März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

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Juli 30th, 2018 by Silversurger

Am gestrigen Sonntag wurden in einer feierlichen Zeremonie sechs ehemalige MLB-Spieler in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Ich möchte die sechs kurz vorstellen, vorab auch noch mal das Verfahren der Aufnahme in dieses besondere Museum erläutern.

Die Entscheidung, wer in die Hall of Fame aufgenommen wird, trifft standardmäßig der Verband der Baseballjournalisten, die Baseball Writers Association of America (BBWA). Wahlberechtigt sind die Mitglieder der BBWA, sofern sie dieser seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder Wähler darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer hingegen weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden.

Nach diesem Verfahren sind üblicherweise 25 bis 40 Spieler wählbar. In diesem Jahr waren es 33. Vier davon erhielten die nötige Stimmenanzahl: Chipper Jones (97,2%), Vladimir Guerrero (92,9%), Jim Thome (89,8%) und Trevor Hoffman (79,9%). Jones und Thome wurden gleich im ersten Jahr ihrer Wählbarkeit gekürt, was als besondere Ehre gilt. Guerrero und Hoffman hatten im letzten Jahr nur wenige Stimmen gefehlt, was in aller Regel ein sicheres Zeichen dafür ist, dass man den Sprung im Folgejahr schaffen wird – genau so ist es jetzt gekommen und man darf wohl davon ausgehen, dass es im Jahr 2019 Edgar Martinez genauso ergehen wird, dem dieses Jahr mit 70,4% noch 20 Stimmen zum Einzug fehlten. Ein ganzes Stück entfernt von dem ersehnten Wert landeten auch im sechsten Jahr ihrer Wählbarkeit Roger Clemens (57,3%), Barry Bonds (56,4%) und Curt Schilling (51,2%) – zumindest die beiden Erstgenannten gehören von ihren Leistungen her ohne Frage in die Hall of Fame, doch die Rolle leistungsfördernder Substanzen für ihre Karrieren wirft einen dunklen Schatten auf selbige und hat sie bislang unter den 75% gehalten. Nächstes Jahr haben sie eine neue Chance, im Gegensatz zu den 14 Spielern, die dieses Mal unter 5% blieben – darunter Jamie Moyer und Johan Santana mit je 2,4%. 

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Eras Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Für die Aufnahme in diesem Jahr war das Modern Baseball Era Committees zuständig und hat bereits während der Winter Meetings im Dezember die Aufnahme von Jack Morris und Alan Trammell verfügt.

Chipper Jones
Larry Wayne „Chipper“ Jones wurde von den Braves Atlanta Braves 1990 als Draftpick Nummer 1 gewählt und hat nie für einen anderen Klub gespielt. In der MLB war er 1993 sowie von 1995 bis 2012 aktiv und brachte es auf acht All-Star-Wahlen, einen MVP-Titel (1999) und eine gewonnene World Series (1995) mit seinen Braves. Er ist einer von nur neun Spielern, die in ihrer Karriere mindestens 400 Homeruns, einen Average von mindestens .300, eine OBP von mindestens .400 und ein SLG von mindestens .500 erreicht haben – und unter diesen neun der einzige Switch Hitter. Diese Zahlen sprechen, ebenso wie das mehr als eindeutige Ergebnis gleich im ersten Jahr der Wählbarkeit, klar dafür, dass Jones dieses Jahr die unumstrittenste Neuaufnahme in die Hall of Fame war.

Vladimir Guerrero
Vlad Guerrero kam ziemlich weit herum in seiner 16-jährigen MLB-Karriere: Er begann 1996 ganz im Norden bei den Montreal Expos, machte ab 2004 ganz im Westen weiter für die Los Angeles Angels of Anaheim, 2010 ging es in den Süden zu den Texas Rangers und 2011 schließlich in den Osten zu den Baltimore Orioles. Guerrero galt als formidabler Bad-Ball-Hitter, also als jemand, der oft mit Erfolg nach Pitches weit außerhalb der Strikezone schlug. 2009 erzielte er gegen die Baltimore Orioles sogar einen Hit, indem er einen Ball schlug, der – ebenso wie Guerreros Bat – vorher auf dem Boden aufgekommen war. Seine Fähigkeit, von quasi überall zu treffen, machte Strikeouts gegen ihn fast unmöglich und brachte ihm einen Karriere-Average von .318 ein. Paart man diesen statistisch mit seinen 449 Homeruns, so reiht er sich in nur fünf andere Spieler ein, die solche Werte erreicht haben und deren Namen Musik in den Ohren jedes Baseballfans sind: Babe Ruth, Jimmie Foxx, Ted Williams, Lou Gehrig und Stan Musial. Guerrero wird der erste Spieler überhaupt sein, der sich in der Hall of Fame mit einer Kappe der Angels verewigen lässt.

Jim Thome
Auch Jim Thome hat ein paar Statistiken vorzuweisen, mit denen nur wenige mithalten können: Mit 612 Homeruns ist er auf Platz acht der ewigen Rangliste, mit 1747 Walks auf Platz sieben – und neben Barry Bonds und Babe Ruth der einzige, der in beiden Kategorien zu den Top-10 gehört. In seiner Karriere erzielte der Third und First Baseman 13 Walkoff-Homeruns und damit mehr als jeder andere in der Geschichte. Thome spielte in 22 MLB-Jahren für sechs verschiedene Teams, wobei er seine längste und prägendste Zeit mit den Cleveland Indians verbrachte. Er war fünfmal im All-Star-Team und spielte in zwei World Series, die jedoch beide knapp verloren gingen – 1995 gegen die Braves (mit Chipper Jones) und 1997 gegen die Florida Marlins.

Trevor Hoffman
Nur fünf Stimmen trennten Hoffman davon, schon 2017 in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Jetzt ist es aber endlich soweit und der siebenfache All-Star erhält seinen Platz in der Ruhmeshalle als lediglich sechster Reliever. Dass es soweit kam, war am Anfang seiner Karriere nicht abzusehen: Die Cincinnati Reds drafteten ihn 1989 in der elften Runde als Shortstop. Als solcher war er nicht besonders erfolgreich, aber er demonstrierte einen Wurfarm, der seinen Minor-League-Coach Jim Lett auf die Idee brachte, ihn auf Pitcher umzuschulen. Ein paar Jahre und zwei Trades später gelang ihm bei den San Diego Padres der Durchbruch und Hoffman wurde zu einem der dominantesten Closer der MLB-Geschichte. Fans und Gegnern lief es regelmäßig eiskalt den Rücken herunter, wenn Hoffman bei Heimspielen zum Walkup-Song „Hells Bells“ das Feld betrat. Mit 602 Karriere-Saves ist er Zweiter hinter dem legendären Mariano Rivera, der nächstes Jahr vermutlich bei erster Gelegenheit ebenfalls in die Hall of Fame einziehen wird.

Jack Morris
Morris pitchte von 1977 bis 1994 lang für die Detroit Tigers, Minnesota Twins, Toronto Blue Jays und Cleveland Indians, unter anderem in vier gewonnenen World Series. Das Highlight seiner Karriere dürfte die Word Series 1991 gewesen sein, in der er nach 10 Shutout-Innings in Spiel 7 für die Twins zum MVP der Serie gekürt wurde. Zudem gelang ihm 1984 ein No-Hitter für die Tigers gegen die White Sox. Trotz dieser Erfolge verkörpert Morris in Statistiken wie einem 3.90-Karriere-ERA lediglich soliden Durchschnitt. In den 80er Jahren gab er mehr Hits, mehr Earned Runs und mehr Homeruns ab als jeder andere Pitcher der MLB, allerdings absolvierte er in dem Jahrzehnt auch die meisten Starts und die meisten Innings unter allen Pitchern. Während seiner Wählbarkeit durch die BBWA erreichte er nie die nötigen 75%, doch das Era Committee entschied nun, dass er mit seinen Errungenschaften dennoch in die Hall of Fame gehört.

Alan Trammell
Gemeinsam mit Morris gewann Shortstop Alan Trammell 1984 die World Series mit den Tigers, für die er in seiner gesamten 20 Jahre währenden Karriere auflief. Er war MVP dieser World Series, wurde zudem sechsmal ins All-Star-Game gewählt, viermal mit dem Gold Glove und dreimal mit dem Silver Slugger ausgezeichnet. Bei der Hall-Wahl wurde Trammell lange Zeit irgendwie übersehen, sein bester Wert waren knapp über 40% im letzten Jahr seiner Wählbarkeit 2016. Das mag damit zusammenhängen, dass sein Batting (.285/.352/.415) gut, aber selten überragend war und dass sich sein Wert als Spieler mehr auf lange Sicht als in einzelnen Highlights bewies. Am Ende seiner Karriere standen jedenfalls bemerkenswerte 70,7 bWAR, was eine TOP-100-Platzierung in der ewigen Rangliste bedeutet.

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Mai 24th, 2018 by Silversurger

Haufenweise spannende Spiele, einige Führungswechsel an den Divisionsspitzen, leider aber auch schon wieder ein Dopingfall – die vergangene Woche in der MLB bot quasi einen Querschnitt der bisherigen Saison. Negativ aus diesem Bild heraus fallen die Arizona Diamondbacks, die nach großartigem Saisonbeginn derzeit kaum wiederzuerkennen sind. Auf der anderen Seite sind die Milwaukee Brewers in meinen Augen das Team der Stunde und haben mittlerweile den besten Record in der generell recht ausgeglichenen National League. Nicht ganz so ausgeglichen ist die American League, aus der nach wie vor die Boston Red Sox, die Houston Astros und die New York Yankees deutlich herausragen.

National League
Die beiden jungen Überraschungsteams der National League East haben in den letzten Tagen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander gespielt. Das Resultat ist nicht etwa mehr Klarheit an der Spitze der Division, sondern durch den 2:1-Erfolg der Phillies sind Philadelphia (28-19) und die Atlanta Braves (29-19) nur noch näher aneinander heran gerückt. Ein Stück dahinter, aber auch nur drei bzw. dreieinhalb Spiele zurück sind die Washington Nationals (26-22) und die New York Mets (24-21). Beide hatten sicher mehr von der Saison erwartet als nach zwei Monaten auf den Plätzen drei und vier zu stehen, doch wenn man sich ihre Bilanzen anschaut, sehen diese eigentlich durchaus so aus, wie man sie sich vor der Saison vorstellen konnte – nur dass man zu diesem Zeitpunkt die Braves und die Phillies nicht derart stark auf der Rechnung hatte. Die Braves werden in den kommenden Tagen alle Hände voll zu tun haben, ihren Spitzenplatz zu verteidigen: Sie müssen zunächst nach Boston zum bislang stärksten Team der Liga und dann für vier Spiele zu den extrem schwer einzuschätzenden Mets. Vielleicht sind die Mets in zwei Wochen besser einzuschätzen, denn dann haben sie zwölf aufeinander folgende Spiele gegen Top-Teams – viermal Braves, viermal Brewers, viermal Cubs – hinter sich.

Es ist immmer wieder erstaunlich, wie schnell es in der MLB gehen kann: Wochenlang war die NL Central die spannendste Division, weil zwischen den besten vier Teams nie mehr als zwei Spiele lagen. Aber kaum, dass mal eines der Teams eine Siegesserie einlegt, bei der die anderen nicht mitziehen, sieht es schon anders aus. Immerhin drei Spiele Vorsprung haben die Milwaukee Brewers (31-19) auf den Rest des Feldes, nachdem sie zuletzt acht von zehn gewonnen haben. Dahinter stehen die Pittsburgh Pirates (27-21), die St. Louis Cardinals (26-21) und die Chicago Cubs (25-21) weiterhin sehr eng beisammen. Die kommende Woche wird heiß, denn es kommt zu zahlreichen direkten Duellen der vier Teams. Mal sehen, ob wir dann schlauer sind.

In der NL West gab es einen Führungswechsel, der sich schon eine Weile angedeutet hatte, denn die Arizona Diamondbacks (25-24) – vor drei Wochen noch das Top-Team der NL – befinden sich im freien Fall. Sechs Niederlagen, ein einzelner Sieg und dann weitere sieben Niederlagen sind die niederschmetternde Bilanz der letzten vierzehn Spiele. Nutznießer sind die Colorado Rockies (26-24), die sich trotz mittelmäßiger Leistungen und einem deutlich negativen Run Differential (-28) plötzlich an der Spitze der Division wiederfinden. Der Schwäche der Konkurrenz ist es zu verdanken, dass sowohl die San Francisco Giants (24-26) als auch die Los Angeles Dodgers (22-27) noch gute Chancen haben, Anschluss nach ganz oben zu finden. Gerade die Dodgers haben nach ihrem enttäuschenden Saisonstart zuletzt deutliche Lebenszeichen von sich gegeben, indem ihnen ein Sweep gegen die Nationals und eine 2:1-Serie gegen die Rockies gelangen. Darauf lässt sich in den kommenden drei Heimspielen gegen die San Diego Padres (21-30) aufbauen.

American League
Auch in der American League East hat die Führung gewechselt, zurzeit haben die Boston Red Sox (34-15) wieder die Nase vor den Yankees und auch vor dem Rest der gesamten Liga. Nach ein paar schwächeren Auftritten der Red Sox erwiesen sich die Baltimore Orioles (15-34) und die Tampa Bay Rays (22-25) als dankbare Aufbaugegner, während die New York Yankees (31-15) zuletzt zweimal gegen die Rangers verloren und nun mit den Angels und den Astros zwei schwere Gegner vor sich haben. Den Rest der Division kann man wohl getrost abhaken, denn außer den Rays und den Orioles sind auch die Toronto Blue Jays (23-26) nach acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen inzwischen so weit abgeschlagen, dass ihre Playoff-Chancen auf ein Minimum gesunken sind. Elf Spiele beträgt in der AL East mittlerweile der Abstand zwischen Platz eins und drei, in keiner anderen Division sind es mehr als viereinhalb.

Wenn die Cleveland Indians (24-23) in der AL East zu Hause wären, hätten sie dort übrigens auch schon neun Spiele Rückstand auf Platz eins. Da sie aber in der AL Central und damit in der wohl schwächsten Division der Liga sind, stehen sie nach wie vor ganz vorne – immerhin jetzt wieder mit knapp positivem Record. Die Minnesota Twins (21-24) bleiben dran, auch wenn „unser“ MLB-Star Max Kepler leider immer noch einen sehr schwachen Mai hat, in dem er bislang nur .186/.310/.343 schlägt. Best of the rest sind die Detroit Tigers (21-28), mit weiterem Abstand folgen die Chicago White Sox (15-31) und die Kansas City Royals (16-33). Als ob die White Sox nicht schon genug Probleme hätten, hat sich nun auch noch ihr Stamm-Catcher Wellington Castillo beim Gebrauch leistungssteigernder Mittel erwischen lassen. Er erhält die übliche Ersttäter-Strafe von 80 Saisonspielen Sperre zuzüglich All-Star-Game und Playoffs.

Völlig unbeeindruckt vom letztwöchigen Dopingfall Robinson Cano, der mit der gleichen Sperre geahndet wurde wie Castillo, zeigen sich bislang die Seattle Mariners (29-19) und das, obwohl sie inzwischen auch auf Canos Vertreter als Second Baseman, Dee Gordon, verletzungsbedingt verzichten müssen. Mit derzeit fünf Siegen am Stück waren die Mariners das erfolgreichste Team der Woche und bleiben dran am Titelverteidiger Houston Astros (32-18), der die AL West weiterhin anführt. Die Astros sind übrigens das erste Team in diesem Jahr, das beim Run Differential die Schwelle von +100 überschritten hat. Dazu beigetragen hat die fünftbeste Offensive und die mit großem Abstand beste Defensive der Liga. Nur 126 kassierte Runs in 50 Spielen sind eine enorme Leistung – man sieht es daran, dass Platz zwei von den Nationals und den Cubs geteilt wird mit jeweils glatt 50 Runs mehr. Mit den Los Angeles Angels (27-22) und mit Abstrichen den Oakland Athletics (25-24) hat die AL West zwei weitere konkurrenzfähige Teams, was die Division deutlich interessanter macht als im letzten Jahr.

Szene der Woche
Wie nah kann man einem Homerun kommen, ohne einen Homerun zu schlagen? Vermutlich nicht viel näher als Twins-2B Brian Dozier im gestrigen Spiel gegen die Tigers. Sein Leadoff-Hit im ersten Inning flog hoch über das Centerfield und viele Zuschauer hielten ihn ebenso wie Dozier selbst zunächst für einen Homerun. Doch der Ball traf auf das obere Ende der Outfield-Wand oder dort genau in eine Fuge der Polsterung, in welcher er stecken blieb. Auch wenn ihm in dieser Szene ein paar Zentimeter zum Glück fehlten, musste Dozier sich nicht lange ärgern, denn nach seinem Ground-Rule-Double brachte ihn ein Single von Eddie Rosario doch noch zur 1:0-Führung nach Hause. Am Ende gewannen allerdings die Tigers 4:1.

Statistik der Woche 
45. Das ist übrigens genau die gleiche Zahl wie letzte Woche, obwohl es dieses Mal um eine komplett andere Statistik geht. Nach 45 Spielen, darunter jedes bisherige Spiel der laufenden Saison, endete am Sonntag für Phillies-Outfielder Odubel Herrera die Serie von Partien, in denen er mindestens einmal auf Base kam. So jedenfalls die offizielle Lesart der MLB, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann: Bei seiner letzten Gelegenheit, während des 1:5 bei den Cardinals im neunten Inning die Strecke doch noch am Leben zu erhalten, erreichte Herrera nämlich durchaus die erste Base. Es war zwar ein Strikeout, doch Catcher Francisco Pena fing den Pitch von Jordan Hicks nicht und so durfte Herrera Richtung Base rennen und kam dort sicher an. Er kam somit regulär auf Base, für die Serie wird das aber nicht gewertet. Schade und meinen Augen nicht ganz fair. Übrigens kam Herrera in den drei zwischenzeitlichen Spielen ebenfalls immer auf Base, ohne die fragwürdige Regel stünde der Zähler nun also bei 49.

Spiel der Woche
Es war womöglich das Comeback des Jahres: Bis tief ins neunte Inning waren die Miami Marlins am Sonntag auf dem Weg, einen Sieg aus Atlanta zu entführen. 9:4 lagen die Marlins vorne und das 9:5 bei einem Sacrifice Fly von Ronald Acuna schien nur Ergebniskosmetik zu sein. Immerhin war das schon das zweite Out im letzten Durchgang und es fehlte nur ein weiteres, um den Deckel auf das Spiel zu machen. Doch dieses eine Out wollte einfach nicht gelingen. Closer Brad Ziegler musste weichen, nachdem er einen Walk und drei Singles zugelassen hatte, die Führung nur noch 9:7 betrug und mit einem Runner auf Base der Ausgleich am Schlag stand. Tayron Guerrero übernahm den Mound, aber nicht das Kommando: Kaum ein Pitch landete in der Strikezone und nach zwei Walks, einem Hit und keinem Aus besorgte Dansby Swanson mit seinem 2-RBI-Single den Walkoff-Sieg für die Braves.

Mein Einschalttipp
Wenn am Wochenende die New York Yankees und die Los Angeles Angels aufeinandertreffen, dann wird das schon deshalb interessant, weil es zwei gute und interessante Teams sind. Besondere Würze bringt aber das voraussichtliche Matchup am Sonntag, das als Showdown der beiden japanischen Pitcher Masahiro Tanaka (Yankees) und Shohei Ohtani (Angels) inszeniert wird. Tanaka war bis zu seinem Wechsel in die MLB 2014 der Superstar der japanischen Profiliga NPB, Ohtani sein Nachfolger als solcher, bevor es ihn vor dieser Saison ebenfalls nach Amerika zog. Ohtani erlebt bislang einen glänzenden Start in seine MLB-Karriere mit 3.35 ERA, 3.25 FIP und nebenbei hervorragenden Batting-Leistungen an den Tagen, an denen er als Pitcher pausiert. Tanaka (4.95 ERA, 4.82 FIP) hat bis dato ein eher schwaches Jahr und wird froh sein, dass er in der American League spielt, sodass Ohtani ihm wenigstens als Hitter erspart bleibt.

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Januar 25th, 2018 by Silversurger

Wenn schon die aktuellen Stars der MLB keine Schlagzeilen in Form von Free-Agent-Signings oder Trades machen, dann müssen zumindest die von früher dafür sorgen, dass es etwas zu berichten gibt: Gleich vier Spieler werden dieses Jahr nach Wahl durch die Baseball Writers‘ Asscociation of America (BBWA) neu in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Deutschlands erster MLB-Spieler Donald Lutz wird es dorthin vermutlich nicht schaffen, aber dafür steht er am Anfang einer hoffentlich erfolgreichen Trainerkarriere. Ein paar Roster-Moves in den Big Leagues gab es diese Woche natürlich auch, aber die großen Namen kamen darin erneut nicht vor. Selbst die Gerüchteküche köchelt auf sehr kleiner Flamme – lediglich von Yu Darvish und Lorenzo Cain liest man zurzeit vermehrt, dass ihre Entscheidungen, wo sie unterschreiben werden, kurz bevor stehen sollen.

Jones, Guerrero, Thome und Hoffman sind gewählt
Am 29. Juli 2018 wird die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse im Rahmen einer Zeremonie in Cooperstown offiziell in die Ruhmeshalle des Baseballs aufgenommen. Das ist zwar noch gut ein halbes Jahr hin, aber vergangene Nacht wurde bereits bekannt gegeben, welche Spieler die Wahlberechtigten der BBWA für die diesjährige Aufnahme auserkoren haben. Erst zum zweiten Mal seit 1955 gelang es vier Spielern auf einmal, die erforderliche 75%-Mehrheit zu erreichen.

Das beste Ergebnis erzielte gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit Larry „Chipper“ Jones mit 97,2%. Der Third Baseman hatte seine Karriere 2012 nach 19 Jahren in der MLB beendet. Er brachte es auf 2.726 Hits, 468 Homeruns und einen MVP-Titel in der National League. Als Switch-Hitter brachte er es auf Karriere-Averages von über .300 von beiden Seiten der Homeplate. Jones spielte nie für ein anderes Team als die Atlanta Braves, mit denen er 1995 die World Series gewann.

Vladimir Guerrero erhielt 92,9% der Stimmen und wird damit der dritte Spieler – und gleichzeitig der erste Batter – aus der Dominikanischen Republik sein, der Aufnahme in die Hall of Fame findet. Der Rightfielder und DH blickt zurück auf 16 Jahre in der MLB, die meisten davon mit den Montreal Expos und den Anaheim bzw. Los Angeles Angels. Mit einer Karriere-Slashline von .318/.379/.553 und 449 Homeruns ist der AL-MVP von 2009 ein würdiger Hall of Famer.

Das gleiche lässt sich über Jim Thome sagen, der mit 89,8% genau wie Jones gleich im erstmöglichen Jahr in die Hall of Fame gewählt wurde. Thome absolvierte bei sechs verschiedenen Teams 22 MLB-Jahre, gut die Hälfte davon für die Cleveland Indians. Da er als 1B und 3B ein eher unterdurchschnittlicher Fielder war, spielte der Power-Hitter vor allem in der zweiten Hälfte seiner Karriere oft als DH. Mit 612 Homeruns belegt er Platz acht in der ewigen Rangliste, was für sich allein schon Rechtfertigung genug für die Aufnahme in die Hall ist; er hat aber auch die siebtmeisten Walks (1.747) aller Zeiten und dadurch eine Karriere-On-Base-Percentage von über .400 erzielt.

Trevor Hoffman war 2017 noch der große Pechvogel, als ihm mit 74% nur 20 Stimmen zur Wahl im ersten Jahr fehlten. Dieses Jahr kam er auf 79,9% und somit klar über die Schwelle. Hoffman brachte es in 18 Jahren – mehr als 15 davon für die San Diego Padres – auf 601 Saves, einen nur von Mariano Rivera übertroffenen Wert. Er wird der fünfte Reliever in der Hall of Fame sein. Der sechste wird dann übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Rivera, der nächstes Jahr zum ersten Mal auf dem Stimmzettel stehen wird.

Neben Rivera dürfte Edgar Martinez als ein sicherer Tipp für die Wahl 2019 gelten. Er ist dann, nachdem er dieses Mal mit 70,4% erneut nicht den Sprung schaffte, zum zehnten und letzten Mal wählbar. In aller Regel sind die Stimmberechtigten im letzten Jahr der Wählbarkeit eines Spielers, der mehrfach nah dran war, großzügig.

Vierzehn ehemalige MLB-Spieler landeten im ersten Jahr ihrer Wählbarkeit unter der Schwelle von 5%, die ihnen eine zweite Chance im nächsten Jahr ermöglicht hätte. Der prominenteste davon ist Johan Santana. Santana pitchte nicht nur den einzigen No-Hitter in der Geschichte der New York Mets, er war mit einem ERA+ von 136 auch sonst ein sehr erfolgreicher Pitcher. Für die Kernzeit seiner Karriere von 2002 bis 2010 hatte er unter allen Startern, die in dieser Zeit mindestens 500 Innings pitchten, mit 2.89 den niedrigsten ERA. Es ist somit nicht übertrieben zu sagen, dass er der beste Pitcher seiner Generation war. Leider verkürzten Verletzungen seine Zeit in der MLB und trugen dazu bei, dass Santana auch heute nicht die Anerkennung zuteil wird, die er verdient hätte.

Giants verpflichten Austin Jackson
Die San Francisco Giants sind eines von vielleicht vier, fünf MLB-Teams, die an der Ereignisarmut dieser Offseason keine Mitschuld tragen. Eine Woche nach dem Trade für Andrew McCutchen haben die Giants nun in Austin Jackson einen weiteren Outfielder verpflichtet. Der 31-Jährige war zuletzt für die Cleveland Indians aktiv und füllte dort die Rolle eines Reserve- und Ergänzungsspielers aus, der besonders gegen linkshändiges Pitching gute Ergebnisse erzielte. Er wird in San Francisco wohl eine ähnliche Rolle spielen. Wenn die Giants nicht noch einen Centerfielder für jeden Tag verpflichten – jemanden wie Lorenzo Cain zum Beispiel –, dann dürfte ein Platoon aus Steve Duggar gegen Rechts- und Jackson gegen Linkshänder ein realistisches Szenario sein. Jackson erhält sechs Millionen Dollar für einen Zweijahresvertrag.

Randal Grichuk zu den Blue Jays 
Auch die Toronto Blue Jays arbeiten an ihrem Outfield. Letzte Woche verpflichteten sie schon den Veteranen Curtis Granderson, nun kommt nach einem Trade mit den St. Louis Cardinals noch Randal Grichuk hinzu. Der 26-Jährige war bei den Cardinals entbehrlich geworden, nachdem diese früher in der Offseason Marcell Ozuna von den Miami Marlins an Land gezogen hatten. Grichuk ist ein guter Defender, der alle drei Outfield-Positionen beherrscht, sowie ein Power-Hitter. Offensichtliche Probleme hat er bei der Plate-Disziplin: In jeder seiner bisher drei MLB-Saisons endeten rund 30% seiner At-Bats mit einem Strikeout und nur rund 6% mit einem Walk. Für Grichuk wurden Reliever Dominic Leone und Pitching-Prospect Conner Greene nach St. Louis geschickt.

Vier Reliever für die Diamondbacks
Die Arizona Diamondbacks versuchen offenbar, ihren Bullpen möglichst kostengünstig aufzurüsten: In den letzten Tagen statteten sie in Antonio Bastardo, Fernando Salas, Kris Medlen und Michael Blazek gleich vier MLB-erfahrene Reliever mit Minor-League-Verträgen aus. Wenn einer oder zwei davon es schaffen, ihre Karriere mit soliden Leistungen wiederzubeleben, dann haben die Diamondbacks ein gutes Geschäft gemacht.

Neuer Job für Donald Lutz
Der ganz große Durchbruch ist ihm als Spieler leider nie gelungen, dennoch hat Donald Lutz einen festen Platz in der Baseball-Geschichte als erster Deutscher, der es bis in die MLB schaffte. Zurzeit spielt der 28-Jährige sehr erfolgreich mit den Brisbane Bandits um die australische Meisterschaft, doch im Anschluss geht es zurück nach Amerika: Lutz steigt als Bench Coach bei den Arizona League Reds, einem Rookie-Farmteam der Cincinnati Reds, ein. Lutz war als Spieler von 2007 bis 2016 für die Reds aktiv gewesen und hatte für sie 2013 und 2014 insgesamt 62 MLB-Einsätze. Ich drücke ihm die Daumen, dass er auch als Coach Baseball-Geschichte schreibt.

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Januar 14th, 2017 by Silversurger

Am kommenden Mittwoch, dem 18. Januar, wird die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler dieses Jahr in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen werden.

Wahlberechtigt sind die Mitglieder der BBWA, sofern sie dieser seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder Wähler darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden.

Nach diesem Verfahren sind üblicherweise 25 bis 40 Spieler wählbar. In diesem Jahr sind es 34, die man hier aufgelistet findet. 19 davon sind zum ersten Mal im Pool, 14 zum zweiten bis zehnten Mal und einer – Lee Smith – sogar zum fünfzehnten Mal. Smith ist der letzte Spieler, der noch unter die alte Regel fällt, nach der man fünfzehn statt zehn Versuche hatte, die nötigen Stimmen zu bekommen.

Wer schafft es auf Anhieb? 
Anders als im letzten Jahr, als Ken Griffey Jr. mit dem Rekordergebnis von 99,32% beim ersten Versuch in die Hall gewählt wurde, gibt es dieses Mal keinen Spieler auf der Liste, dessen Wahl als sicher gilt. Berechtigte Hoffnungen dürfen sich Manny Ramirez, Vladimir Guerrero, Ivan Rodriguez und Jorge Posada machen.

Ramirez war einer der großen Hitter seiner Zeit (.312/.411/.585), ließ sich allerdings zweimal mit leistungssteigernden Drogen erwischen, was seine Chancen auf einen sofortigen Einzug in die Hall deutlich schmälern dürfte. Auch gegen „Pudge“ Rodriguez gab es Dopingvorwürfe, allerdings keinerlei Beweise und aus unbestätigten Gerüchten sollte man einem der offensiv wie defensiv besten Catcher aller Zeiten (mit unter anderem den meisten Spielen, den meisten Hits und den meisten Extra-Base-Hits sowie 13 Gold Gloves als Catcher) keinen Strick drehen. Er ist meinen Augen der aussichtsreichste Kandidat, im ersten Jahr gewählt zu werden. Guerrero könnte es ebenfalls schaffen. Er war ein großartiger Hitter, bekannt für seine Fähigkeit, auch nach schlechten Pitches zu schlagen und Basehits daraus zu produzieren. Als Fielder beging er einerseits viele Errors, hatte aber andererseits einen sehr starken rechten Arm. Ich bin sicher, Guerrero wird in die Hall of Fame kommen, vielleicht im ersten, spätestens aber im zweiten Jahr. Posada schließlich hat in 17 Jahren mit den Yankees vier World Series gewonnen und es mit einer Karriere-Slashline von .273/.374/.474 auf gute Zahlen gebracht; für so überragend, dass er zwangsläufig in die Hall of Fame gewählt wird, halte ich ihn aber nicht.

Wer kommt noch rein?
Hinter der aus Griffey Jr. und Mike Piazza bestehenden Hall-of-Fame-Klasse von 2016 verpassten Jeff Bagwell (71,6%), Tim Raines (69,8%) und Trevor Hoffman (67,3%) letztes Jahr nur knapp die Aufnahmeschwelle. Alle drei können guter Hoffnung sein, dass es dieses Mal klappt – in aller Regel wird man mit solchen Zustimmungswerten im Folgejahr gewählt.

Hinter den drei Genannten landete 2016 mit Curt Schilling (52,3%), Roger Clemens (45,2%) und Barry Bonds (44,3%) ein Trio großer Namen, deren Chancen auf eine der begehrten Plaketten in Cooperstown nur mittelmäßig sind. Vor allem Clemens und Bonds spalten die Gemüter – beide gehören unzweifelhaft zu den besten MLB-Spielern aller Zeiten, beide sind aber auch bekannte Dopingsünder. In welchem Ausmaß sind die Karriereleistungen der Beiden auf verbotene Substanzen zurückzuführen? Und welche Rolle soll bei der Wahl die charakterliche Einwandfreiheit der Kandidaten spielen? Vor diesen Fragen stehen die BBWA-Mitglieder in Bezug auf Bonds und Clemens nun zum fünften Mal. Der Ausgang ist offen, wenngleich sich die Anzeichen mehren, dass der Widerstand gegen ihre Aufnahme bröckelt und sie dieses Mal wohl zumindest näher an die 75% herankommen als in den Jahren davor. Wenn es nach mir ginge: Ich würde sie in die Hall of Fame aufnehmen, das Dopingthema aber nicht verschämt unter den Tisch kehren, sondern durch entsprechende Darstellung im Museum eine offensive Auseinandersetzung damit befördern.

Um eine konkrete Prognose zu wagen: Ich tippe, dass die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse aus Rodriguez, Guerrero, Bagwell, Raines und Hoffman bestehen wird. Bonds und Clemens bleiben dieses Mal noch draußen, sind aber nächstes Jahr dabei.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es übrigens noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Eras Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Für die Aufnahme in diesem Jahr haben die Committees bereits während der Winter Meetings im Dezember die beiden Funktionäre John Schuerholz (Präsident der Atlanta Braves) und Bud Selig (ehemaliger Commissioner der MLB) gewählt.

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