Juni 11th, 2019 by Silversurger

Es ist noch relativ früh im Baseballjahr, aber im deutschen Baseball sind über das Pfingstwochenende schon einige nennenswerte Entscheidungen gefallen: Die Heidenheim Heideköpfe gewannen den „kleinen“ Europapokal, die Mainz Athletics sicherten sich die Meisterschaft in der Bundesliga Süd und in Bonn stieg das traditionsreiche Baseball-Familienfest mit den Turnieren um den Länderpokal der U12 und der U18.

Zweiten Startplatz im Champions Cup erobert
In einem spannenden Finale gegen den tschechischen Gastgeber Draci Brno machten die Heideköpfe am Sonntagabend den Durchmarsch durch das Turnier perfekt: Fünf Spiele, fünf Siege und kein einziger zugelassener Run sind ihre makellose Bilanz. Der herausragende Akteur des Endspiels war Enorbel Marquez-Ramirez. Der Routinier pitchte acht Innings für die Heideköpfe, in denen er nur drei Hits und einen Walk zuließ. Damit bereitete er den Weg zum 3:0-Erfolg seines Teams, das erst im achten Inning zu den eigenen Runs kam. Der Gewinn des CEB-Cups ist nicht nur für die Heideköpfe, sondern für den gesamten deutschen Baseball ein toller Erfolg. Denn neben dem hübschen Pokal besteht die Belohnung darin, dass Deutschland für 2020 einen zweiten Startplatz im „großen“ Europapokal, dem European Champions Cup, erhält.

Den ersten Startplatz hatten zwei Tage zuvor haarscharf die Bonn Capitals gesichert: Der amtierende Deutsche Meister verlor zunächst alle drei Vorrundenspiele. Doch im entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt gelang nach hartem Kampf über zehn Innings ein 7:6-Sieg gegen die Arrows Ostrava.

Noch zwei Playoffplätze zu vergeben
Das Feld für die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft nimmt spürbar Gestalt an. In beiden Teilen der Bundesliga sind drei von vier Plätzen für das Viertelfinale vergeben, um je einen wird noch heiß gekämpft. Im Süden sind die Mainz Athletics (21-4) nach dem Sweep gegen die Haar Disciples (13-13) nicht mehr von Rang eins zu verdrängen. Sie werden in der ersten Playoff-Runde auf den Vierten aus dem Norden treffen, welcher aller Voraussicht nach entweder Hamburg Stealers (17-9) oder Dohren Wild Farmers (14-9) heißen wird. Dohren und Hamburg treffen am Samstag zweimal direkt aufeinander. Für die Stealers sind es bereits die letzten Saisonspiele; gewinnen sie beide, sind sie im Viertelfinale. Gewinnt Dohren eines oder gar beide Spiele, stehen die Chancen der Wild Farmers sehr gut, in den verbleibenden drei Spielen gegen die Cologne Cardinals (9-14) den Einzug in die Endrunde perfekt zu machen.

Neben den Athletics sind im Süden die Regensburg Legionäre (19-7) und die Heidenheim Heideköpfe (17-9) sicher in den Playoffs. Auf den vierten Platz sind die Mannheim Tornados (15-10) erster Anwärter, aber auch die Haar Disciples und die Stuttgart Reds (je 13-13) haben noch Chancen. Auch im Norden stehen mit den Solingen Alligators, den Paderborn Untouchables (je 19-7) und den Bonn Capitals (18-8) drei Viertelfinalisten fest. Alle drei gehen in ihre letzten Spiele als Favoriten – wenn sie dieser Rolle gerecht werden, bleibt es zwischen ihnen bei der derzeitigen Reihenfolge.

Sofern es zu keinen größeren Überraschungen kommt, lauten die Viertelfinalpaarungen am letzten Juni-Wochenende somit:

Mainz vs. Dohren/Hamburg

Solingen vs. Mannheim/Stuttgart/Haar

Regensburg vs. Bonn

Paderborn vs. Heidenheim

NRW-U18 und Bayern-U12 gewinnen den Länderpokal
Die wohl schönste Tradition im deutschen Nachwuchs-Baseball ist das Turnier um den Länderpokal, das jedes Jahr an Pfingsten in Bonn stattfindet. Für ein verlängertes Wochenende versammeln sich die Talente der Altersklassen U12 (Schüler) und U18 (Junioren) nebst Eltern und Betreuern, um eine Meisterschaft der Landesverbände auszuspielen. Die Beteiligung war dieses Mal leider ungewohnt dünn: Von den zehn Landesverbänden entsandten nur fünf eine U12- und sieben eine U18-Auswahlmannschaft. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Mit großem Spaß und Engagement lieferten sich sowohl die kleinen als auch die schon relativ großen Baseballer drei Tage lang spannende Spiele, sorgten für jede Menge Jubel und Szenenapplaus und nur ganz selten für ein paar kleine Tränen. In den Finalspielen setzten sich die U18 von Nordrhein-Westfalen mit 2:1 gegen Baden-Württemberg und die U12 von Bayern mit 7:4 gegen Nordrhein-Westfalen durch.

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Juni 12th, 2018 by Silversurger

Während in der MLB erst ein gutes Drittel der Spiele absolviert ist, tritt die Baseball-Bundesliga bereits in ihre heiße Phase ein. 20 bis 22 Partien hat jeder Bundesligist schon hinter sich, am 7. Juli werden es 28 und die reguläre Saison damit beendet sein. Spätestens dann steht fest, welche jeweils vier Teams im Norden und im Süden in die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft einziehen, während die restlichen jeweils vier die Abstiegsrunde spielen müssen.

Hinsichtlich der anstehenden Entscheidungen stellen sich die beiden Ligateile zurzeit sehr unterschiedlich dar. Im Norden sind kaum noch Fragen offen: Die Bonn Capitals sind eine Klasse für sich mit einer Bilanz von 22-0. Als weitere Teilnehmer der Zwischenrunde stehen die Dohren Wild Farmers (16-6) bereits fest und auch die Paderborn Untouchables (14-8) und die Solingen Alligators (13-9) sind so gut wie sicher dabei. In der Abstiegsrunde wird man dementsprechend die Hamburg Stealers (9-13), die Cologne Cardinals (5-15), die Berlin Flamingos (4-16) und die Bremen Dockers (3-19) sehen. Ganz uninteressant sind die letzten Spieltage deswegen aber nicht: Am kommenden Wochenende wird es zum Beispiel zwischen Paderborn und Dohren sowie zwischen Bremen und Berlin darum gehen, möglicherweise entscheidende Weichen für die Folgerunden zu stellen.

Die Teams nehmen nämlich in die Meisterschafts- und Abstiegsrunden alle Ergebnisse mit, die sie in der regulären Saison gegen die anderen drei Teilnehmer erzielt haben. Gegen jeden davon spielen sie dann einen weiteren Doppelspieltag. Danach tragen die Erst- und Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunden zwischen Nord und Süd die Halbfinalspiele und schließlich das Finale um die Deutsche Meisterschaft aus. Aus den Abstiegsrunden steigt jeweils der Letzte direkt ab und der Vorletzte muss in die Relegation.

In der Bundesliga Süd geht es weitaus spannender zu als in der Nordstaffel, denn hier ist noch fast gar nichts entschieden. Die Heidenheim Heideköpfe (19-3) hatten zunächst einen ähnlich dominanten Start wie im Norden die Bonner. Doch am Fronleichnamswochenende setzte es in drei Spielen zwei Niederlagen und plötzlich spürt Heidenheim den Atem der Regensburg Legionäre (17-5) im Nacken. Eben diese Legionäre gastieren am kommenden Wochenende in Heidenheim und könnten sich mit zwei Siegen eine geteilte Tabellenführung erstreiten. Im Mittelfeld der Tabelle ist es ein noch heißeres Rennen, denn mit den Haar Disciples (14-8), den Mannheim Tornados (13-9) und den Mainz Athletics (11-9) wetteifern drei gleich gute Teams um zwei Plätze in der Meisterschaftsrunde. Zurzeit belegen die Athletics den undankbaren fünften Platz, aber sie haben ihr Schicksal selbst in der Hand, denn ihr Restspielplan sieht noch je zwei Spiele gegen Haar und Mannheim vor.

Wer von diesen dreien am Ende auf Rang fünf steht, muss an der Abstiegsrunde teilnehmen, wird sich dort aber nicht allzu viele Sorgen machen müssen. Denn mit den Saarlouis Hornets (4-16), den Stuttgart Reds (4-18) und den Ulm Falcons (4-18) stehen auch im unteren Bereich der Tabelle drei Teams gleichauf und diese drei werden es sein, die den Abstieg realistischerweise unter sich ausmachen.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich, dass am vergangenen Wochenende zwei Europapokalwettbewerbe stattgefunden haben, in denen die deutschen Vertreter durchaus beachtliche Ergebnisse erzielten. Die Heidenheim Heideköpfe spielten als Deutscher Meister im European Champions Cup in Rotterdam. Sie verpassten zwar knapp das Halbfinale, fuhren aber Siege gegen die Vertreter der italienischen Liga, A.S.D. Rimini (3:1) sowie T&A San Marino (6:5) ein. Die Heideköpfe haben damit nicht nur einen Achtungserfolg erzielt, sondern auch den deutschen Startplatz für diesen Wettbewerb im nächsten Jahr gesichert. Den Pokal gewann das Heimteam Curaçao Neptunus Rotterdam.

Gleichzeitig waren die Bonn Capitals im tschechischen Ostrava beim Turnier um den CEB-Cup dabei. Ein 7:3-Halbfinalsieg über die Gastgeber brachte Bonn die Finalteilnahme. Im Endspiel unterlag man dann knapp mit 0:2 dem belgischen Meister Borgerhout Squirrels.

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Juni 11th, 2017 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: Die Mainz Athletics haben beim European Champions Cup den späteren Turniersieger Curaçao Neptunus aus Rotterdam mit 7:6 besiegt und damit einen schönen Achtungserfolg errungen. Die schlechte Nachricht: Alle anderen Spiele sowohl der A’s als auch der Regensburg Legionäre gegen die europäische Elite-Konkurrenz gingen – teilweise sehr deutlich – verloren. So mussten die beiden deutschen Vertreter heute Mittag das Finale um den Abstieg gegeneinander bestreiten. Die Athletics behielten in diesem Spiel dank Homeruns von Kevin Kotowski und Max Boldt mit 4:3 die Oberhand. Das freut mich als A’s-Getreuer natürlich, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass die Bundesliga einen ihrer beiden Startplätze in der europäischen Meisterklasse verloren hat.

Der größte Knackpunkt für die deutschen Teams war das Pitching: Vor allem die Mainzer mussten diverse Positionsspieler auf den Mound schicken, um die fünf Spiele in fünf Tagen irgendwie abzudecken. Für einen solchen Rhythmus ist das Roster eines Bundesligisten schlichtweg nicht gebaut und wenn der Wettbewerb über das Jahr verteilt stattgefunden hätte, hätten die deutschen Klubs vielleicht eher eine Chance gehabt.

Aber Hand aufs Herz: Der Turnierausgang ist letzten Endes verdient und muss niemandem peinlich sein, denn mit den Profimannschaften aus Europas Baseball-Hochburgen Niederlande und Italien können und müssen die deutschen Amateurteams nicht auf Augenhöhe agieren. Wenn sie das so wie die Mainzer im Spiel gegen Neptunus doch mal tun, dann ist das bereits eine kleine Sensation – und für den Gegner ein Weckruf, ohne den er vielleicht nicht bis zum Titel marschiert wäre.

Für die Athletics und die Legionäre hoffe ich, dass der fünftägige Kraftakt nicht zu sehr an die Substanz gegangen ist und dass der Lerneffekt durch die internationale Turniererfahrung überwiegt.

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Juni 5th, 2017 by Silversurger

Die Fußball-Champions-League ging an diesem Wochenende zu Ende und nun wissen wir, dass Real Madrid aktuell das beste Team im europäischen Fußball ist. Aber wer ist das beste Team im europäischen Baseball? Auch dafür gibt es einen Wettbewerb, natürlich ein paar Nummern kleiner als die Champions League, aber immerhin mit zwei Teilnehmern aus Deutschland und das Ganze zu Hause, genauer gesagt in Regensburg: den European Champions Cup.

Das Turnier findet statt von Mittwoch bis Sonntag dieser Woche (7. bis 11. Juni). Qualifiziert sind acht Mannschaften, darunter Gastgeber Regensburg Legionäre und der Deutsche Meister Mainz Athletics. Die beiden deutschen Vertreter gehen allerdings – ebenso wie der französische Meister Rouen Huskies – als klare Außenseiter ins Rennen gegen die Profiteams Amsterdam Pirates, Curaçao Neptunus, ASD Rimini, Unipolsai Bologna und T&A San Marino. Den Wettbewerb gibt es – mit wechselnden Namen und Formaten – seit 1963 und seit 1969 kam der Sieger immer aus den Niederlanden oder Italien (oder aus San Marino, das in der italienischen Liga spielt).

Der Spielplan des Turniers ist anspruchsvoll: Gespielt wird zunächst in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale. Da wegen einer Abstiegsregel auch die unteren Platzierungen zumindest teilweise ausgespielt werden, hat jedes Team mindestens vier Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren. Das ist vor allem in Bezug auf das Starting Pitching eine enorme Herausforderung, wenn man sonst nur zwei Spiele pro Woche abdecken muss. Die Legionäre haben deswegen mit Pitcher Kevin Vance kurzfristig Verstärkung an Land gezogen, die Mainzer werden neben den etablierten Startern wohl ein paar Positions- und Nachwuchsspielern Einsatzzeit auf dem Mound geben.

Erfreulicherweise werden alle Spiele des European Champions Cups live auf Legionäre-TV übertragen. Am meisten freue ich mich auf das Spiel von Mainz gegen Rouen am Mittwoch um 16:30 Uhr, einfach weil es vom gemeinsamen Niveau her die spannendste Begegnung mit deutscher Beteiligung zu werden verspricht. In alle anderen Partien gehen die Athletics und die Legionäre als Underdogs, aber vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin. Ich drücke beiden Teams fest die Daumen.

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