März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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März 7th, 2019 by Silversurger

Dass Bryce Harper in Philadelphia gelandet ist, ist ja mittlerweile ein alter Hut – ich bekomme langsam den Eindruck, dass die MLB die großen Nachrichten immer bis Donnerstagnachmittag aufhebt, um sie direkt nach meinem wöchentlichen Überblicksartikel zu veröffentlichen. Aber so wichtig, dass er zum Fixpunkt einer Verschwörungstheorie taugte, ist mein Blog dann wohl doch nicht. Ich bleibe jedenfalls beim gewohnten Termin für den Grand Slam am Donnerstag und wenn der gute Herr Harper sich nicht danach richten mag, kann er eben erst eine Woche später lesen, was ich von seinem Rekordvertrag halte und was sich in der MLB diese Woche sonst noch getan hat. Das hat er jetzt davon.

330 Millionen für Harper
Glaubt man seinem Agenten Scott Boras, so hatte Bryce Harper „ein volles Büffet“ an Angeboten. Er hätte zum Beispiel von einem ungenannten Team 45 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen kürzeren Vertrag haben können oder von den San Francisco Giants einen Zehnjahresvertrag für 310 Millionen. Letzten Endes hat er sich für das Angebot der Philadelphia Phillies entschieden, das mit 330 Millionen das größte Gesamtvolumen und mit 13 Jahren die längste Laufzeit aufwies. Dass das im Durchschnitt ein Jahresgehalt von „nur“ knapp über 25 Millionen ist, ließ Harper sich durch einige Annehmlichkeiten versüßen. So hat er sich den Anspruch auf eine eigene Loge im Citizens Bank Park festschreiben lassen sowie das Recht, auf Auswärtsreisen eine Suite statt eines normalen Hotelzimmers zu bewohnen. In jedem Jahr kann Harper bis zu 800.000 Dollar an Bonuszahlungen hinzuverdienen, indem er bestimmte Einzelauszeichnungen wie All-Star-Berufungen oder MVP-Titel erreicht. Der Vertrag enthält übrigens keinerlei Opt-Out-Klauseln, Optionsjahre oder Zahlungen, die auf spätere Zeiträume verschoben werden. Festgeschrieben ist allerdings eine volle No-Trade-Klausel, das heißt die Phillies können Harper nicht ohne sein Einverständnis zu einem anderen Team traden. Kurz gesagt: Dieser Vertrag ist aus Spielersicht ein wahrer Traum.
Aus Sicht des Vereins sieht die Sache für mich etwas anders aus, auch wenn die Phillies natürlich überzeugt sind, einen guten Deal gemacht zu haben. Ich persönlich finde es völlig absurd, sich irgendeinen Spieler für 13 Jahre mit garantiertem zweistelligen Millionengehalt ans Bein zu binden. Dass es dabei um Harper geht – einen sehr guten, aber bisher nur in einer Saison (2015) wirklich überragenden Spieler mit durchaus schwankenden Leistungen und wohl nicht ganz einfachem Charakter –, macht die Sache nur um so irrsinniger. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie die Phillies in sechs oder sieben Jahren über diesen Vertrag denken.

Blue Jays verpflichten Buchholz
Für vergleichsweise kleines Geld haben die Toronto Blue Jays Pitcher Clay Buchholz verpflichtet. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar und kann abhängig von absolvierten Innings bis zu 2,25 Millionen dazuverdienen. Der 34-Jährige war in den letzten zwei Jahren durch Verletzungen eingeschränkt, brachte es 2018 in seinen 16 Einsätzen für die Arizona Diamondbacks aber auf starke Werte mit 2.01 ERA und 3.47 FIP.

Severino verpasst Opening Day, Perez die ganze Saison
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als eine ernsthafte Verletzung im Spring Training. Richtig übel erwischt hat es Salvador Perez: Der Catcher der Kansas City Royals hat sich das UCL-Band im rechten Ellenbogen gerissen und wer regelmäßig Baseball verfolgt, weiß was das bedeutet: Tommy-John-Surgery, Saison gelaufen. Auch Bobby Wahl, Reliever bei den Milwaukee Brewers, mit einer Knieverletzung und Padres-Outfielder Travis Jankowski mit gebrochenem Handgelenk werden für mehrere Monate und möglicherweise die gesamte Saison ausfallen. Mit kleineren Verletzungen werden unter anderem Minnesotas Miguel Sano, Dodgers-Ass Clayton Kershaw sowie die Yankees-Starter Luis Severino und C. C. Sabathia den Saisonbeginn verpassen. Die Rotation der Yankees wird somit schon sehr früh sehr dünn und es mehren sich Spekulationen, dass sie noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig werden. Dallas Keuchel oder Gio Gonzalez könnten attraktive Optionen sein, doch bislang lässt der Klub verlauten, dass man auf interne Lösungen wie Domingo German, Jonathan Loaisiga, Luis Cessa, oder Chance Adams setzt.

80 Spiele Sperre für Dopingsünder Wright
Leider hat die Saison 2019 auch schon ihrern ersten Dopingfall: Pitcher Steven Wright von den Boston Red Sox wurde der Nutzung des Wachstumshormons GHRP-2 überführt. Der Knuckleballer bestreitet, das Mittel bewusst eingenommen zu haben, konnte aber bislang keine entlastenden Beweise oder Erklärungen vorlegen. Die Liga hat daher entschieden, dass er das übliche Strafmaß für Ersttäter erhält: eine Sperre für die ersten 80 Spiele der Saison sowie für die Playoffs.

Roster werden wohl 2020 größer
Ich hatte hier mal einige Vorschläge der Ligaleitung und/oder der Spielergewerkschaft MLBPA für Regeländerungen aufgelistet. Die meisten davon werden vorerst nicht umgesetzt werden, doch in einem Punkt scheinen die beiden Verhandlungspartner kurz vor einer Einigung zu stehen: Die Größe des aktiven Kaders für die reguläre Saison bis 31. August sowie für die Postseason soll ab 2020 von 25 auf 26 Spieler erhöht werden. Gleichzeitig wird voraussichtlich die Kadergröße für den Zeitraum ab 1. September von 40 auf 28 gesenkt. Die Erhöhung auf 26 ist ein Wunsch der MLBPA – sie bedeutet 30 neue Arbeitsplätze für MLB-Spieler. Die Absenkung auf 28 geht eher von der Liga aus. Sie möchte weg von den aufgeblähten Rostern im letzten Saisonmonat, die einerseits zu häufigeren Pitcherwechseln während des Spiels führen und andererseits zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, wenn ohnehin schon schwache Teams in der Endphase der Saison mit einem Haufen Minor Leaguer antreten.

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Februar 19th, 2019 by Silversurger

Barry Bonds ist die wohl umstrittenste Figur der Baseballgeschichte. Er ist Rekordhalter mit den meisten Homeruns sowohl in einer Saison (73 im Jahr 2001) als auch insgesamt (762). Er hat mehr Walks (2585) herausgeholt als irgendein anderer MLB-Spieler. Die beste On-Base-Percentage, die je in einer Saison erzielt wurde (.601 im Jahr 2004), geht auf sein Konto – die zweitbeste (.582 im Jahr 2002) übrigens auch. Seine sieben MVP-Titel sind Rekord, ebenso die längste Serie von vier hintereinander. Trotzdem wurde Bonds bis heute nicht in die Hall of Fame aufgenommen, erreichte in bislang sieben Wahlgängen nie die erforderlichen 75 Prozent Zustimmung.

Das Talent war Bonds quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater Bobby Bonds war selbst ein erfolgreicher MLB-Spieler und dessen bester Freund Willie Mays übernahm die Patenschaft für den kleinen Barry. Dieser begann 1986 – nur fünf Jahre nach dem Karriereende seines Vaters – bei den Pittsburgh Pirates seine eigene Laufbahn. Er etablierte sich schnell als Topspieler und wurde 1990 und 1992 zum MVP der Liga gewählt. 1993 machten ihn die San Francisco Giants mit einem Sechsjahresvertrag über 43,75 Millionen Dollar zum damals bestbezahlten Baseballer aller Zeiten. Seine überragenden Leistungen in den folgenden Jahren rechtfertigten den teuren Vertrag. Ungefähr um das Jahr 1998 traf Bonds jedoch offenbar eine folgenschwere Entscheidung. Vermutlich aus Frust über die Erfolge anderer mutmaßlicher Steroid-Nutzer wie Sammy Sosa und Marc McGwire griff er selbst zu verbotenen Substanzen.

Barry Bonds 1993 (1)

Der Fall ist nicht ganz einfach: Bonds selbst gab das Doping nie zu und ist auch nie positiv getestet worden. Die MLB hat daher auch keine Sperren oder sonstigen Strafen ausgesprochen, die aufgestellten Rekorde haben offizielle Gültigkeit. Gleichwohl gibt es keine ernsthaften Zweifel, dass Barry Bonds leistungsfördernde Mittel genutzt hat. Im Jahr 2003, also noch während Bonds aktiver Karriere, kam der sogenannte BALCO-Skandal ans Licht. BALCO war eine Firma, die Sportler systematisch mit anabolen Steroiden versorgte. Bonds war einer ihrer prominentesten Kunden. Vor einem Geschworenengericht räumte er damals ein, von einem in die Affäre verwickelten Trainer Substanzen verabreicht bekommen zu haben. Er habe aber nicht gewusst, dass es sich um Steroide handelte. In einem späteren Verfahren wurde Bonds wegen dieser Aussage der Irreführung des Gerichts schuldig gesprochen. Nach Berufung wurde dieses Urteil aufgehoben mit der Begründung, Bonds Falschaussage habe das Verfahren von 2003 nicht entscheidend beeinflusst.

Letzten Endes stehen sich nach Bonds Karriere zwei Fakten unversöhnlich gegenüber. Erstens: Barry Bonds hat – wie viele Akteure seiner Generation – sein Leistungsvermögen durch unfaire Mittel gesteigert. Zweitens: Bonds war einer der besten Baseballspieler aller Zeiten und das wird man nicht allein durch Spritzen. Vielleicht vergibt ihm die Baseballwelt irgendwann so weit, dass er den Platz in der Ruhmeshalle einnehmen darf, welcher ihm ohne die Dopinggeschichte längst sicher wäre. Ungeachtet dessen werden seine Rekorde für immer gedanklich mit einer einschränkenden Fußnote versehen sein.

Das war erst mal der letzte Artikel der Serie über die größten Baseballer aller Zeiten. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und die Offseason ein bisschen erträglicher gemacht. Ab jetzt stehen hier auf dem Blog wieder verstärkt die Stars von heute im Mittelpunkt. Nächste Woche beginne ich mit den traditionellen 30 Team-Previews in 30 Tagen und dann beginnt auch schon die Saison 2019.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jim Accordino (CC BY 2.0)

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Januar 7th, 2017 by Silversurger

Heute beschäftige ich mich mit der Evolution der Regeln unseres schönen Sports. Roman hatte im Offseason-Wunschkonzert gefragt, ob im Laufe der Zeit generell mal Änderungen im Gespräch waren und ob speziell die Abstände zwischen den Bases sowie zwischen Mound und Homeplate irgendwann geändert wurden. Kurz gesagt: Änderungen gab es schon oft und wird es auch immer wieder geben. Wirklich massive Eingriffe, die den Charakter des Spiels verändert haben, waren in den ersten Jahrzehnten der Entwicklung des Baseballsports (d. h. vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) relativ häufig, sind aber seit Beginn der „modernen Ära“ an einer Hand abzuzählen.

Historische Entwicklung der Regeln
Das erste bekannte Regelwerk für Baseball stammt aus dem Jahr 1845. Die sogenannten Knickerbocker Rules unterschieden sich noch recht stark von dem Spiel, das wir heute kennen. Zum Beispiel dauerte ein Spiel damals noch nicht neun Innings sondern so lange, bis eines der Teams 21 Runs erzielt hatte (und das andere Team genauso oft am Schlag gewesen war wie das führende). Der Standort des Pitchers war nicht genau geregelt, eindeutig war aber die Vorschrift, dass ein Pitch „underhand“ zu werfen war, also von unten und mit steifem Handgelenk und Ellenbogen. Homeruns gab es damals nicht: Es wurde in der Regel auf sehr großen Feldern gespielt und falls der Ball tatsächlich über selbiges hinwegsegelte, galt er als Foulball.

Es dauerte rund 50 Jahre, bis sich durch Versuch und Irrtum die Regeln herauskristallisiert hatten, die weitgehend dem heute üblichen Spiel entsprechen. Als Meilensteine können die 1884 erteilte Erlaubnis von Überhandpitches sowie die 1893 erfolgte Festlegung des Abstands zwischen dem Pitcher und der Homeplate auf 60 Fuß und 6 Zoll (18,44 Meter) gelten. Zwischenzeitlich hatte man sich auch auf neun Innings (1856), auf neun Spieler pro Team (1856), auf die Einführung von called Strikes (1858), auf den Walk nach vier Balls (1889) und leider auch auf den rassistischen Ausschluss dunkelhäutiger Spieler aus den Major Leagues (1889) geeinigt. Das Recht des Batters, einen hohen oder niedrigen Pitch zu verlangen, wurde 1867 eingeführt und 1887 wieder abgeschafft. Eine der allerersten Regeln ist bis heute unverändert geblieben: Der Abstand zwischen den Bases betrug schon in den Knickerbocker Rules von 1845 (ungefähr) 90 Fuß (27,423 Meter).

Seit ca. 1900 spricht man von der modernen Ära des Baseballs und meint damit, dass die Grundregeln sich in dieser Zeit kaum noch geändert haben. Dennoch gab es natürlich immer wieder kleinere und größere Eingriffe in das Regelwerk, weswegen man auch sehr vorsichtig dabei sein sollte, Statistiken aus verschiedenen Jahren miteinander zu vergleichen, ohne Anpassungsfaktoren für das jeweilige „Run Environment“ zu berücksichtigen. Letzteres bedeutet, dass es in der Geschichte des Baseballs unterschiedliche Phasen gibt, zwischen denen sich die übliche Anzahl von Runs und anderen zählbaren Elementen stark voneinander unterscheidet – abhängig von sich verändernden Taktiken, Ballparks und Materialien und eben von den jeweils gültigen Regeln. So gibt es zum Beispiel die Dead Ball Era von 1900 bis 1919, in der generell sehr wenige Runs erzielt wurden, oder die Steroid Era von Ende der 80er-Jahre bis in die frühen 2000er, in der sehr viel mehr Homeruns üblich waren als früher, wobei Doping wohl eine starke Rolle spielte. Statistiken wie den ERA eines Pitchers oder den Average eines Batters aus dem Jahr 1909 dem eines Spielers aus dem Jahr 1999 gegenüber zu stellen, würde angesichts der unterschiedlichen Run Environments zu völligen Fehlurteilen über die Qualität der jeweiligen Spieler führen.

Hier die wichtigsten Regeländerungen während der modernen Ära des Baseballs:

  • 1904: Die Höhe des Mounds wird auf 15 Zoll (38,1 cm) festgelegt.
  • 1907: Die Höhe der Strikezone reicht von der Schulter bis zum Knie des Batters.
  • 1920: Es wird nicht mehr für das ganze Spiel der gleiche Ball verwendet und der Pitcher darf den Ball nicht mehr mit Spucke, Schmirgelpapier oder sonstigen Materialien bearbeiten (der mutmaßliche Hauptgrund für das Ende der Dead Ball Era).
  • 1947: Die Rassentrennung in der MLB wird aufgehoben.
  • 1950: Die Höhe der Strikezone reicht von der Achselhöhle bis zum oberen Ende des Knies des Batters.
  • 1959: Neue Ballparks müssen Mindestmaße von 325 Fuß (99 Meter) in den Ecken und 400 Fuß (122 Meter) im Zentrum des Outfields aufweisen.
  • 1963: Die Höhe der Strikezone reicht vom oberen Ende der Schulter bis zum Knies des Batters.
  • 1969: Die Höhe der Strikezone reicht von der Achselhöhle bis zum oberen Ende des Knies des Batters.
  • 1969: Die Höhe des Mounds wird auf 10 Zoll (25,4 cm) reduziert.
  • 1971: Alle Batter werden verpflichtet, Helme zu tragen.
  • 1973: Farben und Größen der Fanghandschuhe werden vereinheitlicht.
  • 1973: Die American League führt den Designated Hitter (DH) ein.
  • 1975: Die Bälle werden künftig aus Rinderhaut gefertigt statt wie bisher aus Pferdehaut.
  • 1988: Die Höhe der Strikezone reicht von der Mitte zwischen dem oberen Ende der Schulter und dem oberen Ende der Uniformhose bis zum oberen Ende des Knies des Batters.
  • 1996: Die Höhe der Strikezone reicht von der Mitte zwischen dem oberen Ende der Schulter und dem oberen Ende der Uniformhose bis unterhalb der Kniescheibe des Batters.
  • 2005: Nach rund 15 Jahren, in denen Doping von der MLB zwar als illegal eingestuft, aber nicht ernsthaft verfolgt wurde, werden erstmals strikte Anti-Doping-Regeln und entsprechende Strafen eingeführt.
  • 2008: Die MLB führt den Videobeweis (instant replay) für bestimmte Situationen ein.
  • 2014: Die Anti-Doping-Regeln werden verschärft: Für den ersten Verstoß erfolgt nun eine Sperre von 80 Spielen, für den zweiten sind es 162 Spiele und für den dritten gilt die Sperre lebenslang.
  • 2014: Catcher dürfen nicht mehr die Homeplate blockieren, um einen Run zu verhindern, wenn sie nicht in Ballbesitz sind.
  • 2016: Slides von Baserunnern bei einem potenziellen Double Play sind illegal, wenn sie kein Bemühen erkennen lassen, die Base zu erreichen und darauf zu bleiben.
  • Aktuelle Regeländerungen
    Die MLB verfolgt momentan zwei Ziele: Zum einen möchte sie die Gesamtdauer der Spiele verkürzen. Zu diesem Zweck ist seit letztem Jahr die Dauer eines Besuchs auf dem Mound auf 30 Sekunden beschränkt und die Pausen zwischen Innings wurden um 20 Sekunden verkürzt auf 2 Minuten und 25 Sekunden für USA-weit übertragene und 2 Minuten und 5 Sekunden für sonstige Spiele. Eine weitere Beschleunigungsmaßnahme ist die ganz neue Regel, über die ich hier schon mal geschrieben habe: Intentional Walks werden künftig nicht mehr gepitcht sondern nur noch gegenüber dem Batter angezeigt. Das andere Ziel der MLB ist mehr Aktion, also mehr ins Spiel kommende Bälle. Dafür wird – wie schon häufig zuvor – an der Strikezone herumgedoktort: Sie verkleinert sich ab diesem Jahr um die Höhe einer Kniescheibe, indem ihr unteres Ende von unter dem Knie auf über das Knie verlegt wird. Auch dazu hatte ich im genannten Artikel schon meine Meinung geäußert.

    Ich habe mich hier auf Änderungen beschränkt, die unmittelbar das Spiel betreffen. Daneben hat sich im Laufe der Zeit eine Menge getan, was die Regeln abseits des Spielfeldes – Draft, Free Agency, Gehaltsgrenzen, Trades, internationale Verpflichtungen, Rostergrößen, Spielpläne etc. – betrifft. Das ist genug Stoff für einen eigenen Artikel, den ich bestimmt auch irgendwann mal schreiben werde. Eines muss ich noch erwähnen: MLB-Spieler dürfen sich ab diesem Jahr bei Rookie-Initiationsriten nicht mehr als Frauen verkleiden. Klingt komisch, ist aber richtig und gut so.

    Wünschenswerte Regeländerungen
    Zu guter Letzt gönne ich mir ein bisschen Träumerei mit einer kleinen Wunschliste von Regeländerungen, die mir gefallen würden:

  • Komplette Abschaffung der DH-Regel. Battende Pitcher sowie die damit verbundenen strategischen Elemente wie Pinch Hitting und Double Switches sind eine Bereicherung des Baseballsports.
  • Wenn ein Baserunner bei einem Ground Rule Double eindeutig scoren würde, dann sollte ihm der Run zugesprochen werden. Es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, dass ein Outfielder dafür belohnt wird, auf das Fielden des Balls zu verzichten.
  • Absichtliche Hit-by-Pitches (meist als Revanche für das Brechen „ungeschriebener Regeln“) sollten stärker sanktioniert werden, ganz besonders wenn sie auf den Kopf abzielen. Keiner braucht diese Spirale der Gewalt.
  • Und natürlich die Abschaffung der Pitcher-Wins als offizielle Statistik.
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