerdings an der nötigen Gesundheitsprüfung scheitern, denn Donaldson ist noch im Aufbautraining nach einer Verletzung. Ein paar Waiver-Claims für prominente Spieler führten diese Woche nicht zu Trades: So konnten sich die Cincinnati Reds nicht mit den Brewers über Matt Harvey einigen und auch Billy Hamilton zogen sie nach Claim durch ein unbekanntes Team vom Waiver zurück, ebenso wie die Rays ihren Closer Sergio Romo.

Der Tag nach der Deadline, der 1. September, ist ein weiteres wichtiges Datum im MLB-Kalender: Ab diesem Tag dürfen die MLB-Teams in den Spielen statt auf einen ausgewählten 25-Mann-Kader auf ihren vollen 40-Mann-Kader zugreifen. Wir werden dann eine Menge sogenannter September-Call-ups sehen, größtenteils junge Spieler aus den Minor-Leagues, die Spielpraxis in der MLB erhalten und die Stammspieler in der Endphase der langen Saison entlasten sollen. Jetzt schauen wir aber erst mal, welches Bild sich zum Einstieg in diese Endphase in der MLB bietet:

American League
Die Boston Red Sox (92-42) sind immer noch mit großem Vorsprung das Top-Team der MLB und der American League East, doch ein bisschen ist der Zauber ihrer überragenden Saison zuletzt verblasst: Auf einer Strecke von acht Spielen gingen sechs verloren, darunter durch die Tampa Bay Rays (71-62) der erste Sweep gegen die Red Sox in der ganzen Saison. Gegen die Marlins gab es nun zwei Comeback-Siege für Boston, wodurch der Abstand zu den New York Yankees (84-49) wieder auf 7,5 Spiele gewachsen ist. Die Red Sox werden sich nicht mehr einholen lassen und sie werden auch locker die 100-Siege-Marke überspringen. Der Rekord von 116 Siegen, der zwischenzeitlich in Reichweite schien, ist aber erstmal in weite Ferne gerückt. Zudem stehen mit den White Sox, den Braves und den Astros ein paar unangenehme Gegner an.

Auch die Cleveland Indians (75-57) schwächeln gerade ein bisschen, kassierten aus den letzten sieben Spielen fünf Niederlagen. In der AL Central tut ihnen das angesichts der klaren Verhältnisse natürlich nicht sonderlich weh, noch nicht mal wenn die Niederlagen wie gestern gegen den Divisionszweiten Minnesota Twins (62-70) erlitten werden. Die Twins sind so weit hinter den Indians und gleichzeitig so weit vor dem Rest des Feldes, dass sich für sie in dieser dieser Saison nichts mehr tun wird. Immerhin um Platz drei ist inzwischen ein Kampf entbrannt, die Detroit Tigers (53-80) und die Chicago White Sox (53-80) stehen exakt gleichauf. Die beiden scheinen allerdings in unterschiedliche Richtungen unterwegs zu sein: Von ihren letzten 15 Spielen haben die White Sox 11 gewonnen, die Tigers hingegen haben 11 verloren.

In der AL West haben die Houston Astros (82-51) erfolgreich den Angriff der Oakland Athletics (80-54) abgewehrt, indem sie zwei der drei direkten Duelle gewonnen haben. Die A’s müssen damit die Träume vom Divisionssieg zumindest zurückstellen und sich erst mal auf die Sicherung ihres Wild-Card-Platzes konzentrieren. Gegen den direkten Konkurrenten, die Seattle Mariners (74-59), sollte in den ab heute anstehenden vier Spielen zumindest ein Split her, um den Vorsprung von 5,5 Spielen zu wahren. Für die Mariners könnte diese Serie bereits die letzte Chance sein, noch mal nah heranzukommen. Durch Niederlagen in den letzten drei Spielen – zwei in San Diego, eine in Arizona – haben sie die Gelegenheit verpasst, aus der verlorenen Serie der Athletics in Houston Kapital zu schlagen.

National League
In der National League East haben die Atlanta Braves (74-58) sich zwei unnötige Niederlagen gegen Schlusslicht Miami Marlins (53-81) geleistet. Dennoch haben sie ihre Position gegenüber den Philadelphia Phillies (71-62) gefestigt. Den Phillies scheint die Luft ausgegangen zu sein, jedenfalls haben sie seit vier Wochen keine einzige Serie mehr gewinnen können und das, obwohl es in dieser Zeit überwiegend gegen schwache Teams wie die Washington Nationals (67-67), die New York Mets (59-74), die Padres und die Blue Jays ging. Auf diese Weise sind die Phillies inzwischen auch im Wild-Card-Rennen ins Hintertreffen geraten und mit 2,5 Spielen Rückstand auf einen solchen Platz zurzeit das schwächste der fünf Teams mit ernsthaften Ambitionen.

Momentan würden beide Wild Cards an die NL Central gehen. Hier haben sich an der Spitze die Chicago Cubs (78-54) inzwischen etwas abgesetzt, vor allem durch eine Reihe von sieben Siegen in Folge, die erst gestern Abend bei den Mets ihr Ende fand. Dahinter halten sich aber auch die St. Louis Cardinals (74-59) und die Milwaukee Brewers (74-60) mehr als solide und verteidigen dadurch die Wild-Card-Plätze gegen die anderen Divisionen – zum Beispiel beim 2:1-Seriensieg der Cardinals bei den Rockies am letzten Wochenende.

Die NL West bleibt die spannendste Division der Liga. Während in jeder anderen Division inzwischen mindestens dreieinhalb Spiele zwischen dem Ersten und dem Zweiten liegen, liegt hier zwischen dem Ersten und dem Dritten nur ein einziges Spiel. Das sieht nach einem geradezu perfekten Zeitpunkt dafür aus, dass es ab heute vier Tage lang zum direkten Kräftemessen zwischen den Arizona Diamondbacks (73-60) und den Los Angeles Dodgers (72-61) kommt. Die Colorado Rockies (72-60) hoffen vermutlich, dass die beiden sich die Siege teilen, während sie selbst sich der einfacher erscheinenden Aufgabe gegen die San Diego Padres (52-83) widmen. Die San Francisco Giants (67-68) haben die Saison inzwischen abgehakt. Das könnte sich nicht deutlicher zeigen als daran, dass ihr Star-Catcher Buster Posey sich einer Hüftoperation unterzogen hat mit dem Ziel, nächstes Jahr schmerzfrei spielen zu können.

Szene der Woche
Das Spiel zwischen den Phillies und den Nationals am Dienstag war eigentlich ein Duell der beiden Cy-Young-Kandidaten Aaron Nola und Max Scherzer, doch in Erinnerung bleiben wird die spielentscheidende Aktion eines anderen Pitchers – und zwar nicht beim Pitchen. Vince Velasquez war von den Phillies als Pinch-Runner ins Spiel geschickt worden, um beim Stand von 4:5 bei einem Out im unteren neunten Inning den langsamen und erst vor Kurzem von einer Verletzung genesenen Wilson Ramos an der zweiten Base zu ersetzen. Das war wohl keine gute Idee, denn Velasquez ging die Aufgabe mit einer gehörigen Portion Übermut an: Bei einem Flyball ins Centerfield tagte er die Base, um nach dem Catch von Michael Taylor die dritte Base zu erreichen. Das war eine eigenmächtige, riskante und relativ unnötige Entscheidung. Dann ging auch noch der Slide über die Base hinweg, aber da der Wurf nicht gut ankam, war Velasquez safe. Jedenfalls dachte er das, doch sowohl der Gegner als auch die Umpires hatten aufgepasst und gesehen, dass er die zweite Base verlassen hatte, bevor Taylor überhaupt am Ball war. Velasquez war somit das dritte Aus und das Spiel verloren. So kann’s gehen, sogar unter MLB-Profis.

Statistik der Woche 
50. So viele Saves hat Edwin Diaz als Closer der Mariners dieses Jahr bislang erzielt. Das haben in der MLB-Historie erst 16 Pitcher vor ihm geschafft und es ist noch ein ganzes Stück Saison übrig. 29 Spiele haben die Mariners noch vor sich, in denen Diaz sich an den Rekord von Francisco Rodriguez (62 in der Saison 2008) heranarbeiten oder diesen sogar noch übertreffen kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Mariners ihm auch weiterhin genug Gelegenheiten dafür schaffen. 54 Chancen auf einen Save haben sie ihm bisher gegeben, das sind 12 mehr als irgendein anderer Closer dieses Jahr hatte. Noch eine nette Geschichte am Rande: Mariners-Manager Scott Servais hatte Diaz im Juli versprochen, dass er sich dessen Frisur zulegen würde, wenn er 50 Saves schafft. Servais hat sein Wort gehalten.

Spiel der Woche
Das Spiel der Reds gegen die Brewers letzte Nacht sparte nicht an Highlights. Zum einen gab es eine Menge Hits, 36 an der Zahl, die zu insgesamt 25 Runs und einem knappen 13:12-Sieg der Gäste aus Milwaukee nach mehreren Führungswechseln führten. Der interessanteste Hit war ein 3-Run-Homer von Reds-Reliever Michael Lorenzen, den dieser erzielte, nachdem er schon einen vermeintlichen Strikeout bei einem verunglückten Bunt erlitten hatte. Die größte Story des Tages war aber Brewers-Outfielder Christian Yelich, der ein absolut überragendes Spiel hatte: Er erzielte bei 6 Versuchen 6 Hits, darunter ein Cycle, und war obendrein mit einem perfekten Wurf aus dem Outfield für ein Aus an der Homeplate verantwortlich. Man sollte meinen, mit so einer Leistung gewinnt man ein Spiel locker im Alleingang, aber dass es für die Brewers nach zehn Innings zum knappen Sieg reichte, war nicht möglich ohne das Wirken von Jesus – genauer gesagt den Homerun von Jesus Aguilar im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Die Baseballwelt schaut nach Los Angeles, denn dort spielen die Dodgers und die Arizona Diamondbacks an diesem Wochenende die Spitze der NL West unter sich aus (oder sie machen die Colorado Rockies zum lachenden Dritten). Die ersten drei Spiele finden aus mitteleuropäischer Sicht leider allesamt tief in der Nacht statt, daher ist mein Einschalttipp Spiel vier, das ihr am Sonntag ab 22:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen könnt. Starting Pitcher in dieser Partie werden voraussichtlich Clay Buchholz (2.07 ERA, 3.41 FIP) für Arizona und Walker Buehler (3.02 ERA, 3.21 FIP) für Los Angeles sein. Das ist ein interessantes Matchup zwischen dem starken Rookie Buehler und dem 34-jährigen Buchholz, der relativ überraschend mit seiner besten Saison seit fünf Jahren auftrumpft.

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Januar 18th, 2018 by Silversurger

Kleinvieh macht auch Mist. So könnte man die vergangene MLB-Woche beschreiben, in der es zwar einige interessante Neuigkeiten gab, aber immer noch Stillstand herrschte in Bezug auf „große“ Trades oder Free-Agent-Verpflichtungen. Das letzte Woche an dieser Stelle vorgestellte All-Free-Agent-Team musste seitdem nur Reliever Addison Reed abgeben, 13 Mitglieder meiner gut zwei Monate alten Top-20-Liste sind nach wie vor zu haben. Erklärungsansätze für die extrem zurückhaltende Free Agency dieses Jahres gibt es einige. Am einleuchtendsten erscheint mir die Vermutung, die Klubs gelangten zunehmend zu der Ansicht, dass Free Agents eine schlechte Investition sind: Die Kosten für sie sind im Vergleich mit selbst entwickelten oder ertradeten Spielern in ihren ersten sechs MLB-Jahren unverhältnismäßig hoch und die verlangten Vertragslaufzeiten bergen große Risiken, weil die Gehälter garantiert sind und man bei verletzungs- oder altersbedingtem Leistungsabfall mitunter jahrelang auf Zahlungsverpflichtungen ohne Gegenwert sitzen bleibt. Was an dieser Diagnose dran ist, wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Wenn sie stimmt, dürfte sich der Trend zur Zurückhaltung der Vereine fortsetzen und/oder die von den Free Agents erzielten Gehälter und Laufzeiten dürften deutlich zurückgehen.

Pirates traden McCutchen und Cole, behalten Rivero
Das mit Abstand aktivste Front Office war diese Woche das der Pittsburgh Pirates. Die Pirates haben die Weichen klar in Richtung Rebuilding gestellt. Zuerst tradeten sie SP Gerrit Cole zu den Houston Astros. Die Astros werten damit ihre Rotation deutlich auf, während die Pirates mit SP Joe Musgrove, 3B Colin Moran, RP Michael Feliz und OF Jason Martin ihren Kader verjüngern und verbreitern.

Als nächstes wurde OF Andrew McCutchen, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft, nach San Francisco geschickt. Damit arbeiten die Giants – wenngleich nur kurzfristig – an ihren Problemen im Outfield und bieten ihren Fans nach Evan Longoria nun mit McCutchen schon den zweiten Spieler, der bei seinem bisherigen Team absoluter Publikumsliebling war. Die Gegenleistung für die Pirates sind weitere Zukunftshoffnungen in Form des jungen RP Kyle Crick und OF-Prospect Bryan Reynolds sowie 500.000 Dollar aus dem Pool für internationale Spielerverpflichtungen.

Als weiterer Veteran, von dem man sich trennt, könnte sich in den kommenden Tagen noch 2B Josh Harrison zu Cole und McCutchen gesellen. Mit den Mets gab es wohl schon intensive Trade-Gespräche bezüglich Harrison, die bislang aber ohne Ergebnis blieben. Als festen Teil ihrer Zukunft betrachten die Pirates hingegen ihren Closer Felipe Rivero. Der 26-Jährige wurde mit einem Vierjahresvertrag im Wert von 22 Millionen Dollar ausgestattet.

Brad Hand
Ähnlich wie die Pirates mit Rivero haben auch die San Diego Padres mit Brad Hand einen relativ jungen Closer, den sie als eines der Kernstücke zukünftiger Erfolge sehen und dem sie deshalb eine hochdotierte Vertragsverlängerung zukommen lassen: 19,75 Millionen Dollar ist Hand den Padres für die nächsten drei Jahre wert, zudem haben sie die Option auf ein viertes Jahr.

Addison Reed zu den Twins
Der relevanteste Free Agent, der in den letzten Tagen ein neues Team fand, ist RP Addison Reed. Für 16,75 Millionen Dollar spielt Reed die nächsten zwei Jahre in Minnesota. Das wirft die spannende Frage auf, wer für die Twins nächstes Jahr closen wird: Der vor wenigen Wochen verpflichtete Fernando Rodney (4.23 ERA, 3.03 FIP) soll diese Rolle erklärtermaßen einnehmen, doch Rodney ist bei Saisonstart 41 Jahre alt, bringt eine Verletzungsgeschichte und eine Reihe schwacher Auftritte in der Dominikanischen Winter League mit sich. Reed (2.84 ERA, 4.60 FIP) ist 29, als wenig verletzungsanfällig bekannt, hat sowohl von der Laufzeit als auch vom Gehalt her den besseren Vertrag bekommen und vor allem bin ich vermutlich nicht der einzige, der ihn schlichtweg für den besseren Pitcher hält.

Kendrick, Granderson und Gonzalez wollen’s noch mal wissen
Drei ältere Free Agents haben neue Verträge unterschrieben und möchten beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. OF Curtis Granderson (bei Saisonstart 37) und 1B Adrian Gonzalez (35) konnten letztes Jahr bei den Los Angeles Dodgers nicht das Leistungsniveau halten, das man früher von ihnen gewohnt war. Beide wurden deswegen von den Dodgers nicht in den Playoff-Kader aufgenommen. Für 5 Millionen Dollar erhält Granderson dieses Jahr eine neue Chance bei den Toronto Blue Jays. Das dürfte gut investiertes Geld sein, denn selbst wenn Granderson leistungsmäßig nicht die Kurve bekommen sollte, so ist er zumindest als äußerst sympathischer Führungsspieler bekannt, dessen Anwesenheit sich positiv auf die Stimmung im Clubhouse und auf die Entwicklung der jungen Spieler auswirken wird. Auch Gonzalez wird nicht nur auf dem Platz, sondern ebenfalls als Mentor gefragt sein: Bei den New York Mets soll er dem jungen 1B Dominic Smith Zeit und Rat bei dessen Entwicklung verschaffen.

Unter etwas anderen Vorzeichen steht die Verpflichtung von OF Howie Kendrick (34) bei den Washington Nationals: Kendrick erwies sich 2017 als Spätentwickler und hatte mit .844 OPS und 1.6 fWAR sein bislang bestes Jahr in der MLB. Für die Nationals, die Kendrick zur Trade Deadline von den Philadelphia Phillies geholt hatten, war das Grund genug, ihn nun mit einem Zweijahresvertrag über 7 Millionen Dollar auszustatten.

Arbitration-Rekorde von Donaldson und Bryant
Von Ende Januar bis Mitte Februar stehen die Arbitration Hearings an, also die Schlichtungsrunden zur Festlegung der Gehälter von Spielern im vierten bis sechsten MLB-Jahr. In den Wochen davor suchen und finden die Klubs mit vielen der betroffenen Spieler Einigungen, um das Schlichtungsverfahren zu vermeiden. Das ist wenig spektakulär, da schon vorher feststeht, dass die betreffenden Spieler ihrem bisherigen Team erhalten bleiben und es meist um (im Vergleich mit guten Free Agents) relativ moderate Summen geht. Deswegen berichte ich hier auch in der Regel nicht über Arbitration-Einigungen. Aber keine Regel ohne Ausnahme, zwei der diesjährigen Fälle möchte ich doch erwähnen: 3B Josh Donaldson einigte sich mit den Toronto Blue Jays auf ein Gehalt von 23 Millionen Dollar, das ist ein neuer Rekord für einen Einjahresvertrag mit einem Spieler in der Arbitration-Phase. Dagegen nehmen sich die 10,85 Millionen, die 3B Khris Bryant von den Chicago Cubs erhält, fast bescheiden aus, doch auch das ist ein Rekord und zwar als höchste Summe, die je einem Spieler in seinem ersten Jahr der Arbitration-Phase gezahlt wurde.

Manfred will die Pitch-Clock
Um die mögliche Einführung einer Pitch-Clock (ich war hier schon mal darauf eingegangen) ist es in den letzten zwei Monaten relativ ruhig geblieben, doch es scheint nach wie vor wahrscheinlich, dass diese fundamentale Neuerung schon zur bevorstehenden Saison eingeführt wird. MLB-Commissioner Rob Manfred hatte die Pitch-Clock schon letztes Jahr vorgeschlagen, ebenso wie eine Begrenzung von Besprechungen auf dem Mound. Die Spieler, vertreten durch die Spielergewerkschaft MLBPA, waren dagegen, doch die Statuten der MLB erlauben Manfred, Regeländerungen auf eigene Faust durchzuführen, wenn über sie innerhalb eines Jahres keine Einigung erzielt wurde. Die MLBPA scheint derzeit die Strategie zu verfolgen, genau dies zu provozieren: eine einseitige Regeländerung durch die Ligaführung, für die diese dann auch alleine gerade stehen und etwaige Kritik einstecken muss. Darauf jedenfalls deutet hin, dass die MLBPA sich, soweit öffentlich wahrnehmbar, zu diesem Thema stark zurückhält. Natürlich kann das auch nur Verhandlungstaktik sein. Ich hoffe, dass es das ist, denn in meinen Augen sollte die MLBPA lieber versuchen, die wohl unvermeidliche Neuregelung mitzugestalten und zum Beispiel auf ein Limit von 25 statt 20 Sekunden pro Pitch hinzuwirken statt dass man die Hände in den Schoß legt, um anschließend mit dem Finger auf Manfred zu zeigen und doch nichts zu verändern.

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