November 8th, 2018 by Silversurger

Ab heute erscheint der Grand Slam am Donnerstag wieder in seiner Offseason-Form. Bis es im April wieder um Spiele, Ergebnisse und Tabellen geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich noch ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, aber ich freue mich nach wie vor über jede weitere.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 19 Preisträger gibt es: je einen auf jeder Feldposition in der National League und in der American League – nur für die First Basemen der NL gab es zwei, da die Abstimmung mit einem Unentschieden zwischen Freddie Freeman (Braves) und Anthony Rizzo (Cubs) endete. Besonders hervorzuheben ist C Yadier Molina (Cardinals), der schon den neunten Gold Glove seiner Karriere abräumte. 3B Nolan Arenado (Rockies) hält derzeit die längste Serie, indem er im sechsten Jahr seiner Karriere zum sechsten Mal die Ehrung erhalten hat. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2018.

Billy Beane ist Executive of the Year
Zum ersten Mal überhaupt vergab die MLB in dieser Woche den Titel des „Executive of the Year“, also des Funktionärs des Jahres. Anders als die meisten anderen Awards wird dieser Preis nicht getrennt nach Ligen verteilt, sondern für die MLB insgesamt. Sein erster Träger ist Billy Beane, Vizepräsident der Oakland Athletics. Beane hat es mal wieder geschafft, mit wenig Geld ein Team zusammenzustellen, das eine überraschend starke Saison spielte und mit 97 Siegen in die Playoffs einzog – ganz so, wie man es von Beane kennt und erwartet, wenn man den Film „Moneyball“ gesehen hat.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Ende August bereits abgegeben und jetzt bin ich gespannt, ob ich wenigstens mit ein paar meiner Einschätzungen richtig liege, nachdem drei meiner Favoriten es gar nicht ins Finale geschafft haben.

Dodgers verlieren GM Zaidi an die Giants
Farhan Zaidi wechselt zwischen zwei Erzrivalen die Seiten: Der bisherige General Manager der Los Angeles Dodgers erhält bei den San Francisco Giants den Posten des „President of Baseball Operations“. Die Job-Bezeichnungen in der MLB sind leider immer etwas erklärungsbedürftig: Für Zaidi ist das der Aufstieg in die höchste Position eines Front Offices, das heißt er ist nun der Hauptentscheider, wenn es um Trades, Spielerverträge etc. geht. In manchen Klubs ist das der General Manager, aber sowohl bei den Giants als auch bei den Dodgers gibt es darüber noch eben jenen Präsidentenposten. In Los Angeles hat Andrew Friedman diese Stelle inne und muss sich nun einen neuen leitenden Angestellten suchen.

Woodward ist neuer Rangers-Manager
Neben Zaidi müssen die Dodgers auch ihren bisherigen Third Base Coach Chris Woodward ersetzen. Woodward hat das Angebot der Texas Rangers angenommen, bei ihnen Manager zu werden, also quasi Chefcoach. Woodward wurde nach langwieriger Suche aus mindestens elf Kandidaten ausgewählt und wird für seine analytische Herangehensweise gerühmt. In Los Angeles arbeitete er neben der Aufgabe als Basecoach hauptsächlich mit dem Infield und dirigierte die defensiven Shifts. Vor seiner vor fünf Jahren in Seattle begonnenen Coaching-Karriere hatte Woodward eine zwölf Jahre lange MLB-Karriere als Utility-Infielder.

Roberts und Kershaw bleiben
Neben den schmerzhaften Abgängen von Zaidi und Woodward haben die Dodgers auch zwei wichtige Vertragsverlängerungen zu vermelden: Ihr Pitcher-Ass Clayton Kershaw hat erfolgreich mit seiner Option gepokert, aus dem noch zwei Jahre laufenden Vertrag aussteigen zu können. Man einigte sich schließlich auf eine neue dreijährige Laufzeit, für die Kershaw 93 Millionen Dollar erhält und sich noch etwas dazu verdienen kann: Je eine Zusatzmillion gibt es jährlich für den 24., 26., 28. und 30. Start sowie weitere Boni für einen der ersten drei Plätze im Cy-Young-Voting. Von so viel Geld kann Dave Roberts als Manager nur träumen, doch auch er wird bleiben: Trotz Kritik, die während der World Series aufgekommen war, zogen die Dodgers zunächst die Vertragsoption für ein weiteres Jahr zum Preis von 1,1 Millionen. Eine Einigung auf einen neuen, längerfristigen Vertrag steht offenbar kurz bevor.

Qualifying Offers für sieben Spieler
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal, Hyun-Jin Ryu und Craig Kimbrel haben nun bis Montag nächster Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnen sie es ab und unterschreiben woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Die meisten der Spieler, vielleicht auch alle, werden das Angebot ablehnen; am ehesten könnte ich mir bei Grandal und Ryu vorstellen, dass sie es annehmen. Alle sieben Empfänger der Qualifying Offers stehen übrigens in meiner Liste der Top-20 Free Agents dieser Offseason. Dort stehen auch Charlie Morton und Michael Brantley, deren Teams sich aber gegen das Qualifying Offer entschieden haben.

Cubs: Smyly geht, Hamels bleibt
Die Chicago Cubs haben die Verlängerungsoption im Vertrag von Pitcher Cole Hamels gezogen. Der 34-Jährige kostet sie 20 Millionen Dollar für die Saison 2019. Um einen Teil des Geldes wieder reinzuholen, wurde Pitcher Drew Smyly zu den Texas Rangers getradet. Smyly verdient 2019 sieben Millionen und hat dieses Jahr gar nicht gespielt, nachdem er sich 2017 einer Tommy-John-Surgery unterziehen musste. Die Rangers kaufen somit ein bisschen die Katze im Sack, aber die Aufnahme von Smyly war für sie dennoch attraktiv. Denn hätten die Cubs andernfalls gesagt, dass sie sich Hamels nicht leisten können, so hätten die Rangers wegen einer alten Vereinbarung mit Hamels sechs Millionen als Entschädigung für die nicht gezogene Option an ihn bezahlen müssen – ohne Gegenleistung, versteht sich.

Sabathia hängt ein Jahr dran
Pitcher-Oldie CC Sabathia bleibt der Liga noch ein Jahr lang erhalten: Der 38-Jährige hat sich mit den New York Yankees auf einen Einjahresvertrag über acht Millionen Dollar geeinigt. Gleichzeitig gab er bekannt, dass die kommende Saison – seine neunzehnte in der MLB – die letzte seiner Karriere sein wird.

McCullers fällt lange aus
Hiobsbotschaft für die Houston Astros: SP Lance McCullers Jr. musste sich diese Woche einer Tommy-John-Surgery unterziehen. Er wird damit für die gesamte Saison 2019 ausfallen. Dass die Operation nötig wird, war McCullers offenbar seit August bewusst und es ist nun klar, warum der eigentliche Starter in den letzten zwei Monaten der Saison nur noch für einzelne Relief-Innings zum Einsatz kam. Der Pitcherriege der Astros könnte ein größerer Umbruch bevorstehen, denn Dallas Keuchel und Charlie Morton sind Free Agents und nach McCullers‘ Verletzung sind von einer der Top-Rotationen der letzten Jahre nun nur noch Justin Verlander und Gerrit Cole übrig.

Rays holen Zunino und kubanisches Talent 
Der erste nennenswerte Trade der aktuellen Offseason geht – wie könnte es anders sein – auf das Konto des hyperaktiven GM der Seattle Mariners, Jerry Dipoto. Sein Handelspartner sind in dem Fall die Tampa Bay Rays, die von den Mariners Catcher Mike Zunino und Outfielder Guillermo Heredia erhalten und dafür Outfielder Mallex Smith nach Seattle schicken. Auf beiden Seiten ist voraussichtlich noch ein Minor-League-Spieler in den Trade involviert. Kernstück des Trades ist Zunino, ein defensiv anerkannt starker Catcher mit eher unkonstanter Offense. Mallex Smith wird gespannt sein, ob und wie lange er dieses Mal tatsächlich bei den Mariners landet. Vor knapp zwei Jahren hatte Dipoto ihn nämlich schon einmal von den Atlanta Braves ertradet, nur um ihn 77 Minuten später in einem erneuten Trade nach Tampa Bay weiterzureichen.

Einen weiteren signifikanten Move haben die Rays mit Blick auf die noch etwas fernere Zukunft unternommen: Gegen eine Bonuszahlung von 2,6 Millionen Dollar wurde das kubanische Talent Sandy Gaston unter Vertrag genommen. Der 16-jährige Pitcher wirft einen bereits bis zu 97 Meilen schnellen Fastball und wurde von MLB Pipeline auf Platz 16 unter den internationalen Top-Prospects geführt.

MLB-All-Stars auf Tour in Japan
Eine Gruppe von MLB-Spielern – die Bezeichnung als All-Star-Team ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, aber ein paar echte Hochkaräter sind durchaus dabei – spielt ab morgen eine Reihe von sechs Spielen gegen die japanische Nationalmannschaft. Wer vormittags die Gelegenheit hat und hungrig nach Live-Baseball ist, kann über DAZN im MLB-Network die Spiele sehen. Auf mlb.tv werden sie wohl leider nicht ausgestrahlt. Die Partien beginnen jeweils zwischen 10 und 11 Uhr unserer Zeit. Hier findet ihr Übersichten über die konkreten Spieltermine und über die Kader der Teams. Zur Einstimmung gab es heute schon ein Freundschaftsspiel gegen die Yomiuri Giants, das das MLB-Team 9:6 gewann. Danke an Ralf für den Hinweis auf die Serie und die Live-Übertragung!

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    September 27th, 2018 by Silversurger

    Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

    Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

    Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

    Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

    American League
    Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

    Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

    Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

    National League
    Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

    Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

    Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

    Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

    a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

    b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

    c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

    Szene der Woche
    Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

    Statistik der Woche
    23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

    Spiel der Woche
    Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

    Mein Einschalttipp
    Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    August 2nd, 2018 by Silversurger

    Die Trade Deadline der MLB kam und ging am Dienstag Abend, und auch wenn die ganz großen Würfe ausblieben – Bryce Harper und Jacob deGrom zum Beispiel haben nicht das Team gewechselt –, hat sich doch einiges bewegt. Ich werde hier nicht alle Moves herunterbeten (eine umfassende Übersicht findet sich hier), aber natürlich steht der Grand Slam am Donnnerstag diese Woche unter dem Zeichen der Deadline-Trades. Die größte Überraschung war für mich die Aktivität der Pittsburgh Pirates, die sich mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela verstärkt haben. Das ist eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Pirates aus ihrer unklaren Ausgangslage heraus einen Angriff auf die Playoffs starten wollen oder nicht. Ebenfalls sehr aktiv waren die Milwaukee Brewers und die Seattle Mariners als weitere Buyer sowie auf der Seite der Seller die Minnesota Twins und die Baltimore Orioles, welche offenbar einen konsequenten Rebuild angehen. Zurückhaltender als ich gedacht hätte, waren die Oakland Athletics, die New York Mets und die Washington Nationals. Das einzige Team, das komplett untätig blieb, sind die San Francisco Giants.

    Übrigens: Auch nach der Deadline vom 31. Juli sind Trades in der MLB nicht ausgeschlossen. Getradet werden dürfen nun allerdings nur noch Spieler, die entweder nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen oder die vorher auf den Waiver gesetzt wurden. Auf Spieler von dieser Liste kann jedes Team einen Anspruch anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt. Mit diesem Team kann der bisherige Klub des Spielers sich auf einen Trade einigen, andere Teams sind außen vor. Somit können Trades im August relativ leicht blockiert werden, aber manchmal geht doch ein Blockbuster durch. Letztes Jahr wechselte zum Beispiel Justin Verlander auf diese Art zu den Houston Astros, mit denen er schließlich die World Series gewann.

    American League
    In der American League East haben sich alle Teams zur Trade Deadline so verhalten, wie man es von ihnen erwartet hatte: Die Boston Red Sox (75-34) und die New York Yankees (68-38) haben vor allem ihre Starting Rotation verstärkt, um im Ringen um die Division weiterhin bestehen zu können. Die Tampa Bay Rays (55-53), die Toronto Blue Jays (48-59) und die Baltimore Orioles (33-75) hingegen haben haufenweise erfahrene Spieler abgegeben und sich im Gegenzug mit Prospects für eine erhoffte bessere Zukunft gerüstet. In dieser Division ist schon lange klar, dass es bis zum Ende der Saison ein Zweikampf bleiben wird. Über die nächsten vier Tage hinweg wird dieser mal wieder ganz unmittelbar ausgetragen, denn die Red Sox empfangen die Yankees in Fenway Park (siehe Einschalttipp).

    Noch klarer sind die Fronten in der AL Central, die schon seit Monaten nur noch einen Contender kennt, nämlich die Cleveland Indians (59-48). Für die Indians ist wichtig, in keinen allzu gemütlichen Trott zu fallen, denn in den Playoffs werden sie ganz anders gefordert sein als in der regulären Saison. Zur Deadline haben die Indians hauptsächlich ihren Bullpen und die Tiefe des Outfields aufgerüstet. Die Minnesota Twins (49-58) haben ihr Farmsystem mit einer Reihe von Trades deutlich ausgebaut und sich im Zuge dessen von Top-Spielern wie 2B Brian Dozier (Dodgers) und RP Ryan Pressly (Astros) getrennt. Die Detroit Tigers (47-62), Chicago White Sox (37-70) und Kansas City Royals (34-73) waren ebenfalls als Seller unterwegs, hielten sich dabei jedoch eher zurück. Mike Moustakas (Royals zu Brewers) und Joakim Soria (White Sox zu Brewers) sind die beiden nennenswerten Namen, während Leute wie Mike Fiers, Shane Green (beide Tigers) und Jose Abreu (White Sox) überraschenderweise nicht getradet wurden.

    Von den Houston Astros (69-41) hatte ich keine großen Aktivitäten erwartet, aber sie waren doch recht rührig, um ihren Bullpen zu verstärken. Ryan Pressly (Twins) wird ihnen sicher weiterhelfen, Roberto Osuna (Blue Jays) bringt wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens einige Fragezeichen mit. Hinter Houston tobt in der AL West das Rennen um eine Wild Card. Während die Seattle Mariners (63-45) zweimal gegen die Astros verloren, gelang den Oakland Athletics (64-46) gerade ein Sweep der Blue Jays und nun stehen beide gleichauf. Vielleicht machen die Deadline-Trades am Ende den Unterschied: Die Athletics haben mit Jeurys Familia (Mets) ein Ass für den Bullpen geholt, konnten oder wollten sich ansonsten aber keine Ergänzungen des Kaders leisten. Mariners-GM Jerry Dipoto war so aktiv wie man ihn kennt und investierte eine Reihe von Prospects, um drei Reliever und den Outfielder Cameron Maybin (Marlins) an Land zu ziehen. Die Los Angeles Angels (54-55) und die Texas Rangers (46-63) trennten sich erwartungsgemäß von einigen Veteranen mit auslaufenden Verträgen.

    National League
    Die Teams der National League East gehörten nicht zu den aktivsten auf dem Markt der Deadline-Trades. Sowohl die Philadelphia Phillies (59-48) als auch die Atlanta Braves (57-47) gönnten sich ein paar unspektakuläre, doch solide Ergänzungen ihrer Kader. Die Washington Nationals (54-53) haben die Saison offenbar noch nicht aufgegeben, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass sie an Stars mit auslaufenden Verträgen wie Bryce Harper und Daniel Murphy eisern festhalten. Für beide hätten sich hochwertige Prospect-Pakete einheimsen lassen, aber die Nationals beschränkten sich auf zwei kleine Trades, in denen sie RP Brandon Kintzler (Cubs) und LF Brian Goodwin (Royals) abgaben. Die New York Mets (44-61) ließen ihren Closer Jeurys Familia (Athletics) und 2B Asdrubal Cabrera (Phillies) ziehen, fanden aber offenbar keine Abnehmer für die ebenfalls auslaufenden C Devin Mesoraco und OF/3B Jose Bautista. Ihre hochwertig bestückte Rotation ließen die Mets unangetastet, was wohl ein Zeichen dafür ist, dass man derzeit keinen langfristigen Rebuild anstrebt, sondern schnell wieder wettbewerbsfähig sein will. Auch die Miami Marlins (46-63) beschränkten sich auf kleinere Trades, 1B Justin Bour und C J. T. Realmuto bleiben vorerst in Miami.

    Zwischen den beiden Kontrahenten um die NL Central sind in meinen Augen die Milwaukee Brewers (63-48) zumindest auf kurzfristige Sicht der klare Gewinner der Trade-Deadline. Mit 2B Jonathan Schoop (Orioles), 3B Mike Moustakas (Royals) und RP Joakim Soria (White Sox) haben sie sich deutlich verstärkt, mussten dafür aber auch einige gute Prospects abgeben. Die Chicago Cubs (62-45) entschieden sich für den zurückhaltenderen Weg. Auch sie ergänzten ihren Kader, wählten in SP Cole Hamels (Rangers) und RP Brandon Kintzler (Nationals) aber günstigere Optionen, deren Nützlichkeit sich erst noch zeigen muss: Hamels erlebt bislang das schwächste Jahr seiner Karriere und Kintzler stand in Washington im Verdacht, die undichte Stelle zu sein, welche negative Nachrichten über die Stimmung im Clubhouse durchsickern ließ. Die Pittsburgh Pirates (56-53) stehen nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (55-53), aber beide verfolgen gegensätzliche Strategien für den Rest der Saison: Die Trades der Cardinals sind klar darauf gerichtet, Weichen für die Zukunft zu stellen, die der Pirates hingegen sprechen für einen Angriff auf den zurzeit noch vier Spiele entfernten Wild-Card-Platz. Die Cincinnati Reds (48-60) waren erstaunlich zurückhaltend mit Trades; für SP Matt Harvey fanden sie offenbar keinen Abnehmer.

    In der NL West geht es nach wie vor hauteng zu. Dementsprechend waren die Arizona Diamondbacks (60-49), die Los Angeles Dodgers (60-49) und die Colorado Rockies (58-49) bemüht, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verstärken. Der Rahmen der Möglichkeiten ist bei den Dodgers traditionell etwas größer und so gelang es ihnen, mit SS/3B Manny Machado (Orioles) und 2B Brian Dozier (Twins) zwei Top-Leute zu holen. Die Diamondbacks ergänzten mit weniger spektakulären Namen, aber dennoch sinnvoll ihr Infield und ihren Bullpen, während die Rockies sich auf RP Seunghwan Oh (Blue Jays) als Neuzugang beschränkten. Bei den San Francisco Giants (55-54) gab es Gerüchte, dass Madison Bumgarner und Andrew McCutchen zu haben sein könnten, aber letzten Endes entschied man, an den Deadline-Trades dieses Jahr nicht teilzunehmen. Die San Diego Padres (42-68) beließen es bei nur einem Trade, der aber immerhin brachte ihnen für zwei Reliever das Top-Prospect C Francisco Mejia von den Indians ein.

    Szene der Woche
    Nach all den vielen Trades in den letzten Tagen bleibe ich auch in dieser Kategorie beim Thema: Selten war ein Trade so schön anzusehen wie der des Relievers Jake Diekman von den Rangers zu den Diamondbacks. Der Deal fand statt in der Mitte einer Zwei-Spiele-Serie der Rangers in Arizona. Diekman war somit bereits in der richtigen Stadt und musste nur seine Tasche packen und von der einen Kabine in die andere umziehen. Das tat er so stilvoll wie es nur geht, indem er dafür das Bullpen Cart der Diamondbacks nutzte und sich von deren Maskottchen, dem Rotluchs D. Baxter, kutschieren ließ.

    Statistik der Woche 
    10. So viele RBIs erzielte Catcher Franciso Arcia in den beiden ersten Spielen seiner MLB-Karriere am Donnerstag und am Samstag für die Los Angeles Angels. Der Venezolaner stellte damit einen neuen Rookie-Rekord auf. Besonders erstaunlich an der Sache ist, dass es sich bei Arcia um kein hochgelobtes und -bezahltes Prospect handelt, sondern um einen 28-Jährigen, der zwölf Jahre lang in den Minor Leagues gespielt und auf seine Chance gewartet hat. Nachdem die Angels Catcher Martin Maldonado zu den Astros getradet haten, hat er diese Chance endlich bekommen – und sie für den Anfang definitiv genutzt.

    Spiel der Woche
    Man könnnte hier das 25:4 der Nationals über die Mets anführen mit den meisten Runs eines MLB-Teams seit elf Jahren und der höchsten Niederlage in der Franchise-Geschichte der New Yorker. Aber ich will nicht schon wieder mit meinem Gejammer über die Mets nerven. Nein, mein Spiel der Woche war das gestrige 6:4 der Dodgers gegen die Brewers. Gründe dafür gibt es genug: Erstens war es eine sehr spannende Partie, die nach mehrfachen Führungswechseln erst im zehnten Inning per Walkoff-Homerun durch Yasmani Grandal entschieden wurde. Zweitens war es für beide Teams ein wichtiges Spiel, weil jedes von ihnen gewinnen musste, um in seiner jeweiligen Division auf Platz eins vorzurücken. Drittens spielten mehrere Akteure eine Rolle, die erst durch die jüngste Trade-Welle zu einem der Teams gekommen waren. Vor allem hatte 2B Brian Dozier ein starkes Debüt für die Dodgers, unter anderem mit seinem Homerun zum Ausgleich im zweiten Inning. Sehenswert war auch das Wiedersehen von Dodgers-Shortstop Manny Machado und Brewers-2B Jonathan Schoop – beide sind Freunde und waren vor ein paar Tagen noch Teamkameraden in Baltimore, aber natürlich hält das Machado nicht davon ab, solche Plays zu machen.

    Mein Einschalttipp
    Wenn die Boston Red Sox gegen die New York Yankees spielen, dann gilt in diesem Jahr noch etwas mehr als in jedem anderen: Da kann und sollte man nicht wegschauen. Gleich viermal hintereinander gibt es von heute bis Sonntag das Duell der Erzrivalen und zumindest eines davon findet zu einer europafreundlichen Uhrzeit statt, am Samstag um 22:05 Uhr unserer Zeit. Das Spiel könnt ihr wie üblich auf mlb.tv sehen, außerdem wird es auf DAZN gesendet und obendrein kostenlos gestreamt auf spox.com. Es gibt also keine Ausreden, es sich nicht anzusehen. Und weil in diesem Artikel kein Absatz ohne Bezug auf Trades auskommt, sei erwähnt, dass es am Samstag voraussichtlich zu einem Matchup zweier neu verpflichteter Starter kommen wird: Nathan Eovaldi (3.80 ERA, 4.01 FIP) wird nach dem Wechsel von den Rays seinen zweiten Start für die Red Sox absolvieren und J. A. Happ (4.05 ERA, 3.94 FIP) zum zweiten Mal für die Yankees antreten. Hinter dem ehemaligen Blue Jay steht allerdings noch ein Fragezeichen, da er sich die Hand-Mund-Fuß-Krankheit eingefangen hat und man abwarten muss, ob er am Samstag fit ist.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    April 26th, 2018 by Silversurger

    Die MLB-Saison ist noch jung und doch ist sie für fast ein Drittel der Teams bereits gelaufen. Klingt hart, ist aber so – jedenfalls, wenn man den in der Regel recht guten Prognosen von Fangraphs Glauben schenkt. Laut selbigen ist nach vier Wochen MLB bereits für neun der 30 Teams die Wahrscheinlichkeit für eine Playoff-Teilnahme auf ein Prozent oder weniger gesunken. Das ist schade für die Rays, Orioles, Tigers, Royals, White Sox, Rangers, Marlins, Reds und Padres. Es erleichtert ihnen aber andererseits, ihre Mühen und Planungen klar auf die längerfristige Entwicklung ihrer Teams auszurichten, was die meisten von ihnen ohnehin schon tun. Zum Vergleich: 2017 waren zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Teams so früh schon so deutlich abgeschrieben, die Padres und die Reds. 2018 geht die Schere also bislang deutlich schneller auseinander als im letzten Jahr und übrigens auch in den Vorjahren. Zum Glück sehen wir auf der anderen Seite der Tabellen aber auch einige sicher noch lange und enge Rennen um die Divisionen, sodass trotz der ungwohnt zahlreichen „Non-Contender“ für Spannung gesorgt ist. Insbesondere in der National League haben wir die interessante Situation, dass die Favoriten aller drei Divisionen mehr oder weniger einen Fehlstart hingelegt haben und nun schauen müssen, wie sie sich langsam wieder nach oben arbeiten.

    National League
    Auf die National League East trifft die Sache mit dem spannenden Rennen jedenfalls voll und ganz zu. Abgesehen von den Miami Marlins (7-17) machen sich hier alle Teams zurzeit berechtigte Hoffnungen, es in die Postseason zuschaffen. Da haben wir zunächst die New York Mets (15-7), die nach dem sehr starken Beginn zuletzt etwas nachgelassen haben. Insbesondere Matt Harvey und Steven Matz erlaubten sich schwache Starts, Harvey wurde sogar in den Bullpen herabgesetzt und ist damit alles andere als glücklich. Der von einer Verletzung zurückkehrende Justin Vargas soll das Loch in der Rotation stopfen. Sollten die Mets weiter schwächeln, stehen die Philadelphia Phillies (15-8) und die Atlanta Braves (13-10) schon bereit, um in die entstehende Lücke vorzustoßen. Beide spielen eine überraschend gute Saison und weisen mit +31 bzw. +27 bereits deutlich bessere Run Differentials auf als die Mets (+9). Die Braves erhoffen sich einen weiteren Schub durch ihr frisch im MLB-Kader angekommenes Top-Talent, den Outfielder Robert Acuna. Und dann gibt es da noch die Washington Nationals (11-14), die immer noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und gerade eine Serie gegen die San Francisco Giants verloren haben, auf lange Sicht aber nach wie vor als Favorit auf den Divisionssieg gelten.

    Die Parallele zur NL East ist unübersehbar, denn auch in der NL Central versteckt sich der Favorit, die Chicao Cubs (11-10) bislang auf dem vierten Platz. Und auch hier steht dahinter nur ein komplett hoffnungsloses Team, die Cincinnati Reds (5-19). Die Mannschaft der Stunde sind eindeutig die Milwaukee Brewers (16-9) mit derzeit acht Siegen am Stück. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass diese acht Siege gegen die Reds, die Marlins und die Royals eingefahren wurden, also gegen die wohl schlechtesten drei Teams der Liga. Umso mehr freue ich mich, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Cubs und den Brewers ansteht, die sicher dabei hilft, die Stärkenverhältnisse in der Division besser zu beurteilen. Mittlerweile nur noch Dritter sind die Pittsburgh Pirates (13-11), die einen furiosen Start hatten, dann aber von den letzten neun Spielen sieben verloren. Auch ihnen steht ein echter Härtetest bevor, denn am Wochenende müssen sie dreimal gegen die St. Louis Cardinals (14-9) ran, die ihrem Run Differential von +34 nach das aktuell stärkste Team der NL stellen.

    In der NL West finden wir den Favoriten einen Platz höher als in den beiden anderen Divisionen, aber zufrieden werden die Los Angeles Dodgers (11-12) damit sicher nicht sein. Zuletzt verloren sie zweimal hintereinander gegen die Marlins, unter anderem einen Start von Clayton Kershaw. Wobei Kershaw und die anderen Starter – außer vielleicht Rich Hill – kaum Schuld tragen an den enttäuschenden Ergebnissen der ersten vier Saisonwochen. Es sind vielmehr der Bullpen und die Offensive, die bislang nicht mehr als mittelmäßige Leistungen bringen und somit weit weniger als es den Ansprüchen in Los Angeles entspricht. Nutznießer davon sind bislang vor allem die Arizona Diamondbacks (16-7), deren Siegquote von 69,6% NL-Spitze ist. Beeindruckend ist vor allem das Pitching der Diamondbacks, das so wenige Runs (73) zugelassen hat wie kein anderes NL-Team. Sehr viele Runs mehr, nämlich 130, haben die Colorado Rockies (14-12) zugelassen. Das ist in Colorado ein Stück weit normal, doch mit 111 erzielten Runs und somit einem Run Differential von -19 trotzdem bei einer positiven Bilanz zu stehen, hat auch mit Glück zu tun, das man bekanntlich selten auf Dauer hat. Die San Francisco Giants (11-13) stehen beispielsweise mit genau dem gleichen Run Differential zwei Plätze weiter hinten. Anders als bei den Rockies ist es bei den Giants vor allem die Offense, die ihrem Job nicht gerecht wird; 76 Runs sind mit Abstand die wenigsten in der NL und auch MLB-weit haben nur die Royals (72 Runs) weniger gescort, allerdings mit zwei Spielen weniger.

    American League
    Die Boston Red Sox (18-5) sind immer noch das stärkste Team der MLB – sie haben die meisten Siege, die höchste Siegquote (78,3%), die zweitmeisten erzielten (131) sowie die zweitwenigsten erlaubten (67) Runs und das mit Abstand beste Run Differential (+64) der Liga. Und doch hat die Dominanz der Red Sox in den letzten Tagen einige deutliche Risse bekommen. Der Knackpunkt war der No-Hitter durch die Athletics (siehe „Spiel der Woche“), nach dem auch das nächste Spiel gegen die A’s und anschließend ein weiteres gegen die Toronto Blue Jays (14-9) verloren wurde. Letzte Nacht sah es in Toronto erneut nicht gut aus für die Red Sox, die aber dank der Einzelleistung von Mookie Betts mit zwei Homeruns knapp als Sieger vom Platz gingen. Nachdem die Red Sox nach ihrem Wahnsinns-Start also wieder etwas geerdet sind, wird es in der American League East richtig interessant. Außer den Blue Jays haben nun auch die New York Yankees (14-9) mit zuletzt fünf Siegen am Stück die Verfolgung voll aufgenommen. Fünf Siege hintereinander haben übrigens auch die Tampa Bay Rays (9-13) geschafft und nebenbei letzte Nacht eine der interessanten Storys der Woche geschrieben: Sechs Jahre und drei Tommy-John-Surgerys nach seinem letzten MLB-Einsatz feierte Pitcher Jonny Venters mit einem Relief-Einsatz gegen die Baltimore Orioles (6-18) sein Comeback. Es war ein kurzer, aber erfolgreicher Auftritt, in dem Venters sein Gegenüber Chris Davis in vier Pitches zu einem Groundout brachte.

    Die Cleveland Indians (13-9) tun das, was sie schon die ganze Saison über tun: in der Offense nur das Allernötigste, aber gerade genug, um auf der Basis hervorragenden Pitchings die Mehrzahl der Spiele zu gewinnen. Das tun sie in der AL Central derzeit relativ konkurrenzlos, denn mit den Detroit Tigers (10-12), den Chicago White Sox (5-16) und den Kansas City Royals (5-17) ist dieses Jahr generell kaum zu rechnen und nun sind auch noch die Minnesota Twins (8-11) mit sechs Niederlagen am Stück massiv abgestürzt. Nach je drei Niederlagen bei den Rays und den Yankees müssen sie heute noch einmal in New York antreten und sind dann sicher froh, diesen Auswärtstrip hinter sich zu haben. Zu Hause geht es am Wochenende gegen die Reds, die sich als Aufbaugegner für das schwächelnde Batting der Twins eignen könnten. Eine erschütternde Geschichte gibt es aus Chicago zu vermelden: Danny Farquhar, Reliever der White Sox, ist am Freitag während des Spiels gegen die Astros plötzlich bewusstlos zusammen gebrochen. Glücklicherweise wurde er schnell medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnblutung nach einem geplatzten Aneurysma festgestellt und operiert wurde. Die OP ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, Farquhar ist nach Auskunft der Ärzte ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen.

    Puh, wie leitet man nach so einer Nachricht am besten zurück zum sportlichen Geschehen in der AL West? Ich schätze, das geht nur mit einem harten Cut. Die Houston Astros (17-9) sehen in jeder Hinsicht aus wie das Championship-Team, das sie sind. Vom berüchtigten World Series Hangover gibt es keine Spur, die Offense schnurrt ebenso reibungslos wie das Pitching. Wenn der viertbeste Starter eines Teams Dallas Keuchel heißt und einen ERA von 3.10 aufweist und der sechstbeste Reliever Brad Peacock mit einem ERA von 2.84, dann läuft in Houston offenbar eine ganze Menge richtig. Eines ist allerdings anders als letztes Jahr: Während der Divisionssieg der Astros 2017 quasi von Anfang an ein Selbstläufer war, gibt es in dieser Saison unübersehbar Konkurrenz. Insgesamt vier Teams der AL West haben eine positive Bilanz, nach den Astros allen voran die Los Angeles Angels (16-9), die auch gerade eine Serie in Houston mit 2:1 entführen konnten. Ebenfalls positiv stehen die Seattle Mariners (13-10) und völlig unerwartet die Oakland Athletics (13-12), die acht ihrer letzten zehn Spiele für sich entschieden. Ich rechne zwar sowohl bei den Mariners als auch bei den Athletics damit, dass sie sich mittelfristig unter .500 einpendeln werden, aber ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, mich von ihnen weiterhin überraschen zu lassen. Eine Überraschung wäre auch, wenn die Texas Rangers (9-17) in diesem Jahr noch mal ein Bein auf den Boden bekämen. Nach einem ohnehin schwachen Saisonbeginn musste nun nach SS Elvis Andrus und 2B Rougned Odor auch noch ihr Star-3B Adrian Beltre mit einer Oberschenkelverletzung auf die Verletztenliste.

    Szene der Woche
    Diese Kategorie zu füllen, fällt mir regelmäßig am schwersten, weil bei über 90 Spielen pro Woche immer eine Riesenauswahl an tollen Szenen besteht. Unbedingt eine Erwähnung verdient hat diese Woche auf jeden Fall das Triple Play der Mariners gegen die Astros mit freundlicher Unterstützung von Evan Gattis. Bartolo Colon ist sowieso immer für ein Highlight gut, dieses Mal indem er ein Wettrennnen gegen Dee Gordon, einen der schnellsten Spieler der MLB, gewinnt. Die sehenswerteste Szene war für mich jedoch der Single von Ronald Torreyes im Spiel seiner Yankees gegen Toronto vom Freitag. Statistisch sollte man den Hit eigentlich nicht Torreyes gut schreiben, sondern seinem Bat, denn dieser hat den Job ganz allein erledigt, nachdem er seinem Träger aus der Hand gerutscht war

    Statistik der Woche 
    21. So viele Pitches sah Giants-1B Brandon Belt am Sonntag in einem At-Bat gegen Angels-Pitcher Jaime Barria. Das war das längste At-Bat seit mindestens 30 Jahren, vielleicht das längste aller Zeiten – vor 1988 gab es keine so exakten Aufzeichnungen. Belt lag im Count relativ schnell mit 1-2 zurück, foulte den Ball dann 16-mal weg, zwischendurch ließ er noch zwei Balls passieren. Erst den 21. Pitch, einen mittelhohen Inside-Fastball, schlug Belt ins Spiel und schied aus, indem Kole Calhoun den Ball im Rightfield aus der Luft fing.

    Spiel der Woche
    Die Saison 2018 hat ihren ersten No-Hitter und es ist einer für die Geschichtsbücher: Denn die Red Sox waren von ihrer Siege-Niederlagen-Bilanz her das beste Team, das im modernen Baseball je einen No-Hitter gegen sich hinnehmen musste. Obendrein waren die Red Sox das Team mit der zweitlängsten Serie ohne No-Hitter gegen sich. Vor 25 Jahren waren sie das letzte Mal ohne Hit geblieben. Länger ist es mit fast 27 Jahren nur bei den Oakland Athletics her – ausgerechnet bei den Athletics, die am Sonntag auf der anderen, der guten Seite des No-Hitters stehen durften. Einen interessanten Fakt habe ich noch: Sonnntag war das erste Mal seit 1990, dass ein Team ge-nohittet wurde, während es die MLB in erzielten Runs anführte. Der Pitcher, der damals gegen die Blue Jays den No-Hitter einfuhr: Dave Stewart von den Oakland Athletics. Dieses Mal war es Sean Manaea, der sich die für jeden Pitcher ganz besondere Auszeichnung ans Revers heften darf, in einem kompletten Spiel keinen einzigen Hit zugelassen zu haben. Zweimal hatte er dabei Glück mit – völlig vertretbaren – Entscheidungen der Scorer und der Umpires: zuerst im fünften Inning, als Sandy Leon die erste Base nach einem Drop von Marcus Semien erreichte und dieser als Error gewertet wurde; dann im sechsten, als Andrew Benintendi zunächst ein Single zugerechnet wurde, die Review aber doch ein Out ergab, weil er den Basepfad verlassen hatte, um einem Tag zu entgehen.

    Mein Einschalttipp
    In Washington läuft über das Wochenende eine interessante Serie, wenn die Nationals auf die Arizona Diamondbacks treffen. Die beiden Teams haben bislang auf unterschiedliche Weise überrascht: die Diamondbacks im positiven, die Nationals im negativen Sinne. Gelingt es den Nationals, in den drei Heimspielen den Knoten in ihrer Offense zum Platzen zu bringen, ausgerechnet gegen den pitchingstarken Gegner? Es geht in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1:05 Uhr unserer Zeit gleich mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Zack Godley und Stephen Strasburg los, das ihr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen könnt. Falls ihr in der Nacht lieber schlaft (oder noch gar nicht zu Hause seid?): Die beiden anderen Spiele der Serie kommen zu deutlich europafreundlicheren Zeiten am Samstag (22:05 Uhr) und – erneut auch auf DAZN – am Sonntag (19:35 Uhr).

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    März 29th, 2018 by Silversurger

    Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

    Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
    Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

    Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

    Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

    Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
    Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

    Und was wird aus Greg Holland?
    Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

    Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

    Steven Wright wird gesperrt
    Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

    Oh shit! 
    Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    März 13th, 2018 by Silversurger

    Die San Francisco Giants waren 2017 mit nur 64 gewonnenen Spielen das schlechteste Team der Liga. Von den Playoffs trennten sie am Ende der Saison satte 23 Siege, vom Divisionssieger Los Angeles Dodgers, mit dem sie sich eigentlich einen spannenden Zweikampf liefern sollten, sogar satte 40. Was war passiert? Es war einfach alles zusammen gekommen: eine langwierige Verletzung von Top-Ass Madison Bumgarner (beim Fahrradfahren!), Formschwächen bei sämtlichen anderen Starter sowie bei Closer Mark Melancon, eine erneute Gehirnerschütterung von First Baseman Brandon Belt, die schwächste Saison der Karriere von Outfielder Hunter Pence und mehrere gescheiterte Experimente bei der Besetzung des Leftfields und der dritten Base. Kurz gesagt, was schief gehen konnte ging schief. Ich glaube nicht, dass sich so eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison wiederholt. Dafür sprechen sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die sinnvollen Aktivitäten der Teamführung in der Offseason. Mit Evan Longoria und Andrew McCutchen wurden für die beiden Problemposten Third Base und Leftfield zwei etablierte Größen geholt, der Bullpen wurde mit Tony Watson verstärkt und Melancon ließ eine Operation über sich ergehen, um die mutmaßliche Ursache für sein ungewohnt schwaches Jahr zu beheben. Das alles sollte dazu beitragen, dass die Giants sich dieses Jahr wieder auf einem Niveau einrichten, das näher am Potenzial ihres Kaders liegt. Für eine Playoff-Teilnahme müsste allerdings dieses Jahr genauso viel plötzlich optimal laufen wie letztes Jahr plötzlich schlecht lief. Vielleicht hilft es den Giants ja, dass es ein gerades Jahr ist, denn bisher waren das in diesem Jahrzehnt für sie immer die besseren Jahre, drei Championships 2010, 2012 und 2014 eingeschlossen. Die starke Konkurrenz in der Division wird sich allerdings wenig um Aberglauben und um Erinnerungen an bessere Zeiten scheren – an den Dodgers führt auf absehbare Zeit kein Weg vorbei und die Diamondbacks und die Rockies sind auch nicht schlechter geworden.

    Voraussichtliches Lineup
    C Buster Posey
    1B Brandon Belt
    2B Joe Panik
    SS Brandon Crawford
    3B Evan Longoria
    LF Hunter Pence
    CF Austin Jackson
    RF Andrew McCutchen

    Voraussichtliche Rotation
    SP Madison Bumgarner
    SP Johnny Cueto
    SP Jeff Samardzija
    SP Chris Stratton
    SP Ty Blach
    Closer Mark Melancon

    Wichtigster Zugang
    OF Andrew McCutchen (Pittsburgh Pirates)

    Wichtigster Abgang
    IF Christian Arroyo (Tampa Bay Rays)

    Bestes Prospect
    OF Heliot Ramos

    Größte Stärke
    Madison Bumgarner: MadBum ist der unumstrittene Star des Teams und das bleibt er auch nach der Ankunft von Longoria und McCutchen, die in ihren bisherigen Teams jeweils selbst das „Gesicht der Franchise“ gewesen waren. Falls die Giants es zurück in die Playoffs schaffen sollten, wäre ihnen dort allein dank Bumgarners enormer Klasse und Einsatzbereitschaft alles zuzutrauen.

    Größte Schwäche
    Run-Scoring: Die Giants haben letztes Jahr die zweitwenigsten Runs (639), die wenigsten Homeruns (128), die zweitgeringste On-Base-Percentage (.309) und das geringste Slugging (.380) der MLB produziert. So schlimm wird es wohl nicht wieder werden, aber die Giants bleiben ein Team, das über Pitching und Defense zum Erfolg findet oder eben nicht.

    Spannendste Frage
    Kriegt der Rest der Rotation die Kurve? Jeder der vier voraussichtlichen Starter hinter Bumgarner zeigte 2017 ein spezielles Problem – Johnny Cuetos ließ zu viele Walks zu (3.24 BB/9), Jeff Samardzija zu viele Homeruns (1.30 HR/9), Chris Stratton sehr viele Linedrives (28,4% aller batted balls) und Ty Blach produzierte extrem wenige Strikeouts (10,6%). Hier ist anzusetzen, wenn der Turnaround gelingen soll.

    Prognose
    Platz 4 in der NL West

    Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

    Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

    Januar 25th, 2018 by Silversurger

    Wenn schon die aktuellen Stars der MLB keine Schlagzeilen in Form von Free-Agent-Signings oder Trades machen, dann müssen zumindest die von früher dafür sorgen, dass es etwas zu berichten gibt: Gleich vier Spieler werden dieses Jahr nach Wahl durch die Baseball Writers‘ Asscociation of America (BBWA) neu in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Deutschlands erster MLB-Spieler Donald Lutz wird es dorthin vermutlich nicht schaffen, aber dafür steht er am Anfang einer hoffentlich erfolgreichen Trainerkarriere. Ein paar Roster-Moves in den Big Leagues gab es diese Woche natürlich auch, aber die großen Namen kamen darin erneut nicht vor. Selbst die Gerüchteküche köchelt auf sehr kleiner Flamme – lediglich von Yu Darvish und Lorenzo Cain liest man zurzeit vermehrt, dass ihre Entscheidungen, wo sie unterschreiben werden, kurz bevor stehen sollen.

    Jones, Guerrero, Thome und Hoffman sind gewählt
    Am 29. Juli 2018 wird die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse im Rahmen einer Zeremonie in Cooperstown offiziell in die Ruhmeshalle des Baseballs aufgenommen. Das ist zwar noch gut ein halbes Jahr hin, aber vergangene Nacht wurde bereits bekannt gegeben, welche Spieler die Wahlberechtigten der BBWA für die diesjährige Aufnahme auserkoren haben. Erst zum zweiten Mal seit 1955 gelang es vier Spielern auf einmal, die erforderliche 75%-Mehrheit zu erreichen.

    Das beste Ergebnis erzielte gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit Larry „Chipper“ Jones mit 97,2%. Der Third Baseman hatte seine Karriere 2012 nach 19 Jahren in der MLB beendet. Er brachte es auf 2.726 Hits, 468 Homeruns und einen MVP-Titel in der National League. Als Switch-Hitter brachte er es auf Karriere-Averages von über .300 von beiden Seiten der Homeplate. Jones spielte nie für ein anderes Team als die Atlanta Braves, mit denen er 1995 die World Series gewann.

    Vladimir Guerrero erhielt 92,9% der Stimmen und wird damit der dritte Spieler – und gleichzeitig der erste Batter – aus der Dominikanischen Republik sein, der Aufnahme in die Hall of Fame findet. Der Rightfielder und DH blickt zurück auf 16 Jahre in der MLB, die meisten davon mit den Montreal Expos und den Anaheim bzw. Los Angeles Angels. Mit einer Karriere-Slashline von .318/.379/.553 und 449 Homeruns ist der AL-MVP von 2009 ein würdiger Hall of Famer.

    Das gleiche lässt sich über Jim Thome sagen, der mit 89,8% genau wie Jones gleich im erstmöglichen Jahr in die Hall of Fame gewählt wurde. Thome absolvierte bei sechs verschiedenen Teams 22 MLB-Jahre, gut die Hälfte davon für die Cleveland Indians. Da er als 1B und 3B ein eher unterdurchschnittlicher Fielder war, spielte der Power-Hitter vor allem in der zweiten Hälfte seiner Karriere oft als DH. Mit 612 Homeruns belegt er Platz acht in der ewigen Rangliste, was für sich allein schon Rechtfertigung genug für die Aufnahme in die Hall ist; er hat aber auch die siebtmeisten Walks (1.747) aller Zeiten und dadurch eine Karriere-On-Base-Percentage von über .400 erzielt.

    Trevor Hoffman war 2017 noch der große Pechvogel, als ihm mit 74% nur 20 Stimmen zur Wahl im ersten Jahr fehlten. Dieses Jahr kam er auf 79,9% und somit klar über die Schwelle. Hoffman brachte es in 18 Jahren – mehr als 15 davon für die San Diego Padres – auf 601 Saves, einen nur von Mariano Rivera übertroffenen Wert. Er wird der fünfte Reliever in der Hall of Fame sein. Der sechste wird dann übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Rivera, der nächstes Jahr zum ersten Mal auf dem Stimmzettel stehen wird.

    Neben Rivera dürfte Edgar Martinez als ein sicherer Tipp für die Wahl 2019 gelten. Er ist dann, nachdem er dieses Mal mit 70,4% erneut nicht den Sprung schaffte, zum zehnten und letzten Mal wählbar. In aller Regel sind die Stimmberechtigten im letzten Jahr der Wählbarkeit eines Spielers, der mehrfach nah dran war, großzügig.

    Vierzehn ehemalige MLB-Spieler landeten im ersten Jahr ihrer Wählbarkeit unter der Schwelle von 5%, die ihnen eine zweite Chance im nächsten Jahr ermöglicht hätte. Der prominenteste davon ist Johan Santana. Santana pitchte nicht nur den einzigen No-Hitter in der Geschichte der New York Mets, er war mit einem ERA+ von 136 auch sonst ein sehr erfolgreicher Pitcher. Für die Kernzeit seiner Karriere von 2002 bis 2010 hatte er unter allen Startern, die in dieser Zeit mindestens 500 Innings pitchten, mit 2.89 den niedrigsten ERA. Es ist somit nicht übertrieben zu sagen, dass er der beste Pitcher seiner Generation war. Leider verkürzten Verletzungen seine Zeit in der MLB und trugen dazu bei, dass Santana auch heute nicht die Anerkennung zuteil wird, die er verdient hätte.

    Giants verpflichten Austin Jackson
    Die San Francisco Giants sind eines von vielleicht vier, fünf MLB-Teams, die an der Ereignisarmut dieser Offseason keine Mitschuld tragen. Eine Woche nach dem Trade für Andrew McCutchen haben die Giants nun in Austin Jackson einen weiteren Outfielder verpflichtet. Der 31-Jährige war zuletzt für die Cleveland Indians aktiv und füllte dort die Rolle eines Reserve- und Ergänzungsspielers aus, der besonders gegen linkshändiges Pitching gute Ergebnisse erzielte. Er wird in San Francisco wohl eine ähnliche Rolle spielen. Wenn die Giants nicht noch einen Centerfielder für jeden Tag verpflichten – jemanden wie Lorenzo Cain zum Beispiel –, dann dürfte ein Platoon aus Steve Duggar gegen Rechts- und Jackson gegen Linkshänder ein realistisches Szenario sein. Jackson erhält sechs Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag.

    Randal Grichuk zu den Blue Jays 
    Auch die Toronto Blue Jays arbeiten an ihrem Outfield. Letzte Woche verpflichteten sie schon den Veteranen Curtis Granderson, nun kommt nach einem Trade mit den St. Louis Cardinals noch Randal Grichuk hinzu. Der 26-Jährige war bei den Cardinals entbehrlich geworden, nachdem diese früher in der Offseason Marcell Ozuna von den Miami Marlins an Land gezogen hatten. Grichuk ist ein guter Defender, der alle drei Outfield-Positionen beherrscht, sowie ein Power-Hitter. Offensichtliche Probleme hat er bei der Plate-Disziplin: In jeder seiner bisher drei MLB-Saisons endeten rund 30% seiner At-Bats mit einem Strikeout und nur rund 6% mit einem Walk. Für Grichuk wurden Reliever Dominic Leone und Pitching-Prospect Conner Greene nach St. Louis geschickt.

    Vier Reliever für die Diamondbacks
    Die Arizona Diamondbacks versuchen offenbar, ihren Bullpen möglichst kostengünstig aufzurüsten: In den letzten Tagen statteten sie in Antonio Bastardo, Fernando Salas, Kris Medlen und Michael Blazek gleich vier MLB-erfahrene Reliever mit Minor-League-Verträgen aus. Wenn einer oder zwei davon es schaffen, ihre Karriere mit soliden Leistungen wiederzubeleben, dann haben die Diamondbacks ein gutes Geschäft gemacht.

    Neuer Job für Donald Lutz
    Der ganz große Durchbruch ist ihm als Spieler leider nie gelungen, dennoch hat Donald Lutz einen festen Platz in der Baseball-Geschichte als erster Deutscher, der es bis in die MLB schaffte. Zurzeit spielt der 28-Jährige sehr erfolgreich mit den Brisbane Bandits um die australische Meisterschaft, doch im Anschluss geht es zurück nach Amerika: Lutz steigt als Bench Coach bei den Arizona League Reds, einem Rookie-Farmteam der Cincinnati Reds, ein. Lutz war als Spieler von 2007 bis 2016 für die Reds aktiv gewesen und hatte für sie 2013 und 2014 insgesamt 62 MLB-Einsätze. Ich drücke ihm die Daumen, dass er auch als Coach Baseball-Geschichte schreibt.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    Januar 23rd, 2018 by Silversurger

    Im dritten Teil der Ballparks-Serie stelle ich zum ersten Mal einen Ballpark an der Westküste vor. Der AT&T Park in San Francisco ist wohl der einzige in der Liga, der es mit dem letzte Woche vorgestellten PNC Park in Sachen Aussicht aufnehmen kann.

    AT&T Park mit dem herrlichen Blick über die Bay bis nach Oakland1

    Geschichte
    Der Ballpark ist seit dem 11. April 2000 die Heimat der San Francisco Giants. Diese bzw. ihr damaliger Owner Peter Magowan finanzierten das 357 Millionen Dollar teure Stadion auf eigene Faust. Es war damit der erste rein privat finanzierte Ballpark seit der Eröffnung von Dodger Stadium im Jahr 1962. Das Land, auf dem er steht, haben die Giants allerdings nur gemietet. 1,2 Millionen Dollar überweisen sie dafür im Rahmen eines 66 Jahre lang laufenden Vertrages jährlich an die Hafenverwaltung von San Francisco.

    An das Eröffnungsspiel denkt man in San Francisco sicher nur sehr ungern zurück: Mit 5:6 unterlag man ausgerechnet dem ewigen Rivalen, für den Kevin Elster drei Homeruns erzielte, darunter den ersten in der Geschichte des Parks. Das Stadium wurde eröffnet mit einem Fassungsvermögen von 40.800 Zuschauern, innerhalb der ersten Jahre seines Bestehens aber mehrfach um einige Plätze erweitert, sodass nun 41.915 Leute hineinpassen. Mit etwas gutem Willen lässt sich auch ein bisschen mehr herausholen, so zum Beispiel während der Playoffs 2010, als einem NLDS-Spiel gegen die Braves 44.046 Zuschauer beiwohnten. Noch mehr Menschen passen natürlich hinein, wenn beispielsweise für Konzerte Teile des Innenraums geöffnet werden. Die Rekordzahl von 50.786 erreichte die Dave Matthews Band am 12. August 2005.

    Einige Jahre lang zog der Ballpark an der Bay Spott auf sich, weil er häufig seinen Namen wechselte. Die Namensrechte wurden zwar schon während der Planungsphase für 24 Jahre von der Telefongesellschaft Pacific Bell erworben, doch weil diese von SBC Communications übernommen wurde, hieß das als „Pacific Bell Park“ eröffnete Stadion ab 2004 „SBC Park“. Diesen Namen behielt es nur knapp zwei Jahre lang, bis es nach einer weiteren Übernahme zum „AT&T Park“ umgetauft wurde.

    Architektonische Auffälligkeiten
    AT&T Park weist zahlreiche Parallelen zum PNC Park in Pittsburgh auf, auch wenn die von Stahl, Klinker und zwei 37 Meter hohen Uhrtürmen dominierte Außenfassade sich deutlich von diesem unterscheidet. Beide Stadien beziehen einen guten Teil ihrer Schönheit aus der Lage direkt am Wasser, beide haben des Ausblicks wegen sehr niedrige Outfield-Tribünen und beide haben im Rightfield eine Mauer stehen, deren Höhe sich an einem legendären Spieler des Teams orientiert: In Pittsburgh ist sie 21 Fuß (6,4 Meter) hoch wegen der Rückennummer von Roberto Clemente, in San Francisco 24 Fuß (7,3 Meter) wegen Willie Mays. Die Parallelen sind unter anderem darin zu begründen, dass beide Stadien mit nur einem Jahr Abstand vom gleichen Architekturunternehmen gebaut wurden. Die Planer des Unternehmens Populous zeichnen übrigens nicht nur für diese beiden, sondern für gut die Hälfte aller aktuellen MLB-Ballparks verantwortlich.

    Panorama-Ansicht von AT&T Park mit der Bay Bridge im Hintergrund und ganz rechts den Kajak-Paddlern in McCovey Cove2

    Anders als in PNC Park kommt es regelmäßig – das heißt mehrmals im Jahr – vor, dass Homeruns ins angrenzende Gewässer fliegen. Solche Homeruns, sofern sie von Giants-Spielern erzielt werden, werden unter der Bezeichnung „Splash Hits“ auf einer speziellen Anzeigetafel gezählt. Die betreffenden Bälle sind besonders beliebt bei Souvenirjägern, die großen Einsatz treiben, um einen davon zu erobern. Fischernetze, Boote, Kajaks und Neoprenanzüge sind nur einige der zahlreichen Vorkehrungen, mit denen sie am und auf dem McCovey Cove genannten Teil der Bay auf die Sammlerstücke lauern.

    Willie Mays ist omnipräsent: Den Haupteingang zieren seine Statue sowie 24 Palmen in Gedenken an die Rückennummer 243

    Spielbezogene Eigenheiten
    Obwohl Barry Bonds hier einen guten Teil seiner Homerun-Rekorde eingefahren hat, ist AT&T Park kein hitterfreundlicher Ballpark. Die Outfielddimensionen sind mit 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield, 404 Fuß (123 Meter) im mittleren Leftfield und 421 Fuß (128 Meter) im mittleren Rightfield recht groß. Nur dem äußeren Rightfield (309 Fuß, 94 Meter) war beim Bau durch die Lage an der Bay eine enge natürliche Grenze gesetzt, die aber durch die oben erwähnte Mauer wettgemacht wird.

    Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist AT&T Park das ungünstigste Pflaster der ganzen MLB für das Erzielen von Homeruns und das viertschlechteste für das Erzielen von Runs insgesamt. Vor allem Homeruns von Linkshändern sind in diesem Stadion nicht nur deshalb besonders spektakulär, weil sie manchmal in McCovey Cove landen, sondern auch weil sie so selten vorkommen.

    Wo sitzt man am besten?
    Gemeinsam mit Fenway Park und Wrigley Field gehört AT&T Park zu den Stadien der MLB, die sehr häufig ausverkauft sind und deren Besuch man daher sorgfältig planen sollte, selbst wenn es um ein Spiel unter der Woche und gegen einen vermeintlich weniger attraktiven Gegner geht.

    Wie in fast allen Ballparks hat man die beste Sicht von den Field-Level-Plätzen um das Infield herum (Section 107-124). Mit 85 bis 250 Dollar pro Ticket sind das – von besonderen Logen abgesehen – natürlich auch die teuersten Plätze. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und guter Sicht sowohl aufs Spielfeld als auch auf die Bay sind die View Boxes der Sections 304 bis 308, die man je nach Spiel für 22 bis 48 Dollar bekommt.

    In San Francisco gibt es sogar eine Option für den Fall, dass man entweder leer ausgegangen ist oder überhaupt kein Geld für einen Stadionbesuch ausgeben, aber trotzdem mal ein bisschen Atmosphäre schnuppern möchte: Zwischen Rightfield und McCovey Cove gibt es einen Weg direkt am Wasser, von dem aus man das Spiel durch einen Zaun verfolgen kann. Der Zugang zu dieser Stelle ist begrenzt auf 24 Personen und drei Innings, das heißt nach dem dritten, sechsten und ggf. neunten Inning wird der Bereich geräumt und 24 neue Zaungäste dürfen die Plätze einnehmen.

    Noch ein gut gemeinter Tipp: Zieht euch warm an, wenn ihr AT&T Park besucht. In San Francisco ist es auch im Sommer oft windig und/oder neblig und für den Standort des Stadions direkt an der Bay gilt das ganz besonders.

    1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Coasttocoast (CC BY-SA 3.0)
    2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Daniel Schwen (CC BY-SA 2.5)
    3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Dllu (CC BY-SA 4.0)

    Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , , ,

    Dezember 21st, 2017 by Silversurger

    Kurz vor Weihnachten zeigen sich viele Front Offices rührig, um ihre Teams und deren Fans mit der einen oder anderen Weichenstellung für die kommende Saison zu bescheren – und natürlich, um sich selbst ein bisschen Ruhe über die Feiertage zu sichern, denn erfahrungsgemäß ist dies der Zeitpunkt, an dem die Beatwriter und Analysten unruhig werden, wenn ihr Team in der Offseason noch keine oder nur wenige Erfolge vermelden konnte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen diese Woche zwei interessante Trades. Zudem hat sich einiges auf dem Free-Agent-Markt getan, besonders in Bezug auf First Basemen.

    Braves und Dodgers traden, um zu sparen
    Outfielder Matt Kamp kehrt von den Atlanta Braves zurück zu den Los Angeles Dodgers, für die er schon von 2006 bis 2014 gespielt hatte. Im Gegenzug schicken die Dodgers 1B Adrian Gonzalez, SP Scott Kazmir, SP Brandon McCarthy, Infielder Charlie Culberson und zusätzlich Geld nach Los Angeles. Das Bemerkenswerte an diesem Trade ist, dass er – außer Ergänzungsspieler Culberson – auf beiden Seiten lauter Spieler umfasst, die dank alter Verträge deutlich mehr Geld verdienen als sie zuletzt durch Leistung rechtfertigen konnten. Beide Teams haben mit dem Deal ihre Payrollsituation verbessert, die Dodgers für dieses und die Braves für nächstes Jahr. Die Spieler, die die Braves erhalten haben, kosten für 2018 rund 52 Millionen Dollar. Das ist ein Haufen Geld, tut den Braves aber nicht allzu weh, weil sie 2018 keine großen Pläne haben und lieber in diesem Jahr überbezahlen als im Jahr darauf – und dann sind die betreffenden Spieler alle Free Agents. Adrian Gonzalez wurde von den Braves von vornherein als so nutzlos abgestempelt, dass sie ihn direkt nach dem Trade entlassen haben – seine 22,375 Millionen zahlen sie ihm trotzdem und nun kann er sich ein Team suchen, das ihn für ein Minimalgehalt spielen lässt.

    Matt Kemp hingegen hat noch zwei Jahre Vertrag und erhält dafür 43,5 Millionen Dollar. Als Spieler wird er den Dodgers nicht viel weiterhelfen, aber es hilft ihnen deutlich, dass sie die Gehälter der anderen los sind und Kemps Gehalt sich auf 2018 und 2019 verteilt. Auf diese Weise halten sie die Payroll für 2018 niedriger und müssen weniger oder sogar gar keine Strafabgabe an die Liga bezahlen. Wenn sie um die Luxussteuer ganz herum kommen, zahlt es sich für sie besonders aus, denn diese steigt deutlich an, wenn man mehrere Jahre in Folge über der festgelegten Schwelle liegt. Die Dodgers lagen zuletzt zwei Jahre hintereinander darüber.

    Rays senden Longoria nach San Francisco
    Der zweite große Trade der Woche hat deutlich mehr mit sportlichen Ambitionen zu tun als der erste: Die San Francisco Giants füllen eine klaffende Lücke in ihrem Lineup, indem sie 3B Evan Longoria von den Tampa Bay Rays holen. Damit signalisieren die Giants deutlich, dass sie die enttäuschende Saison 2017 schnell hinter sich lassen und schon nächstes Jahr wieder wettbewerbsfähig sein wollen. Die Rays lassen nach zehn Jahren, die Longoria für sie spielte, das Gesicht ihrer Franchise ziehen. Im Gegenzug für den 32-Jährigen erhalten sie Outfielder Denard Span, Infield-Prospect Christian Arroyo und zwei Minor-League-Pitcher. Die Kernkomponente auf dieser Seite des Trades ist Arroyo, der als herausragendes Talent gilt und den Deal zu einem klassischen Tausch macht zwischen einem Team, das kurzfristige Erfolge sucht (den Giants), und einem, dass beim Aufbau seines Kaders noch ein paar Jahre Zeit hat (den Rays).

    Der Markt für die erste Base lichtet sich 
    Oft fallen die Free Agents auf bestimmten Positionen wie Dominosteine, sobald einer den Anfang macht. In der Vorwoche kamen vor allem die Relief Pitcher in den Genuss, dass fast jedes Team sich einen von ihnen sichern wollte. Diese Woche waren die First Basemen an der Reihe. Den größten Paukenschlag landeten die Philadelphia Phillies, die sich für 60 Millionen Dollar für drei Jahre die Dienste von Carlos Santana sicherten. Dieser Move kam äußerst überraschend, denn erstens lässt er sich kaum mit dem laufenden Rebuilding-Projekt der Phillies in Einklang bringen und zum anderen wirft er die Frage auf, wo die Phillies mit ihrem jungen und vielversprechenden 1B Rhys Hoskins hin wollen. Wenn mir DEN Sinn dieser Verpflichtung jemand erklären kann: Ich bin ganz Ohr.

    Die Cleveland Indians, Santanas bisheriger Club, haben direkt einen Nachfolger geholt und für zwei Jahre Yonder Alonso (bisher Athletics) verpflichtet. 1B Matt Adams ist unterdessen mit einem Einjahresvertrag bei den Washington Nationals untergekommen und Mitch Moreland hat sich mit den Boston Red Sox für zwei weitere Jahre geeinigt. Interessante First Basemen, die noch ohne neues Teams sind, sind Eric Hosmer (Royals), Logan Morrison (Rays), Mike Napoli (Rangers), Adam Lind (Nationals) und Lucas Duda (Rays).

    Freddy Galvis nach San Diego
    Ein weiterer Move der Phillies in dieser Woche erscheint deutlich nachvollziehbarer als die oben erwähnte Verpflichtung von Carlos Santana: Shortstop Freddy Galvis wurde für Pitching-Prospect Enyel De Los Santos zu den San Diego Padres getradet. Galvis ist einer der besten defensiven Shortstops der Liga, gleichwohl hatten die Phillies keine Verwendung mehr für ihn. Sein Vertrag läuft ohnehin nach der Saison 2018 aus und der talentierte J. P. Crawford gilt den Phillies als ihr Shortstop der Zukunft (und jetzt wohl auch der Gegenwart).

    Brewers, Yankees und Rangers ergänzen Rotation
    Zu den populäreren Namen des Free-Agent-Marktes für Pitcher wie Yu Darvish, Jake Arrieta und Lance Lynn gibt es noch keine Vollzugsmeldungen, aber einige solide Ergänzungen einer Starting Rotation konnten in den letzten Tagen an den Mann gebracht werden: Jhoulys Chacin (bisher Padres) läuft die nächsten zwei Jahre für die Milwaukee Brewers auf, C. C. Sabathia bleibt für ein weiteres Jahr bei den Yankees und Matt Moore wurde für zwei Pitching-Prospects von San Francisco zu den Texas Rangers getradet. Nach einer Saison zum Vergessen (5.52 ERA) erhält Moore die Chance auf einen Neuanfang in veränderter Umgebung.

    Mets verlängern Vertrag von GM Alderson 
    Die New York Mets verbringen bislang eine sehr zurückhaltende Offseason mit Reliever Anthony Swarzak als einziger nennenswerter Neuverpflichtung. Die seit zwei Jahren andauernde Untätigkeit sowie der offensichtliche Unwille, sich zum Status eines Big-Market-Teams zu bekennen und entsprechend in den Kader zu investieren, haben in den vergangenen Tagen deutliche Kritik etablierter Beatwriter wie Marc Carig von Newsday und Joe D von Metsmerized an den Ownern Fred und Jeff Wilpon sowie an General Manager Sandy Alderson hervorgerufen. Die beiden verlinkten Artikel kann ich übrigens sehr empfehlen, sie sprechen mir und sicherlich vielen weiteren Mets-Fans aus der Seele.

    Die bislang einzige Reaktion der Mets bestand darin, dass sie gestern die Verlängerung von Aldersons Vertrag bekannt gegeben haben. Ganz offensichtlich ist man bereit, sich dem Wettbewerb zu stellen – wenn auch leider nur dem Wettbewerb mit Derek Jeter und Co. um die unbeliebteste Vereinsführung der Liga…

    Die skurrilste Verletzung des Jahres 
    Martin Perez, Starting Pitcher der Texas Rangers, hat sich am Ellbogen verletzt. Er musste operiert werden und obwohl die Verletzung zum Glück nur den rechten Arm des Linkshänders betrifft, wird Perez wohl nicht vor Mai auf dem Platz stehen können. So etwas ist bedauerlich, aber im Profisport durchaus an der Tagesordnung. Ungewöhnlich ist aber, wie er sich die Verletzung zugezogen hat. Von einem „Vorfall mit einem Bullen“ war zunächst die Rede, was eine Reihe von Spekulationen zuließ: Hatte Perez den Bullen geritten und war abgeworfen worden? War der Bulle ausgebrochen und hatte Perez mit den Hörnern attackiert? Es stellte sich heraus, dass der Vorfall nicht ganz so dramatisch, wenngleich nicht weniger peinlich war: Freizeit-Landwirt Perez hatte sich im Gehege des Bullen aufgehalten, der zwar angebunden war, aber wohl eine plötzliche Bewegung in Perez‘ Richtung machte. Als Perez vor Schreck zurück wich, fiel er hin und landete unsanft auf dem Ellbogen.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,