Mai 16th, 2019 by Silversurger

Ein Viertel der MLB-Saison 2019 ist bereits vorbei. Man könnte sagen, da ist noch nichts entschieden. Tatsächlich ist aber schon für ein Drittel aller Teams anzunehmen, dass das Jahr für sie mit ziemlicher Sicherheit gelaufen ist. Die Chancen dieser zehn Mannschaften, in die Playoffs einzuziehen, liegen laut Fangraphs bereits bei unter 10% – die der Marlins und der Orioles sogar bei 0,0%. Nehmen wir noch die fünf weiteren Teams heraus, deren Chancen deutlich unter 20% rangieren, und auf der anderen Seite die fünf mit einer Playoff-Wahrscheinlichkeit von über 80%, dann bleiben scheinbar gar nicht mehr viele übrig, für die es noch richtig spannend bleibt. Aber das Reizvolle am Sport im Allgemeinen und am Baseball im Speziellen ist ja gerade das, was gegen jede Wahrscheinlichkeit passiert. In ein paar Monaten werden wir auf die Playoff-Prognosen von Mitte Mai zurück blicken und an der einen oder anderen Stelle laut auflachen oder fassungslos den Kopf schütteln. Ich freue mich darauf.

National League
Die Philadelphia Phillies (24-18) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, führen die National League East aber nach wie vor relativ souverän an. Die Atlanta Braves (22-21) und die New York Mets (20-21) kämpfen mit der .500-Schwelle, welche für die Washington Nationals (17-25) bereits ein Stück weit entfernt ist. Die Nationals und die Mets treffen heute sowie Anfang der nächsten Woche noch fünfmal aufeinander. Am Wochenende dazwischen hat Washington mit den Cubs den unangenehmeren Gegner, während die Mets auf die Miami Marlins (10-31) treffen. Gegen die haben sie dieses Jahr bisher jedes Spiel gewonnen.

In der NL Central war es letztes Wochenende zum Spitzenduell zwischen den Chicago Cubs (25-15) und den Milwaukee Brewers (26-19) gekommen. Die Brewers starteten mit einem dominanten 7:0, das zweite Spiel ging nach 15 spannenden Innings an die Cubs, welche auch die dritte Partie für sich entschieden. So bleibt es in der Tabelle bei der knappen Führung der Cubs vor den Brewers. Die St. Louis Cardinals (23-20) können mit den beiden Konkurrenten derzeit nicht Schritt halten. Vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen (und 10 aus den letzten 13) haben die Cardinals auf Rang drei zurück geworfen. Selbst der ist am Wackeln, nachdem drei der Niederlagen gegen die Pittsburgh Pirates (21-19) eingefahren wurden. Die Cincinnati Reds (19-24) stehen abgeschlagen auf dem letzten Platz, auch wenn ihr Run-Differential vermuten lässt, dass sie sich bisher unter Wert verkauft haben: Mit +29 ist es das zweitbeste der Division und das viertbeste der gesamten NL.

Die Los Angeles Dodgers (29-16) haben ihre Dominanz in der NL West seit letzter Woche noch weiter ausgebaut, wofür vor allem ein Zwei-Spiele-Sweep gegen die San Diego Padres (22-21) hilfreich war. Die Arizona Diamondbacks (24-20) vergaben die Chance, an den Dodgers dranzubleiben, indem sie drei Heimspiele gegen die Braves verloren. In den nächsten zwei Wochen haben die Diamondbacks aber alle Trümpfe in der Hand, zumindest ihren zweiten Platz zu zementieren: sechsmal gegen die San Francisco Giants (18-24), dreimal gegen die Padres und viermal gegen die Colorado Rockies (20-22) lauten die kommenden Matchups, in denen einige Weichen für das Bild der NL West hinter den Dodgers gestellt werden können.

American League
Die American League East weist nach gut 40 Spielen die klare Zweiteilung auf, die man auch vor der Saison erwartet hätte: Die Baltimore Orioles (14-28) und die Toronto Blue Jays (17-25) zieren chancenlos den unteren Teil der Tabelle, während die Tampa Bay Rays (26-15), die New York Yankees (26-16) und die Boston Red Sox (23-20) den oberen Bereich unter sich ausmachen. Die drei sind gegenüber letzter Woche enger zusammengerückt, indem die Yankees die Serie in Tampa Bay 2:1 für sich entschieden und die Red Sox ihre Auholjagd mit sechs Siegen aus sieben Spielen fortsetzten (Donald Trump glaubt übrigens, dass das an ihm liegt). Von Freitag bis Samstag treffen die Yankees und die Rays schon wieder aufeinander, dieses Mal in der Bronx. Auch Boston erwartet am Wochenende einen hochkarätigen Gegner (siehe Einschalttipp).

In der AL Central schien der Siegeszug der Minnesota Twins (27-15) etwas ins Stocken geraten zu sein, als am Wochenende nur ein 2:2-Split gegen die Detroit Tigers (18-23) gelang und auch gegen die Angels das erste Spiel verloren ging. Aber zwei Siege später sieht die Welt für die Twins schon wieder rosig aus, zumal die Woche für die Cleveland Indians (22-19) nicht besser lief. Nach zwei Splits gegen die Chicago White Sox (19-22) und einer verlorenen Serie gegen die Athletics scheinen die Indians dringend ein aufbauendes Erfolgserlebnis zu brauchen – die anstehende Vier-Spiele-Heimserie gegen die Orioles sollte dazu ausreichend Möglichkeit bieten. Ein Erfolgserlebnis täte übrigens auch Max Kepler gut: Der deutsche Outfielder der Twins ist nach seinem heißen April (.304/.378/.633) deutlich abgekühlt und schlägt im Mai bislang nur .158/.231/.246.

Das aktuell stärkste Team der MLB sind die Houston Astros (29-15). Sie haben nicht nur die meisten Siege, die höchste Siegquote (65,9%) und den größten Vorsprung (7,5 Spiele) innerhalb einer Division, sondern auch das mit Abstand beste Run-Differential der Liga (+87). Die Konkurrenz innerhalb der AL West hat sich bereits mehr oder weniger verabschiedet. Die Seattle Mariners (22-23), die Los Angeles Angels (20-23), die Texas Rangers (18-22) und die Oakland Athletics (19-25) weisen allesamt eine negative Bilanz und ein negatives Run-Differential auf, keiner von ihnen macht auch nur ansatzweise den Eindruck, den Astros gefährlich werden zu können. Umso mehr darf man sich freuen auf die Duelle der Astros gegen den amtierenden Champion, die sowohl an diesem als auch am nächsten Wochenende auf dem Programm stehen (siehe Einschalttipp).

Szene der Woche
Es war ein bisschen still geworden um Vladimir Guerrero Jr. Der mit großem Hype gestartete Nachwuchsspieler der Toronto Blue Jays schlug in seinen ersten zwei Big-League-Wochen nicht so ein wie erhofft. Sein Batting Average pendelte deutlich unter .200 und der erste Homerun ließ ebenfalls auf sich warten. Am Dienstag war es dann endlich soweit: Vlad Jr. schlug den Ball gegen die San Francisco Giants aus dem Feld und offenbar fühlte sich das so gut an, dass er es im sechsten Inning gleich noch einmal tat.

Statistik der Woche 
8019. So viele Spiele haben die San Diego Padres in der MLB bislang gespielt und es war kein einziger No-Hitter dabei. Das ist nicht ganz sauber formuliert, denn tatsächlich gab es No-Hitter in zehn dieser Spiele – aber immer nur gegen die Padres. Seit Matt Strahm gestern im zweiten Inning des Spiels gegen die Dodgers ein Single von Corey Seager zuließ, haben die Padres mit den New York Mets als Rekordhalter für die meisten Spiele ohne No-Hitter gleichgezogen. Die Mets brachen den Bann in ihrem 8020. Spiel am 1. Juni 2012, als Johan Santana die St. Louis Cardinals ohne Hit hielt. Wenn die Padres in der kommenden Nacht gegen die Pirates erneut einen Hit zulassen, ist der Rekord allein der ihre.

Spiel der Woche
Einen Rekord gab es auch am Dienstag zu vermelden und zwar von Chris Sale, dem Ass der Boston Red Sox. Sale gelangen gegen die Colorado Rockies 17 Strikeouts – mehr als je zuvor ein Pitcher in sieben oder weniger Innings geschafft hatte. Der Rekord für ein komplettes Neun-Inning-Spiel liegt bei 20 Strikeouts und war definitiv in Reichweite, doch Manager Alex Cora entschied, dass 108 Pitches von Sale genug waren und nahm ihn mit einer 3:2-Führung aus dem Spiel. Das war vielleicht die richtige Entscheidung, um keine Verletzung zu riskieren, im Hinblick auf das Spiel war es jedoch die falsche: Reliever Brandon Workman ließ prompt zu, dass die Rockies das Spiel drehten. Zwar konnten die Red Sox noch einmal ausgleichen, doch am Ende triumphierten die Rockies nach elf Innings – 5:4 gewannen sie das Spiel, in dem sie insgesamt 24 Strikeouts kassiert hatten.

Mein Einschalttipp
Ein absoluter Leckerbissen für jeden MLB-Fan steht an und zwar gleich sechsmal an den beiden kommenden Wochenenden. Der Titelverteidiger von 2018, die Boston Red Sox, trifft auf den Meister des Jahres 2017, die Houston Astros. Beide Teams sind zurzeit in großartiger Form und wenn man sich bei einem davon fragt, wer die aktuelle Erfolgsserie stoppen könnte, fällt einem zwangsläufig das andere ein. Am Freitag, Samstag und Sonntag steht zunächst die Serie in Boston an, nächstes Wochenende kommt es zu den Rückspielen in Houston. Mein Einschalttipp für diese Woche ist das Spiel am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:05 Uhr, live auf DAZN und mlb.tv. Starting Pitcher sind voraussichtlich Chris Sale (4.24 ERA, 3.28 FIP) für die Red Sox und Brad Peacock (4.01 ERA, 3.45 FIP) für die Astros.

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April 26th, 2018 by Silversurger

Die MLB-Saison ist noch jung und doch ist sie für fast ein Drittel der Teams bereits gelaufen. Klingt hart, ist aber so – jedenfalls, wenn man den in der Regel recht guten Prognosen von Fangraphs Glauben schenkt. Laut selbigen ist nach vier Wochen MLB bereits für neun der 30 Teams die Wahrscheinlichkeit für eine Playoff-Teilnahme auf ein Prozent oder weniger gesunken. Das ist schade für die Rays, Orioles, Tigers, Royals, White Sox, Rangers, Marlins, Reds und Padres. Es erleichtert ihnen aber andererseits, ihre Mühen und Planungen klar auf die längerfristige Entwicklung ihrer Teams auszurichten, was die meisten von ihnen ohnehin schon tun. Zum Vergleich: 2017 waren zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Teams so früh schon so deutlich abgeschrieben, die Padres und die Reds. 2018 geht die Schere also bislang deutlich schneller auseinander als im letzten Jahr und übrigens auch in den Vorjahren. Zum Glück sehen wir auf der anderen Seite der Tabellen aber auch einige sicher noch lange und enge Rennen um die Divisionen, sodass trotz der ungwohnt zahlreichen „Non-Contender“ für Spannung gesorgt ist. Insbesondere in der National League haben wir die interessante Situation, dass die Favoriten aller drei Divisionen mehr oder weniger einen Fehlstart hingelegt haben und nun schauen müssen, wie sie sich langsam wieder nach oben arbeiten.

National League
Auf die National League East trifft die Sache mit dem spannenden Rennen jedenfalls voll und ganz zu. Abgesehen von den Miami Marlins (7-17) machen sich hier alle Teams zurzeit berechtigte Hoffnungen, es in die Postseason zuschaffen. Da haben wir zunächst die New York Mets (15-7), die nach dem sehr starken Beginn zuletzt etwas nachgelassen haben. Insbesondere Matt Harvey und Steven Matz erlaubten sich schwache Starts, Harvey wurde sogar in den Bullpen herabgesetzt und ist damit alles andere als glücklich. Der von einer Verletzung zurückkehrende Justin Vargas soll das Loch in der Rotation stopfen. Sollten die Mets weiter schwächeln, stehen die Philadelphia Phillies (15-8) und die Atlanta Braves (13-10) schon bereit, um in die entstehende Lücke vorzustoßen. Beide spielen eine überraschend gute Saison und weisen mit +31 bzw. +27 bereits deutlich bessere Run Differentials auf als die Mets (+9). Die Braves erhoffen sich einen weiteren Schub durch ihr frisch im MLB-Kader angekommenes Top-Talent, den Outfielder Robert Acuna. Und dann gibt es da noch die Washington Nationals (11-14), die immer noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und gerade eine Serie gegen die San Francisco Giants verloren haben, auf lange Sicht aber nach wie vor als Favorit auf den Divisionssieg gelten.

Die Parallele zur NL East ist unübersehbar, denn auch in der NL Central versteckt sich der Favorit, die Chicao Cubs (11-10) bislang auf dem vierten Platz. Und auch hier steht dahinter nur ein komplett hoffnungsloses Team, die Cincinnati Reds (5-19). Die Mannschaft der Stunde sind eindeutig die Milwaukee Brewers (16-9) mit derzeit acht Siegen am Stück. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass diese acht Siege gegen die Reds, die Marlins und die Royals eingefahren wurden, also gegen die wohl schlechtesten drei Teams der Liga. Umso mehr freue ich mich, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Cubs und den Brewers ansteht, die sicher dabei hilft, die Stärkenverhältnisse in der Division besser zu beurteilen. Mittlerweile nur noch Dritter sind die Pittsburgh Pirates (13-11), die einen furiosen Start hatten, dann aber von den letzten neun Spielen sieben verloren. Auch ihnen steht ein echter Härtetest bevor, denn am Wochenende müssen sie dreimal gegen die St. Louis Cardinals (14-9) ran, die ihrem Run Differential von +34 nach das aktuell stärkste Team der NL stellen.

In der NL West finden wir den Favoriten einen Platz höher als in den beiden anderen Divisionen, aber zufrieden werden die Los Angeles Dodgers (11-12) damit sicher nicht sein. Zuletzt verloren sie zweimal hintereinander gegen die Marlins, unter anderem einen Start von Clayton Kershaw. Wobei Kershaw und die anderen Starter – außer vielleicht Rich Hill – kaum Schuld tragen an den enttäuschenden Ergebnissen der ersten vier Saisonwochen. Es sind vielmehr der Bullpen und die Offensive, die bislang nicht mehr als mittelmäßige Leistungen bringen und somit weit weniger als es den Ansprüchen in Los Angeles entspricht. Nutznießer davon sind bislang vor allem die Arizona Diamondbacks (16-7), deren Siegquote von 69,6% NL-Spitze ist. Beeindruckend ist vor allem das Pitching der Diamondbacks, das so wenige Runs (73) zugelassen hat wie kein anderes NL-Team. Sehr viele Runs mehr, nämlich 130, haben die Colorado Rockies (14-12) zugelassen. Das ist in Colorado ein Stück weit normal, doch mit 111 erzielten Runs und somit einem Run Differential von -19 trotzdem bei einer positiven Bilanz zu stehen, hat auch mit Glück zu tun, das man bekanntlich selten auf Dauer hat. Die San Francisco Giants (11-13) stehen beispielsweise mit genau dem gleichen Run Differential zwei Plätze weiter hinten. Anders als bei den Rockies ist es bei den Giants vor allem die Offense, die ihrem Job nicht gerecht wird; 76 Runs sind mit Abstand die wenigsten in der NL und auch MLB-weit haben nur die Royals (72 Runs) weniger gescort, allerdings mit zwei Spielen weniger.

American League
Die Boston Red Sox (18-5) sind immer noch das stärkste Team der MLB – sie haben die meisten Siege, die höchste Siegquote (78,3%), die zweitmeisten erzielten (131) sowie die zweitwenigsten erlaubten (67) Runs und das mit Abstand beste Run Differential (+64) der Liga. Und doch hat die Dominanz der Red Sox in den letzten Tagen einige deutliche Risse bekommen. Der Knackpunkt war der No-Hitter durch die Athletics (siehe „Spiel der Woche“), nach dem auch das nächste Spiel gegen die A’s und anschließend ein weiteres gegen die Toronto Blue Jays (14-9) verloren wurde. Letzte Nacht sah es in Toronto erneut nicht gut aus für die Red Sox, die aber dank der Einzelleistung von Mookie Betts mit zwei Homeruns knapp als Sieger vom Platz gingen. Nachdem die Red Sox nach ihrem Wahnsinns-Start also wieder etwas geerdet sind, wird es in der American League East richtig interessant. Außer den Blue Jays haben nun auch die New York Yankees (14-9) mit zuletzt fünf Siegen am Stück die Verfolgung voll aufgenommen. Fünf Siege hintereinander haben übrigens auch die Tampa Bay Rays (9-13) geschafft und nebenbei letzte Nacht eine der interessanten Storys der Woche geschrieben: Sechs Jahre und drei Tommy-John-Surgerys nach seinem letzten MLB-Einsatz feierte Pitcher Jonny Venters mit einem Relief-Einsatz gegen die Baltimore Orioles (6-18) sein Comeback. Es war ein kurzer, aber erfolgreicher Auftritt, in dem Venters sein Gegenüber Chris Davis in vier Pitches zu einem Groundout brachte.

Die Cleveland Indians (13-9) tun das, was sie schon die ganze Saison über tun: in der Offense nur das Allernötigste, aber gerade genug, um auf der Basis hervorragenden Pitchings die Mehrzahl der Spiele zu gewinnen. Das tun sie in der AL Central derzeit relativ konkurrenzlos, denn mit den Detroit Tigers (10-12), den Chicago White Sox (5-16) und den Kansas City Royals (5-17) ist dieses Jahr generell kaum zu rechnen und nun sind auch noch die Minnesota Twins (8-11) mit sechs Niederlagen am Stück massiv abgestürzt. Nach je drei Niederlagen bei den Rays und den Yankees müssen sie heute noch einmal in New York antreten und sind dann sicher froh, diesen Auswärtstrip hinter sich zu haben. Zu Hause geht es am Wochenende gegen die Reds, die sich als Aufbaugegner für das schwächelnde Batting der Twins eignen könnten. Eine erschütternde Geschichte gibt es aus Chicago zu vermelden: Danny Farquhar, Reliever der White Sox, ist am Freitag während des Spiels gegen die Astros plötzlich bewusstlos zusammen gebrochen. Glücklicherweise wurde er schnell medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnblutung nach einem geplatzten Aneurysma festgestellt und operiert wurde. Die OP ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, Farquhar ist nach Auskunft der Ärzte ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen.

Puh, wie leitet man nach so einer Nachricht am besten zurück zum sportlichen Geschehen in der AL West? Ich schätze, das geht nur mit einem harten Cut. Die Houston Astros (17-9) sehen in jeder Hinsicht aus wie das Championship-Team, das sie sind. Vom berüchtigten World Series Hangover gibt es keine Spur, die Offense schnurrt ebenso reibungslos wie das Pitching. Wenn der viertbeste Starter eines Teams Dallas Keuchel heißt und einen ERA von 3.10 aufweist und der sechstbeste Reliever Brad Peacock mit einem ERA von 2.84, dann läuft in Houston offenbar eine ganze Menge richtig. Eines ist allerdings anders als letztes Jahr: Während der Divisionssieg der Astros 2017 quasi von Anfang an ein Selbstläufer war, gibt es in dieser Saison unübersehbar Konkurrenz. Insgesamt vier Teams der AL West haben eine positive Bilanz, nach den Astros allen voran die Los Angeles Angels (16-9), die auch gerade eine Serie in Houston mit 2:1 entführen konnten. Ebenfalls positiv stehen die Seattle Mariners (13-10) und völlig unerwartet die Oakland Athletics (13-12), die acht ihrer letzten zehn Spiele für sich entschieden. Ich rechne zwar sowohl bei den Mariners als auch bei den Athletics damit, dass sie sich mittelfristig unter .500 einpendeln werden, aber ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, mich von ihnen weiterhin überraschen zu lassen. Eine Überraschung wäre auch, wenn die Texas Rangers (9-17) in diesem Jahr noch mal ein Bein auf den Boden bekämen. Nach einem ohnehin schwachen Saisonbeginn musste nun nach SS Elvis Andrus und 2B Rougned Odor auch noch ihr Star-3B Adrian Beltre mit einer Oberschenkelverletzung auf die Verletztenliste.

Szene der Woche
Diese Kategorie zu füllen, fällt mir regelmäßig am schwersten, weil bei über 90 Spielen pro Woche immer eine Riesenauswahl an tollen Szenen besteht. Unbedingt eine Erwähnung verdient hat diese Woche auf jeden Fall das Triple Play der Mariners gegen die Astros mit freundlicher Unterstützung von Evan Gattis. Bartolo Colon ist sowieso immer für ein Highlight gut, dieses Mal indem er ein Wettrennnen gegen Dee Gordon, einen der schnellsten Spieler der MLB, gewinnt. Die sehenswerteste Szene war für mich jedoch der Single von Ronald Torreyes im Spiel seiner Yankees gegen Toronto vom Freitag. Statistisch sollte man den Hit eigentlich nicht Torreyes gut schreiben, sondern seinem Bat, denn dieser hat den Job ganz allein erledigt, nachdem er seinem Träger aus der Hand gerutscht war

Statistik der Woche 
21. So viele Pitches sah Giants-1B Brandon Belt am Sonntag in einem At-Bat gegen Angels-Pitcher Jaime Barria. Das war das längste At-Bat seit mindestens 30 Jahren, vielleicht das längste aller Zeiten – vor 1988 gab es keine so exakten Aufzeichnungen. Belt lag im Count relativ schnell mit 1-2 zurück, foulte den Ball dann 16-mal weg, zwischendurch ließ er noch zwei Balls passieren. Erst den 21. Pitch, einen mittelhohen Inside-Fastball, schlug Belt ins Spiel und schied aus, indem Kole Calhoun den Ball im Rightfield aus der Luft fing.

Spiel der Woche
Die Saison 2018 hat ihren ersten No-Hitter und es ist einer für die Geschichtsbücher: Denn die Red Sox waren von ihrer Siege-Niederlagen-Bilanz her das beste Team, das im modernen Baseball je einen No-Hitter gegen sich hinnehmen musste. Obendrein waren die Red Sox das Team mit der zweitlängsten Serie ohne No-Hitter gegen sich. Vor 25 Jahren waren sie das letzte Mal ohne Hit geblieben. Länger ist es mit fast 27 Jahren nur bei den Oakland Athletics her – ausgerechnet bei den Athletics, die am Sonntag auf der anderen, der guten Seite des No-Hitters stehen durften. Einen interessanten Fakt habe ich noch: Sonnntag war das erste Mal seit 1990, dass ein Team ge-nohittet wurde, während es die MLB in erzielten Runs anführte. Der Pitcher, der damals gegen die Blue Jays den No-Hitter einfuhr: Dave Stewart von den Oakland Athletics. Dieses Mal war es Sean Manaea, der sich die für jeden Pitcher ganz besondere Auszeichnung ans Revers heften darf, in einem kompletten Spiel keinen einzigen Hit zugelassen zu haben. Zweimal hatte er dabei Glück mit – völlig vertretbaren – Entscheidungen der Scorer und der Umpires: zuerst im fünften Inning, als Sandy Leon die erste Base nach einem Drop von Marcus Semien erreichte und dieser als Error gewertet wurde; dann im sechsten, als Andrew Benintendi zunächst ein Single zugerechnet wurde, die Review aber doch ein Out ergab, weil er den Basepfad verlassen hatte, um einem Tag zu entgehen.

Mein Einschalttipp
In Washington läuft über das Wochenende eine interessante Serie, wenn die Nationals auf die Arizona Diamondbacks treffen. Die beiden Teams haben bislang auf unterschiedliche Weise überrascht: die Diamondbacks im positiven, die Nationals im negativen Sinne. Gelingt es den Nationals, in den drei Heimspielen den Knoten in ihrer Offense zum Platzen zu bringen, ausgerechnet gegen den pitchingstarken Gegner? Es geht in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1:05 Uhr unserer Zeit gleich mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Zack Godley und Stephen Strasburg los, das ihr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen könnt. Falls ihr in der Nacht lieber schlaft (oder noch gar nicht zu Hause seid?): Die beiden anderen Spiele der Serie kommen zu deutlich europafreundlicheren Zeiten am Samstag (22:05 Uhr) und – erneut auch auf DAZN – am Sonntag (19:35 Uhr).

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September 24th, 2016 by Silversurger

Angesichts von Europameisterschaft, Deutscher Meisterschaft und der heißen Phase der MLB-Saison sind in letzter Zeit meine Statistik-Erklärartikel ein wenig zu kurz gekommen. Das ist nicht schlimm, denn es gibt ja bald wieder eine viel zu lange Offseason. Mit einem Indikator möchte ich mich aber doch schon jetzt beschäftigen, denn er ist besonders interessant in Bezug auf die aktuelle Diskussion, wer dieses Jahr die Titel der Most Valuable Players (MVP) der beiden Ligen erhalten soll.

Die MVPs werden vom Baseball-Journalistenverband, der Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) gewählt. Regelmäßig gibt es flammende Kontroversen darüber, welche Kriterien bei der Auswahl angelegt werden sollen. Da gibt es zum einen die Frage, ob und welche Rolle es spielen soll, ob der betreffende Spieler in einem erfolgreichen Team spielt. Die eine Fraktion sagt, es ist egal, da es um eine individuelle Auszeichnung geht und ein Spieler nicht für den Rest des Teams verantwortlich ist; die andere Fraktion sagt, ein Spieler, der mit seinem Team dauernd verliert, kann nicht der wertvollste der Liga sein. Die andere Frage ist, welche Statistiken am besten Auskunft über die Qualität eines Spielers geben. Traditionalisten schauen in erster Linie auf die Komponenten der Triple Crown: RBI, Batting Average und Homeruns für Batter; Wins, ERA und Strikeouts für Pitcher. Der progressivere Ansatz hingegen besteht darin, über diese Einzelwerte hinaus zu schauen und zu versuchen, den gesamten egenständigen Beitrag des jeweiligen Spielers zum Teamerfolg zu messen.

Der bekannteste Indikator, der diesen Gesamtbeitrag eines Spielers misst, heißt Wins Above Replacement, kurz: WAR. Das Grundprinzip von WAR besteht darin, dass der Wert des jeweiligen Spielers in Form von Siegen gemessen wird und zwar im Vergleich mit einem Spieler auf Replacement Level. Oder anders formuliert, WAR beantwortet die Frage: Wie viele Siege hat das Team mehr auf dem Konto, weil es den bestimmten Spieler X im Roster hat statt eines beliebigen Spielers Y?

Das Thema Replacement Level oder „beliebiger Spieler“ muss ich noch etwas näher erläutern: Ein Spieler auf Replacement Level meint einen Spieler, der einem MLB-Team zu minimalen Kosten und mit minimalem Aufwand zur Verfügung steht. Replacement Level ist in jedem Fall weniger als ein durchschnittlicher MLB-Spieler, aber auch mehr als irgend jemand Dahergelaufenes wie Tim Tebow oder ich. Replacement Level ist das Niveau, das ich erwarten kann, wenn ich wegen Verletzungen oder sonstiger Ausfälle eine Lücke mit einem Minor Leaguer oder einem arbeitslosen Profi zum Mindestlohn der MLB fülle. Die beiden führenden Statistikseiten Fangraphs und Baseball-Reference haben sich vor einigen Jahren auf eine gemeinsame Annahme zum Replacement Level geeinigt. Demnach entspricht das Replacement Level einer Siegrate von 29,4%. Ein Team, das nur aus Replacements besteht, würde in einer 162-Spiele-Saison nach dieser Annahme 47,7 Spiele gewinnen.

WAR ist keine offizielle MLB-Statistik und nicht standardisiert, das heißt unterschiedliche Quellen benutzen unterschiedliche Formeln und kommen zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen, obwohl sie im Großen und Ganzen das gleiche messen. Das gilt auch für Fangraphs und Baseball-Reference, die sich zwar auf ein einheitliches Replacement Level geeinigt haben, aber eben nicht auf eine einheitliche Formel für WAR. Mit in die Aufzählung gehört auch Baseball Prospectus, bei denen der Indikator WARP (Wins Above Replacement Player) heißt. Die Grundidee ist bei allen drei Quellen die gleiche, nämlich dass man sich fragt,
– wie viele Runs ein Spieler für sein Team produziert hat,
– wie viele Runs der gegnerischen Teams er verhindert hat,
– wie viele Siege für sein Team diese Anzahl von verursachten oder verhinderten Runs wert ist und
– welchen Mehrwert gegenüber einem hypothetischen Replacement-Spieler diese Siege darstellen.

Eine sehr übersichtliche Darstellung der Unterschiede in den Berechnungsweisen kann man bei Baseball-Reference nachlesen. Fürs Erste genügt es zu wissen, dass bei der Bewertung von Pitchern für Baseball-Reference und Baseball Prospectus die Runs Allowed (RA) im Mittelpunkt stehen, für Fangraphs hingegen Fielding Independent Pitching (FIP) und dass bei der Bewertung von Battern alle drei auf unterschiedliche Weise die Leistungen am Schlag, im Feld und beim Baserunning mit einbeziehen und auch Parkfaktoren berücksichtigen. Letzteres bedeutet, dass der Einfluss auf die zählbaren Leistungen eines Spielers, häufiger in einem eher hitter- oder pitcherfreundlichen Ballpark zu spielen, herausgerechnet wird.

Unterschiedliche Berechnungen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das sieht man auf einen Blick, wenn man die WAR-Tabellen von Fangraphs (Spalte ganz rechts), Baseball-Reference (links oben) und Baseball Prospectus (zwei Links für Pitcher und Batter, jeweils Spalte ganz rechts) vergleicht. Immerhin sind sich Fangraphs und Baseball-Reference einig, dass Mike Trout in der aktuellen Saison bisher die meisten Wins für sein Team wert war und alle drei Seiten kommen gleichermaßen zu dem Ergebnis, dass Trout mit 8 bis 10 WAR die American League anführt und Kris Bryant mit 7 bis 9 die National League. Folgt man diesen Zahlen, müssten Trout und Bryant dieses Jahr MVP werden. Ob es wirklich so kommt? Wir werden sehen, aber ich wage es zu bezweifeln – vor allem in Bezug auf Trout, der in keiner der „klassischen“ Kategorien vorne steht und obendrein bei einem wirklich schlechten Team spielt.

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September 3rd, 2016 by Silversurger

Ich muss mal wieder fangraphs.com loben. Die für mich – gemeinsam mit baseball-reference.com – beste aller MLB-Statistikseiten hat diese Woche eine interessante Neuerung eingeführt und zwar ein interaktives Splits-Tool. Was kann man damit machen? Nun, wenn ihr zum Beispiel schon immer den Eindruck habt, dass Yoenis Cespedes besonders gut schlägt, wenn er in Auswärtsspielen gegen linkshändige Pitcher antritt und sich Runner auf den Bases befinden, dann könnt ihr das nun mit wenigen Klicks bestätigen oder euch eines Besseren belehren lassen.

Das funktioniert so: Auf der Seite eines beliebigen Spielers, also zum Beispiel der von Yoenis Cespedes, wählt man in der Navigationsleiste direkt unter dem Infokasten das Splits Tool aus. Das Tool umfasst drei Bereiche, in denen man Einstellungen vornehmen kann: ganz oben die Auswahl, welche Statistiken – Standard, Advanced, Batted Ball – man angezeigt haben möchte. Kernstück des Tools sind die diversen Splits, also Filter, die man in den mittleren Zeilen auswählen kann. Die meisten davon sind selbsterklärend, außer vielleicht „Leverage“: Damit ist gemeint, wie spannend oder wichtig die Spielsituation gerade ist. Fangraphs bildet dazu einen Leverage Index, der in einer durchschnittlichen Spielsituation bei 1 liegt. Liegt er unter 0,85, so gilt die Situation als „Low Leverage“, bei über 2 als „High Leverage“. Besonders anschaulich sieht man die Entwicklung der Leverage während eines Spieles in der kleinen Grafik unter jedem Scoreboard von Fangraphs. Wenn man die gewünschten Filter gewählt hat, kann man unter „Group By“ noch die gewünschte zeitliche Gruppierung festlegen, um sich die Ergebnisse für die Gesamtkarriere oder einzelne Jahre, Monate, Wochen, Spiele anzuschauen.

Für das oben genannte Beispiel wähle ich auf der Seite von Yoenis Cespedes bei Statistiken „Advanced“, weil ich die Schlagleistung anhand des Wertes OPS beurteilen möchte. Als Splits wähle ich „vs. LHP“, „Away“ und „Runners On“. Mit jeder Aus- und Abwahl einer Option sieht man sofort die angepassten Statistiken. Zu guter Letzt wähle ich noch „Season“ als Gruppierungsvariable, damit ich die Werte nach einzelnen Saisons angezeigt bekomme. Das war schon alles und ich weiß jetzt, dass Cespedes in den gewählten Situationen tatsächlich gut geschlagen hat: 2015 mit einer OPS von 1.008, 2016 mit 1.200. Wähle ich alle drei Splits wieder ab, sehe ich zum Vergleich seine Gesamtwerte der jeweiligen Saison (2015: .870, 2016: .939).

Ein paar Wünsche lässt das Tool leider offen: Zum einen reichen die Daten nur bis zum Jahr 2002 zurück, für historische Vergleiche taugt es somit nicht. Außerdem vermisse (oder übersehe?) ich eine Möglichkeit, zwischen Pitching- und Batting-Statistiken zu wechseln. Für Pitcher zeigt das Tool Pitching-Stats an, für Batter Batting-Stats, aber wenn ich zum Beispiel etwas über das Batting von Madison Bumgarner herausfinden möchte, lässt es mich im Stich. Super fände ich zudem, wenn man bei Spielern, die das Team gewechselt haben, die Ergebnisse danach filtern könnte, für welches Team sie erzielt wurden. Und wenn man sich einzelne Spiele anzeigen lässt, stehen dort zwar die Spieltermine, aber nicht die Gegner. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau und wie ich Fangraphs kenne, wird man in nächster Zeit noch die eine oder andere Verbesserung nachrüsten. Auf jeden Fall ist dieses Tool ein toller Fortschritt für jeden Hobby-Baseballstatistiker und das Ganze komplett kostenlos. Diese (natürlich ebenfalls kostenlose) Werbung von mir haben sich die Leute von Fangraphs redlich verdient.

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Juli 15th, 2016 by Silversurger

Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch – aber nicht gelogen und eine gute Veranschaulichung des Themas, über das ich heute ein paar Zeilen schreiben möchte. Wir haben gut die Hälfte der MLB-Saison hinter uns und für einige Teams ist der Playoff-Zug unübsersehbar abgefahren. Für alle anderen rückt jedoch jeden Tag ein bisschen mehr die Frage in den Mittelpunkt, wie die Chancen auf einen Einzug in die Postseason und auf ein Weiterkommen bis hin zum ultimativen Ziel, dem Gewinn der World Series, stehen.

Der einfachste und zugleich härteste Indikator dafür sind natürlich die aktuellen Tabellenstände , die ich regelmäßig im Grand Slam am Donnerstag diskutiere. Wer zum All-Star-Break in seiner Division vorne steht, der geht auch als Favorit in den zweiten Teil der Saison und alles andere als die Playoff-Teilnahme wird am Ende eine Enttäuschung sein. Das aktuelle Tabellenbild ist aber nur eine Momentaufnahme, in die neben der tatsächlichen Stärke der Teams immer auch andere Faktoren einfließen: Glück und Pech in engen Spielen, Verletzungen, die Zusammenstellung des Spielplans usw. Diese Faktoren treten in einer ganzen Saison genauso auf wie in einer halben. Aber da es sich um mehr oder weniger zufällig verteilte Ereignisse handelt, kann man nicht davon ausgehen, dass sie in der zweiten Saisonhälfte die gleichen Teams auf die gleiche Weise treffen wie in der ersten. Deswegen kann man nicht einfach den Halbzeitstand verdoppeln und das als Progonose für den Endstand verkaufen – besser gesagt man kann, aber es gibt statistische Verfahren, die zu weitaus besseren Vorhersagen führen.

Besonders hilfreich, übersichtlich und obendrein transparent erklärt finde ich die Playoff Odds von Fangraphs, die ich deswegen in diesem Artikel vorstellen möchte. Natürlich lohnt es sich auch, bei dem einen oder dem anderen Anbieter ähnlicher Berechnungen rein zu schauen und zu vergleichen.

Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen für diese Spieler prognostiziert werden. Wer die Verwendung erwarteter Spielerleistungen zu schwammig findet, kann übrigens mit einem Klick den Modus auf „Season to Date“ umschalten, dann wird mit den im bisherigen Jahr tatsächlich erbrachten Spielerleistungen gerechnet. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

Beim Blick auf die aktuellen Zahlen sieht Vieles so aus, wie man es anhand der aktuellen Tabellen erwarten würde: Fünf der sechs Teams, die in ihrer Division auf Platz eins stehen, weisen eine Wahrscheinlichkeit von deutlich über 50% auf, diesen Platz auch am Ende der Saison zu belegen. Nur in der AL East ergibt sich ein anderes Bild, hier gelten die Red Sox mit 48,5% als Favorit auf den Divisionssieg und sogar den aktuell nur drittplatzierten Blue Jays werden mit 28,4% höhere Chancen auf den Divisionssieg zugetraut als den momentan führenden Orioles (21,8%).

Generell ist in der AL mehr Spannung zu erwarten als in der NL; während in der NL allen derzeitigen Divisionsführern eine Playoff-Wahrscheinlichkeit (Divisionssieg oder Wild Card) von über 96% zugerechnet wird, sind in der AL die Indians mit 91,4% das einzige Team, das sich zu über 90% sicher fühlen darf, die Playoffs zu erreichen.

Favorit auf den Gewinn der World Series sind die Chicago Cubs, die in 17,4% der simulierten Restsaisons als Sieger hervorgegangen sind. Den San Francisco Giants traut das Modell, obwohl sie zur All-Star-Break den besten Record der MLB aufweisen, nur zu 9,1% den nächsten großen Wurf nach den Meisterschaften 2012 und 2014 zu. Damit liegen die Giants hinter den Cubs, den Nationals (12,6%), den Red Sox (12,1%) und den Indians (11,8%) nur auf Platz fünf der Favoritenliste. Die Kansas City Royals dürfen sich unterdessen kaum noch Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung machen: Nur 6,2% betragen derzeit ihre Chancen, überhaupt in die Playoffs einzuziehen, und nur 0,2% die Wahrscheinlichkeit auf den erneuten Gewinn der World Series.

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