Juni 28th, 2018 by Dominik

Halbzeit! Ein paar Teams haben die 81 Spiele schon voll gemacht, die anderen stehen kurz davor und ich frage mich, wohin schon wieder die Zeit gerast ist. Immer wieder erwische ich mich beim Gedanken, es sei ja noch früh in der Saison, dabei ist die Hälfte bereits vorbei. Wie schnell in der MLB die Zeit vergeht, fällt auch in anderer Hinsicht auf: Gerade mal zweieinhalb Baseballjahre ist es her, da standen sich in der World Series 2015 die Kansas City Royals und die New York Mets gegenüber. Ausgerechnet diese beiden Teams sowie die Baltimore Orioles sind zurzeit die schwächsten, die die Liga zu bieten hat. Das erstaunt nicht nur, weil alle drei vor Kurzem noch vorne mitspielten, sondern auch weil keines dieser Teams sich – anders als zum Beispiel die White Sox, die Marlins oder die Reds – bislang aufgerafft hat, ein ernsthaftes Rebuilding anzugehen.

American League
Das Kopf-an-Kopf-Rennen in der American League East geht weiter: Diese Woche haben mal wieder die Boston Red Sox (54-27) die Nase vor den New York Yankees (52-26), welche einen schmerzhaften Sweep durch die Tampa Bay Rays (39-40) hinnehmen mussten. Dass die Red Sox vorne stehen, liegt aber allein an den mehr absolvierten Spielen – die Siegquote von 66,7% ist für beide Teams exakt identisch. Interessanter könnte die Ausgangslage kurz vor dem nächsten direkten Aufeinandertreffen der Erzrivalen (siehe „Einschalttipp“) gar nicht sein. Vom Rest der Division gibt es nicht viel zu berichten außer vielleicht, dass die ohnehin schon enttäuschenden Toronto Blue Jays (37-43) in den letzten Tagen noch mehr schlechte Nachrichten angehäuft haben: Die Starter Jaime Garcia und Aaron Sanchez mussten auf die Verletztenliste gesetzt werden und der ehemals vielversprechende junge Closer Roberto Osuna wurde für 75 Spiele gesperrt. Gegen Osuna steht seit Mai eine Anklage im Raum, laut der er eine Frau angegriffen haben soll, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Osuna ließ bekannt geben, dass er vor Gericht auf „nicht schuldig“ plädieren, die Sperre der MLB aber akzeptieren wird. Es ist gut möglich, dass die Blue Jays Osuna entlassen oder traden werden.

Die Cleveland Indians (44-35) haben die Gunst des Spielplans genutzt und ihren Vorsprung in der AL Central ausgebaut, indem sie hintereinander die Chicago White Sox (28-51) und die Detroit Tigers (36-45) gesweept haben. Die Cardinals waren für die Indians gerade der erste Gegner seit rund drei Wochen mit einer positiven Bilanz – die Serie ging 2:1 an St. Louis, doch damit kann man in Cleveland leben. Konkurrenz in der Division ist nämlich nach wie vor nicht vorhanden, auch und vor allem weil die Minnesota Twins (34-42) regelmäßig vor scheinbar schwächeren Gegnern einknicken, obwohl sie in den Serien gegen starke Teams wie Cleveland oder Boston zuletzt immer gut aussahen. Alles andere als gut sehen die Kansas City Royals (25-55) aus. Der World Champion von 2015 wird zwar von der Sieg-Niederlagen-Bilanz noch von den Orioles unterboten, weist aber inzwischen sowohl die wenigsten erzielten (283) als auch die meisten kassierten (435) Runs von allen Teams der MLB auf. Es zeigt sich bei den Royals momentan nicht der kleinste Ansatz, auf dem man aufbauen könnte; auch ihre Farm gibt wenig her.

Die Houston Astros (54-28) sind das genaue Gegenteil der Royals, sie führen die MLB in Runs scored (426) und in Runs allowed (252) an und machen nach wie vor nicht den Eindruck, dass sie sich auf dem Weg zur Titelverteidigung von irgendwem stoppen lassen wollen. In der AL West haben die Astros inzwischen dreieinhalb Spiele Vorsprung auf die Seattle Mariners (50-31), welche gleichwohl ihren Anspruch auf einen Wild-Card-Platz zementiert haben. Die wichtigste Konkurrenz um diese zweite Wild Card (nehmen wir die erste mal als sicher für die Red Sox oder Yankees an) kommt aus der eigenen Division. Inzwischen haben die Oakland Athletics (43-38) dabei den Los Angeles Angels (41-40) den Rang abgelaufen. Von ihren letzten elf Spielen haben die A’s neun gewonnen und stehen nach der Hälfte ihrer Saisonspiele erstaunlich gut da. Für sie wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, voller Selbstvertrauen in den All-Star-Break zu gehen, doch bis dahin sind es noch 16 Spiele, darunter sechs gegen die Indians, vier gegen die Astros und drei gegen die Giants. Die Angels befinden sich derweil auf Talfahrt mit zuletzt fünf Niederlagen am Stück. Eine gute Nachricht gibt es aber: Der verletzte Shohei Ohtani wird voraussichtlich doch noch im laufenden Jahr ins Team zurückkehren, wenn auch vielleicht nur als DH und nicht als Pitcher.

National League
In der National League East schwächeln die Atlanta Braves (54-34) zurzeit ein bisschen, haben fünf der letzten sieben Spiele verloren und das gegen vermeintlich schwache Gegner (Toronto, Baltimore, Cincinnati). Da die Washington Nationals (41-37) solidarisch mitschwächeln, hat sich zwischen den beiden nicht viel geändert. Lachender Dritter – inzwischen sogar lachender Zweiter – sind die Philadelphia Phillies (42-36), die geschickt unter dem Radar in Richtung einer erfolgreichen Saison fliegen. Ab heute werden sie allerdings zumindest für vier Tage auf dem Radar auftauchen, denn gegen die Nationals steht ein direktes Duell um den Verfolgerposten in der Division an. Gleichzeitig gibt es auch im Keller der NL East ein direktes Duell: Die New York Mets (32-46) laufen höchste Gefahr, sich von den Miami Marlins (32-49) auf den letzten Platz der Division und wahrscheinlich auch der gesamten NL befördern zu lassen. Zu den extrem mageren sportlichen Ergebnissen der Mets kommt seit vorgestern die Sorge um General Manager Sandy Alderson hinzu, dessen Krebserkrankung zurückgekehrt ist und der deshalb für unbestimmte Zeit pausiert. Seine Geschäfte übernimmt ein dreiköpfiges Gremium, welches direkt Owner Jeff Wilpon unterstellt ist. Wilpon tritt damit nun etwas offizieller in den Vordergrund, wirklich ändern dürfte sich dadurch allerdings wenig, denn Wilpon gilt schon lange als Dreh- und Angelpunkt der (Miss-)Geschicke der Mets. Er soll ein Kontrollfreak sein, der dem General Manager und dem Manager bis in die kleinsten Entscheidungen hineinregiert, sodass sich kaum seriös beurteilen lässt, wieviel Schuld am desolaten Zustand man Alderson und Callaway überhaupt zuschreiben kann.

Die NL Central ist in den vergangenen eineinhalb Wochen ein Stück enger zusammengerückt: Während die Milwaukee Brewers (46-33) und die Chicago Cubs (43-35) von den letzten zehn Spielen mehr verloren als gewonnen haben, konnten die St. Louis Cardinals (42-37) ihre Bilanz in dem Zeitraum wenigstens ausgeglichen gestalten. Die große Nachricht ist allerdings, dass die Cincinnnati Reds (34-46) in den letzten zehn Partien neun Siege eingefahren haben, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Cubs und eine gewonnene Serie gegen die Braves. Ab heute geht es für die Reds viermal hintereinander gegen die Brewers und ich bin sehr gespannt, ob sie ihren positiven Trend fortsetzen können. Unbedingt erwähnen muss ich mal wieder eine Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres: Cubs-Closer Brandon Morrow ist gerade wieder zurück von einigen Tagen auf der Verletztenliste, nachdem er sich beim Ausziehen seiner Hose den Rücken verknackst hatte. Morrow selbst dazu: „It’s frustrating any time you can’t get out there, especially when you can’t go for something as stupid as taking your pants off.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die NL West sieht ganz oben mit den Arizona Diamondbacks (46-34) und ganz unten mit den San Diego Padres (36-47) so aus wie gehabt. Dazwischen war diese Woche jedoch ordentlich Bewegung. Sowohl die Los Angeles Dodgers (43-36) als auch die San Francisco Giants (42-39) haben in diesem Zeitraum fünf von sechs Spielen gewonnen, die Colorado Rockies (38-42) hingegen haben zuletzt vier Spiele hintereinander verloren, zwei davon gegen die Giants. Da noch ein weiteres Spiel gegen die Giants, im Anschluss drei gegen die Dodgers und dann wieder drei gegen die Giants anstehen, drohen den Rockies derzeit ganz massiv die Felle davon zu schwimmen. Auch um ihr weiteres Programm bis zum All-Star-Break – sechsmal Mariners, dreimal Diamondbacks – sind die Rockies definitiv nicht zu beneiden.

Szene der Woche
Der kurioseste Moment der vergangenen Tage war wohl der verschwundene Homerun von Clint Frazier. Beim Stand von 6:6 zwischen den Blue Jays und den Yankees schien der junge Slugger seine New Yorker mit einem gewaltigen Homerun in Front zu bringen. Doch der Schlag war ein bisschen zu gewaltig, denn mitten in der Flugbahn war plötzlich Endstation in Form eines von der Decke hängenden Lautsprechers. Von dort tropfte der Ball nach unten ab und war leichte Beute für Shortstop Adeiny Hechavarria, da laut den Regeln in Toronto Bälle an die Decke in diesem Bereich als „im Spiel“ behandelt werden. Hechavarria hatte in dem Moment Hilfe von oben, aber ich muss noch ein anderes spektakuläres Out erwähnen, dessen Urheber ohne jede Hilfe auskam: Brewers-Starter Brent Suter bewahrte gestern Kansas Citys Alex Gordon mit einer zirkusreifen Einzelleistung vor dem Erreichen der ersten Base. Ein bisschen habe ich allerdings den Eindruck, dass Suter sich in der Situation von Domingo Ayalas Tipps inspirieren ließ, ein Routine-Out aussehen zu lassen wie ein Top-Play…

Statistik der Woche 
27. In so vielen aufeinander folgenden Auswärtsspielen haben die Oakland Athletics einen Homerun geschlagen. Das ist ein neuer Rekord, nachdem die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 1996 von den Baltimore Orioles gehalten wurde. Pünktlich für die Erwähnung in diesem Artikel wurde die Rekord-Strecke gestern beendet, als die A’s zwar 3:0 bei den Detroit Tigers gewannen, aber eben ohne Homerun. Die Athletics sind übrigens mit großem Abstand das Team mit den meisten Auswärts-Homeruns. 72-mal haben sie den Ball in der Fremde über den Zaun gedroschen, auf Rang zwei landen die Yankees mit „nur“ 60.

Spiel der Woche
Diese Woche gibt es zwei Kandidaten für das Spiel der Woche, von denen man sich je nach persönlicher Vorliebe eines aussuchen kann: Wenn man auf viele Hits und Runs steht, dann sollte man sich mindestens die Zusammenfassung der Partie der Red Sox gegen die Mariners vom Freitag anschauen. Bevorzugt man hingegen hochklassige Pitcherduelle, dann empfiehlt sich eher das Spiel der Brewers gegen die Cardinals vom gleichen Tag. Bis ins siebte Inning hinein war es ein No-Hitter für St. Louis‘ Jack Flaherty, der erst durch einen Solo-Homerun von Jesus Aguilar seine weiße Weste beschmutzte. Da auch Milwaukees Junior Guerra und der Brewers-Bullpen ein hervorragendes Spiel hatten, war dieser Homerun gleichzeitig der 1:1-Ausgleich. Im neunten Inning gewannen die Brewers das Spiel per Walkoff durch einen weiteren Solo-Shot von Aguilar. Es war das erste Mal seit mindestens 1961, dass derselbe Spieler nach fünf oder mehr Innings erst einen No-Hitter und dann auch das Spiel jeweils per Homeruns beendet.

Mein Einschalttipp
Ich habe nicht nachgezählt, aber vermutlich ist das Duell Red Sox gegen Yankees die häufigste Paarung in meinen bisherigen Einschalttipps. Sorry, wenn ich damit jemanden langweile, aber dieses Jahr gibt es in der MLB nichts Spannenders und Spektakulärers als das Aufeinandertreffen dieser beiden Erzrivalen, und deshalb kann ich auch für dieses Wochenende nur dazu raten, hier mal reinzuschauen. Die Zeiten sind dieses Mal leider allesamt ungünstig für Menschen mit einem „normalen“ europäischen Schlafrhythmus, aber wenigstens entsteht dadurch keine Konkurrenz zur Fußball-WM. Da die beiden Asse der Teams nicht direkt aufeinander treffen, gibt es von mir eine geteilte Empfehlung: Wenn ihr auf einen Sieg der Red Sox hofft, dann schaut euch Samstagnacht ab 1:15 Uhr Chris Sale (2.56 ERA, 2.48 FIP) gegen Sonny Gray (4.93 ERA, 4.19 FIP) an. Falls ihr es, aus welch obskuren Gründen auch immer, eher mit den Yankees haltet, dann könntet ihr an der Partie Sonntagnacht ab 2:05 Uhr von Luis Severino (2.10 ERA, 2.21 FIP) gegen David Price (3.66 ERA, 3.71 FIP) mehr Spaß haben. Wahrscheinlich habe ich durch diese Voraussage gerade bewirkt, dass es genau andersherum kommt. Beide Spiele (und auch das erste der Serie Freitagnacht ab 1:05 Uhr) werden sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen.

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Februar 8th, 2018 by Dominik

Die meisten Teams haben bereits ihre Spring-Training-Quartiere bezogen, nächste Woche geht es offiziell los mit der Vorbereitung auf die MLB-Saison 2018. Noch immer haben aber rund 120 eigentlich etablierte Spieler keinen Verein gefunden und es scheint auch niemand damit zu rechnen, dass sich das auf die Schnelle noch massiv ändert. Die Spielergewerkschaft MLBPA stellt sich jedenfalls bereits auf die besondere Situation ein, indem sie auf der Suche nach geeigneten Orten für ein eigenes Spring-Training-Camp der Free Agents ist.

Unter den Spielern regt sich Unzufriedenheit
Viele Spieler und deren Vertreter haben in den letzten Tagen ihren Ärger über die aus ihrer Sicht geizigen Klubs kundgetan. Noch sieht es nicht nach einem Arbeitskampf aus, aber es mehren sich die Anzeichen, dass bald vorgezogene Neuverhandlungen anstehen könnten. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA), eine Art Rahmentarifvertrag zwischen der MLB und der MLBPA, wurde zwar erst vor einem Jahr neu unterzeichnet und gilt noch bis 2021. Die Spielerseite kommt aber zunehmend zu der Überzeugung, man sei mit dem Vertrag einen schlechten Deal eingegangen.

Ein Grund für die offenbar schwache Verhandlungsposition der Spieler dürfte sein, dass die Luxury-Tax-Regeln des neuen CBA die Klubs stärker zum Sparen anhalten als man vorher dachte. Selbst notorisch ausgabefreudige Franchises wie die Yankees oder die Dodgers bemühen sich, wenigstens in einzelnen Jahren unter die Schwellwerte der Luxussteuer zu rutschen. Denn bei dauerhafter Überschreitung drohen nicht mehr nur einfache Strafzahlungen sondern diese steigen mit jeder Wiederholung und gehen mit weiteren Nachteilen einher wie späteren Draftpicks oder reduzierten Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

In diesem Jahr scheint es den Vereinen auch deshalb leichter zu fallen, sich mit großzügigen Angeboten zurück zu halten, weil die Free-Agent-Klasse des nächsten Jahres deutlich hochkarätiger zu werden verspricht als die jetzige. Bryce Harper und Manny Machado sind dann zum Beispiel zu haben und möglicherweise auch Clayton Kershaw, der eine Opt-Out-Klausel im Vertrag hat. Selbst die reichen Teams müssen schon jetzt darauf achten, sich den Spielraum gegenüber ihrem Budget und der Luxussteuergrenze zu bewahren, wenn sie 2019 einen dieser Stars abgreifen möchten. Das kann durchaus dazu beitragen, sich dieses Jahr mit größeren Investitionen zurückzuhalten.

Andere Faktoren, über die sich zum Beispiel Spieleragent Scott Boras öffentlich beklagt hat, sind die zunehmenden Neigungen der Teams, sich von Spielern über 30 abzuwenden und stattdessen über längere Zeit Prospects zu tanken. Da mag er nicht ganz falsch liegen. Allerdings kann man wohl kaum dagegen streiken oder protestieren, dass die Teams dazulernen. Langjährige Verträge für Spieler, bei denen kaum absehbar ist, zu welchen Leistungen sie in der zweiten Hälfte des Kontrakts noch fähig sind, haben sich in den letzten Jahren allzu oft als schlechte Idee erwiesen. Und die geduldige Strategie eines Aufbaus durch selbst herangezogene Talente hat sich für Teams wie die Cubs und die Astros ganz offensichtlich bewährt und findet nun entsprechend viele Nachahmer.

Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein auf die nächste Offseason, denn dann wird sich zeigen, ob sich der Trend zur Zurückhaltung der Klubs auf dem Free-Agent-Markt verfestigt oder ob sich dieses Jahr als ein durch das Aufeinandertreffen einiger Besonderheiten verursachter Ausreißer erweist.

Mets verpflichten Todd Frazier
Wenigstens ein relevanter Free Agent ist diese Woche bei einem Team untergekommen und zwar Third Baseman Todd Frazier bei den New York Mets. Die Verpflichtung passt in jeglicher Hinsicht: Frazier stammt aus New Jersey und war erklärtermaßen daran interessiert, nach seinem letztjährigen Engagement bei den Yankees weiterhin in Heimatnähe zu bleiben. Die Mets hatten dringenden Bedarf im Infield, da die Zukunft des seit zwei Jahren verletzten David Wright mehr als fragwürdig ist und die Allzweckwaffen Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und Jose Reyes auf der Position allesamt überfordert schienen. 2017 brachten die drei es zusammen auf üble -17 DRS auf 3B. Frazier war mit +10 DRS einer der Top-Fielder auf diesem Posten und bringt offensiv (.213/.344/.428) zusätzliche Power ins Lineup, die seinen schwachen Average aufwiegt. Frazier erhält einen Zweijahresvertrag über 17 Millionen Dollar.

Vor ein paar Wochen wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass ich das ein paar Tage vor Beginn des Spring Trainings schreiben kann, aber es ist wahr: Die New York Mets sind eines der aktivsten Teams der Offseason. Das ist angsichts der sparsamen Eigentümer der Franchise eine echte Überraschung. General Manager Sandy Alderson ist es durch gezieltes und geduldiges Handeln gelungen, das Lineup mit verhältnismäßig wenig Geld zu ergänzen und zu verstärken – neben Frazier unterschrieben OF Jay Bruce für 39 Millionen (2 Jahre), IF Jose Reyes für 2,5 Millionen (1 Jahr) und 1B Adrian Gonzalez für 545.000 (1 Jahr). Zudem wurden Schwachstellen im Bullpen durch die Verpflichtung von Anthony Swarzak (14 Millionen, 2 Jahre) und den schon letztes Jahr eingefädelten Trade für A. J. Ramos beseitigt. Wenn jetzt noch ein solider Starter wie Lance Lynn oder Alex Cobb hinzukommt, bin ich von der Offseason der Mets aufrichtig begeistert.

Rangers sichern sich ab mit Colon
Minor-League-Signings lasse ich an dieser Stelle meistens unerwähnt, aber für ihn bin ich zu jeder Ausnahme bereit: Bartolo „Big Sexy“ Colon setzt seine Karriere fort. Der bald 45-jährige Akteur des legendärsten Homeruns aller Zeiten hat zwar kein Team gefunden, dass ihm einen MLB-Vertrag anbietet, aber er konnte einen ordentlichen Minor-League-Vertrag mit den Texas Rangers aushandeln. Colon hatte 2017 ein schwaches Jahr mit 6.48 ERA in 28 Starts für die Atlanta Braves und die Minnesota Twins. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung und seinem Durchhaltevermögen sowohl als Mentor wie auch als Absicherung für den Fall von Verletzungen eine wertvolle Rolle spielen. Sein Engagement wird automatisch in einen Einjahresvertrag über 1,75 Millionen Dollar umgewandelt, wenn und sobald er in den 40-Mann-Kader der Rangers berufen wird.

Ein Quarterback für die Yankees
Es muss sehr an Yankees-GM Brian Cashman genagt haben, dass die Mets einen Heisman-Trophy-Gewinner in ihren Reihen haben und er nicht. Die Scharte ist nun ausgewetzt, denn in einem Trade mit den Texas Rangers haben die Yankees sich die Rechte an dem Superbowl-Champion und vierfachen Pro Bowler Russell Wilson gesichert. Warum verpflichtet ein Baseballteam einen Quarterback? Es ist im Endeffekt nicht mehr als ein Marketing-Gag, denn obwohl Wilson in seiner Collegezeit ein brauchbarer Second Baseman war und zwei Spielzeiten in der Organisation der Colorado Rockies verbrachte, strebt er nicht an, eine MLB-Karriere zu verfolgen. Also keine Angst, liebe Seahawks-Fans, Wilson wird weiterhin Football spielen. Seine Rolle bei den Yankees wird sich darauf beschränken, ein, zwei Tage im Spring Training mitzumachen und sich damit einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Carlos Martinez unter Anklage
Unschöne Neuigkeiten von jenseits des Spielfelds gab es diese Woche über Pitcher Carlos Martinez von den St. Louis Cardinals. Gegen Martinez läuft ein Gerichtsverfahren, weil er am 4. Juli 2014 an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Diese begann wohl in einem Strip-Club und eskalierte dann draußen in einer Schlägerei, bei der Martinez der Anklage zufolge gemeinsam mit anderen einen Mann attackierte. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem eine Rückenfraktur, und klagt nun auf Entschädigungszahlungen. Mit einer Sperre durch die Liga ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen: erstens weil es sich um einen Zivilprozess handelt, nicht um eine Strafanklage, zweitens weil das verschärfte Vorgehen der MLB gegenüber Vorfällen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt erst nach den hier betroffenen Ereignissen in Kraft getreten ist.

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November 12th, 2017 by Dominik

Die Free Agency läuft offiziell seit einer Woche, die großen Deals sind bislang noch ausgeblieben. Das ist nicht weiter überraschend, denn üblicherweise kommt erst ab den Winter Meetings der MLB – dieses Jahr vom 10. bis 14. Dezember in Orlando – richtig Bewegung in den Markt. Das nennenswerteste Signing der letzten Tage ist der Fünfjahresvertrag über 106 Millionen Dollar, für den Outfielder Justin Upton bei den Los Angeles Angels bleibt. Upton war kein Free Agent, er hatte aber eine Ausstiegsoption im alten Vertrag, die nun natürlich hinfällig ist.

Die diesjährige Free-Agent-Klasse umfasst verhältnismäßig viele gute Starting Pitcher, zwei Top-Closer, eine bunte Mischung aus Positionsspielern und ein japanisches Ausnahmetalent, das die Liga auf Jahre hinaus prägen könnte. Hier sind meine Top-20 der Free Agents 2017:

  1. Shohei Otani, SP/OF, Hokkaido Nippon Ham Fighters

Der 23-jährige Otani ist in aller Munde als das wohl größte Talent, das der Baseball seit einiger Zeit gesehen hat. Otani dominiert die japanische Liga sowohl als Pitcher als auch am Schlag. In der MLB würde er sicher vornehmlich als Pitcher eingesetzt, aber es wäre denkbar, dass er an Tagen zwischen seinen Starts auch als Batter aufgestellt wird – vor allem, wenn er in der American League landet und somit als Designated Hitter infrage kommt. Aufgrund seines Alters gilt Otani für die MLB als „internationaler Amateur-Free-Agent“ und kann dem aktuellen Collective Bargaining Agreement zufolge nur einen Vertrag über rund 10 Millionen Dollar bekommen – und auch das nur, wenn ein Team sein erlaubtes Budget für internationale Verpflichtungen durch Trades auf das Maximum erhöht und dieses Maximum vollständig für Otani einsetzt. Er könnte diesen Kraftakt wert sein. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass Otani bei seinem ersten Vertrag auf die eine oder andere Million verzichtet und das Team wählt, bei dem ihm die ruhmreichste Karriere winkt. Mein Tipp: Er landet bei den Yankees.

  1. Yu Darvish, SP, Los Angeles Dodgers

Auch der Rang des besten „normalen“ Free Agents ist in japanischer Hand. Yu Darvish – er kam  2011 übrigens ebenfalls von den Ham Fighters in die MLB – hatte eine World Series zum Vergessen, ist und bleibt aber ein sehr guter Pitcher. Er wird keine Probleme haben, einen langfristigen Vertrag und ein Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar oder mehr an Land zu ziehen. Mein Tipp: Er geht zu den Cubs.

  1. J.D. Martinez, OF, Arizona Diamondbacks

Martinez kam im Juli per Trade von den rebuildenden Tigers zu den Diamondbacks und erwies sich dort als offensive Granate mit einer Slashline von .302/.366/.741 und 29 Homeruns in 62 Spielen. Mit diesen Zahlen ist er der beste auf dem Markt verfügbare Batter und es ist davon auszugehen, dass die Diamondbacks bei einem Wettbieten um Martinez‘ Dienste nicht mithalten können. Mein Tipp: Sofern die Giants nicht für Giancarlo Stanton traden, ist Martinez ihr Mann.

  1. Jake Arrieta, SP, Chicago Cubs

Arrieta hat in den vergangenen zwei Jahren 2 mph von seinem Fastball verloren und auch seine sonstigen Werte weisen einen eher absteigenden Trend auf. Dennoch ist der 32-Jährige ein verlässlicher Starter und anerkannter Führungsspieler, der mit einem Vier- bis Fünfjahresvertrag und dreistelligen Dollarmillionen rechnen darf. Die Cubs haben seit zwei Jahren erfolglos versucht, eine Verlängerung mit Arrieta auszuhandeln. Daher vermute ich, dass er auch das Qualifying Offer ablehnt und beide Seiten sich anderweitig orientieren. Mein Tipp: Die Dodgers holen ihn als Nachfolger von Darvish.

  1. Wade Davis, RP, Chicago Cubs

Auch Davis hat von den Cubs ein Qualifying Offer über 17,4 Millionen Dollar erhalten, auch er wird es voraussichtlich ablehnen und etwas Längerfristiges anstreben. Als bester Closer auf dem Markt wird er einen Vertrag in der Größenordnung der 62 Millionen für vier Jahre verlangen, die letztes Jahr Mark Melancon abgeräumt hat. Die Cubs waren bisher immer zurückhaltend mit großen Verträgen für Reliever, aber dennoch ist mein Tipp: Davis verlängert in Chicago.

  1. Eric Hosmer, 1B, Kansas City Royals

Mit 28 ist Hosmer relativ jung für einen Free Agent und mit .318/.385/.498 hat er zum richtigen Zeitpunkt offensiv die beste Saison seiner Karriere hingelegt. In einigen Rankings steht er deutlich höher als bei mir, aber für meinen Geschmack sind Hosmers Leistungen zu unkonstant, um den erhofften 200-Millionen-Dollar-Vertrag zu rechtfertigen. In Kansas City steht ein Rebuilding an, aber ich kann mir vorstellen, dass man Hosmer langfristig als Gesicht der Franchise bindet. Mein Tipp: Er bleibt.

  1. Mike Moustakas, 3B, Kansas City Royals

Genau wie seine Teamkollegen Eric Hosmer und Lorenzo Cain hat Moustakas von den Royals ein Qualifying Offer erhalten und wird es ablehnen, weil er einen langfristigen Vertrag möchte und diesen auch verdient. Er wird ihn bekommen und weil ich glaube, dass die Royals sich bereits für eine Verlängerung von Hosmer finanziell aus dem Fenster lehnen, ist mein Tipp: Moustakas wechselt zu den Atlanta Braves.

  1. Greg Holland, RP, Colorado Rockies

Holland ist die Alternative zu Wade Davis für Teams, die ihren Closer-Posten für ein paar Jahre zuverlässig besetzt wissen möchten. Im Vergleich mit Davis bringt Holland ein paar Fragezeichen mit, da er 2016 wegen Tommy-John-Surgery pausierte und 2017 nach einer dominanten ersten Saisionhälfte gegen Ende deutlich nachließ. Mein Tipp: Er lehnt das Qualifying Offer ab und verlängert für drei Jahre bei den Rockies.

  1. Jay Bruce, OF, Cleveland Indians

Bruce ist ein weiterer Spieler, der pünktlich zum Auslaufen seines Vertrages eine starke Saison hingelegt hat und nun auf einen Vertrag in der Größenordnung um 50 Millionen Dollar hoffen kann. Da Bruce während der Saison von den Mets zu den Indians getradet wurde, war ein Qualifying Offer nicht möglich. Das erleichtert einen erneuten Teamwechsel, weil ohne QO keine Draftpick-Kompensation für das abgebende Team anfällt. Mein Tipp: Er wird der Nachfolger von José Bautista bei den Blue Jays.

  1. Lance Lynn, SP, St. Louis Cardinals

Lynn kehrte 2017 erfolgreich von seiner Tommy-John-Surgery zurück und ist ein solider Innings-Eater, den man sich als Nummer zwei oder drei nahezu jeder MLB-Rotation vorstellen kann. Entsprechend groß wird die Nachfrage nach seinen Diensten sein und das Qualifying Offer der Cardinals kommt für ihn definitiv nicht infrage. Mein Tipp: Er geht nach Baltimore.

  1. Lorenzo Cain, OF, Kansas City Royals
  2. Alex Cobb, SP, Tampa Bay Rays
  3. Zack Cozart, SS, Cincinnati Reds
  4. Carlos Santana, 1B, Cleveland Indians
  5. Logan Morrison, 1B/OF, Tampa Bay Rays
  6. Addison Reed, RP, Boston Red Sox
  7. Todd Frazier, 3B, New York Yankees
  8. Jonathan Lucroy, C, Colorado Rockies
  9. Neil Walker, 2B, Milwaukee Brewers
  10. Brandon Morrow, RP, Los Angeles Dodgers

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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Juli 27th, 2017 by Dominik

Wie letzte Woche angekündigt gibt es heute eine etwas kürzer als gewohnt ausfallende Urlaubsedition des Grand Slam am Donnerstag. Das Team der Stunde sind die Kansas City Royals mit derzeit acht Siegen am Stück. Die Los Angeles Dodgers schienen Ende letzter Woche etwas zu stolpern, aber nach zwei Niederlagen gegen die Atlanta Braves haben sie nun schon wieder fünfmal hintereinander gewonnen und sind auch ohne den verletzten Clayton Kershaw dabei, ihre dominante Saison fortzusetzen.

National League
Wenig Neues in der National League East: Die Washington Nationals (60-39) ziehen weiterhin einsam ihre Kreise vor dem abgeschlagenen Rest der Division. Angesichts von zwölfeinhalb Spielen Vorsprung wird auch der Ausfall von Stephen Strasburg zu verkraften sein. Der Pitcher ist wegen eines eingeklemmten Nervs im Unterarm auf der DL gelandet, wird aber voraussichtlich nur einen Start verpassen.

Deutlich spannender geht es in der NL Central zu, in der die Chicago Cubs (53-47) seit dem All-Star-Break ihre Vorjahresform wiedergefunden und inzwischen auch die Führung übernommen haben. Die Milwaukee Brewers (54-49) sind mit nur zwei Siegen aus den letzten zehn Spielen böse abgestürzt, aber noch liegen sie nur ein halbes Spiel hinter den Cubs und von Freitag bis Sonntag treffen die beiden Kontrahenten direkt aufeinander. Mit etwas Abstand sind auch die St. Louis Cardinals (50-51) und die Pittsburgh Pirates (50-52) noch im Rennen.

Die NL West ist nach wie vor die stärkste Division im Baseball und auf gutem Weg, beide Wild-Card-Plätze der National League zu holen. Die Arizona Diamondbacks (58-43) und die Colorado Rockies (58-45) würden in jeder anderen Gruppe ernsthaft um Platz eins mitspielen, doch auf die Los Angeles Dodgers (71-31) haben sie schon zwölfeinhalb bzw. dreizehneinhalb Spiele Rückstand. Die Dodgers müssen voraussichtlich vier bis sechs Wochen auf ihren Starpitcher Clayton Kershaw verzichten. Man darf gespannt sein, ob sie nun zur Trade Deadline noch einmal nachlegen und jemanden wie Sonny Gray oder Yu Darvish an Land ziehen.

American League
Die Boston Red Sox (56-47) haben sich zwischendurch vier Niederlagen in Folge erlaubt und damit für neue Spannung in der American League East gesorgt. Sie stehen nun nur noch knapp vor den New York Yankees (53-46) und den Tampa Bay Rays (53-49) und werden froh sein, dass diese sich in den nächsten Tagen im direkten Duell gegenseitig Punkte wegnehmen. Die Red Sox selbst werden es aber auch nicht leicht haben, denn sie treffen nun nacheinander auf die beiden Contender der AL Central.

Diese beiden, die Cleveland Indians (54-45) und die Kansas City Royals (53-47), schenken sich zurzeit mit sechs bzw. acht Siegen hintereinander überhaupt nichts im Kampf und die Spitze der AL Central. Leidtragender davon sind die Minnesota Twins (49-51), die sich vorerst von dem lange aufrecht erhaltenen Führungsanspruch verabschieden müssen. Daran ändert leider auch die gute Form „unseres“ MLBlers Max Kepler (.292/.366/.444 im Juli) nichts.

In der AL West bleiben die Houston Astros (67-34) das Maß aller Dinge. Angesichts des Hypes um die Los Angeles Dodgers ist der um die Astros etwas abgeflaut. Doch auch sie spielen nach wie vor eine absolut beeindruckende Saison. Mit siebzehn Spielen auf die zweitplatzierten Seattle Mariners (51-52) halten sie den derzeit höchsten Vorsprung innerhalb der Majors und ihre 599 erzielten Runs führen die MLB mit weitem Abstand an.

Szene der Woche
Triple Plays, also drei Outs auf einen Streich, sieht man generell schon selten in der MLB. Ein Run-Scoring-Triple-Play, also eines, bei dem gleichzeitig ein Run nach Hause kommt, ist noch weitaus seltener – genauer gesagt kam das erst zehnmal vor. Und wenn dies dann auch noch beim allerersten At Bat im neuen Heimstadion eines frisch verpflichteten Spielers passiert, dann haben wir ein vermutlich historisch einmaliges Ereignis. Passiert ist das Ganze am Dienstag Third Baseman Todd Frazier, der letzte Woche im Zuge eines Trades von den Chicago White Sox zu den New York Yankees gewechselt war – ausgerechnet gegen die Cincinnati Reds, für die Frazier von 2011 bis 2015 gespielt hatte.

Statistik der Woche 
20 Jahre, 275 Tage. So alt ist der aktuell jüngste Spieler in der MLB, der frisch aus den Minors ins Team der Boston Red Sox geholte Third Baseman Rafael Devers. Es soll eigentlich nur ein kurzes Hineinschnuppern sein, um die Lücke bis zur Ankunft des neu aus San Francisco verpflichteten Eduardo Nunez zu füllen. Doch Devers hat sich offenbar vorgenommen, es den Red Sox sehr schwer zu machen, ihn wieder nach unten zu schicken: In seinem ersten Spiel holte er zwei Walks heraus, im zweiten zwei Hits und der erste davon war gleich ein Home Run. Devers ist damit der jüngste Red-Sox-Spieler mit einem Homerun seit Tony Conigliaro im Jahr 1965.

Spiel der Woche
Ich sehe zurzeit urlaubsbedingt nicht viel Baseball, aber das Spiel zwischen den Cleveland Indians und den Los Angeles Angels Dienstagnacht war sicher sehr unterhaltsam: Zuerst sah es nach einer klaren Angelegenheit für die Indians aus, als diese im zweiten Inning auf 7:0 davon zogen. Doch die Angels verkürzten Stück um Stück und nach sechs Durchgängen stand es 7:7. Bis ins elfte Inning hinein blieb es bei diesem Spielstand, bevor schließlich Edwin Encarnacion per Walk-Off-Grand-Slam doch noch den Sieg für Cleveland sicherte. Encarnacions Homerun war übrigens sein 1000. RBI in der MLB – genauer gesagt seine RBIs 998 bis 1001.

Spiel der kommenden Woche
Sowohl die Cleveland Indians als auch die Boston Red Sox führen derzeit mit hauchdünnem Vorsprung ihre jeweilige Division an. Insofern wird es auf jeden Fall spannend, was das Aufeinandertreffen dieser beiden Teams von Montag bis Mittwoch hervorbringt. Obendrein gibt es voraussichtlich in der Partie Dienstagnacht ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ein starkes Pitcherduell zu sehen, wenn für Boston Chris Sale (2.37 ERA, 1.91 FIP) und für Cleveland Carlos Carrasco (3.58 ERA, 3.59 FIP) auf dem Mound stehen.

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Juli 20th, 2017 by Dominik

Willkommen in der Trade Season: Ab Mitte Juli bis zur Trade Deadline am 31. Juli ist traditionell die Zeit, in der sich die Clubs der MLB auf diverse Spielerwechsel einigen. Die Teams, die sich Chancen auf einen Playoff-Run ausrechnen, rüsten ihren Kader auf; die aktuell schwächeren Teams entledigen sich guter, aber oft teurer Spieler, die meist sowieso nicht mehr lange unter Vertrag stehen, und lassen sich dafür mit Talenten entschädigen, die ihnen langfristig weiterhelfen. Die bislang interessantesten Trades dieses Jahres fanden zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox (IF Tod Frazier, RP David Robertson und RP Tommy Kahnle für drei Prospects und RP Tyler Clippard), den Chicago Cubs und den Chicago White Sox (SP Jose Quintana für vier Prospects) sowie zwischen den Washington Nationals und den Oakland Athletics (RP Sean Doolittle und RP Ryan Madson für zwei Prospects und RP Blake Treinen) statt. Einmal mehr sehen die White Sox nach dem großen Gewinner unter den Rebuilding-Teams aus. Inzwischen haben sie 10 der 70 besten Prospects laut der Liste von mlb.com unter Vertrag – allen voran Prospect Nummer eins, 2B Yoan Moncada, der gestern Abend sein MLB-Debüt feierte.

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten gut zwei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

American League
In der American League East liegen nach vor die Boston Red Sox (54-42) vorne, doch das bemerkenswerteste an der Rangliste ist Platz zwei, der inzwischen von den Tampa Bay Rays (51-45) belegt wird. Die Rays sicherten sich beide Serien, die sie seit dem All-Star-Break zu absolvieren hatten, während die New York Yankees (48-45) über einen Split gegen Boston und ein 1-2 gegen Minnesota nicht hinauskamen. Von ihrem Run Differential (+96) sind die Yankees nach wie vor ein Top-Team, doch sie haben mittlerweile zehn Serien hintereinander nicht für sich entscheiden können. Noch belegt New York einen Wild-Card-Platz, doch der Vorsprung ist auf nur noch ein halbes Spiel vor Minnesota, eineinhalb vor Seattle und zwei vor Kansas City zusammengeschmolzen. Und es steht nun ausgerechnet eine Vier-Spiele-Serie in Seattle an.

Die AL Central ist an der Spitze sehr eng beisammen, nur eine einzige Niederlage trennt die Cleveland Indians (48-45) und die Minnesota Twins (48-46). Auch die Kansas City Royals (46-47) haben noch alle Chancen, wenngleich sie mit vier Niederlagen aus sechs Spielen gegen Gegner, die allesamt eine schlechtere Bilanz aufwiesen, schwach in die zweite Saisonhälfte gestartet sind. Den Royals stehen nun sieben weitere Spiele gegen die beiden Kellerkinder der Division, die Detroit Tigers (43-50) und die Chicago White Sox (38-54), bevor. Die müssen sie positiv bestreiten, wenn sie im Kampf um den Divisionssieg weiterhin mitmischen wollen.

Die Houston Astros (63-32) müssen sich schon lange keine Sorgen mehr um den Divisionssieg in der AL West machen. Dieser ist so sicher wie er sein kann und die Astros können den Rest der Saison gelassen angehen. Der Terminplan ist derzeit ebenfalls freundlich zu ihnen, denn sie spielen nun neun Spiele gegen Gegner mit negativer Bilanz. Keine negative Bilanz mehr haben die Seattle Mariners, die sich durch eine 2-1 gewonnene Serie gegen die Astros auf 48-48 hochgearbeitet haben und zwar 15.5 Spiele hinter Houston, aber nur 1.5 Spiele hinter der Wild Card stehen. Die Texas Rangers (45-49) sind derweil durch vier Niederlagen hintereinander deutlich in den negativen Bereich und gleichzeitig hinter die Los Angeles Angels (47-50) gerutscht.

National League
Nachdem die Washington Nationals (57-37) nun auch ihre eine große Schwäche, den Bullpen, aufgerüstet haben, ist der Abstand zwischen ihnen und dem Rest der National League East noch größer geworden. Keines der anderen Teams ist konkurrenzfähig, weder in der Division noch in Bezug auf die Wild Cards. Das hat durchaus auch Vorteile für die Atlanta Braves (45-48), die New York Mets (43-50), die Miami Marlins (42-51) und die Philadelphia Phillies (32-61). Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga müssen sie sich keine Gedanken machen, ob man zur Trade Deadline noch irgendwelche Ambitionen für die laufende Saison hat. Sie können alle vier beruhigt als Seller auftreten und an ihren Plänen für eine bessere Zukunft arbeiten.

Das beste Gegenbeispiel dazu ist die NL Central, in der einzig die Cincinnati Reds (40-55) schon klar aus dem Rennen sind. Die Milwaukee Brewers (52-46), das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, hat derzeit fünf Spiele in Folge verloren, darunter ein Vier-Spiele-Sweep durch die Pittsburgh Pirates (48-48). Schon vor Wochen war Pittsburgh eigentlich komplett abgeschrieben, jetzt beträgt der Abstand auf die Spitze nur noch drei Spiele. Zwischen den Pirates und den Brewers steht noch Titelverteidiger Chicago Cubs (49-45), der seit dem Ende des All-Star-Breaks ebenfalls auf einer Erfolgswelle reitet. Diese könnte durchaus noch eine Weile anhalten, denn mit den St. Louis Cardinals (46-49) und dem Stadtrivalen Chicago White Sox (38-54) stehen zwei Serien gegen deutlich angezählte Gegner bevor und anschließend kommt es gegen Milwaukee möglicherweise zu einem Showdown um die Divisionsführung.

Die NL West, nein: die ganze Liga wird zurzeit klar von den Los Angeles Dodgers (66-29) dominiert. Ich gehe weiter unten bei der Statistik noch ein bisschen näher darauf ein, was für unglaubliche Zahlen die Dodgers zurzeit produzieren. Vor nicht allzu langer Zeit war in dieser Division noch ein Dreikampf zugange, doch inzwischen haben die Dodgers einen genauso großen Abstand vor dem Rest des Feldes wie die Nationals in der NL East. Im Gegensatz zu den East-Teams stehen die Colorado Rockies (56-41) und die Arizona Diamondbacks (55-40) aber immer noch in einer sehr guten Position, was die Wild-Card-Plätze angeht. Nach wie vor abgeschlagen sind die San Diego Padres (40-54) und die San Francisco Giants (37-59), die nun zu allem Überfluss viermal gegeneinander antreten müssen.

Szene der Woche
Die Woche brachte eine ganze Reihe großartiger Szenen hervor. Da wäre zum einen der spektakuläre Homerun-Klau von Jackie Bradley Jr. gegen Aaron Judge im achten Inning eines 3:0-Sieges der Red Sox über die Yankees am Sonntag. Dann natürlich die vier Hits von Cody Bellinger zum ersten Cycle eines Rookies in der Geschichte der Dodgers. Nicht zu vergessen der erste Homerun in der Karriere von Seth Lugo einschließlich der coolen Reaktion seiner Teamkameraden und des Mets-Pitchers selbst. Mein Lieblingsmoment dieser MLB-Woche jedoch stammt von Derek Holland: Der White-Sox-Pitcher fängt einen Aufsetzer hinter dem Rücken, stellt fest, dass der Ball im kaputten Netz des Handschuhs feststeckt – und wirft daraufhin einfach den kompletten Handschuh mitsamt Ball zum Force Out an der First Base durch Jose Abreu.

Statistik der Woche 
44. So viele Spiele haben die Los Angeles Dodgers hintereinander gewonnen, wenn sie an irgendeinem Punkt des Spiels in Führung gegangen sind. Das ist die längste solche Serie, die es je in der MLB gegeben hat. Ebenfalls beeindruckend: Die Dodgers haben derzeit elf Spiele hintereinander gewonnen und 31 von den letzten 35. Mit ihren bislang 66 Siegen in dieser Saison sind sie momentan auf Kurs für 113 Siege. Das wären die zweitmeisten seit den Seattle Mariners von 2001.

Spiel der Woche
Endlich kann ich mal ruhigen Gewissens behaupten, dass mein Einschalttipp im letzten Grand Slam sich tatsächlich als das interessanteste Spiel der Woche herausgestellt hat. Das Aufeinandertreffen der Yankees und der Red Sox Freitagnacht hatte es gewaltig in sich. Hier nur ein paar der zahlreichen Highlights dieses Spiels: Zunächst mal gab es hervorragendes Pitching zu sehen. Red-Sox-Starter Chris Sale absolvierte 7 2/3 Innings mit 13 Strikeouts, ließ nur drei Hits zu und keinen Run. Auf der anderen Seite hielt Luis Severino sieben Innings durch, in denen er vier Hits und einen Run erlaubte. Anschließend teilten sich sieben Reliever der Yankees die restlichen neun Innings und ließen keinen weiteren Run zu. Dass es überhaupt so viele Innings gab, haben die Yankees Matt Holliday zu verdanken, der im neunten Inning gegen Closer Craig Kimbrel per Solo-Homerun den 1:1-Ausgleich besorgte. Zwei Innings später stand Holliday erneut im Mittelpunkt, dieses Mal mit einer sehr seltsamen Baserunning-Aktion: Holliday geriet nach einem Schlag von Jacoby Ellsbury auf dem Weg von der ersten zur zweiten Base in ein Force Out, doch statt den Lauf einfach abzubrechen, drehte er um, rannte zurück, slidete zur ersten Base und behinderte dort Mitch Moreland beim Versuch, den Ball zum Double Play zu fangen. Ellsbury wurde von den Umpires save an der ersten Base gegeben, was zu vergeblichen Beschwerden der Red Sox führte. Boston spielte daraufhin unter Protest weiter, doch die Szene erwies sich als nicht spielentscheidend, denn das Inning war kurz darauf beendet. Erst nach 16 Innings, 5:50 Stunden und 512 Pitches endete das umkämpfte Spiel mit einem 4:1-Sieg der Yankees. Es war das längste Spiel zwischen Boston und New York im Fenway Park seit 1966.

Spiel der kommenden Woche
Generell empfiehlt es sich zurzeit, die Spiele der Los Angeles Dodgers anzuschauen – zum einen, weil man sie auf dem atemberaubenden Trip, auf dem sie sich gerade befinden, mal gesehen haben sollte, zum anderen weil man natürlich auch gerne dabei sein möchte, wenn die Serie irgendwann mal endet. Davon abgesehen erscheint mir die heute Nacht beginnende Vier-Spiele-Serie zwischen den New York Yankees und den Seattle Mariners die interessanteste der kommenden Tage zu sein. Beide stehen gerade am Scheideweg dieser Saison, die Mariners eineinhalb Spiele hinter den Yankees im Wild-Card-Rennen, aber dafür mit deutlich mehr Rückenwind aus den letzten Spielen. Mein Einschalttipp ist das Serienfinale am Sonntag – aus dem pragmatischen Grund, dass man es ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ohne allzu viel Schlafentzug anschauen kann.

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