November 17th, 2016 by Silversurger

Es ist Donnerstag und damit Zeit für das wöchentliche Update zum Geschehen in der MLB und um sie herum. Die interessantesten News der Woche waren für mich die vergebenen Awards für die vergangene Saison. Die beiden wichtigsten Awards, die MVP-Auszeichnungen der American League und der National League, werden allerdings erst heute Nacht bekannt gegeben. Außerdem gab es ein paar Trades und Free-Agency-Entscheidungen. Als besonders aktiv haben sich in dieser frühen Phase der Offseason die Atlanta Braves und die Toronto Blue Jays hervorgetan.

Scherzer und Porcello erhalten Cy-Young-Award
Die besten Pitcher der Saison 2016 waren Max Scherzer in der National League und Rick Porcello in der American League. So sehen es jedenfalls die Stimmberechtigten des Baseball-Journalistenverbandes BBWA. Diese Auszeichnungen überraschen mich etwas, vor allem im Fall von Scherzer. Er wurde auf 25 von 30 Stimmzetteln auf den ersten Platz gewählt und auf 3 weiteren auf den zweiten Platz. Damit ließ er seine Mitfinalisten Jon Lester und Kyle Hendricks deutlich hinter sich, obwohl diese deutlich bessere ERA-Werte (2.44 und 2.13 gegenüber Scherzers 2.96) aufwiesen. Schaut man auf andere aussagekräftige Daten wie FIP oder WAR, so besagen diese Zahlen, dass Noah Syndergaard und der verstorbene Jose Fernandez mehr für ihr Team getan haben als Scherzer, aber diese beiden waren noch nicht mal unter den Finalisten der Wahl. Klar, Zahlen sind nicht alles, Scherzer ist unbestreitbar ein großartiger Pitcher und er hatte eine gute Saison. Aber als so überragend gegenüber den genannten Konkurrenten, wie es das Wahlergebnis aussehen lässt, kann ich ihn beim besten Willen nicht sehen.

Auch mit Porcello bin ich nicht ganz einverstanden, aber wenigstens war es in dem Fall ein knappes Wahlergebnis zwischen ihm und Justin Verlander, der die Auszeichnung meiner Ansicht nach ein bisschen mehr verdient hätte. Ganz vorne hätte ich persönlich Corey Kluber gesehen, aber natürlich ist mein Urteilsvermögen in dem Fall etwas durch die starke Postseason von Kluber beeinflusst, welche für die Cy-Young-Entscheidung nicht berücksichtigt wurde.

Francona und Roberts sind Managers of the Year
Man sollte meinen, dass die Favoritenrolle für den Titel des Managers des Jahres derjenige Manager hat, der sein Team zum World-Series-Sieg geführt hat. Tatsächlich spielt das aber überhaupt keine Rolle, denn die Stimmabgabe innerhalb der BBWA erfolgt vor dem ersten Spiel der Postseason. Insofern fühlt es sich zwar ein bisschen komisch an, dass die Auszeichnung an die beiden Manager geht, deren Teams letztlich in den entscheidenden Momenten den Kürzeren gegenüber dem leer ausgehenden Joe Maddon und seinen Chicago Cubs zogen, aber eine gute Wahl ist es in meinen Augen trotzdem. Terry Francona und Dave Roberts haben miteinander gemeinsam, dass ihre Teams, die Cleveland Indians und die Los Angeles Dodgers, nicht als klare Favoriten in ihre Divisionen gingen, das ganze Jahr über mit überdurchschnittlich hohem Verletzungspech leben mussten und dennoch eine großartige Saison hinlegten. Das darf man ruhig mal anerkennen.

Seager und Fulmer sind Rookies of the Year
Die Wahl zum Rookie des Jahres in der NL war ein No-Brainer: Dodgers-Shortstop Corey Seager ging als klarer Favorit ins Rennen und wurde letztlich einstimmig gewählt. Seager produzierte den besten Average (.308) und die meisten Runs (105) seines Teams, die beste OPS (.877) aller MLB-Shortstops und überzeugte gleichermaßen in der Defensive auf der wohl schwierigsten aller Feldpositionen.

Ebenfalls recht eindeutig fiel die Wahl in der AL aus, die Tigers-Pitcher Michael Fulmer mit 26 von 30 Stimmen gewann. Fulmer, der 2015 im Tausch gegen Yoenis Cespedes von den New York Mets nach Detroit gekommen war, brachte es in seiner ersten vollen Saison auf einen ERA von 3.06 und scheint für die nächsten Jahre als das Ass seines Teams gesetzt. Beeindrucken konnte er vor allem mit seinem Changeup, den er über 400-mal warf und den Gegnern dabei einen Average von nur .167 und keinen einzigen Homerun erlaubte.

Nicht unerwähnt lassen sollte man Gary Sanchez. Der junge Catcher der Yankees hatte einen furiosen Einstand mit einem Average von .299, 20 Homeruns und einer OPS von 1.032 in nur 53 Spielen. Allerdings wurden ihm diese nur 53 Spiele wohl bei der Wahl zum Verhängnis, weil das als in der Fachwelt als zu kleine Stichprobengröße gilt, um eine Schlagleistung stabil beurteilen zu können. Das klingt ein bisschen komisch angesichts der Tatsache, dass Michael Fulmer nur 26 Spiele benötigte, um Rookie of the Year zu werden, aber es ist natürlich auch klar, dass an einen Starting Pitcher, der standardmäßig nur alle fünf Spiele antritt, ein anderes Maß angelegt wird als an einen Batter.

Braves setzen auf erfahrene Pitcher
Die Atlanta Braves beziehen mit Beginn der Saison 2017 ein neues Stadion, den SunTrust Park, und sie scheinen wild entschlossen, zu diesem Anlass ein konkurrenzfähiges Team auf die Beine zu stellen. Dieser Wunsch ist nicht so weit hergeholt, wie es der letzte Platz in der NL East vermuten lässt: Die Offensive machte schon in den letzten Wochen der abgelaufenen Saison den Eindruck, die entscheidende Kurve genommen zu haben; für das Pitching sind mit Julio Teheran und Mike Foltynewicz ein Ass und ein ordentlicher Starter vorhanden, dazu stehen im Farmsystem einige Talente in den Startlöchern. Was bislang fehlte, waren ein paar einigermaßen verlässliche Leute, die die ein bis zwei Jahre überbrücken, bis die Rotation aus dem eigenen Nachwuchs komplettiert werden kann. Insofern war es ein kluger Zug, mit Bartolo Colon und R. A. Dickey gleich zwei Mammuts zu verpflichten, die genau diesen Zweck erfüllen und zudem als Mentoren für das junge Team fungieren können. Gerüchten zufolge sind die Braves mit dem Aufrüsten ihrer Rotation noch nicht fertig, sie gelten als ernsthafte Mitbieter für Chris Sale und Chris Archer.

Blue Jays stellen Weichen
Neben den Braves sind vor allem die Toronto Blue Jays mit einem aggressiven Start in die Free Agency aufgefallen: Am Freitag sicherten sie sich für sieben Jahre die Dienste des 23-jährigen vielseitig einsetzbaren Kubaners Lourdes Gourriel sowie für drei Jahre die von 1B/DH Kendrys Morales. Darüber hinaus gelten sie als starke Interessenten an einem Deal mit den New York Mets für Jay Bruce. Für die eigenen Free Agents Edwin Encarnacion und Jose Bautista bedeutet das wohl, dass man in Toronto tendenziell ohne sie plant.

Walker und Hellickson akzeptieren Qualifying Offers
Von den zehn Qualifying Offers über 17,2 Millionen Dollar für einen 1-Jahres-Vertrag wurden erwartungsgemäß die meisten – genauer gesagt acht – von den betreffenden Spielern abgelehnt. Angenommen wurden sie allerdings von 2B Neil Walker, der somit ein weiteres Jahr bei den New York Mets bleibt, sowie von RHP Jeremy Hellickson von den Philadelphia Phillies.

Neue Arbeitgeber für Danny Valencia und Howie Kendrick
Das Warten auf den ersten „großen“ Trade der Offseason dauert an, derweil sind zwei kleinere eine Erwähnung wert: Die Seattle Mariners haben sich mit den Oakland Athletics geeinigt, dass sie Allrounder Danny Valencia im Tausch für Prospect-Pitcher Paul Blackburn erhalten. Und OF Howie Kendrick geht von den Los Angeles Dodgers zu den Philadelphia Phillies, welche dafür die beiden Utility-Player Darin Ruf und Darnell Sweeney bekommen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juni 26th, 2016 by Silversurger

Der momentan begehrteste Free Agent der MLB hatte noch keine einzige Plate Appearance in den US-Ligen und ist obendrein schon deutlich über 30. Trotzdem sind mehrere hochkarätige Teams an ihm interessiert. Was ist dran an Yulieski Gourriel, dem kubanischen Third-Base-Man, der vermutlich innerhalb der nächsten 14 Tage seinen ersten MLB-Vertrag unterschreiben wird?

Gourriels Zahlen sprechen auf den ersten Blick eine sehr positive Sprache: Seine Karriere-Slashline steht bei .335/.417/.580 mit 250 Homeruns, in der letzten Saison schlug er gar einen Average von .500. Allerdings sind das Werte aus der kubanischen Profiliga und es ist kaum abzuschätzen, ob und wie sie sich in die MLB übersetzen lassen. Und es gibt noch eine andere Zahl, die Zweifel aufwirft, nämlich Gourriels Alter. Dieses ist offiziell mit 32 angegeben, aber es gilt als offenes Geheimnis, dass die Altersangaben aus Kuba oft geschönt sind. Es wird daher spekuliert, ob Gourriel nicht schon ein, zwei Jahre älter ist und das würde seine Prognose, in der MLB Fuß zu fassen und ein paar Jahre gute Leistungen zu bringen, deutlich schmälern.

Zu den bestehenden Fragezeichen kommt die Tatsache hinzu, dass Gourriel seit seiner Entscheidung, von einer Länderspielreise im Februar nicht nach Kuba zurückzukehren, ein paar Monate ohne Spielpraxis ist. Wegen der diversen Unsicherheiten gehe ich davon aus, dass er nur von Teams Angebote erhalten wird, die ihn sich vorher in einem Probetraining ausführlich angeschaut haben. Bei den Dodgers hat er ein solches Probetraining bereits absolviert, in den kommenden Tagen werden Termine mit den Yankees und den Mets folgen.

Für die Dodgers spricht, dass sie an der zweiten und dritten Base mit Oldie Chase Utley und Justin Turner zwei kommende Free Agents mit wechselhaften Leistungen beschäftigen und der wichtigste Backup Howie Kendrick ein sehr schwaches Jahr hat. Die Dodgers sind traditionell recht aktiv auf dem Markt für kubanische Spieler.

Bei den Mets könnte Gourriel, wenn er so einschlägt wie erhofft, David Wright ersetzen, der nach einer Bandscheibenoperation im Nacken voraussichtlich für den Rest der Saison ausfällt und angesichts seiner sonstigen Verletzungsgeschichte wohl nie wieder der Spieler sein wird, auf den man sich täglich verlassen kann. Allerdings haben die Mets mit den Verpflichtungen von Kelly Johnson und Jose Reyes bereits zweimal im Infield nachgebessert und auch Wilmer Flores macht sich momentan gut an der dritten Base, sodass der Druck, weitere Investitionen zu tätigen, nicht mehr so groß ist. Ein Faktor, der für Gourriel im Mets-Trikot spricht, könnte Yoenis Cespedes sein, der Gourriel als „einen meiner besten Freunde“ bezeichnet und eifrig Werbung gemacht hat für „einen der komplettesten Spieler, der ja aus Kuba gekommen ist“.

Die Yankees erscheinen mir von den drei hier genannten Teams das unwahrscheinlichste Ziel zu sein, weil Gourriels Hauptposition an der dritten Base an Chase Headley vergeben ist und weil angesichts der mittelmäßigen Saisonleistung des Teams fraglich ist, ob die Yankees derzeit überhaupt als Käufer in den Markt einsteigen wollen. Andererseits hat Gourriel selbst bereits geäußert, dass er gern bei den Yankees spielen würden und auch in der Bronx hat er einen hochkarätigen Fürsprecher: Aroldis Chapman ist überzeugt, dass Gourriel „alles mitbringt, was er braucht um auf diesem Level zu spielen“ und betont zudem, er sei „nicht nur ein guter Spieler, sondern auch ein guter Teamkamerad und eine gute Person“.

Gourriel könnte aufgrund seines Alters mit einem Zwei- bis Drei-Jahres-Vertrag für 10-12 Dollar pro Jahr zufrieden sein. Das wäre ein relativ überschaubares Risiko, zumal seine Verpflichtung als Free Agent ohne Gegenleistung in Form von Prospects oder sonstigen Spielern möglich ist.

Posted in Baseball international, MLB Tagged with: , , , ,