Mai 6th, 2019 by Silversurger

Wer am vergangenen Wochenende und dem vorhergehenden Maifeiertag die Baseball-Bundesliga verfolgt hat, musste sich vermutlich mehrfach verwundert die Augen reiben. Irgendwas war anders als sonst, das zeigte sich vor allem an der unglaublich großen Anzahl von Runs, die erzielt wurden: 569 Zähler gingen in 32 Spielen über die Platte, das sind 17,8 Runs je Partie. Zum Vergleich: Üblich ist in der Bundesliga, seit Jahren relativ stabil, ein Durchschnitt von rund 11 Runs pro Spiel.

Man könnte auf die Idee kommen, der Spielplan hätte in den letzten Tagen besonders viele einseitige Spiele vorgesehen und dadurch die Offensiv-Feuerwerke hervorgerufen. So war es allerdings nicht. Auf dem Plan stand eine ziemlich gewöhnliche Mischung aus Paarungen mit großem Leistungsgefälle (z. B. Bremen vs. Bonn, Solingen vs. Wesseling) sowie solchen auf Augenhöhe in den oberen (z. B. Regensburg vs. Mannheim, Heidenheim vs. Mainz) oder in den unteren Tabellenregionen (z. B. Ulm vs. Saarlouis, Bremen vs. Köln). Die wundersame Run-Inflation zog sich durch sämtliche Arten von Duellen und traf (fast) alle Teams: Die Solingen Alligators sind unter den 16 Klubs der einzige, der nicht an mindestens einem Spiel mit mindestens 20 Runs beteiligt war.

Ganz unerklärlich ist der statistische Ausreißer der letzten Tage nicht. Mir erscheint es jedenfalls mehr als plausibel, dass hinter dem Phänomen eine allseitige Pitcher-Knappheit steckt. Vier Spiele innerhalb von vier bis fünf Tagen, mit dem vorhergehenden Wochenende sechs Spiele innerhalb von acht Tagen – das ist Alltag für MLB-Teams, aber eine komplett ungewohnte Belastung für die Bundesligisten. Viele von ihnen haben genau zwei Leute an Bord, die fähig und gewohnt sind, auf diesem Niveau einmal pro Woche sechs, sieben Innings zu pitchen. Dazu kommen im günstigen Falle zwei, drei Reliever, die für ein paar Innings einspringen und zur Not auch mal einen Start übernehmen können. Im weniger günstigen Fall kommt man als Coach eines Bundesligateams in solch intensiven Tagen noch schneller an den Punkt, an dem die Entscheidung richtig unangenehm wird: Verheizt man seine Starter, indem man sie mit nur zwei Tagen Pause erneut antreten lässt? Wirft man 17-, 18-jährige Nachwuchsspieler ins kalte Wasser? Oder schickt man Positionsspieler auf den Mound, um irgendwie die Innings rumzukriegen? Keine der drei Optionen ist dem sportlichen Niveau, das man den Zuschauern und sich selbst bieten möchte, besonders zuträglich. Verrückte Ergebnisse wie die der vergangenen Tage sind die logische Folge.

Es ist ein bisschen schade, dass die Bundesliga sich auf diese Weise selbst beschädigt. Ich möchte es aber mit der Kritik nicht übertreiben, denn dass die Spiele dieses Jahr in einen so engen Terminplan gequetscht wurden, kann man der Ligaleitung kaum zum Vorwurf machen. Es ist vielmehr eine bedauerliche Notwendigkeit, weil durch die Baseball-EM und die Olympia-Qualifikation das Zeitfenster für die Bundesligasaison sehr viel kleiner ist als in anderen Jahren.

Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen kehrt nun zumindest für ein paar Wochen wieder Normalität ein in den Spielrhythmus der Bundesliga. Um Christi Himmelfahrt herum wartet Ende Mai / Anfang Juni jedoch erneut eine Hammerwoche auf die höchste deutsche Spielklasse.

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April 14th, 2019 by Silversurger

Die Bonn Capitals (5-1) sind wieder voll in der Erfolgsspur: Am ersten Spieltag der Baseball-Bundesliga gab der Titelverteidiger noch überraschend ein Spiel gegen die Hamburg Stealers (4-2) ab – es war seine erste Niederlage in einem regulären Saisonspiel seit 2017. Nach zwei klaren Siegen gegen die Dohren Wild Farmers (2-3) gewannen die Bonner heute auch beide Spiele gegen den Erzrivalen Solingen Alligators (4-2). Damit sind die Capitals zurück an der Tabellenspitze.

Den Spitzenplatz teilen die Capitals sich mit den Untouchables Paderborn (5-1). Der Spielplan war bislang recht vorteilhaft für die Untouchables, die vier ihrer Siege gegen Aufsteiger Wesseling Vermins (2-4) und die Bremen Dockers (0-6) einfuhren. In den nächsten beiden Wochen warten auf Paderborn zuerst in Bonn und dann gegen Solingen die echten Prüfsteine.

Nur einen Sieg haben bislang die Cologne Cardinals (1-4) auf dem Konto. Die beiden Niederlagen gegen Hamburg an diesem Wochenende waren jedoch äußerst knapp, im ersten drehten die Stealers sogar einen 0:8-Rückstand. Nächste Woche dürften sowohl die Kölner gegen Wesseling als auch die Hamburger gegen Bremen gute Chancen auf Zählbares haben.

An der Spitze der Süd-Gruppe der Bundesliga herrschen nach drei Spieltagen überraschend klare Verhältnisse: Die Mainz Athletics haben sechs von sechs Spielen gewonnen und führen bereits mit zwei Siegen Vorsprung vor den Haar Disciples und den Mannheim Tornados (jeweils 4-2). Der Pflichtaufgabe gegen die Saarlouis Hornets (0-6) entledigten die Mainzer sich an diesem Wochenende mit 6:1 und 3:0. Überragend waren bei den A’s vor allem die Pitcher, die in beiden Spielen zusammen lediglich drei gegnerische Hits zuließen, sowie Slugger Austin Gallagher (2 Homeruns, 1 Double, 6 RBI).

Die Heidenheim Heideköpfe und die Regensburg Legionäre, eigentlich jedes Jahr die Top-Favoriten im Süden, kommen bislang nur auf ausgeglichene Bilanzen von 3-3. Die Heideköpfe konnten bisher keine Serie gewinnen, mussten sich gegen Stuttgart, Haar und jetzt auch im vermeintlichen Spitzenduell mit Regensburg mit Splits begnügen.

Neben Mainz sind die positive Überraschung der ersten Wochen die Ulm Falcons (2-4): Sie wurden gemeinsam mit Saarlouis als Abstiegskandidat gehandelt, haben aber nun schon sowohl gegen die Stuttgart Reds (2-4) als auch gegen Mannheim je einen Sieg entführen können.

Am Osterwochenende steht im Norden das Spitzenduell Bonn gegen Paderborn an. Im Süden steigt die interessanteste Serie zwischen Heidenheim und Mannheim, die beide darum kämpfen müssen, dass ihr Kontakt zur Spitze nicht abreißt.

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