August 22nd, 2019 by Silversurger

Einiges ist schon seit Wochen so gut wie entschieden in der MLB: die AL East, die AL West, die NL East und die NL West haben ihre Divisionssieger mit hoher Wahrscheinlichkeit gefunden. Umso spannender ist es noch um die beiden restlichen Divisionen sowie um die Wild Cards. In der AL ist es im Wesentlichen ein Dreikampf: Die Tampa Bay Rays, die Oakland Athletics und das Team, das in der AL Central Zweiter wird, werden die beiden zusätzlichen Playoff-Startplätze unter sich ausmachen. Die NL ist enger beisammen, hier ist noch rund die Hälfte der Liga in der Verlosung um die begehrte Hintertür in die Postseason. In beiden Ligen geht es in den Wild-Card-Rennen so eng zu, dass eine Vorentscheidung innerhalb der nächsten Tage nicht zu erwarten ist. Möglicherweise sehen wir aber an diesem Wochenende bereits eine Vorschau auf die World Series.

National League
Ein guter Teil des spannenden Wild-Card-Rennens der National League spielt sich in der NL East ab: Nahezu im Gleichschritt marschieren die Washington Nationals (69-57), die New York Mets (66-60) und die Philadelphia Phillies (66-60). Das müssen sie auch, denn wer aus dieser Gruppe in nächster Zeit mal ein paar Spiele hintereinander verliert, kann ganz schnell raus sein. Auch die Atlanta Braves (76-52) geben sich derzeit keine Blöße und können daher relativ entspannt von der Spitze auf das Hauen und Stechen um die Folgeplätze hinabschauen. Das spannendste Divisionsduell dieser Woche findet von Freitag bis Sonntag in Queens statt, wo die Mets die Braves empfangen.

In der NL Central muss ich vor allem über den Absturz der Chicago Cubs (68-58) sprechen. Jedenfalls dachte ich das, als am Samstag die Cubs gerade von den Phillies gesweept worden waren und obendrein das erste Spiel gegen die Pittsburgh Pirates (52-74) verloren hatten. Aber es wäre nicht die NL Central, wenn sie am Donnerstag noch so aussähe wie am Samstag. Inzwischen haben die Cubs viermal hintereinander gewonnen und stehen wieder allein an der Tabellenspitze. Möglich wurde das, indem die St. Louis Cardinals (67-58) gestern Abend eine bittere Niederlage gegen die Milwaukee Brewers (65-62) einstecken mussten – bitter auch deshalb, weil das Wetter den Cardinals die Chance auf ein Comeback nahm. Die Partie wurde wegen heftigen Regens nach acht Innings abgebrochen und mit dem bis dahin erzielten Spielstand von 5:3 für Milwaukee gewertet.

Die Teams der NL West würden den vorzeitigen Abbruch eines Spiels oder auch gleich der gesamten Saison wohl weniger krumm nehmen. Für die Los Angeles Dodgers (84-44) mit inzwischen glatten 20 Spielen Vorsprung zählen längst nur noch die Playoffs, genauer gesagt zählt für sie nach drei gescheiterten Anläufen dieses Jahr nur die World Series. Von den restlichen Teams sind die Arizona Diamondbacks (64-64) und die San Francisco Giants (63-64) noch in Reichweite der Wild-Card-Plätze, aber angesichts der Konkurrenz aus den anderen beiden Divisionen sieht das nach einer bestenfalls theoretischen Möglichkeit aus.

American League
Die New York Yankees (83-45) sind nach wie vor das erfolgreichste Team der American League und führen die AL East mit neun Spielen Vorsprung souverän an, aber die letzten Tage waren ein Dämpfer für den Rekordmeister: Erst reichte es gegen die Indians nur zu einem Split, dann setzte es zwei Niederlagen in Folge bei den Athletics. Nach einem weiteren Spiel in Oakland heute Nacht führt der Westküstentrip weiter zu den Dodgers (siehe „Einschalttipp“). Für die Tampa Bay Rays (74-54) gibt es eigentlich nichts schöneres als Niederlagen der Yankees, doch auf die letzten beiden hätten sie wohl gerne verzichtet. Durch sie müssen die Rays sich zurzeit den zweiten Wild-Card-Platz der AL mit den Athletics teilen. Die Boston Red Sox (67-61), ihres Zeichens Titelverteidiger und teuerstes Team der Liga, sind derweil schon sieben Spiele hinter die Wild Cards zurück gefallen. 

Die spannendsten Divisionen sind dieses Jahr die mittleren, da sind sich AL und NL einig. Um die Spitze der AL Central liefern sich die Minessota Twins (77-50) und die Cleveland Indians (74-53) weiterhin ein hautenges Rennen. Beide Teams sind in den letzten Tagen ein bisschen gestolpert – die Indians mit je zwei Niederlagen bei den Mets und den Yankees, die Twins mit einer 1:2 verlorenen Heimserie gegen die Chicago White Sox (57-69). Dank des 4-Spiele-Sweeps gegen die Rangers, den die Twins am letzten Wochenende erzielt haben, liegen sie derzeit mit drei Spielen vor Cleveland. Auch das Restprogramm der Twins erscheint mir etwas leichter als das der Indians.

In der AL West feiert die lange vermisste Spannung ein Comeback: nachdem die Oakland Athletics (73-53) die Houston Astros (81-47) mit 3:1 Siegen geschlagen und zuletzt zweimal gegen die Yankees gewonnen haben, beträgt der Abstand zwischen Rang eins und zwei plötzlich nur noch sieben Spiele. Das ist immer noch ein recht bequemes Polster, aber längst nicht mehr die unumstrittene Dominanz, die von den Astros erwartet wurde und die sie über weite Strecken der Saison ausgestrahlt haben. Eine interessante Geschichte aus dem Bereich der Sportwetten: Die gestrige 1:2-Niederlage der Astros gegen die Tigers war den Wettquoten nach der überraschendste Außenseitersieg in der MLB der letzten 15 Jahre.

Szene der Woche 
In dieser Kategorie komme ich nicht vorbei an dem Monster-Walkoff-Homerun von Bryce Harper, mit dem letzten Donnerstag die Philadelphia Phillies ihren Comeback-Win – und gleichzeitig einen 3-Spiele-Sweep – gegen die Chicago Cubs perfekt machten:

Zwei andere Szenen fand ich zu originell, um sie hier nicht auch kurz erwähnt zu haben. Eine davon gehört dem Eichhörnchen, das Fans und Spieler der White Sox und der Twins in Atem gehalten und bei seinem Sprint über das Feld Max Kepler getunnelt hat:

Und dann war da noch Cody Bellinger, der mit seinem Double drei Runs inklusive seines 100. RBIs nach Hause brachte, dabei aber nicht nur sein eigenes Out an der dritten Base, sondern auch eine heruntergelassene Hose in Kauf nehmen musste:

Statistik der Woche 
28. So viele verschiedene Spieler der New York Yankees sind oder waren in der laufenden Saison auf der Injury List. Das ist ein Rekord, den sie nun gemeinsam mit den Los Angeles Dodgers des Jahres 2016 halten. Man darf sich fragen, ob das einfach Pech ist oder ob im Training oder der medizinischen Abteilung der Yankees etwas grundsätzlich verkehrt läuft. Andererseits kann man nur den Hut davor ziehen, dass sie trotz dieser Misere konstant erfolgreichen Baseball spielen.

Spiel der Woche
Manchmal suche ich händeringend nach einem Spiel, das es wert ist, an dieser Stelle des Artikels hervorgehoben zu werden; manchmal habe ich die Qual der Wahl mit gleich zwei oder drei interessanten Spielen; und manchmal gibt es Spiele wie das zwischen den Milwaukee Brewers und den Washington Nationals vom Samstag. Die Brewers führten 5:0 im dritten, 8:5 im sechsten und 12:11 im neunten Inning. Zwischendurch führten die Nationals im siebten und achten Inning 11:8, und in der unteren Hälfte des neunten hatten sie beim Stand von 12:12 Bases loaded mit 0 Outs.  Die Spitze des Lineups mit Trea Turner, Anthony Rendon und Adam Eaton trat nacheinander an den Schlag, alle drei kassierten von Josh Hader einen Strikeout und es ging in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning gingen die Brewers erneut in Führung, die Nationals glichen aus. Im vierzehnten Inning brachte Eric Thames per 2-Run-Homerun die Brewers zum fünften Mal in Front und dieses Mal sprangen die Nationals bei ihrer Aufholjagd zu kurz. Eine der wildesten Partien des Jahres ging mit 15:14 an die Brewers. Noch eine nette Kuriosität: Winning Pitcher war J. Guerra, Losing Pitcher J. Guerra. Milwaukees Junior Guerra und Washingtons Javy Guerra sind übrigens nicht miteinander verwandt.

Mein Einschalttipp
Die beiden besten Teams der MLB, die New York Yankees und die Los Angeles Dodgers, treffen am Wochenende aufeinander – zum ersten und vielleicht einzigen Mal in dieser Saison. Die einzige Möglichkeit, dass die beiden sich dieses Jahr noch einmal über den Weg laufen, wäre dass beide sich für die World Series qualifizieren. Bis dahin ist es noch ein weiter, aber wohl nicht ganz unwahrscheinlicher Weg. Auf jeden Fall dürfte die anstehende Serie ein absoluter Pflichttermin für jeden Baseballfan sein. Die Spiele beginnen am Samstagmorgen um 4:10 Uhr, am Samstagabend um 22:05 Uhr und Sonntagnacht um 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sehen kann man sie leider nur mit einem Abo von mlb.tv – kommt es mir nur so vor oder bringt DAZN in letzter Zeit immer weniger MLB-Spiele und trifft gleichzeitig eine immer seltsamere Auswahl? Erfreulich hingegen ist, dass Sport1 diese Woche wieder ein MLB-Spiel im deutschen Free-TV anbietet. Am Mittwoch ab 22 Uhr steigt Sport1 live in die Partie der Milwaukee Brewers gegen die St. Louis Cardinals ein.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , ,