Februar 11th, 2021 by Silversurger

Das Warten ist fast zuende: In nicht mal einer Woche – am 16. und 17. Februar – starten die Pitcher und Catcher der MLB-Teams in die Spring-Training-Camps, die restlichen Spieler folgen wenige Tage später. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Vertreter der Liga und der Spieler auf zentrale Punkte zum Umgang mit der Coronasituation geeinigt.
Die Free Agency geht derweil in den Endspurt. Mit Trevor Bauer und Marcell Ozuna haben die zwei dicksten Fische, die noch auf dem Markt waren, ihre Teamwahl getroffen – in Bauers Fall springt sogar ein Rekordgehalt heraus.

Kompromiss über Corona-Maßnahmen
Dass die MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA sich überhaupt mal auf etwas einigen können, ist nach den konfliktreichen letzten Wochen und Monaten für sich allein schon eine erfreuliche Neuigkeit. Die beiden Seiten haben am Montag eine Reihe von Maßnahmen verabredet, unter denen das Spring Training ab nächster Woche und die Saison ab 1. April so regulär wie möglich stattfinden sollen.

Die wichtigsten Regelanpassungen bestehen darin, dass wie in der Kurzsaison 2020 Doubleheader wieder über zweimal sieben Innings gespielt und Extra-Innings in allen Spielen mit einem automatischen Baserunner begonnen werden. Beide Maßnahmen haben den Sinn, die Spieler vor Überlastungen zu schützen, wenn es wieder dazu kommt, dass durch coronabedingte Verschiebungen mehrere Spiele innerhalb kurzer Zeiträume zu absolvieren sind. Ferner wurde vereinbart, dass jeder Spieler bei Bedarf als Pitcher eingesetzt werden kann – es muss also kein bestimmtes Inning oder eine bestimmte Höhe des Rückstands erreicht sein, bevor ein Positionsspieler pitchen darf. Unsportliches Verhalten, das die Abstandsgebote verletzt – Prügeleien, Anschreien der Umpires aus kurzer Distanz – soll konsequent geahndet werden. Eine Maskenpflicht besteht für alle Beteiligten mit Ausnahme der Spieler auf dem Feld. Spieler, die Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall haben, müssen für eine Woche in Quarantäne und sich am fünften Tag testen lassen. Wird ein Spieler selbst positiv getestet, dauert die Quarantäne mindestens zehn Tage. Im Falle eines Covid-Ausbruchs dürfen die Teams in einem vereinfachten Verfahren den Kader aus den Minor Leagues auffüllen und die betreffenden Spieler danach wieder zurückschicken.

Interessant ist auch, was nicht beschlossen wurde: Die Designated-Hitter-Regel wurde nicht erneut auf die National League ausgedehnt. Sie gilt jetzt wieder wie vor 2020 ausschließlich in der American League. Auch ein Beschluss über erweiterte Playoffs wurde bisher nicht gefasst. Sofern es dazu nicht wieder eine Last-Minute-Entscheidung wie im letzten Jahr gibt, findet die Postseason dieses Jahr im alten Format mit zehn Teams statt. In der regulären Saison soll der Spielplan umgesetzt werden wie geplant, also mit 162 Spielen pro Team und ohne die geographische Umsortierung, mit deren Hilfe letztes Jahr Reiseaktivitäten minimiert wurden.

Rekordvertrag für Bauer
Um keinen der diesjährigen Free Agents wurde so viel Aufheben gemacht wie um Trevor Bauer. Der Cy-Young-Gewinner befeuerte den Hype durch seine gewohnt hohe Social-Media-Präsenz, indem er öffentlich mit dem Interesse beispielsweise der Toronto Blue Jays und der New York Mets kokettierte. Seine Entscheidung, bei welchem Team er unterschreibt, gab er schließlich am Ende eines zweieinhalbminütigen Highlight-Videos bekannt – für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Selbstinszenierung. Ich muss aber zugeben, dass ich Bauer schon vorher nicht mochte und daher einfach nur froh war, dass seine Wahl nicht auf die Mets fiel. Der 30-Jährige kehrt stattdessen zurück in seine südkalifornische Heimat und schließt sich dort dem amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers an. Er erhält von den Dodgers einen Dreijahresvertrag über 102 Millionen Dollar mit Ausstiegs-Optionen sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Jahr. Die Zahlungen sind so strukturiert, dass Bauer sowohl dieses Jahr mit 40 Millionen als auch nächstes Jahr mit 45 Millionen jeweils einen neuen Rekord für das höchste Jahresgehalt eines MLB-Spielers aufstellt.

Ozuna bleibt in Atlanta
Als zweiter Hochkaräter in dieser Woche hat auch Marcell Ozuna einen neuen Vertrag unterschrieben. Der Outfielder bleibt für vier weitere Jahre bei den Atlanta Braves. Er erhält dafür 65 Millionen Dollar, zu denen weitere 15 Millionen hinzukommen, falls die Braves ihre Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Für Ozuna ist damit die Taktik voll aufgegangen, sich letztes Jahr mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen zu begnügen. Nachdem er 2020 seine bislang stärkste Saison ablieferte, erhält der 30-Jährige nun die Belohnung in Form des ersehnten hochdotierten Dauervertrags.

5-Spieler-Deal zwischen Rangers und Athletics
Die Texas Rangers und die Oakland Athletics haben sich auf einen umfangreichen Trade geeinigt: Die Rangers senden SS Alvis Andrus, Prospect-Catcher Aramis Garcia und 13,5 Millionen Dollar nach Oakland, dafür erhalten sie OF/DH Khris Davis sowie die Prospects C Jonah Heim und RHP Dane Acker. Der Move sieht in erster Linie danach aus, dass die Athletics wieder mal Kosten sparen wollen. Allerdings ist das eine Rechnung, die nur für dieses Jahr aufgeht: Die Rangers übernehmen die 30,5 Millionen Dollar, die Davis in seinem letzten Vertragsjahr zustehen, sowie durch die Barzahlung im Zuge des Transfers auch fast die vollen 14 Millionen, die Andrus dieses Jahr verdient. Für 2022 sind die Rangers damit alle Verpflichtungen los. Die A’s hingegen müssen Andrus nächstes Jahr noch einmal 14 Millionen bezahlen, und bei genügend Einsätzen aktiviert sich für ihn sogar die Option, bis 2023 einseitig für weitere 15 Millionen zu verlängern.
Von den Leistungen her waren zuletzt weder Davis noch Andrus für ihre Teams eine große Hilfe, beide landeten 2020 bei negativen Wins Above Replacement. Neben den finanziellen Implikationen steht hinter dem Trade wohl auch der Gedanke, dass beiden ein Tapetenwechsel gut tun könnte. 

Dreiecks-Trade bringt Benintendi zu den Royals
Zwischen den Kansas City Royals, den Boston Red Sox und den New York Mets gibt es einen Dreicks-Trade. Dessen wesentliche Auswirkung auf die MLB-Roster besteht darin, dass Outfielder Andrew Benintendi aus Boston zu den Royals wechselt. Als Gegenleistung erhalten die Red Sox OF Ranchy Cordero sowie zwei später zu benennende Spieler von den Royals und RHP Josh Winckowski sowie einen weiteren noch zu benennenden Spieler von den Mets. Die Mets bekommen OF-Prospect Khalil Lee von den Royals.
Benintendi ist bis einschließlich 2022 unter Teamkontrolle. Die Royals setzen darauf, dass er an frühere Leistungen anknüpfen kann, nachdem er letzte Saison unter Form- und Verletzungsproblemen litt. Aus Sicht der Mets ist das Geschäft, dass sie mit Lee ein Prospect bekommen, von dem sie mehr erwarten als von Winckowski (und der noch ausstehenden Beigabe). Auf Seiten der Red Sox sieht es danach aus, dass sie sich mit Masse statt Klasse bezahlen lassen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: C Yadier Molina (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Jake McGee (San Francisco Giants, 2 Jahre, 7 Millionen), OF Adam Duvall (Miami Marlins, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen), 2B Jonathan Schoop (Detroit Tigers, 1 Jahr, 4,5 Millionen), SP Chase Anderson (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 4 Millionen), IF Jonathan Villar (New York Mets, 1 Jahr, 3,55 Millionen plus Boni), SP Mike Fiers (Oakland Athletics, 1 Jahr, 3,5 Millionen), SP Mike Foltynewicz (Texas Rangers, 1 Jahr, 2 Millionen plus Boni), OF Jake Marisnick (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 1,5 Millionen), OF Albert Almora (Mets, 1 Jahr, 1,25 Millionen plus Boni). 

Mit zwei kleineren Trades ergänzen die Los Angeles Angels ihren Kader:  Von den St. Louis Cardinals kommt OF Dexter Fowler; die Cardinals legen bei dem Deal 12,75 Millionen Dollar und damit einen Großteil von Fowlers 14 Millionen Jahresgehalt drauf, um den Platz im Kader frei zu bekommen.  Von den Tampa Bay Rays erhalten die Angels RP Aaron Slegers im Austausch gegen einen später zu benennenden Spieler. Mit SP/OF Shohei Ohtani erzielten die Angels zudem eine vorzeitige Vertragsverlängerung, durch die beide Seiten das Arbitration-Verfahren abwenden. Ohtani erhält 3 Millionen Dollar für 2021 und 5,5 Millionen für 2022.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juli 30th, 2020 by Silversurger

Wer gehofft hatte, dass die MLB-Saison 2020 inmitten der Pandemie glatt durchläuft, sieht sich leider schon nach einer Woche getäuscht: Ein massiver Ausbruch von Covid-19-Fällen bei den Miami Marlins führte dazu, dass deren Spiele seit Montag für mindestens eine Woche ausgesetzt sind. Vorsichtshalber wurde auch die Serie der Phillies gegen die Yankees verschoben, da die Phillies der letzte Gegner der Marlins waren. Stattdessen zog man eine Serie zwischen den Yankees und den Orioles, den beiden ursprünglich vorgesehenen Gegnern der Marlins und Phillies, im Spielplan nach vorne.
Die Fortsetzung der Saison ist nach Aussagen von Ligachef Rob Manfred nicht in Gefahr – mit vereinzelten Ausbrüchen wie diesem sei zu rechnen gewesen und man sei überzeugt, mit den bestehenden Test- und Hygieneregeln den richtigen Weg gewählt zu haben. Etwas anderes kann er ja auch kaum sagen, und immerhin gab es bei den 29 anderen Teams außer den Marlins seit 6 Tagen keine positiven Covid-19-Befunde mehr. 
Um die Spielausfälle aufzufangen, wird es später in der Saison voraussichtlich verstärkt zu Doubleheadern kommen, also zu zwei Spielen an einem Tag. Die Liga und die Spielergewerkschaft verhandeln zurzeit, ob man diese Spiele auf je 7 Innings verkürzt, um die Belastung für die Spieler zu reduzieren. 

American League
Über Bilanzen und Tabellenstände lohnt es sich nach den wenigen Spielen noch nicht zu sprechen. Erfreulich fand ich, dass schon nach drei Tagen jedes MLB-Team mindestens einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto hatte. Den besten Start von allen AL-Teams hatten die Minnesota Twins (4-1), die nach fünf Spielen schon ein Run Differential von +17 aufweisen. Der Gegenpart sind die Seattle Mariners (2-4) mit einem Run Differential von -18, aus dem sie aber immerhin schon zwei Siege eingefahren haben. 

Leider gibt es auch schon ein paar empfindliche Ausfälle durch Verletzungen zu melden. Beide Teams aus Texas müssen bis auf Weiteres auf ihr Pitching-Ass verzichten: Justin Verlander von den Houston Astros hat sich eine Zerrung im Unterarm zugezogen; Meldungen, dass dies sein Saisonende bedeute, bestritt Verlander, aber er wird auf jeden Fall für einige Wochen ausfallen. Bei Corey Kluber von Texas Rangers ist im ersten Inning des ersten Spiels ein Schultermuskel gerissen. Auch für ihn ist im schlechtesten Fall die Saison gelaufen, bestenfalls kann er in vier Wochen wieder werfen. 

Die Toronto Blue Jays haben übrigens endlich eine Heimat für diese Saison gefunden. Nach langem Hin und Her entschied man sich dafür, die Heimspiele im Ballpark der Buffalo Bisons, dem Triple-A-Team der Blue Jays, durchzuführen. Allerdings müssen noch Arbeiten an der Infrastruktur des Stadions durchgeführt werden, sodass dort erst ab voraussichtlich 11. August gespielt wird. Bis dahin tragen die Blue Jays ihre „Heimspiele“ in den Stadien der eigentlichen Auswärtsteams in Washington und Philadelphia aus.

National League
In der National League, speziell der NL East, ist das Bild durch die Spielausfälle bei den Phillies (1-2) und den Marlins (2-1) noch sehr schief. Bei den Marlins wurden mittlerweile 16 Spieler und 2 Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet. Die Spiele des Klubs sind bis vorerst Montag abgesagt. Ob die Marlins am Dienstag in den Spielbetrieb zurückkehren und ob sie noch das volle 60-Spiele-Programm absolvieren werden, ist völlig offen. Die Phillies sollen, nachdem sie in den Spielen gegen die Marlins offenbar von Ansteckungen verschont geblieben sind, ab Samstag wieder ins Geschehen eingreifen, beginnend mit einem Doubleheader gegen die Blue Jays. [Nachtrag: Weniger als zwei Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass die Phillies leider doch einen Coronafall haben. Die Serie gegen die Blue Jays wird verschoben.]

Für die beiden überraschendsten Personalnachrichten der ersten MLB-Woche sorgten die Atlanta Braves (3-3). Am Dienstag entließen sie ihren Starter Mike Foltynewicz. Vor zwei Jahren war Foltynewicz noch ein All-Star und die Nummmer eins in der Braves-Rotation, doch nach einem schwachen Jahr 2019 inklusive Abstecher in die Minor Leagues war der Geduldsfaden der Teamverantwortlichen sehr dünn geworden. Ein einziger schlechter Start am Montagabend genügte ihnen, um die Hoffnung auf einen Rebound ihres einstigen Asses aufzugeben. Mindestens ebenso überraschend kam letzte Nacht die Meldung einer Rückkehr: Outfielder Nick Markakis hatte vor drei Wochen die Option wahrgenommen, diese Saison wegen des Coronavirus auszusetzen. Doch der 36-Jährige bereute seine Entscheidung, als er die Spiele seines Teams im Fernsehen sah. Kurzerhand besprach er sich mit seiner Familie und mit General Manager Alex Anthopoulos, und da alle einverstanden waren, wird er in den nächsten Tagen doch noch zum Team stoßen.

Den ersten größeren Brawl der Saison gab es auch schon: Zwischen den Los Angeles Dodgers (4-2) und den Houston Astros (3-3) brach am Dienstag eine Rangelei aus, nachdem Dodgers-Reliever Joe Kelly mehrere Gegenspieler abzuwerfen versuchte und Astros-Shortstop Carlos Correa nach einem Strikeout „Nice swing, bitch!“ zurief. Kelly wurde von der MLB für acht Spiele gesperrt, zudem wurden Dodgers-Manager Dave Roberts mit einer Sperre von einem Spiel und Astros-Manager Dusty Baker mit einer Geldstrafe bedacht.

Szene der Woche
Eigentlich gibt es ja kaum ein passenderes Sinnbild für dieses ziemlich verkorkste Jahr als den – ebenfalls ziemlich verkorksten – zeremoniellen ersten Pitch der Saison durch Dr. Anthony Fauci, den Chef-Epidemiologen der USA:

Aber viel lieber als über Epidemien und verkorkste Jahre möchte ich über Baseball reden, und deshalb ist meine Szene der Woche ein anderer erster Pitch – nämlich jener erste Pitch im ersten Spiel der Minnesota Twins, den Max Kepler direkt über das Rightfield hämmerte. So fängt man eine Saison an:

Statistik der Woche 
27 Jahre. So lange dauerte es, bis die Miami Marlins zum ersten Mal in ihrer Teamgeschichte zu einem späteren Zeitpunkt als Juni an der Tabellenspitze der NL East standen. Dass ihnen das mit einem Sieg im Eröffnungsspiel gelungen ist, ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber dass sie es vorher so lange geschafft haben, an keinem einzigen Juli-, August- oder Septembertag auf Platz eins zu stehen, finde ich wirklich beeindruckend, vor allem weil sie schon zwei World Series gewonnen haben. In beiden Fällen erreichten sie die Playoffs von Platz zwei aus als Wild-Card-Team.

Spiel der Woche
Das Spiel der Oakland Athletics gegen die Los Angeles Angels vom Freitag verdient eine besondere Erwähnung als die erste MLB-Partie, die nach den neuen Extra-Innings-Regeln in die Verlängerung ging. Matt Olson sorgte dafür, dass sie mit einem Knaller endete, genauer gesagt mit einem Walk-Off Grand Slam zum 7:3, nachdem Marcus Semien als automatischer Runner sowie Ramon Laureano und Khris Davis die Bases geladen hatten. Es war der erste Walk-Off Grand Slam am Opening Day seit 1986, als Jim Pressley die Seattle Mariners zum Sieg schlug – übrigens ebenfalls gegen die Angels. Den letzten Walk-Off Grand Slam für die Athletics in Extra-Innings schlug im Jahr 2008 Mark Ellis gegen – ja genau, die Angels.

Mein Einschalttipp
Die Minnesota Twins (4-1) und die Cleveland Indians (4-2) sind beide vielversprechend in die Saison gestartet. Ab heute Nacht treffen die beiden AL-Central-Kontrahenten in einer 4-Spiele-Serie zum ersten Mal in diesem Jahr aufeinander. Bekommen die Indians mit ihrem traditionell starken Pitching die bombastische Offense der Twins in den Griff? Ich bin gespannt darauf. Vor allem das Spiel am Sonntag bietet sich wegen des europafreundlichen Beginns um 20:10 Uhr unserer Zeit dafür an, mal reinzuschauen. Ihr könnt die Partie sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN verfolgen. Als Starting Pitcher werden voraussichtlich Aaron Civale für die Indians und für die Twins Homer Bailey ins Rennen gehen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , ,

März 21st, 2019 by Silversurger

Baseball’s back, alright! Ich bin nicht allzu musikalisch, aber heute könnte ich vor Freude singen, denn endlich läuft wieder MLB-Baseball. Zwei unterhaltsame Eröffnungsspiele in Tokio liegen bereits hinter uns und werden vor allem wegen des emotionalen Abschieds von Ichiro Suzuki in Erinnerung bleiben. Auch abseits des Platzes war diese Woche viel los in der MLB: Der größte Baseballer unserer Zeit hat nun auch den größten Vertrag aller Zeiten, die Liga hat weitere Regeländerungen beschlossen und die Blue Jays haben eine längst überfällige Initiative gestartet, die hoffentlich bald Schule macht. Das alles und noch ein bisschen mehr lest ihr im ersten Grand Slam am Donnerstag zum Mitsingen:

Big in Japan
Offiziell war die Saisoneröffnung in Tokio eine Heimspielserie der Oakland Athletics, doch die Seattle Mariners haben den A’s klar die Show gestohlen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der Spiele, welche die Mariners mit 9:7 und 5:4 für sich entschieden, als auch die klar verteilten Sympathien der Zuschauer. Letzteres war keine Überraschung. Erstens gab Yusei Kikuchi, bis letztes Jahr noch unweit von Tokio im NPB-Team der Saitama Seibu Lions der unumstrittene Star, ein solides MLB-Debüt für die Mariners. Zweitens und vor allem hatten sie extra für diese beiden Spiele noch einmal die japanische Baseball-Legende schlechthin reaktiviert: Ichiro Suzuki hatte inoffiziell bereits Anfang Mai 2018 die Cleats an den Nagel gehängt, doch die Gelegenheit zu zwei Abschiedsspielen in diesem perfekten Rahmen wollte man dem 45-Jährigen nicht vorenthalten. Ichiro spielte dreieinhalb Innings im ersten sowie siebeneinhalb im zweiten Spiel und durfte sich bei seinen Auswechslungen zweimal mit stehenden Ovationen feiern lassen. Er beendet seine Karriere als Weltrekordhalter mit insgesamt 4.367 Hits auf höchster professioneller Ebene (MLB und NPB zusammengenommen).

Loving Angels Instead
Vielen galt es als ausgemachte Sache, dass Mike Trout nach Auslaufen seines Vertrages mit den Los Angeles Angels Ende 2020 an die Ostküste wechselt. Die Frage schien eigentlich nur, ob es den Superstar in seine Heimatstadt Philadelphia zu den Phillies ziehen oder ob er den Verlockungen der New York Yankees erliegen würde. Alles Pustekuchen, Trout bleibt ein Angel und zwar vermutlich für immer. Die vorgestern erzielte Einigung bindet ihn für 360 Millionen Dollar zehn weitere Jahre an die Angels, zusätzlich zu den zwei Jahren und 66,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag. Das Bekenntnis des 27-Jährigen zu den Angels ist unmissverständlich, denn der Vertrag enthält eine No-Trade-Klausel und keinerlei Ausstiegs-Optionen. Trout steigt mit dem neuen Kontrakt sowohl vom Jahresgehalt als auch von der Gesamtsumme her zum bestverdienenden MLB-Profi aller Zeiten auf. Ich bin generell kein Freund von dreistelligen Garantiegehältern und zweistelligen Vertragsdauern. Aber wenn es irgendein Sportler auf der Welt verdient hat, dann Trout. Man kann ihm nur wünschen, dass er mit den Angels im Laufe seiner Karriere auch mal Erfolge feiern darf, die seinen eigenen überragenden Leistungen gerecht werden.

Your Time Will Come
Die großen Schlagzeilen gehören Mike Trout, doch es gab in dieser Woche noch einen weiteren Rekordvertrag: Eloy Jimenez hat sich mit den Chicago White Sox auf einen Achtjahresvertrag über rund 43 Millionen Dollar geeinigt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es der höchstdotierte Vertrag aller Zeiten für ein Prospect ist, das noch kein einziges MLB-Spiel absolviert hat. Der 22-jährige Outfielder gilt als eines der größten Talente im Baseball und wenn er den Erwartungen gerecht wird, haben die White Sox ein gutes Geschäft gemacht. Wenn nicht, dann nicht.

Majoring in the Minors
Meine Spekulation aus der vorletzten Woche hat sich bewahrheitet: Die New York Yankees sind, gebeutelt durch Verletzungen ihrer Starter Luis Severino und C. C. Sabathia, auf dem Pitcher-Markt tätig geworden und haben Gio Gonzalez verpflichtet. Überraschenderweise ist es vorerst nur ein Minor-League-Vertrag. Dieser wandelt sich, wenn er in den MLB-Kader geholt wird, automatisch in einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar zuzüglich 300.000 Dollar pro absolvierten MLB-Start um. Gonzalez war während der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht worden, doch nach eigener Aussage war das Angebot der Yankees das einzige konkrete, das er erhalten hat.
Einem Namensvetter des neuen Yankees-Pitchers ist es sehr ähnlich ergangen: Auch Outfielder Carlos Gonzalez musste lange auf ein neues Engagement warten und ließ sich letztlich auf einen Minor-Leage-Deal bei den Cleveland Indians ein. Es gilt als recht wahrscheinlich, dass CarGo den Sprung in das MLB-Team schafft; in dem Fall würde er 2 Millionen Dollar bekommen und könnte eine weitere Million über leistungsbezogene Vereinbarungen hinzuverdienen. Sollte er zum Saisonstart in der Minor League bleiben, hat er die Option, aus dem Vertrag aussteigen und zu einem anderen Klub zu wechseln.

The Times They are A-Changin‘
Im Grand Slam der letzten Woche hatte ich bereits über die Neuregelungen der Trade-Deadline ab 2019 sowie der Kadergrößen ab 2020 berichtet. Etwas später wurde bekannt gegeben, dass noch weitere Regeländerungen beschlossen wurden. Für dieses Jahr ist vor allem relevant, dass sich die Anzahl der erlaubten Mound Visits pro Spiel von sechs auf fünf reduziert und dass die Pausen zwischen den Halbinnings um ein paar Sekunden auf einheitlich 2 Minuten gekürzt werden. Die wohl spürbarste der angekündigten Veränderungen tritt erst im nächsten Jahr in Kraft: Ein Pitcher darf zukünftig nur zwischen den Halbinnings ausgewechselt werden oder nachdem er mindestens drei Battern gegenüber getreten ist. Ausgenommen davon sind Verletzungen, doch die Liga wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, dass diese Ausnahme nicht ausgenutzt wird. Ich bin hin und her gerissen bezüglich dieser Änderung: Zum einen gefällt es mir, dass man die nervigen Unterbrechungen durch ständige Pitcherwechsel in den späten Innings reduzieren will. Zum anderen trauere ich ein bisschen der interessanten Rolle des LOOGY (Lefty-One-Out-GuY) nach, den es dann nicht mehr geben wird.

Pay Me My Money Down
Eine weitere Änderung ist kein offizieller Beschluss der Liga, sondern eine bislang alleinige Initiative der Toronto Blue Jays. Der Klub hat angekündigt, die in den Minor Leagues gezahlten Spielergehälter um mehr als 50% anzuheben. Das ist ein längst überfälliger Schritt. Während man in der MLB bereits mit dem Mindestgehalt von 555.000 Dollar pro Jahr ein fürstliches Auskommen hat (von den zweistelligen Millionengehältern der Stars ganz zu schweigen), herrschen in den Minor Leagues geradezu prekäre Verhältnisse. Die Einkommen liegen dort in der Regel zwischen 1.100 und 2.700 Dollar pro Monat und zwar ausschließlich für die Monate, in denen gespielt wird. Man kann nur hoffen, dass sich die anderen MLB-Franchises möglichst bald dem Schritt der Blue Jays anschließen, um den Beruf des Baseballprofis auch unterhalb der Major League attraktiver zu machen.

Everybody Hurts
Die wichtigsten Nachrichten von der Verletzungsfront will ich natürlich nicht verschweigen. Kyle Seager konnte die Reise nach Japan mit seinen Seattle Mariners nicht antreten; der Third Baseman musste sich stattdessen an der linken Hand operieren lassen und fällt bis ungefähr Juni aus. Mike Foltynewicz, Pitching-Ass der Atlanta Braves, hat Probleme mit dem Ellenbogen; es wurde aber inzwischen Entwarnung in der Hinsicht gegeben, dass er keine Tommy-John-Surgery braucht und nur wenige Wochen fehlen wird. Michael Fulmer, Starter der Detroit Tigers, hatte weniger Glück; er muss sich der gefürchteten Operation unterziehen und kann frühestens zur Saison 2020 wieder spielen. Reliever Dellin Betances (Schulterentzündung) und Centerfielder Aaron Hicks (Rückenbeschwerden) werden die Saison 2019 auf der bereits prall gefüllten Injury List der New York Yankees beginnen.

Posted in Grand Slam, Minor Leagues, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

September 6th, 2018 by Silversurger

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juli 26th, 2018 by Silversurger

Die All-Star-Pause ist vorbei und es geht zum einen wieder rund auf den Spielfeldern der MLB, zum anderen ist aber auch die heiße Phase für Trades angebrochen. Noch bis 31. Juli sind direkte Trades ohne Umweg über den Waiver möglich. Traditionell nutzen in dieser Zeit des Jahres Teams in aussichtsreicher Position die Gelegenheit, Lücken zu füllen und Schwächen zu beheben, indem sie erfahrene Spieler von schwächeren Teams erhandeln.Letztere lassen sich mit Nachwuchstalenten bezahlen und sparen sich überdies die oft teuren Gehälter der Veteranen. Die relevantesten Trades der letzten Tage waren die der Reliever Jeurys Familia (Mets zu Athletics), Brad Hand (Padres zu Indians), Zach Britton (Orioles zu Yankees), Seungwhan Oh (Blue Jays zu Rockies) sowie der von Starter Nathan Eovaldi (Rays zu Red Sox). Als nächstes wird wahrscheinlich Blue-Jays-Starter J. A. Happ das Team wechseln; als mögliches Ziel gelten die Yankees, aber auch andere Teams wie die Brewers und die Cubs sind noch im Rennen. Es ist fest damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen und noch bis zur letzten Minute der Tradephase weitere relevante Deals hinzukommen. Bei den Kollegen des Podcasts Just Baseball wird es am Dienstag ab 20 Uhr eine Live-Sondersendung geben, die ich jedem deutschsprachigen Baseballfan allerwärmstens ans Herz lege.

National League
An der Spitze der National League East spielt sich weiterhin ein knappes Rennen zwischen den Philadelphia Phillies (57-44) und den Atlanta Braves (52-44) ab. Beide Teams gelten als Kandidaten, vor der Trade Deadline noch aufzurüsten. Etwas unklar ist hingegen die Situation der Washington Nationals (50-51). Der ursprüngliche Favorit steht knapp negativ und liegt bereits sieben Siege hinter der Spitze zurück. Nun steht eine Vier-Spiele-Serie gegen die Miami Marlins (44-59) an, deren Verlauf wohl die Richtung weisen wird, ob die Nationals eher zu Käufern oder zu Verkäufern werden. Die Marlins werden auf jeden Fall verkaufen, um ihren Rebuild weiter voranzutreiben. Insbesondere All-Star-Catcher J. T. Realmuto steht im Schaufenster. Auch die New York Mets (42-57) gehen in den Ausverkauf: Closer Familia ist schon weg, ihm dürften 2B Asdrubal Cabrera, Starter Zack Wheeler und vielleicht sogar eines der Asse Noah Syndergaard und Jacob deGrom folgen. Kein Abnehmer wird sich für Outfielder Yoenis Cespedes finden, der sich einer OP an beiden Fersen unterziehen muss und für acht bis zehn Monate ausfällt.

Die Situation in der NL Central ist ähnlich wie in der NL East: Auch hier gibt es mit den Chicago Cubs (59-42) und den Milwaukee Brewers (58-46) zwei Teams, die zur Deadline Ausschau nach der entscheidenden Verstärkung halten, um sich von dem Konkurrenten abzusetzen. Insbesondere die Brewers, die Starter Brent Sutter an eine Tommy-John-Surgery verloren und auch sonst ein paar Löcher im Kader haben, werden sicher aktiv werden. Und auch in der NL Central gibt es auf Rang drei ein Team, das nicht so recht weiß, wohin die Reise gehen soll: Die Pittsburgh Pirates (53-50) haben zwölf der letzten vierzehn Spiele gewonnen, darunter zehn hintereinander. Mit nur noch sieben Spielen Rückstand sind sie jetzt eigentlich zu gut zum Verkaufen, aber immer noch zu weit ab vom Schuss, um All-in zu gehen. Die St. Louis Cardinals (51-51) hingegen haben durch den Trainerwechsel letzte Woche bereits deutlich gemacht, dass sie die laufende Saison abgehakt haben und den Blick in die Zukunft richten. Für die Cincinnati Reds (45-57) gilt das ohnehin.

In der NL West sind die San Diego Padres (42-63) die einzigen, die mit dem Playoff-Rennen nichts zu tun haben. Sie haben sich bereits von Brad Hand getrennt und werden wohl weitere Reliever sowie möglicherweise Starter Tyson Ross anbieten, um ihre Farm weiter aufzuwerten. Die Los Angeles Dodgers (56-46) haben inzwischen die Spitze erobert und letzte Woche mit Manny Machado bereits eine prominente Verstärkung an Land gezogen. Ihr Bullpen könnte noch ein, zwei neue Gesichter vertragen, um weiterhin vor den Arizona Diamondbacks (56-47) und den Colorado Rockies (54-47) zu bestehen. Im Vergleich mit diesen beiden sowie den San Francisco Giants (52-51) dürfte das Farmsystem der Dodgers am meisten hergeben, um am Markt aktiv zu bleiben.

American League
Die Boston Red Sox (71-32) sind nach wie vor das beste Team im Baseball. Vom ewigen Konkurrenten New York Yankees (64-36) haben sie sich in der American League East um mittlerweile fünfeinhalb Spiele abgesetzt und auch beim Aufrüsten der Rotation haben sie mit Eovaldi den ersten Treffer gelandet. Die Yankees werden nachziehen und ebenfalls mindestens einen Starter an Bord holen; J. A. Happ und/oder Cole Hamels könnten in Kürze in Nadelstreifen auflaufen. Die Tampa Bay Rays (52-50), die Toronto Blue Jays (46-55) und die Baltimore Orioles (29-73) sind sowohl in der Division als auch im Wildcard-Rennen weit abgeschlagen. Mit Machado, Britton, Oh und Eovaldi haben alle drei bereits Spieler abgegeben, denen in den kommenden Tagen noch einige folgen werden.

Die AL Central ist mangels Konkurrenz für die Cleveland Indians (55-46) schon lange so gut wie entschieden. Aber da die Indians nicht nur den Divisionssieg anstreben, sondern auch einen möglichst tiefen Playoff-Run, sind sie definitiv noch auf der Suche nach Verstärkungen. Die könnten sie zum Beispiel in der eigenen Gruppe finden, denn die Minnesota Twins (47-53), die Detroit Tigers (44-60), die Chicago White Sox (36-65) und die Kansas City Royals (31-70) sind allesamt auf der Suche nach Abnehmern. Fernando Rodney, Brian Dozier, Michael Fulmer, Jose Abreu, James Shields und Mike Moustakas sind Namen, die man schon bald auf anderen Trikots finden könnte.

Die Titelverteidiger Houston Astros (67-37) sind vielleicht das einzige Top-Team, das sich erlauben kann, zur Trade Deadline untätig zu bleiben – der Kader weist schlichtweg keine nennenswerten Schwachstellen auf. Hinter den Astros hat sich innerhalb der AL West ein heißer Kampf zwischen zwei Überraschungsteams um die zweite Wild Card der AL entwickelt. Zurzeit haben die Seattle Mariners (61-41) diese in der Hand, aber die Oakland Athletics (60-43) sind nur noch eineinhalb Spiele zurück. Mit einer Bilanz von 23-7 sie die A’s ligaweit das beste Team der letzten 30 Tage. Sowohl Oakland als auch Seattle schauen nach punktuellen Ergänzungen zur Trade Deadline, sind finanziell und von der Farm her aber nicht in der Position für große Sprünge. Die Los Angeles Angels (51-52) und die Texas Rangers (42-61) sind aus dem Rennen. Bei den Rangers könnte es durchaus einen größeren Ausverkauf geben; die Angels hingegen werden ihren Kader weitgehend beisammen halten, um nächstes Jahr einen neuen Versuch zu unternehmen, die Blütezeit von Mike Trout für einen zählbaren Teamerfolg zu nutzen.

Szene der Woche
Meine Szene dieser Woche ist ein Feueralarm. Ausgelöst wurde er am Dienstag im Great American Ballpark in Cincinnati. Zum Glück war es ein Fehlalarm und es entstand auch keine Massenpanik. Aber der Alarm und die damit verbundene Spielunterbrechung waren möglicherweise Schuld daran, dass Cardinals-Pitcher Austin Gomber aus dem Rhythmus geriet und die Chance verlor, seine MLB-Karriere mit einem No-Hitter zu krönen. Sechs Innings hatte der Rookie die Reds vor dem Alarm ohne Hit gehalten, nach dem Alarm erlaubte er zuerst Joey Votto einen Single und anschließend Eugenio Suarez einen Homerun. Es war der zweite Abend hintereinander, an dem ein Pitcher der Cardinals sein MLB-Debüt gab und knapp einen No-Hitter verpasste: Am Montag hatte Daniel Poncedeleon sieben No-Hit-Innings geworfen, wurde dann aber nach 116 Pitches ausgewechselt und musste mit ansehen, wie der Bullpen zuerst den No-Hitter und dann das ganze Spiel verlor.

Statistik der Woche 
6. In so vielen Spiele hintereinander gelang Matt Carpenter, First Baseman der Cardinals, vom vorletzten bis zum letzten Samstag jeweils mindestens ein Homerun. Eine solche Strecke ist bislang nur 28 Spielern gelungen, dasheißt sie ist sie ein selteneres Ereignis als beispielsweise ein Perfect Game. Der Höhepunkt der Serie war das 18:5 der Cardinals gegen die Cubs am Freitag, bei dem Carpenter aus fünf At-Bats drei Homeruns und zwei Doubles machte. Ein solches Spiel hatte bis dahin in der modernen Ära der MLB nur ein einziger Spieler absolviert und der war am Freitag sogar selbst dabei: Kris Bryant von den Chicago Cubs im Jahr 2016.

Spiel der Woche
Ich warte zwar immer noch darauf, zum ersten Mal in meinem Leben einen Sieg der Mets live im Ballpark zu erleben. Aber am Samstag im Yankee Stadium durfte ich zumindest ein extrem spannendes Lokalderby sehen, das Runs auf fast jede erdenkliche Art zu bieten hatte: per Single, per Double, per Triple, per Homerun, per Walk, per Hit-by-Pitch, per Groundout, per Doubleplay und per Fan-Interferece. Wenn ich nichts vergessen habe, fehlten lediglich ein Sac-Fly und ein Balk. Die Mets gingen im zweiten Inning durch Michael Confortos Solo-Homerun 1:0 in Führung, die bis ins vierte Inning hielt. Dann ließ Starter Steven Matz deutlich nach und geriet – unter negativer Mithilfe des schwachen Ersatz-Centerfielders Matt den Dekker – 1:4 ins Hintertreffen. Später arbeiteten sich die Mets noch zweimal bis auf einen Run heran, doch die Yankees schaukelten die Partie nach Hause. Das war aus meiner Sicht zwar schade, aber letztlich verdient, denn dass es überhaupt so knapp wurde, hatten die Mets bei 5:12 Hits weniger sich selbst als der katastrophalen Vorstellung von Yankees-Closer Aroldis Chapman zu verdanken. Einen Single, drei Walks und ein Hit-by-Pitch ließ er für insgesamt 3 earned Runs und 0 Outs zu, bevor Chasen Shreve ihn ersetzte und die Tür zumachte. Wer interessiert ist an einem Bericht über die Stimmung und das Drumherum bei den von mir besuchten MLB-Spielen, sollte in den nächsten Tagen noch mal hier im Blog vorbei schauen.

Mein Einschalttipp
Eine interessante Vier-Spiele-Serie steht ab heute bis einschließlich Sonntag an, wenn die Atlanta Braves die Los Angeles Dodgers empfangen. Beide Teams befinden sich in engen Duellen um die jeweilige Divisionsführung und könnten leicht zu direkten Konkurrenten werden, falls sie am Ende auf eine Wild Card angewieisein sollten. Am morgigen Freitag schicken beide ihr Ass auf den Mound: Mike Foltynewicz (2.85 ERA, 3.38 FIP) startet für die Braves, Clayton Kershaw (2.64 ERA, 3.22 FIP) für die Dodgers. Leider wird die gesamte Serie von DAZN ignoriert, sodass man hierzulande nur als Abonnent von mlb.tv in den Genuss kommt, das Spiel ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit live verfolgen zu können.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,