Januar 21st, 2021 by Silversurger

Aus dem Hot Stove dampft es gewaltig, die Offseason der MLB kommt endlich in Schwung. Drei der Top-10-Free-Agents und eine Menge weiterer interessanter Spieler sind in den letzten Tagen unter Dach und Fach gekommen. Die größten Schlagzeilen gehörten dabei den Blue Jays und den Yankees. Auch die Mets sorgten für Gesprächsstoff, aber da ging es leider weniger um sportliche Dinge als um das schlichtweg ekelhafte Verhalten eines – jetzt ehemaligen – leitenden Angestellten.  

Mets feuern GM Porter
Nur 37 Tage war Jared Porter in seinem Amt als General Manager der New York Mets. Dem 41-Jährigen wurde ein erst jetzt bekannt gewordener Vorfall aus dem Jahr 2016 zum Verhängnis. Er soll eine Journalistin sexuell belästigt haben, indem er ihr über 60 unverlangte und unbeantwortete aufdringliche Textnachrichten schickte, inklusive Bildern eines (seines?) erigierten Penis. 
„Typisch Mets“ könnte man denken, wenngleich die Vorfälle lange vor Porters Zeit in New York liegen und die Verantwortlichen des Klubs glaubhaft beteuern, von ihnen keine Ahnung gehabt zu haben, als sie sich für ihn entschieden. Der Eigentümer der Mets, Steven Cohen, reagierte innerhalb weniger Stunden nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe mit Porters Entlassung und betonte, es gebe unter seiner Führung „null Toleranz für diese Art des Verhaltens“. Team-Präsident Sandy Alderson wird den GM-Job nun vorerst selbst übernehmen und ohne Eile nach einem passenden Nachfolger für Porter suchen.
Seitens der Ligaleitung wird es eine Untersuchung der Vorwürfe geben, die voraussichtlich in einer befristeten oder unbefristeten Sperre Porters für jegliche Tätigkeit innerhalb der MLB enden dürfte.
Porter stellt den zweiten Fall innerhalb kurzer Zeit dar, in dem die Mets einen hochrangigen Angestellten einstellen und noch vor dem ersten Saisonspiel wieder feuern. Vor fast genau einem Jahr wurde Carlos Beltran von seinem erst zwei Monate zuvor angetretenen Mangerposten entbunden wegen der Rolle, die er im Sign-Stealing-Skandal der Astros gespielt hatte.

Blue Jays signen Springer
Sicher hätten die Verantwortlichen der Mets diese Woche lieber George Springer als Neuzugang vermeldet statt Fragen über das Geschlechtsteil ihres Ex-GM zu beantworten, doch das Rennen um den Centerfielder hat ein anderes Team gemacht: Die Toronto Blue Jays haben sich mit dem umworbenen Free Agent auf einen Sechsjahresvertrag geeinigt. Der dreifache All-Star bringt eine seltene Mischung aus starker Centerfield-Defense und noch stärkeren Offensivleistungen mit. Diese lassen die Blue Jays sich über den gesamten Vertragszeitraum hinweg 150 Millionen Dollar kosten.
Weil die Houston Astros als abgebender Verein dem 31-Jährigen ein Qualifying Offer vorgelegt hatten, wird für seine Verpflichtung eine Kompensation in Form von Draftpicks fällig: Die Astros erhalten einen zusätzlichen Pick in der vierten Runde der nächsten Draft, die Blue Jays verlieren dafür ihren Zweitrundenpick #54 sowie 500.000 Euro des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen. 

Yankees: LeMahieu bleibt, Kluber kommt
Angesichts der aufrüstenden Konkurrenz sowohl in der Stadt (Mets) als auch in der Division (Blue Jays) wollen die New York Yankees nicht zurückstehen. Als ersten Teil eines Doppelschlags haben sie am Freitag das monatelange Tauziehen um eine Weiterverpflichtung von Second Baseman D. J. LeMahieu erfolgreich beendet. Der 32-Jährige erhält einen Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar. Obwohl beide Seiten von vornherein an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert waren, zogen sich die Verhandlungen hin, weil die Yankees mit ihrer Payroll dieses Jahr unbedingt unter der Luxussteuer-Grenze von 210 Millionen Dollar bleiben wollten. Diesen Kurs können sie nun beibehalten, indem die Zahlungsverpflichtungen gegenüber LeMahieu auf eine relativ lange Vertragslaufzeit gestreckt werden.
Noch am selben Tag legten die Yankees nach mit einer Verstärkung der Starting Rotation. Corey Kluber unterschreibt einen Einjahresvertrag über 11 Millionen Dollar. Der 34-Jährige war bis vor zwei Jahren das Pitching-Ass der Cleveland Indians, bevor er 2019 erst durch Formschwäche und dann auch noch durch einen gebrochenen Arm aus der Bahn geworfen wurde. 2020 trug er das Trikot der Texas Rangers, für die er verletzungsbedingt nur ein einziges Inning warf. In einem Probetraining vor Vertretern fast aller MLB-Teams zeigte er letzten Mittwoch offenbar mit Erfolg, dass mit ihm 2021 wieder zu rechnen ist.

Brantley bleibt bei den Astros
Um Michael Brantley gab es gestern etwas Verwirrung: Zuerst hieß es kurz nach Bekanntwerden des Springer-Deals, auch Springers Freund und Outfield-Kollege Brantley sei sich mit den Blue Jays einig und werde einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Eine Stunde, nachdem diese Meldung die Runde gemacht hatte, dementierten die Blue Jays. Man sei interessiert an Brantley, aber es gebe noch keine Einigung. Nochmal gut zwei Stunden später dann die endgültige Kehrtwende: Brantley bleibt bei den Houston Astros. Der 33-Jährige erhält dort einen Zweijahresvertrag über 32 Millionen Dollar. Für die Astros ist das ein wichtiger Schritt, nachdem ihnen zuvor drohte, ihr komplettes bisheriges Stamm-Outfield – bestehend aus Springer, Brantley und Josh Reddick – in der Free Agency zu verlieren.
Neben Brantley haben sich die Astros auch einen neuen Catcher gesichert: Jason Castro kehrt nach vier Jahren in der Fremde zurück zu dem Verein, der ihn einst gedraftet hatte. Der 33-Jährige soll nach gerade eingetrudelten Meldungen einen Zweijahresvertrag bekommen, der sich wohl auf rund 7 Millionen Dollar beläuft. 

Weitere Neuverpflichtungen  
Auch die folgenden Spieler haben in den letzten Tagen neue Engagements in der MLB gefunden: SP Jose Quintana (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 8 Millionen Dollar), SP J. A. Happ (Minnesota Twins, 1 Jahr, 8 Millionen), RP Archie Bradley (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 6 Millionen), RP Kirby Yates (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 5,5 Millionen plus Boni), SP Martin Perez (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Vereinsoption, 5 Millionen plus Boni), SP Jon Lester (Washington Nationals, 1 Jahr plus beidseitige Option, 5 Millionen), SP Alex Wood (San Francisco Giants, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). SP/RP Tyler Chatwood (Blue Jays, 1 Jahr, 3 Millionen plus Boni). 

3-Team-Trade um Musgrove und Lucchesi 
Die San Diego Padres, die New York Mets und die Pittsburgh Pirates haben sich auf einen Dreiecks-Trade geeinigt. Involviert sind zwei MLB-Spieler: zum einen SP Joe Musgrove, der von Pittsburgh nach San Diego wechselt, zum anderen SP Joey Lucchesi, der von den Padres zu den Mets geschickt wird. Die Pirates erhalten durch den Deal eine Reihe von Prospects – C/OF Endy Rodriguez von den Mets sowie CF Hudson Head, SP Omar Cruz, RP David Bednar und SP Drake Fellows von den Padres. Head dürfte in dieser Reihe der interessanteste Name sein, er wurde bisher als Nummer acht unter den Talenten der Padres gelistet.

Don Sutton ist tot 
Zum zweiten Mal hintereinander schließt der Grand Slam am Donnerstag mit der Trauermeldung zu einer Dodgers-Legende: Gut eine Woche nach Tommy Lasorda ist am Montag Don Sutton gestorben. Sutton war von 1966 bis 1988 als Starting Pitcher in der MLB aktiv. Er spielte für fünf verschiedene Teams, aber in 16 von 23 Saisons war er ein Dodger. Nach der aktiven Karriere war er als TV-Kommentator tätig, unter anderem für die Atlanta Braves. 1998 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. Sutton erlag im Alter von 75 Jahren einer Krebserkrankung.

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Januar 7th, 2021 by Silversurger

Was für ein Start in das lang herbei gesehnte Jahr 2021: Zum Corona-Desaster kamen gestern Abend die unglaublichen und unwürdigen Szenen im und um das US-Kapitol hinzu. In Sachen Baseball gibt es derweil leider kaum Neues zu vermelden, das von den politischen und medizinischen Krankheiten ablenken könnte. Die wenigen nennenswerten Meldungen habe ich im Folgenden wie gewohnt zusammengefasst.  

MLB soll pünktlich starten, Minor Leagues später
Die MLB-Saison 2021 beginnt am 1. April. Angesichts der Pandemie sind solche Ankündigungen natürlich mit Vorsicht zu genießen, aber aktuell gehen sowohl die Liga als auch die Spielergewerkschaft MLBPA davon aus, dass der Termin gehalten wird. Entsprechende Ankündigungen wurden diese Woche veröffentlicht.
Anders sieht es für die Minor Leagues aus. Nachdem sie letztes Jahr wegen Corona die gesamte Saison absagen mussten, werden 2021 zumindest die Single-A- und Double-A-Ligen erst verspätet in den Spielbetrieb einsteigen. Die Entscheidung geht von der MLB aus, da man verhindern möchte, dass zu viele Spieler auf einmal an den Spring-Training-Standorten präsent sind. Die MLB- und wahrscheinlich auch die AAA-Teams sollen ihr Spring Training regulär durchführen, und erst wenn sie die Einrichtungen verlassen haben, rücken die Mannschaften der niedrigeren Ligen nach. Die Teams wurden bereits informiert, dass sie sich auf eine Saisondauer bis 3. Oktober einrichten sollen, einen vollen Monat länger als üblich.

Drei Free Agents weniger
Der Free-Agent-Markt entwickelt sich nach wie vor quälend langsam. Drei Namen kann man diese Woche von der Liste der Arbeitsuchenden streichen: Relief Pitcher Blake Treinen bleibt bei den Los Angeles Dodgers. Die beiden Seiten haben sich auf einen Zweijahresvertrag über 17,5 Millionen Dollar geeinigt; der Verein hat zudem die Option auf ein drittes Jahr. Outfielder Robbie Grossman heuert für zwei Jahre bei den Detroit Tigers an, die ihm dafür 10 Millionen Dollar zahlen. Die San Francisco Giants ergänzen ihren Kader um Catcher Curt Casali. Er erhält einen Einjahresvertrag über 1,5 Millionen Dollar.

Sugano entscheidet heute 
Einer der am stärksten umworbenen internationalen Free Agents ist der japanische Pitcher Tomoyuki Sugano. Für ihn endet heute Abend um 23 Uhr unserer Zeit das 30-tägige Zeitfenster für die Verpflichtung durch ein MLB-Team. Als Bewerber um seine Dienste wurden in den vergangenen Wochen die Boston Red Sox, die New York Mets, die San Diego Padres, die Texas Rangers, die Toronto Blue Jays und die San Francisco Giants genannt. Die meisten dieser Teams sind wohl aus dem Rennen, als wahrscheinlichste Kandidaten gelten kurz vor der Deadline die Blue Jays und die Giants. Es ist auch möglich, dass Sugano die Frist verstreichen lässt und sich damit für einen Verbleib bei den Yomiuri Giants in der NPB entscheidet. Der Klub hat ihm einen langfristigen Vertrag mit jährlicher Ausstiegsklausel angeboten für den Fall, dass er doch erst später sein Glück in der MLB suchen will.

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Dezember 17th, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen der MLB-Teams auf die Saison 2021 laufen auf Hochtouren – wann und in welcher Form diese angesichts der Pandemielage stattfinden wird, ist allerdings noch offen. Die Meldungen, die dazu bisher durchgedrungen sind, lassen auf Uneinigkeit zwischen der Ligaleitung und der Spielergewerkschaft schließen: Die MLB denkt offenbar darüber nach, den Saisonstart vom 1. April auf Mai zu verschieben und den Spielplan entsprechend zu kürzen. Die MLBPA hingegen besteht auf einer vollen 162-Spiele-Saison, die nach ihrer Ansicht unter den Sicherheits- und Hygieneregeln der vergangenen Saison zu verantworten wäre. Diese gerade erst begonnene Diskussion wird uns in den nächsten Wochen sicher noch beschäftigen. Bis auf Weiteres sind die Teams angewiesen, sich auf einen pünktlichen Start des Spring Trainings Ende Februar einzustellen.

Die Indianer von Cleveland sind Geschichte
Für ein Team wird 2021 die letzte MLB-Saison werden, jedenfalls unter dem aktuellen Namen: Nach jahrelangen Diskussionen um den rassistischen Gehalt der Bezeichnung „Indians“ hat der Klub aus Cleveland entschieden, diese abzulegen. Anders als das „Washington Football Team“, das sich von einem Tag auf den anderen vom Wort „Redskins“ trennte, werden die Indians mit dem in Ungnade gefallenen Titel noch ein Jahr lang auf Abschiedstournee gehen. Bis 2022 soll ein neuer Teamname gefunden werden. Als früher Favorit gilt „Cleveland Spiders“, der Name eines von 1889 bis 1899 bestehenden National-League-Klubs.

MLB zollt Negro Leagues Anerkennung
Apropos Rassismus: Die MLB gab gestern einen bedeutenden symbolischen Schritt im Zuge der eigenen Vergangenheitsbewältigung bekannt. Sieben sogenannte Negro Leagues der Jahre 1920 bis 1948 werden im Nachhinein offiziell als Major Leagues anerkannt. Das bedeutet, dass die 3.400 Spieler dieser Ligen mit all ihren Leistungen, Statistiken und Rekorden nun offiziell als Major Leaguer gelten. Die MLB hatte jahrzehntelang per Absprache unter den Ownern dunkelhäutige Spieler vom professionellen Baseball ausgeschlossen und diese in den finanziell und infrastrukturell benachteiligten Negro Leagues abgesondert. Erst 1947 endete mit dem Einsatz von Jackie Robinson für die Los Angeles Dodgers die Rassentrennung im US-Baseball.

Phillies engagieren Dombrowski
Die Philadelphia Phillies haben zum ersten Mal einen President of Baseball Operations. Für den neu geschaffenen Posten wurde Dave Dombrowski gewonnen, der damit im Wesentlichen die Nachfolge des zurückgetretenen General Managers Matt Klentak antritt. Der 64-jährige Dombrowski bringt 31 Jahre Erfahrung auf verantwortungsvollen Posten in diversen MLB-Franchises mit. Er ist der einzige General Manager, der drei verschiedene Klubs – die Marlins, die Red Sox und zweimal die Tigers – in die World Series geführt hat. Gewonnen hat er diese 1997 mit Miami und 2018 mit Boston. Dass Dombrowski den Job in Philadelphia angenommen hat, kommt etwas überraschend, denn ursprünglich hatte er nach seinem Rauswurf in Boston 2019 angekündigt, an einem weiteren MLB-Job nur dann interessiert zu sein, wenn er die Verantwortung für ein neu zu gründendes Team in Nashville übernehmen kann. Offenbar änderte er seine Meinung, nachdem die Liga deutlich machte, dass eine Erweiterung für die nächsten zwei Jahre kein Thema ist.

Neuer GM und neuer Catcher für die Mets
Auch die New York Mets haben einen neuen Funktionär am Start: Jared Porter wird General Manager in Queens und damit die rechte Hand von Sandy Alderson im neu strukturierten Front Office der Mets. Porter war zuletzt Assistenz-GM bei den Arizona Diamondbacks und zuvor in verschiedenen Rollen rund um die Spielerbeobachtung und -entwicklung bei den Chicago Cubs und den Boston Red Sox tätig gewesen.
Auch auf dem Feld konnten die Mets eine Lücke schließen: Catcher James McCann wird die nächsten vier Jahre in New York spielen. Der 30-Jährige galt als zweitbester Catcher der diesjährigen Free-Agent-Klasse hinter J. T. Realmuto und dürfte für die Mets eine deutliche Verstärkung sein. Die Unterschrift unter den Vertrag ist für ihn 40,6 Millionen Dollar wert.

Weitere Neuverpflichtungen
Außer McCann haben auch die folgenden MLB-Spieler diese Woche einen neuen Arbeitgeber gefunden: SP Anthony DeSclafani (San Francisco Giants, 1 Jahr, 6 Millionen Dollar), C Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr plus Vereinsoption, 3 Millionen), OF Hunter Renfroe (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen), OF David Dahl (Texas Rangers, 1 Jahr, 3 Millionen), RP Greg Holland (Kansas City Royals, 1 Jahr, 2,75 Millionen), RP Keynan Middleton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 800.000).

Zudem gab es zwei kleine Trades, beide mit Beteiligung der Texas Rangers: RP Rafael Montero wechselt im Austausch gegen zwei Minor-League-Prospects von Texas zu den Seattle Mariners. In einem Handel mit den Tampa Bay Rays, in den auf beiden Seiten mehrere Minor Leaguer involviert sind, kommt C Nate Lowe zu den Rangers. 

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September 3rd, 2020 by Silversurger

Der Baseball hat einen seiner Größten verloren: Tom Seaver ist am Montag im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Pitcher war von 1967 bis 1986 in der MLB aktiv und wurde 1992 in die Hall of Fame gewählt. Seinen größten Erfolg feierte er 1969, als er mit den „Miracle Mets“ die World Series gewann. Ironischerweise feierte er seinen Abschied ebenfalls bei einem World-Series-Sieg der Mets, wenngleich er 1986 beim Gegner, den Red Sox, spielte und wegen einer Verletzung in der Finalserie nicht zum Einsatz kam. Seaver hatte sich ab 2012 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, da er an Demenz litt. Er starb an dieser Krankheit, verbunden mit einer Covid-19-Infektion.

Covid-19 beeinträchtigt auch weiterhin immer wieder die laufende MLB-Saison. Die Oakland Athletics haben sich letzten Sonntag in die Liste der Teams mit corona-bedingten Spielausfällen eingereiht und seitdem vier Partien abgesagt. Nach aktuellem Stand soll es am Freitag für sie weitergehen. Die Infektion eines Angestellten, die zu den Maßnahmen geführt hatte, zog bislang glücklicherweise keine weiteren Kreise.

American League
Dreieinhalb Wochen vor dem Ende der Saison werfe ich wie gewohnt einen Blick auf die Tabellenstände, welche zumindest in der American League schon ein ziemlich klares Bild im Hinblick auf die Playoffs vermitteln.

Die Spitze der AL East bleibt fest in der Hand der Tampa Bay Rays (26-12). Gerade haben die Rays die letzte direkte Serie dieses Jahres gegen die New York Yankees (20-15) mit 2:1 entschieden, insgesamt haben sie acht von zehn Spielen gegen die Yankees gewonnen. Letztere können froh sein, dass sie am letzten Wochenende drei von fünf allesamt äußerst knappen Derbys gegen die Mets gewonnen haben, denn nur dadurch halten sie sich noch knapp vor den Toronto Blue Jays (19-16) auf Platz zwei. Interessanterweise haben die Blue Jays und die Yankees sich dieses Jahr noch gar nicht auf dem Platz gesehen. Das ändert sich ab nächsten Dienstag: Dann bleiben nur noch 20 Saisonspiele übrig und die Hälfte davon besteht aus direkten Duellen der Blue Jays gegen die Yankees. Ein bisschen Entwarnung muss aber auch sein: Wer von den beiden das Rennen um den zweiten Platz verliert, wird höchstwahrscheinlich trotzdem als Wild-Card-Team in die Postseason einziehen. Weder die Baltimore Orioles (16-20) noch die Boston Red Sox (12-25) noch die Konkurrenz aus den anderen Divisionen machen den Eindruck, diesen Playoffplatz gefährden zu können.

Auch in der AL Central ist die Frage nicht wirklich, wer in die Playoffs kommt, sondern allein in welcher Reihenfolge es die Cleveland Indians (23-14), die Chicago White Sox (22-15) und die Minnesota Twins (22-16) tun werden. Die Führung hat in den letzten Tagen mehrmals zwischen den drei Teams gewechselt und sie treffen alle noch ein paarmal aufeinander. Letzte Woche sah es zeitweise danach aus, dass die Twins sich aus dem Rennen verabschieden, als sie sechs Spiele hintereinander verloren, die Hälfte davon gegen die direkten Konkurrenten. Doch mit zwei Siegen gegen die White Sox gestern und vorgestern haben sie sich zurückgemeldet. Nun müssen sie allerdings fünfmal hintereinander gegen die Detroit Tigers (17-17) antreten, die mit ihrer .500-Bilanz zu den positiven Überraschungen des Jahres gehören.  

Die eingangs erwähnten Spielausfälle bei den Oakland Athletics (22-12) führten dazu, dass sich in der AL West diese Woche nicht viel getan hat. In Bezug auf den Gruppensieg wird es in der kommenden Woche richtig interessant, wenn die A’s von Montag bis Donnerstag fünfmal auf die Houston Astros (20-15) treffen. Hinsichtlich der Playoffs ist aber auch in dieser Division die Messe gelesen. Denn die Athletics und die Astros sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Boot, während es für die Seattle Mariners (15-22), die Texas Rangers (13-22) und die Los Angeles Angels (12-25) mehr als nur ein kleines Wunder bräuchte, um sich für Oktober-Baseball zu qualifizieren.

National League
In der National League geht es deutlich spannender zu als in der American League. Das Rennen um beide Wild Cards sowie das um zwei zweite Plätze sind noch weit offen.

In der NL East stehen die Atlanta Braves (22-14) nicht nur vorne, machen nicht nur den gefestigsten Eindruck innerhalb der Division, sondern sie haben auch das mit Abstand einfachste Restprogramm. Wenn sie die anstehende Pflichtaufgabe gegen die abgeschlagenen Washington Nationals (12-22) ähnlich souverän lösen wie die letzte gegen die Red Sox, dann sind die Braves quasi durch. Dahinter wird es interessant. Die Philadelphia Phillies (17-15) haben sich mit acht Siegen aus den letzten neun Spielen vom Fehlstarter zum Favoriten für den zweiten Playoffplatz der Division gemausert. Am Wochenende müssen sie sich in vier Spielen der New York Mets (16-21) erwehren, die in dieser Serie vermutlich die letzte Chance sehen, ihre Saison noch zu retten. Zwischen den Phillies und den Mets stehen die Miami Marlins (16-16). Denen hatte vor der Saison wirklich niemand etwas zugetraut und erst recht nicht, nachdem sie kurz nach dem Start zehn Tage pausieren mussten, weil sich das halbe Team mit Corona infiziert hatte. Nun stehen sie mit ausgeglichener Bilanz auf einem Wild-Card-Platz. Ob sie den noch haben, nachdem sie in den nächsten eineinhalb Wochen dreimal gegen Tampa Bay, dreimal gegen Atlanta und siebenmal gegen Philadelphia ran müssen? Unterschätzen wird man die Marlins jedenfalls nicht mehr.

Die NL Central haben sich schon früh in der Saison die Chicago Cubs (22-14) gesichert, indem sie mit 13 Siegen aus den ersten 16 Spielen starteten. Seitdem spielen sie zwar nur noch einen knappen .500er-Ball, aber in der eher schwachen Division reicht das, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Theoretisch können die St. Louis Cardinals (14-14) mit ihren vielen coronabedingten Nachholspielen den Cubs noch gefährlich werden – der Praxistest steht unmittelbar bevor, denn die Cardinals und die Cubs bestreiten von Freitag bis Montag fünf Spiele gegeneinander. Lachender Dritter dieses Duells könnten die Milwaukee Brewers (17-19) werden, die sich noch berechtigte Hoffnung auf Platz zwei oder eine Wild Card machen. Um diese Hoffnung zu nähren, müssen sie allerdings die schwere Serie bei den Indians erfolgreich bestreiten. Auch die Cincinnati Reds (16-21) rechnen sich noch Chancen auf die Wild Card aus; die anstehende Aufgabe gegen die Pittsburgh Pirates (10-24) erscheint jedenfalls lösbar.

Bei der Beschäftigung mit der NL West fällt mir gerade auf, dass ich in letzter Zeit kaum etwas über die Los Angeles Dodgers (28-10) geschrieben habe. Woran liegt das, sind sie etwa nicht der Rede wert? Natürlich sind sie das. Aber sie cruisen so unheimlich souverän und überlegen durch die Saison, dass sie quasi keine Fragen offen lassen. Sie scoren so viele Runs und lassen gleichzeitig so wenige gegnerische Runs zu wie kaum ein anderes Team. Sie verlieren nie eine Serie und nie mehr als zwei Spiele am Stück. Sie sind zur Trade-Deadline untätig geblieben und niemanden hat es gewundert, weil das Team komplett ist und keine Lücken oder Schwachstellen aufweist. Die Dodgers bieten einerseits keine Angriffspunkte, es ist andererseits aber auch schwer, über sie ins Schwärmen zu geraten, denn wie schon vor der Saison klar war: Für dieses Team gibt es dieses Jahr nur ein Ziel und nur daran wird es sich messen lassen.
Hinter den Dodgers hat sich mit den San Diego Padres (23-15) inzwischen ein zweites Team fest in der Spitze etabliert und wird sich von dort nicht mehr vertreiben lassen, erst recht nicht nach den umfangreichen Nachrüstungen zur Trade-Deadline. Spannend wird es auf den weiteren Plätzen. Die Colorado Rockies (18-19) und die San Francisco Giants (18-20) sind beide in der Verlosung eines Wild-Card-Platzes. Allerdings ist mein Eindruck, dass die beiden in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind: Die Rockies waren in den ersten zwei, drei Wochen der Saison richtig stark, haben aber seitdem spürbar abgebaut. Nun müssen sie hintereinander je dreimal gegen die Dodgers und die Padres ran, was durchaus das Ende der Playoff-Träume bedeuten könnte. Die Giants hingegen starteten so schwach in die Saison, wie es von ihnen erwartet wurde, arbeiteten sich dann aber Stück für Stück nach vorne. Diese Woche geht es gegen die abgeschlagenen Arizona Diamondbacks (14-23) und die Mariners.

Szene der Woche
Hier gibt es diese Woche mal kein Highlight-Play, bei dem dem unbedarften Beobachter sofort die Kinnlade runterklappt, sondern einen eher nerdigen Fakt: Seit der lückenlosen Aufzeichnung von Spielzügen, also seit mindestens 1961, hatte es in der MLB noch nie ein 3-2-8-Double-Play gegeben – bis zum Auftritt der St. Louis Cardinals am letzten Freitag. 3-2-8 bezeichnet die Positionen der beteiligten Spieler, in dem Fall einen Spielzug vom First Baseman zum Catcher und von dort zum Centerfielder. Schwer vorzustellen, wie das geht? Hier ist die Auflösung:

Da ich keine Kategorie für die beste Schlagzeile der Woche habe, gibt es hier noch einen Bonus. Am Dienstag gelang Rangers-Shortstop Elvis Andrus von den Texas Rangers der folgende Homerun gegen Astros-Reliever Ryan Pressly. Matt Kelly von mlb.com kommentierte dies mit der Überschrift: „Heartbreak Hotel – Elvis homers off Pressly“. Hut ab.

Statistik der Woche 
62. Das ist der aktuelle ERA– der Cleveland Indians. Zur Erklärung: ERA steht für Earned Run Average und ist die bekannteste Statistik für Pitcher. Das Minus hinter der Abkürzung zeigt an, dass die Zahl unter Berücksichtigung des historischen Umfelds, Ballparkfaktoren und anderen Einflüssen derart normiert wurde, dass eine durchschnittliche Leistung den Wert 100 trägt und dass eine Leistung umso besser ist, je weiter sich der Wert nach unten von 100 entfernt.  Auf diese Weise kann man die Leistungen über Zeiten und Orte hinweg vergleichen. Das Bemerkenswerte an dem ERA– von 62 der Indians ist, dass dies bislang die dominanteste Pitching-Saison ist, die im modernen Baseball (d. h. seit 1900) je gemessen wurde. Das zweite Team in der ewigen Rangliste sind übrigens die Los Angeles Dodgers, ebenfalls im laufenden Jahr. Es ist klar, dass man die Statistiken dieser außergewöhnlichen Saison im Vergleich mit normalen Jahren eher vorsichtig betrachten sollte. Ich hätte allerdings eher mit Ausreißern in die andere Richtung gerechnet, nachdem zu Beginn der Saison vielfach gemutmaßt wurde, die verkürzte Vorbereitung stelle einen Nachteil für die Pitcher dar.

Spiel der Woche
Allzu spannend war es nicht, das Duell der Colorado Rockies und der San Francisco Giants Dienstagnacht. Aber es war auf seine Art ein denkwürdiges Spiel und wenn man nicht gerade glühender Anhänger der Rockies ist, sollte man es sich mal anschauen. Unter den vielen bemerkenswerten Fakten und Statistiken, die die Partie hervorbrachte, fand ich persönlich am verblüffendsten, dass die Giants in jedem Inning Runs scorten – außer im letzten, in dem der Ersatz-Catcher der Rockies pitchte.

Mein Einschalttipp
Der Divisionssieg in der NL Central kann an diesem Wochenende praktisch entschieden werden: Fünfmal treffen die Cubs auf die Cardinals, ihren einzigen vielleicht noch ernstzunehmenden Verfolger. In diese Serie sollte man mal reinschauen. Leider überträgt DAZN keines der Spiele, es sei denn MLB Network wählt die Partie am Samstagabend aus. Ansonsten bleibt nur mlb.tv, zum Beispiel am Samstag ab 23:15 Uhr oder am Montag ab 22 Uhr, um die beiden Spiele zu erwähnen, die nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht laufen.

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Juli 23rd, 2020 by Silversurger

Opening Day! Nach langem Warten geht es heute Nacht endlich los mit der neuen MLB-Saison. Geprägt vom längst noch nicht besiegten Coronavirus wird es eine Saison wie keine andere. Aber wenn es gelingt, die 60 Spieltage plus Playoffs wie geplant durchzuziehen, ist das schon ein Erfolg und eine schöne Ablenkung von der bedrückenden Gesamtsituation. Auch vom deutschen Baseball gibt es übrigens gute Nachrichten – mehr dazu am Ende dieses Artikels.

Das Wichtigste zum ersten Spieltag
Den Saisonauftakt bestreiten heute Nacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Washington Nationals gegen die New York Yankees. Passender konnte man das Eröffnungsspiel nicht wählen als mit diesem Aufeinandertreffen des Titelverteidigers auf der einen und des Rekordmeisters und Top-Favoriten auf der anderen Seite. Zudem ist das Pitching-Matchup von Max Scherzer gegen Gerrit Cole eine Neuauflage aus der letzten World Series, als Cole noch für die Houston Astros spielte. Im Anschluss, nach unserer Zeit um 4 Uhr morgen früh, treffen noch die Los Angeles Dodgers mit Clayton Kershaw auf die San Francisco Giants mit Johnny Cueto. Die Dodgers sind der andere Top-Favorit neben den Yankees, die Giants ihr historischer Erzrivale. Beide Spiele könnt ihr auf mlb.tv sehen, das dieses Jahr zum Preis von 60 Dollar für die gesamte Saison zu haben ist. DAZN zeigt wie im letzten Jahr ausgewählte Spiele, darunter die Eröffnungspartie Yankees-Nationals heute Nacht sowie den Opener der Mets gegen die Braves morgen Abend ab 22:10 unserer Zeit.

Blue Jays noch ohne Stadion
Die größte offene Frage kurz vor dem Auftakt ist immer noch, wo die Toronto Blue Jays ihre Heimspiele austragen werden. Um die Partien in Toronto stattfinden zu lassen, hätten die Heim- und Auswärtsteams eine Ausnahmegenehmigung der kanadischen Behörden von den bestehenden Reisebeschränkungen benötigt. Diese Genehmigung wurde nicht erteilt. Die Blue Jays sind nun auf der Suche nach einer anderen Heimstätte, die bis zum ersten Heimspiel am 29. Juli gefunden werden muss. Möglichkeiten bestehen in den Minor-League-Einrichtungen des Klubs in Buffalo (New York) und in Dunedin (Florida). Beide Ballparks sehen die Verantwortlichen aber als nur eingeschränkt geeignet an, lieber möchten sie in einem MLB-Stadion spielen. Gestern sah es kurz so aus, als gäbe es dazu eine Einigung mit den Pittsburgh Pirates, dass die Blue Jays während deren Auswärtsserien PNC Park nutzen können. Doch die Behörden von Pennsylvania signalisierten umgehend Ablehnung, sodass diese Option bereits vom Tisch ist. Geprüft wird derzeit noch eine gemeinsame Nutzung von Camden Yards mit den Baltimore Orioles. Sollte auch das nicht klappen, bleiben wohl doch nur die Minor-League-Ballparks oder aber die Lösung, dass die Blue Jays in diesem Jahr alle ihre Spiel im Stadion des Gegners austragen. Das gab es bisher nur bei den Ruppert Mundys im Roman „The Great American Novel“ von Philip Roth.

Langzeitvertrag für Betts
Den großen Knaller kurz vor Saisonbeginn ließen gestern die Los Angeles Dodgers platzen: Der in dieser Offseason von den Boston Red Sox geholte Star-Outfielder Mookie Betts erhält einen neuen Megavertrag. Es ist ein Zwölfjahresvertrag über rund 365 Millionen Dollar. Zusammen mit der noch einjährigen Laufzeit des bisherigen Vertrages ist Betts nun bis zur Saison 2032 an die Dodgers gebunden und erhält in dieser Zeit 392 Millionen Dollar. Es ist der zweitgrößte Vertrag in der Geschichte des Baseballs, übertroffen nur vom 426-Millionen-Kontrakt, den Mike Trout letztes Jahr bei den Los Angeles Angels unterschrieb. Betts wird bei Vertragsende 40 Jahre alt sein.

Puig weiterhin arbeitslos
Yasiel Puig war einst ebenfalls im Outfield der Dodgers aktiv und galt als Megatalent. Doch er wurde den Erwartungen nie ganz gerecht und kann von einem Vertrag, wie Betts ihn bekommen hat, nur träumen. Tatsächlich wäre er froh, überhaupt wieder einen MLB-Vertrag zu bekommen. Letzte Woche vermeldete ich hier noch, dass Puig von den Atlanta Braves verpflichtet wurde. Doch unmittelbar vor der Unterschrift wurde er positiv auf Covid-19 getestet, was die Braves von dem Engagement zurückschrecken ließ. Ob er den Job in Atlanta oder irgendwo anders bekommt, sobald er die Erkrankung überstanden hat, ist nun wieder komplett offen.

Auch die Bundesliga kommt wieder
Eine Entscheidung über die Saison 2020 der Baseball-Bundesliga ließ lange auf sich warten, doch nun ist es offiziell: Auch die höchste deutsche Liga wird dieses Jahr spielen. Schon in zweieinhalb Wochen, am 8./9. August beginnt die verkürzte Bundesligasaison. Sie soll aus einer siebenwöchigen Hauptrunde bestehen, gefolgt von Halbfinalspielen zwischen den ersten beiden Teams der Nord- und Südstaffel und einer Best-of-3-Finalserie, die am 17./18. Oktober enden soll. Zuschauer und Catering sind in begrenztem Ausmaß erlaubt, die konkreten Auflagen werden von den örtlichen Behörden festgelegt. Der Spielbetrieb dieses Jahr ist freiwillig, aber es haben alle 16 Mannschaften zugesagt. Absteiger wird es nicht geben. Den kompletten Spielplan findet ihr auf der Website der Baseball-Bundesliga.

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März 26th, 2020 by Silversurger

Was hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. In einer Welt ohne das Corona-Virus wäre heute, am 26. März 2020, Opening Day der MLB gewesen. Stattdessen ist ein Beginn der Saison nicht in Sicht, während immer deutlicher wird, dass die USA von der Pandemie genauso schlimm betroffen sind wie Europa. Zuerst war von einer Verschiebung von zwei Wochen die Rede, aber längst ist klar, dass vor Juni nicht mit Major-League-Baseball zu rechnen ist. Ich würde behaupten, dass die Chancen inzwischen bestenfalls 50:50 stehen, dass es überhaupt eine MLB-Saison 2020 gibt. Da die Spieler überwiegend zu Hause sind und die Zeit der Trades und Neuverpflichtungen längst zum allergrößten Teil gelaufen ist, habe ich in diesem Grand Slam am Donnerstag wenig Neues zu vermelden – und das Wenige beginnt leider mit mehreren Verletzungs-News.

Sale, Syndergaard und Beede operiert
Gleich drei MLB-Pitcher haben in den letzten Tagen die niederschmetternde Diagnose erhalten, sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen zu müssen. Bei Chris Sale von den Boston Red Sox und Noah Syndergaard von den New York Mets handelt es sich um zwei der besten und bekanntesten Starting Pitcher der Liga. Für die beiden Teams bedeuten die schlechten Neuigkeiten massive Rückschläge für die jeweiligen Playoff-Hoffnungen. Der dritte Patient ist Tyler Beede, der bislang als Kandidat für einen Platz in der Starting Rotation der San Francisco Giants galt. Daraus wird nun nichts, denn Beede wird ebenso wie Sale und Syndergaard dieses Jahr keinen Ball mehr werfen.

Hilfsprogramm für die Minor Leaguer
Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Wie ich schon im letzten Grand Slam erwähnt hatte, gehören die Spieler der Minor Leagues zu den großen Verlierern der Corona-Krise, weil ihre ohnehin kargen Einnahmen komplett ausbleiben, solange weder Vorbereitungs- noch Ligaspiele stattfinden. Die MLB-Teams haben nun ein gemeinsames Programm beschlossen, um die Minor Leaguer während der erzwungenen Arbeitslosigkeit zu unterstützen. Bis vorerst 8. April, den ursprünglichen Starttermin der Minor-League-Saison, erhalten die Spieler nun Zahlungen in Höhe der üblichen Spring-Training-Gehälter von rund 500 Dollar wöchentlich. Bei einer Verschiebung des Saisonbeginns, die definitiv kommen wird, werden weitere Unterstützungsleistungen folgen.

Tipps zum Nicht-Opening-Day
Falls ihr heute wenigstens ein bisschen Opening-Day-Feeling haben wollt, schaut einen Baseball-Film oder lest einen Baseball-Roman. Spielt MLB The Show 20 oder ein Baseball-Brettspiel, zum Beispiel Bottom of the 9th oder Baseball Highlights 2045. Oder gönnt euch ein Spiel aus der Konserve: Auf mlb.tv gibt es momentan kostenlosen Zugang zu allen Spielen der Saisons 2018 und 2019. Zudem werden heute von der MLB über verschieden Kanäle 30 Spiele aus den letzten 20 Jahren gestreamt. Ausgewählt wurde je ein besonders denkwürdiger Sieg pro Team. Die Programmübersicht dazu findet sich hier.

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März 2nd, 2020 by Silversurger

Der Kader der San Francisco Giants am Opening Day wird einen der höchsten Altersdurchschnitte der Liga aufweisen. Das Team trägt den Ballast vieler Spieler jenseits ihres Zenits mit teuren Verträgen. Die Farm ist zwar mit einigen Top-Prospects, aber nicht besonders breit bestückt. Eigentlich sehen die Giants nach einem klaren Fall für ein Rebuilding-Projekt aus, aber das passt nicht zum Selbstverständnis der stolzen und traditionsreichen Franchise. Deutlicher hätte sie das nicht demonstrieren können als damit, dass man letztes Jahr zur Trade-Deadline eisern festhielt an Starter-Ass Madison Bumgarner und Closer Will Smith. Beide hätten sich für die letzten Monate ihrer Vertragslaufzeiten gut gegen Talente „verleihen“ lassen, stattdessen haben sie nach der Saison als Free Agents den Verein für nichts außer ein paar Kompensations-Draftpicks verlassen. Auf Neuverpflichtungen hat man weitgehend verzichtet – das Starting Lineup wird dasselbe sein wie im letzten Jahr, das Pitching-Staff wurde um ein paar grenzwertige Bounceback-Kandidaten wie Kevin Gausman und Drew Smyly ergänzt. Für frischen Wind wird somit allein Gabe Kapler zuständig sein, der als Manager die Nachfolge von Bruce Bochy antritt. Team-Präsident Farhan Zaidi entschied sich sehr schnell für Kapler, nachdem dieser in Philadelphia nach zwei enttäuschenden Jahren entlassen worden war. Unter den Fans stieß die Entscheidung auf massive Ablehnung. Kapler wird es schwer haben, sofern sich die Giants unter ihm nicht gerade zur Überraschung des Jahres aufschwingen. Die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte gering sein. Den Giants droht eine weitere Saison im unteren Mittelmaß der Liga und ohne klare Zukunftsperspektive.

Voraussichtliches Lineup
C Buster Posey
1B Brandon Belt
2B Mauricio Dubon
SS Brandon Crawford
3B Evan Longoria
LF Alex Dickerson
CF Steven Duggar
RF Mike Yastrzemski

Voraussichtliche Rotation
RHP Jeff Samardzija
RHP Johnny Cueto
RHP Kevin Gausman
LHP Drew Smyly
RHP Logan Webb
Key Reliever: Tony Watson

Wichtigster Zugang
SP Kevin Gausman (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
LHP Madison Bumgarner (Arizona Diamondbacks)

Bestes Prospect
C Joey Bart

Größte Stärke
Farhan Zaidi: Der Team-Präsident, der vor gut einem Jahr von den rivalisierten Dodgers kam, genießt nach wie vor großes Vertrauen in und um San Francisco. Er gilt als Baseball-Mastermind und wenn es auch vielen schwer fällt, ein klares Ziel und die dazugehörige Entwicklung des Teams zu erkennen, so besteht doch immer die Hoffnung, dass sich irgendwann herausstellt, dass Zaidi die ganze Zeit über einen genialen Plan verfolgt und erfolgreich umgesetzt hat.

Größte Schwäche
Offensive: Letztes Jahr produzierten lediglich die Miami Marlins noch weniger Runs als die Giants. Ohne jede Verstärkung und mit weiter zunehmendem Alter wird dieses Lineup es schwer haben, 2020 eine bessere Saison zu spielen.

Spannendste Frage
Wann tritt Joey Bart die Nachfolge von Buster Posey an? Der junge Catcher, Pick Nummer 2 in der Draft 2018, ist die große Hoffnung der Giants. Er soll möglichst nahtlos den Job von Posey übernehmen, sowohl hinter der Platte als auch als Gesicht der Franchise. Bart hatte letztes Jahr vielversprechende Ansätze auf Double-A-Niveau gezeigt, wurde allerdings durch Verletzungen ausgebremst – vor all durch einen gebrochenen Daumen, der ihn den Großteil der Arizona Fall League kostete. Wenn für ihn dieses Jahr alles gut läuft, könnte er die in die Jahre gekommene Legende Posey zur Saisonmitte ablösen.

Meine Prognose
Platz 5 in der NL West

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist im Spring Training angekommen. Nahezu alle Spieler trainieren inzwischen mit ihren Teams und bereiten sich auf die Testspiele vor, die morgen für die ersten Teams und übermorgen dann für alle anderen beginnen. Dass die Sign-Stealing-Affäre um die Houston Astros längst nicht raus ist aus den Köpfen, zeigt sich in nahezu jedem Interview, das die Spieler der anderen Teams zurzeit geben. Mike Trout, Aaron Judge und Kenley Jansen sind nur ein paar von vielen, die diese Woche ihren Ärger über die Schummeleien der Astros kund getan und vor allem kritisiert haben, dass die MLB keine Strafen gegen die beteiligten Spieler verhängt hat.
Ab Anfang nächster Woche werdet ihr hier auf dem Blog wie in den letzten Jahren wieder kurze Vorschauartikel für alle MLB-Teams finden, also schaut bitte regelmäßig rein. Jetzt gibt es aber erstmal den Überblick über die Baseball-News der Woche – wobei die erste und wichtigste Meldung sich ausnahmsweise nicht auf die Major League, sondern auf ihren Unterbau bezieht:

Minor-League-Gehälter steigen – ein wenig
Die Ligaleitung hat beschlossen, die Bezahlung in den Minor Leagues ab der Saison 2021 zu erhöhen. Die Mindestgehälter steigen von wöchentlich 290 auf 400 Dollar in Rookie- und Short-Season-Leagues, von 290 auf 500 Dollar in Single-A, von 350 auf 600 Dollar in Double-A und von 502 auf 700 Dollar in Triple-A. Das ist prinzipiell erfreulich, allerdings immer noch ein Hungerlohn, wenn man berücksichtigt, dass das Geld nur während der Saison fließt und dass Arbeitsplatzsicherheit in dieser Branche ohnehin ein Fremdwort ist. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Single-A-Spielers lag 2019 bei 6.000 Dollar, das eines Double-A-Spielers bei 9.350 Dollar und damit weit unter der von den US-Behörden definitierten Armutsgrenze von 12.490 Dollar. In Triple-A lag man mit im Schnitt 15.000 Dollar knapp darüber – ein Witz im Vergleich mit dem Minimumgehalt von 555.000 Dollar in der MLB. Es ist und bleibt ein Skandal, das innerhalb des Big Business, das der professionelle Baseball in den USA ist, solch prekäre Verhältnisse geduldet und gefördert werden – nicht zuletzt durch Lobbyarbeit der MLB, die 2018 den „Erfolg“ erzielte, dass Baseballspieler von gesetzlichen Mindestlöhnen ausgenommen sind.

Sperren wegen zu viel Horsepower
Noch bevor sie richtig begonnen hat, hat die Saison ihre ersten Dopingsünder. Einer der überführten Übeltäter ist Francis Martes, ein Pitcher ausgerechnet in der Organisation der Houston Astros – als ob die in dieser Offseason noch nicht genug negative Publicity hätten. Martes galt einst als hochrangiges Prospect und hatte 2017 auch schon ein paar MLB-Einsätze für die Astros. Mitte 2018 musste er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen und verpasste dadurch den Rest der Saison 2018 und die gesamte Saison 2019. Obendrein wurde er letztes Jahr bereits für ein halbes Jahr gesperrt – er sorgte damals für spöttische Schlagzeilen, weil ihm die Verwendung von Clomifen nachgewiesen wurde, eines Mittels zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Dazu gelernt hat der 24-Jährige seitdem offenbar nicht, nur das Dopingmittel hat er gewechselt: Dieses Mal ist es Boldenon, ein Steroid aus der Veterinärmedizin, das in erster Linie Rennpferden verabreicht wird. Als Wiederholungstäter ist Martes nun für eine volle Saison gesperrt. Beim nächsten Verstoß ist laut den Anti-Doping-Regeln der MLB eine lebenslange Sperre fällig.
Mit demselben Pferde-Steroid erwischt wurde Pablo Reyes, Utility-Player der Pittsburgh Pirates. Reyes hatte 2018 ein starkes MLB-Debüt bei den Pirates, seine Saison 2019 fiel jedoch deutlich ab und er wurde nach der Saison zurück in die Minor Leagues abgestuft. Mit unerlaubten Mitteln wollte er offenbar den Weg zurück in die Major League finden, der nun aber deutlich länger geworden sein dürfte. Als Ersttäter läuft die Sperre für Reyes 80 Spiele, also eine halbe Saison.

Brewers signen Brock Holt
Brock Holt, der wohl prominenteste verbliebene Free Agent außer Yasiel Puig, hat einen neuen Verein gefunden: Der 31-Jährige einigte sich mit den Milwaukee Brewers auf einen Einjahresvertrag mit Klub-Option für ein weiteres Jahr. Die Brewers holen sich damit eine weitere Allzweckwaffe ins Team, die (mindestens) im Infield jede Position solide ausfüllen kann. Mit Justin Smoak, Eric Sogard, Jedd Gyorko, Luis Urias, Ryon Healy, Ronny Rodriguez und jetzt Holt hat der Klub in dieser Offseason regelrecht Spieler angehäuft, um aus ihnen ein Infield herauszukristallisieren, in dem bisher der junge Second Baseman Keston Hiura den einzigen sicheren Stammplatz hat.

Ein Trade mit Seltenheitswert
Relief Pitcher Burch Smith wechselt gegen eine Ablösezahlung von den San Francisco Giants zu den Oakland Athletics. Das wäre eigentlich kaum eine Meldung wert, zumal der 29-jährige Smith bislang wenig Erfolg in der MLB hatte und von den Giants ohnehin schon aus dem Kader gestrichen worden war. Das Interessante an der Sache ist: Es ist der erste Trade seit fast 30 Jahren zwischen den beiden Teams, die geographisch nur durch eine Bucht mit einer langen Brücke voneinander getrennt sind. Am 4. Dezember 1990 gab es den letzten Handel zwischen den Lokalrivalen, als Outfielder Ernest Riles zu den A’s kam und dafür Outfielder Darren Lewis and Minor-League-Pitcher Pedro Pena nach San Francisco wechselten. Warum so lange Funkstille herrschte zwischen den Athletics und den Giants, kann oder will niemand so recht erklären. Farhan Zaidi, seit einem Jahr General Manager der Giants, hat jedenfalls einen guten Draht zu Billy Beane und den Athletics, für die er von 2011 bis 2014 tätig war.

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Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

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Februar 6th, 2020 by Silversurger

Blockbuster-Alarm: Eine Woche vor dem Start des Spring Trainings gibt es noch mal einen richtig dicken Trade. Kernstück des Handels, an dem drei Teams, fünf Spieler und etliche Millionen Dollar beteiligt sind, ist Star-Outfielder Mookie Betts. Allerdings ist das Geschäft noch nicht endgültig besiegelt, da die damit verbundenen medizinischen Untersuchungen wohl Zweifel in Bezug auf einen der involvierten Nachwuchsspieler aufgeworfen haben.

Betts zu den Dodgers per 3-Team-Trade
Die wochenlangen Gerüchte, dass die Boston Red Sox einen Tradepartner für Mookie Betts suchen, haben sich bewahrheitet in Form eines aufsehenerregenden 3-Team-Trades. Die Los Angeles Dodgers verstärken sich mit Betts und obendrein mit Starting Pitcher David Price. Dafür geben sie ihren jungen Outfielder Alex Verdugo an die Red Sox ab und schicken Starter Kenta Maeda zu den Minnesota Twins. Die Twins wiederum reichen dafür ihr Top-Pitching-Prospect Brusdar Graterol weiter nach Boston. Graterol ist das eingangs erwähnte Fragezeichen, dessentwegen der Trade noch nicht offiziell ist. Die medizinische Freigabe ist in seinem Fall nur eingeschränkt erfolgt. Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass er wegen seiner Vorgeschichte mit einer Tommy-John-Surgery und mehreren anderen Verletzungen nicht mehr als zukünftiger MLB-Starter, sondern nur noch als Reliever eingestuft wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Trade trotzdem stattfindet, aber wahrscheinlich werden die Twins nun noch etwas drauflegen müssen.
Es erscheint auf den ersten Blick wenig verständlich, dass die Red Sox einen ihrer talentiertesten und beliebtesten Spieler im besten Alter abgeben (nebenbei bemerkt fast genau 100 Jahre nach dem legendär katastrophalen Trade von Babe Ruth zu den Yankees). Aber eine Vertragsverlängerung für Betts über 2020 hinaus passte nicht in den Kostenrahmen des Klubs für die nächsten Jahre. So entschied man sich, Betts lieber jetzt gegen einen ordentlichen Gegenwert abzugeben, statt ihn nächstes Jahr quasi umsonst gehen zu lassen. Mit Verdugo und Graterol konnte man zwei mögliche Eckpfeiler für ein kleines Rebuilding an Land ziehen – um den Preis, sich für die bevorstehende Saison gegenüber den übermächtig erscheinenden Yankees in der AL East ziemlich sicher aus dem Spiel zu nehmen.
Die Dodgers sehen derzeit wie der klare Gewinner des Trades aus – mit Betts erhalten sie einen offensiv wie defensiv überragenden Spieler, der angesichts seines Alters von 27 Jahren noch viele gute Jahre vor sich hat. Die Absicht des Klubs ist erklärtermaßen, ihn langfristig an sich zu binden. Hinzu kommt David Price, der zwar schon 35 ist und letztes Jahr durch eine Verletzung beeinträchtigt war, in der Rotation aber dennoch ein Upgrade gegenüber Maeda darstellen sollte. Weniger erfreulich ist, dass Price noch 96 Millionen Dollar aus einem 2016 mit den Red Sox geschlossenen Siebenjahresvertrag erwartet. Das wird aber dadurch abgemildert, dass die Red Sox sich im Zuge des Trades verpflichtet haben, rund die Hälfte dieser Summe zu tragen.
Der Part des Trades, der für mich nicht wirklich Sinn ergibt, ist der der Twins. Sie geben mit Graterol ihr Top-Pitching-Prospect her für einen 31-jährigen bestenfalls soliden Starter, der in der MLB noch in keinem Jahr mehr als 175.2 Innings geworfen hat. Für mich sieht das nach einem allzu optimistischen und kurzsichtigen Versuch eines Win-Now-Moves aus. Oder die Twins wussten schon, was bei der medizinischen Beurteilung herauskommt. Nach dieser werden sie wohl einen zusätzlichen Spieler oder Geld abgeben müssen, um den Deal abzuschließen.

Pederson bleibt in der Gegend
Im Windschatten des Betts-Trades haben die Dodgers Mittwochnacht einen weiteren Deal angebahnt: Joc Pederson soll nach Anaheim zu den Los Angeles Angels wechseln. Damit bauen die Dodgers das entstandene Überangebot im Outfield ab und sparen die 7,75 bis 9,5 Millionen Dollar, die sie Pederson dieses Jahr geschuldet hätten. Die Angels erhalten in Pederson einen überdurchschnittlichen Hitter für ihr allerdings ebenfalls überbevölkertes Outfield. Neben Mike Trout und Justin Upton war bislang Brian Goodwin für die Startformation vorgesehen, Letzterer als Platzhalter für das Top-Prospect Jo Adell.
Außer Pederson werden die Angels voraussichtlich auch OF-Talent Andy Pages und Pitcher Ross Stripling bekommen, im Gegenzug werden IF Luis Renfigo und ein oder zwei weitere Prospects zu den Dodgers wechseln. Der Deal wurde bisher noch nicht finalisiert, weil die Dodgers ihn vom Abschluss des Trades um Mookie Betts abhängig machen.

Mariners verlängern mit Gonzales
Um die Seattle Mariners war es in dieser Offseason ungewohnt ruhig. Ihr sonst so trade- und wechselfreudiger General Manager Jerry Dipoto scheint zurzeit mehr auf Kontinuität zu setzen. Dafür spricht der Sechsjahresvertrag, mit dem im November 1B-Prospect Evan White ausgestattet wurde, und dafür spricht auch der Kontrakt, den nun Pitcher Marco Gonzales erhielt. Der in Kürze 28-Jährige wird für 30 Millionen Dollar bis 2024 an den Klub gebunden, zudem haben die Mariners die Option, für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranzuhängen.

Neue Teams für Flores und Riddle
Sowohl die San Francisco Giants als auch die Pittsburgh Pirates haben sich mit einem Infielder ergänzt. Die Giants statten Wilmer Flores mit einem Zweijahresvertrag über 6 Millionen Dollar aus. Flores lieferte letztes Jahr bei den Arizona Diamondbacks starke Ergebnisse (.317/.361/.487), wenngleich er wegen einer zwischenzeitlichen Fußverletzung nur 89 Spiele absolvierte. J. T. Riddle war bei den Miami Marlins nicht ganz so erfolgreich, vielmehr brachte er es bei einer Slashline von .189/.230/.371 auf negative -0.6 WAR und wurde nach der Saison entlassen. Dass er bei den Pirates einen MLB-Vertrag über immerhin 850.000 Dollar bekommt, finde ich daher überraschend.

Click neuer General Manager der Astros
Die Führungsmannschaft der Houston Astros ist wieder komplett: Eine Woche nach der Verpflichtung von Dusty Baker als Field Manager wurde nun James Click als neuer General Manager des skandalgeschüttelten Klubs vorgestellt. Der 42-Jährige war zuvor seit 2006 für die Tampa Bay Rays tätig, zuletzt als „Vice President for Baseball Operations“ – sozusagen als Assistent des General Managers. Click ist schon der zweite hochrangige Funktionär, den die Rays in dieser Offseason an die Konkurrenz verlieren: Ende Oktober hatten die Boston Red Sox Chaim Bloom zu ihrem General Manager gemacht.

Mets-Verkauf vorerst geplatzt
Hiobsbotschaft für die Fans der New York Mets: Der im Dezember angekündigte und von vielen herbeigesehnte Verkauf der Franchise wird möglicherweise nicht stattfinden. Nach allem, was bisher durchgesickert ist, sollen es mal wieder die aktuellen Teambesitzer Fred und Jeff Wilpon verbockt haben, indem sie in letzter Sekunde neue Forderungen auf den Tisch brachten. Es soll dabei vor allem darum gehen, wie lange und in welcher Form die Wilpons noch Einfluss auf die Franchise nehmen wollen. Der ursprünglich kaufwillige Multimilliardär Steve Cohen, der eine 80-Prozent-Mehrheit des Klubs übernehmen wollte, hat sich davon offenbar abschrecken lassen. Man darf gespannt sein, ob die Verhandlungen noch mal aufgenommen werden oder ob es das vorerst war mit den Hoffnungen, das ungeliebte Vater-Sohn-Gespann an der Vereinsspitze bald los zu sein.

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